1. Juni 2019

Delle? Nein, Totalschaden!

Seit Montagabend, 22.20 Uhr, steht es fest, der VfB muss nach 1975 und 2016 zum dritten Mal den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Soviel auch falsch lief in dieser Saison, nicht einmal „das Geschenk“ der Relegation vermochte diese charakterlose Ansammlung von Ich-AGs dankend anzunehmen. Wer es in zwei Spielen nicht schafft, einen Zweitligisten zu besiegen, wer in der regulären Runde gerade einmal 28 Punkte zustande bringt, hat den Klassenerhalt nicht verdient.

Daher hatte ich mich schon früh in dieser Saison damit abgefunden, dass es uns erwischen könnte, so dass sich der Schmerz darüber in Grenzen hält. Ich ging zwar davon aus, dass mich der Schlusspfiff und damit die Gewissheit völlig kalt lässt, dem war dann aber doch nicht so. Unmittelbar danach konnte ich mich jedenfalls mit niemandem austauschen, ohne, Gefahr zu laufen, dass doch ein paar Tränen gekullert wären.

Dem Modus der Relegation (wann schafft man diesen Scheiß endlich wieder ab?) nach gab es in Berlin-Köpenick strikte Fantrennung, (nur) im Gästeblock alkoholfreies Bier und jede Menge schön anzuschauende Pyro-Aktionen. Mit dem besiegelten Abstieg wurde standesgemäß noch eine Rauchbombe gezündet, ansonsten war die Atmosphäre im Gästeblock recht gefasst.

Unschön war es dann, dass die Unioner direkt nach Schlusspfiff die Tore öffneten, ohne dass vorher wenigstens ein Polizisten-Wall vor unserem Block aufgestellt worden wäre. So rannten etliche hässliche Fratzen zu uns herüber, provozierten und warfen Fackeln in unseren Block, mir fällt dazu nur ein Wort ein, asozial!

Abgesehen davon, dass solche Aktionen nicht sein müssen und diese Leute doch besser den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte hätten feiern sollen, flüchteten unsere Spieler sofort in die Katakomben. Ob sie sonst die Eier gehabt hätten und sich von den Fans verabschiedet hätten, weiß man natürlich nicht, ich hätte dem einen oder anderen trotzdem gerne noch ein paar passende Worte hinterhergeworfen.
In Berlin konnte man den Unseren nicht einmal sehr viel vorwerfen. Es war eben ein Spiegelbild der Saison, als uns sehr oft individuelle Patzer auf die Verliererstraße brachten.

So war es dieses Mal Nicolás González, der bei Aogos Freistoß im Abseits stand und das Tor deshalb nach Eingriff des Videoreferees zurecht aberkannt wurde. Anscheinend postiert Union bei vergleichbaren Freistoß-Situationen stets einen Mann auf der Linie, so dass es wohl einstudiert war, wo der junge Argentinier zu stehen hatte. Dumm nur, dass der Union-Keeper Gikiewicz dieses Mal auf diesen Mann verzichtete (er dachte wohl, Aogo trifft das Tor sowieso nicht!) und in unserer Truppe niemand González darauf hingewiesen hat. Es wäre der Start nach Maß gewesen, entsprechend der Jubel im Block, ehe man realisierte, dass die Aktion überprüft wurde.

Danach hatte der VfB Pech, dass er einen Handelfmeter nicht zugesprochen bekam. Auch da bin ich eher beim Schiedsrichter, weil ich wenig von Glückselfmetern halte, wenn einem zufällig der Ball an die Hand springt.

Der Unioner hatte den Ball nicht im Blick, daher wäre der Elfmeter für Union in einem solch wichtigen Spiel äußerst unglücklich gewesen. Auf der anderen Seite aber wird dieser Elfer an anderer Stelle, man denke nur daran, Bayern München wäre beteiligt gewesen, gepfiffen, so dass im Fußball auch nach Einführung des Video-Assistenten von Gerechtigkeit keine Spur ist.

Dennoch machte der VfB in Berlin noch eines seiner besseren Spiele. Wäre man die gesamte Saison über so aufgetreten, wie, seit Nico Willig das Zepter übernommen hat, hätte man den Klassenerhalt wohl direkt geschafft, deshalb sind wir gefühlt auch nicht erst in Berlin abgestiegen, sondern schon viel früher.

Ein Abstieg kommt für mich nicht allein einer Katastrophe gleich, sondern ist auch die Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen und gestärkt zurückzukommen. Dieser Möglichkeit ist der VfB gerade dabei, sich zu berauben.

Der allmächtige Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Dietrich ist der Hauptverantwortliche für das Dilemma, in welchem wir stecken. Er trieb das Thema Ausgliederung mit einer auf Lügen und Illusionen aufgebauten Propagandakampagne voran. Er war es, der mit seinen Zugpferden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Aufstiegseuphorie die Ausgliederung durchbekam, um wenig später, nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, beide fallen zu lassen.

Michael Reschke ließ er sich von den Hoeneß-Brüdern aufschwatzen, womit Uli das Husarenstück gelang, diesen Blender kostengünstig loszuwerden. Reschke wurden blind die Ausgliederungs-Millionen anvertraut, schließlich eilte ihm der Ruf eines Perlentauchers voraus. Wo war das Korrektiv in der AG, was genau hat der Aufsichtsrat beaufsichtigt? Und, wer ist überhaupt DER Aufsichtsrat?
Wie der Rücktritt von Guido Buchwald und dessen Vorwurf, nicht alle im Gremium würden vor schwerwiegenden Entscheidungen in sämtliche Vorgänge eingebunden, zeigt, bestimmen die Politik im Aufsichtsrat andere als die (vermeintlich) Sportkompetenten.

Allen voran Wilfried Porth, der die Kraftverhältnisse in dieser Causa auf der Ehrentribüne veranschaulichte, als er unseren Meisterspieler von 1984 und 1992, Guido Buchwald, in aller Öffentlichkeit zusammenfaltete, worauf dieser verstört das Handtuch schmiss.

Wer meine Kritik an der Ausgliederungspropaganda und am Engagement „vom Daimler“ VOR der Abstimmung noch einmal nachlesen möchte, hier entsprechende Links dazu. http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4188, http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4194. Viele Befürchtungen davon sind eingetreten, vor allem #jazumerfolg klingt angesichts des neuerlichen Tiefpunktes wie Hohn in den Ohren.

Die Kritik zielte damals, abgesehen von der Art und Weise der Propaganda, darauf ab, ob der Daimler wirklich so gut für uns ist, wie man stets weismachen möchte, oder ob er nicht gar ein Bremsklotz ist, dem es „nur“ um darum geht, auch weiterhin das Sagen beim VfB zu haben. Dies ermöglicht ihm nämlich nicht „nur“, einen ihm genehmen Präsidenten aussuchen zu dürfen, sondern auch bei der Sponsorensuche mitentscheiden zu dürfen und somit unliebsame Konkurrenten aus Eigennutz zu verhindern.

Jetzt, nach der Ausgliederung haben wir den Salat! Erst verlängert die Mercedes Benz Bank generös den Trikotsponsoring-Vertrag, dann gibt der Daimler eine Pressemitteilung heraus, dass er dem VfB auch nach dem Abstieg partnerschaftlich zur Seite stehen werde, um kurz darauf vom (von Daimler dominierten) Aufsichtsrat mitgeteilt zu bekommen, dass in der Führungsriege der VfB AG alles beim alten bliebe.

Ernsthaft? Habt Ihr sie noch alle? Wolfgang Dietrich, als Spalter bekannt, hat beim VfB nur eines geschafft, nämlich mittlerweile so gut wie alle gegen sich aufgebracht zu haben. Im Stile eines Patriarchen führt der Sonnenkönig von oben herab. Erst kommt er, dann lange nichts. Wer sich ihm in den Weg stellt oder unbequem wird, fliegt. Da ist es scheißegal, ob man ein harmonierendes Konstrukt auseinander reißt, es geht ja schließlich nicht um den VfB sondern rein um sein eigenes Ego und Machterhalt.

Dietrich trägt vollumfänglich die Verantwortung für den Karnevalsprinzen aus Köln-Frechen, auch wenn die Gremien diese Personalie abgenickt haben und Dietrich stets betont, wie einvernehmlich die Entscheidungen getroffen wurden.

Im Zuge der Ausgliederung hat er den Mitgliedern versprochen, verantwortungsvoll mit den Ausgliederungs-Millionen umzugehen, um sie dann einem Reschke in die Hand zu drücken und von jetzt auf gleich verprassen zu lassen.

Der VfB e. V. hat sich an den Daimler für ein Butterbrot verkauft und steht schlechter da als vor der Ausgliederung. Die immer wieder kolportierten hervorragenden Rahmenbedingungen können sich die Wirtschafts-Fachleute sonst wohin stecken, im Fußball zählt das sportliche Abschneiden und da stehen wir am Abgrund.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Solang der Daimler als Anteilseigner fungiert, wird er „den Präsidenten, den wir wollten“ stützen und das dumme Mitglied hat keine Handhabe mehr, Dietrich, zumindest als Aufsichtsratsvorsitzenden, loszuwerden.

Wenn Dietrich die Proteste gegen ihn lapidar abtut, „Diese Leute brauchen einen Prellbock und das war und ist in Stuttgart nun mal der Präsident“, hat er überhaupt nichts verstanden. „Diese Leute“ sorgen sich um den VfB und müssen mit ansehen, wie ihr Herzensclub zugrunde gerichtet wird, von Leuten, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, und von Sportsgeist und Emotionalität, die im Fußball elementar wichtig sind, keine Ahnung haben.

Dietrich sieht die (fehlende) sportliche Entwicklung als Delle an, nein, Herr Dietrich, ein Abstieg mit einem solch teuren Kader ist der worst case, ein Totalschaden sozusagen!

Dietrich ist weit davon entfernt, ein harmonierendes Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter (und Spieler) gerne beim VfB „arbeiten“. Wenn von oben herab mit der Dampfhammermethode regiert wird, Lügen und Wahrheitsbeugung an der Tagesordnung sind, wie will man da erwarten, dass in der Mannschaft eine andere Stimmung herrscht und sich jeder an Regeln und Abmachungen hält. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der Abstieg, der in erster Linie deshalb erfolgte, weil wir zu keiner Zeit eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die zusammen hielt, ist eine direkte Folge der Führung des Wolfgang Dietrich und, bis vor ein paar Monaten, vom Möchtegern-Trainer Michael Reschke.

Dieser hat die Autorität der Trainer untergraben, indem er ihnen permanent in die Aufstellungen geredet hat. Wie will da ein Spieler wissen, auf wen er zu hören hat, wie will er da noch den Trainer ernst nehmen, wenn dieser doch nur eine Marionette des Sportvorstandes ist. Das hatte bereits Hannes Wolf den Job gekostet.

Bei Hannes Wolf war sicher nicht alles Gold, was glänzte. Mittlerweile bezweifle ich auch, dass er der gute Trainer ist, als den ihn viele ansehen. Trotzdem hat er dem VfB seinerzeit ein Gesicht gegeben, so dass ich mir mit ihm Kontinuität erwünscht hatte.

Mit dem Tag der Schindelmeiser-Entlassung und der Inthronisierung Reschkes aber wurden von jetzt auf gleich Wolfs Pläne konterkariert. Nicht nur der von Schindelmeiser/ Wolf angezählte Kapitän Christian Gentner wurde von Reschke umgehend heilig gesprochen, nein, anstatt jungen entwicklungsfähigen Spielern, die besser zu machen Hannes Wolf in seinem Element war, wurden alternde und teure Ex-Nationalspieler verpflichtet, mit denen Wolf weniger anzufangen wusste, die aber spielen mussten, weil Reschke sie ja schließlich mit üppigen Verträgen ausgestattet hat. Wenn dann die Chemie zwischen Trainer und Sportdirektor vom ersten Tag an nicht stimmt und Letzterer bestimmt, wer zu spielen hat, ist das Ende einer solchen Konstellation absehbar.

Ob mit dem von Schindelmeiser zusammengestellten Kader (er war ja zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht fertig!) und Hannes Wolf alles besser geworden wäre oder wir nicht schon letztes Jahr abgestiegen wären, ist natürlich hypothetisch. Fakt ist, dass eine ausbaufähige Euphorie vorhanden war und „das schwierige Umfeld“ jungen Spielern eher Fehler zugestanden hätte, wie erfahrenen Recken.

