27. Januar 2012

Richtung weisend!

Nach dem Trainingslager im türkischen Belek, wo das Team konzentriert arbeiten und sich auf die Rückrunde einstimmen konnte, hatte ich große Hoffnungen, dass der Mannschaft der Schlendrian vom Ende der Vorrunde ausgetrieben wurde. Der VfB begann die Saison, vor allem nach dem Abstiegskampf der Vorsaison, mehr als akzeptabel und blieb lange auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen. Seit Mitte Oktober aber, seit dem Heimsieg gegen Hoffenheim, verfiel das Team wieder in alte Verhaltensmuster und der schleichende Leistungsabfall begann. Der Knackpunkt könnte mal wieder Mainz 05 gewesen sein, wo der VfB nach einer Führung unter gütiger Mithilfe eines Pfeifenmannes unterlag. Seitdem gelang lediglich noch ein mühevoller Arbeitssieg gegen das meiner Meinung nach schwächste Team der Liga, den FC Augsburg. Wurde gegen Köln noch der Sieg verschenkt, gegen die Bayern zu zehnt wenigstens gekämpft, machten mich die Auftritte in Bremen und in Wolfsburg fast sprachlos. Keine Konzentration, keine Kombinationen, keine Laufbereitschaft, keine Spielfreude, keine Handlungsschnelligkeit, kein Miteinander, keine taktische Disziplin, keine Passgenauigkeit, keine Überraschungsmomente, kein Esprit, keine Torgefahr, null Komma nix war zu sehen von all dem, weshalb wir zum Fußball gehen. 

Also, dachte ich mir, neues Jahr, neues Glück, würde die Mannschaft aufgeräumt aus der Pause kommen und bereits auf Schalke ein erstes Zeichen setzen. Mit dem RWS machten wir uns voller Vorfreude, aber dennoch mit einer gewissen Skepsis, auf in den Ruhrpott. Der VfB hatte lediglich einen Winterneuzugang präsentiert, den Japaner Sakai. Gekommen von einem japanischen Zweitligisten, angepriesen, der Außenverteidiger wäre links und rechts gleich stark einsetzbar. Ich hätte mir noch einen (bezahlbaren) kreativen Mittelfeldspieler gewünscht, da mich Hajnal bislang in dieser Saison enttäuscht hat. Er reiht sich ein in die Liste derer, die nach dem Unterzeichnen eines festen Vertrages, stark nachgelassen haben. So gab es in der Startelf in der Veltins-Arena nicht wirklich große Überraschungen. Was mich dennoch von Beginn an stutzig machte, war, dass mit Celozzi und Pogrebnjak zwei Spieler in der Startelf standen, die der VfB lieber heute als morgen los hätte. Dazu  wurde Kuzmanovic aufgeboten, der keinen Hehl daraus macht, dass er, auch lieber heute als morgen, wieder gerne in die Serie A wechseln würde. So stellte sich die Aufstellung wie ein Schaufenster dar. Dann hatte man mit Cacau noch einen Mann auf dem Platz, dem das entzogene Vertrauen der Mannschaft durch die Abwahl aus dem Mannschaftsrat sichtlich zu schaffen macht. Da wir weder beim Trainingslager waren, noch in Stuttgart die Gelegenheit hatten ein Training zu begleiten, vertrauten wir dem Trainerteam und hatten die Hoffnung, dass die elf, die da auf dem Platz standen, alle gut trainiert hätten und das bestmögliche Team darstellen würden. Heute weiß jeder, wie es auf Schalke gelaufen ist. Nach drei Minuten hätten wir im Grunde wieder heimfahren können, durch Unkonzentriertheit bei einer Standardsituation lagen wir bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 0:1 zurück. Hätte der Schiri nicht zu Unrecht auf Abseits entschieden, hätte es nach acht Minuten 0:2 geheißen, wer weiß, wie wir dann unter die Räder gekommen wären. So stand es „nur“ 1:3 am Ende, mit dem der VfB gut bedient war. Sämtliche Attribute, die ich oben nannte, passten auch auf dieses Spiel. Ganz, ganz schwach. Schalke konnte sich nach der frühen Führung zurückziehen und auf Konter lauern. Dem VfB fiel dazu überhaupt nichts ein!!! Einziger Lichtblick in meinen Augen, Raphael Holzhauser, der in der 85. Minute zu seinem Bundesligadebut kam und mehr positive Ansätze zeigte als das komplette Mittelfeld in den 85 Minuten davor. 

Nach der anstrengenden Rückfahrt fand ich dann die Zeit, ein paar Ausschnitte vom Spiel und die Stimmen zum selben mir zu Gemüte zu führen und traute dabei meinen Augen und Ohren nicht. Bruno Labbadia faselte davon, wir hätten das Spiel kontrolliert und mehr Ballbesitz gehabt und die Niederlage hätte nur an den Standards gelegen. Nein, entweder ich habe ein anderes Spiel gesehen oder Bruno labert Bullshit. Es wird Zeit, dass jemand die Jungs wachrüttelt, bevor wir wieder auf einem Aufstiegsplatz stehen. Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich würde es mir wünschen, dass beim VfB Kontinuität einkehrt und Bruno Labbadia länger bei uns bleiben kann als viele seiner Vorgänger. Er hat mich sowohl durch seine Arbeit als auch durch seine Offenheit im Trainingslager beeindruckt und viele Pluspunkte bei mir sammeln können. Aber, nach diesen Auftritten zuletzt, müssen, wie es auch Sven Ulreich sagte, klare Worte gesprochen werden. Mit Leistungen wie zuletzt, auf dem Platz ohne Plan und ohne Spielkultur, spielt man über kurz oder lang das Stadion leer. Ich als Fan ertappe mich derzeit immer öfter, genau so ergebnisorientiert zu denken wie die Verantwortlichen und vergesse fast, dass ein Stadionbesuch auch Freude machen könnte. 

Wo wir beim nächsten Gegner wären: In der letzten Saison haben wir Mönchengladbach, zugegebenermaßen eine andere Borussia als heute, mit 7:0 zurück an den Niederrhein geschickt. In meiner Erinnerung sind auch noch ein 6:0 aus den 80ern und zwei 5:0 aus den 90ern gegen diesen Gegner fest verankert. Es sind eigentlich meist sehr launige Auftritte gegen einen Gegner, der sein Heil meist in der Offensive sucht und vor allem als auswärtsstark galt bzw. gilt. Die Borussia von heute kommt aber anders daher. Ein Gegner, der sich schwer locken lässt, taktisch unheimlich diszipliniert spielt und bei eigenem Ballbesitz blitzschnell ausschwärmt. Es ist wirklich sehr beachtlich, was Favre aus dem So-gut-wie-Absteiger vom Februar 2011 gemacht hat und was man mit taktischer Disziplin bewirken kann und wie Spieler (z. B. Hanke) noch dazu lernen können. Hier ist ganz klar die Handschrift des Trainers zu erkennen, die mir beim VfB momentan fehlt.  Und, wenn ich einen Marco Reus sehe, muss ich zugeben, dass mir bei dem Jungen das Herz aufgeht. Mit welcher Freude und in höchstem Tempo er auf die gegnerischen Abwehrreihen zuläuft und dennoch die Übersicht für den besser positionierten Nebenmann nicht verliert oder auch selbst abschließt. Einfach Klasse! Ich finde es auch gut, dass er nicht zu den Bayern geht sondern sich seinem Heimatclub anschließt. Und, in Gladbach scheint keiner wirklich sauer zu sein, hat er doch mit offenen Karten gespielt und spült jede Menge Euronen in die sonst so klamme Kasse. Es liegt an der Borussia, daraus etwas zu machen. Einen Bigpoint haben die Gladbacher letzten Freitag gegen die Bayern gesetzt und ihnen, wie schon im Hinspiel, den Zahn gezogen. Hinten wenig zugelassen, vorne gnadenlos effektiv! Dem VfB steht also eine schwere Aufgabe bevor. Ich glaube, wenn der VfB genau so pomadig auftritt wie in den letzten Spielen, gibt es nichts zu holen. Es wird auf jeden Fall Konzentration und Geduld gefragt sein. Diese Woche wurde in Ibisevic noch der herbei gesehnte Knipser verpflichtet. Ob er von Beginn an der Heilsbringer ist, wird sich erst noch erweisen müssen, ein schlechter Griff aber ist er meiner Meinung nach nicht. 

Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass uns auch ein Vorlagengeber gut zu Gesicht stehen würde. Für den Sommer ist ja Ibisevic‘ Kumpel Salihovic im Gespräch. Wenn das wahr ist und die Chance bestünde, ihn jetzt schon vom Dorfklub loszueisen, zugreifen bitte. Einen solchen Freistoßschützen hatten wir seit Balakov nicht mehr. Zudem ist er ein Spieler, der auch mal aus 30 Metern schießt, wenn man nicht direkt vors Tor kommt. Allerdings muss er, um für den VfB realistisch zu sein, große Abstriche in puncto Gehalt in Kauf nehmen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Uli Hoeneß einmal ausplauderte, dass Salihovic in Hoffenheim mehr verdienen würde, als die Bayern ihm bezahlen wollten, was ja etwas heißen mag! Aber, die Zeiten haben sich auch in den letzten zwei, drei Jahren geändert. Immer mehr Vereine rücken ab von den immensen Gehaltszahlungen und kehren zur Vernunft zurück. Ausgenommen die Bayern, die über ein üppig ausgestattetes Festgeldkonto verfügen und die Wolfsburger, die sich an die „Erfolgsformel“ von 2009 zu erinnern scheinen, nämlich dass von 100 verpflichteten Spielern die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass elf davon unfallfrei geradeaus laufen können. Außer bei diesen beiden Vereinen ist auf dem Transfermarkt große Zurückhaltung zu spüren, wobei die Bayern ja „nur“ im Sommer auf großer Einkaufstour waren. Wenn in absehbarer Zeit endlich auch international das Financial Fairplay konsequent umgesetzt wird, wird sich das solide Wirtschaften der Bundesligavereine auszahlen und wir können womöglich den einen oder anderen (Welt-)Star mehr bewundern. 

Den derzeitigen Konsolidierungskurs vom VfB trage ich jedenfalls voll mit. Nach wie vor hat Fredi Bobic am Erbe von Horst Heldt zu knabbern, der zu Champions League Zeiten Durchschnittskicker mit Wahnsinnsverträgen ausstattete. Ich trage auch voll mit, wenn Spieler an zusätzlichen Einnahmen partizipieren, allerdings nur so lang, wie diese fließen und nicht noch zwei, drei Jahre danach. Diesen Sommer laufen viele dieser Verträge aus, die dem Verein fast die Luft zum atmen nehmen. Erst danach wird auch die Arbeit von Fredi Bobic besser beurteilt werden können und erst dann kann er uns davon überzeugen, dass der Stuttgarter Weg nicht zwangsläufig nur mit sparen, kleineren Brötchen backen und mit schleichendem Absturz zu tun hat. Dann wird sich auch zeigen, ob es Labbadia sich traut, den ein oder anderen jungen Spieler einzubauen oder zumindest als ersten Backup auf die Bank zu setzen. Die Bauers, Hemleins und Holzhausers sind doch mit Eifer dabei und motiviert, wenn sie denn mal die Chance bekommen. Auch einen Kevin Stöger, der in der Vorrunde leider von einer schweren Verletzung zurückgeworfen wurde, würde ich sehr gerne einmal auf der Hajnal-Position sehen. Hier wächst etwas heran, dem man auch einmal die Möglichkeit geben muss, zu gedeihen, bevor die Jungs die Geduld verlieren, wie Leno oder auch Ermin Bicakcic. Doch dies ist Zukunfsmusik! Erst einmal zählt das Hier und Jetzt und das heißt Mission Klassenerhalt Reloaded! 

Womit wir beim Titel dieses Beitrags wären. Richtung weisend! Quo Vadis VfB? Die Abstiegsränge sind durch die Niederlage auf Schalke wieder bedrohlich nahe gekommen. Eine Heimniederlage gegen Mönchengladbach und das große Zittern würde wieder von vorn beginnen. Danach geht es nach Leverkusen und im Pokal zu Hause gegen die Bayern bevor Angstgegner Hertha BSC ins Neckarstadion kommt. Bei diesem Programm kann es einem Angst und bange werden, so wie sich die Mannschaft in letzter Zeit präsentiert hat. Es ist aber für unser Team auch die Gelegenheit ein oder mehrere Ausrufezeichen zu setzen und die Abstiegsdiskussion im Keim zu ersticken. Angefangen werden sollte damit am besten schon am Sonntag, gegen einen unserer Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher warten seit 1994 auf einen Auswärtssieg beim VfB und müssen sich hoffentlich noch weiter gedulden. Der VfB muss es einfach jetzt packen, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen, um den Umbruch im Team möglicherweise schon am Ende der Rückrunde einleiten zu können. Das Spiel gegen Gladbach wird uns die Tendenz aufzeigen und uns klar machen, ob der Auftritt auf Schalke ein negativer Ausrutscher oder ein Fingerzeig auf die uns bevorstehende Rückrunde war.

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13. Dezember 2011

Auf dem Stuttgarter Weg!

Nach dem ernüchternden 1:2 gegen die Bayern ist die Zeit reif für ein erstes Fazit der Vorrunde 2011/2012. Der VfB sammelte immerhin bis dato 10 Punkte mehr als vor Jahresfrist und macht insgesamt einen stabileren Eindruck. Dennoch sind wir weit davon entfernt, höhere Ansprüche als nacktes Mittelmaß anmelden zu können. Der VfB, und damit vor allem Bruno Labbadia und Fredi Bobic, hat nach wie vor an der jahrelangen Misswirtschaft von Horst Heldt zu knabbern, da er noch immer hochbezahlte Durchschnittskicker in seinen Reihen hat, die ihr Geld nicht wert sind. Damals wie heute wurden die Transfers vom mächtigen Aufsichtsrat abgenickt, der sich heute gerne diesbezüglich aus der Verantwortung stiehlt. Mitglied damals im übrigen unter anderem unser jetziger Präsident Gerd E. Mäuser.

