5. November 2018

Verarschen kann ich mich auch selbst!

Freitagabend, Flutlicht und ein fast volles Haus. Da muss doch das Herz eines jeden Fußballprofis vor Freude hüpfen, wenn man nach einer anstrengenden Trainingswoche von der Leine gelassen wird und zeigen darf, was man(n) drauf hat.

Auch als Fan liebe ich Freitagabendspiele. Einen schöneren Opener ins Wochenende kann man sich kaum vorstellen. Bei Zeiten Feierabend machen, Freunde treffen, sich aufs Wochenendbier freuen und zugleich mit Gleichgesinnten aufs Spiel einstimmen, bevor es schließlich ins Wohnzimmer Neckarstadion geht.

Gewinnt man das Auftaktspiel des Bundesligawochenendes auch noch, darf man sich erfreuen, wie die Konkurrenz Federn lässt, bekommt das Dauergrinsen nicht mehr los und hat ein ganzes Wochenende lang Zeit, sich von den Strapazen der Siegesnacht zu erholen.

Soweit die Theorie und die Glücksmomente, die ein Fan-Leben für einen bereit hält, wenn es denn läuft. Die Praxis sieht derzeit, bei mir zumindest, anders aus. Am liebsten würde ich an Spieltagen in Cannstatt sitzen bleiben, gehe aber dennoch, jedoch mit einer negativen Grundstimmung, „runter“.

Zu unterirdisch bislang die Vorstellungen, angefangen mit Rostock, zu dilettantisch die Fehler, die regelmäßig zu Toren führen, zu bemitleidenswert mit anzusehen, wie aussichtslos das Unterfangen ist, einem Rückstand hinterherzurennen. Immer wenn man dann denkt, schlimmer geht’s nimmer, setzt es den nächsten Tiefpunkt.

Wie schon beim 0:4 gegen Dortmund bin ich auch gegen die Frankfurter Eintracht in der Halbzeit gegangen, weil die Gefühlslage schwer in Richtung „verarschen kann ich mich auch selbst“ ging.
Dann doch lieber den Cannstatter Gastwirten Gutes tun, als sich das Herumgestümpere auf dem Rasen anzutun, schließlich fehlen die Lichtblicke, die Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würden.

Es tut weh, unheimlich weh, den VfB von einem Debakel zum nächsten zu begleiten und keinerlei Ansatzpunkte zu finden, die Hoffnung auf zeitnahe Besserung machen würden. Im Grunde bin ich keiner, der das Geschehen vorzeitig verlässt. Schon die Chronistenpflicht als Fanfotograf und die Spannung, wie der Empfang der „Mannschaft“ in der Kurve nach dem Spiel denn ausfallen würde, sind Motivation genug, bis zum Schluss auszuharren und noch ein paar Bilder zu machen.

Gegen Dortmund war ich unheimlich sauer, weil man Weinzierl in seinem ersten Spiel derart im Regen stehen ließ, man zum propagierten Neuanfang schlafmützig ins Spiel ging und Konzentration schon in der dritten Minute nicht vorhanden war. Das schreibe ich dem elendigen Charakter dieser Truppe zu, zumal die Gegentore zwei und drei ja auch nicht lang auf sich warten ließen.

Gegen Frankfurt fielen die beiden Gegentore direkt vor meiner Nase, so dass ich den Dilettantismus und das nicht vorhandene Abwehrvorhalten aus nächster Nähe bewundern durfte. Mir fiel dazu wirklich nichts mehr ein, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun.

Was mir das Bleiben zuletzt besonders erschwerte, war, außer den grottenschlechten Darbietungen auf dem grünen Rasen, dass sich in meinem Bereich auf der Haupttribüne Richtung Untertürkheimer Kurve etliche Gästefans mit Tickets eindecken und bei solchen Spielverläufen für mich nur schwer ertragbare Partys feiern.

DIE Fankneipe für DIE Fans, den A-Block, hat man ja sinnigerweise in der Kurve untergebracht, zu der man mit Tickets von außerhalb der Cannstatter Kurve während der Spiele keinen Zugang hat. Das wäre sonst eine Alternative, mit Gleichgesinnten bei einem schnellen Bier das Geschehen verarbeiten zu können im Stadion zu bleiben.

Ich aber sitze, hauptsächlich wegen der Bilder, relativ „allein“ auf der anderen Seite und höre den Gästeblock meist lauter als die Cannstatter Kurve. So bin ich regelmäßig mittendrin im „Karneval in Stuttgart“, nach dem es mir so überhaupt nicht ist.

Feiern dann noch Gästefans in „meinem“ Block und posaunen ihre Freude zu impulsiv raus, provozieren oder versperren einem die Sicht bei „Steht auf, wenn ihr… seid“, gehe ich lieber, bevor ich einen Kropf bekomme oder zu pöbeln beginne.

Der Stachel sitzt also derzeit so tief, dass ich lieber das Stadion verlasse, als mir Demütigung um Demütigung live anzutun. Als Fan kann man sich nur verarscht fühlen, einmal mehr null Schüsse aufs Tor von Kevin Trapp (der hätte mit mir ein Bier trinken gehen können…) unterstreichen die hoffnungslose Unterlegenheit unseres Teams. Es ist auch bei weitem nicht so, dass man beim vorzeitigen Verlassen des Stadions Gefahr laufen würde, eine sensationelle Aufholjagd zu verpassen.

Nein, der Gegner richtet sich irgendwann ein und ist mit dem Ergebnis zufrieden, der VfB ist zufrieden, wenn der Gegner endlich Ruhe gibt und das Debakel im Rahmen bleibt, so dass man sich ein solch ungleiches Duell auch sparen kann. Zur Gewohnheit soll das bitte nicht werden. Ich erwarte schließlich auch keine Siegesserie, was ich jedoch erwarte, ist ein Team, das sich für den Brustring zerreißt und sich zusammenreißt. Diesen Eindruck hat man nicht. Reschke räumte nach diesem Spiel erstmals öffentlich ein, dass sowohl die Fitness fehlt, als auch, dass es Probleme mit dem Mannschaftsgeist gebe, auf gut deutsch, sie sind sich spinnefeind und weit davon entfernt, als Team aufzutreten.

Von der ersten Minute an war am Freitag zu sehen, dass unser Team sowohl körperlich als auch fußballerisch hoffnungslos unterlegen war. Wenn dann noch die Einstellung fehlt und sich gestandene Ex-Nationalspieler wie Holger Badstuber abkochen lassen, wie ein Breitensportler am Sonntag nach durchzechter Nacht, dann gute Nacht. Ich fühlte mich extrem verarscht und war fassungslos, dass das aberkannte Tor nicht Warnschuss genug war, sich endlich zusammenzureißen und den Frankfurtern das Leben schwerer zu machen.

Dass außer Badstuber auch die anderen erfahrenen Spieler wie Mario Gomez das Tor nicht treffen oder Ron-Robert Zieler zum wiederholten Male vor die Füße eines Gegenspielers abklatscht, runden den desolaten Zustand dieser Truppe ab. Vom sogenannten Kapitän möchte ich schon überhaupt nicht mehr sprechen, dem fehlt für mich schon lang die Daseinsberechtigung in einer Bundesligamannschaft.

Die Frage, die sich anhand dieser desaströsen Darbietungen stellt, ist, nachdem es den erhofften Trainereffekt nicht gegeben hat, ob Korkut die Truppe tatsächlich so kaputt trainiert hat, wie sie sich präsentiert und folglich in der Rückrunde der letzten Saison nur von Wolfs Grundlagenarbeit profitierte. Die Einheiten in Grassau jedenfalls waren ein Witz und nicht bundesligalike. Kaum ein Training dauerte länger als 45 Minuten. Da man als Unbeteiligter nicht mitbekommt, wie im Hotel, bei Waldläufen oder auf dem Fahrrad geschwitzt wird, maß ich dem allein noch nicht die ganz große Bedeutung zu, war es doch schließlich auch extrem heiß.

Erst jetzt, wo offenkundig wird, dass die Fitness komplett fehlt, man von der ersten Minute an dem Geschehen hinterherläuft und nach einem Rückstand nicht mehr zulegen kann, wird aus diesen Beobachtungen ein Schuh. Fehlt die körperliche Frische, macht sich das auch mental bemerkbar, nur so lassen sich die sich wiederholenden stümperhaften Aussetzer im Ansatz erklären.

Gentner bestritt nach dem Spiel zwar, dass es ein „gravierendes Fitnessproblem“ gäbe, doch, was könnten die sonstigen Gründe für die derzeit nicht vorhandene Konkurrenzfähigkeit sein?

Hätten wir nicht erst den Trainer gewechselt, könnte man meinen, das Team spiele gegen den Trainer. Oder spielen sie etwa gegen Reschke? Kommt er beim Team ähnlich unsympathisch rüber wie bei den meisten Fans. Stößt es dem Team etwa sauer auf, dass Reschke dem Trainer gerne „Ratschläge“ gibt und somit in dessen Kompetenzbereich eingreift?

Was ist dran an Jürgen Klinsmann, dessen Name seit ein paar Tagen über dem Wasen schwebt? Ist es Zufall, dass Buchwald gerade jetzt gegen Reschke wettert, wo sein Kumpel Jürgen Klinsmann in Planung sein soll, seine Zelte in Kalifornien abzubrechen?

Die Lichtgestalt Klinsmann hätte auch für mich einen gewissen Charme, keine Frage. Nur, welches Amt sollte er denn bekleiden? Trainer? Bitte keine erneute Diskussion. Bei diesem Sauhaufen, den Weinzierl vorgefunden hat, lässt sich dessen Arbeit erst nach der Winterpause bewerten, wenn er eine Vorbereitung absolviert hat und bei Kaderveränderungen mitreden durfte. Wie jeder Trainer, der mitten in der Saison übernimmt, muss er in erster Linie die Missstände verwalten. Zudem sind ihm die Hände gebunden, weil der Kader zu dünn besetzt und sehr verletzungsgeplagt ist.

Klinsmann als Sportdirektor? Jein! Ja, weil dieser unerträgliche Reschke von der Bildfläche verschwinden würde, nein, weil wir nach Heldt, Bobic, Dutt und Reschke wieder jemanden auf den elementar wichtigen Posten hieven würden, der ein solches Amt noch nie bekleidet hat. Wir verstehen uns zwar als Ausbildungsverein, aber doch bitte nicht auf den Führungspositionen!

Bliebe noch Klinsmann für Dietrich. Auch das würde ich sofort unterschreiben, weil Klinsmann ein Sympathieträger wäre, der den VfB nach außen gut repräsentieren würde. Die Außendarstellung derzeit ist katastrophal, schon alleine deshalb würde Klinsmann dem VfB gut tun. Zudem hat Klinsmann das Zeug zum Reformer und könnte dem VfB wieder eine Identität verschaffen, die uns derzeit abgeht. Dass es jedoch soweit kommt, ist schon deshalb utopisch, weil Dietrich den Sonnyboy wohl hauptsächlich gerne auf den Wasen locken würde, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und weiter wie bisher machen zu können.

Daher glaube ich weder, dass Dietrich seinen Posten freiwillig vor Ende seiner Amtszeit räumen wird und auch nicht, dass er Reschke entlassen und sich damit die Blöße geben würde, eingestehen zu müssen, dass Reschke, für den Schindelmeiser weg musste, ein riesiger Fehler war.

Denkbar wäre es, dass Dietrich Klinsmann als Sportdirektor installiert und Reschke ins zweite Glied als Kaderplaner zurückversetzt werden würde. Dann aber, ich habe es angesprochen, hätten wir erneut einen Sportdirektor ohne Erfahrung und einen schlauen Herrn Reschke im Hintergrund, der nicht nur den Trainer sondern auch Klinsmann mit schlauen Ratschlägen beglücken würde.

Für mich ist jede dieser Konstellationen problembehaftet und ich glaube auch nicht, dass sich Klinsmann darauf einlassen würde. Er wird einen Machtanspruch mitbringen und gestalten anstatt sich ein- bzw. unterordnen zu wollen. Ihm dürften die Türen in Fußball-Deutschland ohnehin offen stehen, so dass ich denke, dass seine Verbundenheit zum VfB allein nicht ausreichen dürfte, ihn zurück an den Neckar zu lotsen.

