27. August 2016

Sandhausen – Einmal und (hoffentlich) nie wieder

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 18:57

Für einen, der vor noch nicht allzu lang zurückliegender Zeit mit dem VfB europäische Metropolen wie Barcelona, Bukarest, Glasgow, Kopenhagen, Lissabon, London, Madrid, um nur einige zu nennen, bereist hat, war es gestern schon etwas merkwürdig in den Heidelberger Vorort Sandhausen zu einem Ligaspiel aufzubrechen.

Zwischen dem Neckarstadion und dem Hardtwaldstadion zu Sandhausen liegen gerade einmal 112 Kilometer, so dass es trotz der frühen Anstoßzeit um 18.30 Uhr keiner größerer Anstrengungen bedurfte, rechtzeitig da zu sein.

Im Gegenteil, in Anbetracht der Erfahrungen der Vergangenheit, als wir zu manch einem Freitagabend-Spiel erst kurz vor dem Anpfiff angekommen waren, entschied sich der RWS Berkheim, nach Sandhausen bereits um 13.30 Uhr loszufahren.

Den Nachmittag musste ohnehin jeder frei nehmen und eine um eine halbe Stunde frühere Abfahrt, kann beim allfreitäglichen Wahnsinn auf den Autobahnen schon einiges bringen. Da bereits zu dieser frühen Uhrzeit elf Kilometer Stau zwischen Stuttgart-Flughafen und Dreieck Leonberg gemeldet waren, fuhren wir von ES-Berkheim über die B10 und den Pragsattel bis zum einzigen Zustieg an der Autobahn-Auffahrt S-Feuerbach, was sich als die goldrichtige Entscheidung entpuppte. In gerade einmal 40 Minuten waren wird dort und ließen den Stau sprichwörtlich links liegen. So kamen wir auch bis zum Ziel einigermaßen gut voran, von etwas Stop-and-Go-Verkehr kurz nach Heilbronn einmal abgesehen.

Sehr frühzeitig erreichten wir den Parkplatz, von dem uns in Anbetracht der tropischen Temperaturen ein Gewaltmarsch bis zum Stadion bevorstand. Viele andere Bekannte und Fanclubs trafen auch frühzeitig ein, so dass wir auf dem Weg zum Stadion unzählige Male „aufgehalten wurden“, was wir jedoch als willkommene Pausen ansahen.

An einer Abzweigung dann trennte sich die Spreu vom Weizen oder der Weg derer, die Karten für den Gästeblock hatten und denen, die sich am Sandhäuser Kontingent bedient hatten. Soke und ich hatten Karten für den Block A2 ergattert, der laut Stadionplan eine optimale Sicht auf die VfB-Fanblöcke bot und bei dem man eigentlich davon ausgehen hätte müssen, dass der Sandhäuser Kruscht, wie sonst üblich, auf der gegenüberliegenden Seite abgestellt wäre.

Pfeifendeckel, gerade noch rechtzeitig am Tag vor dem Spiel, Trikot war bereits hin gerichtet, las ich zufällig, dass in den Blöcken A1-A4 Zutritt in gegnerischer Fankleidung nicht zulässig wäre, wir uns also im absoluten Heimbereich tummeln würden. Auch das ordne ich unter der Kategorie „Neuland 2. Liga“ ab!

Hin und wieder liest man sich ja schon in die Eigenheiten von Fanszenen ein und was einen zu erwarten hat, vor allem, wenn man sich Karten für außerhalb des Gästeblocks besorgt. Dies bedingt jedoch eine nennenswerte Fanszene, die man bei Sandhausen nicht erwarten durfte und, wenig überraschend, auch nicht vorfand.

Nachdem ich aber nun wusste, dass wir im Heimbereich unterkommen würden, machte ich mich dann doch schlau, wie die Sandhäuser Fans im Stadion untergebracht sind. Dabei staunte ich dann nicht schlecht, dass die Sandhäuser „Ultras“ auf der Hintertor-Tribüne und damit genau neben dem Gästeblock ihr Domizil haben.

Eigentlich ist es für einen Dorfverein, bei dem man Fankultur ohnehin vergeblich sucht, ja zusätzlich peinlich, wenn die eigenen Hardcore-Fans räumlich so untergebracht sind, dass man sie in zwei Drittel der Spiele akustisch überhaupt nicht hört, weil viele Gegner mehr Fans mitbringen als diejenigen, die Sandhausen anlockt.

Dass es ein Heimspiel für den VfB werden würden war bereits im Vorfeld klar, zwischen sieben und acht tausend Brustringträger säumten das weite Rund, dazu noch verirrte Hansels wie Soke und ich, die in neutraler Kluft dem Brustring die Daumen drückten und zeitweise nichts Besseres zu tun hatten, als das Sandhäuser Maskottchen Hardy anzupöbeln. Dieses wird es sich jetzt wohl zwei Mal überlegen, ob es die Reise zum Rückspiel ins Neckarstadion noch antreten möchte. Ich kenne jemanden, der ist heiß auf Dachs.

Im Stehblock auf der Haupttribüne postierten wir uns weit unten und damit in der prallen Sonne, die an diesem Nachmittag erbarmungslos vom Himmel strahlte. Da man bei dieser Hitze viel trinken soll, machte ich mich auch gleich auf den Weg, eine Bezahlkarte zu holen. Selbst ein Dorfverein wie Sandhausen hat diesen Scheiß, den wir inzwischen wieder abgeschafft haben, angefangen.

Auch das ein Nachteil unserer Blockwahl: in vielen Mischblöcken des Stadions war sowohl Bar-, als auch Kartenzahlung möglich, bei uns nur Kartenzahlung. Da sich im Heimbereich jeder auszukennen hat, ließ die Beschilderung, wie man denn zu dieser Karte komme, sehr zu wünschen übrig.

Zunächst stellte ich mich daher auch prompt falsch an, um kurze Zeit später dann doch noch die richtige Schlange zu erspähen. Als ich endlich dran war, wollte die mir zugedachte Karte nicht aufgeladen werden, so dass erst einmal der Supervisor anrücken musste und weitere kostbare Zeit verstrich.

Schließlich hielt ich sie in Händen, stolze 10 Euro Pfand und 40 Euro Guthaben, so dass es auch gewiss reicht und ich mich nicht noch einmal anstellen musste. Anders als mit den Bundesligabezahlkarten, wo man sich stets sicher war, sein Restguthaben in der nächsten Saison auch noch aufbrauchen zu können, schwor ich mir, diese nach dem Spiel gleich wieder abzugeben. Einmal Sandhausen – und nie wieder!

Mit der Karte in der Hand ging es dann auf die Suche nach der kürzesten Schlange an einem Bierstand. Es standen zwar etwa fünf zur Auswahl doch an keiner bewegte sich nennenswert etwas nach vorn, so dass ich fünf Minuten vor Spielbeginn unverrichteter Dinge zurück in den Block ging, um wenigstens das Intro und den Einlauf fotografieren zu können.

Sokes Blick tötete mich zwar fast, als ich mit leeren Händen zurück kam, aber, mit dieser Situation mussten wir beide in diesem Moment leben.
Als das Spiel etwa 15 Minuten alt war, wagte ich den nächsten Vorstoß im Rahmen des Projektes „Bier für Soke und Franky“. Die Reihen an den Ständen sollten sich bis dahin ja gelichtet haben, das Bier inzwischen „eingelaufen“, das Personal eingearbeitet sein. Aber nein, nichts von alledem, ein Dorfverein wie Sandhausen hat es offensichtlich nicht nötig, ein wenig Umsatz zu machen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich zwei kühle Bier in Händen hielt und, da ich es schon mal nach vorne geschafft habe und, „essa musch“, habe ich mir auch gleich noch eine Rindswurst mitgenommen.

Senf, Ketchup & Co. gab es (natürlich) wieder an einem anderen Schalter und als ich dort ankam, hörte ich schon den Herrn vor mir auf Badisch bruddeln, dass der Senf leer wäre.

O. k., bevor ich noch mehr vom Spiel verpasse, ich war schließlich schon reichlich genervt, dachte ich mir, „scheiß drauf, Ketchup tut‘s auch“.
Kurz mal auf den Heinz Hebeldosierspender gedrückt und, passend zum bisherigen Aufenthalt in diesem Stadion, mehr Ketchup auf der Hose gehabt als auf der Wurst. War mir aber zu diesem Zeitpunkt schon egal, denn die Roten, das sind ja ohnehin wir!

Da das Spiel nicht so sehr der Burner war wie das Wetter an diesem Tag und das kühle Nass schneller weg war, als man gucken konnte, wiederholte sich das ärgerliche Spielchen an den Ständen noch einige Male, hilft ja nix, da mussten wir durch.

Eines ist dann aber auch sicher. Lieber diese Ärgernisse beim Warten auf das Vollbier in Kauf nehmen, als alkoholfreies Bier im Gästeblock vorgesetzt zu bekommen. Da bin ich richtiggehend froh, dass ich mich mit dieser Thematik nicht auch noch herum ärgern musste. Gerade an einem solch heißen Tag, an dem das Bier im Bus von Bier zu Bier wärmer wird, freut man sich doch erstrecht auf das erste eisgekühlte Bier und dann so etwas. Alkoholfrei! Pfui Deibel!

Mich kotzt diese Gängelei durch jeden dahergelaufenen Dorfverein nur noch an. Was soll die Scheiße? In diesem Spiel zweier Kontrahenten, die sich erst ein einziges Mal in einem Pflichtspiel über den Weg gelaufen waren, die keine Rivalität verbindet, wo der Heimverein keine Ultra-Szene zu bieten gehabt hat, an der sich unsere Ultras hätten reiben können, wo tausende VfBler nur hingefahren sind, um Spaß zu haben, weshalb geißelt man eine gesamte Fanszene durch ein solch schwachsinniges Alkoholverbot? Für mich sind das pure Schikane-Maßnahmen ohne jeglichen Sinn dahinter.

In der Hinsicht hatten wir mit der Platzwahl also alles richtig gemacht. Im Block selbst ging’s auch gechillt zu, kein Stress, keine Pöbeleien, außer vielleicht einem älteren Dorftrottel hinter uns, der lautstark polterte, dass es eine Frechheit seitens des VfB sei, mit einer solchen Vorstellung auch noch das Spiel zu gewinnen. Vielleicht hatte er es darauf angelegt, dass wir uns drüber ärgern oder gar in eine Diskussion mit einsteigen wollten, aber, erstens war es heiß und zweitens sind wir der VfB, Diskussion also überflüssig.

Das Spiel verfolgte ich dann, vor allem in der ersten Hälfte, als wir noch sprichwörtlich auf der Sonnenseite waren, teils stehend und knipsend, teils sitzend und Schatten von den Leuten suchend und eben am Bierstand.

Der VfB startete in die Partei personell mit derselben Formation wie in Homburg, also erneut ohne Alexandru Maxim. Sandhausen wählte jene Taktik, mit der dem VfB, es hat sich in der Republik herum gesprochen, am ehesten beizukommen ist, nämlich dann, wenn man, auch als Heimmannschaft, tief steht und bei gegnerischen Ballverlusten versucht, schnell nach vorne zu kommen.

Frappierend erneut die fehlende individuelle Klasse einiger Akteure beim VfB, bei dem sich in der Zweikampfführung erneut vor allem Klein und Šunjić negativ hervor getan haben. Auch gegen Sandhausen wussten sie sich vor allem in der ersten halben Stunde oft nur durch unnötige Fouls zu helfen, was den Gegner dann automatisch besser in die Partie brachte.

Da der VfB zwar viel Ballbesitz hatte, einmal mehr aber die letzten Zuspiele zu schlampig gespielt wurden, entwickelte sich eine Partie ohne nennenswerte Höhepunkte geschweige denn mit Torchancen.

Erst in der 39. Minute änderte sich das, als Berkay Özcan einen Freistoß punktgenau auf den heranfliegenden Simon Terodde servierte und dieser wuchtig einköpfte. Endlich das erste Tor in einem Pflichtspiel für den VfB, für den Mann mit der eingebauten Torgarantie. Hoffentlich ist der Knoten damit geplatzt. Kurz darauf musste Jean Zimmer mit einer Platzwunde am Kopf raus, für ihn kam Borys Tashchy. Zimmer war nicht einverstanden mit seiner Auswechslung, die offensichtlich der Vereinsarzt angeordnet hatte, und protestierte lautstark dagegen. Mit dem Führungstreffer im Rücken machte der VfB nochmal Druck vor der Pause, konnte aber nicht mehr erhöhen.

Nach dem Wechsel zunächst eine Schrecksekunde, als Langerak an einer Flanke in bester Ulreich-Manier vorbei flog und Kister auf die Latte köpfte. So schnell kann es gehen, daher wäre der VfB gut beraten, ein zweites Tor nachzulegen. Eine Minute später schon hatte Gentner nach Hereingabe von Insúa die Gelegenheit auf dem Fuß, vergab aber den schwer zu verarbeitenden Ball – es sah ein wenig nach Slapstick aus, ein richtiger Goalgetter hätte vermutlich den linken Fuß genommen.

Was Gentner in jener Szene verpasste, holte er zehn Minuten später nach. Özcan spielte sich geschickt bis zur Torlinie durch und passte überlegt zurück, so dass Gentner nur noch einzuschieben brauchte. 0:2, riesen Stimmung unter den zahlreichen VfB-Fans, der erste Auswärtssieg in der 2. Liga seit 39 Jahren war zum Greifen nah.

Doch, der VfB der Gegenwart wäre eben nicht der VfB, wenn er nicht selbst noch für Spannung gesorgt hätte Šunjić trat verhängnisvoll über den Ball, so dass Wooten frei vor Langerak auftauchen und zum Anschluss knipsen konnte. Nicht nur in dieser Situation steht man der Frage mit offenen Augen gegenüber, wie ein limitierter Spieler wie Šunjić Bundesliga oder auch jetzt 2. Liga spielen kann. Nach der Rückkehr von Timo Baumgartl ist Šunjić hoffentlich kein Thema mehr, dass ein Kaminski so viel schlechter als Šunjić sein soll, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Dieses Tor sorgte also noch einmal für Spannung. In der Schlussviertelstunde warf Sandhausen alles nach vorn und sorgte mit langen Bällen in den Strafraum durchaus noch für Gefahr, während der VfB mit Mann und Maus versuchte, den Vorsprung zu verteidigen. Dies gelang am Ende auch, so dass unterm Strich nach drei Saisonspielen zwei Siege und eine Niederlage stehen.

