6. Oktober 2019

Schwarzer Freitag

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 17:25

Ob mich am Morgen diesen tristen Freitags bereits eine leise Vorahnung beschlich, man weiß es nicht. Jedenfalls verließ ich morgens kurz nach 6 Uhr leicht unkonzentriert die Wohnung und stürzte mich zunächst die Treppe hinab. Das hatte schmerzhafte Prellungen an verschiedenen Körperteilen zur Folge, weshalb ich es abends nicht weiter als ins Pfiff schaffte.

Zur Wasenzeit fahren weder Bus noch Taxi in Richtung Neckarstadion, so dass der Fußweg zu beschwerlich für mich gewesen wäre. In Anbetracht des Gesundheitszustands war dies sicherlich die vernünftigere Entscheidung, während es auf der anderen Seite extrem schwer verdauliche Kost war, dieses Spiel mit den sogenannten Kneipen-Experten im TV anzusehen.

Als Allesfahrer bin ich es ja überhaupt nicht mehr gewohnt, nicht mit den Jungs im Stadion zu sein, so dass allein das schon ziemlich unerträglich war. Wenn dann noch sog. VfB-Fans den VfB verhöhnen und Volksfesttouristen aus Bayern oder jenseits des Brenners mir erklären wollen, was beim VfB seit Jahren schief läuft, wäre eigentlich die eine oder andere Schelle fällig gewesen, so angefressen war ich. Das nächste Mal gehe ich lieber mit dem Kopf unterm Arm ins Stadion, als mich solchen Dummschwätzern auszusetzen.

Dass es gegen das Schlusslicht Wehen-Wiesbaden ein gefährliches Spiel werden könnte, lag auf der Hand. Auch wenn vieles auf Neuanfang steht, handelt es sich schließlich noch immer um den VfB. Wann hat man zuletzt als großer Favorit gegen den noch größeren Underdog die Gunst der Stunde genutzt? Wann hat man zuletzt von zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen nicht mindestens eines in den Sand gesetzt? Es war einfach typisch für den VfB, dass nach Wochen eitel Sonnenschein der Rückschlag gerade in einem Spiel folgt, vor dem viele nur über die Höhe des Sieges diskutiert haben.

Auch ich war guter Hoffnung, dass man nach der über weite Strecken reifen Leistung von Bielefeld den Trend fortsetzen und vielleicht auch endlich mal ein Spiel überzeugend gewinnen könnte. Einige unserer Siege bislang waren doch äußerst glücklich zustande gekommen und der mangelnden Qualität der meisten Zweitligaakteure zuzuschreiben. Spielerisch und vor allem in puncto Chancenverwertung ist noch sehr viel Luft nach oben. So langsam darf man schon auf einen spielerischen Aufwärtstrend hoffen, auch wenn vieles durch die Ergebnisse und die Tabellenführung bislang kaschiert wurde.

Dass die Geduld mit Tim Walter und seinen Aufstellungen bereits bei vielen zu bröckeln scheint, drückte sich am Freitag in zahlreichen Pfiffen aus und findet seine Fortsetzung im Zerriss in den sozialen Medien. Dafür fehlt mir absolut das Verständnis. Das Team während der Spiele auszupfeifen gehört sich nicht und bringt auch nicht mehr Sicherheit, wenn das Nervenkostüm ohnehin schon nicht das beste ist. Eher im Gegenteil, Pfiffe verunsichern die junge Mannschaft zusätzlich, so dass ich vollstes Verständnis dafür habe, dass Mislintat diese nach dem Spiel angeprangert hat.

Mein Vertrauen in die handelnden Personen beim VfB ist derzeit ungebrochen groß, so dass ich auch derartige Rückschläge hinnehme, ohne die Weiterentwicklung in Frage zu stellen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass dem Neuanfang die nötige Zeit gegeben werden muss und kann mir keinen anderen Trainer beim VfB vorstellen, der auf Anhieb funktionieren würde UND die nötige Rückendeckung hätte.

Auf Letzteres kommt es meiner Meinung nach ganz entscheidend an. „Das schwierige Umfeld“ in Stuttgart hätte doch an jedem etwas auszusetzen, der nicht alle Spiele in der 2. Liga haushoch gewinnt und hatte in den letzten Jahren maßgeblichen Anteil an der stetigen Unruhe.

Läuft es nicht wie geschmiert, läuft der eine oder andere „Blinde“ trotz katastrophaler Leistungen Woche für Woche erneut auf, lässt der Trainer über seine Aufstellungen nicht per TED-Umfrage abstimmen, schießt man sich auf den Übungsleiter ein, gibt ihm gutgemeinte Ratschläge und, wenn er sie nicht befolgt, wünscht man ihn zum Teufel. Befolgt er sie und verliert trotzdem weiter, wünscht man ihn natürlich auch zum Teufel!

So spielte es sich in den letzten Jahren regelmäßig ab, irgendwann fand die Meute Gehör bei den Vereinsoberen und der nächste von der Trainer-Reste-Rampe durfte sich versuchen.

Ich nehme mich hier auch überhaupt nicht aus, jedoch fußte mein Ärger in den letzten Jahren meist darauf, dass zwar die Trainer wechselten, die Protagonisten und Wortführer in der Mannschaft jedoch dieselben blieben und sich kaum einer, schon gar nicht, wenn er während der Saison kam, an die Erbhöfe und damit die Wurzel allen Übels herantraute.

Ein richtig frischer Wind wehte in den letzten Jahren eigentlich lediglich unter Alexander Zorniger, der den Abgang von Ulreich forcierte und vor dem Leitwölfe wie Gentner und Niedermeier nicht mehr sicher waren und, als Schindelmeiser/ Wolf das Zepter übernahmen, das Team radikal verjüngten und ihm einen neuen Spielstil verpassen wollten.

Auch sie scheiterten an den dunklen Mächten im Verein, die Stillstand statt Fortschritt propagierten, was uns schließlich zurück in die 2. Liga katapultierte. Beiden Konstellationen brachte ich großes Vertrauen entgegen und setzte Hoffnungen in sie, weil sie bereit waren, alte Zöpfe abzuschneiden und den VfB zu erneuern.

Zorniger hätte ich zugetraut, die Abwehrschwächen zu beheben, wenn man ihm denn wenigstens noch die Wintervorbereitung und -transferperiode zugestanden hätte. Hannes Wolfs Ende wurde mit der Verpflichtung von Reschke eingeläutet, der den angezählten Gentner just wieder zur unverzichtbaren Größe erklärte und sich herabließ, dem jungen Trainer „Ratschläge“ in puncto der Aufstellungen zu erteilen und dies auch noch der Öffentlichkeit so mitteilte.

Es ist zwar jetzt hypothetisch, aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Stand jetzt schlechter dastehen würden, hätte man im einen oder anderen Fall den eingeschlagenen Weg nicht verlassen, sondern Geduld bewiesen.

Daher halte ich überhaupt nichts davon, schon jetzt Walters Verständnis von Fußball in Frage zu stellen, wenn Dusseligkeiten auf dem Platz zu einer Niederlage wie der am Freitag führen. Ich hoffe, der VfB hat aus seiner Vergangenheit endlich mal die richtigen Schlüsse gezogen und zieht bei den ersten Schwierigkeiten nicht schon wieder die Reißleine, weil es vermeintlich der Weg des geringsten Widerstands ist.

Diese Befürchtung habe ich freilich nach gerade mal einer (!) Niederlage nicht. Thomas Hitzlsperger würde sich unglaubwürdig machen, ließe er, der sich Kontinuität auf die Fahne geschrieben hat, sich von der öffentlichen Meinung beeinflussen und werfe jetzt schon alles über den Haufen. Dem Vernehmen nach vertrauen Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger Tim Walter noch uneingeschränkt, und, das ist auch gut so. Die Verantwortlichen haben ohnehin das große Ganze im Blick und beobachten zudem die tägliche Trainingsarbeit.

Wenn Tim Walter sagt, er stelle nach Trainingsleistungen auf, dann sollte man als einer, der die Trainingsarbeit nicht täglich verfolgt, dem Trainer vertrauen, dass er sich bei seinen Aufstellungen schon etwas gedacht hat. Mittlerweile eckt Walter, wie einst Zorniger, schon mit markigen Sprüchen an, woraufhin ihm Arroganz unterstellt und förmlich darauf gewartet wird, dass ihm seine Aussagen um die Ohren fliegen.

Manchmal kommt dies schneller, als man denkt, hatte er doch auf der Pressekonferenz vor dem Wehen- Wiesbaden-Spiel gesagt, „uns stellt keiner ein Bein“. Dass dies auf die wörtliche Bedeutung gemünzt war und er im weiteren Verlauf der PK anklingen lassen hat, wie gefährlich er den Gegner einschätzt, wenn man nicht hellwach ist, uninteressant, Hauptsache mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen einen Größenwahn konstruieren, dem Walter gewiss nicht unterliegt.

Walter hat zwar ein gesundes Selbstbewusstsein, was im Leistungssport jedoch bei weitem nicht verwerflich ist. Ähnlich wie einst Zorniger haut er den einen oder anderen Spruch raus, wirkt dabei jedoch etwas eloquenter, so man ihm eigentlich überhaupt nicht böse sein kann, wenn denn nicht schon wieder die Heckenschützen lauern würden, die ihm aus seinen Aussagen einen Strick drehen wollen.

Als VfB-Fans sollten wir nicht in den Chor derer einstimmen, die Unruhe reinbringen wollen. Als Trainer des FC Bayern der zweiten Liga wäre es doch auch unglaubwürdig, Walter mache komplett auf Understatement. Natürlich können und wollen wir jeden Gegner in dieser Liga schlagen, dass es nicht immer klappt und nicht immer die Papierform entscheidend ist, sah man am Freitag.

Was sich an den Spielen und Ergebnissen nur bedingt ablesen lässt, hat Tim Walter bereits geschafft. Es herrschen ein Teamgeist und ein Konkurrenzkampf wie seit vielen Jahren nicht. Fast kein Stammplatz ist in Stein gemeißelt, JEDER muss sich in JEDEM Training anbieten und darf nicht locker lassen, um auch im nächsten Spiel in der Stammelf zu stehen. Man sieht, dass Walter die Jungs erreicht und die Stimmung im Team gut ist, so dass für mich kein Grund besteht, an Walter zu zweifeln.

Dass der sog. Walter-Ball ins Stocken geraten ist, vom brutalen Pressing der ersten Spiele vor allem am Freitag wenig zu sehen war, ist (hoffentlich) nur eine Momentaufnahme. Dazu kommt Verletzungspech, was das weitere Einspielen erschwert. Allein der Freitag brachte zwei weitere Ausfälle mit sich, von denen vor allem der von Daniel Didavi ein langfristiger sein wird.

