Mit langen Schritten eilte Ciprian Marica nach seiner Einwechslung aufs Spielfeld, es galt schließlich keine Zeit zu verlieren. Noch blieben ein paar Minuten Zeit, um die drohende Niederlage zu vermeiden. Und das dafür notwendige Engagement zeigte nicht nur Marica. Allein: es nutzte alles nichts. Die Schlussphase verstrich – und mit ihr die Hoffnung, die auf den späten Ausgleich.
Mit 1:2 (0:0) hat der VfB Stuttgart am Freitagabend beim FC Schalke verloren und damit die Chance verpasst, endgültig in den Kampf um einen Platz im Europapokal einzugreifen. Während die Schalker zumindest bis Samstag die Tabellenführung übernommen haben, droht der Mannschaft von Christian Gross nun eine Restsaison im tabellarischen Niemandsland. Gross hatte seine Elf im Vergleich zum 2:2 in Bremen auf zwei Positionen umgebaut.
Frühzeitig klar war, dass für den gesperrten Matthieu Delpierre auf Schalke Georg Niedermeier in die Innenverteidigung rücken würde. Die andere Änderung ergab sich kurzfristig, da Stefano Celozzi wegen einer Erkältung ausfiel. Christian Träsch rückte für ihn auf die rechte Verteidigerposition und machte damit im zentralen Mittelfeld Platz für Zdravko Kuzmanovic. Ricardo Osorio, gelernter Außenverteidiger, blieb trotz des Ausfalls von Celozzi auf der Bank – darf sich aber immerhin damit trösten, dass Villarreal Interesse an seinen Diensten zeigt.
Träsch zeigte auf rechts, dass er der Abwehr mehr Sicherheit und dem Spiel nach vorne mehr Impulse geben kann als Celozzi. Wie zuletzt häufig war es aber zunächst die linke Seite, über die der VfB Druck machte. Cristian Molinaro und Alexander Hleb haben sich dort zu einem prächtig harmonierenden Gespann entwickelt und sorgten auch diesmal für die erste gefährliche Szene: Nach einem Zuspiel Hlebs wurde der Schuss von Molinaro im letzten Moment abgeblockt (5.).
Mit gefährlichen Aktionen war es danach jedoch vorerst vorbei. Der VfB war die aktivere Mannschaft und häufiger am Ball – schaffte es aber nicht, sich gegen die Schalker Abwehr, die beste der Liga, entscheidend durchzusetzen. Und die Hausherren, auch im eigenen Stadion gewohnt defensiv eingestellt, beließen es ihrerseits bei eher zaghaften Angriffsversuchen.
So neutralisierten sich auf dem sehr schwer bespielbarem Platz beide Teams lange Zeit im Mittelfeld, bis der VfB kurz vor der Pause doch noch zu zwei dicken Torchancen kam: Erst scheiterte Pawel Pogrebnjak an Manuel Neuer (35.). Und nur eine Minute später war der Schalker Schlussmann erneut auf dem Posten, als es Kuzmanovic nach einem schönen Hleb-Pass mit einem Heber versuchte. “Da hätten wir konsequenter unsere Chancen nutzen müssen. Das kann sich in so einem Spiel rächen”, sagte der VfB-Manager Horst Heldt in der Pause.
Nur ein paar Sekunden dauerte es nach Wiederbeginn, bis sich Heldt in seiner Befürchtung bestätigt sah und der eingewechselte Edu die Schalker in Führung schoss. Bedanken durfte sich der Angreifer bei Serdar Tasci, der beim Versuch zu klären, den Ball aufgelegt hatte. Es spricht für den Verteidiger des VfB, dass er sich durch den Fehler nicht aus dem Konzept bringen ließ. Im Gegenteil: vier Minuten später war es Tasci, der zum Ausgleich einköpfte.
Die Freude allerdings währte nicht lange. Weitere fünf Minuten später geriet der VfB erneut in Rückstand – und wieder patzte die Hintermannschaft. Nach einem Freistoß klappte die Abseitsfalle nicht, Heiko Westermann stand frei und bediente Kevin Kuranyi, der den Ball über die Linie drückte. Energisch drückte der VfB anschließend auf den Ausgleich – die Mühen jedoch wurden nicht belohnt.
Nach dem Spiel blieben die Stuttgarter im Ruhrgebiet – und richteten den Blick bereits auf das Spiel in Barcelona. In Dortmund bittet Gross seine Team am Samstag zu einem Geheimtraining, bei dem Standardsituationen einstudiert werden sollen – und Spione aus Spanien unerwünscht sind.
FC Schalke 04:
Neuer – Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann – Matip (46. Baumjohann) – Kluge (85. Moritz), Rakitic, Schmitz -Farfán (46. Edu), Kuranyi
VfB Stuttgart:
Lehmann – Träsch, Tasci, Niedermeier, Molinaro – Kuzmanovic, Khedira – Gebhart (73. Rudy), Hleb (81. Marica) – Pogrebnjak, Cacau
Schiedsrichter:
Wagner (Hofheim)
Zuschauer:
61.673 (ausverkauft)
Tore:
1:0 Edu (46.), 1:1 Tasci (50.), 2:1 Kuranyi (55.)
Gelbe Karten:
Höwedes (2), Rafinha (7) / Niedermeier (1), Tasci (8)
(STZ online 14.3.10)