Matthias Sammer, Eurosport-Experte beim Spiel gegen die Eintracht, war (wie wir alle) entsetzt von dem, was er zu sehen bekam. Er meinte unter anderem:

“Die meisten – nicht alle – haben nicht die notwendige körperliche Verfassung. Wenn das reguläre Training nicht reicht, muss ich als erfahrener Profi abends meine Turnschuhe anziehen und mir die Füße wund laufen. Wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, dann arbeiten Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha – die arbeiten [wenn sie körperlichen Rückstand haben,] als gäbe es kein morgen. Wenn die körperliche Verfassung nicht stimmt, wird nie, nie etwas funktionieren.”

Dass Sammer das nicht nur so hingesagt hat, sondern als aktiver Profi selbst mit gutem Beispiel voranging, belegt eine Anekdote aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wohnte damals nur wenige Meter von meinen Eltern in Remseck-Aldingen entfernt und war oft am Neckar zwischen Hofen und Aldingen beim Joggen anzutreffen. Als er dieser Freizeitbeschäftigung eines Tages auch in Neckarrems nachging und sah, dass auf dem Sportplatz Fußball gespielt wurde, fragte er höflich, ob er mitspielen dürfe. Dann verstärkte er die ortsansässige A-Jugend in einem Kick gegen die AH, der mein Vater angehörte und hatte großen Spaß dabei.

Ob es diesen Ansporn und diese Lust sich zu bewegen beim Großteil der heutigen Generation noch gibt, wage ich zu bezweifeln. In der jetzigen Situation wäre es für jeden Einzelnen angebracht, mehr als das Nötigste zu tun, um ein Level zu erreichen, mit dem man in der Bundesliga wieder konkurrenzfähig ist. Diese Konkurrenzfähigkeit sehe ich nicht, im Gegenteil, ich bin überzeugt davon, dass das Pokal-Aus in Rostock kein Zufall war und wir auch heute noch gegen jede Drittligamannschaft den Kürzeren ziehen würden, weil es einfach an allem fehlt.

Unseren Nationalspielern wäre es anzuraten, auf ihre Berufung zu verzichten und stattdessen die 13 Tage zwischen Nürnberg und Leverkusen zu nutzen, für den Verein, der sie fürstlich bezahlt, 24 Stunden am Tag da zu sein und Defizite aufzuarbeiten.

In dieser Verfassung sehe ich selbst für Nürnberg schwarz, und erst recht für die darauf folgenden Begegnungen. Wenn es „normal“ läuft und Weinzierl nicht das Unmögliche schafft, im laufenden Spielbetrieb das Team fit zu bekommen, könnten diese fünf Punkte unsere Marke zur Winterpause sein, was fast schon gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre. Dieser wäre hausgemacht und wir stünden vor dem nächsten Neubeginn. Da die Ausgliederungsmillionen größtenteils in alternde Ex-Größen ohne Wiederverkaufswert investiert und somit verbrannt wurden und wohl jeder, der ein paar Euro einbringt, verkauft werden würde, mag ich mir heute die Situation im Sommer noch überhaupt nicht ausmalen.

Ein Jammer, wie man durch Lügen, Intrigen und falsche Personalentscheidungen nach dem Aufstieg so schnell so tief fallen konnte und dass es im Verein noch immer kein Regulativ gibt, welches Fehlentwicklungen schon im Ansatz anspricht und nicht hinterher erst auf schlau macht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Trotz meines Pessimismus bin ich auf Nürnberg gespannt. Bis zum Frankfurt-Spiel war ich noch der Auffassung, dass es unser Glück sei, dass es Vereine wie Nürnberg und Düsseldorf gibt, die man auf jeden Fall hinter sich lassen könne.

Dieser Meinung bin ich nach dem Debakel gegen zugegebenermaßen sehr starke Frankfurter nicht mehr. Ich hoffe, das Team straft mich Lügen und dass wir doch etwas Zählbares aus dem Frankenland mitbringen, allein, mir fehlt der Glaube.

Ich kann Fußball schauen, was ich will, ich sehe derzeit keinen uninspirierteren, langsameren und mit mehr Anfängerfehlern gespickten Fußball wie den vom VfB, so dass ich mir die Wende zwar wünsche, jedoch nicht mehr (so früh) an sie glaube.

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19. Oktober 2018

In der Endlosschleife

Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ wechselte der VfB letzte Woche mal wieder den Trainer. Rechnet man die 2-Tage-Interims-Lösung Andy Hinkel hinzu, wird Markus Weinzierl mein 45. (!) Trainer, seit ich im Herbst 1974 erstmals bei einem VfB-Spiel live dabei gewesen bin. Zwischen dem 09.11.1974 und dem 09.10.2018 liegen exakt 16.041 Tage, was eine durchschnittliche Verweildauer eines VfB-Trainers von 356 Tagen ergibt.

Gab es früher noch so etwas wie Kontinuität auf der Manager- und Präsidentenebene, die an „ihren“ Trainern etwas länger festhielten, haben wir in den letzten Jahren auch auf diesen Posten eine enorme Fluktuation.

Ob es daran liegt, dass sich jeder Sportdirektor und jeder Präsident am liebsten seinen Mann holt und alles was im Verein gut und teuer war über den Haufen wirft, oder ob es doch die Generation Gentner ist, die die Trainer schneller schafft als sie gucken können, lässt sich schwer sagen.

Fakt ist, dass Weinzierl Gentners zehnter (!) Trainer ist, den er in jenen fünf Jahren, in denen er die Kapitänsbinde trägt, erlebt. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass keine echten Kerle mehr in der Mannschaft sind, die Probleme auch mal von innen lösen.

Früher gab es, wenn es die sportliche Situation erforderte, Mannschaftsabende ohne Trainer und Offizielle, bei denen sich der Frust von der Seele gesoffen wurde und Probleme offen angesprochen wurden. Bei der heutigen Warmduscher-Generation undenkbar, dass da einmal einer die Initiative ergreift, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, Dienst nach Vorschrift zu machen. Da verkriecht man sich dann lieber vor seine Playstation oder in den Schmollwinkel und ist sich bewusst, dass sich dieses Problem schon irgendwie von selbst löst. Was kann einem Profi auch schon passieren, sein Geld bekommt er sowieso, ob er Egomane ist oder sich einbringt, ob er sich täglich den Allerwertesten aufreißt oder lustlos über den Trainingsplatz schleicht, ob er wie ein Profi lebt oder ständig um die Häuser zieht.

Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man eine Weile außen vor ist, womit sich die Vereine jedoch dann ins eigene Fleisch schneiden. Zum einen fehlt unter Umständen ein Leistungsträger, der auf dem Platz eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen, zum anderen verliert der Spieler an Marktwert und verlässt, zur Belohnung für sein schäbiges Verhalten, ablösefrei den Verein, um sich vom nächsten mit reichlich Handgeld überschütten lassen zu dürfen.

Daher kann und wird es sich kaum ein Verein leisten, Stinkstiefel, rigoros auszusortieren und wechselt im Zweifel lieber den Trainer. Vielleicht schafft es ja dann der Neue, die Laune wieder anzuheben und jene Prozent herauszukitzeln, die einige Spieler dem Vorgänger verweigerten.

Eine traurige Entwicklung, aber, so lang die Vereine keine Handhabe gegen Leistungsverweigerung und mangelnde Identifikation mit dem Verein haben, so lang man die Transferrechte verliert, wenn man einen Spieler vor die Tür setzt, so lang braucht man über die kurze Dauer von Trainerengagements nicht zu lamentieren.

Da brauchen jetzt auch keine Trainerkollegen Korkuts von oben herab dessen Entlassung und die mangelnde Geduld des VfB kritisieren, schon gar nicht einer wie Dieter Hecking, der seinerzeit den Club wegen höherer Verdienstmöglichkeiten bei Wolfsburg mitten in der Saison und Hals über Kopf verließ. Auch unter Trainern ist das Söldnertum verbreitet, nur eben nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Herren Profis.
Wenn ein Physiotherapeut wie Gerhard Wörn in der Bild-Zeitung zitiert wird, dass er nach Trainerwechseln stets am meisten zu tun habe, weil alle engagiert zur Sache gehen würden, ist das ein Armutszeugnis für Fußball-Profis, die dem Verein und uns Fans verpflichtet sein sollten. Zwischen den Zeilen heißt das doch, dass sie es so lang schleifen lassen, bis sie erlöst werden, was nur als vereinsschädigend bezeichnet werden kann.

Mich kotzt diese Generation von Arbeitsverweigerern mehr und mehr an, einfach weil das Wohl und Leid der Vereine in ihre Hände gelegt wird und man als Fan machtlos ist und nur auf das Gute im Profi hoffen kann. Es gibt sie zwar immer noch, die Musterprofis, die dazu noch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, doch scheinen sie mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies zu gehören.

Das Lamentieren über den Ist-Zustand des Profifußballs hat jedoch nichts mit der Korkut-Entlassung zu tun. Ich bin nicht derart an Korkut gehangen, als dass ich ihm eine Träne nachweinen würde. Er hat meinen Respekt für die geile Rückrunde, mehr aber auch nicht. Wie unbelehrbar er sich zuletzt gegeben hat, wie langweilig seine Pressekonferenzen war, welch grottenschlechten Fußball unter ihm gespielt wurde wird wohl von seiner Amtszeit hängenbleiben.

Was in der Mannschaft zwischen dem furiosen Saisonfinale in München und der Pokalpleite in Rostock vorgefallen ist, weshalb das Team in der bisherigen Saison alles vermissen ließ, was ein paar Monate vorher noch grandios gemacht wurde, lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, dass auch damals die Auftritte meist unansehnlich waren, aber mit höchster Konzentration als Team agiert wurde und man das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Obwohl Korkut größtenteils auf die Spieler der erfolgreichen Vorrunde setzte, musste der eine oder andere wegen der Neuzugänge um seinen Platz bangen. Ist es das, dass sich die Etablierten wieder einmal dem Konkurrenzkampf zu verschließen versuchten und es den Neuen so schwer wie nur möglich machten? Ist es, wie es „Zimbo“ Zimmermann kürzlich meinte, dass man zwar Qualität hinzu geholt, jedoch Mentalität abgegeben hätte?

Jedenfalls stehen wir nun, nur achteinhalb Monate nach der Wolf-Entlassung, erneut vor einem Scherbenhaufen und einem neuerlichen Neuanfang.
Die Ausgliederungsbefürworter, die sich von der damals exzellenten Aufstiegsstimmung leiten ließen und großes Vertrauen in Schindelmeiser/ Wolf setzten, dürften sich inzwischen vor den Kopf gestoßen fühlen, hat sich doch seither, wie von den Kritikern befürchtet, rein gar nichts geändert.

Meine Hoffnung auf etwas mehr Kontinuität und Ruhe im Verein wurde mit der Schindelmeiser-Entlassung begraben. Nach Schindelmeisers Entlassung war es auch um Hannes Wolf geschehen. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann er die Nase voll haben und den Bettel hinschmeißen würde.

Die beiden waren die Gesichter des Aufstiegs und hätten Gesichter einer neuen Epoche sein können. Dass Korkut und Reschke dann der totale Gegenentwurf zu diesen Menschenfängern sind, zeugt nicht von Überzeugung und schon gar nicht von einer Strategie. Es wird in den Tag hinein gelebt, man reagiert und agiert nicht. Es ist nicht förderlich, stets während der Saison den Trainer zu wechseln, wenn man nehmen muss, was man kriegt und die Auswahl reichlich begrenzt ist. Den sauberen Schnitt im Sommer hat man wieder einmal versäumt.