Rechnet man das Weiterkommen im Pokal hinzu, in dem man es in der nächsten Runde mit einem Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach zu tun hat, kann man einen einigermaßen gelungenen Saisonauftakt verbuchen und entspannt in die Länderspielpause gehen.

Von Anfang war es mir klar, dass sich der VfB im August noch durchmogeln muss. Dass die Personalplanungen zu diesem späten Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sind, ist zwar bedauerlich und der langen Sportdirektorensuche geschuldet, aber, darüber zu lamentieren bringt nichts, die Situation ist eben nun so, wie sie ist.

Gestern nahm der VfB mit Takuma Asano auf Leihbasis einen japanischen Offensivspieler unter Vertrag, der von keinem geringeren als dem FC Arsenal kommt. Von ihm erhoffe ich mir, dass er die Qualität im Offensivbereich steigert und Simon Terodde im Angriffspiel entlastet.

Heute wird in der Gerüchteküche der Name Benjamin Pavard vom OSC Lille heiß gehandelt, der in der Viererkette alle vier Positionen bekleiden können soll, wie zu lesen ist. Da aus Lille seinerzeit auch Matthieu Delpierre zum VfB kam, wäre mir dieser Transfer auf den ersten Blick nicht ganz unsympathisch.

Käme er und noch ein Spieler für die rechte Außenbahn, sähe ich uns gar nicht so schlecht aufgestellt. Man darf nicht vergessen, dass wir in Timo Baumgartl, Kevin Großkreutz, Hajime Hosogai, Anto Grgic und Daniel Ginczek einige zuletzt verletzte Stammelfkandidaten haben, die die Qualität schon noch bedeutend anheben können. Viele träumen ja von Transfers wie zu Bundesligazeiten, ich habe mich von diesen Träumen verabschiedet.
Schmalhans wird Küchenmeister bleiben, der VfB wird auf dem Transfermarkt keine verrückten Dinge machen und wird sicherlich auch nicht Spieler nur deshalb verpflichten, um den Fans eine Beruhigungspille verabreicht zu haben.

Man darf gespannt sein, was bis Mitte kommender Woche noch passieren wird und wer noch präsentiert wird. Außer fußballerischer Fähigkeiten gilt es dabei ganz besonders auf die charakterlichen zu achten und nur Spieler zu holen, die das Team über sich selbst stellen. Daran hat es in den letzten Jahren gekrankt, deshalb sind wir abgestiegen und die faulen Äpfel scheinen noch immer nicht alle ausgemistet, da es um die Stimmung im Team nicht zum besten bestellt sein soll, wie man hört.

Woran das liegt, wer die Unruhestifter sind, bekommt man als Außenstehender natürlich nicht mit. Aber ein Kapitän, der mindestens genauso lang schon Kapitän ist, wie es am Teamgeist krankt, muss hier tätig werden und das Kind beim Namen nennen. Tut er das und er wird nicht gehört, sollte er sein Amt niederlegen, tut er es nicht, ist er als Kapitän fehl am Platze.

Der elementare Ansatz beim Aufbau dieser neuen Mannschaft muss der sein, ein Team zu formen, das sich versteht und das sich auf dem Platz hilft. Von der Quantität her stimmt das Verhältnis ältere zu jüngere Spieler, nur, die Älteren müssen Vorbilder sein, müssen vorneweg gehen, müssen Verantwortung übernehmen und sie müssen den jüngeren im Team helfen, sich ins Team einzufinden.

Würde das schon jetzt funktionieren, hätten wir ein brauchbares Gerüst und könnten möglicherweise auch auf den einen oder anderen Transfer verzichten, weil ein Youngster bereit steht, den man einbauen könnte. In den letzten Jahren aber, als auch Timo Werner und Timo Baumgartl oft auf sich allein gestellt waren, hat man das nicht hinbekommen.

In Grassau waren ja einige aus dem Reservoir zugegen. Die Jungs können alle Fußball spielen und sind wissbegierig, was sie brauchen, ist eine gute Führung in der Mannschaft und einen Trainer, der sich getraut, sie einzusetzen. Luhukay zeigt zumindest was die Personalie Özcan betrifft, ein gewisses Faible für junge Spieler.

An dieser Stelle spanne ich den Bogen zurück zu den möglichen weiteren Transfers. Lastminute-Transfers gegenüber bin ich deshalb kritisch eingestellt, weil ich es mir nicht vorstellen kann, dass man sich in der Kürze der Zeit intensiv genug mit dem Menschen hinter dem Spieler befasst hat. Bevor man wieder einen Vogel wie Artem Kravets an Land zieht, der Gift für das Mannschaftsklima war, sollte man es lieber bleiben lassen und dem eigenen Nachwuchs vertrauen.

Jetzt, die Saison hat kaum richtig begonnen, steht auch schon wieder die erste Länderspielpause vor der Tür. Zeit für den VfB, den Kader zu vervollständigen und an einer ersten Elf zu arbeiten, die in zwei Wochen gegen Heidenheim gegenüber der von gestern schon auf einigen Positionen verändert sein dürfte. Ich freue mich drauf.

Um meine tollen Erfahrungen mit dem Dorfverein zu komplettieren: Zunächst einmal zog sich der Weg zurück zum Bus aufgrund der schmalen Wege und der Menschenmassen ewig hin. Gipfel dieser Tort(o)ur war ein Polizei-Kastenwagen aus dem in höllischer Lautstärke Ballermann-Musik ertönte und der unweigerlich an das Lied vom grün-weißen Party-Bus erinnerte.

Dann, kleine Reminiszenz an die Bundesliga, benötigt man etwa gleich lang, um aus dem Parkhaus der Arroganz-Arena herauszukommen, wie man benötigt, sich in Sandhausen vom Acker zu machen. Eine gefühlte Ewigkeit lang kamen wir keinen Meter voran, doch das belastete uns an diesem Abend nicht mehr allzu sehr. Die Stimmung nach dem Auswärtssieg war prächtig, das Siegesbier schmeckte und, noch auf Sandhauser Gemarkung, ertönte aus unseren Kehlen das Europapokal-Lied im Bus. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.6/10 (8 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
25. August 2016

Oldschool vom Feinsten

Die erste Pokalrunde 2016/2017 hatte uns mit dem FC Homburg einen wahren Leckerbissen serviert. Im Homburger Waldstadion, in dem scheinbar die Zeit in den 80er-Jahren stehen geblieben war, durften wir den perfekten Fußball-Tag erleben.

Anders als bei den Aufeinandertreffen in der Vorsaison, als uns in Kiel und auch in Jena (wo ich leider nicht sein konnte) böser Hass des Underdogs entgegen schlug, hatte man in Homburg jederzeit den Eindruck herzlich willkommen zu sein.

Das fing schon damit an, dass die Wege zum Stadion von Heim- und Gästefans nicht hermetisch voneinander getrennt waren und setzte sich bei den Einlasskontrollen fort, die zügig und respektvoll vonstattengingen.

Bereits im Vorfeld hatte ich mit der Fanbetreuung des FC Homburg netten Mailkontakt, als ich wissen wollte, da in der Stadionordnung nichts darüber zu lesen war, welche Kameras denn erlaubt seien und mich in diesem Zuge auch gleich informierte, meine Erfahrungen aus Kiel ließen grüßen, ob es denn in meinem Block im „neutralen“ Bereich auf der Haupttribüne Probleme geben könnte, wenn man dort in gegnerischer Fankleidung einlaufe.

Dem sei nicht so, Kameras kein Problem und auch in dem als Familienblock deklarierten Block nicht. Der Fanbetreuer wies darauf hin, dass man in den letzten Jahren bereits mit Schalkern und Gladbachern im Pokal Fußballfeste gefeiert habe und es nie zu nennenswerten Problemen gekommen wäre.

Genau so entpuppte sich die Situation dann auch. Gemischtes Publikum und überraschend viele Familien, in denen das Oberhaupt den Saarländern die Daumen drückte und die im Schlepptau anwesenden Kids ein VfB-Trikot übergestreift hatten. Es war dabei so, wie ich es mir eigentlich im Pokal vorstelle. Dass man als Fan des Underdogs zwar auf eine Sensation hofft, sich jedoch in erster Linie daran erfreut, einmal den großen Fußball bei sich zu haben und ein Fußballfest erleben zu dürfen und das Ganze nicht ganz so verbissen wie im Ligaalltag sieht. Schließlich begegnen wir uns auch nicht auf Augenhöhe, sondern es liegen zwei Ligen dazwischen. Unsere Amateure werden in der Liga ihre Visitenkarte im Waldstadion abgeben, das Derby gegen den 1. FC Saarbrücken die Gemüter erhitzen.

Mit Fotografenkollege Soke (www.soke2.de) hatte ich beim FCH direkt das Ticket bestellt, um einen guten Blick auf unsere Kurve und auch den Fanblock der Homburger, der auf der Gegengerade seine Heimat hat, zu haben. Diese Wahl war nahezu perfekt, sollte doch vor allem im Gästeblock an diesem Nachmittag einiges geboten sein.

Das Ambiente war einfach nur zum Wohlfühlen! Direkt vor dem Stadion genügend Bierstände und Gastronomie, um sich auf den Kick einzustimmen, im Stadion dann eben alles Oldschool. Eine alte Tribüne, noch eine Laufbahn, überwiegend Stehplätze, günstiges Bier, die Stadionwurst noch vom Holzkohlegrill (!), nostalgisch anmutende Flutlichtmasten und alles eben ursprünglicher als das, was man in den oberen Ligen vorgesetzt bekommt.
Als Allesfahrer habe ich die Schnauze voll von den neuwertigen geleckten Multifunktionsarenen, auf der grünen Wiese gebaut, bei denen verquere Sicherheitskonzepte über allem stehen und die sich nur noch in der Farbe unterscheiden. Homburg, das war wie Fußball in den 80ern, wie er früher einmal war, wie ich ihn lieben gelernt habe.

Zu Bundesligazeiten war ich schon einmal dort. Ja, für die Jüngeren unter uns, der FC Homburg spielte als damals eigentlich ewiger Zweitligist auch drei Jahre in der Eliteklasse. Besonders erinnert man sich dabei an ihren Trikotsponsor „London“, einen Kondom-Hersteller, den der prüde DFB zunächst nicht zugelassen hatte und nach einem Gerichtsurteil schließlich doch klein beigeben musste. Wie es mit Werbung so ist, spricht man darüber, ist sie erfolgreich, so auch in diesem Fall, „London“ war sprichwörtlich in aller Munde. ;-)

Mit dem FC Homburg traf der VfB durchaus auf einen Angstgegner. In zuvor fünf Pflichtspielen im Waldstadion verlor der VfB vier Mal und schaffte einmal ein Remis. Doch diese Statistik durfte an diesem Spätnachmittag keine Rolle spielen, waren doch die meisten der Brustringträger zu jener Zeit noch nicht einmal auf der Welt.

Der VfB, bei dem Maxim abermals auf der Bank Platz nehmen musste, ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer hier der Zweitligist und wer der Regionalligist ist. Dominante Spielführung, hinten wenig anbrennen gelassen und zwei Aluminiumtreffer vor der Halbzeit bedeuteten zwar noch ein mageres 0:0 zur Pause, doch, ernsthaft Sorgen machte man sich im Stadion nicht, dass dieser Auftritt in die Hose gehen könnte. Und trotzdem war es einmal mehr augenscheinlich, dass dem VfB die Durchschlagskraft fehlt und die derzeitige „Offensivstärke“ nicht einmal einen Regionalligisten ernsthaft zu gefährden in der Lage ist.

Als Gentner und Özcan kurz nach der Pause per Doppelschlag auf 0:2 stellten, war der Käs gegessen, das 0:3 durch Tashchy kurz vor Schluss gehört auch noch zur Chronistenpflicht, mehr aber auch nicht. Eine Spielanalyse erspare ich mir, weil dieser Pflichtsieg keinerlei Aufschlüsse für die nächsten Aufgaben gibt. Er ändert nichts daran, dass personell noch einiges passieren muss, um ernsthafter Aufstiegskandidat zu sein. Und, dieser Sieg lässt auch die nächste Aufgabe in Sandhausen nicht leichter erscheinen, weil es morgen ein viel unbequemeres Spiel werden wird. Einzig durch die Dorfclub-Atmosphäre wird Sandhausen mit Homburg vergleichbar sein, vielleicht auch noch, dass es wieder in ein Wald-, wenn auch ins Hardtwald-Stadion geht.

Wer vor Wochen darüber gejammert hatte, dass der VfB zunächst Montags gegen St. Pauli und Freitags dann schon in Düsseldorf antreten musste, darf sich dieses Mal freuen und die drei Punkte schon mal für sich verbuchen. War es damals für viele ein Wettbewerbsnachteil und ein Alibi für die Brustringträger, womit sich die Niederlage in Düsseldorf schon im Voraus erklären ließ, haben wir nun diesen Vorteil auf unserer Seite. Während der VfB seit Samstagabend bereits in die Vorbereitung fürs Sandhausen-Spiel einsteigen konnte, musste Sandhausen am Montag-Abend noch seine Pokalhürde beim SC Paderborn meistern.

Sandhausen dürfte für den VfB eine schwierige Aufgabe und eine Prüfung werden, in wie weit er bereits in der 2. Liga angekommen ist. Spielerisch ist ohnehin noch viel Luft nach oben, aber auch mental muss man die Liga erst einmal annehmen. Ging es vor Monaten noch in Fußballtempel wie das Westfalenstadion und war einem die Aufmerksamkeit von ganz Fußball-Deutschland gewiss, „reist“ man nun ins beschauliche Sandhausen, das der Busfahrer wohl erst einmal auf der Landkarte suchen muss.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass zwei Drittel des Stadions in weiß-rot gehüllt sein werden, muss es die Truppe verinnerlichen, dass dort Fußball gearbeitet wird und mit Schönspielerei kein Blumentopf zu gewinnen sein dürfte. Der VfB muss über den Kampf zum Spiel finden und nicht umgekehrt, sonst hat man schon verloren. Man muss endlich ohnehin vom eigenen Selbstverständnis abkommen, eine spielerisch starke Mannschaft zu sein, wenn man sieht, welche fußballerischen Mängel in dieser Truppe stecken. Dies würde nämlich bedingen, dass man dazu in der Lage ist den Ball in den eigenen Reihen zu halten, den Gegner mit Ballbesitzfußball zu zermürben und geduldig auf die sich bietenden Lücken zu warten. Beim VfB aber ist meist schon nach dem zweiten Pass Schluss mit Ballbesitz, weil ein Ball zu ungenau gespielt wurde, dem Pass das Timing fehlt oder einer der Brustringträger den Ball nicht stoppen konnte.