Die Transfers, die der VfB seit Januar 2011 tätigte, erfolgten mit Augenmaß und erwiesen sich als Treffer. Ob es im letzten Winter Hajnal und Okazaki oder im Sommer Kvist und Maza waren, allesamt konnten den VfB verstärken, wenn auch nicht auf höchstem Niveau. Dieses kann aber nach der letzten Saison auch nicht erwartet werden. Vielmehr gilt es den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung konsequent fortzusetzen und sich von Spielern zu trennen, die jenseits der 3 Millionen Jahresgehalt liegen. Solche Gehälter sind der Wahnsinn, vor allem, wenn Zusatzeinnahmen wie aus der Champions League fehlen. Erst wenn diese Posten aus dem Haushalt verschwunden sind, lässt sich die Arbeit von Bobic, und hoffentlich dann auch noch Bruno Labbadia, richtig beurteilen. Momentan bleibt Bobic nichts anderes übrig, als die Scherben seines Vorgängers aufzukehren. Positiv sehe ich jetzt schon die Umstruktierungen im Jugend- und Amateurbereich sowie einige Spieler unserer zweiten Mannschaft mit Profiverträgen auszustatten. Noch gerner würde ich es allerdings sehen, wenn die Jungs, als Anerkennung ihrer teils überragenden Leistungen in der 3. Liga, mehr bei den Profis reinschnuppern dürften und wenn sie mehr Einsatzzeiten bekommen würden. Diesbezüglich hege ich große Hoffnungen auf die nächste Saison.

Im Sommer laufen einige hochdotierte Verträge von Spielern wie Boka, Delpierre, Boulahrouz und Pogrebnjak aus. All dies sind Spieler, die zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Euro jährlich einstreichen und allenfalls Bundesligadurchschnitt darstellen. Ich verstehe die Spieler, wenn sie sagen, dass sie gerne beim VfB bleiben würden. Wo sonst bekommen sie die Taschen so voll gestopft und müssen so wenig Gegenleistung bringen wie beim VfB. Von den genannten Kandidaten würde ich allenfalls den Vertrag von Khalid Boulahrouz eventuell verlängert haben. Allerdings nur, wenn er dazu bereit ist, gravierende Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen und am Ende nicht mehr als 2 Millionen im Jahr verdient. Er ist ein Vollprofi und ein Typ, der meiner Meinung nach unserer Mannschaft gut tut. Die anderen genannten, wie auch Celozzi, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, sind nur Mitläufer, die für die erste Elf zu schwach und als Reservisten zu teuer sind. Auch Kuzmanovic, der immer wieder mit Angeboten aus der Serie A kokettiert, würde ich keine Steine in den Weg legen, wenn wir annähernd die 8 Millionen Euro wieder bekommen könnten, die man seinerzeit in ihn investiert hat.

Diese Saison gilt es anständig zu Ende zu spielen, ohne in Abstiegsgefahr zu geraten. Oberste Prämisse ist daher, so früh wie möglich die magische 40-Punkte-Grenze anzupeilen, um danach die Planungen für die Saison 2012/2013 forcieren und vielleicht auch schon das ein oder andere „Greenhorn“ einzubauen oder zumindest zu mehr Einsatzzeiten zu verhelfen. Je früher man die Jungs heranführt, desto motivierter werden sie an sich arbeiten und nicht, wie Bernd Leno, die Geduld verlieren. Ich bin überzeugt, der ein oder andere wird an den Aufgaben wachsen, andere fallen vielleicht auch durchs Raster oder erweisen sich als „noch nicht so weit“. Dann allerdings besteht immer noch die Möglichkeit von außen nachzubessern und/ oder den ein oder anderen zu verleihen, um ihm woanders Spielpraxis zu verschaffen.

Diese Saison ist einmal mehr eine Übergangssaison, in der man als eingefleischter Fan schon froh ist, wenn der Abstand nach unten gewahrt bleibt. Fußballerische Feuerwerke sind kaum zu erwarten und zu bestaunen, eher schon fußballerische Magerkost. Was mir nicht gefällt, ist, dass die Mannschaft wirkt, als spule sie stur ihr Programm ab. Es ist kaum Leidenschaft zu erkennen, keine Spielfreude und keine Inspiration. Der VfB steht defensiv stabiler als in der Vorsaison, Impulse nach vorne bleiben aber auch in dieser Saison Mangelware. Auf Hajnal, unseren einzigen Ideengeber in der Offensive, haben sich die Gegner offenbar gut eingestellt. Wenn er keinen guten Tag erwischt hat, krankt unser Offensivspiel und viel ist auf Zufall aufgebaut. Ob er einfach eine schlechte Phase hat oder seinen Zenit bereits überschritten hat, dazu möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht festlegen. Er wäre aber auch nicht der erste Leih-Spieler, der, wenn er einen festen Vertrag in der Tasche hat, nachlässt. Ich bin sehr gespannt, ob Kevin Stöger aus unserer zweiten Mannschaft, bald in seine Fußstapfen treten kann. Momentan ist er leider verletzt, von dem was ich aber im Trainingslager und in den Testspielen vor der Saison gesehen habe, war ich sehr angetan.

Da der VfB derzeit meist nur mit einer echten Spitze antritt, geht nach vorne fast nichts, erst recht nicht, wenn Hajnal aus dem Spiel genommen wurde. Ob Pogrebnjak (in Bremen), Cacau (gegen Köln) oder Schieber (gegen die Bayern), jeweils lief das Spiel an der alleinigen Spitze vorbei. Ich hoffe, dass Labbadia dieses Problem auch erkannt hat, und in Wolfsburg, beim letzten Bundesliga-Spiel des Jahres, anders aufstellt. Das Bremen-Spiel sollte eigentlich eine Lehre sein. Auch damals traf man auf einen angeschlagenen Gegner, den man schon mit der Aufstellung aufforderte, die Initiative zu übernehmen, was dieser dann auch dankend annahm. Ich wünschte mir eher, die Wolfsburger offensiv zu überraschen, um deren wackelige Abwehr zu beschäftigen. Die Wölfe stehen zwar zurecht da unten, wenn man sie aber spielen lässt, sind auch die gefährlich. Vor allem die Ex-VfBler werden top motiviert sein und für einen guten Jahresabschluss sorgen wollen. Auch ein Felix Magath steht zunehmend unter Druck, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Konzernzentrale weiterhin Millionen verbrennen und einen Kader von knapp 40 Spielern klaglos finanzieren möchte. In der Winterpause wird beim VfL wieder das große Stühlerücken anstehen und Magath auf Shopping-Tour gehen. Dass er einige Neuzugänge präsentieren wird, davon ist auszugehen, ob er aber andererseits aber Abnehmer für seine Resterampe findet, darf bezweifelt werden. Welcher Spieler lässt sich schon gerne abschieben, wenn er einen hochdotierten Vertrag beim VW-Werksclub besitzt. Dies wird allenfalls über hohe Abfindungszahlungen gehen, viel Vergnügen, VW. Einer dieser Restrampe ist Patrick Helmes. Dieser wird ja immer wieder mit dem VfB in Verbindung gebracht und wäre vielleicht auch schon als Gomez-Nachfolger gekommen, hätte er sich in jener Sommerpause nicht bei einem Freizeitkick das Kreuzband gerissen. Dass der aber finanzierbar ist, bezweifle ich. In Wolfsburg soll sein Jahressalär bei 4 Millionen Euro liegen. Sollte er auf die Hälfte verzichten wollen oder Wolfsburg die Hälfte seines Gehaltes übernehmen, würde ich Helmes gerne beim VfB sehen. Er ist, denke ich, ein charakterlich einwandfreier Junge, der immer seine Tore gemacht hat, wenn er sich wohlgefühlt hat. Magath, der seinen Kader in Feldherrenmanier führt, zählt sicherlich nicht zu seinen Lieblingstrainern. Wenn man aber Helmes holt, muss man sich auch im klaren sein, dass er ein Stürmer ist, der vorne auf seine Chancen lauert und nicht unbedingt zu den Arbeitstieren oder Laufwundern zählt. Diese Verpflichtung müsste also mit einer Systemänderung einhergehen. Schieber und Helmes zusammen könnte ich mir sehr gut vorstellen. Ob Cacau wieder zu alter Stärke findet, muss man abwarten. Er ist in dieser Saison ein Schatten seiner selbst und steckt mit seiner daraus resultierenden schlechten Laune wohl einige seiner Mitspieler an. Im Fußball zählen einfach die Verdienste aus der Vergangenheit nicht viel und vor allem nicht ewig. Daher darf er für sich auch keine Sonderrechte oder eine Andersbehandlung einfordern und muss sich in das Team einordnen. Nur zusammen geht es. Momentan wirkt er unzufrieden und egoistisch auf dem Platz und nicht wie ein Teamplayer. Die Unzufriedenheit seiner Mitspieler darüber merkt man immer mehr, wo wir wieder bei der mangelnden Spielfreude wären. Wie soll die aufkommen, wenn sich einzelne Spieler nicht grün untereinander sind. Ich hoffe sehr, dass die Jungs sich jetzt vollends zusammenreißen und noch für einen guten Jahresabschluss sorgen, mit einem guten Spiel in Wolfsburg und einem Weiterkommen im Pokal gegen den HSV.

