13. Mai 2019

Vereinslegenden

Der VfB hat sich nun am Samstag tatsächlich für das von Nico Willig ausgerufene Relegationspokalfinale qualifiziert.

Dabei hat die Wundertüte VfB beim Sieg gegen die mit Championsleague-Ambitionen angetretenen Wölfe positiv überrascht und ihr bestes Saisonspiel hingelegt. Man ist geneigt zu fragen, warum nicht immer so? Mit Leidenschaft, Hingabe und einem Hauch von Spielkultur ließ man den Mannen von der Autostadt keine Chance und ist nun von Platz 16 nicht mehr zu verdrängen.

Als Fan fühle ich mich dabei von der Truppe reichlich verarscht. Für mich ist es schlimmer, zu erkennen, dass das Team kann, wenn es will, und eben offensichtlich in der Mehrzahl der Spiele „nur“ nicht wollte.
Die Gefühle würden geradezu Achterbahn fahren, wäre man noch mit derartigen Emotionen dabei, die jahrelang in einem steckten. Aber, diese sind bei mir inzwischen raus! Bei dieser Ansammlung von Ich-AGs, die jegliche Identifikation mit dem Verein und seinen Fans vermissen lassen, fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, eine innige Bindung zu ihnen aufzubauen.

Wenn sie noch da wären, würde es mich wahnsinnig machen, wenn nach einem 0:6 in Augsburg mit darauffolgendem Trainerwechsel Mönchengladbach förmlich niedergerungen wird, um eine Woche später im Berliner Olympiastadion wie eine Seniorengruppe beim Weinwandertag aufzutreten und wieder eine Woche später formstarken Wölfen nicht den Hauch einer Chance zu lassen.

Gerade der Berlin-Trip, zu dem ich morgens hingeflogen und abends mit dem Zug zurückgefahren bin, ließ mich extrem erbosen, und spätestens nach diesem kann mich dieser charakterlose Sauhaufen einfach mal.

In einer Saison ist immer mal ein blutleerer Auftritt drin, doch, in der Fülle, wie uns diese durch die Saison begleiten, ist jeder einzelne eine absolute Frechheit und eine Beleidigung für unser Wappen und unser Trikot!

Ich bin durch mit dieser Truppe, egal, wie die Saison noch endet. Daher machte mich der Auftritt vom Samstag eher aggressiv und gingen mir die Freudengesänge in der Kurve während des Spiels gehörig auf den Sack. Im Ansatz war es richtig, gegen Mönchengladbach auszurufen, „verdient Euch diese Kurve“, doch, damit ist es eben nach zwei, drei gelungenen Ballannahmen nicht getan. Charakter und Mentalität sind gefragt, dass diese Tugenden im Kader mit dem Fernglas gesucht werden müssen, ist allgemein bekannt.

Daher erwarte ich von dieser Truppe bis zum Saisonende nur noch eines: dass sie auftreten, wie man es von hochbezahlten Profis erwarten können muss. Alles dem Beruf unterordnen, sich ins Team einzuordnen und sämtliche persönliche Eitelkeiten hintenanzustellen.

Auch wenn es danach hoffentlich für mindestens 80% dieser Trümmertruppe heißt, Briefmarke auf den Arsch, und fort, darf die Zukunftsplanung in den nächsten zwei Wochen keine Rolle spielen und schon gar keine Ausrede sein.

Diese Jungs haben so viel kaputt gemacht in dieser Saison, zwei Trainer verschlissen und einen Sportdirektor, glänzten vor allem durch Undiszipliniertheiten und nicht durch Leistung auf dem Platz, tanzten Fans und Bossen auf der Nase herum, bildeten Grüppchen anstatt ihren Anteil zu leisten, dass eine Mannschaft entstehen kann, all das darf nicht in Vergessenheit geraten und ungesühnt bleiben, auch wenn die verbleibenden drei Spiele gewonnen und die Klasse erhalten werden sollte.

Christian Gentner äußerte sich nach dem Wolfsburg-Spiel erbost darüber, dass seine eigene Zukunft ungeklärt sei und er demnach nicht wisse, wie es mit ihm persönlich weitergehe. Ich finde, um es milde auszudrücken, interessant, dass sich jetzt ausgerechnet der Kapitän in Stellung bringt, in einer Phase, für die Thomas Hitzlsperger ausgerufen hat, JEDER müsse seine persönlichen Befindlichkeiten hintenanstellen. Durch dieses Vorpreschen wirkt Gentner gerade wie einer, der Wasser predigt und Wein trinkt, wenn er sich doch sonst als so ein Teamplayer präsentiert.

LeGente, wie er sich in den sozialen Netzwerken selbst nennt, wird auch von manchen Medien beim VfB ein Legendenstatus zugeschrieben, den er für mich nicht innehat. Meister 2007 wurde er als Greenhorn, sein Anteil an der Meisterschaft ist überschaubar. Danach folgte er dem Lockruf des Geldes und wechselte in die Autostadt, seit seiner Rückkehr zum VfB geht es gefühlt nur noch bergab. Der Abwärtstrend nahm an Rasanz zu, seit er 2013 die Kapitänsbinde übergestreift bekam.

Wie das obige Beispiel zeigt, scheint sein eigenes Ego doch extremer ausgeprägt zu sein, als er uns weismachen möchte. Da ich keinen Einblick in das Innenleben der Mannschaft habe, fußen meine Schilderungen auf Eindrücken, die ich als Außenstehender gewonnen habe.

Da ist zunächst der Eindruck, dass Gentner ohne die Macht seines Beraters Jürgen Schwab, der beim VfB ein und aus geht, nie zu der Führungsrolle innerhalb des Teams gekommen wäre, die er seit Jahren begleitet.

Zu Zeiten von Fredi Bobic, dessen Kumpel und Geschäftspartner Schwab ist, wurde Gentner, wie auch der zweite Schwab-Schützling Sven Ulreich, in den Unantastbarkeits-Status erhoben.

Während der Ära Gentner verschlief der VfB die Entwicklung hin zum modernen Fußball, in der jeder Verein, der vorankommen wollte und etwas auf sich hielt, lauf-, zweikampf- und spielstarke sowie handlungsschnelle Spieler im zentralen Mittelfeld installierte, während beim VfB der gepflegte Rück- und Querpass Einzug erhielt.

Spieler, die diesen Typus verkörperten, spontan fällt mir Zdravko Kuzmanović ein, wurden ihrer Stärken beraubt, weil sie sich die Bälle immer nur hinten abholen mussten und keiner größer werden durfte als der König, so dass sie entnervt von dannen zogen, weil in der Ära Gentner das Leistungsprinzip ad absurdum geführt wurde.

Als Menschen schätze ich Christian Gentner sehr, einer der Etikette besitzt und ein netter und freundlicher Typ ist.

Jedoch gehört für mich mehr dazu, als langjährige Vereinstreue (gab es für ihn seit seiner Rückkehr überhaupt Interessenten/ Angebote?), um als Vereinslegende in die Annalen eingehen zu können.

In einer Truppe, in der es menschlich nicht stimmt und die sich spinnefeind ist, hat auch der Kapitän versagt. Die Truppe der Gegenwart ist ja beileibe nicht die erste in der Ära Gentner, die vom Potential mehr könnte, dieses aber nicht zeigt, weil es im Team nicht stimmt. Wenn man dann noch hört, dass es auf Mannschaftsabenden zum großen Aufbruch kommt, während der Kapitän eine Ansprache halten möchte, ist dies mehr als ein Indiz dafür, dass Gentes Zeit als Kapitän abgelaufen ist.

Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger täten gut daran, es sich genau zu überlegen, ob man Gente noch einmal einen neuen Vertrag, möglicherweise als Standby-Profi, gibt oder ob nicht auch der Kapitän dem nötigen Neuanfang im Wege stehen würde.

Mit Legendenbildung, die allein darauf fußt, dass einer lang im Verein war, tue ich mich schwer. Als VfB-Fan seit 1974, der Buffy Ettmayer noch kicken gesehen, die Entwicklung von Hansi Müller und den Förster-Brüdern begleitet, der Jürgen Klinsmann bewundert und über Asgeir Sigurvinsson gestaunt hat. Als einer der Respekt davor hatte, wie sich Dieter Hoeneß, Erwin Hadewicz und Guido Buchwald, die nicht mit dem allergrößten Talent gesegnet waren, durchgebissen und zu unverzichtbaren Größen entwickelt haben, als einer, dessen Allzeit-Lieblingsspieler Karl Allgöwer ist, der die Waldhof-Connection Gaudino und Fritz Walter liebte, der stolz war, als es MV gelang Matthias Sommer oder Carlos Dunga an den Neckar zu lotsen, für den Günne Schäfers Rettungstat in Leverkusen heute noch unfassbar ist, der wegen des Magischen Dreiecks aus dem mit der Zunge schnalzen nicht mehr raus kam, fällt es mir schwer, Christian Gentner in diese Hall of Fame aufzunehmen.

Die Jungen Wilden Magaths und die von einer Euphoriewelle getragenen Meister von 2007 spare ich an dieser Stelle aus, weil die Erinnerungen wohl bei allen noch frisch genug sind. Auch da waren es andere, an die man sich gerne zurückerinnert.

Auf einen der Meister von 2007 möchte ich dann aber doch noch eingehen: Timo Hildebrand. Unvergessen seine Parade in Bochum, als er zu einem wichtigen Baustein der Meisterschaft wurde und sich unsterblich gemacht hat. Dennoch ist es mir auch bei ihm zu weit hergeholt, ihn als VfB-Legende zu betiteln.

Noch mehr als seine Rettungstat in Bochum bleibt mir das ständige Transfertheater in Erinnerung. Er, mit tatkräftiger Unterstützung seines Beraters Bukovac, damals so etwas wie eine persona non grata beim VfB, tanzten der VfB-Führung jahrelang auf der Nase herum, weil sie sich zu höherem als dem VfB berufen sahen.

So schlug Hildebrand mehrmals Angebote zur Vertragsverlängerung aus, ehe dem VfB der Kragen platzte und die Verhandlungen Ende 2006 (endlich) für gescheitert erklärte. Ich war seinerzeit erleichtert, weil sich dieses Theater schon jahrelang hingezogen hat. Hildebrands Plan, Kahns Nachfolger bei den Bayern zerschlug sich, so dass er sich nach der Meisterschaft dem FC Valencia anschloss. Bei einem Verein, in dem es drunter und drüber ging und bei dem der nur hartgesottenen Ché (so werden die Fans von Valencia genannt) bekannte Deutsche einen schweren Stand gegenüber Vereinslegende Santiago Cañizares hatte, wurde Hildebrand nie richtig glücklich.

