22. Dezember 2014

Aus, Aus, Aus, das Fußballjahr ist aus!

Selten war ich so froh wie am Samstag, die Truppe ein paar Wochen nicht sehen zu müssen und mich in nächster Zeit vermehrt den schönen Dingen des Lebens zuwenden zu können. Die einst schönste Nebensache der Welt ist beim VfB zu einem gequälten Dahinsiechen verkommen, war man einst der Verein für Begeisterung ist man nunmehr nach mindestens vier Jahren Misswirtschaft zum Verein für Bedeutungslosigkeit oder auch zum Verein für Bewegungslosigkeit mutiert. War man vor noch nicht allzu langer Zeit selbst motiviert bis in die Haarspitzen und holte in den neunzig Minuten auch auf der Tribüne alles aus sich heraus, kauert man heute in seinem Sitz und schaut dem Treiben auf dem Platz fast schon mitleidig zu.
Gegen die Fußballmacht Paderborn ließ der VfB mal wieder alles vermissen, was den Fußball ausmacht. Kein Tempo, keine Aggressivität, Zweikampfschwäche, an Ideen- und Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Gerade einmal vier Tore (drei davon allein beim 3:3 gegen Leverkusen nach 0:3-Rückstand) brachte der VfB in dieser Saison zu Hause zustande, bei 16 Gegentoren. Acht Heimspiele, die an die Nieren gingen. Was versprach man sich nicht alles durch den Umbau des Neckarstadions in ein reines Fußballstadion? Eine Festung sollte es werden, die allen Mannschaften, national und international das Fürchten lehrt und ein Hexenkessel ist.
Die Realität aber sieht leider anders aus, eine „Mannschaft“, die keine ist, die das kleine Einmaleins des Fußballs nicht kann, die fußballerische und Konzentrationsschwächen an den Tag legt, jegliche Identifikation mit Stadt und Verein vermissen lässt und dann noch beleidigte Leberwurst spielt, wenn das Publikum diese Vorstellungen nicht noch goutiert. Ständig hören und lesen wir von der angeblichen Qualität in dieser Truppe, auf dem Platz lassen diese jedoch selten bis nie aufblitzen.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn meine Mannschaft verloren hat, wenn, dann dürfte ich mein Herzblut nicht in diese Sportart und schon gar nicht in diesen Verein stecken. Sieg und Niederlage gehören zum Fußballspiel wie das Bier und die Stadion-Rote. Aber, an der Art und Weise von Niederlagen störe ich mich schon hier und da, dann nämlich, wenn man sich fragen muss, was die Jungs auf dem Platz eigentlich beruflich machen, was sie denn im Kopf haben, wenn die gleichen Fehler immer und immer wieder gemacht werden. Was sie ihrem Arbeitgeber und den Fans zurück zu geben sie bereit sind, oder ob sie sich in einer Einbahnstraße sehen, in der man zwar das fürstliche Gehalt einstreichen darf, sich dafür aber zu keinerlei Gegenleistung verpflichtet sieht? Ob man es als zahlender Kunde nicht erwarten kann, dass ein Fußballprofi ein oder zwei Mal die Woche für 90 Minuten alles aus sicher herausholt, alles für den Verein gibt und nicht nach einem zufällig gewonnenen Spiel der Schlendrian einkehrt. In Hamburg lag spielerisch auch einiges im Argen, hatte man Glück, dass der HSV einen grottenschlechten Tag erwischt hatte, dort aber stimmte wenigstens die kämpferische Einstellung. Dadurch hatten sie sich den Sieg auch verdient.
Vier Tage später, man darf dabei nicht vergessen, dass Paderborn einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte, kickt man dann wieder einen solchen Stiefel zusammen? Kein Wunder, dass wir seit nunmehr 15 Monaten keine zwei Siege in Folge mehr feiern durften, wenn nach einem Sieg gleich wieder Selbstzufriedenheit einkehrt und jeder denkt, es würde schon von selbst laufen.
