26. Mai 2015

Stunde null beim VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:18

Totgesagte leben länger, der VfB hat doch tatsächlich nochmal die Kurve gekriegt. Nach dieser so unterirdisch schlechten Saison grenzt diese Tatsache schon fast an ein Wunder. Auch drei Tage nach Paderborn kann ich es noch nicht so richtig fassen, was in der Benteler-Arena geschehen ist.
Erst der frühe Rückstand, der einmal mehr offenbarte, dass wir im Grunde ohne Abwehr durch die Saison stolperten, dann die Willensleistung von Daniel Didavi, der sich, wie schon in der Vorsaison, gerade noch rechtzeitig einsatzbereit meldete, um großen Anteil daran zu haben, den Super-GAU abzuwenden. Und schließlich das tolle 1:2 durch Daniel Ginczek, der erneut seinen immensen Wert für den VfB unterstrich und gerade noch rechtzeitig auf Touren kam.
Dass der VfB letztendlich gewann und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffte, lag an der herausragend guten Offensive. Wie Filip Kostić Gegenspieler um Gegenspieler verschliss, sie alle wie Anfänger aussehen ließ und immer wieder bis zur Grundlinie durchstieß, war fast schon Weltklasse. Lernt er bei allem Eifer noch das punktgenaue Flanken haben wir ein wirkliches Juwel in unseren Reihen. Seine Leistung in den letzten Spielen kann man nicht genug würdigen, bindet er doch die halbe gegnerische Abwehr, wodurch automatisch Räume für die Mitspieler geschaffen werden. André Breitenreiter, Coach des SC Paderborn, stellte fest, dass Filip Kostić der mit Abstand beste Spieler war, der in dieser Saison in Paderborn seine Visitenkarte abgab und das obwohl dort auch Spieler wie Robben, Ribery und Reus vorspielten. Noch hervorzuheben, bevor er zu kurz kommt, Alexandru Maxim, der diesen Zuckerpass auf Ginczek spielte und damit ebenfalls maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hat.
Für diese Gefühlswelt, die man an einem solch entscheidendem Spieltag im Stadion durchlebt, tut man sich das Ganze wohl Jahr für Jahr, Woche für Woche an. Unglaubliche Emotionen wurden freigesetzt, gestandene Mannsbilder liegen sich heulend in den Armen, Erleichterung allerorten und eine unfassbare Freude und Stimmung. Das ganze Spiel über bot der Gästebereich sein komplettes Repertoire auf, so dass man sich keinen schöneren Ort vorstellen konnte, das Wochenende zu verbringen. Ein prall gefüllter Block, eine unfassbare Lautstärke, die eine oder andere Pyro-Einlage und schließlich tumultartige Szenen bei den Toren und erstrecht beim Abpfiff. Auch wenn ich inständig hoffe, eine solche Zittersaison nicht noch einmal erleben zu müssen, ertappe ich mich tatsächlich beim Gedanken, dass mir dieses Gefühlschaos tausend Mal lieber ist, als wenn ich zur selben Zeit meine 25. Meisterschaft feiern und mich darüber ärgern „müsste“, dass nicht mehr daraus geworden ist.
So groß die Freude darüber ist, dass wir auch in der nächsten Saison im Oberhaus spielen dürfen und vor allem dass nicht alles auseinander gerissen wird, was die letzten Wochen so gut funktioniert hat, muss von nun an der Blick nach vorne gerichtet werden. Es ist zu hoffen, dass Eckpfeiler des Aufschwungs wie Serey Dié, Daniel Didavi, Filip Kostić, Daniel Ginczek, auch Martin Harnik und Alexandru Maxim gehalten werden können. Offensiv sind wir richtig gut aufgestellt. Ein Backup noch für Ginczek, sollte man für Ibisevic einen Abnehmer finden, dann wären wir sehr gut aufgestellt.
