6. Mai 2016

(Halb-)Finale furioso! Alle in Weiß zum Heimspiel gegen Mainz.

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:01

Ich weiß, die Fanszene ist gespalten. Zwischen Resignation, Lethargie, Frust, Gleichgültigkeit, Hoffnung und Überzeugung schwanken die Gemüter.

Gestern hat unser Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz einen rausgehauen und die Fanszene damit erfreut und ihr neue Hoffnung gegeben. Er wird wieder dabei sein, er tritt die Jungs in den Hintern, dass sie noch einmal alles raushauen und sich nicht ergeben wie zuletzt. Er bringt die Hoffnung zurück, die Hoffnung dass gegen Mainz eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die sich zerreißen wird und dass kein Einzelner den Makel des erstmaligen Abstiegs unseres VfB seit 41 Jahren in seiner Vita stehen haben möchte.

Das Spiel morgen ist losgelöst von denen der letzten Wochen zu betrachten. Es ist DIE Chance, eine ganze Saison zu retten und die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Nach der Saison ist noch genügend Zeit, nachzukarten und getroffene und zu treffende Entscheidungen zu hinterfragen und zu kritisieren. Diese Saison muss und wird aufgearbeitet werden, sonst haben die Herren an der Mercedesstraße keine ruhige Minute mehr. Morgen zählt das alles aber nicht! Morgen geht es um den VfB und nicht um seine handelnden Personen.

Morgen muss die Hütte brennen! Morgen muss das gesamte Stadion wie eine Wand hinter dem VfB stehen, und zwar stehen, im wahrsten Sinne des Wortes und möglichst auf allen Tribünen. 90 Minuten Rambazamba, 90 Minuten alles geben für den VfB.

An uns Fans soll und darf es nicht liegen! WIR sind der 12. Mann, WIR sind der VfB! Kommt alle in weiß gegen Mainz und unterstützt die Mannschaft.

Morgen muss jeder Farbe bekennen und sich die Kehle aus dem Leib schreien. Alles, was war, ist und sich ohnehin an der Tabelle ablesen ist, zählt morgen nicht. Es steht eines von zwei Endspielen an, nach Dutt’scher Redensart Halbfinale und Finale.

Lasst uns ins Finale einziehen, alle gemeinsam, alle für den VfB, alle für den Ligaerhalt, alle für ein 40. Jahr Bundesliga am Stück.

Wir stimmen uns zur Feier des Spieltags wie immer vor dem letzten Heimspiel auf dem Stuttgarter Partyfloß chartered by OFC Leintal-Power 05 auf das Spiel ein. Ein gutes Omen! Die wichtigen Spiele, in denen es noch um etwas ging, haben wir danach stets für uns entschieden.

Also auf geht’s, schon heute Eure Stimmen und haut morgen noch mal alles raus!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.9/10 (8 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +4 (from 4 votes)
5. April 2016

Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt

Das ist nicht meine Devise, aber scheinbar die des VfB. Ob Spieler oder Verantwortliche, unisono erklärten sie während der Erfolgsserie zu Beginn der Rückrunde, man würde nur von Spiel zu schauen und die Tabelle interessiere sie erst am 34. Spieltag.

Ganz anders dagegen die Töne nach dem 2:2 in Darmstadt. Dieser Punkt wurde von Spielern und Verantwortlichen als Punktgewinn gefeiert, weil man doch in der Tabelle den Vorsprung auf die Abstiegszone um einen Punkt vergrößert hat. Anstatt sich darüber zu grämen, dass man eine riesengroße Chance leichtfertig verschenkt hat, den Klassenerhalt so gut wie perfekt zu machen, feiert man den Punkt beim Underdog aus Darmstadt, einem Sammelsurium von gescheiterten Fußballern, die bei den Lilien unter Ex-Kickers-Trainer Dirk Schuster gerade ihre Renaissance erleben.

Ob die Herangehensweise von Dutt und Konsorten psychologisch so geschickt ist, daran habe ich meine Zweifel. Hat nicht in der Regel derjenige den größten Erfolg, der sich hohe, aber natürlich auch realistische Ziele setzt? Könnte man nicht einfach in einer Phase, in der es fast von allein läuft, in der die Europapokalplätze genauso nah oder genauso fern sind wie die Abstiegszone, die Maxime ausgeben, oben angreifen zu wollen? Wäre es im Leistungssport nicht förderlicher sich über eine Niederlage wenigstens fürchterlich aufzuregen und nach Wiedergutmachung zu streben, anstatt diese abzuhaken, wie wenn nichts geschehen wäre, und sich zu sagen, wir haben ja noch so und so viele kommende Chancen?

Gerade für eine Truppe, wie sie der VfB seit Jahren hat und die zur schnellen Selbstzufriedenheit neigt, die nur unter größtmöglichem Druck funktioniert, wäre es ratsam, die Spannung permanent hochzuhalten, und ihr auch den Druck zu machen, den sie braucht.

Streichelt man sie aber nur und fasst sie mit Samthandschuhen an, weil ja nächstes Wochenende schon wieder die nächste Gelegenheit ansteht, es besser zu machen, dann plätschern die Spiele emotionslos daher und werden immer weniger.

Wenn man das Team ständig nur an seinem Minimalziel misst und sich die Mannschaft nach überstandenem Abstiegskampf wieder feiern lässt, als habe sie die Meisterschaft gewonnen, wird sie es sich ewig weiter in ihrer Wohlfühloase bequem machen und einen Teufel tun, einen eigenen Antrieb oder Ehrgeiz zu entwickeln.

Als Fan wäre man natürlich froh gewesen, endlich mal wieder eine sorgenfreie Saison zu erleben, keiner wäre so vermessen, von dieser Truppe einen Platz im oberen Tabellendrittel zu verlangen. Aber, die Verantwortlichen müssen schon die Spannung hochhalten und energisch dazwischen grätschen, wenn sie es mitbekommen, dass Spiel um Spiel hergeschenkt wird. Da wünschte man sich Typen wie wir sie bspw. zu Zeiten der Deutschen Meisterschaft 1992 in Gerhard Mayer-Vorfelder, Dieter Hoeneß und Christoph Daum hatten und die sich leidenschaftslose Darbietungen in dieser Fülle, wie wir sie in der Gegenwart erleben, nicht hätten bieten lassen. Man darf sich nicht allein auf der Erfolgsserie von zu Beginn der Rückrunde ausruhen, die letzten Auftritte waren bis auf wenige Ausnahmen alarmierend.
Gegen Hannover, in Mönchengladbach, in Ingolstadt, gegen Leverkusen und zuletzt in Darmstadt hat die Mannschaft schlichtweg versagt hat, der Trend geht eindeutig nach unten und es gibt nicht viel, das Hoffnung macht, dass die Truppe in den verbleibenden sechs Saisonspielen noch viele Punkte einheimsen könnte.

Da beim VfB jedoch eher die leisen Töne angeschlagen werden und es keinen gibt, der mal richtig auf den Tisch haut, wird das Positive aus dem vergangenen Wochenende herausgezogen, nämlich das, dass sich die Konkurrenz genauso dämlich angestellt hat und der Vorsprung auf Platz 16 um einen Zähler gewachsen ist. Da man die Vorentscheidung im Abstiegskampf vertagt hat, hat man sich eben umgehend auf die Fahnen geschrieben, gegen die Bayern alles raus zu hauen (wie Gentner immer so schön formuliert) und zu versuchen, da zu punkten. Darüber lache ich mich heute schon schlapp. Möglicherweise kassieren wir nicht einmal eine Klatsche und spielen gegen den Ligakrösus auch noch gut mit, null Punkte werden am Ende trotzdem stehen, auch wenn für die Bayern die Championsleague Duelle gegen Benfica Lissabon davor und danach wichtiger und auch sportlich anspruchsvoller sein werden.

Es hätte so ein schöner Tag in Darmstadt werden können. Seit der sympathische Underdog, dessen sportliche Highlights vor wenigen Jahren noch die Duelle gegen Kickers Offenbach und Hessen Kassel waren, der vor drei Jahren bereits sportlich in die Regionalliga abgestiegen und nur durch den Lizenzentzug der Offenbacher Kickers in der 3. Liga geblieben war, den Aufstieg in die Bundesliga schaffte, freute ich mich riesig auf dieses Spiel.

Die sportliche Entwicklung hat die Lilien förmlich überrollt, die Infrastruktur ist nach wie vor die eines Amateurligisten, selbst die meisten Drittligisten können modernere Arenen vorweisen. So bestand der große Reiz dieses Trips darin, dass es eine Reise in die Vergangenheit werden würde und man nach all den neuen geleckten und sich nur in der Farbe unterscheidenden Arenen endlich mal wieder einem echten Stadion die Ehre erweisen würde.

Der Gästebereich war mit 2.200 VfBlern natürlich ausverkauft und dementsprechend eng ging es auch zu. Ursprünglich wollte ich zwar früh reingehen und noch ein paar Bilder machen, wenn das Stadion noch nicht zum Zerbersten voll ist und man sich auch im Gästebereich noch bewegen kann, aber, zu viele Leute getroffen, und dadurch diesen Plan gleich wieder verworfen.

Dass ich mich auf einer Reise in die Vergangenheit befand, drückte sich auch darin aus, dass auf meiner Sitzplatzkarte weder Block, noch Reihe, noch Platz aufgedruckt war und es auch nicht beschildert war, wo sich die Sitzplätze befanden. Weder Ordner noch Polizei konnten (oder wollten) mich darüber aufklären, so dass ich, da im eingezäunten Stehplatzbereich kein Durchkommen mehr war, auf einem recht steilen Gras- bzw. Dreckhügel Position bezog und mehr schlecht als recht die kleine Darmstädter Choreo und den Einlauf fotografieren konnte. In der Halbzeit bekam ich dann mit, dass man zu den Sitzplätzen nur durch Durchqueren des Stehplatzbereichs gelangen konnte, was unmittelbar vor Spielbeginn ohnehin aussichtslos gewesen wäre.

