16. Februar 2014

Abstiegsk(r)ampf

Gestern ging es wieder einmal an die Autobahnraststätte Kraichgau, wo Milliardär Hopp zwar ein Stadion hingestellt, eine Infrastruktur, die etwa einen reibungslosen Verkehrsfluss bei An- und Abreise gewährleisten sollte, aber „vergessen“ hat. So war es wie immer eine einzige Katastrophe, bis wir den Busparkplatz direkt vor dem Gästeblock erreichten. So kamen wir erst kurz nach 15 Uhr an diesem Spielort, der, wenn der BVB am letzten Spieltag der Vorsaison seinen Job richtig erledigt hätte, überhaupt nicht mehr auf unserem Spielplan gestanden hätte.
In Eile strömten natürlich alle sofort zum Block hinauf, um relativ kurz vor Spielbeginn noch einen einigermaßen akzeptablen Platz im Gästekäfig ergattern zu können, was mich schon etwas ärgerte, gehört es doch dazu, noch ein wenig Vorlauf zu haben, um Bekannte zu treffen und den einen oder anderen Plausch zu halten.
Ich hatte dieses Mal, wie schonmal in diesem Stadion, meinen Platz direkt hinter dem Tor, Reihe 3, in der Hoffnung eine bessere Perspektive zum Fotografieren auf unseren Block zu haben. Der Platz war eigentlich perfekt, dumm nur, dass es in Strömen goss und beim Bau der Schüssel wohl das Budget für ein den kompletten Zuschauerbereich abdeckendes Dach nicht mehr vorhanden war. So saß ich sprichwörtlich im Regen, 90 Minuten lang oder besser gesagt, so lang ich mir den Kick antat.
Seit das Dorf aufgestiegen ist, war ich bei allen Spielen. Bisher setzte es lediglich eine Niederlage, in der Hinrunde der Vorsaison ein desaströses 0:3 zu Hause. In Sinsheim und auch im ersten Jahr in Mannheim blieben wir stets ungeschlagen, was eigentlich meine einzige Hoffnung war, dass dort auch in diesem Jahr die Trendwende eingeleitet werden könnte. Ein bisschen glaubte ich auch an die in Vergessenheit geratene Attribute wie Stolz und Ehre bei unseren Protagonisten und hoffte darauf, dass die Atmosphäre, die das Spiel zu einem 18. Heimspiel machen könnte, unsere Jungs anspornen würde.
Einige Male davor hatte ich bewusst eine Karte im Gästeblock genommen, obwohl mir dieser in Sinsheim total widerstrebt. Eingepfercht, schlechte Sicht und, wenn ich mich richtig erinnere, alkoholfreies Bier. Der große Vorteil am Gästeblock ist es eben, dass man mit den SAP-Kunden erst überhaupt nicht in Kontakt kommt und so möglicherweise vor sich selbst geschützt wird. Es gibt kaum einen Verein, für den und seine Fans ich ausschließlich Verachtung übrig habe. Ich frage mich ständig, wo die waren, bevor Hopp sich entschloss aus einem langweiligen Dorf- einen Bundesligaverein basteln zu wollen. Die allerwenigsten haben den Aufstieg von der Kreis- bis zur Regionalliga mitgemacht, sondern sind von anderen Vereinen abgewandert, was in meinem Verständnis überhaupt nicht möglich ist.
