12. Dezember 2016

Schließt sich der Kreis?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 08:39

DER Meilenstein auf dem Weg zum Abstieg war sicherlich die 1:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 am 27.02. diesen Jahres. Der VfB befand sich gerade wieder in der Spur, als es diese unnötige Niederlage gegen das zu jenem Zeitpunkt abgeschlagene Schlusslicht setzte.

Altmeister Thomas Schaaf verwirrte damals Trainer-Greenhorn Kramny mit einer so nicht erwarteten Aufstellung. Und doch führte man mit 1:0 und ließ zunächst glasklarste Chancen zum 2:0, später dann zum 2:1, liegen. Timo Werner war das Sinnbild dieses unsäglichen Auftritts, spätestens seit jenem Spiel sprachen ihm viele die Bundesligareife ab. Ich titelte damals, optimistisch wie ich bin, „Noch kein Beinbruch“, im Nachhinein aber muss man konstatieren, dass es doch einer war und die Mannschaft danach, von einem Zwischenhoch gegen uns ins Messer rennende Hoffenheimer einmal abgesehen, nicht mehr auf die Beine kam. Ich kann mich an wenige unnötigere Niederlagen als diese erinnern. 22:12 Torschüsse, 17:1 Ecken und doch verliert man am Ende durch zwei Schulz-Tore, ein Spieler übrigens, der gefühlte zehn Jahre zuvor nicht traf.

Heute gilt es die Suppe, die man sich damals eingebrockt hat, wieder auszulöffeln. Die Vorzeichen sind komplett andere jetzt. Top-Spiel der Woche, nicht mehr in der Bundesliga sondern im Unterhaus. Es treffen DIE beiden Aufstiegskontrahenten aufeinander. Als langjährige Erstligisten kann für beide Teams der Anspruch nur jener sein, den Betriebsunfall umgehend zu korrigieren und sofort wieder aufzusteigen. Beide sind dem Rest der Liga finanziell um Lichtjahre überlegen. Der VfB hatte beim Abstieg, da er keinen Mäzen wie Martin Kind in der Hinterhand hat, einen noch größeren Aderlass als die 96er zu verzeichnen, sich mittlerweile jedoch gefangen und augenscheinlich eine Frischzellenkur vollzogen, die nötig wie unumgänglich war.

Hannover 96 hatte zu Beginn der Runde den Vorteil, bereits während der letzten Saison die Aufstiegshoffnung Daniel Stendel als Trainer installiert zu haben und Leistungsträger wie Salif Sané trotz lukrativer Angebote gehalten zu haben, während der VfB zunächst darauf angewiesen war, Transfererlöse von knapp 40 Millionen Euro zu generieren. Dadurch kamen die Niedersachsen besser in die Saison, zumal der VfB, Ruhe ist schließlich ein Fremdwort, einen Trainer und einen Sportdirektor in ihren Reihen hatten, die überhaupt nicht miteinander sprachen.

So kam es, wie es kommen musste, Luhukay wurde gegangen oder ging freiwillig, man weiß es nicht so ganz genau, und Hannes Wolf wurde installiert. Abgesehen vom 0:5 in Dresden präsentiert sich die Mannschaft seither anders, frischer. Wolf tut dem Verein gut, bringt frischen Wind und neue Ideen hinein und ist ein akribischer Arbeiter, dem jedes noch so kleine Detail wichtig ist. Nach Dresden hat der VfB fünf Siege und ein Remis bei Union Berlin zu verzeichnen und nahm in der letzten Woche erstmals den Platz an der Sonne ein, den es heute zu verteidigen gilt.

Auch Hannover ist seit fünf Ligaspielen ohne Niederlage und vor allem zu Hause eine Macht. Auswärts gelangen den Niedersachsen jedoch erst zwei Siege, so dass sie momentan auf dem Relegationsplatz stehen und ihren eigenen Ansprüchen etwas hinterher hinken dürften.