Das für mich noch immer der Kardinalfehler. Mit der Verpflichtung von Reschke verließ der VfB den Weg der Vernunft und wollte den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Bei meinen Ausführungen vor der Ausgliederung spielte auch eine Rolle, dass ich wenig damit anfangen kann, wenn die Gehaltskosten explodieren, wir jedoch keinen besseren Fußball dafür sehen. Auch das ist eingetreten, der VfB hatte 2018 mit knapp 84 Millionen Euro den siebthöchsten Etat der Liga und steht mit 10,8 Millionen Euro ausgegebenen Beraterhonoraren ebenfalls an siebter Stelle des Oberhauses. Hier stimmen Aufwand und Ertrag in keinster Weise. Wenn ich höre, dass ein Mario Gomez 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll und Holger Badstuber nur ein bisschen weniger, rollen sich mir die Fußnägel auf. Da stets betont wird, dass die Verträge auch für die 2. Liga gelten, dürfte die Ära Reschke auch in der 2. Liga wie ein Damokles-Schwert über uns schweben.

Der Größenwahn eines Reschke, den Dietrich zu verantworten hat, hat uns nun dahin gebracht, wo wir stehen. Noch im Winter hat es Reschke versäumt, die größten Baustellen im Kader zu beheben, bspw. einen treffsicheren Stürmer zu holen. Geleitet vom Leitsatz des Nachbarn mit dem Stern „das beste oder nichts“ holte er lieber niemanden, weil kein Top-Club bereit war, einen Top-Mann, mitten in der Saison, zu Top-Konditionen abzugeben. Ein Zweit- oder Drittligatorjäger mit einem Lauf hätte sich hinter Gomez und González bestimmt nicht zu verstecken brauchen, und wäre vermutlich einfacher zu haben gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, es ist, wie es ist, nur, personelle Konsequenzen auf verantwortlicher Ebene bleiben aus.

Wer bitteschön soll denn die Verantwortung für Reschke übernehmen, wenn nicht Dietrich? Er kann sich nicht damit herausreden Hitzlsperger und Mislintat geholt zu haben, die nun den Scherbenhaufen aufkehren müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und kommt einer Kriegserklärung gleich, wenn die Herren jetzt verkünden, wir seien ja bestens aufgestellt und es ändere sich demnach nichts.

In den letzten Tagen wurde publik, dass Reschke wohl nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen wurde, weil er Weinzierl damals entlassen wollte, Dietrich aber nicht. Auch das eine fatale Fehleinschätzung Dietrichs und wohl der einzige lichte Moment Reschkes während seiner Amtszeit beim VfB! Aus dem Wintertrainingslager sickerte seinerzeit durch, wie inkonsequent Weinzierl beim Sanktionieren von Disziplinlosigkeiten war und dass er damals schon große Teile des Teams gegen sich aufgebracht hatte.

Deshalb hätte Weinzierl bereits im Januar, spätestens aber nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen werden müssen. Da dies nicht geschah und Dietrich sein Veto einlegte, musste der arme Thomas Hitzlsperger die Angelegenheit bis zum Offenbarungseid von Augsburg durchziehen, ob er wollte oder nicht.

Dietrich hat hoch gepokert und verloren. Ein Mann mit Charakter und Anstand würde das erkennen und seinen Hut nehmen. Doch weit gefehlt, beide Attribute darf man bei Dietrich nicht erwarten, wenn man sich seine Vita vor Augen führt.

Die Erklärung des Aufsichtsrats lässt mich fassungslos zurück. Was der VfB jetzt bräuchte, wäre eine Aufbruchstimmung wie anno 2016. Die Fans sind das Kapital eines Vereins (gut, erkläre das mal einem Wirtschaftsboss…). Da Dietrich nicht ehrenvoll abtreten wird und der Aufsichtsrat einen Teufel zu tun scheint, auf die Stimmung des Umfeldes zu hören, fragt man sich, was man als einzelner Fan, oder besser, als Fanszene tun kann, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Von der Mitgliederversammlung am 14.07. verspreche ich mir wenig, diese wird Dietrich aushalten, den Aufsichtsrat tangiert sie sowieso seit der Ausgliederung nicht mehr.

Was beim VfB fehlt, ist eine echte Opposition, die das Zeug dazu hat, für einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten die nötigen 75% zusammenzubekommen, selbst, wenn die Vereinsführung jegliches Stimmvieh ködert, um genau das zu verhindern.

Dazu bedürfte es eines Gegenkonzeptes und einen geeigneten Kandidaten, der zur Wahl antreten würde. Mir fallen dazu spontan Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann ein, die regelmäßig mit dem VfB in Verbindung gebracht werden, für konzeptionelles Arbeiten stehen und die Mitglieder hinter sich bringen könnten.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fanszene jetzt reagiert und ob sich der Ton und Umgang miteinander weiter verschärft. Ein zweites Hannover 96 will, glaube ich, momentan niemand. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch unerträglich, wenn die Herren mit diesem „Stil“ durchkommen sollten. Irgendeine Form von Boykott muss man wohl in Erwägung ziehen, Stimmungsboykott, Dauerkartenboykott, Merchandise-Boykott, was auch immer. Ich habe ihnen schon einmal Mitgliedsausweis und Dauerkarte vor die Füße geworfen, 1998, als Winfried Schäfer als Trainer vorgestellt wurde.

Da in der AG eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sind wir in der derzeitigen Konstellation verloren. #miteuchkeinwir Diese Herren würden sich wohl auch noch auf die Schultern klopfen, wenn wir in die 3. Liga abgestiegen wären, nur noch 25.000 Zuschauer im Schnitt kämen, die Rahmenbedingungen ihrer exklusiven Ansicht nach weiterhin stimmen und der Rasen auf dem Trainingsgelände schön grün ist.

Wenn man jüngst mitbekommt, dass als letzter Bundesligist Werder Bremen das Namensrecht an seinem Stadion an einen Sponsor verkauft hat und jährlich drei Millionen Euro dafür einstreicht, wir jedoch vom Daimler gerade einmal 666.000 Euro erhalten, unterstreicht das einmal mehr, wie der mächtige Partner den VfB über den Tisch zieht.

Ob es jemals jemanden beim VfB geben wird, der Tacheles mit dem Daimler spricht und nicht vor ihm kuscht, ich bezweifle es. Die Einlage, die nach der Ausgliederung floss, macht es jedenfalls ungleich schwieriger, frei und unabhängig entscheiden zu können, für wen und was man werben möchte, völlig egal, welch hoch dotiertes Angebot einem durch die Lappen gehen könnte. Somit dürften wir weiter der Musik hinterherhinken, und das wegen und nicht trotz der Ausgliederung.

Am besten, wir zahlen den Daimler aus und stellen alles auf Anfang 2016. Zugegebenermaßen utopisch zwar, wäre aber, dank beträchtlicher Transfereinnahmen wohl trotz des Abstiegs zu stemmen. Darauf könnte man als vernünftiger Verantwortlicher beim VfB, der dem Daimler nicht verpflichtet ist, zwar selbst kommen, doch dafür müsste das Wohl des VfB an erster Stelle kommen und nicht der Erhalt seines eigenen Pöstchens. Daher werden wir uns eher damit abfinden müssen, dass sich bis zur Neuwahl des Präsidenten 2020 nichts grundlegend verändern wird.

Der VfB gehört runderneuert. Vom Präsidenten, über die Vorstände (Hitzlsperger ausgenommen), den Aufsichtsrat bis hin zum Catering, es ist doch alles eine Katastrophe.

Ein Heim, dessen Milchmädchenrechnungen von den Ausgliederungsdebatten mir heute noch in den Ohren klingen oder Röttgermann, der mit einer peinlichen Marketing-Kampagne nach der nächsten ums Eck kommt und deren Mails, angesichts der Fülle, bei mir schon im Spam-Ordner landen.

Bestes Beispiel und reine Verarsche ist das Ur-Trikot. Als es herauskam, für knapp unter 100 Euro, wurde es mit „limitiert“ beworben. Ich fragte mehrmals beim VfB nach, auf wie viel Stück das Trikot denn limitiert wäre, worauf man eine Antwort schuldig blieb.

Also sagte ich schon damals, das kann auch auf 500.000 Stück limitiert sein und dass ich es mir höchstens dann holen würde, wenn es verramscht wird. Und, siehe da, kürzlich erwarb ich es, überraschenderweise waren noch Größen bis 5XL erhältlich, in 3XL für 30 Euro. Vielleicht wird es ja noch günstiger, aber, dann lamentiere ich nicht herum, 30 Euro ist mir der Fetzen wert.

Wer mir bei dem ganzen Theater Leid tut, sind Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unser neuer Trainer Tim Walter. Gerade die Neuen müssen sich doch zunächst wie in einem Irrenhaus vorkommen. Ihnen wäre ein harmonisches Umfeld und die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten, um den VfB wieder in die Spur zu bringen, zu wünschen. Diese Ruhe ist derzeit nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz gilt es nach vorne zu schauen und binnen kürzester Zeit einen aufstiegsfähigen auf die Beine zu stellen. Ich persönlich möchte die Allermeisten der Absteiger nicht mehr im Brustring-Trikot sehen, weil sie es nicht wert sind!

Solang Thomas Hitzlsperger sich nicht geäußert und Abgang oder Verbleib einzelner Spieler verkündet hat, ist es müßig, sich mit Treueschwüren und Ausstiegsklauseln auseinander zu setzen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Spieler trotz Ausstiegsklausel geblieben sind, diese Hoffnung habe ich bei Kempf und Kabak, die die Presse schon bei anderen Vereinen sieht. Pikanterweise gerade diese beiden Genannten bei S04, wo sich Reschke sein Insiderwissen um die Vertragsmodalitäten zunutze machen könnte, was einmal mehr seinen Charakter offenbaren würde.

Außer diesen beiden genannten fielen mir noch Timo Baumgartl mit Potential eine neue Identifikationsfigur zu werden, Borna Sosa, Ascacíbar und Jens Grahl ein. Dazu Blutauffrischung von außen sowie der eine oder andere aufrückende der U19. Ob die bislang verliehenen Kaminski und Mangala bleiben werden, wird sich zeigen. Beide wären jedenfalls, was den Abstieg angeht, unbelastet.

Wie unsere (sportliche) Führungscrew mit Holger Badstuber und Mario Gomez umgeht, dürfte interessant werden. Beide wurden von Reschke mit horrend dotierten Rentenverträgen ausgestattet, so dass sie freiwillig einen Teufel tun dürften, auf sehr viel Geld zu verzichten und zu wechseln. Sollte Walter mit diesen in die Jahre gekommenen und langsam gewordenen Auslaufmodellen nichts anfangen können, wird es wohl auf ein Modell Ibišević hinauslaufen, das uns noch einige Jahre belasten dürfte. Sollten beide mangels Alternativen ihre Verträge beim VfB aussitzen, gehen sie wohl in die Annalen als bestbezahlte Zweitligaspieler aller Zeiten ein.

Wie die BILD-Zeitung vermeldete, erhält Christian Gentner keinen neuen Vertrag mehr, was ich begrüßen würde. Schließlich ist er die einzig verbliebene Konstante der letzten zehn Jahre und für Stimmung und Leistungsbereitschaft des Kaders während dieser Zeit nicht unerheblich mitverantwortlich. Solang diese Personalie aber nicht vom VfB bestätigt wird, halte ich mich mit Gefühlsausbrüchen deswegen zurück.

Fakt ist, dass der Fußball, der uns in den letzten Jahren, Ausnahme die kurze Ära Zorniger, zugemutet wurde, weder schön anzusehen noch erfolgversprechend war. Zu statisch, zu behäbig, kein Mut, keine Schnelligkeit, kein Plan, da Tim Walter, was man so hört, für einen völlig anderen Fußball steht, sollten Hitz und Mislintat den Mut haben, rigoros auszumisten, auch wenn es Abfindungen kostet und der eine oder andere Spieler unter Wert verkauft werden muss.

Es geht jetzt darum, eine Mannschaft mit hungrigen Typen und Charakter aufzubauen. Zusammenhalt ist im Mannschaftssport so wichtig, dieser war in der Abstiegssaison nicht vorhanden und deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen.

Man darf gespannt sein. Im Grunde müssten jetzt bis zum Trainingsauftakt nahezu täglich Personalentscheidungen verkündet werden. Ich wünsche Hitzlsperger und Mislintat und nicht zuletzt uns ein gutes Händchen.

Zunächst einmal geht es morgen für unsere U19 in der Andrea Berg Kampfbahn (Copyright by Philipp Maisel) zu Großaspach um das Double. Gegner ist die U19 von Borussia Dortmund, ein echtes Brett.
Unsere Jungs haben beim Pokalsieg in Babelsberg gegen Leipzig gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenerhalt möglich ist, so dass ich optimistisch bin, auch morgen jubeln zu dürfen.

