26. August 2013

Rien ne vas plus, Bruno

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 20:14

Bilder von der Niederlage in Augsburg sind jetzt online. Nach einer desolaten Vorstellung beim Abstiegskandidaten hatten die Vereinsoberen ein Einsehen und erlösten Labbadia von dem Bösen (Stuttgarter Umfeld). Meiner Ansicht nach viel zu spät, krebste der VfB doch spätestens seit dem fast so miserablen Start in der Vorsaison von Krise zu Krise, von Debakel zu Debakel, von Blamage zu Blamage.

In diesem Zeitraum gelang ein sehr gutes Spiel, nämlich das 5:1 in Bukarest, also so etwas wie ein lichter Moment. Fast alle anderen Spiele waren mehr schlecht als recht. In der Europa League stolperte man durch die Gruppenphase, die man trotz Heimniederlage gegen den internationalen Top-Club Molde FK aufgrund der Schützenhilfe von Steaua Bukarest überstand. Da wir in der Vorsaison offensichtlich das Losglück gepachtet hatten erwischten wir mit dem KRC Genk für das Sechzehntelfinale die denkbar lösbarste Aufgabe, die wir trotz Heim-Remis meisterten. Hannover scheiterte am Öl-Oligarchen-Club Machatschkala, Leverkusen an Benfica Lissabon, Mönchengladbach an Lazio Rom, gegen die wir eine Runde später ebenfalls die Segel streichen mussten, und schon waren wir das deutsche Team, das in der Europa League am weitesten kam. Meiner Meinung nach kein Grund, sich etwas darauf einzubilden.

Im DFB-Pokal zogen wir nach Pflichtsiegen in Babelsberg gegen Falkensee-Finkenkrug, sowie Heimspielen gegen St. Pauli, den 1. FC Köln, VfL Bochum und den SC Freiburg ins Pokalfinale in Berlin ein. Das DFB-Pokalfinale ist immer ein Highlight und dabei sein ja bekanntlich alles. Danke dafür. Richtig etwas darauf einbilden hätten wir uns nur etwas können, wenn wir den Pott in den Berliner Nachthimmel stemmen hätten können. Gegen die übermächtigen Bayern kam der VfB nach dem 0:3 zwar zurück und verkürzte noch auf 2:3, mehr war aber nicht drin. Auch das ist kein Grund in Euphorie auszubrechen, jüngst kamen wir auch in Mainz und Augsburg zurück und haben trotzdem null Punkte auf dem Konto! Dennoch reichte diese Finalniederlage, um auch in dieser Saison an der Europa League teilzunehmen, allerdings nur deshalb, weil die Bayern in der Champions League spielen. Sportlich qualifiziert haben wir uns nicht!

Die Bundesligasaison war sowieso ohne Worte, Platz zwölf, fußballerische Magerkost, lediglich fünf Heimsiege, dazu Blamagen gegen die Bayern, Hoffenheim, Hannover, Freiburg, Düsseldorf, Bremen, Augsburg. Es schien gerade so, das Team ließe kein Fettnäpfchen aus und der Trainer habe keine Mittel diesem Treiben und der Unordnung auf dem Platz entgegen zu wirken.

Trotz dieser Stagnation, trotz Brunos öffentlichem Bekenntnis mit dem Stuttgarter Umfeld nicht warm zu werden, setzte sich Fredi Bobic plötzlich in den Kopf, den Vertrag mit Labbadia bis Ende Januar 2013 verlängert haben zu wollen. Ich hatte es schon damals in der Sache für falsch gehalten und den Druck, den er aufbaute, für völlig unnötig empfunden. Wie wir heute wissen, ein riesen Fehler! Wenn ich nach zwei Jahren beim Team keine Fortschritte erkenne, keinen Spieler benennen kann, der unter diesem „Trainer“ besser geworden ist, wenn ein Trainer öffentlich bekennt, dass wir unter diesen Voraussetzungen nicht mehr erwarten dürften, dann belohne ich ihn doch nicht mit einer Vertragsverlängerung, sondern lasse den Vertrag zum 30.06. auslaufen. Dann hätte die Möglichkeit bestanden, schon im Januar an einem Anforderungsprofil des neuen Mannes zu arbeiten und diesen zum 01.07. auch notfalls aus einem Vertrag heraus zu kaufen.

So ging man also mit einem Trainer, der unter dem Strich eines der katastrophalsten Jahre der VfB-Bundesligageschichte zu verantworten hatte, in die noch junge Saison. Zwar wurde das Team vor allem in der Breite verstärkt, Labbadia verstand es aber erneut nicht, ein Team daraus zu formen. In der Vorbereitung wurde die Start-Elf jedes Mal aufs Neue wild ausgewürfelt und zusätzlich noch während der Spiele komplett durchgewechselt. Es wurde nicht im Ansatz versucht, eine Stamm-Elf einzuspielen. Die Spielweise war ein Spiegelbild derer in der Vorsaison, Kreativmomente Mangelware und in der Abwehr anfällig, unter dem Strich viel zu einfach auszurechnen. Dass dann noch unsere Stamm-Innenverteidigung gleichzeitig ausfällt, ist natürlich bitter. Wenn aber das Kollektiv ohnehin nicht funktioniert, Führungsspieler nicht vorhanden sind oder mit eigenen Formschwächen zu kämpfen haben, ein dänischer Nationalspieler der bewiesen hat, ein Spiel ordnen zu können, plötzlich völlig außen vor ist, dann fällt es natürlich schwer Ausfälle zu kompensieren und jungen Spielern, die reingeworfen werden, zu helfen. Hier ist dann jeder auf sich alleine gestellt, es rächen sich Versäumnisse aus der Vergangenheit.

