14. Dezember 2015

Zurück in die Zukunft!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 10:19

Nicht Fisch, nicht Fleisch, möchte man meinen. Beim 1. FSV Mainz 05, der zuletzt gut drauf war und wo auch schon andere verloren haben, einen Punkt mitzunehmen wäre so schlecht nicht, hätte man in der Woche zuvor Werder Bremen geschlagen. So treten wir in der Tabelle nicht nur auf der Stelle, nein, wir haben mal wieder, auch daran hat man sich nach einigen Jahren Abstiegskampf fast schon gewöhnt, die rote Laterne wieder in unseren Händen.
Der VfB spielte auswärts erstmals zu null und findet zurück zu einem System, das er kann. Aus einer kompakten Abwehr heraus ließ man nicht viel anbrennen, beraubt sich damit aber seiner offensiven Stärken.
Im dritten Spiel unter Jürgen Kramny bot er das dritte Innenverteidiger-Duo auf, das dieses Mal aus Toni Šunjić und Georg Niedermeier bestand. Ein folgerichtiger Schachzug, wirkte der junge Timo Baumgartl in den letzten Wochen und Monaten doch meist überfordert und dem zunehmenden Druck nicht gewachsen. Šunjić und Niedermeier machten ihre Sache ordentlich und werden wohl auch in den letzten beiden Spielen des Kalenderjahres den Vorzug vor Timo Baumgartl erhalten.
Auch dem zweiten Youngster im Team, Timo Werner, würde man die eine oder andere Pause wünschen, er wirkt überspielt und ist als alleinige Spitze überhastet und kann kaum mal einen Ball festmachen. Hier rächt es sich, dass wir für den verletzungsanfälligen Daniel Ginczek keinen ernsthaften Backup mehr im Kader haben.
Vedad Ibišević wäre so einer gewesen. Nach dem Trainingslager in St. Gallen hatte ich schon meine Eindrücke geschildert, dass Ibišević Gas gegeben und bei weitem nicht wie ein Fremdkörper im Team gewirkt hat. Unter neuem Trainer besteht doch meistens auch für die Sündenböcke von gestern eine faire Chance auf einen Neuanfang. Nicht so bei Dutt/ Zorniger. Wie bei Georg Niedermeier auch, hat sich dieses „kongeniale“ Duo auch bei Ibišević (zu) schnell festgelegt, dass dieser keine Rolle mehr spielen würde, so dass ihm wohl auch in höchster Not keine Einsatzzeiten spendiert worden wären.
Da Bobic seinen Vertrag zur Unzeit verlängert hat, an der Ibišević schon bei weiten Teilen der Fans unten durch und der Inbegriff des raffgierigen Söldners war, Ibišević damit mit Abstand auch noch Top-Verdiener beim VfB war, war es logisch, dass er im letzten Sommer ganz oben auf der Verkaufsliste stand. Es fand sich jedoch (logischerweise) kein Abnehmer, der ihm auch nur ansatzweise sein VfB-Gehalt und auch noch eine Ablöse bezahlt hätte, so dass man ihn kurz vor Transferschluss an die Berliner Hertha verliehen hat und dem Vernehmen nach noch große Teile seines fürstlichen Gehalts selbst übernimmt.
An der Stelle hört mein Verständnis dafür dann auf. Da hätte man ihn lieber behalten und ihm noch die eine oder andere Chance geben sollen. Was ein Ibišević in einem System mit zwei Stürmern wert sein kann, zeigt sich aktuell bei Hertha BSC, wo er, trotz seiner zwischenzeitlichen Fünf-Spiele-Sperre, maßgeblichen Anteil am dritten Platz hat. Viele sind ja froh, dass er weg ist, weil er eine Drecksau ist, ich meine, gerade unsere Truppe, die in vielen Situationen zu brav ist, könnte eine Drecksau, zumindest in der Hinterhand, gut vertragen.
Martin Harnik fällt wohl, wie auch Daniel Ginczek, noch bis in den März hinein aus, Jan Kliment wurde als Perspektivspieler geholt und hilft uns (noch) nicht entscheidend weiter, während der Lastminute-Transfer Robbie Kruse mehr verletzt als einsatzbereit ist.