Auch wenn Wolfgang Dietrich kürzlich bei Sport im Dritten die Trennung von Jan Schindelmeiser erneut verteidigte und als alternativlos beschrieb, ist mir diese noch immer nicht plausibel. Dies von oben herab zu bedeuten und jegliche Kritik daran wegwischen zu wollen, zeugt für mich von wenig Stil. Gerade weil Schindelmeiser DAS Gesicht der Ausgliederungs-Werbeveranstaltungen war, man immer wieder betonte, wie gut man doch jetzt personell aufgestellt sei und welcher Plan dahinter steckte, wirft die Entlassung, die zum damaligen Zeitpunkt vermutlich schon festgestanden hat, auf Dietrich ein schlechtes Licht. Dass die Entscheidung in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig ausgefallen sein soll, ändert für mich nichts an dem faden Beigeschmack daran.

Als Vereinsmitglied habe ich großes Interesse daran, den wahren Grund für seine Demission zu erfahren, einfach um ihn besser zu verstehen und nicht weiter darauf herumreiten zu müssen.

Was ich immer nur heraushöre war, dass Schindelmeiser lieber im stillen Kämmerlein gearbeitet habe und seine Vorstandskollegen nicht über jeden Zwischenstand seiner Vorhaben informiert habe.
Das allein fände ich überhaupt nicht verwerflich, weiß man doch, wie viele „Maulwürfe“ sich immer mal wieder auf dem Vereinsgelände tummelten, die ein schlechtes Bild nach außen abgaben und zudem anstehende Deals gefährdeten.

Dass man mit seiner Kaderplanung für die Bundesliga nicht einverstanden gewesen sei, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein, sollen die Risse doch schon lang vorher bestanden haben. Zudem war es ja noch mitten in der Transferperiode, so dass keiner weiß, wie Schindelmeisers Kader am 31.08. ausgesehen hätte.

Bei außergewöhnlichen Rechtsgeschäften wird auch ein Jan Schindelmeiser gezwungen gewesen sein, sich das OK seiner Kollegen im Vorstand einzuholen, so dass ich einfach nicht verstehe, was genau das Problem war.

Sollten gravierendere Gründe vorgelegen haben, die eine Trennung (zu diesem ungünstigen Zeitpunkt) unausweichlich gemacht haben, müssen diese meiner Meinung nach auf den Tisch, um ein Stück Glaubwürdigkeit zurück erlangen zu können.

Wie weit es die Herren im sowieso verlogenen Bundesligageschäft mit der Wahrheit halten, führte uns Schindelmeiser-Nachfolger Reschke in der letzten Woche schonungslos vor Augen.

Als Notlüge war es für Reschke legitim, nach dem Hannover-Spiel eine Korkut-Entlassung ins Reich der Fabel zu verweisen, um ihm am nächsten Morgen den Arschtritt zu verpassen.

Jener Reschke, der direkt nach seinem Amtsantritt die Fan- und Mitglieder-Schar, die nach der Abkehr vom Jugendstil, vorsichtig ausgedrückt, irritiert war, als „ahnungslose Vollidioten“ betitelte, dachte sich wohl dabei, diesen Vollidioten alles erzählen zu können und dass sie, da sie ja Vollidioten sind, auch nichts hinterfragen würden. Als Kind wurde mir eingetrichtert, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer weiß, vielleicht ging ja dieser Kelch an Reschke vorüber. Da passt es ins Bild, dass Zorc dieser Tage Reschke widersprach (oder auch der Lüge bezichtigte), als dieser behauptete 12 Millionen Euro für Bruun-Larsen geboten zu haben.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich die Korkut-Entlassung an sich kritisiere, im Gegenteil, für mich kam sie viel zu spät. Dass man Korkut direkt nach der so erfolgreichen Rückrunde, trotz berechtigter Zweifel, ob er in der Lage sein würde, mehr zu sein als ein Feuerwehrmann, nicht direkt den Laufpass gab, dafür habe ich ja noch Verständnis.

Weshalb man aber ohne Not den ohnehin für die laufende Saison gültigen Vertrag frühzeitig verlängerte, versteht wohl kein Mensch. Bei allem Respekt für Tayfun Korkut, er ist beileibe kein Trainer, bei dem man Angst haben musste, dass er von einem anderen Verein abgeworben wird. Man hätte die Entwicklung abwarten und sich im Winter zusammensetzen müssen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht.

Inwieweit Korkut bei der Kaderzusammenstellung mitwirken durfte, erschließt sich mir auch nicht. Offensichtlich konnte Korkut mit dem an Qualität verbesserten Kader wenig bis überhaupt nichts anfangen und schaffte es nicht, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Schnell traten Grüppchen zutage, hier die Alten, dort die Jungen. Die Mischung, die Korkut aufs Feld schickte, stimmte nie. War das Setzen auf Stabilität mit möglichst wenig Rotation in der Rückrunde noch ein probates Mittel, war es nun Gift, um alle bei Laune zu halten.

Zudem übertrieb es Korkut mit den Defensivspielern bei seinen Aufstellungen wie zum Schluss auch Hannes Wolf, so dass es früh klar wurde, dass die Ära Korkut nicht von langer Haltbarkeit geprägt sein würde.

Spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut entlassen gehört. Zuvor wurde immerhin schon beim Drittligisten Hansa Rostock und bei Mainz 05 verloren.

Dann kamen die Bayern, gegen die man oft mit der Ansetzung haderte, wenn wir sie zu einem Zeitpunkt bekamen, in denen sie voll im Saft standen. Erfahrungsgemäß haben die Bayern in Saisons nach einer Weltmeisterschaft Motivations- und Startprobleme, erstrecht, wenn die Spieler nach einer derart verkorksten WM zurückkehren und einigen erst so richtig bewusst wird, dass es wohl die allerletzte Chance war, noch einmal Weltmeister zu werden.

Selbstredend wäre es auch unter diesen Umständen eine Überraschung gewesen, gegen sie zu punkten, obwohl sich die Bayern im Pokal beim Underdog aus Drochtersen nur mit dem knappsten aller Resultate durchsetzten und beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim auf Schiedsrichter-Hilfe angewiesen waren, also auch bei ihnen bei weitem noch nicht alles rund lief.

Unverwundbar wären sie also nicht gewesen, umso unverständlicher, dass Korkut eine Hasenfuß-Taktik ausgab und es schon gar nicht versuchte, den Bayern weh zu tun.

Dabei hätte das 1:4 zum Saisonfinale doch Mut machen müssen. Wie leicht die hoch verteidigende und in die Jahre gekommene Bayern-Verteidigung zu überspielen ist, führten wir ja nicht exklusiv vor. Nach dem selben Strickmuster schnappte sich die Frankfurter Eintracht den Pokalsieg und rannte die deutsche Nationalelf bei der WM in Russland ins Verderben.

Wenn man aber gerade einmal zwei Offensivkräfte aufbietet und den normalerweise verschmähten Anastasios Donis ohne Unterstützung systematisch verheizt, disqualifiziert man sich selbst. Null Eckbälle, null Torschüsse vom VfB, wohl selten in der Bundesligahistorie fuhren die Bayern einen ungefährdeteren Sieg ein als jenen vom ersten September.

Eine Entlassung schon zu diesem Zeitpunkt (optimal, da ebenfalls vor einer Länderspielpause) hätte den Start des neuen Trainers erleichtert, standen damals die Spiele in Freiburg, gegen Düsseldorf und in Hannover noch bevor, aus denen mehr als mickrige zwei Pünktchen hätten herausspringen müssen.

So startet Weinzierl mit dem Rucksack, gleich gegen Tabellenführer Borussia Dortmund und beim Championsleague-Teilnehmer Hoffenheim beginnen zu müssen, was die Gefahr eines Fehlstarts und des Verpuffens der Aufbruchsstimmung in sich birgt.

Mit Markus Weinzierl als neuem Trainer kann ich gut leben (o. k., mir bleibt auch nichts anderes übrig). Meine Lieblings-Lösung hätte zwar Ralph Hasenhüttl geheißen, doch war dieser von Anfang an ziemlich unrealistisch. Er wird nach seiner Zeit bei Redbull auf den nächsten finanzstarken Verein warten und sich nicht darauf einlassen, beim VfB kleinere Brötchen backen zu müssen und den Schritt zurück zu gehen.

Gerechnet hatte ich mit Roger Schmidt, da sich Reschke ja gerne Personalien von Leverkusen aufschwatzen lässt. Dieser war wohl nicht von heute auf morgen aus China loszueisen (oder wollte nicht auf Gehalt verzichten), so dass es eben Markus Weinzierl geworden ist.

Weinzierl war vor seinem Engagement auf Schalke einer der am heißesten gehandelten Namen auf dem Trainermarkt, weil er sowohl in Regensburg als auch in Augsburg Beachtliches geleistet und den FCA gar in die Europa League geführt hatte.

Bei beiden Vereinen waren allerdings die Erwartungen nicht sonderlich groß und ein ruhiges Arbeiten in einem unaufgeregten Umfeld möglich. Selbst als der FC Augsburg vor sechs Jahren zur Winterpause mit neun Punkten da stand, hielt man am Trainer fest, was sich letzten Endes als richtig erwies, jedoch völlig untypisch ist im so hektisch gewordenen Bundesliga-Geschäft.

Schalke war da schon eine andere Hausnummer. Weinzierl scheiterte dort und musste bereits nach einem Jahr Platz für Ex-VfB-Jugendtrainer Domenico Tedesco machen.

Auf Schalke soll er nicht gerade der Lieblings-Trainer von Dennis Aogo und Holger Badstuber gewesen sein, schauen wir mal, ob sie sich beim VfB zusammenraufen. Eric Thommy kennt Weinzierl noch aus Augsburg und Christian Gentner über deren gemeinsamen Berater. Zweifel, dass diese Konstellation Interessenskonflikte hervorrufen könnte, versuchte Weinzierl schon bei seinem Amtsantritt zu zerstreuen.
Ich bin da skeptisch und nach wie vor der Auffassung, dass ein Sven Ulreich nur deshalb so lang (bzw. überhaupt) im VfB-Tor gestanden hat und Christian Gentner diese (Führungs-)Rolle beim VfB nur deshalb einnehmen konnte, weil seinerzeit Fredi Bobic das Sagen hatte und dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab war.

Ich hoffe, dass unter Weinzierl endlich das Leistungsprinzip einkehren wird und er die Spieler nach ihrem derzeitigen Leistungsstand und nicht wegen vermeintlicher früherer Verdienste um den Verein aufstellen wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass es einmal mehr die Alten waren, die Korkut die Gefolgschaft verweigerten.

Die Clique um Beck, Aogo und Gentner soll es gewesen sein, die Hannes Wolf stürzte, dieselben waren sich ihres Platzes unter Korkut nun wohl auch nicht mehr so sicher oder rebellierten, siehe Gentner in Rostock, wenn sie einmal auf der Bank Platz nehmen mussten. Korkut ging dann den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands, indem er eine überalterte Truppe auf den Platz schickte, anstatt sich mit ihnen wegen eventueller Nichtberücksichtigung auseinandersetzen zu müssen. Erst ab dem Spiel in Leipzig, als die Dinge bereits ihren Lauf nahmen, verjüngte er die Startelf und brachte in Maffeo, Borna Sosa und Thommy drei unverbrauchte Kräfte, was allerdings auch der englischen Woche geschuldet gewesen sein könnte.

Die Aufstellung für das Spiel in Hannover schließlich war dann, analog zu Wolfs letzter, nicht anders zu verstehen, als die Bitte um seinen Rausschmiss.

Wie man derart destruktiv eingestellt in ein Spiel beim Tabellenletzten, versehen mit der schwächsten Offensive der Liga, gehen kann, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Durch den Trainerwechsel fallen die Alibis der Spieler weg, wir kennen das ja. Schon im Frühjahr warteten Spieler wie Aogo und Gentner plötzlich mit Leistungen auf, die, wenn sie sie schon vorher gebracht hätten, Hannes Wolf wohl nicht zur Aufgabe bewogen hätten.

Daher ist auch jetzt wieder zu befürchten, dass sie sich am Riemen reißen und fein raus sind, wenn sie die so leicht zu verstehenden und väterlich vorgetragenen Ansprachen Weinzierls in den Himmel loben.
Es ist zu wünschen, dass sich Weinzierl nicht verbiegen lässt und den längst fälligen Umbruch endlich einleitet und vor allem einleiten darf. Zorniger und Wolf, die die alten Hierarchien in Frage stellten und das Team runderneuern wollten, wurden von der Mannschaft kläglich im Stich gelassen und erfuhren schließlich auch keine Unterstützung „von oben“.