So weit, so gut, stand ich eben zunächst bei meinen Kumpels und wandte meine Konzentration hauptsächlich dafür auf, auf dem steilen Hügel nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, was auch gut gelang. Weniger Glück und Geschick hatte ein Busmitfahrer vom RWS, der Purzelbäume bis hinunter auf den Asphalt schlug und sich das Schlüsselbein dabei brach, gute Besserung!

Viele Erinnerungen hatte ich nicht mehr an unseren letzten Auftritt am Böllenfalltor, der in der Saison 1981/1982 in einem 3:3 mündete und wo ich als Teenager schon dabei war, lediglich daran, dass der Block bei weitem nicht so voll war, konnte ich mich noch erinnern. Gefühlt war aber tatsächlich die Zeit dort stehengeblieben, was sich nicht nur an der altbackenen Stadionuhr zeigte.

Für mich war bereits im Vorfeld alles andere als ein Sieg indiskutabel. Wenn man das weitere Programm betrachtet, war Darmstadt die auf dem Papier mit Abstand einfachste Aufgabe, so dass ich hoffte, der VfB wäre sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst und würde alles daran setzen, dort den möglicherweise vorentscheidenden Dreier einzufahren.

Darmstadt konnte bislang erst einen Heimsieg verzeichnen und setzt seinen limitierten fußballerischen Mitteln unbändigen Willen und Kampfgeist entgegen, den man als Gegner annehmen muss. Dass es, ähnlich wie in Ingolstadt, ein von Nickligkeiten geprägtes Spiel werden würde und die Darmstädter versuchen würden, Freistöße herauszuholen oder auch zu schinden, wusste man ebenfalls. Von einer Truppe, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als zu trainieren und sich mit Fußball zu beschäftigen, darf auch erwartet werden, dass sie aus den Fehlern, die in Ingolstadt begangen wurden, lernt, und dem Gegner nicht noch einmal ins offene Messer läuft. Sollte man erwarten können, beim VfB ist das aber wohl zu viel verlangt. Die Herren meinen weiterhin ihren ureigenen Stiefel herunter spielen zu spielen, egal wie der Gegner heißt, und sind dabei viel zu leicht auszurechnen. Wenn Didavi keine Lust hat und/ oder ihm noch ein, zwei Gegenspieler auf die Füße gestellt werden, bleibt an Kreativpotential lediglich noch Filip Kostic übrig, der zwar auch ausrechenbar ist, durch seine Schnelligkeit und seine Klasse aber dennoch noch in der Lage ist, gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Das VfB-Spiel wird dadurch sehr linkslastig, was für den Gegner meist nicht allzu schwer zu verteidigen ist, wenn man sich eben in erster Linie darauf beschränken kann, die linke Seite zuzustellen.

Um einem willens- und kampfstarken Gegner Herr zu werden, bedarf es Ballsicherheit in den eigenen Reihen, also keine leichtfertigen Ballverluste. Durch Ballzirkulationen an Sicherheit gewinnen und sich den Gegner nach und nach zurecht legen, so sähe wohl die optimale Strategie im Duell David gegen Goliath aus. Von einer Bundesligamannschaft mit einem mindestens drei Mal so hohen Etat, wie ihn die Darmstädter zur Verfügung haben, sollte man erwarten können dürfen, dass sich die höhere Qualität der Einzelspieler auf dem Feld auch bemerkbar macht. Dazu bedarf es aber neben fußballerischem Können Konzentration und Einsatzwillen und das vor allem auf dem Platz und nicht nur mit „der Gosch“.

Die Vorzeichen waren also klar, umso unverständlicher wie schlampig man dann in ein solches Spiel geht und wie dumm man dabei dem Gegner in die Karten spielt. Obwohl die Darmstädter unlängst einen neuen Rasen verlegen ließen, unterliefen dem VfB von Beginn an dilettantische Stockfehler, so dass die Darmstädter schnell im Spiel waren und Lunte rochen.

Bereits in der 1. Minute lud man die Darmstädter beinahe zur Führung ein und diese Fahrigkeit setzte sich im weiteren Spielverlauf fort. Als man gerade den Eindruck hatte, der VfB würde Sicherheit in sein Spiel bringen, schickte Serey Dié durch einen schlampigen und zu kurz geratenen Rückpass unfreiwillig Sandro Wagner auf die Reise, welcher Tytoń keine Chance ließ und zur Darmstädter Führung vollendete. Mal wieder waren sämtliche Vorsätze über den Haufen geworfen, mal wieder ging es zu einem frühen Zeitpunkt hauptsächlich nur um Schadensbegrenzung.

Es wurde genau jenes dreckige Spiel, das der VfB befürchtete und das sich die Darmstädter wünschten. Daran zeigt sich die mangelnde geistige Reife dieser Truppe, wenn man sich ein ums andere Mal von limitierteren Teams den Schneid abkaufen und sich ihr Spiel aufzwingen lässt. Hier machte sich das Fehlen von Kevin Großkreutz schmerzlich bemerkbar, weil er einer der wenigen im Team ist, der sich nichts gefallen lässt und vor allem ein Spiel nicht einfach so über sich ergehen lässt. Serey Dié alleine als Aggressivleader ist derzeit schlicht überfordert und wirkt übermotiviert. Bezeichnend sein Frust-Post auf Instagram nach dem Spiel.

Der VfB kam zwar zu einem Zeitpunkt, als die Darmstädter gedanklich schon in der Halbzeit waren, jeweils nach Vorarbeit von Filip Kostic, zu einem Doppelschlag und zur schmeichelhaften Pausenführung. Wer aber gedacht hatte, der VfB würde von nun an seiner Favoritenrolle gerecht werden, sah sich getäuscht.

Während ich die Pause sinnvoll nutzte und mich zu den Sitzplätzen begab, befanden sich im Pausentee der Brustringträger offensichtlich Schlaftabletten. Anders ist es nicht zu erklären, dass man sich vom Wiederanpfiff weg in die eigene Hälfte drücken ließ und auch die erste Großchance von Wagner, die Tytoń mit einem Reflex vereitelte, nicht als rechtzeitigen Warnschuss verstand. Daher fiel der Ausgleich fast schon folgerichtig. Rausch schlug einen Freistoß hoch in den Strafraum, Tytoń lief zunächst heraus, um dann in bester bzw. schlechtester Ulreich-Manier abzubrechen und zögerlich den Rückwärtseingang einzulegen. Niemeyer bedankte sich und köpfte das 2:2. Ein klarer Torwartfehler des ansonsten guten Rückhalts Tytoń, der den VfB vor allem in den Schlussminuten vor noch Schlimmerem bewahrte.
Aufgrund der zweiten Halbzeit, in der der VfB keine ernsthafte Torchance mehr herausspielen konnte, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Müssen wir das wirklich? Nein, müssen wir nicht! Es ist doch bezeichnend, dass nach Ingolstadt der zweite Trainer des absoluten Underdogs befand, seine Mannschaft habe gegen den VfB ihr bestes Saisonspiel abgeliefert. Da eine Mannschaft immer nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt, liegt hierin das eigentliche Problem. Der VfB ist ein gerngesehener Gast und verteilt Gastgeschenke im Überfluss.

Der VfB hat es abermals versäumt, einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen, weist mit 33 Punkten nach 28 Spieltagen eine erbärmliche Bilanz auf, ergötzt sich aber daran, dass es auch Mannschaften in der Bundesliga gibt, die noch schlechter sind.

Während wir stinksauer das Stadion verließen und uns auf den Weg zu den Bussen machten, flachst ein Gentner vor laufenden Kameras und freut sich wohl mehr über sein sehenswertes Tor, als dass er sich über das Remis ärgern würde. Kramny meinte, nach dem Spielverlauf müsse man zufrieden sein, was man ja auch so stehen lassen kann, während sich Dutt bei Sport im Dritten zuversichtlich zeigte, die nötigen Punkte schon noch anderweitig einzufahren.

Dass die Konkurrenz weiterhin wenig bis überhaupt nicht punktet, darauf sollte man sich besser nicht verlassen. Auch wenn ich gerade Frankfurt und Darmstadt schon die zwei Siege kaum zutraue, die notwendig wären, um den VfB ein- bzw. zu überholen, der Teufel ist ein Eichhörnchen und gerade am Saisonende, wenn sich einige Teams gedanklich bereits im Urlaub befinden, hat man schon Ergebnisse erlebt, die man nicht für möglich gehalten hätte.

Nach dem Spiel gegen die Bayern geht es nach Bayerisch-Schwaben zum FC Augsburg, der sich in den letzten Jahren zu einem echten Angstgegner entwickelt hat und unseren Diven schon wieder ein dreckiges Spiel abverlangen wird, welches uns nicht schmeckt.

Danach kommt der BVB ins Neckarstadion, gegen den uns schon im Pokalspiel die Grenzen aufgezeigt wurden. Es kann zwar sein, dass der BVB zu diesem Zeitpunkt die Vizemeisterschaft bereits gesichert hat und noch in der Europaleague vertreten ist, und deshalb Stammkräfte schont, doch, auch dann neigt der VfB dazu den BVB light zu unterschätzen anstatt die Chance beim Schopfe zu packen.

Danach wartet die Reise ins Bremer Weserstadion, aus dem der VfB schon seit der Meistersaison keinen Dreier mehr entführen konnte. Sollte man nach diesen vier Spielen nichts Zählbares eingefahren haben, könnte es sein, dass wir zwei Spieltage vor Schluss mit dem Rücken zur Wand stehen und dann beginnen, den vergebenen Matchbällen nachzutrauern.

