2. November 2018

Cannstatter Chaos-Club

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:07

So lautete das Motto der großen Choreographie vor dem vorletzten Heimspiel gegen Werder Bremen, aus dem der bis dato einzige Saisonsieg resultierte.

Dass man als Tabellenschlusslicht, wenn man das Kunststück fertig bringt, von bislang zehn Pflichtspielen in sieben davon torlos zu bleiben, und als erstes Team der Bundesliga in der noch jungen Saison den Trainer wechselt, von der Presse nicht gerade zimperlich behandelt wird, liegt in der Natur der Sache.

Dass aber der neue Hoffnungsträger Markus Weinzierl nach zwei 0:4-Pleiten gegen zwei Championsleague-Teilnehmer schon ein Fehlstart angedichtet wird und hineininterpretiert wird, der Trainer-Effekt sei bereits verpufft, halte ich für weit hergeholt.

Diesen Fehlstart hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die Korkut gewähren ließ und ihn schließlich viel zu spät entließ. Natürlich kann man einwerfen, Korkut hätte die beiden Spiele auch nicht schlechter coachen können, womöglich sogar mit weniger Gegentoren verloren, doch, das ist hypothetisch und brächte uns auch nicht wirklich weiter.

Weinzierl hatte nicht nur mit den Gegnern zum falschen Zeitpunkt Pech, auch die Spielverläufe müssen den „Neuen“ doch in den Wahnsinn treiben. Gegen Dortmund konnte er sein Konzept bereits nach zwei Minuten in die Tonne kippen, in Sinsheim nach 8 Minuten. Für die Unterzahl hat der VfB in Sinsheim eine ordentliche erste Halbzeit, wohl die beste der bisherigen Saison, gespielt und fiel dann nach dem Wechsel in seine Einzelteile auseinander. Das viel zitierte Spielglück war nicht auf unserer Seite, so dass es völlig verfrüht wäre, den Kopf in den Sand zu stecken.

Mir gefällt Weinzierl bislang, auch mit welcher Locker- aber auch Klarheit er die Pressekonferenzen absolviert. Im Gegensatz zu Vorgänger Korkut, der zwar viel stammelte, aber wenig sagte, hat man bei Weinzierl den Eindruck, dass er mit seiner lockeren aber doch bestimmten Art auch auf das Team überzeugend einwirken kann und sich etwas bewegt.

Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Erfolge einstellen und dann auch nach und nach die Verletzten zurückkehren. Ob heute schon das Glück auf unserer Seite ist und wir endlich mal in Führung gehen oder erst nächste Woche in Nürnberg, wir werden sehen. Jetzt bereits den Trainer anzuzählen wäre absurd, denn, er ist der, der am wenigsten für die Misere kann.

Diese hat sich die Vereinsführung zuzuschreiben. Natürlich waren wir, ich ja auch, im Sommer sehr guter Dinge, dass Reschke gut eingekauft hatte und Korkut genug Zeit gehabt hat, aus dem Personal eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Auf dem Papier lesen sich die Namen ja auch toll, ob sie charakterlich passen, ob sie gesund sind und ob der Trainer überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann, dies zu hinterfragen und zu beurteilen ist aber doch Aufgabe der Verantwortlichen.

Offensichtlich passt es vorne und hinten nicht. Wenn man liest, dass Didavi mit den Problemen an der Achillesferse bereits aus Wolfsburg gekommen und es somit nicht verwunderlich ist, dass er selten einsatzbereit ist, muss man sich schon fragen, ob sie da unten noch alle haben, auf dieser elementar wichtigen Position auf einen Invaliden zu setzen. Ich mag Didavi unheimlich gerne und habe mich über dessen Rückkehr sehr gefreut, doch, unter diesen Umständen hätte ein verantwortungsvoll handelnder Sportdirektor und der Arzt, der den Medizincheck durchführte, Abstand nehmen müssen, den Transfer zu tätigen.

Welche Rolle Castro einnehmen soll(te), ist mir auch noch nicht so ganz klar. Mit seiner Vita erhebt er doch sicher einen Führungsanspruch im Team. Lassen das aber die Gestandenen, allen voran ein Gentner, überhaupt zu, dass hier ein neuer König ins Team drängt, der größer zu werden droht als man es selbst ist?

Ähnlich verhält es sich mit den jungen Wilden, die man dazu geholt hat. Alles ambitionierte Talente, doch, die Frage ist, hat einer der Arrivierten überhaupt ein Interesse daran, dass diese sich verbessern und an ihrer Stelle spielen oder hält man sie nicht bewusst klein?

Dies scheint noch immer das Kardinalproblem des VfB und die Wurzel des Übels der unzähligen Trainerwechsel der letzten Jahre zu sein, dass Neuzugänge bei uns eher schlechter werden und schneller die Lust verlieren, wie der Transfer eingetütet war.

Hat man dazu noch einen schwachen Trainer, wie es Korkut offensichtlich war, der lieber den Weg des geringsten Widerstands wählt und diesem Treiben keinen Einhalt gebietet, um bei den vermeintlichen Führungsspielern nicht anzuecken, kommt eben das heraus, was wir Woche für Woche bestaunen dürfen. Elf Einzelspieler, keine Mannschaft, und ein vogelwildes Auftreten in allen Mannschaftsteilen.
Dass der Trainer hier den falschen Ansatz wählte, hätte Reschke, der ja immer so nah dran ist, merken und schon aus ureigenem Interesse, nämlich dass seine Neuzugänge zünden, vehement dazwischen grätschen müssen. Ich bleibe dabei, spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut weggemusst, was den Start von Weinzierl wohl um einiges leichter gemacht hätte.

So steht jetzt unweigerlich Reschke in der Kritik, der nicht nur die Fans als ahnungslose Vollidioten betitelt hat, sondern auch noch unverhohlen lügt. Zudem wird der VfB AG inzwischen vorgeworfen, dass man seit der Ära Mayer-Vorfelder keinem auf dem Wasen mehr eine solche Machtfülle eingeräumt hat, wie sie Reschke wohl genießt.

Der freie Journalist Oliver Trust konfrontierte den Aufsichtsratsvorsitzenden und Vereinspräsidenten Wolfgang Dietrich letzten Sonntag bei Sport 1 mit diesem Vorwurf, worauf Dietrich in gewohnt dünnhäutiger Manier reagierte. Mit dem einen oder anderen Vorwurf mag Trust übers Ziel hinausgeschossen sein, doch, was haften blieb, war, dass es in der AG vorne und hinten nicht stimmt. Dass es beim VfB keine One-Man-Shows mehr geben dürfe, hatte seinerzeit schon Robin Dutt angemerkt und viel Beifall dafür erhalten, nachdem er Fredi Bobic abgelöst hatte.

Nun, erst gute drei Jahre später haben wir sie wieder und zwar in einer noch nie dagewesenen Form. An der Spitze stehen mit Dietrich, dem Trust in Sachen Fußball-Kompetenz Ahnungslosigkeit vorwarf, ein Sonnenkönig, der andere Meinungen nicht akzeptiert und mit Reschke ein Sportdirektor, der erstmals in der ersten Reihe steht und Interview für Interview unterstreicht, weshalb man ihn bislang nicht auf die Öffentlichkeit losgelassen hat. Da wünsche ich mir doch den smarten Jan Schindelmeiser zurück, dessen Entlassung Dietrich noch immer nicht plausibel begründet hat.

Dass Trust mit seinen Vorwürfen in Richtung Vereinsführung bei manchem offene Türen einrannte, offenbart, dass Guido Buchwald nun aus der Deckung trat und unter der Woche scharf aus der Hüfte schoss. Er kritisierte die Vertragsverlängerung mit Tayfun Korkut und eben auch, dass es in der Vereinsführung an Sportkompetenz fehle. Ausgerechnet Buchwald bin ich geneigt zu sagen. Es klingt sehr nach verletzter Eitelkeit von einem, der es beim VfB in diesem Leben wohl zu nichts mehr bringen wird, außer eben zu einem einfachen Aufsichtsratsmitglied.

Als Aufsichtsrat Interna an die Öffentlichkeit zu tragen, damit hatte sich bereits Hansi Müller sein eigenes Grab geschaufelt. Wenn Dietrich dazu anmerkt, dass diese Vorwürfe von Buchwald Thema der nächsten AR-Sitzung seien, darf daraus geschlossen werden, dass Buchwalds Tage beim VfB ebenso gezählt sind.

Jedoch, bestimmt steckt auch bei Buchwalds Worten ein Fünkchen Wahrheit. Interessant dabei, dass auch ihm offensichtlich die Rolle, die Thomas Hitzlsperger spielt, nicht so ganz klar zu sein scheint. Er wird gerne als Sympathieträger vor den VfB-Karren gespannt, seine Kompetenz herausgestrichen, doch, was er genau mitzubestimmen hat, außer dass er der Gute-Laune-Onkel für die Jungs im Nachwuchsleistungszentrum ist, hat sich auch mir noch nicht so recht erschlossen.

Auch das Mitbestimmungsrecht des Aufsichtsrats erscheint nun in einem anderen Licht. Es ist mir schon klar, dass der Aufsichtsrat per Definition ein reines Kontrollorgan ist und sich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten hat. Doch, beim VfB ticken die Uhren eben anders. Der Aufsichtsrat hat sich selten herausgehalten und tut es auch heute nicht, wie die öffentliche Präsenz dessen Vorsitzenden unterstreicht. Bei der Schindelmeiser-Entlassung wurde Einstimmigkeit des Aufsichtsrats und Alternativlosigkeit vorgegaukelt, um von Dietrich bei Sport 1 erklärt zu bekommen, dass es noch ein (im Organigramm wohl nicht auftauchendes) Gremium, besetzt von Dietrich, Porth und Reschke, gäbe, das Entscheidungen treffe, „wenn diese schnell getroffen werden müssten“, so wohl die Korkut-Entlassung am (übrigen) Aufsichtsrat vorbei.