Ein Gentner wirkt schon die komplette Saison lang körperlich nicht fit und sollte nicht länger auf dem Flügel „geparkt“ werden, nur weil die Zentrale durch aggressivere und handlungsschnellere Spieler besetzt ist. Auf dem Flügel, ich kann es mir nicht anders erklären, wird er nur deshalb eingesetzt, weil ein Gentner eben immer spielen muss, für mich spielen wir so de facto mit einem Mann weniger.

Holger Badstuber tut mir Leid, weil er nach zwei haarsträubenden Fehlern lange außen vor war und seitdem nur noch verunsichert wirkt. Er geht offensiv an die Probleme heran und stellt sich auf seiner Facebook-Seite der Kritik.

Schade, dass diese vor allem von VfB-Fans meist beleidigend ausfällt und ihm noch immer vorgeworfen wird, dass er gerne zu einem Verein gewechselt wäre, der Championsleague spielt. Mir ist ein ehrgeiziger Spieler allemal lieber als ein Kapitän Gentner, der nach Mainz fährt und ausspricht, dort müsse man nicht unbedingt gewinnen. Das ist genau die Mentalität des Mit-zu-wenig-Zufriedenseins, die die Ära Gentner prägte.

Zudem sei noch einmal gesagt, dass Badstuber und der VfB letzte Saison nur einen Einjahresvertrag abgeschlossen hatten und es somit beiderseits legitim war, sich nach Alternativen umzuschauen. Jetzt, nachdem sich Badstuber ganz klar für den VfB entschieden und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, gab er ein klares Bekenntnis zum VfB ab und dürfte einen Teufel tun, sich gleich wieder vom Acker zu machen, selbst dann, sollte ein besseres Angebot ins Haus flattern.

Wenn er jedoch weiterhin permanent beleidigt und niedergemacht wird, braucht sich keiner zu wundern, sollte er doch um die Freigabe bitten. Bezeichnend auf den sozialen Netzwerken ist, dass es hauptsächlich Bayern-Fans sind, die ihn aufmuntern und ihm nachtrauern. Schon allein die Tatsache, dass man sich bei den erfolgsverwöhnten Bayern nach einem wie ihm sehnt, sollte verdeutlichen, zu was Badstuber fähig ist, wenn er in Topform ist.

Aogo (weshalb eigentlich wurde Mangala abgegeben?) und Beck rechtfertigten ihre Einsätze in dieser Saison noch überhaupt nicht, Castro scheint noch seine Rolle zu suchen und noch nicht richtig angekommen zu sein.

Castro wird den Anspruch an sich selbst haben, Führungsspieler sein und beim VfB eine tragende Rolle übernehmen zu wollen. Ohne wirklich Ahnung vom Innenleben der Truppe zu haben, kann ich es mir auch hier wieder vorstellen, dass es Kräfte im Team gibt, die das zu verhindern versuchen, weil sie um ihren eigenen Status fürchten. Solche Grabenkämpfe müssen Sportdirektor und Trainer vehement bekämpfen und mit aller Härte dazwischen grätschen, da sie äußerst vereinsschädigend und für mich zudem die Wurzel allen Übels der letzten Jahre sind. Von Castro verspreche ich mir mehr, als das was er bislang zeigen konnte.

Daniel Didavi hat ebenfalls einen schweren Stand seit seiner Rückkehr. Nach dem kollektiv schwachen Auftritt in Rostock war er das erste Bauernopfer Korkuts, indem er im darauffolgenden Spiel aus der Mannschaft flog. Seither hat er Schwierigkeiten richtig Fuß zu fassen und ist zudem (mal wieder) verletzungsgeplagt.

Auch von ihm verspreche ich mir sehr viel mehr. Vielleicht gelingt es Weinzierl als eine seiner ersten Amtshandlungen, sofern er fürs Dortmund-Spiel fit wird, Dida stark zu machen und vor allem die Position spielen zu lassen, die ihm am besten liegt, nämlich hinter den Spitzen.

Es wäre nicht Didavis erstes Comeback gegen Dortmund, 2014 kehrte er nach über einjähriger Verletzungspause gegen den BVB überraschend zurück und machte ein starkes Spiel, auch wenn dieses nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging.

Ron-Robert Zielers Rolle im Team kann ich von außen ebenfalls schwer einschätzen. Gehört auch er zu der Clique, die Trainerwechsel durch ihre „Leistung“ auf dem Platz zu beschleunigen versuchen? War es Zufall, dass Zieler durch seine Patzer in Mainz zu Beginn der vergangenen Rückrunde Wolfs Demission maßgeblich mit beeinflusste? Waren es zuletzt in Freiburg, Leipzig und gegen Bremen zufällige Aussetzer oder welche mit Ansage? Ich halte ihn eigentlich für einen großartigen Rückhalt, weshalb mir die auffällig vielen Fehler in letzter Zeit etwas rätselhaft sind.

Insúa musste zuletzt für Borna Sosa weichen. In Freiburg spielte er eine sehr gute zweite Halbzeit, gegen Düsseldorf, wie viele andere auch, sehr durchwachsen, danach saß er draußen. Mit besonderem psychologischem Geschick war Tayfun Korkut nicht gesegnet, siehe Didavi, siehe auch Insúa.

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Talenten wie Borna Sosa keine Alten vorgesetzt werden und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie nicht die Lust verlieren und zugleich ihren Marktwert steigern, aber, Insúa halte ich für wichtig fürs Team.

Zum einen steckt seine ständig gute Laune an, zum anderen ist er ein wichtiger Integrator für Ascacibar und Gonzalez. Anhand dieser Faktoren und dem Umstand, dass seine Leistung selten unterirdisch ist und er sich nie hängen lässt, würde ich einen wie ihn nicht so schnell aus dem Team verbannen und Borna Sosa lieber auf der linken Außenbahn sehen, um zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Bliebe noch Mario Gomez, DER Lebensversicherung der letzten Rückrunde. Gegen Bremen machte er ein bärenstarkes Spiel und setzte mehrere Male uneigennützig Gonzalez in Szene, der dann so unglücklich scheiterte. Er ist einer, der sich (nach Anlaufproblemen) aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich auch nicht zu schade dafür ist, nach hinten zu arbeiten. Jedoch täte ihm die eine oder andere Anspielstation mehr vorne gut, so dass er nicht ständig gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Abwehrspielern ankämpfen muss.

Ich bin gespannt darauf, wie Weinzierls Ausrichtung am Samstag gegen den Spitzenreiter aussehen wird. Nach Trainerwechseln ist die Truppe stets eine gewaltige Wundertüte. Da sich das Team bislang weit unter Wert geschlagen hat, ist von einem „weiter so“ bis zu einer wahren Leistungsexplosion alles im Bereich des Möglichen.

Dieser abgezockten Spezies Fußballprofi nehme ich nicht einmal mehr die so viel beschworene allgemeine Verunsicherung nach den ganzen Negativresultaten ab. Jetzt, wo die Alibis weggefallen sind und sich wieder einzig und allein alles auf sie fokussiert, wird es sich keiner mehr leisten können, nur mit halber Kraft aufzutreten und den Nebenmann links liegen zu lassen. Wir werden eine Einheit auf dem Platz sehen, da bin ich mir relativ sicher. Ob es dann reicht gegen den, vor allem in der Offensive, so vorzüglich besetzten BVB, werden wir sehen.

Mein Optimismus was bessere Spiele und bessere Ergebnisse betrifft kehrt langsam zurück, wenngleich ich dann einen umso größeren Groll auf die Spieler schiebe. Nach Trainerwechseln, die auch für mich längst Routine sind, kann ich mich über die ersten Erfolgserlebnisse nie so richtig freuen, zu sehr steckt noch der Ärger über die Spieler in mir, dass sie es überhaupt so weit haben kommen lassen und lediglich durch Handauflegen des neuen Trainers neue Energien freigesetzt wurden. An diesen Scheiß glaube ich nicht, es liegt einzig und allein am Willen und der Einstellung dieser kickenden Millionäre und da bin ich noch immer so naiv, dies von ihnen an JEDEM ihrer Tage beim VfB zu erwarten.

Korkut ist sicher einer der Trainer, denen ich am wenigsten hinterhertrauere und doch waren es einmal mehr die Spieler, die durch mangelndes Engagement und haarsträubende Leichtsinnsfehler den Trainerwechsel erst nötig gemacht haben.

Nachdem diese Saison fast schon wieder abgehakt werden muss, ehe sie richtig begonnen hat, es nur noch wenig zu erreichen und umso mehr zu verhindern gibt, wächst natürlich auch der Druck auf Reschke. Seine Außendarstellung (und damit die des VfB!) ist nach wie vor eine Katastrophe. Sollte eines Tages auch Weinzierl beim Team nicht mehr wohlgelitten sein und in naher Zukunft „mein“ Trainer Nummer 46 vor der Tür stehen, dürfte die Luft für Reschke langsam dünn werden.

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10. Januar 2018

Schwäbisch Roulette

Was hatte man zum Ende der Vorrunde nicht den Eindruck, dass man sich nur irgendwie in die Winterpause retten und alle Hoffnung auf Besserung in die Transferphase im Januar und die Rückrunde legen müsse.

Zu sehr offenbarte die Vorrunde, dass bei der Kaderzusammenstellung letzten Sommer so einiges schief lief und es eher suboptimal ist, mitten in der Vorbereitung den Sportdirektor zu wechseln.
Setzten Schindelmeiser/ Wolf auf junge, dynamische Spieler, die unser Spiel ankurbeln sollten, Marke Mangala, Burnić und einige andere mehr, folgte mit Reschke die Zeitenwende, indem er Altstars an den Neckar lotste, die sich bereits im Spätherbst ihrer Karriere befinden.

Wurde Schindelmeiser zum Vorwurf gemacht, er habe Maxim verkauft, ohne positionsgetreuen Ersatz verpflichtet zu haben, machte Reschke in den drei Wochen seines Wirkens während der Sommertransferphase auf der vakanten Position des Zulieferers unserer Stürmer, richtig, NICHTS.

Unsere Offensive war insgesamt dünn besetzt, wenn man weiß, dass mit Carlos Mané ohnehin in der Vorrunde nicht zu rechnen war und Daniel Ginczeks Fitnesszustand seit jeher fragil ist. Wenn dann noch die wenigen anderen Offensivkräfte, wie Akolo und Donis, immer mal wieder mit Blessuren zu kämpfen haben und ausfallen, oder ihre Bundesligatauglichkeit über weite Strecken schuldig bleiben (Asano), ist der einzige Mann im Sturm, den wahrlich so gut wie nichts erschüttern konnte, die ärmste Sau im VfB-Spiel. Simon Teroddes Leiden haben ein Ende, er wurde nach Köln abgegeben und durch Mario Gomez ersetzt.

Auf dem Papier liest sich die Verpflichtung für den VfB toll. Einer DER Ausnahmetorjäger der letzten zehn Jahre stürmt wieder für den VfB. In der Vorsaison hat er den VfL Wolfsburg mit seinen 16 Toren fast im Alleingang in die Relegation und schließlich zum Klassenerhalt geschossen, doch, dort hatte er Zulieferer in seinen Reihen, unter anderem einen am Neckar Altbekannten, Daniel Didavi.

Der wahre Husarenstreich Michael Reschkes wäre es gewesen, Dida gleich mit zurück in die gute Stube zu holen. Doch, die Hoffnung wird nun allein auf Mario Gomez liegen müssen, denn Reschke hat verlauten lassen, der Kader sei seiner Auffassung nach stark genug, und dass höchstens noch auf Verletzungen in den ersten Rückrundenspielen reagiert werden würde.

Für mich spielt Reschke, wenn er denn mit dieser Aussage keine Nebelkerze gezündet hat, schwäbisch (oder besser, rheinisch) Roulette. Es kann gut gehen, genauso gut wie die Vorrunde hätte gut gehen können. Ist sie aber nicht, weil im Fußball immer mit Unwägbarkeiten gerechnet werden muss und man nicht unbedingt vom Optimalfall ausgehen kann.