Der VfB hat durch das fertige Stadion jetzt eigentlich die besten Voraussetzungen wieder durchzustarten. Das Stuttgarter Publikum hat es gelernt kleinere Brötchen zu backen und nimmt den „Stuttgarter Weg“ auch an. Allerdings ist man auch anspruchsvoll genug, sich nicht alles bieten zu lassen. Wenn erkennbar ist, dass ein zerstrittener Haufen auf dem Platz steht, der sich nicht gegenseitig hilft, der nicht füreinander läuft, der sich auch nicht konzentriert und lustlos spazieren läuft, werden die Spieler ausgepfiffen und dem VfB laufen die Zuschauer weg. Andererseits wird auch nicht erwartet, dass der VfB gleich wieder um die Meisterschaft mitspielt. Der eingeschlagene Weg der Konsolidierung ist wichtig und richtig und braucht Zeit. Was wir Fans aber unbedingt sehen möchten, ist ein VfB, der mit Leidenschaft zu Werke geht und sich gegen drohende Niederlagen stemmt. Im derzeitigen Kader sind jedoch viele Spieler, denen man es nicht abnimmt, dass ihnen das Wohl und Wehe des Vereins am Herzen liegt. Hier trägt hoffentlich im nächsten Sommer Bobics neues Scouting-System Früchte, das ein größeres Augenmerk auch auf den Charakter eines potentiellen Neuzugangs legen soll. Den VfB-Fans muss wieder ein Team präsentiert werden, dem man abnimmt, den Brustring mit Stolz zu tragen. Vom derzeitigen Stamm wurden lediglich Ulreich, Tasci, Gentner und Schieber vom VfB ausgebildet, womit automatisch eine höhere Identifikation gegeben ist. Für meinen Geschmack sind das zu wenige. Seit den Abgängen von Gomez, Khedira und zuletzt Träsch hat man niemanden mehr, der zur Identifikationsfigur taugt. Tasci ist zu zurückhaltend, auch in der Kapitänsfrage und Schieber fängt erst jetzt an Fuß zu fassen. Ihm traue ich eine starke Entwicklung zu und freue mich auch, dass er endlich wieder angreifen kann. Da er aber fast ein halbes Jahr verletzt war, wird es möglicherweise weit in die Rückrunde reichen, bis er seine alte Form wieder erreicht hat.

Ich traue dem VfB in der Rückrunde mit dem derzeitigen Kader wenig zu. Ob noch Bewegung rein kommt, wird der Januar zeigen. Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten sieben Spielen, dieser gegen Augsburg auch wenig überzeugend, treten wir auf der Stelle. Die nächsten Gegner, Wolfsburg zum Abschluss der Vorrunde, danach in Schalke, gegen Gladbach und in Leverkusen haben es in sich. Wenn man da nicht auf der Hut ist, kann man auch ganz schnell nach unten durchgereicht sein und wieder unter enormem Druck stehen. Auch schon deshalb sollte der VfB am Samstag in Wolfsburg alles daran setzen, einmal NICHT die erste Halbzeit zu verschlafen und die Unsicherheit des Gegners auszunutzen. Danach das Weiterkommen im Pokal und einem frohen Weihnachtsfest steht nichts mehr im Wege. Bilder und vielleicht auch einen Bericht vom Wolfsburg-Spiel folgen zeitnah. Bis dahin, viele Grüße, Franky.

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26. September 2011

Aufbaugegner VfB

Ein Tag wie gemalt am letzten Freitag. Ich hatte frei, Auftakt Cannstatter Volksfest, herrlichster Sonnenschein und abends dann ein Flutlichtspiel gegen das Schlusslicht Hamburger Sport Verein. Was sollte schon schief gehen, nachdem der VfB mit breiter Brust nach zuletzt zwei Siegen in Folge antreten konnte und der HSV es bis dahin auf ein mickriges Pünktchen gebracht hatte. Der HSV hatte zu Wochenbeginn dem erfolglosen bisherigen Übungsleiter Oenning trotz tags zuvor erklärter Jobgarantie den Laufpass gegeben, was die Spielvorbereitung natürlich erschwerte. Interimsmäßig übernahm Rodolfo Esteban Cardoso den Job an der Linie, welcher sich seine ersten Trainermeriten als Jugend- und Amateurtrainer beim HSV verdiente. Wie erwartet vertraute Cardoso einigen Youngstern, wie etwa Lam, dem er zum Bundesligadebut verhalf. Auch Bruma, Son und Töre durften von Beginn ran.

Der VfB trat zum dritten Mal in Folge mit unveränderter Aufstellung an. Hajnal stand wegen muskulärer Probleme nicht einmal im Kader. Der VfB machte vor 55.700 euphorisierten Zuschauern von Beginn an Dampf und ging folgerichtig nach Torwartfehler von Drobny durch Harnik in Führung. Das Bemühen nachzulegen war dem VfB zunächst anzumerken. Cacau hatte das 2:0 auf dem Fuß, scheiterte aber am Pfosten, den Abpraller jagte Okazaki in den Cannstatter Nachthimmel. Danach war es vorbei mit der VfB-Herrlichkeit. Die Hamburger schöpften neuen Mut und übernahmen mehr und mehr die Initiative. Begünstigt durch die Lässigkeit im VfB-Spiel und durch Fehlpassfestival sondersgleichen trauten sich die Hamburger immer mehr zu und drehten die Partie. Der VfB war ab der 30. Minute an Harm- und Ideenlosigkeit kaum zu überbieten und schenkte dem HSV den ersten Sieg. Das VfB-Problem in diesen Tagen ist u. a., dass die Ersatzspieler zwar eine große Klappe haben und auf Einsatzzeiten pochen, diese aber nicht zu nutzen im Stande sind. Weder ein Gebhart noch ein Pogrebnjak lieferten an diesem Freitagabend Argumente, näher an die Stammformation herangekommen zu sein. Im Gegenteil: Gebhart verhaspelte sich und lief sich in den Gegnern fest, anstatt in einem zerfahrenen Spiel kühlen Kopf und Konzentration an den Tag zu legen. Pobgrebnjak war nach seiner Einwechslung ein Totalausfall, dem nahezu jeder Ball versprang. So ist nach diesem ernüchternden Auftritt guter Rat teuer.

