16. September 2012

Muss man sich schon Sorgen machen?

Auch nach dem dritten Bundesligaspieltag 2012/2013 steht der VfB ohne Sieg da. Auch im zweiten Heimspiel dieser noch jungen Saison steht auf der Haben-Seite, was die „Torausbeute“ angeht die Null. Hat sich die Kreativabteilung schon zuvor nicht gerade mit Ruhm bekleckert, hat diese ohne die personifizierte Torgarantie Vedad Ibisevic diese Bezeichnung überhaupt nicht verdient. Bei allem Respekt für die Düsseldorfer Defensivarbeit: wenn es schon gegen den Aufsteiger nicht gelingt, deren Abwehr zu überwinden, gegen wen soll es dann funktionieren? Same procedure as every year. Der VfB kommt einmal mehr schwer in die Gänge und beschwört durch dieses Laissez-Faire die nächste Krise und womöglich Trainerdiskussion hervor. Unter Labbadia hat man sich als VfB-Fan ja daran gewöhnt, dass dessen Fußball eher selten vergnügungssteuerpflichtig ist. Wenn am Ende aber die Ergebnisse nicht mehr stimmen und man ein ums andere Mal einen Grottenkick über sich ergehen lassen muss, dann hört irgendwann einmal auch für den hartgesottensten Fan der Spaß auf. Bei mir hat Labbadia nach wie vor einen Stein im Brett, da er unterm Strich seit seinem Wirken eine gute Bilanz hat und vor allem in der vorletzten Saison den Karren aus dem Dreck zog, als uns viele schon abgeschrieben hatten. Dennoch erschließt sich mir seine Philosophie nicht so ganz. Wir betreiben eigentlich immer einen immensen Aufwand beim Spiel gegen den Ball, nur, es kommt nichts dabei raus. Was bringt es, im Mittelfeld voll drauf zu gehen, Bälle zu erkämpfen, wenn man auf der Doppel-Sechs zwei Leute hat, die mehr den Quer- oder Rück-, als den Steilpass bevorzugen. Was bringt es, wenn die mühsam erkämpften Bälle durch technische Unzulänglichkeiten oder schlechtes Antizipieren sofort wieder weg sind?

Es wird immer vom Stuttgarter Weg gesprochen, den ich in der Theorie auch unterstütze. Es liest sich ja durchaus positiv, dass der VfB nur das Geld ausgibt, das er auch sicher eingenommen hat. Es liest sich auch positiv, dass man als Junioren-Rekordmeister vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen möchte, anstatt Durchschnittskicker für viel Geld aus dem Ausland zu verpflichten. Soweit die Theorie! Die Praxis aber sieht so aus, dass auch gestern wieder kein einziger der Jungen Wilden auf der Bank saß. Diese Entwicklung war mir fast schon klar, als selbst im Pokal beim Sechstligisten Falkensee-Finkenkrug keiner der von unserer zweiten Mannschaft hochgezogenen Jungs Spielpraxis erhielt. Es ist ja nicht gerade so, dass die Stammbelegschaft restlos überzeugen würde. Als junger Spieler würde ich mir an dieser Stelle wirklich Gedanken machen, ob hier beim VfB überhaupt eine reelle Chance besteht, sich ins Team zu spielen. Dennoch sehe ich dies momentan auch als zweischneidige Angelegenheit: An der Leistung gemessen wäre momentan so ziemlich jeder in der ersten Mannschaft austauschbar, Ulle und Ibisevic vielleicht einmal ausgenommen. Ich denke, einen größeren Stiefel als die Etablierten würden die Holzhausers, Stögers und Rüdigers auch nicht herunter kicken. Andererseits, junge Spieler die ins kalte Wasser geschmissen werden, brauchen auch Führung, gestandene Spieler, an denen sie sich aufrichten können und die ihnen den Weg weisen, in Phasen, in denen es nicht so läuft. Und da sehe ich beim VfB momentan Niemanden. Es scheint jeder genug mit sich selbst zu tun zu haben, gegen den Negativlauf stemmt sich keiner so richtig. Deshalb auch das vorhin erwähnte „Laissez-Faire“. In solchen Phasen schwelge ich gerne mal in Erinnerungen und denke an Günne Schäfer oder auch z. B. Fredi Bobic zurück, die einfach auch zur gegebenen Zeit mal Zeichen setzten.

Jetzt gilt es am Donnerstag gegen Steaua Bukarest einen guten Start in die Europa League hinzulegen und etwas Selbstvertrauen zu tanken für die nächsten Spiele. Am Sonntag ist der VfB zu Gast bei Werder Bremen. Ob es da gelingt, den Bock umzustoßen, ehrlich gesagt, ich bezweifle es. Die Bremer scheinen, im Gegensatz zum VfB, bereits richtig in der Saison angekommen zu sein, auch wenn sie ihre beiden Auswärtsspiele („mit wehenden Fahnen“) verloren haben. Dieses Spiel, wird seit langem mal wieder ein Bundesliga-Auswärtsspiel sein, das ich verpassen werde. Sonntag, 17.30 Uhr und dann diese Entfernung, fanunfreundlicher geht es wohl kaum!

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