Ohne Fremdeinwirkung machte der Muskel bei einem Sprint zu, man ist bei Dida geneigt zu sagen, typisch, jetzt wo die Böden glitschiger und die Temperaturen niedriger sind.

Bei Borna Sosas Gehirnerschütterung muss man abwarten, ob er bereits nach der Länderspielpause wieder zur Verfügung stehen wird. Dass damit nicht zu spaßen ist und eine solche auch zu einem längerfristigen Ausfall führen kann, hat man letzte Saison bei Timo Baumgartl gesehen.

Nach dem brutalen und weder vom Schiri noch vom VAR geahndeten Bodycheck von Chato gegen Borna Sosa dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis das Spiel für eine Behandlungspause unterbrochen war. Wenn schon der Schiedsrichter weiter laufen lässt, hätte zumindest der VAR sensibilisiert genug sein müssen, dem Schiri ein Signal zu senden, das Spiel sofort zu unterbrechen. Wenn ein Spieler benommen und nicht ansprechbar zu Boden sinkt, ist Eile geboten, doch, wer weiß, vielleicht war Köln ja schon wieder beim Pausenbrot.

Bei Didavi grenzte es bislang fast an ein Wunder, dass er durch fast ein Viertel der Saison verletzungsfrei gekommen war. Des einen Leid, des anderen Freud. Vielleicht schlägt ja nun endlich die Stunde von Philipp Klement, der, gebeutelt durch kleinere Verletzungen bislang noch nicht an seine phantastische letzte Saison anknüpfen konnte.

Schmerzlich vermisst wird, nachdem er gegen Fürth kaputtgetreten wurde, auch Nicolas Gonzalez. Mit seiner Schnelligkeit wäre er gegen Wehen-Wiesbaden eine wichtige Waffe gewesen.

Obwohl am Freitag nicht einsatzbereit, ist Gonzalez zur Nationalmannschaft abgereist. Für den VfB zwar ärgerlich, dass er nicht zur vollständigen Genesung hier geblieben ist, aus Gonzalez Sicht jedoch verständlich, wurde er doch erstmals für die Albiceleste nominiert und hat damit die große Chance am 9.10. in Dortmund gegen Deutschland aufzulaufen. Ihm wünsche ich, dass er sein Debüt feiern darf und gesund wieder zurück kommt.

Unter anderem wegen Gonzalez Ausfall setzte Walter gegen Wehen-Wiesbaden auf den Ochsensturm Gomez/ Al Ghaddioui, der vor allem in der ersten Hälfte viel zu wenig in Szene gesetzt wurde. Auf den kurzfristigen Ausfall von Holger Badstuber reagierte Walter mit Phillips, dem man die mangelnde Spielpraxis anmerkte. Badstuber fehlte als ruhender Pol und seinem guten Stellungsspiel an allen Ecken und Enden.

Für Insúa rückte zudem Borna Sosa in die Anfangsformation, der bei beiden Gegentoren eine unglückliche Figur abgab. Vielfach kritisiert wird Santiago Ascacíbars Aufstellung auf der Außenbahn. Grundsätzlich mag ich Trainer, die es schaffen, gute Spieler auch dann im Team unterzubringen, wenn ihre angestammte Position anderweitig besetzt ist.

Wenn man aber sieht, welchen Stiefel Karazor auf der Sechs herunterspielt, der, ähnlich wie Gentner in grauer Vorzeit, fast ausschließlich Quer- und Rückpässe spielt, fragt man sich schon, weshalb nicht Mangala oder eben Ascacíbar dessen Platz einnehmen dürfen.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da nahm das Unheil schon seinen Lauf. Eben jener Ascacíbar verlor den Ball nahe des gegnerischen Strafraums und dann ging es ganz schnell. Der Ball kam zu Kuhn auf Rechtsaußen, dieser flankte von Borna Sosa völlig unbedrängt, und der Top-Torjäger der Liga, Schäffler, verwertete die Kugel technisch anspruchsvoll zum 0:1.

Kurz darauf bot sich den Kickern aus dem Taunus gar die große Chance zum 0:2, doch, Kobel hielt stark. Dann schlug die Stunde von Al Ghaddioui, der nach Luftloch von Mario Gomez zum Ausgleich traf.

Auch dem kurz darauf folgenden 1:2, abermals durch Schäffler, ging ein Ballverlust in der gegnerischen Hälfte von Ascacíbar, diesmal nach fahrigem Zuspiel von Phillips, voraus. Dann ging es wieder sehr schnell. Eigentlich war der Ball schon geklärt, ehe Borna Sosa ihn noch einmal scharf machte und Schäffler das Geschenk dankend annahm.

Danach agierte der VfB geschockt und reichlich konfus und war mit dem 1:2 zur Pause sogar noch gut bedient. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Der VfB wurde immer druckvoller, führte alle Statistiken haushoch an und traf alleine vier (!) Mal Pfosten und Latte. Vor allem durch die Einwechslungen von Silas und Massimo ging endlich etwas über die Außen. Aufgrund von Pech und Unvermögen wollte der Ball jedoch einfach nicht über die Linie.

Mario Gomez enttäuschte bei seinem ersten Startelfeinsatz seit dem dritten Spieltag auf ganzer Linie. Sah ich es mit ihm, dem bestbezahlten Zweitligakicker aller Zeiten, anfangs noch pragmatisch, dass es für die 2. Liga bei ihm auch mit 34 Jahren schon noch reichen könnte, muss ich diese Annahme mittlerweile revidieren. Es scheint, er habe mit seinem famosen Auftritt gegen Hannover 96 das Pulver für diese Spielzeit schon gänzlich verschossen, nichts geht mehr, beim einstigen Super-Mario. Er muss seinem über die Jahre geschundenen Körper Tribut zollen und ist physisch nicht mehr der Schnellste. Dass er auch geistig nicht mehr der Schnellste ist, sah man bei einigen Aktionen, als ein Schnörkel zu viel den Ballverlust bedeutete. Insgesamt sah sein Auftritt vom Freitag doch sehr bemitleidenswert aus.

Dass eine solch großartige Karriere derart zu Ende geht, hat dieser Spieler eigentlich nicht verdient. Da stellt man sich die Frage, ob er sich selbst einen Gefallen damit getan hat, sich die 2. Liga anzutun und die Schuhe nicht an den Nagel gehängt zu haben. Angesichts seines einen Zweitligisten erdrückenden Gehaltes von kolportierten 4,5 Millionen Euro pro Jahr, hätte ihm der VfB mit Sicherheit keine Steine in den Weg gelegt. Doch, selbst ein Spieler, der in seiner Karriere zig Millionen „verdient“ hat, nimmt offensichtlich noch mit, was nur geht. Vermutlich zählt er schon jetzt die Tage bis zum Saisonende…

Dass die Ungeschlagen-Serie einmal zu Ende gehen musste, war klar, dennoch tut es weh, dass dies nun ausgerechnet gegen das Schlusslicht der Tabelle passiert ist.

Und doch ist noch zu wenig passiert, um jetzt schon alles madig zu machen. Der VfB steht auf einem direkten Aufstiegsplatz und muss aus dieser Niederlage eben die notwendigen Schlüsse ziehen. Spiele, wie das am Freitag, erwarten den VfB in dieser Liga noch en masse. Gegner, die tief stehen und auf unsere Fehler lauern, sehen nun mal das einzig probate Mittel gegen die übermächtigen Schwaben darin, Beton anzurühren. Darauf muss der VfB gefasst sein und darauf muss er mit aller Seriosität reagieren.

Diese fehlte mir in der Anfangsphase, als man es vom Anpfiff weg mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei erledigen wollte und den nötigen Respekt vorm Gegner vermissen ließ. Wenn man dann schon nach wenigen Minuten sämtliche Ordnung fehlt und man nach einfachen Ballverlusten derart blank steht, geht der Schuss schnell nach hinten los.

Hier erwarte ich mir einen schnellen Lerneffekt und mehr Geduld vom Team. Die Qualität wäre vorhanden, Ball und Gegner laufen zu lassen, dadurch den Gegner müde zu spielen und zu gegebener Zeit zuzuschlagen, anstatt schon in der Anfangsphase kopflos nach vorne zu rennen und in hanebüchene Konter zu laufen.

Da das Team jung und lernwillig ist und von einem Trainerstab betreut wird, der die Jungs von Tag zu Tag besser machen möchte und sicher nicht lernresistent ist, bin ich guter Dinge, dass die schmerzliche Niederlage gegen Wehen-Wiesbaden ein Ausrutscher bleiben wird.

Nach der Länderspielpause wartet mit Holstein Kiel das Ex-Team von Tim Walter, welches bestimmt gewillt ist, seinem einstigen Trainer ein Schnippchen zu schlagen. Mit Geduld, Vertrauen in die eigene Stärke, etwas mehr Konzentration und mehr Konsequenz im Abwehrverhalten müsste ein Sieg herausspringen. Dass dieser kein Selbstläufer werden wird, sollte nach dem Schuss vor den Bug zur rechten Zeit vom Freitag auch dem Letzten bewusst sein.

Ich bin guter Dinge, dass Tim Walter die richtigen Schlüsse ziehen wird und die Mannschaft gegen die Störche auch in den ersten 45 Minuten unter Beweis stellt, dass es an diesem Sonntag im heimischen Neckarstadion nur einen Sieger geben kann, nämlich, den VfB Stuttgart. Darauf freue ich mich, dann auch wieder, komme was wolle, live mit mir im Stadion!

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20. September 2019

Spitzenreiter!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:41

Das letzte Auswärtsspiel umrahmten wir mit einem Wellness-Wochenende in der Oberpfalz, so dass ich erst jetzt dazu komme, meine Eindrücke abschließend zu Papier zu bringen.

Dabei bin ich immer noch ein wenig berauscht vom Spiel, auch wenn es schon einige Tage zurückliegt. Das liegt nicht nur am ersten Auswärtssieg nach zehn Monaten Durststrecke (der letzte gelang beim 1. FC Nürnberg, also ebenfalls im Freistaat Bayern), sondern auch daran, wie das Team phasenweise aufgetreten ist und welch tolle Einzelspieler wir inzwischen (wieder) haben.

Daraus ein Team, eine Einheit zu formen ist Aufgabe des Trainerstabes um Tim Walter. Diesbezüglich sehe ich uns auf einem sehr guten Weg, gelang es doch schon wiederholt, Siege zu erzwingen und während eines Spiels den Schalter noch einmal umzulegen. Dass dies gelingt, bedingt, dass die Jungs an einem Strang ziehen und füreinander da sind. Dass allein dies gesondert hervorzuheben ist, unterstreicht, was seit der Meisterschaft 2007 schiefgelaufen ist.

