28. April 2013
Gestern war wieder einer dieser Tage bei dem ich ein deutliches Kribbeln verspürte. Das Hannover-Spiel, Sonntag 17.30 Uhr, hatte ich leider sausen lassen müssen, da es mit dem Job nicht vereinbar war. So war das letzte Auswärtsspiel schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her. Es stand so etwas wie ein (schwäbisches) Derby an, wenn auch ein ganz junges. Gegen den FCA hatte der VfB noch nie verloren, weder in der Bundesliga noch in den 70er-Jahren in der 2. Liga Süd. Zugegebenermaßen lief man sich aber auch noch nicht allzu oft auf Augenhöhe über den Weg. Beim VfB gibt die Entwicklung der letzten Wochen durchaus Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten. Seit dem Frankfurt-Spiel, als Arthur Boka erstmals als Sechser den in dieser Saison schwach agierenden William Kvist ersetzte, als Alexandru Maxim, damals Reservist, sich als Standardspezialist in die Stammelf spielte, ist spürbar eine Weiterentwicklung festzustellen. Seitdem ist so etwas wie Spielkultur zu erkennen und die Ergebnisse stimmen auch. Der Ausfall von Kapitän Serdar Tasci konnte durch Antonio Rüdiger gut kompensiert werden. Georg Niedermeier schwang sich zum Turm in der Schlacht auf, natürlich mittlerweile durch den Abgang von Maza wieder gestärkt und unumstrittene Stammkraft und Abwehrchef. Diese Entwicklung gab mir Anlass zur Hoffnung, dass sich das Team zum Saisonende hin weiter steigern kann, und womöglich noch Chancen auf die Qualifikation für die Europa League über die Liga schaffen kann. Dies könnte keine oder eine verkürzte Qualifikationsphase zur Europa League nach sich ziehen, als wenn wir als unterlegener Pokalfinalist teilnehmen würden.
Los ging es gestern gegen 10.30 Uhr mit dem RWS-Bus. Wir erreichten das Stadion schon sehr frühzeitig gegen 13 Uhr. Da es in Augsburg am Stadion, wie eigentlich rund um alle neuen „Arenen“, so gut wie nichts gibt, wo es sich aufzuhalten lohnen würde, entschloss ich mich noch in die Stadt zu fahren und Kumpels zu treffen, die zudem noch meine Eintrittskarte bei sich hatten. Ich machte mich also auf zur Tram-Station, wo allerdings gähnende Leere herrschte und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis die erste Bahn ankam. Als diese an mir vorbei fuhr, sah es aus, als ob die Leute teilweise „quer liegen“ würden, andere waren an die Scheiben gepresst, total überfüllt, ob dies den Sicherheitsauflagen entspricht, wage ich mal zu bezweifeln. Zunächst sah ich diese Überfüllung als Folge davon an, dass ewig keine Bahn gen Stadion fuhr und sicherlich an allen Haltestellen das Gedränge groß gewesen wäre. Als dann aber die Polizei auffuhr und sich zur Eskorte formierte, war mir schnell klar, dass hier das Commando Cannstatt und andere Insassen des Sonderzugs eintrafen. Ein Bekannter sprang mir schnell entgegen, der aufgrund der heißen Temperaturen in der Bahn glitschig wie ein Aal war.
Skandalöse Umstände wenn hier Fußballfans wie Vieh behandelt werden und diese bis zum geht nicht mehr in eine Straßenbahn gepresst werden. Dass der eine oder andere, aufgrund von Platzangst, von Erstickungsängsten, Hitzewallungen oder Geruchsbelästigungen mit Reaktionen wie Sachbeschädigungen oder Beleidigungen reagiert, kann ich nachvollziehen. Ich war auch schon mal, in Nürnberg, zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde ebenfalls, wo ich nur auf eine Bahn wartete, aufgrund meiner VfB-Utensilien gegen meinen Willen in eine Bahn gepresst, woraufhin auch meine gute Laune verflogen war. Die ganzen Umstände, rund um eine Auswärtsfahrt, werden immer menschenunwürdiger, es scheint fast, als würde man seine Menschenrechte beim Verlassen der eigenen Stadt zurücklassen. Sei es, dass man gezwungen wird, in dieser einen Bahn mitzufahren, ob man möchte oder nicht, sei es auch dass Strafen ohne Verfahren und Ermittlungen verhängt werden, sei es, dass man sich von auswärtigen Ordnungsdiensten und –hütern alles gefallen lassen muss, weil sie doch „am längeren Hebel“ sitzen und man sich nach Widersetzungen gegen noch so irrsinnige Anweisungen des Ground verwiesen werden könnte und ein Verfahren, das ein Stadionverbot nach sich ziehen könnte, am Hals hätte. Also, gilt es Ruhe zu bewahren und alles in sich hinein zu fressen. Hier bin ich ehrlich gesagt froh schon ein gesetzteres Alter erreicht zu haben und ruhiger zu sein, als vor 20 Jahren. Damals war der Rebell in mir noch weitaus ausgeprägter als heute, wo ich es, wenn auch sehr zähneknirschend, einsehe, dass man bestimmte Dinge einfach nicht zum positiven ändern kann, so schwachsinnig sie sind, welch Schikane sie auch darstellen.
Den Tramfahrer konnte ich überreden, mit der Bahn in die Stadt zurück fahren zu dürfen, obwohl es eigentlich eine Leerfahrt hätte werden sollen und die Tram offensichtlich abgestellt und einer Grundreinigung unterzogen werden sollte. Aufgrund dieser Verzögerungen, war es leider schon 14.30 Uhr als ich im Brauhaus 1516 ankam, wo meine Kumpels bereits warteten. Viel Zeit war also nicht mehr, zumal sich der Weg vom Stadion in die Innenstadt als zeitaufwändiger als gedacht erwies. Kurz nach 15 Uhr entschlossen wir uns dann, eines derer Taxis zu nehmen, die scharenweise am Bahnhof auf Kundschaft warteten. Ich hatte die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben, rechtzeitig zum Intro auf den Rängen meinen Platz eingenommen zu haben. Der Taxifahrer machte uns allerdings wenig Hoffnung auf ein schnelles Ankommen, er fuhr diese Tour zum vierten Mal an diesem Tag und war spürbar genervt, von den Staus, die er schon hinter sich hatte. Also motivierten wir ihn, sein Bestes zu geben und auf die Tube zu drücken. Unser Kutscher, ein Kroate, tat sein Bestes, uns auf dem schnellsten Weg zum Stadion zu bringen. Wir hatten großes Glück, kein Stau weit und breit, wir wurden direkt vors Stadion gefahren, gerade einmal 20 Meter neben unserem Eingang. Die Einlasskontrolle war zu meiner großen Freude sehr relaxt, nicht einmal meine Kamera wollten sie sehen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Pünktlich zur Zelebration der Augsburger Mannschaftsaufstellung nahmen wir unsere Plätze ein. Beim Verlassen des Brauhauses hätte ich mir dies nie und nimmer vorstellen können.
Nachdem der VfB wieder einigermaßen in der Spur zu sein schien, gab Trainer Labbadia dem Kader (und sicherlich sich selbst auch!) drei Tage frei, um nach der englischen Woche mit dem Einzug ins Pokalfinale, die Köpfe frei zu bekommen und regenerieren zu können.