Zur selben Zeit stümperte ein Raphael Schäfer im VfB-Tor umher, wo schnell klar geworden ist, dass es sich hierbei um ein millionenschweres Missverständnis handelte. Seit dem Nürnberger Pokalsieg hatte es Schäfer ohnehin bei großen Teil der Fans verschissen, seine nicht vorhandenen Leistungen taten ihr übriges, dass die Zeichen schnell auf Trennung standen und ihm zeitweise sogar der junge Ulreich vor die Nase gesetzt wurde.

Im Sommer 2008 hätte die große Möglichkeit bestanden, wieder zueinander zu finden. Der VfB wäre wohl einer Rückkehraktion gegenüber nicht abgeneigt gewesen. Ich für meinen Teil hätte sie damals auch begrüßt, schließlich wusste man wenigstens, was man an Timo hatte und zudem hätte die Möglichkeit bestanden, geläutert einen beiderseitigen Neuanfang zu wagen. Doch Herr Hildebrand war sich damals zu fein, sich (und uns) seinen Wechselfehler einzugestehen und wollte sich in Valencia durchbeißen.

Mich ärgert dessen Sturheit bis heute. Zwar folgten zwei super Jahre mit Jens Lehmann als unserer Nummer eins, auch einer, über den ich stolz war, dass er das VfB-Trikot trug. Die Verpflichtung Lehmanns für zwei Jahre war damals mit der Zusage verknüpft, dass Ulreich von Lehmann lernen solle und danach die Nummer die Eins werde. Diese Zusage war an keinerlei Bedingungen, wie zum Beispiel einer vorausgesetzten Entwicklung, geknüpft, so dass wir fortan ein ständiges Torhüterproblem hatten.

Das nehme ich Hildebrand bis heute übel, genauso wie, dass er danach nicht mehr richtig auf die Beine kam und bei einem scheiß Verein nach dem nächsten anheuerte. Herzensentscheidungen schienen es jedenfalls keine gewesen zu sein, es wirkte stets, ob bei Hoffenheim, Schalke oder Frankfurt, so, als dass er nur froh war, untergekommen zu sein. Ob als Nummer eins oder zwei, egal, der Biss schien ihm in Spanien abhandengekommen zu sein.

Als der VfB 2009 zur selben Zeit wie Hoffenheim sein Trainingslager in Leogang absolvierte, trafen wir die Kraichgauer beim Joggen. Wir, das könnt ihr mir glauben, begrüßten die vielen Ex-VfBler äußerst freundlich. Nicht umsonst blieben Tobi Weis und Andi Beck für einen kurzen Plausch stehen und selbst Ralf Rangnick huschte ein Lächeln übers Gesicht, während Hildebrand verschämt auf den Boden blickte, weil ihm die Begegnung offensichtlich peinlich war. Dies bestärkte mich in meiner Meinung über Hildebrand, dass er „falsch“ und berechnend ist.

Dieser Hildebrand, der sich vor den Ausgliederungskarren spannen ließ, ohne zum damaligen Zeitpunkt überhaupt VfB-Mitglied gewesen zu sein, möchte jetzt also als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger fürs VfB-Präsidium kandidieren. Dass ich nicht lache! Denkt er etwa, er habe sich nun genug eingeschleimt und würde mit offenen Armen empfangen werden? Warum? Nur weil er keiner ordentlichen Tätigkeit nachgehen möchte? Was hat er außerhalb des Fußballplatzes vorzuweisen? Was sollte ihn dazu befähigen? Was hat er vor, außer es sich auf Kosten von uns allen in den VIP-Katakomben bequem zu machen?
Ich jedenfalls werde ihn nicht wählen und hoffe, dass seine Bewerbung schon am Veto des Vereinsbeirats scheitert. Hildebrand erweckt bei mir auch hier wieder den Eindruck unterkommen zu wollen, klappt es bei uns nicht, heuert er eben in Hoffenheim an.

Um den Status einer Vereinslegende zu erlangen, bedarf es mehr, als langjähriger Spieler zu sein oder seinen Anteil an einem Titel zu haben. Auch ein Spieler, um den Bogen zurück zur sportlichen Gegenwart zu spannen, der uns zum Klassenerhalt schießt, hat nicht zwangsläufig das Zeug zur Vereinslegende.

Hier erinnere ich mich gerne an ein Ultras-Spruchband „Nichts erreicht, nur verhindert“. Nur um das Verhindern geht es jetzt noch am Ende dieser desaströsten Saison. Ich hoffe, dass bei Hitz und Mislintat die Ursachenforschung in vollem Gange ist und der VfB zur neuen Saison ein völlig neues und auch sympathischeres Gesicht erhält.

Wir Fans sind zwar leidensfähig, doch auch die Leidensfähigkeit hat ihre Grenzen. Ich kann mich nicht erinnern, in nunmehr 45 Jahren Fanjahren, ein Saisonende so herbeigesehnt zu haben wie dieses. Noch drei Spiele…

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24. April 2019

Leistungsverweigerung!

Nach Jahren des Dahinsiechens und einer kurzen Episode der Hoffnung, dass sich beim VfB tatsächlich mal etwas ändern könnte, sind wir nach dem 0:6-Debakel in Augsburg an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt.

Rede ich von Tiefpunkt, erscheint Rudi Völler vor meinem geistigen Auge, als er sich beim legendären Interview auf Island bei Weißbier-Waldemar darüber ausgekotzt hat, er könne es nicht mehr hören, wenn ihm nach jedem Tiefpunkt weitere und noch tiefere Tiefpunkte angedichtet werden würden.

Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es nach Völlers Rücktritt wieder einige Höhepunkte zu bejubeln, während diese beim VfB weiter entfernt zu sein scheinen, als die Geysire vom Neckar.

Der VfB hat es mit der Bankrotterklärung in der Fugger-Stadt geschafft, dass mein Geduldsfaden mit dem Verein fürs erste gerissen ist. In einem von (Ex-)Trainer Weinzierl seit Wochen zum Endspiel („wir haben noch alles in der eigenen Hand“) hochstilisierten Aufeinandertreffen mit einem vermeintlich direkten Konkurrenten, sich von der ersten Minute an derart kampf- und widerstandslos zu ergeben, ist eine bodenlose Frechheit.

Was sind das für Charaktere, die Reschke da an Land gezogen und mit üppigen Verträgen ausgestattet hat? Altstars, die sich ihre Rente aufbessern wollen, Leihspieler, bei denen keine Identifikation mit dem VfB aufkommen kann, Möchtegern-Stars, die denken, allein, weil sie teuer waren, wären sie wer, und Mitläufer, die vielleicht wollen, es aber nicht (mehr) können.

Wer greift bei dieser Ansammlung von Egoisten endlich mal durch? Es ist doch ein reines Kasperletheater, wenn Geldstrafen nicht gezahlt werden, man sich weigert, bestimmte Positionen zu spielen, in Interviews über den eigenen Arbeitgeber herzieht, Teambuildings-Versuche mit Desinteresse konterkariert werden und man sich null und nichtig mit Arbeitgeber, Stadt, Fans identifiziert. Wer schreitet ein und sorgt bei diesem Sauhaufen, wo offensichtlich jeder macht, was er will, für Disziplin und Ordnung? Wenn gut zureden nicht fruchtet und über Disziplinarstrafen nur gelacht wird, kaserniert die Assis in der Sportschule Ruit ein und lasst sie 7 mal 24 an Fußball und den VfB denken!

Dietrich und Reschke leb(t)en zwar von oben Beleidigungen und Lügen vor, bis in die „Mannschaft“ hätte dieser Ton tunlichst nicht hineingetragen werden dürfen. So stehen wir jetzt, vier Spieltage vor Schluss vor einem Scherbenhaufen oder auch einem (möglicherweise) irreparablen Totalschaden.

Wo sind die pflichtbewussten Profis, die bereit sind, sich für ihre horrenden Gehälter zu schinden und Stadt, Verein und Fans etwas zurückgeben zu wollen? Wo sind jene Profis, die immer gewinnen wollen und denen es nicht egal ist, wenn sie abgeschlachtet werden?

Heutzutage scheint es diese Rotzlöffel überhaupt nicht mehr zu tangieren, ob in ihrer Vita ein Abstieg und die mit Abstand schlechteste VfB-Saison der Historie steht, Hauptsache die Zahlen auf dem Gehaltszettel stimmen.

Bei Abstieg dürften sich zwei Drittel dieser Leistungsverweigerer finanziell sogar noch verbessern, weil andere Vereine wie die Geier nach zum Sonderpreis erhältlichen charakterlosen Arschlöchern lechzen. Der Rest, der woanders keinen besser dotierten Vertrag erhält, schwer vermittelbar ist und nicht unterkommt, bleibt hier und liegt dem VfB weiter genüsslich auf der Tasche. Reschkes Rentenverträge für Auslaufmodelle werden uns wohl noch einige Jahre lang verfolgen. Dietrich jubelt zwar, dass der VfB bei Abstieg zu keinen Notverkäufen gezwungen sei, doch, Realitätssinn ist eben überhaupt nicht Dietrichs Sache.

Unter Reschke wurde das Gehaltsniveau derart angehoben, dass uns jeder Verkauf eines Top-Verdieners erleichtern dürfte. Klar, wegprügeln kann man sie nicht, ein Mario Gomez bspw., der dem Vernehmen nach zwischen fünf und sechs Millionen Euro per anno „verdienen“ soll, erklärt bei jeder Gelegenheit generös, er stünde auch in der 2. Liga zur Verfügung.

Er könnte genauso gut sagen, da ihm vermutlich kein zweiter Verein ein solches Salär bietet, bleibt er eben hier. Auch Holger Badstuber, mit ähnlich üppigem Vertrag ausgestattet, wird nur das Weite suchen, wenn er sich finanziell nicht verschlechtert, so dass dem VfB im Falle des Abstiegs gar nichts anderes übrig bleiben dürfte, jene zu verscherbeln, die eine ordentliche Ablöse versprechen und gleichzeitig von der Gehaltsliste verschwinden.

Beim ein oder anderen dürfte es gar auf das Modell Ibišević hinauslaufen, bei dem der Spieler zwar weg transferiert wird, der VfB jedoch dennoch bis zum Sankt Nimmerleinstag einen Teil der Bezüge weiterzahlt. Mit derart haltlosen Aussagen lasse ich mich von Dietrich nicht verarschen.