Ganz schön angefressen war Huub Stevens nach dem Spiel. Ihm dürfte spätestens am Samstag klargeworden sein, welchen Sauhaufen er hier übernommen hat und welch harte Arbeit vor ihm liegt. Das Team muss über kurz oder lang komplett verändert werden. Armin Veh hat dies nach seinem Abschied durch die Blume gesagt, Dieter Hoeneß gestern bei Sport im Dritten unverblümt. Es wurde zu lange auf falsche Pferde gesetzt, die Zusammenstellung des Kaders ist unter aller Sau, wir haben zu viele ähnliche Spielertypen und vor allem keine Führungsspieler.
Wir haben keinen einzigen in der Mannschaft, der das Heft in die Hand nimmt und auch mal dazwischenhaut, wenn es nötig ist. Es herrscht keine bzw. eine falsche Hierarchie. Leute wie Romeu, Gruezo oder Kostic hätten zumindest in puncto Körpersprache das Zeug voran zu gehen, sind aber als Neulinge oder sogar Leihspieler nicht dazu prädestiniert und stellen sich naturgemäß erst einmal hinten an.
Kapitän Christian Gentner mag ein Laufwunder sein, leider hat er sich die falsche Sportart für diese läuferischen Qualitäten ausgesucht. Wenn Stevens ein unmissverständliches Zeichen setzen möchte, sollte er Gentner des Amtes entheben und die Binde Mister X geben, der hoffentlich noch kommt und von dem Stevens dann überzeugt ist und sein verlängerter Arm werden könnte. Vom derzeitigen Kader fällt mir so gut wie niemand ein, der dieses Amt übernehmen könnte, ich weiß nur, dass Gentner mit der Binde und der ihm damit aufgebürdeten Führungsrolle überfordert ist.
Sven Ulreich, auch am Samstag wieder mit ein, zwei guten Paraden, dafür ist er schließlich Torwart, aber eben in Kombination mit einigen Unsicherheiten. Die Spieleröffnung, seine langen Bälle, eine einzige Katastrophe, Antizipation ebenfalls, da hatte er zwei Mal Glück, dass nichts passiert ist. Mir fällt derzeit kein anderer Bundesligatorwart ein, der in jedem Spiel mindestens zwei, drei Böcke drin hat. Fast jeden Ball lang auf Harnik, selbst dann, als Harnik schon ausgewechselt war. Laut Kicker-Statistik 59% Fehlpässe (Kruse 26%), so kann doch kein vernünftiges Aufbauspiel stattfinden, wenn der erste in der Kette den Ball meistens dem Gegner hergibt. Auch das ist eine Personalie, mit der ich (bekanntermaßen) seit Jens Lehmanns Karriereende Bauchschmerzen habe. Ulle profitierte lang von der Tatsache, dass sein Berater Schwab und Fredi Bobic Freunde und Geschäftspartner sind, es war ja dann auch kein Zufall, dass, sobald Bobic entlassen wurde, der Torwartwechsel erfolgte. Ich hatte Armin Veh auf dem Kabinenfest Anfang September genau auf diese Problematik angesprochen und erntete vielsagende Blicke, so dass mir klar war, ohne dass er groß etwas dazu sagte, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. So war der Torwartwechsel irgendwann einfach nur logisch und bei weitem nicht nur Ulles Patzer in Dortmund geschuldet. Einige meinten ja, wegen EINEM Fehler, den Torwart herauszunehmen, das würde ja gar nicht gehen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das bei Ulle nicht passt und bei dem vor allem keine Verbesserung zu erkennen ist. Außer seinen Stärken auf der Linie hat er für mich fast nur Schwächen und ist er vor allem Torwart moderner Prägung. Natürlich hat Manuel Neuer diesbezüglich die Messlatte hoch angesetzt, natürlich wird es keinem Torhüter gerecht, ihn an Neuer zu messen, aber, besseres mitspielen, besseres fußballerisches Können, besseres Stellungsspiel, bessere Handlungsschnelligkeit, etc. pp. darf man von einem Bundesligatorwart schon erwarten. Dass Thorsten Kirschbaum auch nicht besser war, heißt nicht automatisch, dass Ulle wieder unangefochtene Nummer 1 sein muss.
