2. Februar 2010

Der VfB ist wieder da!

Das Jahr 2010 läßt sich ja für den VfB super an. Drei Spiele, drei Siege, mehr geht nicht. Nichts erinnert mehr an den tristen Herbst 2009, wo wir uns hilflos eine Niederlage nach der nächsten abholten und schließlich bis zum 17. Platz durchgereicht wurden. Die Inthronisierung von Christian Gross entpuppt sich immer mehr zum Glücksfall. Er hat es geschafft, der Mannschaft wieder ein Gesicht zu geben, ihr wieder Teamspirit einzuhauchen. Die Spieler sind ja größtenteils die gleichen, nur die Einstellung auf dem Platz ist anders geworden. War in der Vorrunde noch viel zu wenig Bewegung im Spiel, kann die Mannschaft jetzt plötzlich wieder doppeln, Räume zumachen und Überzahl in Ballnähe schaffen. Dadurch gelingt es wieder, und das ebenfalls ohne echten 10er, Überraschungsmomente zu schaffen und sich Torchancen zu erarbeiten.

In der Verfassung, in der sich die Mannschaft befand, war es wichtig, einen erfahrenen und autoritären Trainer zu holen, vor dem die Spieler Respekt haben. War Babbel noch der Kumpeltyp, der keinem “seiner Jungs” richtig böse sein konnte, ist jetzt ein Trainer da, mit dem in Konflikten sicher nicht gut Kirschen essen ist. Der gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste seine Linie durchzieht, natürlich immer im Sinne des Erfolges. So haben wir natürlich auch einige Härtefälle zu beklagen, die nach dem Trainerwechsel außen vor sind. Außer den bereits abgegebenen Elson und Thomas Hitzlsperger, auch bspw. Cacau und Kuzmanovic. Sie alle spielten seit dem Trainerwechsel keine Rolle mehr oder eben nur eine Nebenrolle. Aber wer möchte schon die Personalentscheidungen des Trainers kritisieren, angesichts des derzeitigen Erfolges. In der Situation, aus der wir kommen, muß sich eben jeder einzelne unterordnen im Sinne des großen Ganzen. Ich hoffe, dass die Spieler, die derzeit außen vor sind, dies auch so sehen und ihre Chance, wenn sie denn kommt, nutzen. So wie Zdravko Kuzmanovic am Sonntag gegen Borussia Dortmund, dem man anmerkte, dass er das Spiel an sich reißen wollte.

Diesen Kampfgeist hätte ich mir auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht. Ob er mit Lazio Rom jetzt das große Los gezogen hat, wird man sehen. Beim VfB wäre es schwer geworden, in die Stammmannschaft zu kommen, wenn man die Leistungen von Christian Träsch und Sami Khedira im defensiven Mittelfeld Woche für Woche sieht. Auch Kuzmanovic wird gegen Nürnberg nicht automatisch in die Mannschaft kommen, nur weil er gegen Dortmund die Wende einleitete. Da gilt es Ausdauer zu bewahren und sich so aufzudrängen, dass kein Weg mehr an ihm vorbei führt. Die größeren Chancen für ihn derzeit, wie ich sie im übrigen auch für Hitz gesehen hätte, sehe ich auf der Außenbahn, wo weder Gebhart noch Hilbert unantastbar sind. Hleb auf der anderen Seite ist seit dem Trainerwechsel wieder mit ansteigender Form anzutreffen, auch wenn ihm regelmäßig nach 60 Minuten die Puste ausgeht. Bei dieser Personalie wird Gross am Ball bleiben und weiterhin genau hinschauen, wie professionell sich Hleb auf und außerhalb des Platzes verhält. Im Gegensatz zur Vorrunde hat man bei Aleks Hleb aber mittlerweile auch den Eindruck, dass er wieder in die Spur kommen möchte. So tut es gut zu wissen, dass er noch reichlich Potenzial nach oben hat.

Gewinner des Trainerwechsels sind sicherlich Celozzi, Gebhart, Hilbert, Pogrebnjak und Marica. Vor allem unsere beiden Stürmer sind ja nicht wiederzuerkennen. Die ackern und rackern 90 Minuten und strahlen dabei noch Torgefahr aus. Ein Marica, der bis zum Trainerwechsel gerade mal sechs Bundesligatore zustande brachte, erzielte unter Gross’ Ägide bereits vier Treffer. Dass Gross ihm großes Vertrauen gibt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er mittlerweile die Elfmeter schießen darf. Schade, dass er gegen Dortmund nur die Latte traf (der Elfer hätte im übrigen wiederholt werden müssen, weil Ziegler weit vor der Linie stand!). Dennoch steckte er nicht den Kopf in den Sand und rackerte unermüdlich weiter, so dass ihm kurz vor Spielende das entscheidende 3:1 gelang. Dabei spekulierte er wie ein echter Goalgetter auf ein Mißverständnis der beiden Dortmunder Verteidiger, guckte noch den Torwart kaltschnäuzig aus und versenkte die Kugel überlegt. Es war genau dieser Marica, der noch im Herbst beim Pokal-Aus in Fürth mit besten Chancen nichts anzufangen wußte. Pavel Pogrebnjak wird auch  immer wertvoller. Entscheidend beteiligt am Eigentor von Santana, holte er schließlich mit einem Klasse-Solo den Freistoß heraus, der zum 2:1 führte. Auch er ist inzwischen ein ständiger Unruheherd in den gegnerischen Abwehrreihen.