Hitzlsperger und Mislintat sind jetzt dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, wen der VfB überhaupt behalten möchte, wer den nötigen Charakter mitbringt, sich für den Verein zu zerreißen, auch wenn ihm die vorgesehene Position, der Übungsleiter, der Feinstaub oder der Dauerstau in der Stadt nicht gefällt. Am Monatsende gibt es schließlich genügend Schmerzensgeld, das die Motivation in jeder noch so beschissenen Lage hochhalten sollte. Derzeit gibt es ganz wenige, die für die nächste Saison noch ihre Daseinsberechtigung haben, Kabak zum Beispiel, der jedoch im Falle des Abstiegs sicher weg wäre.

Mit der Leistungsverweigerung vom Samstag wurde eine Grenze überschritten und der letzte Kredit verspielt. Von der ersten Minute vorführen haben sie sich lassen und nicht mal den Ansatz eines Zweikampfes gesucht. Null gelbe Karten sprechen Bände. Vermutlich wollten sie doch „nur“ Weinzierl loswerden, was sie in eindrucksvoller Manier geschafft haben. Es war auf der Tribüne äußerst peinlich mit anzusehen, dass Eckbälle in jeder E-Jugend-Mannschaft besser verteidigt werden und dass nur eine Mannschaft wirklich am Spiel teilnehmen wollte.

Sollten diese Drecksäcke am Samstag wieder rennen können und Mönchengladbach besiegen, werde ich erst recht sauer. Dieser erbärmliche Haufen hat nur eines verdient, den Abstieg mit sofortigem Großreinemachen auf allen Ebenen.

Augsburg hat neben dem so gut wie sicheren Nichtabstieg ganz nebenbei auch noch den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie eingefahren, Glückwunsch, Zieler, Baumgartl, Pavard, Kempf, Esswein, Insúa, Castro, Kabak, Zuber, Gomez, González, Donis, Didavi, ihr ward dabei und steht für DEN Schandfleck der jüngeren VfB-Geschichte. Man wird sich noch lange an euer stümperhaftes Auftreten erinnern, und das nicht nur, wenn mal wieder vom höchsten Augsburger Sieg aller Zeiten berichtet wird.

Das 0:6 war zudem für den VfB die höchste Niederlage seit dem 17. Spieltag 1985/1986. Damals hieß der Gegner Werder Bremen und, damals wie heute, hatte ich mir den Kick im Stadion angetan. Freitagabend, Flutlicht, bitter kalt und ein entfesselnd aufspielender Meisterschaftskandidat von der Weser.

Auf den Trainerbänken saßen die beiden Ottos, Rehhagel und Baric. Damals wie heute war ich stinksauer ob des Dargebotenen, der große Unterschied aber war der, dass dies ein Ausrutscher war und sich die Protagonisten wenigstens schämten, während beim VfB die ganze Saison schon unterirdisch ist, wir noch kein einziges gutes Spiel gesehen haben und mit Augsburg „nur“ noch eins oben draufgesetzt wurde.

Damals hatten wir einen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Jungs nach einem derartigen Debakel im Neuen Schloss antanzen ließ, wo sich jeder Einzelne erklären musste, während sich unser jetziger Präsident auf Abruf auf Tauchstation befindet und damit beschäftigt ist, seine geschäftlichen Beziehungen zu verschleiern, anstatt sich um die Probleme des VfB zu kümmern.

In jener Saison in den 80ern hatten wir noch Typen wie Karlheinz Förster, Guido Buchwald, Günther Schäfer, Karl Allgöwer und Asgeir Sigurvinsson in der Mannschaft, die eine offene Rechnung mit ins Rückspiel nahmen.

Werder reiste als Tabellenführer an und stand nur deshalb nicht schon als Meister fest, weil Kutzop am 33. Spieltag in letzter Sekunde den Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten drosch.

Für den VfB hingegen ging es um nichts mehr. Als Pokalfinalist stand fest, dass wir in der darauffolgenden Saison international vertreten sein würden, so dass man die Saison hätte locker ausklingen lassen können.

Das erhofften sich auch die Werderaner, deren erster Meistertitel unter Rehhagel und nach 1965 so greifbar war. An dieses Spiel und vor allem die knisternde Atmosphäre kann ich mich noch recht gut erinnern und weiß sogar noch, dass ich damals einen Kurvensitzplatz (ach, die schönen alten Holzbänke) unterhalb von A- oder B-Block hatte.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, als ginge es für uns um die Meisterschaft und nicht für Werder. Auf den Rängen war die große Lust zu spüren, den Nordlichtern in die Suppe zu spucken. Wettbewerbsverzerrung war noch verpönt, man hatte keine Lust darauf, sich nachsagen lassen zu müssen, den Bremern die Meisterschaft kampflos überlassen zu haben. Außerdem herrschte seit dem Abstieg 1975, als Werder 15. und der VfB 16. wurde, eine gewisse gegenseitige Abneigung, so dass man lieber den Südrivalen als die “Fischköpfe” als Meister gesehen hat.

Daher trieb das Publikum, 62.000 waren gekommen, das Team von der ersten Minute unermüdlich an, was sich auf dem Rasen widerspiegelte. Man hatte den Eindruck, die Jungs rannten um ihr Leben, was bei Rehhagel völliges Unverständnis hervorrief, gab es doch auch ordentlich auf die Socken.

Durch zwei Allgöwer-Tore gewannen wir mit 2:1, während die Bayern zu Hause Gladbach mit 6:0 abfertigten und noch an Werder vorbeizogen.

Nach dem Schlusspfiff wurde Werder reichlich mit Häme überschüttet und wir feierten den Sieg, als gäbe es kein Morgen. Das damalige Team bewies Charakter, von dem wir bei dem jämmerlichen Haufen der Gegenwart nur träumen können.

Undank ist der Welt Lohn, eine Woche später bedankten sich die Bayern im DFB-Pokalfinale für die Schützenhilfe nicht, sondern schossen uns, Willi Entenmann saß inzwischen auf der Trainerbank, mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion.

In frustrierenden Zeiten wie diesen tut es ganz gut, in Erinnerungen zu schwelgen und sich an die Helden früherer Tage zu erinnern. Doch, so bitter, es ist, ich muss mich auch schon wieder den Totalversagern vom Samstag zuwenden.

Während die Genannten der Saison 1985/1986 allesamt respektable Karrieren nach der Karriere hingelegt haben, sind, wenn man Jan Åge Fjørtoft bei Wontorra glauben darf, mindestens 60% der Profis drei Jahre nach Karriereende pleite und landen mehr oder weniger in der Gosse. Ob das auch jetzt noch, bei den in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Gehältern, so ist, sei dahingestellt. In der Sache hat er sicher nicht ganz unrecht.

Wer keinen Charakter und so wenig Anstand besitzt, für horrende Gehälter alles andere hintenan zu stellen, wer zu doof ist, Trainervorgaben zu befolgen, wer Problemen aus dem Weg geht, wer zur Unselbständigkeit erzogen wird, beleidigte Leberwurst mimt, wenn es unbequem wird, wer nicht bereit ist, sich an Gruppenregeln zu halten und sich ein Fußballerleben lang stets selbst der Nächste ist, wird es da draußen schwer haben, einen Job zu bekommen, kommt er nicht gerade als Fernseh-“Experte“ unter.

Womöglich kommen dann Schlaumeier wie Beckenbauer in Bezug auf Brehmes Privatinsolvenz daher, und fordern einen Fonds für in Not geratene Ex-Profis. Das würde mir jedoch nur ein müdes Lächeln abringen, postieren sich die Sozialversager am Spieltag zwischen Karlseck und Neckarstadion, springt gerade noch mein Hofbräu-Fläschle für sie heraus.

Da ich mich gerade so in Rage schreibe. Sollte irgendwer der Auffassung sein, ich würde diese Armleuchter zu unflätig beleidigen und zu hart angehen, der stelle sich selbst die Frage, ob er die „Leistung“ vom Samstag etwa nicht auch als persönliche Beleidigung aufgefasst hat.

Dass Weinzierl zu spät entlassen wurde, steht außer Frage. Dennoch gehört es sich nicht, einen solchen Auftritt hinzulegen, um den unbeliebten Übungsleiter los zu werden. Unsere minderbemittelten Kicker können noch froh sein, dass die Ultras das Stadion bereits zur Halbzeit verlassen haben. Sonst hätte wohl jeder Protagonist dieser öffentlichen Hinrichtung sein Trikot, das über 90 Minuten durch Nicht-Leistung beschmutzt wurde, abliefern müssen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – bis zu 8.000 VfB-Fans machen sich erwartungsfroh auf nach Bayerisch Schwaben und das „Team“ interessiert das überhaupt nicht.

Soviel auch zum Thema, die Proteste gegen Dietrich würden die Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Die Unterstützung, untermalt von einer beeindruckenden Auswärtschoreographie, war phänomenal und schlug erst nach dem 3:0 merklich um.

Das Traurige daran ist, es geht offensichtlich nicht nur mir so, dass die Emotionen völlig raus sind. Man hätte auf die Zäune klettern und sie beleidigen können, aber nein, die Ultras fuhren heim und der Rest flüchtete sich in Lethargie oder bestenfalls noch in Sarkasmus.

Charakterlose Arschlöcher interessieren sich eben nur für sich selbst, denen sind die Proteste gegen Dietrich genauso egal wie die 8.000 Idioten, die diesen Stümpern am Osterwochenende hinterherfahren.

Wie schon letzte Woche geschrieben, hätte nach dem etwas erträglicher ausgefallenen Düsseldorf-Debakel nicht nur Reschke, sondern auch Weinzierl entlassen werden müssen.

Geradezu paradox ist es doch, dass man Reschke vordergründig deshalb den Laufpass gab, weil man ihn nicht auch noch den dritten Trainerfehlgriff verantworten lassen wollte und Hitzlsperger so lang mit der Entlassung gezaudert hat, um letztlich „Entscheidungshilfe“ vom „Team“ erhalten zu müssen. Schon seit einigen Wochen war es mir klar, dass wir in dieser Konstellation Punktelieferant bleiben werden, nichts, aber auch gar nichts, gaben die Auftritte her, aus denen man Hoffnung auf Besserung schöpfen konnte.

