5. Dezember 2009

Der VfB vor der Zerreißprobe

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 07:01

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Das Spiel in Leverkusen hat mir fast die Sprache verschlagen. Aber nicht nur deshalb, auch aufgrund einer stressigen Woche melde ich mich erst jetzt wieder zu Wort.

In meinem Glasgow-Bericht hatte ich noch geschrieben, daß eine Niederlage in Leverkusen zu verzeihen wäre, es aber auf die Art und Weise ankommt. Diese war absolut inakzeptabel. Wie schon gegen Hertha muß man auch in diesem Spiel Markus Babbel taktische Fehler ankreiden. Weshalb stellt er Rudy nach seinem glänzenden Auftritt in Glasgow im rechten Mittelfeld auf die Sechs und gräbt nach 2 Monaten Gebhart aus der Versenkung aus? Weshalb läßt er Niedermeier wieder draußen, nur weil Tasci wieder fit ist? Tasci war schon vor seiner Verletzung ein Sicherheitsrisiko und sah gegen Kießling überhaupt kein Land. Weshalb reagiert er nicht schon mal in den ersten 20 Minuten, indem er einen Spieler opfert, um die Mannschaft wachzurütteln. Gegen Leverkusen zum Beispiel war Cacau in der Anfangsphase völlig indisponiert und unkonzentriert, was sich durch leichte Ballverluste zeigte. Babbel hätte hier ein Zeichen setzen sollen und auch mal einen schon in der Anfangsphase auswechseln. Cacau war jetzt nur ein Beispiel, es hätte auch einen anderen treffen können. Aber nein, Babbel sitzt stoisch auf seiner Bank und so kam es, wie es kommen mußte. Nach dem 1:0 war das Spiel quasi schon entschieden, ein Aufbäumen nicht erkennbar. Die wenigen Chancen wurden dilettantisch vergeben, vor allem in Person von Pogrebnjak. Er wird ja angeblich von Dynamo Moskau umworben, ein Wechsel schon in der Winterpause scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Horst Heldt hat man selten so sauer gesehen, wie in seinem Halbzeit-Interview, alle 11 solle M. Babbel auswechseln. Nach dem Spiel wurde dann wieder einmal mit der Entlassung von Babbel gerechnet. Doch am Dienstag stand fest: die Vereinsführung hält weiter an ihm fest. Ob das richtig ist? Seit dem Bremen-Spiel ist meine Meinung, daß ein frischer Wind her muß, auch wenn es mir um Babbel wirklich immer noch leid tun würde. Er ist die ärmste Sau. Dafür, daß der Kader so aufgebläht ist und die Spieler Nummer 18-30 keine Motivation haben, da sie ja eh kaum Chancen haben, in die Stammmannschaft zu kommen, dafür kann er nichts. Das ist Aufgabe von Horst Heldt, Spieler loszuwerden. Daß einigen Spielern die profihafte Einstellung fehlt, ist eine Charakterfrage. Da sollten die Verantwortlichen bei künftigen Spielerverpflichtungen genauer hinschauen. Daß weitere Spieler überwiegend mit sich selbst beschäftigt sind und mentale Probleme haben, ist ihm auch nicht anzulasten. Daß immense  fußballerische Defizite zu Tage treten und manche Spieler keinen geraden Paß über 10 Meter spielen können oder keine gescheiten Standards in den Strafraum bringen, das kann man allerdings trainieren. Dazu war die viel diskutierte Rotation am Anfang der Saison unnötig und ein Eigentor. Als rational denkender Mensch kann ich die Entscheidung der Vereinsführung, an Markus Babbel festzuhalten, sogar in gewisser Weise nachvollziehen. Dieter Hundt sagt “Der Aufsichtsrat hält grundsätzlich nicht viel davon, die in diesem Geschäft teilweise üblichen Mechanismen zu bedienen und immer gleich den Trainer auszuwechseln. Wir brauchen auch Kontinuität. Niemand kann garantieren, dass wir bei einem Trainerwechsel in sechs, acht oder zehn Monaten nicht in der gleichen Situation sind.” Da hat er natürlich Recht. Vor einem Jahr waren wir in einer ähnlichen Situation und ein neuer Trainer würde auch keinen dauerhaften Erfolg garantieren, zumal ja auch, jetzt zu diesem Zeitpunkt, der Trainermarkt überschaubar ist. Das ist die rationale Betrachtungsweise. Die emotionale als Fan sieht anders aus. Man hat richtig Angst und möchte Taten sehen. Man kann einfach nicht sehenden Auges ins Verderben rennen, mit dem Gefühl, es würde alles so hingenommen. Erst jetzt in dieser Woche, meiner Meinung nach viel zu spät, wird in Aktionismus verfallen. Erst wird Hitzlsperger als Kapitän abgesetzt (lange überfällig, Delpierre, ein Leisetreter als Nachfolger, wohl auch eher mangels Alternativen), die Trainingszeiten werden nicht mehr bzw. nur noch sehr kurzfristig veröffentlicht, Babbel kündigt eine rauere Gangart an und möchte (warum erst?) ab jetzt genau hinschauen, wer links oder rechts ausschert, schließlich wurde jetzt auch noch die traditionelle OFC-Weihnachtsfeier auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese war übrigens nach dem letzten Spiel des Jahres gegen Hoffenheim geplant, hätte also keine Vorbereitung auf ein Spiel beeinträchtigt. Der Verein möchte sich also offensichtlich in dieser Situation den Fans nicht stellen, eine schwache Aktion. Bei diesen Maßnahmen werden also die Mannschaft und die Fans in gleichem Umfang abgestraft (die Fans auch, weil es nicht mehr planbar ist, mal ein Training anzuschauen). Am Dienstag waren wir kurz am Trainingsgelände, leider fand nachmittags kein Training mehr statt. Wir hatten kurz die Gelegenheit mit Alexander Zorniger zu sprechen. Er begründete die Maßnahme damit, daß die Spieler sich voll auf den Verein konzentrieren und im Privatleben zurückstecken sollen, in dem sie ihre Woche nicht mehr so frei planen können, da sie erst kurzfristig wissen, wann trainingsfrei ist. Auf die Frage, ob das Trainerteam nicht mal den Bettel hinschmeißen möchte, reagierte er energisch und machte klar, daß das Trainerteam noch mit vollem Herzen dabei ist. Rainer Widmayer hätte nach dem Pokal-Aus in Fürth geheult wie ein Schloßhund, Markus Babbel wäre jetzt schon mehr Schwabe als Bayer und mit vollem Herzen und Engagement dabei und auch er, Alex Zorniger, wolle die Chance seines Lebens beim Schopfe packen. Außerdem könnten aus dieser Situation alle gestärkt hervorgehen: die Mannschaft, wenn sie es packt den Negativlauf zu beenden und die Kurve zu bekommen, der Trainerstab, wenn getätigte Maßnahmen greifen, die Vereinsführung, die sich nicht den üblichen Mechanismen bedient hatte, und nicht zuletzt die Fans, die bislang erstaunlich loyal zur Mannschaft gestanden haben. O-Ton: nach dem 1:1 gegen Hertha wären wir woanders aus dem Stadion gepffiffen worden.

