21. Dezember 2015

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Wer hätte das für möglich gehalten? Nach einer, zumindest nach dem frühen Rückstand, couragierten Leistung gegen den Championsleague-Achtelfinalisten VfL Wolfsburg und dem letztlich verdienten 3:1-Erfolg verlässt der VfB erstmals seit dem 11. Spieltag die Abstiegsplätze und „überwintert“ auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Der 15. Tabellenplatz, den man in der Vorrunde fünf Mal inne hatte, stellt zugleich die beste (!) Platzierung in der laufenden Saison dar.

Obwohl der VfL Wolfsburg zu den schwächsten Auswärtsteams der Liga zählt und gerade einmal drei Auswärtstore zustande brachte, ließ dieses Spiel im Vorfeld das Schlimmste befürchten. Die Qualität des Werksclubs ist hinlänglich bekannt, in der Vorsaison setzte es zudem eine 0:4-Heimpleite. Damals hatten sie zwar noch Kevin de Bruyne in ihren Reihen, aber, die Draxlers, Kruses und Schürrles sind ja auch nicht zu verachten.

Da der VfB in der laufenden Saison nur gegen die vermeintlichen Abstiegskandidaten Hannover 96, Darmstadt 98 und den FC Ingolstadt mit Ach und Krach gewonnen hat und gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte teils derbe Niederlagen einstecken musste, hätte ich vor diesem Spiel keinen Pfifferling auf die Brustringträger gesetzt. Mittlerweile fahre ich gut damit, nichts von der Truppe zu erwarten, so dass die Enttäuschung hinterher nicht allzu groß ist, daher war ich mir im Vorfeld schon recht sicher, dass der VfB nach 2010/2011 zum zweiten Mal mit erbärmlichen zwölf Punkten in die Winterpause gehen würde.

Zum letzten Spiel des Jahres fanden sich 47.343 Zuschauer im Neckarstadion ein, was angesichts der zuletzt gezeigten „Leistungen“ und der nicht vorhandenen Attraktivität der Betriebssportgruppe Wolfsburg nicht sonderlich verwunderlich war. Der Gästeblock war mit etwa 400 Seelen lächerlich schwach besetzt. Vielleicht fragen wir einmal Herrn Allofs, welche Anstoßzeit ihm denn für dieses Spiel genehm gewesen wäre, nachdem er den schwachen Besuch in der heimischen Arena bei Championsleague-Spielen mit den fanunfreundlichen Anstoßzeiten begründet hatte.

Die Trainerfrage schien, schenkte man den Gazetten Glauben, schon vor dem Spiel entschieden zu sein. Jürgen Kramny würde aller Voraussicht nach einen Cheftrainervertrag erhalten, nur ein Debakel würde die Vereinsoberen womöglich noch zum Umdenken bewegen. Die „Mannschaft“ hatte es also in der Hand, ob sie mit Kramny weitermachen will, oder auch ihn zum Abschuss freigeben würde.

Anfangs sah es auch so aus, als nähmen die Dinge ihren vorbestimmten Lauf. Der VfB igelte sich hinten ein und überließ Wolfsburg den Ball, mit dem Vorhaben aus einer kompakten Defensive heraus vorne Nadelstiche zu setzen. Dies misslang in den ersten Minuten gründlich, da man überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bereits nach knapp einer Viertelstunde gingen die Wölfe in Führung. Kruse scheiterte mit einem Flachschuss an Tytoń, der zur Seite und in den Fuß von Caligiuri abwehrte, dieser wartete in aller Seelenruhe ab, bis Arnold herangerauscht kam und den Ball im Tor versenkte. Da war sie wieder, die Schlafmützigkeit unserer Defensivabteilung.

Die Wolfsburger wurden mit der Führung im Rücken erstaunlich passiv, so dass der VfB zu ersten zaghaften Kombinationen und damit besser ins Spiel kam. Nur acht Minuten später spielte der bärenstarke Lukas Rupp Daniel Didavi frei, der nicht lange fackelte und mit einem Traumtor aus 20 Metern in den Winkel den Ex-VfBler Diego Benaglio düpierte. Was für ein Tor, wunderschön und eminent wichtig und damit der Brustlöser für ein doch noch starkes Spiel. Knapp zehn Minuten später passte Gentner aus einer Kontersituation heraus auf Timo Werner, der in den Strafraum hinein sprintete und mit einem scharfen Querpass Filip Kostic bediente, welcher nur noch einzuschieben brauchte. Nach einer halben Stunde war das Spiel gedreht, von den Wölfen kam fast nichts mehr, im Gegenteil, noch vor dem Pausenpfiff hatte der VfB durch einen Pfostenschuss von Rupp und durch Timo Werner, der allein auf Benaglio zulief, hochkarätige Chancen, das Ergebnis höher zu gestalten.