Dass Weinzierl die Spieler nicht erreicht hat, sie öffentlich diskreditiert hat, sich bis zum Schluss nicht richtig mit dem VfB identifiziert hat und letztlich auf der Spieltags-PK mit seiner Medienschelte um den Rauswurf gebettelt hat, vieles wollte Hitzlsperger wegen der bloßen Hoffnung auf Kontinuität nicht wahrhaben.

Hitzlsperger, wie vor ihm schon Schneider/ Briem, Heldt, Bobic, Dutt und Reschke absoluter Novize in diesem Metier, kann einem derzeit leidtun. Er wirkte nach dem Auftritt in Augsburg schwer angeschlagen, und wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob er der Richtige für diesen Job ist.

Noch bin ich skeptisch, beurteile ihn jedoch erst nach der Sommertransferperiode. Das lange Festhalten an Weinzierl könnte ihm noch gehörig um die Ohren fliegen.

Seit seinem Amtsantritt wird stets betont, wie nah Hitzlsperger am Team sei und wie viele Gespräche er führen würde. Da kann es mir doch keiner erzählen, dass er nicht erkannt hat, dass Weinzierl die Truppe längst verloren hatte.

Dass sie mit Mannschaftsführung und Matchplänen genauso wenig anfangen konnte, wie damit, dass manche, wie Esswein, ständig aufliefen, während andere komplett außen vor waren.

Da dieser Fußball keinen Spaß machte, weder Fans noch Fußballern, und zudem die Ergebnisse nicht stimmten, gab es wohl genau null Argumente, das mit Weinzierl durchzuziehen. Ein Twitter-User will nach dem Augsburg-Spiel von Aogo erfahren haben, dass „99%“ der „Mannschaft“ gegen Weinzierl gewesen seien, da frage ich mich wirklich, wie Hitzlsperger der Auffassung sein konnte, dass wir mit Weinzierl noch die Kurve kriegen könnten.

Hitzlsperger befindet sich noch in der 100-Tage-Frist, so dass allzu große Kritik an ihm noch unangebracht ist, danach, und spätestens nach Abschluss der Sommertransferperiode jedoch sollte auch er nach Leistung beurteilt werden.

Es war zwar ein kluger Schachzug von Dietrich, nach dem unbeliebten Reschke Everybody’s Darling und Vereinslegende Hitzlsperger an die vorderste Front zu stellen, um Reschkes Scherbenhaufen aufzukehren und dessen Missstände zu verwalten. Damit erhoffte Dietrich, selbst aus dem Fokus der Kritik zu rücken, was gründlich danebengegangen ist, die neuesten Quattrex-Enthüllungen lassen grüßen.

Ob Nico Willig diesem Sauhaufen in den verbleibenden vier bis sechs Spielen neues Leben und so etwas wie Teamgeist einhaucht, wird man sehen.

Es spricht für Hitzlsperger, wie er dem einstigen U19-Trainer das Vertrauen ausspricht und wie er sich von dessen Arbeitsmethoden überzeugt zeigt.

Von Willigs Spielphilosophie und Menschenführung hört man nur Gutes, ob er auch mit den jämmerlichen Versagern vom Samstag zurechtkommt, in ein paar Wochen sind wir schlauer.

Er scheint die Flucht nach vorn suchen zu wollen, was ein Schlüssel sein könnte. Zum einen verspräche dies die Beendigung der Torflaute, zum anderen besänne man sich wieder auf das eigentliche Ziel des Spiels, womit auch mehr Spielfreude zu erwarten sein dürfte.

Bin gespannt, ob wir am Samstag gegen das ebenfalls schwächelnde Mönchengladbach einen komplett anderen VfB und womöglich gar einen Sieg sehen werden. Über diesen könnte ich mich vermutlich nicht einmal freuen, denn, ich halte nichts davon, wenn hochbezahlte Profifußballer die Leistungsbereitschaft so lang einstellen, bis der ungeliebte Chef weg ist und sie dann wieder wie die Häschen rennen.

Was mich bei der Beförderung von Nico Willig befremdet und ich als schlechtes Zeichen für unseren Nachwuchs ansehe, ist, dass man der U19, die die Chance hat, Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden, in der entscheidenden Phase das Herzstück rausreißt. Die Gefahr ist groß, dass es am Saisonende nur Verlierer gibt beim VfB.

Das zarte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt begründet sich nach wie vor einzig und allein aufgrund der Schwäche der Konkurrenz. Auch Willig kann in der Kürze der Zeit lediglich die Missstände verwalten und dem einen oder anderen, der komplett außen vor war, eine neue Chance geben.

Die großen Versäumnisse des Winters, keinen spielstarken Sechser und keinen Torjäger geholt zu haben, werden auch ihn einholen. Ob ein Mario Gomez, der im Winter noch getönt hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen, derzeit angesichts seiner Slapstick-Einlagen aber in jeder Comedy-Show besser aufgehoben wäre als auf dem Platz, den Turnaround schafft, wenn insgesamt mehr nach vorne geht, ich bin gespannt. Wie so vieles derzeit, ist auch das schwer vorstellbar.

Egal, wie die Saison ausgeht, der VfB steht mal wieder vor einem radikalen Neuanfang. Da auch beim VfB der Fisch vom Kopf her stinkt, muss Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich den Weg frei machen.

Er steht wie kein anderer für das Verlassen des Weges der Vernunft und der Installation des Perlentauchers. Er ließ Reschke gewähren und goutierte jene Alleingänge Reschkes, die er als Grund für Schindelmeisers Entlassung vorschob.

Er erschlich sich bei seiner „Wahl“ und der Ausgliederungspropaganda das Vertrauen der Mitglieder mit falschen Versprechungen und hat wohl auch gelogen, als es um mögliche Interessenskonflikte bzgl. seines Quattrex-Imperiums ging.

Der offene Brief des Fanausschusses blieb bislang unbeantwortet, Dietrich ist und bleibt ein Meister des Aussitzens. Womöglich lacht er nur über die Vorwürfe, die ihm wohl erst dann gefährlich werden könnten, sollte die DFL ermitteln.

Die Mitglieder haben Dietrich, trotz aller Warnungen, durch die Ausgliederung mit einer Machtfülle ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Somit werden ihm die Mitglieder kaum gefährlich werden können und deshalb egal sein.

Wie er ganz aktuell erklärte, werde er die Vorwürfe zeitnah entkräften, was nicht darauf hoffen lässt, dass er bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Sollten seine wohl noch immer bestehenden Beteiligungen und das damit verbundene Partizipieren an Erfolgen möglicher Relegationsgegner, von der DFL als „noch im Rahmen“ angesehen werden, änderte dies nichts an der moralischen Verwerflichkeit. Die DFL sah seinerzeit auch bei Redbull keine Untergrabung der 50+1-Regelung und gab sich mit dem neuen alten Logo zufrieden, um diese Retorte in die Bundesliga zu hieven. Auch dies mag bestehendes Recht sein, mit Anstand und Moral jedoch hat wenig zu tun, was bei der DFL passiert.

Sollte die DFL nicht aktiv werden, muss man auf den Aufsichtsrat hoffen. Wie Oliver Trust bei Sport im Dritten andeutete, scheint der Daimler mit der Verwendung seiner Gelder nicht einverstanden zu sein, so dass der Druck möglicherweise auch von der Investorenseite her zunehmen wird.

So oder so, die Luft für Dietrich wird zunehmend dünn. Fast hätte ich an seinen Charakter appelliert, doch, siehe oben, siehe Augsburg, darauf braucht man wohl nicht zu hoffen. Wie sich der VfB auf allen Ebenen präsentiert, wird von oben vorgelebt, so dass es bis zu Dietrichs Demission nur weiter heißen kann, #StuttgartkämpfenDietrichraus.

Nach einem Trainerwechsel Prognosen fürs nächste Spiel abzugeben, sind schwierig und ich bin da echt zwiegespalten. Mir wäre es fast lieber, es ginge mit der Truppe sang- und klanglos runter (nichts anderes verdient man nach einer solchen Saison) und ich müsste keinen mehr sehen, als dass sie ab Samstag „Ätschegäbele“ sagen, und sich berappeln, wie man es nach Trainerwechseln ja schon oft genug erlebt hat.

Darauf habe ich ehrlich gesagt überhaupt keinen Bock und es würde meinen Hass auf diese erbärmlichen Gestalten wohl ins Unermessliche steigern.

Wie erwähnt, mein Geduldsfaden ist gerissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mir die weiteren Spiele nicht mehr antun werde. Berlin ist gebucht, nach Schalke fliegen wir aus Malle ein (ja, auch WIR SIND STUTTGART) und die Relegationstermine sind geblockt. Die Touren sind nach wie vor geil, auch Augsburg war es, stören tun da nur die Spiele. Die Weggefährten und Leidensgenossen, die man trifft, mit denen man unterwegs ist, wiegen vieles auf, sogar ein unterirdisches 0:6!

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18. April 2019

Frust!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 06:20

„Wir dürfen nicht anfangen, den Frust über die derzeitige Lage nach außen zu tragen. Wenn wir dies tun, sind wir auf dem falschen Weg. Ich appelliere an jeden einzelnen, die Ruhe zu bewahren. Jeder einzelne ist in unserer Situation gefordert“, so Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nach der Heimniederlage gegen Bayer 04 Leverkusen.

Auslöser dieser mahnenden Worte dürften Anzeichen einer Selbstauflösung des Teams sein. Gegen Leverkusen drückte sich dies in Ascacibars Spucken gegen Havertz, dem Disput von Kempf mit Co-Trainer Beller sowie überzogenen Reaktionen nach ihren Auswechslungen von Zuber und Gonzalez aus.

Weshalb dann ausgerechnet der Chef des Teams sich nicht an die Vorgabe Hitzlspergers hält (womit er einen weiteren Kündigungsgrund liefert), gibt Rätsel auf. Auf der Spieltags-Pressekonferenz platzte der Frust aus Weinzierl förmlich heraus. Und das nicht im Affekt, er erschien bereits mit geballten Fäusten in der Tasche und wartete förmlich darauf, endlich lospoltern zu können. Ich werte dies als einen Affront gegen Hitzlsperger und neuerlichen Hilferuf, ihn endlich zu entlassen. Bereits vor ein paar Tagen schrieb ich, es sei wohl besser, beide Seiten voneinander zu erlösen, dieser These gibt Weinzierl mit seinem denkwürdigen Auftritt neue Nahrung.