Dieses Mal also, im gemischten Block, umringt von VfBler und SAP-Kunden. Gestern gingen mir schon zu Beginn die großen Emotionen, selten hatte ich weniger Lust auswärts zu fahren. So störte mich auch das ganze Primborium beim Projekt Hoffenheim nicht einmal mehr. Mittlerweile gehe ich zu VfB-Spielen und erwarte rein gar nichts. Kommt Häme von den gegnerischen Fans oder lachen sie meinen VfB aus, was habe ich derzeit schon entgegenzusetzen? Irgendwie haben sie ja auch Recht, der VfB kommt peinlich daher wie noch nie. Slapstick auf dem Rasen, Galgenhumor auf der Tribüne. Mehr nicht. So ertrug ich das Spiel und das Drumherum mit Fassung und konnte mich schon früh, nach dem 0:1 genauer gesagt, mit der sich anbahnenden ersten Niederlage in Sinsheim „anfreunden“. Hoffnung, das Spiel noch drehen zu können, hatte ich überhaupt keine. Ich sah keine durchdachten Aktionen, keinen gefährlichen Schuss auf das Gehäuse der Hoffenheimer, nicht den Hauch einer Parade des Torwarts. Stattdessen kombinierte sich Hoffenheim durch unsere Reihen, als bestünden diese aus Slalom-Stangen. Wenn es dumm läuft, liegen wir in der 2. Minute bereits zurück, so dauerte es eben bis zur 12., als zunächst Ulreich schlecht aussieht und eine Hereingabe nicht zu fassen bekommt und Schipplock abstaubt. Das war ja mal wieder klar, dass ein Ex-VfBler gegen uns treffen würde, doppelt sogar. Der VfB personell zwar auf einigen Positionen verändert im Vergleich zum Augsburg-Spiel, brach dieses Mal nach dem 0:1 nicht sofort auseinander, agierte aber weitestgehend planlos mit langen Bällen und hoffte auf Kommissar Zufall. Wir hatten Glück, dass Ulreich auch lichte Momente in diesem Spiel hatte, sonst hätten wir zur Pause bereits höher zurückliegen können.
Welches Spiel Bobic gesehen hat, würde mich mal interessieren, wenn er eine ordentlich erste Halbzeit gesehen hat. Für mich war das, wie in den letzten Wochen, über weite Strecken nicht erstligareif. Einen solchen „Fußball“ wie vom VfB dargeboten, habe ich letztmals im Januar 2013 gesehen, damals in der zweiten englischen Liga bei Leicester-Middlesbrough, Kick & Rush eben.
Hoffenheim nahm die äußeren Verhältnisse mit Dauerregen und regendurchtränktem Boden besser an und hatte mit Firminho den überragenden Mann auf dem Platz. Die Hoffenheimer liefen mehr als der VfB, gewannen mehr Zweikämpfe und hatten eine bessere Passgenauigkeit. Es wurde ein deutlicher Hoffenheimer Sieg, der sich von Anfang an abzeichnete und hochverdient ist.
Der VfB verschwendete einmal mehr seine überschüssige Energie im reklamieren und lamentieren und leistete sich zu viele und vor allem zu plumpe Frustfouls. Infolge dessen wurde noch Moritz Leitner vom Platz gestellt und wird beim so wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC fehlen. Hoffen wir, dass Gentner bis dahin wieder einsatzbereit ist, sonst wird es personell eng in der Mittelfeldzentrale.
Hier sollten die Verantwortlichen mal ansetzen und unseren Spielern klar machen, dass sie die Klappe halten und sich vom Ort des Geschehens entfernen sollen, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat. Da wollen sie den Fans wohl mit Gewalt demonstrieren, dass es ihnen nicht egal ist, wenn wir verlieren. Dass dies aber überhaupt nichts bringt, im Gegenteil, Konzentration und Nerven kostet, betrachten sie nicht. Aber, wer soll ihnen hier zum Vorbild taugen? Bobic etwa, der selber immer die Schuld bei den Anderen sucht und als Spieler auch kein Kind von Traurigkeit war? Ich sage nur, „blinde Bratwurst“! Das ständige motzen, ob gegen Gegenspieler, Schiedsrichter, Fans und gestern sogar gegen den Trainer zeugt von einer sportlichen Hilflosigkeit und macht keine Hoffnung auf Besserung.
So saß ich gestern also weitestgehend in mir zusammengekauert da, ließ den Regen über mich ergehen und das Unheil seinen Lauf nehmen. Zu keiner Phase keimte Hoffnung auf, dass der VfB in der Lage sein würde sich gegen die Niederlage zu stemmen. Symptomatisch wieder, dass der Platzverweis unmittelbar auf den Anschlusstreffer folgte, um überhaupt nicht in Versuchung kommen zu müssen, noch an das Gute zu glauben. Nach dem 0:3, ich gebe es zu, habe ich den Bierstand aufgesucht und bin erst die letzten fünf Minuten, stehend am Eingang, wieder hinein, um nicht erneut meinen Platz trocken schrubben zu müssen.
