22. November 2009

Die VfB-Baustelle: Mehr Handwerk erforderlich

Category: Presse — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:33
Der VfB-Teamchef Markus Babbel ist und bleibt ein guter Moderator, aber in der sportlichen Krise sind auch andere Qualitäten gefragt.

Der VfB-Teamchef Markus Babbel ist und bleibt ein guter Moderator, aber in der sportlichen Krise sind auch andere Qualitäten gefragt.

Der Blick richtet sich nach vorne. Markus Babbel nimmt den Kopf hoch, seine Stimme klingt kämpferisch, und er spricht Sätze wie “Wir müssen Laufbereitschaft und Leidenschaft zeigen” oder “Ich will eine Mannschaft sehen, die alles für den Sieg tut”. Das macht der Teamchef des VfB Stuttgart immer so, bei weniger wichtigen Fußballspielen und bei besonders wichtigen Fußballspielen wie am Samstagnachmittag gegen Hertha BSC.

Die Begegnung mit den Berlinern kann Schlüsselfunktion erlangen, sie kann die Wende zum Guten markieren. Babbel weiß das. Schließlich erwartet der Bundesliga-15. den Tabellenletzten. Es ist ein Aufeinandertreffen zweier Kellerteams, aber es ist ebenso das Aufeinandertreffen zweier Mannschaften, die unverhofft im Abstiegskampf stecken, weil sie sich vor der Saison viel mehr ausgerechnet hatten.

Im vergangenen März spielten der VfB und Hertha zuletzt gegeneinander. Auch damals war die Situation für die Stuttgarter verzwickt. Sie waren zuvor mit 0:4 in Bremen untergegangen, und der Club lief Gefahr, einen Europapokalrang zu verspielen. Am Ende gewann der VfB 2:0 gegen den damaligen Spitzenreiter, was vor allem das Verdienst von Markus Babbel war.

Gewinnen muss man wollen

Wieder einmal hatte der Trainernovize der Mannschaft neuen Mut eingeflößt und ihr den Glauben an die eigene Stärke vermittelt. Das versucht Babbel auch jetzt. Immer wieder oder immer noch. Je nach Betrachtungsweise kann die eigentliche Stärke des Teamchefs auch als eine Schwäche ausgelegt werden.

Babbel ist nach wie vor ein guter, vielleicht sogar ein hochbegabter Moderator. Der 37-Jährige verfügt über eine natürliche Autorität, reichlich Optimismus und hat die VfB-Mannschaft mit feinem Gespür in die Champions League geführt. Seine klaren Worte fanden bei den Spielern Anklang und schafften Vertrauen.

Und genau das war es, was Babbel erreichen wollte. Für ihn beruht Erfolg im Fußball nicht auf einer großen Spielphilosophie oder taktischen Nuancen, für ihn ist es eine Frage der Mentalität. Gewinnen muss man wollen. Auf diese Weise wurde er von Kindesbeinen an beim Rekordmeister FC Bayern München sportlich sozialisiert, so hat ihn auch später sein Trainer-vorbild Ottmar Hitzfeld geprägt.

Im Abstiegskampf ist Babbel auch fußballfachlich gefordert

Nur: der VfB von heute ist nicht der FC Bayern von gestern. Vieles von dem, was in der vergangenen Rückrunde so passend und verheißungsvoll erschien, funktioniert nicht mehr. Auf dem Wasen haben sich mittlerweile so viele kleinere Baustellen wie das Formtief Einzelner (Thomas Hitzlsperger, Alexander Hleb) und die Strukturprobleme des Kaders (Mittelfeld und Angriff) zu einer Großbaustelle aufgetürmt – und nun scheint die Kunst der moderaten Mannschaftsführung nicht mehr auszureichen.

Im Abstiegskampf ist Babbel auch fußballfachlich gefordert. Er muss der verunsicherten Mannschaft Halt geben – in Form von eingeübten Spielzügen, von Automatismen, die so sowohl in der Offensive als auch in der Defensive greifen. Simples Trainerhandwerk, wenn man so will. Auffallend ist nach wie vor, dass zum Beispiel ein Pawel Pogrebnjak selbst dreieinhalb Monate nach seiner körperlichen Ankunft in Stuttgart immer noch nicht in das Spiel eingebunden ist. Der Russe weiß nicht, wie er laufen soll, und er weiß auch nicht, wie der Ball gespielt werden wird. Andererseits weiß auch ein Thomas Hitzlsperger im Mittelfeld nicht, wie er den Pass spielen soll, weil er nicht weiß, wie Pogrebnjak wohl laufen wird.

Zusammengenommen lassen sich die Zweifel an Babbel selbst durch die vor kurzem demonstrierte Rückendeckung vom Vereinsvorstand nicht vertreiben. Und allmählich dringen selbst aus dem Mannschaftskreis kritische Stimmen nach außen. So soll der VfB nur zweimal überhaupt systematische Spielzüge trainiert haben. Vor der Partie gegen Werder, die prompt verloren ging, weshalb sich der Trainerstab wieder mehr der physischen Ausbildung widmete.

Doch es hat sich in einer Reihe von Heimspielen (Nürnberg, Bremen, Köln, Schalke, München) gezeigt: läuft das eigene Spiel schon nicht, schafft es die Elf aber auch nicht, das gegnerische Spiel zu verhindern. Denn in diesen Phasen offenbart sich das Fehlen von Automatismen.

STZ online 21.11.09

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. | TrackBack URI

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML ( You can use these tags):
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> .