Gut, hinterher ist man immer schlauer, nach dem gestrigen Spiel kann man zu der Ansicht gelangen, dass die Jungs innerlich schon auf Urlaub getrimmt waren und vor allem das Spiel in Augsburg als unwichtig erachteten. Der VfB begann mit derselben Aufstellung wie beim letzten Spiel gegen Freiburg, dieselbe Einstellung jedoch fehlte von Beginn an. Dem FCA merkte man gleich an, dass sie um jeden Zentimeter fighten würden und sich mit Vehemenz gegen den drohen Abstieg stemmen würden. Der VfB dagegen begann wieder einmal viel zu abwartend und überließ dem Gegner die Initiative, was bei uns einfach selten erfolgversprechend ist. So ließen die ersten guten Chancen der Gastgeber nicht lange auf sich warten und die Brust wurde noch breiter. Breit genug war sie eigentlich sowieso schon, weil eine hervorragende Rückrunde hingelegt wird und zwei Wochen davor Eintracht Frankfurt aus dem Stadion gefegt wurde. Dies war dem VfB jedoch nicht Warnung genug, zu behäbig wurde zu Werke gegangen. Nach dem Spiel sind die Augsburger schon die viertbeste Rückrundenmannschaft, und weisen nach jämmerlichen neun Punkten in der Vorrunde, eine Bilanz auf, die aller Ehren wert ist.
Der Auftritt des VfB dagegen erinnerte eher an einen lustigen Betriebsausflug. Sie ließen sich den Schneid abkaufen und machten nicht den Eindruck, als würden sie es schaffen, die Spannung (bis zum Pokalfinale) hochzuhalten. Dies wäre eine Charakterfrage gewesen, offensichtlich ist dieser Charakter bei unserer Truppe jedoch nicht vorhanden, was wir allerdings schon vorher wussten, wenn man sich diese Saison re vu passieren lässt. Daher können wir wirklich froh sein, wenn die Saison zu Ende ist und wir nicht noch ernsthaft unten rein rutschen. Es kann uns ja theoretisch noch der Relegationsplatz drohen, auch wenn nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Augsburg bei den Bayern gewinnt. Von der notwendigen Grundspannung für den Ligabetrieb war gestern wenig zu spüren. Klar hatte der VfB die eine oder andere Chance und hätte kurz nach der Pause durch Martin Harnik in Führung gehen müssen. Klar hat Schiedsrichter Gräfe wieder einmal ein Spiel zerpfiffen. Wenn man aber ehrlich ist, war das Spiel nur deshalb bis weit in die zweite Hälfte offen, weil die Augsburger einmal mehr ein Problem mit der Chancenverwertung hatten. Bei einem Torschussverhältnis von 22:7 für einen Abstiegskandidaten kann man nicht wirklich von einer unglücklichen Niederlage reden.
In Augsburg waren einfach zu viele Spieler überfordert, dem Kampfgeist der Augsburger etwas entgegen zu setzen und luden sie schließlich durch haarsträubende Fehler zum Tore schießen ein. Angefangen bei Ulle, der (mindestens) am ersten Gegentor schuld war, Rüdiger, dieses Mal schwach, leitete das zweite ein, Okazaki, nach seiner Einwechslung nicht bundesligatauglich, schließlich verlor den Ball zum endgültigen Knockout. Harnik schon seit Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst. Natürlich hat er die Messlatte letzte Saison hoch gelegt, so dass man von ihm mehr erwartet, als er in den letzten Monaten auf den Platz bringt. Er selbst sieht sich wohl schon in England und kokettiert immer wieder mit einem Wechsel auf die Insel. Gemessen am gestrigen Spiel ließe sich noch der eine oder andere ebenfalls aufführen.
Labbadia höchstpersönlich gab Mitte der zweiten Halbzeit dann noch das komplett falsche Signal, in der er die beiden einzigen Aktivposten Traore und Maxim auswechselte und sein Team damit unnötig schwächte.
Letztendlich war es viel zu wenig, was uns die Jungs geboten haben. Uns und natürlich auch den anderen Kandidaten im Abstiegskampf. Dass Hoffenheim durch unsere Niederlage auf dem Abstiegsplatz verbleibt, ist eine positive Begleiterscheinung, die wohl jeder VfB-Fan goutieren wird. Vereinen wie Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf haben wir jedoch einen Bärendienst erwiesen. Die sind jetzt wieder mittendrin statt nur dabei im Abstiegskampf. Ich bin grundsätzlich weder Freund eines Auslaufenlassens am Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, genauso wenig wie der eines übertriebenen Rotationsprinzips, wie es Bayern und Dortmund momentan an den Tag legen. Deren Qualität ist allerdings groß genug, ihre Spiele trotzdem zu gewinnen, so dass von Wettbewerbsverzerrung keine Rede aufkommen muss. Wenn aber ein VfB so leidenschaftslos daherkommt, zudem nach einer dem Vernehmen nach nicht (ausreichend) vorhandenen Vorbereitung, kann ich den Unmut der anderen Abstiegskandidaten verstehen, haben wir doch Augsburg zum Rekordsieg ihrer Bundesligazugehörigkeit verholfen. Andererseits bräuchte sich gerade Werder Bremen nicht darüber zu beklagen, hatten sie doch 2004 als feststehender Meister ein 2:6 zu Hause gegen Leverkusen, das mit uns um die CL-Qualifikation buhlte, hingelegt, ein Ergebnis, das zwei Wochen zuvor natürlich nie und nimmer zustande gekommen wäre. Am letzten Spieltag dann überholte uns Leverkusen schließlich im direkten Duell, dem letzten mit Felix Magath auf unserer Trainerbank, bevor er zu den Bayern wechselte. Wenn man sich die finanzielle Diskrepanz zwischen Champions League und dem damaligen UEFA-Cup anschaut, hat uns diese Abschenken der Bremer richtig Geld gekostet.
Spätestens seit damals ärgert es mich sehr, wenn sich Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, einfach hängen lassen.
Beim VfB muss diese Saison nach dem Finale in Berlin gnadenlos aufgearbeitet und tunlichst vermieden werden, dieser Saison Schönes abzugewinnen, weil wir ins Finale eingezogen und für die Europa League qualifiziert sind. Zu gut meinte es die Losfee in beiden Wettbewerben mit uns, um dass man das Erreichen des Pokalfinales im DFB-Pokal bzw. des Achtelfinals in der Europa League überbewerten sollte. Der Alltag in der Bundesliga war trist, die Leistungen oft erschreckend schwach, sowohl spielerisch als auch vom Engagement her, dazu wurden einige sang- und klanglose Niederlagen hingenommen, die richtig weh taten.
Trotzdem soll dies die Vorfreude auf das große Finale in Berlin nicht schmälern. Wenn ich denn aus der Ticketlotterie erfolgreich herausgehen werde, wird es nach 1986, 1997 und 2007 mein viertes Finale mit dem VfB werden. Die Aussichten auf „meinen“ zweiten Pokalsieg nach 1997 sind sicherlich überschaubar, doch muss auch dieses Spiel erst einmal gespielt werden. Um den in dieser Saison übermächtigen Bayern ernsthaft Paroli bieten zu können, muss auf jeden Fall ein Sahnetag her. Es muss der gleiche Biss an den Tag gelegt werden wie gegen den BVB vor ein paar Wochen, auch wenn es den großen Bayern weh tun sollte. Legt man eine Passivität an den Tag wie in beiden bisherigen Saisonduellen gegen die Bayern oder wie auch gestern, dann werden wir wohl einer historischen Schmach beiwohnen müssen. Bis dahin jedoch ist es noch ein weiter Weg. Einiges dürfte auch vom Abschneiden der Bayern in der Champions League abhängen. Nach einer Final-Niederlage in Wembley gegen den BVB könnten unsere Chancen sprunghaft ansteigen, weil dann bei dem einen oder anderen Bayern-Spieler die große Leere aufkommen dürfte. Auch wird man bis dahin sehen, ob es der VfB schafft, die Spannung hochzuhalten. Der VfB hat nach dem letzten Spieltag zwei Wochen Zeit, sich auf Berlin vorzubereiten. Ich hoffe, sie nutzen diese Zeit, um zu trainieren, trainieren, trainieren. Freie Tage scheinen das falsche Signal ans Team zu sein!