Was bleibt ist eine sportliche Demütigung beim ungeliebten Nachbarn, die gar nicht so weh tat, weil ich mit nichts anderem rechnete. Da ich ungern gegen den VfB tippe, setzte ich zwar auf ein 3:4, in der Hoffnung, dass der VfB Kapital aus der schwachen Hoffenheimer Abwehr schlagen könnte. Falsch gedacht, nicht einmal gegen die Schießbude der Liga schaffen es die Unseren Überraschungsmomente zu kreieren und zum Torabschluss zu kommen. Bei diesem Boden wären Fernschüsse ein probates Mittel gewesen, nur hat man das beim VfB leider nicht erkannt.
Wenn sich nicht Grundlegendes ändert, wird diese Art Fußball zwangsläufig in die zweite Liga führen. Die Umstellung auf das offensiv ausgerichtete 4-4-2-System erwies sich als Rohrkrepierer. Gerade auch gestern war zu erkennen, dass wir den Hoffenheimern damit ins offene Messer gelaufen sind und diese sich sicherlich deswegen ins Fäustchen lachten. Jetzt gilt es mit höchster Priorität die Defensive zu stabilisieren, nicht nur personell sondern genauso in der taktischen Ausrichtung. Auch Sven Ulreich kann in seiner derzeitigen Verfassung dem Team nicht weiterhelfen. Beim ersten und beim dritten Treffer sah er sehr schlecht aus. Er gewann uns in dieser Saison ein einziges Spiel bei der Berliner Hertha (lang ist es her), verschuldete aber auch unzählige Gegentore und rettete uns keine weiteren Punkte. Wenn nicht jetzt, wann dann soll die Stunde von Kirschbaum schlagen? Alle erdenklichen Abwehrformationen wurden bereits getestet, als neuen Impuls bliebe nur noch der Torwartwechsel. Vielleicht würde ja dieser zu mehr Stabilität führen. Kirschbaum hat eine bessere Spieleröffnung als Ulle und könnte unsere schnellen Außen mal auf die Reise schicken und sich damit ihrer Stärken bedienen. Sollte auch ein solche Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt sein, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Ulle, wie schon einmal, gestärkt aus seiner Ausbootung herauskommen und sich wieder ins Team spielen könnte. Vereinsverbundenheit allein genügt eben auch bei Ulle nicht!
Sollte Schneider weiterhin das Zepter schwingen dürfen, muss er Signale setzen und dem Team helfen. Sieht die Aufstellung und taktische Ausrichtung nur annähernd so aus wie zuletzt, kann man im Grunde nach Präsentation der Aufstellung aufstehen und einen trinken gehen, so wenig Hoffnung hätte ich, dass gegen Berlin der Bock umgestoßen werden würde.
Ich habe schon sehr viele Höhen und Tiefen erleben dürfen, manchmal auch müssen. An eine solch hoffnungslose Phase kann ich mich aber nicht erinnern. Den Abstieg 1975 habe ich noch nicht richtig bewusst mitbekommen, regelmäßig im Stadion war ich „erst“ ab der Aufstiegssaison 1976/77.
Was wir aber in dieser Saison Woche für Woche über uns ergehen lassen müssen, ist höchst bedenklich. Es reicht sprichwörtlich hinten und vorne nicht, die Abwehr ein Torso, das Mittelfeld plan-, form- und konzeptlos und der Sturm nur ein laues Lüftchen. Die „Mannschaft“ ein zerstrittener Haufen, die sich in Diskussionen mit dem Schiedsrichter und sogar Trainer Schneider aufreibt, anstatt ihre ganze Energie dem Kampf gegen den Gegner aufzuwenden.
Ein Präsident, der sich, ähnlich wie seine Vorgänger, auf Tauchstation befindet, ein Sportdirektor Bobic, der auch gestern wieder eine ordentliche erste Halbzeit sah und ein unerfahrener Jugendtrainer Schneider, der nach gerade mal einer Halbserie als Cheftrainer schon mit seinem Latein am Ende zu sein scheint. Woche für Woche die gleichen Durchhalteparolen, ich bin es langsam leid und würde gerne Veränderungen sehen. Nach der Demütigung gegen Augsburg, „klarer Worte“ und „angezogener Zügel“ in der Woche, darf man doch wenigstens eine leichte Verbesserung im darauffolgenden, prestigeträchtigen Spiel in Sinsheim erwarten. Das Gegenteil war der Fall, hatten sie gegen Augsburg stark begonnen und gute erste 30 Minuten hingelegt, waren sie gestern von Beginn an hoffnungslos unterlegen und einfach schlechter als ein durchschnittlicher Gegner.
