25. Januar 2016

Endlich mal ein Auftaktsieg!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:20

Nach dem ebenso wichtigen wie überraschenden Sieg gegen den VfL Wolfsburg und der Beförderung Jürgen Kramnys vom Interims- zum Cheftrainer galt es nun, in Köln nachzulegen und dadurch mit Schwung aus der Winterpause zu kommen.

In Belek konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass die Stimmung prächtig war und hart und konzentriert daran gearbeitet wurde, eine gute Grundlage für die Rückrunde 2015/2016 zu legen. An Neuzugängen wurden zwar Kevin Großkreutz und Artem Kravets vorgestellt, der so dringend benötigte erfahrene Innenverteidiger lässt jedoch weiter auf sich warten.

Während Kravets zunächst einmal vorwiegend als Backup unseres Sturms dienen und nur punktuell zu Einsätzen kommen dürfte und Eigenwerbung für eine Nominierung zur Euro 2016 für sein Heimatland Ukraine betreiben möchte, soll Großkreutz das Team möglichst auf Anhieb verstärken. Als zweimaliger Deutscher Meister, Pokalsieger und Weltmeister sollte er diese Qualität von Haus mitbringen. Noch fast wichtiger aber wird er mit seiner Mentalität als Typ sein. Ein Kämpfer, der einen hohen Anspruch an sich selbst und an sein Team stellt, einer, der verbissen und dennoch Spaßvogel ist und seine Mitstreiter mitreißen kann. Diese Tugenden sollte er, auch ohne Spielpraxis, von Anfang an in die Waagschale werfen können.

Aber, es stehen eben auch noch andere Geschichten in seiner Vita, die einen skeptisch werden lassen könnten ob seiner Verpflichtung. Dass er in eine Hotellobby gepinkelt habe, dass er einen Döner nach einem Passanten geschmissen habe und, was ihm vor allem unseres Ultras vorwerfen, seine Nähe zu Dortmunder Ultra-Gruppierungen wie den Desperados.

Mir steht es nicht zu, über seine erstgenannten Verfehlungen zu urteilen, da ich es Fußballprofis zugestehe, in ihrer Freizeit auch mal zu feiern und über die Stränge zu schlagen, sofern es den Leistungen auf dem Platz nicht abträglich ist. Solche Geschichten sind für Personen des öffentlichen Lebens zwar nicht unbedingt ratsam, da sie medial aufgebauscht werden und die Schundblätter tage- oder gar wochenlang zu füllen vermögen, auf der anderen Seite aber kann sicherlich nahezu jeder Fußballfan, der schon mal feuchtfröhlich einen Sieg oder eine Meisterschaft gefeiert hat, rückblickend über ähnliche Vorfälle berichten.

Bezüglich seiner öffentlich geäußerten Sympathiebekundungen den Desperados Dortmund und auch den Boyz Köln gegenüber wird Großkreutz schon eher hart darum zu kämpfen haben, die Herzen unserer Ultras zu erobern. Gerade auf die Dortmunder Ultraszene sind die Stuttgarter Ultras seit dem Einbruch in den Fahnenraum nicht gerade gut zu sprechen. Aber, der Ultra an sich betreibt in der Regel ja ohnehin keinen Personenkult und unterstützt in erster Linie den Verein, so dass ich hier keine Aktionen befürchte, die Großkreutz diskreditieren und womöglich dem gesamten Team schaden könnten.

Als Fußball-Fan wünscht man sich doch gerade solche Typen, denen die Fans noch wichtig sind, die wissen wie der Fan tickt und nicht nur Gehaltsempfänger sind, sondern sich auch über den Fußballplatz hinaus im Verein leidenschaftlich einbringen.

Für mich ist Großkreutz einer, dem man nie mangelnde Leistungsbereitschaft vorwerfen konnte und der immer eine hohe Identifikation mit seinem jeweiligen Verein an den Tag legte, so dass ich guter Hoffnung bin, dass wir noch viel Freude mit ihm haben werden.

Beide Neuzugänge machten in Belek einen guten Eindruck, auch was deren Integration anbelangt. Aber, ich muss es zugeben, ich habe noch kein einziges Trainingslager live verfolgt, bei dem ich den Eindruck gehabt hätte, die Stimmung wäre mies gewesen, an dem nicht konzentriert gearbeitet wurde und wo man nicht den Eindruck gehabt hätte, alle zögen an einem Strang.

Was sich dann im Lauf der Saison an Problemen herauskristallisiert hatte, hätte man zum Zeitpunkt der Vorbereitung nicht für möglich gehalten.
So sind diese Eindrücke nicht überzubewerten, die Wahrheit liegt ohnehin auf dem Platz, genauer, auf dem des altehrwürdigen Müngersdorfer Stadions zu Köln.

Der Terminplaner hat uns gleich zu Beginn des Jahres mit Köln einen echten Leckerbissen und eines meiner Lieblingsauswärtsspiele serviert. Anders, als sonst meist, entschieden wir uns daher auch nicht für die Busfahrt mit dem RWS mit Heimfahrt unmittelbar nach dem Spiel, sondern wählten die Bahn als Transportmittel und übernachteten in der Domstadt.

Köln ist doch immer eine Reise wert. Die Brauhäuser, die Altstadt, die meist freundlichen Menschen, die schon jetzt karnevalistische Stimmung in der Stadt, all das hat was.

Und, nicht zuletzt war Köln in den letzten Jahren auch sportlich eine Reise wert, liegt die letzte Auswärtsniederlage gegen den Geißbock doch schon über 15 Jahre zurück.

Das Stadion ist durch die Umbauten zur WM 2006 ein wahres Schmuckkästchen geworden und eines der stimmungsvollsten der Liga. Schon traditionell besorge ich mir dort einen Platz auf der Gegengerade im Block O2, der sowohl besten Blick auf das Spielfeld und den Gästeblock bietet, als auch von der Logistik her zu WC und Bierstand schwer zu toppen ist. Das Publikum in dieser Region ist meist gemischt, am Samstag jedoch war mein direktes Umfeld fast ausschließlich in schwäbischer Hand, so dass es selbst kein Problem darstellte, beim „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ mitzumachen, da auch hinter mir nur VfBler waren. Sonst halte ich mich als Gast im Heimbereich bei diesen Einlagen eher zurück, am Samstag aber war nicht nur bei den Kölnern Schunkelstimmung angesagt.

Am Spieltag kamen wir erst gegen 13.15 Uhr in der Domstadt an und mussten noch kurz einchecken, so dass die Zeit zum (weiteren) vorglühen begrenzt war und wir uns direkt auf den Weg zum Stadion machten. Dem Aufruf meiner Freunde „komm, lass uns noch ein Bier trinken gehen“ kam ich dieses Mal nicht nach, weil ich durch ähnliche Aufrufe zum Besuch der im Stadionumfeld gelegenen Lokalitäten schon so manchen Anstoß verpasst hatte. Das wollte ich in Köln unbedingt vermeiden, weil das Intro mit Cheerleadern und der Vereinshymne mit Schalparade schon ein Spektakel mit Gänsehautgarantie ist.

Die VfB-Fans zeigten derweil eine schöne Auswärtschoreographie „Wie in Stein gemeißelt, Tradition, Identifikation, Mitsprache“ und gaben ein Plädoyer für die Beibehaltung des e. V. ab. Die Regionalversammlungen sind in vollem Gange, der VfB steht nach wie vor vor der Herkulesaufgabe, Fans und Mitglieder von der Ausgliederung und vor allem von deren WIE zu überzeugen. Zu viel Vertrauen wurde in den letzten Jahren verspielt, um dieser Vereinsführung diesen so schwerwiegenden Eingriff zuzutrauen.