Wir Allesfahrer, die nach Abwechslung lechzen, hoffen aus zweierlei Gründen auf den Titel. Nicht nur, dass es nach 2005 mal wieder an der Zeit wäre, nein, mit dem Titel wären die Jungs für die UEFA Youth League qualifiziert, womit in der nächsten Saison endlich mal wieder internationale Touren auf dem Programm stehen würden, was ein schönes Kontrastprogramm zum wohl eher tristen Zweitligaalltag wäre. Also Jungs, go, get the cup!

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26. Mai 2019

Schwätzer!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:03

Nach dem 2:2 im Relegationspokal-Hinspiel gegen den 1. FC Union Berlin legte sich die Altherrenriege um Christian Gentner und Mario Gomez gleichermaßen mit Teilen der Fans an.

Völliges Unverständnis herrschte über die Unzufriedenheit vieler, hielt man sich durch das Ergebnis doch fürs Rückspiel noch alle Chancen offen. Gomez meinte, 2019 sei es nicht mehr so, dass man einen Zweitligisten 3:0 putze, von mir hinein interpretiert möchte er uns damit signalisieren, dass wir doch gefälligst zufrieden sein sollen, mit dem was sie uns bieten, und am besten die Klappe halten sollen. Oder, anders ausgedrückt, er möchte, bis Montag Zeit zu gewinnen.

In einer Saison, vor der Präsident Wolfgang Dietrich vollmundig erklärt hat, er halte gerade seine letzte Rede, in der die Abwärtsspirale der letzten Jahre eine Rolle spiele, dass man dritte Kraft in Deutschland werden wolle, erwartet ausgerechnet Gomez, der beim VfB dem Vernehmen nach soviel „verdient“, wie kein anderer je zuvor, diesen hohen Preis aber nie zu rechtfertigen wusste, dass wir die Protagonisten in Ruhe lassen sollen.

Der VfB spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, hat das erste Relegationsspiel vergeigt und wirkt in seiner Selbstwahrnehmung noch immer so, als hätten wir den 25. Spieltag und noch genug Zeit, die Dinge wieder gerade zu rücken.

Welchen vernünftigen Grund gibt es denn, auch jetzt, eine Minute vor zwölf, noch die Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass es diese scheiß Truppe schon irgendwie richten wird? Schließlich haben wir lediglich die Chance auf den Klassenerhalt, weil Nürnberg und Hannover 96 noch schlechter waren und diese ungerechte Relegation überhaupt wieder eingeführt wurde. Mit 28 Punkten wäre einzig und allein der Abstieg verdient.

So aber darf man sich noch an den Strohhalm Relegation klammern und geht diese an, als ob man noch zehn Spiele Zeit hätte. Man darf sich bei Zieler bedanken, dass wir überhaupt noch im Rennen sind. Da soll man dann noch applaudieren und darauf vertrauen, dass es dieser Sauhaufen im Rückspiel schon richten wird? Never!

Ich für meinen Teil komme noch aus einer Zeit, in der es keinen Dauer-Singsang der Ultras gab. Früher hat man sein Team unterstützt, mal stimmte der eine ein Lied an, dann ein anderer, und wenn am Ende des Tages die Leistung gestimmt hat, hat man geklatscht, wenn nicht, gepfiffen und, wenn es beschämend war, wurden gegnerische Ballstafetten mit frenetischem Beifall bedacht und das eigene Team verhöhnt. Die Männer damals haben das ausgehalten!

Die Profigeneration heutzutage, weiß doch überhaupt nicht mehr, wie gut es ihr geht. Früher, in zugigen und zu einem Viertel gefüllten Stadien, mussten sich die Spieler die Zuneigung erst verdienen, während heute in Hightech-Tempeln 90 Minuten lang dauersupportet wird, und das, wo die Darbietungen mit Fußball schon lange nichts mehr zu tun haben.

Wenn dann schrille Misstöne kommen, spielt man beleidigte Leberwurst, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen und es das nächste Mal besser zu machen. Mimosen allenthalben und gerade die sollen uns retten? Ich schrieb es schon Anfang des Jahres, wir haben nur diese eine „Mannschaft“ und mit der sind wir wohl hoffnungslos verloren!

Das Unheil dieser Saison begann bereits am 18. August in Rostock, als man beim Drittligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals ausschied. Gomez sah die Gründe für die Niederlage in einem Spiel fast ohne VfB-Torchance so „Wir müssen den Kopf oben behalten und einfach hungriger darauf sein, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Vielmehr kann man der Mannschaft nicht vorwerfen“. Dennis Aogo meinte unter anderem „Wir werden aus dem Spiel definitiv unsere Lehren ziehen„.

Ok, schauen wir auf Mainz, erster Bundesligaspieltag. 0:1-Niederlage, Tayfun Korkut beschwichtigte „Wir sind in einer Entwicklungsphase, die Zeit braucht und noch nicht abgeschlossen ist.“ Die Liga sei extrem eng und bis zum letzten Spiel ein Marathon, und verwies auf die Aufholjagd in der Rückrunde der Vorsaison.

Nach der Niederlage gegen die Bayern hörte Christian Gentner sich dann so an „Wir müssen nun kritisch mit uns sein, aber auch sachlich bleiben. Beim nächsten Spiel in Freiburg wollen wir dann einen anderen Auftritt zeigen.“.

Zwischen Bayern und Freiburg folgte die Länderspielpause, in der man bereits den Trainer hätte wechseln müssen, gaben doch schon die Vorbereitung und die ersten drei Pflichtspiele darüber Aufschluss, dass Korkut mit der von Reschke zusammengekauften Truppe nichts anfangen konnte.

Nach dem ersten Punktgewinn in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zeigte sich Korkut fast schon euphorisch. „Den Punkt aus Freiburg wollen wir am Freitag mit einem Dreier vor unseren Fans veredeln“, hieß es.

Neben einer guten Grundstimmung in der Kabine und einer innerhalb der Mannschaft herrschenden Homogenität zieht der Trainer auch aus der Reaktion seines Teams nach dem frühen Rückstand im baden-württembergischen Duell beim SC Freiburg viel Positives. Im Breisgau habe sich der VfB mit fantastischen Fans und viel Unterstützung zurückgekämpft.

„Fakt ist, dass wir drei Tore geschossen, viele positive Momente gehabt und einen Punkt aus Freiburg mitgenommen haben. Darauf wollen wir aufbauen und mit einem Sieg den nächsten Schritt machen.“ Den Fakt, dass der VfB nach der Freiburger Großchance zum 2:0 mausetot gewesen wäre, verschwieg der Deutsch-Türke geflissentlich.

Gegen Düsseldorf habe dann die Effektivität gefehlt und man habe „ein paar Konterchancen zugelassen“. In Wirklichkeit war der VfB mit dem 0:0 sehr gut bedient, hätte Zieler nicht einen absoluten Sahnetag gehabt, wäre dieser Abend richtig bitter geworden.

Nach diesem Spiel traf ich unseren Zeugwart „Meuschi“ im Bus und fragte lediglich, was los sei mit dem VfB. Als er dann mit der überzogenen Erwartungshaltung kam, fiel ich völlig vom Glauben ab.

Mit derartigen Statements könnte ich endlos weitermachen, sie gleichen sich alle. Immer der Verweis aufs nächste Spiel mit der Beruhigungspille, „wir sind auf einem guten Weg“. Offene Selbstkritik, härtere Saiten, Schluss mit der Wohlfühloase, Fehlanzeige. Alle auf dem Wasen leiden unter Realitätsverlust.

Nach dem Offenbarungseid von Hannover, als die „Mannschaft“ Korkut endgültig im Regen stehen ließ, kam Markus Weinzierl. Dieser hatte zunächst das Alibi, dass sein Auftaktprogramm so schwer war.

Da aber Weinzierl selbst schneller in die Kritik geriet, als er schauen konnte, war die „Mannschaft“ wieder fein raus und es ließ sich wunderbar darauf ausruhen.

War Korkut zu lieb und tat das, was man bei diesem charakterlosen Haufen tunlichst unterlassen sollte, nämlich ihnen zu vertrauen und somit sein Schicksal in ihre Hände zu legen, war Weinzierl von Anfang unbeliebt.

Akribischer Arbeiter zwar, der bei einer Profimannschaft gewisse Dinge voraussetzt, die er beim VfB nicht vorgefunden hat. Einen homogenen Kader und eine gewisse Professionalität der Spieler zum Beispiel.

Als er merkte, dass dem nicht so ist und es selbst mit den Grundtugenden bei diesem Sammelsurium von Ich-AG’s weit her ist, war er bereits verbrannt. Er versuchte zwar, die Zügel anzuziehen, ließ dabei jedoch eine klare Linie vermissen.

Die einen sanktionierte er schön öffentlichkeitswirksam und ließ sie vor aller Augen ihre (Straf-)Runden drehen, während er bei anderen Verfehlungen bewusst weg sah oder sie zumindest unter der Decke hielt. Somit war er der Gruppe gegenüber weder konsequent noch gerecht und hätte viel früher entlassen werden müssen.

Nico Willig kam also zu spät, so dass ihm nichts blieb, außer für die letzten Spiele den Pokalmodus auszurufen und zu versuchen, die Relegation zu erreichen.

Es ist hypothetisch, darüber zu schwadronieren, wo wir stehen würden, hätte man Weinzierl bereits im Januar den Laufpass gegeben. Schlechter jedenfalls würden wir mit Sicherheit auch nicht da stehen.

So kann Willig gerade noch den Scherbenhaufen verwalten und auf das Gute im Profi hoffen. Am besten er geht heute noch in die Kirche und zündet eine Kerze an, dass er sich auf diese Truppe wirklich verlassen kann, bezweifle ich nämlich.

Wie beim Kapitän wird die größte Sorge der meisten sein, wo sie unterkommen und wo es noch mehr zu „verdienen“ gibt, anstatt sich wenigstens einmal in dieser Saison bedingungslos reinzuhängen und Herz zu zeigen.

Mario Gomez wurde für den Vorbericht des Relegationsspiels von Eurosport gefragt, ob denn jeder verstanden habe, worum es jetzt geht, vor einem Relegationsspiel wohlgemerkt. Er rang bei der Suche nach einer ehrlichen Antwort zuerst nach Worten, um dann ein zaghaftes „ich glaube schon“ herauszulassen.

Sehr beruhigend und genau das widerspiegelnd, was wir im Hinspiel zu sehen bekamen. Eine auch gegen den Zweitligisten verunsicherte Truppe, die sich nicht mal recht konzentrieren kann, wenn ihr (und vor allem dem VfB) das Wasser bis zum Hals steht.

Als ich dann am Samstag in der Stuttgarter Zeitung am Rande der Berichterstattung zum Pokalsieg unserer U19 (herzlichen Glückwunsch, well done, Jungs!) folgenden Abschnitt über Statements von Thomas Hitzlsperger las, frage ich mich, ob die ganze AG überhaupt verstanden hat, um was es geht:

“Es sei nicht immer leicht gegen einen Zweitligisten antreten zu müssen, weil man diese Teams nicht so gut kenne wie jene aus der ersten Liga, sagte Hitzlsperger am Freitagabend unserer Redaktion: „Aber jetzt wissen wir endgültig, was auf uns zukommt und können die Dinge bei Union vielleicht ein bisschen besser einschätzen. Das ist eine kompakte Truppe, die kämpferisch extrem stark ist und mit viel Leidenschaft spielt.“

Was bitteschön sind denn das für Aussagen? Im Jahre 2019 in einer immer gläsernen Welt und mit TV-Fußball rund um die Uhr muss man das Hinspiel über sich ergehen lassen, um zu erkennen, mit welchem Gegner man es zu tun hat? So sehr ich Hitz schätze, aber hier erweckt er den Eindruck, irgendwelche bösen Kräfte hätten ihn fünfzig Jahre in die Vergangenheit gebeamt.

Obwohl der Relegationsplatz seit Dezember in Stein gemeißelt war, schien man sich nicht ernsthaft mit der drohenden Relegation auseinandergesetzt und gar einen der möglichen Gegner beobachtet zu haben. Mit was für einer unangebrachten Hochnäsigkeit ging man diese Aufgabe bitteschön denn an? Da fehlen mir die Worte und bekanntlich kommt Hochmut ja vor dem Fall.

Das Spiel gegen den 1. FC Union war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Wenig spielerische Linie, viel zu langsam im Spielaufbau und hinten offen wie ein Scheunentor.

Einzig Donis’ Antritt, als es wirklich einmal schnell ging, bescherte uns die Führung, um 70 Sekunden später zu pennen und sich den Ausgleich einzufangen. Im Stadion habe ich dieses Tor gar nicht gesehen, war ich doch noch mit dem Abklatschen meiner Nebenleute beschäftigt.