Er muss sich warm anziehen wie der Rest der Truppe und, sollte er sich, gemeinsam mit Menger, nicht wieder aufs Niveau von vor zweieinhalb Jahren bringen können, muss man Vlachodimos eine Chance geben und am besten Ulle und Kirsche verkaufen, bevor Vlachodimos es Leno nachmacht und das Weite sucht.
Ich befürchte, dass die notwendigen personellen Korrekturen in der Winterpause nicht durchgeführt werden können. Zum einen ist der Verein notorisch pleite, zum anderen aber gibt der Winter-Transfermarkt auch nichts her, außer unzufriedenen Spielern, bei denen es ungewiss wäre, ob sie den Schalter so schnell umlegen und uns sofort helfen würden. Man hat schließlich nicht immer das Glück wie wir 2011, als Hajnal und Okazaki sofort einschlugen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatten.
So werden wir wohl oder übel mit diesem Kader auskommen müssen, so sehr allein der Gedanke daran auch Angst macht. Stevens wird eine härtere Gangart einschlagen, das war aus seinen Worten an diesem Wochenende deutlich herauszuhören. Seine PK nach dem Spiel fand ich erfreulich, endlich mal ein Trainer, der sich nach diesem Grottenkick nicht vor „seine“ Spieler sondern sie an den Pranger stellt und Klartext redet, nämlich, dass man mit einer solchen Einstellung kein Spiel gewinnen kann. Was mussten wir uns nach durchaus ähnlichen Spielen schon vorwerfen lassen, wir wären verwöhnt, was wir denn wollten, die Leistung war doch o. k. , wir haben uns „nur“ nicht belohnt.
Unsere Heimbilanz ist schon jetzt katastrophal, gegen Mannschaften wie Köln und Augsburg, die unter normalen Umständen zu unserer direkten Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg gehören, verlieren wir, gegen Paderborn, von den meisten als Absteiger Nummer eins gehandelt, spielen wir unentschieden und sind die schlechtere Mannschaft, und gegen die „Großen“ in der Liga, wie Wolfsburg und Schalke, holen wir uns Klatschen ab, so dass der Klassenunterschied schon jetzt klar zu sehen ist. Leverkusen ist auch in diese Kategorie einzuordnen, auch gegen die Werkself war es nach dem 0:3 zur Halbzeit zapfenduster. Vor den ersten Heimspielen in der Rückrunde kann einem daher nur angst und bange werden, heißen die Gegner doch Gladbach, Bayern und Dortmund. Ja, auch den BVB reihe ich noch in die Kategorie der Top-Teams ein und bin überzeugt davon, dass der BVB zumindest noch in die obere Tabellenhälfte klettern wird.
Gegen biedere Paderborner war einzig Daniel Didavis Rückkehr ein Lichtblick. Vor allem seine Standards wohltuend, schade, dass der zurzeit formverbesserte Alexandru Maxim verletzt passen musste. Außer Ulle und Gente, die enttäuschten, war Sakai einmal mehr nicht bundesligatauglich. Martin Harnik verlor so gut wie jeden Zweikampf und jedes Kopfballduell, Hlousek an seinem Geburtstag mit mehr Schatten als Licht. Auch Timo Werner ist schon die ganze Saison nur ein Schatten seiner selbst, wobei ich es den Youngstern nicht einmal verdenken kann. Die jungen Spieler brauchen Führung, gestandene Spieler neben sich, zu denen sie aufschauen, von denen sie lernen können. Wir zahlen momentan die Zeche für die „Firmenkultur“, die von oben nach unten vorgelebt wird. Anstatt Leute mit Ecken und Kanten und kontroversen Meinungen zu holen und sich die Köpfe heiß zu reden, wird eher Wert darauf gelegt, dass jeder seine Klappe hält. Wer dieses Spiel nicht mitzuspielen bereit ist, wendet dem Verein den Rücken zu. Wem sein sicherer Posten aber wichtiger ist, als sichtbarer Erfolg und kontinuierliche Verbesserung, der bleibt auch dann auf seinem Posten kleben, wenn er erkennt, dass im Grunde alles umsonst ist, was er tut. So muss es doch bspw. auch Andi Menger gehen, der einen Leno gehen lassen muss und Ulreich krampfhaft zur Nummer Eins erklärt wird, nur weil man ihm das bei der Lehmann-Verpflichtung mal versprochen hat und weil er eben das so wichtige Vitamin B hat.