Wenn man sich die Namen vor Augen führt, die beim VfB schon so gut wie fix sein sollen für die kommende Saison, macht es mir durchaus Hoffnung, dass die mageren Jahre vorbei sein könnten. Leute wie Schwaab, Rausch, Leitner und Lasogga haben zum Teil schon das Zeug dazu, die Qualität anzuheben und den Konkurrenzkampf auf einem höheren Niveau anzuheben. Spannend würde dann werden, wer uns im Gegenzug verlassen wird. Allerdings hege ich immer große Zweifel, wenn ich höre, an wem Interesse bestehen würde, jedoch noch kein Vertrag unterzeichnet ist. Dieser Status ruft bekanntlich andere Vereine auf den Plan, die ein paar Euro fuffzig mehr bieten können und die Spieler zum „umdenken“ bewegen könnten.
Wenigstens ist Sararer bereits fix. Aus dem Frankenland, von Leuten, die den Spieler besser kennen als ich, wurde mir bereits zu diesem Transfer gratuliert und in Aussicht gestellt, dass wir uns auf ihn freuen dürften.
Für mich war das Augsburg-Spiel das letzte Auswärtsspiel des VfB in dieser Saison, Schalke lasse ich aus, da wir sonntags am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli (mit Paddy Funk) gegen das seit diesem Wochenende als Aufsteiger feststehenden Eintracht Braunschweig (Glückwunsch Ermin Bičakčić!) zu Gast sein werden. Ich war lange am überlegen, samstags noch Schalke mitzunehmen und von dort aus nach Hamburg zu fahren. Das wäre insgesamt jedoch ziemlich stressig geworden. Außerdem ist in Hamburg an besagtem Wochenende auch einiges, wie u. a. der Hafengeburtstag geboten und zählt auch die Turnhalle nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstadien. Angesichts der Leistung von gestern hält sich meine Enttäuschung heute auch in Grenzen, mich so entschieden zu haben.
Auch danach warten noch einige Highlights, auf die ich mich freue, wie die inzwischen schon traditionelle Floßtour mit dem OFC Leintalpower 05 vor dem letzten Heimspiel, dem Champions League Finale in London, wofür ich in der Verlosung endlich einmal erfolgreich war und schließlich das DFB-Pokalfinale in Berlin.
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18. April 2013
Bilder vom DFB-Pokal-Halbfinale gegen Freiburg sind jetzt online. Es ist vollbracht, der VfB steht seit 2007 mal wieder im Finale in Berlin. Es war das erwartet harte Stück Arbeit mit einem am Ende glücklichen, aber verdienten, Sieger. Die Freiburger haben uns alles abverlangt, vor allem in läuferischer Hinsicht. Durch deren guter Raumaufteilung musste der VfB, der durch die Europa League-Teilnahme zwölf Spiele mehr bestreiten musste als die Südbadener und zudem vom DFB zwei Tage weniger Zeit zur Regeneration nach dem Gladbach-Spiel erhielt, richtig beißen, um sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Es war eine tolle und konzentrierte Willensleistung bei überragender Stimmung. Man kann kaum glauben, dass es etwa 12.000 Freiburger waren, die ihr Team unterstützt hatten. In der Cannstatter Kurve hat man sie kaum gehört, was natürlich die Frage aufwirft, ob sie so leise oder wir so laut waren. Eher letzteres natürlich, jedem war gestern bewusst, dass auch wir auf den Rängen voll dagegen halten und alles aus uns raus holen müssen. Ich für meinen Teil war nach „getaner Arbeit“ jedenfalls heiser wie lange nicht mehr.
Der Einlauf der Mannschaften wurde begleitet von Choreos in beiden Kurven, wovon unsere natürlich weitaus beeindruckender war. Da ich bei den Nicht-Bundesligaspielen in die Kurve wechsele, konnte ich unsere Choreo leider nur von oben und nicht von der anderen Seite fotografieren.
Jetzt fahren wir also nach Berlin, für mich nach 1986, 1997 und 2007 das vierte Pokalendspiel mit dem VfB. Eigentlich haben wir gegen die in dieser Saison übermächtigen Bayern keine Chance, doch, wer weiß, im Fußball gibt es immer wieder unglaubliche Geschichten. Wer hätte gedacht, dass wir 2007 gegen Nürnberg scheitern? Das Spiel wäre sicherlich anders verlaufen, wenn Cacau nicht nach einer halben Stunde vom Platz geflogen wäre. Vielleicht spielt uns ja ein ähnlicher Vorfall des ungeschickten Boateng in die Karten, vielleicht bekommen wir einen Schiri, der Robben nach der 2. Schwalbe zum Duschen schickt. Möglicherweise schafft es Antonio Rüdiger erneut Ribery weitestgehend aus dem Spiel und ihm somit die Freude am selbigen zu nehmen. Dann ist der Franzose auch immer für den einen oder anderen Tritt gut.
Das Finale ist jedoch noch in weiter Ferne. Erst gilt es, die verbleibenden fünf Bundesligaspiele ordentlich über die Bühne zu bringen, den Aufwärtstrend fortzusetzen und im Rhythmus zu bleiben. Auch wenn die Saison wohl sowohl nach oben als auch nach unten gelaufen ist, muss jetzt das Augenmerk darauf gelegt werden, nicht ein Prozent nachzulassen sondern eher eine Serie hinzulegen, um in Berlin voll auf der Höhe zu sein. Die Leistungen zuletzt, insbesondere auch der große Kampf, den man dem BVB geliefert hat, machen Mut, dass wir im Finale einen anderen VfB erleben dürfen, als noch in der Hinrunde beim 1:6 oder anfangs der Rückrunde bei diesem leidenschaftslos her geschenkten 0:2.
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1. April 2013
Nach der Länderspielpause und einer gefühlten Ewigkeit mal wieder hatte der VfB ein Heimspiel zur traditionellen Fußballzeit, Samstag 15.30 Uhr, vor der Brust. Voller Vorfreude und auch mit einem gewissen Optimismus machte ich mich an diesem Samstag schon sehr frühzeitig auf zu einem Bierchen und Fachsimpeleien mit Freunden. Diese Rituale gehören dazu wie das Treiben auf dem grünen Rasen und können an einem Samstag-Nachmittag natürlich weitaus genüsslicher angegangen werden als bei Sonntag-Spielen.
Durchaus optimistisch deswegen, weil der VfB dem BVB zuletzt vier Mal in Folge ein Remis abringen konnte, weil, durch die Länderspielpause und den Wegfall der Dreifachbelastung ein wenig Zeit zum durchschnaufen war und weil der VfB zuletzt durch den Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt den Tabellendruck etwas abmildern und sich Selbstvertrauen zurück holen konnte.
Das Stadion war seit längerem mal wieder ausverkauft, was einmal mehr verdeutlicht, dass zum VfB viele Leute eher wegen dem Gegner als wegen dem VfB kommen. Ein Phänomen, das nun mal so ist. Vor allem in Zeiten, des sportlichen Misserfolgs, in einer Saison, in der sich eine emotionslose Partie an die nächste reiht, in der sich Verein und Mannschaft immer mehr vom Publikum entfremden, in denen man für immer weniger Gegenleistung immer mehr Geld bezahlen soll, da ist ein Stadionbesuch einfach nicht mehr so selbstverständlich wie vielleicht noch vor einigen Jahren.