Didavis Wechsel zum VfL Wolfsburg scheint festzustehen, was die Frage aufwirft, weshalb man den Wechsel nicht endlich offiziell bestätigt. Ihn scheinen seine Abschiedstournee und das Versteckspiel eher zu hemmen, als dass es ihm helfen würde. Wie gegen Leverkusen auch schon, war Dida auch in Darmstadt schlechtester Mann auf dem Platz und offensichtlich mit den Gedanken nicht bei der Sache.

Vermutlich machte sein Berater Karl-Heinz Förster den Wechsel bereits Ende des letzten Jahres, als er auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde, perfekt. Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine Unterschrift bei der VW-Betriebssportgemeinschaft aus sportlicher Sicht wohl keinen Sinn machen, wenngleich er dort natürlich das Doppelte bis Dreifache „verdienen“ dürfte, wohingegen er mit Wolfsburg genauso wenig international vertreten sein dürfte, wie mit dem VfB.

Mit Didas Abgang werden wir uns also abfinden müssen. Umso mehr ist Robin Dutt gefordert, den wenigen anderen Guten das Bleiben schmackhaft zu machen und nicht noch weitere Qualität abzugeben. Kolportiert wird ja, dass man im Sommer Ablösesummen generieren müsse, wobei in diesem Zusammenhang immer wieder der Name Filip Kostic fällt. Ich hielte es für ein fatales Zeichen, auch wenn ich es Kostic nicht einmal verdenken kann, dass er lieber heute als morgen den Abflug machen würde. Von den besseren Verdienstmöglichkeiten einmal abgesehen, muss es für einen guten Fußballer auch unerträglich sein, von so vielen Rumpelfußballern umgeben zu sein und deshalb auf ewig lediglich gegen den Abstieg zu spielen.

Daher muss Dutts Maxime eher lauten, die Guten zu halten und das Team zu verstärken, anstatt die Guten ziehen zu lassen und im Gegenzug fleißig Verträge mit Spielern zu verlängern, bei denen man eigentlich froh sein müsste, dass deren Verträge (endlich) auslaufen. Es handelt sich dabei ja auch nicht nur um Spieler, die uns „nur“ fußballerisch nicht weiter bringen, nein, sie prägten den Charakter dieser Mannschaft über Jahre und zeichnen maßgeblich dafür verantwortlich, was sich in den letzten Jahren hier abspielte.

Außer Kostic stach von den Feldspielern noch Lukas Rupp positiv heraus und auch Gentner fiel wegen seiner schwachen Nebenleute nicht entscheidend ab. Rupp dürfte der nächste sein, der Begehrlichkeiten besser gestellter Vereine weckt, und der irgendwann auch nur zu halten sein dürfte, wenn es hier vorwärts geht und wir uns nicht ewig weiter im Kreis drehen.

Ob Kramny der Richtige ist, den großen Umbruch zu vollziehen und eine neue Teamhierarchie zu schaffen, daran wird man ihn messen müssen. Möchte er längerfristig auf der Kommandobrücke stehen und nicht das gleiche Schicksal wie unzählige seiner Vorgänger erleiden, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als das Übel an der Wurzel zu packen und die Mannschaft grundlegend zu verändern.

Für mich als Fan ist diese Mentalität der Truppe langsam unerträglich. Was in ihr steckt, blitzt immer wieder einmal auf, was fehlt, ist Konstanz und der Biss, auch dann an die Schmerzgrenze zu gehen, wenn ihr das Wasser nicht bis zum Hals steht. Das ist ein Mentalitätsproblem, welches tief verwurzelt ist, so dass uns nichts anderes übrig bleiben dürfte, uns auch von Spielern zu trennen, um die es menschlich schade wäre. Käme es denn so weit, wäre Mitleid allerdings auch fehl am Platz, denn, Gelegenheiten sich selbst einzubringen und auf ein besseres Leistungsklima hinzuwirken, hatten die Betroffenen in den letzten fünf, sechs Jahren zur Genüge. .

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
22. März 2016

Der VfB ist wieder da!

Und zwar dort, wo man nach eigenem Selbstverständnis nicht hingehört, es sich aber Saison für Saison gemütlich macht, im Abstiegskampf nämlich, wobei Kampf in den noch verbleibenden sieben Spielen am besten großgeschrieben werden sollte. Aus acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wurden an einem einzigen Spieltag lausige fünf Punkte, so dass sich der VfB de facto nicht mehr viele Ausrutscher leisten darf.

Seit der von Woche zu Woche peinlicher anmutenden Heimniederlage gegen Hannover 96 befindet sich der VfB in einer, wenn auch leichten, Abwärtsspirale. Nicht nur, dass mögliche Siege leichtfertig verschenkt werden stimmt bedenklich, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer zustande kamen, und auch das Auftreten über weite Strecken in Ingolstadt, wo man beinahe hoffnungslos 4:1 zurückgelegen wäre.

Man muss kein Prophet sein, um sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund nichts auszurechnen, am besten man schickt diese Punkte schon jetzt per Post nach Nordösterreich und in den Pott und schont seine ach so strapazierten Körper für die viel wichtigeren Auswärtsspiele in Darmstadt, in Augsburg und in Bremen, wo nach dem blutleeren Auftritt gegen Bayer Leverkusen mindestens vier Punkte herausspringen müssen, um nicht erneut einem Herzschlagfinale à la Paderborn 2015 entgegenzusteuern.

Es war einer jener unerklärbaren Auftritte, für die der VfB noch immer stets „gut“ ist. Leverkusen konnte von den letzten fünf Bundesligaspielen gerade eines gewinnen und das vor Wochenfrist mit Hängen und Würgen gegen den HSV. Hinzu kam das blamable Ausscheiden in der Europa League gegen Villareal und die Posse um Trainer Roger Schmidt, der drei Spiele von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Stuhl des Trainers wackelte schon bedenklich, lässt er doch einen ähnlichen kraftraubenden Stil spielen wie es beim VfB Alexander Zorniger tat. Auch in Leverkusen zieht das Team nur so lang mit, so lang man damit erfolgreich ist, doch wehe dem, die Mühen lohnen sich nicht, dann droht der Trainer das Team zu verlieren, vor allem wenn die Öffentlichkeit das Alibi liefert und der Trainer bereits angezählt wird. In solchen Krisenzeiten gibt es für einen Bundesligaverein keinen dankbareren Gegner als den VfB, wenn wir etwas in Perfektion können, dann Aufbaugegner!

Für eine clevere Mannschaft ist die Herangehensweise gegen einen angeschlagenen und unter der Woche beschäftigten, zudem noch stark ersatzgeschwächten Gegner, klar. Man geht raus, man geht drauf, man lässt den Gegner laufen, zwingt ihn zu Fehlern und raubt ihm von Minute zu Minute mehr die Lust am Spiel. Das bedingt, dass man nah am Mann ist und voll konzentriert die Partie angeht und wenig Fehler im eigenen Aufbauspiel macht.

Soweit die Ausrichtung einer cleveren Mannschaft, kommen wir nun zum VfB. Über die diversen Social-Media-Kanäle bekommen wir ja mit, wie überragend die Stimmung im Team derzeit zu sein scheint, alle lachen, alle machen Späßchen, alle haben sich lieb, alle genießen das Leben. Dumm nur, wenn man mitten am Sonntagnachmittag aus dieser Gute-Laune-Welt herausgerissen wird und seine Arbeit verrichten muss. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, die Jungs wären sich ihrer Aufgabe, aber auch ihrer Chance bewusst. Vermutlich hat sich auch keiner die Sportschau des Vortages angeschaut, hätte man doch während dieser Zeit die Playstation ausschalten müssen. Hätten sie das getan oder zumindest einen Blick auf die Tabelle gewagt, wäre ihnen eventuell bewusst geworden, was die Stunde geschlagen hat.
Leverkusen ist zwar der Angstgegner, aus den vorherigen elf Spielen gegen die Werkself ergatterte der VfB gerade einmal drei Punkte, und doch wäre die Chance groß wie selten gewesen, Bayer zu bezwingen und gleichzeitig einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen. Obwohl Bayer viele Ausfälle zu beklagen hatte und daher zwei junge Startelfdebütanten aufs Feld schickte, verbietet es sich einem Team wie dem VfB, das jahrelang ausschließlich um den Klassenerhalt spielt, einen Gegner zu unterschätzen und zu denken, man schlage jemanden im Vorbeigehen. Das ging bereits gegen Hannover 96 in die Hose, wobei dort noch viel Pech im Spiel war, dieser Schuss ging nun auch gegen Leverkusen nach hinten los, das trotz der vielen Ausfälle immer noch eine nominell topbesetzte Mannschaft auf dem Platz hatte. Man ist geneigt zu fragen „was erlaube Mannschaft“? Dieses Team darf in keinem Moment auch nur einen Prozentpunkt nachlassen und denken, es gehe mit links. Das verbietet die jüngere Vergangenheit, das verbietet das eigene Leistungsvermögen und vor allem verbietet das die noch immer prekäre Tabellensituation.

Fast 55.000 Zuschauer, perfekte äußere Bedingungen, es war alles angerichtet für ein Fußballfest aus VfB-Sicht und dann das! Der VfB, bei dem Florian Klein erwartungsgemäß, den schmerzlich vermissten Kevin Großkreutz ersetzte, überließ den Leverkusener vom Anpfiff weg die Initiative und bot bei den Leverkusener Sturmläufen lediglich interessierten Begleitschutz.

