23. Februar 2015

Dem Abgrund entgegen

Die Woche nach der Last-Minute-Niederlage in Hoffenheim war geprägt von der Furcht, unaufhaltsam und ungebremst in Richtung zweite Liga zu taumeln und auf der anderen Seite von der Hoffnung, dass Huub Stevens nach seiner zur Schau getragenen Ratlosigkeit doch über seinen Schatten springen und mit dem Mute der Verzweiflung gegen den BVB offensiver antreten würde. Dass wir mittlerweile in einer (Tabellen-)Situation angekommen sind, in der nur noch Siege helfen, müsste auch Huub Stevens mittlerweile begriffen haben und sein Handeln danach ausrichten.
Natürlich wäre es legitim gewesen, gegen Mönchengladbach, die Bayern und Borussia Dortmund erst einmal zu versuchen Beton anzurühren, um sich keine Mega-Klatschen einzufangen. Aber, bei heimschwachen Kölnern, bei formschwachen Hoffenheimern musste man einfach mehr erwarten dürfen, und den Willen auf Sieg zu spielen erkennen können. Bei und nach diesen beiden Spielen war ich maßlos enttäuscht. Wie das Kaninchen vor der Schlange zog man sich zurück, spielte quer und zurück anstatt zu versuchen den Gegner unter Druck zu setzen und sich Respekt zu verschaffen. Was dort über weite Strecken gespielt wurde, hatte mit Fußball wenig zu tun. Ängstlich, behäbig legte man den Rückwärtsgang ein und wenn es mal nach vorne ging, verloren wir die Bälle aufgrund technischer Unzulänglichkeiten schnell wieder. Und wenn dann noch lediglich zwei Spieler der Anfangsformation die Lizenz zum Stürmen haben, ist natürlich bei einem versprungenen Ball keiner da, der helfen könnte. So ist man naturgemäß nur am Hinterherlaufen und lässt sich zudem von einem verunsicherten Gegner in die eigene Hälfte drängen.
Noch ärgerlicher war der blutleere Auftritt von Sinsheim zu bewerten, wenn man als nächstes Borussia Dortmund vor der Brust hat. Zwar krebst auch der BVB in der zweiten Tabellenhälfte herum, befindet sich aber nach zuletzt zwei Siegen in Folge im Aufwind und hat die Qualität in seinen Reihen, jeden Gegner an die Wand spielen zu können. Als ernsthaften Rivalen im Abstiegskampf sah ich die Borussen ohnehin nie an, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Kurve kriegen würden.
Meine Hoffnung auf eine Trendwende gerade in diesem Spiel hielt sich daher von vornherein in Grenzen. Früher gehörte das Bier davor und danach dazu, um sich aufs Spiel einzustimmen und es danach zu analysieren. Heutzutage sind diese Treffen mit Freunden der Hauptteil und das Spiel lässt man dazwischen so über sich ergehen. Daher trafen wir uns am Freitag schon sehr frühzeitig in einem Brauhaus in der Stuttgarter Innenstadt und hatten eine große und lustige Runde beisammen, so dass ich schon gar keine Lust hatte, aufzustehen und in Richtung Stadion zu pendeln.
Aber, hilft ja nichts, wir sind natürlich rechtzeitig gegangen. Zehn Minuten vor Spielbeginn erreichte ich meinen Platz schließlich und hätte schon da am liebsten auf dem Absatz wieder kehrt gemacht, als mir per Whatsapp-Nachricht die Aufstellung zuging und ich ohne jedes Verständnis dafür zur Kenntnis nehmen musste, dass Huub Stevens offensichtlich nicht dazu bereit war, von seiner destruktiven Defensiv-Taktik abzurücken. Erneut mit Werner und Harnik gerade einmal zwei Offensiv-Akteure und dahinter nur Abräumer und Abwehrspieler. Abgesehen davon, dass diese defensive Ausrichtung bislang noch nicht von Erfolg gekrönt war, ist es beschämend für eine Heimmannschaft so aufzulaufen. Dem Gegner macht es das natürlich nicht leicht, aber, das Verständnis für einen solchen Antifußball hält sich sowohl beim Gegner als auch beim heimischen Publikum in Grenzen. So liefert der VfB weiterhin wenig Argumente, dass ihm irgendjemand eine Träne nachweinen würde, wenn er tatsächlich den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müsste. Der VfB steht bislang zu Recht da, wo er steht, und hat offensichtlich nicht die Mittel, den Bock endlich einmal umzustoßen.
