2. März 2015

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:47

So in etwa ordne ich den Punkt in Hannover ein. Da uns schon seit geraumer Zeit nur Siege tatsächlich weiterhelfen würden, überwiegt nach wie vor die Enttäuschung. Natürlich ist ein Punkt in Hannover, wo wir schon einige Zeit lang nicht mehr gewonnen haben, aller Ehren wert. Dennoch wurde es verpasst, ein weiteres Team mit unten hineinzuziehen und auf dieses Druck auszuüben.
Stevens sprang zwar tatsächlich seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder über seinen eigenen Schatten und stellte offensiver auf als zuletzt. Alexandru Maxim stand ebenso in der Startelf wie auch Daniel Ginczek, der zuletzt bei den Amateuren vorspielen musste. So kehrte wenigstens etwas mehr Spielkultur ein und man hatte den Eindruck, dass etwas, auch nach vorne, gehen könnte. Da unsere Jungs, allen voran Martin Harnik, jedoch nicht von heute auf morgen ihre technischen Mängel ablegen konnten, war das Spielniveau dem Tabellenstand der beiden Teams entsprechend, nämlich äußerst armselig.
Da Timo Baumgartl kurzfristig krank (!?) ausgefallen war, rückte Daniel Schwaab in die Innenverteidigung an die Seite unseres zuletzt torgefährlichsten Mannes Georg Niedermeier. Wie fragil die Mannschaft derzeit ist, zeigte sich darin, dass bereits diese eine Umstellung dazu führte, die ohnehin große Verunsicherung in der Defensive noch zu verschlimmern. Einem minderbemittelten Gegner, der mit sich selbst und gegen das ebenfalls unruhige Hannoveraner Umfeld zu kämpfen hatte, musste man schon die Bälle selbst auflegen, dass dieser Torchancen kreieren konnte. Dies tat Georg Niedermeier vorzüglich, als er als letzter Mann den Ball an Joselu verlor, so dass dieser freie Bahn hatte. Dieser wiederum schloss überhastet ab und lupfte den Ball über den Kasten.
Im Stadion herrschte eine merkwürdige Stimmung. Der VfB-Block, mit über 2.000 Unentwegten gut gefüllt, war durchgängig zu hören, auch auf der Haupttribüne. Die 96er ihrerseits müssen schon die komplette Saison auf überbordende Unterstützung verzichten, da die 96er-Ultras aufgrund schwerwiegender Differenzen mit der Clubführung um Martin Kind ausschließlich die eigenen Amateure unterstützen. So war aus der 96er-Kurve nur sporadisch „Kind muss weg“ zu hören, was von den anderen Tribünen jedoch stets mit Pfiffen quittiert wurde.
Das Tischtuch zwischen den Ultras, dem Verein, aber auch den „Normalo-Fans“ auf der anderen Seite ist spätestens seit Ende der letzten Saison zerschnitten. Nach dem schon einige Konflikte, beispielsweise dem bezüglich der Häufigkeit der Verwendung von Pyro-Technik und der Umlegung der Strafen auf die aktiven Fans, länger schwelten, wollte 96 für das Auswärtsspiel in Braunschweig für die Anreise nur von der Polizei begleitete Konvois zulassen, wogegen Auswärtsdauerkarteninhaber erfolgreich geklagt hatten. Der Verein stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin, so dass sie nicht mehr rechtzeitig zugunsten der Kläger entscheiden konnte. Ein Affront gegen die Fans, die daraufhin für den Rest der letzten Saison den Support einstellten, den Protest gegen Kind jedoch ausweiteten. Dadurch kam es dann zu allem Überfluss auch noch zu Streitigkeiten mit den Normalos, die in Kind den Gottvater von 96 sehen, der die Geschicke des Vereins schon viele Jahre mit Herzblut und auch recht erfolgreich leitet.