Martin Harnik wird sich hoffentlich nicht für Schalke entscheiden, sondern hier bleiben. Allerdings müsste man dann seinen Vertrag noch in der Sommerpause verlängert bekommen, bevor wir Gefahr laufen, dass er im nächsten Jahr ablösefrei geht. Dies kann und darf sich ein Verein wie der VfB im Grunde nicht (mehr) leisten, so dass es mir dann sehr leidtun würde, stünden die Zeichen auf Abschied. Harnik ist eines der wenigen Gesichter des VfB der Gegenwart, für mich noch mehr als unser Kapitän Gentner, so dass ich sehr hoffe, dass mit ihm eine Vertragsverlängerung erzielt werden kann. Natürlich durchlebte auch er zuletzt schwache Phasen, verlor zeitweise jeden Ball und konnte kaum mehr einen Ball stoppen, dennoch ist er wichtig für die Mannschaft, mit seiner Schnelligkeit durchaus eine Waffe, ein Kämpfer, der nie aufgibt und zudem auch immer klare Worte findet. Kurz gesagt, er ist einer dieser Typen, wie wir sie in unserem Kader sonst vergeblich suchen.
Im Defensivbereich müssen dagegen endlich Verstärkungen her. Ein moderner Torwart, ein gestandener Innenverteidiger und ein oder zwei Außenverteidiger sind nötig, um in der nächsten Saison wieder besser schlafen zu können.
Dass Antonio Rüdiger möglicherweise von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen würde, war gestern zu lesen. Etwas schade zwar, aber, auf der anderen Seite aber, käme dies Timo Baumgartl durchaus zugute, wenn ein erfahrener Mann für den VfB gewonnen werden könnte, von dem er lernen und zu dem er aufschauen könnte. Bei allen Bemühungen, die Truppe schlagkräftiger zu machen, darf man aber unseren eigenen Talenten, wie bspw. auch Timo Werner, den Weg ins Team nicht verbauen.
Gestern fand sie also statt, die so sehnlich erwartete Saisonabschluss-Pressekonferenz, die Robin Dutt schon vor Wochen angekündigt hat und uns auch wissen lassen hat, dann seine Eindrücke der ersten fünf Monate seiner Amtszeit schonungslos vorzutragen. Zunächst bemerkenswert, Bernd Wahler gab zu, die Fanproteste und die Banner in der Cannstatter Kurve gegen seine Person und die seiner Kollegen in Vorstand und Aufsichtsrat nicht nur wahrgenommen, sondern sich auch zu Herzen genommen zu haben. Nicht nur das, er gab ihnen recht, offenbarte, dass sie in den letzten Jahren planlos unterwegs waren, was einem Armutszeugnis gleich kam, aber auch erkennen ließ, dass sie Besserung geloben wollen.
Robin Dutt wurde noch deutlicher und kritisierte, ohne Namen zu nennen, Vorgänger Fredi Bobic harsch. Es werde keine One-Man-Show mehr geben, die Kaderplanung lasse ebenso wenig einen Plan erkennen wie das Scouting. Dort wären keine Leitlinien, keine Vorgaben vorhanden gewesen, sprich, es habe jeder vor sich hin gewurstelt, ohne Gehör „von oben“ gefunden zu haben. Von einer einheitlichen Spielphilosophie, die man sich schon Ende der 1990er-Jahre unter Ralf Rangnick auf die Fahnen geschrieben habe, wäre ebenso abgerückt worden wie von der Verzahnung des Jugend- und Amateurbereichs zu den Profis. Man habe in den letzten Jahren keine Transferüberschüsse eingefahren, sämtliche Spieler, die von außen geholt wurden, haben an Marktwert verloren und mussten schließlich oft und zu allem Überfluss gegen eine Abfindungszahlung von der Gehaltsliste herunter gebracht werden. Transfers wurden planlos getätigt, ohne überhaupt zu überprüfen, ob man nicht im Nachwuchsbereich ein entsprechendes Talent für die Planstelle habe, so dass wir nach und nach einen Kader aufblähten, wie wir ihn heute vorfinden und Nachwuchsspieler Frust schieben, weil ihnen ständig durchschnittliche und besserverdienende Spieler vor die Nase gesetzt wurden.
Schon am Tag nach dieser denkwürdigen PK bekommen Dutt und auch Wahler („wir haben an bestimmten Personen zu lange festgehalten“) für die öffentliche Schelte kräftig auf die Ohren. Es mag im ureigenen Interesse der Medienlandschaft liegen, Kriegsschauplätze aufzumachen und eine Reaktion von Fredi Bobic herauszufordern, ich fand die deutliche Kritik angebracht. Man kann nicht auf der einen Seite eine schonungslose Aufarbeitung verlangen, um dann pikiert zu sein, wenn diese kommt und transparent offengelegt wird.