Auf zwei Positionen drückt meiner Meinung nach besonders der Schuh. Das kreative Mittelfeld habe ich bereits angesprochen, doch, auch hinten rechts sollte man dringend nachbessern. Außer Michael Reschke, der Andi Beck über den grünen Klee lobt, sieht jeder, dass Beck DER Bremser in unserem Spiel ist und vor allem in dem in der Vorrunde vorwiegend praktizierten System mit einer Fünferkette, die schnelle Außenverteidiger bedingt, schlichtweg an seine Grenzen stößt.

Wie Reschke und Dietrich auf die Idee gekommen sind, Beck überhaupt zurück zu holen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Als Schindelmeiser noch die Geschicke leitete, bekam so mancher Bauchschmerzen, weil das Team zu jung, unerfahren und möglicherweise für die Bundesliga zu grün gewesen sei. Dann, unter Reschke, kamen nacheinander Badstuber, Aogo, Beck und Gomez, wohingegen die drei Letztgenannten eben nicht nur Erfahrung mitbringen, sondern sich auf dem absteigenden Ast befinden, während Badstuber „nur“ extrem verletzungsanfällig ist.

Im Zuge der Ausgliederungspropaganda wurden Erwartungen geweckt, der VfB könne mit mehr Geld im Säckel seine Spieler halten und auf der anderen Seite Spieler für den VfB begeistern, von denen wir ohne Ausgliederung nicht zu träumen wagten.

Ob die Mitglieder, die der „Make VfB great again“-Propaganda gefolgt waren und für die Ausgliederung gestimmt haben, sich diesen Kurswechsel gewünscht haben, ist fraglich. Bislang kamen in der Ära Reschke ausschließlich Spieler (Ausnahme Ascacibar, den der VfB jedoch schon vorher auf dem Zettel hatte), die fürstliche Gehälter beziehen, jedoch keinen Wiederverkaufswert mehr haben.

Unter Spielern mit Erfahrung stelle ich mir welche im besten Fußballeralter vor, 27, höchstens 28 Jahre alt, um die herum es sich lohnt, eine Mannschaft aufzubauen. Aber doch nicht 32-jährige Auslaufmodelle, mit denen man gerade mal im Halbjahreszyklus planen kann, die Gehaltsressourcen binden und am Ende der Vertragslaufzeit ihre Karriere (ablösefrei) beenden.

Becks Rückkehr habe ich von Beginn an nicht nachvollziehen können. Verwunderlich, dass Wolfgang Dietrich beim Klang seines Namens zwar nostalgische Gefühle überkommen, Beck jedoch nie in einem Atemzug mit den Jungen Wilden genannt wird.

Beck konnte sich in seiner ersten Zeit beim VfB nicht durchsetzen und kam vor allem nicht an Ricardo Osorio vorbei. Dem Konkurrenzkampf entzog er sich und ging dort hin, wo es 2007 das meiste Geld zu „verdienen“ gab, nämlich zum ungeliebten Nachbarn ins Kraichgau.

Dort verbrachte er die Blütezeit seiner Karriere und, als er den Zenit weit überschritten hatte und in Hoffenheim sein Stammplatz in Gefahr war, „floh“ Beck in die Türkei. Dass es ihn nun zurück in die Heimat zog, dürfte in der politischen Lage am Bosporus begründet sein. Für mich zwar nachvollziehbar und doch hätte es nicht unbedingt der VfB sein müssen, der ihm das Gnadenbrot zum Karriereausklang verabreicht.

Mario Gomez ist der nächste in der Reihe derer, die „daheim“ die Karriere ausklingen lassen möchten. Sportlich wird uns Mario sicherlich mehr weiterhelfen, als es Andreas Beck bislang getan hat. Er will unbedingt zur WM im Sommer in Russland und wird sich bestmöglich versuchen einzubringen, um dieses hehre Ziel auch zu erreichen.

Bei Gomez muss man abwarten, ihn bewerte ich dann, wenn man weiß, was er geleistet hat (oder auch nicht). Ich kritisiere noch nicht einmal, dass man ihn zurückgeholt hat, sondern habe lediglich Bauchschmerzen damit, dass man einen 32-jährigen auf Anhieb zum Top-Verdiener macht, der trotz Einbußen im Vergleich zu Wolfsburg noch immer vier Millionen Euro jährlich einstreichen soll.

Des Weiteren kam Gomez für Terodde, Torjäger gegen Torjäger, während das eigentliche Problem, das der mangelnden Zulieferung, noch immer nicht gelöst wurde. Denn, selbst ein Super-Mario wird sich die Bälle nicht noch selbst auflegen können.

Sollte der Fußball der Rückrunde dem der Vorrunde ähneln, getreu dem Motto Safety-First, sehe ich die Gefahr, dass der geborene Torjäger Mario Gomez zunächst verzweifeln und schließlich resignieren wird. Steht er auf ähnlich verlorenem Posten wie es bei Simon Terodde und auch Daniel Ginczek bei seinen wenigen Einsätzen der Fall war, dürfte er seine Felle im Hinblick auf die WM davon schwimmen sehen, was seiner weiteren Motivation sicher nicht förderlich wäre.

Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen. Ob bei Trainern wie Sundermann und Veh, bei denen vor Augen geführt wurde, dass sich die goldene Zeit nicht zurückdrehen lässt, wie auch bei Spielern.

Bei Aleks Hlebs Rückkehr war selbst ich euphorisch und erwarb noch während seines ersten Trainings das Trikot mit der Nummer 23, ein für alle mal das letzte, das ich mit einem Spielernamen beschmutzen, ähm, beflocken ließ. Er war das Paradebeispiel des satten Spielers! Wie nach und nach herauskam, bewog ihn nicht seine vorgeheuchelte Heimatliebe zur Rückkehr, sondern, dass er vom VfB auch weiter sein stattliches Barça-Gehalt überwiesen bekam. Nachdem seine Leistungen auch noch zu wünschen übrig ließen und er öfter in den Besenwirtschaften des Remstals als auf dem Trainingsplatz anzutreffen war, war ich nur noch sauer auf diesen verwöhnten Rotzlöffel.

In die Riege der für mich nicht nachvollziehbaren Rückholaktionen fiel übrigens auch die von Christian Gentner. Seinerzeit waren wir im defensiven Mittelfeld mit Kuzmanovic und Träsch ordentlich aufgestellt. Links oder zentral offensiv war Didavi vorgesehen, so dass es für Gentner zur damaligen Zeit eigentlich keinen Platz im Team gegeben hat. Doch, schon damals, wog das Wort eines einflussreichen Spielerberaters mehr als die sportliche Notwendigkeit, so dass man auch Gente gnädig wieder aufnahm.

Marc Ziegler war eine dankbare Nummer zwei hinter für Sven Ulreich, ohne jegliche Ambitionen, Ulle ernsthaft herauszufordern.

Beck durfte nun bereits ein halbes Jahr lang unter Beweis stellen, dass er sich nahtlos in diese Aufzählung einreiht, während wir bei Gomez erst noch abwarten müssen. Schießt er uns zum Klassenerhalt und knüpft an alte Zeiten an, hat sich der Aufwand gelohnt, wenn nicht, kann Dietrichs und Reschkes Retrokurs endgültig als gescheitert angesehen werden.

Mir fehlt bei Reschkes Wirken bislang die Nachhaltigkeit. Die Amateure möchte er unwiderruflich auslöschen, Talente werden abgegeben anstatt aufgebaut (die nächsten vermutlich, Grgic und Ofori) und im Gegenzug wird eine Altherrenmannschaft „aufgebaut“, die dem immer schneller werdenden Bundesligafußball früher oder später Tribut zollen wird.

Setzt Reschke diesen Kurs fort, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Serdar Taşçı und Sami Khedira wieder anheuern. Geht Reschke weiterhin die Phantasie bei seinen Transferaktivitäten ab und setzt er weiter auf „Altbewährtes“, scheint selbst eine Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger, den Reschke aus München bestens kennte, nicht ausgeschlossen. Dessen Vertrag in Chicago lief vor wenigen Tagen aus, er würde exakt in Reschkes Beuteschema passen. Nicht dass ich einen wie Schweinsteiger nicht gerne mal im VfB-Trikot sehen würde, doch, auch er würde das Gehaltsgefüge sprengen und den finanziellen Rahmen weiter eindämmen.

Meine Bedenken in Bezug auf die Ausgliederung und dem daraus resultierenden Groß-Mann-Denken bewahrheiten sich immer mehr. Diejenigen, die damals für „ja“ stimmten, vertrauten in erster Linie dem Kurs von Jan Schindelmeiser, die vorhandenen Mittel vernünftig einzusetzen und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Seit Reschke das Zepter schwingt, wird hingegen das Geld mit offenen Händen ausgegeben und das für Spieler, die beim Worst-Case-Szenario Abstieg dem VfB wohl kaum erhalten bleiben und auch nicht zu bezahlen sein dürften.

Selten bis noch nie war mein Empfinden so wie in dieser Woche, dass ich mich auf den Rückrundenstart in wenigen Tagen überhaupt nicht freue. Freuen tue ich mich allenfalls über die vielen Leidensgenossen, die man vor und nach dem Spiel trifft, nicht aber auf das Spiel.

Ich habe ziemlichen Bammel und wenig Hoffnung, dass wir gestärkt aus der kurzen Pause heraus kommen könnten. Die fünf Niederlagen aus dem Dezember liegen einfach noch zu schwer im Magen.
Mein einziger Hoffnungsschimmer auf einen guten Rückrundenstart ist, dass Wolf im Trainingslager vorwiegend auf ein 4-2-3-1 gesetzt hat und die Rückrunde möglicherweise etwas mutiger angehen wird. Hoffen wir, dass ihn bis Samstag der Mut nicht schon wieder verlässt.

Allein mit destruktiver Ausrichtung und dem Hoffen auf den lieben Gott oder neuerdings Mario Gomez, wird die Klasse nicht zu halten sein. Die ersten drei Rückrundenspiele sind für mich wegweisend. Gelingt in diesen kein Sieg, sehe ich schwarz, was den Klassenerhalt angeht. Dieser sollte angesichts des schweren Restprogramms tunlichst bis zum 30. Spieltag eingetütet sein, so dass es sich von selbst verbietet, sich jetzt noch einzuspielen oder langsam in die Rückrunde hinein zu finden. Der VfB muss auf Anhieb voll da sein und die Punkte jetzt holen.

Reschke hat allerdings die Ruhe weg, was ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Bessert er von der Reste- oder doch Reschkerampe (?) erst nach, wenn Ende Januar das Kind schon im Brunnen liegt, sehe ich große Probleme, die Kurve dann noch zu kriegen.

Mich interessiert im Übrigen auch der überhitzte Transfermarkt und dass es schwierig sei, im Winter Spieler zu bekommen, die einen sofort weiter bringen, überhaupt nicht. Reschke hatte ein halbes Jahr lang Zeit an kreativen Möglichkeiten zu feilen, Handlungsbedarf besteht schließlich nicht erst seit Ende der Vorrunde. Er ist in der Pflicht zu liefern und das so bald wie möglich!

Mit fast unverändertem Kader der Vorrunde ist es ein sehr riskantes Vabanque-Spiel mit vielen Risiken. Reschke setzt zwar große Hoffnungen in die Rückkehr von Carlos Mané und Daniel Ginczek. Meine sind in Bezug auf diese beiden eher gedämpft. Es würde an ein Wunder grenzen, wäre Mané sofort wieder der Alte und wenn beide nahezu verletzungsfrei durch die Rückrunde kämen. Auch DER Fixpunkt in der Abwehr, Holger Badstuber, könnte von heute auf morgen komplett wegbrechen. Wir können ja schon fast drei Kreuze machen, dass er bislang immer nur relativ kurz ausgefallen war, was allerdings nicht immer so bleiben muss. Reschke setzt in diesen Tagen alles auf Rot, wenn er sich da mal nicht verzockt.