Ich bin mir relativ sicher, dass dieser Weg direkt, ohne Umschweife, ohne Relegation, in die zweite Liga führen wird, wenn nicht schleunigst gehandelt wird. Möchte ein Bobic als Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen und die zweite Liga in Kauf nehmen, weil er so ehrenkäsig ist, es nicht zuzugeben, dass die Installation von Schneider als Cheftrainer eine Fehlentscheidung war, soll er klipp und klar sagen, dass er dessen Weg auch in die zweite Liga zu gehen bereit und der Abstieg einkalkuliert ist. Wenn nicht, muss jetzt die Reißleine gezogen werden. Mein Wunschtrainer Magath ist ja vom Markt. Die in meinen Augen danach vernünftigste Alternative auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer wäre Mirko Slomka, der jedoch dem Vernehmen nach kurz vor einem Engagement beim HSV steht. Daher müsste schnell gehandelt werden, was ich jedoch stark bezweifle. Von einer heutigen Krisensitzung zwischen Präsident und Aufsichtsrat ist mir leider nichts bekannt, dort müsste nämlich auch die Personalie Bobic diskutiert werden, der wie kein anderer für den rasanten Niedergang des VfB steht. Lässt man Bobic weiter wursteln, sehe ich keine Aussicht auf Besserung. Unter ihm würde der Nachfolger für Schneider wohl Krassimir Balakow heißen, der bereits grandios mit Kaiserslautern im Abstiegskampf gescheitert ist. Vielleicht hätte er auch einen anderen Spezi aus früheren Zeiten im Köcher, Anforderungsprofil, wie bei Labbadia und Schneider, Anforderungsprofil: pflegeleicht und wenig aufmüpfig. Eine konstruktive Streitkultur jedenfalls ist, wie im gesamten Verein zu beklagen, unerwünscht.
In dieser Situation trauere ich einem starken Präsidenten wie Gerhard Mayer-Vorfelder nach. Dieser stellte sich wenigstens, wenn ihm das Auftreten der Mannschaft und/ oder die Ergebnisse nicht gefallen haben, den Pressevertretern und haute dazwischen, wenn er es für notwendig hielt. Heute aber scheut sich jeder, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch wenn es nur dazu dienen sollte, wachzurütteln. Jeder hat sofort Angst, dass die Mimosen auf Managerposten, Trainerbank oder auf dem Platz bei einem Anflug von Kritki den Kopf in den Sand stecken oder sich vor den nächsten Zug werfen könnten. Kritik wird sowohl vom Trainer als auch vom Manager weggewischt, Kritiker in den eigenen Reihen wurden nach und nach vom Hof gejagt. In unserem Verein muss sich Grundlegendes ändern, sonst sehe ich wirklich schwarz.
Der Ernst der Lage wird verkannt, das Wort Abstiegskampf gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen möchten sie ihren eigenen Weg weitergehen und sich nicht den Automatismen der Branche unterwerfen.
Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht auch nach Kontinuität sehnen würde. Nur, was bringt diese Kontinuität, wenn der Karren unweigerlich an die Wand gefahren wird? Dann doch lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Es müssen neue Impulse von außen her, Verantwortungsträger, die nicht von Anfang an verbrannt sind und die aus der Zweckgemeinschaft auf dem Rasen in kurzer Zeit eine Mannschaft formen können, die wenigstens für 90 Minuten alle Zwistigkeiten vergisst.
Das Ausmaß des Horrorszenarios Abstieg in die zweite Liga kann finanziell nicht abgeschätzt werden. Es könnte uns durchaus blühen, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden, wenn uns finanzielle Klötze am Bein (Stadion, Nachwuchszentrum,…) die Luft zum atmen nehmen. Das einzig Positive wäre, dass von den derzeitigen Spielern wohl so gut wie keiner mehr übrig bleiben würde. Dennoch muss alles erdenklich Mögliche getan werden, um den Abstieg noch abzuwenden.