Fredi Bobic wird diese Kritik schon aushalten können und auch müssen. Er hatte vier Jahre lang Zeit zu gestalten, wohin seine Amtszeit geführt hat, sieht man nun in schonungsloser Deutlichkeit. Der einst so stolze Verein dümpelt in den Niederungen der Liga herum und hat das zweite Mal in Folge die Klasse nur mit sehr viel Glück gehalten. Bobic zeichnet für diesen Niedergang maßgeblich mitverantwortlich, hauptsächlich weil er stur und beratungsresistent war. Vetterleswirtschaft wie noch nie, die sogar bis in die Mannschaftsaufstellung hineinreichte, erhielt mit Bobic Einzug, gute Kumpels wurden Experten vorgezogen. Schlimm genug und daher natürlich auch nicht von Kritik freizusprechen, seine Vorstandskollegen und der ach so tolle Aufsichtsrat, die diesem Treiben weitestgehend tatenlos zusahen. Bobic entließ gleich zu Beginn unseren besten Trainer der letzten Jahre Christian Groß, unter ihm verließen Urgesteine im Nachwuchsbereich wie Albeck und Schrof den Verein, weil sie kein Gehör fanden, was zur Folge hat, dass mehr und mehr Talente dem Verein den Rücken kehren und bei Red Bull Leipzig anheuern. Aufkeimende Kritik, intern wie extern, schmetterte er genauso harsch darnieder, wie sie ihm jetzt entgegenschlägt. Und, zu guter Letzt hält Bobic, obwohl dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste, mit Kritik an seinem früheren Arbeitgeber auch nicht hinterm Berg, so dass sich hier eigentlich niemand künstlich aufregen muss.
Dutt stellte klar, dass zukünftig die Vereinsphilosophie über allem stehen muss. Es müsse wieder erkennbar sein, für welchen Fußball der VfB stehe und danach werde das Personal ausgesucht. Es würden in allen Bereichen nur noch Trainer eingestellt werden, die diesen Stil voll mit zu tragen bereit seien. So wurden im U19- und im U17-Bereich Sebastian Gunkel und Kai Oswald als neue Trainer vorgestellt.
Vorgesetzter aller Trainer soll künftig der Cheftrainer der Profis sein. Erwartungsgemäß heißt dieser Alexander Zorniger, wie Dutt gestern erstmals öffentlich bestätigte.
Mir unverständlich, dass man in dieser Personalie bereits Ende Februar, Anfang März Nägel mit Köpfen machte und nicht den weiteren Saisonverlauf abwartete. Schon damals schien das Vertrauen in Huub Stevens nicht besonders groß gewesen zu sein. Laut Dutt war Stevens zwar damals bereits in diese Gedankenspiele eingebunden, ob er sie goutierte ließ Dutt jedoch offen. Die Einigung mit Zorniger dürfte zeitlich in etwa damit zusammengefallen sein, als Dutt erstmals öffentlich Kritik an der defensiven Ausrichtung der Mannschaft äußerte, was ein Huub Stevens sicherlich als Majestätsbeleidigung angesehen haben dürfte. Ob Stevens so verbohrt gewesen wäre diese mit acht Defensivspezialisten auf dem Platz bis zum Saisonende durchzuziehen und er sich reinreden lassen hat, was uns möglicherweise gerade noch den Allerwertesten gerettet hat, darüber zu spekulieren wäre hypothetisch. Auch ich hielt in jener Zeit, spätestens nachdem Stevens in Sinsheim zugab mit seinem Latein am Ende zu sein, einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr für ausgeschlossen. Da man sich in der Trainerfrage aber so früh festgelegt hatte, war dieser de facto nicht mehr möglich. Das Risiko wäre zu groß gewesen. Hätte man Zorniger gleich geholt und dieser wäre abgestiegen, wäre er für einen Neuanfang in Liga 2 kaum mehr vermittelbar gewesen. Wäre ein externer Feuerwehrmann geholt worden und man hätte überzeugend die Klasse gehalten, wäre eine Ablösung durch Zorniger nach Saisonende ebenso schwer zu verrargumentieren gewesen. So hat sich der VfB völlig unnötig der letzten Patrone beraubt und spielte mehr oder weniger mit dem Feuer.