Es scheint so zu sein, als spiele der VfB schon seit der erfolgreichen Ausgliederungs-Mitgliederversammlung ein falsches Spiel. Zu lügen, dass sich die Balken biegen, wurde von den handelnden Personen salonfähig gemacht, schließlich kann man im schmutzigen Geschäft Profifußball selten die Wahrheit sagen, so will man uns weismachen.

Angefangen damit, dass man mit der Entlassung von Schindelmeiser erst herausrückte, als die Einspruchsfrist bzgl. der Ausgliederung verstrichen war und dass man uns bis heute nicht die Wahrheit gesagt hat. Dabei stand dem Vernehmen nach lang vor der (offiziell verkündeten) Schindelmeiser-Entlassung fest, dass Dietrich seinen Spezi Reschke holen möchte, hat Reschke doch bereits im Juni bei den Bayern um die Auflösung seines Kontraktes ersucht.

Dieses Gebaren zieht sich durch die Amtszeit Dietrichs wie ein roter Faden und ist das, was am Ende von seiner Amtszeit (hoffentlich kein weiterer Abstieg, hoffentlich auch kein (regionaler) chinesischer Investor) hängen bleiben wird. Den Kader, von dem man so überzeugt gewesen ist, will Dietrich indes im Winter aufbessern, damit auch die letzte Kohle, die die Ausgliederung in die Kassen spülte, verballert wird. Bislang hat man diese ja hauptsächlich in ein Gnadenbrot für Alt-Stars ohne Wiederverkaufswert gesteckt, das hat sich manch einer, der für „Ja“ stimmte, bestimmt anders vorgestellt.

Der VfB entpuppt sich einmal mehr als DER Chaosverein mit katastrophaler Außendarstellung. Gerade jetzt kommen solche Nebenkriegsschauplätze zur Unzeit, wünscht man es Weinzierl doch, dass er einigermaßen unbelastet an seine Aufgabe herangehen kann und ihm diese nicht schon in seinen ersten Wochen vom „schwierigen Umfeld“ erschwert wird.

Der VfB braucht auf Sicht wieder eine Identität, ein Wiedererkennungsmerkmal, für das er steht. Dieses erkennt momentan kein Mensch, seit der HSV in die Niederungen der 2. Liga verschwunden ist, wird kein Verein in der Bundesliga mehr mit Chaos assoziiert als der VfB. Daher gebietet es die sportliche Situation, dass sich alle beim VfB zurück nehmen und der Fokus allein aufs Sportliche gelegt wird.
Weinzierl ist die ärmste Sau und muss aus einem zu dünnen Kader (danke, Reschke!) mit etlichen Verletzten den Turnaround schaffen. Reschke, der ihm diese Situation (zu späte Korkut-Entlassung) und den zu dünnen Kader eingebrockt hat, sollte Weinzierl jetzt einmal vertrauen und dort den Hebel ansetzen lassen, wo er den Eindruck hat, dass es am meisten krankt.

Weinzierl sollte möglichst unbelastet und ohne vorgekaut zu bekommen, wer im Team wichtig zu sein hat, hier beginnen können. Ja, beginnen, denn, die Aufholjagd fängt ja jetzt erst an.

Dazu gehört es auch, der Ära Gentner endlich ein Ende zu bereiten und ihn draußen zu lassen, wenn er offensichtlich formschwach ist. Wenn mittlerweile selbst bei den Experten, siehe Sammer in dieser Woche, zur Achse des VfB nur noch meinen, Gentner gehöre dieser an, „er ist ja der Kapitän“, und nicht Leistung oder Wert der VfB-Ikone heraus gestrichen wird, sollte auch den Letzten klar werden, dass Vereinsliebe allein nicht genügen darf, Woche für Woche sein Unwesen auf dem Platz zu treiben. Dem VfB-Spiel, die wenigen herausgespielten Torchancen unterstreichen das, fehlt es an Geschwindigkeit, schon allein deshalb muss sich das Gerüst des Teams verändern, weg von der Rentnerband, hin zum (unbeschwerten) Jugendstil.

Jedes Mal, wenn es Gente drohte, an den Kragen zu gehen, war kurz darauf der Trainer weg, ich baue darauf, dass Weinzierl beim VfB etwas erreichen möchte und eventuellen Widerständen trotzt. Reschke täte gut daran, sich bei derartigen Entscheidungen herauszuhalten, schließlich ist Weinzierl wohl auch seine letzte Patrone.

Erstmals seit Wochen habe ich für heute ein gutes Gefühl! Freitagabend, Flutlicht, volles Haus und ein Gegner, der uns in der Vergangenheit meist gelegen hat. Ein guter Tag, den Bock umzustoßen, wenn, ja wenn nicht Leichtsinnsfehler oder sonstige Widrigkeiten wie bei Weinzierls ersten Spielen eintreten. Dann ist auch der beste Trainer machtlos.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.0/10 (6 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 3 votes)
28. Oktober 2018

Ich geh mit meiner Laterne

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 11:42

Bilder vom Spiel im Kraichgau sind jetzt online. Nach Weinzierls Auftakt-Klatsche gegen den BVB wurde Besserung und Wiedergutmachung gelobt. Dieses Vorhaben war in den Anfangsminuten zu sehen, als Gomez einfach das 0:1 machen MUSS.

In einem Team, das sich exorbitant schwer mit dem Toreschießen tut und dem die Scheiße förmlich am Schlappen klebt, muss ein Mann mit eingebauter Torgarantie einfach einnetzen. Letztlich hat er diese Chance kläglich liegen gelassen, unterstrich aber damit auch, dass es fahrlässig ist, sein offensives Wohl und Wehe ausschließlich in die Hände eines 33-jährigen zu legen, wurden ihm doch von Vogt im Laufduell die entscheidenden Meter abgenommen.

Danach beherzigte Emiliano Insúa die Vorgabe seines Trainers, die Zweikämpfe annehmen zu wollen und traf einen Hoffenheimer wegen zu hohen Fußes am Kopf.

Die Folge: Rot nach Videobeweis, eine für mich viel zu harte Strafe. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Fußball ist Kampf- und kein Mädchensport. So lang es bei einer solchen Aktion ganz klar um den Ball geht und beim besten Willen keine Absicht zu erkennen ist, den Gegenspieler verletzen zu wollen, muss man es beim allerersten Foul bei gelb belassen und sollte es als Schiri unterlassen, ein Spiel so frühzeitig kaputtzumachen.

Da sind wir bei einem für mich Kardinalproblem des Schiedsrichterwesens. Um als Pfeife „oben“ anzukommen, kann man überhaupt nicht aktiv gespielt haben und sich in die Spieler hineinversetzen können. Es wird anhand von Bildern entschieden, anstatt die Situation aus Sicht der Spieler zu fühlen und dann kommt eben so etwas dabei heraus.

Der Videobeweis sollte den Fußball gerechter machen, der Assistent sich nur bei glasklaren Fehlentscheidungen oder Situationen, die der Schiedsrichter nicht gesehen hat, zu Wort melden. Weshalb er hier überhaupt Laut gab, genauso wie bei der Situation mit Ascacíbar, kapiere ich nicht. Wofür haben wir fünf oder sechs Schiedsrichter im Stadion, wenn deren Tatsachenentscheidung überstimmt wird, dann kann man sie auch nach Hause schicken.

In der 8. Minute hätten wir uns eigentlich schon dem Bierstand widmen können. Die Hoffnung, hier etwas mitnehmen zu können war bereits vor dem Anpfiff gegen null, nun sank sie in den Minusbereich.

Dennoch legte der VfB in Unterzahl eine ordentliche, vielleicht die beste der Saison, erste Halbzeit hin und hätte durchaus auch da in Führung gehen können. Dies allerdings war auch passiven Hoffenheimern zu verdanken, die mit der Überzahl zum einen wenig anfangen konnten, zum anderen nach dem Championsleague-Duell gegen Lyon wohl auch froh waren, den einen oder anderen Schritt weniger machen zu müssen.

Was dann in der Halbzeit passierte, darüber kann man nur mutmaßen. Nagelsmann dürfte den seinen in den Allerwertesten getreten und angestachelt haben, die Überzahl cleverer auszuspielen, während sich man beim VfB (mutmaßlich) beweihräucherte, wie gut man es bislang gemacht hat. Dass dieser Sauhaufen von Mannschaft einer ist, dem Lob noch nie gut getan hat und dem einfach ständig Druck gemacht werden muss, damit die Lethargie nicht wieder um sich greift, muss Weinzierl noch kapieren.

Jedenfalls ließ sich der VfB mit Beginn der zweiten Halbzeit förmlich überrollen und lief nur noch Spalier für nun gierigere Hoffenheimer. Zwölf Minuten Vollgas genügten, dem VfB das zweite 0:4-Debakel binnen einer Woche beizubringen. Mit unerklärlichen Fehlern lud man Hoffenheim zum Toreschießen ein, unrühmlicher Höhepunkt, Gentners Pass auf Balfodil vor dem 4:0, bei dem dann auch Zieler reichlich unmotiviert nur seine Händchen hob. Zieler legte schon das 1:0 vor, als er einen Schuss, zugegeben aus naher Distanz, in die Mitte abklatschte. Beim 2:0 hechtete er etwas merkwürdig und erfolglos nach einer Hereingabe. Ein Garant unserer starken Defensive der letzten Saison machte in dieser zum wiederholten Male eine unglückliche Figur, auch wenn ich die Niederlage nicht an ihm sondern an der Fußball-Mafia festmache.