Wenn man so möchte, war das ein Vorgeschmack darauf, wohin der moderne Fußball steuert, wenn der aktive Fan ausgegrenzt wird und jedes Mittel Recht ist, den Fußball zu verteuern und unbequeme, allzu kritische Kundschaft, einfach mal ausgesperrt wird. Die Atmosphäre erinnerte etwas an die in englischen Stadien, bis auf wenige Gesangseinlagen, in denen auf allen Tribünen das „96 ole“ zu vernehmen war, war es ruhig und fast gespenstisch, so dass wir im Unterrang sogar vereinzelt Rufe auf dem Feld wahrnehmen konnten.
Nach dem Platzsturm der Kölner Chaoten in Gladbach waren schon wieder Rufe nach einer Abschaffung der Stehplätze zu hören, so dass der Weg zwar schleichend ist, man aber den Eindruck hat, jede „Gelegenheit“ soll genutzt werden, um diese Diskussionen wieder anzuheizen und um eines Tages wie in England reine Sitzplatzarenen und ein zahlungswilligeres (und unkritischeres) Publikum zu bekommen.
Ganz aktuell blickt ja die Liga neidisch nach England, wo in naher Zukunft über 3 Milliarden Euro Fernsehgelder pro Saison in den Fußball fließen werden, etwa das Vierfache dessen, was die Bundesliga aus seinen Fernsehverträgen einnimmt.
Müssen wir das noch mitmachen und dafür den Preis der weiteren Zerstückelung der Spieltage und damit einhergehend wohl auch von noch kurzfristigeren Terminierungen bezahlen? Ein Montagspiel haben, womöglich eines zum Frühschoppen und noch am späten Samstag- oder Sonntagabend? Von mir hierzu ein ganz klares Nein. Für die Aussage von DFL-Boss Seifert im Fernsehen, „was wollt ihr denn, wir haben ja bereits ein Montagspiel“, dieser Termin stelle ja überhaupt keine Veränderung dar, fällt mir nichts mehr ein. Zum einen haben wir hier bisher „nur“ ein Zweitligaspiel, zum anderen stößt dies aber bei niemandem auf Gegenliebe. Was hat denn der Fernseh-Zuschauer und vor allem der Fan im Stadion davon, wenn in die Liga das Vierfache an Euronen gepumpt wird?
Bekomme ich meine Dauerkarte dann geschenkt? Nein, diese wird weiterhin Jahr für Jahr teurer werden, auch hier genügt ein Blick auf die Insel. Die einzigen Profiteure davon wären die Spieler, Berater und Funktionäre, also diejenigen, die bereits heute schon überbezahlt sind. Soll ich eine weitere Zerstückelung der Spieltage gutheißen, nur damit ein Spieler wie Gentner anstatt geschätzt 2,5 Millionen jährlich das Doppelte einstreicht? Nicht einmal die Vereine werden dadurch reicher werden, da sie in der Regel die eingenommenen Gelder wieder reinvestieren und sich, na klar, teurere Spieler damit leisten können. Auch dann wird es Vereine geben, die mehr und welche, die weniger investieren können, was auch dann noch zu Neid und den einen oder anderen Verein zu Größenwahn verleiten dürfte.
Die DFL muss aufpassen, sich durch diesen Größenwahn kein Eigentor zu schießen. Der englische Fernsehmarkt ist ein anderer als bei uns, dort sind mehr Leute bereit dazu, immense Summen fürs Pay-TV zu bezahlen als hierzulande. Für Sky Deutschland dürfte mittlerweile fast das Ende der Fahnenstange erreicht sein, man merkt, wie schwer sie sich tun, neue und vor allem langjährige Abonnenten zu gewinnen. Je fanunfreundlicher die Anstoßzeiten werden, desto weniger Leute werden ins Stadion gehen und desto trostloser wird die Atmosphäre in den Stadien sein. Man merkt es ja bereits jetzt, beim Freitagabend-Termin, wie viele Plätze, auch die von Dauerkarteninhabern, leer bleiben, einfach, weil es sich nicht jeder leisten kann und möchte, zu übernachten, und eine Rückfahrt, zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nicht mehr möglich ist. Manch ein Verein hat Einzugsgebiete seiner Fans von mehreren hundert Kilometern, diese werden als erste fern bleiben.