Auch Fredi Bobic äußert sich heute im Kicker erstmals nach seinem Rauswurf, auch er lässt kein gutes Haar am mächtigen Aufsichtsrat, auch er sieht es inzwischen so, gegen Windmühlen angekämpft zu haben. Wenn es so schlimm und seine Mission zum Scheitern verurteilt war, frage ich mich, weshalb er dann nicht den Bettel hingeschmissen hat. Da er dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste vom VfB steht, sollte er dennoch vorsichtig sein, was das Nachtreten angeht. Er wäre nicht der Erste, der sich nachträglich noch eine fristlose Kündigung einhandelt, wenn betriebliche Abläufe oder Interna an die Öffentlichkeit getragen werden. Der VfB muss sparen, wo es geht, so gesehen käme ihm das sicherlich entgegen. ;-)
Was die Bobic-Nachfolge angeht, bin ich äußerst skeptisch, ob man im Verein gewillt ist, einen Mann mit eigenen Visionen zu holen oder wieder nur einen, der für die Vereinsführung und den mächtigen Aufsichtsrat ein bequemer Zeitgenosse ist, den man noch „ziehen“ kann. In diese Kategorie fällt für mich auch der derzeit favorisierte Robin Dutt. Zwar hat er jetzt nicht den viel zitierten Stallgeruch, aber, er dürfte schon zu Beginn sehr dankbar sein, wieder nahe seiner Heimat Leonberg seinen Dienst verrichten zu dürfen. Seit seiner Zeit in Freiburg hat er nichts mehr gerissen, ist in Leverkusen grandios gescheitert, hat den Job beim DFB selbst geschmissen und auch in Bremen keine Bäume ausgerissen.
Gerade seine Demission beim DFB werfe ich ihm vor. Matthias Sammer hatte für diesen Posten Maßstäbe gesetzt und den Grundstein für die Erfolge der U-Nationalmannschaften und auch den WM-Gewinn in Brasilien gelegt. Einen für Fußball-Deutschland so elementar wichtigen Posten nach noch nicht einmal einem Jahr beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga zu kündigen und beim DFB ein Vakuum zu hinterlassen, das spricht für mich nicht für Charakterstärke. Damals stellte er angeblich fest, dass er Trainer mit Leib und Seele sei und sich eher auf dem Platz denn am Schreibtisch zu Hause sieht, um jetzt die Rolle rückwärts zu schlagen? Für mich äußerst fraglich, ob wir mit diesem Mann in eine erfolgreiche Zukunft gehen können. Was, wenn der nächste Sinneswandel bei ihm eintritt? Dieses Risiko sollte der VfB genau abwägen, wurde man doch nach Armin Vehs Rücktritt schon kalt erwischt. Im übrigen würde es Dutt kraft seines Amtes auch mit Spielern zu tun bekommen, die trotz laufenden Vertrages eine Luftveränderung meinen zu brauchen, wie soll er hier argumentieren und auf die Gültigkeit von Verträgen pochen, wenn er selbst eine solche Wankelmütigkeit an den Tag legt.
Bei der Sportdirektorensuche ist nach wie vor der Zeitpunkt der Trennung von Fredi Bobic das große Problem. Es ist nun bereits die zweite Saison, die man wegen Zauderei frühzeitig in den Sand gesetzt hat, bevor sie richtig begann. War es erst Bruno Labbadia, dessen Vertrag man nicht zum Saisonende auslaufen ließ, nun also Fredi Bobic, dem man bereits im Mai dieses Jahres seine Papiere hätte geben müssen. Beide Male war der Transfermarkt bereits geschlossen, so dass die jeweiligen Nachfolger nichts Grundlegendes mehr ändern konnten. Unter diesen Voraussetzungen ist es schon äußerst bemerkenswert, dass wir mit Huub Stevens dank acht Punkten aus sechs Spielen überhaupt noch in Schlagdistanz sind. Zeitweise sah es schon bedenklicher aus, ab Platz 10, zu dem wir zwei Punkte Rückstand haben, kann es noch jeden erwischen, so gesehen ist die Ausgangsposition für die Rückrunde so schlecht nicht. Fakt ist aber, dass wir eine bessere Rückrunde hinlegen müssen als es die Vorrunde war.