Diese Mentalität, gepaart mit Spielfreude und Können, sollte der Schlüssel für den Aufstieg sein, von dem wir freilich auch als jetziger Tabellenführer noch meilenweit entfernt sind.

Die Tabellenführung ist nicht mehr als eine Momentaufnahme, doch, ich möchte es nicht verhehlen, sie tut verdammt gut. Auch wenn die Spiele bislang allesamt holprig waren und in puncto defensiver Stabilität und Chancenverwertung noch ordentlich Luft nach oben ist, reißen mich die Spiele vom Hocker bzw. aus dem Stadionsitz.

Auf dem Platz ist immer etwas los, seit Jahrzehnten habe ich keine so aktive VfB-Mannschaft mehr gesehen, die 90 Minuten lang Vollgas zu geben bereit ist. Schon das ein Verdienst von Tim Walter, aber auch von Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger, die entwicklungsfähige und gute Charaktere geholt haben.

So macht es wieder Spaß, ins Stadion zu gehen, so überlegt man es sich genau, ob man unbedingt die Toilette aufsuchen oder ein Bier holen gehen muss, wenn ständig etwas los ist auf dem Platz und man Einzelkönner auf dem Platz hat, bei denen man Gefahr läuft, just in dem Moment ein Kabinettstückchen zu verpassen.

Gut, das mit dem Bier hatte sich in Regensburg ohnehin erledigt, weil unser Aufeinandertreffen mit dem Jahn zum Hochrisikospiel hochstilisiert wurde. Wohl wegen der Fanfreundschaft von einigen Jahn-Teenies mit denen eines Stuttgarter Vereins von den Golan-Höhen, gab es selbst auf der Haupttribüne lediglich (ungenießbares) Light-Bier.

Im Spiel eins nach dem Schließen des Transferfensters und nach überstandener Verletzung von Orel Mangala, konnte man erstmals von einer Startelf sprechen, die zu weiten Teilen das Gerüst der kommenden Wochen bilden dürfte.

Zur Überraschung vieler ließ Tim Walter „seinen Liebling“ Karazor draußen und vertraute die Position des alleinigen Sechsers Mangala an. Wie Mangala diese Rolle ausfüllte, war in meinen Augen phänomenal. Zweikampfstark, spielintelligent und eine brutale Präsenz ausstrahlend, schwer vorstellbar, dass wir mit ihm abgestiegen wären, wäre Reschke nicht auf beiden Augen blind gewesen. Auch Debütant Förster überraschte mich, sehr antrittsstark und ebenfalls spielintelligent. Dazu solide Spieler wie Kobel, Kempf und Stenzel, ein Badstuber, der immer stärker wird, den Kreativspielern Klement und Didavi und einem Sturm mit Nicolás González und Silas Wamangituka, die unser Spiel mit Schnelligkeit und Spielkunst bereichern. Dieses Team hat viel Potential und wird sich weiter steigern (müssen).

Wären die Jungs in puncto Chancenverwertung kaltschnäuziger, könnten sie dem 100-Tore-Sturm von 1976/77 Konkurrenz machen, so aber lassen sie einen zittern, mehr als einem lieb ist. Aber, was will man meckern, gewonnen ist gewonnen, Ende gut, alles gut!

Einen derart wilden Fußball wie derzeit unter Walter habe ich selten gesehen. Bei jedem Ballverlust herrscht Alarmstufe Rot, weil unsere Gegner fast ausschließlich in diesen ihre Chance sehen. Was dann auffällt, in Regensburg waren wir äußerst nah dran, wie geil die Jungs darauf sind, den Ball zurückzuerobern und wie weit man in solchen Situationen von der Grundformation entfernt ist, wenn ein Insúa plötzlich auf Rechtsaußen herumturnt.

Ein Fußball, in dem immer etwas los ist und in dem jeder, der es lieber gemächlich mag, fehl am Platze ist. Nach Jahren der fußballerischen Körperverletzung am Fan ist das für mich eine Wohltat, auch wenn der Schuss manchmal nach hinten los geht. Da die Truppe ständig aktiv ist, ist die Gefahr gering, dass man sich, auch wenn es mal nicht nach Wunsch läuft, seinem Schicksal ergibt.

Die Startaufstellung von Regensburg könnte, bis auf wenige Wackelkandidaten, jene der nächsten Wochen sein. Die Herren Gomez und Castro, aber auch Karazor und Ascacíbar dürften es schwer haben, es in die Stammformation zu schaffen. Mit dem Auftritt vom Samstag dürfte Insúa nicht mehr über den Platzhalter für den ausgefallenen Borna Sosa hinauskommen, seine Zeit, das sah man deutlich, ist wohl abgelaufen.

Santiago Ascacíbar blieb in Regensburg, und ist es auch gegen Greuther Fürth noch, suspendiert. Es muss einiges vorgefallen sein, wenn der VfB ein Fehlverhalten so drastisch und der Öffentlichkeit mitgeteilt, sanktioniert.

Gerüchten zufolge bastelt Santis Berater gar an einer Rückkehr zu seinem Stammverein Estudiantes de la Plata. Dass Ascacíbar ein Hitzkopf ist, weiß man und liebt es auch ein stückweit. Wenn diese Hitzköpfigkeit jedoch so weit geht, dass man dem Trainer vorschreiben möchte, wo er ihn bitteschön einzusetzen habe und dieser Forderung beim Sportdirektor Nachdruck verleiht, schlägt das dem Fass den Boden aus.

Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Zeiten eines Michael Reschke, der dem Vernehmen nach Geldstrafen für manchen Spieler aus eigener Tasche gezahlt und damit die Autorität des Trainers restlos untergraben hat, vorbei sind und neuerdings Trainer, Sportdirektor und Sportvorstand dieselbe Sprache sprechen und sich kein Spieler „hinten rum“ ausheulen darf.

Ich hoffe, dass Ascacíbar verstanden hat und nicht den Weg des geringsten Widerstands geht und flüchtet. Im weiteren Saisonverlauf, vor allem, sollte sich Mangala noch einmal verletzen, wird man sich glücklich schätzen können, auf einen Ascacíbar zurückgreifen zu können. Sollte er allerdings weiterhin beleidigte Leberwurst spielen und schlechte Stimmung verbreiten, muss man ihn abgeben. Unzufriedene Spieler und totes Kapital, immerhin ist Ascacíbar noch einer DER Top-Verdiener, sollte man sich möglichst nicht leisten.

Von der sportlichen Leitung bin ich derzeit wirklich sehr angetan und habe das Gefühl, alles was sie anpacken, hat Hand und Fuß. Die Transfers sitzen, die Außendarstellung ist mit der des letzten Jahres überhaupt nicht mehr zu vergleichen und auch der Trainer ist bis in die Haarspitzen motiviert, seine Jungs von Tag zu Tag besser machen zu wollen. Ich hoffe sehr, dass es in dieser Konstellation noch lange funktioniert und das „schwierige“ Umfeld ruhig bleibt, auch wenn wir nicht jeden Gegner in Grund und Boden spielen.

Jetzt schon Vergleiche zu ziehen, gegen wen alles wir mit dieser Spielweise in der Bundesliga Packungen kriegen würden, empfinde ich als ungerecht der Aufgabe gegenüber. Diese lautet direkter Wiederaufstieg, wofür einer der ersten zwei Plätze in der 2. Bundesliga belegt werden muss. Dieses Ziel haben wir, um das Ziel zu erreichen, sind wir als derzeitiger Tabellenführer auf einem guten Weg.
Die Bundesliga ist noch weit weg, im Fall des Aufstiegs wird der Kader schon deshalb ein völlig anderer sein, weil Verträge auslaufen und Leihspieler wie Stenzel und Kobel zu ihren Stammvereinen zurückkehren (müssen). Es zählt das Hier und Jetzt!

Manch Miesmacher und notorischer Bruddler versteht auch meine gute Meinung zu Tim Walter nicht. Er sei kein Übertrainer, habe noch nichts erreicht und er spiele Harakiri.

Leute, ich behaupte auch nicht, dass Walter ein Übertrainer ist. Ich sehe aber schon allein, dass er es in kurzer Zeit geschafft hat, eine Einheit zu formen und einen Mann, der sein Profil schärft, indem er Spielern, die ausscheren, die Leviten liest, und, wie jüngst in Regensburg, vermeintliche Lieblingsspieler draußen lässt, wenn andere derzeit besser sind.

Ich will einen Trainer, der den VfB lebt, der emotional ist, sich wie ein Kind über Siege freut und ungenießbar ist, wenn man verloren hat. Ich möchte keine Schlaftablette an der Seitenlinie, wie Korkut und Weinzierl es waren und keine ständigen Trainer- und Philosophie-Wechsel wie im letzten Jahrzehnt.

Den „Auch-jetzt-noch-Bruddler“ geht wohl derzeit die allherbstliche Trainerdiskussion ab, weshalb sie dem Braten noch nicht trauen und sie es sich nicht vorstellen können, dass Walter längerfristig bei uns Trainer sein könnte. Sie fordern zwar nicht direkt einen neuerlichen Trainerwechsel, stören sich aber am Personenkult um Tim Walter. Dieser muss sportlichem Erfolg per se ja auch nicht hinderlich sein, man schaue nur mal kurz nach Liverpool!

Ich kann dieses Misstrauen, was einem Misstrauen in Mislintat und Hitzlsperger gleichkommt, nicht nachvollziehen. Wir brauchen Kontinuität, die vielen Trainerwechsel der letzten Jahre haben uns mürbe gemacht, deshalb hoffe ich sehr, dass man am jetzt eingeschlagenen Weg festhält und endlich mal Geduld beweist.

So ruhig und harmonisch es derzeit an der sportlichen Front zugeht, so ungewiss ist es, wie es nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15.12.2019 weitergehen wird.

Die Bewerbungsfrist zum VfB-Präsidenten ist abgelaufen, nun liegt es am Vereinsbeirat aus zehn Bewerbungen, den Mitgliedern die zwei aussichtsreichsten Kandidaten zur Wahl zu stellen, wenn der Vereinsbeirat nicht noch einen elften Kandidaten aus dem Ärmel schüttelt, was ihm gestattet wäre.

Eigentlich ist es mir fast egal, wer Präsident wird, schlimmer als Dietrich kann er (oder sie?) nicht sein. Das Wichtigste am neuen Präsidenten ist mir, dass er sich selbst zurücknimmt und der so verheißungsvoll gestarteten neuen sportlichen Leitung nicht ins Handwerk pfuscht, was im Übrigen auch für Anwärter des neu geschaffenen Postens des Vorstandsvorsitzenden gilt.