Um zurück zum Boykott der 96-Ultras (und einiger Gruppierungen anderer Vereine) zu kommen. Die Vereine müssen den Spagat hinbekommen, sich zwar nicht die Vereinspolitik von den Ultras diktieren zu lassen, auf der anderen Seite aber stets bestrebt sein, einen Konsens mit ihnen zu finden. Es handelt sich hier durchaus um eine gegenseitige Abhängigkeit, bei der der eiserne Besen einfach der falscheste Ansatz ist. Wohl nicht zufällig steckt 96 gerade in dieser Saison im Abstiegsstrudel fest, in der sie der Bann des Liebesentzugs der Ultras getroffen hat…
Das Spiel war insgesamt geprägt von einer enormen Nervosität auf beiden Seiten, so dass es lange richtig niveauarm vor sich hin plätscherte. Beide Teams waren im Jahr 2015 noch sieglos, daher war die beiderseitige Verkrampfung auch irgendwie nachzuvollziehen.
Durch einen Abwehrfehler der Hannoveraner hatte Christian Gentner in der 52. Minute plötzlich freie Bahn, tauchte allein vor Zieler auf und erzielte mit links das 0:1. Erstmals in der Rückrunde lagen wir in Führung und waren dem so lang ersehnten Sieg sehr nah. Ein offensiver Doppelwechsel von Korkut aber brachte die Wende für die 96er. Einen solchen doppelten Offensivwechsel hätte Stevens überhaupt nicht vollziehen können, saß mit Kostic doch sage und schreibe nur ein einziger Offensivmann auf der Ersatzbank. Ibisevic wurde, nachdem der Entschluss gereift war, auf Ginczek in der Spitze zu setzen, gleich ganz zu Hause gelassen, hatte er nach Einwechslungen unlängst doch keine herausragenden Jokerqualitäten nachgewiesen. Der VfB hatte zwar in der Drangphase der Hannoveraner noch eine Chance durch Gentner, war aber jetzt mehr und mehr hinten gefordert und kassierte auch folgerichtig noch den Ausgleich. Nach verlorenem Kopfballduell von Niedermeier gegen Joselu kam der Ball in die Mitte, wo Stindl völlig frei stand und keine Mühe hatte, den Ball aus fünf Metern ins Tor zu bugsieren. Weder Sakai noch Schwaab waren hier auf der Höhe!
In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal turbulent. Als Stindl bei Freistoß für uns den Ball nicht herausrücken wollte, stieß Harnik ihn um und sah glatt rot, während Stindl, kurz zuvor verwarnt, „nur“ gelb-rot vor die Nase gehalten bekam. Von der Tribüne sah es für mich danach aus, dass Harnik auf gelb für beide spekuliert hatte, was das Aus lediglich für Stindl bedeutet hätte. So hatte er sich verkalkuliert und heute die Quittung dafür erhalten: zwei Spiele Sperre. Schon seit einiger Zeit rege ich mich nicht mehr darüber auf, wenn uns der eine oder andere Spieler eine Zeitlang fehlen wird. Brach früher schon mal eine Welt wegen eines „Verlustes“ zusammen, sehe ich es heute positiv und bin dankbar, diesen Spieler mal zwei Spiele nicht ertragen zu müssen. Ich mag Harnik eigentlich, erkenne bei ihm auch den Willen und merke ihm an, wie angefressen er ob unserer Lage ist, aber, was er seit einiger Zeit schon spielt, ist katastrophal, so dass ihm und uns die Pause gut tun wird. Schade nur beim VfB im Jahre 2015, was Besseres wird kaum nachkommen.
