15. April 2018

Fucking VfB-Gen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 16:12

Spätestens seit der Wolf-Entlassung haben wir unseren alten VfB wieder. Hatte man unter Schindelmeiser und Wolf noch das Gefühl, die beiden würden den Verein auf links drehen und hatte man bei den meisten (Personal-)Entscheidungen den Eindruck, diese erfolgten zukunftsweisend und einem Plan folgend, kam mit Korkut ein Trainer, dessen beste Referenzen gewesen zu sein schienen, dass er in Cannstatt wohnt und sofort verfügbar war.

Zugegeben, der Start unter Korkut verlief verheißungsvoll. Binnen kürzester Zeit mutierten wir von einem Abstiegskandidaten gar zu einem Europaleague-Aspiranten. Mit einem gewissen Ehrgeiz und mehr Galligkeit wäre Platz sieben durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Doch, Stichwort „alter VfB“, die Selbstzufriedenheit machte sich schneller wieder breit, als man gucken konnte. Einige Herren hielten es nach einem beachtlichen Zwischenspurt für angebracht, die Füße hochzulegen und, nachdem der Klassenerhalt so gut wie erreicht war, die Saison für beendet zu erklären. Dieses Minimalistendenken wird dem Verein wohl erst gänzlich ausgetrieben sein, wenn auch der Letzte der Ära Gentner seine Schuhe an den Nagel gehängt hat oder wenigstens seine ach so glorreiche Karriere in einer Operetten-Liga ausklingen lässt.

Dass ein Trainer stoisch an immer den gleichen 12, 13 Leuten festhält, die es ihm auf dem Rasen schon lange nicht mehr danken und andere wiederum trainieren können wie sie wollen und doch keine Chance erhalten, solang die Platzhalter einsatzbereit sind, ist für mich im Mannschaftssport Gift und jetzt schon wieder der Anfang von seinem Ende.

Bis die Stunde der Edelreservisten schlägt, werden die Guten den Verein frustriert verlassen haben und die Anderen den Trainer, der sie so lang links liegengelassen hat, im Regen stehen lassen, wenn er denn mal aufgrund von Personalmangels auf sie angewiesen sein sollte.

Auch da wünsche ich mir einen wie Hannes Wolf zurück, bei dem kein Automatismus auftrat, der Spieler nach herausragenden Trainingswochen mit Einsätzen belohnte und nach Länderspielpausen genau hinsah, wer in welcher Verfassung zurückkehrte und ob andere nicht doch frischer sind. Dass Wolf zuletzt glücklos war, sei dahingestellt. Er schaffte es aber, die Spannung hochzuhalten und jedem im Kader das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein und dass alle stets bereit sein mussten, könnte ihre Stunde doch jederzeit schlagen.

Gerade jetzt, wo einige im Kader wieder denken, einen Schritt weniger machen und sich nicht mehr neunzig Minuten lang konzentrieren zu müssen, müsste der Trainer dazwischen grätschen und genau hinsehen, wer in einer Saisonphase, in der es vermeintlich um nichts mehr geht, bereit ist, sich zu quälen. Ich schreibe, „vermeintlich um nichts mehr geht“, weil es natürlich noch um sehr viel geht. Jeder Tabellenplatz besser ist bei der Verteilung der Fernsehgelder Millionen wert, aber das scheint in die Hohlköpfe so manchen Spielers nicht hineinzugehen oder es ist ihnen egal, so lang ihr Gehalt auch weiter pünktlich auf dem Konto ist.

Ich bin übrigens keiner derer, die eine Europaleague-Qualifikation als zu früh angesehen hätten und den Spielern damit schon im Voraus ein Alibi für eine schlechte nächste Saison gegeben hätten. Europa kann nie zu früh kommen! Uns Fans würden internationale Touren eine schöne Abwechslung vom tristen Ligaalltag bescheren, dem Verein wären eine bessere Wahrnehmung über die Landesgrenzen und damit bessere Vermarktungschancen gewiss. Unter diesem Gesichtspunkt handeln diejenigen, die diese Saison seit geraumer Zeit einfach nur noch austrudeln lassen, höchst vereinsschädigend.

