22. Februar 2017

Das VfB-Ticketing und der Schwarzmarkt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:46

Die Fans rennen dem VfB weiterhin die Bude ein. Vor allem bei fanfreundlicheren Terminierungen sonntags (den Traum eines Heimspiels am Samstag habe ich mittlerweile ausgeträumt) sorgen die VfBler stets für ein gut besuchtes Neckarstadion. So wird es kommenden Sonntag gegen unsere Freunde vom 1. FC Kaiserslautern sein, so wird aus auch gegen den weniger freundschaftlich zu begegnenden Blauen aus Ostfrankreich und Dynamo Dresden sein.

Für beide Spiele hat gestern der Vorverkauf begonnen. Zunächst für Mitglieder, später für Dauerkarteninhaber und danach dann, sofern das Stadion noch nicht ausverkauft ist, auch im freien Verkauf.

Wie zu erwarten brach der VfB-Server zunächst einmal wieder zusammen, so dass einige Kaufwillige bereits entnervt aufgaben. Ich wollte für einen guten Freund noch Karten bestellen, stellte aber dann fest, dass meine Mitgliedsnummer nicht in meinem Account hinterlegt ist. Die Anfrage über den VfB-Service läuft, erfahrungsgemäß dauert es jedoch drei Tage bis die sich rühren, bis dahin werden die Wunschplätze wohl schon weg sein.
Vor allem gegen die Ostfranzosen besteht ein Run auf die Tickets, der, so mein Präsi vom RWS Berkheim, sogar die glorreichen Championsleague-Zeiten übertrifft. So steigt meine Hoffnung, dass dem „Gast“ im Endeffekt lediglich das ohnehin schon horrend hohe Kontingent von 6.000 Plätzen (10% der Stadionkapazität) zur Verfügung stehen wird und der Rest des Stadions in weiß und rot gehüllt sein dürfte.

Leider missbrauchen einige Mitglieder schon jetzt die Gelegenheit, Tickets für dieses gefragte Spiel ergattern zu können, dazu, sich eine goldene Nase verdienen zu wollen. Ein Blick in die Ebay Kleinanzeigen genügt, um zu sehen, wie viele Arschlöcher sich VfB-Fans schimpfen und Karten teils für das Zehnfache des Einkaufspreises anpreisen.

Hier sind die echten Fans gefragt, diesem Gebaren ein Ende zu setzen, a), indem man keine überteuerten Tickets kauft, b), Leute beim VfB anzuzeigen, von denen man mitbekommt, dass sie es tun und c), wenn man aus Verzweiflung doch einen solchen Kauf getätigt hat, dem VfB wenigstens das Ticket, notfalls im Nachhinein, meldet, um den Verkäufer sanktionieren zu können. Man muss nämlich wissen, dass sowohl der VfB als auch die Fanclubs die Karten registrieren und daher genau nachverfolgt werden kann, wer das Ticket erworben hat.

Haftbar ist immer der unmittelbare Käufer des Tickets, daher ist es höchst fahrlässig, Tickets an Leute weiterzugeben, die man nicht kennt und für die man nicht die Hand ins Feuer legen würde. Genauso bedenklich ist es, wie ich seit gestern viel in den einschlägigen Ticketbörsen lese, Gefälligkeitskäufe für Fremde zu tätigen, wenn man sich nicht sicher ist, ob diejenigen das Ticket auch selbst nutzen.

Merkt Euch ein für allemal, derjenige, der das Ticket beim VfB erworben hat, haftet, wo immer das Ticket auch auftaucht. „Schuldige“ werden vom Verein mit einer Vertragsstrafe belegt und von zukünftigen Ticketkäufen ausgeschlossen.

Noch dreister ist es, Karten, die man von seinem eigenen Fanclub erhalten hat, teuer weiter zu veräußern, da hier im Fall des Auffliegens die Gemeinschaft des Fanclubs sanktioniert wird und dieser bei den nächsten Ticketzuteilungen leer ausgehen oder zumindest deutlich weniger Karten bekommen wird, als vorher.

Es ist mir ein großes Anliegen, diesen Deppen den Garaus zu machen. Hinzu kommt, dass sich oftmals Gästefans mit solchen „Angeboten“ eindecken und eine ursprünglich angedachte Fantrennung somit ad absurdum geführt wird.

Gegen Dynamo Dresden geht der VfB in der Ticketzuteilung einen neuen, wie ich finde durchaus legitimen Weg, um das Stadion auf jeden Fall voll zu bekommen und um eine Fantrennung möglichst zu gewährleisten, Ausnahme natürlich wieder solche, die sich Karten auf illegalem Wege beschaffen.

Der VfB wird zunächst nur Cannstatter Kurve, Gegen- und Haupttribüne zum Verkauf frei geben, dort jedoch auf die sonst üblichen Preise von über 60 Euro verzichten und alle Karten für höchstens 27 Euro abstoßen. Inwiefern das gerecht gegenüber denjenigen ist, die als Dauerkarteninhaber das Doppelte für ihren Platz berappen mussten, darüber lässt sich streiten.

Dennoch mein Aufruf, deckt Euch reichlich ein. Sobald diese Bereiche komplett verkauft sind, wird Block für Block auch die Untertürkheimer Kurve freigegeben. Im Umkehrschluss bedeutet das, bekommt der VfB diese drei Tribünen durch Mitglieder- und Dauerkartenbesitzer-Verkauf nicht voll, dass es eine gelb-schwarze Wand der Dresdner auf der Untertürkheimer geben wird, wie seinerzeit bei den Münchner Löwen, als 20.000 Dresdner dort waren.

Das wollen wir alle nicht, also, ihr seid gefragt, macht das Stadion voll, nehmt Freunde, Bekannte, Familie mit, tauscht den Sonntagsbraten mit der Familie gegen die Stadionrote ein und verhindert dadurch diese Dresdner Invasion.

Die Euphorie bei den Fans ist da, wenn Wolfs Rudel weiterhin so Spaß macht und begeisternd dem Wiederaufstieg entgegen steuert, wird sie auch anhalten, und die weiß-roten Festspiele werden weiter gehen, davon bin ich überzeugt!

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20. Februar 2017

That’s, why we love football

Superlative dieser Art klingen noch in meinen Ohren von einem englischen Fußball-Kommentar, der das 4:4 in Dortmund vor knapp fünf Jahren in Worte zu fassen versuchte, diese Worte fallen mir nun zu diesem unfassbaren Spiel in der Heidenheimer Voith-Arena am Freitagabend wieder ein.
Es stand zwar weder ein Bundesligaspiel an, noch beim deutschen Meister und acht Tore fielen auch nicht. Auch mit über 80.000 Zuschauern konnte der Gastgeber 1. FC Heidenheim beim besten Willen nicht aufwarten, wenngleich er immerhin, damals wie heute, „ausverkauft“ vermeldete und locker das Doppelte bis Dreifache an Tickets hätte absetzen können.

Das Fassungsvermögen des Stadions beträgt jedoch „nur“ 15.000, so dass sich jene wirklich glücklich schätzen konnten, die ein Ticket für dieses Spiel ergattern konnten. Dieses Spiel elektrisierte bereits im Vorfeld die Massen auf der Ostalb wie kaum eines zuvor. Da viele Heidenheim-Fans mit dem VfB sympathisieren oder zumindest, als Heidenheim noch unterklassig als Heidenheimer SB unterwegs war, mit dem VfB sympathisierten, wollte sich keiner dieses (hoffentlich) einmalige Aufeinandertreffen auf Augenhöhe entgehen lassen.