Nach den letzten Spielen, die sicherlich nicht nur der Weisheit eines Huub Stevens wegen gut bestritten wurden, sondern auch weil sich Didavi fit meldete, Ginczek zu alter Stärke fand und die Außenspieler Kostić und Harnik ihren Anteil am guten Offensivspiel hatten, finde ich es äußerst schade, dass man sich mit Stevens nicht auf eine Ausdehnung seines Engagements geeinigt hat. Mir gefällt seine knurrige und doch humorige Art, wie er mit den Medien spielt und auch wie er die Mannschaft im Griff hat(te). Er findet das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, hat das Gespür, wann er mahnen und wann er trösten muss. Ihn hätte ich gerne mal in einer Sommervorbereitung erlebt und ihm eine Sommer-Transferperiode zugestanden, um zu sehen, wie sein Kaderumbau ausgesehen hätte.
Es nützt alles nichts, Huub Stevens ist (leider) Geschichte beim VfB, man kann ihm nicht genug Dank zollen, für das was er in den letzten beiden Jahren hier geleistet und dass er uns zwei Mal vor dem Abstieg bewahrt hat.
Bei all meiner Wertschätzung für Huub Stevens und dem Unverständnis darüber, wie früh man sich auf Zorniger festgelegt hat, könnte dies auch für ein neues konsequentes Handeln, eben einen Plan, sprechen. Wenn Zorniger tatsächlich DER Mann ist, der die Spielidee, für die der VfB zukünftig stehen möchte, in sich vereint, war es schon wieder logisch just in dem Moment zuzupacken, als dieser frei wurde.
Ich denke da eher pragmatisch und sehe den Fußball als Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft an. Dieses zuletzt doch funktionierende Gebilde auseinanderzureißen und ins Risiko zu gehen birgt Gefahren, wie man beim Wechsel von Stevens zu Veh gesehen hat, wobei man Veh wohl eher wegen der guten alten Zeit und nicht aufgrund eines ausgefeilten Zukunftsplans zurückgeholt hat.
Zorniger ist zwar nicht mein Wunschkandidat, als Co-Trainer fand ich ihn 2009 eher unscheinbar, seine Tätigkeit beim Brausehersteller machte ihn nicht sympathischer. Aber, wie jedem neuen, den der VfB vorstellt, gebe ich auch ihm vorbehaltlos die Chance mich zu überzeugen und wünsche uns allen, dass er für einen erfolgreichen Neuanfang beim VfB stehen wird.
Ob er im Gegensatz zu Leuten wie Thomas Tuchel, die auch im Gespräch waren, die für die Vereinsführung bequemere Lösung sein wird, glaube ich nicht einmal. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf und kann richtig unbequem werden zu Leuten, die nicht mitziehen oder seine Vorstellungen konterkarieren. Er steht für modernen Fußball mit schneller Balleroberung, schnellem Umschaltspiel und auch schnellen Abschlüssen, was sicher Zeit und auch geeignetes Personal erfordert, um dem VfB in naher Zukunft ein Facelifting zu verpassen.
Der Kaderumbau indes muss bereits vor dem ersten Training am 29.06.2015 vorangetrieben werden. Sensationell charmante Worte fand Dutt ja für die Ladenhüter, für die man bereits im Winter vergeblich Abnehmer suchte. Er nannte sie, Spieler, für die es keinen Markt gibt, man könnte auch sagen, der VfB war lange ein Auffangbecken für gestrandete Fußballer. Diese anzupreisen, neue zu holen, die für die neue Spielphilosophie stehen (sofern man im Unterbau keine findet) ist die vordringlichste Aufgabe im Sommer. Eine Frage auf der PK war auch, ob auf der Torhüterposition Handlungsbedarf bestehe, da Ulle ja nicht gerade für das schnelle, moderne Torwartspiel stehe, die Dutt allerdings erfolgreich und ohne eine Antwort darauf zu geben umschiffte. Zorniger wird auch hier hoffentlich eine klare Vorstellung haben, nur so zur Erinnerung, als Zorniger 2009 beim VfB war, hieß der Torwarttrainer Ebo Trautner, vielleicht eine Überlegung, ihn, der beim aufwärmen stets der erste war, dem Anfeuerungsrufe entgegenschallten, zurückzuholen, da sich alle Torhüter, die Andi Menger anvertraut wurden, meiner Meinung nach zurückentwickelt haben.