Auch ich bin noch absolut skeptisch, ob man diesen handelnden Personen das notwendige Vertrauen entgegenbringen und bei der Mitgliederversammlung am 17. Juli mit „Ja“ stimmen kann. Den Kausus Knaxus stellt für mich der noch zu berechnende Unternehmenswert dar, an dem sich die zu erwartenden Einlagen bemessen werden. Bevor dieser nicht „in Stein gemeißelt“ ist und nicht genau und unumstößlich bemessen ist, sind späteren Mauscheleien Tür und Tor geöffnet. Hier müssen die Vereinbarungen wasserdicht formuliert sein, wenn die Ausgliederung zur Abstimmung kommt, da es einen Weg zurück dann nicht mehr geben wird.

Der VfB begann in einem 4-1-4-1 mit Serey Dié als alleinigem Sechser und Timo Werner als alleiniger Spitze. Der vielseitig einsetzbare Neuzugang Kevin Großkreutz spielte anstelle von Florian Klein Rechtsverteidiger. Das System gleicht mehr und mehr dem, mit dem man in den letzten Spielen der Vorsaison gerade noch den Klassenerhalt perfekt machte und welches wohl dasjenige ist, mit dem die Spieler offensichtlich am besten zurechtkommen. Schwaab fungierte an der Seite von Georg Niedermeier als Manndecker und ersetzte den gesperrten Toni Sunjic.

Weg also vom Harakiri-Fußball der Zorniger-Ära und back to the roots sozusagen, wobei der VfB gegen Wolfsburg und auch jetzt in Köln unter Beweis stellte, dass dieses System mit größerer Kompaktheit nicht zwangsläufig weniger attraktiv sein und zu weniger Torchancen führen muss, wenn alle im Kollektiv gut zusammenarbeiten und die Balance zwischen Offensive und Defensive passt.

Der VfB begann selbstbewusst, man merkte den Brustringträgern vom Anstoß weg an, dass sie sich für Köln etwas vorgenommen hatten. Die ersten Torannäherungen verzeichnete somit auch der VfB, ehe Serey Dié den Ball vertändelte, wodurch Marcel Risse freie Bahn hatte und sich Georg Niedermeier ihm im Strafraum in den Weg stellte. Auch wenn man sagen könnte, „der Schorsch kann sich doch nicht in Luft auflösen“ eine dämliche Aktion von Niedermeier, die einmal mehr unterstrich, dass wir in der Innenverteidigung großen Handlungsbedarf haben.

Da kann Robin Dutt noch so gebetsmühlenhaft herunterspulen, er lasse sich unsere Innenverteidiger nicht schlecht reden. Diese Aussagen trifft er aus der Not heraus und zum Zweck der Rechtfertigung, weil er es einfach nicht schafft, einen Verteidiger mit Format für den VfB zu gewinnen.
Ob Sunjic, Niedermeier oder Schwaab, alles sind sie Grobmotoriker und zu langsam. Timo Baumgartl besitzt zwar gute Anlagen, braucht aber einen erfahrenen Nebenmann, der schwierige Spielsituationen ruhig und besonnen löst und zudem ein Greenhorn zu führen und zu dirigieren imstande ist.
Serdar Taşçı ist aufgrund der russisch-türkischen Spannungen auf dem Markt, ich kenne aber seinen derzeitigen Leistungsstand nicht, so dass ich auch nicht wüsste, ob er sportlich eine Verstärkung darstellen würde. Sollte sich Taşçı eine Rückkehr zum VfB vorstellen können, müsste er die Entscheidung ohnehin mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf treffen. Der VfB wird ihm nicht annähernd jenes Gehalt bieten können, das er noch bei seinem Abgang hatte. Damals überwies ihm der VfB jährlich geschätzte 3,5 Millionen Euro, eine Größenordnung, die nach ihm lediglich noch Vedad Ibisevic in den Rachen geschmissen wurde. Inzwischen werden beim VfB weitaus kleinere Brötchen gebacken, so dass ein Wechsel Taşçıs nach Schalke um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist, wenn ihn denn das Heimweh plagen sollte.

Es ist zwar auf der einen Seite vernünftig, nicht einen weiteren Mann Marke Sunjic für viel Geld zu holen, der uns nicht entscheidend weiter bringt, auf der anderen Seite aber auch ein Armutszeugnis für den VfB und mittlerweile auch für Dutt, es über Jahre nicht geschafft zu haben, das Defensiv-Personal bundestauglich aufzustellen.

Für Köln freilich reichte es, trotz Schwaab, trotz Niedermeier! Zum Elfmeter muss man aber auch sagen, dass den nicht jeder Schiri pfeift. Der Schiedsrichter am Samstag hieß jedoch Manuel Gräfe, der bekanntlich keine Gelegenheit auslässt, den VfB zu benachteiligen und daher stoisch wie arrogant auf den Elfmeterpunkt zeigte und sich auch von den heftigen Protesten nicht zum überdenken seiner Entscheidung bewegen ließ. Modeste ließ sich nicht zwei Mal bitten und verwandelte sicher in die Tormitte, es war in der 19. Minute der allererste Torschuss vom FC.

In der Folgezeit hatte der VfB spürbar an diesem Rückschlag zu knabbern, während die Kölner sicherer wurden und Ball und Gegner laufen ließen.
Als dann jedoch Olkowski zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff den Ball an Filip Kostic verlor, und dieser einen seiner unwiderstehlichen Sprints anzog und scharf auf den in Mittelstürmerposition befindlichen Timo Werner passte, der per Direktabnahme Timo Horn prüfte, fiel der Ausgleich. Horn ließ Werners Schuss an den Fünfer abprallen, wo Didavi heran gerauscht kam und zum Ausgleich abstaubte.

Eine tolle Energieleistung unserer Offensivakteure brachte den zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften Ausgleich. Für Didavi war es bereits der achte Saisontreffer und sein zwölfter Scorerpunkt, womit er fast an der Hälfte aller VfB-Tore beteiligt ist. Eine Statistik, die einmal mehr unterstreicht, weshalb der VfB nichts unversucht lassen darf, Didavi doch noch langfristig zu binden.

Kurz vor der Halbzeit hatte der VfB dann sogar noch Glück mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, als Gräfe ein Handspiel Georg Niedermeiers, das unweigerlich zu gelb-rot geführt hätte, nicht ahndete.

Als kurz nach dem Seitenwechsel Timo Werner eine Kostic-Ecke zur Führung einköpfte, war das Spiel gedreht. Seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder traf der VfB nach einer Ecke.

Kostic blüht im alten neuen System auf und findet langsam zurück zu seinen Leistungen aus der Schlussphase der Vorsaison. Gelang ihm gegen Wolfsburg sein erstes Saisontor überhaupt, war er in Köln an den beiden ersten Toren maßgeblich beteiligt. Defensiv zwar nach wie vor ein Schwachpunkt, vor allem wenn sein defensives Pendant Insúa wie jetzt in Köln einen schwächeren Tag erwischt, offensiv aber einer der besten Flügelflitzer der Liga. Besonders gefreut hat mich schon im Vorfeld des Spiels, dass Kostic drei Tage vor dem Spiel erstmals ein klares Bekenntnis zum VfB abgegeben hat und offenbarte, wie wohl er sich in Stadt und beim Verein fühle. Hoffen wir, dass das nicht nur leere Worthülsen waren und er sich auch im Sommer noch ein Bleiben beim VfB vorstellen kann. Dutt selbst hat versprochen, dass man danach strebe, endlich mal wieder die guten Spieler halten zu wollen. Bei Didavi und auch bei Kostic wird er sich beweisen müssen, was diese Worte am Ende des Tages wert sind oder ob man nicht doch Dollarzeichen in die Augen bekommt, wenn das eine oder andere unmoralische Angebot herein flattert.