Dabei bin ich keineswegs der Auffassung, ein Trainer müsse sich alles gefallen lassen. Zu gegebener Zeit darf sich ein Jeder gerne auskotzen und Medienschelte betreiben, sind doch die Kollegen auf der anderen Seite des Podiums auch nicht gerade zimperlich, was die Beurteilung der Übungsleiter angeht. Vor allem in Stuttgart sind wir gebrannte Kinder und wissen, Alexander Zorniger lässt grüßen, wie sehr die Medienvertreter es beeinflussen, ob ein Trainer in Ruhe arbeiten kann oder nicht.

Was Weinzierl angeht, bin ich mit der Berichterstattung und dem Umgang mit ihm in den Pressekonferenzen, auch nicht einverstanden. Es geht vieles ins persönliche und es wird eher gefragt, wie es sich anfühlt, wenn man ständig verliert, den Nichtabstiegsplatz aus den Augen verliert und die Stürmer nicht treffen, als danach, was er anders zu machen gedenkt, um den Bock endlich umzustoßen und weshalb Spieler wie zum Beispiel Thommy und Akolo in seinen Überlegungen nicht vorkommen, während Gomez und Gonzalez einen bedauernswerten Auftritt nach dem anderen hinlegen.

Weinzierl hat natürlich Recht, wenn er sagt, er sei nicht schuld, wenn Ascacibar einen Gegenspieler anspuckt und wenn Gomez das Tor nicht trifft. Aber, er ist schuld daran, dass sich das Team seit seiner Amtsübernahme so gut wie überhaupt nicht weiterentwickelt hat. Durch Aussagen wie „wir müssen das besser machen“, wir müssen das, wir müssen jenes und wir dürfen das nicht, beruhigt er uns VfB-Fans in keinster Weise.

Eher das Gegenteil ist der Fall, es ist das Hoffen auf den lieben Fußballgott, nicht aber ein Indiz dafür, dass er einen Plan in der Tasche hätte, wie wir uns in den nächsten Spielen noch steigern könnten. Das macht Angst!

Zudem haut er allzu gern seine eigenen Spieler in die Pfanne, was bei denen nicht sonderlich ankommen dürfte. Mich würde es brennend interessieren, ob Weinzierl im Winter außer Esswein noch weitere Wunschspieler auf dem Zettel hatte, die Reschke ihm nicht genehmigt hat oder was sonst sein Plan gewesen war, eine bessere Rück –als Vorrunde spielen zu können.

Die Vakanz im kreativen Mittelfeld (Alternative zu Didavi) und Sturm (5 Tore Gomez, 2 Tore Gonzalez) war bekannt, so dass es äußerst fahrlässig gewesen ist, nur mit diesem Personal auch in die zweite Saisonhälfte zu gehen.

Aufgrund seiner Bilanz hätte Weinzierl nach dem Debakel in Düsseldorf zusammen mit Reschke gehen müssen. Danach hatte man zwar kurz den Eindruck, er wirke gelöster mit Hitz anstatt Reschke an seiner Seite, doch, der zarte Aufschwung mit gerade mal dem Pflichtsieg gegen Hannover 96 und zwei Achtungs-Unentschieden in Bremen und gegen Hoffenheim erwies sich als Strohfeuer.

Weshalb jetzt immer noch nicht gehandelt, erschließt sich mir überhaupt nicht. Weinzierl und der VfB, das passt einfach nicht. Schon als Augsburg-Trainer tat er uns nicht gut, bei 7 Siegen und nur einer Niederlage (18:5 Tore), womit er den Trainern Labbadia, Veh und Zorniger den Gnadenstoß versetzte.

Als VfB-Trainer ist seine Bilanz verheerend. Vier Siege, vier Unentschieden und 14 Niederlagen sprechen Bände und sollten Grund genug sein, ihn zu entlassen, jetzt, wo wir langsam aber sich den Atem der Nürnberger spüren.

Wie am Schluss Hannes Wolf, scheint Weinzierl um seine Entlassung zu betteln, siehe seine fragwürdigen Aufstellungen und das jüngste Konterkarrieren von Hitzlspergers Appell. Der Verdacht drängt sich auf, man setze darauf, Weinzierl im Falle des Abstiegs günstiger loszubekommen.

Für mich ein Spiel mit dem Feuer, zumal ein professionell wirtschaftender Verein wie der VfB, der um die Verweildauer seiner Trainer weiß, bestimmt ausreichend Rücklagen für Abfindungen gebildet hat! Ein Abstieg käme uns um ein Vielfaches teurer, so dass ich es nicht kapiere, weshalb man drauf und dran ist, die Fehler von 2016 zu wiederholen.

Nichtsdestotrotz hat Augsburg für Weinzierl Endspielcharakter. Ein neuerlicher blutleerer Auftritt, weitere Eskapaden auf und neben dem Platz oder eine Eskalation auf den Rängen. Es fühlt sich an, als fehle nur noch der berühmte Tropfen, um den VfB endgültig ins Chaos zu stürzen. Hitzlsperger hätte ich ruhigere Zeiten gewünscht, sich ins neue Aufgabengebiet einzuarbeiten. Er ist fast ausschließlich als Krisenmanager gefragt und hat einen Brandherd nach dem anderen zu löschen.

Je weniger die Spiele, desto schwieriger die Suche nach einer Interimslösung, denn, nur eine solche kommt in Frage, will man im Sommer unbelastet mit einem neuen Trainer in die nächste Saison gehen. Ich bin gespannt, wen Hitz aus dem Hut zaubern wird und würde derzeit jede Wette eingehen, dass Weinzierl nicht bis Saisonende unser Trainer ist.

Ascacibar indes wurde inzwischen von der DFL mit der Mindeststrafe von sechs Wochen für eine Tätlichkeit, zu der auch Spucken zählt, belegt. Mildernde Umstände, die das Strafmaß hätten drücken können, gab es offensichtlich nicht, sonst hätte der VfB wohl Einspruch eingelegt.

Somit steht uns Ascacibar erst bei einem möglichen Relegationsrückspiel wieder zur Verfügung. Ich hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel harsche Kritik an den selbsternannten Experten geübt, die allzu hart mit Santi ins Gericht gingen und ihn am liebsten wieder zurück in der argentinischen Pampa sähen, weil für Spucker kein Platz in unserer Gesellschaft sei. Auch ich war von seiner Aktion entsetzt und will so etwas von keinem VfB-Spieler sehen. Daher bin ich mit der Bestrafung einverstanden, weil Santi eine Grenze überschritten hat, egal in welcher emotionalen Ausnahmesituation er sich befand.

Ascacibar wird die Sperre selbst am meisten treffen! Als einer der wenigen, für die Fußball noch Kampfsport und nicht nur Ballett ist, dürfte er durchdrehen, wenn er in den nächsten Wochen nicht mitwirken kann und womöglich miterleben muss, wie der Absturz des VfB noch mehr an Rasanz aufnimmt.

Daher sollte es mit der Strafe gut sein und sämtliche Kritiker, die eh alles besser wissen, sollten von nun an die Klappe halten und dem jungen Burschen, der er noch immer ist, die zweite Chance zugestehen. Ich bin mir sicher, auch einem Hitzkopf wie ihm, wird das kein zweites Mal passieren. Kopf hoch, Santi, wir VfBler stehen zu Dir!

Ob mit oder ohne Santi, Augsburg wird schwer. Durch den Trainerwechsel und den Sieg in Frankfurt wittern die bayerischen Schwaben Morgenluft und könnten sich durch einen Sieg fast aller Abstiegssorgen entledigen. Gut möglich also, dass Weinzierl ausgerechnet von seinem Ex-Verein in die gut dotierte Arbeitslosigkeit geschickt wird.

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15. April 2019

Ruhe bitte!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 06:40

Wer kennt ihn nicht, den Kollegen, der die Ruhe weg hat, obwohl es um ihn herum lichterloh brennt und alle anderen in Aufruhr sind. So kommt mir Thomas Hitzlsperger gerade vor. Panik und Endzeitstimmung überall, während Hitz die Devise ausgibt, „Ruhe bewahren“.

Ein Sieg aus den letzten 14 (!) Spielen, vier Siege, vier Unentschieden, 15 Niederlagen, seit Markus Weinzierl unser Trainer ist und wir sollen Ruhe bewahren? Seit dem Augsburger Sieg gestern scheint der Relegationsplatz das Höchste der Gefühle zu sein, und es ist alles gut?

Hitzlsperger, wie die meisten seiner Amtsvorgänger seit Rolf Rüssmann absoluter Novize in diesem Metier, sollte man Anfängerfehler zugestehen. Besonders klug war es sicherlich nicht, nach dem enttäuschenden Remis gegen den Club Markus Weinzierl mittels „wir ziehen das gemeinsam durch“ eine Jobgarantie auszusprechen. Nach dem erneut an Harmlosigkeit kaum zu überbietenden Auftritt gegen Bayer 04 Leverkusen fliegen ihm diese Worte bereits um die Ohren.

So relativierte er inzwischen diese Jobgarantie und meinte, „ein paar Tage müsse jetzt Ruhe sein“, was Spekulationen den Raum öffnet, Augsburg könnte das endgültige Endspiel für Weinzierl sein.
Der nette Herr Hitzlsperger ist wahrlich nicht zu beneiden. Nach dem Tollpatsch und Unsympathen Reschke von Dietrich bewusst installiert, um dem VfB ein sympathischeres Gesicht zu verleihen und selbst ein wenig aus der Schusslinie zu kommen, muss er, trotz aller Treuegelübde, Kante zeigen und diese unangenehme Personalentscheidung treffen. Es hilft keinem weiter, das Unvermeidliche weiter vor sich herzuschieben. Handeln ist gefragt!

Nicht nur das schwierige Umfeld und die Fußball AG sollen laut Hitz Ruhe bewahren, sondern in erster Linie die Mannschaft. Dort sind schon während der gesamten Rückrunde Selbstauflösungstendenzen zu verzeichnen, die nach Reschkes Entlassung nur kurz Pause hatten. Bettelten damals schon Spieler (Pavard, Gonzalez, Ascacibar) um Platzverweise, flog am Samstag Santiago Ascacibar mit einer Unsportlichkeit sondergleichen vom Platz.

Auch wenn Santi das ganze Spiel über immer wieder mit Kai Havertz aneinander geraten und auch böse gefoult worden war, rechtfertigt das seine Spuckattacke in keinster Weise. Ein Profi muss sich dahingehend im Griff haben, zumal spucken eine Demütigung der ekligsten Sorte darstellt.