Da der VfB die Pokalhürde Homburg weitestgehend unspektakulär aber auch ungefährdet nahm, rückten am Rande des Spiels zwei Themen in den Vordergrund. Die abermalige Nichtnominierung Alexandru Maxims in die Startelf und die reichhaltigen Pyro-Einlagen der VfB-Anhänger.

Zur Causa Maxim fällt mir spontan der Bestseller von Heinrich Böll „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ein. In dem 1974 erschienenen Werk erzählt Böll von einer unbescholtenen Frau, die aufgrund von Sensationsjournalismus und falscher Berichterstattung in die Isolation getrieben wird und schließlich den verantwortlichen Journalisten erschoss. Böll wollte mit dieser Geschichte auf die Macht der Massenmedien verweisen und bewies durchaus Weitblick, weil diese, wie man heute weiß, vor nichts zurückschrecken und fleißig Lügen und Halbwahrheiten verbreiten und Meinung bilden.

Die Sozialen Medien tun ihr Übriges. Auch wenn der Vergleich weit hergeholt ist, finde ich die momentane Entwicklung sehr bedenklich. Was in den sozialen Medien Stimmung gemacht und gehetzt wird, jeder und jeglicher Bildungsschicht angehörig, sich dazu genötigt fühlt, Protagonisten unseres LieblingsSPIELS infundiert zu kritisieren und vor zu beleidigen, sind das zwar die Geister, die durch das Hypen der Sportart gerufen wurden, die aber doch für mich inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen haben, so dass ich mir schon fast und allen Ernstes, die Zeiten ohne Internet zurückwünsche.

Was der VfB jetzt am meisten braucht, sind Vertrauen und Ruhe. Vertrauen, dass die Verantwortlichen wissen, was zu tun ist, Ruhe und Geduld des Umfeldes, dass sie den Verein langsam wieder aus der Talsohle herausführen.

Natürlich ist es nicht einfach, diesem Verein nach all den Jahren Vertrauen entgegen zu bringen. Vor allem der Aufsichtsrat ist nach wie vor die Wurzel allen Übels.

Der Aufsichtsrat hat Dutt nicht gebremst, als es noch möglich und auch realistisch gewesen wäre, den Abstieg zu verhindern. Er hat die Dinge untätig ins Verderben laufen lassen, sich aus der Verantwortung gestohlen und alles auf die Karte Dutt gesetzt, um ihn dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion zu entlassen, ohne einen Plan B in der Tasche zu haben.

Das ist der Hauptgrund für die Situation, wie wir sie jetzt vorfinden, nämlich die, dass wir auch nach dem zweiten Spieltag noch keine (endgültige) Mannschaft haben.

Zudem präsentierte der Aufsichtsrat letzte Woche den (einzigen) Präsidentschaftskandidaten Wolfgang Dietrich, der den VfB-Mitgliedern zur Wahl vorgesetzt wird nach dem Motto „friss oder stirb“. Dietrich mag die notwendigen Anforderungen mitbringen, doch, ob durch seine Vergangenheit bei der Quattrex AG Interessenskonflikte wegen Engagements bei anderen Vereinen bestehen und vor allem, ob er als ehemaliger S21-Sprecher nicht mehr polarisiert als eint, wird sich zeigen. Sehr unglücklich für mich, diese Entscheidung des Aufsichtsrats, auch hier wieder nicht dem Wunsch der Mitglieder nach mehr als nur einem Kandidaten entsprochen zu haben. Positiv zu bewerten ist für mich lediglich, dass er das Amt ehrenamtlich ausführen würde.

Vom neuen Präsidenten erwarte ich mir einen, der nach innen den Finger in die Wunde legt und nach außen hin den Verein gut repräsentiert. Ob man dies von einem Präsidenten von Aufsichtsrats Gnaden erwarten kann, bezweifle ich. So ist nach seiner Wahl zu befürchten, dass sich wieder einmal nichts ändern wird und das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Mitgliedern eher noch verschlechtern wird.

Dass man der Vereinsführung kein Vertrauen mehr entgegenbringen kann, ist also logisch. Dass man aber jetzt schon die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Jos Luhukay in Frage stellt, finde ich einfach nur beschämend. Es geht schon wieder so los wie vor einem Jahr, als Alexander Zorniger sehr schnell lautstark kritisiert wurde und von den Medien nach und nach raus geschrieben wurde. Der Schuldige war gefunden, die Spieler fein raus.

Und jetzt heißt es bereits „der Nächste bitte“. Schindelmeiser wird vorgeworfen, dass er nichts mache und womöglich nach wie vor an seinen Porsche herum schraube, als endlich weitere Neuzugänge, und dann auch noch welche, die uns sofort weiterbringen, zu präsentieren.

Ich sage bereits seit geraumer Zeit, dass ich vor dem 01.09. dazu überhaupt nichts mehr sagen möchte. Keiner derer, die jetzt meinen laut drauf hauen und die Geduld verlieren zu müssen, weiß, wie schwer es Schindelmeiser hat, überhaupt fähige Leute für das „Projekt VfB in der 2. Liga“ zu begeistern und sie dann noch zu vernünftigen Konditionen von ihren Vereinen loseisen zu können. Keiner weiß, wie die Drähte glühen, an welchen Details und Unwägbarkeiten mancher Transfer möglicherweise noch hängt.

Solang der Transfermarkt noch geöffnet ist, habe ich Vertrauen in Schindelmeiser, dass er seinen Worten Taten folgen lässt, nämlich denen, dass der Kader in der derzeitigen Zusammenstellung keinen Anlass zu Aufstiegshoffnungen bietet und man nachbessern wolle.

Bis zum Transferschluss hat Schindelmeiser noch ein paar Tage Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, danach kann man resümieren, ob sich die Geduld ausgezahlt hat. Sollte keiner mehr kommen oder es nur ein vertragsloser Fußballer werden, wie der immer wieder gehandelte Kevin Kuranyi, den man dann auch schon früher hätte holen können, dann würde ich auch nervös werden, vorher aber noch nicht.

Auch Jos Luhukay steht bereits in der Kritik, weil er es sich in Homburg zum wiederholten Mal erlaubt hat, den Fanliebling Alexandru Maxim auf die Bank zu setzen und statt seiner das Greenhorn Berkay Özcan aufgestellt hatte.

Zunächst einmal täte uns ein wenig mehr Vertrauen in die Arbeit eines Trainers gut zu Gesicht stehen. Luhukay ist für mich nach wie vor der geeignetste Mann für das Projekt Wiederaufstieg, wenn nicht er, wer dann, weiß, wie Aufstieg geht? „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“ pflegte Giovanni Trapattoni zu sagen, also, vertrauen wir doch den Trainingseindrücken des Fachmanns, der tagtäglich mit Maxim zu tun hat. In den bisherigen drei Pflichtspielen hat der VfB genau jene zwei gewonnen, in denen Maxim von der Bank kam und das eine verloren, in dem er von Beginn an spielte.

Über allen Einzelschicksalen muss das Team stehen und der Trainer sollte so aufstellen, wie er denkt, dass es für das Team und schließlich den Teamerfolg am besten ist. So war es zumindest früher. Heutzutage, wo schon bei jedem Training fünf Kamerateams und etliche Schreiberlinge zugegen sind, wird jede Geste kommentiert, in jedes Einzelgespräch etwas hinein interpretiert. Der Böse ist in den sozialen Medien schon gefunden. Nicht wenige verbinden das Schicksal Luhukays mit seinem Umgang mit Maxim. Jetzt, wo Didavi weg ist und Maxim sich die „10“ geangelt hat, leiten viele eine automatische Startelfberechtigung für Maxim ab, die es natürlich nicht geben kann.

Luhukay betont stets, Maxim wisse, was er von ihm erwarte und wie es um seine Position bestellt sei, dann sollen die Herren Briem/ Maxim die Situation auch akzeptieren und sich nicht über die Medien ausweinen. Jenem Herbert Briem, der beim VfB nach wie vor ein und aus geht, seinen Schützling aber über das Gesamtkonstrukt hebt, würde ich, schon allein um die Autorität des Trainers zu stärken, Hausverbot erteilen, damit endlich mal Ruhe ist.

Diese meine Sichtweise ist ausschließlich auf mein Vertrauen in die Arbeit des Trainers bezogen. Ich mag Maxim nämlich schon auch, seine gelegentlichen Geniestreiche zum Beispiel, aber, auch ich sehe, dass er es in dreieinhalb Jahren VfB nie geschafft hat, Konstanz in seine Leistungen zu bringen und er stets dann am stärksten war, wenn er von der Bank kam.

Dabei ist Maxim fast ein Sinnbild der letzten VfB-Jahre! Auch Maxim war stets und zu schnell mit sich und seinen Leistungen zufrieden. Nach einer Top-Leistung ließ er sich lieber wochenlang feiern, anstatt eine eigene Gier zu entwickeln, diese Woche für Woche auf den Rasen zu zaubern und sich stetig zu verbessern.

Özcan kommt mir dabei in der Diskussion um Maxim zu kurz. Es ist doch ein Versprechen an die Zukunft, wenn der VfB momentan dabei ist, mit Sama und Özcan gleich zwei Eigengewächse in die Profimannschaft zu integrieren. Nach dem Abschneiden der U-Teams und dem Abstieg der Amateure ist es zwar klar, dass jung nicht automatisch mit gut gleichzusetzen ist, aber, ich sehe es erst einmal positiv, dass Luhukay Potential in den Jungs sieht und sie auch fördert. Alle Welt schreit nach mehr jungen Spielern und, spielt dann einer, wird noch lauter gejammert, weil er einem Arrivierten den Platz weg nimmt.

Daher ist es für Schindelmeiser eine zusätzliche Bürde, bei den Transfers das richtige Näschen zu haben und nur Spieler zu holen, die uns entscheidend weiter bringen für Positionen, für die der Kader keine Alternativen bietet.

Viele rufen ja noch immer nach dem gestandenen Innenverteidiger, der uns seit Jahren abgeht. Gerade den würde ich, Stand jetzt, nicht mehr holen, um Leuten wie Stephen Sama und Timo Baumgartl nicht schon wieder jemanden vor die Nase zu setzen.

Da Tobias Werner bis jetzt ganz gut eingeschlagen hat, ist für mich die größte derzeit noch offene Baustelle die Außenbahn rechts. Im zentralen Mittelfeld, in dem eine Planstelle ja seit Jahren von Gentner blockiert ist, ist zumindest so lange Hosogai ausfällt, eine Stelle vakant. Da hoffe ich für Sandhausen auf das Debüt von Anto Grgic und bin gespannt, wie er sich macht.

Insgesamt ist es also für die sportlich Verantwortlichen ein Vabanquespiel, ihrer Überzeugung zu folgen, nicht in Aktionismus zu verfallen und das Team peu à peu zu verbessern, Rückschläge, wie zuletzt in Düsseldorf, einkalkuliert. Wenn das Umfeld den getroffenen Entscheidungen kein Vertrauen entgegen bringt, jegliche Maßnahme hinterfragt und kritisiert wird, ist es leider zu befürchten, dass die nächste Trainerdiskussion bereits schon wieder vor der Tür steht, es sei denn, was ich nicht glaube, der VfB würde von nun an alles in Grund und Boden spielen.

Die Erfahrungen mit Zorniger aus dem Vorjahr lassen dabei grüßen. Auch bei ihm fing das Bashing in den sozialen Medien an, auch unter ihm heulten sich unzufriedene Protagonisten bei den Medien aus, auch für sie waren die Stuttgarter Blätter dankbare Empfänger ihrer „Leidensgeschichte“, wodurch permanente Unruhe herrschte und Zorniger irgendwann der Meute zum Fraß vorgeworfen wurde.

Ich hoffe es inständig, Luhukay bekommt mehr Zeit als Zorniger, die Missstände in Team und Verein anzupacken und nicht, dass man ihn auch alsbald wieder vom Hof jagt.

Das zweite große Thema nach dem Pokalspiel war die Zündelei im VfB-Block. Ich muss es zugeben, dass ich schon ein Faible pro Pyro habe und, als Stadionfotograf ganz besonders, die Einlagen genossen und gefeiert habe.

Würden Pyroshows immer so ablaufen wie am Samstag, kaum jemand hätte einen Anlass, sich darüber aufzuregen. Dass die Brennstäbe heiß sind, dass es zu bösen Verbrennungen kommen kann, ist zwar nicht von der Hand zu weisen. Aber, die Fackeln werden in der Regel direkt im Ultras-Block gezündet. Wer sich dort hin stellt, begibt sich wissentlich in eine gewisse Gefahr, wer Pyro ächtet, soll sich in Gottes Namen woanders hinstellen, ein Block ist schließlich groß genug. In Homburg „arbeiteten“ Feuerwehr und Ultras Hand in Hand. Abgebrannte Fackeln wurden den Feuerwehrleuten in die Hand gegeben, es wurde nichts geworfen, kein Böller gezündet. In diesem Rahmen für mich absolut in Ordnung.

Auch wenn der Schiedsrichter offensichtlich mit Spielabbruch gedroht hat, hat für einen solchen meiner Meinung nach kein Grund vorgelegen. Der Wind stand günstig, die Rauchschwaden verzogen sich nicht aufs Feld und beeinträchtigten somit auch nicht die Sicht auf dem Spielfeld. Für mich war es einfach nur schön anzusehen!