Hinterher wurde beklagt, dass man nicht in die Zweikämpfe kam, Leute, dafür müsst ihr erst einmal nah an euren Männern sein und die Zweikämpfe auch suchen. Ein Spiel, das vom Anpfiff weg nicht so läuft wie erhofft, kann man auch schon mal beruhigen und zunächst durch eigene Ballzirkulationen Sicherheit gewinnen. Dieser Möglichkeit ist man allerdings beraubt, wenn wie beim VfB, schon die Hälfte der Spieler Probleme mit dem Passspiel hat und keinen Ball stoppen kann. Deshalb wurden eigene Angriffsbemühungen bereits im Keim erstickt, die erste ernsthafte VfB-Chance gab es in der 40. Minute, als der Pegel bereits längst auf die Seite der Leverkusener ausgeschlagen hatte.

Das 0:1 in der 11. Minute leitete Daniel Schwaab mit einem Schlag ins Nichts selbst ein, um dann wenig später nicht nah genug am Torschützen Julian Brandt zu sein, so dass dieser ungehindert an Tytoń einschieben konnte. Dies war bereits die dritte gute Chance für Leverkusen, der sie bis zum Pausenpfiff zwei weitere Hochkaräter folgen ließen, die Tytoń klasse vereitelte, während dem VfB lediglich der erwähnte Torschuss durch Werner gelang.

Es war bereits im Vorfeld zu befürchten, dass uns der Ausfall von Kevin Großkreutz schwer treffen würde. Auch wenn er fußballerisch nicht immer zu glänzen weiß, bringt er all jene Tugenden ein, die man eigentlich von einem Fußballer erwarten können muss. Er verkörpert Mentalität und den absoluten Siegeswillen und lässt vor allem auf gut schwäbisch kein Hugoles mit sich treiben. Der zweite Aggressiv-Leader im Team, Serey Dié, war gestern zwar engagiert wie immer, aber letztlich überfordert, weil ihm die Unterstützung seiner Teamkollegen fehlte.
Großkreutz‘ Vertreter Florian Klein knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ an, die ihn seinen Stammplatz kosteten. Wenn dessen Leistungsvermögen schon genügen sollte, um sich für eine Kader-Nominierung zur Euro in Frankreich zu empfehlen, dann gute Nacht Österreich.

Serey Dié war auch deshalb fast schon zu bemitleiden, weil sein Nebenmann Christian Gentner einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Sind es noch seine Achillessehnenprobleme, die ihn daran hindern, ordentlich Fußball zu spielen und vor allem Zweikämpfe zu bestreiten? Setzt man auch angeschlagen auf ihn, weil er eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat oder ist es einfach uncool, den Kapitän auch mal auf die Bank zu setzen? Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen es einen Kapitän gebraucht hätte, der aufrüttelt, der mit gutem Beispiel voran geht, sich einfach zeigt und nicht untertaucht, sobald nichts zusammen läuft.

Das Fass zum Überlaufen brachte für mich jene Aktion gut zehn Minuten vor Schluss, als der VfB zum allerersten Mal in diesem Spiel so etwas wie Druck erzeugte und die Leverkusener langsam müde wurden.
Wohl einen Schwächeanfall erleidend blieb der Leverkusener Yurchenko nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie liegen, was unseren Kapitän dazu bewog, den Ball ins Seitenaus zu spielen und damit den vielversprechenden Angriff jäh zu unterbrechen. Somit bewarb sich unser Kapitän lieber um den Fairnesspreis, anstatt er alles dafür tun würde, dem Spiel noch eine Wende zu verleihen. Für mich absolut unverständlich! Selbstredend bin auch ich für fairen, sauberen Sport. Wer diesen in der Bundesliga meint zu finden, ist aber auf dem Holzweg und das sollte Gentner eigentlich wissen. In 99,9% der Fälle dienen solche Schauspieleinlagen dazu, auf Zeit zu spielen und den Angriffsschwung des Gegners zu unterbinden. Dass ausgerechnet unser 30-jähriger Kapitän auf das schändliche Verhalten eines Bundesliga-Greenhorns hereinfällt bedarf keiner weiteren Worte.

In solchen Situationen haben die Schiedsrichter die klare Maßgabe, das Spiel unterbrechen zu können, wenn sie den Eindruck haben, es habe sich jemand schwerer verletzt. Diese Entscheidung obliegt also dem Schiedsrichter und niemand anderem sonst, so dass sich hinterher auch keiner zu beklagen braucht, wenn weiter gespielt wird. Da Gentner an diesem Tag allenfalls durch Quer-, Rück- und Fehlpässe auffiel, könnte sein Beweggrund natürlich auch der gewesen sein, dass wir so wenigstens in Ballbesitz blieben.

Hätte Gentner den Ball nicht ins Aus gespielt, hätten wir dieses Spiel, in dem wir eindeutig die schlechtere Mannschaft waren, wohl auch nicht gewonnen, aber, es hätte die Initialzündung für eine emotionale Schlussphase werden können und das Publikum wäre nochmal richtig da gewesen.

Auch die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht. Wer erwartet hatte, der VfB hätte sich während des Pausentees auf eine Aufholjagd eingeschworen und würde sich nun zusammenreißen, wurde enttäuscht. Das Spiel der ersten Hälfte setzte sich fort. Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel fing Wendell eine Flanke per Kopf am eigenen Strafraum ab, der Ball gelangte zum starken Julian Brandt, der nahezu unbedrängt, gut, Serey Dié setzte sich beim Abwehrversuch auf den Hosenboden, unbehelligt vom viel zu langsamen Emiliano Insúa über das komplette Feld spazierte, zum (frei stehenden) Nationalspieler Bellarabi passen konnte, welcher humorlos zum 0:2 abschloss. Damit war der Käs gegessen, der Fisch geputzt, nichts ging mehr an dem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Sonntag-Nachmittag. Leverkusen hatte noch weitere hochkarätige Chancen, traf Pfosten und Latte und verzweifelte ansonsten am mit Abstand besten Stuttgarter Przemyslaw Tytoń.

Erster Auswechselspieler war Daniel Didavi, für den in der 54. Minute Kravets kam. Es war wohl die mit Abstand schlechteste Vorstellung unseres Spielmachers, an die ich mich, zumindest zu Hause, erinnern kann. Er war überhaupt nicht im Spiel und brachte es auf eine erbärmliche Zweikampfquote von 20%. Ob ihm die unter der Woche erneut aufkeimenden Wechselgerüchte nach Wolfsburg zugesetzt haben oder er dem noch immer in der Verlosung befindlichen potentiellen Arbeitgeber Bayer Leverkusen nicht weh tun wollte, sei dahingestellt. So hilft er uns jedenfalls nicht weiter, zu schade, dass Alexandru Maxim seine Chancen als Vertreter bislang nie nutzen konnte. Für alle Seiten wäre es wohl das Beste, Didavi würde sich endlich erklären, wohin die Reise in der nächsten Saison geht. Als VfB-Fan wüsste man gerne, woran man ist und Dida selbst müsste für die Öffentlichkeit kein falsches Spiel mehr spielen. Denn, intern wird sicherlich längst bekannt sein, wie er sich entschieden hat.

Ab der 68. Minute, als Kramny Maxim und Tashchy für Werner und Serey Dié einwechselte, setzte der VfB noch einmal alles auf eine Karte und trat offensiv zumindest etwas mehr in Erscheinung als zuvor, ohne jedoch das Tor von Bernd Leno so richtig in Gefahr bringen zu können. Der VfB stand sich weitestgehend selbst im Weg und hätte vermutlich auch noch eine Stunde länger spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Die Leverkusener waren über die gesamte Spieldauer hinweg die fußballerisch bessere und auch torgefährlichere Mannschaft, weshalb es an ihrem Sieg auch nichts zu deuteln gibt.

Aus einer Mannschaft, gespickt mit Totalausfällen, ist es zwar etwas unfair, mit den einen härter ins Gericht zu gehen als mit anderen. Und doch ist außer Daniel Didavi auch über Timo Werner zu sprechen. Ihm gelang gestern einmal mehr überhaupt nichts. Er wirkte auf mich unkonzentriert wie selten. Wurde er angespielt sprang ihm der Ball fünf Meter weg, so dass immer ein Gegenspieler zur Stelle war und ihm das Leder stibitzen konnte. Nach hohen Bällen sprang er zwar, Problem dabei, ihm fehlte stets das Timing, so dass es meist recht unbeholfen aussah und er unter den Bällen hindurchsprang. Ob ihn die Wechselgerüchte aus der Woche so sehr beschäftigten, wo von kolportierten 20 Millionen Ablöse ambitionierter Vereine wie Borussia Dortmund und Red Bull Leipzig die Rede war?

Dazu würde mich über einen O-Ton von Timo Werner freuen, der bislang stets betonte, der VfB sei sein Verein und er könne es sich nicht vorstellen, woanders zu spielen. Für mich gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: entweder die Wechselgerüchte sind Quatsch und Werner lässt sich für kein Geld der Welt weglocken, dann sollte man ihn stärken und ihn in der Zukunft in ein System einbinden, das ein wenig auf seine Stärken zugeschnitten ist. Wenn Timo Werner eines nicht ist, dann ein Mittelstürmer. Als alleinige Spitze fehlen ihm die Durchsetzungsstärke und auch der kaltschnäuzige Torabschluss. Sollte uns Kostic im Sommer tatsächlich verlassen, wäre Werner auf Linksaußen besser aufgehoben.

Hat aber bei Timo Werner ein Umdenken eingesetzt, womöglich unter anderem darin begründet, dass ihn der VfB kürzlich noch wie Sauerbier in England angeboten und auch gegen die Verbalattacken von Zorniger nicht geschützt hatte, hätte der VfB die volle Verhandlungsmacht und könnte unter Umständen allein für Timo Werner 50% dessen erlösen, was eine Ausgliederung in die Kassen spülen würde. Das wäre also eine große Chance für Robin Dutt und den Verein, Einnahmen zu generieren, wobei mir noch immer die erste Variante lieber wäre, einfach weil er ein Junge von hier ist und den Brustring im Herzen trägt.