Auch für die VfBler war das Kontingent von 1.500 Tickets viel zu gering ausgefallen. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Karten hätten die VfBler die ostälblerische Provinz wohl ähnlich überflutet wie seinerzeit schon die von Sandhausen und Kaiserslautern.

Auch Karten auf neutralem Terrain zu bekommen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es soll sogar VfBler gegeben haben, die 1. FCH-Mitglied wurden oder bei Heidenheim eine Rückrunden-Dauerkarte erstanden, nur um bei diesem Spiel dabei sein zu können. Im Nachhinein, in Anbetracht des tollen Spiels und Schwarzmarktpreisen von rund 150 Euro für ein Ticket nicht die schlechteste Entscheidung!

Der 1. FCH ist in der Region „in“, spielt als Tabellenfünfter eine bemerkenswert starke Runde und setzte sein Saisonhighlight bereits am 4. Spieltag mit dem Husarenstreich im Neckarstadion. Die Lust auf eine neuerliche Sensation und die Aussicht dabei zu sein, wenn der David 1. FCH dem Goliath VfB auch zu Hause ein Bein stellt, taten ein Übriges, dass die Voith-Arena in Windeseile ausverkauft war.

Wir, gute Kontakte eben, hätten zwar als Allesfahrer Karten im Gästeblock bekommen, zogen es jedoch vor, die Seite und damit in die Höhle des Löwen zu wechseln, in der Hoffnung vor allem vom Gästeblock bessere Bilder machen zu können. Dies gelang aufgrund der Wetter- und Lichtverhältnisse nur bedingt.

Auf der Homepage des FCH war am Vortag zu lesen, dass unser Block zum Heimfanbereich gehören würde und Gästefans keinen Zutritt hätten. Normalerweise heißt der Vermerk „kein Zutritt in Gästefankleidung“, dieses Mal also gleich Gästefans!? Schon die ganze Saison treibe ich mich ja in anderen Bereichen in den Stadien herum, so dass neutrale Kleidung ohnehin selbstverständlich gewesen wäre. In gutem Glauben, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, verwarf ich die Idee, einen Crashkurs in ostälblerisch zu besuchen wieder und hoffte, dass neutrale Kleidung und ordentliches Benehmen auch schon genügen würden.

Dem war dann auch so, keine Probleme beim Einlass und drinnen ein absolut entspanntes Miteinander. So erwartete ich das eigentlich auch und war im Vorfeld schon darüber verwundert, teils von einem Risikospiel und strikter Fantrennung zu lesen. Ich erwartete nicht, dass es dort irgendwelchen Ärger geben könnte und habe auch keine Auseinandersetzungen und Scharmützel mitbekommen.

Wieso auch? Für den VfB ist dieses Jahr gemeinsamer Ligazugehörigkeit (hoffentlich) nur ein Intermezzo und für die Heidenheimer DAS Spiel des Jahres. Ob es jetzt ein Nachbarschaftsduell oder ein Derby ist, darüber schieden sich im Vorfeld mal wieder die Geister. Bei diesem Aufeinandertreffen kommt mir das Wort „Derby“ leichter über die Lippen als gegen irgendwelche neureiche Emporkömmlinge, zum einen, weil es sich um einen württembergischen Nachbarn handelt und zum anderen, weil ich durchaus Respekt für das empfinde, was in den letzten Jahren auf der Ostalb gewachsen ist.

In Zeiten, in denen der VfB die Trainer häufiger wechselte als so mancher die Unterhose, hätte ich Trainer Frank Schmidt (Mitglied der Mannschaft vom TSV Vestenbergsgreuth, das den FC Bayern 1994 aus dem DFB-Pokal schmiss) und seinen Kapitän Marc Schnatterer (1998-2000 Jugendspieler beim VfB) mit Kusshand genommen, weil beide eine unbändige Leidenschaft verkörpern und für das Heidenheimer Fußballwunder DIE Eckpfeiler sind. Mittlerweile hat sich dieses Thema natürlich erledigt, weil wir mit Hannes Wolf bestens aufgestellt sind und Schnatterer mit seinen 31 Jahren allmählich ein Auslaufmodell wird.

Seit ich das letzte Mal in der Voith-Arena war (Vorbereitungsspiel im Juli 2013, noch unter Labbadia) hat sich das Stadion schwer gemausert und ist zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Woher ich meinen Optimismus vor dem Spiel nahm, weiß ich nicht. Jedenfalls dachte ich in keiner Sekunde an einen Punktverlust und war felsenfest davon überzeugt, dass wir die Schmach vom Hinspiel auf jeden Fall ausmerzen werden könnten.
Die Atmosphäre war schon vor dem Spiel hervorragend und bot einen würdigen Rahmen für ein denkwürdiges Fußballspiel. Zum Einlauf der Gladiatoren bot der Heidenheimer Anhang eine schöne Württemberg-Choreographie, ergänzt durch das Wunschdenken „ein neues Zeitalter wird kommen“ und einem Feuerwerk außerhalb des Stadions.

Während Trainer Frank Schmidt sein Team gegenüber dem Auswärtssieg bei den Würzburger Kickers umstellen musste, setzte Hannes Wolf getreu dem Motto „never change a winning team“ auf die zuletzt erfolgreiche Anfangself.

Die erste Torannäherung hatte Heidenheim durch den Liga-Topscorer Marc Schnatterer (jetzt, 8 Tore, 8 Assists), danach aber übernahm der VfB das Kommando und dominierte über weite Strecken die erste Hälfte.

Heidenheim gegen den VfB war auch das Duell der beiden 31-jährigen Kapitäne, deren Wege sich seit der E-Jugend immer wieder kreuzten und bei dem es Christian Gentner war, der den ersten Glanzpunkt setzte.

Nach der allerersten Ecke für den VfB verpasste es Heidenheim zwei Mal den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, so dass Gentner in seinem zweiten Versuch zur vielumjubelten Führung traf. Es war sein sechster Saisontreffer, womit ihm bereits jetzt so viele gelangen, wie noch nie zuvor innerhalb einer Saison in seiner Karriere.

Dieser Treffer zeigte bei den Heidenheimern, deren Matchplan aufs Konterspiel ausgelegt war, Wirkung, so dass der VfB Ball und Gegner laufen lassen konnte. Nach gut einer halben Stunde hatte Carlos Mané nach Insúa-Hereingabe die Hundertprozentige zum 0:2 auf dem Fuß, verfehlte jedoch zu unser aller Entsetzen das leere Tor.

Durch eine Einzelleistung von Schnatterer kamen die Heidenheimer unverhofft zum Ausgleich, als sich kein VfBler zuständig fühlte und man ihn ohne Gegenwehr gewähren ließ. Der unermüdliche Schnatterer nahm diese Einladung dankend an und traf mit einem fulminanten, jedoch wohl nicht unhaltbaren, 25-Meter-Schuss zum Ausgleich. Nichts hatte zuvor darauf hingedeutet, dass uns die Heidenheimer vor der Pause noch gefährlich werden könnten, ehe sich Schnatterer ein Herz fasste. Mit diesem Remis ging es kurz danach in die Halbzeitpause.