Es spielt aber natürlich auch keine Rolle, wie ich dazu stehe. Da es leider auch genügend Idioten in den Fanblöcken gibt, die Pyro als Waffen benutzen und gegnerische Fans damit beschießen, wird es in Deutschland wohl nie zu einer Legalisierung kommen, womit ich allerdings auch gut leben kann.

Nichtsdestotrotz werden wir Pyro-affinen Geister auch in Zukunft die eine oder andere Pyroshow geboten bekommen. Verbote reizen ohnehin mehr, so dass es den Ultras weiterhin ein Vergnügen sein wird, hie und da die Obrigkeit zu überlisten und Material ins Stadion hineinzuschmuggeln.

Es ist nun mal Fakt, dass uns der moderne Fußball immer mehr von seiner Ursprünglichkeit nimmt, seien es die Anstoßzeiten, seien es die explodierenden Gehälter, seien es Repressalien gegen Stadiongänger bis hin zu Kollektivstrafen für ganze Fanszenen. So ist es für mich nicht verwunderlich, dass die Ultras das was sie unter Fankultur verstehen, am Leben erhalten und auch mal in farbenfroher Art und Weise auf sich aufmerksam machen möchten.

Heuchlerisch finde ich in diesem Zusammenhang das Rumgeheule einiger Fans über die zu erwartende Geldstrafe für die Pyro-Aktionen, die sich im Bereich von 15.000 Euro bewegen dürfte. Natürlich, für einen Normalsterblichen ist das sehr viel Geld, aber, ein Profiverein bezahlt das aus der Portokasse, wenn er nicht ohnehin schon Rücklagen für den Fall der Fälle gebildet hat.

Solang ein solcher Betrag einem durchschnittlichen Fußballer wie Christian Gentner, bricht man sein Jahresgehalt herunter, alle drei Tage in den Allerwertesten geblasen werden und solang der VfB-Tross auch als Zweitligist noch Woche für Woche in 5*-Luxushotels absteigt, mache ich mir über diese außerordentlichen Ausgaben keine Gedanken und erstrecht keine Sorgen darüber, dass dies auch nur irgendeinen Transfer beeinträchtigen könnte.

Jetzt gilt es aber nach vorne zu schauen, auf das Heimspiel in Sandhausen und dann auf die letzten Tage und Stunden des Sommertransfermarktes.
Nach wie vor hoffe ich, dass sich in beide Richtungen noch etwas bewegt und ein Spieler wie Florian Klein endlich den Club findet, der seinen Ansprüchen genügt. Nach seine Aussagen zu den Fans und zum Verein und seinem halbherzigen Treuebekenntnis, nachdem er wider Erwarten doch zum VfB zurückkehren „musste“, kann ich es kaum noch ertragen, diesen Spieler unser Trikot beschmutzen zu sehen.

Ich hoffe, man findet hier noch eine Lösung oder setzt ihn notfalls auf die Tribüne. Mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann haben wir auf der rechten Abwehrseite genügend Alternativen, für die offensive Außenbahn kommt hoffentlich noch jemand, so dass man dort nicht mehr mit Außenverteidigern improvisieren muss.

Nächste Woche dann ziehe auch ich meine Transferbilanz, vorher bleibe ich jedoch tiefenentspannt und hoffe auf ein geiles Spiel morgen in der Provinz.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.2/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: -1 (from 1 vote)
17. August 2016

Träumen ist erlaubt!

Zwei Spiele, drei Punkte, zwei Tore! So die Bilanz nach den ersten beiden Zweitligapartien des VfB seit 39 Jahren. Die Ausbeute, durchwachsen, die Auftritte, ernüchternd, teils beschämend. Dass der angestrebte Wiederaufstieg kein Selbstläufer werden würde und auch die 2. Liga den einen oder anderen Stolperstein zu bieten hat, war von vornherein klar. Dass aber auch noch Mitte August mit einer Rumpfmannschaft gespielt wird, der Kader für einzelne Positionen überhaupt nichts her gibt und sich noch immer zu viele Absteiger, die keinen Abnehmer finden, in der Truppe tummeln, hätte ich so nicht erwartet.

Gut, es sind noch zwei Wochen Zeit den Kader verbessern und die Saison ist noch lang. Daher ist also noch nicht der Zeitpunkt gekommen, in Panik zu verfallen.

Und doch ist nach den ersten beiden Spielen Ernüchterung eingekehrt, weil der VfB dort weiter macht, wo er in der Bundesliga aufgehört hat. Es hat geradezu den Anschein, der VfB habe seine Spielweise von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“, was jedoch kein Grund zur Freude, sondern eher einer zum Durchdrehen ist.

Gegen St. Pauli noch, so schlecht vor allem die erste Halbzeit war, konnte man am Ende konstatieren, dass es mehr als drei Punkte auch in diesem Spiel nicht zu gewinnen gab, der Trainer am Ende alles richtig gemacht hatte und, dass der VfB sich ja sicherlich steigern und noch richtig in der 2. Liga ankommen würde. Zudem machte Mut, dass man in der Bundesliga nach einem derartigen Auftritt wohl gegen jeden Gegner eine Klatsche kassiert hätte, er in der 2. Liga jedoch zu einem Sieg reichte.

Der Druck auf die Mannschaft war natürlich enorm, nicht nur wegen des äußeren Rahmens, rannten doch unglaubliche 60.000 Zuschauer dem VfB zum Ligaauftakt die Bude ein. Jedem im Verein ist es klar, dass nur der sofortige Wiederaufstieg zählt, jedem ist auch klar, dass die enorme Unterstützung schnell abflauen dürfte, wenn sich nicht umgehend erste Erfolge einstellen sollten und der VfB nicht permanent oben mitspielt. Die stark ersatzgeschwächte und mit einigen Youngstern gespickte Truppe hatte große Schwierigkeiten ins Spiel zu finden und sich auf die bissigen und disziplinierten St. Paulianer einzustellen.
Luhukay wartete bei seiner Aufstellung mit einer großen Überraschung auf. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Personalmisere setzte er den neuen alten Hoffnungsträger auf der „10“ auf die Ersatzbank und ließ stattdessen Berkay Özcan von Beginn an auflaufen. Nachdem ich kurz geschluckt hatte, war meine Reaktion, „wenn das mal nicht ein Schachzug ist“! Wer, wenn nicht Maxim, hätte denn sonst die Fähigkeit gehabt, ein Spiel im Bedarfsfall zu drehen? Kliment, Tashchy, Özcan? Ich meine, keiner, außer eben Alexandru Maxim, der seine besten Spiele im VfB-Dress ohnehin in der Joker-Rolle hingelegt hat. Bitter zwar für einen, nach dessen Selbstverständnis er Stammspieler sein müsste, aber, im Mannschaftssport sollte ein jeder die Rolle akzeptieren, in der er für die Mannschaft am wertvollsten ist.

Die Geschichte des Spiels ist bekannt. Wir lagen zur Pause zurück, Maxim kam, sah, und wir siegten! Andere Vereine betreffend wird bei einer solchen Geschichte gerne das Händchen des Trainers gelobt. Nicht so bei uns, ein Shitstorm sondergleichen zog über die sozialen Netzwerke hinweg, gar die Grundsatzfrage Maxim oder Luhukay wurde gestellt. Maxims Berater Herbert Briem suchte die Stuttgarter Käseblätter auf und diese druckten die „Story“ bereitwillig ab. Anstatt sich als Partner des VfB zu sehen und sachdienlich und informativ zu berichten, wird hier ein Fass aufgemacht und bewusst Unruhe geschürt.

Ein Mayer-Vorfelder noch hätte den Chefredakteur im Ministerium antanzen lassen und dem Journalisten auch schon mal Hausverbot erteilt, heute aber, richtig, haben wir ja nicht mal einen Präsidenten, geschweige denn eine Abteilung Attacke, die sich gegen eine solche Berichterstattung zur Wehr setzen würde.

Ob etwas dran ist, dass Luhukay Maxim bereits eine Woche vor dem Spiel eröffnet hat, dass er nicht spielen werde, sei dahingestellt. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen und vermute, dass es sich nur um die halbe Wahrheit handelt. Möglicherweise hat ihm Jos gesagt „wenn Du so weiter machst, wirst Du gegen St. Pauli nicht von Beginn an spielen“ und es hat sich um Übersetzungsprobleme gehandelt oder man hat einfach einen Halbsatz weggelassen.

Maxim wird in der 2. Liga ein Stahlbad erwarten, nicht wenige, die nah dran sind und täglich mit ihm zu tun haben, haben große Bedenken, ob er es schafft, dieses durchzustehen. Im Training macht er einen sehr wehleidigen Eindruck und verliert schnell die Lust, wenn es richtig zur Sache geht. Ändert er sich diesbezüglich nicht, wird er vor allem bei den Auswärtsspielen einen sehr schweren Stand haben. Dort warten sie schon auf einen wie ihn, den sie durch übertriebene Härte versuchen aus dem Spiel nehmen, womit sie ihr Publikum zum Johlen bringen und die Stimmung automatisch aufgeheizt wird. Den VfB wird in nahezu jedem Auswärtsspiel eine Pokalatmosphäre erwarten, der man sich erst einmal stellen muss.

Wenn Maxim, der es bei sechs Trainern noch nicht zum unumstrittenen Stammspieler gebracht hat, wegen dieser Geschichte tatsächlich ans weglaufen denkt, ist es äußerst fraglich, ob gerade er der Spieler wäre, der uns zurück in die Bundesliga führt.

Nicht dass hier Missverständnisse entstehen. Ich sehe Maxim gern spielen und mag ihn und mitunter seine genialen Momente wie einst in Paderborn, als er, richtig, als Einwechselspieler, Daniel Ginczek den Ball so perfekt in den Lauf spielte, dass wir erst mit einem Jahr Verspätung abgestiegen sind.

So war zunächst einmal am Ende alles gut. Maxim der Matchwinner und der VfB erstmals seit 2011 wieder mit einem Auftaktsieg. Dass noch viel Sand im Getriebe war, geschenkt! Der VfB muss sich ohnehin bis zur Schließung des Transferfensters durch die Liga mogeln und danach richtig durchstarten.

Dass der VfB nach dem Montagspiel direkt das Freitagabend-Spiel serviert bekam und damit die denkbar kürzeste Regenerationspause aller Zweitligisten hatte, ebenfalls geschenkt und für mich kein Alibi für den Auftritt in Düsseldorf.

Düsseldorf gehörte in den 80er- und 90er-Jahren zu meinen Lieblingsauswärtsspielen. Der Altstadt wegen und auch weil wir dort schon den einen oder anderen Kantersieg eingefahren hatten und die Erinnerungen an das Rheinstadion daher angenehm sind. Beim letzten Gastspiel der Fortuna jedoch verloren wir 2012/2013 beim späteren Absteiger sang- und klanglos mit 3:1.

Ähnlich ging auch der Auftritt am Freitag in die Hose. Nach der unsäglichen Maxim-Diskussion unter der Woche konnte Luhukay nur verlieren. Stellt er ihn von Beginn an auf, ist er eingeknickt, stellt er ihn nicht auf, wäre ihm wohl Sturheit unterstellt werden. So durfte Maxim also mal wieder von Beginn an ran und setzte dabei weitaus weniger Glanzlichter, als gegen St. Pauli als Reservist, wo er auf eine müde werdende Abwehrformation traf. Maxim blieb das komplette Spiel über relativ wirkungslos, was jedoch nicht an ihm allein lag, sondern auch an der fehlenden Qualität seiner Mitspieler. Er musste sich die Bälle teilweise am eigenen Strafraum selbst holen, weil ein Mittelfeld quasi nicht vorhanden war.

Dies nicht nur deshalb, weil Hosogai bereits in der Anfangsphase mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Matthias Zimmermann, der einen schweren Stand hatte und später, als Sama ausgewechselt wurde, in die Innenverteidigung rückte.

Zimmermann ist von Haus aus rechter Verteidiger, ob man einem unerfahrenen Spieler einen Gefallen tut, ihn auf einer nicht gewohnten und doch so wichtigen Position einzusetzen, sei dahingestellt. Diese Maßnahme war der dünnen Personaldecke geschuldet. Hosogai ist neben dem derzeit verletzten Mart Ristl unser einziger etatmäßiger Sechser. Anto Grgic, ein weiterer Mann für die Zentrale, plagt sich mit Rückenbeschwerden herum und fällt, wie Ristl und jetzt Hosogai, fürs erste aus.

Matthias Zimmermann indes konnte einem doppelt leidtun. Zum einen musste sich Zimmermann in der Zentrale einfinden, zum anderen hieß sein Nebenmann Christian Gentner.

Nachdem Gentner gegen St. Pauli eines seiner besseren Spiele abgeliefert hatte und zudem das Siegtor erzielte, hätte man ihn in Düsseldorf bedenkenlos auf die Bank setzen können. Getreu dem Motto „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ haut Gentner gefühlt in einem von zehn Spielen einen raus und in den anderen muss man ihn mitschleppen.

Für mich ist und bleibt Gentner das große VfB-Problem der letzten Jahre. Ein Kapitän, der weder mit (konstanter) Leistung vorangeht, noch die Fähigkeit besitzt, die Mannschaft auf dem Platz zusammenzuhalten oder ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, ist für mich fehl am Platze. Von meinem Platz auf der Esprit-Tribüne in Reihe 1 hatte ich beste Sicht darauf, wie Gentner allein des Dirigierens Willens dirigierte, seine Mitspieler ihn jedoch offensichtlich nicht verstanden.

Er spielte No-Look-Bälle ins Nichts, in der Hoffnung, irgendwer würde seine „Ideen“ teilen. Bei Rückstand spielt der Kapitän Querpässe an der Mittellinie und verlangsamt damit das Spiel oder überträgt die Verantwortung der Spieleröffnung auf die jungen Leute wie Sama oder Zimmermann. Unbegreiflich für mich, wie man mit einer solch schlafmützigen Spielweise jahrelang unumstrittener Stammspieler und Kapitän im bezahlten Fußball sein kann und auch enttäuschend, dass Luhukay ihn in seinem Kapitänsamt bestätigte und seine Stammplatzgarantie Fortbestand zu haben scheint.