Unsere Spieler täten gut daran, erst einmal den Klassenerhalt zu sichern und all ihre Kraft und Konzentration dem Noch-Arbeitgeber zu widmen, anstatt sich gedanklich mit mutmaßlich höheren Weihen zu beschäftigen.

Leverkusen genügte also eine durchschnittliche Leistung, um dem VfB den Garaus zu machen. Ob es der VfB in Darmstadt schafft, eine ähnliche Reaktion zu zeigen wie nach dem 0:4 in Mönchengladbach, als man drei Tage danach Hoffenheim mit 5:1 aus dem Stadion schoss, wage ich zu bezweifeln.

Dieses Mal hat man relativ wenig Zeit, diese Darbietung aufzuarbeiten, da die nächste Bundesligapause ansteht und sich viele Spieler in aller Herren Länder aufmachen, um für ihre Heimatländer aufzulaufen. So wird bis zum 2. April diese Niederlage und vor allem das Wie aus den meisten Köpfen sein. Ob gerade die Nationalspieler, die in der Pause ihre Visitenkarte in den Fußballtempeln dieser Welt abgeben, den Schalter so schnell umlegen und sich auf ein dreckiges Spiel am heruntergekommenen Böllenfalltor in Darmstadt einstellen können, darf bezweifelt werden.

Dieses Unterfangen muss ohne Georg Niedermeier angegangen werden, der sich nach einem rüden Foul seine fünfte gelbe Karte einhandelte und somit gesperrt sein wird. Wie die Innenverteidigung gegen die vor allem bei Standards brandgefährlichen Lilien aussehen wird, steht wohl noch in den Sternen. Zu schön um wahr zu sein wäre es, wenn Federico Barba bis dahin schon einsatzfähig wäre. Selbst wenn, glaube ich, wird man ihn zunächst behutsam heranführen und kein weiteres Risiko mehr mit ihm eingehen. Daher dürfte wohl eher Toni Šunjić seine nächste Bewährungschance neben Daniel Schwaab erhalten, einen Vorgeschmack auf dieses wackelige Duo gab es ja bereits in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt.

Apropos Ingolstadt, Darmstadt dürfte ein ähnlich unangenehmer Gegner sein, gegen den eher mit einer rustikalen Spielweise als mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei beizukommen ist. Problem dabei ist jedoch, dass das diese Truppe nach etlichen Jahren Abstiegskampf noch immer nicht verinnerlicht hat.

Ein Gutes kann man den teils katastrophalen Vorstellungen in den letzten Wochen aber dann doch noch abgewinnen. Robin Dutt kann mit sich selbst in Klausur gehen und sich hinterfragen, ob es tatsächlich angebracht ist, Spielern, die die Gesichter des sportlichen Niedergangs der letzten fünf Jahre sind, Vertragsverlängerungen hinterherzuwerfen oder ob man nicht doch eher froh sein sollte, dass diese (endlich) auslaufen. Die 2016 und 2017 auslaufenden Verträge bieten die Chance, sich von langjährigen „Stützen“ zu trennen und dem VfB eine Frischzellenkur zu verpassen.

Man darf sich jetzt von ein paar ordentlichen Vorstellungen zu Beginn des Jahres nicht blenden lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Den „Charakter“ dieser Truppe, und dafür zeichnen nun mal die langjährigen Angestellten maßgeblich verantwortlich, sieht man gerade jetzt wieder. Nach ein paar wenigen Siegen, nach dem Sprung in vermeintlich beruhigendere Gefilde in der Tabelle, macht man es sich wieder bequem in der Wohlfühloase und denkt, es gehe von selbst. Dieses Nachlassen könnte noch ganz fatale Folgen für den VfB haben, weil es das Restprogramm in sich hat. So gesehen ist Darmstadt schon das Schlüsselspiel, ich befürchte, danach werden nicht mehr viele Punkte eingefahren werden können. Augsburg und Bremen sind zwar auf dem Papier auch noch lösbare Aufgaben, aber, es sind Gegner, die uns nicht liegen und Orte, in denen die Trauben in den letzten Jahren für uns sehr hoch hingen.

Daher muss der Kader kurzfristig mit mehr Typen wie Kevin Großkreutz und Serey Dié verstärkt werden, die bereit sind in jedem Spiel 100% zu geben und nicht erst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Ich freue mich schon heute auf Darmstadt. Endlich mal wieder ein richtig altes Stadion mit dem Flair der 1980er-Jahre und das Kontrastprogramm zu den Einheitsarenen der Neuzeit. 1982 war ich schon einmal zu einem Bundesligaspiel dort, Endstand damals 3:3, was in zwei Wochen schon zu wenig wäre. In diesem Sinne, drink positive, Auswärtssieg!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (3 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
23. Februar 2016

Und schon wieder nicht verloren, VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:30

Dass es bei der Terminierung des Spiels in der Arena auf Schalke auf einen Sonntag hinauslaufen würde, war wegen der Europaleague-Teilnahme der Schalker klar. Dass es aber gerade ein Abendspiel um 17.30 Uhr sein musste und das Aufeinandertreffen von Leverkusen und Borussia Dortmund um 15.30 Uhr stattfand, obwohl die beiden Stadien gerade einmal 80 Kilometer auseinander liegen, verdeutlicht einmal mehr, dass den Planern die Fanbelange am Hintern vorbeigehen und die TV-Quote wichtiger ist.

So war es vorprogrammiert, dass der Trip nur mit Urlaub zu bewältigen war oder man montags in Schule und Geschäft entsprechend kleine Augen haben würde. Dennoch wurden die Schwaben von etwa 2.500 Anhängern begleitet, eine stattliche Zahl in Anbetracht der Anstoßzeit.

Ich fuhr mit den Jungs und Mädels vom RWS Berkheim mit. Unsere Kutscher entschieden sich für die untypische Route über die Sauerlandlinie, anstatt der A3 zu folgen, weil sie der Auffassung waren, diese wäre verkehrsgünstiger und nur unwesentlich weiter.

So weit, so gut. Als wir aber dann aber, kurz nach Witten, die Autobahn verließen und uns im Stadtverkehr (Sonntags zum Glück nicht so von Belang) von Bochum, Herne und was ich noch was für verwegenen Flecken wiederfanden, kam uns die Sache dann doch spanisch vor.

Ein Navi ist ja schön und gut, sofern man den Anweisungen auch folgt. Das taten unsere etwas betagteren Busfahrer jedoch nicht, so dass wir uns ein ums andere Mal verfranzten und vor jeder Abzweigung das Lotteriespiel folgte, in welche Richtung wir denn fahren sollten.

Ich saß direkt hinter dem Fahrer und hatte das Navi stets im Blick, so dass ich mich schon allein darüber wunderte, weshalb die Rest-Entfernung zwischenzeitlich wieder anstieg und ich mich fragte, ob unser Kutscher wohl auch die richtige Zieladresse eingegeben hatte. Als wir dann auch noch am Bochumer Rewir-Power-Stadion vorbei fuhren, wurden Erinnerungen an unsere Hoffenheim-Fahrt vor ein paar Jahren wach, als wir plötzlich in der Ortsmitte von Hoffenheim standen, weil der damalige (vielleicht war es ja derselbe) Fahrer anstatt des Betonklotzes an der Autobahnraststätte das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim eingegeben hatte.

So war die Erleichterung groß, als die Arena erstmals angeschrieben und kurze Zeit später auch der Weg zum Gästebusparkplatz beschildert war, so dass sich diese Tort(o)ur dem Ende zuneigte.

Ironie des Schicksals war dann doch tatsächlich, dass wir mit der „gewählten“ Route wohl alles richtig gemacht hatten, da lediglich jene Busse schon angekommen waren, die eine ähnliche Route wie wir wählten und die wir zuvor schon auf einem Rastplatz getroffen hatten, alle anderen standen in einem Mega-Stau auf dem Weg zum Stadion und trudelten erst gut 45 Minuten später ein.

Zunächst wollte ich noch auf Freunde warten, verwarf dieses Vorhaben dann aber, als es gerade noch eine Stunde bis zum Anpfiff war. An einer Gabelung trennen sich dann die Wege derer, die zum Gästestehblock müssen und jener, die einen Sitzplatz hatten.

Am VfB-Fan-Mobil, das direkt vor der Gazprom-Tribüne seinen Platz gefunden hatte, traf ich dann noch einige Bekannte und entschloss mich spontan ein Bier mitzutrinken. Dabei schwelgten wir in der Vergangenheit und waren uns einig darüber, dass zu Parkstadion-Zeiten das VfB-Fan-Mobil, inmitten des Schalker Fanbereichs, wohl schneller gebrannt hätte, als man hätte gucken können.

Wie überall, wo moderne Arenen aus dem Boden gestampft werden, ging dies auch auf Schalke nicht ohne eine einschneidende Verteuerung der Eintrittskarten einher. Dadurch verschwanden viele der Kuttenträger, die sich die Preise nicht mehr leisten konnten oder die Arena nicht als ihre neue Heimat angenommen haben und die Event-Fans eroberten Schalke. Wurde man als Gästefan früher vom Oberrang aus mit Bierdosen beworfen und am Vorbeigehen von Rentnern bespuckt, geht es dort mittlerweile weitaus gesitteter zu, so dass weder das Fan-Mobil noch der weiß-rot gekleidete Fan Größeres zu befürchten haben musste.

Trotz langer Warteschlangen vor den Eingangskontrollen war ich im Nu drin, schnell noch die Knappenkarte aufgeladen, ein Bier geholt und schon ging es hinein in die Turnhalle, deren Dach erwartungsgemäß geschlossen war, war die Witterung doch ziemlich fies. Böiger Wind und Nieselregen, da macht der Schalker unseren Volkssport Nummer 1 eben im Handumdrehen zur Indoor-Veranstaltung.