Was wir nicht brauchen, ist ein Unternehmer, der an Aufmerksamkeitsdefizit leidet und sich in den Vordergrund stellt, genauso wenig wie einen Ex-Sportler, der sich dazu berufen fühlt, seine Vorstellungen der sportlichen Ausrichtung möglichst schnell auf den VfB zu übertragen. Beides würde Unruhe stiften die weitere Entwicklung gefährden.

Ich hoffe auf ein gutes Händchen des Vereinsbeirates mit der größtmöglichen Transparenz, um verloren gegangenes Vertrauen Stück für Stück zurück erlangen zu können.

Auf die bisher bekannten Kandidaten möchte ich nicht näher eingehen. Dass ich nach dem Spalter keinen Politiker in der Rolle des VfB-Präsidenten sehen möchte, der schon im Vorfeld in politische Lager spalten würde, hatte ich bereits in einem früheren Beitrag ausgeführt. Nur zur Kandidatur von Guido Buchwald ein paar Worte.

Ich finde es ungerecht, wie er bereits im Vorfeld diskreditiert wird und ihm die Fähigkeit abgesprochen wird, VfB-Präsident sein zu können. Gäbe es die AG nicht und wir wären noch eingetragener Verein, wäre Guido für mich der prädestinierteste Kandidat, den man sich vorstellen könnte. Ein Präsident soll repräsentieren, das könnte er von seiner Vita und seinem Auftreten her sicherlich perfekt. In wieweit er die wirtschaftlichen Erfordernisse mitbringt und sich außerhalb des japanischen Marktes im Fußball auskennt, sprich, ob er ein Fußball-Unternehmen führen kann, dies herauszufinden obliegt nun auch dem Vereinsbeirat.

Ihn jedoch im Vorfeld bereits madig zu machen und ihm sämtliche Fähigkeiten abzusprechen, ohne überhaupt zu wissen, wie sein Plan aussehen könnte und wen er unterstützend an seiner Seite hat, finde ich ungerecht. Dass er Interna aus dem Aufsichtsrat ausgeplaudert haben soll, ist für mich noch kein Kriterium, ihn als Präsidenten abzulehnen. Die Ära Dietrich würde ich, von allem was man aus dem Verein so mitbekommt, fast schon als Diktatur bezeichnen, in der selbst der Aufsichtsrat „auf Linie“ getrimmt war, damit ja alle Entscheidungen „einstimmig“ ausfielen. Wenn dann einer ausschert und sich nicht mehr anders zu helfen weiß, zum Wohl des VfB übrigens, ist er für mich eher ein Revoluzzer als einer, dem man nicht mehr über den Weg trauen könnte.

Guido Buchwald ist (m)ein Idol, zweimaliger deutscher Meister mit dem VfB und Weltmeister und hat eine sensationelle Epoche des Vereins, die ich enthusiastisch begleitet habe, entscheidend mitgeprägt. Er hat es sowohl nicht verdient, dass ihn ein Sponsorenvertreter bzw. Vertreter des Anteilseigners als VfB-Idol in aller Öffentlichkeit verunglimpft, als auch, dass man seine Kandidatur nicht mit dem angebrachten Respekt würdigt und einfach mal abwartet, wen der Vereinsbeirat ins Rennen zu schicken gedenkt.

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28. August 2019

Alles auf Anfang – ein Plädoyer für unser Triumvirat

Die letzten Jahre haben mich müde gemacht. Seit der Aufsichtsrat Wolfgang Dietrich als alleinigen Präsidentschaftskandidaten, trotz aller Bedenken und gegen den Willen vieler Mitglieder durchgedrückt hat, seit dieser mittels einer Schmierenkampagne im Trump-Style die Ausgliederung durchdrückte, dieser dann unter noch immer nebulös erscheinenden Umständen Jan Schindelmeiser entließ und den von den Bayern weggelobten Michael Reschke präsentierte, dieser wiederum den von Schindelmeiser/ Wolf eingeschlagenen Weg der kleinen Schritte torpedierte, Alt-Star um Alt-Star holte und mit einer Allmacht ausgestattet die Ausgliederungsmillionen verprasste, war es nicht mehr mein VfB.

Die Emotionen gingen flöten, dem Abstieg gewann ich gar noch das Positive ab, „dass jetzt was passieren muss“. Der VfB war nicht nur sportlich in der 2. Liga angekommen, sondern präsentierte sich gespalten wie nie und gab wegen der sich selbst legitimierten Wahrheitsbeugungen nach außen ein Bild des Schreckens ab.

Es gab in Fußball-Deutschland wohl kaum jemanden, VfB-Sympathisanten ausgenommen, der unserem Verein den Abstieg nicht gegönnt hätte.

Wolfgang Dietrichs letzte Patrone, die Entlassung Reschkes und Ernennung des beliebten Thomas Hitzlsperger zum Sportvorstand und damit zum neuen starken Mann konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Der Rest ist Geschichte! Wolfgang Dietrich musste nach der denkwürdigen Mitgliederversammlung seinen Hut nehmen, womit der Weg für einen Neuanfang frei ist.

In diesem befinden wir uns seit gerade einmal zwei Monaten. Thomas Hitzlsperger holte sich Sven Mislintat, das Diamantenauge, an seine Seite, beide wiederum verpflichteten Tim Walter als neuen Chef-Coach.

Nach Jahren des lustlosen Ballgeschiebes wurde ein junger, motivierter Trainer engagiert, der für schnelles Umschaltspiel und Ballbesitzfußball steht. Um alte Zöpfe endgültig abzuschneiden, wurden auslaufende Verträge nicht verlängert und Spieler, die nicht hundertprozentig hinter der neuen Marschroute stehen, abgegeben. Die Mannschaft wurde also runderneuert.

Es blieb ein erfahrenes Gerüst um Mario Gomez, Holger Badstuber, Gonzalo Castro und Daniel Didavi. Um diese Stützen herum wurden einige zweitligaerprobte Spieler geholt, die sich beim VfB den nächsten Schritt erhoffen, sowie Rohdiamanten, die es zu schleifen gilt. In erster Linie wurde der Kader so zusammengestellt, in der 2. Liga eine gute Rolle spielen zu können und nicht, um als verkappter Erstligist eine Ehrenrunde zu drehen.

Der VfB wurde komplett auf links gedreht, man sieht bereits nach zwei Monaten Dinge, die wir über Jahre vermissten. Durch die lockere und zugängliche Atmosphäre, die das neue Triumvirat vorlebt, hat man den Eindruck, JEDER komme gerne zum Training und sei gern Teil dieser Gruppe. Man erlebt einen Teamgeist, von dem wir vor ein paar Monaten noch nicht einmal zu träumen wagten.

Dieser, gepaart mit der Mentalität, die diese Jungs mitbringen, bescherte uns bspw. schon den Lastminute-Sieg gegen den FC St. Pauli und dürfte noch öfter ein Trumpf im Aufstiegskampf werden.

Spielerisch ist schon sehr viel von dem zu sehen, was Tim Walter einfordert. Selbstredend, an der Effektivität und in der einen oder anderen Situation Mut zum Risikopass lässt sich noch feilen, doch, für das was Walter den Jungs abverlangt, sind sie nach zwei Monaten für meine Begriffe schon sehr weit.

Die Bilanz mit dem Weiterkommen im Pokal und zwei Siegen und zwei Unentschieden in der Liga liest sich ordentlich. Daheim gewinnen, auswärts remis, damit steigt man in der Regel auf, wenn man diese Ausbeute bis zum 34. Spieltag hält. Über das WIE lässt sich diskutieren. Gegen Hannover und Heidenheim, jedenfalls bis zum 0:2, hinterließ man einen hervorragenden Eindruck. In Rostock zählte allein das Weiterkommen und kein Schönheitspreis, gegen St. Pauli verdiente man sich den Lastminute-Sieg durch unermüdlichen Einsatz und im Erzgebirge werden noch mehr Teams Punkte liegen lassen.

Die von vielen Seiten aufkommende harsche Kritik am Auftritt in Aue empfinde ich als unfair. Man darf einfach nicht erwarten, dass das Team nach gerade einmal zwei Monaten schon alles in Grund in Boden spielt.

Ich habe es mir eigentlich abgewöhnt, nach Spielen über schwache Schiedsrichterleistungen zu lamentieren. Die Entscheidungen sind so gefallen, Punkt, aus, fertig!

In diesem Fall aber habe ich auch Tage danach noch einen extrem dicken Hals. Dass der einst in den Schiedsrichterskandal verwickelte Referee Zwayer das Foul übersieht, kann passieren.

Dass aber der VAR im Kölner Keller sich nicht einschaltet und Zwayer darauf hinweist, dass er zwingend auf Elfmeter für den VfB zu entscheiden hätte, kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

So jedenfalls macht der Videobeweis den Fußball nicht gerechter, wenn wir es nach wie vor mit reiner Willkür zu tun haben und die hochbezahlten Herren nach Lust und Laune entscheiden. Gerade für Walters Spielstil wäre eine Führung im Rücken nämlich Balsam gewesen, hätte Aue doch aufmachen und kommen müssen.

So wird nach dem Spiel der VfB kritisiert, dafür, dass der tödliche Pass in die Schnittstelle nicht kam und man sich am eigenen Ballgeschiebe allzu sehr ergötzt hätte. Dabei kommt es auf die Betrachtungsweise an. Man könnte doch auch die neue Ballsicherheit lobend erwähnen. Dass Risikopässe derzeit Mangelware sind, liegt für mich in den ersten beiden Spielen begründet, als wir nach Ballverlusten recht blank standen und der Gegner zu hochkarätigen Konterchancen kam. Da spielt noch die Angst mit, das Vertrauen holt man sich am besten durch Siege, umso ärgerlicher, dass wir einmal mehr von der Schiedsrichterzunft betrogen wurden.

Einfallslosigkeit im Offensivspiel wirft man Walter also vor, das Festhalten an einzelnen Spielern ebenso und falsche Aufstellungen erst recht.

Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass es sich bis Anfang September durchzumogeln und nicht zu viel an Boden zu verlieren gelte. Solang der Transfermarkt geöffnet hat und in alle Richtungen alles passieren kann, könnten sich die einen als Notnagel vorkommen und andere nicht richtig bei der Sache sein, weil sie noch mit einem Wechsel kokettieren. Erst danach herrscht Klarheit, erst danach wird sich eine Stammelf herauskristallisieren, mit der man das Unternehmen Wiederaufstieg angehen kann.

