25. Januar 2016

Endlich mal ein Auftaktsieg!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:20

Nach dem ebenso wichtigen wie überraschenden Sieg gegen den VfL Wolfsburg und der Beförderung Jürgen Kramnys vom Interims- zum Cheftrainer galt es nun, in Köln nachzulegen und dadurch mit Schwung aus der Winterpause zu kommen.

In Belek konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass die Stimmung prächtig war und hart und konzentriert daran gearbeitet wurde, eine gute Grundlage für die Rückrunde 2015/2016 zu legen. An Neuzugängen wurden zwar Kevin Großkreutz und Artem Kravets vorgestellt, der so dringend benötigte erfahrene Innenverteidiger lässt jedoch weiter auf sich warten.

Während Kravets zunächst einmal vorwiegend als Backup unseres Sturms dienen und nur punktuell zu Einsätzen kommen dürfte und Eigenwerbung für eine Nominierung zur Euro 2016 für sein Heimatland Ukraine betreiben möchte, soll Großkreutz das Team möglichst auf Anhieb verstärken. Als zweimaliger Deutscher Meister, Pokalsieger und Weltmeister sollte er diese Qualität von Haus mitbringen. Noch fast wichtiger aber wird er mit seiner Mentalität als Typ sein. Ein Kämpfer, der einen hohen Anspruch an sich selbst und an sein Team stellt, einer, der verbissen und dennoch Spaßvogel ist und seine Mitstreiter mitreißen kann. Diese Tugenden sollte er, auch ohne Spielpraxis, von Anfang an in die Waagschale werfen können.

Aber, es stehen eben auch noch andere Geschichten in seiner Vita, die einen skeptisch werden lassen könnten ob seiner Verpflichtung. Dass er in eine Hotellobby gepinkelt habe, dass er einen Döner nach einem Passanten geschmissen habe und, was ihm vor allem unseres Ultras vorwerfen, seine Nähe zu Dortmunder Ultra-Gruppierungen wie den Desperados.

Mir steht es nicht zu, über seine erstgenannten Verfehlungen zu urteilen, da ich es Fußballprofis zugestehe, in ihrer Freizeit auch mal zu feiern und über die Stränge zu schlagen, sofern es den Leistungen auf dem Platz nicht abträglich ist. Solche Geschichten sind für Personen des öffentlichen Lebens zwar nicht unbedingt ratsam, da sie medial aufgebauscht werden und die Schundblätter tage- oder gar wochenlang zu füllen vermögen, auf der anderen Seite aber kann sicherlich nahezu jeder Fußballfan, der schon mal feuchtfröhlich einen Sieg oder eine Meisterschaft gefeiert hat, rückblickend über ähnliche Vorfälle berichten.

Bezüglich seiner öffentlich geäußerten Sympathiebekundungen den Desperados Dortmund und auch den Boyz Köln gegenüber wird Großkreutz schon eher hart darum zu kämpfen haben, die Herzen unserer Ultras zu erobern. Gerade auf die Dortmunder Ultraszene sind die Stuttgarter Ultras seit dem Einbruch in den Fahnenraum nicht gerade gut zu sprechen. Aber, der Ultra an sich betreibt in der Regel ja ohnehin keinen Personenkult und unterstützt in erster Linie den Verein, so dass ich hier keine Aktionen befürchte, die Großkreutz diskreditieren und womöglich dem gesamten Team schaden könnten.

Als Fußball-Fan wünscht man sich doch gerade solche Typen, denen die Fans noch wichtig sind, die wissen wie der Fan tickt und nicht nur Gehaltsempfänger sind, sondern sich auch über den Fußballplatz hinaus im Verein leidenschaftlich einbringen.

Für mich ist Großkreutz einer, dem man nie mangelnde Leistungsbereitschaft vorwerfen konnte und der immer eine hohe Identifikation mit seinem jeweiligen Verein an den Tag legte, so dass ich guter Hoffnung bin, dass wir noch viel Freude mit ihm haben werden.

Beide Neuzugänge machten in Belek einen guten Eindruck, auch was deren Integration anbelangt. Aber, ich muss es zugeben, ich habe noch kein einziges Trainingslager live verfolgt, bei dem ich den Eindruck gehabt hätte, die Stimmung wäre mies gewesen, an dem nicht konzentriert gearbeitet wurde und wo man nicht den Eindruck gehabt hätte, alle zögen an einem Strang.

Was sich dann im Lauf der Saison an Problemen herauskristallisiert hatte, hätte man zum Zeitpunkt der Vorbereitung nicht für möglich gehalten.
So sind diese Eindrücke nicht überzubewerten, die Wahrheit liegt ohnehin auf dem Platz, genauer, auf dem des altehrwürdigen Müngersdorfer Stadions zu Köln.