Nach sieben Spieltagen hat es der VfB zu drei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen gebracht, was absoluten Durchschnitt darstellt. Man darf allerdings nie vergessen, wo wir hergekommen sind und dass die Zeichen auf eine deutlich entspanntere Saison als der vergangenen hindeuten. Aber eben auch nicht mehr. Dazu fehlt uns schlicht und einfach die Qualität. Es war am Freitag eine schlechte Mannschaftsleistung, wobei einige Spieler noch abfielen. Molinaro zum Beispiel war ein Unsicherheitsfaktor, der von den jungen Hüpfern der Hamburger fast mühelos überlaufen wurde. Gentner ist kein Zehner, er kann sich noch so mühen. Für die Spielmacherposition fehlt ihm einfach die Klasse, die Technik und die Handlungsschnelligkeit. Er sucht des öfteren den Risikopass, den er aber nicht findet und der meist in den Beinen der Gegner landet. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich ihm gegenüber der Unmut der Zuschauer entlädt, auch weil bei ihm alles besonders lässig aussieht. Er mag ein anerkannter Bestandteil und vielleicht auch Stimmungskanone des Teams sein, von seiner Rückkehr haben sich die meisten eben mehr erwartet. Zu guter Letzt möchte ich mich über Cacau auslassen. In den ersten Spielen hatte ich noch den Eindruck, dass er zurück zu alter Stärke fände und das Spiel wieder als Mannschaftssport versteht. Leider war der Freitag bei ihm ein Rückfall in alte Zeiten. Lauffaul und ständig am Reklamieren und das nicht nur gegen die Referees sondern auch gegen die Mitspieler, was ihn isoliert erscheinen lässt. Zudem bringt er momentan keine Leistung, was mich stark auf eine baldige Rückkehr von Julian Schieber hoffen lässt.

Da von der Bank kein Druck gemacht wird, würde ich mir vom Trainerteam mehr Mut zum Risiko wünschen und, sofern die Position von einem Kaderspieler nicht deutlich besser besetzt ist, den ein oder anderen Spieler unserer Reserve zumindest auf die Bank setzen und die Jungs ins kalte Wasser werfen. Die besitzen vielleicht noch ein klein wenig Unbekümmertheit und brennen darauf, sich ins Rampenlicht zu spielen. Im Pokalspiel in Wehen-Wiesbaden zeigte Patrick Bauer doch eine ansprechende Leistung, als wir plötzlich außer ihm keinen Innenverteidiger mehr hatten. Eine solche Maßnahme wäre für die Jungs eine tolle Belohnung für ihre starken Leistungen in der 3. Liga und ein Zeichen, dass sie Anerkennung und Wertschätzung genießen. Es wird sicher auch in diesem Kreis den ein oder anderen geben, der das Zeug zum Durchstarter hat und zwar bevor er, wie bspw. Bernd Leno, beim VfB die Lust verliert und ungeduldig wird.

Das nächste Freitagabendspiel erwartet uns am nächsten Spieltag in Kaiserslautern. Dort gilt es, verlorenes Terrain zurück zu erobern und die Scharte der Heimniederlage auszuwetzen, um mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause zu gehen. Allerdings müssen die Jungs dort ernsthafter in die Zweikämpfe gehen als zuletzt und dem unbändigen Kampfeswillen der Pfälzer vor ihrem enthusiastischen Publikum gewachsen sein. Wenn unsere Schönspieler wie Gentner und Cacau auch dort anfangen Hacke, Spitze, eins, zwei drei zu spielen und lamentieren, wenn ihnen jemand auf den Fuß tritt, spielen wir faktisch in Unterzahl und brauchen uns keine Hoffnungen auf einen Auswärtssieg zu machen. Der VfB befindet sich einmal mehr am Scheideweg. Entweder wir schaffen es, Gegner wie Kaiserslautern, die über weniger Mittel und weniger Qualität verfügen, in die Schranken zu weisen und uns tabellarisch von ihnen zu distanzieren oder wir werden von eben solchen Vereinen in den Sog gezogen und zählen die Punkte zum Relegationsplatz.

Wie immer sind wir auch in der Pfalz dabei und werden mit dafür sorgen, dass der VfB mit einer lautstarken Unterstützung rechnen darf. Wie in der letzten Saison habe ich mir beim FCK Karten bestellt und greife somit das VfB-Kontingent nicht an. :-) Bis dahin sollte auch mein Ärger über die unnötige Niederlage verraucht und mein Optimismus zurückgekehrt sein. In Lautern müssen wir einfach etwas reißen und uns für die bitteren Ergebnisse der Vorsaison revanchieren. Mit der Aufbauhilfe für angeschlagene Teams muss es einfach vorbei sein.

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19. August 2011

Der Ball rollt wieder!

Zunächst einmal muss ich mich an dieser Stelle entschuldigen, da ich in den letzten Wochen und Monaten nicht dazu gekommen bin, den einen oder anderen Bericht zu verfassen.

Die Sommerpause in diesem Jahr war recht kurzweilig. Nach der nervenzehrenden letzten Saison und der endgültigen Rettung am vorletzten Spieltag, war erst einmal „Herunterkommen“ angesagt. Während die Spieler in den letztendlich wohlverdienten Urlaub aufbrachen, vertrieb sich der gemeine Fußballfan die Zeit mit Pokalendspiel, Relegationsspielen, Champions-League-Finale sowie den zum Saisonabschluss angesetzten Länderspielen. Den Jux-Kick in Sinsheim gegen Uruguay musste ich nicht live gesehen haben, das darauf folgende EM-Quali-Spiel in Wien gegen Österreich dagegen schon. Als Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft war es ein leichtes an Karten zu kommen und so drückten wir der deutschen Mannschaft, wie schon vor drei Jahren bei der Euro 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion die Daumen.

Gute zwei Wochen später bereits nahm der VfB-Tross, noch ohne seine Nationalspieler, den Trainingsbetrieb wieder auf. Die ersten Eindrücke konnten wir dann bereits am 24.6. beim Test in Brackenheim gewinnen, wo aufgrund der Abwesenheit zahlreicher Kaderspieler auch einige „Jungspunde“ zum Einsatz kamen. Am 9. Und 13.7. schauten wir uns noch die Tests in Kirchheim und bei den Kickers an, ehe es am 14.7. bereits zum Trainingslager nach Längenfeld ging. Dort weilten wir für die gesamte Dauer des VfB-Trainingslagers und waren auch natürlich auch bei den während des Aufenthalts angesetzten Testspielen mit von der Partie. Höhepunkt des Trainingslagers war natürlich das Fanfest, zu dem sich erstmals das komplette Team inklusive des Trainerstabs einfand und aus dem Nähkästchen plauderte. An unseren Tisch gesellten sich Sven Ulreich, Georg Niedermeier und der neue Torwarttrainer Andreas Menger.