Die Besetzung der Viererabwehrkette gibt weiterhin große Rätsel auf. Insúa, der sich nun dazu bekannt hat, sicher zu bleiben, scheint die einzige feste Größe zu sein. Nach meinen Aufschlüssen aus den Testspielen und vom Trainingslager heißt Luhukays Wunsch-Duo in der Innenverteidigung Baumgartl/ Sama, welches durch die Verletzung Baumgartls derzeit gesprengt ist.

Für ihn durfte jetzt zum zweiten Mal hintereinander Toni Sunjic ran, der nicht einmal Zweitligaformat hat. Er ist einer der vielen Fehler Dutts, der öffentlich die Scouting-Abteilung abgewatscht hatte, um dann einen wie Sunjic auszugraben.

Auch Florian Klein, mit grobem Schnitzer gegen St. Pauli, erbringt momentan den Beweis, dass seine „Künste“ wohl der österreichischen Nationalmannschaft genügen, in Deutschland aber selbst die 2. Liga eine Nummer zu groß ist. Mangels Alternativen hat er ein halbherziges Bekenntnis zum VfB abgegeben, aber „man weiß ja nie, was im Fußball passiert“. Wer zum wiederholten Mal die Fans kritisiert und jetzt, wo die Liga begonnen hat, noch immer nach allen Seiten offen ist, sollte vom Verein auch einmal die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen und vor die Alternative Weggang oder Tribüne gestellt werden! Spätestens wenn Kevin Großkreutz wieder einsatzbereit ist, dürfte er ohnehin kaum mehr zum Einsatz kommen. Übrigens, wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht!

Borys Tashchy auf links außen war eine Fehlbesetzung, wie Jean Zimmer auf rechts, so dass Sturmhoffnung Terodde völlig in der Luft hing und keine Bindung zum Spiel hatte. Hoffnung macht Tobias Werner, der nach seiner Einwechslung ordentlich Dampf machte und auch mal eine ordentliche Flanke hinbekommt.

Auch wenn gerade einmal zwei Spiele gespielt sind und der Transfermarkt noch gute zwei Wochen geöffnet ist, könnte man langsam aber sicher unruhig werden.

Es ist ja auch nicht so, dass es um ein, zwei Positionen geht, die es neu zu besetzen gilt, sondern um die halbe Mannschaft. Was sich in den ersten beiden Spielen personell auf dem Platz tummelte, ist für mich bei weitem noch nicht aufstiegsreif. Da springen zwar einige junge Hoffnungsträger herum, in einer nicht funktionierenden Mannschaft werden sie jedoch verheizt oder machen spielentscheidende Fehler, wie Stephen Sama bei seinem unglücklichen Einsteigen, das zum Elfmeter führte. Dass wir in der Nachspielzeit ebenfalls einen hätten bekommen müssen führe ich nicht als Grund für die Niederlage an, niemand weiß, ob Maxim den Elfer verwandelt hätte.

Die Gründe für die Niederlage liegen eher einmal mehr in der Passivität der kompletten Mannschaft, in den durch das schlampige Passspiel resultierenden zahllosen Ballverlusten und in den mangelhaften technischen Fähigkeiten vieler unserer Spieler, weshalb angedachte Ballstafetten umgehend im Keim erstickt werden.

Dadurch entwickelt man keinerlei Kreativität und Überraschungsmomente nach vorn, so dass Düsseldorf ein Chancenplus zu verzeichnen hatte und keineswegs unverdient gewonnen hat. Mit einem solchen Auftreten werden wir auch im Pokal in Homburg Probleme bekommen. Die Saarländer tun uns sicherlich nicht den Gefallen, das Spiel zu machen und uns Räume für unser Konterspiel zu eröffnen.

Der VfB hat, was die Personalplanung angeht, fast zwei Monate zwischen dem Abstieg und der Verpflichtung Schindelmeisers verloren. Viele blicken schon neidisch an die Leine zu Hannover 96, die es scheinbar mühelos geschafft haben, eine schlagkräftige Mannschaft an den Start zu bringen. Dieser Vergleich hinkt jedoch für mich, weil man zu einem Zeitpunkt, als der Abstieg schon so gut wie besiegelt war, mit Stendel bereits den Trainer installierte, der das Team auch in der 2. Liga betreuen sollte und auch, weil Präsident und Mäzen Martin Kind seine Privatschatulle für das Ziel Wiederaufstieg einmal mehr weit geöffnet hat.

Ein Martin Harnik, dem am Wochenende gleich ein Tor für seinen neuen Arbeitgeber gelang, wäre mit Sicherheit nicht in die 2. Liga gegangen, wenn ihm ein Bundesligist ein ähnlich lukratives Angebot unterbreitet hätte, genauso wenig wie andere Wunschspieler geblieben wären, würde Kind nicht weiterhin Erstligagehälter bezahlen.

Eigentlich wäre es jetzt schon wieder an der Zeit, nervös auf den Fingernägeln zu kauen und sämtliche Wiederaufstiegshoffnungen in die Tonne zu kloppen. Aber, hey, es sind erst zwei Spiele gespielt, es folgen weitere 32, in denen sich noch eine Mannschaft finden kann, die dominant durch die Liga spaziert.

In der Führungsriege vom VfB wird doch sicherlich keiner so blauäugig sein und, wie schon beim nahenden Abstieg in der Vorsaison, die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen und nicht rechtzeitig entscheidend eingreifen. Daher habe ich es mir selbst geschworen, nicht in Panik zu verfallen und entspannt zu bleiben. Zu unseren Chancen dürft ihr mich gerne am 1.9. fragen, wenn der Transfermarkt geschlossen ist und wir mit dem, was wir haben, wenigstens bis zum Winter leben müssen.

Hier ruhen meine Hoffnungen auf Jan Schindelmeiser, der nach dem Hoffenheimer Aufstieg, wenngleich auch mit finanziell ganz anderen Möglichkeiten, kurz vor Transferschluss noch Demba Ba, Chinedu Obasi und Luiz Gustavo aus dem Ärmel schüttelte.

Schindelmeiser ist ein kluger Mann, der wenig redet, dafür umso mehr schafft. Schindelmeiser weiß auch ganz genau, dass er aufsteigen MUSS. Alles andere ist nicht vermittelbar, wird nicht sofort wiederaufgestiegen wäre der VfB ab der nächsten Saison ein ganz normaler Zweitligist und müsste es sich wohl oder übel im Unterhaus gemütlich machen.

Lässt Schindelmeiser es darauf ankommen? Nein, sicher nicht, er ist doch nicht doof! Bitter für die Stuttgarter Käseblätter, dass Maulwurf H. M. aus Stuttgart-Rot beim VfB Geschichte ist und nichts mehr durchsickert. Bitter zwar für die Medien, aber auch ein Hoffnungsschimmer für mich als Fan.

Ich träume noch immer von einer Mannschaft, die die Liga rockt und davon, dass der VfB im nächsten Jahr in die Bundesliga zurückkehrt.

Ich träume davon, dass Schindelmeiser die letzten Altlasten auch noch entfernt und uns einige hungrige Neuzugänge präsentiert. Am Geld darf es nicht scheitern, es geht um die Zukunft vom VfB.

Vielleicht war der VfB ja so schlau und hat sich bereits vor Olympia die Dienste seines verlorenen Sohnes, Serge Gnabry, gesichert. Auf den ersten Blick sicherlich unrealistisch, schaut man sich die Situation vor Olympia aber einmal an, als Gnabry zu Arsenals Reserveteam abgeschoben war, wäre eine Rückkehr in die alte Heimat, wenigstens per Leihe, nicht einmal ganz so abwegig gewesen.

Ich träume davon, dass dieser Wechsel längst fix ist und man sich, damit der Junge den Kopf frei behält und sich auf Olympia konzentrieren kann, darauf verständigt hat, den Wechsel erst nach dem deutschen Ausscheiden bzw. nach dem gewonnenen Finale offiziell zu verkünden.

Auch der Wechsel von Pål André Helland von Rosenborg Trondheim zum VfB könnte bereits perfekt sein. Davor soll Helland seinen Club gegen Austria Wien noch in die Europa League Gruppenphase schießen.
Was, wenn Schindelmeiser uns auf einen Schlag diese Flügelzange präsentiert? Da Schindelmeiser schon länger im Fußball beheimatet ist und selbst auch schon gespielt hat, wird ihm nicht entgangen sein, dass man auf einigen Positionen nicht ständig improvisieren kann. Die Verteidiger Heise und Zimmer sind ebenso keine offensiven Außenbahnspieler, wie Borys Tashchy.

Schindelmeiser sieht sicherlich auch Handlungsbedarf im defensiv zentralen Mittelfeld, wo nach den Abgängen von Serey Dié und Lukas Rupp nicht nur Qualität verloren ging, sondern auch ein riesen Loch klafft.

Er wird vernommen haben, dass Ginczek wohl erst in der Rückrunde fest eingeplant werden kann und Simon Terodde zwar ein herausragender Platzhalter für ihn ist, ihm jedoch unter keinen Umständen etwas passieren darf.

Auch hier sehe ich, wie Schindelmeiser sicherlich auch, Handlungsbedarf. Tashchy und Kliment sind jetzt nicht DIE Torgaranten, die einen Ausfall Teroddes auch nur annähernd kompensieren könnten.
So fußen meine Hoffnungen auf dem Duo Schindelmeiser/ Luhukay, das ja auch bereits öffentlich Alarm geschlagen hat. Luhukay ist ein aufstiegserfahrener Trainer, der genau weiß, welche Mosaiksteinchen er noch für sein Team braucht, um das Aufstiegsziel am Leben zu erhalten.

Ich möchte es mir nicht ausmalen, dass nach den Herren Wahler, Dutt und Kramny, die den Schiffbruch zu verantworten haben, die Herren Heim, Röttgermann und Schindelmeiser als diejenigen in die VfB-Annalen eingehen möchten, die den Untergang des Tankers VfB zu verantworten haben.

Da glaube ich doch lieber weiterhin an das Gute im VfB und seiner Verantwortlichen, träumen ist ja schließlich erlaubt.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
6. August 2016

Der VfB vor der Mission Wiederaufstieg!

Endlich geht es wieder los! Am Montag startet der VfB das Abenteuer 2. Liga, dabei geht es gleich gegen den Magischen FC aus Hamburg-St. Pauli. Bekanntermaßen hege ich ja Sympathien für den Kiez-Club und habe viele Freunde dort. Diese Sympathien sind jedoch nur so lang vorhanden, so lang wir nicht gegeneinander antreten und auch nicht in der Liga in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Am Montag ist St. Pauli ein Gegner wie jeder Andere, für mich zählt nur der VfB-Sieg.

Heute liegt der Abstieg in Wolfsburg genau 84 Tage zurück. Viel Zeit um die Tränen zu trocknen und den VfB neu und vor allem so aufzustellen, dass der Wiederaufstieg nicht nur machbar, sondern folgerichtig ist.

Denn, der VfB ist kein normaler Absteiger! Man ist kein normaler Absteiger, wenn man 39 Jahre am Stück Bundesliga gespielt hat und den Abstieg als einen Betriebsunfall ansieht. Wenn man der überwiegenden Mehrzahl der Konkurrenten infrastrukturell und vom Etat her um Längen überlegen ist, ist man auch kein normaler Absteiger.

Der VfB ist auch kein normaler Absteiger, weil die Mehrzahl der Fans offensichtlich keine bitteren Tränen verdrückt hat, als es traurige Gewissheit war, sondern eher Erleichterung verspürte. Ich hatte zuletzt jedenfalls mehr Angst vor einem weiteren Herumdümpeln in der Bundesliga, als vor dem Neustart in der 2. Liga.

So verknüpft sich bei vielen mit dem Abstieg die Hoffnung, dass der VfB den Reset-Knopf findet und mit jungen Kräften und frischem Wind die 2. Liga rockt und im nächsten Jahr gestärkt in die Bundesliga zurückkehren kann.

Viel wurde zurück auf null gestellt. Der überforderte Abstiegstrainer Kramny ist weg, der zunächst an seinem Stuhl klebende Sportdirektor Dutt ebenso, wie der sich an der einst geplanten Ausgliederung verzettelnde Präsident Wahler, die Gesichter des Abstiegs, deren Verträge ausgelaufen waren, auch.

Eine der wenigen Konstanten, die noch bleibt, ist Kapitän Christian Gentner, dessen Vertrag Robin Dutt kurz vor seiner Entlassung noch verlängern durfte. Meiner Meinung nach völlig unnötig, da Gentners Vertrag ohnehin noch ein Jahr gültig gewesen wäre und er sich erst einmal neu beweisen muss, ob er der richtige Mann und vor allem der richtige Kapitän ist, der den VfB zurück in die Spur bringt. Gerade er war es doch, auf den in den letzten so entscheidenden Saisonspielen kein Verlass war, der als erster untertauchte und nie Führungsstärke an den Tag legte.

Man kann ihm auf keinen Fall absprechen, dass ihm der Abstieg nicht weh tun würde. Er identifiziert sich mit dem Verein wie kaum ein anderer, aber, das allein reicht eben nicht. Identifizieren tun wir uns alle und stümpern ja auch nicht Woche für Woche auf dem Platz umher. Für mich wäre er mit seinen nunmehr 31 Jahren in der Fanbetreuung besser aufgehoben, auch wenn ich von dem aktuellen Team mit dieser Aussage keinen wegloben möchte.

So bleibt er uns also erhalten und Trainer Luhukay hat ihn in seinem Kapitänsamt bestätigt. Daher bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sein Leistungsvermögen für die 2. Liga ausreicht und dass er präsenter ist, als in den letzten Jahren in der Bundesliga.

Von einem Absteiger mit den Möglichkeiten des VfB hätte ich erwartet, dass noch im Mai, also kurz nach dem Abstieg, sich Zu- und Abgänge die Klinke nur so in die Hand geben würden und spätestens zum Trainingsauftakt im Kader zumindest ein Korsett erkennbar wäre.

Das Gegenteil war der Fall. Wie Kaugummi zog sich die Sportdirektor-Suche hin, der Aufsichtsrat und die verbliebenen Sportvorstände Heim und Röttgermann vermittelten lange den Eindruck der totalen Planlosigkeit, lediglich unterbrochen von zwei Geistesblitzen, nämlich der Verpflichtung des auch für mich geeignetsten Trainerkandidaten Jos Luhukay und der des Top-Torjägers der vorigen Zweitligasaison, Simon Terodde.