Da Santi auch nach der roten Karte nicht zu bändigen war, den Schiedsrichter leicht stieß und Havertz an den Kragen wollte, dürfte die Saison für den kleinen Argentinier beendet sein. Ein Bärendienst also, den er uns und seinem Team damit erwiesen hat. Er, noch einer der wenigen, denen man in puncto Einsatz nie etwas vorwerfen konnte, wird uns sehr fehlen. Bitter! Als Ersatz dürfte nun Dennis Aogo bereit stehen, doppelt bitter!

Unangebracht ist es allerdings, wenn selbsternannte Experten den Stab über ihn brechen und dabei soweit gehen, wie Peter Neururer beim Fußball-Stammtisch bei Sport 1, „Spucker“ hätten keinen Platz in unserer Gesellschaft oder auch Spieler von Leverkusen, die verbal nachtreten. Gerade in der Bundesliga ist schon seit Jahren ein Verfall der Sitten zu verzeichnen, so dass diese Leute erst einmal vor der eigenen Haustür kehren sollten. Es wird doch nur noch geschauspielert und betrogen, was genauso zu verurteilen ist.

Santi Ascacibar wird seine Strafe bekommen und damit sollte es dann auch gut sein. So wenig Verständnis ich für Santis Aussetzer habe, so sehr fehlt mir bei dessen Beurteilung die Verhältnismäßigkeit. Für Casteels‘, im BILD-Jargon würde man sagen Brutalo-Foul an Christian Gentner gab es weder Karte, noch Elfmeter, noch Videobeweis, noch eine nachträgliche Bestrafung, obwohl man durchaus von vorsätzlicher Körperverletzung sprechen konnte.

Ruhe bewahren sollten laut Hitzlsperger aber auch alle anderen. Kempf gerät mit Co-Trainer Beller aneinander, Zuber beschwert sich (berechtigt) lautstark über seine Auswechslung und Mario Gomez muss offensichtlich von Weinzierl der Kopf gewaschen werden. Dieser war bestimmt nicht „amused“, als Weinzierl in der Vorwoche referierte, hätte Gomez die Hälfte seiner Großchancen genutzt, stünden wir jetzt besser da! So sieht alles nach Auflösungserscheinungen aus, getreu dem Motto, rette sich, wer kann.

Es gibt wenig, was Hoffnung auf Besserung, zumindest in der derzeitigen Konstellation mit Weinzierl als Trainer, macht. Mit 21 Punkten nach 29 Spielen stünde man in einer normalen Spielzeit zehn Punkte hinter dem rettenden Ufer als bestenfalls Siebzehnter und die Trainerfrage hätte sich längst beantwortet. Einzig die Schwächen von Hannover und Nürnberg sind es, die Weinzierl noch im Amt halten.

Ob er selbst darüber so glücklich ist, darüber hege ich so langsam meine Zweifel. Seine immer wiederkehrenden Durchhalteparolen, seine Aufstellungen, die taktische Ausrichtung, seine Wechsel, nichts lässt eine Strategie, den VfB aus der Krise zu führen, erkennen. Weinzierl hat den Schalter beim Team nie gefunden und ist längst gescheitert, so dass man beide Seiten voneinander erlösen sollte.

Wie am Rande der Mislintat-Bekanntgabe des Öfteren zu lesen war, soll der Trainer der kommenden Saison ja bereits feststehen. Dann wäre es umso unverständlicher, den VfB mit Weinzierl ungebremst ins Verderben rasen zu lassen. Das würde erklären, dass inzwischen von Teilen des Teams der offene Aufstand geprobt wird. Wer soll schon einem Respekt entgegenbringen, der ohnehin nur noch ein paar Wochen hier ist.

Von einem externen Feuerwehrmann, der fünf bzw. sieben Spiele lang tätig ist und dann das Feld wieder räumt, halte ich wenig. Ich favorisiere nach wie vor eine interne Lösung, jedoch weder Hinkel, der die Amateure retten soll, noch Willig von den U19-Junioren, der ebenfalls eine wichtige Mission zu erfüllen hat und vor dem dieser Sauhaufen von Mannschaft wohl auch nicht den nötigen Respekt hatte.

Für meinen Vorschlag auf Facebook, Günther Schäfer als Teamchef zu installieren, wurde ich von manchen belächelt, andere goutierten ihn. Mein Gedanke dabei ist, dass ein Verein wie der VfB genügend ausgebildete Trainer für die tägliche Arbeit und auch taktische Ausrichtung beschäftigt. Ein Günther Schäfer als Teamchef stünde an vorderster Front und wäre für die richtige Ansprache ans Team prädestiniert. Er lebt den VfB wie kaum ein anderer, weiß wie der Hase auf dem Fußballplatz läuft und ist nah genug dran, um einzuschätzen, wie das Team tickt und wo die Probleme tatsächlich liegen.

Nachdem es beim FC Augsburg den Trainer-Effekt gab und dieser kurzerhand das Bonusspiel in Frankfurt gewann (was erlaube FCA?), geht es einzig und allein noch um den Relegationsplatz, den ich weiterhin nicht groß gefährdet sehe, weil sich auch der 1. FC Nürnberg mit dem Siegen sehr schwer tut und das schwerere Restprogramm als der VfB hat.

Auf das Leverkusen-Spiel möchte ich gar nicht groß eingehen, weil es das Spiegelbild etlicher Partien in dieser Saison war. Vorne harmlos und gerade einmal mit einem einzigen Torschuss in 90 Minuten, während hinten immer einer für eine Dämlichkeit gut bzw. schlecht ist.

Duplizität der Ereignisse: wie schon in Dortmund war es Gonzalo Castro, der an der Strafraumgrenze einen völlig unnötigen Strafstoß verursachte, welcher schließlich das Spiel zugunsten der Werkself entschied. Diese spielentscheidende Szene unterstreicht einmal mehr, welchen Seuchenvogel wir uns mit Markus Weinzierl ins Haus geholt haben. Setzt alles daran, seinen Schlüsselspieler rechtzeitig für das Spiel fit zu bekommen und dann ist es ausgerechnet er, der so dämlich foult, dass dem Schiri nichts anderes übrig bleibt, als Elfmeter zu pfeifen. Ein Schelm, der sich etwas dabei denkt, dass Castro die beiden Elfmeter in ähnlicher Art und Weise ausgerechnet gegen seine Ex-Vereine verschuldet hat.

Was uns gestern zu Diskussionen am Rande des Spiels unserer Amateure gegen Hoffenheim II anregte, war die Überlegung, seit wann es eigentlich für Vergehen im Strafraum, die keine Torchance betreffen, nicht mehr indirekten Freistoß gibt…

Sollte man tatsächlich mit Weinzierl in das Spiel in Augsburg gehen, dürfte Augsburg einmal mehr der Job-Killer für einen VfB-Trainer werden. Augsburg, das monatelange Querelen zwischen Trainer Baum und dem Team durchstand und in der letzten Woche doch die Reißleine zog, wirkte in Frankfurt wie von einer Zentnerlast befreit. So ist für den VfB bei den bayerischen Schwaben das Schlimmste zu befürchten. Ich freue mich dennoch auf das Spiel. Schöner Platz, wie schon in den letzten Jahren auf der Haupttribüne, super Sicht auf Spielfeld und Gästeblock, „richtiges“ Bier und genügend Zeitpuffer, um vor und nach dem Spiel das Brauhaus 1516 direkt am Bahnhof aufsuchen zu können. So lässt es sich auswärts, trotz der lächerlichen Darbietungen, bestens aushalten.

Seit gestern gibt es außer dem sportlichen Brandherd möglicherweise auch noch einen außerhalb des Platzes. Der kicker beleuchtet noch einmal das Firmengeflecht von Quattrex und führt auf, wie Dietrich an den Erlösen partizipiert.

Brisant ist, dass die Quattrex unter anderem Investor von Heidenheim und Union Berlin, zwei möglichen Relegationsgegnern des VfB, ist, und somit mittelbar ein Interessenskonflikt vorliegen könnte, sollten wir gegen einen der beiden in der Relegation antreten müssen. Demnach stünde der erste Gewinner der Relegationsspiele, egal wie sie ausgehen, bereits vor Anpfiff fest: Wolfgang Dietrich.

Was an den kicker-Recherchen wirklich neu ist und ob Tatsachen vor der DFL verschleiert wurden, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Sollte dem so sein, dürfte eine drakonische Strafe bis hin zum Lizenzentzug drohen und, das Gute daran, Wolfgang Dietrich nicht mehr zu halten sein.

Es ist also leichter gesagt, als getan, Ruhe zu bewahren, wenn es an allen Ecken und Enden lodert und man mit dem Löschen der Brandherde nicht mehr hinter her kommt.

Da passt es ins Bild, dass just nachdem Thomas Hitzlsperger eindringlich an alle appelliert hat, das eigene Ego hinten an zu stellen, Benjamin Pavard zum Medizincheck nach München rauscht. Sein gutes Recht zwar, am trainingsfreien Tag, er wird dadurch mutmaßlich am Samstag nicht schlechter spielen und doch stellt man sich die Frage, ob ein Profi so etwas wie Taktgefühl besitzt.

Der VfB scheint, wohin man schaut, am Ende zu sein. Hoffentlich ist diese Saison bald rum, mich macht sie müde!

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12. April 2019

#Ja zum Teilerfolg

#jazumerfolg war gestern. Die Champions League-Träume der Herren Reschke (Geschichte) und Dietrich (bald Geschichte) sind längst ausgeträumt. Wie sich Erfolg für die Vereinsführung definiert und vor allem weshalb dieser ausschließlich durch größeren finanziellen Spielraum garantiert sein sollte, blieben die Herren der Vereinsführung, hier Reschke selbstredend noch ausgenommen, schon bei der Ausgliederungsdebatte schuldig.

Inzwischen ist das Geld weg und der Geldgeber wird nervös, wie jüngst einer der Daimler-Leute im Aufsichtsrat, Wolfgang Porth, offenbarte, als er in den Katakomben des Neckarstadions Guido Buchwald am liebsten den Kragen umgedreht hätte.

Wirtschaftsbosse, die den Aufsichtsrat dominieren, und ihr Vorsitzender Dietrich sind der festen Auffassung mit Geld gehöre ihnen die Welt und damit auch die Fußballwelt. Dass ein Wirtschaftsunternehmen und ein Fußballunternehmen verschieden ticken, haben diese Herren wohl bis heute nicht realisiert.