Und die VfBler, die zu Hause blieben, ermöglichten den unzähligen Gelb-Schwarzen sich einen Platz inmitten des weiten Runds zu sichern. Dies hatte zur Folge, dass sicherlich rund 10.000 BVB-Fans das Neckarstadion bevölkerten. Dortmunder möchte ich nicht sagen, da es unter denen doch sehr geschwäbelt hat.
Im Vergleich zum Frankfurt-Spiel änderte Labbadia die Anfangsformation gleich auf vier Positionen. Tasci wegen Grippe, Kvist und Molinaro gesperrt fielen ebenso aus wie der verletzt von der Nationalelf zurückgekehrte Shinji Okazaki. Für diese rückten Rüdiger hinten rechts, Felipe, Maxim und Harnik ins Team. Der VfB begann engagiert und hatte durch Niedermeier und Traore erste gute Tormöglichkeiten, hatte aber auch Glück, dass Reus in der Anfangsphase an Sven Ulreich scheiterte. Der VfB war von Beginn an im Spiel und es entwickelte sich, wie so oft in letzter Zeit gegen den BVB, ein Spiel mit offenem Visier. Man merkte den Brustringträgern an, dass sie sich etwas vorgenommen hatten und keineswegs dem scheinbar übermächtigen Gegner das Feld kampflos überlassen wollten. Anders als in so vielen Spielen zuvor , als man verhalten ins Spiel ging und erst einmal abwartete, den Sicherheitsrückpass dem Steilpass stets vorzog, war auf einmal Bewegung und Kampfgeist drin, was sich auch aufs Publikum projizierte. Gerade bei uns, Haupttribüne Seite Richtung Untertürkheimer Kurve, wo man oft den gegnerischen Anhang lauter hört als den unseren, wo sich gegnerische Fans in großer Anzahl tummeln, wo sich zuletzt eine unfassbare Lethargie und Gleichgültigkeit breit machte, gerade hier spürte ich, wie sich das Feuer vom Rasen auf die Ränge übertrug und Gift wie lange nicht mehr drin war.
Dass, wenn David gegen Goliath spielt, der vermeintlich kleine auch einmal zu unlauteren Mitteln greifen muss um nicht Katz und Maus mit sich spielen zu lassen, liegt in der Natur der Sache. Dass die Dortmunder Spieler, die meist unheimlich flink auf den Beinen sind, das eine oder andere Mal auch rustikal ausgebremst werden müssen, ist doch normal in diesem Sport. Wie sehr würde man sich aufregen, würde man sich sang- und klanglos ergeben und hätte nach dem Schlusspfiff nicht eine gelbe Karte zu verzeichnen.
Ich betone hierbei rustikal und meine nicht brutal oder fies. Die Aktion von Martin Harnik gegen Schmelzer fand ich überflüssig, da, so wie der Ball kam, eigentlich keine Gefahr mehr entstehen konnte. Wenn man sich die Fernsehbilder anschaut, sieht man auch, dass Harnik schon vor dem „hohen Fuß“ Körperkontakt mit Schmelzer hatte, also genau wusste, dass er „in der Nähe“ war und es einfach nicht so ist, wie er hinterher zum Besten gab, dass er ihn nicht gesehen hätte. Ob jetzt der Fuß hoch oder der Kopf zu tief war, ist müßig zu diskutieren. In dieser Situation hätte er nicht so einsteigen brauchen, fertig. Allerdings, dieses Vergehen wurde richtigerweise mit Gelb sanktioniert, eine härtere Strafe wäre überzogen gewesen. Es war Harniks fünfte Gelbe Karte, so hat er jetzt auch ausreichend Zeit, darüber nachzudenken, ob das hat sein müssen.
Und, Marcel Schmelzer, nichts für ungut. Der BVB hat Erfahrungen mit Gesichtsverletzungen und wird sicherlich die bestmögliche Versorgung gewährleisten können. Dass man auch mit Nasenbeinbruch nicht so schwer gehandicapt ist wie bei einem Fußbruch zeigt derzeit unsere Winterneuerwerbung Alexandru Maxim. Er stand erstmals in der Bundesliga in der Startelf und wird dort hoffentlich nicht so schnell wieder rausfliegen, auch wenn er damit Brunos Wunschelf sprengen sollte. Er ist DER Lichtblick in Zeiten fußballerischer Armut, ist er doch ein Spieler, dessen Freund der Ball ist und der einzige weit und breit in unserem Kader, Raphael Holzhauser mit Abstrichen ausgenommen, der es vermag einen Eckball bzw. Freistoß zum eigenen Mann und vor allem über den ersten Abwehrspieler hinweg zu bringen. Bei ihm geht mir derzeit das Herz auf und nicht umsonst gilt er als der „Mario Götze Rumäniens“. Ich bin guter Hoffnung, dass wir an ihm noch viel Freude haben werden und freute mich riesig, dass er es war, der sich für seine starke Leistung mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich belohnte.
Brunos Wunschformation wurde unter anderem durch Kvists Gelbsperre gesprengt. Ob ein Kausalzusammenhang zwischen Kvists Sperre und dem neuen Angriffsschwung besteht? Für mich liegt dieser „Verdacht“ nahe, war das VfB-Spiel doch plötzlich viel schneller und ansehnlicher. Wenn man sich die Verfassung des dänischen Nationalspielers zuletzt vor Augen führt, war seine Sperre für das Team mehr Segen als Fluch.
Eine andere Maßnahme, zu der Bruno Labbadia buchstäblich gezwungen wurde, war, Antonio Rüdiger als Rechtsverteidiger aufzustellen und Gotoku Sakai links verteidigen zu lassen. Eine personelle Rochade, die ich mir schon nach dem Bayern-Spiel gewünscht hätte, als Rüdiger großartig gegen Ribery spielte, und, nachdem Sakai zurückkehrte, sofort wieder auf der Bank oder Tribüne verschwand. Gerade junge Spieler verstehen doch die Welt nicht mehr, wenn sie nach starken Leistungen sofort wieder aus dem Team genommen werden, wenn vermeintliche Leistungsträger von Sperren, Verletzungen oder Afrika-Cup zurückkehren. Ein Trainer sollte doch immer zuerst die formstärksten Spieler bringen und gute Leistungen belohnen, anstatt blind seiner inneren Überzeugung zu folgen, und sich Woche für Woche von SEINEN Lieblingen enttäuschen zu lassen. Diesbezüglich erinnert mich Labbadia oft an Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede bzw. den Auszug davon „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“. Bei solch sturem Festhalten an manchen Spielern bin ich (dann) gegenteiliger Meinung!
Doch nun zurück zum Spiel. Für Schmelzer kam Piszczek, der eigentlich für die Champions League Partie in Málaga geschont werden sollte, ins Spiel. Ausgerechnet der polnische Rechtsverteidiger war es dann, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung seine Farben in Führung köpfte. So gesehen war der Tritt von Harnik gegen Schmelzer für den BVB ein „Glückstritt“. Beim VfB war die Aufregung groß, war dem Freistoß, der dem 0:1 voranging doch ein unberechtigter Einwurf für Dortmund vorausgegangen. Bei aller Aufregung aber, eine vom BVB schon hundertfach gesehene Freistoßvariante darf man auch besser verteidigen…
So rächte sich in einem bis dato ausgeglichenen Spiel mit verteilten Torchancen, hüben wie drüben, die erneut schludrige Chancenverwertung vom VfB, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Ibisevic, meist auf sich alleine gestellt, bekommt zu wenig Futter, um sein Torkonto erhöhen zu können, er fällt derzeit meist lediglich dadurch auf, dass er Bälle gut behaupten kann. Mangelndes Engagement kann man ihm nicht vorwerfen, fast unermüdlich wirft er alles in den Ring, was er zur Verfügung hat. Wenn er sich Tore nicht selbst vorbereitet, trifft er aber (zur Zeit) nicht. Schade, dass er knapp im Abseits stand, als er Weidenfeller per Kopf überwunden hatte.