Wirklich überraschend kommt das nicht, hat Kruse doch seit Ende 2013 doch gerade einmal vier Bundesligaspiele (als Einwechselspieler; 46 Einsatzminuten!) für Bayer Leverkusen absolviert. Einen solchen Spieler zu holen birgt ein hohes Risiko, einen solchen Spieler holt man eben dann nicht, wenn man in der Offensive ohnehin dünn besetzt ist und auf dessen Dienste angewiesen wäre.
Da er am letzten Tag der Transferperiode vom VfB verpflichtet wurde, unterstelle ich mal, dass der Spieler weder gescoutet wurde, noch ein Probetraining absolviert hat und geschweige denn, dass man mit ihm an einem Tisch saß, um die Perspektiven und seine Fitness zu besprechen. Wenn man ihn, wie in der zweiten Halbzeit in Mainz, so anschaut und sieht, dass er nichts auf den Rippen hat und sich demzufolge körperlich nicht durchsetzen kann, möchte man ihm wünschen, dass er endlich richtig im Schwabenland ankommt und mehr Spätzle isst.
Im Sturm krankt es also gehörig, weil wegen des alten neuen Defensivstils, die Offensivkräfte zu spät nachrücken und ein Timo Werner damit allein auf weiter Flur ist. Filip Kostic war auch in Mainz nur ein Schatten seiner selbst ist. Er hat offensichtlich abgeschlossen mit dem VfB und wird den Verein möglicherweise im Winter schon verlassen.
Dem VfB wird wohl ohnehin nichts anderes übrig bleiben, als Qualität zu verkaufen und Transfererlöse zu generieren, um die größten Schwachstellen im Team anzugehen und zu verstärken. Die Schwaabs, Niedermeiers und Hlousek werden kein Geld bringen, sofern man überhaupt darüber nachdenkt, sie abzugeben.
Es bräuchte mindestens einen Abwehrchef und einen Stoßstürmer, aber auch ein überdurchschnittlicher Rechtsverteidiger und ein Sechser, der die Chefrolle im zentralen Mittelfeld übernehmen könnte, würden uns gut zu Gesicht stehen. Dutt steht mächtig unter Druck, da es sich mehr und mehr abzeichnet, dass wir mit dem vorhandenen Kader nicht konkurrenzfähig sind, zumindest dann nicht, wenn Leistungsträger langfristig ausfallen.
Die Wintereinkäufe müssen einschlagen, es müssen Spieler sein, die sofort weiterhelfen und nicht aus dem Lazarett eines anderen Vereins kommen. Stefan Kießling, der unter der Woche ins Gespräch gebracht wurde, wäre so einer, wobei man sich die Frage stellt, wenn man ihn am Samstag spielen gesehen hat, weshalb gerade er sich den VfB antun sollte. Er dürfte bessere Möglichkeiten haben, sowohl sportlich als auch finanziell. Wir müssen uns derzeit damit abfinden, dass der VfB für große Namen unattraktiv geworden ist, so wie der Verein inzwischen heruntergewirtschaftet wurde. Unattraktiv allein wäre gar nicht das große Problem, nur, unattraktiv und finanziell klamm zu sein, macht es schier unmöglich auch nur ansatzweise einen Kracher für den VfB zu begeistern.
Didavi, der ebenfalls mit dem Kopf nicht bei der Sache zu sein scheint, fehlte in Mainz angeschlagen, wohl auch, weil man ihn noch gegen Bremen zu einem Einsatz gedrängt habe, so jedenfalls die BILD-Zeitung. Für ihn tut mir diese neuerliche Katastrophensaison besonders Leid. Aus seinem Umfeld ist immer wieder zu vernehmen, dass er den Verein nicht um jeden Preis wechseln wolle, man aber auch noch nicht ernsthaft mit ihm bzgl. einer Vertragsverlängerung gesprochen habe. Das ganze Tohuwabohu aber und wohl auch der zwischenmenschliche Umgang untereinander vertreiben die guten Spieler, was uns bleibt sind dann noch die Schwaabs, Gentners & Co., die es sich hier so schön eingerichtet haben. Mittlerweile wäre eine Vertragsverlängerung Didavis eine große Überraschung, weil man ihm den Abgang auch nicht schwer macht. Von Vereinsseite nicht und auch von Seiten der Fans nicht, die ihn allzu schnell vorverurteilen und ihm fehlende Dankbarkeit unterstellen.