Weitere Garanten dieses Sieges waren Tytoń, Großkreutz, Rupp und dieses Mal auch Christian Gentner, dem es sichtlich gut tut, im kompakt formierten Mittelfeld verlässliche Leute um sich herum zu haben. Lukas Rupp mausert sich mehr und mehr zu DEM Transfer des letzten Sommers. Mit einer Pferdelunge und einem feinen Fuß ausgestattet spielt er solide seinen Part und ist mittlerweile für das Team unverzichtbar. Hoffen wir, dass er sich beim Torjubel zum 1:3 nicht schwerer verletzt hat. Es wäre tragisch, wenn er gerade jetzt pausieren müsste. Eine Augenweide war, wie er Gente das 1:3 aufgelegt hat.

Da auch Timo Werner mittlerweile nicht nur durch seine Schnelligkeit besticht, sondern auch das Tor trifft, dürfte eine der spannendsten Fragen der nächsten Wochen sein, wer denn aus der Startelf weichen muss, wenn Harnik und Ginczek in mittlerweile absehbarer Zeit in die Mannschaft drängen.

Kevin Großkreutz merkte man zwar in der einen oder anderen Situation seine fehlende Spielpraxis an, aber, er war sofort drin im Team, drin im Spiel und ist einer mit Biss, der keinen Ball verloren gibt und stets alles für sein Team zu geben bereit ist. Er hatte am Ende die beste Laufleistung und die beste Zweikampfbilanz aller VfB-Spieler aufzuweisen und somit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der geschlossenen Mannschaftsleistung. Die Äußerungen Löws, nach denen er spielen könne, wie er wolle und dennoch kein Thema für die Euro 2016 in Frankreich wäre, ließen ihn unbeeindruckt. So wie Joachim Löw inzwischen schon bezüglich seiner Aussagen zurückgerudert ist, könnten Löw jene Aussagen, deren Kern wohl bestehen bleiben, noch um die Ohren fliegen, sollte Großkreutz eine sensationelle Rückrunde hinlegen und sollten Löw, wie möglicherweise jetzt schon Boateng, noch weitere Leistungsträger wegbrechen.

Der Auftritt insgesamt macht Mut für die kommenden Aufgaben. Auch nach dem zweiten Sieg in Folge ist zwar noch nichts gewonnen, man hat es lediglich geschafft, einen Puffer von vier Punkten auf die beiden Abstiegsplätze zu legen. Außer Hoffenheim und Hannover 96 gewann nämlich auch die Konkurrenz im Abstiegskampf durchweg seine Spiele, so dass die Situation weiterhin prekär bleibt.

Zum „Topspiel“ des 19. Spieltags empfängt der VfB den „Relegations-Titelverteidiger“ Hamburger SV, gegen den es in den beiden letzten Spieljahren in bedrohlichster Situation jeweils einen knappen Heimsieg zu feiern gab. Dieses Spiel am Samstagabend ist nun nicht minder wichtig. Mit einem Sieg würde man die Hamburger mit in den Abstiegskampf hineinziehen und selber weiteres Selbstvertrauen tanken.

Die Vorzeichen stehen gut, der VfB ist (scheinbar) auf dem guten Weg eine Einheit zu werden, in der einer für den anderen kämpft, so wie es im Mannschaftssport eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Jürgen Kramny steht dabei vor seiner vielleicht größten Bewährungsprobe. Er muss es schaffen, Konstanz in die Darbietungen zu bekommen und die Truppe dauerhaft bei Laune halten. Dass mit einem neuen Mann an der Linie kurzfristig eine Besserung eintritt, konnte man schon unter Thomas Schneider bewundern. Allzu schnell aber nahm die damalige „Mannschaft“ Schneider nicht mehr ernst und verfiel in den alten selbstgefälligen Trott, der uns beinahe die Liga gekostet hätte. Daher muss Kramny wachsam bleiben und die Spannung hochhalten, bevor ihm die Mannschaft wieder entgleitet.

Noch traue ich dem Braten nicht, nach Wolfsburg titelte ich „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, um in diesem Jargon zu bleiben, zwei machen auch noch keinen Sommer. Es ist kein Zufall, dass zwei VfB-Siege am Stück schon länger eine Seltenheit darstellen, so dass auch diese „Serie“ noch mit Skepsis zu betrachten ist.

Immerhin hat es der VfB seit fünf Jahren mal wieder geschafft, mit einem Sieg in die Rückrunde zu starten. Galt es vor einigen Jahren noch als Faustregel, dass der VfB in der Rückrunde durchstartet und verlorenes Terrain in der Tabelle zurückerobert, legte der VfB in den letzten beiden Jahren einen regelrechten Winterschlaf hin. Jeweils gelang erst zum Frühlingsanfang und am 26. Spieltag der erste Rückrundensieg, so dass es nicht verwunderte, dass man beide Male die Klasse nur mit Ach und Krach hielt.

Auch der Auftakt in Köln hätte noch in die Hose gehen können, weil der VfB vor allem in den Schlussminuten zu viel zugelassen hat. Dass das Elfmetertor das einzige Gegentor an diesem Nachmittag blieb hatten wir Przemyslaw Tytoń zu verdanken, der erneut ein starker Rückhalt war.
Auf der Torwartposition haben wir inzwischen ein echtes Luxusproblem. Langerak ist wieder fit und gab gestern bei den Amateuren sein Pflichtspieldebüt, während Tytoń sich nach schwachem Start stabilisiert hat, so dass momentan überhaupt kein Anlass besteht, an Tytońs Status als Nummer Eins zu rütteln. Hoffentlich spornt ihn die Konkurrenz Langeraks mehr an, als dass sie ihn nervös macht. Am Samstag war von Nervosität bei ihm zum Glück nichts zu spüren.

Kramny machte nach dem Spiel aus seinem Herzen keine Mördergrube und war angesichts der vielen zugelassenen Chancen und der damit verbundenen eigenen Fehler fast schon dankbar darüber, dass es genügend Verbesserungspotential gibt und noch lange nicht alles Gold ist, was glänzt.

Verwunderlich ist das natürlich nicht, denn es ist auch klar, dass der Dauerpatient VfB weder durch Handauflegen noch durch einige wenige kosmetischen Änderungen die Intensivstation so schnell wieder verlassen kann. Im Moment scheint Kramny den richtigen Ton zu treffen, so dass einige unserer Jungs wieder Spaß am Beruf zu haben scheinen, wie lang dieser Moment anhalten wird, werden wir sehen.

Jedenfalls sollte dieser Schwung jetzt mitgenommen werden und gegen den HSV und in Frankfurt am besten ebenfalls dreifach gepunktet werden, um der Aufholjagd Nachdruck zu verleihen und zu zeigen, dass man tatsächlich besser ist, als es der derzeitige Tabellenplatz aussagt.

Als in Köln endlich der Schlusspfiff ertönte und der Auswärtssieg eingefahren war, wähnte man sich in heimischen Gefilden. Viele Kölner hatten bereits das Stadion verlassen, so dass die Stuttgarter Freudengesänge in beeindruckender Lautstärke durch das Stadion hallten. Nach einem kurzen Stopp an „unserem“ Bus und unzähligen Umarmungen mit Freunden und Bekannten, machten wir uns auf den Weg zurück in die Altstadt und feierten gemeinsam mit Kölnern bis spät in die Nacht.

