21. Oktober 2013

Wechselbad der Gefühle

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:07

Bilder vom Tor-Festival in Hamburg sind jetzt online. Es war mal wieder ein denkwürdiger Trip in die Hansestadt, auch wenn ich im Nachhinein feststellen muss, dass vier Tage Hamburg schon heftig sind. Am Donnerstag war richtiges Sauwetter angesagt, da blieb uns fast nichts anderes übrig, als nach kurzen Fußmärschen im Regen bei nächster Gelegenheit wieder einzukehren. Kontrastwetter dann am Freitag, strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen, die einluden mal nach Blankenese rauszufahren, im Botanischen Garten vorbei zu schauen und an den Landungsbrücken zu flanieren. Abends dann eine Kiezführung mit Titten-Tina, einschließlich eines Blicks in den Boxkeller der Ritze. Hat sich gelohnt. War interessant und amüsant! Beim Gang durch die Herbertstraße mussten die Damen eben einen Umweg nehmen, that’s life! :-) .

Samstags dann trafen nach und nach immer mehr VfBler ein, unsere Freunde schon früh morgens, so dass wir nach einem guten Frühstück zu einer rund 15-stündigen Kneipentour aufbrachen und aus vielen Kiezkneipenperspektiven heraus das Treiben auf der sündigen Meile bzw. deren Seitenstraßen erleben durften. Da wir alle nicht so verschrocken sind, mussten wir zwischendurch auch einmal nachsehen, ob sich in Lokalen wie dem Goldenen Handschuh und Elbschlosskeller je etwas ändern würde, was nach diesem Wochenende ganz klar zu verneinen ist. Was man dort erlebt, muss leider der Zensur zum Opfer fallen. Mutige Neugierige sollten sich einfach selbst davon überzeugen.

Am Spieltags morgen dann stand der Frühschoppen mit dem Hamburger OFC Roter Brustring Hamburg ab 11 Uhr in der Sportsbar Loop in HH-Bahrenfeld auf dem Programm. Einige VfBler, einschließlich unserer Fanbetreuung Klenky und Christian, hatten sich dort zum Essen und Vorglühen versammelt. Leider wurde uns wieder ein Sonntagsspiel verordnet, so dass eine Barkassenfahrt, wie schon in der letzten Saison, nicht zustande kam. Deshalb würde ich mir das Spiel beim HSV (oder gar dem FC St. Pauli!?) mal an einem der letzten beiden Spieltage, also Samstag 15:30, wünschen.

Trotzdem hat es wieder viel Spaß gemacht, leider kamen auch von unseren Bekannten weniger als erwartet zum Treffpunkt, die Kieznacht hatte bei einigen ihren Tribut gefordert.

Von HH-Bahrenfeld ist es lediglich eine S-Bahn-Station bis Othmarschen, von wo aus Shuttle-Busse zum Volksparkstadion verkehren. Kurze Wege, so haben wir es doch gerne! Nach der Ankunft am Stadion blieb noch Zeit im Bistro Picknick das eine oder andere Bierchen zu trinken und sich mit Freunden zu treffen.

Dann ging es also hinein zum eigentlich Highlight und Anlass des Hamburg-Trips. Für mich ist und bleibt es das Volksparkstadion, dann laufe ich schon überhaupt nicht Gefahr, bei den vielen Namenswechseln durcheinander zu kommen. Hamburg ist seit Jahren ein Pflicht-Auswärtsspiel für mich. Zum einen wegen unserer Freunde aus Hamburg und Umgebung, wegen der Stadt an sich, wegen dem Kiez und nicht zuletzt auch wegen dem Stadion. Mir gefällt es immer sehr gut dort, weil ich mich dort auch als Auswärtsfan gut behandelt fühle. Man ist nicht total abgeschottet von den HSV-Fans, kauft an denselben Kiosken sein Vollbier wie die HSVer und auch die Einlasskontrollen sind relativ entspannt. So geht’s doch auch!

