26. November 2009

Ein Sieg wider alle Zweifel

Das 2:0 des VfB Stuttgart in Glasgow weckt Erwartungen für die Bundesliga

An den 2:0-Erfolg in Glasgow werden beim VfB Stuttgart große Erwartungen geknüpft. Der Champions-League-Jubel soll nun die überfällige Initialzündung in der Fußball-Bundesliga bewirken.
n den unverhofften Siegesrausch im Ibrox-Park mischte sich ein Schuss Sarkasmus: “Wir werden vielleicht der erste Champions-League-Sieger in der Fußball-Geschichte, der in die zweite Liga absteigt”, johlte ein VfB-Fan nach dem 2:0 (1:0) bei den Glasgow Rangers durch die Treffer von Sebastian Rudy (16. Minute) und Zdravko Kuzmanovic (59.).

Ist doch wirklich kaum zu fassen. In der Bundesliga finden sich die Stuttgarter mittlerweile auf dem drittletzten Platz wieder, in der “Königsklasse” haben sie die große Gelegenheit, mit einem Heimsieg am 9. Dezember Unirea Urziceni von Platz zwei in Gruppe G zu verdrängen und zum zweiten Mal seit der Saison 2003/2004 ins Achtelfinale vorzustoßen. Damals war Felix Magaths Mannschaft gegen den großen FC Chelsea ausgeschieden. Durch Fernando Meiras Eigentor, den einzigen Treffer, der nach zwei Partien (0:1/0:0) zu Buche stand.

Aktuell ist mit dem Erfolg in Schottland bereits klar, dass der VfB von Rang drei nicht mehr zu verdrängen ist und auf jeden Fall im Europacup überwintert: Die Gruppendritten qualifizieren sich für die Zwischenrunde der Europa League.

Das Gegenteil von Planungssicherheit herrscht auf nationaler Ebene. Die Freude über den ersten VfB-Sieg nach zwei Monaten (so lang liegt das 3:0 in Frankfurt zurück) fiel entsprechend kurz aus. “Champions League ist das eine”, sagte Sportvorstand Horst Heldt im wolkenverhangenen Glasgow. “Ich hätte jetzt auch gern in der Bundesliga ein paar Zähler mehr.” Auf den Lichtblick warten nun alle umso mehr. Vier Punktspiele sinds bis Weihnachten: am Sonntag bei Tabellenführer Leverkusen, dann gegen Bochum, in Mainz, gegen Hoffenheim. Sollte Glasgow der erhoffte Befreiungsschlag sein, müssen acht, neun Punkte herausspringen, damit Markus Babbel in der Winterpause mehr Ruhe hat als bisher.

“Es freut mich, dass sich die Jungs endlich einmal belohnt haben. Jetzt haben wir ein Endspiel in Stuttgart. Das ist das, was wir wollten”, sagte der Teamchef erleichtert und gab tiefere Einsicht in seine Gefühlswelt. “Ich habe der Mannschaft gesagt: Wir dürfen nicht zweifeln. Und ich habe mich auch selbst gefragt, ob ich zweifle. Und nein, ich weiß: Ich zweifle nicht.”

Das hatte er der Klubführung in ähnlicher Situation nach dem Pokal-Aus in Fürth auseinandergesetzt und sie noch einmal überzeugen können. Bei einem Scheitern in Glasgow hätten die Zweifel in Babbels Umfeld wohl die Überhand gewonnen und Mechanismen in Gang gesetzt. Die Mannschaft hat von der ersten Minute (auch für Babbel) gekämpft und endlich entscheidende Tore erzielt. Die Taktik mit Zdravko Kuzmanovic und Christian Träsch als “Doppel-Sechs” und Alexander Hleb links sowie Rudy rechts im Mittelfeld verspricht Perspektive und Potenzial. Das Umschalten von Defensive auf Offensive hat so viel störungsfreier funktioniert. Nur: Wo bleibt da noch Platz für Thomas Hitzlsperger, den Kapitän? In Leverkusen. Allerdings nur, weil Kuzmanovic seine Gelb-Rot-Sperre absitzt.

Dieser 22-Jährige, als Acht-Millionen-Einkauf von einigen verfrüht als Fehleinkauf verschrien, steht beim VfB nun für die neue Hoffnung. “Der Sieg ist gut für die Moral. Außerdem haben wir gut gespielt, was auch sehr wichtig war für uns”, meinte der Schweizer zur Gesamtsituation. Über seine eigene Entwicklung mit zuletzt drei wichtigen Toren sagte er: “Der Trainer hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Er geht jeden Tag positiv auf uns zu und marschiert voran. Die Diskussionen um ihn sollten jetzt endlich aufhören.” Das passiert automatisch – aber erst, wenn der VfB nicht mehr in Zweitliga-Nähe dümpelt.

Bietigheimer Zeitung online 26.11.09
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