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22. April 2011

Wiederauferstehung in Kölle

Was hatte ich Bedenken vor dem Spiel bei den heimstarken Kölnern. Einem Team, das unter dem Kölner Urgestein Frank Schäfer wieder zu einer echten Einheit geworden war. In dem ein Lukas Podolski zum Kapitän ernannt wurde und seitdem (endlich) auch im Verein sein Potential ausschöpft. Das sich vor Wochenfrist beim ärgsten Rivalen nach der 0:4-Hinspiel-Heimpleite auch auswärts mit 1:5 abschlachten ließ. Das unter der Woche sichtlich mit den Füßen scharrte, um diese Schmach baldmöglichst ausmerzen zu können. Diese Kölner sollten also gegen unsern gegen Kaiserslautern noch auseinander gefallenes Team, die Möglichkeit zur baldigen Wiedergutmachung und zur Versöhnung mit den Fans erhalten.  Es gab eigentlich vor dem Spiel wenig, was für den VfB sprach. Die Kölner hatten zuletzt sieben (!) Heimspiele in Folge für sich entscheiden können, der VfB wiederum konnte in dieser Saison nur selten überzeugen. In der Rückrunde unter Bruno Labbadia entwickelte sich der VfB zwar zum emsig Punkte sammelnden Eichhörnchen. Doch, wenn man ehrlich ist, hätte jedes Spiel, in dem Punkte eingefahren wurden, auch ganz anders laufen können. Den Begriff Glück möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr überstrapazieren, nachdem wir in der Vorrunde durch viel Pech und/ oder Schiedsrichterfehlentscheidungen erst in diese missliche Lage gerieten. Daher sehe ich dieses Glück in der Rückrunde viel eher als ausgleichende Gerechtigkeit und auch, wie Labbadia immer betont, die Belohnung für den immensen Aufwand an, der betrieben wird. Dass wir die nötigen Punkte zum Klassenerhalt nicht mit Glanz und Gloria einfahren würden, dürfte jedem klar sein, dem der VfB am Herzen liegt. In dieser Saison dürfen wir keine gehobene Spielkultur einfordern. Dazu sind in den vergangenen Transferperioden zu viele Fehler gemacht worden. Es wurden Leistungsträger und Identifikationsfiguren abgegeben und selten Neue geholt, die in deren Fußstapfen treten konnten, geholt. Zudem wirken sich die vielen Trainerwechsel negativ aus. Jeder Trainer durfte, im Rahmen der kaum vorhandenen Möglichkeiten, seine Wunschspieler holen. Diese Trainer sind schon lang Geschichte, die Spieler, die sie holten, aber noch vertraglich gebunden. Die Zusammensetzung des Kaders in dieser Saison passt vorne und hinten nicht. Wir haben lauter Indianer und keine Häuptlinge, die Spieler passen weder charakterlich noch von der Spielweise her zusammen. Das sind die wahren Gründe für den Absturz. Hier muss in der Sommerpause der Hebel angesetzt werden und ein Umbruch her. Ich wünsche mir hierzu von der Vereinsführung und vom Management „Eier“, diesen radikal einzuleiten. Nach dem Klassenerhalt, darf es einfach nicht wieder heißen „Ende gut, alles gut“. Die Saison muss knallhart analysiert werden und man muss sich von dem ein oder anderen Spieler trennen, der den VfB nicht weiter bringt, auch wenn der ein oder andere unter Wert abgegeben werden muss. Der VfB muss wieder eine unverwechselbare Identität bekommen und seiner Philosophie ein Ausbildungsverein zu sein, folgen. Es muss wieder ein Kollektiv entstehen, wo der eine für den anderen bereit ist, durchs Feuer zu gehen.
Als wir am vergangenen Samstag die Fahrt nach Köln antraten, spielten wir fast jedes Horrorszenario durch, das an diesem Spieltag eintreten könnte. Siegesgewiss waren wir jedoch nicht. Auch wenn Köln in den letzten Jahren stets ein gutes Pflaster für den VfB war, die Gesamtsituation ist doch in dieser Saison eine ganz andere. Wir fuhren als Außenseiter nach Köln und rechneten mit dem schlimmsten. Wie bereits in der letzten Saison bestellte ich unsere Eintrittskarten beim 1. FC Köln direkt. Der VfB bekam für sein Auswärtskontingent lediglich Stehplatzkarten sowie Sitzplätze über dem Stehblock. Diese Sitzplätze sind zum einen recht teuer, für das, dass man den Fanblock kaum sieht und hinter dem Fangnetz sitzt. Zum anderen saß ich dort schon einmal hinter einer total zerkratzten Plexiglasscheibe, die der natürliche Feind eines jeden Fotografen ist. Die Plätze auf der Gegengerade waren nur unwesentlich teurer und boten beste Sicht, auf den Platz und zu unseren Fans. Weiterer Pluspunkt, wir „belasteten“ unser Auswärtskontingent nicht. In unserem Block dürften je zur Hälfte FC- und VfB-Fans gewesen sein, gute Stimmung war also garantiert. Ich muss auch betonen, dass es eine sehr freundschaftliche Atmosphäre war, kein Gestänkere, nicht einmal, als wir uns bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhoben.
Das Rhein-Energie-Stadion  in Köln gehört zu meinen absoluten Lieblingsstadien. Die Stimmung dort, die enthusiastischen Fans, das Kölner Vereinslied mit der rotweißen Schalparade, allgemein ein wenig Karnevals-Flair, die Cheerleaders beim Einlaufen. All das sauge ich auf, bevor die Protagonisten den Platz betreten.
Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, keimte bei mir zum ersten Mal Hoffnung auf Besserung auf. Tamas Hajnal stand in der Anfangsformation, der Winterneuzugang, der in den vergangenen Spielen schmerzlich vermisst wurde. Erwartungsgemäß durfte auch Cacau als alleinige Spitze ran, der den gelbgesperrten Pavel Pogrebnjak gut vertrat. Da ich einen stürmischen 1. FC Köln erwartete war mir wichtig, dass der VfB ruhig und sachlich beginnt und die Kölner vom eigenen Tor weit weg hält. Dies gelang in der ersten Halbzeit überraschend gut. Diese plätscherte so dahin mit wenig zwingenden Aktionen auf beiden Seiten. Die Kölner machten einen überraschend leblosen Eindruck und boten über weite Strecken Sommerfußball. Der VfB hatte auch schon in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel und mehr Möglichkeiten als der FC. Mehr und mehr gewannen wir den Eindruck, dass dort tatsächlich etwas zu holen sein könnte, ein Tor musste eben her.
Kurz nach dem Seitenwechsel parierte Rensing einen Kopfball von Okazaki glänzend. Der Japaner war erneut ein Aktivposten, muss auf sein erstes Tor aber weiter warten. Wenig später trabte Christian Träsch über den halben Platz, wurde nicht angegriffen und fasste sich schließlich ein Herz. Dessen Gewaltschuss schlug im Kölner Tor ein und versetzte die VfB-Ecke in einen kollektiven Freudentaumeln Schätzungsweise 6.000 VfB-Fans waren mit von der Partie und machten das Auswärts- zeitweise zu einem Heimspiel. Als zwei Minuten später Harnik die Kopfballverlängerung von Tasci ins Tor spitzelte gab es kein Halten mehr. Ein geschenkter Handelfmeter durch Kuzmanovic brachte schließlich das 0:3 und damit die Vorentscheidung. Der VfB ließ zwar die Gastgeber noch einmal hoffen, als sie Novakovic den Anschluss zum 1:3 ermöglichten, wirklich in Gefahr geriet der so lebenswichtige Dreier nicht mehr. Der VfB bot eine insgesamt gute und couragierte Leistung, auch dank den neu ins Team gekommenen Hajnal und Cacau.
Was ich schon vor Monaten predigte scheint sich ins Bewusstsein des Teams eingebrannt zu haben. Wenn einem zu Hause die Mittel fehlen, einen Gegner auszuspielen, muss man sich die Punkte auswärts holen. In der Vorrunde gelang kein einziger Auswärtssieg, in der Rückrunde nun schon derer vier. Jedoch sehe ich dies auch nicht als den einzigen Grund an, weshalb es zu Hause derzeit schlechter läuft. Die Baustelle ist nach wie vor ein riesen Manko. Die Gästefans hört man fast in jedem Spiel besser als die eigenen, zumindest ist das bei unseren Plätzen auf der Haupttribüne Seite so. So verschärft sich der altbekannte Umstand noch, dass das Stuttgarter Publikum besonders kritisch ist. Kann in einem geschlossenen Rund, in dem die Fangesänge durchs Stadion hallen, das Geraune und Gebruddle der Eventfans einigermaßen kompensiert werden, funktioniert das in der Baustelle überhaupt nicht.
Auswärts jedoch stehen die eigenen Fans wie ein Mann hinter dem Team und supporten im Normalfall über die gesamte Spieldauer hinweg. Zu Hause verteilen sich die „wahren Fans“ über sämtliche Bereiche im Stadion. Ich bin guter Hoffnung, dass die mit Beginn der neuen Saison wieder besser wird und unser Stadion wieder zu einer Festung wird. Noch zwei Heimspiele, dann haben wir das Gröbste überstanden.
Jetzt steht aber wieder mal ein Heimspiel an, am Ostersamstag gegen den Hamburger SV. Dieser hat noch eine Minimalchance auf einen Europa League Platz und möchte diese nutzen. Allerdings bestimmen derzeit eher die Vorstandsquerelen als die Kicker die Schlagzeilen. Wenigstens einigte man sich jetzt mit dem Veh-Nachfolger Michael Oenning auf eine weitere Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus.  Der HSV wird ebenfalls von großen Verletzungsproblemen geplagt. Zudem ist es fraglich, ob sich die Spieler auf das Sportliche konzentrieren können, wenn die Medien für die nächste Saison immense Gehaltseinsparungen kolportieren. Der ein oder andere Großverdiener wird sich sicherlich hinterfragen, ob es für ihn noch Sinn macht, sich den Hintern aufzureißen, um als Dank im Sommer den Laufpass zu bekommen. So stehen die Vorzeichen für den VfB nicht einmal schlecht, wenn es gelingt noch einmal so aggressiv aufzutreten und konzentriert auf die Chance zu warten. Wenn es gelingt die Hamburger vehement zu bearbeiten, könnten diese bei den sommerlichen Temperaturen schnell die Lust verlieren. Für Bruno Labbadia ist es eine Reise in die Vergangenheit. Vor fast genau einem Jahr wurde er beim HSV entlassen und hinterließ einige verbrannte Erde. Der ein oder andere Spieler ist nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Einen Nachteil für uns sehe ich darin aber nicht, eher könnte es sein, dass der ein oder andere Hamburger etwas übermotiviert daher kommt. Dafür kennt Bruno die Hanseaten in und auswendig und weiß hoffentlich, wie man ihnen den Zahn zieht.
Nach meiner Rechnung fehlen uns noch höchstens vier Punkte zum Klassenerhalt, der VfB täte gut daran, die ersten drei davon bereits am Samstag einzufahren. Auf ein frohes Osterfest!

