14. Oktober 2010

Wir sind nur ein Klepperlesverein!

Der Tagesaktualität geschuldet machte ich mich gestern doch auf zum ersten Training unter dem von der VfB-Führung beförderten Heilsbringer Jens Keller. Ich hatte schon Hoffnung, dass ein kleiner Fan-Aufstand stattfinden würde und die Oberen ihr Fett abbekommen. Leider war dem nicht so. In den Foren wurde also doch mal wieder nur heiße Luft abgelassen, der keine Taten folgten. Vielleicht war auch die Kürze der Zeit ein Problem, das es vor allem den zahlreichen auswertigen Anhängern unmöglich machte, ihren Unmut zu zeigen.

Auch, nachdem ich mich seit gestern ein wenig abreagiert habe, bin ich fassungslos über die Geschehnisse rund um meinen VfB.

Wenn ich einen ausgewiesenen Fachmann und Erfolgstrainer verpflichte und eine gewisse Kontinuität in den Laden reinbringen möchte, dann bereite ich als Vorstand ihm das Feld und lasse zu, dass er sich Vertrauenspersonen an seine Seite stellt. Sei es ein Co-Trainer, der ihm loyal und zuverlässig zuarbeitet und sei es ein Manager, mit dem er auf einer Wellenlänge funkt. All das hat die Vereinsführung von Anfang nicht zugelassen. Sie bestimmte Jens Keller, ein bis dato in der Fußballlehrerszene unbeschriebenes Blatt, zum Assistenten, ob Gross wollte oder nicht. Sie machte Bobic zum Manager, der von seinem Naturell und seinen Ansichten schon nicht zu Gross passte, wie es sich herausstellte. Auch ich plädierte für Bobic als Sympathieträger, kannte aber natürlich die Internas nicht.

Zu guter Letzt ließ man Gross noch im Regen stehen, als er den ganzen Sommer über warnte, dass man den personellen Aderlass nicht adäquat kompensiert hat.

So hatte Gross an allen Fronten zu kämpfen und es verwundert nicht, dass ihm da die Lösungsansätze fehlten. Er kann sich nicht hinstellen und sagen, “der Fisch stinkt vom Kopf”. Ihm wäre es als vereinsschädigendes Verhalten ausgelegt und mit einer fristlosen Kündigung ohne Abfindungsansprüche geahndet worden. Also mache ich das für ihn!

Möchte der VfB langfristigen und nachhaltigen Erfolg anstreben, muss dringend in der Vereinsführung umgedacht werden. Einen Grüß-Gott-Onkel wie Erwin Staudt benötigen wir überhaupt nicht an der Spitze, wenn offensichtlich nur Aufsichtsratschef  Dieter Hundt die Strippen zieht. Den könnte man also ohne irgendeinen sichtbaren Nachteil wegrationalisieren oder durch einen in sportlichen Belangen kompetenten Fachmann ersetzen. Über Dieter Hundt und seine Art mit den Angestellten im Verein umzugehen, möchte ich mich an dieser Stelle überhaupt nicht äußern. Nur so viel: ich hoffe auf massive Fanproteste in den nächsten Wochen und darauf, dass auch er irgendwann von selbst den Hut nimmt, bevor er vom Hof gejagt wird.

Das Grundproblem beim VfB ist einfach, dass jeder “starke Mann” früher oder später an den antiquierten Vorstellungen und Handlungsweisen unseres Vorstands scheitert. War es Rüssmann, oder Magath, Sammer und jetzt Gross. Alle scheiterten bzw. verzweifelten, weil die Führung noch immer wie bei einem Klepperlesverein aufgestellt ist. Ohne Fachverstand, ohne Bezug zu den Erfordernissen im Fußballgeschäft im 21. Jahrhundert. Diese Herren lassen sich von Fachmännern nichts raten bzw. sagen und deshalb wird der VfB wohl auf immer und ewig ein Klepperlesverein bleiben.

Gross hat man vom Hof gejagt, jetzt kommt Keller mit Kramny, seinem alten Spezi. Keller ist bei mir von Anfang untendurch, weil er auf der gestrigen Pressekonferenz gegen Gross nachgetreten hat. Er hätte Fehler im Training gesehen, Gross wäre aber nicht darauf eingegangen…. Typ Besserwisser und sicher nicht der loyale Co-Trainer, den sich ein Gross gewünscht hat. So und sicher noch deutlicher hat er es bestimmt auch dem Fredi erzählt, um an wenig an Gross’ Stuhl zu sägen und seiner Beförderung näher zu kommen. Babbel hats ja auch vom Co-Trainer-Dasein zum Chef-Trainer geschafft. Schlechter Stil sage ich nur. Wie auch von Bobic, der bei Gross keine Lösungsansätze gesehen hat, meine Meinung dazu siehe oben.

Meiner Meinung nach hätte es der Mannschaft an den Kragen gehen sollen. Disziplinlosigkeiten gehören bestraft und sanktioniert, aber dafür muss eben der Vorstand zum Trainer stehen. Wenn sich jetzt Tasci und Boulahrouz öffentlich über Gross beklagen, frage ich mich, was erlaube… ? Die Mannschaft war es doch, die plötzlich keine Leistungsbereitschaft mehr an den Tag gelegt hat und durch Unkonzentriertheiten und Faulheit auf dem Platz uns erst in die schwierige Situation gebracht hat. Hier hätte man ansetzen und den ein oder anderen auf die Tribüne setzen sollen. Diese Probleme hat Gross sicher erkannt. Aber wenn der Vorstand und der Manager ihn nicht unterstützen, was soll er machen? Und richtig gefährlich wird es, wenn sich Spieler (vielleicht auch der Co-Trainer?) beim Vorstand und beim Manager noch ausweinen dürfen und dort Gehör finden. Dann hat ein Trainer meist schon verloren.

Momentan ist es mir noch ziemlich gleichgültig, was auf Schalke abgeht. Verschießt uns der Huntelaar, wie ich es befürchte? Dann bestätigt es mich in der Einschätzung, dass wir in diesem Jahr einfach eine Klasse schlechter sind, als in der letzten Saison. Rennen die Burschen aber um ihr Leben und reißen dort etwas, zeugt das vom Charakter dieser Truppe und wäre ein Beweis, dass sie sehenden Auges den Trainer abgeschossen haben.

Beides würde mich nicht freuen, ich bin nur enttäuscht über diese Leute und hoffe auf einen baldigen grundlegenden Personalwechsel auf allen Ebenen. Dennoch, ich bin dabei, Bilder und ein Bericht vom Schalke-Spiel folgen.

So long, viele Grüße

Franky

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