Hatte man sich zwischendurch schon in Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle etwas mehr Sportkompetenz ins Haus geholt, beschleunigte dies die Sportdirektoren-Suche offensichtlich auch nicht.

Scheinbar waren sich die Herren vom Aufsichtsrat nicht zu schade, an jeden noch so unrealistischen Kandidaten heranzutreten, ehe man einsah, dass man als Zweitligist schlechte Karten besitzt, wenn man den Manager eines Bundesligavereins oder den eines Vereins, der international vertreten ist, in einer Phase versucht loszueisen, in der ein Ehrenmann seinen aktuellen Verein nicht im Stich lässt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer stellte stets DIE große Lösung in Aussicht, weshalb auch ich mich in Geduld übte und nach dem Ausscheiden der deutschen Elf in und gegen Frankreich ernsthaft von Oliver Bierhoff träumte. Dieser war wegen seiner Nähe zu Mercedes schon häufiger beim VfB im Gespräch und gehört zudem zum Schickhardt-Klientel, so dass diese große Lösung nicht so ganz abwegig zu sein schien. Vom Typen her und dem, was er bislang im Profifußball geleistet oder auch nicht geleistet hat und dazu noch keinerlei Bezug zum VfB hat, war ich nicht unbedingt begeistert, wenngleich seine Verpflichtung dem VfB auf Anhieb eine größere Strahlkraft verliehen hätte und er durch seine Kontakte Spieler zum VfB hätte lotsen können, von denen wir derzeit nicht zu träumen wagen. Einen gewissen Charme hätte diese große Lösung also durchaus besessen.

Wohl um in der wichtigsten Zeit der Saison, nämlich der in der die Saison geplant werden sollte, nicht noch mehr Zeit zu verlieren, holte man mehr als sechs Wochen nach Dutts Entlassung Jan Schindelmeiser aus der Versenkung zurück, einen Mann also, der schon sechs Jahre lang kein Amt im Profifußball mehr bekleidete. Zunächst einmal positiv ist es schon mal, dass nach den Novizen Heldt, Bobic und Dutt jetzt einer kommt, der bereits Erfahrungen als Manager im Profifußball vorzuweisen hat. Dennoch bleiben Fragezeichen zurück, wieso es denn so lang dauerte, einen Vereinslosen vom Kommen zu überzeugen.

Da weder die VfB-Verantwortlichen noch Schindelmeiser selbst eine Erklärung über den langen Zeitablauf abgegeben haben, bleibt das Gschmäckle zurück, dass Schindelmeiser wohl eher „Plan“ E oder F war und man ihn erst kontaktierte, als man begriffen hatte, dass man doch nicht mehr die ganz große Nummer im deutschen Fußball ist.

Dennoch gehe ich an die Personalie Schindelmeiser absolut unbelastet ran und bin guter Hoffnung, dass er mit seinen Kontakten in alle Teile der Welt das eine oder andere Talent zum VfB lotsen kann und den VfB langfristig zurück in die Spur bringt.

Da dem VfB in der 2. Liga bis zu 40 Millionen Euro fehlen werden, lautete die oberste Maxime zunächst, den Kader auszudünnen und alles zu verkaufen, was Geld einbringt. Die Kaufoption des AS Rom für Antonio Rüdiger spülte neun Millionen Euro in die Kassen, Timo Werner deren zehn, Kostic etwa 14 Millionen, Lukas Rupp geschätzte sechs Millionen sowie Serey Dié noch einmal 1,5 Millionen, so dass damit und vor Steuern gerade einmal jene 40 Millionen Euro auf der Einnahmenseite stehen, die es einzusparen galt und womit demzufolge auch keine großen Einkaufstouren möglich sein dürften.

Diese Abgänge tun mir allesamt Leid. Timo Werner dürfte die Luftveränderung gut tun und dazu beitragen, dass er sich von seinem Elternhaus ein Stück weit abkapselt und selbständiger wird. Die Kindermädchen-Aussage Zornigers war ja nicht aus der Luft gegriffen, Werners Vater begleitete Timo auf Schritt und Tritt und wenn eine nicht öffentliche Trainingseinheit angesetzt war, war er im Daimler-Parkhaus anzutreffen, von wo aus er die Einheiten dennoch verfolgte.

Da der Prophet im eigenen Land nichts zählt, hatte es Timo zudem schwer beim VfB. Einer, dem der VfB am Herzen liegt, Mitglied der Abstiegsmannschaft ist und durch vergebene Großchancen bspw. gegen Hannover 96 auch noch maßgeblichen Anteil am Absturz hat, leidet besonders.

Mangels Führungsspielern fehlte ihm die Unterstützung auf und neben dem Platz und wohl auch vom Verein. Dass ihn Dutt letzten Sommer wie Sauerbier in England anbot, ist ein offenes Geheimnis, dass ihn Zorniger hart ran nahm, bekannt, dass ihn danach keiner im Verein in den Arm nahm, bedauerlich – für ihn.

Dass er aber auch bei den Fans einen schlechten Stand hatte und als Sündenbock herhalten musste, fand ich schade. Für mich genoss er als Eigengewächs mit seinen gerade einmal 20 Jahren noch Welpenschutz und ich hätte seine Entwicklung gerne weiter beim VfB verfolgt.

So geht er nun zu Red Bull, das nach Albeck, Schrof, Rangnick, Jochen Schneider und einigen anderen mehr nun auch noch unsere Torwarttrainer-Legende Ebo Trautner nach Sachsen gelockt hat. In Leipzig wissen sie ganz genau, welche Kronjuwelen sich in unserem Reservoir tummeln, Timo Baumgartl dürfte der nächste sein, nach dem Red Bull die Fühler ausstreckt.

Von Lukas Rupp bin ich sehr enttäuscht. Mit Paderborn abgestiegen, mit Stuttgart abgestiegen, jeweils weitergezogen und sich dabei, zumindest finanziell, noch verbessert. Scheiß Spielergeneration, scheiß Söldner, ihm kann ich beim besten Willen kein Glück für die Zukunft wünschen und rate ihm daher nur, sich in Stuttgart nie mehr blicken zu lassen.

Filip Kostic dagegen wollte Champions League spielen und kickt nun – beim HSV. Was sich wie ein Treppenwitz anhört, ist nun Realität. Träumten wir zeitweise von 25 Millionen Euro, die er in die klamme Kasse hätte spülen können, wäre er bspw. nach Liverpool gewechselt, müssen wir nun mit gerade einmal gut der Hälfte vorliebnehmen.

Weshalb er diesen Wechsel, gerade nach Hamburg, so vehement forcierte und Wolfsburg, die wohl mehr an Ablöse zu zahlen bereit gewesen waren, eine Absage erteilte, wird nur er wissen. Wie immer wird es dabei um das Gesamtpaket und nicht nur um die schönere Stadt gegangen sein.
Es ist davon auszugehen, dass der Hamburger Mäzen Kühne die Geldschatulle für „seinen“ Wunschspieler derart weit aufgemacht hat, dass Kostic das internationale Geschäft geflissentlich am Allerwertesten vorbei geht und ihm dafür beim Anblick seines Gehaltszettels Monat für Monat einer abgeht.

Dem HSV kann man schon mal viel Spaß mit dem Balkanesen wünschen, der sich auch dort nach zwei, drei guten Spielen wieder zu Höherem berufen fühlen wird. Sportlich gesehen ein herber Verlust für uns, wenngleich es von Anfang an unrealistisch war, dass wir mit ihm in die 2. Liga gehen würden, menschlich aber ist der dem HSV durchaus zu gönnen.

Serey Dié hingegen hatte ich, auch nach seinen eigenen Aussagen, als wichtige Korsettstange für die 2. Liga angesehen. Er wechselte jedoch zurück zum FC Basel, angeblich aus familiären Gründen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass wir nicht abgestiegen wären, hätte Dié die letzten Spiele zur Verfügung gestanden, trauere ich ihm nicht besonders arg hinterher. Er hatte riesen Böcke in seinem Spiel, die zu Gegentoren führten, ist mit seinen 31 Jahren nicht mehr der Schnellste, verletzungsanfällig und stets für eine Rote Karte gut. Diese Lücke wurde durch Hosogai meiner Meinung nach gut geschlossen.

Wie Kostic zog es auch Arianit Ferati zum HSV, der ihn jedoch umgehend zu Fortuna Düsseldorf verlieh. Als ich Ferati vor zwei Jahren als 16-jährigen mit dem Profikader im Zillertal wirbeln sah, war ich begeistert und war guter Dinge, dass er das Zeug zu einer großen Karriere haben würde.

Der Aufschrei in den Foren war dementsprechend groß und der Vorwurf wurde mal wieder laut, der VfB verkaufe seine komplette Jugendabteilung, ohne den Jungs eine faire Chance oben gegeben zu haben. Das ist so jedoch nicht richtig. Talent allein reicht nicht aus, um es nach ganz oben zu schaffen. Früher verlangte man von jungen Spielern, dass sie den gestandenen die Koffer tragen und die Schuhe putzen, heute fasst man sie mit Samthandschuhen an und muss stets drauf achten, ja alle gleich zu behandeln, damit die Mimosen nicht in Depressionen verfallen.

Diese neue Denke regte mich schon bei Fußball-Professor Rangnick Ende der 90er-Jahre auf, als er seinen Dienst bei uns antrat und Balakov seine Sonderrechte so weit strich, bis dieser keine Lust mehr hatte. Sich Hochzudienen kennen die Wohlstandsjünglinge überhaupt nicht mehr, ich find’s schade, weil schon dadurch Hierarchien klar abgesteckt waren und die Jüngeren noch Respekt vor den Älteren hatten.

Jungprofis wie Ferati „verdienen“ bereits in Zeiten, in denen sie allenfalls bei den Amateuren zum Zug kommen, über 500.000 Euro im Jahr, fahren die fettesten Autos zu günstigsten Leasingkonditionen vom Nachbarn mit dem Stern und haben es dadurch natürlich auch schwer, die Bodenhaftung zu bewahren. Ein Ferati soll, wie man so hört, unheimlich arrogant und zudem stets mit großem Familienclan aufgetreten sein, so dass es für einen Verein dann eben auch mal heißen muss, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Schon Labbadia beklagte, als er 2012 bei uns im Fanclub zu Gast war, die Familien- und Berater-Clans der jungen Spieler, die dem Verein die Pistole auf die Brust setzen und mit Weggang drohen, wenn ihr Sprössling nicht regelmäßig spielt, weil ein jeder davon überzeugt sei, einen Messi großgezogen zu haben.

Das ist ein generelles Problem mit der heranwachsenden Spielergeneration und so verwunderte es mich auch überhaupt nicht, dass die Amateure sang- und klanglos abgestiegen sind, wenn auserkorene Führungsspieler wie Vier, Grüttner und Rathgeb an dieses Jungs nicht herankommen, weil sie, auch finanziell, in ganz anderen Sphären schweben. Entweder, solche Spieler integrieren sich in eine Mannschaft und stellen ihr eigenes Ego hintenan oder sie werden als ewiges Talent in die Annalen eingehen, ein Manuel Fischer lässt grüßen.

Bei den Zugängen hingegen hat sich weit weniger getan, so dass der Kader, wie er jetzt zum Ligastart dasteht, beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Jens Grahl kam von der Autobahnraststätte Kraichgau an den Neckar. Seine Verpflichtung kann ich nicht nachvollziehen. Unmittelbar mit dieser Verkündung brachte ich sie in Zusammenhang mit einem doch noch möglichen Weggang von Mitch Langerak.

Grahl äußerte zu Hoffenheimer Zeiten Abwanderungsgedanken, weil er nicht ewig auf der Bank sitzen wollte, daher, für mich unlogisch dieser Transfer, zumal ich als Reservetorhüter lieber Uphoff gesehen hätte. Welchen Sinn es macht, in der selbsternannten Torhüterschmiede schon seit längerer Zeit auf erfahrene Reservekeeper zu setzen, verstehe ich nicht. Hätte Schalke einst hinter Rost auch auf einen erfahrenen Mann gesetzt, wäre ein Manuel Neuer wohl dort nie zum Zuge gekommen.

Für mich macht man hier eine total unnötige Baustelle auf. Grahl dürfte auf der Stuttgarter Bank nicht viel glücklicher werden, als auf der beim badischen Nachbarn, während unsere Talente aus der zweiten Reihe schnell merken werden, dass sie über die Rolle des Amateurkeepers in der Regionalliga bei uns wohl nie hinauskommen werden, so dass sie ihr Glück irgendwann woanders versuchen.

Sonst kamen noch die ehemaligen Luhukay-Schützlinge Hajime Hosogai und Tobias Werner zum VfB. Da Luhukay weiß, wie Aufstieg geht und er auch weiß, welche Typen dem VfB noch fehlen, gestehe ich ihm diese beiden Mosaiksteine gerne zu. Jos weiß, was er an ihnen hat und die Spieler wissen, was sie an ihm haben, nicht die schlechteste Konstellation für eine fruchtbare Zusammenarbeit, zumal es sich um erfahrene Spieler handelt.
Anto Grgic kam vom Schweizer Absteiger FC Zürich zum VfB. Er ist ein entwicklungsfähiges Talent mit guter Technik, einem guten Auge und einem guten Schuss. Irgendwo habe ich gelesen, in der Schweiz vergleiche man ihn mit dem jungen Xhaka, lassen wir die Kirche erst mal im Dorf und legen die Messlatte nicht zu hoch, ich verspreche mir aber schon einiges für die Zukunft von dem Jungen.

Kaminski macht in der Innenverteidigung einen soliden Eindruck und sollte im Moment, zusammen mit Timo Baumgartl, die Nase vorn haben. DER Abwehrchef, den wir seit Jahren suchen und nicht finden, scheint er mir aber auch nicht zu sein.

Jean Zimmer ist zweitligaerfahren und kann ein richtiger Giftzwerg sein und verfügt zudem über einen guten Schuss. In der Vorbereitung fand ich ihn jetzt noch nicht so stark, wie ich ihn schon in Kaiserslautern gesehen habe, er hat noch reichlich Luft nach oben.