Der Terminplaner hat uns gleich zu Beginn des Jahres mit Köln einen echten Leckerbissen und eines meiner Lieblingsauswärtsspiele serviert. Anders, als sonst meist, entschieden wir uns daher auch nicht für die Busfahrt mit dem RWS mit Heimfahrt unmittelbar nach dem Spiel, sondern wählten die Bahn als Transportmittel und übernachteten in der Domstadt.

Köln ist doch immer eine Reise wert. Die Brauhäuser, die Altstadt, die meist freundlichen Menschen, die schon jetzt karnevalistische Stimmung in der Stadt, all das hat was.

Und, nicht zuletzt war Köln in den letzten Jahren auch sportlich eine Reise wert, liegt die letzte Auswärtsniederlage gegen den Geißbock doch schon über 15 Jahre zurück.

Das Stadion ist durch die Umbauten zur WM 2006 ein wahres Schmuckkästchen geworden und eines der stimmungsvollsten der Liga. Schon traditionell besorge ich mir dort einen Platz auf der Gegengerade im Block O2, der sowohl besten Blick auf das Spielfeld und den Gästeblock bietet, als auch von der Logistik her zu WC und Bierstand schwer zu toppen ist. Das Publikum in dieser Region ist meist gemischt, am Samstag jedoch war mein direktes Umfeld fast ausschließlich in schwäbischer Hand, so dass es selbst kein Problem darstellte, beim „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ mitzumachen, da auch hinter mir nur VfBler waren. Sonst halte ich mich als Gast im Heimbereich bei diesen Einlagen eher zurück, am Samstag aber war nicht nur bei den Kölnern Schunkelstimmung angesagt.

Am Spieltag kamen wir erst gegen 13.15 Uhr in der Domstadt an und mussten noch kurz einchecken, so dass die Zeit zum (weiteren) vorglühen begrenzt war und wir uns direkt auf den Weg zum Stadion machten. Dem Aufruf meiner Freunde „komm, lass uns noch ein Bier trinken gehen“ kam ich dieses Mal nicht nach, weil ich durch ähnliche Aufrufe zum Besuch der im Stadionumfeld gelegenen Lokalitäten schon so manchen Anstoß verpasst hatte. Das wollte ich in Köln unbedingt vermeiden, weil das Intro mit Cheerleadern und der Vereinshymne mit Schalparade schon ein Spektakel mit Gänsehautgarantie ist.

Die VfB-Fans zeigten derweil eine schöne Auswärtschoreographie „Wie in Stein gemeißelt, Tradition, Identifikation, Mitsprache“ und gaben ein Plädoyer für die Beibehaltung des e. V. ab. Die Regionalversammlungen sind in vollem Gange, der VfB steht nach wie vor vor der Herkulesaufgabe, Fans und Mitglieder von der Ausgliederung und vor allem von deren WIE zu überzeugen. Zu viel Vertrauen wurde in den letzten Jahren verspielt, um dieser Vereinsführung diesen so schwerwiegenden Eingriff zuzutrauen.

Auch ich bin noch absolut skeptisch, ob man diesen handelnden Personen das notwendige Vertrauen entgegenbringen und bei der Mitgliederversammlung am 17. Juli mit „Ja“ stimmen kann. Den Kausus Knaxus stellt für mich der noch zu berechnende Unternehmenswert dar, an dem sich die zu erwartenden Einlagen bemessen werden. Bevor dieser nicht „in Stein gemeißelt“ ist und nicht genau und unumstößlich bemessen ist, sind späteren Mauscheleien Tür und Tor geöffnet. Hier müssen die Vereinbarungen wasserdicht formuliert sein, wenn die Ausgliederung zur Abstimmung kommt, da es einen Weg zurück dann nicht mehr geben wird.

Der VfB begann in einem 4-1-4-1 mit Serey Dié als alleinigem Sechser und Timo Werner als alleiniger Spitze. Der vielseitig einsetzbare Neuzugang Kevin Großkreutz spielte anstelle von Florian Klein Rechtsverteidiger. Das System gleicht mehr und mehr dem, mit dem man in den letzten Spielen der Vorsaison gerade noch den Klassenerhalt perfekt machte und welches wohl dasjenige ist, mit dem die Spieler offensichtlich am besten zurechtkommen. Schwaab fungierte an der Seite von Georg Niedermeier als Manndecker und ersetzte den gesperrten Toni Sunjic.