Der Preis des schwäbischen Roulettes könnte im schlimmsten Fall mit dem Abstieg bezahlt werden müssen und wäre dann um ein Vielfaches höher, als er es jetzt noch wäre, würde man die Truppe vernünftig verstärken. Ein neuerlicher Abstieg wäre deutlich verheerender als der letzte und würde in einen kompletten Neuanfang münden. Soweit darf es der Verein nicht kommen lassen, noch wäre Zeit, an den entscheidenden Schrauben zu drehen.

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27. September 2017

Riegel-Hannes!

Zum Abschluss der englischen Woche und zum Wasenauftakt hatte der VfB den FC Augsburg zu Gast. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg, der Trainer Jonker den Job kostete, und der ärgerlichen Niederlage am Dienstag in Mönchengladbach, reichte es gegen die bayerischen Schwaben (nur) zu einer Punkteteilung.

Das Intro für dieses Spiel bot von beiden Fanszenen jeweils eine Choreographie, während die der Augsburger im Antlitz derer in der Cannstatter Kurve nur verblassen konnte. Das Motto hieß dieses Mal „Schwabenmetropole Stuttgart“ und war schlicht in den Farben des Stuttgarter Stadtwappens gehalten. Kurze Zeit später gingen im Augsburger Block noch grüne und rote Rauchschwaden hoch, während in der Cannstatter Kurve der altbekannte Banner „Bazitrachten raus aus Stuttgart“ präsentiert wurde.

Die Aversion vieler gegen die Unsitte aufs Cannstatter Volksfest verkleidet wie im Fasching zu gehen, artete Zeitungsberichten nach am Samstag aus und mündete sogar in Handgreiflichkeiten, wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Das ginge auch für mich zu weit, wenngleich mich dieser Kostümball schon auch extrem nervt. Nicht nur in Cannstatt kann man sich durch die Sauftouristen belästigt fühlen, auch die Bahnen sind übervölkert von vorglühendem Partyvolk in billigen Trachten, so dass der Volksfest-Höhepunkt für mich längst der Kehraus ist.

Da das Spiel wenig Spektakuläres bot, beschäftigt man sich in den Tagen danach eben mit diesen Nebensächlichkeiten. Schon als ich eine Stunde vor Spielbeginn die Mannschaftsaufstellung las, ahnte ich, dass an diesem Tag ein Feuerwerk höchstens auf den Rängen stattfinden würde. Es ist keineswegs so, dass ich mit einem Punktgewinn gegen den FC Augsburg nicht leben könnte, wenn man sich die jüngste Bilanz gegen die Fuggerstädter vor Augen führt. Sage und schreibe sieben Niederlagen am Stück standen in den letzten Aufeinandertreffen zu Buche, diese Negativserie konnte durch das Remis durchbrochen werden. Zudem ist der FC Augsburg stark in die Saison gestartet, schlug unter der Woche Leipzig zu null und ist nach der Auftaktniederlage gegen den HSV nunmehr seit fünf Spielen ungeschlagen.
Dass Hannes Wolf in Anbetracht dieser Vorzeichen sein Team nach dem Motto „Safety First“ auf- und einstellte, fand ich nachvollziehbar. Im letzten Duell auf heimischem Boden, noch unter Alexander Zorniger, setzte es im Neckarstadion im Abstiegsjahr ein desaströses 0:4, so dass für Samstag zunächst einmal Vorsicht die Mutter der Porzellankiste war.

Anders als Zorniger wollte Wolf den bayerischen Schwaben nicht ins offene Messer laufen und setzte auf ein Abwehrbollwerk, das sich gewaschen hatte. Sage und schreibe acht Defensivspezialisten, darunter vier gelernte Innenverteidiger, schickte Wolf auf den Platz. Die offensive Fahne sollten lediglich der erneut starke Donis, Brekalo und in vorderster Front Terodde hoch halten. Die leise Hoffnung hatte ich ja, dass Wolf im späteren Spielverlauf offensiv nachlegen würde, als aber in der 65. Minute auch noch der defensivere Orel Mangala für Brekalo eingewechselt wurde, fand ich mich langsam mit dem torlosen Unentschieden ab.

Manch einer wird monieren, dass eine derart defensive Aufstellung einer Heimmannschaft unwürdig und für das Publikum eine Zumutung ist, ich hatte dafür in diesem Spiel Verständnis, weil wir Aufsteiger sind und der Spatz in der Hand eben manchmal besser ist als die Taube auf dem Dach. Sieben Punkte nach sechs Spielen, keine herausragende, jedoch eine akzeptable Zwischenbilanz. Wir sind in der Liga angekommen und Hannes Wolf hat es geschafft, die Defensive im Vergleich zu den Vorjahren gehörig zu stabilisieren.

DER Turm in der Schlacht im Defensivverbund war bei seinem zweiten Einsatz für den VfB erneut Holger Badstuber. Was dieser Mann abräumt, im Spielaufbau leistet und wie er brenzlige Situationen mit einer spielerischen Leichtigkeit löst, ist phänomenal. Wenn er sein Verletzungspech ablegt und einigermaßen regelmäßig einsatzbereit ist, ist mir, was den Klassenerhalt betrifft, nicht bange.
Er verleiht unserer Defensive allein durch seine Präsenz ein Mehr an Sicherheit, wovon irgendwann auch die schwächelnde Offensive profitieren dürfte. Steigt das Vertrauen in die Hintermänner, lässt es sich auch unbeschwerter nach vorne spielen, zumal mit Ascacibar nun ein Sechser da ist, der resolut in den Zweikämpfen ist und den Rasen umpflügt wie kein zweiter in der Mannschaft.

Für den verletzten Gentner rückte Benjamin Pavard auf die Doppelsechs und nicht Burnić oder Ofori, während Kaminski mit Baumgartl und Badstuber die Dreierkette bildete. Kaminski spielte solide und rettete das Remis eine Viertelstunde vor Schluss, als er in höchster Not Finnbogason die Kugel abluchste, während Baumgartl in einigen Situationen zu fahrig agierte.

Badstuber unterband durch technisch anspruchsvolle Einlagen bedrohliche Aktionen zuhauf und erntete dafür Szenenapplaus, was Baumgartl dazu bewog, es ihm gleichzutun, was sich beinahe gerächt hätte. Er wäre gut beraten, sich die Sicherheit durch einfaches und konzentriertes Passspiel zu holen und einfach in seinem Bereich nichts anbrennen zu lassen.

Die (neuen) Außen der bei gegnerischem Ballbesitz von einer Dreier- zur Fünferkette werdenden Abwehrformation sind defensiv bisher weitestgehend ein Gewinn. Sowohl Dennis Aogo als auch Rückkehrer Andreas Beck bringen viel Ruhe und Erfahrung mit ein, sind aber mit jeweils über 30 Jahren nicht (mehr) die Flügelflitzer, die auch mal einen Mann überlaufen und bis zur gegnerischen Grundlinie vorstoßen können.

Über die Rückkehr von Andreas Beck habe ich mich nach der Bekanntgabe des Transfer zwar gefreut, auch wenn ich skeptisch wegen seines fortgeschrittenen Alters war und man von ihm aus der Türkei eben auch nicht mehr viel gehört hatte. Er ist trotz seiner Vergangenheit im Kraichgau ein sympathischer Typ geblieben, man nimmt es ihm ab, dass der VfB in all den Jahren „sein“ Verein geblieben ist. Noch mehr hätte mich diese Vereinsverbundenheit gefreut, wenn er schon zurück gekommen wäre, als er noch in der Blüte seines Schaffens war und nicht erst im Spätherbst seiner Karriere, wo auf den ersten Blick der Eindruck entsteht, es wolle einer gemütlich und daheim bei Muttern seine Karriere ausklingen lassen.

Wäre er zurückgekehrt, als es dem VfB wirklich dreckig ging, hätte er Kultstatus erlangen können, so aber wird es nur eine kurze zweite Episode mit ihm werden. Ich bin mal die Rechtsverteidiger der letzten Jahre durchgegangen, um vor Augen zu führen, was uns hätte alles erspart werden können, hätte er sich früher zum Brustring zurück besannt. Dort finden sich Namen, angefangen mit Khalid Boulahrouz (den ich allerdings sehr schätzte), über Stefano Celozzi, Philipp Degen, Gotoku Sakai, Tim Hoogland, Toni Rüdiger, Daniel Schwaab, Florian Klein, Matthias „Zimbo“ Zimmermann, Kevin Großkreutz bis hin zu Jean Zimmer. Kaum einer taugte zur Dauerlösung, so dass diese Planstelle zur Dauerbaustelle wurde. Seit Ricardo Osorio, an dem Beck seinerzeit nicht vorbei kam, ist die Position des Rechtsverteidigers, wie auch mit Abstrichen das Pendant auf der linken Seite, DIE Problemzone im VfB-Spiel. Es bleibt zu hoffen, dass Andi Beck dieses Problem wenigstens kurzfristig beheben kann.

Nach den bisherigen sechs Saisonspielen wurden die Auftritte des VfB meist gelobt, selbst als keine Punkte eingefahren wurden. Man spiele ordentlich mit, habe viel Ballbesitz und man sei in keinem Spiel wirklich chancenlos gewesen, etwas mitzunehmen. Das ist zwar alles richtig und doch kam für meinen Geschmack vom VfB zu wenig. In den verloren gegangenen Auswärtsspielen wurde man immer erst initiativ, als man zurücklag und das Kind bereits im Brunnen lag. Vor den Gegentoren war die Sicherung des eigenen Kastens oberste Maxime, das Offensivspiel wurde, bis es hinten einschlug, fast gänzlich vernachlässigt. Was bringt also Ballbesitz, wenn man damit nicht den Weg nach vorne sucht, sondern die Kugel in der eigenen Hälfte zirkulieren lässt? So war es meist eine Frage der Zeit, bis der Gegner „ernst“ macht und in Führung geht. Dem Offensivspiel, das wurde bisher nahezu in jedem Spiel deutlich, fehlen Impulse. Wenn dann noch, wie in den letzten beiden Spielen, Akolo ausfällt, der zwei unserer bisherigen drei Saisontore erzielt hat, ist unser Sturm nur ein laues Lüftchen.

Simon Terodde, so wirkt er auf mich seit seinem verschossenen Elfmeter gegen Mainz, plagt die Angst vor seinem ersten Bundesligator im zarten Alter von 29 Jahren. Er verkrampft zunehmend und wirkt immer unglücklicher in seinen Aktionen, so dass man nur hoffen kann, dass bei ihm endlich der Knoten platzt oder Daniel Ginczek schnell eine Option für die Startelf darstellt.

Was dem VfB nach dem Abgang von Maxim komplett abgeht, ist ein kreativer Mann hinter den Spitzen, der den tödlichen Pass spielen und für Überraschungsmomente sorgen kann. Hat sich der Streit mit Jan Schindelmeiser unter anderem daran entladen, dass dieser Maxim abgab, ohne einen adäquaten Ersatz präsentiert zu haben, darf man, ohne gleich als Vollidiot betitelt zu werden, die Frage an Michael Reschke richten, weshalb er dann keinen geholt hat, wo er doch so gut vernetzt zu sein scheint. Zeit hätte er noch genügend gehabt.

Nun aber ist eine kurzfristige Belebung der Offensive kaum zu erwarten, jedenfalls so lang nicht, bis Carlos Mané wieder zur Verfügung steht. Wolf wird weiter improvisieren und einen Fußball spielen lassen müssen, der ihm selbst widerstreben dürfte. Doch, als Mittel zum Zweck ist alles erlaubt, was uns von den Abstiegsplätzen fern hält.

Eigentlich will ich ja von alten Statistiken, die geschrieben wurden bevor Hannes Wolf seinen Job beim VfB antrat, nichts wissen. Nach dem Abstieg hat sich der VfB runderneuert, fast kein Spieler, der für die genannten Statistiken verantwortlich zeichnete, ist noch da. Und trotzdem ist vieles wie immer, wenngleich einiges natürlich besser geworden ist.

Wir können in Berlin, Gelsenkirchen und Mönchengladbach nicht (mehr) gewinnen und tun uns gegen den FC Augsburg extrem schwer. Dass es auch anders geht, zeigten die knappen Heimsiege gegen Mainz und Wolfsburg, unsere letzten Gegner vor dem Abstieg.