Am Ende stand also ein leistungsgerechtes Unentschieden, das den Hannoveranern wohl mehr nützen dürfte als uns. Wir treten auf Platz 18 auf der Stelle und brauchen bald, wenn wir nicht ganz gehörig aufpassen, ein Fernglas, um überhaupt den Relegationsplatz noch erspähen zu können. Die Reaktionen der Fans nach dem Spiel waren weitestgehend freundlich, bei einer möglichen Niederlage gegen Hertha BSC Berlin dürfte die Stimmung allerdings endgültig kippen.
Die Szenen nach dem Dortmund-Spiel waren schön und gut und vielleicht auch notwendig, um zu einem neuen Wir-Gefühl zurückzukehren. Die Wut der Fans richtet sich ja auch weniger gegen die einzelnen Spieler sondern gegen diejenigen, die die Spieler geholt und die letzte Saison nicht als letzten Schuss vor den Bug verstanden hatten. Für die katastrophale Zusammenstellung des Kaders können die Spieler ja nichts. Dass sie mit Absicht schlecht spielen, möchte ich ihnen auch gar nicht unterstellen, sie können es eben (leider) nicht besser.
Erschreckend fand ich die Szenen von vor gut einer Woche in der Cannstatter Kurve aber dennoch. Absolut untypisch in einer solchen Situation, dass enttäuschte Fans die Spieler aufrichten und ermutigen müssen und dies nicht andersherum der Fall ist.
Nachdem die Mannschaft seit Wochen nach den Spielen kaum weiter als bis zur Strafraumgrenze ging, um die Unmutsäußerungen in Empfang zu nehmen, führte Ersatzkapitän Georg Niedermeier da Team in die Kurve, um sich dem Anhang zu stellen. Was sich dann abspielte, war schon zwar herzzerreißend aber eben auch grotesk. Sie standen da wie kleine Kinder, gegen die sich die Welt verschworen hat, der Zuspruch der Fans muss sich da wie Balsam auf ihren geschundenen Seelen angefühlt haben.
Sie menschelten zwar, gaben aber zugleich auch ein jämmerliches Bild ab. Wir haben es mittlerweile offensichtlich nicht nur mit einem Qualitätsmangel im Team zu tun sondern auch noch mit nervlichen Wracks. Diese Verunsicherung war in Hannover greifbar. Die Füße zitterten, bei Ulle waren es die Hände. Gleich zwei Mal entglitt ihm ein sicher geglaubter Ball aus den Händen. Daher wiegt es doppelt schwer, den Sack in Hannover nicht einfach zugemacht und etwas fürs Selbstvertrauen getan zu haben. Jetzt müssen sie, komme was wolle, diesem immensen Druck standhalten und gegen Hertha BSC ohne Wenn und Aber gewinnen. Wenn mein Eindruck über den derzeitigen Zustand ihres Nervenkostüms nur annähernd zutrifft, ist der eine oder andere bestimmt schon jetzt feucht in der Hose, beim Gedanken daran, nächsten Freitag vor gut 40.000 Zuschauern beweisen zu müssen, dass er überhaupt noch eine Daseinsberechtigung im Oberhaus hat. Zusätzlich zur mangelhaften Qualität, zur miserablen Kaderzusammenstellung, zum aufgrund der letzten Ergebnisse und Darbietungen geschwundenen Selbstvertrauen kommen nun auch noch massive Versagensängste hinzu, die lähmen und einfachste Dinge nicht mehr gelingen lassen. Eigentlich hilft in einer solchen Situation nur noch ein guter Psychologe, der allerdings in begrenzter Zeit schon Wunderdinge vollbringen müsste, um diese Häufchen Elend wieder aufzurichten.