Als Bruno Labbadia im Dezember als neuer VfB-Trainer vorgestellt wurde, war ich zunächst sehr skeptisch, ob er der richtige wäre. Für mich war er eher ein Sprücheklopfer, eher ein Lebemann, als einer, der den verfahrenen Karren wieder in die richtige Richtung steuern könnte. Doch, wie jedem Trainer, der beim VfB auf die Kommandobrücke tritt, gab ich ihm natürlich eine faire Chance und hoffte, dass er Erfolg haben würde. Schließlich war er nach 12 Punkten aus 16 Spielen und zwei verschlissenen Trainern so etwas wie die letzte Patrone, die Fredi Bobic hatte. Dass Bruno Labbadia mit seinem Trainerteam den VfB mit einer starken Rückrunde vor dem Abstieg rettete rechne ich ihm unheimlich hoch an. Labbadia predigte von Beginn an, das Team und die Fans müssten wieder zu einer Einheit werden und es ginge nur ZUSAMMEN. Dass diese Worte keine leeren Worthülsen sind, erfuhren wir im Trainingslager, um wieder zum vorigen Thema zurück zu kehren. Dass zum Fanfest der komplette Tross anrückte, war Bruno Labbadia zuzuschreiben, ebenso der unheimlich offene Umgang mit den Fans während der Zeit in Längenfeld sowie der unkomplizierte Umgang der Spieler mit den Anwesenden. Man merkte, dass er eine positive Grundstimmung verbreitet und mit gutem Beispiel voran geht. Es sind Kleinigkeiten, wie, dass die Trainer vorne weg marschieren, wenn es die etwa 300-400 Meter vom Mannschaftshotel zum Sportplatz und wieder zurück geht, und nicht mit dem Bus fahren, wie noch in Donaueschingen bspw. unter Gross. Ich habe noch keinen Trainer erlebt, der so akribisch auf dem Trainingsplatz arbeitet und auch so viele Übungen selbst mitmacht, um nach der Einheit noch ein Kleinfeld aufzubauen, auf dem er mit Eddy Sözer Fußballtennis spielt, während sich der Rest im Hotel bereits auf das Abendessen freut. Von seiner offenen Art war ich sehr angetan und so nahm er auch auf dem Fanfest kein Blatt vor den Mund. Diesem Trainer drücke ich wirklich die Daumen, dass er zunächst einmal den Herbst beim VfB übersteht und möglichst noch lange das Sagen beim VfB hat. Ich denke, zusammen mit Fredi Bobic, könnte er, mit ein bisschen Glück, eine kleine Ära prägen.

Am Ende des Trainingslagers nahmen wir auf der Rückfahrt dieselbe Route wie das Team, nämlich nach Aalen, um dem Test gegen den englischen Zweitligisten Nottingham Forrest beizuwohnen. Knapp eine Woche später fand dann bereits der Pflichtspielauftakt in die Saison 2011/12 mit dem Pokalspiel in Wiesbaden statt. Der VfB gewann mit 2:1 und stand in der 2. Runde. Ich, der auch vor Jahresfrist in Babelsberg Augenzeuge war, fand den Auftritt relativ souverän und sah uns während der 90 Minuten nie ernsthaft in Gefahr. Im Vergleich zu anderen oberklassigen Teams, allen voran Leverkusen, Wolfsburg und Bremen, gaben wir uns zum Auftakt keine Blöße und dürfen weiterhin vom Pokalsieg träumen. Der nächste Gegner FSV Frankfurt dürfte auch keine größere Hürde auf dem Weg dorthin sein.

Und schon ging sie also richtig los, die neue Saison. Am 6.8.2011, jenem für den VfB so historischen Tag, rollte zunächst die inzwischen schon traditionelle Karawane Cannstatt gen Stadion. Es war erneut ein sehr farbenfroher, stimmungsvoller Auftakt in die Heimspielsaison. Die Fans zogen ein in die neue Cannstatter Kurve, die von nun an als weiße Wand von sich reden machen soll. Nach zwei Jahren Baustelle und dadurch recht trister Stimmung machte schon der erste Einsatz Lust auf mehr. Das Stadion ist ein richtiges Schmuckkästchen geworden und hat das Zeug dazu, eine Festung zu werden. Die Stimmung war schon vor dem Spiel prächtig, was aber während der 90 Minuten im Spiel gegen Schalke 04 abging, übertraf meine Erwartungen. Der Schalker Anhang war während des gesamten Spiels kaum zu hören, erst recht nicht, nachdem wir ihnen zum Auftakt drei Buden eingeschenkt hatten und nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze grüßten. Das Team war im Vergleich zur Vorsaison nur um Nuancen verändert. Ein Christian Träsch, in den letzten beiden Jahren noch der Inbegriff des Arbeitstiers, wurde überhaupt nicht vermisst, was mich schon zu der rhetorischen Frage hinreißt, „Who the fuck is Träsch?“. Sowohl Boulahrouz, der die Position des Rechtsverteidigers inzwischen auch im Kopf angenommen hat, als auch William Kvist als Partner von Kuzmanovic auf der Doppel-Sechs, boten eine starke Leistung. Maza, der kurzfristig für die Innenverteidigung verpflichtete Mexikaner, harmonierte mit dem nach Verletzung zurückgekehrten Serdar Tasci so prächtig, dass es nicht auffiel, dass die beiden erstmals zusammen spielten. Auf den weiteren Positionen spielten ausschließlich Akteure, die bereits im Vorjahr zum Team gehörten. Trotzdem wirkt die Mannschaft viel stabiler als in der letzten Saison. Es scheint, als habe man den Zusammenhalt im Team und die Form der Rückrunde, in die neue Saison hinüber retten können. Auch der Zusammenhalt ist ein Schlüssel des Erfolgs von Labbadia. In der Vorrunde noch ein zerstrittener Haufen von Ich-AG’s, schaffte man es, auch mit einer Maßnahme wie der Suspendierung von Marica, dass wieder an einem Strang gezogen wird. Es erwartet ja kein Mensch, dass elf Freunde auf dem Platz stehen. Erwarten darf man aber, dass alle nach demselben Ziel streben und sich auf dem Platz helfen. Labbadia gibt sowohl das Ziel als auch den Weg dorthin vor, was die Spieler auf dem Fanfest auch bestätigten. Wenn die Mannschaft so auftritt wie über weite Strecken gegen Schalke, dürfen wir uns auf eine schöne und vor allem entspanntere Saison als die letzte freuen. Es erwartet ja kein Mensch, dass wir sofort wieder ganz oben angreifen, was der Fan aber erwarten kann, ist, dass die Spieler dem Profifußball alles unterordnen und als Team auftreten. Hier sehe ich die Mannschaft auf einem guten Weg. Ein großes Plus ist dazu natürlich das fertige Stadion. Ich hoffe, dass fast alle Spiele ausverkauft sein werden und die Stimmung das Team weiter pusht, um endlich wieder eine Heimmacht zu werden. Der gelungene Auftakt ist schon einmal Gold wert, um mit Selbstvertrauen an die nächsten Aufgaben heranzugehen.