Dass von den VfB-Fans eine Choreographie geplant war, sah man sofort. Zu meiner Freude, war der teuerste Block aus dem VfB-Kontingent bei weitem nicht ausverkauft, so dass fast freie Platzwahl herrschte. Der auf meiner Karte aufgedruckte Platz befand sich nämlich direkt an der Glasscheibe zum Gästeblock, so dass ich von dort aus überhaupt kein Bild unseres Anhangs hätte schießen können. Die Choreo betraf einmal mehr das Bekenntnis der Fanszene zum eingetragenen Verein und dem Willen, diesen Status auch über den Sommer hinaus beizubehalten.
Der VfB trat auf Schalke erwartungsgemäß wieder mit Didavi, der am Spieltag seinen 26. Geburtstag feierte, anstelle von Maxim an und ansonsten mit derselben Aufstellung wie bereits in den bisherigen Rückrundenspielen. Dass ein Geheimnis der zuletzt an den Tag gelegten Stabilität die Kontinuität in den Aufstellungen ist, sah man beim Pokalspiel gegen den BVB, als Kramny davon abrückte.

Auch wenn es in der zweiten Reihe mittlerweile durchaus Härtefälle gibt, hat Kramny keinen Grund, an dieser so erfolgreichen Mannschaftszusammenstellung zu rütteln. Auf der einen Seite ist es zwar verwunderlich, dass ausgerechnet diejenigen, die Kramny noch von den Amateuren am besten kannte, nun unter ihm überhaupt keine Rolle mehr spielen. Andererseits aber sah man allzu oft, dass der eine oder andere Youngster noch zu grün hinter den Ohren und vor allem dem großen Druck im Abstiegskampf nicht gewachsen ist. Nach dem Wild-West-Fußball der Zorniger-Ära setzt Kramny nun in erster Linie auf Stabilität und das Erreichen der kurzfristigen Ziele, anstatt das Team perspektivisch aufzustellen und Gefahr zu laufen, im Abstiegsstrudel unterzugehen.

Den neuen Teamgeist unterstrich die Mannschaft beim Einlauf dadurch, dass sie unisono in Einlaufjacken mit der Nummer 33 aufs Feld lief und somit ein weiteres Signal in Richtung Daniel Ginczek sandte, dass die Mannschaft in Gedanken bei ihm und seiner schweren Verletzung ist.

Der VfB startete selbstbewusst ins Spiel und hätte bereits nach sechs Minuten durch Gentner in Führung gehen können, wenn Fährmann, der Held des Hinspiels, nicht so stark pariert hätte. Auch Timo Werner, der insgesamt wieder einen starken Auftritt hinlegte, jedoch an seiner Abschlussschwäche dringend arbeiten muss, hätte unsere Farben in Führung bringen können.

Stattdessen erlaubte sich unsere Abwehr einen folgenschweren und kollektiven Blackout bei Belahandas Kopfballtor aus 15 Metern Torentfernung. Danach war der VfB erst einmal geschockt und sichtlich um Ordnung bemüht, während die Schalker mehr Spielanteile hatten, ohne jedoch zu hochkarätigen Chancen zu kommen. Tauchten sie dann doch mal vor dem VfB-Tor auf, war spätestens bei Tytoń Endstation, der erneut seine gute Form unter Beweis stellte und nicht nur nach Kräften die Bälle hielt, sondern auch immer wieder versuchte, das Spiel schnell zu machen.

Je näher das Spiel dem Halbzeitpfiff entgegensteuerte, desto mehr übernahmen die Gäste vom VfB das Kommando und drängten nun auf den Ausgleich, ließen jedoch noch die Passgenauigkeit im letzten Drittel vermissen.

Nach der Pause entwickelte sich phasenweise ein offener Schlagaustausch mit Chancen auf beiden Seiten. Die zuletzt so starken Rupp, Kostic und Geburtstagskind Didavi fielen in dieser Partie leistungsmäßig eher ab, was jedoch in einer homogener gewordenen Mannschaft von den Teamkollegen aufgefangen werden konnte.

War es bis in den Dezember hinein noch an der Tagesordnung, dass sich der eine auf den anderen verließ und jeder schon froh war, wenn man scheinbar ein Alibi vorzuweisen und der Nebenmann die Rolle des Sündenbocks innehatte, reißt man jetzt seine Mitspieler mit und springt für sie in die Bresche. Auf Schalke stach vor allem unsere Zentrale um Christian Gentner und Serey Dié hervor, die viele Bälle abfingen und eigene Angriffe ankurbelten. Auch Insúa zeigte sich stark verbessert, leider in Kombination mit einer schwächeren Partei von Filip Kostic. Haben beide gemeinsam einen Sahnetag, gibt es auf der linken Seite kaum ein besseres Pärchen in der Bundesliga.

Daniel Didavi, dem ich es gewünscht hätte, nach abgesessener Sperre und an seinem Geburtstag zum Matchwinner zu avancieren, fiel leider in erster Linie durch seine fünfte gelbe Karte auf, die ihn gegen Hannover 96 gleich noch einmal zum Pausieren zwingt.

Kramny zog seine Schlüsse aus Frankfurt und nahm seinen Spielmacher dieses Mal rechtzeitig runter. Bereits gelbverwarnt kam er rüde angerauscht, hat den Gegenspieler aber zum Glück nicht richtig getroffen. Ich schlug bei dieser Situation schon die Hände über dem Kopf zusammen, Kramny sah es ähnlich und tauschte Dida umgehend gegen Alexandru Maxim aus.

Binnen weniger Minuten kamen dann auch noch Kravets für Timo Werner und Martin Harnik für Serey Dié, was eindeutig als Zeichen zu werten war, dass man mit aller Macht noch etwas mitnehmen wollte.

Hier gefällt mir Jürgen Kramny bisher sehr gut. Seine Wechsel machen durchweg Sinn und vor allem wechselt er so rechtzeitig, um den Reservisten die Gelegenheit zu geben, noch etwas zu bewegen und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Vor allem Maxim merkte man an, dass er sich etwas vorgenommen hatte. Zunächst scheiterte er mit einem Seitfallzieher knapp, kurz darauf köpfte Gentner eine Maxim-Ecke aufs lange Eck, Fährmann konnte nur abklatschen und Martin Harnik staubte aus kürzester Entfernung zum vielumjubelten und vor allem hochverdienten Ausgleich ab. Unser einziges Tor an diesem Abend bekam ich zu meinem Leidwesen „nur“ am Bierstand mit, als mir gerade ein kühles Blondes kredenzt wurde und ich das „Scheiße“ des Mannes hinter dem Tresen mit einem lauten „Yeahhhhhh“ erwiderte und ihm die Faust entgegen ballte.

Auf den Bildschirmen im Innenraum sah ich nicht nur das Tor in der Wiederholung, ich sah auch, dass der Torschütze dieses Mal auf seinen sonst zur Schau getragenen T(h)or-Jubel verzichtete, und stattdessen mit je drei Fingern die 33 Ginczeks symbolisierte, ein feiner Zug des Österreichers, der sich nach seiner Verletzung selbst hintenanstellen muss und dies wegen der Erfolge des Teams auch einsieht und die Aufstellungen des Trainers somit mitträgt. Dieses Tor wird ihm gut tun und weiter Auftrieb geben, schon nach seiner Einwechslung gegen Hertha gefiel er mir gut.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ließ sich der VfB nach dem Ausgleich nicht wieder zurückfallen und verfiel in Selbstzufriedenheit, im Gegenteil, das Team drängte nun auf die durchaus verdiente Führung. Schalke wurde immer müder, schließlich hatten sie das EL-Spiel in der Ukraine samt Reisestrapazen in den Knochen, der VfB versuchte den Vorteil der Ausgeruhtheit nun auszuspielen und Kapital daraus zu schlagen. Chancen waren vorhanden, einen Elfmeter hätten wir auch wieder bekommen können, doch, am Ende stand das 1:1, insgesamt leistungsgerecht, wenn man beide Halbzeiten zur Beurteilung heranzieht.

Nach zuvor fünf Siegen in Folge stellte man sich nun, nach einem Remis auf Schalke, durch das die Siegesserie gerissen ist, tatsächlich die Frage, ob es ein gewonnener oder ob es ein verlorener Punkt war.

Ich war schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit dem Punkt zufrieden. Vor dem Spiel hätte ich für diesen blind unterschrieben, noch zu präsent waren die Erinnerungen an die Vorsaison und den gefühlten Abstieg an gleicher Stätte. Noch ordne ich uns als ein Team ein, dessen vorrangiges Ziel ist, nicht abzusteigen, so dass ein Punkt bei einem Championsleague-Aspiranten einen Bonuspunkt darstellt, den man nicht unbedingt auf der Rechnung haben musste. Wir haben jetzt nacheinander gegen zwei Teams des oberen Tabellendrittels vier Punkte geholt und keines der Duelle verloren hat. Alle Achtung, darauf kann das Team stolz sein!

Behält man diese Spielfreude, die Leistungsbereitschaft, das Selbstvertrauen, den Teamgeist und die eingekehrte Selbstverständlichkeit bei, muss einem vor den nächsten Spielen nicht bange sein. Der VfB stellt nach wie vor die beste Rückrundenmannschaft und hat nun am Samstag gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 die große Chance seine Serie auszubauen.

Dass dies kein Selbstläufer wird, konnte man letzte Woche beobachten, als die 96er denkbar knapp im Westfalenstadion dem BVB mit 0:1 unterlagen. Doch Vorsicht, Hannover ist vielleicht das schwerste Spiel der letzten Wochen. Die 96er reisen mit der Negativserie von acht Niederlagen in Folge an, Neu-Trainer Schaaf holte mit seiner Mannschaft noch keinen einzigen Punkt. Der VfB tut gut daran, das Spiel mit der gleichen Seriosität anzugehen wie die vorherigen Aufgaben und darf die 96er auf keinen Fall unterschätzen, und dem Ruf des Aufbaugegners neue Nahrung geben. Vorsicht also!

