30. Juni 2010

Thomas Müller im Porträt

Der Raum als Spielwiese

Nicht Mittelfeld, nicht Sturm. Mal schlitzohrig, mal grundsolide. Thomas Müller ist ein Typ, der schwer zu fassen ist. Genauso wie sein Spiel. Beim 4:1 gegen England im WM-Achtelfinale sorgte der 20-Jährige mit zwei Toren für Furore. Es wird garantiert nicht das letzte Mal gewesen sein.

Uli Hoeneß hat ja jetzt das Internet entdeckt. Der Bayern-Präsident hat sich jahrelang erfolgreich gegen das neue Medium gewehrt, hatte nicht mal einen Rechner in seinem Zimmer an der Säbener Straße. Jetzt nutzt Hoeneß aber das Vehikel des World Wide Web, um eine fesche Bratwurst-Burger-Geschäftsidee an den Mann und vielleicht auch die Frau zu bringen. Hoeneß forciert sogar das Stilmittel des aggressiven viralen Marketings, er ist voll eingestiegen in die Materie.

“Auch ohne Müller gut genug”

Ein ziemlicher Sinneswandel für einen Prinzipienreiter wie den 58-Jährigen, der vor einem halben Jahr noch nahezu undenkbar war. Aber vor einem halben Jahr hatte Hoeneß ja auch noch Dinge gesagt wie jene hier: “Da schießt einer mal drei Tore und soll dann gleich in die Nationalmannschaft. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: ‘Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.’ Die Nationalelf ist auch ohne ­Müller gut genug.”

Ein typischer Hoeneß. Immer in weiser Voraussicht, immer besorgt um seine jungen Spieler, immer wie ein gestrenger, aber auch gerechter Vater, der seinem pubertierenden Sohn den Besuch der Disco verbietet. Aus reiner Fürsorge und um nichts zu überstürzen. Aber wahrscheinlich wusste auch Hoeneß damals noch nicht, mit wem er es bei diesem Thomas Müller genau zu tun hat.

Von der D-Jugend zu den Profis

Seit zehn Jahren spielt Müller für die Bayern. Vom Rekordmeister wurde er ausgebildet, er gehört jener Generation von Spielern an, die in den Genuss hervorragender Förderung kamen, seit der DFB nach dem desaströsen EM-Aus 2000 endlich ein Umdenken in der Talentsichtung und -förderung angeleiert hatte.

Vor knapp einem Jahr holte ihn Louis van Gaal aus der zweiten Mannschaft zu den Profis. Schon nach wenigen Trainingseinheiten hatte der Niederländer das Potenzial gesehen, das in Müller schlummert und das seine Idee des neuen Bayern-Spiels mit einer wichtigen Facette anreichern würde.

“Auch wenn Ribery und Robben beide fit sind – Müller wird bei mir immer spielen”, hatte van Gaal in der Hinrunde gesagt. Da durchschaute aber noch nicht jeder den Plan des Trainers.

Ein gefährlicher Schleicher

Zumal van Gaal selbst da noch mächtig unter Druck stand, nachdem die Bayern zweimal gegen Girondins Bordeaux verloren hatten und vor dem Aus in der Champions League standen. Müller flog damals in Bordeaux nach zwei ungestümen Attacken vom Platz, was van Gaals stures Ansinnen noch unglaubwürdiger erscheinen ließ. Aber der Trainer sollte Recht behalten und Müller seinen Weg machen. Im wahrsten Sinnes des Wortes.

Denn wie der sich auf dem Platz bewegt, ist die eigentliche Sensation neben den Hard Facts wie Toren oder Vorlagen. Müller ist gewitzter als gestandene Abwehrreihen, wenn er sich in deren Rücken in die Lücken schleicht.

Im Spurt über 40 Meter macht er dann die Strecke, um einen eigentlich harmlosen Einwurf 30 Meter vor dem Tor in eine veritable Torchance zu verwandeln, weil er gedankenschneller reagiert und hinter die feindlichen Linien marschiert. Dieser kühle Witz gepaart mit einem ungeheuren Gespür für Spielsituationen macht Müller so wertvoll.

Wie Litmanen bei Ajax

Van Gaal hatte bei seiner ersten erfolgreichen Station bei Ajax Amsterdam einen ähnlich veranlagten Spieler. Jari Litmanen war der heimliche Star unter den Overmars, Seedorfs, de Boers oder Kluiverts. Kein Mittelfeldspieler und kein Stürmer. Eine Zwitterform ohne klar definierten Arbeitsplatz in einem System, das genau diesen Typus Spieler benötigt.

