28. September 2016

Punkteteilung im Pott

Nach über sechs Jahren ging es mal wieder um Punkte im Bochumer Ruhrstadion. Ich wünschte mir schon lang dieses Aufeinandertreffen zurück, jedoch liebäugelte ich in meiner Sehnsucht doch eher mit einem Bundesligaduell.

Bochum ist eines meiner absoluten Lieblings-Auswärtsspiele und das nicht nur wegen der unvergesslichen Szenen 2007, dem 2:3-Sieg, der das Tor zur Meisterschaft so weit aufstieß. Bochum ist auch unabhängig davon immer eine Reise wert.

Das Stadion ist megageil, man ist nah dran wie fast nirgends, es ist recht zentral in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese gelegen, genügend Gastronomiebetriebe befinden sich fußläufig vom Stadion erreichbar und zu guter Letzt pflegen die Fans des VfL Bochum eine große Rivalität vor allem zu Schalke 04 und dem einstigen Lokalrivalen Wattenscheid 09, jedoch nicht zum VfB.

Dadurch lässt es sich im Stadionumfeld, auch in den einschlägigen Fankneipen, gut verweilen und zusammen über das Spiel schwadronieren. Fußball, wie er sein muss, wie ich ihn noch lieben gelernt habe, alles eben ein wenig Oldschool.

Beim letzten Aufeinandertreffen vor gut zwei Jahren schied der VfB in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen einen bissigeren VfL aus. Es war der Fehlstart unter Armin Veh, der, wie man heute weiß, bereits ein Fingerzeig auf eine miserable Saison war.

Besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist mir dabei ein Tor, welches Oriel Romeu (in seinem ersten Pflichtspiel für den VfB) und Sven Ulreich in Co-Produktion verschuldeten und dass Simon Terodde beide Tore für den VfL erzielte. Die Erstgenannten sind zum Glück nicht mehr da, der Letztgenannte, ist, auch zum Glück, inzwischen beim VfB gelandet.

Damals fuhren wir mit dem RWS-Bus hin und nach dem Spiel gleich wieder zurück. Da es jedoch nicht schadet, wie oben beschrieben, Zeit für das Vor- und Nachglühen einzuplanen, ergab sich eine Männertour mit Aufenthalt im Bermuda-Dreieck, DEM Kneipenviertel Bochums, und anschließend zwei Nächten in Köln. Einzelheiten unseres Wochenende erspare ich mir an dieser Stelle, nur eines, es war GEIL!

Wie bei jedem unserer bisherigen Spiele in Pokal und Liga in dieser Saison bestellte ich mir mein Ticket direkt beim Heimverein. Dieses Mal verschlug es mich auf die Haupttribüne, Reihe 4, mit bester Sicht aufs Spielfeld und die beiden Fanblöcke. Da im Anschluss an das Spiel noch eine Kneipentour und die Rückfahrt nach Köln an stand, war ich nur mit meiner Kompaktkamera unterwegs, die leicht in der Jackentasche zu verstauen ist. Es ist zwar irgendwie ärgerlich, wenn man sich schon eine Haupttribünenkarte leistet, dass vor allem bei einsetzender Dunkelheit recht große Qualitätseinbußen im Vergleich zur „Großen“ hingenommen werden müssen, aber, da siegt dann doch die Vernunft und die Bequemlichkeit, abends und nachts nicht noch auf die Fototasche aufpassen zu müssen.

Nach der turbulenten englischen Woche inklusive Luhukay-Rücktritt und Wolf-Vorstellung wusste ich nicht so recht, was man von dem Spiel erwarten konnte.

Für mich war die Inthronisierung Wolfs zwei Tage vor dem Bochum-Spiel hirnrissig. Begründet wurde dies damit, dass die Personalie bekannt wurde, bevor die beiden Parteien sie eigentlich verkünden wollten. So steckte der VfB ohne Frage in der Zwickmühle. Macht man mit Janßen noch das eine Spiel weiter, in der Hoffnung, dass er seine Erfolgsserie fortsetzen kann oder würde die Mannschaft die letzten Prozentpunkte Konzentration vermissen lassen, wenn sie weiß, dass es ohnehin Janßens letztes Spiel ist? Ich hätte es riskiert. Die offizielle Sprachregelung lautet zwar, auch Wolf habe seinen Dienst sofort antreten wollen und nicht erst nach dem Spiel, aber, wäre Fürth sein erstes Spiel gewesen, hätte er dies vermutlich (offiziell) auch so „gewollt“.

Ihm tat man meiner Meinung nach keinen Gefallen, lief man doch bewusst Gefahr, dass er einen Fehlstart hinlegen könnte, für den er noch überhaupt nichts gekonnt hätte. Der Mittwoch nach dem Braunschweig-Spiel war Regenerationstag, der Donnerstag Reise- und der Freitag Spieltag. Zu wenig Zeit also, um die Mannschaft nach seinen Vorstellungen auszurichten und Korrekturen vornehmen zu können. Daher war es keine Überraschung, dass Wolf auf das Korsett vertraute, das zuletzt unter Janßen erfolgreich war. Lediglich Kevin Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause sukzessive mehr Einsatzzeiten bekommt, ersetzte den einzigen Schwachpunkt gegen Braunschweig, Berkay Özcan.

Apropos Kevin Großkreutz: derzeit ist er mal wieder in den Schlagzeilen, weil er bei der fiktiven Facebook-Veranstaltung „Abstiegsfeier des FC Schalke 04“ seine Teilnahme „zugesagt“ hat. Das Medien-Echo ist enorm und so gut wie jeder einschlägigen Sportseite einen Bericht wert.

Jan Schindelmeiser meinte in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vor knapp vier Wochen „Kevin muss wissen, dass er mit seinen Postings immer auch den Verein repräsentiert. Wenn er die Interessen des Vereins verletzt, dann werden wir reagieren.“, was einige Medien so interpretierten, dass Großkreutz beim VfB angezählt sei.

Dass dem nicht so ist, lässt sich schon aus dem Originalzitat herauslesen, dass aber die Medien permanent versuchen aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen und noch mehr Unruhe in einen ohnehin schon unruhigen Verein hineinzutragen, ist der Zahn der Zeit.

Daher finde ich solche Posts zwar nach wie vor nicht schlimm, aber, auch überhaupt nicht mehr lustig. Als gerade abgestiegener VfB-Profi, der eben erst nach langer Verletzungspause zurückgekehrt ist, täte er gut daran, zunächst einmal auf dem Platz zu liefern und dann erst große Töne zu spucken, wenn wir unangefochtener Tabellenführer sind.

Bei Großkreutz verwundert mich immer wieder die Diskrepanz zwischen seinen großmäuligen Posts und seinem schmallippigen, fast schüchternen, Auftreten, wenn man seinen Umgang mit den Fans im Training und im Trainingslager erlebt.

Ich sehe es ja positiv, wenn sich ein Spieler an seine Fans wendet und als einer den Ultras naher Spieler Botschaften für den Fußball und gegen Retorten in die mediale Welt hinaus sendet, aber, eben alles zu seiner Zeit. Als VfB-Fan tangiert mich seine Abneigung gegen „die Blauen“ ohnehin nicht, Spitzen in Richtung Gelsenkirchen kann er sich völlig sparen, solang er VfB-Profi ist.

Im Grunde ist mir ein Spieler wie Großkreutz, der eine eigene Meinung hat und sich durch derartige Postings selbst unter Druck setzt, lieber als ein stromlinienförmiger Allerweltsprofi, der in jedem Interview dieselben Phrasen drischt, nur, um allen gerecht zu werden und ja nicht anzuecken, aber, wie gesagt, alles zu seiner Zeit.

Aber, zurück zum Spiel: Gegen den zu Hause noch ungeschlagenen VfL kam der VfB nur schwer in die Gänge. Bochum war optisch überlegen und spielte für Zweitligaverhältnisse einen technisch versierten Ball. Dennoch hätte der VfB in der 12. Minute mit etwas Glück einen Elfmeter zugesprochen bekommen können, wenn sich Terodde fallen lassen und nicht unbedingt das Tor erzielen wollen hätte. Nach den bisherigen Spielen hat man fast den Eindruck, dass man die fehlende Lobby bei den Schiedsrichtern von der Bundesliga in die 2. Liga hinüber „gerettet“ hätte. Ansonsten neutralisierten sich beide Teams in der ersten Halbzeit weitestgehend, so dass große Chancen auf beiden Seiten ausblieben.

Wer hoffte, dass Wolfs Halbzeitansprache gefruchtet hätte, wurde enttäuscht. Die Bochumer kamen bissiger aus der Kabine und drängten den VfB in dessen Hälfte. Das 0:1 durch Gentner fiel daher aus heiterem Himmel mit der ersten Torchance in der zweiten Halbzeit und war mehr als schmeichelhaft.

Die Bochumer benötigten einige Zeit, um sich vom Rückstand zu erholen, ehe sie zur Schlussoffensive bliesen. Nachdem der VfB mal wieder lang genug drum gebettelt hat, war es zehn Minuten vor Schluss (endlich) so weit, Joker Wurtz traf zum Ausgleich. Danach drängte der VfL mit aller Macht auf den Siegtreffer, scheiterte letztlich aber am starken Mitch Langerak, der den Punkt am Ende festhielt.

Was ist dieser Punkt am Ende wert? Noch trauere ich eher der vergebenen Führung hinterher und dass es der VfB nicht schaffte, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Ausgenommen St. Pauli zum Saisonauftakt hatte der VfB in nahezu jedem Spiel gegen Ende konditionelle Defizite und geriet stets richtig unter Druck.

Das dürfte auch Hannes Wolf nicht entgangen sein, die ersten Trainingseinheiten in der laufenden Woche sehen schwer nach Kraft- und Konditionstraining aus. Da kommt man unweigerlich zu der Vermutung, Luhukay habe schon früh die Lust und den Glauben daran verloren, dass die Beziehung Luhukay-VfB zu einem glücklichen Ende kommt, was eine Mannschaft natürlich spürt und dadurch den letzten Ticken Biss vermissen lässt.

Aus der englischen Woche kommt der VfB also mit sieben Punkte heraus, was im Grunde und in Anbetracht der Turbulenzen aller Ehren wert ist. Da man aber schon in Düsseldorf und gegen Heidenheim unnötig wichtige Punkte legen gelassen hat, ist der Druck inzwischen da, auch mal ein Spiel wie das in Bochum über die Zeit zu bringen.

Braunschweig, der unangefochtene Tabellenführer, hat bereits fünf Punkte Vorsprung auf den VfB, und erweckt nicht den Eindruck, in naher Zukunft einzubrechen und auch andere Aufstiegsfavoriten wie Union Berlin und Hannover 96 kommen langsam ins Rollen. Die drei Erstplatzierten machen derzeit einen gefestigteren Eindruck als der VfB und sind eingespielt, was man vom VfB nicht gerade behaupten kann. Nach wie vor ist das ganze Konstrukt auf Zufall aufgebaut und hat mit einem ausgeklügelten System wenig zu tun.