Das Team von der Leine reist mit seinem Top-Torjäger Martin Harnik an, der sieben Saison-Tore und davon fünf in den letzten fünf Spielen auf seinem Konto hat. In Stuttgart ist der Österreicher zuletzt jedoch eher als Chancentod in Erscheinung getreten, so dass es kaum zu befürchten ist, dass er im letzten halben Jahr aus der Ferne gelernt hat, wo denn die Tore im Neckarstadion angebracht sind. Mir wird dieses Duell auch zu sehr auf ein Spiel VfB gegen Harnik reduziert. Wenn wir 3:2 gewinnen und Martin Harnik die beiden 96er-Tore schießt, ist mir das völlig egal, dann freue ich mich einfach, dass wir gewonnen haben.

Mittlerweile bin ich wieder sehr optimistisch, was den VfB und vor allem auch das heutige Spiel angeht. Ich vertraue Hannes Wolf, dass er sich ausgiebig mit Hannover 96 beschäftigt hat und weiß, wie ihnen beizukommen ist. Ich vertraue Wolf, dass er auch während des Spiels, sei es durch eine Ansprache, sei es durch Wechsel oder Rochaden auf dem Feld, auf Geschehnisse reagieren und alles für den Sieg tun wird. Ich vertraue auf das Potential, das in unserer Truppe, vor allem offensiv, steckt und ich freue mich, dass Daniel Ginczek in den Kader zurückkehren wird. Ich vertraue unserer neu entdeckten Heimstärke, die sich darin ausdrückt, dass wir zu Hause lediglich gegen Heidenheim (noch unter Luhukay) den Kürzeren zogen und darauf, dass uns Hannover zu Hause eigentlich liegt (von den letzten acht Heimspielen gewannen wir sechs).

Komischerweise hatte ich vor dem Spiel gegen Heim-Angstgegner weitaus mehr Bammel als vor dem heutigen. Einfach des Gesetzes der Serie wegen und weil Nürnberg aus einer starken Serie herauskam. Wie so oft schon in dieser Saison setzte es auch an diesem Abend die Erkenntnis, dass Bundesliga und 2. Liga zwei Paar Stiefel sind und Serien aus Bundesligazeiten nicht zwangsläufig in der 2. Liga bestätigt werden müssen. In der 2. Liga reichten uns schon des Öfteren fehlerbehaftete Auftritte, die die Gegner nicht zu bestrafen vermochten, zum Sieg, so dass diese 2. Liga die ideale Spielwiese ist, sich zu konsolidieren und langsam für die Bundesliga einzuspielen. Natürlich fehlt noch einiges, möchte man als ernsthafter Konkurrent und nicht als Sparringspartner der Großen zurückkehren, aber auch diesbezüglich werden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Wintertransferperiode erste Weichen stellen.

Für einen Fußballlehrer wie Hannes Wolf könnte die Situation indes reizvoller kaum sein. Die Ergebnisse stimmen und doch bieten die Auftritte noch jede Menge Steigerungspotential. Ein 4:0 in Aue wird daher auch richtig eingeordnet werden und dem Umstand, dass wir dort nicht unbedingt das bessere Team waren, bei der Trainingsarbeit Rechnung getragen. Dort entschied die individuelle Klasse, vor allem unserer schnellen Außen Asano und Mané die Partie, und die brutal an den Tag gelegte Effizienz, als man von fünf Torchancen vier verwerten konnte. In weiten Phasen des Spiels war man zu passiv, was in einem Auswärtsspiel jedoch nicht allzu verwerflich ist, wenn man es denn so klar gewinnt wie letzten Sonntag.

Heute kommt zwar kein „normaler“ Zweitligist ins Neckarstadion und dennoch gilt bange machen nicht. Der VfB kann mittlerweile mit breiter Brust aus den Katakomben treten und wird dies auch tun. Es gilt, Hannover auf Distanz zu halten und die Spitzenreiterposition zu untermauern. Alles ist angerichtet, wir sind heiß und das Team wird heiß sein, beim letzten Heimspiel des Jahres noch einmal Werbung in eigener Sache zu betreiben und auch ein Stück weit für die vergangenen zwölf Monate zu entschädigen. Der VfB rechnet mit 45.000 Zuschauern, aufgrund des Montagabend-Termins nicht die ganz große Kulisse und doch noch immer sehr beachtlich.

Es gilt den Rückenwind der letzten Wochen mitzunehmen und alles dafür zu tun, dass sich der Kreis schließt, dessen Unheil mit der Heimniederlage Ende Februar ihren Lauf genommen hat.

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