Die erneute Führung durch Gomez, mehr Zufallsprodukt denn erzwungen, glichen die Unioner nach einem Eckball aus. Beide Gegentore spiegelten die Anfälligkeit der Unseren wider und waren einmal mehr nicht bundesligatauglich.

Bundesligatauglich an diesem Donnerstagabend war einzig und allein die Kulisse. Ausverkauftes Haus an einem lauen (fast schon) Sommerabend, eine Lautstärke im Stadion, wie ich sie seit der Meisterschaft kaum mehr im Neckarstadion erlebt habe.

Ein hervorragender Rahmen, selbst in der Untertürkheimer Kurve und bei uns auf der angrenzenden Haupttribüne Seite wurde viel gestanden und supportet. Das schwierige Umfeld wollte, kann aber den Ball leider nicht selbst ins Tor schießen.

Auch der Union-Block konnte beeindrucken. Zunächst einmal war ich überrascht, dass nicht das komplette Gästekontingent abgerufen wurden, doch auch die, die kamen, legten einen super Auftritt hin, sowohl optisch als auch akustisch.

Das Feld war bereitet, die Fans bereit zur Versöhnung. Zu Beginn der Halbzeiten war jeweils noch ein Plan und ein gewisser Wille erkennbar, ein Indiz dafür, dass Willig die richtigen Worte fand und sich die Spieler diese auch einige Minuten lang merken konnten. Mit zunehmender Spieldauer aber wurde Union Berlin mutiger und ein Klassenunterschied war immer weniger erkennbar.

Dass es dann zu ersten Unmutsbekundungen kommt, ist doch allzu verständlich. Die Spieler, die sich darüber beklagen verwechseln offensichtlich Aktion und Reaktion. Hätte das Team einen ordentlichen Auftritt hingelegt, hätten sie keinen Grund zu missmutigen Reaktionen geliefert und man würde man sie vermutlich feiern, so aber, bekommen sie völlig zurecht ihr Fett weg.

Ich habe keinerlei Verständnis dafür, wenn sogenannte Führungsspieler nach einem Spiel, bei dem es laut wie lange nicht war, „die Stimmung“ kritisieren, weil ihnen beim Gang in die Kurve einzelne Gesten nicht gefielen.

Ist denen überhaupt bewusst, welche Scheiße wir uns nun schon ein Jahr lang anschauen? Dass das Preis-Leistungsverhältnis bei Ihnen überhaupt nicht stimmt? Die sollen weniger labern und mehr liefern! Gerade Gentner und Gomez hinken doch den Ansprüchen meilenweit hinterher.

Gentners größte Sorge derzeit ist, dass sein Vertrag wohl zurecht nicht mehr verlängert wird, während Gomez mit allem hadert, mit seinen Mitspielern aber auch mit sich selbst.

Der Fußball ist in den letzten Jahren athletischer geworden, Bundesliga-Stammspieler werden immer jünger, so dass man mittlerweile mit 33, 34 Jahren mehr denn je zum alten Eisen gehört.

Diese Spieler mit Führungsanspruch, die nicht mit Leistung vorangehen (können), werden die Kohlen für uns nicht aus dem Feuer holen. Sollte Willig keine Eingebung in diese Richtung bis zum Spiel bekommen, sehe ich schwarz.

Durch das Kritisieren der eigenen Fans haben Gentner und Gomez zudem ein unnötiges Fass aufgemacht und die Truppe zusätzlich unter Druck gesetzt. Die eine oder andere Geste, der seit langem schwelende Konflikt zwischen „Mannschaft“ und Fans und die allgemeine Wut über die Darbietungen der ganzen Saison lassen erahnen, was im Falle des Abstiegs los sein dürfte.

Es gibt nicht wenige, die ausnahmslos alle nach dieser Saison nicht mehr im Brustring-Trikot sehen wollen, so dass zu befürchten ist, dass es eskaliert, sollte der VfB am Montagabend abgestiegen sein. Da dies den meisten Spielern bewusst sein wird, ist zu befürchten, dass jeder einzelne zusätzlich einen schweren Rucksack mit sich herumträgt und Leichtfüßigkeit nicht zu erwarten sein wird.

Wie die Weicheier, die nur dann Gefühle zeigen, wenn es ihnen selbst an den Kragen könnte, mit diesem Druck umgehen, werden wir sehen. Ich traue es ihnen nicht zu und sehe jetzt schon elf Nervenbündel über den Fußballplatz der Alten Försterei taumeln.

So liegt es für mich völlig allein am 1. FC Union, ob dieser die Nervenstärke besitzt, seinen Weg zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Gelingt es, den Ausfall seiner Gelbgesperrten zu kompensieren und wie im Hinspiel seine Chance nach vorne zu suchen, dürfte es nach den letzten Eindrücken nur einen Sieger geben, nämlich den 1. FC Union.

Beim VfB fällt es mir schwer, jemanden auszumachen, der für uns die Kohlen aus dem Feuer holen könnte. Weltmeister Pavard patzte ebenso wie der erfahrene Insúa, Kabak lieferte sein bislang schwächstes Spiel im VfB-Trikot ab, Castro leistete sich ungewöhnlich viele schlampige Zuspiele, während bei Donis wiederum Licht und Schatten ständig wechseln und er nach einem gelungenen Sprint diesen am liebsten bis zum Schlusspfiff feiern und den weiteren Dienst einstellen würde.

So holt uns Verlauf und Bewertung der bisherigen Spiele auch in den Relegationsspielen wieder ein. Ständig bekamen wir gute Phasen vorgerechnet, an die es anzuknüpfen gelte, kein einziges ordentliches und über 90 Minuten konzentriert gestaltetes Spiel konnte verzeichnet werden. Zudem gelang erst ein einziger Auswärtssieg, während Union nur eine Heimniederlage zu beklagen hat.

Warum zum Teufel soll im allerletzten Spiel alles besser werden, was in 36 Spielen nicht funktioniert hat?

Diese jämmerliche Ansammlung von Egoisten, denen das Wohl des VfB nicht annähernd so wichtig ist wie uns? Ein Trainer, der keine andere Möglichkeit hat, sich in Floskeln zu üben (angeschlagener Boxer), ein Sportdirektor, der Union vor dem Hinspiel nicht einzuschätzen wusste oder doch der Präsident (Ohne Optimismus geht es nicht; Berlin hat jetzt auch Druck!).

Alles Blabla, wie es uns bereits die gesamte Saison über begleitet, nur Durchhalteparolen. Kein Vertrauen in die (nicht vorhandene) eigene Stärke, nur Hoffen, Bangen, Zeitgewinnen, um sich am Montag möglichst schnell und ohne sich zu stellen, in den Urlaub zu verabschieden. Egal, wie es ausgeht, Hauptsache die eigene Haut retten.

Ich habe keine große Hoffnung mehr für morgen. Klar muss der VfB “nur” bei einem Zweitligisten gewinnen, um auch nächstes Jahr Bundesliga spielen zu dürfen. Da wir uns aber weiterhin schwer tun, Torchancen zu kreieren und hinten zu jeder Zeit für einen Lapsus “gut” sind, sehe ich uns keinen Deut besser aufgestellt, als beim Pokalspiel in Rostock. Mit unserem behäbigen Fußball und der Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne, beißt man sich an jeder gut organisierten Mannschaft in den ersten drei Ligen die Zähne aus. Daher lasse ich mich von den neuesten Durchhalteparolen auch nicht mehr einlullen und würde es eher als Sensation ansehen, wenn wir nicht absteigen. Schaun mer mal, bitter, bitterer, VfB!

#Dietrichraus

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23. Mai 2019

Willkommen zu den Relegationsfestspielen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 05:02

Das Auslaufen auf Schalke war erwartungsgemäß ein Muster ohne Wert. Wie zu vermuten war, ließ Nico Willig sämtliche mit vier gelben Karten vorbelastete Spieler draußen und änderte die zuletzt eingespielte Formation auf sechs Positionen. Da der Kick auch für Schalke lediglich Abschiedsspiel-Charakter von Huub Stevens und Sascha Riether besaß und sich keiner mehr vor der Sommerpause verletzen wollte, entwickelte sich ein müder Sommerkick, bei dem der VfB die bessere Spielanlage zeigte. An einem mit 41 Toren rekordverdächtigen letzten Spieltag quälten sich die Protagonisten dieses Kicks zu einem 0:0 und deckten noch einmal schonungslos auf, weshalb beide in diesem Jahr in der Abstiegsregion zu finden sind.

Wenn man den Rahmen dieses Aufeinandertreffens sah, konnte man noch froh sein, dass es nicht das vor Wochen propagierte Abstiegsendspiel wurde. Aus beiden Fanszenen war alles am Start, was Rang und Namen hatte. Die Fanbetreuung hatte ich selten so gestresst gesehen wie am Samstag. Da wir über Malle und Düsseldorf mit dem Zug anreisten, durften wir uns in den Viehtrieb am Gelsenkirchener Hauptbahnhof einreihen. Dort standen etwa zehn Busse für Gästefans bereit. Die unmissverständliche Ansage der Polizei lautete, an alle Stuttgarter, also nicht „nur“ Ultras und Hools gerichtet, man habe als Stuttgarter genau zwei Möglichkeiten, entweder sich in einen der Busse zu quetschen oder in den Zug zurück nach Stuttgart gesetzt zu werden. Menschenrechte werden an Spieltagen eben schon mal ausgesetzt.

Die nord-rhein-westfälische Polizei in Bestform. Diese wurde zuletzt in Bezug auf mehrere Fußballspiele, exemplarisch KFC Uerdingen-Hansa Rostock, heftig kritisiert, unverhältnismäßig vorgegangen zu sein und auch am Samstag hätte wohl ein einziger Böller oder eine Beamtenbeleidigung ausgereicht, um mit ihren Knüppeln und Tränengas Bekanntschaft zu machen.

Gut, dass seitens der VfBler alles, zumindest soweit ich es mitbekam, diszipliniert ablief und man den Bullen keine Plattform geboten hat, sich auszutoben. Motiviert bis in die Haarspitzen waren sie allem Anschein nach.

Das Schonen von Leistungsträgern sehe ich zwiespältig. Zum einen flögen Willig bestimmt Vorwürfe um die Ohren, hätte einer der Vorbelasteten sich eine Sperre fürs Relegations-Hinspiel eingehandelt, zum anderen birgt diese Vorgehensweise aber auch die Gefahr, aus dem Rhythmus zu geraten, gerade, wenn es sich um eine solch fragile Truppe wie den VfB derzeit handelt.

Im Großen und Ganzen gefällt mir Nico Willig sehr. Nicht nur, dass er etwas hergibt, seine Pressekonferenzen sehenswert sind und man sich gut vorstellen kann, wie er eine Mannschaft mitzureißen in der Lage ist, nein, unter ihm gelang auch so etwas wie der Turnaround, auf den wir die gesamte Saison gewartet haben, indem er sieben Punkte aus vier Spielen einfuhr und zudem dreimal dabei ohne Gegentor blieb.

Da ist es fast schon schade, dass man sich mit der (zu frühen?) Verpflichtung von Tim Walter der Möglichkeit beraubte, Willig weitermachen zu lassen. Er dürfte Blut geleckt und Begehrlichkeiten geweckt haben, so dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass er noch lange unser U19-Trainer sein wird.

Tim Walter soll nun also den VfB den erneuern, in welcher Liga wissen wir am Montagabend. Ihm eilt ein hervorragender Ruf voraus, soll er doch einen wilden Fußball spielen lassen, den Spielern in puncto Intelligenz einiges abverlangen und Spieler besser machen. Ob sein Fußball, gerade was die Intelligenz angeht, mit unserer Truppe möglich ist, bezweifle ich. Es wird zu einem großen Umbruch kommen müssen, der nach dieser Saison allerdings ohnehin alternativlos ist. Lieber jetzt, auch wenn es finanziell schmerzt, die Mannschaft austauschen, bevor diese die Gelegenheit erhält, mal wieder einen Trainer, der ihr vermeintlich zu viel abverlangt, weg zu mobben.

Bei der Beschreibung Walters wird man unweigerlich an Zorniger erinnert. Walter ist zu wünschen, dass er durch Hitzlsperger größere Unterstützung erfährt als Zorniger seinerzeit von Dutt.

Ich gehe an diese Personalie völlig unbelastet heran und wünsche Tim Walter gutes Gelingen. Viele kritisieren dessen Verpflichtung schon aus dem Grund, weil er gebürtiger Badener und ehemaliger KSC-Jugendtrainer ist. Mir ist das zunächst einmal egal, ob unser Neuer aus dem Kongo oder aus Karlsruhe kommt und wünsche mir nur, dass er den VfB voranbringt.