An Mayer-Vorfelders Zeit lassen ja viele kein gutes Haar mehr. Ich sehe es anders. Unbestritten hat er zwar zum Ende seiner Amtszeit einen mächtigen Schuldenberg angehäuft und fragwürdige Entscheidungen zu verantworten gehabt, wie die Löw-Entlassung und darauf folgende Schäfer-Verpflichtung oder auch den Balakow-Rentenvertrag. Auf der anderen Seite verstand er es immer wieder Top-Spieler, wie Sammer, Dunga, Elber uvam. zum VfB zu lotsen und dem Verein ein Gesicht zu geben. Auch sein (sportpolitischer) Einfluss bei DFB und FIFA waren nicht zu unterschätzen. Der VfB war in aller Munde und hatte eine Identität, heute sind wir zum Gespött und zu einer grauen Maus verkommen und würden der Bundesliga wohl nicht einmal besonders fehlen, wenn wir nicht mehr dabei wären.
Mit Bobic haben wir es nicht minder mit alljährlich zu vermeldenden Verlusten zu tun, diese aber zum Großteil schlechtem Wirtschaften und eklatanten Managementfehlern geschuldet. Für diese Defizite hat Bobic eine bemerkenswerte Gurkentruppe zusammengestellt, mit der sich kaum mehr jemand identifizieren kann.
Anstatt Spieler, mit denen man bezüglich einer Vertragsverlängerung nicht zusammen kommt, zu verkaufen, so lang es noch eine Ablösesumme für sie zu erzielen gibt, hält man sie und lässt sie später dann ablösefrei ziehen. Dadurch bleibt dann eben nur noch so viel Geld übrig, um sich auf der Ersatzbank von Hannover 96 zu bedienen, anstatt Spieler zu holen, die die Qualität im Kader anheben.
Seit Jahren werden wir von einem Jahr aufs nächste vertröstet, dabei wird es immer schlimmer anstatt besser. Hoffte man nach dem fertiggestellten „neuen Stadion“ noch darauf, dieses zu einer Festung werden zu lassen, freut sich heutzutage nur noch der Gegner, dort antreten zu dürfen. Auch der kommende, Hertha BSC, wird sich sicherlich jetzt schon die Hände reiben, ist es doch nirgends so einfach, die Punkte zu entführen. Dass das Publikum dieser Vorstellungen überdrüssig ist, ist für mich nachvollziehbar. Ich pfeife zwar meine Mannschaft nicht aus, aber, mein Murren wird trotzdem von Mal zu Mal lauter, weil die Vorstellungen einfach an Erbärmlichkeit kaum zu überbieten sind. Was wir Woche für Woche angeboten bekommen, hat doch mit dem an und für sich so schönen Sport Fußball wenig zu tun. Unsere Mannschaft, die keine ist, strahlt zudem nicht den unbedingten Willen und die Freude am Sport aus, was sich auf die Ränge übertragen könnte. Eher im Gegenteil, Trägheit, Schwermut, Einfallslosigkeit, Hoffnungslosigkeit ist zu erkennen und das spiegelt sich auch auf der Tribüne wider. Der Funke springt sozusagen über, jedoch leider nicht der, den man sich wünschen würde.
Wer diese Darbietungen nicht goutiert und Kritik äußert, wird als mitverantwortlich für die allgemeine Nervosität gemacht (Schneider), als „Stuttgarter Fans, die nie zufrieden sind“ (Traore) oder als Erfolgsfan (Die selbsternannten „Gut-Fans“ in der Facebook-und Forengemeinde) tituliert.
Gerade die Erfolgsfan-Debatte geht mir dermaßen gegen den Strich, so dass ich es müßig bin, mich in solche nicht zielführenden Diskussionen überhaupt einzumischen. Wer sich diese Auftritte Woche für Woche noch antut, kann kein Erfolgsfan sein, was bitte hat das mit Erfolg zu tun. Wenn damit aber gemeint ist, dass man keine Kritik zu äußern hat und alles klaglos hinnehmen soll, sehenden Auges mit dem VfB den Abgrund hinabstürzen soll, diejenigen verkennen das Privileg der freien Meinungsäußerung in einem freien Land. Es gehört einfach dazu, im Schwabenland vielleicht noch mehr als in anderen Teilen der Republik, dass man bruddelt, wenn es was zu bruddeln gibt. Das haben die Spieler hier schon vor 30 oder 40 Jahren ausgehalten, auch zu Zeiten, in denen die Herren Vertragsfußballer nebenher noch Berufen nachgegangen sind. Trotzdem bildeten Mannschaft und Fans eine Einheit und wir hatten Kerle auf dem Platz, die unter einer misslichen Situation litten wie der Fan in der Kurve.