Für Didavi rückte Maxim ins Team, während Gentner, Serey Dié und Lukas Rupp im Mittelfeld die Räume eng machen sollten. Vor allem Serey Dié ist zurzeit nur noch eine billige Kopie dessen, was wir schon von ihm sahen. Eine Rolle mag spielen, dass er, unverzichtbar wie er eigentlich ist, oft schon angeschlagen aufs Feld geschickt wurde, ein anderer Grund ist für mich auch der Kapitän Christian Gentner, der ihn mit schlampigen Zuspielen ein ums andere Mal in die Bredouille bringt und Dinge tut, mit dem ein Mitspieler nicht unbedingt rechnen muss.
Serey Dié machte sein schwächstes Spiel im VfB-Dress und musste bereits zur Pause für Robbie Kruse weichen.
Zurück in die Zukunft lautet die Devise des VfB unter Jürgen Kramny. Nichts mehr ist übrig vom spektakulären Fußball, den Dutt und Zorniger vor der Saison propagierten. Es ist eine Rückkehr zum Stevens-Style, nicht schön, aber zwischendurch mit dem einen oder anderen Pünktchen auf der Habenseite. Die einen feiern den Punktgewinn, für mich ist er zu wenig. Mich erinnerte die Vorstellung und vor allem die letzte Viertelstunde, als man nur noch den Punkt sichern wollte, an den Auftritt im Februar in Köln. Damals wie heute mit einem Negativlauf ins Spiel gegangen und ein schweres Heimspiel vor der Brust, bei dem man nicht unbedingt Punkte einplant, fehlte der unbedingte Siegeswillen. Die erste Halbzeit wird von einigen Protagonisten, Fans und Medien gefeiert, mir war auch das zu wenig. Zwei ernsthafte Torschüsse, die noch aus der Distanz und ansonsten das Spiel, das man vom VfB kennt. Unzählige Stockfehler, die auf Konzentrationsmängel hindeuten, sind einer Profimannschaft nicht würdig. Es mag ja sein, dass man die Politik der kleinen Schritte wählt, und sich schon daran ergötzt auswärts ohne Gegentor geblieben zu sein. Da wir mit Schalke 04 letztmals 2013/2014 einen „Großen“ besiegen konnten und die Kluft zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte immer größer wird, sind es dann eben Mannschaften wie Augsburg, Bremen und Mainz, die man schlagen muss, um da unten jemals noch herauszukommen. Zwei Lichtblicke im Team gab es in Mainz zu verzeichnen, Lukas Rupp und Przemysław Tytoń machten ihre Sache sehr ordentlich. Letzterer bewahrte und einmal vor einer Niederlage und stabilisiert sich mittlerweile auf akzeptablem Niveau.
Ich bin froh, wenn das Spiel gegen die Wölfe absolviert ist und endlich Klarheit darüber herrscht, welcher Trainer uns ins Jahr 2016 führen wird. Durch die Interimslösung mit Jürgen Kramny wurde die Chance auf eine schnelle Initialzündung vertan, das Team hat sich taktisch umgestellt und spielt das was sie über Jahre schon gespielt hat, nämlich behäbig, abwartend, langweilig und ist in erster Linie darauf ausgerichtet, das Spiel des Gegners zu zerstören. Destruktiv hätte man es früher genannt, heute heißt es eben erfolgsorientiert. Greift man diese These auf, dass das Team nichts anderes spielen kann, könnte man es tatsächlich mit Kramny so weiterlaufen lassen. Er wäre die billigste Lösung und man hätte noch einen frei, sollte dieser Schuss nach hinten los gehen. Bei der „Mannschaft“ scheint er ein gutes Standing zu haben und er ist einer, der den VfB lebt und sicher alles dafür tun wird, den VfB da unten herauszuführen. Aus der Mainzer Trainerschmiede kamen schließlich schon andere, anfangs unterschätzte!
Seine Art ist wohl auch fast die einzige, mit der man diese Weicheier zu Leistungsbereitschaft und zu einem Miteinander bewegen kann, durch eine freundliche und klare Ansprache und wenn man ja nicht zu viel von ihnen verlangt. Die Wahrscheinlichkeit eines großen Kaderumbruchs und dass Führungsspieler abrasiert werden ist im Winter derart gering, so dass jedem neuen Trainer zunächst nichts anderes übrig bleiben würde, die teaminterne Hierarchie so zu belassen wie sie ist und den Mannschaftsrat hinter sich zu bringen.