Zur Halbzeit rieben wir uns verwundert die Augen, weil das wirklich mal wieder nach Fußball aussah. Direkt nach dem Seitenwechsel steckte Klein, der nach überstandener Verletzung für den angeschlagenen Serey Dié ins Team rückte, auf Didavi durch, der erneut nicht lange fackelte und das Leder zum 3:1 in die Maschen drosch.

Gab Didavi, der zuletzt verletzt fehlte und für Alexandru Maxim in die Startelf rückte, sein Bewerbungsschreiben für eine Anstellung beim VfL Wolfsburg ab? Ich hoffe es nicht! Trotz großer Anfeindungen in den sozialen Netzwerken und der ihm unterstellten Undankbarkeit, hoffe ich nach wie vor, dass uns Didavi erhalten bleibt. Didavi ist sicher nicht der Typ Söldner, für den ihn viele halten. Zunächst wurde er, weil Labbadia nichts mit ihm anzufangen wusste, nach Nürnberg ausgeliehen, um nicht zu sagen abgeschoben. Dort erfuhr er plötzlich die Wertschätzung, übrigens unter Trainer Dieter Hecking, die ihm beim VfB nicht zuteilwurde. Einen Teammanager, wie ihn heute Günther Schäfer mimt, gab es damals noch nicht. Schäfer hat unter anderem die Aufgabe, Kontakt zu verliehenen Spielern zu halten, sie über die Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden zu halten und sie frühzeitig darüber aufzuklären, wie der VfB mit ihnen plant. Immer und überall sollen sie sich als Teil vom VfB fühlen und sich nicht entfremden. Genau das geschah aber, als Didavi in Nürnberg war. Bis zwei, drei Wochen vor Saisonende hatte sich vom VfB kein Verantwortlicher gemeldet, so dass sich Dida wie das fünfte Rad am Wagen vorgekommen sein musste und nicht wusste, wie es weiter geht.
Lediglich seine in der Schlussphase der Leihe erlittene schwere Verletzung verhinderte, dass er damals schon verkauft wurde. Damit ihn während seiner schweren Zeit keine Zukunftsängste plagen und er seine Reha ohne Zeitdruck angehen konnte, wurde sein Vertrag mit einem vergleichsweise geringen Gehalt bis 2016 verlängert. Sein Salär wurde zwar wohl inzwischen nach oben angepasst, dennoch verpasste es der VfB zu jener Zeit, als sich Didavi im Klassenkampf der Vorsaison zum Leistungsträger aufgeschwungen hat, seine Vertragsverlängerung auf die Prio-1-Liste zu setzen.

Seit dem Bosman-Urteil ist es oberste Managerpflicht, Verträge von Spielern, die man halten möchte, frühzeitig zu verlängern und möglichst nicht ohne die letzte Gewissheit ins letzte Vertragsjahr zu gehen. Der VfB schob diese Personalie auf die lange Bank und hat nun den Salat. Didavi hat sich in den Fokus gespielt und kann bei Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg, die beide um ihn buhlen, sicher das Doppelte an Gehalt einstreichen, wie es ihm der VfB zu bieten imstande ist. Klarer Anfängerfehler von Robin Dutt!

Jetzt fehlen dem VfB die guten Argumente für eine Vertragsverlängerung, nicht nur finanziell, sondern auch sportlich! Allein der Tradition und Fankultur wegen, wird Didavi nicht zum bleiben zu bewegen sein. Und trotzdem darf der VfB nichts unversucht lassen.

Um in eine erfolgreichere Zukunft zu steuern, muss es der VfB lernen, sich den Begebenheiten der Branche zu beugen und auf Spieler einzugehen, die um ein Vertragsangebot flehen, und darf sie nicht ständig auf einen Zeitpunkt vertrösten, den der Verein für richtig hält. Dann nämlich fangen Spieler und deren Berater an, sich abzuwenden und Alternativen abzuklopfen.

Bei Filip Kostic ist der Fall wohl ähnlich gelagert. Anstatt ihm ein Bleiben wirklich schmackhaft zu machen, reibt sich Dutt bei den kolportierten 18 Millionen Euro Ablöse die Hände und setzt Kostic damit schon de facto auf die Verkaufsliste. Abgesehen davon, dass man bei Toni Rüdiger ähnliche Erlöse erwartete und es wegen des Transfer-Hick-Hacks kein Zurück mehr gab, verkauft man in erster Linie Qualität und einen Spieler, der die Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann.

