11. November 2013

SIEG im Breisgau

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:22

Bilder vom Spiel in Freiburg sind jetzt online. Rückblickend war es ein super Sonntagsausflug, obwohl anfangs das Schlimmste zu befürchten war. Nicht nur sportlich, wo der VfB ja im Pokal schon bewiesen hat, dass er auch dazu imstande ist, in Freiburg zu verlieren und wir nach dem Debakel von Dortmund ohnehin nicht einordnen konnten, wo wir stehen. Eine Niederlage lag also im Bereich des Vorstellbaren. Als kurz vor High Noon noch der Pannenbus von Braunschweig am Treffpunkt in Esslingen-Berkheim vorfuhr, lag es allerdings auch im Bereich des Vorstellbaren, die mögliche Niederlage überhaupt nicht live erleben zu können. Trotz vorheriger Beteuerungen seitens des Busunternehmers, uns diesen Bus, dessen (von uns angezeigte) Mängel auf kein DIN A4-Papier passen, nicht mehr zumuten zu wollen, fuhr dieser also wieder vor, als wäre Braunschweig nur ein böser Traum gewesen. Lapidare Begründung: „der einzige Bus mit Winterreifen“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. ;-) . Mir kann jedenfalls keiner erzählen, dass ein auf Personenbeförderung spezialisiertes Unternehmen zu dieser Jahreszeit noch durchweg mit Sommerreifen unterwegs ist. Egal, uns blieb ja nichts anderes übrig, als dieses Vehikel erneut zu besteigen. Wie in letzter Zeit immer, wenn es nach Freiburg geht, fuhren wir nicht die viel frequentierte Strecke über die A8 und A5 nach Freiburg sondern über die A81 und dann über die B31 durchs Höllental. Dies mag bei Wochentag-Spielen eine gute Wahl sein, weshalb wir das auch an einem Sonntag und bei diesen Wetterprognosen machten, verstand ich nicht unbedingt. Wie prognostiziert schneite es im Schwarzwald unaufhörlich, so dass wir einige Zeit mehr krochen denn fuhren und uns die Fahrbahn durch einen Schneepflug bahnen ließen. Zeitweise machte ich mir ernsthafte Sorgen, ob es noch etwas werden würde mit einem Treffen mit Freunden im Biergarten am Stadion oder ob wir abermals auf den letzten Drücker ankommen würden.

Schlagartig aber hatten wir wieder freie Fahrt und der Schneefall ging auch wieder mehr und mehr in Regen über, je näher wir Freiburg kamen. So kamen wir doch noch knapp zwei Stunden vor Spielbeginn an, so dass genug Zeit für das eine oder andere Ganter-Bier und einen netten Plausch mit Freunden war. Wie in Dortmund der Biergarten am Stadion Rote Erde gehört es für mich in Freiburg zum Ritual in den neben dem Stadion gelegenen Biergarten zu gehen und mich auf das Spiel einzustimmen. Aufgrund des strömenden Regens im Breisgau wurden Zelte und Heizstrahler aufgestellt, so dass wir gemütlich überdacht und im Warmen sitzen konnten. Auch wenn die ach so große Rivalität immer groß aufgebauscht wird, dort sitzen Freund und „Feind“ friedlich nebeneinander und prosten sich zu. Es ist ja klar, dass es die eine oder andere Frotzelei gibt, richtig Ärger habe ich dort aber noch nie erlebt.

Ca. 20 Minuten vor Spielbeginn, früh wie selten in letzter Zeit, nahm ich meinen Platz auf der Osttribüne ein. Ich bestellte Karten der teuersten Gäste-Kategorie, weil der Stehblock eine wahre Zumutung ist und die „günstigeren“ Sitzplätze über dem Stehblock kaum billiger waren. Sollte Freiburg in der nächsten Saison noch erstklassig sein, werde ich noch einen Block weiter einrücken und vom Freiburger Kontingent eine Karte nehmen, sofern das über Freunde mit badischer Postleitzahl wirklich hinhaut. Vorteil dabei: eine noch bessere Sicht auf unseren Block und Vollbier. :-)

Bevor es losging und nachdem wir das Badener Lied nieder gepfiffen hatten, gab es eine schöne Choreo im VfB-Block, Thema Heimat & Liebe, mit weiß-roten Brustring- und gelb-schwarzen Rösslefahnen.