Der Ausgleich gab den Ostälblern sichtlich Auftrieb. Heidenheim wurde nach dem Seitenwechsel aktiver und bekam Oberwasser, während der VfB zunächst nicht so recht in die Puschen kam.

Hannes Wolf reagierte darauf und brachte erst Brekalo für Asano und kurze Zeit später Ginczek für Green. Danach wendete sich das Blatt wieder und es entstand ein offener Schlagabtausch.

Bei solchen äußeren Bedingungen, es regnete ja in Strömen, waren Distanzschüsse ein probates Mittel. Das erkannte der VfB und scheiterte damit durch Gentner und Grgic am glänzend aufgelegten Ex-VfB-Keeper Kevin Müller, der immerhin schon neun Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieb.
Auch Terodde, der über weite Strecken mehr als unermüdlicher Kämpfer denn als Torjäger in Erscheinung trat, bot sich noch eine gute Kopfballchance, die Müller und Schnatterer mit vereinten Kräften auf der Linie vereitelten.

Das Spiel legte nun ein atemberaubendes Tempo vor und wogte hin und her. Schnatterer verfehlte den Kasten auf der anderen Seite denkbar knapp, während beim Gegenzug die große Stunde von Josip Brekalo zu schlagen begann.

Das kroatische Wunderkind, gerade einmal 18 Lenze auf dem Buckel und vor kurzem noch von Inter Mailand, Arsenal London und Benfica Lissabon umworben, dribbelte zunächst vom Strafraum weg, um dann doch all seine Kraft in einen mächtigen Schuss zu legen.

Kein Bierdeckel hätte mehr zwischen Ball und Torwinkel gepasst, so genau zielte Brekalo. Trainer Wolf bekannte nach dem Spiel verschmitzt, es sei gut, dass Brekalo noch nicht so des Deutschen mächtig sei und offensichtlich nicht verstanden habe, dass er ihm mit auf den Weg gegeben habe, nicht immer gleich abzuziehen, sondern die Situationen zu Ende zu spielen. Ein Tor wie ein Kunstwerk, auch Tage danach gerate ich ins Schwärmen
Nicht wenige meinten nach dem Spiel, so träfe ein Spieler einen Ball alle zehn Jahre mal, dann wollen wir doch hoffen, dass Brekalo mit diesem Traumtor sein Pulver noch nicht verschossen hat und er vor allem die Bodenhaftung bewahrt.

In einem dramatischen Spiel war damit aber längst noch nicht Schluss. Hitzige Atmosphäre, enges Stadion, Derbyfieber, Flutlicht, Fritz-Walter-Wetter, demzufolge ein glitschiges immer tiefer werdendes Geläuf und zwei Mannschaften, die sich gnadenlos bekämpften. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein packenderes Zweitligaspiel gesehen zu haben, in dem von der feinen Klinge bis zum rustikalen Handwerk keine Facette zu kurz kam.

Die beiden Kapitäne waren, nicht nur wegen ihrer Tore, mit die auffälligsten Spieler auf dem Platz. Schnatterer trieb nach dem erneuten Rückstand seine Farben vehement an und versuchte das Publikum noch mehr zu pushen, während Gentner seinem Pendant in Sachen Mentalität an diesem Tag in nichts nachstehen wollte.

Selten habe ich Gentner so entschlossen und kampfesbereit erlebt wie am Freitag in Heidenheim. Ihm kommt sicherlich inzwischen zu Gute, dass sich in der Schaltzentrale nicht mehr alles auf ihn fokussiert, sondern sich Anto Grgic mehr und mehr als Ballverteiler in den Vordergrund spielt und für die gegnerischen Trainer DER Mann ist, den es aus dem Spiel zu nehmen gilt.

Nach der Führung verpassten es Terodde und Grgic dann den Sack zuzumachen, was sich beinahe noch rächen sollte. In den letzten zehn Minuten zog Heidenheim mit dem Mute der Verzweiflung ein Offensiv-Spektakel auf, das seinesgleichen suchte. Bei sieben (!) fast unmittelbar aufeinander folgenden Eckbällen musste der VfB Schreckmomente fast im Sekundentakt überstehen und tat das mit unermüdlichem Kampfgeist und vor allem auch einer gehörigen Portion Glück. Brekalo klärte auf der Linie, Langerak lenkte einen Ball mit einem unglaublichen Reflex noch an die Latte. Während Heidenheim aus allen Rohren schoss, warfen sich die VfBler dazwischen und verteidigten das eigene Tor mit einer Leidenschaft, die man beim VfB lange nicht gesehen hat.

Nach dem Schlusspfiff erkannte man förmlich ein Funkeln in den Augen einiger Spieler, die sichtlich erleichtert und auch stolz waren, dieses schwierige Spiel siegreich über die Runden gebracht zu haben. Wenn ein alter Hase, wie es Simon Terodde ist, hinterher bekennt, er sei stolz Teil dieses Teams zu sein, sagt das, wie ich meine, viel über den neuen Teamgeist aus, der Einzug in die Mercedesstraße gehalten hat und auch darüber, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind.

Der VfB verfügt mittlerweile über einen ausgeglichen 26-Mann-Kader und ist damit auch in der Breite für die 2. Liga herausragend gut besetzt. Die Kunst des Trainerteams besteht darin, alle Mann bei Laune zu halten und was die Kader-Nominierungen angeht, gerecht zu sein. Dies scheinen sie im Moment so gut hinzubekommen, wie man es beim VfB lange nicht mehr erlebt hat. Man hört überhaupt kein Wehklagen von Spielern, die derzeit nicht die erste Geige spielen oder es überhaupt nicht in den 18-Mann-Kader fürs Spiel schaffen, wie Alexandru Maxim und Hajime Hosogai beispielsweise.

Der mediale Aufschrei und der in den Foren war schon enorm, weil es Maxim fürs Heidenheim-Spiel nicht einmal mehr in den Kader geschafft hat. Ich kann den Maxim-Hype ohnehin nicht nachvollziehen, da er sich noch unter keinem Trainer durchgesetzt hat und weder die Kondition noch den Kampfgeist besitzt, um in einem umkämpften Spiel wie am Freitag, in dem 90 Minuten lang der Rasen umgepflügt wird, seinen Mann zu stehen. Seine Zeit beim VfB dürfte sich unweigerlich dem Ende zuneigen, da man mittlerweile nicht einmal mehr auf seine genialen Momente und seine Standards angewiesen ist. Auch diese beansprucht Anto Grgic derzeit für sich, von unseren hoch veranlagten und technisch beschlagenen Offensivspielern einmal abgesehen.

Auch Tage danach bin ich noch berauscht und von einer gewissen Euphorie getragen nach diesem wahnsinnigen Spiel. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich den restlichen Saisonverlauf als Selbstläufer an- und uns schon aufgestiegen sehe.

Beileibe nicht. Der VfB hat, bis auf Düsseldorf, alle seine Rückrundensiege mit Mühe und Not, jedoch auch nicht unverdient, erkämpft. Das verdeutlicht, dass trotz aller individuellen Klasse jeder Sieg aufs Neue hart erarbeitet werden muss und man die Füße wirklich erst im Mai hochlegen kann.