Auf Hannes Wolf wartet eine Herkulesaufgabe beim VfB. Zum einen schweben Horrorszenarien im Raum, die den VfB bereits als ewigen Zweitligisten sehen, sollte der sofortige Wiederaufstieg verpasst werden. Zum anderen muss der komplette VfB inklusive Philosophie und Spielidee komplett auf links gedreht werden und das mitten in der Saison.

Die Mannschaft muss sich nicht nur neu finden und auf ein neues Spielsystem einstellen, am 9. Oktober steht zudem noch die Mitgliederversammlung an.
Aus dieser wird (wohl) zumindest mal der neue Präsident hervorgehen, ob es ferner ein „Stühle rücken“ in Aufsichtsrat und/ oder Vorstand geben wird, wird man sehen.

Es dürfte eine hitzige Veranstaltung werden, in der alle Verantwortungsträger des letzten Jahres ihr Fett abbekommen werden. Wie Aufsichtsrat Porth bei Sport im Dritten weismachen wollte, dass im Aufsichtsrat viele personelle Wechsel stattgefunden hätten, und dieser daher nicht voll zur Verantwortung gezogen werden könne, so ist es ja nicht.

Der Aufsichtsrat in dieser Zusammensetzung und der Vorstand (mit Ausnahme von Jan Schindelmeiser) in dieser Zusammensetzung sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir abgestiegen sind.

Der Vorstand, ob Heim oder Röttgermann ist mir entfallen, räumte auf der Veranstaltung #vfbimdialog erstmals öffentlich ein, dass man in der letzten Saison nach dem Augsburg-Spiel noch einmal reagieren hätte müssen. Jedem war das damals klar und trotzdem ist man sehenden Auges in den Abstieg getaumelt.

Aufsichtsrat und Vorstand zeichnen auch für die vorschnelle Verpflichtung Luhukays verantwortlich, was uns im schlimmsten Fall den direkten Wiederaufstieg schon jetzt gekostet haben könnte, weil die Vorbereitung (möglicherweise auch der eine oder andere Transfer) unter Luhukay damit für die Katz war.

Wollte Luhukay das Unternehmen Wiederaufstieg in erster Linie mit alten Weggefährten schaffen und nicht allzu viel Zeit mit der Integration neuer (nicht deutscher) Akteure „verschwenden“, kommt Wolf aus dem Jugendfußball und propagiert einen modernen, forschen Stil.

Wollte Luhukay in den Spielen kontrolliert agieren, was bis dato eher langweilig und nicht zielführend aussah, sieht die Spielidee Wolfs vor, den Gegner über den Platz zu jagen, Bälle zu erobern und so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen.

Sein Mentor heißt schließlich Jürgen Klopp, von ihm hat er sich in den letzten Jahren einiges abgeschaut. Wolf steht für schnellen, emotionalen Fußball mit hoher Laufintensität. Da versteht es sich von selbst, dass den Spielern viel abverlangt wird und die Jungs bei höchster körperlicher Anstrengung geistig frisch bleiben und auf dem Platz die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Ob das mit dieser Truppe möglich ist? Auch wenn uns inzwischen einige „alte“ verlassen haben, noch sind genügend Spieler da, denen auch Zornigers Fußball zu hoch war, weil es einigen im Kopf fehlt.

Wolf benötigt für die Umsetzung seiner Vorhaben die richtigen Spieler und eine komplette Vorbereitung, um Automatismen einzustudieren. Mein großer Wunsch ist es ja, Spielformen, die ich im Trainingslager sah, wenigstens einmal auf dem Platz umgesetzt zu sehen. Bisher war das Wunschdenken, eher das Gegenteil war der Fall. In den ersten Pflichtspielen sah es oft so aus, als hätten die Jungs noch nie im Leben zusammengespielt. Nächste Chance, Wintertrainingslager!

Bis zum Winter muss Wolf unweigerlich improvisieren und darf die Spieler mit seinen Vorstellungen nicht überfordern, ob ihm das gelingt, ist eine spannende Frage für mich. Während des Spielbetriebs hat er die Zeit nicht, etwas zu entwickeln, sollten die Ergebnisse nicht stimmen. Daher steht er bereits zu Beginn seiner Amtszeit gewaltig unter Druck, die Mannschaft in der Spur zu halten und gleichzeitig zu verbessern.

Mit der SpVgg Greuther Fürth stellt sich am Tag der Deutschen Einheit das nächste Team mit Ambitionen in Richtung Aufstieg vor. Wie sich eine Niederlage gegen die Kleeblätter anfühlt, musste man im einzigen Bundesligajahr der Mittelfranken erfahren.

Am 32. Spieltag der Saison 2012/2013 setzte es gegen den bereits feststehenden Absteiger eine blamable 0:2-Heimniederlage. Die Fürther sind selbst noch in der Findungsphase und dadurch ein schwer ausrechenbarer Gegner. Dem Auswärtssieg beim (großen) Frankenderby folgte ein ernüchterndes Remis zu Hause gegen den SV Sandhausen. Auf die leichte Schulter darf der VfB ohnehin KEINEN Gegner nehmen, auch nicht in der 2. Liga, das müsste inzwischen auch beim letzten selbsternannten Star der Truppe angekommen sein.

Ein Skandal im Zusammenhang dieses Montagspiels ist, dass die Abstellungsperiode für die Nationalspieler bereits morgens am Spieltag beginnt. Die Österreicher haben schon verlauten lassen, dass sie auf das pünktliche Eintreffen von Florian Klein pochen werden, was ich jedoch eher positiv sehe.

Seine Aussagen nach dem Abstieg und sein (unglaubwürdiges) Zurückrudern bei seinem Trainingsauftakt haben Spuren hinterlassen, so dass ich ihn am liebsten nicht mehr in unserem Trikot sehen würde.
Aussagen, dass Klein keiner sei, der einfach davon laufe, wie sein Berater Hagmayr damals erklärte und „Er wird seine ganze Kraft einsetzen, um mitzuhelfen, dass die Mannschaft den Wiederaufstieg in die Bundesliga schafft“ heißt für mich vom österreichischen ins deutsche übersetzt „mir bezahlt keiner so viel wie der VfB, also sitze ich lieber meinen Vertrag ab“.

So schlägt gegen Fürth die Zeit für Großkreutz/ Zimmer, die Kleins Absenz vergessen machen werden. Sollten andere Nationalverbände, wie bspw. der der Japaner ebenso stur sein, könnte der VfB aber ein personelles Problem bekommen.

Auch hier wird wieder deutlich, welchen Stellenwert ein fairer Wettbewerb gegenüber den Interessen der Fernsehanstalten hat. Dass die DFL in der bekannten Konstellation auf das Montagsspiel an diesem Spieltag nicht ganz verzichtet hat, dafür habe ich kein Verständnis.

Da noch nicht bekannt ist, wer von seinem Land schon vor dem Fürth-Spiel abgezogen wird, macht es auch keinen Sinn, jetzt bereits über eventuelle personelle Wechsel zu schwadronieren.

Benjamin Pavard beispielsweise scharrt bereits mit den Hufen und wäre eine echte Alternative für Toni Sunjic, der einem starken Auftritt gegen Braunschweig einen grottenschlechten in Bochum folgen ließ. Er offenbarte einmal mehr, dass er nicht einmal dem Tempo in der zweiten Liga gewachsen ist, so dass er es unter Wolf in Zukunft schwer haben dürfte.

Auch die Zeit von Carlos Mané dürfte langsam kommen und, DIE positive Nachricht in diesen Tagen, Daniel Ginczek ist nach fast einjähriger Leidenszeit wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und könnte bereits nach der Länderspielpause beginnen, um Einsatzzeiten zu buhlen.

Egal, wer auf dem Platz steht, der Rasen muss brennen. Das Stadion dürfte einmal mehr sehr gut gefüllt, die Fans bis in die Haarspitzen motiviert sein. Feiertag, laut Wetterprognose bestes Frühherbstwetter und schließlich noch das Volksfest nebenan.

Der VfB muss einfach gewinnen, um Ruhe während der Länderspielpause zu haben und Selbstvertrauen zu tanken. Der Oktober hat es nämlich in sich, geht es doch nach Dresden, zu Hause gegen die wiedererstarkten Münchner Löwen, zum Pokalspiel nach Mönchengladbach und zum Derby in den Wildpark.

In diesen Wochen hat der VfB viel zu gewinnen, aber noch mehr zu verlieren, daher gilt es gegen Fürth an das starke Heimspiel gegen Braunschweig anzuknüpfen und sich mit einem guten Ergebnis in die Pause zu verabschieden.

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22. September 2016

Danke, Olaf Janßen, willkommen Hannes Wolf!

Zwei Spiele, sechs Punkte, 3:0 Tore. So die makellose Bilanz des wohl der Statistik nach erfolgreichsten Trainers der VfB-Vereinsgeschichte. Ich hätte dieser Interimslösung gerne mehr Zeit und auch die Chance eingeräumt, sich als Dauerlösung zu empfehlen.

Dass man Kramny im Vorjahr zu schnell zum Chef ernannt hat, ist inzwischen wohl jedem klar. Viele lehnten eine neuerliche interne (Billig)-Lösung schon deshalb ab, weil es mit Kramny schief gegangen ist, wobei es auch Gegenbeispiele gibt, sogar beim VfB.

Mit einer funktionierenden Interimslösung von Spiel zu Spiel zu denken, bevor man „irgendwen“ holt, der nicht bei drei auf dem Baum ist, damit hätte ich gut leben können.

So verfuhr Mayer-Vorfelder 1996 mit Jogi Löw, nachdem Rolf Fringer kurz vor Saisonstart den Verein verließ und Schweizer Nationaltrainer wurde. Assistent Joachim Löw übernahm, den MV aufgrund seiner Unerfahrenheit und weil er eher stiller Analytiker denn Lautsprecher war, schon nicht als Dauerlösung sah.

Nach den Kumpel-Typen Jürgen Röber und Rolf Fringer und durchwachsenen Jahren seit der Meisterschaft 1992, sah MV eher einen Feldherrn für die Truppe um Berthold, Foda, Haber, Poschner & Co. vor, der der unumstrittene Chef sein und sich von den zahlreichen Alphatieren nicht auf der Nase herumtanzen lassen sollte.

Erst nach einer beispiellosen Siegesserie und begeisterndem Fußball, das magische Dreieck war geboren, kam MV nicht mehr umhin, Löw nach dem 6. Spieltag offiziell zum Cheftrainer zu ernennen. Auch wenn just am Tag der Verkündung das Heimspiel gegen den krassen Außenseiter Fortuna Düsseldorf mit 0:2 verloren ging, bleibt die Ära Löw und die des magischen Dreiecks, gekrönt vom Pokalsieg und dem Finale im Pokal der Pokalsieger gegen Chelsea in Stockholm, als eine der fußballerisch besten Zeiten vom VfB in bester Erinnerung.

Vor Jahresfrist erst gab André Schubert nach dem Rücktritt von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach die Interimslösung. Wie Jan Schindelmeiser beteuerte auch Max Eberl stets, dass diese Lösung nur eine vorübergehende sei, mit dem Ausgang, dass Schubert heute noch auf der Trainerbank der Borussia sitzt.