Etwas problematischer dürfte die Mitverpflichtung dessen Co-Trainers Rainer Ulrich sein. Ein KSC-Urgestein in Reihen des VfB? Noch mag ich ihn mir nicht im roten Trainingsleibchen vorstellen. Auf der anderen Seite aber ist es nicht außergewöhnlich, dass ein Trainer seinen ewigen Co-Trainer hat, siehe einst Hitzfeld und Henke oder auch Labbadia und Sözer. Diese gibt es nur im Doppelpack, entweder beide oder keinen.

Interessant wird es sein, welche Rolle dann Rainer Widmayer einnimmt, der zur kommenden Saison als ständiger Co-Trainer hinzustoßen soll, eine Entscheidung übrigens, die noch zu Reschkes Zeiten getroffen wurde und von der nicht bekannt ist, wie begeistert Thomas Hitzlsperger darüber ist. Auf die Aufgabenteilung darf man gespannt sein, nur um Walter und Ulrich schwäbisch beizubringen, wird Widmayer ja nicht an den Neckar zurückkehren.

Nun geht es also um den Relegationspokal, den Willig ausgerufen hat. Grund dieser Wortwahl war offensichtlich, dem Team zu veranschaulichen, dass es auch in der beschissensten Saison der Vereinsgeschichte noch etwas zu gewinnen gibt.

Das schwierige Umfeld scheint heiß zu sein. Dauerkartenbesitzer haben zum Heimspiel freien Eintritt, die restlichen Karten wurden binnen vier Stunden verkauft. Klar, Relegation ist Neuland und in kürzester Zeit zu organisieren, auch wenn der VfB seit Dezember auf Platz 16 stand und man daher nicht völlig überraschend in die Entscheidungsspiele muss. Ich fand es etwas bedauerlich, dass für dieses Spiel kein Zweitmarkt geschaltet wurde und man meinetwegen 1/18 des Dauerkartenpreises erstattet bekam, kann doch nicht jeder so kurzfristig freibekommen. Es bleibt zu hoffen, dass nicht gerade dadurch einige Plätze frei bleiben.

Auch das Public Viewing des Rückspiels war schnell ausverkauft. Meines wäre es zwar nicht, Montagabends ins Neckarstadion zu gehen, um fernzusehen, doch, jedem das Seine. Wie man den VfB kennt, wäre es ein Wunder, würde diese Veranstaltung reibungslos ablaufen. Entweder zu wenig Stände geöffnet oder, je nach Ausgang des Hinspiels, alkoholfreies Bier, weil man vor ausrastenden Brustringträgern Angst hat. Dann doch lieber zuhause oder in der Kneipe um die Ecke, man(n) muss ja schließlich Dienstags früh raus.

Da ich aber am Montag ohnehin in der Alten Försterei sein werde, ist das nicht mein Thema. Dass das knappe Gästekontingent schnell vergriffen sein würde, war klar. Der VfB boomt also, selbst in der düstersten Saison seiner Historie. Wahnsinn! Wer bei Spielen unter die Leute geht, immer mehr trifft, die das Geschehen nur noch am Bierstand verfolgen und der Leute wegen gehen, nicht aber wegen der Millionäre auf dem Rasen, versteht, dass bei all der Nibelungentreue eine gehörige Portion Sarkasmus, Hoffnungslosigkeit und „wir feiern uns selbst“ dabei ist.

Unter die Leute scheinen sie beim VfB nicht zu gehen, sonst würden sie nicht alle paar Stunden Posts in den sozialen Medien raushauen, die sich anhören, als stünden wir im Europapokalendspiel. Ein Hashtag folgt dem nächsten, es heißt nicht mehr #wirsindstuttgart sondern seit neuestem #aufgehtsstuttgart. Das von der Kurve stammende #kämpfenundsiegen machen sie sich zu eigen, „spürt ihr die Spannung“, „wir zusammen“, und gerade eben noch “55.000 Signalspieler, die im Stadion ihre Kraft entfesseln werden”. Abgesehen davon, dass ich mir gerade vorstellen möchte, wie man seine Kraft entfesselt, kann ich diese Slogans nicht mehr hören. Dem Verein und seiner Marketingabteilung täte eine gehörige Portion Demut tut. Fans und Mitglieder sind das Kapital, diese zu vergraulen, zu verärgern oder gar wegen geplatzter Halsschlagader auf dem Gewissen zu haben, sollte die AG tunlichst unterlassen.

Die ständigen Posts und WhatsApp-Nachrichten lassen meinen Kopf hoch rot werden und just setzen sie noch einen drauf: es gibt ihn doch tatsächlich, den passenden Spieltags-Schal zu den Relegationsfestspielen. Da verliere ich leicht die Fassung. Habt Ihr sie noch alle beieinander? Wir spielen eine furchtbare Saison, haben nichts anderes als den Abstieg verdient und ihr macht ein Super-Event daraus? Bei all dem Boom und den Marketingmöglichkeiten scheint der VfB seine Nische gefunden zu haben, Relegation forever!

Alle, einschließlich Dietrich bei Sport im Dritten, sprechen von einem Geschenk! Ich nicht, für mich ist die Relegation ein Witz. Für den Bundesligisten die Belohnung für eine scheiß Saison, für den Zweitligisten die Bestrafung für eine gute Saison, alles des lieben Geldes wegen.

Seit Jahren wünsche ich mir mal einen Relegationskracher wie KSC-VfB, Köln-Düsseldorf, Nürnberg-Fürth, HSV-St. Pauli, Hannover-Braunschweig oder Hertha-Union, dass es richtig brennt und eskaliert und die DFL endlich kapiert, dass Geld nicht alles ist. Bei der Relegation geht es um Existenzen, um zig Millionen, um Befindlichkeiten ganzer Regionen, es ist ein Vabanque-Spiel auf Kosten der Beteiligten.

Eine derartige Konstellation erwartet uns dieses Mal nicht. Mit dem 1. FC Union treffen wir auf einen Kontrahenten, der nicht unbedingt für seine gewalttätige Fanszene bekannt ist und für den ein Verbleib in der 2. Liga wohl auch kein Beinbruch wäre, im Gegenteil, seit Jahren fragt man sich, möchte Union überhaupt aufsteigen. Zudem eint uns die Abneigung gegen deren Lokalrivalen Hertha BSC.

Dennoch befürchte ich, dass mit dem VfB abermals der Bundesligist vom Relegations-Modus profitieren wird, weil die Schere zwischen erster und zweiter Bundesliga von Jahr zu Jahr mehr auseinander driftet und es somit ein Duell mit ungleichen Waffen werden wird.

Sollten wir dennoch absteigen, dann zurecht und dann gönne ich Union, schon allein wegen des schmucken Stadions und den Fans, den Aufstieg, wenn nicht, freue ich mich in erster Linie für Hitzlsperger, Mislintat und Walter, dass sie nicht einen großen Schritt zurück machen müssen.

Wenn ein Abstieg etwas Gutes hätte, dann, dass Wolfgang Dietrich nicht mehr zu halten wäre. Entgegen seiner Beteuerungen, er würde nicht davon laufen und sei auf vier Jahre gewählt, wird ihn dann nicht nur der gemeine Mob sondern auch der Ja-Zum-Erfolg-Sager zum Teufel jagen.

Nach den Enthüllungen von Benny Hofmann im kicker erhoffte man sich von Michael Antwerpes, dass er Wolfgang Dietrich bei Sport im Dritten so richtig auf den Zahn fühlen würde. Unter dem Hashtag #fragdietrich waren zudem etliche Fragen an Dietrich formuliert, die die Fans bewegen.

Stattdessen zeigte sich Antwerpes einmal mehr als reiner Gefälligkeitsjournalist, der Dietrich nicht in die Bredouille bringen wollte und wiegelte, bevor es ans Eingemachte ging, ab mit „wir sind keine Wirtschaftssendung“. Dieses Interview hätte man sich sparen können.

Dennoch darf sich Dietrich weiterhin warm anziehen und sich gerne mit seinen Jahren 70 Jahren fragen, ob er sich dem Stress des öffentlichen Druckes und Nachbohrens weiter stellen muss, oder sich nicht doch besser in die Rente verabschiedet. Tut er das nicht, kann das Motto nur lauten, weiter, immer weiter!

In seinem letzten Beitrag (komischerweise finde ich den nicht mehr auf kicker.de?!) hatte Benny Hofmann Jan Schindelmeiser zu Wort kommen lassen, der zu Protokoll gab, dem Vorstand sei es zum Zeitpunkt der Ernennung von Dietrich zum Präsidentschaftskandidaten nicht bekannt gewesen, dass Dietrich weiter an dem Quattrex-Firmenkonstrukt partizipiere und nicht alle Beteiligungen abgestoßen hat.

Heim und Röttgermann entgegnen zwar, es lägen keine neuen Erkenntnisse auf dem Tisch, so dass man sich fragen muss, wer hier lügt und ob Schindelmeiser Informationen vorenthalten wurden.

Selbst wenn Heim und Röttgermann die Wahrheit sagten, ist es Tatsache, dass die Mitglieder vor Dietrichs Wahl nicht voll umfänglich informiert wurden und wichtige Fakten verschwiegen wurden, so dass es mir schleierhaft ist, wie diese Herren aus dieser Nummer noch herauskommen wollen.

Man kann nur hoffen, dass die Journaille sich nicht abspeisen lässt und den Finger immer tiefer in die Wunde legt. Wir Mitglieder haben ein Recht auf lückenlose Aufklärung!

Weil Dietrich der Faktenlage nach noch immer Beteiligungen an der Quattrex bzw. seiner Tochterunternehmen hält und weil die Quattrex dem 1. FC Union Kapital beschafft hat und sich dafür eine Rendite erhofft, wurden die Relegationsspiele auf Twitter schon als El Quattrexico betitelt.

Demnach steht ein Sieger der Relegation bereits vor Anpfiff fest, nämlich Wolfgang Dietrich. Ein Skandal, dass so etwas mit der DFL zu machen ist, doch, man hat ja seinerzeit auch Red Bull Leipzig unter fragwürdigen Umständen einfach durchgewunken und die Lizenz erteilt.

Stunden vor dem Hinspiel bin ich noch die Ruhe selbst. Ein Abstieg würde mich nicht ins Tal der Tränen stürzen, wäre er doch so logisch. Einzig Hannover und Nürnberg ist es zu verdanken, dass wir nicht längst sang- und klanglos im Unterhaus angekommen sind.

Zudem glaube ich, dass Willig seine Truppe heiß genug auf diese „Pokalendspiele“ gemacht hat und sie, angetrieben von einem endlich fitten Daniel Didavi, die Berliner aus dem Neckarstadion fegen wird. Auch Union hat zu selten überzeugt, um wirklich Angst bekommen zu müssen. Tritt das Team von Willig auf wie in den letzten Heimspielen gegen Mönchengladbach und Wolfsburg, wird es heute nur einen Sieger geben, den VfB.

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13. Mai 2019

Vereinslegenden

Der VfB hat sich nun am Samstag tatsächlich für das von Nico Willig ausgerufene Relegationspokalfinale qualifiziert.

Dabei hat die Wundertüte VfB beim Sieg gegen die mit Championsleague-Ambitionen angetretenen Wölfe positiv überrascht und ihr bestes Saisonspiel hingelegt. Man ist geneigt zu fragen, warum nicht immer so? Mit Leidenschaft, Hingabe und einem Hauch von Spielkultur ließ man den Mannen von der Autostadt keine Chance und ist nun von Platz 16 nicht mehr zu verdrängen.

Als Fan fühle ich mich dabei von der Truppe reichlich verarscht. Für mich ist es schlimmer, zu erkennen, dass das Team kann, wenn es will, und eben offensichtlich in der Mehrzahl der Spiele „nur“ nicht wollte.
Die Gefühle würden geradezu Achterbahn fahren, wäre man noch mit derartigen Emotionen dabei, die jahrelang in einem steckten. Aber, diese sind bei mir inzwischen raus! Bei dieser Ansammlung von Ich-AGs, die jegliche Identifikation mit dem Verein und seinen Fans vermissen lassen, fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, eine innige Bindung zu ihnen aufzubauen.

Wenn sie noch da wären, würde es mich wahnsinnig machen, wenn nach einem 0:6 in Augsburg mit darauffolgendem Trainerwechsel Mönchengladbach förmlich niedergerungen wird, um eine Woche später im Berliner Olympiastadion wie eine Seniorengruppe beim Weinwandertag aufzutreten und wieder eine Woche später formstarken Wölfen nicht den Hauch einer Chance zu lassen.

Gerade der Berlin-Trip, zu dem ich morgens hingeflogen und abends mit dem Zug zurückgefahren bin, ließ mich extrem erbosen, und spätestens nach diesem kann mich dieser charakterlose Sauhaufen einfach mal.