Als Co-Trainer bringt Zorniger André Trulsen mit, den ehemaligen Assistenten von Holger Stanislawski, der mittlerweile Filialleiter eines Hamburger Supermarktes ist. „Truller“ kenne ich hauptsächlich als St. Pauli-Ikone und Kultfigur, ob er ein guter Co-Trainer ist, wird sich zeigen. Als „Co“ muss er ohnehin vorwiegend dem Chef-Trainer zuarbeiten und sollte möglichst einen guten Draht zur Mannschaft aufbauen. Ein positiver Typ ist er und er wird auch keine allzu großen Akklimatisierungsprobleme bekommen, lebt er doch ohnehin bereits in Stuttgart.
VfB-Legende Günther Schäfer tauscht seinen Posten bei der VfB-Fußballschule gegen den des neu geschaffenen Teammanagers. Dabei soll er koordinative Aufgaben bei den Profis übernehmen, sich um Top-Talente des Nachwuchsleistungszentrums ebenso wie um ausgeliehene Spieler kümmern. Eine Aufgabe, die die ihm auf den ersten Blick wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Schäfer verkörpert wie kaum ein anderer das VfB-Gen, von dem Dutt gestern immer sprach. Er ist sicherlich prädestiniert dafür, dieses Gen den Hoffnungsträgern von morgen einzuimpfen und sie zugleich auf dem Weg zum Profi begleiten und ein Auge darauf haben, dass sie bodenständig bleiben. Genauso wichtig ist es, verliehenen Spielern stetig klarzumachen, dass sie weiterhin ein Teil vom VfB sind und entgegen zu wirken, dass sie sich entfremden. Man hat es bei Kimmich gesehen, bei Schieber, bei Holzhauser, keiner wurde nach der Leihe wieder richtig warm mit dem VfB. Didavi bildet wohl auch nur deshalb eine Ausnahme, weil der VfB ihn nach seinen schwersten Verletzungen nicht fallen lassen hat und immer zu ihm stand. Die Gefahr war auch bei ihm groß, wusste Labbadia seinerzeit doch nichts mit ihm anzufangen.
Der ehemalige Bundesliga-Torwart Philipp Laux, unter anderem beim SSV Ulm 1846 aktiv, wurde zudem als Sportpsychologe vorgestellt. Bemerkenswert, dass der VfB sich modernen Herangehensweisen nicht mehr verschließt, gab es doch in der letzten Saison einige Momente, bei denen man den Eindruck hatte, „es helfe nur noch ein Psychologe“. Besonders veranschaulicht wurde uns dies bei diversen Interviews, wenn von mentalen Blockaden die Rede war.
Das Management-Team wird um Joachim Cast, der Scouting-Bereich um Guido Buchwald erweitert, wobei Buchwald vorwiegend den asiatischen Markt im Auge behalten und die Internationalisierung vorantreiben soll. Im Finanzressort wird es organisatorische Änderungen geben, im Aufsichtsrat der Nachfolger für Hansi Müller noch gesucht.
Und, schließlich wurde mit Philip Heise auch der erste Neuzugang für die kommende Saison bekanntgegeben. Der 23-jährige Linksverteidiger kommt vom 1. FC Heidenheim und soll auf Sicht eine der größten Schwachstellen im Team beheben.
Bis die tiefgreifenden Umstrukturierungsmaßnahmen erste Früchte tragen, wird (natürlich) einige Zeit ins Land ziehen. Diesen Scherbenhaufen, den wir ständig wechselndem Personal zu verdanken haben, aufzukehren, das geht leider nicht von heute auf morgen, so dass wir noch von mindestens einem weiteren Übergangsjahr ausgehen müssen. Als Saisonziel wurde ein gesicherter Mittelfeldplatz ausgegeben, von mehr zu träumen verbietet sich in Anbetracht der letzten Jahre ohnehin.