Stattdessen hätten aber Georg Niedermeier und vor allem Traore treffen müssen. Möchte man ein solches Spiel gegen einen starken Gegner gewinnen, dann muss man einfach die Kiste machen und 1:0 in Führung gehen. So fiel der Treffer auf der anderen Seite, was den VfB allerdings dieses Mal nicht lähmte und zurück warf. Nicht zuletzt, weil sie in Maxim endlich mal wieder einen kreativen Kopf auf dem Platz hatten, gelang es, dem BVB ein über weite Strecken ausgeglichenes Spiel zu bieten.
Nach einer guten Stunde Spieldauer kam der VfB dann zum verdienten Ausgleich durch Maxim, der zu diesem Zeitpunkt in der Luft lag. Knackpunkt des Spiels war dann die gelb-rote Karte für Georg Niedermeier nach 70 Minuten. In meinen Augen einfach nur dumm dieses Einsteigen, wenn man bereits gelbverwarnt ist. Dieses Foul wäre vom einen oder anderen Referee auch mit glatt rot bestraft worden, daher auch ist es auch müßig darüber zu diskutieren, dass die erste gelbe Karte für Niedermeier keine war. Der Schorsch wirkte nicht nur in dieser Szene übermotiviert und machte seinem Spitznamen „Niederstrecker“ alle Ehre. Unschön, was dann geschah, als Götze im Fallen eine Bewegung mit seiner Hand in Richtung Schorsch machte, ihn wohl auch im Gesicht „streichelte“, der Schorsch sich aber danach wälzte, als habe ihm Mike Tyson seine gefürchtete Schlaghand ins Gesicht gedonnert. Diese Theatralik im „modernen“ Fußball widert mich einfach an, ob es jetzt ein Gegner ist oder wie in diesem Fall ein eigener Spieler. Wir haben doch gestandene Mannsbilder auf dem Platz und keine Memmen, also sollten sie sich auch wie Mannsbilder benehmen und nicht sämtliche guten Sitten vergessen, nur um sein eigenes Strafmaß abmildern zu wollen oder eine Bestrafung für den Gegenspieler herausschinden zu wollen. Was mich betrifft kann der Schorsch damit keinen Eindruck machen, ich fand das nur peinlich.
Schlimm ist eben, wo wir schon bei Schauspielerei sind, dass diese mittlerweile zum guten Ton in der Bundesliga gehört. Wie oft sieht man Spieler, die sich bei gegnerischem Ballbesitz herum wälzen, um zu erwirken, dass irgendeiner den Ball raus spielt und plötzlich wieder „fit“ sind, wenn die eigene Mannschaft den Ball gewinnt. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, plädiere ich dafür, gnadenlos weiter zu spielen, zumindest von der gegnerischen Mannschaft, ohne dabei irgendetwas von verletztem Fairplay zu faseln. Wo ist denn das Fairplay, wenn 60.000 Zuschauer im Stadion durch den Verfall der Sitten verarscht werden und das Spiel dazu noch unnötig verlangsamt wird.
So war die Hinausstellung Niedermeiers gerechtfertigt, ebenso wie die gelbe Karte für Götze. Für meinen Geschmack war das noch zu wenig, um hier eine Hinausstellung Götzes zu fordern. Allerdings hat mir der Schiedsrichter Aytekin insgesamt zu einseitig gepfiffen, bspw. hätte Gündogan ebenso gelb oder dann später auch gelb-rot sehen können bzw. müssen, in Situationen, als es weniger um den Ball ging, als bei der Aktion von Niedermeier, wo immerhin die Absicht unterstellt werden konnte, er wolle den Ball spielen. Auch muss man nicht zwingend bei jedem Körperkontakt gegen die wendigen Leichtgewichte Reus und Götze auf Freistoß für den BVB entscheiden. Diese wiederum forderten stets gestenreich, genauso wie die Dortmunder Bank und vor allem im Tor Ramona Weidenfeller Karten gegen den VfB. Dieses ständige Reklamieren, Gestikulieren und Rumgeheule, um den Schiri auf seine Seite zu bekommen, hätte genauso sanktioniert gehört. Der VfB hätte noch einen Handelfmeter bekommen können, dazu war die gelbe Karte für eine vermeintliche Schwalbe gegen Boka völlig überzeugen. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass der DFB dem Schiedsrichtergespann die Mission erteilt hatte, die Liga noch ein wenig „spannend“ zu halten und dass der VfB eben die Bayern nicht schon zum frühzeitigen Meister machen sollte.
Der VfB hat meiner Meinung nach über weite Strecken das getan, was er tun musste. Er begegnete dem BVB mit Einsatz, Kampf und Leidenschaft, Tugenden, die wir lange vermisst hatten. Daher verteufele ich keineswegs das eine oder andere harte Einsteigen, dies war notwendig, um dem BVB Paroli zu bieten und in gewisser Weise auch um sich Respekt zu verschaffen.
Aus diesem Blickwinkel kann ich auch die Aussage von Labbadia unterschreiben, dass die Dortmunder keineswegs unter Artenschutz stehen. Wir sind sicherlich nicht dafür zuständig, dass die Dortmunder am Mittwoch gegen Málaga eine schlagkräftige Elf auf dem Platz haben, auch wenn ich natürlich hoffe, dass der BVB diese Hürde nimmt. Der VfB kämpft ums Überleben in der Liga und kann auf solche Sentimentalitäten in der derzeitigen Situation keine Rücksicht nehmen.
Dass Klopp hinterher die überharte Gangart vom VfB und die eine oder andere Schramme seiner Kicker beklagte liegt ja mit daran, dass sie sich ebenfalls mit allem, was sie haben, ins Getümmel werfen und ordentlich austeilen. Diese Spielweise hat sie in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht, also sollte jetzt auch nicht gejammert werden, wenn der VfB gut dagegen hielt.
Als VfB-Fan ging ich trotz der Niederlage, die leider in Unterzahl nicht mehr verhindert werden konnte, zufrieden von dannen. Der VfB hat einiges ins Spiel investiert und hätte den einen Punkt sicherlich auch verdient gehabt. Sollte es gelingen, diese neu entdeckten Tugenden auch bei den kommenden Spielen in die Waagschale zu werfen, ist mir nicht bange. Mindestens gegen zwei Drittel der Liga würde eine solche Leistung zum Sieg reichen und diese aufopferungsvolle Hingabe belohnt werden.
Für den VfB wird es in den restlichen Spielen darum gehen, den Abstand auf Relegationsplatz 16 zu halten und mit der Abstiegszone nichts mehr zu tun zu bekommen. Die Spiele werden aber weniger und unten scheint das kurze Aufmucken des FC Augsburg schon wieder beendet zu sein. Alle anderen, die in der Tabelle hinter uns platziert sind, punkten ebenfalls nicht gerade furchteinflößend, so dass das Thema Abstiegsgefahr hoffentlich bald ad acta gelegt werden kann.