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15. April 2011

Ist der VfB noch zu retten?

Knapp eine Woche ist vergangen, seit dem brutal ernüchternden 2:4 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Langsam finde ich meine Worte wieder, es muss ja schließlich auch weiter gehen! Wie optimistisch sind wir doch die paar Schritte vom SSC ins Neckarstadion gegangen, optimistisch nach den Ergebnissen der Konkurrenz, dass sich der VfB ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze verschaffen könnte. Es war DIE Chance bis auf Platz 13 vorzudringen. Nach zuvor fünf nicht verlorenen Spielen in Folge, war der Glaube an den Befreiungsschlag vorhanden. Was sich dann aber in den 90 Minuten auf dem grünen Rasen abspielte, spottet jeder Beschreibung.
Der VfB geriet nach einer durchwachsenen Anfangsphase früh in Rückstand, weil Boulahrouz gegen Lakic nicht engagiert genug ins Kopfballduell ging und sich wie ein Leichtgewicht im „Luftkampf“ wegdrücken ließ. Dass ein früher Rückstand Gift sein würde, war mir schon vor dem Spiel klar. Diesen galt es eigentlich unter allen Umständen zu vermeiden. Trotzdem kam der VfB durch einen glücklichen, wenn auch berechtigten Strafstoß zurück ins Spiel. Kuzmanovic besorgte den Ausgleich und hatte wenig später einen Geistesblitz, als er mit dem Außenrist einen Zuckerpass Molinaro in den Lauf spielte, dieser bis an die Grundlinie durchlief und scharf in die Mitte passte, wo Pogrebnjak den Ball mit all seiner körperlichen Wucht einnetzen konnte. Plötzlich führte der VfB 2:1 und alles schien auf einmal für die Schwaben zu sprechen.
Was den Jungs dann in den Pausentee getan wurde, würde mich interessieren. Anstatt selbst- und siegesbewusst aus der Kabine zu kommen und auf das dritte Tor zu spielen, versteckte sich jeder so gut er konnte und überließ den Pfälzern, bei denen übrigens ein gewisser Christian Tiffert glänzend Regie führte, komplett die Initiative. So kam es wie es kommen musste. Mitte der zweiten Halbzeit setzte der Lauterer Trainer Marco Kurz, in Stuttgart auch kein Unbekannter, alles auf eine Karte und brachte in Jimmy Hoffer einen weiteren Stürmer. Dass der schnell ist und auf Kontersituationen am Rande der Abseitslinie lauert, sollte sich auch bis ins Stuttgarter Team herumgesprochen haben. Hat es sich aber wohl nicht, wenn man sich das 2:2 ansieht, als ein langer Ball von Tiffert in den Lauf von Hoffer genügte, die VfB-Abwehr zu überspielen. Ulreich kam heraus und wurde von Hoffer überlobbt. Alte Torwartweisheit, „wenn er raus kommt, muss er ihn haben“. Was dann folgte war eine Demütigung fürs Schwaben-Herz. Nach einem Eckball von Tiffert kam abermals Lakic mit Anlauf und köpfte mit Wucht in die Mitte des Tores. Weder Harnik, der bei Standards für ihn eingeteilt war, noch Ulreich waren hier Herr der Lage. Ausgerechnet Lakic, dem seine ersten Tore in der Rückrunde gelangen, der schon von den eigenen Fans angefeindet wurde, nachdem er sich in der Winterpause mit dem Trikot seines künftigen Arbeitgebers, des VfL Wolfsburg, ablichten ließ. Das 2:4 schließlich, das ein katastrophaler Fehlpass von Träsch begünstigte, war für mich nicht mehr spielentscheidend.
Der VfB ließ sich also von einem eigentlich im Vergleich minderbemittelten Gegner, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, abschlachten. Die Pfälzer, die außer Kampf- und Teamgeist nicht viel in die Waagschale werfen können, haben dem VfB die Grenzen aufgezeigt.
Erschreckend schwach war abermals ohne Hajnal die Zentrale. Kuzmanovic tat sich in der ersten Halbzeit zwar als Lenker des Spiels hervor, tauchte in der zweiten aber genau so ab, wie der Rest der Mannschaft. Die Einwechslungen von Boka, Cacau und Gebhart verpufften wirkungslos. Gentner, der eigentliche Vertreter von Hajnal auf der 10er-Position war über weite Strecken überhaupt nicht zu sehen. Mich beschleicht mehr und mehr das Gefühl, dass er im Vertrag eine Stammplatzgarantie stehen hat. Anders kann es nicht sein, dass ein solch formschwacher Spieler Woche für Woche mit dazu beitragen darf, den VfB dem Abgrund Stück für Stück näher zu bringen. Wie schon vor Wochenfrist vorgeschlagen, hätte ich auf dieser Position lieber Didavi als Gentner gesehen. Auch die Einwechslung von Cacau, der an einer weichen Leiste laboriert und offensichtlich weder fit noch in Form ist, konnte ich nicht nachvollziehen. Er fand auch überhaupt nicht ins Spiel, hatte keine nennenswerte Aktion, außer vielleicht eine, als er, sinnbildlich für die Gesamtsituation beim Jagen nach dem Ball über seine eigenen Beine flog.