Vor dem Spiel hatte ich wirklich Bedenken, wie die 1:6-Klatsche von Dortmund nachwirken würde und dass wir uns, nach einer Niederlage, im Abstiegskampf wiederfinden könnten. Nach den Samstag-Ergebnissen wurde dieses Spiel richtungsweisend wie selten. Mit einem Sieg kann man den Anschluss an die Plätze 5 und 6 einigermaßen aufrecht erhalten, bei einem Remis träte man weiter auf der Stelle und bei einer Niederlage würde uns Freiburg unten mit rein ziehen, der Abstand betrüge dann nur noch zwei Punkte. Ob sich die Mannschaft der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst sein würde, war mir nicht so klar. Zu oft versuchen wir es mit Schönspielerei und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Dass dies bei tiefem und rutschigem Geläuf nicht das probateste Mittel ist, war mir klar. Würde die Mannschaft aber diese Umstände annehmen, würde sie sich dem Kampf der Freiburger entgegen stemmen und sprichwörtlich Gras fressen? Zu oft wurde ich in letzter Zeit enttäuscht, so dass mein Vertrauen ins Team nicht das Größte war.

Der SC Freiburg hat zwar das internationale Gastspiel in Estoril unter der Woche auf dem Spielplan gehabt, eine große Rolle in puncto Müdigkeit dürfte dieses kaum gespielt haben, tritt Streich in Europa ja in schöner Regelmäßigkeit mit einer besseren Reserve und Jugend-Truppe an. Der 5-Jahres-Wertung erweisen die Südbadener damit zwar einen Bärendienst, was sie nicht weiter zu jucken scheint, da sie in absehbarer Zeit wohl sowieso nicht mehr international mitspielen dürfen. Ich bin zwar jetzt kein Freiburg-Insider, denke aber als Außenstehender, dass es dieser Truppe auch nicht geschadet hätte, international mit der ersten und bestmöglichen Garde anzutreten, zumal ja ein großer personeller Umbruch im Sommer stattfand. So hätte sich eher ein Team einspielen können, als bei übertriebener Rotation, und die Chance auf ein Erfolgserlebnis und damit gesteigertes Selbstvertrauen wäre weitaus größer gewesen.

Der VfB trat im Vergleich zum Dortmund-Spiel mit Niedermeier für Sakai und Rausch für Boka an. Durchaus logische Wechsel, auch wenn der von Boka verletzungsbedingt erfolgte. Die ersten beiden Chancen im Spiel hatte Freiburg, ehe der VfB durch einen Doppelschlag durch Ibisevic und Timo Werner die Weichen früh auf Sieg stellten. Nach dem 1:0 fragten wir schon, ob das jetzt ein gutes Omen wäre, nach den verspielten frühen Führungen der letzten Wochen. Als dann allerdings gut eine Minute später schon das 2:0 folgte, war ich fürs erste beruhigt und sah das Spiel in die richtige Richtung laufen. Von nun an kontrollierte der VfB weitestgehend souverän das Spiel und ließ Ball und Gegner laufen. Je länger aber die Partie lief, desto mehr kehrte wieder der alte Schlendrian ein. Durch unkonzentrierte Abspiele, unnötige Ballverluste ließen wir einen am Boden liegenden Gegner plötzlich wieder ins Spiel zurück zu finden anstatt aufs Spiel den Deckel drauf zu machen.

Von den Rängen kam auf Freiburger Seite fast nichts mehr. Außer dem allseits bekannten „Stuttgarter Arschlöcher“ und plumpen Versuchen, den Schiedsrichter zum einen oder anderen Elfmeterpfiff zu bewegen war auf der anderen Seite nichts zu hören. Im VfB-Block dagegen Dauersupport pur. Apropos Elfmetersituationen: Haggui spielte klar den Ball, Leitner und Niedermeier sprang der Ball jeweils aus kurzer Distanz an die Hand. Es ist sicherlich nicht weg zu diskutieren, dass solche Elfer auch schon gegeben wurden, andererseits wäre es auch schade gewesen, wenn dem Spiel durch solche Zufallsprodukte noch eine (unverdiente) Wende gegeben worden wäre. Freiburg allerdings hätte sich auch nicht beklagen dürfen, wenn Felix Klaus nach einer knappen halben Stunde schon wegen rohen Spiels des Feldes verwiesen worden wäre. So gesehen, und nach dem zurückgenommenen Elfmeterpfiff von Dortmund mehr als ausgleichende Gerechtigkeit.