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18. März 2013
Erleichterung pur. Der VfB holte in Frankfurt einen immens wichtigen Dreier, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Augsburg tags zuvor beim HSV gewann und somit der Relegationsplatz bei Anpfiff nur noch fünf Punkte entfernt war. Der VfB mit vier Pflichtspielniederlagen in Folge, die Hessen mit fünf Spielen ohne eigenem Tor, die Folge war ein anfangs zerfahrenes Spiel ohne Torszenen. Der VfB hatte nach gut einer Viertelstunde die erste Chance, als Ibisevic einen Ausflug von Kevin Trapp nicht bestrafen konnte. Just im Gegenzug kassierte der VfB das 0:1 durch Aigner. Ein Tor aus dem Nichts also, das einmal mehr verdeutlichte, welch große Probleme wir in der Viererkette haben. Die Frankfurter verpassten es in der Folge gegen nun noch mehr verunsicherte Schwaben das zweite Tor nachzulegen. Der VfB war zwar kämpferisch da, doch wie schon in den letzten Wochen und Monaten fehlte die Genauigkeit, so dass gewonnene Bälle sofort wieder verloren wurden. Zu dieser Zeit hätte ich keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet, war es doch ein Spiegelbild der bisherigen Saison und war zuletzt doch so oft ein 0:1 Rückstand gleichbedeutend mit der Niederlage.
Unverändert kam der VfB aus der Pause und auch zurück ins Spiel. Schwegler legte Boka, den Labbadia überraschend im defensiven Mittelfeld neben Kvist aufbot, elfmeterreif, Ibisevic verwandelte eiskalt, 1:1. Von da an wurde die Partie munterer, beiden Teams merkte man an, dass sie gewinnen wollten. Die besseren Chancen hatte zunächst die Eintracht, das Tor aber erzielte der VfB. Der kurz zuvor eingewechselte Alexandru Maxim schlug die bis dahin mit Abstand beste Ecke des Spiels direkt auf den Kopf von Schorsch Niedermeier, der brachial und mit Anlauf einköpfen konnte. Sein erstes Tor seit zwei Jahren, ein ganz wichtiges in der derzeitigen Situation vom VfB. Damit baute der VfB seine Serie in Frankfurt aus, wo man seit 2001 nicht mehr verloren hatte und verbesserte sich in der Tabelle auf Platz 12 bzw. auf Platz 9 der Teams, die das Mittelfeld und die Abstiegszone der Liga bilden. Die Bayern, Dortmund und Leverkusen spielen in einer anderen Liga, der überwiegende Rest darf sich gar noch Hoffnungen auf Platz vier und damit die Champions League Qualifikation machen. Paradox, dass dieser vierte Platz plötzlich näher ist als der Relegationsplatz.
Dennoch ist der VfB natürlich gut beraten, den Blick weiterhin nach unten zu richten und vor allem nur von Spiel zu Spiel zu denken. Jetzt steht erst einmal die Länderspielpause mit den Spielen der Nationalelf gegen Kasachstan auf dem Programm. Für den VfB bzw. die überraschend wenigen Spieler, die nicht zu ihren Nationalteams geladen wurden, die Gelegenheit nach der Vielzahl von englischen Wochen die Seele baumeln zu lassen, den Resetknopf zu drücken und den Akku wieder ein wenig aufzuladen. Denn, nach der Länderspielpause geht es gleich weiter gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Also sofort gegen eine Mannschaft mit einer unfassbar hohen Qualität, die man einfach gerne spielen sieht. Ein gutes Gefühl gibt einem aber auch, dass nicht nur wir vor dem BVB einen Heidenrespekt haben sondern wohl auch wir nicht zu den allerliebsten Gegnern der Dortmunder zählen. Immerhin endeten die letzten vier Liga-Duelle allesamt Remis, so dass kein Grund besteht, die Punkte von vornherein abzuschreiben.
Der VfB muss natürlich einen (sehr) guten Tag erwischen und auch das nötige Quäntchen Glück haben, um am Ende nicht mit leeren Händen da zustehen, doch, wer weiß, vielleicht setzt dieser Sieg in Frankfurt wieder neue Kräfte frei. Da der VfB in dieser Saison eher als Serientäter bekannt ist, war dies vielleicht ein neuer Anfang.
Was aber auch klar sein dürfte, ob der Absenz des Großteils des Kaders kann vor dem Dortmund-Spiel natürlich wenig daran gearbeitet werden, die Abstimmungsprobleme in der Defensive abzustellen. Ich möchte ja nicht unken, ob die Sperren von Molinaro, der Aigner vor dem 0:1 laufen ließ, und Kvist, der sich zwar verbessert zeigte, aber dennoch sehr verunsichert wirkt, ein Schlüssel zu einem guten Resultat sein könnten. Ein Maxim z. B. drängt in die Startelf. Er kann etwas am Ball und vor allem Standards. Ich bin guter Dinge, dass wir noch sehr viel Freude an ihm haben werden.
Die nächsten Wochen mit den Spielen gegen den BVB, in Hannover und gegen Mönchengladbach werden aufzeigen, wohin wir unseren Blick in der Tabelle zu richten haben. Ich kann es mir nach wie vor nicht vorstellen, dass wir mit den in dieser Saison gezeigten Leistungen noch viele Spiele gewinnen werden. Dieser Sieg nimmt natürlich jetzt Labbadia ein wenig aus der Schusslinie. In ruhigere Fahrwasser kommt er jedoch nur, wenn das Team konstant mehr Herz, Konzentration, Einsatzfreude und Spielkultur zeigt, als über weite Strecken seiner bisherigen Amtszeit. Die Zuschauerzahlen zuletzt sollten eigentlich Warnung genug sein, dass sich vor allem der Kunde, der sich teure Karten auf der Haupt- oder Gegentribüne kauft, Gedanken über das Preis-/ Leistungsverhältnis macht und lieber fern bleibt, als sich wegen Darbietungen wie zuletzt über sein rausgeschmissenes Geld aufzuregen. Wie bereits erwähnt, mittlerweile bin ich mehr als skeptisch, ob mit Trainer Labbadia diesbezüglich eine nachhaltige Verbesserung möglich ist. Seit zwei Jahren wird eigentlich nur auf Situationen reagiert anstatt agiert, ist das meiste (von außen betrachtet) auf Zufall aufgebaut. Auch gestern hätte das Spiel leicht in die andere Richtung laufen können, daher möchte ich den Sieg auf keinen Fall überbewerten. Es war ein Sieg der Moral zum richtigen Zeitpunkt und hoffentlich die Wende zum Besseren.
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16. März 2013
Uns hat es diese Woche also nach Mailand verschlagen. Rom zum Glück noch nicht gebucht gehabt, Urlaub war schon eingereicht, also, was tun? Mit den Rom-Fahrern solidarisieren und zusammen Fußball in Rom schauen, jedoch nicht ins Stadion dürfen oder ein Alternativprogramm überlegen. Wir entschieden uns für letzteres und vor allem für Fußball. Dies sogar in doppelter Hinsicht. Wir hatten das Europa League Spiel Inter Mailand gegen die Tottenham Hotspurs auserkoren, Live-Fußball IM Giuseppe-Meazza-Stadion und, deshalb in doppelter Hinsicht, wir erwarteten Fußball und bekamen Fußball geboten. Im Neckarstadion ist ja diese Saison Magerkost und Fußball zum Abgewöhnen zu ertragen, in Mailand aber standen sich zwei topbesetzte Teams gegenüber, die ein Spektakel zu bieten bereit waren. Dies war aufgrund des Hinspielergebnisses so nicht zu erwarten, Inter ging in London mit 0:3 unter. Doch von Beginn an merkte man den Italienern an, dass sie noch an das Wunder glaubten. Zwar stets auf Sicherheit bedacht, ein einziges Gegentor hätte frühzeitig das Ende aller Träume bedeutet, dennoch mit Zug nach vorne gingen sie das Spiel an und gingen in der 20. Minute durch Cassano verdient in Führung. Tottenham, leider ohne den gesperrten Bale angetreten, enttäuschte auf der ganzen Linie. Schon die Anzahl der mitgereisten Fans enttäuschte mich, gerade einmal schätzungsweise 800 Engländer fanden den Weg ins riesige Meazza-Stadion, dem zweitgrößten Fußballtempel Europas. Tagsüber in der Stadt wunderte ich mich schon, dass man keinen Platz entdeckte, auf dem die Engländer Party machten, im Stadion war mir dann klar, weshalb. Ich rechnete eigentlich mit etwa 5.000 Tottenham-Fans, sind die Engländer im Allgemeinen und die Fußballfans im Besonderen doch als sehr reiselustig bekannt. Woran das lag, darüber kann ich nur mutmaßen. War es das klare Hinspielergebnis oder waren es die schlechten Erfahrungen der Tottenham-Fans in südlichen Ländern in den letzten Jahren, als ja von der einen oder anderen Messerstecherei mit Verletzten auf Tottenham-Seite zu lesen war.