Jede unserer Niederlagen hat seine eigene Geschichte und seine Momente, über da man hinterher lamentieren konnte. Bei dieser war das Spiel mit der roten Karte entschieden. Bitter für den VfB zwar, aber, es hilft nicht weiter, jetzt in Selbstmitleid zu verfallen und sich ungerecht behandelt zu fühlen. Da einige Spiele schon weitaus kläglicher verloren bzw. verschenkt wurden, muss einfach auch mal unerwartet gepunktet werden. Die Kleinen machen es doch alle vor, was in dieser Liga möglich ist. Dortmund hat man gleich damit abgetan, dass der BVB ja nicht unsere Hausnummer sei. Hertha aber punktet gegen sie gar auswärts, als ein Team, mit dem man sich vor der Saison sicher gerne auf Augenhöhe gesehen hätte. Freiburg schlägt die zuletzt starken Gladbacher, selbst Düsseldorf holte mit dem Zähler in Leipzig und bei uns schon unerwartete Punkte. Nur wir sind ständig die Deppen, entweder fahren wir nach Mainz mit der Einstellung, dass man dort als VfB nicht unbedingt gewinnen müsse (O-Ton Gentner) oder wir treffen auf Gegner wie die Bayern, gegen die wir uns vornherein aufgeben. Auch die haben schon gezeigt, dass man gegen sie unerwartet punkten kann, siehe Augsburg, siehe Gladbach.

Derzeit sind wir einfach so schlecht, wie wir da stehen, die Tabelle lügt schließlich nicht und weist uns als einen glasklaren Abstiegskandidaten aus, man muss sich bloß mal das Torverhältnis von 6:21 auf der Zunge zergehen lassen.

Was Hoffnung auf Besserung machen soll? Ich weiß es nicht. Markus Weinzierl ist sicher ein Faktor, es war grob fahrlässig unserer Vereinsführung, so lang an Korkut festzuhalten. Nach dem Hissen der weißen Fahne gegen die Bayern hätte man Korkut entlassen müssen, dann hätte sich Weinzierl vermutlich einiges leichter getan, das Ruder herumzureißen, als jetzt mit dem Start gegen zwei Championsleague-Teilnehmer.

Auch sein drittes Spiel dürfte ein schwieriges Unterfangen werden, gegen die ebenfalls international vertretene und zuletzt mit beeindruckenden Leistungen aufwartende Frankfurter Eintracht. Die Eintracht ist ein Gegner, der uns in den letzten Jahren immer gelegen hat, von daher bin ich für dieses Spiel nicht ganz hoffnungslos. Wenn es immer heißt, die Schiedsrichterleistungen gleichen sich im Laufe der Saison aus, vielleicht wollen die Herren mit der Pfeife ihren gravierenden Fehler vom Samstag ja gleich im nächsten Spiel wettmachen und dezimieren die Eintracht zu einem ähnlich frühen Zeitpunkt.

Es ist Fußball, dieser lässt nicht vorhersehen, von daher hoffen wir einfach darauf, dass im dritten Spiel noch ein bisschen mehr Weinzierl steckt und das Team geordneter auftritt. Dass wir in dieser Saison, auch mit diesem zweifellos guten Trainer, größere Bäume ausreißen werden, kann ich mir derzeit nur schlecht vorstellen. Insgesamt fehlt es unübersehbar an Klasse, an Frische und an Schnelligkeit. Wird da in der Winterpause nicht entscheidend nachjustiert, freuen wir uns halt auf ein weiteres geniales Zweitligajahr. Ich bin flexibel! #jazumerfolg ##Aufstieg2020

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.2/10 (6 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +2 (from 2 votes)
19. Oktober 2018

In der Endlosschleife

Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ wechselte der VfB letzte Woche mal wieder den Trainer. Rechnet man die 2-Tage-Interims-Lösung Andy Hinkel hinzu, wird Markus Weinzierl mein 45. (!) Trainer, seit ich im Herbst 1974 erstmals bei einem VfB-Spiel live dabei gewesen bin. Zwischen dem 09.11.1974 und dem 09.10.2018 liegen exakt 16.041 Tage, was eine durchschnittliche Verweildauer eines VfB-Trainers von 356 Tagen ergibt.

Gab es früher noch so etwas wie Kontinuität auf der Manager- und Präsidentenebene, die an „ihren“ Trainern etwas länger festhielten, haben wir in den letzten Jahren auch auf diesen Posten eine enorme Fluktuation.

Ob es daran liegt, dass sich jeder Sportdirektor und jeder Präsident am liebsten seinen Mann holt und alles was im Verein gut und teuer war über den Haufen wirft, oder ob es doch die Generation Gentner ist, die die Trainer schneller schafft als sie gucken können, lässt sich schwer sagen.

Fakt ist, dass Weinzierl Gentners zehnter (!) Trainer ist, den er in jenen fünf Jahren, in denen er die Kapitänsbinde trägt, erlebt. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass keine echten Kerle mehr in der Mannschaft sind, die Probleme auch mal von innen lösen.

Früher gab es, wenn es die sportliche Situation erforderte, Mannschaftsabende ohne Trainer und Offizielle, bei denen sich der Frust von der Seele gesoffen wurde und Probleme offen angesprochen wurden. Bei der heutigen Warmduscher-Generation undenkbar, dass da einmal einer die Initiative ergreift, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, Dienst nach Vorschrift zu machen. Da verkriecht man sich dann lieber vor seine Playstation oder in den Schmollwinkel und ist sich bewusst, dass sich dieses Problem schon irgendwie von selbst löst. Was kann einem Profi auch schon passieren, sein Geld bekommt er sowieso, ob er Egomane ist oder sich einbringt, ob er sich täglich den Allerwertesten aufreißt oder lustlos über den Trainingsplatz schleicht, ob er wie ein Profi lebt oder ständig um die Häuser zieht.

Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man eine Weile außen vor ist, womit sich die Vereine jedoch dann ins eigene Fleisch schneiden. Zum einen fehlt unter Umständen ein Leistungsträger, der auf dem Platz eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen, zum anderen verliert der Spieler an Marktwert und verlässt, zur Belohnung für sein schäbiges Verhalten, ablösefrei den Verein, um sich vom nächsten mit reichlich Handgeld überschütten lassen zu dürfen.

Daher kann und wird es sich kaum ein Verein leisten, Stinkstiefel, rigoros auszusortieren und wechselt im Zweifel lieber den Trainer. Vielleicht schafft es ja dann der Neue, die Laune wieder anzuheben und jene Prozent herauszukitzeln, die einige Spieler dem Vorgänger verweigerten.

Eine traurige Entwicklung, aber, so lang die Vereine keine Handhabe gegen Leistungsverweigerung und mangelnde Identifikation mit dem Verein haben, so lang man die Transferrechte verliert, wenn man einen Spieler vor die Tür setzt, so lang braucht man über die kurze Dauer von Trainerengagements nicht zu lamentieren.

Da brauchen jetzt auch keine Trainerkollegen Korkuts von oben herab dessen Entlassung und die mangelnde Geduld des VfB kritisieren, schon gar nicht einer wie Dieter Hecking, der seinerzeit den Club wegen höherer Verdienstmöglichkeiten bei Wolfsburg mitten in der Saison und Hals über Kopf verließ. Auch unter Trainern ist das Söldnertum verbreitet, nur eben nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Herren Profis.
Wenn ein Physiotherapeut wie Gerhard Wörn in der Bild-Zeitung zitiert wird, dass er nach Trainerwechseln stets am meisten zu tun habe, weil alle engagiert zur Sache gehen würden, ist das ein Armutszeugnis für Fußball-Profis, die dem Verein und uns Fans verpflichtet sein sollten. Zwischen den Zeilen heißt das doch, dass sie es so lang schleifen lassen, bis sie erlöst werden, was nur als vereinsschädigend bezeichnet werden kann.

Mich kotzt diese Generation von Arbeitsverweigerern mehr und mehr an, einfach weil das Wohl und Leid der Vereine in ihre Hände gelegt wird und man als Fan machtlos ist und nur auf das Gute im Profi hoffen kann. Es gibt sie zwar immer noch, die Musterprofis, die dazu noch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, doch scheinen sie mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies zu gehören.

Das Lamentieren über den Ist-Zustand des Profifußballs hat jedoch nichts mit der Korkut-Entlassung zu tun. Ich bin nicht derart an Korkut gehangen, als dass ich ihm eine Träne nachweinen würde. Er hat meinen Respekt für die geile Rückrunde, mehr aber auch nicht. Wie unbelehrbar er sich zuletzt gegeben hat, wie langweilig seine Pressekonferenzen war, welch grottenschlechten Fußball unter ihm gespielt wurde wird wohl von seiner Amtszeit hängenbleiben.

Was in der Mannschaft zwischen dem furiosen Saisonfinale in München und der Pokalpleite in Rostock vorgefallen ist, weshalb das Team in der bisherigen Saison alles vermissen ließ, was ein paar Monate vorher noch grandios gemacht wurde, lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, dass auch damals die Auftritte meist unansehnlich waren, aber mit höchster Konzentration als Team agiert wurde und man das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Obwohl Korkut größtenteils auf die Spieler der erfolgreichen Vorrunde setzte, musste der eine oder andere wegen der Neuzugänge um seinen Platz bangen. Ist es das, dass sich die Etablierten wieder einmal dem Konkurrenzkampf zu verschließen versuchten und es den Neuen so schwer wie nur möglich machten? Ist es, wie es „Zimbo“ Zimmermann kürzlich meinte, dass man zwar Qualität hinzu geholt, jedoch Mentalität abgegeben hätte?