Zudem bricht uns bislang nach jedem Spiel jemand durch Verletzung oder Sperre weg, so dass sämtliche Automatismen kaum jetzt schon greifen können. Daher verstehe ich die unterschwellige Kritik zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht und halte es mit Altmeister Giovanni Trapattoni, „ein Trainer ist nicht ein Idiot“. Nach Korkut und Weinzierl sollten wir dankbar sein, dass wir einen Trainer haben, der für einen erfrischenden Spielstil steht und den Jungs Spielfreude auch vermitteln kann. Gut Ding braucht Weile, gebt Tim Walter (und seinem Trainerteam; durchaus auch Fachleute am Start!) einfach die Zeit, die er braucht und haltet die Füße still.

Dass die ständigen Trainerwechsel in den letzten zehn Jahren den VfB immer weiter zurückwarfen, sollte auch der letzte begriffen haben. Schon deshalb ist die Kritik, die jetzt schon aufkommt, unverständlich, was verspricht man sich dabei? Dass Walter doch endlich auf die Masse hört und seine Aufstellungen per TED-Umfrage bestimmt oder möchte da schon jemand einen neuen Trainer, weil Walter „nur“ ein Jugend-, Amateur- oder Kiel-Trainer ist und Stuttgart für ihn dadurch automatisch eine Nummer zu groß zu sein hat?

Ich habe jahrelang darum gekämpft, Leute, die dem VfB schaden, loszuwerden und konnte mich nicht einmal mehr über Siege freuen, wenn sie denn bestimmten Leuten ihren Posten gesichert haben. Dieses Ziel wurde erreicht.

Mit Thomas Hitzlsperger als dem neuen Gesicht des VfB, ist der VfB dabei, sich ins krasse Gegenteil von dem zu wandeln, was er unter Dietrich/ Reschke war.

Hitzlsperger ist sich nicht zu schade dafür, auf Twitter mit Fans auszutauschen und Gerüchte aus der Welt zu räumen.

Er ist einfach Mensch und ein guter obendrein, was er gestern wieder unter Beweis stellte, als er VfB-Fan Dennis, der seit zwei Jahren unter chronischem Erschöpfungssyndrom leidet, Unterstützung vom VfB zusicherte und somit unterstreicht, dass der VfB mittlerweile auch wieder bereit ist, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden (Dennis Leidensweg und der Link zur Spendenkampagne hier https://ze.tt/ich-wollte-lieber-krebs-haben-dennis-lebt-mit-dem-chronischen-erschoepfungssyndrom/).

Als VfB-Fan bin ich derzeit wirklich froh und stolz einen wie Hitzlsperger an der Spitze zu haben und hoffe, dass kein neuer Präsident oder Vorstandsvorsitzende ihn in seinem Handeln, Wirken und seiner Authentizität einschränkt.

Ihm zur Seite steht mit Sven Mislintat ein Fachmann, der einen hervorragenden Job macht, was sich darin zeigt, dass er Überraschungscoups schon gelandet hat, von denen man vorher nicht in der Presse las und, dass er durchaus auch Top-Clubs beim einen oder anderen Transfer ausgestochen hat.

Zudem habe ich Mislintat im Trainingslager als lockeren Typen kennengelernt, den ich mir auch in der Kneipe neben mir an der Bar vorstellen könnte. Freundlich, nett, sein Gegenüber ernstnehmend, so machte auch er auf mich den Eindruck ein guter, nicht abgehobener Typ zu sein.

Diesen beiden wünsche ich schon aus Sympathie nur das Beste für ihre Zeit beim VfB. Sie sind sich grün, funken auf einer Wellenlänge und haben sich für den Fußball, für den der VfB in Zukunft stehen soll, Tim Walter als Trainer ausgeguckt.

Wären die oben erwähnten Kritikpunkte an Walter bedrohlich, erreichte er die Mannschaft nicht, stellte sie falsch auf oder ein oder stimmte die Chemie nicht, würden die beiden bestimmt dazwischen grätschen und bestimmte Stellschrauben anders justieren.

Solang sie sich aber angetan von Walters Arbeit und Menschenführung zeigen, kein Blatt zwischen die drei passt, verbietet sich für mich auch Kritik an Walter. Wer Walter kritisiert, kritisiert unser derzeitiges Führungs-Duo gleich mit. Oder anders gesagt, wer Hitzlsperger und Mislintat vertraut, sollte ihnen auch dahingehend vertrauen, Tim Walters Arbeit am besten bewerten zu können.

Ich hoffe sehr auf Kontinuität und darauf, dass der VfB auch einmal stürmischere Zeiten mit ein und demselben Trainer meistert.

Die ständige Unruhe und notorische Unzufriedenheit gehen mir schon wieder dermaßen auf den Sack. Mich haben die letzten Jahre Demut gelehrt. Dazu gehört auch, dass ich uns zunächst mit den Ligakonkurrenten auf Augenhöhe sehe und nicht erwarte, dass wir jeden Gegner in Grund und Boden spielen. Eine Entwicklung und Spielanlage ist zu erkennen, das Klima ist um Welten besser als letzte Saison, Mentalität und Spielfreude sind da, wie lange nicht. Natürlich ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber die guten Ansätze lassen mich hoffen, dass sich auch das noch geben wird.

Wir als Fanszene dürfen uns nicht schon wieder auseinanderdividieren lassen. Wenn ich mitbekomme, dass Walters Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Aue-Spiel als frauenfeindlich betitelt werden, kriege ich den Hass. Er hat einzig und allein SEINE Frau angesprochen, so dass es auch lediglich ihr zustünde, sich über seine Aussagen zu echauffieren.

Schlimm genug, dass die DFL Ermittlungen aufgenommen und eine Stellungnahme von Walter eingefordert hat, wir Fans sollten hinter unserem Trainer stehen, zumal er ja Recht hatte. Aber nein, es wird Walters flapsige Art und der Vergleich, den er gezogen hat, madig gemacht, anstatt gegen die Fußball-Mafia zu rebellieren und Einigkeit im Umfeld zu demonstrieren.

Für mich nimmt das jetzt schon Züge an wie einst bei Alexander Zorniger. Auch er ist gerne mal angeeckt und wurde wegen seiner markigen Sprüche fast schon weg gemobbt. Zunächst von der Presse, weil er nicht deren Liebling war, wegen ausbleibender Ergebnisse schließlich auch von den „Fans“.

Walters Vorteil gegenüber Zorniger ist, dass wir eine Liga tiefer spielen und somit eine extreme Niederlagenserie eher unwahrscheinlich ist. Ansonsten erinnert der Umgang der Presse, allen voran der Kommentar von Thomas Wehrle bei SWR Sport, stark an die Zeit unter Zorniger. Auf der einen Seite werden Typen mit Ecken und Kanten gefordert, sind sie da und sagen mal etwas, wird ihnen jedes Wort im Mund umgedreht und langsam aber beharrlich auf sie eingedroschen.

Dass es ähnliche Züge wie vor vier Jahren annimmt, sollten wir Fans nicht zulassen. Gebt dem Projekt „neuer VfB“ eine Chance und stärkt unseren Machern Hitzlsperger und Mislintat den Rücken, auch, indem man Tim Walter die volle Unterstützung zukommen lässt. Alles andere bringt nur Unruhe und ändert doch nichts.

Mir macht der neue VfB Spaß. Ich möchte eine Entwicklung sehen und bin völlig unvoreingenommen in die Saison gegangen. Gaben „früher“ einbetonierte Erbhöfe auch zu Beginn einer Saison schon Anlass zu Kritik, steht jetzt wirklich alles auf Anfang.

Daher halte ich persönlich mich in nächster Zeit mit Kritik an der sportlichen Entwicklung zurück und lasse die Protagonisten erst einmal machen. Man erkennt Motivation und Freude den VfB besser machen zu wollen, das genügt mir, zumal das Vertrauen ins Korrektiv zu hundert Prozent gegeben ist.

Ich hoffe, der VfB nutzt dieses Mal die Chance, sich völlig neu auszurichten und reißt sich das geschaffene Fundament nicht durch irgendwelche Eitelkeiten gleich wieder ein. Bis zur Präsidentenwahl habe ich keine Bedenken, was danach kommt, werden wir sehen!

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26. Juli 2019

Vorfreude!

Heute schreibe ich meinen ersten Blog, indem die Abwärtsspirale und Wahrheitsbeugungen der letzten Jahre unter Wolfgang Dietrich keine Rolle mehr spielen werden!

Genau zwei Monate ist es her, seit wir in der Alten Försterei zu Köpenick den ebenso verdienten wie bitteren Gang in die 2. Liga antreten mussten.

Persönlich traf mich der Abstieg nicht sonderlich, weil mein Herz für den VfB ligaunabhängig schlägt, weil man es mit 28 Punkten nicht verdient hat, in der Liga zu bleiben, und, weil auch in der 2. Liga ordentlich Fußball gespielt wird und die Wahrscheinlichkeit groß ist, das eine oder andere Spiel mehr zu gewinnen.

Der 2016 verwendetet Spruch „eine neue Liga ist wie ein neues Leben“ gilt freilich nun beim zweiten Abstecher kurz hintereinander nicht mehr. Man wird auf sehr viel Altbekanntes treffen. Neu sind lediglich Regensburg und Osnabrück, während wir mit Kiel und Wehen-Wiesbaden schon im Pokal die Klingen kreuzten. Das 0:5 in Dresden war 2016/2017 das einzige Spiel, welches ich (wegen einer Hochzeit) verpasste, so dass auch das relativ neu für mich sein wird, hat die „Arena“ mit dem alten Rudolf-Harbig-Stadion (bis 2007) doch nicht mehr viel gemein.

Dennoch freue ich mich auf so gut wie alle Grounds, die nicht so hochglanzpoliert sind wie in der Bundesliga und in denen oft noch einheimisches Bier und regionale Fleisch- und Wurstspezialitäten kredenzt werden können. Zudem haben wir wieder zwei echte Derbys vor uns, sparen Berlin aus und dürfen stattdessen gleich Mal in die schönste Stadt Deutschlands, nach Stuttgart natürlich, Hamburg.

Sportlich sehe ich uns nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend aufgestellt. Die Chemie zwischen Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unserem neuen Trainer Tim Walter scheint zu stimmen. Nach Dietrichs und Reschkes Größenwahn mit irrsinnigen Gehältern und Verträgen, ist Vernunft eingekehrt. Spieler werden nach Charakter und dem Willen, sich verbessern zu wollen ausgewählt und nicht, weil sie einst einen großen Namen hatten. Darauf wird geklotzt und nicht gekleckert. Der VfB hätte sicherlich die Möglichkeit, einen Großteil der Transfereinnahmen zu reinvestieren, will es unter der neuen Führung aber nicht, weil man zur Politik der kleinen Schritte zurückgekehrt ist und die Teamchemie nicht vergiften will.