Weg also vom Harakiri-Fußball der Zorniger-Ära und back to the roots sozusagen, wobei der VfB gegen Wolfsburg und auch jetzt in Köln unter Beweis stellte, dass dieses System mit größerer Kompaktheit nicht zwangsläufig weniger attraktiv sein und zu weniger Torchancen führen muss, wenn alle im Kollektiv gut zusammenarbeiten und die Balance zwischen Offensive und Defensive passt.

Der VfB begann selbstbewusst, man merkte den Brustringträgern vom Anstoß weg an, dass sie sich für Köln etwas vorgenommen hatten. Die ersten Torannäherungen verzeichnete somit auch der VfB, ehe Serey Dié den Ball vertändelte, wodurch Marcel Risse freie Bahn hatte und sich Georg Niedermeier ihm im Strafraum in den Weg stellte. Auch wenn man sagen könnte, „der Schorsch kann sich doch nicht in Luft auflösen“ eine dämliche Aktion von Niedermeier, die einmal mehr unterstrich, dass wir in der Innenverteidigung großen Handlungsbedarf haben.

Da kann Robin Dutt noch so gebetsmühlenhaft herunterspulen, er lasse sich unsere Innenverteidiger nicht schlecht reden. Diese Aussagen trifft er aus der Not heraus und zum Zweck der Rechtfertigung, weil er es einfach nicht schafft, einen Verteidiger mit Format für den VfB zu gewinnen.
Ob Sunjic, Niedermeier oder Schwaab, alles sind sie Grobmotoriker und zu langsam. Timo Baumgartl besitzt zwar gute Anlagen, braucht aber einen erfahrenen Nebenmann, der schwierige Spielsituationen ruhig und besonnen löst und zudem ein Greenhorn zu führen und zu dirigieren imstande ist.
Serdar Taşçı ist aufgrund der russisch-türkischen Spannungen auf dem Markt, ich kenne aber seinen derzeitigen Leistungsstand nicht, so dass ich auch nicht wüsste, ob er sportlich eine Verstärkung darstellen würde. Sollte sich Taşçı eine Rückkehr zum VfB vorstellen können, müsste er die Entscheidung ohnehin mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf treffen. Der VfB wird ihm nicht annähernd jenes Gehalt bieten können, das er noch bei seinem Abgang hatte. Damals überwies ihm der VfB jährlich geschätzte 3,5 Millionen Euro, eine Größenordnung, die nach ihm lediglich noch Vedad Ibisevic in den Rachen geschmissen wurde. Inzwischen werden beim VfB weitaus kleinere Brötchen gebacken, so dass ein Wechsel Taşçıs nach Schalke um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist, wenn ihn denn das Heimweh plagen sollte.

Es ist zwar auf der einen Seite vernünftig, nicht einen weiteren Mann Marke Sunjic für viel Geld zu holen, der uns nicht entscheidend weiter bringt, auf der anderen Seite aber auch ein Armutszeugnis für den VfB und mittlerweile auch für Dutt, es über Jahre nicht geschafft zu haben, das Defensiv-Personal bundestauglich aufzustellen.

Für Köln freilich reichte es, trotz Schwaab, trotz Niedermeier! Zum Elfmeter muss man aber auch sagen, dass den nicht jeder Schiri pfeift. Der Schiedsrichter am Samstag hieß jedoch Manuel Gräfe, der bekanntlich keine Gelegenheit auslässt, den VfB zu benachteiligen und daher stoisch wie arrogant auf den Elfmeterpunkt zeigte und sich auch von den heftigen Protesten nicht zum überdenken seiner Entscheidung bewegen ließ. Modeste ließ sich nicht zwei Mal bitten und verwandelte sicher in die Tormitte, es war in der 19. Minute der allererste Torschuss vom FC.

In der Folgezeit hatte der VfB spürbar an diesem Rückschlag zu knabbern, während die Kölner sicherer wurden und Ball und Gegner laufen ließen.
Als dann jedoch Olkowski zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff den Ball an Filip Kostic verlor, und dieser einen seiner unwiderstehlichen Sprints anzog und scharf auf den in Mittelstürmerposition befindlichen Timo Werner passte, der per Direktabnahme Timo Horn prüfte, fiel der Ausgleich. Horn ließ Werners Schuss an den Fünfer abprallen, wo Didavi heran gerauscht kam und zum Ausgleich abstaubte.

Eine tolle Energieleistung unserer Offensivakteure brachte den zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften Ausgleich. Für Didavi war es bereits der achte Saisontreffer und sein zwölfter Scorerpunkt, womit er fast an der Hälfte aller VfB-Tore beteiligt ist. Eine Statistik, die einmal mehr unterstreicht, weshalb der VfB nichts unversucht lassen darf, Didavi doch noch langfristig zu binden.