Schipplock, immerhin der Siegtorschütze in St. Pauli und drei Tage vor dem Spiel zweifacher Torschütze für unsere zweite Mannschaft in der 3. Liga gegen Wehen-Wiesbaden, stand auch parat und wäre wahrscheinlich mit mehr Selbstvertrauen ins Spiel gekommen, als Cacau, dem man auch die fehlende Spielpraxis anmerkt. So war ich also auch mit den Entscheidungen der sportlichen Leitung nicht einverstanden. Am Samstag nach dem Spiel hatten wir schon geunkt, eigentlich wäre es mal wieder an der Zeit für einen Trainerwechsel. J Jedoch im Ernst, diese letzte Patrone haben wir verschossen. Die Misere mache ich jetzt wirklich nicht am Trainer fest, der ja am allerwenigsten für den zusammengewürfelten Haufen an verschiedenen Spielertypen und Charakteren kann. Allerdings bin ich auch nicht davon überzeugt, dass Labbadia der richtige für diese Mission ist.
Jetzt gilt es für die letzten fünf Spiele die Kräfte zu bündeln und darum, dass wir Fans und das Team zusammenstehen. Es wird schwer genug. Morgen in Köln, die zuletzt sieben (!) Heimsiege in Folge eingefahren haben, muss ein Sieg her. Fragt mich nicht wie, aber er muss einfach gelingen. Die Kölner ließen sich am vergangenen Wochenende beim Lokalrivalen Mönchengladbach mit 1:5 abschlachten und brennen auf Wiedergutmachung vor eigenem Publikum. Die werden sicherlich mit gefletschten Zähnen den Rasen betreten und darauf hoffen, uns überrennen zu können. Hier wird sicherlich aus VfB-Sicht wichtig sein erst einmal Ruhe zu bewahren und kein frühes Gegentor zu kassieren. Sonst könnte es ein bitterböser Nachmittag für uns werden.

Die personelle Situation beim VfB spitzt sich langsam aber sicher zu. Zwar signalisiert Hajnal, dass er in Köln wieder in die Anfangsformation rücken kann. Doch Pogrebnjak fehlt gelbgesperrt und Gebhart mit doppeltem Bänderriss für den Rest der Saison. Wir haben kaum einen Spieler im Kader, den kein Wehwehchen plagt und der einen topfitten Eindruck macht. Außer vielleicht Gentner, der geschickt jedem Körperkontakt ausweicht und sich damit keiner großen Verletzungsgefahr aussetzt.

Cacau soll morgen von Anfang an spielen, in Erinnerung an seinen letzten Auftritt in Köln, als ihm beim 1:5 in der letzten Saison vier Tore gelangen, erhofft man sich dadurch die Wiedergeburt des „alten Cacau“. Seit der VfB ihm gesteigerte Wertschätzung entgegen brachte und seine Bezüge mit den Top-Verdienern im Verein anglich, scheint er einen zentnerschweren Rucksack mit sich rumzuschleppen und die Leichtigkeit verloren zu haben. Diese Bemerkung bezieht sich allerdings auf die erste Saisonhälfte, als er zu viel wollte und ihm nichts gelang und er dann aus diesem Fahrwasser nicht mehr heraus kam. Cacaus Rückrunde ist nicht zu bewerten, da er seit dem Trainingslager an Verletzungen laboriert und seither auch fast nur zu Kurzeinsätzen gekommen ist.

Harnik wird im rechten Mittelfeld benötigt, so bleibt Schipplock die einzige Alternative auf der Bank für den Sturm. Marica ist laut den Verantwortlichen weiterhin kein Thema. In dieser Situation wäre ich für eine Begnadigung von Marica gewesen, der mit seiner Schnelligkeit gerade auswärts für Gefahr sorgen könnte. Allerdings erfährt man ja auch nicht genau, was genau vorgefallen ist, dass er so außen vor ist, wie im Moment. Ein wenig mehr Ehrlichkeit und Klartext würde den Clubverantwortlichen gut zu Gesicht stehen. So kann nur über die wahren Gründe spekuliert werden. Man munkelt, er hätte in der Wintertransferperiode ein lukratives Angebot aus der Türkei gehabt, durfte nicht wechseln und ging dann in die Offensive. Wäre es so, hätte ich kein Verständnis für die Vereinsführung, hat man doch immer betont, Spieler die nicht voll und ganz mitziehen und mit dem Herzen bei der Sache sind, gehen könnten. Ist also Marica der Stinkstiefel, der im Kader sein Unwesen trieb? Wir, die zahlenden Fans, werden es wohl nie erfahren….

Angesichts der angesprochenen Probleme und des fehlenden spielerischen und menschlichen Verständnisses der Jungs untereinander fehlt mir mittlerweile der Glaube an eine Serie zum Saisonende. Die Mannschaft stellt derzeit ein sehr fragiles Gebilde dar. Es ist kein System zu erkennen, keiner möchte den Ball haben und der, der den Ball hat, hat teilweise vier Gegenspieler um sich, ohne dass sich ein Mitspieler hin bequemt, um ihm zu helfen. Diese Situation habe ich insbesondere beim bemitleidenswerten Pavel Pogrebnjak gegen Kaiserslautern mehrfach beobachtet. Hier geht es also um Laufarbeit, auch um das Antizipieren, Eigenschaften, die man bei Profis voraussetzen müsste, die derzeit nicht von unseren Kickern nicht abrufbar sind. Es sind im Spiel in allen Mannschaftsteilen Unsicherheiten zu sehen, die einem Angst machen. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zur Vorrunde, als wir gegen Fußballgrößen wie Molde, Bratislava, Babelsberg und Chemnitz nur mit Mühe und Not gewonnen haben, null komma null weiter entwickelt. Der einzige Unterschied zwischen Vor- und Rückrunde ist der, dass das Glück zurückgekehrt ist und es die Schiedsrichter besser mit uns meinen. Keiner der 18 Punkte in der Rückrunde wurde geholt, weil wir die bessere Mannschaft waren, bei jedem dieser 18 Punkte war mehr oder weniger Glück dabei. Daher beschleicht mich das ungute Gefühl, dass es irgendwann einmal aufgebraucht ist. Ich hoffe, Kaiserslautern war nicht der Anfang einer Serie von Spielen, in denen es zu unseren Ungunsten läuft. Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen. Aber dieser Mannschaft, die in ihrem Innersten keine ist, nehme ich nicht ab, dass sie alles dafür tut, den Abstieg zu vermeiden. Ich glaube nicht, dass vom Stamm mehr als 2, 3 Spieler auch in der 2. Liga die Kickstiefel für den VfB schnüren würden. Sollten Gehaltskürzungen dann unumgänglich sein, werden sogar die 2, 3 Spieler in meinen Augen fraglich sein, So weit sind wir Gott sei Dank noch nicht. Noch haben die Spieler (mindestens) fünf Gelegenheiten zu zeigen, dass sie es wert sind, den Brustring zu tragen und auch sich selbst den Makel eines Abstiegs zu ersparen.
Morgen folgt also in Köln der nächste Akt. Ich freue mich sehr auf das Stadion und die Stimmung dort, die hoffentlich nur vor dem Spiel karnevalistische Züge hat. Wir werden dort übernachten und abends noch (hoffentlich in Hochstimmung) ein wenig die Kölner Altstadt unsicher machen. Der VfB wird wieder von etwa 4.500-5.000 Fans unterstützt werden, uns gar nicht mitgezählt, weil wir beim FC direkt die Karten bestellt haben. Ich hoffe auf ein Team, das gewillt ist, nach der derben Heimpleite gegen die Pfälzer, eine Trotzreaktion zu zeigen und bis zum Umfallen kämpft. Nur so werden wir eine Chance haben, dort zu bestehen. Die Kölner werden durch ihre Heimserie vor Selbstvertrauen nur so strotzen und angeführt von einem in den letzten Wochen und Monaten überragenden Podolski darauf brennen, letzte Zweifel an ihrem Klassenerhalt zu zerstreuen. Für uns ist es die Chance, die Kölner noch ein wenig mit unten rein zu ziehen. Sollten wir morgen nicht gewinnen, ist meine Hoffnung auf einen Nichtabstiegsplatz wohl auf dem Nullpunkt. Ich glaube zwar nicht unbedingt daran, dass Gladbach und St. Pauli (oder folgt da jetzt eine Trotzreaktion nach Stanis angekündigtem Abschied?) noch an uns vorbei ziehen, mehr als der Relegationsplatz dürfte dann aber kaum drin sein, wenn man sich das Restprogramm von uns undvon Wolfsburg anschaut. Dann liefe es womöglich vier Jahre nach dem Sieg in Bochum, der das Tor zur Meisterschaft entscheidend weit aufstieß, an gleicher Stätte auf ein Relegationsspiel um die Existenz hinaus. Ironie des Schicksals!