Sollte sich bis zum 31.08. noch Handlungsbedarf ergeben, wird man immer auch handlungsfähig sein. Unter normalen Umständen aber, da bin ich ganz bei Sven Mislintat, sollte man mit diesem Kader oben mitspielen und wieder aufsteigen können.

Mit Vorschusslorbeeren sollte man, schon überhaupt, wenn das erste Spiel noch nicht einmal angepfiffen ist, sehr vorsichtig sein. Aber, wie ich Tim Walter bislang erlebt habe, kann ich nur bestätigen, welch sensationeller Typ er ist. Zuckerbrot und Peitsche im Training, er kann streng aber auch sehr herzlich sein. Er ist direkt, die Spieler wissen, woran sie bei ihm sind.

Ich denke, bislang gibt es keinen einzigen, der ein schlechtes Wort über ihn verlieren würde. Da wünscht man ihm gerade, dass man hier in Stuttgart einfach mal den handelnden Personen vertraut und nicht gleich alles in Frage stellt, sollte der Start holprig verlaufen.

Dass die ständige Abkehr von einer Philosophie kontraproduktiv ist und uns erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen, weiß man. Walter ist ein authentischer Typ, von sich und seinem System überzeugt, der „nur“ die richtigen Spieler braucht, die für ihn durchs Feuer gehen. Was das angeht, habe ich derzeit ein richtig gutes Gefühl, wurden doch sehr gute und charakterlich einwandfreie Typen geholt.

Oft werden Vergleiche zu Zorniger angestellt. Auch den habe ich gemocht, ihm hätte ich gerne mehr Zeit eingeräumt damals. Aber, diese beiden Trainer sind doch grundverschieden. Einzige Parallele ist vielleicht, dass beide einen sehr offensiven Ansatz wähl(t)en und es hinten das eine oder andere Mal nach Harakiri aussieht. Ansonsten schuf sich Zorniger von Anfang viele Feinde, bei der Journaille angefangen. Da ist Tim Walter ein anderer Typ. Zu jedem freundlich, zugänglich und mit dem Schalk mit Nacken. Im Gegensatz zu Zorniger möchte Walter überzeugen und die Leute mitnehmen, während Zorniger dies schon voraussetzte, allein weil er Alexander Zorniger war.

Ein ähnlich gutes Gefühl wie jetzt hatte ich beim letzten Zweitligaaufenthalt unter Schindelmeiser/ Wolf. Auch damals wurde mit den vorhandenen Mitteln verantwortungsbewusst umgegangen, auch damals war, zumindest nach dem kurzen Intermezzo von Jos Luhukay, ein relativ unerfahrener Trainer da, der die Leute einfangen und mitnehmen konnte.

Die jüngste Pressekonferenz von Tim Walter war ein Genuss und macht richtig Bock auf den Saisonstart. An die Auftritte an gleicher Stelle von Weinzierl und Korkut mag ich gar nicht denken, Schlaftabletten wäre noch zu freundlich ausgedrückt, wenn man den Vulkan Tim Walter dagegen erlebt.

In den sozialen Netzwerken lese ich viele Stimmen, die ihr Unverständnis darüber äußern, dass der VfB die immensen Transfereinnahmen nicht im Ansatz reinvestiert hat. Leute, wir sind 2. Liga, zumindest in dieser Saison. Für die nächste garantiert uns kein Mensch, dass wir dann wieder Bundesligaluft schnuppern.

Also ist die Devise zunächst, ein aufstiegsfähiges Team an den Start zu bringen, das nicht auseinanderzubrechen droht, sollte der direkte Wiederaufstieg verpasst werden. Da bin ich ganz bei der neuen sportlichen Leitung, schwäbisch konservativ mit dem zu kalkulieren, was dir die 2. Liga einbringt und, sollte der Aufstieg gelingen, nächste Saison wieder mehr zu investieren.

Mit der jetzigen Kaderzusammenzustellung und den Neuzugängen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Zweitligaerprobte Spieler, die wissen wie der Hase läuft und bereit für den nächsten Schritt sind, junge fußballerisch starke Talente und eben auch erfahrene Spieler, die uns erhalten blieben.

Badstuber und Gomez bekam man schon allein wegen ihrer irrwitzigen Verträge und ihres Alters nicht los, wobei auch hier Tim Walter ganz der Pragmatiker ist und die Situation annimmt, wie sie ist. Mit Badstuber ließ er sich auf eine Machtprobe ein, dieser weiß jetzt, wer der Chef ist und Mario Gomez wird von Walter über den Klee gelobt, wie wichtig er für die Jungen sei, wie toll er seine Rolle annehme und wie froh er einfach sei, einen Mario Gomez in der Mannschaft zu haben.

Für mich ein extrem kluger Schachzug. Bis vor Kurzem empfand ich Gomez ob seines Gehaltes und seines Alters eher als Last für das Team, mittlerweile traue ich es ihm sogar zu, der Mann für die ganz wichtigen Tore in dieser Saison werden zu können.

Gonzalo Castro und Daniel Didavi werden ebenfalls sehr eingebunden, vor allem Letzteren habe ich schon lange nicht mehr so fit und so motiviert gesehen wie in der Vorbereitung. Da ich schon immer ein Faible für Dida hatte, würde ich mich freuen, wenn er dies alles auch in der Liga zeigt und vor allem verletzungsfrei bleibt.

Bei wieder anderen wie Kempf und Ascacíbar mache ich drei Kreuze, wenn sie am 01.09. noch da sind. Nicolás González, der mit Argentinien bei den panamerikanischen Spielen weilt und der von vielen bereits abgeschrieben ist nach seiner unglücklichen Saison, soll anscheinend auch ein Verkaufskandidat sein, zumindest jemand, der Begehrlichkeiten weckt und Millionen einbringen könnte. Bei ihm würde es mich freuen, wenn er einen zweiten Anlauf wagen würde, hält doch Tim Walter große Stücke auf ihn. Auch da vertraue ich dem Trainer, dass er ihn hinbekommen könnte.

Die Mischung passt meiner Ansicht nach, doch, entscheidend ist aber heute auf dem Platz. Zum Eingewöhnen weht ein Hauch von Bundesliga durch Cannstatt. Flutlichtspiel gegen den Mitabsteiger, weit über 50.000 Zuschauer, Exklusiv-Spiel auf Sky.

Zuvor gibt es bei hochsommerlichen Temperaturen die Karawane Cannstatt mit dem Motto „alle in Weiß“. Ich sag’s Euch gleich, mir zu heiß zum Mitlaufen. Bin froh, wenn die Karawane von dannen gezogen ist und die Cannstatter Wirte wieder hinterherkommen. Erst dann wird’s gemütlich, dann wird sich richtig eingestimmt, auf das heißeste Spiel des Jahres. Mein Tipp: 3:2!

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20. Juli 2019

„Er ist weg“

Was man letzte Woche und auch zu Beginn der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag nicht zu hoffen wagte, ist seit Montag Realität. Wolfgang Dietrich hat seinen Rücktritt erklärt!

Zunächst plagten mich leichte Gewissensbisse, weil wir auf der Rückfahrt vom Jubiläumsspiel in Basel noch das Testspiel der VfB Amateure beim SV Endingen/ Kaiserstuhl (0:2) mitnahmen. Dieses war zwar zur besten Frühschoppen-Zeit 11 Uhr angesetzt, angesichts von mindestens zwei Stunden Fahrt nach Stuttgart, war es jedoch klar, dass wir vor 15 Uhr nicht da sein würden.

Exakt pünktlich zum ersten Redebeitrag der Aussprache trafen wir dann schließlich ein und konnten konstatieren, alles richtig gemacht zu haben. Auf die Rechtfertigungen der Vereinsoberen, Ausnahme den Vortrag von Thomas Hitzlsperger, war ich ohnehin nicht scharf gewesen, hat man die sich ständig wiederholende Leier doch schon so oft gehört.

Was dann folgte, war eine denkwürdige Aussprache mit hervorragenden Rednern. Überwiegend kritisch der Vereinsführung und Wolfgang Dietrich gegenüber, die einzigen Fürsprecher kamen so gut wie alle aus den Abteilungen des Vereins. Hut ab vor denen, die sich aufs Podium trauten und die, es wirkte fast wie abgesprochen, sämtliche Kritikpunkte an Dietrich fast ohne Wiederholungen abarbeiteten.

Diese Aussprache hatte etwas von einem „Weichklopfen“ Wolfgang Dietrichs. Er wurde immer dünnhäutiger und ungehaltener, und musste feststellen, dass keine besoffenen Querulanten auf ihn eindroschen, sondern Mitglieder jedweden Alters und jedweder Fangruppierung.

Ausnahmslos sachlich wurde argumentiert und Dietrich damit der Zahn gezogen. Versuchte er sich anfangs noch mit den oft gehörten Phrasen zu rechtfertigen, wurde er im Verlauf der Aussprache immer schmallippiger.

Einen völlig neuen Sachverhalt brachte die Aussprache dann aber doch hervor. Wurden die Kritiker, mich eingeschlossen, nicht müde nachzufragen, weshalb vor seiner Wahl den Mitgliedern wichtige Entscheidungsgrundlagen verschwiegen wurden, schob er dies plötzlich darauf, dass die DFL untersagt hätte, die Mitglieder darüber zu informieren, dass Dietrich noch weit in seine Amtsperiode hinein Ausschüttungen der Quattrex bzw. dessen Töchter erhalten könne.

Sollte dieser neue Anhaltspunkt den Tatsachen entsprechen, würde dies an der Wählertäuschung zwar nichts ändern, würde aber einen neuerlichen Schatten über die Machenschaften der DFL werfen. Dann nämlich würde sie bewusst gegen ihre eigenen Statuen verstoßen (lassen) und Interessenskonflikte im Hinterzimmer legitimieren. Mit ähnlichem Gebaren dürfte seinerzeit Red Bull Leipzig die Lizenz für die Bundesliga erteilt worden sein. Ein Fall für die Presse, diesem Verdacht nachzugehen!

Nach 14 von 28 Rednern folgte unweigerlich der Antrag auf Beendigung der Debatte. Nachdem sich die Leih-Tablets aufgehängt hatten und es nicht gelang, alle Handys gleichzeitig ins WLAN-Netz einzuloggen, die Abstimmung auf Beendigung der Aussprache also nicht ordnungsgemäß erfolgen konnte, wurden die zwei Antragsteller gebeten, ihren Antrag zurückzuziehen und die Aussprache fortzusetzen. In den gut dreißig Minuten bis zum Gelangen zu dieser Erkenntnis, hätte man gleich die Redebeiträge fortsetzen können.