Es kommt immer darauf an, welches Standing der „Co“ und sein Team bei den Spielern schon vorher hatte und noch hat. Galt er als Spitzel des bisherigen Chefs oder war er eher der Kumpel von den Spielern, bei dem sie sich auch schon einmal ausweinen konnten. Bei Letzterem ist die Motivation der Mannschaft durchaus die, dass sie dem „Co“ helfen werden und eine womöglich für sich selbst schlechtere Lösung dadurch verhindern können. Daher nicht unbedingt die schlechteste Variante, erst einmal abzuwarten, bevor man mit einem Schnellschuss einen Trainer verpflichtet, nur weil der gerade verfügbar ist, und der dann womöglich nicht zum Verein und zur Mannschaft passt.

Diesen „Jemand“ hat Schindelmeiser nicht geholt, vielmehr hat er einen der vielversprechendsten Nachwuchstrainer Deutschlands von Borussia Dortmund losgeeist. Mit dieser Lösung hat wohl niemand gerechnet, so dass man Schindelmeiser hier schon allein deshalb loben kann, weil bis zuletzt nichts nach außen gedrungen ist und weil hinter dieser Verpflichtung ein Plan steckt. Eigentlich nicht noch extra erwähnenswert, beim VfB jedoch schon.

So rücken Olaf Janßen, Heiko Gerber und Andi Hinkel wieder zurück ins zweite Glied. Mich würde sehr interessieren, ob Janßen sich grundsätzlich vom Cheftrainer-Dasein losgesagt hat und sich in der Spielbeobachtung besser aufgehoben sieht, oder ob es ihn nicht doch gereizt hätte, diesen Posten auch länger auszufüllen. Ich wünsche mir, dass dieses Dreigespann vom Verein nicht billig abserviert wird, sondern für jeden ein Platz gefunden wird, wo er sich gut aufgehoben fühlt und man sich an sie auch erinnert, wenn Posten auf der nächsthöheren Stufe vakant sind. Gerade Andy Hinkel hat man schon einmal abserviert, ich wünsche mir, dass mit ihm so nicht noch ein zweites Mal umgesprungen wird. Aber, auch da habe ich bei Jan Schindelmeiser ein gutes Gefühl, er weiß das Potential derer, die allein weil sie beliebte VfB-Ikonen der Vergangenheit sind, wichtiges Kapital darstellen, zu schätzen und wird sie hoffentlich nicht so vergraulen wie seine Vorgänger.

Dem 35-jährigen Hannes Wolf eilt der Ruf eines Erfolgscoachs voraus, weil er in den letzten Jahren zwei Mal Deutscher Meister mit den U17-Junioren und zuletzt Meister mit den U19-Junioren wurde.
Der VfB geht damit einen neuen Weg und bietet Wolf, dessen großer Mentor kein geringerer als Jürgen Klopp ist und den viele beim BVB schon als logischen Tuchel-Nachfolger gesehen haben, die große Chance sich einen Namen im Profifußball zu machen.

Dass der BVB Wolf ablösefrei zum VfB wechseln ist, rechnet Schindelmeiser dem BVB hoch an. Was genau dahinter steckt weiß man natürlich nicht. Ich glaube kaum, dass der BVB froh ist, ihn losgeworden zu sein, so möchte ich es positiv sehen, dass der BVB Wolf diese Chance aus Dankbarkeit nicht verbauen wollte und dies vor allem nicht daran scheitern sollte, dass ein klammer Zweitligist wie der VfB eine etwaige Ablöseforderung nicht zu zahlen bereit gewesen wäre. Für den BVB wären dies ohnehin Peanuts gewesen!

Für den VfB ist die Verpflichtung Wolfs Risiko und Chance zugleich. Da dieser Schuss sitzen muss und es sich der Verein nicht erlauben kann, in dieser Saison nicht aufzusteigen, wird Wolf vom ersten Tag an Ergebnisse liefern müssen. Deshalb tut er gut daran, auf dem Fundament, das Olaf Janßen und sein Team inzwischen gesetzt haben, aufzubauen und Dinge peu à peu zu ändern, statt zu schnell zu viel zu wollen. Es ist höchst bedauerlich, dass man mit Wolf nicht schon die Saisonvorbereitung bestreiten konnte, so dass er jetzt zunächst einmal mit dem zurecht kommen muss, was schon vorhanden ist und erst im Wintertrainingslager und ggf. der Wintertransferperiode damit beginnen kann, sich „sein“ Team aufzubauen.

Ein Risiko besteht außerdem darin, wie durchsetzungsfähig er gegen die abgewichste Spezies Fußball-Profis sein wird und ob er es schafft, fast gleichaltrige Profis wie Christian Gentner von neuen Methoden und neuen Spielsystemen zu überzeugen und wie konsequent er ihnen gegenüber wäre, würde sich der eine oder andere verweigern.

Wie der VfB den Tabellenführer über weite Strecken dominiert hat und wie man bei diesem Spiel sah, dass sich die Mannschaft langsam aber sicher findet und die zweite Liga auch mental annimmt, sollte es möglich sein in dieser Liga ohne echte Übermannschaften Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu halten und trotzdem „nebenher“ etwas zu entwickeln.

Sollten die Ergebnisse jedoch nicht stimmen und die Aufstiegsplätze fürs erste außer Reichweite geraten, dürfte es auch für Wolf ungemütlich werden. Vor einem Jahr mit Zorniger standen wir schon einmal vor einem Neuanfang und mussten erleben, wie wenig Zeit einem im Bundesliga-Business noch eingeräumt wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben. In der 2. Liga hat es Wolf aber sicherlich leichter als Zorniger vor einem Jahr in der Bundesliga, so dass ich hoffnungsvoll bin, dass diese Verpflichtung sitzt.

Wolf ist eine spannende Personalie, gilt er doch als großes Trainertalent und wird in diesem Zusammenhang in einem Atemzug mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel genannt. Gerade bezüglich unserer Vereinsphilosophie, die künftig auch in der Satzung verankert ist, dass es Vereinsziel ist und bleiben muss, dem Nachwuchs das Vertrauen zu schenken und Talente zu fördern, ist das eine sehr gute und auch nachvollziehbar Entscheidung. Wolf kann offensichtlich mit jungen Spielern umgehen, sie fördern und kennt die Stars von morgen heute schon, so dass ich meine, dass uns eine spannende Zeit bevorstehen könnte. Er soll zudem sehr kommunikativ sein und eine überragende Ansprache haben, hat analytische Fähigkeiten, kurz um, die Vorschusslorbeeren sind gewaltig.

Ein Twitter-User warf gestern bereits in den Raum, „Heldt, Bobic und Dutt googeln den Namen Hannes Wolf noch“ und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf. Diese kreative, wenngleich überraschende Lösung auf der Trainerposition, spricht für Jan Schindelmeiser und sein Team. Chapeau!

Am Mittwoch übergab also Olaf Janßen den Stab an Hannes Wolf und hinterlässt ihm ein zuletzt intaktes, gefestigtes Team. Mit der, wie ich finde, besten Saisonleistung, bezwang der VfB den bis dahin noch verlustpunktfreien Tabellenführer Eintracht Braunschweig verdient mit 2:0. Waren es gegen Lautern noch 45 gute Minuten, hatte man die Braunschweiger nun schon insgesamt über mindestens 60 Minuten lang sehr gut im Griff. Lediglich direkt nach Wiederanpfiff und in der Schlussviertelstunde spielte Braunschweig Powerplay und der VfB konnte sich beim glänzend aufgelegten Mitch Langerak bedanken, dass es nicht noch einmal eng wurde.

Ansonsten spielte man weitestgehend souverän und lud den Gegner dieses Mal nicht durch individuelle Schnitzer zu Großchancen ein. Es war eine meist konzentrierte Darbietung einer Mannschaft, der man anmerkte, dass sie wollte. Mehr Potential, als sie gestern gezeigt hat, hat sie mit Sicherheit, dieses muss Hannes Wolf nun herauskitzeln. In Anbetracht der turbulenten Wochen auf dem Wasen und der Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt und unaufgeregt geschafft wird, waren die beiden Spiele zuletzt mehr als ordentlich, vor allem weil man sie ohne Gegentor nach Hause brachte. Großen Anteil daran hat Timo Baumgartl, der sich einfügte, als wäre er nie weg gewesen. An dessen Seite lief sogar Toni Sunjic, nicht nur wegen seines Tores, zu Hochform auf und machte wohl sein bislang bestes Spiel im VfB-Dress.
Olaf Janßen hat es in wenigen Tagen geschafft, eine Einheit zu formen, in der einer für den anderen da ist. Gegen Braunschweig stimmte der Einsatz, man spürte den Willen und man merkte, dass ein Plan dahinter steckte. Einziges Manko war für mich, das immer noch langsame, statische Spiel, mit dem es schwer war, Überraschungsmomente zu kreieren. Zeitweise verfiel das Team in das alte Strickmuster, den knappen 1:0-Vorsprung verwalten zu wollen, anstatt vehementer auf das 2:0 zu drängen. Jedoch, das muss man ihnen zu Gute halten, spielte man auch gegen den Tabellenführer, ein eingespieltes Team, das es im bisherigen Saisonverlauf schaffte, gegnerische Fehler gnadenlos auszunutzen und nach Ballgewinnen blitzschnell vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Dies unterband der VfB über weite Strecken bravourös.

Bezüglich des Tempos hat Wolf, der für schnellen Fußball steht, schon einmal einige Ansatzpunkte. Man darf gespannt sein, welcher der bisherigen Platzhirsche schon allein deswegen aus dem Raster fällt.
Bereits nach dem Lautern-Spiel lobte ich das Coaching von Olaf Janßen. Auch gestern fiel positiv auf, dass er ständig auf Achse war, dirigierte, Emotionen zeigte, in ständiger Kommunikation mit dem Vierten Offiziellen war, und, wenn sich die Gelegenheit bot, einen Spieler zum Einzelgespräch zur Bank zitierte.

Auch mit seinen Einwechslungen lag er für mich, sowohl in der Sache als auch was den Zeitpunkt betraf, goldrichtig. Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause nach wie vor behutsam herangeführt wird, sollte für Belebung sorgen und kam für den schwächsten Mann in Reihen des VfB, Berkay Özcan. Gerade einmal vier Minuten im Spiel erlöste Großkreutz große Teile der 36.800 anwesenden Zuschauer mit dem vorentscheidenden 2:0.

Ein unwiderstehlicher Sprint des Japaners Takuma Asano über die rechte Seite, dessen Hereingabe Christian Gentner noch verpasste, weil er gedanklich nicht auf der Höhe war, der Ball mit Glück aber zu Asano zurück kam, dieser suchte sich nun lieber Kevin Großkreutz als Abnehmer aus, welcher mit sehenswertem Schlenzer zum 2:0 einnetzte.

Auch der Wechsel Zimmer für den müde wirkenden Asano gut zwanzig Minuten vor dem Ende machte Sinn, um den nun beruhigenden Vorsprung über die Zeit zu bringen. Kumbela hätte zehn Minuten vor Schluss noch einmal für Spannung sorgen können, wenn Mitch Langerak zwischen den Pfosten nicht so herausragend reagiert hätte.