Enttäuschend war auch die Kulisse insgesamt, gerade einmal 18.241 Zuschauer wohnten diesem Spektakel bei. Auch hier könnte das Hinspiel-Ergebnis und damit der verloren gegangene Glauben ans Weiterkommen eine Rolle gespielt haben. Die frühe Anstoßzeit um 19 Uhr wird ebenso eine Rolle gespielt haben. Am Gegner kann es ja nicht gelegen haben, traten an diesem Abend doch zwei klangvolle Namen im europäischen Vereinsfußball gegeneinander an. Oder wird die Europa League auch in Mailand nicht angenommen? Ich denke, dieser Wettbewerb hat allgemein ein Image-Problem, wenn man sich die leeren Ränge in einigen anderen Achtelfinalstadien so anschaut. Nein, ich rede nicht von den beiden Geisterspielen. Beim Spiel Rubin Kasan-Levante war eine Minuskulisse von 520 Zuschauern zu beklagen!
Zurück zu „unserem“ Spiel. Inter erhöhte bis zum Ende der regulären Spielzeit auf 3:0 und egalisierte somit das Resultat von der White Hart Lane. Tottenham blieb über weite Strecken harmlos und zeigte sich allenfalls bei zwei, drei Distanzschüssen. Die Regie führte eindeutig Inter, so dass eine Verlängerung her musste, um den Sieger dieses Achtelfinalduells zu ermitteln. Ich muss zugeben, so toll das Spiel war, so euphorisch auch die Stimmung auf den Rängen war, wäre ich doch froh gewesen, das Ding wäre nach 90 Minuten entschieden gewesen. Zum einen wollte ich eigentlich in Stadionnähe eine Sportsbar suchen, um den VfB anzuschauen, zum anderen war es auch aufgrund des böigen Windes extrem frisch geworden, so dass ich, nach gerade abklingender Erkältung, ziemlich gefroren habe.
Während der Pause zwischen dem Abpfiff und der Verlängerung konnte man sehen, wie die Aufholjagd von Inter ihren Tribut gefordert hatte. Fast alle Spieler wurden an den Waden massiert und lagen recht gezeichnet auf dem Rasen, während sich die Tottenham-Spieler Bälle zuspielten und sich allenfalls dehnten. So kam Tottenham, mit dem eingewechselten Lewis Holtby, wie verwandelt aus dieser Pause und machte auf einmal Druck, so dass das am Ende entscheidende Auswärtstor von Adebayor nicht lange auf sich warten ließ. Inter erzielte zwar noch das 4:1 und schöpfte wieder etwas Hoffnung, der Akku war aber leer, so dass ihnen kein fünftes Tor mehr vergönnt war.
Als neutraler Zuschauer taten mir die Tifosi in diesem Moment wirklich leid. Sie hatten alles versucht und wirklich ein riesen Spektakel geboten, so dass keiner der Inter-Fans sonderlich enttäuscht den Heimweg antrat.
Ich war bereits zum zweiten Mal im Meazza- oder auch San Siro genannten Stadion. Bei der WM 1990 fuhren wir zum Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (5:1), damals das einzige Spiel, für das es im Prä-Internet-Zeitalter problemlos Karten an den Tageskassen gab. Die Atmosphäre fand ich trotz der spärlichen Kulisse gut, zu fast jedem Tor gab’s noch ein Freudenfeuerchen in der Curva Nord. Lediglich die Affengeräusche, vor allem wenn Adebayor am Ball war, nervten. Ein wenig skurril finde ich das Verhalten dieser sog. Fans schon, wenn ich bedenke, dass vor nicht allzu langer Zeit u. a. Eto’o, Maicon und Balotelli das Inter-Trikot getragen hatten. Wie ich gelesen habe, gibt es eine offizielle Beschwerde von Tottenham bei der UEFA, so dass Inter sicherlich eine Strafe zu erwarten hat. Ein Geisterspiel möchte ich nicht fordern, da ich von dieser Form der Bestrafung überhaupt nichts halte, einen Denkzettel braucht es aber schon für dieses primitive Verhalten einiger Idioten.
Den Bogen zum Geisterspiel habe ich dennoch elegant gespannt. Die Vorfreude auf die Übertragung vom VfB und dessen Darbietung im leeren Olimpico in Rom wurde mir schon zu Beginn der Verlängerung genommen. Schnell erreichten mich SMSen vom 0:1 und 0:2 und Kommentare dazu, wir würden den deutschen Fußball blamieren, sie sollten einen Spielabbruch provozieren, dass das Ergebnis 0:2 oder 0:3 gewertet wird und es kein Debakel mehr geben kann und vieles mehr.
Mein erster Gedanke war „alles richtig gemacht“. Wir saßen im Meazza auf der Tribüne und „mussten“ uns die Demütigung nicht anschauen, im Gegenteil, wir wurden richtig unterhalten. Nach Ende der Verlängerung machten wir uns aber schnell vom Acker und gingen in eine Pizzeria in unmittelbarer Stadionnähe. In erster Linie konnten wir uns aufwärmen, in zweiter kam dort auch die Europa League Konferenz, u. a. mit dem VfB bei Lazio. Es war die schnellste Konferenzschaltung, die ich je gesehen habe, die Sky Italia ihren Abonnenten bietet. Bei uns kommt es ja vor, wenn auf anderen Plätzen nichts passiert, dass man mal vier oder fünf Minuten bei einem Spiel stehen bleibt und so auch einen Eindruck vom Geschehen gewinnen kann. Die Italiener aber schalten auch bei einem harmlosen Torschuss mal kurz ins andere Stadion und wieder zurück, und bleiben eigentlich nie länger als eine Minute bei einem Spiel. So war es natürlich schwierig dem Geschehen auf den Plätzen konzentriert zu folgen.
Nach dem Zwischenergebnis aus Rom war mir das an diesem Abend aber wirklich scheißegal.
Wie fast immer in der derzeitigen Phase wurden vor dem Spiel große Töne gespuckt. Man würde an sich glauben, wolle alles versuchen, wolle im Spiel Sicherheit gewinnen und nach und nach auch vorne Nadelstiche setzen. Wir haben uns noch nicht aufgegeben, wir wissen, was wir können, wenn wir als Team funktionieren und so weiter und so fort. Ich kann es nicht mehr hören.
Die Tore von Kozak in der 6. und in der 8. Spielminute rissen den VfB früh aus allen Träumen. Bei beiden Treffern nach simplen Diagonalbällen sahen unsere Innenverteidiger alles andere als souverän aus. Im Gegenteil, wie Schulbuben ließen sie sich von den abgezockteren Italienern düpieren. Wenn dann hinterher vom einen oder anderen noch hinaus posaunt wird, man wäre doch gut aus der Kabine gekommen und dass die ersten fünf Minuten ganz passabel waren, da fehlen mir die Worte.