Dass man in Heidenheim derart ins Schwimmen geriet, muss dem Team zu denken geben und dennoch bringt den VfB jeder Sieg weiter, dieser ganz besonders.
Jeder Beteiligte hat gesehen, wie Teamgeist Berge versetzen kann und dass es sich lohnt, auch die letzten Körner aus sich herauszuholen. Ein heimstarkes Heidenheim, das mit brachialer Wucht anrannte, gelang es letztlich in die Schranken zu weisen, was Selbstvertrauen geben sollte. Dieses Glück, das man am Ende hatte, hat sich der VfB erarbeitet, vor nicht allzu langer Zeit wäre ein solches Spiel mit Sicherheit verloren gegangen.
Die Momentaufnahme mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sieht formidabel aus. Nächsten Sonntag kommen unsere Freunde vom 1. FC Kaiserslautern, die sich unter Norbert Meier aus der Abstiegszone befreien konnten und derzeit einen Lauf haben. Auch das Kaiserslautern aus dem Hinspiel ist mit dem der Gegenwart nicht mehr zu vergleichen, ich befürchte erneut eine ganz harte Nuss, die es da zu knacken gilt.

Der Lauterer Aufschwung, die Ansetzung am Sonntagnachmittag, die Entfernung von gerade einmal 180 Kilometern und die Fanfreundschaft mit dem VfB dürfte die Lauterer Massen mobilisieren, so dass ich mit weit über 5.000 Pfälzern im Neckarstadion rechne.

Bei Hannes Wolf als Trainer bin ich mir sicher, dass auch diese Aufgabe mit der gleichen Seriosität und Konzentration angegangen wird wie jedes andere Spiel auch, und er es nicht zulassen wird, dass das Team auch nur einen Prozentpunkt nachlässt.

Was vier Siege zum Rückrundenbeginn angeht und was sie wert sein können, diesbezüglich sind wir VfBler ja gebrannte Kinder. In der letzten Saison startete der VfB genauso furios ins neue Jahr, um im Mai sang- und klanglos abzusteigen.

Da vom Vorjahrespersonal nicht mehr viel übrig ist und der Teamgeist mittlerweile richtig gut zu sein scheint, schätze ich die Gefahr eines neuerlichen Einbruchs als sehr gering ein. Schindelmeiser und Wolf mit ihrer unaufgeregten fokussierten Art, sind nah am Team und werden gefährlichen Tendenzen sofort entgegenwirken. Seit langem hat man mal wieder den Eindruck, dass der Verein von Profis, und das auf allen Ebenen, geführt wird und man sich von kurzfristigen Erfolgen nicht blenden und ablenken lässt.

Geht die Teamfindung und Erlangung noch größerer Stabilität weiter mit sportlichen Erfolgen einher, geben wir die Tabellenführung nicht mehr aus der Hand. Der VfB wird sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln und stetig verbessern und hat mit den Winterneuzugängen Jérôme Onguéné und Ebenezer Ofori sogar noch zwei Asse im Ärmel, die den Konkurrenzkampf und damit den Leistungsdruck weiter erhöhen. Wann Onguéné’s Zeit kommt wird man sehen, da im Moment keine Notwendigkeit besteht, an Baumgartl und/ oder Kaminski zu rütteln, aber, Oforis Stunde könnte schon bald schlagen und von ihm erhoffe ich mir einen weiteren Qualitätsschub.

Derzeit sieht wirklich alles rund um den VfB sehr vielversprechend aus. Wie es wirklich um den Charakter der Mannschaft bestellt ist, werden wir aber erst so richtig erfahren, wenn wir gesehen haben, wie sie mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht und wie sie darauf dann reagiert. Auf diese Erfahrung kann ich jedoch liebend gern verzichten und baue gegen den FCK auf den fünften Sieg im fünften Rückrundenspiel.

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14. Februar 2017

Die individuelle Klasse setzte sich durch

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:27

Es war ein glücklicher und auch etwas schmeichelhafter Sieg für den VfB gegen ein äußerst unbequem zu bespielendes Sandhausen. Nicht umsonst sammelten die Mannen von Trainer Kenan Kocak bereits 30 Punkte in dieser Saison, nicht von ungefähr grüßten sie vor dem Spiel von Platz sechs aus.

Erstmals überhaupt während des Wirkens von Hannes Wolf veränderte der Trainer seine Startformation gegenüber dem vorherigen Spiel (2:0 gegen Fortuna Düsseldorf) auf keiner Position.
Im Grunde gab es dafür auch keine Veranlassung, legte die Mannschaft gegen die Fortunen doch, zumindest in der ersten Halbzeit, eine klasse Partie hin. Benjamin Pavard, der Reservist, der noch am nächsten an der ersten Elf dran zu sein schien, verletzte sich unter der Woche, für Daniel Ginczek käme ein Startelf-Einsatz noch zu früh.

Sandhausens oberste Maxime lautete zunächst, den VfB seiner Stärken zu berauben, ihn also nicht ins Spiel kommen zu lassen. Äußerst geschickt und diszipliniert verteidigten und verschoben die Nordbadener, doppelten unsere schnellen Carlos Mané und Takuma Asano und nahmen Ballverteiler und Spielmacher Anto Grgic so gut es eben ging aus dem Spiel. Geschickt entzog sich Grgic jedoch immer wieder dieser Bewachung und kurbelte doch auch den einen oder anderen vielversprechenden Angriff an. DER Gewinner der Vorbereitung ist inzwischen eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel und hat derzeit die Nase klar vor Zimmermann und Hosogai.

Mit dem VfB und dem SV Sandhausen trafen zwei Teams aufeinander, die bislang im Kalenderjahr 2017 noch kein Gegentor zu beklagen hatten, so dass es nicht verwunderlich war, dass Torchancen zunächst Mangelware blieben.

Einzig Julian Green mit Schussversuchen aus der Distanz sorgte zunächst für einen Hauch von Torgefahr. Quasi mit dem Pausenpfiff ging der VfB doch noch in Führung, als Mané in den Strafraum hineinstieß und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Simon Terodde verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt in die rechte Torecke. Die Pausenführung war aufgrund der größeren Spielanteile nicht unverdient.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Sandhausen aktiver und rückte weiter vor, während der VfB sein Heil in Kontern suchte. Dadurch boten sich Räume für den VfB, die Mané und Green kurz nach der Pause besser hätten nutzen können. Nach einer guten Stunde brachte Kocak Wandervogel Sukuta-Pasu, der aus der Jugend von Bayer Leverkusen stammt, schon etliche nationale und internationale Stationen auf dem Buckel hat und aktuell beim SV Sandhausen gestrandet ist. Dieser war auch gleich, mit seinem ersten Ballkontakt, zur Stelle, als sich auf der linken Stuttgarter Abwehrseite drei VfBler ausspielen ließen und die Flanke von Pledl nicht verhindern konnten, sich Baumgartl und Großkreutz nicht einig waren, Langerak auf der Linie kleben blieb und Sukuta-Pasu in der Mitte unbedrängt einschieben konnte.

Nicht unverdient zu diesem Zeitpunkt, war Sandhausen doch zu Beginn der zweiten Halbzeit die aktivere Mannschaft. Der SVS witterte nun Morgenluft und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Während Zimmer allein vor Knaller scheiterte und Großkreutz nur die Latte traf hatte Sukuta-Pasu eine Viertelstunde nach dem Ausgleich die Hundertprozentige zu Sandhausens Führung auf dem Fuß.