Das ist ein Problem, das meine Hoffnungen auf ein erfolgreiches Zu Ende bringen der Saison fast gegen null schrumpfen lässt.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Robin Dutt die obligatorischen 100 Tage der Einarbeitung zuzugestehen und mich, trotz meiner Vorbehalte, mit Kritik an ihm zurückzuhalten. Die dramatische Tabellensituation und das Taumeln der Mannschaft in Richtung Zweiter Liga lassen mich von dem Vorhaben nun doch leicht abrücken. Ob es Zufall ist oder nicht, dass Werder Bremen seit seiner Entlassung die Liga mit begeisterndem Fußball aufmischt, sei dahingestellt. Jedenfalls schätzte er offensichtlich die vorhandene Qualität falsch ein, was die Frage aufwirft, ob er sie denn nun in Stuttgart richtig einschätzt, wenn er meint, die Qualität unserer Truppe wäre ausreichend, um die Liga zu halten. Wie er bei Interviews in der Trainerfrage herumeiert, wie er gequält lustig wirken möchte, das passt wie die Faust aufs Auge zur Außendarstellung, die der Verein uns schon seit einigen Jahren zumutet. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sagen, da haben sich zwei gesucht und gefunden.
Dass Huub Stevens sich jetzt auch nur noch in Sarkasmus flüchtet und nicht gerade den Eindruck erweckt, mit vollem Herzen dabei zu sein, kann ich inzwischen sogar nachvollziehen. Er wird sich mittlerweile fragen, wo er hier hin geraten ist und weshalb er sich diesen Zirkus ein zweites Mal angetan hat. Wenn von oben kein klares Statement pro Stevens abgegeben wird, wenn die regionale Presse unwidersprochen Namen in den Ring werfen darf, die bereit stünden, sollte Stevens in Hannover oder jetzt aktuell gegen Hertha verlieren, dann ist es allzu verständlich, dass ein Mann, den man im letzten Mai noch auf Händen getragen hat, nur geduldig darauf wartet, bis man ihm den blauen Brief gibt.
Heute findet eine (turnusgemäße) Aufsichtsratssitzung statt, vielleicht kommen ja diese Herren dann schneller als gedacht zur Erkenntnis, dass sie sich von Stevens und Stevens wiederum von uns besser heute als morgen erlösen müssten. Der VfB muss diese Schmierenkomödie schnellstmöglich beenden, sind wir doch ohnehin schon das Gespött von ganz Fußball-Deutschland. Wenn Stevens sagt „die vier Monate werde ich auch noch überstehen“ und Dutt zum Besten gibt „Der Trainer und ich sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Aufwärtstrend sehen“ ist es höchste Eisenbahn diesem Dilettantenstadel ein Ende zu setzen.
Stevens sendete ja schon seit dem Hoffenheim-Spiel (nicht erhörte) Hilferufe, weil er offensichtlich mit seinem Latein am Ende ist und mit dieser „Mannschaft“ nicht weiter kommt. Ihm, wie auch den Experten in den einschlägigen Diskussionsrunden, wird schlagartig plausibel, weshalb Armin Veh wohl von heute auf morgen die Brocken hingeschmissen hat.
Wenn denn der „richtige“ Zeitpunkt gekommen ist und wir Trainer Nummer sechs in den letzten 1 ½ Jahren suchen, hoffe ich, dass es nicht ein Alexander Zorniger oder sonst ein Konzepttrainer wird, der bereits den Aufbau und die Planungen für die zweite Liga forcieren soll. Zum einen befürchte ich dann, dass der Abstiegstrainer schneller verbrannt wäre, als er gucken könnte, zum anderen würde ich eher befürworten, einen Lautsprecher und Motivator an Land zu ziehen, der hier eine Minute vor Zwölf noch so etwas wie eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte und der den Glauben (sofern er denn vorhanden ist) an den Klassenerhalt vorleben würde. Mir schweben da dann eher Typen wie Felix Magath, Christoph Daum, Peter Neururer oder Hans Meyer vor, die eine Menge Erfahrung haben und die auch den ganz großen Druck von der Mannschaft nehmen und auf sich selbst fokussieren würden.
Seit Stevens (wieder) hier ist, hatte ich die Hoffnung, dass er der nach Vehs Rücktritt die bestmögliche Lösung war und er uns erneut zum Klassenerhalt führen würde.