Jedenfalls stehen wir nun, nur achteinhalb Monate nach der Wolf-Entlassung, erneut vor einem Scherbenhaufen und einem neuerlichen Neuanfang.
Die Ausgliederungsbefürworter, die sich von der damals exzellenten Aufstiegsstimmung leiten ließen und großes Vertrauen in Schindelmeiser/ Wolf setzten, dürften sich inzwischen vor den Kopf gestoßen fühlen, hat sich doch seither, wie von den Kritikern befürchtet, rein gar nichts geändert.

Meine Hoffnung auf etwas mehr Kontinuität und Ruhe im Verein wurde mit der Schindelmeiser-Entlassung begraben. Nach Schindelmeisers Entlassung war es auch um Hannes Wolf geschehen. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann er die Nase voll haben und den Bettel hinschmeißen würde.

Die beiden waren die Gesichter des Aufstiegs und hätten Gesichter einer neuen Epoche sein können. Dass Korkut und Reschke dann der totale Gegenentwurf zu diesen Menschenfängern sind, zeugt nicht von Überzeugung und schon gar nicht von einer Strategie. Es wird in den Tag hinein gelebt, man reagiert und agiert nicht. Es ist nicht förderlich, stets während der Saison den Trainer zu wechseln, wenn man nehmen muss, was man kriegt und die Auswahl reichlich begrenzt ist. Den sauberen Schnitt im Sommer hat man wieder einmal versäumt.

Auch wenn Wolfgang Dietrich kürzlich bei Sport im Dritten die Trennung von Jan Schindelmeiser erneut verteidigte und als alternativlos beschrieb, ist mir diese noch immer nicht plausibel. Dies von oben herab zu bedeuten und jegliche Kritik daran wegwischen zu wollen, zeugt für mich von wenig Stil. Gerade weil Schindelmeiser DAS Gesicht der Ausgliederungs-Werbeveranstaltungen war, man immer wieder betonte, wie gut man doch jetzt personell aufgestellt sei und welcher Plan dahinter steckte, wirft die Entlassung, die zum damaligen Zeitpunkt vermutlich schon festgestanden hat, auf Dietrich ein schlechtes Licht. Dass die Entscheidung in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig ausgefallen sein soll, ändert für mich nichts an dem faden Beigeschmack daran.

Als Vereinsmitglied habe ich großes Interesse daran, den wahren Grund für seine Demission zu erfahren, einfach um ihn besser zu verstehen und nicht weiter darauf herumreiten zu müssen.

Was ich immer nur heraushöre war, dass Schindelmeiser lieber im stillen Kämmerlein gearbeitet habe und seine Vorstandskollegen nicht über jeden Zwischenstand seiner Vorhaben informiert habe.
Das allein fände ich überhaupt nicht verwerflich, weiß man doch, wie viele „Maulwürfe“ sich immer mal wieder auf dem Vereinsgelände tummelten, die ein schlechtes Bild nach außen abgaben und zudem anstehende Deals gefährdeten.

Dass man mit seiner Kaderplanung für die Bundesliga nicht einverstanden gewesen sei, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein, sollen die Risse doch schon lang vorher bestanden haben. Zudem war es ja noch mitten in der Transferperiode, so dass keiner weiß, wie Schindelmeisers Kader am 31.08. ausgesehen hätte.

Bei außergewöhnlichen Rechtsgeschäften wird auch ein Jan Schindelmeiser gezwungen gewesen sein, sich das OK seiner Kollegen im Vorstand einzuholen, so dass ich einfach nicht verstehe, was genau das Problem war.

Sollten gravierendere Gründe vorgelegen haben, die eine Trennung (zu diesem ungünstigen Zeitpunkt) unausweichlich gemacht haben, müssen diese meiner Meinung nach auf den Tisch, um ein Stück Glaubwürdigkeit zurück erlangen zu können.

Wie weit es die Herren im sowieso verlogenen Bundesligageschäft mit der Wahrheit halten, führte uns Schindelmeiser-Nachfolger Reschke in der letzten Woche schonungslos vor Augen.

Als Notlüge war es für Reschke legitim, nach dem Hannover-Spiel eine Korkut-Entlassung ins Reich der Fabel zu verweisen, um ihm am nächsten Morgen den Arschtritt zu verpassen.

Jener Reschke, der direkt nach seinem Amtsantritt die Fan- und Mitglieder-Schar, die nach der Abkehr vom Jugendstil, vorsichtig ausgedrückt, irritiert war, als „ahnungslose Vollidioten“ betitelte, dachte sich wohl dabei, diesen Vollidioten alles erzählen zu können und dass sie, da sie ja Vollidioten sind, auch nichts hinterfragen würden. Als Kind wurde mir eingetrichtert, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer weiß, vielleicht ging ja dieser Kelch an Reschke vorüber. Da passt es ins Bild, dass Zorc dieser Tage Reschke widersprach (oder auch der Lüge bezichtigte), als dieser behauptete 12 Millionen Euro für Bruun-Larsen geboten zu haben.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich die Korkut-Entlassung an sich kritisiere, im Gegenteil, für mich kam sie viel zu spät. Dass man Korkut direkt nach der so erfolgreichen Rückrunde, trotz berechtigter Zweifel, ob er in der Lage sein würde, mehr zu sein als ein Feuerwehrmann, nicht direkt den Laufpass gab, dafür habe ich ja noch Verständnis.

Weshalb man aber ohne Not den ohnehin für die laufende Saison gültigen Vertrag frühzeitig verlängerte, versteht wohl kein Mensch. Bei allem Respekt für Tayfun Korkut, er ist beileibe kein Trainer, bei dem man Angst haben musste, dass er von einem anderen Verein abgeworben wird. Man hätte die Entwicklung abwarten und sich im Winter zusammensetzen müssen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht.

Inwieweit Korkut bei der Kaderzusammenstellung mitwirken durfte, erschließt sich mir auch nicht. Offensichtlich konnte Korkut mit dem an Qualität verbesserten Kader wenig bis überhaupt nichts anfangen und schaffte es nicht, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Schnell traten Grüppchen zutage, hier die Alten, dort die Jungen. Die Mischung, die Korkut aufs Feld schickte, stimmte nie. War das Setzen auf Stabilität mit möglichst wenig Rotation in der Rückrunde noch ein probates Mittel, war es nun Gift, um alle bei Laune zu halten.

Zudem übertrieb es Korkut mit den Defensivspielern bei seinen Aufstellungen wie zum Schluss auch Hannes Wolf, so dass es früh klar wurde, dass die Ära Korkut nicht von langer Haltbarkeit geprägt sein würde.

Spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut entlassen gehört. Zuvor wurde immerhin schon beim Drittligisten Hansa Rostock und bei Mainz 05 verloren.

Dann kamen die Bayern, gegen die man oft mit der Ansetzung haderte, wenn wir sie zu einem Zeitpunkt bekamen, in denen sie voll im Saft standen. Erfahrungsgemäß haben die Bayern in Saisons nach einer Weltmeisterschaft Motivations- und Startprobleme, erstrecht, wenn die Spieler nach einer derart verkorksten WM zurückkehren und einigen erst so richtig bewusst wird, dass es wohl die allerletzte Chance war, noch einmal Weltmeister zu werden.

Selbstredend wäre es auch unter diesen Umständen eine Überraschung gewesen, gegen sie zu punkten, obwohl sich die Bayern im Pokal beim Underdog aus Drochtersen nur mit dem knappsten aller Resultate durchsetzten und beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim auf Schiedsrichter-Hilfe angewiesen waren, also auch bei ihnen bei weitem noch nicht alles rund lief.

Unverwundbar wären sie also nicht gewesen, umso unverständlicher, dass Korkut eine Hasenfuß-Taktik ausgab und es schon gar nicht versuchte, den Bayern weh zu tun.

Dabei hätte das 1:4 zum Saisonfinale doch Mut machen müssen. Wie leicht die hoch verteidigende und in die Jahre gekommene Bayern-Verteidigung zu überspielen ist, führten wir ja nicht exklusiv vor. Nach dem selben Strickmuster schnappte sich die Frankfurter Eintracht den Pokalsieg und rannte die deutsche Nationalelf bei der WM in Russland ins Verderben.

Wenn man aber gerade einmal zwei Offensivkräfte aufbietet und den normalerweise verschmähten Anastasios Donis ohne Unterstützung systematisch verheizt, disqualifiziert man sich selbst. Null Eckbälle, null Torschüsse vom VfB, wohl selten in der Bundesligahistorie fuhren die Bayern einen ungefährdeteren Sieg ein als jenen vom ersten September.

Eine Entlassung schon zu diesem Zeitpunkt (optimal, da ebenfalls vor einer Länderspielpause) hätte den Start des neuen Trainers erleichtert, standen damals die Spiele in Freiburg, gegen Düsseldorf und in Hannover noch bevor, aus denen mehr als mickrige zwei Pünktchen hätten herausspringen müssen.

So startet Weinzierl mit dem Rucksack, gleich gegen Tabellenführer Borussia Dortmund und beim Championsleague-Teilnehmer Hoffenheim beginnen zu müssen, was die Gefahr eines Fehlstarts und des Verpuffens der Aufbruchsstimmung in sich birgt.

Mit Markus Weinzierl als neuem Trainer kann ich gut leben (o. k., mir bleibt auch nichts anderes übrig). Meine Lieblings-Lösung hätte zwar Ralph Hasenhüttl geheißen, doch war dieser von Anfang an ziemlich unrealistisch. Er wird nach seiner Zeit bei Redbull auf den nächsten finanzstarken Verein warten und sich nicht darauf einlassen, beim VfB kleinere Brötchen backen zu müssen und den Schritt zurück zu gehen.