Hier erwarte ich vom VfB, dass er sich bis an die Decke streckt und den beiden, sowie irgendwann auch Daniel Ginczek, marktgerechte Gehälter bietet, dass die Spieler zumindest anerkennen, dass der VfB sein möglichstes tut. Robin Dutt hat ganz klar formuliert, dass der VfB dahin kommen wolle, Leistungsträger halten zu können, diesen Worten müssen auch Taten folgen.

Natürlich wird der VfB immer von Vereinen wie Wolfsburg, Leverkusen oder Schalke finanziell ausgestochen werden, dem einen oder anderen Spieler aber ist es womöglich schon genug, wenn er in der vereinsinternen Gehaltstabelle weit oben angesiedelt ist und er daran die Wertschätzung für ihn ablesen kann. Klar ist auch, dass es viele Spieler gibt, die es tatsächlich nur interessiert, wo sie am meisten verdienen können, ich hoffe jedoch, dass nicht alle so ticken. Immerhin wissen sie beim VfB, was sie hier haben, welchen Stellenwert sie innerhalb des Teams haben, während bei einem Wechsel in ein Starensemble einige Unwägbarkeiten vorhanden wären und sie sich erst einmal dort durchbeißen müssten.

Ich hoffe nicht, dass die Situation bereits so verfahren ist, dass eine Vertragsverlängerung unmöglich ist. Didavi ist hier zuhause, kommt aus einem bodenständigen Elternhaus und kam sicher lang nicht auf den Gedanken, den VfB zu verlassen. Merkt er aber, dass sich der VfB nur halbherzig um ihn bemüht, kann man es ihm nicht verdenken, sollte er sich anderweitig orientieren.

Ich weiß, dass viele Fans der Auffassung sind, dass man Reisende nicht aufhalten soll, ich sehe es, zumindest im aktuellen Fall Didavi, anders. Um nicht ständig gegen den Abstieg zu kämpfen oder gar tatsächlich einmal abzusteigen, muss der VfB alles in seiner Macht stehende tun, die wenigen Qualitätsspieler die man hat, zu halten. Gelänge dies im einen oder anderen Fall könnte es eine Signalwirkung auch für andere Spieler haben, genauso wie im umgekehrten Fall.

Zurück zum Spiel, Timo Werner hatte noch eine weitere Chance im eins gegen eins gegen Diego Benaglio, das er erneut verlor, danach verflachte die Partie zunehmend. So etwas wie Spannung kam erst wieder auf, als Sunjic nach rüdem Foul mit gelb-rot vom Platz musste und dies einem Weckruf für die Autostädter gleichkam. Die Wölfe erhöhten den Druck, der VfB igelte nur noch am eigenen Strafraum ein und kam so gut wie nicht mehr zu Entlastungsangriffen. Der VfB hatte zwar noch Glück, dass Schiedsrichter Brych ein plumpes Foul von Schwaab an Dost im Strafraum nicht ahndete und Sebastian Jung aus zwei Metern über das leere Tor köpfte, ansonsten verteidigte der VfB mehr oder weniger geschickt den Vorsprung und brachte ihn schließlich über die Zeit.

Dieses Spiel bot ein Spiegelbild vieler Spiele in dieser Saison und war dennoch etwas anders, weil es erfolgreich gestaltet werden konnte. Spiele nach diesem Strickmuster haben wir bereits einige gesehen. Wenn man unsere Offensive spielen lässt, blitzt immer wieder mal enormes Potential auf, genauso wie uns defensive Aussetzer immer wieder um den durchaus verdienten Lohn bringen können. Am Samstag hatten wir endlich einmal das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite, dass nicht jeder Fehler zum Gegentor führte, so dass die Wölfe irgendwann, auch in Überzahl, nicht mehr so richtig an sich glaubten. Tytoń, der mit Rupp und Didavi bester VfBler war, mausert sich mehr und mehr zum Rückhalt und braucht sich in dieser Form auch vor Mitch Langerak nicht zu verstecken, der wohl in der Winterpause ins Mannschaftstraining zurückkehren dürfte.
Die größten Sorgen im Team macht nach wie vor die Vierer-Abwehr-Kette. Niedermeier stand am Rande eines Platzverweises, Sunjic flog durch eine Dummheit vom Platz, so dass er beim Rückrundenauftakt in Köln fehlen wird, und Schwaab, nicht nur in der Elfersituation ohne weitere Worte. Er ist weder Innen- noch Rechtsverteidiger, hat ein schlampiges Passspiel, kann nicht flanken und ist ungeschickt in seinen Zweikämpfen. Mir fiele kein anderes Bundesligateam ein, in dem er Stammspieler wäre.