Kurz vor der Halbzeit hatte der VfB dann sogar noch Glück mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, als Gräfe ein Handspiel Georg Niedermeiers, das unweigerlich zu gelb-rot geführt hätte, nicht ahndete.

Als kurz nach dem Seitenwechsel Timo Werner eine Kostic-Ecke zur Führung einköpfte, war das Spiel gedreht. Seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder traf der VfB nach einer Ecke.

Kostic blüht im alten neuen System auf und findet langsam zurück zu seinen Leistungen aus der Schlussphase der Vorsaison. Gelang ihm gegen Wolfsburg sein erstes Saisontor überhaupt, war er in Köln an den beiden ersten Toren maßgeblich beteiligt. Defensiv zwar nach wie vor ein Schwachpunkt, vor allem wenn sein defensives Pendant Insúa wie jetzt in Köln einen schwächeren Tag erwischt, offensiv aber einer der besten Flügelflitzer der Liga. Besonders gefreut hat mich schon im Vorfeld des Spiels, dass Kostic drei Tage vor dem Spiel erstmals ein klares Bekenntnis zum VfB abgegeben hat und offenbarte, wie wohl er sich in Stadt und beim Verein fühle. Hoffen wir, dass das nicht nur leere Worthülsen waren und er sich auch im Sommer noch ein Bleiben beim VfB vorstellen kann. Dutt selbst hat versprochen, dass man danach strebe, endlich mal wieder die guten Spieler halten zu wollen. Bei Didavi und auch bei Kostic wird er sich beweisen müssen, was diese Worte am Ende des Tages wert sind oder ob man nicht doch Dollarzeichen in die Augen bekommt, wenn das eine oder andere unmoralische Angebot herein flattert.

Weitere Garanten dieses Sieges waren Tytoń, Großkreutz, Rupp und dieses Mal auch Christian Gentner, dem es sichtlich gut tut, im kompakt formierten Mittelfeld verlässliche Leute um sich herum zu haben. Lukas Rupp mausert sich mehr und mehr zu DEM Transfer des letzten Sommers. Mit einer Pferdelunge und einem feinen Fuß ausgestattet spielt er solide seinen Part und ist mittlerweile für das Team unverzichtbar. Hoffen wir, dass er sich beim Torjubel zum 1:3 nicht schwerer verletzt hat. Es wäre tragisch, wenn er gerade jetzt pausieren müsste. Eine Augenweide war, wie er Gente das 1:3 aufgelegt hat.

Da auch Timo Werner mittlerweile nicht nur durch seine Schnelligkeit besticht, sondern auch das Tor trifft, dürfte eine der spannendsten Fragen der nächsten Wochen sein, wer denn aus der Startelf weichen muss, wenn Harnik und Ginczek in mittlerweile absehbarer Zeit in die Mannschaft drängen.

Kevin Großkreutz merkte man zwar in der einen oder anderen Situation seine fehlende Spielpraxis an, aber, er war sofort drin im Team, drin im Spiel und ist einer mit Biss, der keinen Ball verloren gibt und stets alles für sein Team zu geben bereit ist. Er hatte am Ende die beste Laufleistung und die beste Zweikampfbilanz aller VfB-Spieler aufzuweisen und somit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der geschlossenen Mannschaftsleistung. Die Äußerungen Löws, nach denen er spielen könne, wie er wolle und dennoch kein Thema für die Euro 2016 in Frankreich wäre, ließen ihn unbeeindruckt. So wie Joachim Löw inzwischen schon bezüglich seiner Aussagen zurückgerudert ist, könnten Löw jene Aussagen, deren Kern wohl bestehen bleiben, noch um die Ohren fliegen, sollte Großkreutz eine sensationelle Rückrunde hinlegen und sollten Löw, wie möglicherweise jetzt schon Boateng, noch weitere Leistungsträger wegbrechen.

Der Auftritt insgesamt macht Mut für die kommenden Aufgaben. Auch nach dem zweiten Sieg in Folge ist zwar noch nichts gewonnen, man hat es lediglich geschafft, einen Puffer von vier Punkten auf die beiden Abstiegsplätze zu legen. Außer Hoffenheim und Hannover 96 gewann nämlich auch die Konkurrenz im Abstiegskampf durchweg seine Spiele, so dass die Situation weiterhin prekär bleibt.