Hannes Wolf wechselte offensiv und brachte nach Jean Zimmer noch Daniel Ginczek und Alexandru Maxim und sendete so als Signal an die Mannschaft, hier und heute unbedingt als Sieger vom Platz gehen zu wollen.

Angetrieben von den meisten der 44.560 Zuschauer wollte der VfB den Sieg jetzt erzwingen, was schließlich auch gelang. Nach Mané-Hereingabe war Simon Terodde per sehenswertem Seitfallzieher zur Stelle und markierte die so wichtige Führung. Sandhausen setzte noch einmal alles auf eine Karte und feuerte aus allen Rohren, während der VfB mit Mann und Maus verteidigte und den knappen Vorsprung schließlich mit Glück und Geschick über die Zeit brachte.

Am Ende konnte man konstatieren, dass es ein hartes Stück Arbeit war und man sich nicht hätte beklagen dürfen, wenn man am Ende nur mit einem oder gar keinem Punkt dagestanden hätte.

Da der VfB wahrlich kein schlechtes Spiel machte und Sandhausen, das muss man einfach mal anerkennen, richtig gut war, brauchen wir uns für diesen Sieg natürlich nicht zu schämen. Das sind genau jene Spiele, die die Mannschaft weiter bringen. Nach dem Auswärtssieg in St. Pauli hat der VfB bereits zum zweiten Mal den Sieg in der Schlussphase errungen, was dem Team Auftrieb geben und für die anstehenden Aufgaben Mut machen sollte. Die Schinderei aus dem Trainingslager hat sich offensichtlich gelohnt, so dass die Mannschaft weiter bis zum Schlusspfiff an sich glauben und alles versuchen wird, ist die Nuss auch noch so hart. Aus diesem Holz sind Aufsteiger geschnitzt! Wenn der FC Bayern der 2. Liga jetzt auch noch den Bayern-Dusel für sich beansprucht und zähere Spiele letztlich auch noch für sich entscheidet, ist das ein passabler Mutmacher für die kommenden Wochen und Monate.

Das WIE zählt heute sowieso schon nicht mehr. Viel mehr können wir mit Freude auf die Tabelle blicken und sehen, dass durch das Braunschweiger Remis in Nürnberg der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen ist. Das ist schon mal ein Brett, jedoch auch kein Ruhekissen. Der VfB muss von nun an mehr denn je die Rolle des Gejagten annehmen und mit dieser Situation mental zurechtkommen.

Ob Christian Gentner, der sich in der Jäger-Rolle wohler fühlt als in der des Gejagten, deshalb auf dem Platz noch weniger zu sehen ist, als sonst ohnehin schon, sei dahingestellt. Wenn aber schon die Stuttgarter Medien, bei denen Gente sonst über jeden Zweifel erhaben ist, bewerten „Der Kapitän nimmt sich eine kleine Krise. Denn anders als in der Hinrunde ist Christian Gentner nicht mehr der alles überragende Antreiber im VfB-Mittelfeld. Durch seine Routine bleibt er aber unersetzlich.“, sollten bei ihm sämtliche Alarmglocken schrillen. Mr. Unersetzlich bekommt nämlich durch Anto Grgic und hoffentlich bald auch Ebenezer Ofori mächtig Druck, so dass die Chancen auf eine baldige Wachablösung gar nicht mehr so schlecht zu sein scheinen. Dem derzeitig praktizierten und weiter zu perfektionierenden Hochgeschwindigkeitsfußball ist Gente schon allein wegen seiner Übersetzung und seiner mangelnden Handlungsschnelligkeit nicht mehr gewachsen, daher entwickelt er sich mehr und mehr zu einem Hemmschuh, der das Spiel verlangsamt.

Der VfB steckt weiter in einem Entwicklungsprozess, in dem es gilt, die Handschrift Wolfs weiter zu verinnerlichen und das Team fit für die Bundesliga zu machen. Wenn diese Entwicklung einhergeht mit sportlichem Erfolg und dadurch etwas der Druck vom Kessel genommen wird, ist dies geradezu perfekt. Die 2. Liga ist derzeit für den VfB ideal und bietet Tests für den Ernstfall (Bundesliga) unter Wettkampfbedingungen.

Zurzeit ragen aus einer geschlossenen Mannschaft vor allem Simon Terodde, der Knipser, und Carlos Mané, der Künstler heraus. Es ist eine Augenweide ihn spielen zu sehen und seine Ballfertigkeit bestaunen zu dürfen. Wegen solcher Spieler strömen die Massen ins Stadion, daher hoffe ich, dass der VfB das Heft des Handels komplett in der Hand hat und an den Gerüchten, Sporting Lissabon fordere ihn bereits im Sommer zurück, nichts dran ist. Im Gegenteil, der VfB sollte alles Menschenmögliche tun, die Kaufoption zu ziehen und Mané langfristig an den VfB zu binden. Die kolportierte Summe von 15 Millionen Euro ist im heutigen Fußball nichts für einen Spieler seiner Klasse, der in ein paar Jahren das Doppelte oder Dreifache wert sein könnte.

Außer der individuellen Klasse einiger hatte dieses Mal auch das Publikum großen Anteil am Sieg. Ich habe die Atmosphäre bei unseren Heimspielen ja schon des Öfteren gescholten, gegen Sandhausen war sie überragend. Auch in schwierigen Phasen waren selbst bei uns auf der Haupttribüne kaum Pfiffe zu vernehmen, es schien so, niemand habe ernsthaft damit gerechnet, dass man Sandhausen mal so einfach aus dem Stadion schießen würde. Der Torschrei beim Siegtreffer hallt mir heute noch nach, so ohrenbetäubend war dieser. Pure Freude und Erleichterung nach dem Schlusspfiff, war sich doch jeder bewusst, welch schwere Geburt man soeben hinter sich gebracht hatte.

Über das schon obligatorische Lied „Wenn jemand fragt, wer Meister wird, dann sage ich zu Dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB“ muss ich weiterhin schmunzeln, wenngleich ich es mit einem Augenzwinkern natürlich mitsinge. Ich kenne den Song noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als es wirklich um die Deutsche Meisterschaft ging, so dass ich mich am Saisonende, selbst wenn wir als Erster abschließen würden, auch nicht als Meister sondern „nur“ als Aufsteiger fühlen würde. Die „Meisterschale“, die es auch in der 2. Liga neuerdings gibt ist doch nur ein weiterer Marketing-Gag der DFL.

Kommenden Freitag in Heidenheim hat der VfB die Chance, die Tabellenführung weiter zu festigen und sich gleichzeitig für die bittere Heimniederlage im Hinspiel zu revanchieren. Unter den Eindrücken der Tage danach erscheint diese freilich in einem anderen Licht, war es doch das „Abschiedsspiel“ für Jos Luhukay mit einer Mannschaft, die ihrem Trainer nicht mehr folgte. So hatte selbst dieser Tiefpunkt noch etwas Gutes und bescherte uns nach den zwei Erfolgen unter Interims-Coach Olaf Janßen Hannes Wolf als neuen Trainer.

Heidenheim gewann jüngst in Würzburg und heimste somit erstmals im neuen Jahr Punkte ein. Dieser Sieg dürfte den Ostälblern neues Selbstvertrauen eingeflößt haben, so dass auch die Partie in der Voith-Arena für die Brustringträger kein Selbstläufer werden wird. Ich habe großen Respekt für das, was in Heidenheim in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Marc Schnatterer verkörpern dort Kontinuität und eine stetige Entwicklung nach oben, so dass in diesem Jahr zumindest der Relegationsplatz zur Bundesliga in Reichweite zu sein scheint.