Am Ende stand ein hochverdienter Sieg und erstmals in dieser Saison der direkte Aufstiegsplatz 2. So kann es weiter gehen, so muss es weiter gehen, darauf lässt sich für Hannes Wolf aufbauen.

Ob der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels quasi während des Spiels gegen Braunschweig und die Installation eines neuen Trainers mitten in der englischen Woche glücklich war, wissen wir nach dem Spiel gegen Bochum. Im Bochumer Ruhrstadion verloren wir zuletzt bei Vehs Pflichtspieldebüt 2014 im DFB-Pokal durch zwei Terodde-Tore. Terodde läuft inzwischen im VfB-Trikot auf und wird heiß darauf sein, im dritten Auswärtsspiel in Folge zu treffen, wo es zuhause bisher noch nicht geklappt hat. Bei Spielen mit Bochumer Beteiligung ist hoher Unterhaltungswert garantiert, exemplarisch hierfür steht das letzte Heimspiel, das der VfL mit 5:4 gegen den 1. FC Nürnberg für sich entschied.

Ich freue mich drauf, wieder nach Bochum zu kommen und dort mal wieder um Ligapunkte zu kämpfen. Lieber wäre mir dieses Aufeinandertreffen zwar in der Bundesliga gewesen, aber, man nimmt es, wie es kommt.

Das Ruhrstadion hat seinen besonderen Flair. In die Jahre gekommen, wie früher üblich, zentral gelegen und nicht auf der grünen Wiese gebaut und zahlreiche Bierhallen drum rum. Auch in den Fankneipen kann man sich in der Regel als VfB-Fan gut aufhalten und mit den Bochumern feiern, am liebsten natürlich den Auswärtssieg. Ich bin heiß auf unser drittes Spiel in sechs Tagen, darauf ein Fiege!

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20. September 2016

Mal wieder auf Trainersuche

Eine turbulente Woche liegt mal wieder hinter dem VfB Stuttgart. Jos Luhukay warf nach kaum mehr als zehnwöchiger Tätigkeit beim VfB entnervt das Handtuch, weil seine Auffassungen mit denen des Vereins nicht korrespondierten. Ihm, von dem man wusste, dass er ein eigenbrötlerischer Typ ist, setzte man mit Jan Schindelmeiser einen Vorgesetzten vor die Nase, zu dem die Chemie offensichtlich nicht stimmte.

Als dieser schon seit Wochen schwelende Zwist in die Öffentlichkeit getragen wurde und Daimler-Aufsichtsrat Wilfried Porth nichts Besseres zu tun hatte, als Luhukay öffentlich in die Schranken zu weisen, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Sollte Luhukay tatsächlich auf sämtliche Ansprüche verzichten, ist er wahrlich ein Ehrenmann. Allein, mir fehlt der Glaube. Für mich hat der Verein in dieser Angelegenheit mindestens genau so viel Dreck am Stecken wie Jos Luhukay, so dass es nachvollziehbar wäre, er hätte sich einfach rausschmeißen lassen und ließe den Verein finanziell noch ordentlich bluten.

Es könnte sich also durchaus um die offizielle Sprachregelung handeln, seitens des Vereins, getragen von der Hoffnung nicht noch mehr in einem schlechten Bild zu erscheinen, als ohnehin schon. Von einem Rücktritt überrascht zu werden ist in der öffentlichen Wahrnehmung dann doch noch etwas Anderes, als müsste man eine Kette von Fehlentscheidungen kleinlaut einräumen.

Spätestens nach dem Heidenheim-Spiel war es klar, dass diese Zweckehe in die Brüche gehen und jeder weitere Tag dem VfB schaden würde. Deshalb habe ich es absolut begrüßt, als am Donnerstag vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Kaiserslautern Tatsachen geschaffen waren und alle Seiten nun nach vorne schauen können und sich nicht mehr durch interne Grabenkämpfe zerfleischen und zermürben müssen.

Bei Sport im Dritten erläuterte Aufsichtsrat Porth die Denke des Aufsichtsrats und blieb dabei, dass es richtig gewesen sei, zunächst den Trainer und dann erst den Sportdirektor zu verpflichten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln, wenngleich diese Aussagen meine Meinung über die (eigentliche) Vereinsführung nur bestätigen, denn, auch hier haben sie wieder nichts gelernt und würden denselben Fehler offensichtlich beim nächsten Mal wieder begehen.

Für mich ist das Thema Luhukay mit diesem Blog beendet. Jeder Mensch hat sein eigenes Naturell. Da die im Fußball-Business tätigen Insider über alles und jeden Bescheid wissen oder zumindest Quellen haben, über die sie sich informieren könn(t)en, hätte man bei sorgfältiger Abwägung aller Fürs und Widers wissen müssen, wen man sich da ins Haus holt. Luhukay hat zwar als Referenzen einige Aufstiege in seiner Vita stehen, genauso stechen aber auch zwischenmenschliche Differenzen mit Vorgesetzten und Spielern heraus, in der Branche gilt Luhukay gemeinhin als schwieriger Typ.

Wenn ich ihn dann als Heilsbringer sehe und noch vor dem Sportdirektor verpflichte, muss ich die beiden vorher “auf sich loslassen” und beide ausloten lassen, ob eine Zusammenarbeit miteinander überhaupt möglich ist. Es ist zwar nicht gerade üblich, dass sich der Trainer seinen Vorgesetzten aussucht, da der VfB aber schon bei Luhukays Verpflichtung den unkonventionellen Weg eingeschlagen hat, hätte er diesen in dieser Konstellation konsequent weiter gehen müssen.

So aber hat es laut Schindelmeiser vom ersten (!) Gespräch an nicht gepasst, so dass man diese Liaison im Grunde viel früher hätte beenden müssen. Die Vorstellungen gingen schon deshalb weit auseinander, weil Luhukay nicht etwa als Trainer verpflichtet wurde, der helfen sollte etwas aufzubauen, sondern sein einziger Auftrag darin bestand, den VfB zurück in die Bundesliga zu führen.

Schindelmeiser steckte da in der Zwickmühle, da es für ihn auch ein Leben nach dem Aufstieg gibt und er eine Mannschaft, die auch in der Bundesliga konkurrenzfähig wäre, aufbauen soll. Während Schindelmeiser hoffnungsvolle Talente an den Neckar lockte, wollte Luhukay mit ihm bekannten, altbewährten und in die Jahre gekommenen Weggefährten den Aufstieg schaffen. Da sich letztlich der Chef Schindelmeiser durchsetzte und Luhukay durch die jüngsten Verpflichtungen seine Ziele konterkariert sah und auf bockig umschaltete, kam es schließlich zum nicht mehr zu kittenden Bruch.

Dass ich mit einigen Aufstellungen, Äußerungen und Entscheidungen von ihm nicht einverstanden war, habe ich mehrfach beschrieben. Dennoch habe ich Verständnis für Luhukays Reaktion unter Berücksichtigung des Gesamtkontexts und möchte auch nicht nachkarten.

Vielmehr beschäftigt mich die Frage, was nun, VfB? Schindelmeiser beschreibt sich selbst als Teamplayer und führt aus, dass Teamarbeit zuletzt nicht möglich war, weil zwischen Luhukay und ihm Funkstille geherrscht hätte.

Wie definiert Schindelmeiser „Team Play“, was muss der Neue haben, was Luhukay nicht hatte? Bereits Robin Dutt referierte zu Beginn seiner Amtszeit, dass es auf dem Wasen keine One-Man-Show mehr geben dürfe und war dann doch DAS Gesicht für den Niedergang, das keiner stoppte.

Will Schindelmeiser bei Transfers einen Konsens zwischen Trainer und einem Team von Hitzlsperger (dem Luhukay angeblich den Dialog verweigerte), Kienle, Cast und Schindelmeiser erreichen?

Oder bedeutet für ihn Teamarbeit, wie einst unter Fredi Bobic, immer und überall seine Ohren haben und dem Trainer reinreden zu wollen? Weshalb wollte Luhukay Jan Schindelmeiser von der Trainerbank und aus dem Mannschaftsbus verbannen? „Nur“, weil die beiden von Beginn an nicht auf einer Wellenlänge funkten oder wollte Schindelmeiser doch mehr Einfluss auf das Team nehmen, als es einem Sportdirektor zustünde?

Weil ich noch an das Gute im Menschen glaube und denke, dass vor allem die verschiedenen Ansätze, mit denen der VfB zurück in die Spur zu bringen sei zwischen den beiden Alpha-Tieren zum Zerwürfnis führten, glaube ich nicht, dass Schindelmeiser nach der pflegeleichten Lösung sucht.

Würde man nach einer solchen streben, verböten sich bereits die “schwierigen” Charaktere Gisdol und Breitenreiter, die als mögliche Nachfolgekandidaten am häufigsten genannt werden. Beide scheiterten in ihren letzten Vereinen (von der sportlichen Entwicklung einmal abgesehen) in erster Linie daran, weil sie von ihrer Linie nicht abzurücken bereit waren, Teile der Mannschaft gegen sich aufbrachten und sich von niemandem reinreden ließen. Auch mein Lieblingstrainer der letzten Jahre, Christian Gross, wäre einer, der sich nicht bevormunden lassen würde.

Ohne Schindelmeiser lange genug zu kennen, kann ich es mir nicht vorstellen, dass er so tickt, stand er doch auch bei Hoffenheim recht lang im Schatten von dem alles überstrahlenden Ralf Rangnick.

Daher ist eher davon auszugehen, dass der Aufsichtsrat auf die Schnelle einen Trainer präsentierte, der nicht zum VfB und zur Mannschaft passte und dieses „Missverständnis“ nun korrigiert wurde.

Aufsichtsrat Porth entlarvte bei seinem Fernsehauftritt die Arbeit des Aufsichtsrats ungewollt und doch schonungslos. Er bestätigte, was ich schon seit Jahren anprangere, nämlich, dass sich der Verein von der Meinung der Öffentlichkeit leiten lässt und Entscheidungen hauptsächlich politisch fällt, indem man Krisen aussitzt, und dann und gegen die eigene Überzeugung handelt, jedoch erst, wenn das Kind längst im Brunnen liegt.

In den letzten Jahren wurden überfällige Entscheidungen oft erst getroffen, wenn die Kurve kaum mehr zu bändigen war, anstatt Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Mit dieser „Wir schaffen das, weil wir so gut sind“ (Robin Dutt) Politik und der an den Tag gelegten Ignoranz der Sorgen und Nöte des Vereins und seiner Fans und Mitglieder wurde der Verein dorthin geführt, wo wir jetzt stehen. Dies ist hauptsächlich auf die gänzlich fehlende sportliche Kompetenz in Aufsichtsrat und Vorstand (vorher Bobic/ Dutt, jetzt Schindelmeiser ausgenommen) zurückzuführen, weshalb wir in der letzten Saison auch ungebremst auf den Abstieg zugesteuert sind und niemand Robin Dutt stoppte und uns vom Trainer Kramny erlöste.