Gerechnet hatte ich mit Roger Schmidt, da sich Reschke ja gerne Personalien von Leverkusen aufschwatzen lässt. Dieser war wohl nicht von heute auf morgen aus China loszueisen (oder wollte nicht auf Gehalt verzichten), so dass es eben Markus Weinzierl geworden ist.

Weinzierl war vor seinem Engagement auf Schalke einer der am heißesten gehandelten Namen auf dem Trainermarkt, weil er sowohl in Regensburg als auch in Augsburg Beachtliches geleistet und den FCA gar in die Europa League geführt hatte.

Bei beiden Vereinen waren allerdings die Erwartungen nicht sonderlich groß und ein ruhiges Arbeiten in einem unaufgeregten Umfeld möglich. Selbst als der FC Augsburg vor sechs Jahren zur Winterpause mit neun Punkten da stand, hielt man am Trainer fest, was sich letzten Endes als richtig erwies, jedoch völlig untypisch ist im so hektisch gewordenen Bundesliga-Geschäft.

Schalke war da schon eine andere Hausnummer. Weinzierl scheiterte dort und musste bereits nach einem Jahr Platz für Ex-VfB-Jugendtrainer Domenico Tedesco machen.

Auf Schalke soll er nicht gerade der Lieblings-Trainer von Dennis Aogo und Holger Badstuber gewesen sein, schauen wir mal, ob sie sich beim VfB zusammenraufen. Eric Thommy kennt Weinzierl noch aus Augsburg und Christian Gentner über deren gemeinsamen Berater. Zweifel, dass diese Konstellation Interessenskonflikte hervorrufen könnte, versuchte Weinzierl schon bei seinem Amtsantritt zu zerstreuen.
Ich bin da skeptisch und nach wie vor der Auffassung, dass ein Sven Ulreich nur deshalb so lang (bzw. überhaupt) im VfB-Tor gestanden hat und Christian Gentner diese (Führungs-)Rolle beim VfB nur deshalb einnehmen konnte, weil seinerzeit Fredi Bobic das Sagen hatte und dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab war.

Ich hoffe, dass unter Weinzierl endlich das Leistungsprinzip einkehren wird und er die Spieler nach ihrem derzeitigen Leistungsstand und nicht wegen vermeintlicher früherer Verdienste um den Verein aufstellen wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass es einmal mehr die Alten waren, die Korkut die Gefolgschaft verweigerten.

Die Clique um Beck, Aogo und Gentner soll es gewesen sein, die Hannes Wolf stürzte, dieselben waren sich ihres Platzes unter Korkut nun wohl auch nicht mehr so sicher oder rebellierten, siehe Gentner in Rostock, wenn sie einmal auf der Bank Platz nehmen mussten. Korkut ging dann den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands, indem er eine überalterte Truppe auf den Platz schickte, anstatt sich mit ihnen wegen eventueller Nichtberücksichtigung auseinandersetzen zu müssen. Erst ab dem Spiel in Leipzig, als die Dinge bereits ihren Lauf nahmen, verjüngte er die Startelf und brachte in Maffeo, Borna Sosa und Thommy drei unverbrauchte Kräfte, was allerdings auch der englischen Woche geschuldet gewesen sein könnte.

Die Aufstellung für das Spiel in Hannover schließlich war dann, analog zu Wolfs letzter, nicht anders zu verstehen, als die Bitte um seinen Rausschmiss.

Wie man derart destruktiv eingestellt in ein Spiel beim Tabellenletzten, versehen mit der schwächsten Offensive der Liga, gehen kann, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Durch den Trainerwechsel fallen die Alibis der Spieler weg, wir kennen das ja. Schon im Frühjahr warteten Spieler wie Aogo und Gentner plötzlich mit Leistungen auf, die, wenn sie sie schon vorher gebracht hätten, Hannes Wolf wohl nicht zur Aufgabe bewogen hätten.

Daher ist auch jetzt wieder zu befürchten, dass sie sich am Riemen reißen und fein raus sind, wenn sie die so leicht zu verstehenden und väterlich vorgetragenen Ansprachen Weinzierls in den Himmel loben.
Es ist zu wünschen, dass sich Weinzierl nicht verbiegen lässt und den längst fälligen Umbruch endlich einleitet und vor allem einleiten darf. Zorniger und Wolf, die die alten Hierarchien in Frage stellten und das Team runderneuern wollten, wurden von der Mannschaft kläglich im Stich gelassen und erfuhren schließlich auch keine Unterstützung „von oben“.

Ein Gentner wirkt schon die komplette Saison lang körperlich nicht fit und sollte nicht länger auf dem Flügel „geparkt“ werden, nur weil die Zentrale durch aggressivere und handlungsschnellere Spieler besetzt ist. Auf dem Flügel, ich kann es mir nicht anders erklären, wird er nur deshalb eingesetzt, weil ein Gentner eben immer spielen muss, für mich spielen wir so de facto mit einem Mann weniger.

Holger Badstuber tut mir Leid, weil er nach zwei haarsträubenden Fehlern lange außen vor war und seitdem nur noch verunsichert wirkt. Er geht offensiv an die Probleme heran und stellt sich auf seiner Facebook-Seite der Kritik.

Schade, dass diese vor allem von VfB-Fans meist beleidigend ausfällt und ihm noch immer vorgeworfen wird, dass er gerne zu einem Verein gewechselt wäre, der Championsleague spielt. Mir ist ein ehrgeiziger Spieler allemal lieber als ein Kapitän Gentner, der nach Mainz fährt und ausspricht, dort müsse man nicht unbedingt gewinnen. Das ist genau die Mentalität des Mit-zu-wenig-Zufriedenseins, die die Ära Gentner prägte.

Zudem sei noch einmal gesagt, dass Badstuber und der VfB letzte Saison nur einen Einjahresvertrag abgeschlossen hatten und es somit beiderseits legitim war, sich nach Alternativen umzuschauen. Jetzt, nachdem sich Badstuber ganz klar für den VfB entschieden und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, gab er ein klares Bekenntnis zum VfB ab und dürfte einen Teufel tun, sich gleich wieder vom Acker zu machen, selbst dann, sollte ein besseres Angebot ins Haus flattern.

Wenn er jedoch weiterhin permanent beleidigt und niedergemacht wird, braucht sich keiner zu wundern, sollte er doch um die Freigabe bitten. Bezeichnend auf den sozialen Netzwerken ist, dass es hauptsächlich Bayern-Fans sind, die ihn aufmuntern und ihm nachtrauern. Schon allein die Tatsache, dass man sich bei den erfolgsverwöhnten Bayern nach einem wie ihm sehnt, sollte verdeutlichen, zu was Badstuber fähig ist, wenn er in Topform ist.

Aogo (weshalb eigentlich wurde Mangala abgegeben?) und Beck rechtfertigten ihre Einsätze in dieser Saison noch überhaupt nicht, Castro scheint noch seine Rolle zu suchen und noch nicht richtig angekommen zu sein.

Castro wird den Anspruch an sich selbst haben, Führungsspieler sein und beim VfB eine tragende Rolle übernehmen zu wollen. Ohne wirklich Ahnung vom Innenleben der Truppe zu haben, kann ich es mir auch hier wieder vorstellen, dass es Kräfte im Team gibt, die das zu verhindern versuchen, weil sie um ihren eigenen Status fürchten. Solche Grabenkämpfe müssen Sportdirektor und Trainer vehement bekämpfen und mit aller Härte dazwischen grätschen, da sie äußerst vereinsschädigend und für mich zudem die Wurzel allen Übels der letzten Jahre sind. Von Castro verspreche ich mir mehr, als das was er bislang zeigen konnte.

Daniel Didavi hat ebenfalls einen schweren Stand seit seiner Rückkehr. Nach dem kollektiv schwachen Auftritt in Rostock war er das erste Bauernopfer Korkuts, indem er im darauffolgenden Spiel aus der Mannschaft flog. Seither hat er Schwierigkeiten richtig Fuß zu fassen und ist zudem (mal wieder) verletzungsgeplagt.

Auch von ihm verspreche ich mir sehr viel mehr. Vielleicht gelingt es Weinzierl als eine seiner ersten Amtshandlungen, sofern er fürs Dortmund-Spiel fit wird, Dida stark zu machen und vor allem die Position spielen zu lassen, die ihm am besten liegt, nämlich hinter den Spitzen.

Es wäre nicht Didavis erstes Comeback gegen Dortmund, 2014 kehrte er nach über einjähriger Verletzungspause gegen den BVB überraschend zurück und machte ein starkes Spiel, auch wenn dieses nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging.

Ron-Robert Zielers Rolle im Team kann ich von außen ebenfalls schwer einschätzen. Gehört auch er zu der Clique, die Trainerwechsel durch ihre „Leistung“ auf dem Platz zu beschleunigen versuchen? War es Zufall, dass Zieler durch seine Patzer in Mainz zu Beginn der vergangenen Rückrunde Wolfs Demission maßgeblich mit beeinflusste? Waren es zuletzt in Freiburg, Leipzig und gegen Bremen zufällige Aussetzer oder welche mit Ansage? Ich halte ihn eigentlich für einen großartigen Rückhalt, weshalb mir die auffällig vielen Fehler in letzter Zeit etwas rätselhaft sind.

Insúa musste zuletzt für Borna Sosa weichen. In Freiburg spielte er eine sehr gute zweite Halbzeit, gegen Düsseldorf, wie viele andere auch, sehr durchwachsen, danach saß er draußen. Mit besonderem psychologischem Geschick war Tayfun Korkut nicht gesegnet, siehe Didavi, siehe auch Insúa.