Der VfB tut also gut daran, auch diese Aufgabe seriös anzugehen und den Kampf, den ihn auf der Ostalb erwarten dürfte, anzunehmen. Gerade die engen Spiele in St. Pauli und gegen den SV Sandhausen zeigen, dass der VfB, trotz der Optimalausbeute von neun Punkten in der Rückrunde, weit entfernt ist, einen Gegner in der 2. Liga einfach so an die Wand zu spielen.

Gelingt es, sich defensiv weiter zu festigen und konzentriert zu verteidigen, wird sich auch in Heidenheim im Verlauf der Spieldauer die individuelle Klasse des VfB durchsetzen. Einer überragenden Unterstützung kann sich der VfB sicher sein. Nicht wenige in der Region sympathisieren mit beiden Vereinen, so dass nicht nur das kleine Gästekontingent an die VfB-Fans ging, sondern sich auch sehr viele VfBler, wie auch wir, in den sonstigen Bereichen tummeln und das Auswärts- zum Heimspiel werden lassen.

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11. Februar 2017

DFB & Red Bull – Die Freundschaft!

Category: Presse — Franky @ 09:58

Der DFB-Kontrollausschuss fordert drakonische Strafen für Borussia Dortmund angesichts der Vorkommnisse beim Bundesligaspiel gegen Red Bull Leipzig am vergangenen Wochenende. Gut, gekoppelt zwar an frühere „angebliche“ Verfehlungen und eine im vergangen Jahr zur Bewährung ausgesprochene Strafe und dennoch erscheint mir die Sperrung der kompletten Südtribüne für ein Spiel unverhältnismäßig hart zu sein. Die in Kombination geforderte Geldstrafe von 100.000 Euro lassen wir mal dahin gestellt, entspricht dies doch eher gerade einmal dem Wochengehalt eines Top-Spielers.

Diese Strafe beträfe lediglich die Vorkommnisse innerhalb des Stadions, also das Zeigen unzähliger Schmäh-Banner gegen das Konstrukt Leipzig, auf die Geschehnisse vor dem Stadion hat der DFB kein Zugriffsrecht. Schon diese, man spricht von sechs oder acht Verletzten, werden für mich überdramatisiert, angesichts der Masse von 81.000 Zuschauern, die sich rund um das Westfalenstadion tummelten.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: jeder Verletzte ist einer zu viel und doch stellt sich die Frage, ob diese Übergriffe nicht zu verhindern gewesen wären. Man beklagt sich, dass Steine und Flaschen auf Familien mit Kindern geflogen seien, die sich inmitten des Leipziger Mobs befanden, der, Augenzeugenberichten zufolge, auch nicht zimperlich war, was Beleidigungen gegen Dortmunder Fans anging und teils vermummt über die Strobel-Allee zog.

Da frage ich mich, was reitet verantwortungsbewusste Eltern mit Kindern sich zu diesen zu gesellen und nicht einfach für eine Weile, bis man im Block ist, wie es auswärts manchmal ratsam ist, wenn man in nichts hinein kommen möchte, den Schal versteckt zu halten, um unbehelligt von dannen ziehen zu können.

Wie in jüngster Vergangenheit oft, ist auch die Rolle der Polizei und deren Strategie zu hinterfragen, weshalb die Fangruppierungen an unübersichtlicher Stelle überhaupt aufeinander treffen konnten. Weshalb waren bei einem Spiel, bei dem nach Vorkommnissen im Hinspiel mit Anfeindungen zu rechnen war, gerade einmal 237 Beamte im Einsatz, während zu Revier-Derbys gegen den FC Schalke schon mal 1.500 Beamte herangezogen werden? Aber, wie gesagt, das spielt beim Strafmaß überhaupt keine Rolle.

Reden wir also über die Banner im Stadion. Hunderte Banner wurden hochgehalten, lediglich sieben (!) davon mit weit unter die Gürtellinie gehendem Inhalt. Auch hier verurteile ich Banner, die auf den Burnout von Ralf Rangnick anspielen, also persönlich werden, heiße den Rest des Protestes und Plakate wie „Bullenschweine“, wenn es denn den Red Bull Konzern betrifft, weiter für angebracht.

Zusätzlich zur Anklage steht, dieses Spiel betreffend, laut DFB-Homepage „Zudem wurden gefüllte Bierbecher Richtung Innenraum geworfen und Leipziger Spieler mit einem Laserpointer irritiert.“ Auch das allein rechtfertigt für mich noch nicht ein solches Strafmaß, zumal es sich da um Einzeltäter handelt, die ermittelt und zur Rechenschaft gezogen gehören, und es nicht in Ordnung ist, eine gesamte Fanszene, wir reden immerhin von 30.000 Fans, kollektiv zu bestrafen.

Weiter zur Anklage stehen Schmähgesänge im Dezember gegen Hoffenheim, einem weiteren Liebling der traditionalistischen Fanszenen. Was soll denn der Schwachsinn? Was ist denn ein Stadionbesuch ohne Schmähgesänge bitteschön? Wir wollen doch keine englischen Verhältnisse im deutschen Fußball, wo irgendwann der Ordner einen des Innenraums verweist, wenn man „Karlsruh, Karlsruh, wir scheißen Euch zu“ singt. Lächerlich dieser Haufen, Fußball-Mafia mit totalitärer Basta-Politik!

Als VfB-Fan, zumal wir in dieser Saison nicht in Dortmund antreten, könnte mir eine solche Strafandrohung (noch ist sie das) am Allerwertesten vorbei gehen.

Und doch sehe ich hier den Anfang eines massiven Niederschlagens von Protesten gegen ein Projekt, das wie kein zweites gegen die von den Fußballhütern selbstauferlegte 50+1-Regel verstößt und dem man in den letzten Jahren Hintertür für Hintertür geöffnet hat. Als Fan eines Traditionsvereins kommt man sich dabei schlicht verarscht vor!

Schon die Lizenzvergabe an Leipzig für die 2. Liga war eine Farce! Während die DFL ernsthafte Bedenken anmeldete und einer Verweigerung der Lizenz für dieses Marketingkonstrukt durchaus nicht abgeneigt war, wurde im DFB geklüngelt, was das Zeug hielt. Zitat aus der Süddeutschen vom 9. Mai 2014: „Der DFB war Leipzig bisher eher wohlgesonnen, was auch an günstigen Beziehungen liegen dürfte. Ulrich Wolter, Geschäftsführer von RB Leipzig, war bis Sommer 2012 Geschäftsführer der Wirtschaftsdienste GmbH des DFB. Helmut Sandrock, DFB-Generalsekretär, arbeitete einst als Geschäftsführer für Red Bull Salzburg. Die verlangten Auflagen sollen nun beim DFB für Unmut gesorgt haben.“

Jetzt sieht sich der DFB offensichtlich an der Zeit angekommen, härtere Saiten aufzuziehen. Man steht in engem Austausch mit der Red Bull Vorstandschaft, die vehement fordert, besser geschützt zu werden und dass die Proteste massiver niederzuschlagen seien als bisher.