Der Königstransfer (bisher) ist zweifelsohne Simon Terodde. Ein toller Typ, der in nahezu jedem Testspiel traf und das gewisse Etwas hat, das man sich von einem Mittelstürmer wünscht. Es ist schon verwunderlich, dass er sich trotz einiger lukrativerer Angebote für den VfB entschieden hat. Zudem ist Terodde mit seinen 28 Jahren absolut geerdet und ein offener, sympathischer Typ.

In Anbetracht der zahlreichen Ab- und überschaubaren Zugänge liegt es auf der Hand, dass die Personalplanungen längst nicht abgeschlossen sein können. Um zu diesem Schluss zu kommen, genügt bereits ein Blick auf das Mannschaftsposter und auch auf den Kader, der die Testspiele und das Trainingslager bestritt. Da waren jeweils fast genauso viele Youngster wie Spieler mit Perspektive Startelf am Start, die meisten davon wohl in erster Linie, um den Kader aufzufüllen.

Von den noch verbliebenen Absteigern stehen noch immer die möglichen Abgänge von Emiliano Insúa und auch Florian Klein im Raum. Während ein Wechsel Insúas schon allein deshalb logisch erschiene, weil er in den letzten sechs Jahren sechs Vereine hatte, scheiterte der von Florian Klein vornehmlich daran, dass er wider (eigenem) Erwarten nicht der ganz große EM-Star wurde.

Klein, der in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausließ, gegen das „verwöhnte“ Stuttgarter Publikum zu hetzen und einer ordentlichen ersten, eine katastrophale zweite Saison folgen ließ, kartete kurz vor Beginn der Euro noch einmal nach, er fühlte sich missverstanden und ungerecht behandelt.

Dass er, zusammen mit seinem mittlerweile in Hannover beschäftigten Landsmann, maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Saison diese Richtung einschlug, verschwieg er, wie auch die Tatsache, dass er in der Rückrunde seinen Stammplatz aus Leistungsgründen an Kevin Großkreutz verlor, was Klein, der massiv an Selbstüberschätzung leidet, partout nicht einsehen wollte.

Während Harnik reihenweise Hundertprozentige liegen ließ, war es Klein, der uns durch seinen völlig unnötigen Platzverweis in Hamburg auf die Verliererstraße brachte und danach mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator war.

Als Harnik und Klein dieses Interview gaben, war Harnik wegen seines auslaufenden Vertrages ohnehin bereits weg und auch Klein fühlte sich zu Höherem berufen und dachte wohl im Traum nicht daran, noch einmal zum VfB zurückkehren zu müssen.
Zu diesem Zeitpunkt war er ja auch inmitten der Elite des europäischen Fußballs angekommen, Mitglied des österreichischen Dream-Teams und selbsternannter Geheimfavorit der Europameisterschaft.

Dumm nur, dass Österreich von den noch größeren Fußballnationen Ungarn und Island mit als erste aus dem Turnier gekegelt wurde und es einem Florian Klein plötzlich mit Schweißperlen auf der Stirn bewusst wurde, dass er doch nicht DER EM-Star, sondern nur ein kleiner Zweitligafußballer ist. Da nach den grandiosen Leistungen der Alpenrepublik die Interessenten für Klein nicht gerade Schlange standen und der Vertrag beim VfB doch noch lukrativ genug zu sein scheint, um dann eben hier zu bleiben, kehrte Klein eben, Nomen est omen, kleinlaut zurück.

Für ihn kann man nur hoffen, dass sich doch noch ein Abnehmer findet und er die Biege macht oder dass der VfB ihm, falls nicht, einen gut bezahlten Tribünenplatz in Aussicht stellt. Hinten rechts sind wir, auch ohne Klein, mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann ausreichend besetzt.

Sollte Insúa noch einen Verein finden und uns verlassen, bräuchten wir noch einen Linksverteidiger, der in Konkurrenz zu Heise tritt. Im defensiven Mittelfeld sind wir mager besetzt, ebenso auf den offensiven Außenbahnen und auch im Sturm, vor allem dann, sollte Terodde während Ginczeks Absenz einmal ausfallen.

Viel Arbeit also noch für Schindelmeiser und Luhukay, bis zum 31.08. einen aufstiegsfähigen Kader auf die Beine zu stellen und auch, um bis dahin nicht zu viel Boden zu verlieren, stehen doch schon drei Ligaspiele und das Pokalspiel in Homburg im August auf dem Plan.

Manch einer legt es Schindelmeiser negativ aus, weil dieser schon zum Amtsantritt warnte, dass der derzeitige Kader nicht zu Aufstiegshoffnungen berechtigt. Ich werte das eher positiv, weil er damit den Verein wachrüttelt und zum Handeln zwingt, denn, alles andere als den sofortigen Wiederaufstieg kann und darf sich der VfB nicht leisten. Luhukay und Kapitän Gentner schlagen in dieselbe Kerbe, ich hoffe, Letzterer äußert diese Vorbehalte nicht nur, um schon wieder ein Alibi zur Hand zu haben.

Egal, wer am Montag antritt, man muss von der ersten Minute spüren, dass wir nicht in diese Liga gehören. Der Rasen muss brennen, St. Pauli muss niedergerungen werden. Der VfB genießt derzeit bei den Fans einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Steigende Mitgliederzahlen, über 25.000 verkaufte Dauerkarten und bereits 54.000 verkaufte Tickets für das Spiel gegen die Kiezkicker.

Diese Euphorie muss der VfB aufnehmen und am Leben erhalten. Das Publikum ist heiß und bei weitem nicht so verwöhnt, wie ihm manchmal vorgeworfen wird. Es möchte lediglich eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt, die als Team auftritt, die sich konzentriert, die Spaß an ihrem Beruf hat, dann kommt alles andere von allein und dann akzeptiert der „verwöhnte“ Fan auch eine Niederlage, wenn man spürt, dass die Truppe alles versucht hat, der Gegner an diesem Tag aber besser war. Die Voreichen stehen gut für eine neue Zeitrechnung, es liegt am Verein und seinen Angestellten diese Chance zu nutzen.

Für das St. Pauli Spiel plagen den VfB, unabhängig davon, dass der Kader bei weitem noch nicht steht, große personelle Sorgen. Kevin Großkreutz fällt weiter aus. Inzwischen räumt er ein, dass es ein großer Fehler war, gegen Mainz im vorletzten Saisonspiel noch einmal aufgelaufen zu sein. Für mich war es ebenso ein Fehler ihn in Ingolstadt bis zum Abpfiff auf dem Platz zu belassen, wie dass man Serey Dié in Darmstadt angeschlagen nicht frühzeitig herunter nahm. Wer das so entschieden hat, ob Kramny, Dutt, Dr. Best oder die Spieler selbst, weiß ich nicht.

Es liegt jedoch die Vermutung nah, dass die Verletzungen und Ausfallzeiten der beiden nicht so lang ausgefallen wären, wenn man rechtzeitig reagiert hätte. Ärgerlich, da uns deshalb gerade diese beiden Kämpfernaturen im Saisonfinale (fast) gänzlich gefehlt haben und somit kein einziger mehr auf dem Rasen stand, der sich gegen den Abstieg gewehrt hätte. Sport 1 hatte in dieser Woche gemutmaßt, Großkreutz könne noch bis zum Oktober fehlen, was dieser umgehend dementierte. Die Meldungen von gestern, dass Großkreutz „bis auf weiteres“ individuell trainiere, schüren jedoch nicht gerade Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr.

Timo Baumgartl fällt ebenso aus wie Tobias Werner. Dessen Ausfall ist natürlich der bitterste. Nicht, weil er gerade erst mit großen Hoffnungen verknüpft vom FC Augsburg gekommen ist, sondern, weil seine Frau am Tag nach der Verpflichtung eine Totgeburt ihres gemeinsamen Sohnes erlitt, und die Familie Werner somit momentan ganz andere Sorgen hat. Ihm muss man nun die Zeit einräumen, die er braucht, um gemeinsam mit seiner Frau diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Dafür wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.

Auch wenn wir ohnehin dünn besetzt sind und für das St. Pauli Spiel auch noch zahlreiche Ausfälle zu verkraften haben, Bange machen gilt nicht. Wir werden so oder so eine überdurchschnittliche Zweitligamannschaft auf dem Rasen haben, die imstande sein sollte, St. Pauli zu schlagen. Mit Namen wie z. B. Langerak, Zimmer, Sunjic, Kaminski, Insúa, Hosogai, Gentner, Grgic, Wanitzek (Besuschkow), Maxim, Terodde brauchen wir uns vor St. Pauli nicht zu verstecken. Bei nahezu ausverkauftem Haus wird die Hütte beben, es liegt an der Mannschaft, diesen Rückenwind aufzunehmen und St. Pauli keine Luft zum Atmen zu lassen.

Wichtig wird es sein, dass diejenigen, die spielen, die Ausfälle nicht als Alibi ansehen, sondern als ihre eigene Chance, sich in der Truppe festzuspielen. Der eine oder andere vielversprechende Youngster, der bereits in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte, dürfte auf der Bank Platz nehmen und vielleicht schon im ersten Spiel die große Chance erhalten, Eigenwerbung zu betreiben.

Sehr gespannt bin ich darauf, wie Alexandru Maxim diese neue Liga annehmen wird und wie er sich präsentiert. Ihm muss mehr als allen anderen eingebläut werden, dass es in der 2. Liga mit Schönspielerei allein keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Versucht er es dort auch mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, werden ihm seine Gegenspieler auf die Socken hauen und die gegnerischen Fans begeistert johlen. Darauf muss er sich einstellen und endlich sein Heulsusen-Image ablegen.

Die 2. Liga stellt für alle Neuland dar, für die Spieler, aber auch für uns Fans. Die Anstoßzeiten sind gewöhnungsbedürftig, die Stadien zwar kleiner und trotzdem eher selten ausverkauft. So ist es für mich ein ganz neues Gefühl, fast überall problemlos außerhalb des Gästeblockes an Karten zu kommen und mich dabei zu wundern, dass es hie und da auch auf der Haupttribüne Stehplätze zu erwerben gibt. Ich freue mich darauf, auf die Liga und auch dass es endlich wieder losgeht.

Ich freue mich auch, dass die letzten Jahre passé sind und wir unbelastet und runderneuert in das Abenteuer 2. Liga starten. Dass ich die meisten Gesichter des Niedergangs nicht mehr sehen muss und dass es vermutlich einige Siege mehr zu feiern geben wird als zuletzt.

Dass der VfB hoffentlich wieder vornehmlich in der Spitzengruppe anzutreffen ist und dass wir im nächsten Sommer, genau zehn Jahre nach der Meisterschaft, möglicherweise wieder eine Meisterschaft oder zumindest den Wiederaufstieg feiern dürfen.

Dazu muss vieles zusammen passen, doch, sind wir mal ehrlich, von den Voraussetzungen her sind wir der FC Bayern der 2. Liga und haben mehr Potential und einen besseren Kader als jeder Ligakonkurrent. Diesen Vorteil müssen wir für uns nutzen, jetzt oder nie, neige ich fast zu sagen, denn, wer es im ersten Jahr nicht schafft, hat es im zweiten ungleich schwerer.

Daher ist der Wiederaufstieg Pflicht, mit etwas anderem beschäftige ich mich nicht, schon gar nicht vor dem ersten Spiel. Der Aufstieg ist alternativlos, das muss jedem Verantwortlichen und jedem Spieler eingebrannt sein, es gibt nur dieses eine Ziel, je vehementer sie dran glauben, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir schon in einem Jahr wieder Bundesliga-Touren planen.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.1/10 (23 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +8 (from 8 votes)
23. Mai 2016

Tabularasa auf dem Wasa!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:09

Heute jährt sich der in Paderborn geschaffte Klassenerhalt zum ersten Mal. Eigentlich sollte sich dieser 23.05.2015 in die VfB-Annalen eingebrannt haben, als jener Tag, an dem das Unvorstellbare, nämlich der Abstieg in die 2. Liga, gerade noch so abgewandt wurde und als der Tag, der den Beginn in eine glorreiche Zukunft markierte.

Jetzt wissen wir hingegen, schlimmer geht immer. Erst hatten wir kein Glück, dann kam Pech hinzu, dann kam Kramny, mit ihm Niedermeier und mit ihm wiederum erfuhren auch die anderen Gesichter des jahrelangen schleichenden Niedergangs ihre Renaissance.

Die Alarmsignale, die sanft schon beim unglücklichen 1:2 gegen Hannover ausgesandt wurden, und beim 0:4 in Mönchengladbach deutlicher wurden, wurden schlichtweg ignoriert. Man ergötzte sich am zwischenzeitlichen 5:1 gegen Hoffenheim, das uns an diesem Tag böse ins offene Messer lief und eigentlich nicht als Maßstab herhalten durfte. Dies war dann auch schon der letzte Saisonsieg, wohl auch der Tatsache geschuldet, dass man sich auf der sicheren Seite wähnte und danach Punkteteilungen in Ingolstadt und Darmstadt schon fast frenetisch gefeiert wurden, wie glücklich sie auch zustande kamen.
Entgegen der Beteuerungen von Robin Dutt auf seiner Saisonabschluss-Pressekonferenz des Vorjahres, dass die Zeiten einer One-Man-Show vorbei zu sein hätten, war gerade er das einzige Gesicht eines Verantwortlichen, der dem immer rasanter werden Absturz versuchen hätte müssen, Herr zu werden. Auch wenn ich die Kompetenz eines Robin Dutt schon vor seiner Verpflichtung in Frage gestellt hatte, war er weit und breit der einzige, dem man wenigstens eine solche unterstellen durfte.

Dutt jedoch ließ es einfach laufen, obwohl es immer offensichtlicher wurde, dass Kramny die Mittel fehlten, den Absturz zu stoppen und eine Kehrtwende herbeizuführen. Hier hätte es längst eines Impulses von außen bedurft, doch diese Notwendigkeit wurde schlicht ignoriert, so dass am Ende das Unvermeidliche, nämlich der Abstieg eintrat.