In einer Saison ist immer mal ein blutleerer Auftritt drin, doch, in der Fülle, wie uns diese durch die Saison begleiten, ist jeder einzelne eine absolute Frechheit und eine Beleidigung für unser Wappen und unser Trikot!

Ich bin durch mit dieser Truppe, egal, wie die Saison noch endet. Daher machte mich der Auftritt vom Samstag eher aggressiv und gingen mir die Freudengesänge in der Kurve während des Spiels gehörig auf den Sack. Im Ansatz war es richtig, gegen Mönchengladbach auszurufen, „verdient Euch diese Kurve“, doch, damit ist es eben nach zwei, drei gelungenen Ballannahmen nicht getan. Charakter und Mentalität sind gefragt, dass diese Tugenden im Kader mit dem Fernglas gesucht werden müssen, ist allgemein bekannt.

Daher erwarte ich von dieser Truppe bis zum Saisonende nur noch eines: dass sie auftreten, wie man es von hochbezahlten Profis erwarten können muss. Alles dem Beruf unterordnen, sich ins Team einzuordnen und sämtliche persönliche Eitelkeiten hintenanzustellen.

Auch wenn es danach hoffentlich für mindestens 80% dieser Trümmertruppe heißt, Briefmarke auf den Arsch, und fort, darf die Zukunftsplanung in den nächsten zwei Wochen keine Rolle spielen und schon gar keine Ausrede sein.

Diese Jungs haben so viel kaputt gemacht in dieser Saison, zwei Trainer verschlissen und einen Sportdirektor, glänzten vor allem durch Undiszipliniertheiten und nicht durch Leistung auf dem Platz, tanzten Fans und Bossen auf der Nase herum, bildeten Grüppchen anstatt ihren Anteil zu leisten, dass eine Mannschaft entstehen kann, all das darf nicht in Vergessenheit geraten und ungesühnt bleiben, auch wenn die verbleibenden drei Spiele gewonnen und die Klasse erhalten werden sollte.

Christian Gentner äußerte sich nach dem Wolfsburg-Spiel erbost darüber, dass seine eigene Zukunft ungeklärt sei und er demnach nicht wisse, wie es mit ihm persönlich weitergehe. Ich finde, um es milde auszudrücken, interessant, dass sich jetzt ausgerechnet der Kapitän in Stellung bringt, in einer Phase, für die Thomas Hitzlsperger ausgerufen hat, JEDER müsse seine persönlichen Befindlichkeiten hintenanstellen. Durch dieses Vorpreschen wirkt Gentner gerade wie einer, der Wasser predigt und Wein trinkt, wenn er sich doch sonst als so ein Teamplayer präsentiert.

LeGente, wie er sich in den sozialen Netzwerken selbst nennt, wird auch von manchen Medien beim VfB ein Legendenstatus zugeschrieben, den er für mich nicht innehat. Meister 2007 wurde er als Greenhorn, sein Anteil an der Meisterschaft ist überschaubar. Danach folgte er dem Lockruf des Geldes und wechselte in die Autostadt, seit seiner Rückkehr zum VfB geht es gefühlt nur noch bergab. Der Abwärtstrend nahm an Rasanz zu, seit er 2013 die Kapitänsbinde übergestreift bekam.

Wie das obige Beispiel zeigt, scheint sein eigenes Ego doch extremer ausgeprägt zu sein, als er uns weismachen möchte. Da ich keinen Einblick in das Innenleben der Mannschaft habe, fußen meine Schilderungen auf Eindrücken, die ich als Außenstehender gewonnen habe.

Da ist zunächst der Eindruck, dass Gentner ohne die Macht seines Beraters Jürgen Schwab, der beim VfB ein und aus geht, nie zu der Führungsrolle innerhalb des Teams gekommen wäre, die er seit Jahren begleitet.

Zu Zeiten von Fredi Bobic, dessen Kumpel und Geschäftspartner Schwab ist, wurde Gentner, wie auch der zweite Schwab-Schützling Sven Ulreich, in den Unantastbarkeits-Status erhoben.

Während der Ära Gentner verschlief der VfB die Entwicklung hin zum modernen Fußball, in der jeder Verein, der vorankommen wollte und etwas auf sich hielt, lauf-, zweikampf- und spielstarke sowie handlungsschnelle Spieler im zentralen Mittelfeld installierte, während beim VfB der gepflegte Rück- und Querpass Einzug erhielt.

Spieler, die diesen Typus verkörperten, spontan fällt mir Zdravko Kuzmanović ein, wurden ihrer Stärken beraubt, weil sie sich die Bälle immer nur hinten abholen mussten und keiner größer werden durfte als der König, so dass sie entnervt von dannen zogen, weil in der Ära Gentner das Leistungsprinzip ad absurdum geführt wurde.

Als Menschen schätze ich Christian Gentner sehr, einer der Etikette besitzt und ein netter und freundlicher Typ ist.

Jedoch gehört für mich mehr dazu, als langjährige Vereinstreue (gab es für ihn seit seiner Rückkehr überhaupt Interessenten/ Angebote?), um als Vereinslegende in die Annalen eingehen zu können.

In einer Truppe, in der es menschlich nicht stimmt und die sich spinnefeind ist, hat auch der Kapitän versagt. Die Truppe der Gegenwart ist ja beileibe nicht die erste in der Ära Gentner, die vom Potential mehr könnte, dieses aber nicht zeigt, weil es im Team nicht stimmt. Wenn man dann noch hört, dass es auf Mannschaftsabenden zum großen Aufbruch kommt, während der Kapitän eine Ansprache halten möchte, ist dies mehr als ein Indiz dafür, dass Gentes Zeit als Kapitän abgelaufen ist.

Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger täten gut daran, es sich genau zu überlegen, ob man Gente noch einmal einen neuen Vertrag, möglicherweise als Standby-Profi, gibt oder ob nicht auch der Kapitän dem nötigen Neuanfang im Wege stehen würde.

Mit Legendenbildung, die allein darauf fußt, dass einer lang im Verein war, tue ich mich schwer. Als VfB-Fan seit 1974, der Buffy Ettmayer noch kicken gesehen, die Entwicklung von Hansi Müller und den Förster-Brüdern begleitet, der Jürgen Klinsmann bewundert und über Asgeir Sigurvinsson gestaunt hat. Als einer der Respekt davor hatte, wie sich Dieter Hoeneß, Erwin Hadewicz und Guido Buchwald, die nicht mit dem allergrößten Talent gesegnet waren, durchgebissen und zu unverzichtbaren Größen entwickelt haben, als einer, dessen Allzeit-Lieblingsspieler Karl Allgöwer ist, der die Waldhof-Connection Gaudino und Fritz Walter liebte, der stolz war, als es MV gelang Matthias Sommer oder Carlos Dunga an den Neckar zu lotsen, für den Günne Schäfers Rettungstat in Leverkusen heute noch unfassbar ist, der wegen des Magischen Dreiecks aus dem mit der Zunge schnalzen nicht mehr raus kam, fällt es mir schwer, Christian Gentner in diese Hall of Fame aufzunehmen.

Die Jungen Wilden Magaths und die von einer Euphoriewelle getragenen Meister von 2007 spare ich an dieser Stelle aus, weil die Erinnerungen wohl bei allen noch frisch genug sind. Auch da waren es andere, an die man sich gerne zurückerinnert.

Auf einen der Meister von 2007 möchte ich dann aber doch noch eingehen: Timo Hildebrand. Unvergessen seine Parade in Bochum, als er zu einem wichtigen Baustein der Meisterschaft wurde und sich unsterblich gemacht hat. Dennoch ist es mir auch bei ihm zu weit hergeholt, ihn als VfB-Legende zu betiteln.

Noch mehr als seine Rettungstat in Bochum bleibt mir das ständige Transfertheater in Erinnerung. Er, mit tatkräftiger Unterstützung seines Beraters Bukovac, damals so etwas wie eine persona non grata beim VfB, tanzten der VfB-Führung jahrelang auf der Nase herum, weil sie sich zu höherem als dem VfB berufen sahen.

So schlug Hildebrand mehrmals Angebote zur Vertragsverlängerung aus, ehe dem VfB der Kragen platzte und die Verhandlungen Ende 2006 (endlich) für gescheitert erklärte. Ich war seinerzeit erleichtert, weil sich dieses Theater schon jahrelang hingezogen hat. Hildebrands Plan, Kahns Nachfolger bei den Bayern zerschlug sich, so dass er sich nach der Meisterschaft dem FC Valencia anschloss. Bei einem Verein, in dem es drunter und drüber ging und bei dem der nur hartgesottenen Ché (so werden die Fans von Valencia genannt) bekannte Deutsche einen schweren Stand gegenüber Vereinslegende Santiago Cañizares hatte, wurde Hildebrand nie richtig glücklich.

Zur selben Zeit stümperte ein Raphael Schäfer im VfB-Tor umher, wo schnell klar geworden ist, dass es sich hierbei um ein millionenschweres Missverständnis handelte. Seit dem Nürnberger Pokalsieg hatte es Schäfer ohnehin bei großen Teil der Fans verschissen, seine nicht vorhandenen Leistungen taten ihr übriges, dass die Zeichen schnell auf Trennung standen und ihm zeitweise sogar der junge Ulreich vor die Nase gesetzt wurde.

Im Sommer 2008 hätte die große Möglichkeit bestanden, wieder zueinander zu finden. Der VfB wäre wohl einer Rückkehraktion gegenüber nicht abgeneigt gewesen. Ich für meinen Teil hätte sie damals auch begrüßt, schließlich wusste man wenigstens, was man an Timo hatte und zudem hätte die Möglichkeit bestanden, geläutert einen beiderseitigen Neuanfang zu wagen. Doch Herr Hildebrand war sich damals zu fein, sich (und uns) seinen Wechselfehler einzugestehen und wollte sich in Valencia durchbeißen.

Mich ärgert dessen Sturheit bis heute. Zwar folgten zwei super Jahre mit Jens Lehmann als unserer Nummer eins, auch einer, über den ich stolz war, dass er das VfB-Trikot trug. Die Verpflichtung Lehmanns für zwei Jahre war damals mit der Zusage verknüpft, dass Ulreich von Lehmann lernen solle und danach die Nummer die Eins werde. Diese Zusage war an keinerlei Bedingungen, wie zum Beispiel einer vorausgesetzten Entwicklung, geknüpft, so dass wir fortan ein ständiges Torhüterproblem hatten.

Das nehme ich Hildebrand bis heute übel, genauso wie, dass er danach nicht mehr richtig auf die Beine kam und bei einem scheiß Verein nach dem nächsten anheuerte. Herzensentscheidungen schienen es jedenfalls keine gewesen zu sein, es wirkte stets, ob bei Hoffenheim, Schalke oder Frankfurt, so, als dass er nur froh war, untergekommen zu sein. Ob als Nummer eins oder zwei, egal, der Biss schien ihm in Spanien abhandengekommen zu sein.

Als der VfB 2009 zur selben Zeit wie Hoffenheim sein Trainingslager in Leogang absolvierte, trafen wir die Kraichgauer beim Joggen. Wir, das könnt ihr mir glauben, begrüßten die vielen Ex-VfBler äußerst freundlich. Nicht umsonst blieben Tobi Weis und Andi Beck für einen kurzen Plausch stehen und selbst Ralf Rangnick huschte ein Lächeln übers Gesicht, während Hildebrand verschämt auf den Boden blickte, weil ihm die Begegnung offensichtlich peinlich war. Dies bestärkte mich in meiner Meinung über Hildebrand, dass er „falsch“ und berechnend ist.

Dieser Hildebrand, der sich vor den Ausgliederungskarren spannen ließ, ohne zum damaligen Zeitpunkt überhaupt VfB-Mitglied gewesen zu sein, möchte jetzt also als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger fürs VfB-Präsidium kandidieren. Dass ich nicht lache! Denkt er etwa, er habe sich nun genug eingeschleimt und würde mit offenen Armen empfangen werden? Warum? Nur weil er keiner ordentlichen Tätigkeit nachgehen möchte? Was hat er außerhalb des Fußballplatzes vorzuweisen? Was sollte ihn dazu befähigen? Was hat er vor, außer es sich auf Kosten von uns allen in den VIP-Katakomben bequem zu machen?
Ich jedenfalls werde ihn nicht wählen und hoffe, dass seine Bewerbung schon am Veto des Vereinsbeirats scheitert. Hildebrand erweckt bei mir auch hier wieder den Eindruck unterkommen zu wollen, klappt es bei uns nicht, heuert er eben in Hoffenheim an.