Korkut scheint das alles egal zu sein, schwadroniert er auch gestern wieder von der Ziellinie, die er bei vierzig Punkten sieht, und welche erst noch überschritten werden müsse. Nicht genug damit, dass wir es mit einem Haufen von Minimalisten auf dem Rasen zu tun haben, auch der Trainer ist mit dem Erreichen des Minimalerfolges zufrieden, so dass wir uns schon jetzt auf die restlichen vier Spiele freuen dürfen, in denen das Ziel vorgegeben zu sein scheint, noch ein Pünktchen zu ergattern, um endlich die in Stein gemeißelten vierzig Punkte unser Eigen nennen zu können.

Korkut setzt nach wie vor auf „Altbewährtes“ und traut sich nicht, das vermeintlich so erfolgreiche Ensemble, das die Gegner regelmäßig an die Wand gespielt hat, zu ändern. Die Verfassung seiner Lieblinge ist da völlig egal, Hauptsache das ach so stabile Gerüst wird nicht gesprengt. Dabei bleibt ihm leider verborgen, dass der Korkut-Code geknackt und sein Glück aufgebraucht ist. Es gibt wohl derzeit kein Team in der Liga, das leichter auszurechnen ist als der VfB. Ein guter Trainer erkennt das und überrascht sein Gegenüber dann auch mal mit taktischen oder personellen Kniffen, nicht so Korkut, der lieber auf Holz klopft und hofft, dass das Glück weiterhin hold sein möge.

Nicht nur die Startaufstellungen gleichen sich bis auf Nuancen immer, auch bei den Auswechslungen hat man den Eindruck, diese stünden bereits vorher fest und seien nicht dem Spielverlauf oder der Müdigkeit des einen oder anderen Protagonisten geschuldet. Diesbezüglich fühle ich mich in schlimmste Labbadia-Zeiten zurückversetzt.

Wieso nimmt er auch gegen Hannover Thommy, den Torschützen und einzigen wirklichen Kreativspieler raus und bringt den deutlich formschwächeren und langsameren Özcan? Und wenn ich Thommy schon auswechseln muss, weshalb nicht gegen Donis, der durch seine Schnelligkeit bei den sich bietenden Konterchancen Gold hätte wert sein können? Was hat Donis verbrochen, dass er seit dem Wolfsburg-Spiel überhaupt keinen Einsatz mehr zu verzeichnen hatte?

Weshalb muss immer Thommy weichen und nicht beispielsweise Ginczek, der ab Minute fünfzig regelmäßig platt wirkt? Traut sich da einer an vermeintlich größere Namen nicht heran? Ist es Dankbarkeit derer gegenüber, die Wolf abgeschossen, sich dann unter Korkut zunächst zusammengerissen und ihm zu einem Traumstart verholfen haben? Ist es Zufall, dass der VfB mittlerweile Woche für Woche die älteste Startelf seit zwölf Jahren aufbietet? Wo ist der Jugendstil geblieben, wo die Nachhaltigkeit, wo der Plan für die Zukunft? Wie vor dem Abstieg auch, graut es mich gewaltig vor der nächsten Saison, weil (noch) nichts darauf hindeutet, dass sich das Gesicht (und damit auch die Mentalität) der Mannschaft entscheidend verändern wird.

Zunächst wurden beim gestrigen Spiel Konterchancen, bei denen Insúa als unser vorderster Spieler fungierte, leichtfertig verschenkt um, je näher es auf das Spielende zuging, immer weniger am Spiel teilzunehmen, Bälle nur noch blind nach vorne zu schlagen und somit um den Ausgleich zu betteln.

Dieser fiel dann auch folgerichtig in der Nachspielzeit und war schon allein deshalb verdient, weil der VfB sich den Sieg durch zu viel Passivität nicht verdient hatte. Der eine oder andere wird vielleicht jetzt noch wegen dem späten Ausgleich rumheulen und den Fußballgott verfluchen, für mich bekam der VfB genau das, was er sich durch seine mitunter destruktive Spielweise selbst zuzuschreiben hatte.