An den Tagen nach dem besiegelten Abstieg in Wolfsburg ging es turbulent zu auf dem Wasen. Kramnys Vertrag galt ohnehin nur für die Bundesliga. Präsident Wahler, der irgendwann auch mitbekommen zu haben schien, dass wir abgestiegen waren, trat zurück und Robin Dutt wurde folgerichtig seines Amtes enthoben. Hier zeigte sich der Aufsichtsrat, wenn auch „nur“ mittels Telefonkonferenzen und viel zu spät, handlungsfähig und legte den Grundstein für einen Neuanfang.

Am gleichen Tag, an dem die Trennung von Robin Dutt verkündet wurde, wurde mit Jos Luhukay auch schon der neue Trainer vorgestellt. Es mutet äußerst untypisch an, dass der Trainer vor einem Sportdirektor verpflichtet wird, und vor allem stellt sich die Frage, wer den Trainer ausgesucht und nach welchen Kriterien man den Daumen für Luhukay hob.

Das obligatorische Foto zur Trainer-Vorstellung war schon seltsam, waren dort doch die noch verbliebenen Herrschaften im Vorstand, Heim und Röttgermann, mit Luhukay abgelichtet. Der Buchhalter und der Trikotverkäufer also, um es salopp auszudrücken, werden es ja wohl kaum gewesen sein, die darüber zu befinden hatten, ob Luhukay ein geeigneter Mann ist, ob er mit einem zukunftsfähigen Konzept antritt und ob er zum VfB passt.

In der Vereinsführung herrscht das absolute Sportkompetenz-Vakuum, das einem Angst macht. Angst vor einer wenig durchdachten Entscheidung in der Sportdirektor-Frage, Angst auch vor einer falschen, weil unter Zeitdruck gefällten Entscheidung.

Für mich ist zumindest mal Luhukay nicht die schlechteste und sogar eine logische Wahl. Er kennt die 2. Liga aus dem Effeff, weiß, wie Aufstieg geht und welche Tugenden im Unterhaus notwendig sind. Mit Mönchengladbach, dem FC Augsburg und Hertha BSC ist er ebenso bereits aufgestiegen, wie als Co-Trainer von Huub Stevens mit dem 1. FC Köln. Da der VfB alles auf die Karte Aufstieg setzen muss, ist mir in dieser Situation ein solider Handwerker lieber als ein verquerer Visionär mit hohem Risikopotential. Bei Luhukay weiß man, was man kriegt, was in der Situation, in die sich der Verein hinein manövriert hat, existentiell wichtig ist.

Er wird dieser „Mannschaft“ das Laissez-faire austreiben und ihr jene Tugenden vermitteln, die es braucht, um in der 2. Liga zu bestehen. Er ist „der kleine General“, was mir Hoffnung macht, dass er mit eisernem Besen durch den Kader fährt und bei jenen, die da bleiben und neu dazu kommen, das Hauptaugenmerk darauf legen wird, wie kampf- und leistungsbereit sind und ob sie ihre eigenen Befindlichkeiten dem gemeinsamen Ziel Wiederaufstieg unterzuordnen bereit sind. Elementar wichtig ist dabei, schnell zu einer Einheit zusammenzuwachsen und eine neue Hierarchie zu entwickeln.

Luhukay kennt diese Situation und weiß, auf was es ankommt. Bis zum Trainingsauftakt wird Luhukay stark sein und sich etliches Videomaterial aus den letzten Saisons anschauen müssen, um zu erkennen, auf wen er weiter setzen kann und wem der Laufpass zu geben ist.

Umso dringlicher ist es jetzt, wo ohnehin schon von einem Wettbewerbsnachteil gegenüber jenen Vereinen gesprochen wird, deren Ligazugehörigkeit schon länger bekannt ist, den Kader für die 2. Liga aufzustellen.

Das ist jedoch ohne den neuen Sportdirektor, der wohl auch noch eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen wird, ein Ding der Unmöglichkeit. Seit dem feststehenden Abstieg sind bereits neun Tage verstrichen, in denen sich weder auf der Zugangs- noch auf der Abgangsseite irgendetwas getan hat.

Je länger dieser Schwebezustand anhält, desto größer ist die Gefahr, dass Spieler, die man eigentlich gerne halten würde, auf Vereinssuche gehen und man am Ende jene behält, die den Weg für einen Neuanfang frei machen müssten.

Die ungewisse Zukunft des VfB, das Nichtvorhandensein eines Plans, wie man das Unternehmen Wiederaufstieg angehen möchte, mit welchen Spielern, was man ihnen bezahlen kann, welche Perspektive man ihnen aufzeigen kann, die noch nicht erzeugte Aufbruchsstimmung, all das sind Faktoren, die selbst jene Spieler zweifeln lassen, die man eigentlich als Fundament für den Neuaufbau vorgesehen hatte.
Tagtäglich kochen neue Gerüchte über mögliche Abgänge hoch, die mir schon jetzt, vier Wochen vor Trainingsstart, Bauchschmerzen bereiten.

Werner, Baumgartl zu Red Bull, Lukas Rupp auf die Insel und selbst der Verbleib von Maxim und Serey Dié scheint nicht mehr sicher zu sein. Es wächst die Befürchtung, dass uns gerade jene dann erhalten bleiben werden, für die es keine Interessenten gibt und die den Absturz maßgeblich zu verantworten haben.

In der Gerüchteküche treten auch schwere Management-Fehler aus der Dutt-Ära zutage. Kostic zum Beispiel, dem man völlig ohne Not im Zuge einer Gehaltserhöhung großzügig auch noch eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schrieb, die es ihm erlauben soll, den Verein schon für eine Ablöse zwischen 10 und 15 Millionen Euro verlassen zu können, wo man bis vor ein paar Wochen noch mit mehr als 25 Millionen Euro für ihn spekulierte.

Auch die Transfervereinbarung zu Antonio Rüdiger ist lächerlich, wenn ein deutscher Nationalspieler den Verein für neun Millionen Euro Ablöse verlassen darf. Angeblich hat der BVB 24 Millionen Euro für Rüdiger geboten, was der Roma 15 Millionen Euro Gewinn bescheren würde für einen Spieler, der ihnen nicht einen Tag lang gehört hat. Natürlich muss man dabei die damaligen Umstände, Rüdigers Verletzung und das Provozieren seines Abgangs, betrachten, aber, als Verein sollte man sich eben von einem solchen Früchtchen nicht erpressen lassen. Ähnlich wie im Fall Ibišević, für den wir nach wie vor 1,8 Millionen Euro seines fürstlichen Gehalts überweisen, ging man hier den Weg des geringsten Widerstands, um ja keine Unruhe über die Wohlfühloase hereinziehen zu lassen.

Das sind alles so Vorkommnisse, die jetzt anstehenden Abfindungsverpflichtungen noch gar nicht eingerechnet, in denen klar wird, weshalb der VfB kein Geld hat.

Daran geknüpft fangen auch meine ersten Erwartungen an den neuen Sportvorstand an. Verkäufe der oben genannten Spieler, deren Verträge Gültigkeit auch für die 2. Liga besitzen, dürfen erst getätigt werden, wenn der VfB ausreichend entschädigt wird. Wenn ich bspw. lese, dass Red Bull, jetzt nach dem Abstieg, den Preis von Timo Werner auf zehn Millionen Euro drücken möchte, bekomme ich einen Hals.
Er ist einer, dem es zuzutrauen ist, dass er förmlich explodiert und das Zeug zum Nationalspieler hat, sofern er besser in Szene gesetzt wird und seine Abschlussschwäche ablegt. Einem Eigengewächs mit Potential könnte doch auch eine Perspektive im eigenen Verein aufgezeigt und anhand des Beispiels Podolski argumentiert werden, dass auch ein Schritt zurück einer großen Karriere keinen Abbruch tun muss. Es muss das Ziel sein, den Spieler zu halten, und ihn nur dann zu verkaufen, wenn das Angebot unmoralisch wird und man aus wirtschaftlicher Vernunft heraus schon nicht mehr nein sagen kann.

Dazu bedarf es eines Sportdirektors, der sein Geschäft versteht und ein gewiefter Verhandlungspartner ist und nicht einen, der schon froh ist, wenn eine Personalie „geklärt“ ist. Das kolportierte Gespann Joachim Sauer/ Stephan Schwarz hört sich für mich bei näherer Betrachtung vielversprechend an, weshalb ich hoffe, dass da etwas dran ist und beide schon bald an den VfB gebunden werden können.
Sauer hat noch ein Jahr Vertrag bei Red Bull Salzburg, ihn könnte es jedoch als gebürtigen Reutlinger zurück in die Heimat ziehen. Er wäre ein erfahrener Mann, der schon bei Hertha BSC die rechte Hand von Dieter Hoeneß war und auch in Wolfsburg im Management tätig war. Der aus Kirchheim/ Teck stammende Stephan Schwarz hingegen war bereits für den VfB tätig und gilt als Entdecker von Gomez und Sami Khedira, lotste Bordon und Delpierre zum VfB und entdeckte für Hoffenheim Roberto Firmino. Er steht noch für den FC Augsburg in Lohn und Brot und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Scouting in Augsburg wesentlich besser funktioniert als beim VfB und die bayerischen Schwaben uns mittlerweile eindeutig den Rang abgelaufen haben.

Während die Sportdirektor-Suche Dringlichkeitsstufe eins besitzt, läuft nebenher auch die eines neuen Präsidentschaftskandidaten. Bei dieser muss der VfB mittlerweile schon sehr verzweifelt sein, wenn ernsthaft Namen wie der von Guenther Oettinger oder auch Bernd Hoffmann, ehemals HSV-Präsident, in den Ring geworfen werden. Bei allem Respekt für Hoffmann, in dessen Amtszeit eine durchaus sportlich erfolgreiche Zeit der Rauten fiel, sollte der Präsident meiner Meinung nach, anders als der Sportdirektor, den Verein schon im Herzen tragen und in ihm nicht „nur“ einen Arbeitgeber sehen.

Auf dem Präsidentenstuhl favorisiere ich eher eine Lösung mit Karl Allgöwer, wenn er denn beruflich abkömmlich wäre und dem VfB mehr als bisher helfen möchte. Ein Präsident ist für mich in erster Linie Repräsentant des Vereins und oberster Wächter, der auch mahnend in Erscheinung treten sollte. Für das Tagesgeschäft hat er in allen Bereichen seine Lakaien, denen er nicht unbedingt auch noch ins Handwerk pfuschen muss. Wahler missverstand seine Aufgaben, indem er seinen Untergebenen blind vertraute und ihr Tun nicht ausreichend hinterfragte. Allgöwer wäre einer, der schon immer gegen alle Widerstände seine Standpunkte vertrat und ein gutes Gespür dafür hat, woran es beim VfB schon seit Jahren krankt. Daher wäre es zu schön, um wahr zu sein, ginge er endlich in die Verantwortung und machte es besser.

Gerade jetzt, am Tiefpunkt, wäre es wünschenswert, wenn sich ehemalige Vereinsikonen mehr als bisher im Verein einbringen und mithelfen würden, den VfB wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die Bundesliga.

Die 2. Liga, so sehr ich mich persönlich darauf freue, darf für den VfB nur Durchgangsstation sein. Im ersten Jahr muss alles auf die Karte Wiederaufstieg gesetzt werden, da durch eine Übergangsregelung die Fernsehgelder noch gehaltvoller sprudeln als für die anderen Zweitligisten und auch der Kader erstklassiger bestückt sein sollte, als, wenn man einmal in der 2. Liga festsitzt.

Daher darf man nicht sämtlichen Verlockungen erliegen, gute Spieler loszuwerden, nur weil diese sich zu höherem berufen fühlen und ein paar Euro fünfzig in die Kasse spülen. Es gilt in erster Linie diejenigen von der Gehaltsliste zu bekommen, deren Verträge auslaufen, namentlich Schwaab, Niedermeier, Harnik und solche, die mehr die Klappe aufreißen, als Argumente auf dem Platz zu liefern (z. B. Klein).
Diese stehen, wie auch Gentner, dessen Vertrag unnötigerweise bereits verlängert wurde, für den mangelnden Erfolgshunger und die Bequemlichkeit der letzten Jahre. Abgänge dieser Spieler würden die Mentalität der Truppe nachhaltig verändern und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft schüren.

Lassen sich die Neuen von diesen Leuten einlullen und schenken ihren Worten Glauben, dass sie gerne mithelfen würden, den Karren wieder flott zu bekommen, hätten wir bereits verloren und müssten uns notgedrungen auf ein „Weiter so“ einstellen. Hier müssen der neue Sportdirektor und Jos Luhukay nach ihrer Überzeugung handeln und dürfen auf Attribute wie Vereinstreue nichts geben. Die Gesänge „außer Kevin könnt ihr alle gehen“ und „ihr macht uns lächerlich“ sollten bei den anstehenden Personalentscheidungen unbedingt Gehör finden und vor allem verdeutlichen, dass uns keiner dieser Versager so sehr ans Herz gewachsen ist, dass es einen Aufschrei geben würde, wenn die eine oder andere langjährige „Stütze“ leise Servus sagen würde.

Je länger die Sportdirektor-Suche andauert, je länger niemand im Verein dazu imstande ist, Spielern, die es lohnen würde, zu halten, Perspektiven aufzuzeigen und ihnen schwarz auf weiß zu belegen, dass sie auch von ihrem 2. Liga-Gehalt zwei Mal am Tag warm essen könnten, desto größer ist die Gefahr, das sich diese nach neuen Vereinen umsehen. Die Außendarstellung des Vereins ist einmal mehr erbärmlich, man hat das Gefühl führungslos da zu stehen.

Aufsichtsräte, deren berufliche Verpflichtungen es nur zulassen, den VfB „nebenher“ zu führen, Vorstände, die eigentlich für Finanzen und Marketing zuständig sind und ein Ehrenrat, im dem sich zwar mit Ohlicher und Buchwald Sportkompetenz befindet, der jedoch bislang lediglich angehört wurde, aber noch nie wirklich etwas zu melden hatte. Da fällt es schwer, Zutrauen aufzubringen, dass die richtigen Weichen in eine erfolgreichere Zukunft gestellt werden.

Dabei wäre es jetzt gerade eminent wichtig, eine positive Stimmung zu erzeugen und der VfB-Familie Hoffnung zurückzugeben, nicht zuletzt auch wegen des in Kürze startenden Dauerkartenverkaufs.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.6/10 (16 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +5 (from 5 votes)