Da die „Mannschaft“ als untrainierbar gilt, könnte man es wirklich so belassen wie es derzeit ist, es sei denn, eine „große“ Lösung wäre realistisch und bspw. ein Lucien Favre wäre zu bewegen, das Engagement hier anzunehmen, was ich jedoch fast für ausgeschlossen halte.
Ich persönlich würde mir zwar eher einen Feldherrn wünschen, der den Jungs den Marsch bläst und mit eisernem Besen durch den Kader fegt, aber, ob unsere Mimöschen einem solchen Typen folgen oder sich nicht doch gleich von vornherein solchen Methoden verschließen würden, das ist die große Frage. Letztlich geht es um den VfB Stuttgart, möchte man meinen, und dass dem Wohl des Vereins alle persönlichen Eitelkeiten unterstellt werden sollten, dass bei diesem charakterlosen Sauhaufen aber eine profihafte Einstellung, bedingungsloser Einsatz und (sogar ihre eigene) Ehre Fremdwörter sind, ist hinlänglich bekannt.
Felix Magath ist noch immer auf dem Markt. Viele haben ihm nicht vergessen, wie schändlich er uns 2004 unter Androhung eines Babyjahres und trotz laufenden Vertrages in Richtung Nordösterreich verlassen hat, mir gefällt seine Art noch immer. Seine Methoden mögen antiquiert sein, topfit waren seine Mannschaften jedoch immer. Und, an der Fitness gilt es in der Winterpause zu arbeiten, es ist schließlich kein Zufall, dass wir regelmäßig schlechtere zweite als erste Halbzeiten spielen. Magath wüsste sicherlich, auf was er sich hier einlassen würde und dass ihm, was Zukäufe angeht, die Hände gebunden wären, wäre aber in Bezug dessen unrealistisch, dass er nach einer großen Machtfülle strebt und Robin Dutt überflüssig machen würde.
Seit gestern hat sich auf verschiedenen Portalen ein anderer Favorit herauskristallisiert. Thomas Schaaf solle nach dem Wolfsburg-Spiel einen Vertrag unterzeichnen. Für mich auf den ersten Blick keine Lösung, die begeistert. Er war Bremen, er ist Bremen und er ist in Frankfurt gescheitert, weil er es dort nicht geschafft hat, das Team defensiv zu stabilisieren. Man erinnere sich an unser 5:4 im Waldstadion. Wir brauchen aber genau einen scharfen Analytiker, der das Team im Defensivverhalten verbessert und die Balance zwischen den Mannschaftsteilen wiederherstellt.
Seine knorrige, eigenbrötlerische Art dürfte zum VfB genauso wenig passen wie zur Eintracht, auch weil er mit Dutt einen Trainer auf der Bank sitzen hat, der, um es vorsichtig auszudrücken, sich mehr einbringt, als es einem Schaaf recht sein dürfte.
Sollte dem so sein, und der Nachfolger Kramnys bereits in den Startlöchern stehen, während man Kramny eine ehrliche Chance vorgaukelt, wäre dies auch nicht die feine englische Art.
Aber, wir sind der VfB Stuttgart, ein ehrlicher Umgang mit der Öffentlichkeit und untereinander ist schon lange passé. Der VfB gibt in allen Bereichen ein derart schlechtes Bild ab, so dass gute Spieler und Trainer lieber einen Bogen um den Cannstatter Wasen machen, anstatt eine Rolle in diesem Kasperletheater zu übernehmen. Dutt lässt man vor sich wursteln, weil in Vorstand und Aufsichtsrat keine sportliche Fachkompetenz zu finden ist und die geplante Ausgliederung noch immer sämtliche Kräfte bündelt.
Ich habe mittlerweile resigniert, vom Aufbruch im Sommer ist nichts mehr zu spüren, einmal mehr geht es nur um Schadensbegrenzung. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch ein drittes Mal gelingt, sehe ich als gering an. Irgendwann sind wir fällig, sollte es im Mai 2016 so weit sein, ich bin schon mal drauf vorbereitet.

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