Daß sich da mal nicht alle täuschen. Nach dem Leverkusen-Spiel kippt die Stimmung mehr und mehr. Die Entscheidung am Trainerstab festzuhalten, verstehen noch die Wenigsten. Gegen Bochum heute wird es von der Stimmung sicherlich schon ein merkwürdiges Spiel. Das Commando Cannstatt wird aus Protest auf organisierte Stimmung verzichten. Wehe, wenn es wieder so ein Grottenkick wie gegen Hertha werden sollte, dann wird sich sicher der Zorn der Anhänger entladen und die Mannschaft gnadenlos ausgepfiffen. Schon in Leverkusen hatten die Fans nach spätestens 75 Minuten “die Schnauze voll”. Als die Mannschaft nach dem Spiel zum Gästeblock kam (bzw. kommen mußte, R. Widmayer mußte einige überreden) war es Sprachlosigkeit von beiden Seiten zum desolaten Auftritt. Hoffen wir, daß die starken Worte von Babbel fruchten, und sich die Mannschaft kampfstark präsentiert. Ich bin gespannt, ob sich das Gesicht der Mannschaft verändern wird, nachdem Babbel diese Woche genau hingeschaut hat. Egal wer heute aufläuft: es wird ein Charaktertest für alle, denn heute gilt: VERLIEREN VERBOTEN!

Ein Bericht vom Spiel gegen Bochum folgt dann voraussichtlich morgen. Drückt heute alle die Daumen, schön wird es sicher nicht, aber hoffentlich erfolgreich.

Viele Grüße und bis bald

Franky

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