Nach zwei Siegen in Folge in Hamburg sollte an diesem fast Spätsommertag der dritte Auswärtsdreier bei den Rauten folgen. Das Spiel begann vielversprechend, denn, wir hatten kaum Platz genommen, schon traf Maxim überlegt zum 0:1. Leider zog sich der VfB danach etwas zurück und ließ den HSV ins Spiel kommen. Der HSV übernahm die Initiative, kam aber noch nicht zu klaren Chancen, unsere Verteidigung stand anfangs ganz gut. Das änderte sich nach gut 20 Minuten. Sakai, wieder einmal zu weit aufgerückt, musste hinten rechts von William Kvist vertreten werden, der gleich doppelt patzte und den starken Arslan an den 5-Meter-Raum passen ließ, wo sich Lasogga nicht zwei Mal bitten ließ und zum Ausgleich traf. Ein Warnschuss zur rechten Zeit, besann sich der VfB danach doch wieder mehr auf die Offensive. Eine Viertelstunde nach dem Ausgleich schlug Maxim einen Freistoß in den Strafraum und genau auf den Kopf unseres Käpt’n Christian Gentner, der zur 2:1-Halbzeitführung einnetzte. Auch danach hatte es wieder den Anschein, der VfB wolle sich auf der Führung ausruhen. Dennoch hätte der VfB kurz nach dem Seitenwechsel auf 3:1 erhöhen können, als Ibisevic eine Hereingabe von Ibrahima Traore knapp verfehlte. Danach verlor der VfB völlig den Faden, kassierte das 2:2 durch Beister und ließ danach Chancen im Minutentakt zu, so dass einem angst und bange werden konnte. In diese Drangphase hinein fiel das zu diesem Zeitpunkt dann doch überraschende 3:2 für den VfB. Die Freude darüber währte allerdings lediglich drei Minuten, bis van der Vaart zum Endstand traf.

Besagter van der Vaart provozierte dann wohl unseren Jungspund Antonio Rüdiger, der sich daraufhin zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Dass der in die Jahre gekommene van der Vaart solche Mittel für notwendig erachtet, hat er ja bereits im Februar dieses Jahres zugegeben, als er eine Rote Karte für Lewandowski durch Schauspielerei provozierte. Ich hoffe es, glaube es aber nicht, dass das DFB-Sportgericht bei der Urteilsfindung auch recherchiert, wie gravierend die Provokation war und ob eine Sperre für van der Vaart möglicherweise auch in Frage kommen könnte.

Ob er Rüdiger jetzt „Nigger“ genannt hat, wie in manchen Foren zu lesen ist (eine seriöse Quelle darüber habe ich nicht gefunden) oder ihm sonstige Nettigkeiten entgegengeworfen hat, meiner Meinung nach muss sich Antonio Rüdiger besser in den Griff bekommen. Dies war seine vierte Rote Karte in seinen letzten dreißig Pflichtspielen, was eindeutig zu viel ist. Als Wiederholungstäter – schon bei seiner Roten Karte gegen Fürth ging es nicht um den Ball –  erwartet ihn eine Sperre von vermutlich vier bis fünf Spielen. Da bald wieder Schorsch Niedermeier zurückkehren wird und mit Haggui noch ein bundesligaerfahrener Recke bereit steht, dürfte Rüdigers Stammplatz, auch nach Ablauf der Sperre, erst einmal futsch sein. Er wird sich wieder ganz hinten anstellen müssen und hat zunächst einmal viel Zeit, über seine Dummheit(en) nachzudenken. Der VfB hat ja ein Gespräch mit Rüdiger angekündigt. Ich wünsche mir, dass es dabei nicht nur um das übliche Blabla wie „Bärendienst für die Mannschaft“ geht, sondern man auch versuchen wird, der Sache auf den Grund zu gehen, weshalb sich der Spieler in manchen Situationen so gehen lässt. Wie man so hört, soll er ja auch Probleme außerhalb des Platzes haben.  Er ist ein begnadetes Talent, sollte sich aber mehr aufs fußballerische konzentrieren. Dass man ihn (noch) nicht abzuschreiben braucht sieht man an den Boatengs, die am Anfang ihrer Karrieren auch mehr durch Kapriolen außerhalb des Platzes und Aussetzern auf dem Platz aufgefallen sind, als durch fußballerische Höchstleistungen. Beide legen inzwischen eine bemerkenswerte Karriere hin.

So müssen wir am Ende mit dem einen Punkt zufrieden sein, auch wenn das nach dreimaliger Führung und drei Auswärtstoren schwer fällt.  Vor dem Spiel noch sagte ich, dass wir, wenn wir schon die Heimspiele nicht gewinnen, wenigstens auswärts gewinnen sollten. Nach diesem Spiel jetzt ist ein Heimsieg gegen den Club schon fast wieder Pflicht, möchte man den Anschluss an Platz vier nicht verlieren. Ich finde nicht, dass die Hoffnung darauf zu hoch gegriffen ist. Lassen wir einmal die Bayern, den BVB und Bayer Leverkusen außen vor, ist die Liga ausgeglichen wie selten, so dass, mit ein wenig Konstanz, auch mehr als die (finanziell) unattraktive Europa League drin sein könnte.

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