Marica, Pogrebnjak und Hleb werden von einigen Zeitungen, in Anlehnung an unser magisches Dreieck, russisches Dreieck genannt, da sie sich auf dem Platz auf russisch verständigen. Cacau, der zuletzt auch verletzt war, hat es sicherlich auch schwer, in die Mannschaft zurück zu kommen. Auch er sollte Ruhe bewahren und sich nicht ausschließlich auf die WM fokussieren. Die Rückrunde ist lang und seine Chance wird kommen. Es kommen Sperren, möglicherweise Verletzungen oder auch Spiele, in denen es nicht so rund läuft und nach denen Gross doch mal etwas verändern möchte. Derzeit hat er keinen Grund dazu. Verfluchten wir am Anfang der Saison die übertriebene Rotation, dürfen wir uns nun über Kontinuität freuen.

Einen Gewinner hätte ich fast noch vergessen. Das dürfte aus meiner Sicht Sven Ulreich sein, der seine Sache als Lehmann-Vertreter sehr gut gemacht hat. Gewinner deshalb, weil sich Gross für ihn und gegen Alex Stolz ausgesprochen hat. Nach den von ihm gezeigten Leistungen hätte ich keine Bauchschmerzen mehr, mit ihm als Nummer 1 in die nächste Saison zu gehen. Nicht mehr deshalb, weil ich nach seinen Einsätzen als Ersatz für Schäfer kein großes Vertrauen in ihn gehabt hätte. Die zwei Jahre mehr an Erfahrung und das tägliche Training mit Jens Lehmann haben aber sichtlich gefruchtet. Einem echte VfBler, der seit 10 Jahren im Verein ist, könnte man durchaus einmal das Vertrauen schenken.

Nicht nur wegen der momentanen Erfolge bin ich von Christian Gross sehr angetan. Es ist spürbar wieder Zug drin, unter Babbel zuletzt plätscherte es nur noch dahin. Auch nach Siegen erinnert Gross gleich an die gezeigten Schwächen, dass ja keiner auf die Idee kommt, sich ausruhen zu wollen oder zu meinen, es wäre schon etwas erreicht worden. Kommt man jetzt zum Training werden Spielformen trainiert und hin und wieder auch mal ein Testspiel für unter der Woche angesetzt, um weiter an der Mannschaft feilen zu können. Bei Babbel standen Gymnastik und Laufen im Vordergrund. Als die Bayern Klinsmann entließen und erst Heynckes, danach Van Gaal präsentierten, fand ich es lächerlich, wie sehr sie herausstellten, endlich wieder einen Fußballlehrer zu haben. Jetzt kann ich sie sogar verstehen, in diese Richtung denke ich nämlich auch, wenn ich Babbel und Gross vergleichen möchte. Babbel ist ein Lehrling, Gross einer, der schon viel erlebt hat in seiner Trainerlaufbahn und daher sofort begriffen hat, woran es hapert und wo angesetzt werden muß.

Ob es jetzt ein Verdienst von Horst Heldt oder von Christian Gross ist, dass erstmals seit langem die Gehaltsliste durch einige (auch teure) Abgänge entlastet wurde, sei dahin gestellt. Für mich ist es nicht zufällig, dass dies ausgerechnet jetzt geschieht. Es könnte daran liegen, dass Gross Spielern, auf die er nicht unbedingt baut, keine Illussionen macht. Dass er Bastürk und Simak nicht ins Trainingslager mitnahm, war sicher ein Zeichen für beide, dass es hier eher ungemütlich für sie werden könnte, und ein Signal sich lieber einen anderen Verein zu suchen.

Hitzlsperger verließ den Verein bekanntlich aus anderen Beweggründen. Über die Art und Weise, wie das vonstatten ging, dass vom VfB kein einziges Wort des Bedauerns kam, das vielleicht noch eine gemeinsame Zukunft in Aussicht gestellt hätte, dass vor, während und nach dem Dortmund-Spiel kein einziges Wort über unseren ehemaligen Kapitän fiel, hat mich menschlich enttäuscht. Hierüber und über HItz’ Zeit in Stuttgart schreibe ich demnächst einen separaten Bericht.

Das Wochenende hat es für uns in sich. Am Freitag sind wir am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli-Karlsruher SC, am Samstag dann in Nürnberg beim Spiel des Glubb gegen unseren VfB. Hoffentlich geht der Aufwärtstrend weiter, hoffentlich legt sich der Herr Schäfer selbst ein paar Eier ins Netz. Dass er das kann, hat er in seiner Stuttgarter Zeit oft genug bewiesen.

Bilder und Berichte der beiden Spiele kommen voraussichtlich am Sonntag oder Montag.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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