So begann das Spiel, wie es zu befürchten war. Der BVB nahm sofort das Heft in die , der VfB stand tief in seiner eigenen Hälfte. Der VfB hatte gegen die schnellen Dortmunder Außen von Beginn an einen schweren Stand und lief fast ausschließlich staunend hinter- oder bestenfalls nebenher. Nachdem Ulreich bereits zwei Mal parieren konnte, lenkte er in der 15. Minute einen Schuss direkt vor die Füße von Aubameyang, Glück, dass dieser im Abseits stand. Auch diesen Warnschuss begriff der VfB nicht, indem er eigeninitiativ geworden wäre, so dass es zehn Minuten später geschehen war und der BVB die längst fällige Führung erzielte.
Völlig überraschend kamen wir dann aber zum Ausgleich. Bei der ersten (!) Torannäherung nach einer halben Stunde lief Sahin Georg Niedermeier in die Hacken und hinderte ihn somit drei Meter vor dem Tor am Torschuss. Folgerichtige Entscheidung, Elfmeter, den Klein platziert verwandelte.
Ebenfalls folgerichtig, Rot für Sahin, hat er doch eine klare Torchance vereitelt. Das Regelwerk schreibt dafür zwingend die Rote Karte vor und lässt keinen Interpretationsspielraum. Weshalb Aytekin die Karte stecken ließ, weiß wohl nur er selbst. Natürlich ist diese Regel blödsinnig, aber, sie gilt nun mal (noch), so dass es eine bodenlose Frechheit des fränkischen Schiedsrichters war, an dieser Stelle Selbstjustiz zu üben und sich darüber hinweg zu setzen. Man stelle sich nur vor, im nächsten Spiel in Hannover, gleiche Situation im VfB-Strafraum und ein VfB-Spieler fliegt für ein solches Vergehen vom Platz. Ungerecht ist die Welt!
Vielleicht hat Aytekin die Szenen vom Gladbach-Spiel ja gesehen und daraus geschlossen, der Schorsch träfe bestenfalls die Latte. Für mich eine absolute Frechheit, welche Narrenfreiheit die Schiedsrichter haben und dass sie Woche für Woche ungestraft in den Spielverlauf eingreifen dürfen und dafür auch noch ein hohes Honorar erhalten.
Ein klarer Regelverstoß, Protest dennoch wohl sinnlos, handelt es sich doch selbst bei solch glasklaren Szenen nach Auffassung des DFB um eine Tatsachenentscheidung und bestenfalls Wahrnehmungsstörung des Schiedsrichters. Weshalb es noch Linienrichter und einen vierten Offiziellen gibt, die ebenfalls eingreifen könnten, das aber so gut wie nie tun, ist deren Geheimnis. Für mich war es die Schlüsselszene des Spiels. Gegen zehn Dortmunder wäre vielleicht ein Punkt drin gewesen. Dortmund hat ja das wichtige Champions League Spiel gegen Juventus Turin vor der Brust und hätte sich zu zehnt möglicherweise nicht voll verausgabt und wäre womöglich mit einem Punkt dann zufrieden gewesen. Auch wenn ein Protest gegen die Spielwertung wohl wenig Aussicht auf Erfolg hätte, an Stelle des VfB würde ich Schritte einleiten und diese Unverschämtheit nicht einfach schlucken. Richtig zornig verfolgte ich dann die gestrigen Diskussionsrunden, wo Aytekin für seinen “Mut” noch gelobt wurde, anstatt dass mit aller Deutlichkeit herausgestrichen wurde, dass festgeschriebene Regeln für alle gleich gelten müssen und alles andere eine schreiende Ungerechtigkeit ist.