Der Verein stellt sich neu auf, hoffentlich der Aufsichtsrat auch. Es kann nicht sein, dass ein Dr. Joachim Schmidt als heimlicher Präsident in der Außendarstellung wahrgenommen wird, weil er, wie nach der Bobic-Entlassung gesehen, auch so auftritt. Der Aufsichtsrat muss sich auf seine eigentlichen Aufgaben rückbesinnen, den Vorstand zu kontrollieren und bestenfalls noch den finanziellen Rahmen vorgeben und ansonsten einfach mal die Klappe halten. Wer von diesen Herren den Stuttgarter Medien bereits Anfang März ausgeplaudert hat, dass Zorniger als Trainer feststehe, muss gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Der Aufsichtsrat muss des Weiteren zukünftig ausschließlich zum Wohle des Vereins agieren, es muss aufhören, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und lediglich das Beste für seinen ursprünglichen Arbeitgeber im Blick hat. Zahlt Porsche als Hauptsponsor eines Tages wirklich mehr als der Daimler, dann müssen gewisse Personen eben über ihren Schatten springen oder den Posten beim VfB aufgeben, bevor sie Interessenskonflikten unterliegen.
Der Nachfolger von Hansi Müller, bei dem es mich noch immer brennend interessieren würde, welchen Teufel ihn geritten hat bei Servus-TV den zukünftigen VfB-Trainer auszuplaudern, wird noch gesucht. Zumindest dementiert wurde der Name Thomas Hitzlsperger nicht. Ich würde mich freuen, ihn wieder beim VfB begrüßen zu dürfen, habe aber meine Zweifel, ob dieser Posten tatsächlich das ist, was er machen möchte, in noch relativ jungen Jahren. Müller ist für mich trotzdem so etwas wie das Bauernopfer, die wahren Probleme im Aufsichtsrat stecken tiefer, der Maulwurf vermutlich noch immer da.
Das Commando Cannstatt stellt in seinem Saisonfazit, wie bereits zum Ende der letzten Saison, fest, dass nichts erreicht sondern nur verhindert wurde. Wahre Worte! Sie stellen den unglaublichen und gelebten Zusammenhalt in der gesamten Fanszene heraus, dessen Anteil am Klassenerhalt nicht zu unterschätzen ist. Welch ein beeindruckendes Bild, „ganz in rot“ auf Schalke oder „ganz in weiß“ gegen den HSV, welche Lautstärke im Neckarstadion herrschte, wie knapp 2.000 VfBler am Samstag das Spiel in Paderborn fast zu einem Heimspiel werden ließen, das war schon tief beeindruckend und bestärkt einen immer wieder darin, Teil des geilsten Clubs der Welt zu sein.
Das CC strich auch heraus, was ich schon vor ein paar Wochen geschrieben habe, dass wir Fans es uns nicht länger bieten lassen sollten, dass ewig so weiter gewurstelt wird und wir dem Verein bei der Aufarbeitung dieser Saison tunlichst mehr auf die Finger schauen sollten als zuletzt.
Die gestrige Pressekonferenz war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dem „Bla-Bla“ müssen jetzt jedoch Taten folgen. Dutt als der neue starke Mann, der gestern auf mich einen guten Eindruck machte, muss sich jetzt beweisen, von nun an werden wir auch ihn an seinen Taten messen. Wie Zorniger auf seinem Posten, hat nämlich auch Dutt als Sportdirektor noch nichts erreicht, seine Nagelprobe kommt jetzt, beginnend mit dem gestrigen Tag. Auch durch die vernichtende Kritik seiner Vorgänger hat er die Messlatte für sich sehr hoch gelegt, die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Maßnahmen wird zu gegebener Zeit zu überprüfen sein.