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Talenten wie Borna Sosa keine Alten vorgesetzt werden und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie nicht die Lust verlieren und zugleich ihren Marktwert steigern, aber, Insúa halte ich für wichtig fürs Team.

Zum einen steckt seine ständig gute Laune an, zum anderen ist er ein wichtiger Integrator für Ascacibar und Gonzalez. Anhand dieser Faktoren und dem Umstand, dass seine Leistung selten unterirdisch ist und er sich nie hängen lässt, würde ich einen wie ihn nicht so schnell aus dem Team verbannen und Borna Sosa lieber auf der linken Außenbahn sehen, um zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Bliebe noch Mario Gomez, DER Lebensversicherung der letzten Rückrunde. Gegen Bremen machte er ein bärenstarkes Spiel und setzte mehrere Male uneigennützig Gonzalez in Szene, der dann so unglücklich scheiterte. Er ist einer, der sich (nach Anlaufproblemen) aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich auch nicht zu schade dafür ist, nach hinten zu arbeiten. Jedoch täte ihm die eine oder andere Anspielstation mehr vorne gut, so dass er nicht ständig gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Abwehrspielern ankämpfen muss.

Ich bin gespannt darauf, wie Weinzierls Ausrichtung am Samstag gegen den Spitzenreiter aussehen wird. Nach Trainerwechseln ist die Truppe stets eine gewaltige Wundertüte. Da sich das Team bislang weit unter Wert geschlagen hat, ist von einem „weiter so“ bis zu einer wahren Leistungsexplosion alles im Bereich des Möglichen.

Dieser abgezockten Spezies Fußballprofi nehme ich nicht einmal mehr die so viel beschworene allgemeine Verunsicherung nach den ganzen Negativresultaten ab. Jetzt, wo die Alibis weggefallen sind und sich wieder einzig und allein alles auf sie fokussiert, wird es sich keiner mehr leisten können, nur mit halber Kraft aufzutreten und den Nebenmann links liegen zu lassen. Wir werden eine Einheit auf dem Platz sehen, da bin ich mir relativ sicher. Ob es dann reicht gegen den, vor allem in der Offensive, so vorzüglich besetzten BVB, werden wir sehen.

Mein Optimismus was bessere Spiele und bessere Ergebnisse betrifft kehrt langsam zurück, wenngleich ich dann einen umso größeren Groll auf die Spieler schiebe. Nach Trainerwechseln, die auch für mich längst Routine sind, kann ich mich über die ersten Erfolgserlebnisse nie so richtig freuen, zu sehr steckt noch der Ärger über die Spieler in mir, dass sie es überhaupt so weit haben kommen lassen und lediglich durch Handauflegen des neuen Trainers neue Energien freigesetzt wurden. An diesen Scheiß glaube ich nicht, es liegt einzig und allein am Willen und der Einstellung dieser kickenden Millionäre und da bin ich noch immer so naiv, dies von ihnen an JEDEM ihrer Tage beim VfB zu erwarten.

Korkut ist sicher einer der Trainer, denen ich am wenigsten hinterhertrauere und doch waren es einmal mehr die Spieler, die durch mangelndes Engagement und haarsträubende Leichtsinnsfehler den Trainerwechsel erst nötig gemacht haben.

Nachdem diese Saison fast schon wieder abgehakt werden muss, ehe sie richtig begonnen hat, es nur noch wenig zu erreichen und umso mehr zu verhindern gibt, wächst natürlich auch der Druck auf Reschke. Seine Außendarstellung (und damit die des VfB!) ist nach wie vor eine Katastrophe. Sollte eines Tages auch Weinzierl beim Team nicht mehr wohlgelitten sein und in naher Zukunft „mein“ Trainer Nummer 46 vor der Tür stehen, dürfte die Luft für Reschke langsam dünn werden.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.1/10 (7 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
18. September 2018

Zu wenig!

Nach dem (O-Ton Reschke) schwierigen Auftaktprogramm mit Niederlagen im DFB-Pokal bei Hansa Rostock (dümpelt im Mittelfeld der 3. Liga) sowie in der Liga bei Angstgegner Mainz 05 und gegen die Münchner Bayern, sollte die Saison für den VfB mit Verspätung am 3. Spieltag beginnen.

Mit gleichlautenden Durchhalteparolen wurden wir in die Länderspielpause entlassen, ähnlich ist die Herangehensweise jetzt, nach dem Unentschieden in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

Korkut nennt es, gegen Düsseldorf den nächsten Schritt machen, während ich mich indes frage, welchen Schritt man denn im Breisgau getan hat. Eine katastrophale erste Halbzeit, in der es lediglich der Freiburger Abschlussschwäche zu verdanken war, dass wir nicht zur Pause hoffnungslos zurück lagen? War das ein Schritt zur Besserung? War es ein Schritt nach vorn, sich von eben diesen abschlussschwachen Freiburgern trotzdem drei Tore einschenken zu lassen?

Ich unterstelle einfach mal, dass es im weiteren Saisonverlauf nicht mehr sehr viele Teams geben wird, gegen die die Freiburger drei Tore schießen werden. War es ein Schritt nach vorn, es mit derselben destruktiven Ausrichtung wie gegen die Bayern zu versuchen? Nachdem gegen die Bayern schon mit Bekanntgabe der Aufstellung die weiße Fahne geschwenkt wurde, war die Hoffnung gegeben, dass Korkut gegen den ebenfalls noch punktlosen Abstiegskandidaten Freiburg vom Angsthasenfußball abrücken und mutiger agieren lassen würde.

Doch, nichts da, in Gonzalez und Gomez standen abermals ganze zwei Offensivkräfte zum Anpfiff auf dem Feld. Unser Spiel sollten doch tatsächlich über außen Castro und Gentner sowie zentral Aogo ankurbeln. Alles eher defensiv denkende Routiniers, jenseits der Dreißig und nicht (mehr) die Allerschnellsten.

Etwas, mit Verlaub gesagt, verarscht kommt man sich dann vor, wenn Korkut nach dem Spiel feststellt, dem VfB-Spiel habe die Schnelligkeit gefehlt. Schicke ich einen Traktor ins Formel 1-Rennen muss ich davon ausgehen, nicht hinterher zu kommen und vor allem, dass die Musik vorne ohne mich spielt.

Fast folgerichtig dauerte es gerade einmal 47 Sekunden, bis man dem Rückstand hinterherlaufen musste. Nach schlampigem Ballverlust von Gonzalez und weil Gentner den falschen Laufweg wählte und damit Gonzalez erst richtig in die Bredouille brachte (bevor sich jemand beschwert, weil ich unseren Capitano kritisiere – das hat Didi Hamann bei Sky so analysiert) ging es zu schnell für die Jungs vom Neckar.

An diesem Rückstand hatte der VfB lang zu knabbern und vermochte offensiv keinerlei Akzente zu setzen. Wie auch, wenn man hauptsächlich Spieler auf dem Feld hat, die den gepflegten Rückpass bevorzugen, anstatt das Spiel schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Korkut hatte sich vercoacht und riesiges Glück, dass die Freiburger aus der Stuttgarter Schwäche kein weiteres Kapital schlagen konnten. Dass der Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff der allererste Torschuss in der ersten Halbzeit war, spricht Bände.

Der Fußball in der Rückrunde war ebenso unansehnlich, aber, doch wenigstens erfolgreich. Damals galten für Korkut mildernde Umstände, musste er doch mit dem Spielermaterial auskommen, welches ihm gegeben war und musste er der über weite Strecken der Vorrunde (vor allem auswärts) verunsicherten Mannschaft Halt geben und sie ohne besondere Erwartungshaltung „einfach nur“ stabilisieren.

Mit Beginn der Vorbereitung aber haben sich die Vorzeichen geändert. Korkut durfte, so unterstelle ich es einfach mal, beim einen oder anderen Transfer mitreden, hätte Abgänge von Spielern, mit denen er nichts anfangen kann, forcieren können und hatte vor allem den Kader, manch einer spricht vom stärksten seit 2007, so früh beisammen, wie kaum einer seiner Vorgänger.

Da nach knapp zwei Monaten Vorbereitungszeit die Spiele aussehen, als würden die Jungs zum ersten Mal miteinander kicken und der Trainer mit unserem durchaus vorhandenen Potential nichts anzufangen weiß, bestätigt das den Ruf, der Korkut bei seiner Präsentation vorauseilte, nämlich dass er kein Trainer sei, der ein Team (weiter-)entwickeln könne.

In Freiburg retteten ihm Insúa mit einem Sonntagsschuss sowie Doppeltorschütze Mario Gomez den Allerwertesten. Die ersten VfB-Tore in dieser Saison überhaupt, die wohl gegen eine weniger naiv verteidigende Mannschaft so nicht fallen.

Dass man sich dann selbst nach zweimaliger Führung noch die Butter vom Brot nehmen ließ, ist völlig unverständlich. Freiburg erweckte nicht gerade den Eindruck, noch ein Tor machen zu können. Es war auch beileibe nicht so, dass man sich eines Sturmlaufs zu erwehren gehabt hätte und dennoch wechselte Korkut eine Viertelstunde vor Schluss defensiv und brachte Badstuber für Gentner.

Dadurch gab Korkut himself den Freiburgern das Signal für deren Schlussoffensive, anstatt mit einem schnellen Mann wie Donis auf die Entscheidung zu drängen.