Schon fast zum Lachen, dass es die Rote Karte in ähnlicher Situation beim Spiel Paderborn-Bayern, als Robben gelegt wurde, gab. Vielleicht sollte der DFB hier seine Schiedsrichter mal auf den gleichen Stand bringen oder es auch nur zugeben, dass es den vielzitierten Bayern-Bonus tatsächlich gibt.
So lief das Spiel wie schon davor weiter, Dortmund kombinierte wie in besten Zeiten und erzielte keine zehn Minuten nach dem Ausgleich die erneute Führung. Ich war schon da stinksauer. Natürlich ließ das 1:2 noch alle Möglichkeiten offen. Dennoch war es fürchterlich mit anzusehen, wie unterlegen der VfB war, dass wir überhaupt nichts entgegenzusetzen hatten und immer einen Schritt zu spät dran waren. Positiv herauszuheben war lediglich das Startelf-Debüt von Serey Dié und das Comeback von Carlos Gruezo, auch wenn er noch lang nicht der Alte ist und zu allem Überfluss später auch noch verletzt ausgewechselt werden musste.
Das VfB-Spiel übertraf meine schlechtesten Erwartungen. Es war überhaupt nichts zu sehen, das für den Rest der Saison Hoffnung geben würde. Vogelwild in der Abwehr, harmlos im Sturm und ein Mittelfeld mit null Akzenten nach vorne. Dann noch ein Torwart, der den Ball lieber ins Seitenaus drischt, anstatt ihn einem Mitspieler anzuvertrauen. Es tat einfach weh!
So spielt ein Schlusslicht, so spielt ein Absteiger, so spielt ein Haufen von Einzelspielern, die trotz deutlicher Transparente in der Cannstatter Kurve den AbstiegsKAMPF noch immer nicht angenommen zu haben scheinen.
Nicht nur das erbärmliche Auftreten der Mannschaft schmerzte. Im ausverkauften Neckarstadion befanden sich sicherlich zwischen 15.000 und 20.000 Dortmunder Fans und diese natürlich dort, wo es nicht ganz so viele Dauerkarten gibt, also beispielsweise bei uns. Da ich ohnehin einen megadicken Hals hatte und dann noch beim Dortmunder Führungstreffer viele aufsprangen und selbst zu „Steht auf, wenn ihr Dortmunder seid“ stehen blieben, zog ich es vor, ins Cancun zu gehen und dort die zweite Halbzeit anzuschauen. Das kam bei mir schon lang nicht mehr vor, dass ich noch vor der Halbzeit gegangen bin, dieses Mal aber war das Gesamtpaket ausschlaggebend, da meine Hoffnung auf eine bessere zweite Halbzeit nicht vorhanden war.
Bereut habe ich diesen Entschluss zu keiner Zeit. Es war allein der Dortmunder Schludrigkeit geschuldet, dass es ergebnistechnisch kein Debakel gab. Als Timo Baumgartl, bis dahin bester VfBler, kurz vor Schluss nach schlampigem Pass von Klein der Ball versprang und seine Rückgabe dadurch zu kurz geriet, war das Spiel ohnehin bereits so gut wie verloren, so dass ich dem Youngster keinen Vorwurf mache. Ulle hätte die Situation auch antizipieren und entschlossener herauslaufen können. Der Deckel war also drauf, daran änderte das 2:3 durch Niedermeier in der Nachspielzeit auch nichts mehr.