Gut, dass die Beendigung nicht erwirkt werden konnte, denn, Rainer Adrion, Ex-U21-Trainer vom VfB, Interimstrainer bei den Profis, U21-Nationaltrainer sowie Jugendkoordinator mit Inneneinsicht in den Verein schritt ans Podium und rechnete schonungslos ab. Hinterfragte die DNA des Clubs, die Philosophie. Kritisierte, dass diese von Trainern vorgegeben werde, die im Schnitt gerade einmal siebeneinhalb Monate (!) im Amt seien und kritisierte Dietrich für seine jüngsten Personalentscheidungen. Weiter merkte er an, dass auch Thomas Hitzlsperger dies nicht allein bewältigen könne und ein Korrektiv im Verein benötige, um auf Kurs zu bleiben.

Adrion redete sich derart in Rage, dass er sich auch von Dietrichs Anmahnung bzgl. der abgelaufenen Redezeit und dass doch auch er sich an die Regeln zu halten habe, nicht einschüchtern ließ und Dietrich entgegnete, „Herr Dietrich, wenn Sie sich mal an alle Regeln halten würden…”.

Daraufhin johlte die Menge und reagierte mit Standing Ovations, womit erstmals an diesem Tag das Gefühl aufkam, dass ernsthafte Chancen bestünden, Dietrich an jenem denkwürdigen Sonntag abwählen zu können. Paradox an Adrions Redebeitrag war, dass er in diesen einstieg mit der Anmerkung, dass er nicht wolle, dass Dietrich abgewählt werde.

Adrions Inhalte goutierte ich nicht einmal zu hundert Prozent, weil Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat doch gerade dabei sind, einige der genannten Punkte abzuarbeiten und sich auch personell breiter aufzustellen.

Dietrich war zu diesem Zeitpunkt schon die Kinnlade heruntergefallen, womit er auch nicht mehr schlagfertig genug war, Adrion genau dies zu entgegnen.

Die Ausführungen hatten, auch wenn einiges schon gesagt und beantwortet war, ein besonderes Gewicht, hat Adrion doch den Blick hinter die Kulissen. Sein Auftritt war derart beeindruckend, dass es nicht wenige gibt, die sich ihn als Dietrich-Nachfolger wünschen.

Als Adrion das Podium wieder verließ, spürte man zum ersten Mal an diesem Tag so etwas wie Stadionatmosphäre. Der Kessel war aufgeheizt, die Dietrich raus Rufe wurden immer lauter.
Dass es zwei Redner später dann zur Farce kam und die Versammlung mangels funktionierendem WLAN abgebrochen werden musste, spottet jeder Beschreibung. Noch bei VfB im Dialog unter der Woche erklärte Wolfgang Dietrich „wir sind kein Chaosklub“ und dann so etwas. Peinlich, dilettantisch, nicht mal zweitligareif präsentierte sich der Club mit den hervorragenden Rahmenbedingungen.

Stunden zuvor rühmte sich Standup-Comedian Stefan Heim noch, Kosten an externen Dienstleistern eingespart zu haben, offenbar am falschen Ende. Wie bereits durchsickerte, die offizielle Bestätigung steht noch aus, verzichtete der VfB auf die Leihe des Hardware-Equipments vom Dienstleister, um Kosten zu sparen, zudem sei das eingerichtete WLAN-Netz lediglich für geschlossene Räume ausgelegt gewesen und nicht fürs Stadion, in dem das WLAN auch an Spieltagen sehr zu wünschen übrig lassen soll. Unentschuldbar, dass für ein solches Szenario kein Plan B existierte.

So wurden wir unverrichteter Dinge nach Hause geschickt und, das unterstreicht das verloren gegangene Vertrauen zur Vereinsführung, nicht wenige vermuteten dahinter die Absicht, die Abstimmung ein anderes Mal, in einer weniger aufgeheizten Atmosphäre, durchführen lassen zu wollen, weil der Ausgang plötzlich ungewisser denn je war.

Wer Wahlkampf und Verunglimpfung der Fans im Trump-Style durchführt, wenn schon die Abstimmung zur Ausgliederung fragwürdig war und viele Geräte „ganz plötzlich“ nicht funktionierten, braucht man sich nicht zu wundern, dass sämtliches Vertrauen über die Jahre verloren gegangen ist.

Noch ein paar Worte zur Mitgliederversammlung an sich, die mich aufgeregt haben. Auf einer Mitgliederversammlung, wo ausschließlich Dunkelrote versammelt sind, erschließt sich es mir nicht, weshalb es dort zum einen reservierte Plätze für die „besseren Dunkelroten“ sowie ein VIP-Bereich für eben diese gibt, in dem Alkohol ausgeschenkt wurde, während das Fußvolk mit alkoholfreiem Bier abgespeist wurde.

Hier fordere ich gleiche Rechte für alle. Wenn man sich schon den ganzen Sonntag für eine solche letztendlich blamable Veranstaltung Zeit nimmt, sollte man es sich auch einigermaßen gut gehen lassen und wenigstens das eine oder andere saure oder süße Radler genießen können.

Auch ist es extrem nervig, wenn man für ein Getränk und eine Wurst JEWEILS gut 20 Minuten anstehen muss, weil nur je zwei Stände für 4.500 Leute geöffnet haben. Persönlich hat es mich auch aufgeregt, dass man keine Rucksäcke hinein nehmen durfte, weshalb ich meinen Rucksack im Auto lassen musste.

Da wir wegen der späten Anreise im hintersten obersten Eck des Parkhauses gerade noch einen Parkplatz ergatterten, war es mir zu späterer Stunde, als die Sonne weg war, zu blöd, aus- und wieder einzuchecken, um ein Jäckchen zu holen. Resultat, eine fette Erkältung, die mit der Grund ist, weshalb ich seit Dienstag immer wieder an diesem Beitrag herumdoktere und stets irgendwann „keinen Kopf“ mehr hatte.

Wenn schon mit einer derart langen Veranstaltung gerechnet werden muss, sollte es gestattet sein, mitnehmen zu können, was man brauchen könnte, zumal im Neckarstadion bei 4.500 Leuten ja kein Platzproblem entsteht, wenn ein Rucksack etwas größer ist. Zudem ist es eine Frechheit, nach Gebrauch des Gutscheins für ein Mineralwasser über 4 Euro berappen zu müssen und sich nicht etwas mitbringen zu dürfen. Abzocke am eigenen Mitglied, schämt Euch!
Des altehrwürdigen VfB unwürdig war sowohl die Organisation als auch das abrupte Ende der Veranstaltung, womit man sich einmal mehr zum Gespött machte, dieses Mal nicht nur in der Fußballwelt, sondern generell.

Wolfgang Dietrich erklärte tags drauf auf Facebook seinen Rücktritt, offenbar ohne vorher den VfB zu informieren. Aufgrund einiger nebulöser Formulierungen hielt ich den Post zunächst für einen Fake und wartete gebannt auf die offizielle Bestätigung des VfB Stuttgart, die gut eine Stunde später erfolgte.

Wie Dietrich sein Amt ausführte und verstand, so las sich auch seine Rücktrittserklärung. Draufhauen auf seine Kritiker ohne eigene Fehler zu benennen oder einzuräumen, so hat man Dietrich in den vergangenen drei Jahren kennengelernt.

Interessant an seinem Rundumschlag, dass er, der stets die Einstimmigkeit im Verein hervorhob, sich darüber beklagt, ihm habe die Unterstützung gefehlt, sich bestimmten Interessen entgegenzustellen.

Sollte der Verein die Ära Dietrich aufarbeiten, wäre es interessant zu wissen, wen Dietrich mit jenen meinte, die „sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.“ Zielt er auf Ex-Spieler ab, die wie die Mücken „unterkommen“ möchten oder auf Spielerberater, die fröhlich ein- und ausgehen, jedoch nur ihre eigenen Interessen im Sinn haben.

Wohltuend in den Tagen danach ist es, wie sehr die meisten Medien die Qualität der Wortbeiträge auf der Mitgliederversammlung loben und die Kritik als berechtigt würdigen.
Da stellt man sich höchstens beiläufig die Frage, weshalb die meisten erst jetzt Dietrichs Amtszeit- und -führung kritisieren und nicht schon lang vorher.

Meist waren es nur die Ultras, Blogs und Podcasts mit vergleichsweise geringer Reichweite, die Missstände und das fehlende Vertrauen in die Vereinsführung anprangerten, die Medien hielten sich oft vornehm zurück.

Die Proteste während der gesamten Amtszeit Dietrichs wurden lang nicht groß thematisiert und schon gar nicht hinterfragt oder verstanden. Erst seit den Enthüllungen über Dietrichs noch bestehende Verstrickungen im Quattrex-Firmengeflecht, veröffentlicht im Kicker im April diesen Jahres, kam Bewegung in die Angelegenheit und der Wind für Dietrich wurde rauer.

Kritiker wurden bis zuletzt als kriminelle Drogensüchtige verunglimpft, die weder Namen noch Gesicht preisgeben. Vielleicht war Dietrich auf der MV auch deshalb so schockiert, weil ihm plötzlich ganz normale Menschen, nüchtern und mitten im Leben stehend, gegenüber standen und ihm die Leviten lasen.

Das oben erwähnte „Weichklopfen“ Dietrichs, man kann es auch als „in die Enge treiben“ formulieren, hört sich zugegebenermaßen hart an. Wenn man sich jedoch die Art und Weise ins Gedächtnis ruft, wie die Vereinsführung bis zuletzt mit Kritikern umgegangen ist und sie diffamiert, Strafanzeigen gegen eigene Fans gestellt hat, an die Ignoranz denkt, mit der Kritiker abgekanzelt wurden, war eine solche Veranstaltung wohl die einzige Möglichkeit „ihn“ loszuwerden.

Dietrich beklagte sich in seiner Rücktrittserklärung über Häme und Hass, dabei war er es doch, der sich lediglich als Prellbock sah, die Kritik inhaltlich an sich abprallen ließ und immer betonte, er halte das aus. Dietrich hätte sich das alles ersparen können, wäre er nach dem Abstieg zurückgetreten.

Nimmt man Kritiker nicht ernst, kommt es auf der Mitgliederversammlung, dem einzigen Vereinsorgan das man hat, um sich Luft zu verschaffen, zur Generalabrechnung. Dort bekam er die Wirkungstreffer ab, die er sich im Laufe seiner Amtszeit und vor allem im letzten Jahr seiner Amtszeit verdient hat! Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen, wie man in den Wald hinein ruft, schallt es zurück!