Heute aber leben die Spieler in Saus und Braus und haben keinen Bezug mehr zu den Sorgen und Nöten eines Normalbürgers geschweige denn des Fans auf der Tribüne oder des Ultras, der immer dabei ist. Für die Herren Profis sind wir doch arme Irre oder um es mit Armin Vehs Aussage von Sevilla zu sagen: „dann wärd ihr halt daheim geblieben“.
Es hat für mich den Anschein, dass Schneider von den Herren Profis nicht für voll genommen wird. Wie schon letzte Woche geschrieben, hat es Schneider bereits zu Beginn seiner Trainertätigkeit versäumt, Exempel zu statuieren und sich seine Autorität zu erarbeiten. Wenn er jetzt den Zeitpunkt als gekommen erachtet, Maßnahmen ergreifen zu müssen, wirken diese wie purer Aktionismus oder das berühmte Pfeifen im Walde. Beispiel gefällig: erst verbannt er Niedermeier und Harnik gegen Augsburg auf die Tribüne, um sie in Sinsheim wieder von Beginn an zu bringen. Nach klarer Linie sieht das nicht aus, auch wenn es für gestern eine nachvollziehbare Maßnahme war. Leider verpuffte sie genauso wie diese, Boka wieder in der Startelf zu bringen. Allesamt waren grottenschlecht, einzig der 17-jährige Timo Werner kämpfte und stemmte sich gegen die Niederlage!
Meiner Meinung nach hilft nur noch ein kompletter Umbruch, ein neuer Impuls auf Trainer- UND Managerposten, um zu versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass es immer noch Mannschaften gibt, die hinter uns in der Tabelle platziert sind. 19 Punkte nach 21 Spielen sind eine verheerende Bilanz, so schlecht stand der VfB nur 2011/2012 da, als wir nach miserabler Vorrunde zu diesem Zeitpunkt schon sieben Zähler in der Rückrunde holten und in der Abstiegssaison 1974/75, als es eben nicht reichte. Schlechter als heute standen wir zum gleichen Zeitpunkt noch nie da! Acht Niederlagen aus den letzten neun Spielen stimmen höchst bedenklich. Die bereits im November begonnene Niederlagenserie konnte auch durch das gechillte Trainingslager im fernen Südafrika nicht durchbrochen werden. Ob dort trainiert wurde oder nur touristische Aktivitäten unternommen wurden, weiß ich nicht. Eine spielerische Steigerung zur Vorrunde, ein aufgrund teambildender Aktivitäten in der Winterpause verbesserter Teamspirit, ein Gerüst der Mannschaft, eine gewachsene und von allen akzeptierte Hierarchie, eine bessere körperliche Fitness, nichts ist zu erkennen, was in Südafrika trainiert wurde.
Eine nach seinen Vorstellungen durchgezogene Vorbereitung gestehe ich jedem Trainer zu, bevor ich mir erlaube, ein Urteil über ihn zu bilden. Diese hatte Schneider jetzt, außer Spesen nichts gewesen muss man da leider konstatieren, zumal die Auftritte immer schlechter anstatt besser werden.
Auch einen Tag nach dem Debakel in Sinsheim erkenne ich kein Licht am Ende des Tunnels, keinen Hoffnungsschimmer, dass es gegen Hertha besser werden könnte. Ich befürchte, der VfB verkennt noch immer den Ernst der Lage, verkennt auch, dass die Gegner, die wir schlagen müssen, in den nächsten Wochen auf uns warten und dass es einfach tödlich wäre, mit einer eventuellen Veränderung zu lang zu warten. In den letzten fünf Saisonspielen mit Spielen gegen Wolfsburg und Schalke sowie in Hannover und in München lässt sich die Wende sicher nicht mehr herbeiführen. Daher wäre es jetzt das Schlechteste weiter zu zögern und das Unvermeidliche hinauszuschieben, wie man es schon mit Labbadia tat. Für mich nach wie vor DER Grund für den Niedergang, die nicht erfolgte Trennung von Labbadia nach dem Pokalfinale.

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