9. November 2009

Im Tabellenkeller gemütlich eingerichtet

Kategorie: Presse — Tags: , , , , , – Franky @ 12:47
Germany Soccer Bundesliga

Lehmann hält die Null fest

Die letzte Pflicht war schnell erledigt. Gegen die Schweinegrippe ließen sich die Spieler des VfB Stuttgart gestern Vormittag impfen, dann konnte er auch schon beginnen, der kleine Kurzurlaub mitten in der Saison. Bis Mittwoch hat Markus Babbel seinem Personal freigegeben – zwei Tage, um durchzuatmen, die Beine hochzulegen und auf andere Gedanken zu kommen. “Das ist wichtig, denn gerade mental waren die vergangenen Wochen sehr anstrengend”, sagte der Teamchef, der von seiner Großzügigkeit selbst nicht profitieren kann: Er muss wieder einmal bei der Fußballlehrerausbildung in Köln einrücken.

Jens Lehmann dagegen bekam sogar noch einen Tag länger frei als die Kollegen. Er durfte wie üblich direkt vom Spiel zur Familie an den Starnberger See reisen und kann dort morgen ausgiebig seinen 40. Geburtstag feiern. Vielleicht war diese Aussicht ja der Grund für die ungewohnte Milde des sonst so kritischen Torhüters. “Sehr stabil” sei die Abwehr gestanden, sagte Lehmann nach dem Schlusspfiff, “hervorragend” habe die Mannschaft gearbeitet, “bestens” sei die Einstellung gewesen.

Babbel ist positiv gestimmt

Man hätte glauben können, der VfB habe gerade den FC Barcelona in die Knie gezwungen. In Wahrheit aber galt es ein schmeichelhaftes 0:0 bei Borussia Mönchengladbach aufzuarbeiten. Und das Einzige, was aus Stuttgarter Sicht wirklich stabil, hervorragend und sogar bestens war – das ist die Leistung von Jens Lehmann selbst gewesen.

Es sagt viel aus über den derzeitigen Zustand des Champions-League-Teilnehmers VfB, wenn der Torhüter im Spiel gegen einen Abstiegskandidaten der mit Abstand beste Mann ist. Ein halbes Dutzend prächtiger Chancen durften sich die biederen Gladbacher erspielen, während der VfB einem Treffer nur beim Pfostenschuss von Zdravko Kuzmanovic nahe kam. Und es sagt viel aus, wenn ein derart uninspirierter Auftritt so zufriedene Mienen zur Folge hat. “Solche Spiele sind nicht der falsche Schritt auf dem Weg zu einer Serie”, sagte Lehmann. Und auch Markus Babbel wollte nicht groß meckern: “Ich sehe das positiv. Wir haben dreimal hintereinander nicht verloren. Das ist ein gutes Gefühl.”

Anspruchshaltung sinkt Stück für Stück

Zwei torlose Unentschieden gegen kriselnde Bayern und limitierte Gladbacher, ein 1:1 beim sorglosen FC Sevilla nach desaströser erster Halbzeit – das genügt also schon, um sich auf dem richtigen Weg zu wähnen. Natürlich war diese Woche kräftezehrend; natürlich konnte keiner erwarten, dass nach den Pleiten der Vorwochen mit einem Schlag alles wieder gut wird. Trotzdem verfestigt sich der Eindruck, dass die Stuttgarter Anspruchshaltung Stück für Stück sinkt. Der VfB hat sich vorerst eingerichtet da unten in den Niederungen, in denen ein Punkt beim Tabellennachbarn ein Erfolg ist. Aus der Krise, so scheint es, ist ein Normalzustand geworden – auch für die Fans, die unverdrossen feiern.

Es gerät ja leicht in Vergessenheit, aber die Wahrheit ist: der VfB ist als Vorjahresdritter in die Saison gestartet, wollte mit prominenter Verstärkung erneut den Einzug in die Champions League schaffen und auch im Pokal weit kommen. Nun ist mehr als ein Drittel der Saison gespielt, und die Realität sieht so aus: im Pokal war beim Zweitligisten Fürth Endstation; in der Champions League wartet der VfB weiter auf den ersten Sieg; und in der Bundesliga belegt Babbels Team Platz 14, mit 14 Punkten Rückstand auf die Spitze, der letzte Sieg liegt sechs Wochen zurück. Der Aufsteiger Mainz hat mehr als doppelt so viele Zähler wie der VfB gesammelt – auch das ist Teil der Wirklichkeit im Herbst 2009.

Wie groß der Unterschied zwischen dem einstigen Anspruch und dieser Wirklichkeit ist – das lässt sich am besten an der Offensivleistung des VfB ablesen. Ganze zehn Tore hat die Mannschaft in zwölf Bundesligaspielen zuwege gebracht, davon vier gegen Freiburg und drei in Frankfurt. “Nach vorne bringen wir sehr wenig”, sagte der Kapitän Thomas Hitzlsperger nach dem Spiel in Gladbach – und wiederholte damit wortgleich seine Analysen der vergangenen Wochen.
STZ 9.11.09

VN:F [1.8.1_1037]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.8.1_1037]
Rating: 0 (from 0 votes)

Keine Kommentare »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. | TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML ( You can use these tags):
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> .

CAPTCHA image