Ob sich der VfB einen Gefallen damit getan hat, den jungen und erfrischenden VfB unter Hannes Wolf gegen den biederen unter Korkut einzutauschen, wird man sehen. Fallen Blätter, fallen Trainer, derzeit kann ich es mir nicht vorstellen, dass Korkut zum Jahreswechsel noch VfB-Trainer ist.

Ich möchte jetzt nicht den Stab über den Trainer brechen. Nach Wolf, der das Team so böse intellektuell überfordert hatte, hätte wohl jeder kommen und kurzfristigen Erfolg gehabt. Bestimmte Spieler sind das Problem, nicht der Trainer. Diese haben die Macht und wenn vermeintliche Führungsspieler den Daumen für einen Übungsleiter senken, muss dieser eben gehen, so ist das Geschäft. Trennt man sich von diesen Spielern nicht über kurz oder lang, befinden wir uns wieder in genau der Endlosschleife, in der wir schon vor Hannes Wolf gefangen waren.

Noch kann ich nichts darüber sagen, für welchen Fußball Tayfun Korkut steht und wie er sich sein Team der Zukunft vorstellt. Übernimmt man mitten in der Saison und hat weder eine Vorbereitung noch eine Transferphase, ist ein Trainer zum Verwalten der Missstände verdammt und kann wenig beeinflussen. Daher wird es im Sommer interessant sein zu beobachten, ob er gewillt ist, die wirklichen Probleme konsequent und ohne Sorge um sein Standing im Team zu beheben oder ob es ihm, wie einem Politiker, in erster Linie darum geht, die „wichtigen“ Leute hinter sich zu scharen, um an seinem Sessel zu kleben. Der Hausmacht, die einige Leute haben und die es ihnen erlaubt Trainer um Trainer zu verschleißen, muss ein Ende gesetzt werden. Korkut oder sein Nachfolger benötigen dafür im Verein die Unterstützung und den Rückhalt, welche Schindelmeiser und Wolf nicht gegeben war. Dürfen sich weiter Spieler „oben“ ausweinen und Trainer weg mobben, wenn sie ihren Status als gefährdet ansehen, wird sich beim VfB nie etwas ändern.

Es gilt, dieses unsägliche VfB-Gen loszuwerden, welches immer dann im Weg steht, wenn die Möglichkeit bestünde, den nächsten Schritt zu gehen. Diese Selbstzufriedenheit kotzt mich an.

Manch einer beweihräuchert sich wohl noch immer selbst, weil man in der Vorwoche beim 0:3 in Dortmund eine halbe Stunde gut mitgespielt hat. Doch, wie sah das gut mitspielen denn aus? War es nicht etwa so, dass man sich gegen einen maximal verunsicherten Gegner an Ballbesitz ergötzte, ohne das gegnerische Tor auch nur einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen? Ohne dass der gegnerische Torwart auch nur einmal eingreifen musste? Ist es schon das, nach dem wir streben, dass wir den Ball in den eigenen Reihen halten, den eigenen Torwart mehr ins Spiel einbeziehen als unsere Stürmer und damit zufrieden sind, dass in dieser Zeit Dortmund auch nichts gemacht hat?

Fußball ist Ergebnissport, unterm Strich stand ein 0:3, mit dem man noch gut bedient war, wenn der erste (echte) Torschuss erst gegen Ende der Partie zu verzeichnen war, als man schon aussichtslos zurück lag.

Holger Badstuber prangerte die Missstände hinterher an und bekam in den einschlägigen Foren und Facebook-Seiten ordentlich Prügel dafür. Was erlaubt sich schon einer, der (ehrlich) kommuniziert, dass er wieder Championsleague spielen möchte und der VfB daher nur eine Durchgangsstation für ihn sein könnte? Einer, bei dem die eigene Leistung an diesem Tage auch zu wünschen übrig ließ?
So der Tenor im Netz. Dass Badstuber in einem Formtief steckt und, wie Zieler, maßgeblich mitverantwortlich für das gestrige Gegentor waren, geschenkt. Beider Wert in dieser Saison ist nicht hoch genug einzuschätzen, etliche Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Daher empfinde ich es als ungerecht, auf die beiden, oder, um zum Thema zurückzukehren, Holger Badstuber einzudreschen. Selbst, sollte es bei einem einjährigen Intermezzo beim VfB bleiben, handelte es sich um eine Win-Win-Situation und beide Seiten hätten stark voneinander profitiert.