Nach 8 Minuten war das Spiel also gelaufen, die Laziali konnten zwei Gänge herunter schalten und den VfB guten Gewissens kommen lassen, es hat sich schließlich bis nach Rom herumgesprochen, dass es unserem Spiel an Kreativität und Durchschlagskraft mangelt. So lag es auf der Hand, dass der VfB zu mehr Spielanteilen und auch Torabschlüssen kommen werde, mehr als ein Tor von Tamas Hajnal sprang aber auch dabei nicht heraus. Der VfB verabschiedete sich also sang und klanglos aus dem Wettbewerb. Wenigstens waren dieses Mal nicht die Zuschauer schuld.
Hinterher wurde wie üblich dann das positive herausgefiltert, dass das Team Charakter gezeigt habe, sich nicht habe abschlachten lassen, noch einmal alles versucht habe, viel dabei lernen konnte und sich endlich einmal belohnen müsse. Wofür eigentlich?
Ich frage mich, wie viel Streicheleinheiten das Team noch bekommen soll oder ob nicht einmal ein eiserner Besen vonnöten wäre. Wie kann ich überhaupt auf die Idee kommen, ein Spiel zu bewerten, das nach der 8. Minute eigentlich nicht mehr zu bewerten war. Die Römer mussten nichts mehr machen und hätten sicherlich zu jeder Zeit wieder einen Gang zulegen können, wenn es nötig gewesen wäre. Ein Arbeitnehmer im normalen Berufsleben kann es ja einmal versuchen, Montag und Dienstag so viele Böcke zu schießen, dass er Mittwoch bis Freitag damit beschäftigt ist, diese wieder zu bereinigen. Dass sein Chef Freitags dann zu ihm kommt, ihn bei der Hand nimmt und lobt, dass er nicht noch weiteren Mist gebaut hat, bezweifle ich in höchstem Maße.
Aber, nicht jeder Arbeitgeber ist eben wie der VfB. In der Wohlfühloase auf dem Wasen findet sich immer ein Schuldiger für die Verfehlungen seiner Angestellten, zuletzt wurde die zahlende Kundeschaft ausgemacht, Mitschuld an der Krise zu tragen. Sogar die Zeitung mit den großen Buchstaben titelte „Spielermobbing durch die Fans“. Plötzlich hatten wir den schwarzen Peter, was auch umgehend zu einer Zerreißprobe zwischen den Fans untereinander geführt hat. Darf man eigene Spieler auspfeifen, wenn sie eingewechselt werden sollen, wenn zu befürchten ist, dass diese die Pfiffe, die ja eigentlich eher dem Trainer gelten, persönlich nehmen? Wie sonst kann man seinen Unmut über die Vereinspolitik und die mehr als dürftigen Darbietungen zum Ausdruck bringen, ohne, dass die Spieler sich über mangelnde Unterstützung beklagen müssen? Meiner Meinung helfen die Pfiffe dem Team sicherlich nicht. Daher wäre es für mich wünschenswert, dass diese ausbleiben oder sich nach dem Spiel entladen sollten. Trotzdem sollte man uns Fans auch zugestehen, kundzutun, dass wir mit den Leistungen in dieser Saison überhaupt nicht einverstanden sind.
Dass der Kader für drei Wettbewerbe dünn besetzt ist, die vielen Langzeitverletzten fehlen, vom Vorstand kein Geld für Neuzugänge, die uns weiter bringen, freigesetzt wurde, das sind alles Tatsachen, für die man mildernde Umstände geltend machen kann.
Jedoch wurde das Team, seit Labbadia da ist, nur auf wenigen Positionen verändert. In Anbetracht dieser Tatsache ist wenig Einstudiertes bei den Spielen zu erkennen. Man vermisst eine Spielidee, man vermisst einstudierte Standards, bundesligareifes Abwehrverhalten, schnelles Umschaltspiel und vieles mehr. Dazu weigerte sich Labbadia lange beharrlich Jungs aus dem 3. Liga-Team heranzuführen. Nur durch mit den Profis trainieren ist noch keiner besser geworden. Bereits in der letztjährigen Rückrunde hatte ich mir auf dieser Plattform gewünscht, nicht auf Teufel komm raus die Europa League erreichen zu wollen, sondern lieber im Hinblick auf diese Saison junge Leute zu Einsatzzeiten kommen zu lassen. Wäre dies gemacht worden, hätten wir uns heute sicher leichter getan, den einen oder anderen Ausfall zu kompensieren. Bis heute setzt Labbadia lieber noch einen (erfahrenen) Abwehrspieler auf die Bank, anstatt von der zweiten Mannschaft oder auch von der U19 einen Stürmer zu holen, wenn im Profireservoir keiner mehr vorhanden ist. Dann braucht sich Labbadia allerdings auch nicht über Pfiffe zu beklagen, wenn bei Rückstand ein Abwehrspieler eingewechselt werden soll. Diese gelten dann eindeutig ihm und nicht dem Spieler selbst.
Mir fällt es derzeit schwer, Hoffnung auf Besserung zu haben, wenn nichts Gravierendes geschieht. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist heute auf fünf Punkte zusammen geschrumpft, sollte morgen in Frankfurt nicht gepunktet werden bleibt es bis nach der Länderspielpause dabei. Die Statements von Labbadia und Bobic erwecken in mir nicht den Eindruck, dass sie sich der großen Abstiegsgefahr bewusst seien.
Mit Leistungen wie zuletzt wird es ganz schwer werden, die zum Klassenverbleib notwendigen ca. 10 Punkte zu holen.
Morgen geht es also zum Aufsteiger Eintracht Frankfurt, die überraschend Vierter sind. Ich wüsste nicht, was mir Hoffnung auf Besserung machen sollte. Klar, es ist ein Auswärtsspiel, wo wir uns zurzeit leichter tun. Bei der Eintracht könnte Unruhe herrschen ob des wohl bevorstehenden Abgangs von Armin Veh zu Schalke 04. Vielleicht ist dem VfB durch den Wegfall der Europa League Kür bewusst geworden, dass die Bundesliga das tägliche Brot ist und hier schleunigst gepunktet werden sollte, vor allem in Anbetracht der kommenden Aufgaben gegen Dortmund und in Hannover. Andererseits kennt man den VfB in dieser Saison auch schon allzu gut. Es fallen wohl mehrere Stützen verletzt aus, Labbadia wird die, die auflaufen schon klein genug reden, dass sie sich am Ende nichts vorwerfen lassen müssen. Wenn die Leistung zu blamabel werden sollte, gibt es ja noch die Ausrede, dass die Eintracht frischer war, während wir noch die 90 Minuten von Rom in den Beinen hatten. Wobei, eigentlich waren es ja nur 5 Minuten Belastung und 85 Minuten auslaufen!
Schaun wir mal, was uns die Wundertüte VfB in Frankfurt bieten wird. Vor zwei Wochen in Leverkusen wäre ja auch ein, wenn auch glücklicher Sieg, möglich gewesen wäre. Wenn, ja wenn der VfB nach der Führung das nach vorne spielen nicht eingestellt hätte. Ich hoffe, diese Lektion haben sie endlich gelernt, dass wir keine Mannschaft sind, die ein 1:0 mal so eben locker über die Zeit schaukeln kann. Also, in einem solchen Fall, bitte endlich einmal nachlegen.
Oder wird es wie in Rom, noch auf der Suche nach der Klarheit und schon liegt man aussichtslos hinten? Auch nicht auszuschließen, zumal Veh in Frankfurt ein richtig gutes Team zusammengestellt hat.
Vor zwei Jahren war Frankfurt der Wendepunkt. Erst Delpierres Platzverweis, danach ein sensationell haltender Ulle und ein ganz wichtiger 2:0-Sieg. Ich würde mich freuen, wenn es heuer wieder so käme, allein mir fehlt der Glaube.
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