26. November 2009

Der VfB hat das Siegen nicht verlernt

Glasgow – Die letzten Spielminuten verbrachte Markus Babbel im Stehen – doch zittern musste der VfB-Teamchef diesmal ausnahmsweise nicht. Zwar vergab seine Mannschaft in der Schlussphase eine Chance nach der anderen, aber der Sieg, der stand schon lange fest. Mit 2:0 (1:0) gewannen die Stuttgarter am Dienstagabend bei den Glasgow Rangers und beendeten damit die schwarze Serie von zuvor zehn sieglosen Pflichtspielen in Folge.

Es war ein Erfolg, der wichtiger kaum sein könnte – für den Verein und nicht zuletzt den Teamchef. Einerseits ist der VfB nun sicher Gruppendritter, überwintert also in jedem Falle im Europapokal und hat mit einem Sieg zum Abschluss gegen Urziceni die große Chance, ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Und andererseits bleibt Babbel zumindest vorerst die Entlassung erspart. Für ihn war viel auf dem Spiel gestanden, eine weitere Niederlage hätte er sich kaum erlauben dürfen.

Nicht zum ersten Mal in dieser Saison hatte sich der Teamchef entschlossen, seinen Kapitän auf die Ersatzbank zu setzen. Thomas Hitzlsperger musste zunächst zuschauen, nachdem er in den vergangenen Wochen enttäuschende Leistungen gezeigt hatte. Dass er nun in einem derart wichtigen Spiel unberücksichtigt blieb, dürfte ihm zusätzlich zu denken geben.

Der VfB begann hoch konzentriert und – angesichts der Krise durchaus überraschend – auch selbstbewusst. Ganz klar dominierte Babbels Team das Spiel in der Anfangsphase. Einen Schuss von Cacau von der Strafraumgrenze konnte Allan McGregor noch abwehren (7.) – neun Minuten später jedoch war der Rangers-Schlussmann chancenlos: Nach einem Doppelpass mit Cacau passte der formverbesserte Alexander Hleb nach innen, Pawel Pogrebnjak traf den Ball nicht richtig, doch dahinter stand Sebastian Rudy und schob mühelos zum 1:0 ein. Das zweite Stuttgarter Tor folgte schon kurz darauf, als Zdravko Kuzmanovic einen Freistoß verwandelte. Weil jedoch Matthieu Delpierre im Abseits stand, wurde dem Treffer die Anerkennung verweigert. Gut vierzig Minuten später traf der Serbe dann ganz regulär – doch bis dahin hatte der VfB bange Momente zu überstehen.

Denn die Rangers, die ihre beiden bisherigen Heimspiele in der Champions League gegen Sevilla und Urziceni mit jeweils 1:4 verloren, wachten nach dem Rückstand auf. Spielerisch limitiert besannen sie sich auf die althergebrachten britischen Tugenden: Leidenschaft, Härte und unbändiger Einsatz. Und das genügte, um beim VfB vorübergehend den Faden reißen zu lassen. Plötzlich war es vorbei mit dem Selbstvertrauen und der Spielfreude, jetzt machte sich Verunsicherung breit. Viel zu weit zogen sich die Stuttgarter zurück – und bauten so einen an sich klar unterlegenen Gegner wieder auf.

Glück hatte der VfB, dass er mit einer Führung in die Pause ging. Die große Chance zum Ausgleich vergab Chris Boyd per Kopf (37.), nachdem sich zuvor Pogrebnjak einen haarsträubenden Fehlpass geleistet hatte. Es war nicht der Abend des Russen, der nach der Pause völlig freistehend den bereits am Boden liegenden Rangers-Keeper McGregor anschoss (61.)und anschließend nur den Pfosten traf (78.).

Dass dies nicht weiter ins Gewicht fiel, lag daran, dass der VfB, der zu Beginn des zweiten Abschnitts das Spiel wieder unter Kontrolle bekam, schon vorher auf 2:0 erhöhen konnte. Nach einem sehenswerten Spielzug über Träsch und Rudy köpfte Kuzmanovic ein (59.). Diesmal zählte sein Treffer – und nicht nur in dieser Szene zeigte der 22-Jährige, dass er für den VfB immer wichtiger wird. Um so bitterer ist es, dass er am Sonntag in Leverkusen gesperrt fehlt.

Beim Tabellenführer hoffen die Stuttgarter auf das nächste Erfolgserlebnis. Denn klar ist auch: die VfB-Krise ist längst noch nicht beendet, und die Diskussionen um Markus Babbel sind es auch nicht.

Glasgow:

McGregor – McCulloch, Weir, Wilson – Whittaker, Davis, Thomson (77. Fleck), Papac – Miller (68. Novo), Boyd, Lafferty (85. Beasley). Trainer: Smith

Stuttgart:

Lehmann – Osorio, Niedermeier, Delpierre, Boka – Rudy (90. Gebhart), Kuzmanovic (75. Hitzlsperger), Träsch, Hleb – Pogrebnjak, Cacau (82. Schieber). Trainer: Babbel

Schiedsrichter:

Roberto Rosetti (Italien)

Tore:

0:1 Rudy (16.), 0:2 Kuzmanovic (59.)

Zuschauer:

41.468

Gelbe Karten:

Boyd, Thomson, McCulloch – Träsch, Cacau

STZ online 25.11.2009

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