Die Quittung in Form des Ausgleichs ließ nicht lange auf sich warten und war aufgrund des Spielverlaufs verdient. In einem von Fehlern auf beiden Seiten gespickten Spiel machte beim VfB dieses Mal Ron-Robert Zieler eine ganz unglückliche Figur. An guten Tagen lässt er wohl keinen der drei Schüsse rein! Zwei Tore in die kurze Ecke und ein Freistoßtor, bei dem die Mauer nicht gut genug gestellt war. Einen ähnlich schwarzen Tag erwischte Zieler zu Beginn der letzten Rückrunde in Mainz. Dieser hatte ihn nicht umgeworfen, wurde er danach doch der fast unüberwindbare Rückhalt, so dass ich guter Hoffnung bin, dass er auch dieses Mal darüber hinweg kommen wird.

Mario Gomez echauffierte sich über den Freistoßpfiff, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Andreas Beck lag auf dem Boden und wollte den Freistoß für sich bekommen. Diesem Wunsch verlieh er Nachdruck, indem er den Ball in die Hand nahm, ohne, dass der Schiedsrichter gepfiffen hatte. Eigentlich lernt man das in der E-Jugend, dass das Spiel erst unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat… Zwar ärgerlich in diesem Fall, doch, lamentieren hilft nicht weiter. Aus solchen Aussagen spricht die Unzufriedenheit über die Gesamtsituation, liest man zwischen den Zeilen.

Ein Remis ist in unserer Lage zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Natürlich ist es noch früh in der Saison, natürlich werden wir die Punkte für den Klassenerhalt noch früh genug eingefahren und doch weigere ich mich, in diese Allgemeinphrasendrescherei einzustimmen.

Punkte, die wir jetzt verschenk(t)en sind unwiederbringlich weg, ebenso wie das Pokal-Aus nicht mehr zu korrigieren ist. Sollte uns, dann (vermutlich wieder mit einem anderen Übungsleiter an der Seitenlinie) ein ähnlich formidabler Zwischen- oder Schlussspurt gelingen wie zum Ende der letzten Rückrunde, nach der uns gerade noch vier Punkte von einem Championsleague-Platz trennten, sind es gerade jene Punkte, denen wir nachtrauern werden.

Beklagt man sich seitens der Vereinsführung und der Spieler jetzt bereits über die Erwartungshaltung und erklärt Gegner wie Freiburg und Düsseldorf zu welchen auf Augenhöhe, gibt man Korkut und dem Team schon jetzt ein wunderbares Alibi, sich weiterhin nicht gerade überanstrengen zu müssen. Platz 15 dürfte auch mit halber Kraft zu erreichen sein.

In solchen Momenten und nach solchen Vorstellungen wünschte ich mir MV zurück, der rechtzeitig Alarm geschlagen und es nicht einfach so weiterlaufen lassen hätte.

Das zweite Jahr in der Bundesliga ist das schwerste, sagt man. Allerdings, für Vereine wie Hannover und den VfB, oder auch Köln und den HSV, sollten sie direkt wieder aufsteigen, gelten andere Maßstäbe als für Düsseldorf und Nürnberg.

Langjährige Bundesligisten sollten den Zweitligaaufenthalt zur Konsolidierung nutzen, sich von Altlasten befreien und mit neuer Stärke zurückkommen. Die Voraussetzungen beim VfB sind gegeben. Der Kader wurde hoffnungsvoll verstärkt, das Umfeld ist euphorisch, jetzt muss „nur“ noch der Trainer mitsamt seines Teams liefern.

Ich sehe den VfB schon jetzt am Scheideweg. Die Gefahr ist vorhanden, nicht nur die Anhängerschaft sondern auch einige Spieler zu vergraulen. Hatte man im Sommer seit langem mal wieder den Eindruck, der VfB sei wieder wer auf dem Transfermarkt und könne hoch gehandelte Talente zum VfB locken, weil man ihnen eine Perspektive aufzeigt, hier das optimale Umfeld für den nächsten Schritt vorzufinden, scheint sich das schon wieder ins Gegenteil umzuschlagen, worüber der eine oder andere sicherlich „not amused“ sein dürfte.

Spaß macht es den Jungs, wenn sie eingesetzt werden und herzerfrischenden Fußball spielen dürfen und nicht, wenn stets der Ältere den Vorzug erhält und ein Fußball gespielt wird, der nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist.

Neuzugänge wie Maffeo und Borna Sosa brauchen Spielpraxis, um sich zu integrieren und ihrem Tatendrang freien Lauf zu lassen. Sind sie (zu) lange außen vor, werden sie resignieren, vor allem, wenn sie zur Kenntnis nehmen, dass sie sich zwar hinter Älteren, nicht unbedingt aber Besseren anstellen müssen.

Spieler wie Akolo, Thommy und Anastasios Donis müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn man im Sommer noch beteuert, man setze auf ihre Dienste und man im Ernstfall nicht den Mut aufbringt, sie Älteren vorzuziehen. Donis gegen die Bayern als einzige (fitte) Offensivkraft zu verheizen und der Meute, die ihn vehement forderte, damit verdeutlichen zu wollen, dass er doch nicht der Heilsbringer ist, ist Verarsche pur.

Dass der VfB im Juni völlig unnötig Tayfun Korkut’s Vertrag verlängerte, könnte uns bald teuer zu stehen kommen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Korkuts Angsthasenfußball auf Dauer akzeptiert werden wird. Zudem scheint mir der Trainer gerade den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, indem er sich mit den „Alten“ besser nicht anlegen möchte. Ob sie es ihm danken oder wann sie den Daumen gegen den Trainer senken, wir werden sehen!

Die von Vereinsseite stets angeprangerte überzogene Erwartungshaltung des VfB-Umfeldes kann ich nicht bestätigen. Kaum einer erwartet das Erreichen der Championsleague oder der Europaleague. Wenn das europäische Geschäft Folge einer geilen Serie sein sollte, nimmt man es zwar gerne mit, das hängt dann aber maßgeblich von der Konstanz oder Inkonstanz der Konkurrenz ab.

Was man jedoch erwarten können muss, ist, dass das vorhandene Potential ausgeschöpft wird und man bestrebt ist, ansehnlichen Fußball darzubieten. Wer ständig Hashtags nach dem Motto #wirsinddiegeilsten raus haut und mittels #jazumerfolg die Profiabteilung ausgliedert, darf sich nicht wundern, wenn die Erwartungshaltung steigt, und man sich mehr verspricht, als einen Punkt nach drei Spielen.

Wie dick das Band zwischen Korkut und Reschke, der ihn trotz großer Widerstände geholt halt, ist, wird sich zeigen, sollte gegen Fortuna Düsseldorf nicht gewonnen werden. Ich erwarte ein äußerst unangenehmes Spiel, wie fast immer, wenn es gegen Mannschaften geht, die Friedhelm Funkel betreut. Düsseldorf, als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, ist achtbar in die Saison gestartet und hat bereits drei Punkte mehr auf dem Konto als der VfB. Ausgemusterte VfB-Profis wie Marcin Kaminski, Jean Zimmer und „Zimbo“ Zimmermann drücken den Rheinländern den Stempel auf, so dass man ihnen diesen Lauf fast schon gönnt.

Dies jedoch nicht am Freitag, da muss dem VfB der Befreiungsschlag gelingen, um den Saisonstart nicht völlig in den Sand zu setzen und einen ungemütlichen Herbst zu verleben. Bleiben die Ergebnisse weiterhin aus, sollte Reschke Korkut Ratschläge in Sachen Taktik geben, hat ja schließlich bei Hannes Wolf schon bestens funktioniert!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.6/10 (7 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
2. September 2018

Die Hosen voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 11:05

Nach den zwei Auftaktniederlagen in Rostock sowie in Mainz hatte sich der VfB unnötig unter Druck gesetzt, gegen die übermächtigen Bayern möglichst etwas Zählbares einfahren zu müssen.

Der Deadline-Day am Freitag verstrich, ohne dass Michael Reschke für weitere Verstärkung gesorgt hätte. Null Tore in den ersten beiden Spielen offenbarten, dass der Abgang von Daniel Ginczek eine Lücke hinterlassen hat, so dass ich mir es gewünscht hätte, dass noch eine Alternative fürs Sturmzentrum präsentiert wird, wenn Nicolás González noch nicht der ganz große Durchbruch zugetraut wird.

In den bisherigen Spielen wirkte Mario Gomez fahrig in seinen Aktionen, nicht wirklich fit und in gewisser Weise auch „satt“. Sein ganz großes Ziel, eine neuerliche WM-Teilnahme, hat er durch seine Leistungen in der Rückrunde erreicht.

Der Ansporn, sich dem Bundestrainer aufdrängen zu müssen, ist weg, da Gomez nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.

Ist die Frage, was treibt ihn jetzt noch an? Hat er noch den ganz großen Ehrgeiz, dem VfB unter allen Umständen weiterhelfen zu wollen oder lässt er seine Karriere gemütlich ausklingen?

Die Einstellung spreche ich ihm nicht ab, auch wenn er, wie alle anderen, in den ersten Spielen nur Mitläufer war, der mit seiner eigenen Leistung zu kämpfen hatte, anstatt in der Lage zu sein, eine Führungsrolle einzunehmen und die Richtung vorzugeben.

Auch gestern gegen die Bayern hing er völlig in der Luft, was jedoch in erster Linie der defensiven Ausrichtung des Teams geschuldet war. Dennoch verstolperte er die wenigen Bälle, die er bekam und es fehlte die Spritzigkeit die in die Jahre gekommene Bayern-Abwehr durch Anlaufen unter Druck zu setzen.

Tayfun Korkut indes ließ sich erneut durch die öffentliche Meinung zu Startelfänderungen hinreißen. Der in die Kritik geratene Holger Badstuber musste nach zwei spielentscheidenden Patzern in Rostock und in Mainz Platz für Timo Baumgartl machen, während A. Donis nach seiner völligen Ausbootung gegen Mainz in der Startelf stand. Ein Schlingerkurs des Trainers, der nicht unbedingt ausdrückt, dass der Kollege auf der Trainerbank einen Plan hätte.