Während ein Unternehmenschef Erfolg dadurch erfährt, wenn die Kundschaft mit seinen Produkten zufrieden und die Belegschaft motiviert genug ist, bestmöglich für den Unternehmenserfolg zu arbeiten, am Ende auch noch die Zahlen stimmen, definiert sich Erfolg im Fußballgeschäft in erster Linie über die Ergebnisse, die auf dem grünen Rasen eingefahren werden. Keinen Menschen interessieren in dem Moment hervorragende (nicht sichtbare) Rahmenbedingungen, wenn sich die Jungs auf dem Rasen schlecht wie nie zuvor präsentieren.

Ein weiterer gravierender Unterschied zwischen dem Fußball und der Wirtschaft sind die damit verbundenen Emotionen. Mache ich einen besonders guten Kauf, ziehe ich genauso wenig jubelnd vor die Firmenzentrale, wie ich den Unternehmensboss auspfeifen und alles heißen würde, wenn ich mich über den Tisch gezogen fühle.

So kapiert Dietrich bis heute die Anfeindungen gegen seine Person nicht, „wo er doch alles für den VfB gibt“. Schon die Tatsache, dass der Aufsichtsrat den ehemaligen S21-Sprecher, der sich im Rahmen dieses Jahrhundert-Projektes einen Namen als Spalter gemacht hatte, zum alleinigen Kandidaten für die Präsidenten-Wahl machte, sorgte für Missstimmung. Als Mitglied hatte man keine Wahl, umso beschämender war es, dass er dennoch nur knapp „gewählt“ wurde und am Ende gerade einmal auf 57% der anwesenden und 6 (!) der Gesamtmitglieder kam. Dietrich sollte die Ausgliederung durchdrücken, egal mit welchen Mitteln. Homeoffice-Wahler setzte den Herren im Aufsichtsrat, den wahren Regenten des VfB, zu sehr auf Dialog, mit dem man bei der kritischen Mitgliederschaft jedoch offensichtlich nicht weiterkam. So boxte Dietrich dieses Thema im Eiltempo, zur Unzeit (Aufstiegsrennen 2. Liga) und in einer Zeit durch, in der der VfB als Zweitligist für die wenigsten Geldgeber ein lohnendes Investment gewesen wäre.

Aber, da war ja noch der Daimler, der den Mitgliedern ein 41,-5-Millionen-Zuckerle hinwarf, das (zu) vielen Mitgliedern offenbar den Kopf verdrehte. Dass der Daimler durch diese Einlage keinerlei Risiko eingehen musste, den VfB jedoch mehr als ohnehin schon in die Abhängigkeit vom Nachbarn mit dem Stern trieb, womit auf lange Sicht die Tür für andere interessierte Investoren wie den Automobilhersteller aus Zuffenhausen zugeschlagen wurde, interessierte angesichts der im Trump-Style geführten Propaganda und eines Gratis-Trikots die wenigsten.

Jetzt, wo den Herren der Slogan #jazumerfolg um die Ohren fliegt und der VfB trotz der Millionen-Spritze in Trümmern liegt, wird der Gegenwind für Dietrich und seine Schergen rauer. Wir, die den Ablauf der Mitgliederversammlungen zur Wahl Dietrichs (vom Verein rekrutierte Jubelperser) und zur Ausgliederung (nicht funktionierende Abstimmungsgeräte) noch nicht vergessen haben, sind ohnehin sauer, mittlerweile fühlen sich aber auch jene veräppelt, die an #jazumerfolg geglaubt hatten.

Dass Dietrich höchstselbst es war, der den VfB ohne Not und in Rekordtempo von einer kaum zu toppenden Euphoriewelle in eine tiefe Depression gestürzt hat, sieht er partout nicht ein, wo doch die geschaffenen Rahmenbedingungen so toll sind.

Dass es beim VfB, nicht erst seit Buchwalds „Rücktritt“ aus dem Aufsichtsrat, in den Führungspositionen an Sportkompetenz fehlt, ist bekannt. Ehemalige Sportler mögen nicht immer die hellsten Kerzen auf der Torte sein, doch, sie können es jedoch eher einschätzen, wie eine Mannschaft tickt und was ihr fehlen könnte, als ein Wirtschaftsboss oder auch ein Reschke, der die Mannschaft mehr genervt hat, als dass er zu ihr Vertrauen hätte aufbauen können.

Es war ganz nett und vor allem ungewohnt, nach der Ausgliederung ein paar Milliönchen mehr gehabt zu haben und Spieler an den Neckar gelockt zu haben, die auch zu weitaus größeren Vereinen hätten gehen können, aber, sie funktionieren nicht beim VfB, womit Unsummen auf Nimmerwiedersehen sinnlos verbrannt wurden.

Beim VfB ist seit der Schindelmeiser-Entlassung keinerlei Plan mehr erkennbar, für welchen Fußball er stehen soll. Platzhirsche jenseits der dreißig sollten für Stabilität sorgen, stehen jedoch in erster Linie für das Ausklingenlassen ihrer Karrieren und Altherrenfußball.

Jungnationalspieler hingegen, die man geholt hat, wie Maffeo und Borna Sosa, müssen sich seit Beginn der Saison hinter Platzhirschen wie Beck und Insúa anstellen, obwohl deren Leistungen kaum Anlass dazu gäben. Da eine Fußballerkarriere relativ kurz ist, haben aufstrebende Talente in der Regel keine Zeit zu verschwenden, so dass ich es nachvollziehen kann, dass sie ungeduldig werden, wenn sie überhaupt keine Rolle spielen.

Was man den Jungs versprochen hat, dass sie gen Neckar zogen, weiß ich nicht. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es nur die Karawane Cannstatt war, die sie derart beeindruckt hat, dass sie nirgends anders mehr hinwollten. Man hat ihnen sicherlich nicht verraten, dass wir da Vereinslegenden jenseits der dreißig haben, hinter denen sie sich schön anzustellen haben. Es sind wohl eher politische Gründe (vermeintliche Führungsspieler) zu vermuten, dass so mancher junge Spieler beim VfB kein Bein auf den Boden bekommt und früher oder später resigniert.

Ich möchte die Jungs an dieser Stelle keineswegs frei von jedweder Schuld sprechen. Es gehört sich als Profi nicht, schlechte Stimmung zu verbreiten (Maffeo), in Interviews über den VfB herzuziehen (Maffeo, Sosa) und es gehört sich als hochbezahlter Profi schon gar nicht, auf stur und beleidigte Leberwurst zu schalten und darauf zu vertrauen, im Sommer wieder weg zu sein. Sportlich täten uns beide gut, brächten sie doch wenigstens Geschwindigkeit in unser unerträglich träges Spiel.

Auch einstige Hoffnungsträger wie Akolo, Thommy und Donis spielen nur Nebenrollen, was unter anderem daran liegt, dass Weinzierl, ähnlich wie Korkut vor Jahresfrist, auf einen nahezu geschlossenen Kreis an Spielern setzt. Konnte man Korkut noch wenig vorwerfen, weil die Ergebnisse ja stimmten, fragt man sich bei Weinzierl schon, was einige verbrochen haben, dass sie an seit Wochen formschwachen und dennoch gesetzten Spielern nicht vorbeikommen.

Wie sich der eine oder andere in der Gruppe verhält und ob er überhaupt ein Interesse daran hat, dass der VfB in der Liga bleibt, lässt sich von außen schwer beurteilen. Wenn man jedoch hört, dass für Disziplinlosigkeiten erhobene Strafen in Höhe von mehreren zehntausend Euro einfach nicht gezahlt werden, weil die Rechtsgrundlage fehle und bei als Teambuilding gedachten Mannschaftsabenden das Desinteresse überwiegt, lässt dies auf eine scheiß Stimmung innerhalb der Truppe schließen und macht wenig Hoffnung, dass es diese Jungs sind, die für uns die Kohlen aus dem Feuer holen.

Ich kann nicht sagen, was beim VfB seit Jahren schiefläuft, weshalb es nicht gelingt, „Verstärkungen“ ins Gefüge zu integrieren und ob hier wer bewusst gegensteuert, um sein (und das seiner Spezies) Standing zu erhalten. Es wäre Aufgabe der Kaderplaner, Spieler nicht nur nach den fußballerischen, sondern auch den menschlichen Qualitäten auszusuchen und derer, die nah am Team sind, Integrationsarbeit, auf und neben dem Platz, zu leisten, damit sich ein Transfer für alle Seiten auszahlt.

Dieser Kaderplaner (bzw. Sportdirektor) wird nun, seit gestern ist es offiziell, Sven Mislintat. Ihm eilt ein hervorragender Ruf voraus, der sich auch an Namen und Wertsteigerungen von Spielern aus seiner Dortmunder Zeit untermauern lässt. Bei seinem Beinamen „Diamantenauge“ zucke ich schon mal reflexartig zusammen, liegt die Zeit des Perlentauchers, der beim VfB krachend gescheitert ist, doch noch keine zwei Monate zurück.

Der kicker empfahl Mislintat „”Nachdem der aktuelle VfB-Kader den Eindruck eines irreparablen Totalschadens macht, gilt es, die wenigen den Erfordernissen genügenden Teile daraus zu retten und den großen Rest komplett auszutauschen“, was einer Herkulesaufgabe gleichen dürfte.

Vergleiche zu Reschke und zu den allgemeinen Vorschusslorbeeren, die schließlich auch Reschke vorauseilten, möchte ich erst einmal nicht ziehen. Mislintat wird vermutlich jene Rolle ausfüllen, die auch Reschke besser gestanden hätte, nämlich im Hintergrund die Strippen zu ziehen, während Hitzlsperger für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Dass man bei der offiziellen Pressemitteilung den Satz „”Auch die gute Verbindung von Wolfgang Dietrich zu Sven Mislintat hat dazu beigetragen, Sven vom VfB zu überzeugen” einschieben muss, lässt tief blicken, wie angeschlagen Dietrich ist und macht Hoffnung, dass er nicht mehr allzu viele Stürme als VfB-Präsident überstehen wird.

Unter Schindelmeiser/ Wolf wähnte ich uns, zumindest was das Arbeitsklima anging, auf einem guten Weg. Seit Dietrich und später Reschke das Sagen hatten und von oben herab mit der Dampfhammermethode führen, Kritiker als ahnungslose Vollidioten abgetan wurden und Fake News zum Tagesgeschäft gehören, ist ein Verfall der guten Sitten zu verzeichnen, der bis in die Mannschaft getragen wird. Die „Mannschaft“ präsentiert sich so, wie von oben vorgelebt! Hier gilt es, im Sommer radikal auszumisten, gut dass Mislintat schon zum 01.05. seinen Dienst antritt, es gibt viel zu tun!