“Ich bin taktisch gut ausgebildet worden und sehe, was auf dem Platz abläuft. Ich bin nicht so viel am Spiel beteiligt, habe nicht so viele Ballkontakte. Aber ich kann geduldig auf den richtigen Moment warten und suche mir die Situationen aus, wenn es Richtung Tor geht. Ich will im richtigen Augenblick zur Stelle sein”, verriet Müller im Gespräch mit SPOX. “Ich kann mir im Rücken der Gegner das Spiel anschauen und meine Lücken suchen, um anspielbar zu sein.”

Der Raum als Spielwiese

Das setzt eine Menge Spielverständnis und Antizipationsfähigkeit voraus, besonders bei einem erst 20-Jährigen. Das Gefühl für die Spielsituation hat er aber einfach in sich.

“Man kann so etwas auch in der Jugend lernen, wenn einem gesagt wird, wo man am besten wann hinläuft. Aber letztlich kommt es doch von innen. Es ist wohl ein Talent, das man hat”, sagte er nach dem 4:1 gegen England in Bloemfontein.

Müller ist kein Dribbler wie Cristiano Ronaldo und er ist auch nicht der gnadenlose Vollstrecker wie sein berühmter Namensvetter Gerd, der aus Nichts zwei Tore machen konnte. “Das 3:1 kann man auch halten und beim 4:1 – wer den nicht macht, der hat in der Nationalmannschaft nichts verloren”, kommentierte er seine beiden Treffer gegen England nüchtern und durchaus selbstkritisch.

Seine Spielwiese sind die knappen Räume, die er entweder mit einem seiner Läufe für die Mitstreiter öffnet oder aber im Vollsprint mit Leben füllt. Und er hat ein tolles Timing für den Pass im richtigen Moment.

Bald bester Nachwuchsspieler der WM?

Sechs Scorerpunkte, aufgeteilt auf je drei Tore und drei Assists, stehen bei der WM zu Buche. Der Titel des besten Nachwuchsspielers des Turniers wird wohl Müller gehören. Die Nationalmannschaft würde auch ohne ihn noch existieren, so viel steht fest. Aber man kann sich derzeit nur schwer vorstellen, dass sie auch gut genug ohne ihn wäre.

Joachim Löw hat für seine Vorstellung des deutschen Offensivspiels den perfekten Spieler gefunden. Im März durfte Müller dann doch – Hoeneß’ mahnenden Worten zum Trotz – zum ersten Mal im DFB-Dress auflaufen. Argentinien siegte 1:0, Deutschland war im Prinzip ohne Chance.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel saß Müller dann bereit, um die Fragen zu seinem Debüt in seinem Stadion in München zu beantworten. Diego Maradona erkannte das neue Gesicht der Deutschen nicht und scheuchte ihn vom Podium. Vermutlich wird auch Diegito mittlerweile von Müllers Existenz erfahren haben

(spox.com)

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Achtelfinale Spiele 7+8

Paraguay bejubelt erstes WM-Viertelfinale

Paraguay hat sich mit einem 5:3 im Elfmeterschießen gegen Japan erstmals für ein WM-Viertelfinale qualifiziert. Vor 35.000 Zuschauern im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria gingen die 120 Spiel-Minuten torlos zu Ende. Beiden Teams war die Anspannung deutlich anzumerken, so dass kaum Chancen herausgespielt wurden. Den entscheidenden Strafstoß verwandelte Benfica-Torjäger Oscar Cardozo. Nach dem Abpfiff ließen etliche Japaner die Tränen freien Lauf, der recht gefasste Trainer Takeshi Okada kündigte seinen Rücktritt an: “Es gibt nichts mehr für mich zu tun.” Am Samstag um 20.30 Uhr trifft nun Paraguay auf Spanien.

Ronaldos peinlicher Abgang

Europameister Spanien steht nach einem 1:0 (0:0)-Sieg gegen Portugal im WM-Viertelfinale und trifft dort am Samstag auf Paraguay. Das Siegtor für die Mannschaft von Vicente del Bosque erzielte David Villa (63.) mit seinem vierten Turniertor aus Abseitsposition. Vor 62.000 Zuschauern in Kapstadt war Spanien die bessere Mannschaft und steht verdient in der Runde der letzten Acht. Die Seleccao musste die erste Niederlage nach 19 Spielen einstecken.