Beim ersten Auswärtsspiel der Saison, Samstag Abend in Mönchengladbach, waren wir (natürlich) auch mit von der Partie. Die Erinnerungen an unseren letzten Auftritt im Borussia-Park im Februar waren noch mehr als präsent. Bei einem 0:2-Pausenrückstand und dem 18. Platz in der „Blitztabelle“ fand bei der Halbzeitanalyse mit vielen bekannten Leidensgenossen bereits der Abgesang auf Liga 1 statt. Nach einer phänomenalen Aufholjagd gewannen wir noch 3:2 und die Gladbacher lagen am Boden. Dass am Ende beide die Klasse halten würden, darauf hätte an diesem Abend sicher niemand gewettet. So standen wir beide uns am Samstag unter gänzlich anderen Vorzeichen gegenüber. Der VfB nach dem Sieg gegen Schalke, Gladbach nach dem Überraschungsdreier in München, jeweils mit breiter Brust. Dass es nicht leicht werden würde, war mir von vornherein klar. Seit Favre bei Gladbach das Zepter übernommen hat, kommt die Borussia gut organisiert daher. Aus der Schießbude Borussia ist ein schwer bezwingbares Bollwerk geworden. Vor dem Spiel kassierte Gladbach saisonübergreifend in acht Spielen gerade einmal drei Gegentore. Großen Anteil an dieser Serie hat der junge Torhüter Marc-Andre ter Stegen, den Favre Ende der letzten Saison ins kalte Wasser schmiss und der großen Anteil am Klassenerhalt der Borussia hatte. Erwartet schwer wurde der Auftritt auch. In einem offenen Spiel zweier Mannschaften mit Selbstvertrauen hatte der VfB ein optisches Übergewicht, was aber leider nicht in Tore umgemünzt werden konnte. Die Gladbacher gingen durch einen zweifelhaften Elfmeter in Führung, den Kvist an dem bekanntermaßen schnell fallenden Reus verursacht haben soll. Geht das schon wieder los, mag man sich als VfB-Fan angesichts der Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB in der Vorsaison fragen. Doch anders als in der letzten Saison wirkt der VfB so stabil, einen Rückstand wegstecken zu können und so dauerte es keine fünf Minuten ehe der VfB durch Cacau nach intelligenter Vorarbeit von Gentner ausgleichen konnte. Danach hatte man den Eindruck, der VfB begnüge sich lieber mit dem Spatz in der Hand, als risikoreich nach der Taube auf dem Dach zu streben und war mit dem einen Punkt zufrieden. Auch nach der gelb-roten Karten zehn Minuten vor Schluss für Brouwers wollte oder konnte der VfB den Schalter nicht mehr umlegen, und den Sieg erzwingen. Gladbach stand weiterhin gut und ließ den VfB zu keinen weiteren Chancen kommen. Alles in Allem kann der VfB auch gut mit dem Punkt leben. Der VfB hat nach zwei Spieltagen vier Punkte gesammelt, so viele wie in der letzten Saison nach acht Spieltagen eingefahren waren. Auch hier halte ich es mit Labbadia und finde, nach den Erfahrungen des letzten Jahres tut uns ein wenig Demut gut. Noch weiß keiner wie sich die Saison entwickeln wird, allererstes Ziel sollte sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Dann spielt man in dieser engen Liga automatisch in der oberen Tabellenhälfte mit.

Bereits morgen steht der nächste Härtetest an. Gegen Bayer Leverkusen setzte es in der letzten Saison eine 1:4-Heimniederlage, wir sollten also gewarnt sein. Leverkusen ist sehr holprig in die Saison gestartet. Einem 0:2 in Mainz folgte ein glückliches 1:0 gegen Bremen. Dutt scheint noch nicht recht in Leverkusen angekommen, so dass ich mir die Frage stelle, ob ein Championsleague-Teilnehmer für ihn nicht eine Nummer zu groß ist. Gegenüber Stars wie Ballack („es muss eine Ehre sein, bei Bayer auf der Bank zu sitzen“) oder Rolfes (Dutt schmeckte die Kritik nach dem Mainz-Spiel nicht) spielt er gekünstelt den dicken Maxe, so dass er mich mit seinem Verhalten stark an Ralf Rangnicks Anfangszeiten und seine Dissonanzen mit Krassimir Balakov erinnert. Sehr nervös agierte er auch in der Torwartfrage. Leverkusen verpflichtete als Ersatz für den noch lange verletzten Rene Adler Yelldell aus Duisburg, den Dutt schon von seiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers kennt. Als dieser im Pokalspiel patzte, stand in Mainz die bisherige Nummer 2 Giefer zwischen den Pfosten. Dieser leitete dann durch einen schlimmen Fehler die Niederlage ein, woraufhin man auf einmal beim VfB vorstellig wurde und Bernd Leno bis zum Jahresende ausgeliehen bekam. Ich wünsche Bernd Leno in der Bayer-Stadt viel Glück, dass er sich auf höchstem Niveau beweisen kann und dass er noch stärker wieder zurückkehrt. Nicht auszudenken aber, sollte Leverkusen am Samstag durch eine schlechte Torhüterleistung, den Kürzeren ziehen. Die Transferperiode läuft ja noch knapp zwei Wochen, vielleicht wird dann einfach Torwart Nummer fünf geholt, die Werksclubs sind in Sachen Kadergröße ja nicht so zimperlich. So hat Leverkusen also jede Menge (hausgemachte) Probleme und wird sicherlich nicht mit übergroßem Selbstvertrauen in unsere schmucke Arena reisen. Dies gilt es auszunutzen. Der VfB muss von vornherein zeigen, wer Herr im Haus ist und dass es für Bayer nichts zu holen gibt. Wenn der VfB von vornherein mit dem bislang gezeigten Willen, der Mentalität und Konzentration zu Werke geht, ist mir nicht bange. Spielen lassen dürfen sie sie aber nicht. Leverkusen hat auch nach dem Abgang von Vidal noch exzellente Einzelspieler, die es in Schach zu halten gilt.

Wir Fans werden den VfB auch morgen, bei den zu erwartenden schwül-heißen Temperaturen, nach vorne pushen und unser Möglichstes tun, damit wir auch morgen um 17.20 Uhr noch eine makellose Heimbilanz vorweisen können. Unsere Spieler sollen, wie schon gegen Schalke, beim Einlauf aufgrund der Atmosphäre eine Gänsehaut bekommen und im Spiel, für sich, für den Verein und nicht zuletzt für uns Fans, alles geben und das Spiel für sich entscheiden. Ich bin guter Dinge, auf geht’s VfB!

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26. Juni 2011

Eine Lanze für Michael Ballack

Heute möchte ich mich einmal einem VfB-fremden Thema widmen, das mich in den letzten Wochen und Monaten bewegt hat: der Umgang mit Michael Ballack in Teilen der Öffentlichkeit und durch den DFB, insbesondere von Joachim Löw.

Ich zählte mich während seiner Karriere auch stets zu seinen Kritikern, weil er oftmals, auch durch seine Spielweise, arrogant wirkte und in „großen“ Spielen zu oft untertauchte oder auch versagte, siehe sein Eigentor 2002 in Unterhaching. Ein Alpha-Tier, das dem Druck nicht gewachsen ist, war natürlich gerne ein gefundenes Fressen für seine zahlreichen Kritiker. Ein ewiger Zweiter, der sinnbildlicherweise auch noch die Nummer 13 auf seinem Trikot trug.