Kramny kam es auf Schalke durchaus gelegen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt und noch einige Dinge verbesserungswürdig sind. Vor allem darf die Mannschaft nicht zu ihrer früheren Denke zurückkehren, dass es nun von ganz alleine läuft. In der ersten Halbzeit auf Schalke sahen Körpersprache und Spielanlage zu selbstgefällig aus, so dass Kramny gut daran tut, rechtzeitig dazwischen zu grätschen. Wehret den Anfängen! Positiv festzuhalten ist aber, dass Kramnys Halbzeitansprache gefruchtet hat und sich das Team selbst aus diesem Sog herausgezogen hat.
Daniel Didavi wird dem Team gegen Hannover 96 also erneut fehlen. Dass er sich tatsächlich auf Abschieds-Tournee befinden soll, an diesen Gedanken kann und will ich mich nicht gewöhnen. Zu sehr mag ich ihn als Typen und als technisch beschlagenen Spieler, als dass ich ihn abschreiben würde, bevor sein Abgang offiziell verkündet wurde.

Im Grunde seines Herzens möchte er doch auch überhaupt nicht weg, ihn quält wohl lediglich sein inneres Ich, das sich fragt, ob er in zehn Jahren auf eine Karriere kontinuierlichen Abstiegskampfes zurückblicken möchte oder ob er es nicht wenigstens versucht haben sollte, sich bspw. in Leverkusen oder Wolfsburg durchzusetzen, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, Jahr für Jahr Championsleague zu spielen als beim VfB.
Dass sich Didavi nicht schon längst gegen den VfB entschieden hat, liegt am Spaßfußball, den die Mannschaft zu zelebrieren imstande ist und daran, welche Schlüsselrolle er bei diesem einnimmt. Immer wieder blitzt es auf, das Potential dieser Truppe. So zum Ende der letzten Saison, so über weite Strecken der Vorrunde, als man zwar in aller Munde war, aber die Ergebnisse nicht eingefahren wurden oder auch im Moment, wo man, bis auf die Bayern und den BVB, scheinbar jeden Gegner dominieren und auch besiegen kann.

Finanziell kann der VfB natürlich mit Werksclubs wie Wolfsburg und Leverkusen nicht mithalten, und dennoch darf der VfB sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Er hat Didavi andere Argumente, wie z. B. eine offensive Spielphilosophie, ein großes Stadion, begeisterungsfähige Fans und nicht zuletzt „Heimat“ zu bieten.

Das alles sind jedoch „weiche“ Beweggründe, die einen Spieler wie Didavi noch zum Bleiben bewegen könnten. Dafür dass diese letztlich den Ausschlag geben, muss sich der Verein strecken und alles daran setzen, Fixpfeiler der Mannschaft zu halten, auch wenn von besser betuchten Vereinen unmoralische Angebote ins Haus flattern sollten.

Fällt das Gerippe auseinander, stehen wir im Sommer erneut vor einem Übergangsjahr und drehen uns ewig weiter im Kreis. Deshalb verteufele ich Didavi auch nicht oder werfe ihm gar Undankbarkeit vor, wie es viele Fans tun, sondern kann seine Gedankengänge ganz gut nachvollziehen.
Eine Fußballerkarriere ist eben endlich, bei ihm ganz besonders, der momentan das bisher so selten erlebte Glücksgefühl hat, über einen längeren Zeitraum hinweg schmerzfrei zu sein und das tun zu dürfen, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß macht, Fußball zu spielen.
Wie bereits schon öfter von mir thematisiert, darf man die causa Didavi auch nicht nur einseitig sehen. Der VfB hat sich im Umgang mit ihm rund um seine Leihe zum Club auch nicht mit Ruhm bekleckert und in der Rückrunde der letzten Saison die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung versäumt. Noch ist es offensichtlich nicht zu spät für Spieler und Verein, sich aufeinander zuzubewegen, machen, bitte!

Für Didavi dürfte gegen Hannover Alexandru Maxim in die Startelf rücken. Ich wünsche es ihm, dass er Eigenwerbung betreiben kann und endlich auch einmal glänzt, wenn er beim Anpfiff auf dem Platz steht. Er befindet sich in zweierlei Maße in einem Dilemma. Zum einen kommt er an einem fitten Didavi nicht vorbei und zum anderen machte er seine besten Spiele für uns meist als Einwechselspieler. Er steht sinnbildlich für den neuen Teamgeist, da er seine Rolle als Reservist scheinbar klaglos annimmt und, wenn er denn eingewechselt wird, gleich auf Betriebstemperatur und voll da ist. In Bezug auf die zweite Garde scheint Kramny ein besonderes Händchen zu haben, sie bei Laune zu halten und jedem Einzelnen zu vermitteln, dass sie wichtiger Bestandteil des großen Ganzen sind. Schafft Kramny es, auch bei den Leuten, die momentan hintenanstehen, die Stimmung und die Spannung hochzuhalten, ist schon sehr viel gewonnen, was die Beibehaltung des derzeit guten Teamgeists angeht.

In dieser Hinsicht scheint Robin Dutt Wort zu halten und Spieler, bevor man sie verpflichtet, auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten und ihre Teamfähigkeit hin zu hinterfragen. Leute wie Serey Dié, Lukas Rupp, Emiliano Insúa und auch Kevin Großkreutz brachten einen neuen Geist in die Truppe. Da Kramny offensichtlich mehr Wert auf einen guten Teamgeist legt als es Zorniger getan hatte, war Belek Gold wert. Seither sind die Jungs in ihrem Miteinander kaum wiederzuerkennen.

Großkreutz goss ja bereits vor dem Aufeinandertreffen mit seinen speziellen „Freunden“ aus Herne-West Öl ins Feuer, als er von einer in Vorbereitung befindlichen Choreo des Schalker Anhangs ein Bild postete und den Schalkern mit auf den Weg gab, diese beim Spiel jetzt nicht mehr präsentieren zu müssen. Während des Spiels wurde er dann bei jedem Ballkontakt beleidigt und ausgepfiffen, was seiner Leistung glücklicherweise keinen Abbruch tat. Er verrichtete gewohnt solide seinen Job.

Großkreutz‘ Konter folgte auf dem Fuße via Instagram, indem er diejenigen, die ihn ausgepfiffen hatten, dazu einlud, das „Großkreutz-Museum“ besichtigen zu dürfen, um wenigstens einmal Tuchfühlung zur Meisterschale zu haben.

Die einen mögen urteilen, dass Schweigen manchmal eben doch Gold sei, ich fand den Konter großartig, zumal diese Nebenkriegsschauplätze seinen Leistungen auf dem Platz offensichtlich nicht schaden. Es ist doch gut zu wissen, einen echten Typen in unserer Mannschaft zu haben, der sich nicht alles gefallen lässt und der auch für die Medien interessant ist und das Geschreibsel über ihn auch aushält. Sind wir in den letzten Jahren nach und nach zur grauen Maus mutiert, haben wir nun endlich wieder einen echten Typen in unseren Reihen, für mich wieder der erste seit Jens Lehmann.
Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun bekommen, es sei denn, es käme noch ein totaler Einbruch. Hoffenheim wird wohl leider erneut dem Abstieg von der Schippe springen, da sie es unter dem Trainer-Greenhorn Nagelsmann zu schaffen scheinen, ihre Qualität auf den Platz zu bringen, aber, es gibt ja auch noch einige andere Teams in der Verlosung, die den Abstieg unter sich ausmachen können. Der VfB hat 28 Punkte auf seinem Konto, in den beiden letzten Jahren standen wir zum gleichen Zeitpunkt mit 19 bzw. 18 Punkten da und hatten bei weitem nicht so viele positive Ansatzpunkte wie jetzt.

Für unser Nervenkostüm wäre es wünschenswert, den Klassenerhalt schnellstmöglich klarzumachen. Einen Tag wie den 23. Mai letzten Jahres in Paderborn möchte wohl keiner mehr unbedingt miterleben. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, von zu Tode betrübt zu himmelhochjauchzend, um in der letzten Minute doch noch fast des Klassenerhalts beraubt worden zu sein. Rückblickend war es zwar ein geiler Tag, vor allem, wenn man an die ekstatischen Ausbrüche unmittelbar nach dem Schlusspfiff zurückdenkt, bei höherer Dosis, also jährlicher Wiederholung, dürften diese Gefühlsexplosionen aber wohl keinem Organismus wirklich gut tun!

Daher wäre es schön, der VfB tut uns einfach den Gefallen und beseitigt die letzten Zweifel bereits in den nächsten Spielen. Drei Siege gegen Hannover 96, Hoffenheim und in Ingolstadt würden vermutlich schon genügen, um aller Sorgen entledigt zu sein.
Doch, was dann? Wenn ich offen darüber schwadroniere, für den Fall der Europacup-Qualifikation Urlaubstage aufzusparen, werde ich angegangen, wir sollten doch wissen, wo wir her kämen, dass ich nicht zu spinnen anfangen solle und dass wir doch alle schon zufrieden sein müssten, am Ende nicht in der allerengsten Abstiegsverlosung dabei zu sein.

Paradox mutet dann an, dass ich dem Gegenüber in allen Punkten Recht geben muss. Ich verlange ja auch gar keinen Europacup-Platz, er kann aber durchaus „passieren“. Hat man in der Bundesliga frühzeitig mit dem Abstieg nichts zu tun, ist man automatisch Europacup-Anwärter, ob man will oder nicht. Und, sollte in den letzten Spielen die Möglichkeit noch immer gegeben sein, wäre man blöd, man würde nicht alles in die Waagschale werfen, um zuzugreifen.