Zum „Topspiel“ des 19. Spieltags empfängt der VfB den „Relegations-Titelverteidiger“ Hamburger SV, gegen den es in den beiden letzten Spieljahren in bedrohlichster Situation jeweils einen knappen Heimsieg zu feiern gab. Dieses Spiel am Samstagabend ist nun nicht minder wichtig. Mit einem Sieg würde man die Hamburger mit in den Abstiegskampf hineinziehen und selber weiteres Selbstvertrauen tanken.

Die Vorzeichen stehen gut, der VfB ist (scheinbar) auf dem guten Weg eine Einheit zu werden, in der einer für den anderen kämpft, so wie es im Mannschaftssport eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Jürgen Kramny steht dabei vor seiner vielleicht größten Bewährungsprobe. Er muss es schaffen, Konstanz in die Darbietungen zu bekommen und die Truppe dauerhaft bei Laune halten. Dass mit einem neuen Mann an der Linie kurzfristig eine Besserung eintritt, konnte man schon unter Thomas Schneider bewundern. Allzu schnell aber nahm die damalige „Mannschaft“ Schneider nicht mehr ernst und verfiel in den alten selbstgefälligen Trott, der uns beinahe die Liga gekostet hätte. Daher muss Kramny wachsam bleiben und die Spannung hochhalten, bevor ihm die Mannschaft wieder entgleitet.

Noch traue ich dem Braten nicht, nach Wolfsburg titelte ich „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, um in diesem Jargon zu bleiben, zwei machen auch noch keinen Sommer. Es ist kein Zufall, dass zwei VfB-Siege am Stück schon länger eine Seltenheit darstellen, so dass auch diese „Serie“ noch mit Skepsis zu betrachten ist.

Immerhin hat es der VfB seit fünf Jahren mal wieder geschafft, mit einem Sieg in die Rückrunde zu starten. Galt es vor einigen Jahren noch als Faustregel, dass der VfB in der Rückrunde durchstartet und verlorenes Terrain in der Tabelle zurückerobert, legte der VfB in den letzten beiden Jahren einen regelrechten Winterschlaf hin. Jeweils gelang erst zum Frühlingsanfang und am 26. Spieltag der erste Rückrundensieg, so dass es nicht verwunderte, dass man beide Male die Klasse nur mit Ach und Krach hielt.

Auch der Auftakt in Köln hätte noch in die Hose gehen können, weil der VfB vor allem in den Schlussminuten zu viel zugelassen hat. Dass das Elfmetertor das einzige Gegentor an diesem Nachmittag blieb hatten wir Przemyslaw Tytoń zu verdanken, der erneut ein starker Rückhalt war.
Auf der Torwartposition haben wir inzwischen ein echtes Luxusproblem. Langerak ist wieder fit und gab gestern bei den Amateuren sein Pflichtspieldebüt, während Tytoń sich nach schwachem Start stabilisiert hat, so dass momentan überhaupt kein Anlass besteht, an Tytońs Status als Nummer Eins zu rütteln. Hoffentlich spornt ihn die Konkurrenz Langeraks mehr an, als dass sie ihn nervös macht. Am Samstag war von Nervosität bei ihm zum Glück nichts zu spüren.

Kramny machte nach dem Spiel aus seinem Herzen keine Mördergrube und war angesichts der vielen zugelassenen Chancen und der damit verbundenen eigenen Fehler fast schon dankbar darüber, dass es genügend Verbesserungspotential gibt und noch lange nicht alles Gold ist, was glänzt.

Verwunderlich ist das natürlich nicht, denn es ist auch klar, dass der Dauerpatient VfB weder durch Handauflegen noch durch einige wenige kosmetischen Änderungen die Intensivstation so schnell wieder verlassen kann. Im Moment scheint Kramny den richtigen Ton zu treffen, so dass einige unserer Jungs wieder Spaß am Beruf zu haben scheinen, wie lang dieser Moment anhalten wird, werden wir sehen.

Jedenfalls sollte dieser Schwung jetzt mitgenommen werden und gegen den HSV und in Frankfurt am besten ebenfalls dreifach gepunktet werden, um der Aufholjagd Nachdruck zu verleihen und zu zeigen, dass man tatsächlich besser ist, als es der derzeitige Tabellenplatz aussagt.

Als in Köln endlich der Schlusspfiff ertönte und der Auswärtssieg eingefahren war, wähnte man sich in heimischen Gefilden. Viele Kölner hatten bereits das Stadion verlassen, so dass die Stuttgarter Freudengesänge in beeindruckender Lautstärke durch das Stadion hallten. Nach einem kurzen Stopp an „unserem“ Bus und unzähligen Umarmungen mit Freunden und Bekannten, machten wir uns auf den Weg zurück in die Altstadt und feierten gemeinsam mit Kölnern bis spät in die Nacht.

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