30. Januar 2010

Im Aufwind: Die Jungen und der Wilde

Im 101. Jahr ihres Bestehens präsentiert sich die Dortmunder Borussia so jugendlich wie selten zuvor und auch äußerst erfolgreich. In der Bundesliga hält Schwarz-Gelb Fühlung zu den Champions League-Rängen

und vor allem zum ungeliebten Reviernachbarn Schalke. Die inoffizielle Ruhrgebietsmeisterschaft ist in dieser Saison somit wieder geprägt vom Spitzenfußball, von der sportlichen Rivalität zweier Traditionsvereine, die beide zurückkehren wollen zu alter Größe. Dortmund setzt hierbei auf eine junge, hungrige Mannschaft, in der noch viel Entwicklungspotenzial steckt. Toptalente wie die längst in der Innenverteidigung gesetzten Neven Subotic und Mats Hummels lassen angesichts ihrer routinierten Spielweise oft vergessen, dass sie beide erst Anfang 20 sind. An ihrer Seite, der linken wohlgemerkt, hat U21-Europameister Marcel Schmelzer gar Leistungsträger und Publikumsliebling Dede verdrängt. In Mittelfeld und Angriff geben Youngster wie Sven Bender, Eigengewächs Nuri Sahin oder den bekennenden BVB-Anhänger Kevin Großkreutz den Takt vor.

BVB-Trainer Jürgen Klopp verstand es hervorragend gerade diese jungen Spieler in ein stabiles Mannschaftsgerüst einzubauen, das ihnen Sicherheit gibt, aber auch genügend Freiraum lässt, um ihre Stärken voll auszuspielen. Zu Klopps persönlichen Stärken zählt indes die immense Leidenschaft, mit der er seinen Beruf lebt. Genau diese Leidenschaft brach jüngst auch beim Auswärtssieg in Köln heraus. Zunächst wurde
der gebürtige Bad Cannstatter vom Unparteiischen wegen unbotmäßigem Verbalverhalten an der Seitenlinie auf die Tribüne  verbannt, von dort setzte er zu einem Siegesjubellauf an wie ihn die Liga wohl noch nie zuvor gesehen hat: Unaufhaltsam, wild und mitreißend – eben genauso wie sein Team auf dem grünen Rasen, das sich seit Wochen im Aufwind befi ndet. Einer der mit Sicherheit ebenfalls seinen Anteil am neuen Schwung der Borussen hat, ist Stürmer Lucas Barrios, genannt „La Pantera“, auf Deutsch: der Panther. Anfangs in der Bundesliga ob einiger vergebener Großchancen noch belächelt, treibt er heute seinen Gegenspielern
regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn. Neun Treffer und drei Vorlagen stehen für den Argentinier bis dato zu Buche. In Jürgen Klopps 4-2-3-1-System übernimmt Barrios die Rolle der zentralen Stoßspitze, hinter ihm wirbelt meist Nelson Valdez, der prächtig mit Barrios harmoniert. Überhaupt scheint dieser Tage so gut wie
alles zu stimmen beim Ballspielverein Borussia, der sich anschickt über kurz oder lang wieder auf Titeljagd zu gehen.

Top Facts

1 Nur gegen Werder Bremen mussten die Borussen in ihrer Bundesliga-Geschichte mehr Niederlagen hinnehmen als gegen den VfB, der bislang 37 Siege gegen Schwarz-Gelb einfuhr.
2 Mit Sven Bender im Team hat Dortmund noch nicht verloren. In elf Spielen mit dem Sommerneuzugang von 1860 München gab es neun Siege und zwei Unentschieden für die Klopp-Elf.
3 In den letzten vier Heimspielen gegen Dortmund holte der VfB nur vier von zwölf möglichen Zählern.
4 In der Bundesliga durfte die Gross-Elf zuletzt drei Siege in Serie feiern. Das gab es für den VfB zuletzt im Mai 2009. Der BVB hat sogar seine letzten sechs Begegnungen allesamt gewonnen, was zuletzt im vergangenen
Frühjahr gelang, als man sogar sieben Mal in Folge siegreich blieb.
5 Insgesamt ist das Klopp-Team seit zwölf Partien unbesiegt (neun Siege, drei Remis). Dies gelang den Bierstädtern innerhalb einer Saison zuletzt in der Meistersaison 2001/02 (damals 13).
6 Jens Lehmann gehört zum Kreise derer, die in ihrer Karriere sowohl für den FC Schalke als auch dessen großen Rivalen Borussia Dortmund aufliefen und zu den wenigen Spielern, die mit beiden Mannschaften einen
Titel gewinnen konnten. Außerdem erzielte er am 19. Dezember 1997 beim 2:2 im Revierderby ein legendäres Kopfballtor, das das erste Feldtor eines Torhüters in der Bundesliga überhaupt war.
7 Sieben der letzten acht Tore erzielten die Borussen noch vor dem Pausenpfiff.
8 BVB-Keeper Marc Ziegler begann seine Bundesligakarriere auf dem Wasen, wo er von 1995 bis 1999 41 Einsätze im Trikot mit dem roten Brustring absolvierte.

Gesamtbilanz:

83 Spiele, 37 VfB-Siege, 19 Unentschieden und 27 BVB-Siege, bei einem Torverhältnis von 140:124 für
den VfB Stuttgart.

Heimbilanz des VfB gegen BVB:  25 VfB-Siege, 8 Unentschieden und 8 Heimniederlagen bei einem Torverhältnis von 84:47 für den VfB Stuttgart.

(Stadion Aktuell;vfb.de)

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