In Leipzig funktioniert das ja schon ganz gut. Da werden im Stadioninneren überhaupt keine Protestbanner geduldet, die DDR-Vergangenheit lässt grüßen! Dort kommt es schon mal vor, dass Fans Protest-Devotionalien mit Gewalt abgenommen und Fanfotografen ihr Material entwendet wird. Die Einlass-Prozedur soll dort noch menschenunwürdiger wie in den meisten anderen Stadien stattfinden und sich in eine nicht akzeptable Länge hinziehen, so dass sich in Leipzig ernsthaft jemand wundert, dass man die nicht haben möchte?

Auch wenn der DFB jetzt mit der Dampfhammer-Methode kommt und Leipzig sich in der Opferrolle so wohl zu fühlen scheint, darf der Protest gegen dieses Konstrukt nie abflauen. Persönlich habe ich mich weder mit Hoffenheim noch Wolfsburg abgefunden und werde das weiterhin auch nicht tun. Noch immer kann ich deren Anhänger nicht für voll nehmen, die Leipziger, selbst ernannten Saubermänner des Sports, erst recht nicht.

Wenn jetzt auch noch Vereinsobere gebrandmarkt werden und mundtot gemacht werden sollen, die die „Vereinsstruktur“ von Red Bull Leipzig kritisieren oder zumindest kritisch hinterfragen, wie jüngst Hans-Joachim Watzke, dem man eine Mitschuld an den Geschehnissen und dem Hass, der den Leipzigern entgegenschlug, zuschieben möchte, weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Ein jeder soll ja in den Kuschelmodus umschalten, möchte man nicht, dass der böse DFB kommt und Richter spielt. Für mich ein skandalöses Vorgehen und der Versuch des Niederschlagens jeglichen Widerstands ohne sachliche Auseinandersetzung.

Die Atmosphäre in deren Stadion erinnert mehr an eine nordamerikanische Popcorn-Veranstaltung als an ein Bundesligaspiel, auch darauf kann ich liebend gern verzichten und wenn das Leipziger Eventpublikum noch so nach dem großen Fußball lechzt. Immer und überall muss man diesen Dahergelaufenen zeigen, wie unerwünscht sie sind und darf auch seine „hasserfüllte Fratze“ zeigen, in die der Dortmunder Polizeioberste angeblich geblickt hat.

Sollten wir im nächsten Jahr wieder in der Bundesliga spielen, werde ich mich mit jeder Form des Protestes unserer Fanszene solidarisieren und sicher auch, ohne Gewalt, jeden Gästefan spüren lassen, dass ich einzig und allein Verachtung für ihn übrig habe. #neinzurb

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8. Februar 2017

Spitzenreiter!

Nicht wenige hatten gehörigen Bammel vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Nicht, weil die zuletzt fünf Mal in Folge sieglosen Rheinländer Angst und Schrecken verbreiten würden, sondern, weil die Konkurrenz dem VfB die Tabellenführung auf dem Silbertablett serviert hat und der VfB selbst dazu neigt, solche Angebote dankend abzulehnen.

Ich selbst wollte mir das nicht einreden, es musste einfach klappen, mit dem Sprung an die Tabellenspitze. Die Vergangenheit zählt nicht mehr, außerdem stand auf der Gegenseite ja auch „nur“ Düsseldorf und nicht Leverkusen oder Schalke. Vor dem Spiel bei den Würzburger Kickers wäre die Chance als Herbstmeister zu überwintern zwar auch gegeben gewesen, doch, auch dies war eine andere Situation. Ein von Verletzungen gebeutelter Kader, mit dem Nackenschlag der Heimniederlage gegen Hannover 96 im Gepäck und dem Urlaub vor Augen hatte giftigen Unterfranken nichts entgegen zu setzen.

Randnotiz dazu: ich hatte nach dem Spiel geschrieben, es sei unklug gewesen, die Spieler direkt im Anschluss an das Spiel in den Urlaub zu schicken, und nicht noch eine Trainingswoche mit Option auf Verkürzung bei entsprechender Leistung anzusetzen. In Lagos habe ich mit Jochen Röttgermann darüber sprechen können, woraufhin er doch tatsächlich bestätigte, dass sie intern auch darüber diskutiert hätten, dass dies wohl ein Fehler gewesen war!

Ein weiterer Aspekt, nicht in der Vergangenheit zu kramen und darauf zu hoffen, dass das Team aus solch verpassten Chancen gelernt hat, ist, dass der VfB im Trainingslager in Lagos hervorragend gearbeitet und den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt hat. In St. Pauli lag spielerisch zwar noch einiges Argen, aber, wenigstens hat man die Mentalität gezeigt, die es in der 2. Liga braucht und man hat den Kampf angenommen. Zudem konnte man sich zum Transferschluss hin noch einmal verstärken und sendete damit unmissverständliche Signale an den Rest der Liga und auch an die Mannschaft, dass in dieser Saison einzig und allein der Aufstieg zählt.

Dass beim VfB von den Neuzugängen gegen die Fortuna einzig Brekalo im Kader stehen würde, war zu erwarten. Als Offensivspieler ist er leichter in das Mannschaftsgefüge zu integrieren wie Innenverteidiger Onguéné, der erst noch das Spielsystem kennenlernen muss oder Ofosi, der am Samstag noch das Spiel um Platz drei beim Afrika-Cup in Gabun absolvierte und erst noch vorgestellt werden muss.

Für die Startformation war Brekalo noch kein Thema, in diese rückten im Gegensatz zum St. Pauli-Spiel Anto Grgić und Carlos Mané anstelle von Zimmer und Zimmermann. Brekalo kam eine halbe Stunde vor Schluss, als das Spiel so gut wie entschieden war und gab ein durchwachsenes Debüt ab. Seine Schnelligkeit stach zwar sofort ins Auge, sonst aber wirkte er sehr eigensinnig und bisweilen leichtsinnig, was in einem Dribbling an der eigenen Strafraumgrenze mündete. Für einen jungen Spieler, der mit wenig Spielpraxis ankam und starke Konkurrenz beim Zweitligisten vorfand, durchaus verständlich, dass er auf sich aufmerksam machen möchte. Doch, Eigen- und Leichtsinn ist sicher nicht das, was Wolf von ihm sehen möchte, so dass er Brekalo dieses noch austreiben wird.

Und doch verdeutlicht auch diese Verpflichtung, dass man dem von Wolf favorisierten Hochgeschwindigkeitsfußball immer näher kommen möchte und auch näher kommt. Es ist schon jetzt eine Augenweide, wenn Julian Green, Takuma Asano und Carlos Mané Tempo aufnehmen und die gegnerischen Abwehrreihen förmlich überrennen. So ist es auch kein Zufall, dass der VfB DER Frühstarter der Liga ist und das Spiel einmal mehr nach zwanzig Minuten (so gut wie) für sich entschied. Beide Tore fielen zwar nach Flanken aus dem Halbfeld und doch waren die Highlights des Spiels die wahnsinnig schnell vorgetragenen Konterangriffe, die den Rheinländern den letzten Mut raubten, etwas weiter aufzurücken. Vor allem Asano bestach mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit, leider fehlte ihm die letzte Konzentration beim Abschluss, er hatte drei Hochkaräter auf dem Fuß.