Wie es um den Teamgeist und die Leistungsfähigkeit der Mannschaft derzeit bestellt ist, kann es einem nur angst und bange werden. Da sind die Alten, die zwar die profihafte Einstellung haben, auf dem Platz jedoch nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und die Jungen, die sich mutmaßlich bei einem Abstieg eher noch finanziell verbessern dürften, weil sie der VfB dann um jeden Preis losbekommen muss, um das seit Reschke sprunghaft gestiegene Gehaltsgefüge wieder auf Normalmaß zu stutzen. Wiederum andere, wie die Leihspieler Esswein und Zuber bringen zwar Mentalität ein, haben es aber, zumindest bei Esswein ist das so, nicht so mit dem Fußball spielen.

In dieser Mannschaft macht derzeit nur Ozan Kabak Spaß! Wissbegierung, ehrgeizig und fußballerisch extrem stark präsentiert sich der seit kurzem 19-Jährige, ihm darf man schon jetzt eine große Karriere prophezeien, wenn er so weiter macht und immun gegen den VfB-Bazillus bleibt, der jeden Profi schlechter werden lässt. Ob und wann seine Karriere in München die Fortsetzung findet und Dietrich/ Reschke damit der nächsten Lüge überführt werden, wird sich zeigen. Bei einem Abstieg jedenfalls dürften sich die Wege im Sommer bereits trennen.

Der Fußball sollte Emotionen schüren und von denen im Idealfall nicht ausschließlich negative.
Über den Ausgleich am Samstag konnte ich mich ebenso wenig freuen, wie darüber, den Abstand zu Nürnberg gehalten zu haben. So wie die Spieler nach dem Schlusspfiff zu großen Teilen auf dem Rasen zusammensackten und wie sie in die Kurve schlichen, hätte man daraus schließen können, sie seien ähnlich entsetzt über den Auftritt gewesen, wie das Gros der Fans.

Doch, weit gefehlt, am Tag danach wurde man dann eines Besseren belehrt. Oder wie ist es zu erklären, dass Andi Beck bei Sport im Dritten zum Besten gibt, es sei das Ziel gewesen, Nürnberg nicht näher heranrücken zu lassen. Super, Ziel erreicht, wurde bestimmt auch noch eine Prämie für dieses Meisterstück ausgelobt!

Des Weiteren schwafelte Beck von Teilerfolg, was das Erreichen des Relegationsplatzes angeht. Wie tief bitte sind unsere Ansprüche gesunken? Wir spielen die mit Abstand schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, für die uns nichts anderes als der Abstieg gehört und dann erwarten diese Fußballmillionäre, dass man sie für das Erreichen der (dem Zweitligisten gegenüber ungerechten) Relegation noch feiert? Gewinnt man diese, was zu befürchten ist, wäre es vermutlich ein voller Erfolg und das Saisonziel Nichtabstieg wäre erreicht. Toll, ich hoffe nur, dass sie uns so nicht davonkommen!

Diese Sichtweise des Führungsspielers und Ersatz-Kapitäns Andreas Beck relativiert dann auch die doch zurückhaltenden Reaktionen auf dem Rasen nach dem Schlusspfiff. Nur weil Pfiffe zu hören waren und sich Unmut breit machte, konnten die Jungs ihrer Freude über den gewonnenen Punkt nicht freien Lauf lassen. Es hätte wahrlich auch nicht zur Stimmung im weiten Rund gepasst, hätten sie die Arme hochgerissen und wären vor Freude über den Rasen gehüpft. Das wäre unpassend gewesen, war der Großteil der Zuschauer doch ähnlich entsetzt wie ich.

DER Abstiegsgipfel, Karawane, volles Haus, tolle Choreo, Kaiserwetter und dann ein, vor allem in der ersten Halbzeit, derart lebloses Gekicke, ich war, und bin es immer noch, fassungslos.

Bereits vor dem Hannover-Spiel prophezeite ich, der VfB gewänne noch ganze zwei Spiele, nämlich die gegen die beiden hinter uns platzierten Teams. Vor dem Spiel gegen den Club lehnte ich mich weit aus dem Fenster und glaubte gar an einen 4:0-Sieg, einfach weil ich uns zwar schwach, jedoch nicht so schwach wie den Club sah. Auch wenn dieser mit dem Rückenwind des 3:0 gegen den FC Augsburg angereist kam, dem ersten Sieg seit September 2018, glaubte ich lediglich an ein Strohfeuer und war überzeugt davon, dass der VfB, so schwach er sich auch in dieser Saison präsentiert, die Franken überrennen wird.

Doch, weit gefehlt, es fehlten die Mittel, den tief gestaffelten Gegner in Bedrängnis zu bringen. Mehr noch, am Ende durfte man sich bei Ron-Robert Zieler bedanken, dass man nicht ganz mit leeren Händen dastand. Erbärmlich!

Wer jetzt daher kommt und denkt, Leverkusen liege uns besser, weil sie mehr am Spiel teilnehmen, ist für mich ein unverbesserlicher Optimist.

Ich rechne damit, dass uns Leverkusen überrennen wird. Bayer hat zwar seine letzten drei Spiele allesamt verloren, aber, wenn der VfB eines wirklich kann, dann Aufbaugegner. Bayer hat auch nicht gegen irgendwen verloren, sondern gegen drei spiel- und formstarke Teams, Bremen, Hoffenheim und Leipzig, gegen die der Bosz‘sche Hurra-Fußball nach hinten los ging. Da der VfB offensiv so gut wie keine Gefahr entfacht, werden wir sicherlich kein Kapital aus den Abwehrschwächen der Werkself schlagen können. Bayer bietet nämlich durch sein brutales Pressing schon einiges an, nur, man müsste dazu auch hinter ihre Linien kommen, was ich dem VfB in der derzeitigen Verfassung und dem derzeitigen Personal kaum zutraue.

Nach Schalke, Nürnberg und dem VfB haben sich seit dieser Woche auch Hannover 96 und der FC Augsburg in dieser Saison sowohl vom Trainer als auch vom Sportchef getrennt. Alle Mitkonkurrenten wechselten den Trainer in diesem Kalenderjahr, einzig beim VfB wird sich vor der zweiten Trainerentlassung in dieser Saison (noch) gescheut. „Wir ziehen das gemeinsam durch“, so unisono zu hören von Thomas Hitzlsperger und Markus Weinzierl.

Für mich stellt es ein Armutszeugnis dar, dass Weinzierl nur deshalb weiter Dienst tun darf, weil Woche für Woche keine Bewegung im Tabellenkeller ist und dem VfB wohl nach wie vor schlimmstenfalls die Relegation droht.

Rationale Gründe an Weinzierl festzuhalten, fallen mir keine ein. Seine Bilanz ist niederschmetternd (4S, 4U, 13N) und genügten, dieses Missverständnis zu beenden. Weinzierl wirkt noch immer aufreizend distanziert zum VfB und verscherzt es sich mit immer mehr Spielern. Zum einen werden sie öffentlich denunziert, andere sind völlig außen vor, während wieder andere Woche für Woche aufs Neue auf dem Platz herumstümpern dürfen.

Da Weinzierl „sein“ Team gefunden zu haben scheint, dieses jedoch keinen Erfolg verspricht wie man jedes Wochenende aufs Neue vorgeführt bekommt, habe ich in dieser Konstellation keine Hoffnung, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen.

Ob ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch irgendeinen Effekt hätte, kann keiner mit Gewissheit vorhersagen. Für mich wäre er ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Schlussphase der Saison.

Wie diverse Medien im Zusammenhang mit der Mislintat-Verpflichtung berichteten, solle der Trainer für die nächste Saison bereits feststehen. Das würde das Zaudern in der Trainerfrage zwar begründen, nicht jedoch plausibel erklären. Ein Trainer, von dem die Mannschaft weiß, dass er nur noch ein paar Wochen hier ist, verliert automatisch an Autorität, erst recht bei einem solchen Sauhaufen.

Wohl dem Verein, der einen Huub Stevens im Verein hat und diesen als Interimslösung präsentieren kann. So einen haben wir leider nicht. Andi Hinkel hat jüngst die Amateure übernommen und sollte auch nicht verheizt werden und für Jürgen Sundermann‘s Herz wäre dieser Stressjob vermutlich auch nichts mehr. So dürfte Weinzierl allein mangels Alternativen und weniger wegen rationaler Gründe die Saison als VfB-Trainer überleben, es sei denn, es setzt noch eine Klatsche, die zum Handeln zwingt.

Was den Abstieg 2016 angeht, ist man heute so schlau, sich einzugestehen, dass es ein Fehler war, bis zum Schluss an Jürgen Kramny festzuhalten, es wäre aber nicht der VfB, würde man dieselben Fehler nicht immer wieder machen. Am Ende des Tages kann zwar nicht immer der Trainer schuld sein, die Spieler stehen in der Pflicht, doch, auch diese scheinen nach einem neuen Impuls zu lechzen.

Die Kaderzusammenstellung ist unter aller Sau. Noch Reschke hat es im Winter versäumt, eine Alternative zu Daniel Didavi sowie einen torgefährlichen Stürmer zu verpflichten. Beides fliegt uns derzeit um die Ohren, weil an Gomez das Alter zehrt, Gonzalez zwar Einsatzwillen zeigt, ihm die nötige Härte für die Bundesliga aber noch fehlt und weil Didavi nur noch ein Schatten früherer Tage ist. Wenn er denn überhaupt mal einsatzbereit ist, wirkt er, als wenn er mit Medikamenten vollgepumpt sei und offenbart, dass ihm die Fitness komplett abgeht. Mangels kreativer Alternativen muss er sich so der Öffentlichkeit präsentieren, da kann man nur hoffen, dass er nicht eines Tages noch umkippt.

So gibt es für mich derzeit wenig Hoffnung auf noch den einen oder anderen Punkt in den verbleibenden Spielen, so dass einem nichts anderes übrigbleibt, weiter auf die Schwäche der Konkurrenz und einen machbaren Relegationsgegner zu hoffen. Eine desaströse Momentaufnahme für die VfB Stuttgart AG, in die uns die Egoisten vom Aufsichtsrat und auf dem Präsidentensessel da hineinmanövriert haben. Spätestens nach dieser Saison, aus der wir womöglich mit einem blauen Auge kommen, ist Kehrwoche angesagt, denn, auch beim VfB stinkt der Fisch vom Kopf!

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