Die Gurke des Spiels:

Cristiano Ronaldo. Der potentielle Superstar der WM ist ausgerechnet gegen die Nationalmannschaft seiner Wahlheimat tief gefallen. Ronaldo konnte zu keinem Zeitpunkt Akzente setzen und war bei den wenigen portugiesischen Offernsivaktionen außen vor. Es gab in den letzten drei Jahren wohl kein Spiel, bei dem Ronaldo derart unsichtbar war. Immerhin ließ er sein Team nicht im Stich und ackerte fleißig in der Defensive.

(spox.com)

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29. Juni 2010

Der Meister des Umbruchs

Irgendwann stößt die von Bundestrainer Joachim Löw beschworene Hochgeschwindigkeitstaktik auch an ihre Grenzen. Zwischen Tür und Angel schickte sein Spieler Thomas Müller während eines Fernsehinterviews bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika einfach mal Grüße an die Großeltern nach Deutschland – so viel Zeit muss sein. Was aber nichts daran ändert, dass der 20 Jahre alte Müller, der beim 4:1-Achtelfinalsieg über England gleich zweimal traf, das personifizierte deutsche Spielsystem darstellt: schnell, frech und unberechenbar.

Spätestens seit dem Viertelfinaleinzug staunt die Fußballwelt über die deutsche Mannschaft – allerdings weniger über die Tatsache, dass die DFB-Elf die Runde der letzten Acht erreicht hat, sondern über das mitreißende Wie. Dabei ist es lediglich eine Überraschung, dass die jüngste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten ihr Potenzial bereits in Südafrika voll ausschöpft und nicht – wie frühestens erwartet – bei der Europameisterschaft in zwei Jahren. Der von Löw verordnete Tempofußball scheint auch die Entwicklung der jungen Spieler ungemein zu beschleunigen.

Vorbild für einen geglückten Umbruch

Die Geburt des neuen deutschen Fußballs findet aber nicht zur Stunde in Südafrika statt, sie liegt bereits zwei Jahre zurück. Joachim Löw hat aus der EM und dem gegen Spanien verlorenen Finale das richtige Fazit gezogen: So geht es nicht weiter. Während seine Vorgänger nach einer Endspielteilnahme keinerlei Grund gesehen hatten, etwas zu ändern, machte Löw einen personellen und taktischen Schnitt und schob so den oft praktizierten Schlafwagenfußball aufs Abstellgleis. Fortan orientierte er sich am Europameister Spanien, der mit einem jungen, schnellen und kombinationssicheren Team den Titel geholt hatte.

2008 hat der Bundestrainer den notwendigen Positionswechsel verordnet, den er bereits ein paar Jahre zuvor als Assistent und Klinsmann-Flüsterer dezent in die Wege geleitet hatte. Aus dem oberlehrerhaft daherkommenden Fußball-Deutschland wurde so ein lernwilliger Schüler. Im Moment ist die Nationalmannschaft dabei, dieser Rolle auch schon wieder zu entwachsen. Schließlich sehen viele andere Länder in der DFB-Auswahl bereits das Vorbild für einen geglückten Umbruch.

Vor allem in den einstigen europäischen Vorzeigeländern Italien und Frankreich dürfte das jetzt viel zitierte “Neue Deutschland” auf große Beachtung stoßen. Schließlich erleben der noch amtierende Weltmeister und der Vizeweltmeister gerade die fußballerische Stunde null. Beide Teams stellen nach dem Vorrunden-Aus nur noch Trümmerhaufen dar – weil ihre Trainer Marcello Lippi und Raymond Domenech zu lange an satten Stars festgehalten haben.

Matthias Sammer steht schon lange als Löws Nachfolger bereit

Doch auch das deutsche Nationalteam steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem noch nicht klar ist, ob Joachim Löw über die Weltmeisterschaft hinaus im Amt bleibt. Mittlerweile würde der DFB-Chef Theo Zwanziger viel dafür tun, den Bundestrainer zum Weitermachen zu bewegen. Das war vor der WM nicht unbedingt der Fall, nachdem eine vorzeitige Vertragsverlängerung auch an Indiskretionen aus Verbandskreisen gescheitert war.