Augsburg zu Hause war in der jüngeren Vergangenheit ein Brett, so dass dieses Pünktchen am Ende als Bonuspunkt durchgehen könnte. Zudem blieben wir im Neckarstadion weiterhin ohne Gegentor, was Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte.

Insgesamt sehe ich uns im Soll und bin optimistisch, dass wir in Frankfurt, ein Pflaster, das uns in den letzten Jahren immer gut gelegen hat, den ersten Auswärtssieg einfahren werden.
Das bedingt ein wenig mehr Risiko nach vorne und vor allem den unbedingten Willen, das erste Tor zu schießen. Versteckt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange und lädt die Eintracht ein, uns hinten hineinzudrängen, wäre es für mich der falsche Ansatz.

Ein Auswärtssieg würde den Punkt gegen Augsburg vergolden und uns beruhigt in die Länderspielpause gehen lassen, denn, danach wartet zu Hause der nächste dicke Brocken auf uns. Deutlich wird das nicht unbedingt beim Blick auf die Tabelle, denn, der FC ist ja bekanntlich Schlusslicht, aber, womit wir wieder bei den Serien wären, seit 1996 gewann der VfB kein Bundesligaheimspiel mehr gegen die Geißbockelf.

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18. August 2017

Mit einem blauen Auge davon gekommen

Auch eine gute Woche nach dem Rausschmiss von Jan Schindelmeiser wirkt das Beben nach. Wurde nach dem Votum für die Ausgliederung von allen Seiten propagiert, das demokratisch zustande gekommene Ergebnis akzeptieren zu wollen und sahen es die meisten ein, dass die verhärteten Fronten wieder zueinander finden müssen, spaltet die Demission Schindelmeisers die Fangemeinde erneut aufs Schärfste.

Die einen akzeptieren den Standpunkt des Vereins und kritisieren an Jan Schindelmeisers Transferpolitik vor allem, dass er es bis Anfang August immer noch nicht geschafft hatte, die Problemzone Innenverteidigung erfolgsversprechend zu verstärken und auch nicht der Eindruck erweckt wurde, die dringend benötigten Verstärkungen seien im Anflug. So, die Befürchtungen, werde es schnurstracks zurück in die 2. Liga gehen.

Die andere Seite, zu der ich mich auch zähle, übte sich hingegen in Geduld und vertraute Schindelmeiser, dass er bis zum Transferschluss schon noch eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine stellen würde. Ich sehne mich nach Kontinuität in meinem Herzensverein und hatte die große Hoffnung, dass diese mit dem Gespann Schindelmeiser/ Wolf auf längere Zeit gegeben sein könnte. Daher liegt mir der Rausschmiss noch immer schwer im Magen.

Von außen betrachtet hat Schindelmeiser für mich keine schlechte Arbeit abgeliefert. Er hat den Umbau im Verein vorangetrieben, im Unterbau nachjustiert, er hat aus den finanziellen Möglichkeiten nach dem Abstieg das Optimum, nämlich den Aufstieg, herausgeholt und eine spannende Transferpolitik an den Tag gelegt. Mit Spielern, ob bei den Amateuren oder bei den Profis, welchen man keine kurzfristige Perspektive bieten konnte, wurde Klartext gesprochen und sich voneinander getrennt, anstatt sie jahrelang durchzuschleppen, wie es in den vergangenen Jahren beim VfB Usus war.

Natürlich lässt sich über die bisherigen Neuzugänge dieses Sommers streiten. Viele junge, bundesligaunerfahrene Akteure unterschiedlichster Nationalitäten, ein Sprachengewirr auf dem Trainingsplatz, überhaupt nicht blond und blauäugig. Doch, kann man dies Schindelmeiser zum Vorwurf machen und ist es nicht vielleicht sogar besonders kreativ, Spieler zu holen, hinter denen (noch) nicht die Top-Vereine her sind? In Anbetracht der explorierenden Ablösesummen in diesem Transfersommer und der noch immer begrenzten finanziellen Möglichkeiten der VfB Stuttgart AG, fand ich den eingeschlagenen Weg vernünftig. Letzten Endes ist es mir in dieser Phase der Konsolidierung, nach fast zehn Jahren Misswirtschaft, egal, welche Spieler uns wieder nach oben bringen. Haben wir den Anschluss mal wieder geschafft, dürfen es gerne auch deutsche Nationalspieler in unseren Reihen sein, gerne aus dem Nachwuchsleistungszentrum, doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der vor allem Geduld erfordert.
Geduld, die man in der AG offensichtlich nicht hat(te). Ob Schindelmeiser ein gutes Händchen mit seinen Einkäufen hatte und wie seine diesjährige Transferbilanz ausfällt, hätte man frühestens am 01. September, wenn das Transferfenster geschlossen ist, beurteilen können. In den beiden Trainingslagern in Grassau und in Neustift im Stubaital war ich von den Neuen sehr angetan. Was die Jungs an Schnelligkeit und auch an taktischer Intelligenz einbringen, ist schon klasse. Wie schnell sie sich an das Haifischbecken Bundesliga gewöhnen und ob sie die Liga aufmischen können, wie sie mit Rückschlägen umgehen, muss sich erst noch zeigen. Dass es ein Risiko ist, mit einer solch jungen Mannschaft ins Rennen zu gehen, steht außer Frage. Es ist auf der anderen Seite aber auch eine Chance, an der die Jungs wachsen und ihren Marktwert steigern können und könnte ein Faustpfand gegen Spielende werden, wenn die Jungs noch immer alles in Grund und Boden rennen.

Daher sehe ich die bisherige Transferbilanz lang nicht so kritisch wie die AG. Den Sportdirektor, der eine Hundertprozentquote bei seinen Transfers vorweisen kann, muss man mir erst noch zeigen. Dass bei der Verpflichtung von vielen jungen Spielern der eine oder andere durch den Rost fällt, ist, wie ich finde, völlig normal. Bislang fallen mir hier nur Onguéné und Julian Green ein, die Sommerneuzugänge sind noch nicht zu bewerten.

Schindelmeiser wurde ferner vorgeworfen, zu viele Spieler auszuleihen und dass man mit dieser Philosophie Jahr für Jahr ein neues Team aufbauen müsse. Auch hierfür hatte ich Verständnis, weil man Spieler von der Qualität eines Mané oder Brekalo sonst überhaupt nicht bekommen hätte. Solang der Trainer Freude hat, mit den Jungs zu arbeiten, sie fit für eine große Karriere zu machen und sich damit arrangiert, dass die Arbeit im nächsten Jahr von vorn beginnt, sehe ich nichts Verwerfliches daran, in einer Zeit, in der man finanziell Lichtjahre von den Großen entfernt ist.

Da die Transferbemühungen Anfang August noch bei keinem Verein gänzlich abgeschlossen sind, sah ich die bisherigen Zugänge auch nicht als das Ende der Fahnenstange, sondern war mir sicher, dass man am dringend benötigten gestandenen Innenverteidiger und einem erfahrenen Sechser dran sein würde. Daher kam für mich die Schindelmeiser-Entlassung aus dem Nichts und zur Unzeit.

Nach meinem aus der Emotion geschriebenen letzten Blog, hatte ich danach Gelegenheit, mir auch die „andere Seite“, nämlich die Sicht aus der Perspektive der AG anzuhören.

Dort ist der Tenor einhellig, dass die Entlassung Schindelmeisers alternativlos gewesen sei und dem Vernehmen nach sogar ohne Abfindungszahlung vonstattenging, weil es durchaus auch um Vertragsverstöße gegangen sein soll.

Demnach hätte sich der Streit am Transfer von Maxim entladen, für den Schindelmeiser die Vorgabe gehabt haben soll, ihn allenfalls gegen eine stattliche Ablöse ins Ausland und auf keinen Fall für vergleichsweise kleines Geld an einen Ligakonkurrenten abgeben zu dürfen.

Des Weiteren war man mit den Einkäufen nicht einverstanden, weil, das muss man wohl unter dem Vorwurf der vogelwilden Transferpolitik verstehen, lediglich Spieler geholt wurden, die gerade zufällig auf dem Markt waren und nicht für Positionen, wo der Schuh am meisten drückt. So habe man zwar ein Überangebot an Flügelflitzern, die Defensive aber wurde noch immer nicht verstärkt.

Zudem habe man Schindelmeiser vorgeworfen, sich nicht um Abgänge gekümmert zu haben, wodurch Sorgen aufkamen, den Kader zu sehr aufzublähen. Schindelmeiser sei ein schwieriger Mensch, kein Teamplayer, und habe bei den letzten Transfers die Kontrollinstanzen der AG elegant umschifft.

Er sei nur auf seinen Jugendwahn fixiert gewesen, so dass er andere Optionen überhaupt nicht geprüft und einigen Spielerberatern, ohne sie anzuhören, den Weg zur Tür gewiesen haben soll. Gerüchten zufolge sollen ihm u. a. Träsch, Didavi und Bičakčić angeboten worden sein, die Schindelmeiser von vornherein nicht haben wollte, weil sie, vor allem die Erstgenannten, den VfB schon einmal im Stich gelassen hatten.

Die Kommunikation mit den Vorstandskollegen habe nicht gestimmt, weil er den sportlichen Bereich ausschließlich für sich proklamiert und es daher auch nicht für nötig gehalten habe, überhaupt zu berichten, was er vor hatte und an wem er gerade dran wäre. Gegen den Vorwurf, Alleingänge betrieben zu haben wehrt sich Schindelmeiser vehement, kein Transfer sei ohne Zustimmung der Gremien zustande gekommen.

Da steht also Aussage gegen Aussage, die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, so dass weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Offensichtlich war kein Vertrauen mehr vorhanden, die Chemie stimmte nicht mehr und wegen Schindelmeisers getätigter Transfers herrschte große Unzufriedenheit (was Dietrich in Öffentlichkeit jedoch dementierte).

Für mich bleiben dennoch einige Fragen offen. Ist Machtmensch Schindelmeiser am Machtmensch Dietrich gescheitert, weil dieser am längeren Hebel sitzt? Begegnete die AG-Seite gar jenen Geistern, die man mit der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG rief?

Im Organigramm sind auf der Vorstandsebene, auf der der Sportdirektor angesiedelt ist, nur der Marketing- und der Finanzvorstand zu finden. Genauso wenig wie der Sportdirektor dem Finanzvorstand in die Finanzierung von Bauprojekten reinredet, sollte sich der Finanzvorstand anmaßen, ob eine geplante Verpflichtung sinnvoll ist oder nicht. Trainer Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser sollen gut zusammengearbeitet haben, sollten die beiden in Sachen Kaderzusammenstellung auf einer Linie gelegen haben, wäre doch im Grunde alles gut gewesen! Lag das Zerwürfnis am Ende „nur“ daran, dass Schindelmeiser Heim und Röttgermann links liegen ließ und sie überhaupt nicht an seinen Plänen teilhaben ließ, fehlt mir das Verständnis, dass erwachsene Männer solche Probleme nicht wie Männer aus der Welt schaffen konnten oder wollten.

Dann ging es tatsächlich um die verletzte Eitelkeit Einzelner und das Ganze zu Lasten des VfB Stuttgart.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die, wer Gunter Barner (Stuttgarter Nachrichten) mit jenen Informationen fütterte, um Jan Schindelmeiser bereits Mitte Juli anzuzählen. Wurde das von AG-Seite mit dem Ziel lanciert, den Rauswurf im Nachhinein als plausibel und sich abzeichnend verkaufen zu können? Weshalb stehen seit geraumer Zeit anstehende Wechsel, wie beispielsweise der von Aogo, tagelang vorher in der Presse? Das war man, seit Schindelmeiser das Zepter schwang, nicht mehr gewohnt. Für mich bleibt das Gschmäckle eines abgekarteten Spiels.

Für die Werbung zur Ausgliederung hat man Schindelmeiser noch gebraucht, ohne Hannes Wolf und ihn wäre diese sicher nicht so reibungslos durchgegangen. Daher hat man ihn wohl nicht schon vorher entsorgt, obwohl es im Gebälk dem Vernehmen nach schon ordentlich knisterte.