Der VfB wird runderneuert, wir befinden uns in der Stunde null, auch wenn der Super-GAU gerade noch abgewendet wurde. Getreu dem Motto „Jeder Tag ist ein neuer Anfang“ hat auch unsere (neue) Führungscrew diese neue Chance verdient. Auf der PK wurde das Vorhaben geäußert wieder näher an die Basis heranzurücken und transparenter zu arbeiten, so dass wir hoffentlich über die Fortschritte der einzuleitenden Maßnahmen auf dem Laufenden gehalten und genau beobachten können, wie die Erfolgskontrolle und ggf. Korrekturmaßnahmen aussehen. Nur wenn hier vehement am Ball geblieben wird, die sich auf die Fahnen geschriebenen neuen Leitsätze konsequent verfolgt werden und das Personal, das diese umsetzen soll, permanent und kontinuierlich hinterfragt wird und sich auch selbst hinterfragt, wird es wieder aufwärts gehen und nur dann werden wir zukünftig wieder mehr Freude an und mit unserem VfB haben.
Nicht nur die Herren Profis haben sich nach dieser Saison Urlaub und Erholung verdient, auch wir Fans. Das Gefühlschaos in den letzten Wochen war anormal und einfach nur anstrengend. Trotzdem graut es einen schon wieder vor elf Wochen Bundesligapause. Die Hoffnung ist zwar da, dass es eine kurzweilige Zeit wird, weil der VfB für knapp zehn Spieler, die keine Zukunft beim VfB mehr haben sollen, doch einen Markt findet, weil man einige Spieler, die tatsächlich auch für Aufbruch in ein neues Zeitalter stehen, für sich gewinnen kann. Ob es sich bewahrheitet und es noch vor Amtsantritt Zornigers Vollzugsmeldungen kommen, wird man sehen. Bis Mitte Juni stehen zumindest noch die Relegationsspiele sowie DFB-Pokal- und Championsleague-Endspiel wie auch noch Länderspiele auf dem Programm, so dass es bis dahin nicht langweilig werden dürfte.
Vor allem auf die Relegation bin ich sehr gespannt. Es ist diese Konstellation, die ich mir wünschte, zumindest nachdem klar war, dass der KSC Zweiter oder Dritter wird, da ich, bei allem Respekt, weder Darmstadt 98 noch dem 1. FC Kaiserslautern es zugetraut hätte, den HSV zu besiegen. Mit dem KSC, so meine ich, könnten die Hamburger richtige Probleme bekommen.
Daher haben wir jetzt eine Konstellation, bei der ich, so komisch es klingen mag, für keinen aber gegen beide bin. Beim KSC freue ich mich, wenn er in der 2. Liga hängen bleibt und weiter an Boden auf uns verliert, beim Abstieg des HSV fiele endlich diese blöde Bundesliga-Uhr und das Dino-Gehabe weg. Wie der VfB im Grunde auch, hätte der HSV den Abstieg mittlerweile mehr als verdient. Auf der anderen Seite würde mir das Auswärtsspiel in meiner deutschen Lieblingsstadt sehr fehlen, so dass ich ihnen höchstens ein Jahr Abstinenz vom Oberhaus gönnen würde.
Auf der anderen Seite ist der Reiz eines Derbys gegen den KSC in der nächsten Saison groß. Diese Spiele sind doch das Salz in der Suppe. Leider wurden diese Spiele, vor allem seit Ende der 1990er-Jahre, immer mehr zu einem Krieg hochstilisiert, so dass man sich vor allem im Wildpark seines Lebens kaum mehr sicher sein kann, wenn man daran denkt, was schon 2009 dort ablief und die gegenseitige Abneigung seither eher noch größer geworden ist. Für mich hört da der Spaß auf, meinetwegen können sich Gleichgesinnte die Köpfe einschlagen, wenn sie eben Unbeteiligte, die lediglich ihre Farben vertreten und Fußball schauen möchten, in Ruhe lassen.
Am 10.06. folgt dann bereits die erste Weichenstellung für die kommende Saison, die erste DFB-Pokalrunde wird in Reutlingen ausgelost. Auch auf diesen Tag fiebere ich hin und hoffe auf ein kultiges Stadion. Erstrundenspiele bei unterklassigen Vereinen üben auf mich einen großen Reiz aus. Der Fußball ist dort meist ursprünglicher, das Bier billiger, der VfB Gast zum Spiel des Jahres und hoch gewonnen wird auch noch meistens.

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