Da ich in Huub Stevens großes Vertrauen setze und mir sicher bin, dass er weiß, was zu tun ist und an welchen Hebeln anzusetzen ist, bin ich, mangels geeigneter Kandidaten, fast dafür, die Saison mit Stevens als Teammanager und Schneider als Fachmann für die kaufmännischen Angelegenheiten zu Ende zu bringen und ab 1.7. eine 1a-Lösung (die man dann evtl. auch aus einem laufenden Vertrag holen kann) zu präsentieren. Diese Konstellation würde aber natürlich die Gefahr beinhalten, dass mit Stevens der nächste Trainer seine Wunschkandidaten holen würde, im Sommer aber möglicherweise schon wieder weg ist. Auf der anderen Seite, da beißt die Maus keinen Faden ab, zählt momentan einzig der kurzfristige Erfolg, der da heißt Klassenerhalt.
Traut man es diesem Tandem nicht zu, wäre für mich Jan Schindelmeiser von den derzeit verfügbaren Kandidaten noch der beste. Als ehemaliger Fußballer, lizenzierter Trainer und Unternehmensberater bringt er eine hohe Qualifikation mit, Ihm täte man Unrecht, ihn lediglich auf seine Hoffenheimer Zeit zu reduzieren. Andere Kandidaten wie Nerlinger und Kreuzer haben bislang noch nicht nachhaltig ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt bzw. sind gescheitert, während dies bei möglichen Novizen wie Kahn, Effenberg oder Lehmann naturgemäß nicht der Fall ist. Nach Heldt und Bobic bin ich für einen erfahrenen Mann auf diesem so wichtigen Posten, da dieser Schuss sitzen muss. Lässt man die Erfahrung außer Acht, hätte für mich Jens Lehmann immer noch eine enorme Strahlkraft. Diese Lösung hätte sicherlich ihren Charme, ob die Herren aber bereit sind, einen Neuling, der zugleich Querdenker und streitbarer Geist ist, zu holen, bezweifle ich.
Nimmt man die Erfahrung als Teil eines Anforderungsprofils schiede Robin Dutt aber ohnehin gleich mit aus. Auch Henk Veldmate, der zum Favoritenkreis gehören soll, wäre zugleich Chance und Risiko. Chance deshalb, weil er seine Arbeit vollkommen unvoreingenommen antreten würde und sicherlich neue Impulse reinbringen würde. Wer in Groningen gute Arbeit geleistet hat und die holländische Fußballphilosophie verinnerlicht hat, kann möglicherweise auch auf dem Wasen frischen Wind reinbringen. Dass die Verpflichtung eines Mannes, der die Liga nicht kennt, Risiken birgt, hat man erst kürzlich beim HSV mit Frank Arnesen gesehen. Schleppt er die ersten ein, zwei Holländer an, die nicht sofort einschlagen, findet sich unter den Koryphäen bei uns in Vorstand und Aufsichtsrat sicherlich mindestens einer, der ihm „erklärt“ wie Fußball hierzulande funktioniert, so dass am Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.
Ich beneide den Verein nicht darum, diese so schwierige richtungsweisende Entscheidung treffen zu müssen, bemitleiden tue ich sie aber mitnichten, haben sie sich diese Suppe doch grandios selbst eingebrockt.
Egal, wer am Ende des Tages diese Position übernimmt. Er hat die Herkulesaufgabe vor sich, den Kader komplett umzugestalten. Sich von hochbezahlten Durchschnittskickern und schlechten Charakteren zu trennen, und ein Gerüst an erfahrenen, integeren Profis zusammenzustellen, die den Anhang wieder mitzureißen vermögen und zu denen unsere Nachwuchskräfte aufschauen können. Dies wird sicherlich nicht von heute auf morgen passieren können, aber, man muss darauf hinarbeiten und sollte vor allem JEDE Vertragsverlängerung ganz genau überdenken.