Erschwerend kommt hinzu, dass der aussichtsreichste Kandidat für die potenzielle Löw-Nachfolge nicht überzeugend ist. Der DFB-Sportdirektor Matthias Sammer steht schon lange bereit. Doch seine Ernennung zum Bundestrainer würde einen Rückschritt bedeuten. Sammers Philosophie basiert auf den altdeutschen Fußballtugenden Kampf, Einsatz und Wille. Diese Merkmale sind im Spitzenbereich mittlerweile aber lediglich noch Grundvoraussetzungen. Fast wünschte man sich deshalb, der deutsche Höhenflug würde nicht ganz so weit führen. Zum einen sähe Löw seine Mission dann noch nicht als abgeschlossen an, zum anderen schleichen sich auf höchstem Niveau oft gravierende Fehler ein – wie die Beispiele Frankreich und Italien zeigen.

(STZ online)

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Achtelfinale Spiele 5+6

Robben trifft! Niederlande im Viertelfinale

Die Niederlande haben den Sprung ins Viertelfinale geschafft. Das Team von Trainer Bert van Marwijk bezwang die Slowakei mit 2:1 (1:0). Vor 61.962 Zuschauern in Durban brachte Arjen Robben die Elftal in Führung (18.). Wesley Sneijder sorgte in der 84. Minute für die Entscheidung. Robert Vittek gelang in der Nachspielzeit lediglich der Ehrentreffer (90.+4). Die Niederländer, die mittlerweile seit 23 Partien unbesiegt sind, treffen nun im Viertelfinale auf den Sieger der Partie Brasilien gegen Chile.

Selecao siegt fast schon weltmeisterlich

Brasilien hat im Achtelfinale der WM 2010 Chile mit 3:0 (2:0) bezwungen und steht damit zum fünften Mal in Folge bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale. Die Tore für die Selecao erzielten Juan (35.), Luis Fabiano (38.) und Robinho (59.). Brasilien trifft in der Runde der letzten Acht am Freitag (16 Uhr) auf die Niederlande. Vor 54.096 Zuschauern im Johannesburger Ellis Park verpasste das ersatzgeschwächte Chile hingegen den ersten Viertelfinal-Einzug seit 1962. Damals war man im eigenen Land bis ins Halbfinale vorgestoßen. Auf Seiten der Brasilianer sah Felipe-Melo-Ersatz Ramires die zweite Gelbe Karte und fehlt damit gegen die Niederlande.

(spox.com)

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28. Juni 2010

Müller schießt England ab


Deutschland setzte sich im Klassiker gegen England eindrucksvoll mit 4:1 durch und setzte damit ein ganz dickes Ausrufezeichen. Wieder einmal war es ein geschichtsträchtiges Spiel, in dem Klose mit der brasilianischen Fußball-Legende Pele gleichzog, England erstmalig vier Tore gegen Deutschland kassierte, aber auch vom Schiedsrichter benachteiligt wurde – außerdem spielte sich Thomas Müller bei der Gala-Vorstellung ins Rampenlicht.

Bundestrainer Joachim Löw brachte Klose, der beim 1:0 gegen Ghana Gelb-Rot-gesperrt gefehlt hatte, wieder von Beginn an. Cacau musste wegen einer Bauchmuskelzerrung passen. Die angeschlagenen Schweinsteiger (muskuläre Probleme) und Boateng (Wade) wurden rechtzeitig fit. Englands Coach Fabio Capello hingegen setzte auf exakt dieselbe Elf, die 1:0 gegen Slowenien gewonnen hatte.

Der gegenseitige Respekt war beiden Mannschaften von Beginn an anzumerken. So tasteten sich die Kontrahenten in der ersten Viertelstunde weitestgehend ab und waren hauptsächlich auf Fehlervermeidung bedacht. Das aktivere und spielerisch bessere Team war dabei die DFB-Auswahl. Allerdings fehlte es den Löw-Schützlingen zunächst an Zug zum Tor, so dass Özils Chance vom rechten Fünfereck, die James in der vierten Minute parierte, lange Zeit die einzige ernsthafte Möglichkeit des dreifachen Weltmeisters war.