Georg Niedermeier spielt sich derzeit wieder fest, seit Jürgen Kramny übernommen hat. Sicherlich ein nachvollziehbarer Schachzug Kramnys, da bei neuem Trainer die Karten stets neu gemischt werden. Timo Baumgartl, der derzeit dem Druck nicht gewachsen zu sein scheint, ist zunächst einmal außen vor. Niedermeier, am Samstag fast mit einem erneuten Eigentor, stellt wegen seiner Übersetzung und weil er zu langsam ist, immer ein Sicherheitsrisiko dar, ist dafür aber einer, der mit Herz und Leidenschaft dabei ist und nie aufgibt. Bei ihm stimmt die Körpersprache! Herz, Leidenschaft und Körpersprache sollte man von einem Berufsfußballer als selbstverständlich erachten, dass beim VfB solche Grundtugenden erwähnenswert sind, sagt viel über den Zustand dieser „Mannschaft“ aus.

Daher wird, sofern im Winter machbar, dringend ein starker Innen- aber auch ein Rechtsverteidiger benötigt. Auch ein Stoßstürmer als Ersatz für den Langzeitverletzten Daniel Ginczek würde uns gut zu Gesicht stehen. Ob der Markt etwas Brauchbares und für den VfB bezahlbares hergibt, wird sich zeigen. Es sollten jedenfalls Spieler sein, die uns sofort weiterhelfen und nicht eine monatelange Eingewöhnungszeit benötigen.
Den finanziellen Spielraum erhöht haben dürfte die Ernennung von Jürgen Kramny zum Cheftrainer. Es war zwar letztendlich die logische Entscheidung, weil Kramny es schaffte, das Team defensiv halbwegs zu stabilisieren und offensichtlich auch gut mit der „Mannschaft“ bzw. sie mit ihm kann.

Auf der anderen Seite ist sie auch eine große Gefahr, weil Kramny keine Erfahrung im Bundesliga-Abstiegskampf aufweist und weil die „Mannschaft“ so schwierig ist.

Möglicherweise hat sie gegen Wolfsburg tatsächlich für ihn gespielt, um einen Schleifer wie bspw. Felix Magath zu verhindern und um sich ihre Wohlfühloase zu erhalten.

Was zum Beispiel, wenn die „Mannschaft“, wie in den letzten beiden Jahren, die ersten sechs, sieben Rückrundenspiele sieglos bleiben sollte und man dann doch noch einen Feuerwehrmann installieren müsste? Dann hätte man die große Chance vertan, einem neuen Trainer die Möglichkeit des Wintertrainingslagers und des offenen Transferfensters zu geben, um selbst noch Einfluss nehmen zu können. Wie man es dreht und wendet, hätte wenn und aber. Der Aufschrei wäre genauso groß, wenn man Kramny zurück ins zweite Glied gestuft hätte und der neue Mann mit einer Niederlagenserie gestartet wäre.

In diese Zwickmühle brachte man sich selbst. Vor dem Augsburg-Spiel stand man noch voll und ganz hinter Alexander Zorniger. Erst nachdem die „Mannschaft“ beschloss die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden, indem sie eine 90-minütige Horrorshow inszenierte und Dutt durch den Fanausschuss (Montags; Dienstags dann die Entlassung) klargemacht wurde, weitere Darbietungen wie diese lasse man sich bieten, schmiss man ziemlich überstürzt den Trainer raus, dessen Philosophie lange Zeit als alternativlos betitelt wurde, hatte aber dummerweise keinen Plan B in der Tasche. Professioneller wäre es gewesen, sich vor der Entlassung Zornigers nach ernsthaften Alternativen zu erkundigen. Es hat aber den Anschein, dass man sich bis zuletzt darauf verlassen hat, dass mit Kramny der Umschwung erfolgen würde, so dass wohl noch mit keinem Kandidaten ernsthafte Gespräche geführt wurden. Am Ende entwickelte sich eine Eigendynamik, so dass tatsächlich nur noch ein Debakel gegen Wolfsburg eine andere Lösung auf der Trainerbank zur Folge gehabt hätte.