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31. Dezember 2010

Abstiegskampf: Die VfB-Krise spitzt sich wieder zu

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , – Franky @ 07:30

Nachdem alles Anrennen seiner Spieler in der Schlussphase der Partie gegen den 1. FC Köln nichts geholfen hatte, schlich Jens Keller in der Baustelle Mercedes-Benz-Arena mit enttäuschter Miene in die Kabine. Von 2000 bis 2002 hat der VfB-Trainer selbst in der Domstadt gespielt, seine Familie wohnt noch am Rhein. Aber auch Keller konnte die Stuttgarter Negativserie gegen den bisherigen Tabellenletzten nicht stoppen. Seit 1996 hat der VfB zu Hause gegen Köln nicht mehr gewonnen.

Am Sonntag hat es nicht mal zu einem Punkt gereicht. Durch das 0:1 hat sich die Krise des VfB wieder verschärft. Der Verein ist nun punktgleich mit den Kölnern Drittletzter, muss am Samstag beim HSV ran. Der aktuelle Platz 16 würde am Saisonende die Relegationsspiele um den Verbleib im Fußball-Oberhaus bedeuten. “Wir sind jetzt im Sumpf unten drin und müssen uns da wieder rauswühlen”, sagte der Manager Fredi Bobic: “Ich möchte der Mannschaft für dieses Spiel aber keinen Vorwurf machen.”

Köln übernahm schnell die Initiative

Im Vergleich zum 3:3 in Kaiserslautern, als der VfB eine 3:0-Führung fahrlässig verspielt hatte, stellte Jens Keller sein Team nur auf einer Position um: Für den an einem Darminfekt erkrankten U-21-Nationalspieler Patrick Funk rückte Stefano Celozzi als rechter Verteidiger in die Startelf.

Der ehemalige KSC-Profi stand auch gleich im Mittelpunkt des Geschehens, denn die Gäste aus Köln übernahmen schnell die Initiative. Die Elf des Trainers Frank Schaefer, der Ende Oktober den entlassenen Zvonimir Soldo beerbt hatte, spielte überraschend selbstbewusst. So diktierten die Gäste, angeführt vom motivierten Ex-Stuttgarter Martin Lanig, über weite Strecken das Spiel – und kamen mehrfach gefährlich vor das VfB-Tor. Dies ging vor allem deshalb einfach, weil die Kölner die größte Schwachstelle im Stuttgarter Spiel schnell ausgemacht hatten: Der Rückkehrer Celozzi war auf rechts gegen Lukas Podolski und Fabrice Ehret mehrfach überfordert.

Während Köln nach einer Podolski-Flanke durch Lanig dicht vor dem Torerfolg stand (34.), besaß der VfB im ersten Durchgang dennoch das Gros an klaren Chancen. Bereits nach elf Minuten hätten die Stuttgarter führen müssen: Nach einer tollen Kombination über die rechte Seite mit den Stationen Timo Gebhart und Ciprian Marica stand Cacau völlig frei vor dem FC-Torhüter Faryd Mondragon – doch der dienstälteste VfB-Profi scheiterte aus neun Metern an dem Kolumbianer. Aber auch der Sturmkollege Ciprian Marica machte es nicht besser, als er von der Strafraumkante aus links vorbeischoss (33.). Dann war für Cacau erneut bei Mondragon Endstation (36.).

VfB-Profis waren verunsichert

Trotz der drei dicken Möglichkeiten war den VfB-Profis die Verunsicherung deutlich anzumerken. Die Lauf- und Passwege stimmten nicht, einige Spieler sind zudem mit dem Abstiegskampf offensichtlich mental überfordert. “Ich bin sehr unzufrieden. Und zwar in erster Linie, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben”, sagte Jens Keller.

Auch ohne den ausgewechselten, weil Gelb-Rot gefährdeten Antreiber Martin Lanig blieb Köln weiter gefährlich. Zunächst musste der starke VfB-Torwart Sven Ulreich gegen Podolski im Eins-gegen-Eins in höchster Not retten (48.). Seine Vorderleute bekamen gegen die angeschlagenen Rheinländer, die in der Vorwoche zu Hause mit 0:4 gegen Gladbach untergegangen waren, das Spiel einfach nicht in den Griff. Zu schwach spielte Christian Gentner, zu ideenlos agierten die Angreifer Cacau und Marica. Trotzdem hätte der VfB 1:0 führen können, hätte der für Marica eingewechselte Pawel Pogrebnjak den Ball nicht an den Pfosten geschossen (79.).

Das einzige Tor fiel letztlich auf der Gegenseite, als der Schiedsrichter Christian Dingert, der seine erste Bundesligasaison absolviert, einen zweifelhaften Elfmeter gab. Lukas Podolski ließ Ulreich vom Elfmeterpunkt keine Chance (82.). “Wir hatten unsere Möglichkeiten, hätten das Spiel früh entscheiden können”, sagte der Abwehrmann Georg Niedermeier, “umso ärgerlicher ist es, dass wir keine Punkte eingefahren haben.”

VfB Stuttgart

Ulreich – Celozzi, Niedermeier, Delpierre, Molinaro – Träsch, Gentner (85. Camoranesi) – Gebhart, Boka (78. Harnik) – Cacau – Marica (72. Pogrebnjak).

1. FC Köln

Mondragon – Brecko, Geromel, Mohamad, Ehret – Petit (86. Schorch), Pezzoni – Jajalo (71. Matuschyk), Lanig (46. Clemens), Podolski – Novakovic.

Schiedsrichter

Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer
39.500
Tor

0:1 Podolski (82./Foulelfmeter)

(STZ online 21.11.2010)

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21. November 2010

Zum Heimsieg verdammt!

Heute geht es gegen das Schlusslicht der Liga, den einst so ruhmreichen 1. FC Köln. Bei den Kölnern war diese Woche mächtig Feuer unterm Dach, erst das 0:4 zu Hause gegen den Erzrivalen Mönchengladbach, was sich für die FC-Fans wohl in etwa so anfühlen dürfte, wie für uns, wenn wir den KSC vergeigen würden, also eine Form von “No Go”. Eine Niederlage im Derby ist schon schlimm genug, aber dann bitte nicht in dieser Art und Weise!

Dann stand noch die Jahreshauptversammlung an, in dem die Mehrheit der Mitglieder dem Vorstand die Entlastung verweigerte und der Manager Michael Meier sich böse Schimpftiraden anhören durfte. Es war also eine Woche in Köln, wo auch der letzte Spieler in Köln mitbekommen haben dürfte, worum es geht. Uns dürfte also sicher erst einmal eine hochmotivierte und unter wahnsinnigem Druck stehende Kölner Mannschaft erwarten. Sie werden auch durchaus mit breiter Brust kommen, wenn man sich vor Augen führt, dass der VfB seit 1996 keinen Hemsieg mehr gegen die Geißböcke eingefahren hat und die letzten Auftritte in der Mercedes Benz-Arena allesamt verloren wurden.