Nach Porths Auffassung war die Luhukay-Verpflichtung richtig, weil die Entscheidung von den Medien gefeiert wurde, ebenso wie die jüngsten Transfers schon deshalb richtig sind, weil die Resonanz bei den Fans eine positive war, wohlgemerkt, bevor wir und auch bevor Herr Porth die Jungs jemals haben spielen sehen. Wenn mir dieser Fernsehauftritt eines gebracht hat, dann die Erkenntnis, dass Aufsichtsrat wohl jeder kann (oder auch nicht!).

Schindelmeiser traue ich ein gutes Händchen bei der Trainerwahl zu. Er kennt inzwischen den Verein und er kennt die Mannschaft, so dass er beurteilen kann, welcher Trainer für welches System steht und ob man dieses mit dieser (gegebenen) Mannschaft auch realisieren kann. Jüngst geistern die Namen Hannes Wolf, U19-Trainer des BVB, und David Wagner, Coach von Huddersfield durch den Blätterwald. Beide kann ich nicht beurteilen, bin jedoch kein Freund davon, wegen eigener Misswirtschaft andere Vereine mitten in der Saison ins Chaos zu stürzen, indem man ihnen den Trainer weg kauft. Ein Rücktritt ist schon schlimm genug, dann muss man reagieren, aber einem Verein den Trainer einfach wegzukaufen, wäre für mich eine andere Dimension und spräche schon im Vorfeld nicht für einen guten Charakter des Neu-Coaches. Dies träfe jetzt jedoch allerdings mehr auf David Wagner zu. Im Jugendbereich sind die Vereine i. d. R. gut aufgestellt und sehen die Trainer die Tätigkeit dort oft als Sprungbrett, so dass die BVB-Jugend dadurch sicher nicht ins Bodenlose fallen würde.

Als Interimslösung präsentierte der VfB Olaf Janßen als Cheftrainer und Heiko Gerber sowie Andi Hinkel als Assistenten. Für mich für den Übergang durchaus eine Lösung mit Charme (und auch mit Zukunft?).
Janßen bringt Cheftrainer-Erfahrung mit, Gerber und Hinkel sind beliebte VfB-Ikonen, bei denen wohl jedes VfB-Herz aufgeht, die beiden auf der VfB-Trainerbank zu erleben. Am Ende des Tages kommt es doch in erster Linie darauf ein, wie das neue Gespann harmoniert und wie es mit der Mannschaft auskommt.

Diese Mannschaft wird auch zukünftig jeden Trainer schassen, dessen Nase ihr nicht passt, so dass für mich tatsächlich das A&O ist, dass sich jeder verstanden und als wichtigen Teil des Großen Ganzen sieht. Ist diese Grundvoraussetzung gegeben und das Trainerteam schafft es, der Mannschaft einen Plan mit auf den Platz zu geben und sie von Spiel zu Spiel weiterzuentwickeln, spräche für mich zunächst einmal nichts dagegen, an dieser Konstellation vorerst etwas zu ändern. Hat das Trainerteam die Mannschaft auf seine Seite gezogen, wird sie ihm helfen und versuchen so wenig Gründe wie möglich zu liefern, ihnen einen neuen Cheftrainer vor die Nase zu setzen.

Schindelmeiser lässt zwar keine Zweifel offen, dass dies nur eine Übergangslösung darstellt, aber, man hat auch schon Pferde kotzen sehen oder eben auch erlebt, dass Mayer-Vorfelder nach einer beispiellosen Siegesserie nicht umhin kam, Jogi Löw einen Cheftrainervertrag zu geben und auch, dass Max Eberl vor Jahresfrist trotz gegenteiliger Beteuerungen Andre Schubert die Mannschaft schließlich endgültig anvertraute. So daneben ich es in der letzten Saison fand, Jürgen Kramny nach der Zorniger-Entlassung umgehend zum Cheftrainer zu ernennen, so voreilig fände ich es jetzt auch, dem neuen Gespann überhaupt keine Zukunft zu geben.

Lieber jetzt in Ruhe beobachten, als eine Verpflichtung übers Knie zu brechen und die Entscheidung in wenigen Wochen bereits wieder zu bereuen.

Der Beginn unter Leitung von Olaf Janßen ließ sich ordentlich an. Nach der Heimpleite gegen Heidenheim zeigte sich der VfB, wenn auch gegen schwache Lauterer, verbessert.

Der äußere Rahmen war perfekt. Entgegen der Prognosen regnete es nicht, bestes Herbstwetter bei endlich wieder angenehmeren Temperaturen erwartete uns in Kaiserslautern. Zunächst einmal ging es vom Busparkplatz in einem gut zwei Kilometer langen Fußmarsch hinauf auf den “Berg”.

Der Einlass verlief äußerst professionell, auch mit der “großen” Kamera hatten wir keinerlei Probleme. Durch die inzwischen von vielen gelebte Fanfreundschaft, die ihren Ursprung in der Hool-Szene hat, war die Atmosphäre sensationell, so wie man es sich eigentlich immer wünschen würde.

Das Stadion war mit knapp 46.000 Zuschauern für Zweitligaverhältnisse hervorragend gefüllt. Ein Wahnsinn, wie viele Schwaben mitgekommen sind. Die Schätzungen reichen von 10.000 bis zu 15.000 Brustringträgern. Auch in unserem Bereich auf der Gegentribüne tummelten sich gefühlt halb so viele Schwaben wie Pfälzer. Selbst der VfB-Ehrenrat mit den Meisterschafts-Torschützen von 1984 und 1992 saßen fast neben uns und nahmen sich nach dem Spiel, sichtlich erleichtert und gut gelaunt, ausreichend Zeit für das eine oder andere Erinnerungsfoto.

Es war eines jener Spiele, zu denen sich ein jeder, also auch Gelegenheitsfahrer, aufrafft. Relativ kurze Anfahrt, eine traditionsreiche Spielstätte und der Spieltermin an einem Samstag. Freitag in Bochum dürfte sich dann wieder die Spreu vom Weizen trennen und man wird hauptsächlich auf die altbekannten Gesichter treffen, die sich von den Begleitumständen nicht so beeinflussen lassen und immer und überall dabei sind.

Zum Einlauf der Mannschaften gab es auf beiden Seiten jeweils eine schöne Choreographie zu bestaunen. Die Pfälzer feierten schlicht und mit zahlreichen weißen und roten Fahnen ihre Westkurve, während die Choreo auf der anderen Seite mit roten und schwarzen Fahnen untermalt ganz im Zeichen Württembergs stand.

Die Atmosphäre im Stadion war überragend. Jedes Mal, wenn ich auf dem „Betze“ bin, finde ich es ein Jammer, dass dieser tolle Verein mit diesen begeisterungsfähigen Fans schon über viele Jahre hinweg solch ein Schattendasein führt und wohl auch in dieser Saison wieder mit dem Aufstieg nichts zu haben wird. Im Gegenteil, als Schlusslicht geht der Blick naturgemäß nach unten.

Janßen veränderte die Startformation auf gleich vier Positionen. Erwartungsgemäß durfte Alexandru Maxim mal wieder von Beginn an ran und auch Timo Baumgartl kehrte nach langer Verletzungspause in die Innenverteidigung zurück. Stephen Sama, der gegen Heidenheim heillos überfordert war, stand dafür nicht im Kader. Auch der japanische Wirbelwind Asano durfte von Beginn an sein Können zeigen und Hosogai kehrte nach auskuriertem Muskelfaserriss auf die Sechs zurück.

Die Grundordnung sah über weite Strecken besser aus als zuletzt, wenngleich es einige Zeit dauerte, bis sich der VfB gefunden hatte und man vor allem in der Anfangsviertelstunde froh sein konnte, dass harmlose Lauterer aus der Stuttgarter Findungsphase kein Kapital schlugen. Im Gegensatz zu Luhukay, der stoisch auf der Bank saß, gefiel mir das Coaching von Olaf Janßen wesentlich besser. Er war ständig auf Achse, dirigierte und zitierte den einen oder anderen zum Gespräch in die Coaching Zone. Auch wenn es durchaus erfolgreiche Trainer geben soll, denen man während der Spiele keine Gefühlsregung anmerkt, ist mir persönlich doch jemand an der Linie lieber, der richtig bei der Sache ist und die Mannschaft nicht sich selbst überlässt.

Zwischen der 15. und 60. Spielminute hatte der VfB das Spiel ganz gut im Griff. In der 52. Minute gelang dem VfB das Tor des Tages, nachdem der starke Emiliano Insúa seine Freiheiten auf der linken Seite nutzte und präzise auf Simon Terodde flankte, der nur noch einzuköpfen brauchte. Es war der zweite Treffer für den Mann mit der eingebauten Torgarantie, wie in Sandhausen, erneut auswärts.
Als Kaiserslautern nach einer knappen Stunde zunehmend alles auf eine Karte setzte, war es vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man begann einmal mehr zu wackeln.

Schon mit dem Führungstreffer fing sie wieder an, die Selbstherrlichkeit und der Zwang den Gegner lieber vorführen zu wollen anstatt einfach zu spielen und mit aller Macht auf die Entscheidung zu drängen. So wurde es am Ende ein Zittersieg, über den Ausgleich hätte sich der VfB nicht beschweren dürfen, weil man die eigenen Bemühungen schon früh ad acta legte und sich mit dem 0:1 sicher wähnte. Allzu sehr sollte der VfB sein Glück nicht mehr strapazieren, hatte man doch in Sandhausen schon vehement um den Ausgleich gebettelt.

Was bleibt also haften, zu Beginn der englischen Woche? Positiv ist auf jeden Fall, dass den VfB die Unruhe im Verein nicht vollends aus der Bahn geworfen hat und er nach der Heimpleite gegen Heidenheim zumindest kurzfristig in die Erfolgsspur zurück gefunden hat. Zudem machten die beiden Japaner Spaß. Hosogai aufmerksam und giftig, Asano wahnsinnig schnell und mit guter Ballbehandlung. Ich denke, an ihm werden wir noch sehr viel Freude haben.

Negativ sehe ich noch immer die Abwehrschwächen und die Durchlässigkeit unserer Mittelfeldzentrale um Hosogai und vor allem Gentner. Offensiv legte Gentner zwar eines seiner besseren Spiele hin. Wenn es dem Gegner jedoch gelingt, in seinen Rücken zu kommen, brennt es oft lichterloh. Teams mit größerem Selbstvertrauen und höherer Qualität nutzen solche Stellungsfehler gnadenlos aus. In der Abwehr war ich angetan von Baumgartls Saisondebüt und auch der Leistungssteigerung von Insúa. Toni Sunjic unterlief zwar kein spielentscheidender Fauxpas und doch ist es seine fehlende Geschwindigkeit, die ihn zum permanenten Sicherheitsrisiko macht. In Kombination mit Florian Klein bereitet mir die Abwehr noch immer allergrößte Sorgen.