Ich hoffe, dass es gut geht und die „Mannschaft“ nicht auch ihn schafft. Ihm gleich einen Cheftrainer-Vertrag bis 2017 zu geben ist jedenfalls sportlich. Kramnys Art gefällt mir bis jetzt. Er ist ein netter Typ, hemdsärmelig, kumpelhaft, in Interviews noch sympathisch nervös. Da er über Jahre ordentliche Arbeit bei den Amateuren abgeliefert hat, hat er sich diese Aufstiegschance verdient. Es liegt an ihm, was er daraus macht und wie er die „Mannschaft“ anpackt, sollte sie mal wieder in ihren alten Schlendrian verfallen.

Die Spielweise unter ihm erinnert bisweilen an den „Fußball“ unter Labbadia und Stevens, was aber hauptsächlich der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass Sicherheit und die Verringerung der Anzahl der Gegentore oberste Bürgerpflicht war nach dem Harakiri-Fußball in der Zorniger-Ära. Mehr gibt diese „Mannschaft“ eben auch nicht her.

Der Sieg gegen Wolfsburg darf nicht zur Selbstzufriedenheit und einem „Wir sind wieder wer“ führen. Dass die „Mannschaft“ zu solchen Vorstellungen imstande ist, wenn man sie gewähren lässt und sie ihre Torchancen nutzt, ist bekannt. Leider sind solche Vorstellungen meist Eintagsfliegen, weil die „Mannschaft“ nach einem herausragenden Spiel zur Bequemlichkeit neigt, anstatt sich umgehend auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Die drei Siege hintereinander zum Saisonfinale 2014/2015 waren eine absolute Seltenheit, ansonsten muss man schon weit zurückdenken, um auf zwei Erfolge hintereinander zu kommen. Daher darf der Sieg gegen Wolfsburg nicht zu hoch gehängt werden, er muss erst einmal bestätigt werden, um nicht in die Kategorie „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ einsortiert zu werden. Dennoch sollte der Sieg für die Rückrunde und auch für das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund Selbstvertrauen geben, da es zum ersten Mal gelang einen Großen zu schlagen.

Die Wolfsburger waren an diesem Samstagabend ein dankbarer Aufbaugegner, der dem VfB die Räume anbot, die er benötigte, um glänzen zu können.

Gegen Köln zum Rückrundenauftakt wird es ein ganz anderes Spiel werden. Die Kölner werden dem VfB nicht den Gefallen tun und bedingungslos stürmen, sondern eher im Gegenteil, abwarten und auf unsere Fehler warten. In solchen Spielen zeigt sich dann, ob der VfB an Reife zugelegt hat und einem Gegner auf Augenhöhe, im Gegensatz zur Vorrunde, eben nicht in die Karten spielt. Gelingt das, spielt man schlimmstenfalls 0:0 und hat zumindest keinen weiteren Boden gegenüber der direkten Konkurrenz verloren.

Der Sieg gegen Wolfsburg tut zwar unheimlich gut, darf aber das Vorhaben, die „Mannschaft“ in der Pause zu verstärken, keineswegs beeinträchtigen. Blutauffrischung tut Not. Am dringlichsten wäre die Verpflichtung eines Abwehrchefs, der jedoch während der Saison und für schmales Geld kaum zu bekommen sein dürfte. Mittelfristig muss die derzeitige „Mannschafts-„Hierarchie durchbrochen, ein neuer Mannschaftsrat gebildet und ein neuer Kapitän bestimmt werden. Erst wenn alte Erbhöfe und gute Verbindungen nichts mehr zählen, wird auf dem Wasen endlich ein gesunder Konkurrenzkampf und ein Leistungsklima zurückkehren, welches man in den letzten fünf, sechs Jahren so sehr vermisst hat.
Kramny muss dieses Übel spätestens im Sommer, sofern die Rückrunde erfolgreich verläuft und er dann noch im Amt ist, an der Wurzel packen und Härte zeigen. Die Politik betreibenden Cliquen innerhalb der „Mannschaft“, die ihr eigenes Süppchen kochen, müssen zerschlagen werden und man sollte sich von jenen Spielern trennen, die namentlich für die jahrelange Misere und unzählige Trainerwechsel stehen. Ich hoffe, Kramny erhält dafür den notwendigen Rückhalt und von Dutt, diese Dinge voranzutreiben.

Wenn nicht, heißt es spätestens im Herbst 2016 wieder „Bye, bye, Jürgen Kramny“ und wir drehen uns weiter fleißig im Kreis.
Ich wünsche allen Lesern besinnliche Weihnachtsfeiertage, einen guten Rutsch und eine erholsame Winterpause. Die Realität holt uns spätestens zum 23. Januar wieder ein.

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