In der Woche tauchte im Netz eine ältere Fake-Geschichte wieder auf, die davon erzählte, Marcel Reif wäre vom DFB für Bayern-Übertragungen gesperrt worden, weil er sie immer so in den Himmel lobe und nicht neutral kommentiere. Mein spaßiger Kommentar dazu, natürlich mit einem Augenzwinkern, war, dass er dann zur Strafe die VfB-Spiele kommentieren müsse, davon Augenkrebs bekäme und mich das nicht tangieren würde, weil ich ohnehin bei jedem Spiel bin. Weit gefehlt, nun saß ich also im Cancun und musste sein Gesabber über mich ergehen lassen. Das mit dem Augenkrebs traf tatsächlich zu, er war nahezu entsetzt. „Was ist nur aus diesem VfB geworden“, „Schockstarre“, „keiner will den Ball haben“, „erbärmlich“, waren so noch die freundlichsten Vokabeln. Ganz Fußball-Deutschland wurde ganz deutlich vor Augen geführt, dass der erste Absteiger eigentlich schon feststeht. Man kann es sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie in dieser verfahrenen Situation noch eine grundlegende Wende kommen soll.
Unterm Strich stehen also weiterhin 18 Punkte nach 22 Spielen. Nach meiner Rechnung müssen noch mindestens sechs Siege her, um dem Abstieg noch entgehen zu können. Nur, gegen wen sollen die gelingen?
Die Transparente in der Kurve vor dem Spiel wie „Wadenkrampf und Bluterguss, statt Selfiescheiß im Mannschaftsbus“ oder auch „Auf geht’s Stuttgart, kämpfen ihr Nieten“ waren eine deutliche Ansage, was von der Mannschaft erwartet wird. Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel passten ja einige Ultras die Mannschaft am Clubgelände ab und stellten sie zur Rede. Anscheinend soll dies für so manchen Spieler erleichternd gewesen sein, sich einmal konstruktiv den Frust von der Seele reden zu können und in friedlichem Rahmen abgelaufen sein. Die Zeiten auf dem Wasen werden also rauer, die Mannschaft zunehmend in die Pflicht genommen, dem Abstiegskampf alles unterzuordnen und persönliche Eitelkeiten und Befindlichkeiten beiseite zu schieben. Ich hoffe sehr, dass auch weitere Aktionen im friedlichen Rahmen verlaufen und es nicht zu Eskalationen kommt, die wir schon erlebt haben und auf die ich wirklich verzichten kann.
Nach dem Spiel spielten sich herzzerreißende Szenen in der Kurve ab, die ein engeres Zusammenrücken zwischen Team und Fans dokumentieren. Waren es doch die Fans, die die Spieler trösteten und aufmunterten und nicht etwa die Mannschaft, die uns Mut gemacht hätte. Wie die Häufchen Elend kamen die Jungs in die Kurve, offensichtlich am Boden zerstört. Es wirkte fast so, als wären sie genauso erschrocken über die indiskutable Darbietung wie wir Fans.
Gerade die Youngsters, , unsere Timos, die sich mit dem VfB sicherlich am meisten identifizieren, hatten Tränen in den Augen und machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube, wie sehr ihnen diese Situation an die Nieren geht. Gerade für die beiden muss die Vorstellung besonders schlimm und auch lähmend sein, für alle Ewigkeit mit der dunkelsten Stunde der VfB-Vergangenheit in Verbindung gebracht zu werden. Unsere Youngster tun mir in dieser Lage am meisten Leid, da wir keine Führungsspieler haben, die sie an die Hand und wieder aufrichten können, zumindest keine, deren Leistung und Auftreten sie dazu befähigen und glaubwürdig machen würden. Aber auch ein Moritz Leitner, dem man ja zutraut, dass ihm die Situation egal ist, stand da wie ein reumütiger Bub.