Ein richtiger Gradmesser, wie stabil Janßens Formation schon ist und wie konzentriert das Team seine Vorgaben umsetzt gibt es bereits morgen gegen den noch verlustpunktfreien Spitzenreiter Eintracht Braunschweig. Die Braunschweiger kommen mit breiter Brust und durchaus guten Erinnerungen an den Neckar. Zu Bundesligazeiten bedeutete ein 2:2 beim VfB das Aus für Thomas Schneider und auch letzten Dezember im DFB-Pokal trotzte man dem Favoriten nach regulärer Spielzeit ein Unentschieden ab.

Für den VfB darf dies keine Rolle spielen. In der 2. Liga, die hoffentlich nur Übergangsstation ist, muss man zwingend daran arbeiten, das Neckarstadion wieder zu einer Festung werden zu lassen. Verliert man nach Heidenheim im dritten Heimspiel bereits zum zweiten Mal, beschwört man die Geister, die Luhukay rief, nämlich die, dass der große Zuschauerzuspruch die Mannschaft lähme. So weit wollen wir es nicht kommen lassen, daher zählt nur ein Heimsieg!

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15. September 2016

Neuanfang Nr. 897

Category: Presse — Franky @ 13:03

Mir tut es Leid! Es fing alles verheißungsvoll an. Auch für mich war Luhukay der geeignete Trainer für das Projekt Wiederaufstieg, schließlich weiß er, wie Aufstieg geht.

Dumm jedoch vom Aufsichtsrat, den Sportdirektor Dutt rausgeschmissen zu haben, ohne in der elementar wichtigsten Phase einen neuen Mann in petto gehabt zu haben. Dies führte dazu, dass Luhukay anfangs DER mächtige Mann (weil der einzige mit Sportkompetenz) auf dem Wasen war und erst danach Schindelmeiser geholt wurde.

Schindelmeiser, “Wunschkandidat” E, F oder G wäre bei der Dutt-Entlassung bereits verfügbar gewesen, durch irgendwelche abstrusen Träumereien aber wollte man offensichtlich den Spatz in der Hand nicht.
Diese Zeche bezahlen wir jetzt. Schindelmeiser und Luhukay konnten offensichtlich nicht miteinander, zudem sind sicherlich Versprechen, die man Luhukay bei dessen Verpflichtung gab, nicht eingehalten worden, gerade was die Kaderzusammenstellung anging.

Weil Schindelmeiser gänzlich andere Vorstellungen hatte als Luhukay ging diese Zweckehe jetzt in die Brüche.

Nach Luhukays Aussagen vor und nach dem Heidenheim-Spiel war es mir klar, dass einer von beiden gehen muss. Dass dies das schwächere Glied treffen würde, war ebenso klar.

Der Aufsichtsrat Porth rüffelte Luhukay dann gestern noch, weil er die “Eskalation” nach außen getragen habe, wie man es sich bei diesem Klepperlesverein auch nur vorstellen kann, natürlich öffentlich.

Luhukay fehlten am Schluss die Argumente. Schlechte Stimmung im Team, durchweg schlechte Spiele, kaum nachvollziehbare Aufstellungen und dann eben noch diese Außendarstellung (ich muss nichts erklären!).

Dass Luhukay tatsächlich freiwillig auf Geld verzichtet, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Denke eher, das ist die offizielle Sprachregelung, bei einer Entlassung wäre ja womöglich jemand auf die Idee gekommen, von einem Chaosverein zu sprechen.

Luhukay wünsche ich alles Gute, für ihn tuts mir ehrlich Leid, wohin er geraten ist und wie das alles gelaufen ist.

Schindelmeiser wünsche ich ein gutes Händchen bei der Trainerwahl. Ich weiß ja nicht, wie gut er zu Hoffenheimer Zeiten mit Gisdol konnte… Sollten sie gut miteinander ausgekommen sein, ob sich Gisdol dieses Kasperlestheater, dazu noch in der 2. Liga, antun möchte, steht dann auf einem anderen Blatt.

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11. September 2016

Am Tiefpunkt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:34

Sportliche Tiefpunkte gibt es immer wieder. Daher sollte man mit dem Einsatz von Negationswörtern vorsichtig umgehen und sie nicht überstrapazieren, schließlich ist meist noch immer Luft nach unten, wie man gerade beim VfB in den letzten Jahren erfahren musste.

Rudi Völler und „Weißbier“-Waldemar Hartmann führten anno 2003 eine der prominentesten Tiefpunktdebatten, als Völler anprangerte, dass der deutschen Nationalmannschaft immer neue Tiefpunkte angedichtet werden würden und er die ganze Scheiße nicht mehr hören könne. Nach einem 0:0 auf Island, beim damaligen Tabellenführer war das (O-Ton Netzer: keiner weiß, wie sie das geworden sind). Der Deutsche Fußballbund zog damals seine Schlüsse, investierte in die Ausbildung von Fußballern, machte Jugend-Internate zur Pflicht für jeden Profi-Verein und läutete dadurch das Ende der Rumpelfußballer-Generation um die Ramelows, Jeremies‘ und Janckers ein, was die ersten Früchte bereits 2006 sprießen ließ und uns elf Jahre später den Weltmeistertitel bescheren sollte. Mit einem „weiter so“ wären die Erfolge der letzten zehn Jahre jedenfalls nicht möglich gewesen.

Auch der VfB durchlebte schon mehrere Tiefpunkte. Der Abstieg 1975 war ein solcher, der 2016 sicherlich auch. Die Abstiege resultierten aus Fehlentwicklungen von Jahren und jeweils des einen Spieljahrs, indem man nicht mehr regulierend eingreifen konnte.

Tiefpunkte an einzelnen Spielen festzumachen, ist da schon schwieriger, vor allem heutzutage, wo der Fußball so schnelllebig geworden ist und wo jede noch so derbe Schmach wenige Tage später wieder wett gemacht werden kann, ohne dass allzu viel davon hängen bleibt. Klatschen, an denen man am gefühlten Tiefpunkt stand, gab es einige, so erinnere mich an ein 0:4 zu Hause gegen Bochum in den 80er-Jahren oder auch an das noch gar nicht so lang zurückliegende 1:4 gegen Greuther Fürth. Danach folgte stets Business as usual, so dass solche Schlappen keine Einschnitte in die Vereinschronik bedeuteten.

Weitaus derber fühlen sich aber Niederlagen an, die schon vom regionalen Charakter her ein No Go sind. Im ersten Zweitligajahr 1975/1976 beispielsweise das 2:3 im heimischen Neckarstadion gegen den SSV Reutlingen: Mit dem kürzlich verstorbenen Karl Bögelein an der Linie, der von Istvan Sztani übernahm, traf man als indiskutabler Tabellenzwölfter auf den „Lokalrivalen“ und verlor vor nicht einmal 2.000 zahlenden Zuschauern zu Hause mit 2:3. Es war das „Sahnehäubchen“ auf eine grottenschlechte erste Saison in der 2. Liga Süd, die der VfB als Elfter abschloss.

Spätestens an diesem Tag muss es unserem damals erst ein Jahr im Amt befindlichen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder klar geworden sein, dass der Umbruch nach dem Abstieg zu halbherzig ausgefallen war und der komplette Verein samt Kader noch einmal auf links gedreht werden muss.
MV verpflichtete im Sommer in einer Nacht- und Nebelaktion und auf Anraten des großen Hennes Weisweiler den jungen, hungrigen, enthusiastischen Trainer Jürgen Sundermann aus der Schweiz und setzte vermehrt auf die Jugend, während bis auf Hermann Ohlicher fast alle Absteiger den Verein verließen. Das Ende vom Lied ist bekannt. Die Rasselbande mit erfahrenen Haudegen wie Dragan Holcer und Hermann Ohlicher und vielen jungen Spielern aus der Region, wie Hansi Müller, Karl-Heinz Förster und Dieter Hoeneß, rockte die Liga und sorgte für Begeisterungsstürme im Schwabenland. In diese Saison fiel dann auch mein allererstes Auswärtsspiel, ein 0:0 bei den Münchner Löwen, 78.000 Zuschauer im Olympiastadion, davon bis zu 35.000 VfB-Fans, damals wie heute noch ein Wahnsinn für das Unterhaus.

Der Tiefpunkt gegen Reutlingen hatte somit wohl auch sein müssen. Ein Jahr später kehrte der VfB in die Bundesliga zurück, wurde auf Anhieb als Aufsteiger Vierter, Zweiter, Vierter und 1984 schließlich zum dritten Mal Deutscher Meister.

Die Trendwende, sowohl beim DFB, als auch beim VfB, ist eng mit dem Namen Gerhard Mayer-Vorfelder verknüpft. Beim DFB brachte er schon nach der peinlichen Euro 2000 erste Projekte der Jugendförderung auf den Weg und installierte 2004 das Gespann Klinsmann/ Löw, beim VfB ging er mit der Verpflichtung von Sundermann den unkonventionellen Weg und hatte ein gutes Gespür dafür, wann eine Ära zu Ende war und er Dinge grundlegend ändern musste.

Heidenheim ist für mich ein weiterer Tiefpunkt. Jahrelang gehörte der VfB zum Inventar der Bundesliga, während Heidenheim, früher noch als SB Heidenheim, meist in der Oberliga Baden-Württemberg vor sich hin dümpelte. Es sind gerade diese Spiele, vor denen man im Vorfeld schon gewarnt hatte, die jeder Einzelne beim VfB auch mental annehmen muss. Für den VfB ist es ein gefühltes Pokalspiel, während das Aufeinandertreffen für den Gegner das Spiel des Jahres bedeutet und jeder nur allzu gern dem großen Favoriten ein Schnippchen schlagen möchte.

Den Tiefpunkt stellt für mich gar nicht die Niederlage an sich dar. Gegen Heidenheim kann man durchaus auch mal verlieren. Es verdient großen Respekt wie der Nachbar von der Ostalb dabei ist, sich in der 2. Liga zu etablieren. Ich finde es herausragend, wie lang und mit welchem Erfolg Frank Schmidt schon die Geschicke dort leitet und dass er mit Marc Schnatterer einen Kapitän in seinen Reihen hat, auf den er sich verlassen kann und der vor allem überall auf dem Platz zu finden ist. Ich hätte beide mit Kusshand für die 2. Liga genommen und blicke fast schon neidisch zu solchen Vereinen, wenn ich mich mal wieder in unserer Kapitäns-Debatte verstricke.

Dies also die rein objektive Sichtweise, aus der eine Niederlage eines noch überhaupt nicht gefestigten VfB gegen Heidenheim nicht unrealistisch erschien. Dennoch, ich gebe es zu, habe ich mich im Vorfeld in keiner Sekunde mit einer möglichen Niederlage gegen Heidenheim befasst. Die kam in meiner Denke einfach nicht vor.

Es war doch alles bestellt. Der Kader wurde zum Ende der Transferperiode noch einmal verstärkt, bestes Spätsommerwetter, sensationelle 52.200 Zuschauer und durchaus auch Rückenwind durch den 2:1-Sieg beim SV Sandhausen. Heidenheim mobilisierte ebenfalls die Massen und brachte gut 4.000 Fans mit, so dass der äußere Rahmen perfekt war.