Jetzt aber wundere ich mich über jeden zusätzlichen Tag, an dem er unser Cheftrainer bleibt.
Das aus dem Grund, weil er offensichtlich resigniert hat und sicherlich (verständlicherweise) nicht dazu bereit ist, die Brocken selbst hinzuschmeißen, und auf eine Abfindung zu verzichten. Auf der anderen Seite aber wartet er förmlich darauf, bis man ihm die Papiere gibt, und er diesem Irrenhaus endliche entkommen kann.
Ich hatte dies in Ansätzen nach seinem „Ratlos-Interview“ direkt nach dem Hoffenheim-Spiel thematisiert, dass er im Grunde nach solchen Aussagen sofort abgelöst gehört. Dutt ist natürlich näher dran, daher schenkte ich ihm Glauben, als er dies abtat, nach dem Last-Minute-Knockout wäre Stevens sehr frustriert gewesen. Wenn man Stevens aber seither beobachtet hat, verdichten sich die Anzeichen, dass dies ein erstes Signal in Richtung Aufgeben war und er jetzt häppchenweise nachlegt, bis es schließlich irgendwann auch unsere Koryphäen in Aufsichtsrat und Vorstand kapieren. Wartet man bis zur Niederlage gegen Hertha BSC, um den längst fälligen Schlussstrich zu ziehen, hat man in fast aussichtsloser Lage im Abstiegskampf sage und schreibe drei Spiele verstreichen lassen, und ein weiteres Absacken in der Tabelle billigend in Kauf genommen.
Wie schon bei den zu späten Entlassungen von Labbadia, Schneider und Bobic, vom Zaudern bei Zu- und (nicht erfolgten) Abgängen von Spielern ganz zu schweigen, werden notwendige Entscheidungen einfach ausgesessen und aufgeschoben anstatt im Sinne des Vereins notwendige, auch unbequeme, Entscheidungen zu treffen. Wer die Vereinspolitik bestimmt, wer diese Entscheidungen zu treffen hat, ist bekannt. Vielleicht erhält Robin Dutt ja heute in einer Sitzungspause eine Audienz und es werden Nägel mit Köpfen gemacht. Ob und inwieweit Präsident Wahler in solche Gedankenspiele eingebunden ist, weiß ich nicht. Er lässt sich in diesen Krisenzeiten weder sehen noch hören.
Es ist ein durch und durch peinliches Bild, das der VfB in diesen Tagen abgibt. Wir alle stehen vor einem Scherbenhaufen, der Verein mit mehr als einem Fuß bereits in der zweiten Liga, wir sind das Gespött der Fußballnation und das nicht nur der Außendarstellung sondern auch der blutleeren Leistungen auf dem Platz wegen. Alles deutet daraufhin, dass wir nun die Quittung für die jahrelang andauernde Misswirtschaft erhalten und dies auch noch völlig zu Recht.
Meine Hoffnungen auf ein glückliches Ende sind auf dem Tiefpunkt. Natürlich haben wir noch elf Spiele Zeit, natürlich haben wir in fünf Heimspielen lösbare Aufgaben, aber, wie die gelingen sollen kann ich mir in Anbetracht eines einzigen Heimsieges in dieser Saison nicht vorstellen. Zu schlecht die Mannschaft, zu katastrophal der ganze Verein im Moment und dazu haben wir uns noch einen Sportvorstand ohne jegliche rote Identifikation ins Haus geholt, der lieber den lustigen Maxe gibt und sich hinter Durchhalteparolen versteckt, statt Lösungsansätze aufzuzeigen und sein Dasein zu rechtfertigen.
Für die restlichen Spiele, die ich, so Gott und der Terminierungsverantwortliche der DFL will, alle machen werde, wünsche ich allen Leidensgenossen viel Kraft und immer ein erfrischendes Kaltgetränk in der Hand, ohne ist das Elend nämlich immer schwerer zu ertragen!

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