Am Freitagabend merkte man deutlich wie nie zuvor, welch immenser Druck der Mannschaft lastet und auch wie ratlos sie sind, damit umzugehen. Der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft scheint also vorerst vorhanden zu sein, richten müssen es aber trotzdem diejenigen, die auf dem Platz stehen. Der Unterstützung dabei können sie sich nach wie vor sicher sein, so auch am nächsten Samstag in Hannover. Ob die Situation nach Niederlagen gegen Hannover und die Berliner Hertha noch die gleiche wäre, da habe ich meine Zweifel. Es ist purer Pragmatismus der Fanszene, still zu halten und das Team nicht noch weiter zu verunsichern, was dann womöglich noch kontraproduktiv wäre.
Sportdirektor Robin Dutt zählt inzwischen öffentlich den Trainer an, indem er ihn indirekt dazu auffordert, von seiner defensiven Grundordnung abzuweichen. Natürlich ist das in der Sache richtig, denkt doch fast jeder so, aber, ob es ein geschickter Schachzug ist, Stevens öffentlich Ratschläge zu erteilen, wage ich zu bezweifeln.
Wie ich Stevens einschätze kränkt ihn das, wenn man seine Überzeugung in Frage stellt und es würde mich nicht wundern, wenn er tatsächlich demnächst den Bettel hinwerfen würde. Da er ein ehrlicher, aber auch sturer Mensch ist, könnten die Äußerungen Dutts in die falsche Richtung gehen, nämlich dass Stevens, selbst sollte er schon andere Überlegungen angestellt haben, seine taktische Ausrichtung jetzt zum Bossen nicht ändern wird, nur um nicht den Eindruck zu erwecken, sich in die Aufstellung hineinreden zu lassen.
Inzwischen habe ich Zweifel, ob die Rückholaktion Stevens‘ richtig war. Nach Vehs Rücktritt war er zwar für mich der bestmögliche Nachfolger, da mir seine Art der Mannschaftsführung in der letzten Saison gefallen hat. Zudem merkte man ja unter Veh, dass der Hurra-Stil gefährliche Defensiv-Schwächen offenbarte. Mit Stevens erhoffte ich mir eine Stabilisierung der Defensive, aber natürlich nicht um den Preis, dass man sich sämtlicher Offensiv-Qualitäten berauben würde.
Maurizio Gaudino hat es letzte Woche beim Fußball-Stammtisch eigentlich plausibel erklärt, dass es falsch war, Stevens zurückzuholen. Die Spieler kannten ihn, so dass keine neuen Reize gesetzt wurden und somit auch keine Aufbruchsstimmung in der Mannschaft entfacht wurde. Natürlich ist das richtig, da Veh aber zurückgetreten war und sich die Mannschaft damals noch nicht ganz so schlecht präsentierte, waren diese Punkte für mich nicht vorrangig. Damals herrschte nach Vehs überraschendem Rücktritt erst einmal eine Leere und man war froh, diesen Abgang bestmöglich und vor allem schnell kompensiert zu haben.
Ob Stevens in den nächsten Spielen, in denen es weitestgehend gegen direkte Konkurrenten geht, bereit ist, mehr Risiko zu gehen, wird sich zeigen. Wenn nicht, muss eigentlich die Notbremse gezogen werden, denn so schlittern wir unweigerlich dem Abgrund entgegen.
Unser Königstransfer Kostic ist genauso außen vor wie Alexandru Maxim. Leitner darf genauso fast immer ran wie Hlousek. Martin Harnik soll den Stoßstürmer geben, während Ginczek zu den Amateuren verbannt wurde (und trifft und trifft).
Natürlich ist jede weitere Unruhe nicht förderlich und es spräche nicht für den VfB, beschäftigte man zum zweiten Mal in Folge drei Trainer in einer Saison. Aber, den Rücktritt Vehs würde ich da nicht einmal mitzählen, weil er ja selbst den Schlussstrich gezogen hatte und „freiwillig“ ging. Hier ist dem Verein „nur“ vorzuwerfen, dass er sich offensichtlich nicht über Veh informiert hatte, ob und inwiefern er sich seit seinem Rausschmiss 2008 verändert hat. Was so heraussickert, gab es mit Veh nämlich genau die gleichen Probleme, die man ihm schon damals nachgesagt hatte.