Dass er aber ein verdienter Nationalspieler ist, steht außer Zweifel. Neben Oliver Kahn war er bei der Weltmeisterschaft 2002 der tragische Held, der erst durch seine Tore das Viertel- und Halbfinale entschied und sich dann ganz in den Dienst der Mannschaft stellte, als er einen Fehler von Ramelow auf Kosten einer gelben Karte ausbügeln musste, die eine Sperre im Finale gegen Brasilien zur Folge hatte. Auch in den Folgejahren war er DAS Aushängeschild der Nationalmannschaft, nicht umsonst ernannte ihn Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006 im eigenen Land zum Capitano.

2008 dann war er für mich eher ein egoistischer Held, als er aufgrund einer verhärteten Wade fitgespritzt wurde und, von falschem Ehrgeiz getrieben, unbedingt das Finale gegen Spanien bestreiten wollte. Mit halber Kraft ist auch ein Ballack für das deutsche Team nichts wert, vor allem wenn es gegen die laufstarken Spanier geht. Da hätte Joachim Löw dazwischen hauen MÜSSEN, was er aber leider nicht getan hat. Zu allem Überfluss gab es nach dem Spiel noch auf dem Platz einen lautstarken Disput mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der schon damals atmosphärische Störungen rund um den Capitano vermuten ließ.

Kurz vor der WM 2010 dann bedeutete ein brutales Foul des Berliner Ghetto-Kindes Kevin-Prince Boateng das WM-Aus für Ballack, das Fußball-Deutschland zunächst einmal in eine Schockstarre versetzte. Ballack bekleidete ja nicht „nur“ die Schaltstation im Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger, nein, er war dazu noch der absolute Leader des Teams, nach ihm kam lange niemand in der teaminternen Hierarchie.

Mit der Vorbereitung auf die WM bekleidete dann Sami Khedira den Part neben Schweinsteiger, das Kapitänsamt übernahm Philipp Lahm. Khedira spielte sich überraschend schnell in der Stammelf fest und auch Lahm nahm die neue Führungsrolle gut an. Einige im Team wirkten wie befreit, dass der „Führungsstil“ liberaler wurde und noch junge, aber doch schon langjährige Nationalspieler, wie Schweinsteiger, Podolski, Lahm gingen mehr aus sich heraus. Dass die WM dann mit Platz 3 und großen Siegen gegen England und Argentinien sehr erfolgreich wurde, hatte die Folge, dass zunächst kein Hahn mehr nach Michael Ballack krähen würde. Lahm verkündete noch während der WM, dass er das Kapitänsamt nicht mehr freiwillig hergeben würde. Dies ließ die DFB-Führung und insbesondere der Trainerstab ebenso ungesühnt wie seinerzeit die Ohrfeige von Podolski gegen Michael Ballack in Wales. Dabei kam Lahm nicht etwa durch einen Rücktritt Ballacks oder eine Nichtnominierung aus Leistungsgründen an das Amt, sondern durch einen unverschuldeten Ausfall von Ballack, der einigen offensichtlich gut in die Karten gespielt hatte.

Schon damals stand eigentlich fest, dass es Michael Ballack schwer haben dürfte, wieder ins Team zurück zu kommen, zumal es derzeit ein riesen Reservoir an jungen potenziellen Nationalspielern gibt, die man jederzeit ins kalte Wasser werfen kann. Weshalb man aber nicht schon lang klärende Worte gesprochen hat und Ballack bis jetzt hingehalten hat, finde ich respektlos gegenüber Ballack. Die Entscheidung stand insgeheim, da bin ich mir sicher, schon bei der WM fest, dass Ballack keine Zukunft in der Nationalmannschaft mehr haben würde. Nachdem von Seiten des DFB ein Jahr lang nur herumgeeiert wurde und Ballacks Abschied noch nicht verkündet war, wäre spätestens zu den letzten 3 Länderspielen der Saison der richtige Zeitpunkt gewesen, Ballack, nach den Ausfällen von Schweinsteiger, Träsch und Khedira, nachzunominieren oder Klartext zu reden. Auch da hat sich Löw schön gewindet. Vermutlich war er schon zu viel mit seiner Duz-Freundin Merkel zusammen und weiß daher, wie es geht, Probleme einfach auszusitzen.
Ich hätte es mir gewünscht, dass man in der Nationalelf noch einmal feststellen hätte dürfen, ob Ballack das Team noch verstärken kann oder ob er doch mehr Belastung ist. Einen sportlichen Wettkampf hätte er verdient gehabt, nachdem ihn diese schwere Verletzung aus der Bahn geworfen hatte. In Österreich und Aserbaidschan hatte man im Übrigen auch gesehen, dass das Personal nach den ganzen Ausfällen sehr dünn war. Zuletzt ist ja sogar Lahm als „Sechser“ eingesprungen, nachdem auch noch der zuvor verletzte Khedira abgereist war. Spätestens hier hätte man einen Ballack gebrauchen können, statt dessen wurde in Höwedes ein Verteidiger nachnominiert.

Nun prescht Wochen später Herr Löw vor und verkündet das Ende der Nationalmannschaftskarriere von Michael Ballack in beiderseitigem Einvernehmen, welches es nach Aussagen Ballacks nie gab. Es steht natürlich Aussage gegen Aussage, doch wäre es nicht das erste Mal, dass Löw so mit verdienten Spielern umspringt.

Man darf gespannt sein, welche „Wahrheiten“ in nächster Zeit noch ans Tageslicht kommen und ob Becker, Ballack’s Berater, herausrückt, was es mit der Schwulen-Combo auf sich hat, die er vergangenen Sommer im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft ins Gespräch brachte. Die letzte schmutzige Wäsche wird hier sicherlich noch nicht gewaschen sein.

Dass Ballack das angebotene 99. und letzte Länderspiel am 10. August als Farce abtut und es ablehnt ist nur konsequent. Solche Almosen hat ein Spieler, der 12 Jahre lang die Knochen für die Nation hingehalten hatte, nicht nötig.  Ein Abschiedsspiel wird er sicherlich nach Beendigung der Karriere bekommen, dafür ist dann noch genügend Zeit.

Die vergangene Saison war für Ballack eine zum vergessen. Nach seiner schweren Verletzung kam er nie richtig in Tritt und musste sich, selbst wenn einsatzbereit, erst einmal hinten anstellen. Sein Arbeitszeugnis 2010/11 war wirklich kein Bewerbungsschreiben für weitere Einsätze in der Nationalelf. Auf der anderen Seite gab es auch in der Ära Löw genügend Fälle, die zeigten, dass eine gute Form und Stammspielersein im Verein nicht mehr Voraussetzung sind, um eine tragende Rolle in der Nationalmannschaft zu spielen.

Ich würde mich freuen, Ballack käme, jetzt ohne den Druck in Bezug auf ein mögliches Comeback in der Nationalmannschaft, noch einmal richtig auf die Beine. In der kommenden Saison kann er es allen noch einmal beweisen und ein wertvoller Spieler für Bayer Leverkusen sein. Es wäre ihm zu wünschen, dass er nicht nur als „tragischer Held“ in die Fußballannalen eingeht.

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