Dass in den vergangenen Tagen dann noch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Schmidt aus der Deckung prescht und Huub Stevens mit in den Weihnachtsurlaub gibt, ein einstelliger Tabellenplatz müsse aufgrund unseres im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz hohen Etas schon drin liegen, ist für mich ein Paradoxon sondergleichen. Was diese „Mannschaft“ wert ist, zeigt sie Woche für Woche auf dem Platz, nämlich nichts. Natürlich ist der Etat hoch, wenn man Durchschnittskickern zu viel bezahlt, über die Qualität der Truppe sagt das rein gar nichts aus, dies spricht allenfalls Bände für die Unfähigkeit und sportliche Inkompetenz unserer Vereinsführung. So gesehen ein klassisches Eigentor!
Für mich geht es einzig und allein um den Klassenerhalt und diesen zu realisieren dürfte schwer genug werden. Schafft es Huub Stevens ein zweites Mal müsste ihm eigentlich ein Denkmal gesetzt werden. Wie eingangs schon beklagt, hat er es mit einer Truppe zu tun, die täglich an die Grundtugenden des Fußballspiels erinnert werden muss, der es fremd ist, zu kämpfen und Leidenschaft zu zeigen. Die letzten 5-10 Minuten gegen Paderborn konnte ich kaum fassen, wir ließen Paderborn gewähren, keiner ging drauf, keiner bemühte sich mehr den Ball zu erobern. Da war kein Siegeswillen, nichts erkennbar, jeder versteckte sich nur hinter dem Anderen.
Dann ist da offensichtlich noch immer ein Zwist zwischen Mannschaft und Fans. Anstatt sich zu bemühen, die Gunst der Fans wiederzuerlangen, flüchten sie in Selbstmitleid. Auch am Samstag wieder, immerhin dem letzten Spiel eines, auch für uns Fans, harten Jahres, kam die Mannschaft nur halbherzig und mit großem „Sicherheitsabstand“ in die Kurve. Von einer Aktion, wie in anderen Stadien üblich, „danke für die tolle Unterstützung im Jahr 2014“ oder Ähnlichem nichts zu sehen. Natürlich werden sie alle mal ein böses Wort aus der Kurve gehört, vielleicht auch mal einen oder mehrere Mittelfinger zu sehen bekommen haben, aber, rechtfertigt es das, das ganze Stadion abzustrafen, alle über einen Kamm zu scheren und auf immer und ewig auf Bähmulle zu machen? Ich finde es auf der einen Seite ganz schwach, auf der anderen aber ist das auch nicht verwunderlich. Welchen Charakter diese Truppe hat (oder auch nicht) bekommen wir fast jede Woche vor Augen geführt.
Langsam kommt man sich als Fan mehr geduldet denn erwünscht vor. Verkehrte Welt, mit dieser heutigen, verwöhnten, Spielergeneration kann ich bald überhaupt nichts mehr anfangen!
In Huub Stevens haben wir wenigstens den bestmöglichen so kurzfristig verfügbaren Mann bekommen, der die Jungs an der Ehre packen und an ihre Pflichten erinnern kann und wird.
Jetzt genießen wir erst einmal die fußballlose, besinnliche Zeit, bevor es 2015 weiter geht. Zwischen den Feiertagen und Feierlichkeiten schau ich dann auch gerne mal bei Sky Sport vorbei, wo die englische Premier League ein Mammutprogramm abspult. Jeder Verein, alle zwei, drei Tage, 90 Minuten Vollgas, Kampf und Leidenschaft pur. Man fragt sich dabei manchmal, ob das tatsächlich die gleiche Sportart ist, wie die, die wir uns im Neckarstadion anschauen.
Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten, besinnliche schöne Tage und einen guten Rutsch ins Jahr 2015.

Viele Grüße, Franky

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