Um den Status einer Vereinslegende zu erlangen, bedarf es mehr, als langjähriger Spieler zu sein oder seinen Anteil an einem Titel zu haben. Auch ein Spieler, um den Bogen zurück zur sportlichen Gegenwart zu spannen, der uns zum Klassenerhalt schießt, hat nicht zwangsläufig das Zeug zur Vereinslegende.

Hier erinnere ich mich gerne an ein Ultras-Spruchband „Nichts erreicht, nur verhindert“. Nur um das Verhindern geht es jetzt noch am Ende dieser desaströsten Saison. Ich hoffe, dass bei Hitz und Mislintat die Ursachenforschung in vollem Gange ist und der VfB zur neuen Saison ein völlig neues und auch sympathischeres Gesicht erhält.

Wir Fans sind zwar leidensfähig, doch auch die Leidensfähigkeit hat ihre Grenzen. Ich kann mich nicht erinnern, in nunmehr 45 Jahren Fanjahren, ein Saisonende so herbeigesehnt zu haben wie dieses. Noch drei Spiele…

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24. April 2019

Leistungsverweigerung!

Nach Jahren des Dahinsiechens und einer kurzen Episode der Hoffnung, dass sich beim VfB tatsächlich mal etwas ändern könnte, sind wir nach dem 0:6-Debakel in Augsburg an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt.

Rede ich von Tiefpunkt, erscheint Rudi Völler vor meinem geistigen Auge, als er sich beim legendären Interview auf Island bei Weißbier-Waldemar darüber ausgekotzt hat, er könne es nicht mehr hören, wenn ihm nach jedem Tiefpunkt weitere und noch tiefere Tiefpunkte angedichtet werden würden.

Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es nach Völlers Rücktritt wieder einige Höhepunkte zu bejubeln, während diese beim VfB weiter entfernt zu sein scheinen, als die Geysire vom Neckar.

Der VfB hat es mit der Bankrotterklärung in der Fugger-Stadt geschafft, dass mein Geduldsfaden mit dem Verein fürs erste gerissen ist. In einem von (Ex-)Trainer Weinzierl seit Wochen zum Endspiel („wir haben noch alles in der eigenen Hand“) hochstilisierten Aufeinandertreffen mit einem vermeintlich direkten Konkurrenten, sich von der ersten Minute an derart kampf- und widerstandslos zu ergeben, ist eine bodenlose Frechheit.

Was sind das für Charaktere, die Reschke da an Land gezogen und mit üppigen Verträgen ausgestattet hat? Altstars, die sich ihre Rente aufbessern wollen, Leihspieler, bei denen keine Identifikation mit dem VfB aufkommen kann, Möchtegern-Stars, die denken, allein, weil sie teuer waren, wären sie wer, und Mitläufer, die vielleicht wollen, es aber nicht (mehr) können.

Wer greift bei dieser Ansammlung von Egoisten endlich mal durch? Es ist doch ein reines Kasperletheater, wenn Geldstrafen nicht gezahlt werden, man sich weigert, bestimmte Positionen zu spielen, in Interviews über den eigenen Arbeitgeber herzieht, Teambuildings-Versuche mit Desinteresse konterkariert werden und man sich null und nichtig mit Arbeitgeber, Stadt, Fans identifiziert. Wer schreitet ein und sorgt bei diesem Sauhaufen, wo offensichtlich jeder macht, was er will, für Disziplin und Ordnung? Wenn gut zureden nicht fruchtet und über Disziplinarstrafen nur gelacht wird, kaserniert die Assis in der Sportschule Ruit ein und lasst sie 7 mal 24 an Fußball und den VfB denken!

Dietrich und Reschke leb(t)en zwar von oben Beleidigungen und Lügen vor, bis in die „Mannschaft“ hätte dieser Ton tunlichst nicht hineingetragen werden dürfen. So stehen wir jetzt, vier Spieltage vor Schluss vor einem Scherbenhaufen oder auch einem (möglicherweise) irreparablen Totalschaden.

Wo sind die pflichtbewussten Profis, die bereit sind, sich für ihre horrenden Gehälter zu schinden und Stadt, Verein und Fans etwas zurückgeben zu wollen? Wo sind jene Profis, die immer gewinnen wollen und denen es nicht egal ist, wenn sie abgeschlachtet werden?

Heutzutage scheint es diese Rotzlöffel überhaupt nicht mehr zu tangieren, ob in ihrer Vita ein Abstieg und die mit Abstand schlechteste VfB-Saison der Historie steht, Hauptsache die Zahlen auf dem Gehaltszettel stimmen.

Bei Abstieg dürften sich zwei Drittel dieser Leistungsverweigerer finanziell sogar noch verbessern, weil andere Vereine wie die Geier nach zum Sonderpreis erhältlichen charakterlosen Arschlöchern lechzen. Der Rest, der woanders keinen besser dotierten Vertrag erhält, schwer vermittelbar ist und nicht unterkommt, bleibt hier und liegt dem VfB weiter genüsslich auf der Tasche. Reschkes Rentenverträge für Auslaufmodelle werden uns wohl noch einige Jahre lang verfolgen. Dietrich jubelt zwar, dass der VfB bei Abstieg zu keinen Notverkäufen gezwungen sei, doch, Realitätssinn ist eben überhaupt nicht Dietrichs Sache.

Unter Reschke wurde das Gehaltsniveau derart angehoben, dass uns jeder Verkauf eines Top-Verdieners erleichtern dürfte. Klar, wegprügeln kann man sie nicht, ein Mario Gomez bspw., der dem Vernehmen nach zwischen fünf und sechs Millionen Euro per anno „verdienen“ soll, erklärt bei jeder Gelegenheit generös, er stünde auch in der 2. Liga zur Verfügung.

Er könnte genauso gut sagen, da ihm vermutlich kein zweiter Verein ein solches Salär bietet, bleibt er eben hier. Auch Holger Badstuber, mit ähnlich üppigem Vertrag ausgestattet, wird nur das Weite suchen, wenn er sich finanziell nicht verschlechtert, so dass dem VfB im Falle des Abstiegs gar nichts anderes übrig bleiben dürfte, jene zu verscherbeln, die eine ordentliche Ablöse versprechen und gleichzeitig von der Gehaltsliste verschwinden.

Beim ein oder anderen dürfte es gar auf das Modell Ibišević hinauslaufen, bei dem der Spieler zwar weg transferiert wird, der VfB jedoch dennoch bis zum Sankt Nimmerleinstag einen Teil der Bezüge weiterzahlt. Mit derart haltlosen Aussagen lasse ich mich von Dietrich nicht verarschen.

Hitzlsperger und Mislintat sind jetzt dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, wen der VfB überhaupt behalten möchte, wer den nötigen Charakter mitbringt, sich für den Verein zu zerreißen, auch wenn ihm die vorgesehene Position, der Übungsleiter, der Feinstaub oder der Dauerstau in der Stadt nicht gefällt. Am Monatsende gibt es schließlich genügend Schmerzensgeld, das die Motivation in jeder noch so beschissenen Lage hochhalten sollte. Derzeit gibt es ganz wenige, die für die nächste Saison noch ihre Daseinsberechtigung haben, Kabak zum Beispiel, der jedoch im Falle des Abstiegs sicher weg wäre.

Mit der Leistungsverweigerung vom Samstag wurde eine Grenze überschritten und der letzte Kredit verspielt. Von der ersten Minute vorführen haben sie sich lassen und nicht mal den Ansatz eines Zweikampfes gesucht. Null gelbe Karten sprechen Bände. Vermutlich wollten sie doch „nur“ Weinzierl loswerden, was sie in eindrucksvoller Manier geschafft haben. Es war auf der Tribüne äußerst peinlich mit anzusehen, dass Eckbälle in jeder E-Jugend-Mannschaft besser verteidigt werden und dass nur eine Mannschaft wirklich am Spiel teilnehmen wollte.

Sollten diese Drecksäcke am Samstag wieder rennen können und Mönchengladbach besiegen, werde ich erst recht sauer. Dieser erbärmliche Haufen hat nur eines verdient, den Abstieg mit sofortigem Großreinemachen auf allen Ebenen.

Augsburg hat neben dem so gut wie sicheren Nichtabstieg ganz nebenbei auch noch den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie eingefahren, Glückwunsch, Zieler, Baumgartl, Pavard, Kempf, Esswein, Insúa, Castro, Kabak, Zuber, Gomez, González, Donis, Didavi, ihr ward dabei und steht für DEN Schandfleck der jüngeren VfB-Geschichte. Man wird sich noch lange an euer stümperhaftes Auftreten erinnern, und das nicht nur, wenn mal wieder vom höchsten Augsburger Sieg aller Zeiten berichtet wird.

Das 0:6 war zudem für den VfB die höchste Niederlage seit dem 17. Spieltag 1985/1986. Damals hieß der Gegner Werder Bremen und, damals wie heute, hatte ich mir den Kick im Stadion angetan. Freitagabend, Flutlicht, bitter kalt und ein entfesselnd aufspielender Meisterschaftskandidat von der Weser.

Auf den Trainerbänken saßen die beiden Ottos, Rehhagel und Baric. Damals wie heute war ich stinksauer ob des Dargebotenen, der große Unterschied aber war der, dass dies ein Ausrutscher war und sich die Protagonisten wenigstens schämten, während beim VfB die ganze Saison schon unterirdisch ist, wir noch kein einziges gutes Spiel gesehen haben und mit Augsburg „nur“ noch eins oben draufgesetzt wurde.

Damals hatten wir einen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Jungs nach einem derartigen Debakel im Neuen Schloss antanzen ließ, wo sich jeder Einzelne erklären musste, während sich unser jetziger Präsident auf Abruf auf Tauchstation befindet und damit beschäftigt ist, seine geschäftlichen Beziehungen zu verschleiern, anstatt sich um die Probleme des VfB zu kümmern.

In jener Saison in den 80ern hatten wir noch Typen wie Karlheinz Förster, Guido Buchwald, Günther Schäfer, Karl Allgöwer und Asgeir Sigurvinsson in der Mannschaft, die eine offene Rechnung mit ins Rückspiel nahmen.

Werder reiste als Tabellenführer an und stand nur deshalb nicht schon als Meister fest, weil Kutzop am 33. Spieltag in letzter Sekunde den Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten drosch.

Für den VfB hingegen ging es um nichts mehr. Als Pokalfinalist stand fest, dass wir in der darauffolgenden Saison international vertreten sein würden, so dass man die Saison hätte locker ausklingen lassen können.

Das erhofften sich auch die Werderaner, deren erster Meistertitel unter Rehhagel und nach 1965 so greifbar war. An dieses Spiel und vor allem die knisternde Atmosphäre kann ich mich noch recht gut erinnern und weiß sogar noch, dass ich damals einen Kurvensitzplatz (ach, die schönen alten Holzbänke) unterhalb von A- oder B-Block hatte.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, als ginge es für uns um die Meisterschaft und nicht für Werder. Auf den Rängen war die große Lust zu spüren, den Nordlichtern in die Suppe zu spucken. Wettbewerbsverzerrung war noch verpönt, man hatte keine Lust darauf, sich nachsagen lassen zu müssen, den Bremern die Meisterschaft kampflos überlassen zu haben. Außerdem herrschte seit dem Abstieg 1975, als Werder 15. und der VfB 16. wurde, eine gewisse gegenseitige Abneigung, so dass man lieber den Südrivalen als die “Fischköpfe” als Meister gesehen hat.

Daher trieb das Publikum, 62.000 waren gekommen, das Team von der ersten Minute unermüdlich an, was sich auf dem Rasen widerspiegelte. Man hatte den Eindruck, die Jungs rannten um ihr Leben, was bei Rehhagel völliges Unverständnis hervorrief, gab es doch auch ordentlich auf die Socken.

Durch zwei Allgöwer-Tore gewannen wir mit 2:1, während die Bayern zu Hause Gladbach mit 6:0 abfertigten und noch an Werder vorbeizogen.

Nach dem Schlusspfiff wurde Werder reichlich mit Häme überschüttet und wir feierten den Sieg, als gäbe es kein Morgen. Das damalige Team bewies Charakter, von dem wir bei dem jämmerlichen Haufen der Gegenwart nur träumen können.

Undank ist der Welt Lohn, eine Woche später bedankten sich die Bayern im DFB-Pokalfinale für die Schützenhilfe nicht, sondern schossen uns, Willi Entenmann saß inzwischen auf der Trainerbank, mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion.

In frustrierenden Zeiten wie diesen tut es ganz gut, in Erinnerungen zu schwelgen und sich an die Helden früherer Tage zu erinnern. Doch, so bitter, es ist, ich muss mich auch schon wieder den Totalversagern vom Samstag zuwenden.