Sollte er doch einen in der Tasche haben, war dieser gestern offensichtlich rein aufs Verhindern ausgerichtet und nicht aufs Gestalten.

Mit nominell neun (!) defensiv denkenden Akteuren wollte man wohl ein 0:0 ermauern oder die Niederlage im erträglichen Rahmen halten, was für meinen Geschmack zu wenig war, angesichts der knapp 60.000 Augenzeugen, die für diese einseitige Demütigung einen immensen Top-Zuschlag (sofern nicht Dauerkarteninhaber) zu berappen hatten.

Will man die Bayern ernsthaft in Bedrängnis bringen und versuchen mitzuspielen, bedarf es mehr Esprit, als nur die Bälle ins Nichts zu schlagen und sich daran zu erfreuen, wie die Sekunden verrinnen.

Dass die Bayern in einer anderen Liga spielen, steht außer Frage. Dass man in 90 Minuten aber weder eine gelbe Karte kassiert, noch einen Eckball herausholt, noch ein einziges Mal aufs Tor schießt, steht auf einem anderen Blatt. Die Bayern siegten im Schongang, ich habe vom VfB selten ein emotionsloseres Spiel gegen die Bayern gesehen.

Dass die Bayern einiges motivierter waren als der VfB, zeigte sich in der 21. Minute, als Donis an der Seitenlinie mit großem Einsatz Ribéry weg grätschte.

Die gesamte Bayern-Bank sprang auf und war entrüstet. Auf Seiten des VfB hingegen, keine Emotionen, keiner, der Donis applaudiert und das Publikum aufgeputscht hätte. Eine solche Aktion kann eine Initialzündung sein, dem Gegner den Schneid abzukaufen, doch, der VfB hatte offensichtlich an diesem Tag keinen Bock, mehr als ein angenehmer Sparringspartner zu sein.

Stimmte in der ersten halben Stunde wenigstens noch die Konzentration und der Einsatz, war auch das nach dem 0:1 wie weggeblasen. Man ergab sich in sein Schicksal und hatte von außen nie den Eindruck, dass irgendwer noch an die Wende geglaubt hätte.

Das 1:4 zum Saisonfinale in München war sicher kein Maßstab für dieses Spiel und doch war es ein Fingerzeig, wie den Bayern noch am ehesten beizukommen wäre. Mit schnellem Flügelspiel lassen sich die Bayern-Granden, die gewohnt hoch standen, noch am ehesten überlaufen und in gefährliche Situationen verwickeln, gestern blieben diese stümperhaften Versuche allesamt im Ansatz stecken, weil das Spiel insgesamt zu sehr auf Sicherheit ausgelegt war.

Bot sich mal ein Hauch einer Konterchance, fehlte es dem Stoßstürmer Gomez an Tempo, um in der Mitte ein potentieller Abnehmer zu sein.

Die erste Auswechslung des Spiels in der 57. Minute muss bereits vor dem Spiel festgestanden haben und nicht dem Spielverlauf oder gar der Leistung von Anastasios Donis geschuldet gewesen sein. Konsequenterweise hagelte es für diese Korkuts Eingebung ein gellendes Pfeifkonzert.

Er ackerte und rackerte und war der Einzige auf Seiten des VfB, dem man im Spiel offensiv noch etwas zugetraut hatte, dennoch wurde er durch Thommy ersetzt, womit auch deutlich wurde, dass Korkut keine Ambitionen hatte, das Spiel noch versuchen zu drehen. Dann nämlich hätte er sein Team sukzessiv offensiver ausrichten und das Risiko erhöhen müssen, wofür diese Wahrscheinlichkeit mit diesem positionsgetreuen Wechsel eher gering gehalten wurde.

Wenig später fiel dann das 0:2, womit der Käs gegessen war und man in Reihen des VfB den Schlusspfiff herbeisehnte. An Schmähgesängen aus dem Gästeblock mangelte es nicht, wenngleich aus diesem keine optischen Akzente kamen, weil die Ultras dem Vernehmen nach wegen Problemen beim Einlass das Spiel boykottierten.

Nach null Toren, null Punkten und Tabellenplatz 18 nach dem zweiten Spieltag steht der VfB nach der Länderspielpause in Freiburg gehörig unter Druck. Für manch einen beginnt die Saison ohnehin erst dort, ich hätte mir zumindest in Mainz ein engagierteres Auftreten gewünscht.

Da dieses ausgeblieben war, stand das Team gegen Bayern in der Pflicht und versagte auf ganzer Linie. Wird immer darüber lamentiert, dass der VfB gegen Bayern meist in der Schlussphase einer Saison, wenn die Bayern voll im Saft stehen, spielen muss und es doch so viel einfacher sei, am Anfang auf sie zu treffen, sah sich getäuscht.

Zwar stimmen die Abläufe bei ihnen noch nicht zu hundert Prozent, zwar benötigten sie gegen Hoffenheim noch die Mithilfe des Videoassistenten, wenn man es aber nicht einmal versucht, ihnen weh zu tun, haben sie natürlich leichtes Spiel.

Gerade nach den Diskussionen in der Woche um Ribérys Schwalbe gegen Hoffenheim, hätte ich es mir gewünscht, dass der VfB mal in eine Situation gekommen wäre, in der der VAR benötigt worden wäre und vielleicht etwas gutzumachen gehabt hätte.

Dies war nicht der Fall, kein einziger ernsthafter Torabschluss spricht Bände. Nicht nur die Bayern hätten gegen den VfB ohne Torwart antreten können, in den bisherigen drei Saisonspielen musste der gegnerische Torwart genau zweimal eingreifen (Aogos Freistoß ins Torwarteck (!) in Rostock; Gonzalez’ Schuss in Mainz). Alle anderen in der Statistik als Torschüsse ausgewiesenen Versuche gingen am Tor vorbei oder kullerten in die Arme des Keepers.

Ich hoffe, dass Korkut von diesem destruktiven Gewürge sehr bald absieht und die Jungs Fußball spielen lässt. Die taktischen Fesseln müssen, vor allem in der Kreativabteilung, abgelegt werden.

Wenn Badstuber aus Leistungsgründen aus der Startelf fliegt, muss auch die Rolle bzw. „Leistung“ der anderen älteren Spieler hinterfragt werden. Ob Insúa, Aogo, Castro, Gomez oder auch Kapitän Gentner.

Keiner der Genannten steht für schnelles, schnörkelloses Spiel, keiner vermochte es im bisherigen Saisonverlauf zu rechtfertigen, dass er den Vorzug vor jüngeren für die Zukunft des VfB stehenden Akteuren erhalten hat. Im Gegenteil, es scheint fast so zu sein, dass das Tempo im Spiel bewusst altersgerecht bestimmt ist, womit keinerlei Überraschungsmomente in der gegnerischen Hälfte aufkommen.

Nach einem Pokalspiel und zwei Ligaspielen ist es verfrüht, den Stab über den Trainer und das Team zu brechen. Auch eine Niederlage, wenn auch ein Klassenunterschied offenbart wurde, gegen die Bayern eignet sich nicht, jetzt schon in Panik zu verfallen.

Was mich eben fürchterlich aufregt, ist, dass gefühlt der Saisonstart verschlafen bzw. verschenkt wurde und die komplette Euphorie verflogen ist. Es waren ja nicht nur die Ergebnisse. Spielerisch lag bisher sehr viel im Argen und Torgefahr war nicht vorhanden, so dass man sich schon fragt, was das Team den Sommer über getan hat. Im Trainingslager war ich überrascht, dass kaum eine Einheit länger als 45 Minuten dauerte, was jedoch auch der Hitze geschuldet gewesen sein könnte. Zudem weiß man im Trainingslager auch nicht immer, was hinter den Kulissen noch gemacht wird.

Korkuts Glück könnte es jetzt sein, dass es in den nächsten Spielen zunächst nach Freiburg geht und dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf seine Visitenkarte im Neckarstadion abgibt. Beides sind Gegner, die man bezwingen kann, wenn nicht muss. Korkut muss die Länderspielpause nutzen und versuchen, grundlegende Dinge zu verändern. Dass Korkuts Fußball selten vergnügungssteuerpflichtig ist, wissen wir seit der Rückrunde, dort war er aber wenigstens erfolgreich. Die Frage, die sich aufdrängt, ist jetzt, kann Korkut auch anders und, war es doch nur pures Glück, was wir in der Rückrunde hatten. Dieses scheint jedenfalls nun aufgebraucht zu sein, so dass er sich nicht weiter auf Altbewährtes verlassen sollte, im Vertrauen, der Wind werde sich schon von selbst wieder drehen. Korkut steht nun extrem unter Druck und muss liefern. Der Kader dazu wurde ihm anvertraut.

Sollte es wider Erwarten in Freiburg wieder nichts zu ernten geben, dürfte Düsseldorf bereits ein erstes Endspiel für ihn werden. Ich hoffe in Freiburg auf eine mutigere Ausrichtung und einen VfB, der von Beginn an zeigt, dass er um jeden Preis gewinnen möchte. Igelt man sich auch dort zunächst ein und lässt Freiburg gewähren, wäre es meiner Ansicht nach fatal und der Anfang vom Ende.

Noch hat Korkut alle Fäden in der Hand und kann überdenken, auf wen der alten Hasen er sich wirklich noch verlassen kann und wo wer am besten aufgehoben ist. Tut er das nicht und zeigt er nicht endlich, dass er nicht nur Feuerwehrmann sondern auch ein Team entwickeln kann, bekommen wir eben mal wieder einen neuen Trainer. Man ist es ja inzwischen gewohnt!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.5/10 (13 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 5 votes)