Hat tatsächlich der Maxim-Transfer zur Eskalation geführt, wäre eine zeitnahe Entlassung danach oder sogar, um den Transfer zu verhindern davor, logisch gewesen. Doch seinerzeit, am 27.06., lief ja noch die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung!

Nun begründet der VfB die Entlassung damit, dass die dringendsten Baustellen im Kader auch Anfang August noch nicht abgearbeitet gewesen seien. Jürgen Klopp hat im ZDF-Interview im Vorfeld des Championsleague-Qualifikations-Spiels gegen Hoffenheim einen interessanten Ausspruch getätigt, denn, auch Liverpool sucht bislang (erfolglos) nach weiteren Verstärkungen. Er sagte, in Anbetracht der Wahnsinns-Summen die in diesem Sommer vom einen zum nächsten Verein transferiert werden: „Es gibt mehr Vereine, die Spieler suchen, als welche, die Geld brauchen“. Soviel zum Thema. Gerade gute und erfahrene Innenverteidiger sind sehr gefragt und schwierig zu bekommen, zumindest noch zum jetzigen Zeitpunkt.

Für welche Philosophie Michael Reschke steht, ist mir auch nach seiner Vorstellungs-Pressekonferenz Anfang dieser Woche noch nicht klar. Er lobte die Bayern über den grünen Klee, über den VfB sprach er weniger, außer, dass er tief beeindruckt sei, was für tolle Menschen beim VfB unterwegs seien. Die Schleimspur zog sich bis hinauf nach Vaihingen…

Sollten Badstuber und Aogo die Kategorie Transfers sein, mit denen sich Reschke zu schmücken vermag, dann gute Nacht. In Fankreisen macht schon der Begriff von der „Reschkerampe“ die Runde. Um auf diese Namen zu kommen, bedarf es nicht der Phantasie eines ausgewiesenen Fachmanns, auf diese Spieler wäre die Putzfrau wohl auch noch gekommen.

Ob sie uns weiterhelfen können, steht auf einem anderen Blatt. Bleibt Badstuber fit, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für die löchrige Abwehr. Aogo ist als Platzhalter für Insúa gedacht und muss beweisen, ob er es noch einmal wissen will. Auf seiner Pressekonferenz in dieser Woche machte er auf mich einen aufgeräumten, intelligenten und auch motivierten Eindruck.

Dass nicht nur junge Spieler ein Risiko darstellen, sondern auch Ex-Nationalspieler hat der VfB mit Kevin Großkreutz jüngst ja selbst erfahren. Er blieb am Ende sportlich alles schuldig, was man sich vom Weltmeister erhofft hatte und war mit seinen 28 Jahren und seiner Verletzungshistorie längst ein Auslaufmodell.

Parallelen zu Badstuber und Aogo wären rein zufällig. Erik Durm soll der Nächste in der Reihe werden, auch er ist nur zu haben, weil er zuletzt viel verletzt war und er es in Dortmund schwer haben dürfte, den Anschluss wieder zu schaffen. Dass uns bei so viel (Verletzungs-)Risiko nicht am Ende doch noch die Jungen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen…

Das Sportliche rückte durch den Wechsel auf dem Sportdirektoren-Posten erst einmal weit in den Hintergrund. Dabei stand letztes Wochenende bereits die erste Runde im DFB-Vereinspokal an.
Uns Allesfahrern wird gleich zu Beginn der neuen Runde viel abverlangt. Binnen sechs Tagen erst Cottbus, dann Berlin. Das Spiel mit der weitesten Entfernung der Pokalrunde wurde auf Sonntag, 18.30 Uhr gelegt, fanfreundlich geht anders.

Daher blieb, wollte man nicht kurz vor der polnischen Grenze auch noch übernachten, nur die Möglichkeit mit dem PKW oder dem Bus anzureisen. Ich entschied mich für die Busfahrt mit dem RWS Berkheim, verließ das Haus um 8 Uhr morgens und war montagmorgens gegen 6 Uhr zurück. Eigentlich bin ich ja zu alt für diesen Scheiß, aber, was tut man nicht alles für seinen Herzensverein und um jedes Mal dabei sein zu können.

Die beiden jüngsten Neuzugänge standen in Cottbus nicht zur Verfügung, Badstuber gesperrt, Aogo angeschlagen. Da Ailton mit Trainingsrückstand ebenfalls nicht mit in die Lausitz gereist war und sich zu allem Überfluss Timo Baumgartl nach dem Aufwärmen aufgrund von Schwindelgefühlen abmeldete, musste Hannes Wolf kurzfristig improvisieren.

Kapitän Gentner, eigentlich für die Bank vorgesehen, rückte in die Anfangsformation und Pavard, zunächst als Linksverteidiger gedacht, in die Innenverteidigung. Für ihn spielte Dženis Burnić auf der ungewohnten Position hinten links und zahlte bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfB reichlich Lehrgeld.

Das Spiel begann für den VfB denkbar ungünstig. Bereits in der 6. Spielminute legte eben jener Burnić unfreiwillig für den Cottbusser Viteritti vor, der zur vielumjubelten Führung der Hausherren einschoss. Gut zwanzig Minuten später foulte der als alleiniger Sechser überforderte Ofori den Ex-VfBler Mamba, woraus der sehenswerte Freistoß zum 2:0 resultierte.

Beim ersten Gegentor wirkte die Abwehr wie ein Hühnerhaufen, bei zweiten ließ man sich per Sonntagsschuss düpieren, für einige Grund genug „Zieler raus“ zu schreien. Leute, habt ihr sie noch alle? Die Entscheidung des Trainers pro Zieler gilt es zu akzeptieren, das ständige Zieler-Gebashe und der Hype um Langerak helfen keinem weiter, am wenigsten dem VfB. Ein Torwart braucht das Vertrauen des Trainers und auch des Umfelds. Wird er vehement niedergemacht, ob im Stadion oder auch auf seiner Facebook-Seite, ist das kontraproduktiv und wird ihm nicht helfen, zu alter Stärke zurückzufinden.
Ich verstehe es ohnehin nicht, welchen Narren viele VfB-Fans an Langerak gefressen haben. Er war jahrelang die Nummer zwei in Dortmund und kam an Weidenfeller, der auch nicht gerade der Über-Torwart war, nie vorbei.

Dann wechselte er zum VfB, verletzte sich direkt und stand in der Abstiegssaison fast überhaupt nicht zur Verfügung. Ihm jetzt zugute zu halten, dass er dem VfB in der 2. Liga die Treue gehalten hat, ist für mich zu hochgegriffen. Welche Alternativen hatte er denn? Der VfB verkaufte jeden, für den er einigermaßen Geld bekam, für Langerak gab‘s demnach wohl keine Interessenten, wobei der VfB das Heft des Handelns sowieso selbst in der Hand hatte, weil dem Vernehmen nach alle Verträge für die 2. Liga Gültigkeit besaßen.

In der 2. Liga hatte Langerak, wie alle anderen auch, seinen Anteil am Aufstieg, mehr aber auch nicht. Alles andere als der Aufstieg wäre peinlich gewesen, so dass für mich keiner der Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus erhoben wird, schon gar nicht Langerak, der zwar auf der Linie stark ist, in der Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung aber ähnliche Defizite wie Ulreich hat. Unvergessen seine Orientierungslosigkeit gegen Hannover 96, die uns die sicher geglaubte Herbstmeisterschaft gekostet hat.

Ins Spiel biss sich der VfB zurück und kam durch den auffälligen Brekalo und ein Eigentor der Cottbusser zum schmeichelhaften Ausgleich. Auch in der Folgezeit war der VfB weder tonangebend noch dem Viertligisten spielerisch überlegen. Selbst die Kondition schien bei den Brandenburgern besser zu sein als jene vom VfB, so dass sich eher der VfB ins Elfmeterschießen rettete als das die Cottbusser taten. In dieser Lotterie schließlich hatte der VfB das bessere Ende für sich und zog überaus glücklich in die nächste Pokalrunde ein.

Abgesehen von der Leistung vom VfB genoss ich diesen langen Trip, wenn man einmal von der zähen und langwierigen Heimfahrt absieht. Endlich wieder Stadion, ein volles Haus, freundliche Gastgeber und unzählige Freunde und Bekannte getroffen. Da wir direkt vor dem Gästeeingang aus dem Bus aus- und wieder einstiegen kann ich nicht beurteilen, ob es zu irgendwelchen unschöneren Szenen rund ums Stadion oder in der Stadt gekommen ist, gehört habe ich davon nichts. Nach dem Pokalsieg 1997 gegen eben jenen FC Energie entstanden ja einige Fanfreundschaften, so dass auch kein größerer Trouble zu erwarten war. Die Ordner am und im Block waren freundlich, Vollbier gab es auch, kein Grund zu klagen also.

Erstrundenspiele im Pokal, vor allem wenn es gegen Drittligisten oder einen gefühlten Drittligisten wie Energie Cottbus geht, sind immer schwer. Die Gegner stehen bereits voll im Saft während man selbst noch nicht weiß, wo man steht und ins Ungewisse startet. Hat man dann noch kurz vor dem Spiel solche Ausfälle zu beklagen und gerät aufgrund dieser Umstellungen früh in Rückstand, wird es ungleich schwerer. Dann ist das Publikum, das nach dem bezahlten Fußball lechzt, voll da und pusht sein Team nach vorne, so dass sich deren Jungs die Lunge aus dem Leib laufen.

Angesichts dieser Umstände bewerte ich das Auftreten von Cottbus nicht über. Auch Hertha BSC, der Gegner vom Samstag, hat am Montag in Rostock keine Bäume ausgerissen. In Berlin werden hoffentlich Badstuber, Baumgartl und Aogo zur Verfügung stehen, so dass das VfB-Spiel an Stabilität gewinnen sollte. Nach vorne haben wir ohnehin unsere Waffen, vor allem Brekalo macht schon den ganzen Sommer über einen hervorragenden Eindruck, auch A. Donis konnte in Cottbus nach seiner Einwechslung Akzente setzen.

Wichtig ist, dass im Verein Ruhe und Normalität einkehrt und alle an einem Strang ziehen. Es ist in meinen Augen weder förderlich, wenn von Vereinsseite Schindelmeisers Einkäufe diskreditiert werden und den Jungs somit ein Stück ihres Selbstwertgefühls genommen wird, noch ist es hilfreich, wenn Fans einen Reschke ablehnen, bevor er richtig angekommen ist, Zieler ablehnen, weil Langerak so süß ist, Aogo ablehnen, weil er in den letzten Jahren nichts gerissen hat und Badstuber ablehnen, weil er sowieso nur verletzt ist.

Ich gehe da pragmatisch ran, da ich an den Personalentscheidungen des Vereins sowieso nichts ändern kann und jedem Neuen eine faire Chance gebe, mich zu überzeugen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch sein sollte.

Noch immer ist mein großer Wunsch, dass beim VfB endlich Ruhe und Kontinuität einkehren und Hannes Wolf noch lange unser Trainer sein wird. Voraussetzung dafür wäre, dass er zu Michael Reschke ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis aufbaut, wie er es zu Jan Schindelmeiser hatte und die Verantwortlichen in der AG wegen möglicher schlechter Resultate nicht zu schnell die Nerven verlieren.

Der Start hat es schließlich in sich. Ausschließlich undankbare Aufgaben in den ersten fünf Spielen, in denen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung alles passieren kann. So trifft den VfB eine mittlerweile schon unfassbare Verletzungsmisere zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Ich bin sehr gespannt, wer in Berlin morgen alles auflaufen kann und wie sich das Team schlagen wird. Danach kommt Mainz mit einem sicherlich bis in die Haarspitzen motivierten Maxim, ehe es in die Turnhalle nach Gelsenkirchen geht. Diese Spiele sollten als erste Standortbestimmung dienen und aufzeigen, wie konkurrenzfähig der VfB nach dem Wiederaufstieg tatsächlich ist. Alles andere war Vorgeplänkel, lasset die Spiele beginnen!

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