Doch auch von den Engländern, die stark über die Physis kamen und in den Zweikämpfen sehr präsent waren, kam offensiv kaum etwas. Dies lag vor allem an zahlreichen Fehlpässen und ideenlosen Angriffsversuchen. Meist ging es durch die Mitte, während über die Außen nahezu nichts kam. In der 20. Minute leitete schließlich ein präziser Abstoß von Neuer die Führung ein: Der Ball landete bei Klose, der in seinem 99. Länderspieleinsatz Upson abschüttelte und aus zehn Metern ins rechte untere Eck einnetzte (20.). Der Bayern-Stürmer stand beim Zuspiel zwar im Abseits, allerdings existiert dieses laut Reglement bei Abstoß, Ecke und Einwurf nicht. Folglich gab an seinem 50. Länderspieltreffer und seinem 12. WM-Tor nichts zu mäkeln. Zugleich zog Klose damit in der ewigen Torjägerliste bei Weltmeisterschaften mit Brasiliens Fußball-Legende Pele nach Treffern gleich.

Die “Three Lions” reagierten rasch und intensivierten ihre Angriffe. Hierdurch eröffneten sich Freiräume für die deutschen Akteure, die teils mit sehenswerten Kombinationen bei Kontern weiter die besseren Gelegenheiten kreierten. In der 31. Minute scheiterte Klose aber noch an James, während es nur eine Minute später Podolski besser machte. Müller bewies tolle Übersicht und passte über Johnson hinweg nach links zum Kölner, der aus spitzem Winkel James tunnelte und ins rechte Eck einschoss.

Deutschland schien alles in der Hand zu haben, doch England schaffte noch den Anschlusstreffer: Gerrard flankte von rechts in die Mitte, wo Mertesacker und Boateng Upson nicht angingen. Der Innenverteidiger stieg hoch und köpfte aus fünf Metern unter die Latte ein. Auch Neuer sah dabei nicht wirklich gut aus. Nur eine Minute später fiel sogar noch das 2:2! Lampard zog aus 17 Metern ab. Das Leder prallte an die Unterkante der Latte und klar hinter die Linie, von dort erneut an die Latte und anschließend in die Arme von Neuer. Zum Glück für das DFB-Team verweigerte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay den klaren Treffer, so dass die Löw-Elf mit der knappen 2:1-Führung in die Pause gehen durfte.

Ohne personelle Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel, dafür mit einer DFB-Elf, die sich zu weit nach hinten zurück zog und weite Teile des Feldes den Engländern überließ. Diese nahmen das Angebot an und näherten sich durch Milner (48.) und Gerrard (49.) dem gegnerischen Gehäuse an. Kurz darauf hatte Lampard mit einem gewaltigen Freistoß aus 35 Metern erneut Pech, als das Leder nur an die Oberkante der Latte knallte (52.).

Der Druck der Briten wurde von Minute zu Minute größer, während Deutschland nur noch selten für Entlastung sorgen konnte. Allerdings stellte sich die deutsche Abwehr zusehends besser auf die wütenden Angriffe der Engländer ein und sorgte schließlich in 67. Minute vor die Vorentscheidung. Bei einem Freistoß waren die “Three Lions” zu weit aufgerückt und wurden eiskalt ausgekontert: Müller passte auf Schweinsteiger, der Johnson austanzte und zum mitgelaufenen Youngster zurückpasste. Müller vollendete schließlich aus 15 Metern halbrechter Position fulminant ins kurze Eck.

Nur zwei Minuten danach hätte Müller sein Torekonto ausbauen können, dieses Mal zielte er aber ein Stück zu weit nach rechts. In der 70. Minute machte es Müller wieder besser: Bei einem Konter ließ Özil Barry ganz locker stehen, drang dann in den Strafraum ein und legte quer zu Müller – 4:1. England zeigte sich danach geschockt, nichts war mehr vom zuvor an Tag gelegten Offensivdrang zu sehen. Deutschland hatte nun keine Mühe mehr, die Begegnung zu kontrollieren. Neuer bekam nur noch einmal etwas zu tun: Zehn Minuten vor dem Ende hatte Gerrard aus 14 Metern gegen den Schalker-Keeper das Nachsehen. Das war dann aber auch die letzte nennenswerte Aktion der Partie.

Deutschland trifft nun am kommenden Samstag, den 3. Juli um 16.00 Uhr in Kapstadt im Viertelfinale auf Argentinien, das Mexiko mit 3:1 ausschalten konnte – eine Neuauflage der WM 2006!

(kicker.de)

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