Ich hätte gerne ein Team mit elf Typen vom Schlage eines Holger Badstuber. Während viele ihn wegen seiner Bayern-Zeit und dem implementierten Bayern-Gen verfluchen, ist er für mich, zumindest wegen Letzterem, so wertvoll. Das fucking VfB-Gen habe ich oben beschrieben, das Bayern-Gen ist das krasse Gegenteil davon und äußert sich darin, dass Badstuber einer ist, der nicht verlieren kann und den Niederlagen extrem nerven.

Mir ist ein ehrgeiziger Spieler wie Badstuber tausend Mal lieber als der selbstgefällige Rest, der schon damit zufrieden ist, im Westfalenstadion nicht ganze neunzig Minuten an die Wand gespielt worden zu sein, sondern „nur“ sechzig.

Außer der Generalkritik, dass man leichtfertig die Chance zu punkten liegengelassen habe, wird Badstuber auf kicker.de wie folgt zitiert: “Wir müssen den nächsten Schritt machen, auch fußballerisch. Nur lange Bälle zu spielen, ist nicht das, was Sinn macht, und was unsere Entwicklung sein sollte. Irgendwann müssen wir mehr spielen. Aber das ist ein Prozess und kommt mit Erfolgen und positiven Ergebnissen.” Für mich klingt das nicht so, als ob Badstuber mit dem VfB abgeschlossen habe und eine Ausweitung seines Engagements ausgeschlossen sei. Eher im Gegenteil, wenn er kurz vor Saisonende eine weitere Entwicklung erwartet, kann er ja fast nur die kommende Saison meinen. Mit solchen Erwartungen setzt Badstuber zweifellos Reschke und die Vereinsführung unter Druck. Diese muss jetzt Farbe bekennen, auf welche Seite sie sich schlägt. Setzt man auf ehrgeizige Spieler mit Klasse oder auf jene vermeintlichen hundertprozentigen VfBler, weichgespült und mit dem fucking VfB-Gen behaftet.

Einem Spieler wie Badstuber, das unterstelle ich einfach mal, geht es bei einer Vertragsverlängerung mit dem VfB nicht ausschließlich um Geld. Sollte ein wirklich großer und ambitionierter Verein bei ihm anklopfen, ist es klar, dass der VfB schlechte Karten hätte. Aufgrund seiner Verletzungshistorie und seines Alters aber werden solche Vereine nicht Schlange stehen. Daher dürfte es Badstuber um die Perspektive seines künftigen oder weiteren Arbeitgebers gehen. Reschke und Dietrich werden Badstuber glaubhaft aufzeigen müssen, wie sie sich den VfB der kommenden Saison vorstellen und welche Rolle Badstuber zugedacht ist. Klingt das alles dann nicht nach einem ausgeklügelten und realistischen Plan sondern eher nach einem „weiter so“, dürften die Zeichen sicher auf Abschied stehen, wer will es ihm dann aber auch verdenken?

Auf die letzten vier Saisonspiele habe ich schon jetzt keine große Lust mehr. Wie immer freue ich auf das Drumherum und die vielen Weggefährten bzw. Leidensgenossen, nicht aber auf die trostlosen Veranstaltungen auf dem Rasen. Die Saison plätschert ihrem Ende entgegen, in einer schwachen Liga reichen größtenteils schwache Darbietungen zum sicheren Klassenerhalt, was nicht für den deutschen (Liga-)Fußball spricht.

Zum Schluss noch die Erklärung, weshalb ich mich auf meinem Blog zuletzt sehr rar mache. Es hat nichts damit zu tun, dass mir zum VfB nichts mehr einfallen würde, sondern schlicht und ergreifend, dass ich seit August aufgrund von Krankheit Einzelkämpfer im Geschäft bin und abends nur noch selten einen Kopf zum schreiben habe. Auf Facebook unter https://www.facebook.com/frankysstadionpics/ gebe ich öfter ein Statement ab als im Blog, liken und reinschauen lohnt sich also.

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