Wenn dann aber der Trainer der gleichen Elf das Vertrauen schenkt, die sich mit Ach und Krach durch den August rettete und in keinem der bisherigen Spiele überzeugen konnte, stellte dies für mich die erste Enttäuschung des Tages dar. Die Geschichte ist bekannt, der VfB verlor völlig verdient und nach indiskutabler Leistung 1:2 und zeigte zu keiner Zeit, dass er in der derzeitigen Verfassung Ansprüche auf einen der vorderen beiden Plätze erheben kann. Heidenheim war besser organisiert, cleverer, auch bissiger und motivierter, was das eigentlich Schlimme ist. Daher rede ich vom Tiefpunkt, wenn es in einem solchen Spiel, von dem man weiß, was es auch für die Fans bedeutet, nicht einmal die Grundtugenden auf den Platz bringt.

MV wäre dazwischen gegrätscht und hätte Trainer und Team, einen nach dem Anderen, zusammengefaltet. MV lebt leider nicht mehr, wer also soll es richten, wer soll den VfB wieder dorthin bringen, wo er eigentlich hingehört, wer haut dabei auf den Tisch, wer spricht ein Machtwort, wer geht unbeirrt den richtigen Weg und lässt sich durch Seilschaften, Errungenschaften, Gewohnheitsrechten und Gegenwind nicht davon abbringen bzw. bricht diese auf? Ich sehe weit und breit keinen im Verein, der mir diese Hoffnung geben würde.

Ob es der designierte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu leisten imstande ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ich teile die Anti-Haltung der Ultras nicht, die schon im Vorfeld und wohl ohne sich richtig mit der Personalie auseinandergesetzt zu haben, diesen Kandidaten ablehnen. Auch gestern wieder wurde auf Spruchbändern vor allem angeprangert, dass die Wahl keine demokratische ist, weil es keinen Gegenkandidaten ist. Ob sie dem Aufsichtsrat Vorschläge eingereicht haben, ist mir leider nicht bekannt, möglich wäre das wohl gewesen.

Wer soll denn ein weiterer geeigneter Kandidat sein? Guido Buchwald, dessen Funktionärskarriere eher mit überschaubarem Erfolg verlief? Karl Allgöwer, sicher DIE Ikone im Stuttgarter Fußball, aber, kann er einen Verein führen? Aus dem Umfeld ist zu hören, dass er wenig kompromissbereit und kein Teamplayer ist, weshalb seine Beratertätigkeit auch schon wieder Geschichte ist.

Die Problematik bei einem Gegenkandidaten ist die, dass wohl die wenigsten diesen Traumjob haben, der es ihnen erlaubt, Wahlkampf um das Amt des VfB-Präsidenten zu betreiben und, sollten sie gewählt werden, von heute auf morgen alles stehen und liegen lassen zu können oder aber bei nicht erfolgter Wahl im Beruf weiter wie bisher machen zu können.

Dietrich hat den Vorteil, dass er mit 68 Jahren diesen Job nicht mehr nötig hat und er das Amt ehrenamtlich und doch in Vollzeit ausüben könnte. Seine ersten Statements, wie er den VfB zurück in die Spur führen möchte, lesen sich so schlecht für mich nicht, so dass ich ihn nicht vornherein ablehne, sondern zunächst die eine oder andere Vorstellungsrunde mitmachen und mir dann ein Bild von ihm machen werde. Wichtig ist erst einmal, dass wir überhaupt wieder eine Führung bekommen und der Controller (Heim) und der Ticket- und Trikotverkäufer (Röttgermann) die längste Zeit ganz oben die Geschicke bestimmt haben.

Dass Dietrich innerhalb des Vereins moderieren wolle, hat er ja bereits verlauten lassen. Ohne der „Wahl“, die im Grunde überhaupt keine ist, jetzt schon vorgreifen zu wollen, ist dies die oberste Präsidentenpflicht und wäre schon jetzt notwendiger denn je.

Dass es von den Herren im Aufsichtsrat und der Rumpfvorstandschaft unglücklich war, den Trainer- vor dem Sportdirektorposten zu besetzen, habe ich bereits des Öfteren kritisiert. Dies kann für mich lediglich dadurch entschuldigt werden, dass Luhukay aufgrund seiner Referenzen die bestmögliche Wahl gewesen zu sein scheint, weiß er doch wie Aufstieg geht.

Schindelmeiser kam einige Wochen später und scheint ganz und gar nicht mit Luhukay auf einer Wellenlänge zu funken. Die Neuzugänge, die Schindelmeiser kurz vor Transferschluss an Land gezogen hat, sollen nicht gerade Wunschspieler Luhukays gewesen sein, wie dieser offen zugibt.

Hat sich ein jeder von uns Fans einen enormen Qualitätsschub durch die Neuen erhofft, dämpft Luhukay die Erwartungen, und kritisiert, dass sich im Kader zu viele Nationalitäten tummeln würden und dass die Integration der Neuen dauern würde. Als Außenstehender kann ich diese Denke nicht nachvollziehen, sagt man doch immer „gute“ Fußballer würden sich verstehen und die Fußballersprache sei international.

Luhukay legt sich also ein Alibi zurecht und erbittet sich Zeit, die man ihm nicht gewähren kann und auch nicht darf. Er muss jetzt, wo der Kader vollständig ist, damit beginnen zu liefern und darf das Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs niemals aus den Augen verlieren. Alles andere als der Wiederaufstieg käme einer mittleren Katastrophe gleich und würde die große Gefahr mit sich bringen, es sich im Unterhaus gemütlich zu machen und dort auf Jahre festzusitzen.

Nach dem fünften Pflichtspiel der Saison ist noch immer kein Spielsystem, kein Plan, keine Handschrift des Trainers erkennbar. Die „Leistungen“ sind eine nahtlose Fortsetzung der Katastrophen-Spiele in der Bundesliga, in der ebenfalls alles auf Zufall bedacht und keine Struktur im Spiel vorhanden war.

Gegen den 1. FC Heidenheim, mit dem sich die Wege in einem Pflichtspiel zuvor noch nie kreuzten, blamierte sich der VfB auf ganzer Linie. Immer wenn der VfB die große Chance hat, Rückenwind aus einer Euphoriewelle zu ziehen, sich vorne festzusetzen, die Fans mitzunehmen kommt mit Sicherheit der Rückschlag oder in diesem Fall der nächste Tiefpunkt.

Von den Neuen stand lediglich der Japaner Asano im Kader, von den Verletzten kehrte auch nur Kevin Großkreutz zurück. Die ersten Saisonspiele, weitestgehend mit den gleichen Aufstellungen, boten katastrophale fußballerische Magerkost, was durch zwei glückliche Siege und dem Weiterkommen im Pokal kaschiert wurde. Für mich damals kein Grund Alarm zu schlagen, weil der VfB in der Spur und die Hoffnung auf Besserung ab September da war. Ich hätte es mir gewünscht, dass Luhukay seine Startformation nun kräftig durcheinanderwirbelt.

Doch, was macht Luhukay, vertraut den gleichen, die mit Mühe und Not in Sandhausen gewannen und schon dort nichts von jener Dominanz versprühten, die man vom gefühlten Erstligisten oder dem FC Bayern der 2. Liga eigentlich erwarten würde. Der VfB ist nun mal mit Hannover 96 der Krösus der Liga, so dass man dies auf dem Platz auch sehen können muss.

Wenn wir schon vom FC Bayern der 2. Liga sprechen, wünschte ich mir eine „Mir-send-mir“-Mentalität, eine Selbstverständlichkeit, mit der man den Rasen betritt und den Gegner niederringt. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall. Wie zu schlimmsten Bruno- und auch Kramny-Zeiten ist der Fußball verhalten, behäbig, abwartend. Es wird stets abgewartet, was der Gegner so drauf hat, anstatt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Mit einer solchen Ausrichtung dürfte es schwer werden, überhaupt Punkte einzuheimsen, denn, anders als in der Bundesliga, wird uns in der 2. Liga kein einziger Gegner den Gefallen tun, uns mit offensiver Ausrichtung ins offene Messer zu laufen. Auch die vermeintlichen Spitzenmannschaften suchen ihr Heil in der Defensive und lauern auf unsere Fehler, die mit Krampen wie Klein, Sama und Sunjic in der Truppe auch nicht lange auf sich warten lassen.

Abgesehen von einer von Zimmer in der fünften Minute kläglich vergebenen Chance fand der VfB offensiv nicht statt. Terodde hängt vorne in der Luft und bekommt keine Bälle, so dass Heidenheim wenig Mühe hatte, den VfB vom eigenen Tor fernzuhalten.

Heidenheim war bei seinen eigenen Vorstößen zielstrebiger und gefährlicher, so dass das 0:0 zur Pause schon eher schmeichelhaft für den VfB war.
Beim VfB bot sich, wen wundert’s bei DER Aufstellung, das gewohnte Bild. Die Viererkette hinten durchweg nicht bundesligatauglich. Insúa, Klein, Sunjic zu langsam und Ausgangspunkte der beiden Gegentore, Sama völlig von der Rolle.

Luhukay muss sich schon fragen lassen, weshalb er den Jungen mit den sichtbar wackeligen Knien 90 Minuten lang durchspielen ließ und ihn nicht schon früh durch Kaminski ersetzte. Luhukay muss sehr wenig Vertrauen in sein Personal haben, wenn er sich davor scheut, ein nicht funktionierendes Gebilde durch die Hereinnahme des einen oder anderen derzeitigen Kaderauffüllers zu verändern.

Legt er hier seine Sturheit nicht ab und ist nicht bereit, variabler zu agieren und den Gegner auch mal zu überraschen, muss man kein Prophet sein, um die nächste Trainerdiskussion bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt riechen zu können.

Da Luhukay offensichtlich kein Kommunikator ist und patzig in die Mikrofone blafft, er müsse nichts erklären, wird er die Rätsel, die er uns aufgibt, wohl irgendwann mit ins Grab nehmen.

Auch Zimmermann hat für mich bislang bei keinem seiner Auftritte den Nachweis erbracht, ein Zweitligaspieler zu sein. Wie Sama mit den Amateuren abgestiegen, soll er nun einer der neuen Hoffnungsträger sein?

Da kann man nur hoffen, dass Hosogai schnell zurückkehrt, der übrigens mit einem Muskelfaserriss bereits vier Wochen lang ausfällt. Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass beim VfB die Rekonvaleszenzzeiten um einiges länger ausfallen, als bei anderen Vereinen.

Dennoch, sollte der neue Präsident denn einmal sämtliche Prozesse und Abläufe innerhalb des Vereins und seiner Tochtergesellschaften durchleuchten, wäre auch die medizinische Abteilung einmal kritisch zu hinterfragen. Da im Verein bereits seit einiger Zeit viele (wirtschaftliche) Dinge wichtiger als der sportliche Erfolg sind, würde es mich nicht einmal mehr wundern, wenn die Zielvorgabe für unsere medizinische Abteilung nicht lauten würde, die Spieler schnellstmöglich dem Team zurückzuführen, sondern eine optimale Auslastung der VfB-Reha-Welt mindestens genau so wertig gewichtet ist.

Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde, aber, seit es die Reha-Welt gibt und es sich einer der ersten prominenten Kicker namens Yildiray Bastürk sich dort so richtig bequem machte, scheinen viele diese Welt gar nicht mehr verlassen zu wollen. Jedes noch so keine Kinkerlitzchen wird eine gefühlte Ewigkeit auskuriert, wobei man die ursprünglich getroffenen Ausfallzeit-Prognosen der Ärzte der Erfahrung nach getrost mal zwei nehmen kann, um auf die tatsächliche Ausfallzeit zu kommen.

Sollte auch Hosogai diesen Wellness-Bereich weiter in Anspruch nehmen wollen und sich sein Comeback noch weiter hinausziehen, wäre Luhukay gut beraten, es auch mal mit nur einem Sechser zu probieren und variabler zu agieren. Ich begrüße es ja grundsätzlich, wenn der VfB Youngster herausbringt, die sich in der ersten Elf freischwimmen, aber, um jeden Preis, nur weil sie jung sind, da geht der Schuss manchmal auch nach hinten los, vor allem, wenn die Mannschaft keine Einheit bildet.

Bei Sama, der ohnehin erst mal keine Rolle mehr spielen sollte, wenn Baumgartl fit und Pavard einsatzbereit ist, wird es interessant sein zu beobachten, ob ihm der Auftritt vom Freitag einen Knacks versetzt, der hängen bleibt.

Eine weitere Baustelle bleibt auch Maxim, dem oft eine unprofessionelle Einstellung, ein unprofessioneller Lebenswandel und auch eine gewisse Verweichlichung vorgeworfen werden. Wenn der x-te Trainer in ihm keinen Mann für 90 Minuten sieht, akzeptiere ich die Entscheidung des Trainers grundsätzlich, vor allem, wenn die Ergebnisse stimmen.

Ist die Nichtberücksichtigung jedoch auf die mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft des Trainers zurückzuführen und mündet in einen Kleinkrieg zum Schaden des Vereins, bekomme auch ich ein Problem mit dem Trainer. Persönliche Animositäten oder der Zwang dem öffentlichen Druck allein „zum Bossen“ nicht nachzukommen, wären zum Schaden des großen Ganzen und seinem Standing im Team sicherlich auch nicht förderlich.

Wir haben erst vier Spieltage hinter uns, die Saison ist noch lang. Eigentlich zu früh für eine Trainerdiskussion. Aber, Luhukay macht sich mit seiner Art, mit seinen Aufstellungen, mit seiner Außendarstellung, mit dem Schlechtreden der Neuzugänge und als Spaßbremse mitten in einer Phase großer Euphorie keine Freunde. Stimmt dann noch die Chemie zwischen ihm und dem Sportdirektor nicht, hat dieser ganz andere Vorstellungen, wie die Mannschaft auszusehen hat und wie man das Unternehmen Wiederaufstieg anpacken muss, hat er nicht einmal den Rückhalt in den eigenen Reihen, so dass die Zeichen schon früh auf Trennung stehen.

Es wäre zwar äußerst ärgerlich, erneut einen Trainer bzw. ein Trainerteam abfinden zu müssen und schon wieder vor einem Neuanfang zu stehen, aber, dies hätte sich dann der Aufsichtsrat an seine Akte zu heften, der den Trainer vor dem Sportdirektor verpflichtet hat.

Luhukay schaufelt sich derzeit sehenden Auges sein eigenes Grab. Die Leute rennen dem VfB die Bude ein, es herrscht, keine Sau weiß warum, so etwas wie Euphorie nach dem Abstieg und Luhukay hat nichts Besseres zu tun, die Erwartungshaltung zu kritisieren? Zu bemängeln, dass seine Spieler Angst vor der Kulisse gehabt hätten? Was sollen dann die Heidenheimer sagen? Ja, sicher, die sind das ja gewohnt. An Lächerlichkeit kaum zu überbieten solche Aussagen.

Luhukay legte ja noch nach. Wer nach den ersten vier Spielen mit unfassbar schlechtem Fußball jubilierte, als Schindelmeiser mit Mané, Asano und Pavard drei hoffnungsvolle Talente auslieh bzw. verpflichtete, bekommt vom Trainer bereits vor deren ersten Spielen den Dämpfer geliefert.
Die vielen Nationalitäten wären ein Problem, dass die Neuen zuletzt wenig gespielt hätten ebenso, hinzu kommt ein neuer Rhythmus und, Achtung Brüller, sie müssten eine neue Spielphilosophie verstehen.

Da fragt man sich, welche Spielphilosophie? Nach dem Spiel vom Freitag konnte man sprechen, mit wem man wollte, keiner konnte eine erkennen, keiner weiß, für welchen Fußball Luhukay eigentlich stehen möchte.

Was in den ersten Spielen dargeboten wurde, war durchweg konzeptlos und auf gut Glück ausgerichtet. Die fußballerischen Mängel sind fatal, hinzu kommt, dass keiner, auch nicht Kapitän Gentner, da ist, der das Heft des Handelns an sich reißen würde, nur Indianer, keine Häuptlinge. Auch dieses Problem haben wir nahtlos von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“. Einzig Großkreutz nach seiner Einwechslung und bedingt auch Maxim merkte man an, dass sie etwas bewegen wollten, was sich allerdings als wenig erfolgversprechend herausgestellt hat, wenn man sich so dämlich auskontern lässt.

Mein einziger Hoffnungsschimmer sind hier derzeit die Neuen und die Rückkehr der zur Zeit verletzten, dass man weder einen Klein, noch einen Sama, noch einen Sunjic, derzeit auch keinen Zimmermann mehr sehen muss und sich durch Mané und Asano die Durchschlagskraft im Angriff verbessert und Terodde endlich auch Bälle bekommt.

Ich erwarte in Kaiserslautern eine auf vier, fünf Positionen veränderte Truppe, die fußballerisch ohnehin besser aufgestellt, als Einheit auftritt und nicht wie gegen Heidenheim, wieder einmal keiner dem Anderen hilft. Dies ist erneut ein Indiz, dass es auch in dieser neu zusammengewürfelten Truppe überhaupt nicht zu stimmen scheint und man mehr gegen- als für einander „arbeitet“. Es ist bereits wieder von Cliquenbildung zu hören und von schlechter Stimmung innerhalb des Teams. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Großkreutz, der aus Dortmund professionelleres Arbeiten gewohnt ist, schiebt bereits mächtig Frust. Erst der Clinch mit dem Co-Trainer und gestern nach dem Spiel kritisierte er indirekt seine Mitspieler aber auch den Trainer, indem er mehr Mut einforderte.

Luhukay muss diesen Tendenzen vehement entgegen wirken, möchte er länger als nur ein paar Monate hier Trainer sein. Am Spieltag erweckte er für mich nicht diesen Eindruck. Er wirkt bereits jetzt genervt und ratlos und nimmt Darbietungen wie die vom Freitag fast teilnahms- und emotionslos hin, während man auf der Tribüne am Ausrasten ist. Wenn man sah, wie engagiert Frank Schmidt die seinen antrieb und dirigierte, blutete einem schon dabei das Herz.

Dass sich der Trainer im Innenleben des Vereins grundlegend anders präsentiert, kann ich mir nicht vorstellen, so dass zu befürchten ist, dass er die Stimmung im Team mit seiner wortkargen Art auch nicht unbedingt aufhellen kann.

Den späten Verpflichtungen, der Länderspielpause und dem Umstand geschuldet, dass die Neuen vor dem Heidenheim-Spiel erst ein, zwei Mal mit der Mannschaft trainieren konnten, könnte man für Luhukay gerade noch so als mildernden Umstand durchgehen lassen.
Für Kaiserslautern gilt diese Ausrede nicht mehr. Ob ein Pavard deutsch, französisch, chinesisch spricht oder taubstumm ist, es darf keine Rolle spielen, schlechter als Sama und Sunjic kann er nicht sein, also muss er spielen.

Mané wünsche ich mir auf Rechtsaußen, damit diese Position endlich von einer Offensivkraft und nicht improvisiert von einem Rechtsverteidiger bekleidet wird. Großkreutz oder Zimmer rechts hinten, Klein aus dem Kader streichen. Dies sind nur zwei von mir erhoffte und auch erwartete Änderungen, die „Leistungen“ bisher bieten unzählige weitere Möglichkeiten der Blutauffrischung.

Setzt Luhukay auch in Kaiserslautern auf diese in seinen Augen altbewährte Gurkentruppe und das Spiel geht in die Hose, ist der Niederländer für mich durch, so Leid mir das täte.

Mit Zorniger hatten wir es in der Vorsaison ja schon einmal mit einem unverbesserlichen Sturkopf zu tun. Nur, sein Fußball sah erfolgsversprechend aus, es fehlten Nuancen, um damit erfolgreich zu sein, er war emotional und höchst engagiert bei der Sache und posaunte im breitesten Schwäbisch Dinge in die Welt hinaus, die er mal besser für sich behalten hätte, was ihm letztendlich unter anderem das Genick brach. Bekanntermaßen hoffte ich bis zum Schluss darauf, dass er irgendwann mal einlenken und klüger im Umgang mit den Medien werden würde und sein Fußball, der schön zum ansehen war, auch zum Erfolg führen würde.

Jetzt haben wir es mit einem introvertierten Sturkopf zu tun, mit dem ich weit weniger anfangen kann. Bei Zorniger wusste man, wie er dachte, was ihn freute, was ihn ärgerte, bei Luhukay, keine Gefühlsregung, nichts! Man weiß nicht, ob ihn die Vorstellung am Freitag auch erschütterte oder ob er sie als „normal“ hinnahm, weil seine Spieler aus 16 Nationen ihren Deutsch-Kurs noch nicht bis zum Ende besucht haben und die Eingewöhnungsphase noch nicht bei allen abgeschlossen ist. Man weiß nicht, wie lang er diesen (seinen) Fußball als normal akzeptiert, vier, sechs, acht Wochen), bei acht, zwölf, sechzehn Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz?

Da es sich der VfB nicht leisten kann zu früh zu viel Boden auf die Aufstiegsplätze zu verlieren, wäre dann der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen, wenn die Ziele des Vereins mit denen des Trainers nicht mehr korrespondieren.

Schon der Abstieg war hausgemacht, weil man zu lang dem Wirken Dutts und Kramnys vertraute und nicht mehr eingriff, als bereits alle Welt sah, dass man in dieser Konstellation keinen Punkt mehr holen würde. Den gleichen Fehler darf man nicht noch einmal machen, abwarten, die Dinge laufen lassen, auf das Gute in Jos hoffen, um dann irgendwann mit hoffnungslosem Rückstand vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Bis zum Ende der Transferperiode bin ich hinter Luhukay gestanden, jetzt beschleichen mich größte Zweifel, so dass ich mir derzeit eher einen Trainer wie Gisdol, der noch auf dem Markt wäre, wünschen würde, der Begeisterung vorlebt und auch vermitteln kann.

Jos zieht gerade ohne Rücksicht auf Verluste „sein Ding“ durch, wie ich meine, nicht gerade zum Vorteil des Vereins. Daher könnte es durchaus bei negativem Ausgang des Schlüsselspiels in Kaiserslautern schon heißen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, dieses Mal dann gar schon bevor die Blätter fallen.

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