Ich bin Labbadia für den Klassenerhalt 2010/11 dankbar, für mehr aber auch nicht. Die darauf folgende Saison mit Platz sechs war ordentlich, auch wenn die Auftritte zumeist nicht vergnügungssteuerpflichtig waren, das Endergebnis stimmte wenigstens. Ich denke, das Stuttgarter Umfeld ist gar nicht so schlimm. Man erwartet nicht immer einen Champions League Platz und anerkennt auch, wenn der Gegner einfach besser ist und vom VfB alles gegeben wurde. Wenn die Trikots schmutzig und die Spieler ausgepowert sind, wenn sie selbst nichts vorzuwerfen haben, akzeptiert der kritische Schwabe eine Niederlage und auch eine Niederlagenserie. Wenn aber Fußballnachmittage mit dem VfB zur Qual verkommen, wenn Fußball nur noch gearbeitet und nicht mehr gespielt wird, wenn aufgrund taktischer Zwänge die kreativen Momente zu kurz kommen, wenn sich die Verbissenheit des Trainers auf die Spieler überträgt, wenn die Köpfe unten sind, wenn unerklärliche technische Defizite und Konzentrationsmängel öfter zu beobachten sind wie gelungene Spielzüge, wenn Standards zu hunderten im Nichts landen, wenn Flanken reihenweise auf Kniehöhe in den Strafraum segeln, wenn man sich fragt, was und ob überhaupt trainiert wird, dann bruddelt der Schwabe nun mal und das auch zu Recht.

Daher kann ich die ganzen Lobes- und Dankeshymnen auf Labbadia überhaupt nicht nachvollziehen und bin froh, dass wir fürs erste einmal erlöst sind.

Leider ist die Bundesliga ja ein verlogenes Geschäft, in dem jeder von jedem gut lebt und ja nicht mit der Wahrheit um die Ecke rücken möchte. Sonst könnte man auch noch etwas weiter hinterfragen, ob Labbadias Liaison mit Frau Trochowski ein einmaliger Ausrutscher war, oder die Gerüchte doch stimmen, dass er sich auch im Schwabenland an Spielerfrauen herangemacht hat. Und, wie das Verhältnis von Sözer zur Mannschaft wirklich war. Dies wären natürlich auch noch Punkte, die eine Mannschaft bocken lassen könnten. Es wird ja stets behauptet, das gäbe es nicht, dass eine Mannschaft gegen den Trainer spielt, für mich sah es in den letzten Monaten so aus, dass die Mannschaft das Trainerteam zum Abschuss freigegeben hat. Leider wurden von Bobic diese Alarmsignale erst jetzt erhört!

Soviel mein Blick zurück. Jetzt liegt es an jedem einzelnen Spieler Eier zu zeigen und den VfB dorthin zurück zu führen, wo er hingehört, nämlich zumindest einmal in die obere Tabellenhälfte.

Thomas Schneider halte ich für eine gute Wahl als Nachfolger. Ihm eilt ein exzellenter Ruf voraus, er kennt den Verein und auch den Nachwuchsbereich, er identifiziert sich mit der Aufgabe hier und gilt als ein großes Trainer-Talent. Wie er mit gestandenen Bundesliga-Profis umgehen kann, ob er eher ein Kumpel-Typ ist oder einer, der auch knallhart seine Vorstellungen umsetzen kann, wird sich erweisen. In erster Linie sind es die Spieler, die jetzt beweisen müssen, dass sie besser sind, als das was sie in letzter Zeit gezeigt hatten. Schneider wird hoffentlich schon in den letzten Wochen, als sich abzeichnete, dass es in diese Richtung gehen könnte, genau hingeschaut haben, wie seine erste Elf aussehen könnte und wer womöglich dem Teamspirit nicht zuträglich ist. Bis zum 02.09. noch läuft die Sommerwechselperiode, ein paar Tage Zeit wäre also noch, den einen oder anderen weg zu transferieren oder auch noch jemanden zu holen.

Seit heute sehe ich wieder weitaus optimistischer in die VfB-Zukunft als das gestern noch der Fall war. Zuletzt fragte ich mich, gegen wen der VfB überhaupt noch gewinnen könnte, jetzt bin optimistisch, dass wir gegen Rijeka weiter kommen können, wenn die Akteure auf dem Rasen ihre Fesseln ablegen können und einfach wieder Fußball spielen.

Die Situation erinnert mich irgendwie an Christian Gross‘ erstes Spiel, als man zuvor ein halbes Jahr kein Tor auf Seite der abgerissenen Untertürkheimer Kurve schoss und dann in seinem ersten Spiel gegen Urziceni innerhalb von acht Minuten drei Mal einnetzte. Ein solcher Knalleffekt wäre für das dann folgende Spiel gegen Hoffenheim sicherlich förderlich und würde dem Team wieder Selbstvertrauen einimpfen, um am Sonntag auch den ersten Sieg in der Liga einzufahren.

Daher ist das heute meiner Meinung nach ein guter Tag für den VfB Stuttgart, der Hoffnung auf wieder bessere Zeiten macht.

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