Auch Anto Grgić wusste auf der Sechs zu gefallen und fiel durch seine Eleganz und Spielübersicht positiv auf. Dabei erinnerte er mich an den jungen Murat Yakin, den ich seinerzeit gerne spielen sah. Frappierend in diesem Spiel aber auch, dass nicht alle im Team diesen Tempofußball mitgehen können. Dabei tat sich besonders Kapitän Gentner hervor, der in der einen oder anderen Situation nicht richtig antizipierte und nicht gedankenschnell genug war, um auf die Ideen seiner Mitspieler einzugehen.

Bei ihm fallen diese Defizite mehr ins Gewicht als bei Defensivspielern, da er kraft seiner Position ins Offensivspiel eingebunden sein müsste. Sollten Schindelmeiser und Wolf die Erneuerung unseres VfB weiterhin in einem solchen Tempo vorantreiben, könnte auch seine Wachablösung schneller Realität werden, als man heute noch denkt.

Dank des Blitzstarts mit den Toren von Terodde (Kopfball, abermals nach Flanke von Insúa, 12. Saisontreffer) und Green (Direktabnahme nach Grgić-Flanke bei seinem Heimdebüt) grüßt der VfB nun von der Tabellenspitze. Einzig die Chancenverwertung war zu bemängeln, mit ein bisschen mehr Galligkeit vor dem gegnerischen Tor wäre ein Kantersieg locker drin gewesen. Die Düsseldorfer kamen während des gesamten Spiels gerade einmal zu einer nennenswerten Torchance und wirkten meist heillos überfordert.

Der VfB ließ einmal mehr die Gelegenheit liegen, etwas fürs Torverhältnis zu tun und sich auch diesbezüglich vom Rest der Liga abzuheben. Zwar ist man geneigt zu sagen, dass es auch nicht so schlecht ist, sich die Tore für Sandhausen aufgehoben zu haben, doch, da wartet ein gänzlich anderes Spiel auf den VfB gegen eine äußerst unangenehm zu bespielende Mannschaft.

Sandhausen nimmt derzeit Tabellenplatz sechs ein, hat respektable 30 Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von +11 (der VfB, +12). Zudem ist Sandhausen seit vier Ligaspielen ohne Gegentor, das letzte musste man Anfang Dezember beim Auswärtssieg in Nürnberg (1:3) hinnehmen. Diese Zahlen und auch das Hinspiel, als man nach vermeintlich sicherer 0:2-Führung hinten hinaus noch gehörig ins Wackeln geriet und den Sieg nur mit Glück über die Zeit schaukelte, verdeutlichen, dass es fatal wäre, die Nordbadener zu unterschätzen im Sinne von „es ist ja nur Sandhausen“.

Nach den 38.200 Zuschauern, die den Heimsieg gegen Düsseldorf sehen wollten und konnten, hoffe ich auf eine ungleich größere Kulisse am Sonntag. Diese Anstoßzeit mag dem Familienmenschen auch nicht ganz gelegen kommen, ist aber noch um einiges machbarer als der Montag-Abend-Termin, wo gerade die vielen auswärtigen VfBler teils zwei Tage Urlaub benötigen würden, um ins Neckarstadion zu können. So hoffe ich auf weit über 50.000 Zuschauer, die Tabellenführung sollte zusätzlich locken, und darauf, dass unsere Frühstarter den Sandhäusern, ehe sie sich auf den äußeren Rahmen so richtig eingestellt haben, ein, zwei Kisten einschenken und die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt werden.

Noch ist es viel zu früh, den Rückrundenstart und die Tabellenführung überzubewerten und eine Tendenz für den weiteren Saisonverlauf abzuleiten. Ebenso ist es zu früh, Gewinner und Verlierer im Kader auszumachen, vor allem bzgl. denjenigen, die in den bisherigen zwei Rückrundenspielen noch überhaupt nicht zum Einsatz kamen, wie bspw. Berkay Özcan und Alexandru Maxim. Die Kunst von Hannes Wolf muss es sein, gerade nach der Verpflichtung der Winterneuzugänge, seinen gesamten Kader bei Laune zu halten und allen einzuimpfen, dass sie wichtig und Teil des Teams sind und das Pendel bei entsprechenden Trainingsleistungen jederzeit auch wieder zu ihren Gunsten ausschlagen kann. Mit den Spielern, mit denen man definitiv nicht mehr plant, hat man Tacheles geredet, die Chance aller anderer wird kommen, spätestens, wenn man mit Verletzungen oder Sperren zu tun hat.

Der VfB hatte lange keinen so ausgeglichenen Kader und keinen so erbarmungslosen Konkurrenzkampf mehr, wie derzeit. Dass hier immer auch wieder welche durchs Raster fallen und zwischenzeitlich außen vor sind, ist normal. Umso größer ist der Ansporn derer, die derzeit die Nase vorn haben, diese vorn zu behalten und durch Leistung zu überzeugen und im Team zu bleiben, so wie am Montag gegen Düsseldorf demonstriert. Ich habe in der jüngeren Vergangenheit selten einen derart dominanten VfB gesehen, der von Position eins bis elf besser besetzt war als der Gegner. Selbst vermeintliche Startelf-Wackelkandidaten wie Marcin Kamiński bestachen durch sauberes Passspiel, Konzentration und Achtsamkeit, so dass sich wohl auch Onguéné zunächst einmal hinten anstellen muss.

Der erste Sieg gegen Fortuna Düsseldorf seit 25 Jahren, bei allerdings auch nur drei Jahren gemeinsamer Ligazugehörigkeit während dieser Zeit, geriet nie ernsthaft in Gefahr. Dass man in der zweiten Hälfte, nach drei vergebenen Großchancen in den ersten fünf Minuten, einen Gang zurückschaltete und nicht mehr ganz den Zugriff auf die Partie hatte, wie noch in Halbzeit eins, hat den Protagonisten selbst nicht gefallen, so dass wir Fans uns mit überbordender Kritik zurückhalten sollten. Wir tun gut daran, den handelnden Personen, die derzeit sehr viel richtig machen, zu vertrauen. Man sollte bei all unserer augenscheinlicher Qualität nicht erwarten, dass wir jeden Gegner haushoch aus dem Stadion schießen und uns in erster Linie darüber freuen, wenn die drei Punkte unter Dach und Fach gebracht worden sind.
Ich halte es mit Hannes Wolf und sehe uns am Anfang eines langen Weges. Daher bin ich zufrieden damit, peu à peu Fortschritte zu sehen, vor allem dann, wenn sie sich auch noch in den Ergebnissen niederschlagen und wir Tabellenführer sind.

Schon jetzt kommen wir Wolfs Ideal, Hochgeschwindigkeitsfußball spielen zu lassen, immer näher. Die Mannschaftsteile arbeiten besser zusammen als in der Vorrunde, auch die Offensivkünstler waren sich gegen Düsseldorf nicht zu schade, in der eigenen Hälfte Bälle zu erobern.

Derzeit sehe ich sehr viel, was mich positiv stimmt. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im Mai nicht „nur“ den Aufstieg feiern werden, sondern auch das Fundament einer Mannschaft steht, die uns auch in der Bundesliga mehr Freude machen wird, als wir sie in den letzten Jahren des Herumdümpelns hatten.

Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Neckar hinunter, nächstes Etappenziel, Heimsieg gegen Sandhausen, Sonntag, 13.30 Uhr. Alle ins Neckarstadion, die Kulisse wird (außer der spielerischen Klasse) unser großes Plus sein!

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