Im Laufe der zweiten Halbzeit dann machte sich Sven Ulreich, unsere Nummer Eins, vor der Freiburger Fankurve keine neuen Freunde, als er nach einer vermeintlichen Berührung eines Freiburgers theatralisch zu Boden sank. Was einen baumlangen Kerl dazu treibt, eine solch alberne Schauspieleinlage abzuliefern (und Ähnliches ein paar Minuten später noch zu wiederholen), verstehe ich nicht. Die Jungs hatten es gestern doch überhaupt nicht nötig, durch solch unlautere Mittel einen Platzverweis zu provozieren. Und selbst wenn, solche Schauspieleinlagen verurteile ich, bei eigenen Spielern wie bei Gegnern. Das soll ein Spieler mal in England machen, der ist für immer und ewig unten durch beim Publikum und wird verhöhnt von Nord nach Süd. Ein solch unfaires Gebaren ist mir auch bei Ibisevic seit längerem ein Dorn im Auge, ich hoffe, dass dieses „Verhalten“ auch ein Thema ist, das das Trainerteam mal anspricht.

Kurz durfte Freiburg dann noch an einer Aufholjagd schnuppern, als der kurz zuvor eingewechselte Hanke zum 1:2 traf. Doch, keine 5 Minuten später, erkämpfte sich unser Youngster Timo Werner an der Mittellinie den Ball, dribbelte durch zwei Freiburger hindurch und stand plötzlich frei vor Baumann. Obwohl sowohl Maxim als auch Ibisevic mitgelaufen waren und frei standen, machte Werner die Kiste eiskalt selbst. Wehe dem, er hätte diese Chance versemmelt, dann hätte er sich wohl von Ibisevic etwas anhören dürfen. So aber zeugte die Aktion von Selbstvertrauen und einer Sicherheit, die für einen 17-jährigen schon fast unheimlich ist. Mit dem 1:3 entschied er nicht nur die Partie sondern schwang sich auch zum jüngsten Bundesliga-Doppeltorschützen aller Zeiten auf. Dieser Junge macht einfach Spaß. Hoffentlich gelingt es, ihn langfristig zu binden und mit einer festgeschriebenen Ablöse zu versehen, die entweder niemand zu zahlen bereit ist oder uns auf einen Schlag finanziell in andere Sphären bringen kann. Gut zu wissen, dass sein Berater Karl-Heinz Förster dem VfB wohlgesonnen ist, und ihn hoffentlich nicht zu früh vom VfB weg transferieren möchte. Zunächst ist sowieso das Wichtigste, dass der Junge in seinem gewohnten Umfeld die Schule gut zu Ende bringt und weiterhin behutsam aufgebaut wird.

So steuerten wir also einem letztendlich ungefährdeten Auswärtssieg entgegen, wie eingangs erwähnt, immens wichtig. Dieser Sieg gegen einen äußerst verunsicherten Gegner ist ebenso schwer einzuordnen wie das Debakel bei einem in Galaform spielenden BVB. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Der VfB hat nach wie vor Probleme auf den Außenverteidigerpositionen, wobei mir gestern Rausch und Schwaab deutlich besser gefallen haben als Boka und Sakai in Dortmund. Dazu ist für mich derzeit Kvist kaum noch vermittelbar, zu statisch und defensiv orientiert sein Spiel, ansonsten sehe ich uns gar nicht so schlecht aufgestellt. Wohin die Reise geht wird sich wohl schon gegen Gladbach nach der Länderspielpause zeigen. Der VfB muss dringend seine Heimschwäche ablegen, vielleicht kommen dafür die bislang auswärts weitestgehend erfolglosen Gladbacher gerade recht.

Gleich nach dem Spiel ging es dann mit dem Bus zurück in die Heimat. Dieses Mal Gott sei Dank ohne Panne, gegen 23.30 Uhr erreichten wir ES-Berkheim, in Anbetracht des Sonntag-Abend-Spiels noch eine akzeptable Zeit, auch wenn ich heute wieder arbeiten musste.

Beim nächsten Spiel gegen Gladbach werde ich leider nicht im Neckarstadion sein. Es wird damit das einzige Spiel, ob daheim oder auswärts, das ich in der Vorrunde verpassen werde. Mich zieht es mit ein paar Kumpels nach Glasgow und Edinburgh. Auslöser der Buchung war eigentlich das Motörhead-Konzert, welches inzwischen leider aufgrund einer Erkrankung des Frontman Lemmy abgesagt wurde. Leider sind die Terminierungen auf der Insel auch nicht immer fangerecht, schon gar nicht, wenn man gerne hoppen würde. In allen Ligen wurden sämtliche Spiele auf den Samstag terminiert, so dass wir uns lediglich die Partie Celtic-Aberdeen anschauen können. So werden wir eben wohl sonntags noch das Stadion und den Stadionpub der Hearts besuchen und einfach eine gute Zeit haben. Ihr, die gegen Gladbach im Stadion seid, schreit einfach für mich mit und bringet an Sieg hoim. :-)

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