Nun also ist der Weg frei für einen Neuanfang, wenngleich der VfB weit mehr Probleme hat(te), als „nur“ Wolfgang Dietrich.

Dietrich hatte den öffentlichen Angriff Porths auf Ehrenspielführer Guido Buchwald, aus dem Buchwalds Rücktritt aus dem Aufsichtsrat resultierte, völlig unterschätzt und Porth verteidigt, anstatt einem Vereinsidol, das im Gegensatz zu Porth schon einiges für den VfB geleistet hat, den Rücken zu stärken.

Auch diese Rechnung bekam Dietrich am Sonntag präsentiert, als Guido Buchwald wie ein Hero gefeiert wurde, während Porth bei jeder Erwähnung ein gellendes Pfeifkonzert entgegenschlug.
Um sein Image wieder aufzupolieren, wäre der VfB gut beraten, auch bei der Besetzung von Posten, die dem Investor zustehen, auf eine gute Kinderstube und damit eine bessere Außendarstellung zu achten. Porth, der sich nicht als Kontrollorgan versteht, sondern sich immer wieder auch ins operative Geschäft einmischt, ist spätestens seit dem Vorfall mit Guido Buchwald nicht mehr tragbar.

Kaum ist Dietrich weg, schießen Spekulationen über mögliche Nachfolger ins Kraut. Viele Twitter-User wollen Cem Özdemir ermutigen, für das Amt zu kandidieren, der Schorndorfer Bürgermeister hat sich selbst ins Spiel gebracht, selbst Günther Oettinger bringt sich ins Spiel, „yes, we are all sitting in one boat“. Einen Politiker hielte ich für eine schlechte Idee, soll „der Neue“ doch die Mitgliederschaft wiedervereinen und nicht womöglich in politische Lager spalten.

Da sich zuletzt auch Wirtschaftsbosse auf dem Präsidentensessel als Fehlbesetzung erwiesen haben, könnte ich mir einen Ex-Profi wie Guido Buchwald noch am ehesten für das (repräsentative) Amt vorstellen.

Auch der Name Jürgen Klinsmann schwebt wieder einmal über dem Cannstatter Wasen. Fakt ist wohl, dass Klinsmann allenfalls als (allmächtiger) Vorstandsvorsitzender, nicht aber als Präsident kommen würde. Da Porth ihn bereits öffentlich diskreditiert hat und eine Zusammenarbeit dieser beiden wohl ausgeschlossen ist, würde sich ganz nebenbei ein anderes Problem wohl von alleine lösen, denn, sollte Klinsmann zu bekommen sein, müsste die Daimler AG im Interesse des VfB einen anderen Mann in den Aufsichtsrat entsenden.

Als Vorstandsvorsitzender wäre Klinsmann Vorgesetzter von Thomas Hitzlsperger. Da müsste vorab geklärt sein, ob Klinsmann mit dem von Hitz und Mislintat eingeschlagenen Weg konform ginge, oder er nicht auch dort alles auf Anfang stellen würde.

Hitzlsperger, das spürte man auf der Mitgliederversammlung, genießt das uneingeschränkte Vertrauen der Mitglieder und hat eine echte Chance verdient, den sportlichen Bereich nach seinen (und denen von Sven Mislintat) Vorstellungen umkrempeln zu dürfen.

Die Empathie und Sympathie, die Thomas Hitzlsperger verkörpert, bleiben dem VfB hoffentlich noch lange erhalten. Natürlich wird er auch er am Ende am sportlichen Erfolg oder Misserfolg gemessen werden müssen, aber, noch ist es viel zu früh den Stab darüber zu brechen.

In der Abstiegssaison konnte er nur noch verwalten und weniger gestalten, zumal die von Dietrich vorgegebene Priorität offensichtlich war, Markus Weinzierl nicht entlassen zu wollen, womit Hitz die Hände gebunden waren. Mit der Verpflichtung von Sven Mislintat, Tim Walter, der Neuausrichtung des Kaders und der damit einhergehenden neuen Spielphilosophie beginnt erst seine Zeitrechnung.

Daher wünsche ich mir jemanden an der Spitze, der diesen eingeschlagenen Weg auf sportlicher Ebene mitträgt und ein gutes Händchen mitbringt, Vorstand und Aufsichtsrat der AG neu aufzustellen und mit mehr Sportkompetenz auszustatten. Ob das dann ein Klinsmann wird, der das für unter 5 Millionen Euro jährlich sicher nicht machen würde, oder ein anderer, da bin ich zunächst unvoreingenommen und gespannt, was kommt.

Skeptisch bin ich bei Namen wie Thomas Berthold, der bislang noch nicht bewiesen hat, ob er mehr kann, als nur schlau daher reden. Anhören sollte sich der Vereinsbeirat bzw. die AG natürlich alles, auch, wer alles hinter dem „Team Berthold“ steckt. Meine erste Befürchtung ist eben, dass einer, den man in den letzten Jahrzehnten eher wenig beim VfB gesehen hat, „sich an den gut gefüllten Töpfen des Vereins bedienen“ wollen könnte und die Herkulesaufgabe völlig unterschätzt. Nur, wer dem VfB über die letzten Jahrzehnte nahestand bzw. gut informiert wurde, kennt den Filz und kann einschätzen, wo anzusetzen ist.

Nach der wochenlangen Schlammschlacht, ist es nun an der Zeit, den Fokus wieder aufs Sportliche zu legen. Nächsten Freitag beginnt die Zweitligasaison mit dem Spiel gegen den Mitabsteiger Hannover 96, einer echten Standortbestimmung.

Ich kann es nur immer wieder betonen, wie angetan ich von Thomas Hitzlsperger, Sven Mislantat und Tim Walter bisher bin. Wie zugänglich und diskussionsbereit sie sich präsentieren, wie wenig sie sich im Vergleich zu ihren Vorgängern abschotten, wie es neuerdings menschelt. Das Team finde ich nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend zusammengestellt.

Hungrige entwicklungsfähige Zweitligafußballer, die wissen wie der Hase läuft und die gewillt sind, als Team zusammenzuwachsen sind mir allemal lieber, als Ex-Größen, die ihre besten Tage schon hinter sich haben.

Der Kader Stand jetzt hat für mich das Potential für den direkten Wiederaufstieg. Mit dem einen oder anderen Abgang ist sicher noch zu rechnen. Persönlich bin ich über so gut wie jeden Absteiger froh, wenn er sein Glück woanders versucht. In einigen Fällen dürfte dies eine ordentliche Ablöse bescheren und Gehalt einsparen, während Mislintat die Planstelle(n) mit hungrigem und charakterstarkem Personal neu besetzen könnte, was den Neuanfang beschleunigen könnte. Bitter, dass sich unsere Sturmhoffnung Sasa Kalajdzic gestern bei der Generalprobe gegen den SC Freiburg womöglich schwer verletzt hat, eventuell wird man da noch nachlegen müssen.

Ich bin sehr erleichtert, dass das Thema Dietrich nun vom Tisch ist und dieser neuen Truppe um Tim Walter hundertprozentige Unterstützung zuteil wird. Proteste, die uns die letzte Saison begleitet haben und die bei einem Verbleib Dietrichs in die nächste hinüber genommen worden wären, hätten auf die neue, junge Truppe bestimmt einschüchternd gewirkt. Da ich guter Hoffnung bin, dass auf dem Rasen etwas wächst, freut es mich sehr, dass die Jungs unser Stadion und die Atmosphäre am nächsten Freitag von seiner besten Seite erleben werden.

Ich wünsche es mir und hoffe es sehr, dass die Fangemeinde von nun an wieder zusammenwächst und an einem Strang zieht. Letztlich geht es uns allen doch nur um das Wohl des VfB Stuttgart. Ferner hoffe ich, dass man Tim Walters Spielstil weniger kritisch gegenüber steht wie einst dem von Alexander Zorniger. Dessen offensive Ausrichtung birgt defensiv ähnliche Gefahren, so dass sich unser Torhüter des öfteren eins gegen drei Situationen gegenüber sehen dürfte.

Wichtig ist, dass eine Weiterentwicklung zu erkennen ist und man Geduld hat, bis auch der letzte im Team Walters System verinnerlicht hat. Ein Déjà-vu zu Zorniger befürchte ich dennoch nicht. Zum einen verzeiht die 2. Liga den einen oder anderen Fehler mehr, zum anderen ist die Zeit der Spieler hoffentlich vorbei, die nur von Trainer zu Trainer denken und denen bewusst ist, dass sie nur genug gegen den Strom schwimmen müssen, um den Trainer schnell wieder los zu sein. Der VfB braucht jetzt Kontinuität, dafür drücke ich Tim Walter beide Daumen. Die letzten beiden Tests jedenfalls machen Lust auf mehr, das sieht schon überhaupt nicht mehr nach dem VfB der letzten Jahre aus. Ballbesitz, Ballstafetten und schön herausgespielte Tore, wann hat man das zuletzt gesehen?

Bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Dezember stehen wir nun ohne (gewählten) Präsidenten da. Da der VfB auch ohne Dietrich voll handlungsfähig ist und in einem Sportverein noch immer das Geschehen auf dem Platz das Wichtigste ist, hoffe ich, dass sich die Medienlandschaft bis zum Ligastart kommende Woche beruhigt und nicht tagtäglich neue Säue fürs Präsidentenamt durchs Dorf getrieben werden.

Etwas problematisch finde ich die Verlautbarung, dass der im Dezember gewählte Präsident nur bis zum Ende der regulären Amtszeit Wolfgang Dietrichs gewählt werden soll. Wer lässt sich darauf ein, den Übergangspräsidenten zu spielen?

Nichtsdestotrotz darf sich der VfB bis zur Wahl eines neuen Präsidenten kein Führungsproblem andichten lassen. Den sympathischsten VfB der jüngeren Vergangenheit erlebten wir zwischen dem Amtsantritt Jan Schindelmeisers und der Wahl Wolfgang Dietrichs, als sich kein Präsident ins Tagesgeschäft einmischte und Transferclous, wie der von Benjamin Pavard, gelangen.

Christian Prechtl hat es auf der Mitgliederversammlung richtig angemerkt, dass, wenn die Strukturen und Rahmenbedingungen doch so hervorragend sind, es nicht sein könne, dass alles zusammenbreche, wenn Dietrich nicht mehr auf seinem Stuhl sitzt. Dem ist nichts hinzufügen, ich bin sehr erleichtert, dass „Er“ weg ist!

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