Doch aus VfB-Sicht dürfen diese Umstände natürlich keine Rolle spielen. Ein Heimsieg muss her, egal wie! Umso mehr, als dass ja vor Wochenfrist in Kaiserslautern der schon sichere Sieg leichtfertig verschenkt wurde. Beim VfB scheint sich jetzt langsam doch eine Formation herauszukristallisieren, die in der Liga etwas reißen kann. Für die, die nach Verletzungen jetzt nach und nach zurück kommen, mag es zunächst hart sein, aber derzeit gibt es eigentlich keinen Grund an der Stammformation zu rütteln.

So pläidere ich weiterhin für

  • Sven Ulreich (sowieso außer Frage derzeit)
  • Patrick Funk (hatte in Kaiserslautern gegen Rivic zwar nicht seinen besten Tag, vor allem wegen seiner Schnelligkeitsdefizite, beißt sich aber in ein Spiel rein und ist konzentrierter bei der Sache, als z. B. Boulahrouz, dessen Einwechslung der Anfang vom Ende in Lautern bedeutete. Celozzi ist wieder einsatzfähg, hat aber noch nie so überzeugt, als dass Keller für ihn die Mannschaft ändern müsste. Degen steht auch wieder zur Verfügung und zeigte in Kaiserslautern vor allem in Sachen schnelle Vorstöße gute Ansätze. Ist der auch konditionell wieder für 90 Minuten bereit, sehe ich ihn vor Celozzi.
  • Matthieu Delpierre und Georg Niedermeier stellen sich von selbst auf, da Tasci und Boulahrouz ausfallen.
  • Cristian Molinaro, mit ansteigender Form und gutem Zusammenspiel mit Boka auf der linken Seite
  • Mittelfeldzentrale mit den Christians Träsch und Gentner. Träsch sowieso über jeden Zweifel erhaben, Gentner ebenfalls mit ansteigender Formkurve. Das Zusammenspiel und die Abstimmung mit Träschi funktioniert weitaus besser als zuvor mit Kuzmanovic. Diesen 8-Millionen-Mann sehe ich daher bis auf weiteres auf der Ersatzbank, ebenso wie Mamadou Bah.
  • Arthur Boka hat sich erst einmal auf dem linken Flügel festgespielt und beweist neuerdings sogar Torjägerqualitäten. Technisch anspruchsvoller Lupfer gegen Lautern zum 0:1. Für ihn freut es mich besonders, dass er sich in die Mannschaft gespielt hat. Schon im Sommer, als verzweifelt Außenbahnspieler gesucht wurden, plädierte ich für ihn aus zweierlei Gründen. Offensiv gefällt er mir besser als defensiv, schon von daher ein Versuch wert, zum anderen ist er ein zu teurer Mann für die Ersatzbank. Dort sollten optimalerweise wirklich Leute aus der zweiten Reihe sitzen und keine hochdotierten Nationalspieler. Wenn Arthur die Leistungen festigt, wird es für Didavi und Audel schwer in die erste Elf zu kommen.
  • Timo Gebhart hat sich auch unter Jens Keller fest in der Mannschaft etabliert und derzeit die Nase vorn vor einem (alternden) Weltmeister Mauro Camoranesi.
  • Bliebe noch Elson, der, wie Jens Keller sagte, auf einer sehr speziellen Position spielt. Man könnte auch sagen, er spielt auf einer Position, die es bei uns nicht gibt, nämlich der des klassischen Zehners. Leider ist Elson kein Außenbahnspieler, wenn käme er allenfalls noch auf einer Position der Doppel-Sechs in Betracht, wo wir aber fast schon traditionell ein Überangebot haben. So wird sich an seiner Situation auf Sicht leider nichts ändern. Mir persönlich tut es Leid. Ich sehe ihn gerne spielen und empfinde ihn als einen der sympathischsten VfB-Profis überhaupt, einer der wirklich nach jedem Training noch minutenlang zu den Fans geht und sich nicht sofort verpisst. Bei ihm hat man auch nicht den Eindruck, dass es ihm lästig wäre, er ist einfach ein netter Kerl. Daher wünsche ich mir, dass er, nach dem Intermezzo bei Hannover 96 und seiner langwierigen Knieverletzung wieder Fuß fasst und als Einwechselfspieler noch das ein oder andere Mal helfen kann. Er ist jedenfalls einer, der das Auge für den tödlichen Pass hat, auch mal aus 25 Metern abzieht und brauchbare Standards schlägt. Sicher ist er der technisch versierteste Spieler, den wir haben.
  • Im Sturm haben derzeit Ciprian Marica und Cacau die Nase vorn. Pogrebnjak ist momentan ganz außen vor, Martin Harnik war zuletzt verletzt und bewies zumindest schon einige Male als Joker, dass er einen Riecher hat. In den letzten beiden Spielen war Marica an sechs der neun Tore direkt beteiligt. Nicht zum ersten Mal hofft man bei ihm, dass er endlich explodiert und eine solche Form auf Dauer halten kann. Cacau ist noch immer nicht der Cacau, der ihn zum Nationalspieler gemacht hat. Er ist überall, will zu viel und im entscheidenden Moment fehlt ihm dann die Konzentration. Sein Anspruch ist es, aufgrund seiner Gehaltserhöhung und WM-Teilnahme Führungsspieler zu sein, momentan trägt er an dieser Last schwer. Zuallererst sollte ein Führungsanspruch über Leistung angemeldet werden. Ich hoffe, er knüpft bald an seine Leistungen der vergangenen Rückrunde an, möglichst schon heute. Im letzten Spiel in Köln, beim 1:5, erlegte Cacau mit seinen vier Treffern den Geißbock fast im Alleingang.

Insgesamt betrachtet bin ich also für heute durchaus zuversichtlich, dass es mit dem vierten Heimsieg unter Keller etwas wird. Wichtig wird sein nicht in Rückstand zu geraten und die Offensive der Kölner in Schach zu halten. Da Podolski viel über links kommt, wird es an Funk oder Celozzi liegen, diesen einbremsen zu müssen. In der Mitte gilt es ein Augenmerk auf den wieder erstarkten Novakovic zu haben. Auch Lanig dürfte gegen die Ex-Kollegen besonders motiviert sein. Ihn darf man vor allem bei Standards nicht aus den Augen verlieren. Dennoch hat der VfB mehr Klasse in den Reihen als die Kölner. Dem VfB dürfte der Trainerwechsel der Kölner von Soldo zu Schäfer eher entgegen kommen, da sich die Kölner nicht mehr so einigeln wie noch unter Soldo und der VfB daher mehr Räume haben dürfte als noch in der letzten Saison.

Ich bin zuversichtlich, dass wir heute Grund zum Feiern haben werden. An eine Niederlage möchte ich gar nicht denken, dann wären wir punktgleich mit den Kölnern und hätten vor den Gladbachern, die in diesem Fall die rote Laterne übernehmen würden gerade einen Punkt Vorsprung. Und das vor den nächsten schweren Spielen in Hamburg, gegen Hoffenheim, in Hannover und gegen die Bayern. Das Spiel heute ist also das vermeintlich leichteste der noch anstehenden Bundesligaaufgaben in 2010 und daher immens wichtig. Mit einem Sieg würde das Selbstvertrauen weiter wachsen und wir könnten mit etwas Druck nach Hamburg reisen. Diese schwächeln ja ebenfalls.

Bilder vom heutigen Spiel folgen bereits heute abend, die aus Hamburg dann Sonntag-Nacht oder Montag früh. Bis dahin, drückt die Daumen heute, viele Grüße, Franky!

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