Ich möchte wahrlich keinen Trainerwechsel herbei reden, aber, wenn eine Situation verfahren ist, wenn einige Spiele hintereinander ähnlich und ohne Weiterentwicklung oder gar Verbesserung dahinplätschern, muss eventuell die letzte Patrone noch gezogen werden, um sich am Ende nicht vorwerfen zu müssen, nicht alles versucht zu haben.
Stevens wirkte schon in Sinsheim erschreckend ratlos und wusste auch nach dem Dortmund-Spiel keine Lösungsansätze. Dass die Kader-Zusammenstellung falsch ist, dass die individuellen Fehler abgestellt gehören und dass er kein Messias ist, sprach er in die Mikrofone.
Natürlich würde sich wohl jeder Trainer der Welt an diesem Kader die Zähne ausbeißen, aber, psychologisch scheint ihm in dieser Saison das Geschick zu fehlen, das ihn in der letzten Saison noch auszeichnete.
Die aufgeführten Thesen sind Tatsachen, die man weiß und jeder sieht, mir fehlt jetzt aber DER Spieler, den er stärkt (und der es ihm dann auch mit Leistung zurückzahlt), so wie er es in der letzten Saison mit Gruezo, Didavi und auch Traore schaffte. So etwas wäre ein Impuls, den man sich von einem Trainerwechsel erhofft, dieser ist leider seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ausgeblieben. Mit Serey Dié hat man ja jetzt DEN Spielertyp, der gefehlt hat, der kratzt und beißt, so dass man das Mittelfeld offensiver ausrichten könnte. Mit neun defensiv denkenden Spielern werden wir es kaum aus dem Keller heraus schaffen.
Wenn man sich die Sportsendungen des Wochenendes wie den Fußball-Stammtisch und auch Sky 90 zu Gemüte geführt hat, muss man feststellen, dass dieser Offenbarungseid gegen Dortmund dazu geführt hat, das kaum noch jemand einen Pfifferling auf den VfB setzen würde. Alle sind mehr oder weniger sprachlos, wie hilf- und führungslos der VfB sich derzeit präsentiert.
Dennoch ist es natürlich verfrüht den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn sich immer mehr Teams aus der Abstiegszone verabschieden. Das nächste Spiel in Hannover dürfte (einmal mehr) richtungsweisend werden. Zeigt die Mannschaft eine Reaktion, hat der Zuspruch der Fans diese Wirkung und wird, Originalton Dutt, Energie freisetzen oder verfällt man weiterhin in die alte Lethargie und lässt das Spiel über sich geschehen. Natürlich haben wir in den letzten Jahren dort wenig gerissen, abgesehen vom 0:0 in der Rückrunde der letzten Saison, aber, der Sieg Paderborns in Hannover vor einer Woche sollte doch Mut machen, dass wir das auch schaffen könn(t)en. Sollte der Auswärtssieg gelingen, wäre Hannover zudem ebenfalls noch dick in der Verlosung.
Früher war Hannover der Inbegriff eines „Graue-Maus-Spiel“. Ein zugiges Stadion, überschaubare Unterstützung im Gästeblock und das in einer Stadt, wo man sonst eigentlich nur vorbei fahren würde. Mittlerweile hat sich Hannover gemausert. Nicht nur, dass sie sich seit Jahren in der Liga etabliert haben, das Stadion ist nach dem Umbau richtig schön geworden und es ist mittlerweile auch ein beliebtes Reiseziel des VfB-Anhangs. Die Stimmung im Stadion ist gut, auch wenn die Ultras „ihre Erste“ derzeit boykottieren. Ich freue mich also drauf, aber, wie immer in letzter Zeit, mehr auf das Drumherum und die Leute, als auf das Spiel.

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