Während die Genannten der Saison 1985/1986 allesamt respektable Karrieren nach der Karriere hingelegt haben, sind, wenn man Jan Åge Fjørtoft bei Wontorra glauben darf, mindestens 60% der Profis drei Jahre nach Karriereende pleite und landen mehr oder weniger in der Gosse. Ob das auch jetzt noch, bei den in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Gehältern, so ist, sei dahingestellt. In der Sache hat er sicher nicht ganz unrecht.

Wer keinen Charakter und so wenig Anstand besitzt, für horrende Gehälter alles andere hintenan zu stellen, wer zu doof ist, Trainervorgaben zu befolgen, wer Problemen aus dem Weg geht, wer zur Unselbständigkeit erzogen wird, beleidigte Leberwurst mimt, wenn es unbequem wird, wer nicht bereit ist, sich an Gruppenregeln zu halten und sich ein Fußballerleben lang stets selbst der Nächste ist, wird es da draußen schwer haben, einen Job zu bekommen, kommt er nicht gerade als Fernseh-“Experte“ unter.

Womöglich kommen dann Schlaumeier wie Beckenbauer in Bezug auf Brehmes Privatinsolvenz daher, und fordern einen Fonds für in Not geratene Ex-Profis. Das würde mir jedoch nur ein müdes Lächeln abringen, postieren sich die Sozialversager am Spieltag zwischen Karlseck und Neckarstadion, springt gerade noch mein Hofbräu-Fläschle für sie heraus.

Da ich mich gerade so in Rage schreibe. Sollte irgendwer der Auffassung sein, ich würde diese Armleuchter zu unflätig beleidigen und zu hart angehen, der stelle sich selbst die Frage, ob er die „Leistung“ vom Samstag etwa nicht auch als persönliche Beleidigung aufgefasst hat.

Dass Weinzierl zu spät entlassen wurde, steht außer Frage. Dennoch gehört es sich nicht, einen solchen Auftritt hinzulegen, um den unbeliebten Übungsleiter los zu werden. Unsere minderbemittelten Kicker können noch froh sein, dass die Ultras das Stadion bereits zur Halbzeit verlassen haben. Sonst hätte wohl jeder Protagonist dieser öffentlichen Hinrichtung sein Trikot, das über 90 Minuten durch Nicht-Leistung beschmutzt wurde, abliefern müssen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – bis zu 8.000 VfB-Fans machen sich erwartungsfroh auf nach Bayerisch Schwaben und das „Team“ interessiert das überhaupt nicht.

Soviel auch zum Thema, die Proteste gegen Dietrich würden die Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Die Unterstützung, untermalt von einer beeindruckenden Auswärtschoreographie, war phänomenal und schlug erst nach dem 3:0 merklich um.

Das Traurige daran ist, es geht offensichtlich nicht nur mir so, dass die Emotionen völlig raus sind. Man hätte auf die Zäune klettern und sie beleidigen können, aber nein, die Ultras fuhren heim und der Rest flüchtete sich in Lethargie oder bestenfalls noch in Sarkasmus.

Charakterlose Arschlöcher interessieren sich eben nur für sich selbst, denen sind die Proteste gegen Dietrich genauso egal wie die 8.000 Idioten, die diesen Stümpern am Osterwochenende hinterherfahren.

Wie schon letzte Woche geschrieben, hätte nach dem etwas erträglicher ausgefallenen Düsseldorf-Debakel nicht nur Reschke, sondern auch Weinzierl entlassen werden müssen.

Geradezu paradox ist es doch, dass man Reschke vordergründig deshalb den Laufpass gab, weil man ihn nicht auch noch den dritten Trainerfehlgriff verantworten lassen wollte und Hitzlsperger so lang mit der Entlassung gezaudert hat, um letztlich „Entscheidungshilfe“ vom „Team“ erhalten zu müssen. Schon seit einigen Wochen war es mir klar, dass wir in dieser Konstellation Punktelieferant bleiben werden, nichts, aber auch gar nichts, gaben die Auftritte her, aus denen man Hoffnung auf Besserung schöpfen konnte.

Dass Weinzierl die Spieler nicht erreicht hat, sie öffentlich diskreditiert hat, sich bis zum Schluss nicht richtig mit dem VfB identifiziert hat und letztlich auf der Spieltags-PK mit seiner Medienschelte um den Rauswurf gebettelt hat, vieles wollte Hitzlsperger wegen der bloßen Hoffnung auf Kontinuität nicht wahrhaben.

Hitzlsperger, wie vor ihm schon Schneider/ Briem, Heldt, Bobic, Dutt und Reschke absoluter Novize in diesem Metier, kann einem derzeit leidtun. Er wirkte nach dem Auftritt in Augsburg schwer angeschlagen, und wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob er der Richtige für diesen Job ist.

Noch bin ich skeptisch, beurteile ihn jedoch erst nach der Sommertransferperiode. Das lange Festhalten an Weinzierl könnte ihm noch gehörig um die Ohren fliegen.

Seit seinem Amtsantritt wird stets betont, wie nah Hitzlsperger am Team sei und wie viele Gespräche er führen würde. Da kann es mir doch keiner erzählen, dass er nicht erkannt hat, dass Weinzierl die Truppe längst verloren hatte.

Dass sie mit Mannschaftsführung und Matchplänen genauso wenig anfangen konnte, wie damit, dass manche, wie Esswein, ständig aufliefen, während andere komplett außen vor waren.

Da dieser Fußball keinen Spaß machte, weder Fans noch Fußballern, und zudem die Ergebnisse nicht stimmten, gab es wohl genau null Argumente, das mit Weinzierl durchzuziehen. Ein Twitter-User will nach dem Augsburg-Spiel von Aogo erfahren haben, dass „99%“ der „Mannschaft“ gegen Weinzierl gewesen seien, da frage ich mich wirklich, wie Hitzlsperger der Auffassung sein konnte, dass wir mit Weinzierl noch die Kurve kriegen könnten.

Hitzlsperger befindet sich noch in der 100-Tage-Frist, so dass allzu große Kritik an ihm noch unangebracht ist, danach, und spätestens nach Abschluss der Sommertransferperiode jedoch sollte auch er nach Leistung beurteilt werden.

Es war zwar ein kluger Schachzug von Dietrich, nach dem unbeliebten Reschke Everybody’s Darling und Vereinslegende Hitzlsperger an die vorderste Front zu stellen, um Reschkes Scherbenhaufen aufzukehren und dessen Missstände zu verwalten. Damit erhoffte Dietrich, selbst aus dem Fokus der Kritik zu rücken, was gründlich danebengegangen ist, die neuesten Quattrex-Enthüllungen lassen grüßen.

Ob Nico Willig diesem Sauhaufen in den verbleibenden vier bis sechs Spielen neues Leben und so etwas wie Teamgeist einhaucht, wird man sehen.

Es spricht für Hitzlsperger, wie er dem einstigen U19-Trainer das Vertrauen ausspricht und wie er sich von dessen Arbeitsmethoden überzeugt zeigt.

Von Willigs Spielphilosophie und Menschenführung hört man nur Gutes, ob er auch mit den jämmerlichen Versagern vom Samstag zurechtkommt, in ein paar Wochen sind wir schlauer.

Er scheint die Flucht nach vorn suchen zu wollen, was ein Schlüssel sein könnte. Zum einen verspräche dies die Beendigung der Torflaute, zum anderen besänne man sich wieder auf das eigentliche Ziel des Spiels, womit auch mehr Spielfreude zu erwarten sein dürfte.

Bin gespannt, ob wir am Samstag gegen das ebenfalls schwächelnde Mönchengladbach einen komplett anderen VfB und womöglich gar einen Sieg sehen werden. Über diesen könnte ich mich vermutlich nicht einmal freuen, denn, ich halte nichts davon, wenn hochbezahlte Profifußballer die Leistungsbereitschaft so lang einstellen, bis der ungeliebte Chef weg ist und sie dann wieder wie die Häschen rennen.

Was mich bei der Beförderung von Nico Willig befremdet und ich als schlechtes Zeichen für unseren Nachwuchs ansehe, ist, dass man der U19, die die Chance hat, Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden, in der entscheidenden Phase das Herzstück rausreißt. Die Gefahr ist groß, dass es am Saisonende nur Verlierer gibt beim VfB.

Das zarte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt begründet sich nach wie vor einzig und allein aufgrund der Schwäche der Konkurrenz. Auch Willig kann in der Kürze der Zeit lediglich die Missstände verwalten und dem einen oder anderen, der komplett außen vor war, eine neue Chance geben.

Die großen Versäumnisse des Winters, keinen spielstarken Sechser und keinen Torjäger geholt zu haben, werden auch ihn einholen. Ob ein Mario Gomez, der im Winter noch getönt hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen, derzeit angesichts seiner Slapstick-Einlagen aber in jeder Comedy-Show besser aufgehoben wäre als auf dem Platz, den Turnaround schafft, wenn insgesamt mehr nach vorne geht, ich bin gespannt. Wie so vieles derzeit, ist auch das schwer vorstellbar.

Egal, wie die Saison ausgeht, der VfB steht mal wieder vor einem radikalen Neuanfang. Da auch beim VfB der Fisch vom Kopf her stinkt, muss Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich den Weg frei machen.

Er steht wie kein anderer für das Verlassen des Weges der Vernunft und der Installation des Perlentauchers. Er ließ Reschke gewähren und goutierte jene Alleingänge Reschkes, die er als Grund für Schindelmeisers Entlassung vorschob.

Er erschlich sich bei seiner „Wahl“ und der Ausgliederungspropaganda das Vertrauen der Mitglieder mit falschen Versprechungen und hat wohl auch gelogen, als es um mögliche Interessenskonflikte bzgl. seines Quattrex-Imperiums ging.

Der offene Brief des Fanausschusses blieb bislang unbeantwortet, Dietrich ist und bleibt ein Meister des Aussitzens. Womöglich lacht er nur über die Vorwürfe, die ihm wohl erst dann gefährlich werden könnten, sollte die DFL ermitteln.

Die Mitglieder haben Dietrich, trotz aller Warnungen, durch die Ausgliederung mit einer Machtfülle ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Somit werden ihm die Mitglieder kaum gefährlich werden können und deshalb egal sein.

Wie er ganz aktuell erklärte, werde er die Vorwürfe zeitnah entkräften, was nicht darauf hoffen lässt, dass er bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Sollten seine wohl noch immer bestehenden Beteiligungen und das damit verbundene Partizipieren an Erfolgen möglicher Relegationsgegner, von der DFL als „noch im Rahmen“ angesehen werden, änderte dies nichts an der moralischen Verwerflichkeit. Die DFL sah seinerzeit auch bei Redbull keine Untergrabung der 50+1-Regelung und gab sich mit dem neuen alten Logo zufrieden, um diese Retorte in die Bundesliga zu hieven. Auch dies mag bestehendes Recht sein, mit Anstand und Moral jedoch hat wenig zu tun, was bei der DFL passiert.

Sollte die DFL nicht aktiv werden, muss man auf den Aufsichtsrat hoffen. Wie Oliver Trust bei Sport im Dritten andeutete, scheint der Daimler mit der Verwendung seiner Gelder nicht einverstanden zu sein, so dass der Druck möglicherweise auch von der Investorenseite her zunehmen wird.

So oder so, die Luft für Dietrich wird zunehmend dünn. Fast hätte ich an seinen Charakter appelliert, doch, siehe oben, siehe Augsburg, darauf braucht man wohl nicht zu hoffen. Wie sich der VfB auf allen Ebenen präsentiert, wird von oben vorgelebt, so dass es bis zu Dietrichs Demission nur weiter heißen kann, #StuttgartkämpfenDietrichraus.

Nach einem Trainerwechsel Prognosen fürs nächste Spiel abzugeben, sind schwierig und ich bin da echt zwiegespalten. Mir wäre es fast lieber, es ginge mit der Truppe sang- und klanglos runter (nichts anderes verdient man nach einer solchen Saison) und ich müsste keinen mehr sehen, als dass sie ab Samstag „Ätschegäbele“ sagen, und sich berappeln, wie man es nach Trainerwechseln ja schon oft genug erlebt hat.

Darauf habe ich ehrlich gesagt überhaupt keinen Bock und es würde meinen Hass auf diese erbärmlichen Gestalten wohl ins Unermessliche steigern.

Wie erwähnt, mein Geduldsfaden ist gerissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mir die weiteren Spiele nicht mehr antun werde. Berlin ist gebucht, nach Schalke fliegen wir aus Malle ein (ja, auch WIR SIND STUTTGART) und die Relegationstermine sind geblockt. Die Touren sind nach wie vor geil, auch Augsburg war es, stören tun da nur die Spiele. Die Weggefährten und Leidensgenossen, die man trifft, mit denen man unterwegs ist, wiegen vieles auf, sogar ein unterirdisches 0:6!

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