Der VfB steht derzeit acht Punkte vor dem Relegationsplatz, aber „nur“ sechs Zähler hinter Schalke 04 auf Platz 6. Als beste Rückrundenmannschaft mit der logischerweise besten Formkurve aller Teams kann das Ziel doch nur sein, die Serie auszubauen und von Spiel zu Spiel zu denken. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.

Die Fahrt in den Pott hat sich, wie fast immer, wenn man dem Brustring hinterher reist, gelohnt. Auf der Rückfahrt nahmen wir dann die gewöhnliche Route. Als wir endlich den Stadionstau hinter uns ließen und rollten, verlief die Fahrt ohne größere Zwischenfälle, so dass ich um 2.30 Uhr im Bett lag. Etwas unchristlich zwar wenn der Wecker bereits um 7 Uhr wieder schellt, aber, siehe oben, der Optimist spart sich seine Urlaubstage und baut vor.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.8/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
10. Dezember 2015

Was nun, Herr Dutt?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 20:32

Der VfB spielt gerade seine schlechteste Vorrunde der Vereinsgeschichte, die „Mannschaft“ hat mit Alexander Zorniger mal wieder einen Trainer weggemobbt und was macht Robin Dutt? Er wartet sprichwörtlich auf den Weihnachtsmann.

Nach Zornigers Demission und dem damit verbundenen Abrücken vom eingeschlagenen und lange als alternativlos betitelten Weg, ist Dutt mehr denn je in der Pflicht zu liefern. Seine Saisonabschluss-PK und seine großen Worte bei Zornigers Vorstellung klingen mir noch in den Ohren und waren nach derzeitigem Stand wieder einmal nur leere Worthülsen.

Was Zorniger letztlich das Genick brach war seine Sturheit und dass er keinen Plan B besessen zu haben schien, seine Außendarstellung und das öffentliche Kritisieren seiner Spieler, wobei er letzteres ja zuletzt weniger tat. Für mich sind das alles Kriterien gewesen, an denen man hätte arbeiten können. Zorniger war ein Trainer, der zum VfB passte und die Motivation besaß, den VfB aus dem Tal der Tränen zu holen und besser zu machen. Er war es, der es Ulreich nahelegte, sich zu verändern, ihm hätte ich es auch zugetraut, dass er das Gesicht der „Mannschaft“ über kurz oder lang grundlegend verändert hätte.

So bleibt das Kardinalproblem bestehen. Der VfB hat zwar viele Indianer, jedoch keinen Häuptling. Diejenigen, die kraft ihres Amtes im Mannschaftsrat Führungsrollen innehaben, sind entweder Dauerreservisten und/ oder haben ihren Zenit scheinbar überschritten. Diesen Spielern geht es in erster Linie um die Wahrung ihres eigenen Status Quo, so schießen sie gegen jeden, der ihre Wohlfühloase anzutasten versucht, wodurch sie sich grundlegenden Neuerungen per se verschließen, was uns seit Jahren auf der Stelle treten lässt.

Welche Rolle Robin Dutt bei Zornigers Entlassung spielte, ob der Trainer in ihm hoch kam und er Zorniger „Tipps“ gab, wie er die Mannschaft doch besser auf- und einzustellen haben, wäre interessant zu wissen. Bei Stevens hatte dieser Eingriff in die Kernkompetenzen eines Fußballtrainers ja wohl ihre heilende Wirkung gehabt, Zorniger jedoch wollte die Ausrichtung der „Mannschaft“ partout nicht verändern, was dann letztlich zur Trennung führte.

Eigentlich ein Jammer, sahen wir doch über weite Strecken der Vorrunde begeisternde Vorstellungen wie schon lange nicht mehr. Bis zum Bayern-Spiel konnte man auch nicht erkennen, dass die „Mannschaft“ dem Trainer nicht folgen würde, die Körpersprache auf dem Platz jedenfalls war passabel. Was letztendlich dazu geführt hat, dass die „Mannschaft“ Zorniger gegen Augsburg durch eine kollektive Leistungsverweigerung die Gefolgschaft verweigerte, vermag ich nicht zu beurteilen. Und selbst nach diesem Spiel richtete sich der Zorn der Fans mehr gegen die „Mannschaft“ als gegen den Trainer, Trainer raus Rufe waren keine zu vernehmen.

Die „Mannschaft“ wurde durch die La Ola und die Gesänge „Oh, wie ist das schön“ verhöhnt, nicht der Trainer. Der Verein freilich interpretiert diese Reaktionen falsch und sah sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Ich hätte es mir gewünscht, dass man sich irgendwie in die Winterpause rettet und dann den Personalumbau gnadenlos fortsetzt und sich von Spielern trennt, die nicht mitziehen und nur ihr eigenes Süppchen kochen. Der nächste auf der Trainerbank wird genau mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wenn es von Vereinsseite nicht zugelassen wird, die bestehende Hierarchie aufzubrechen und altgediente „Führungsspieler“ fortzuschicken.

Mit Zorniger musste, wie man die Mechanismen des Geschäfts kennt, das schwächste Glied in der Kette gehen, obwohl Dutt ihm zuvor, auch am Tag nach dem Augsburg-Spiel noch, die Nibelungentreue geschworen hat. Dutt wurde am Vortag von Zornigers Entlassung vor den Fanausschuss zitiert und scheint dort Denkanstöße erhalten zu haben, die ihn schließlich in der Trainerfrage umdenken ließen. Spötter würden an dieser Stelle sagen, „die Fans“ haben den Nächsten davongejagt, für mich war dies aber eine Fehlinterpretation Dutts, personelle Konsequenzen in der „Mannschaft“ hätten auch schon genügt.

Dass der Trainerwechsel Dutt und den VfB unvorbereitet traf wird darin deutlich, dass kein Feuerwehrmann parat stand und Jürgen Kramny nicht früh genug auf dem Baum war. Jürgen Kramny, der seit 2011 solide Arbeit bei den Amateuren leistet(e) und die Jungs seither stets in der 3. Liga gehalten hat, wurde als Interimstrainer installiert. Für welchen Spielstil er steht, kann ich, der immer, wenn die Gelegenheit besteht, Spiele der Amas besucht, nicht sagen. Die Spielanlage wirkt oftmals eher chaotisch und zufällig denn strukturiert, was aber natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass er Jahr für Jahr ein neues Team formen und sich dieses im Lauf der Runde erst noch einspielen muss. Durch diese personelle Fluktuation, auch mittels temporärer „Verstärkung“ von oben, lässt sich auf Dauer auch keine Mannschaft einspielen. So gehe ich an den Trainer Kramny absolut neutral hin. Ein netter Kerl ist er, er sitzt bei Heimspielen normalerweise im Block neben uns und ist auch für ein kurzes Pläuschchen stets zu haben.

Und dennoch traue ich es ihm nicht zu, bei den Profis über den Status des Interimstrainers hinauszukommen. Dafür ist er in meinen Augen mittlerweile zu betriebsblind und auch zu obrigkeitshörig, möchte er doch diesen Posten unbedingt behalten. Für Dutt wäre dies mit Sicherheit die billigste und auch pflegeleichteste Lösung.

Personell hat er in seinen bisherigen beiden Spielen nicht viel geändert, mal abgesehen davon, dass Georg Niedermeier aus der Versenkung wieder aufgetaucht ist und zumindest wieder dem Kader angehört. Das Team steht erwartungsgemäß nicht mehr ganz so hoch, was mehr Kompaktheit im Defensivverbund verspricht, uns aber auf der anderen Seite auch zu weniger Torchancen kommen lässt. Das Spiel ist langweiliger geworden, es wird wieder, wie einst unter Labbadia, sehr viel hinten herum gespielt.

Von einem Trainerwechsel verspreche ich mir mehr. Aufbruchsstimmung, Motivation, unermüdlichen Einsatz und auch den einen oder anderen überraschenden Wechsel in der Startelf. Belässt man fast alles beim alten, hätte man auch den alten belassen können.

Der Inbegriff einer Initialzündung nach einem Trainerwechsel ist für mich, als Christoph Daum von Willi Entenmann übernahm und das Team danach nicht wiederzuerkennen war. Der Daum von 1990 hatte das Feuer und übertrug dieses auf die Mannschaft, unvergessen Daums erstes Spiel gegen seine alte Liebe 1. FC Köln, das wir nach 0:2-Rückstand in ein 3:2 drehten, so dass damals ein Ruck durch den ganzen VfB gegangen war.

Dutt und Kramny sind der Meinung, dass es mit einer freundlicheren Ansprache an die „Mannschaft“ schon getan wäre, verkennen dabei aber, dass es gerade der Charakterschwäche dieser „Mannschaft“ zu verdanken ist, dass Trainer um Trainer verschlissen wird. Meiner Meinung nach ist dort eher ein Feldherr gefragt, der mit harter Hand führt und die „Mannschaft“ notfalls einkaserniert, wenn sie nicht spurt. Nett zugeredet haben ihnen schon viele, gebracht hat es freilich nichts.

Worauf wartet Dutt dann eigentlich noch? Ob bei Kramny wider Erwarten der Schubert-Effekt eintritt und die Elf von Sieg zu Sieg eilt? Dass die „Mannschaft“ sich endlich mal rafft und das dauerhaft? Dass Gentner urplötzlich Führungsqualitäten an den Tag legt und sein Team mitreißt?
Für mich braucht es einen Impuls von außen und das so schnell wie möglich. Den hätte ich mir so sehr schon für das wichtige Auswärtsspiel morgen bei Mainz 05 gewünscht. Da in den bisherigen beiden Spielen unter Kramny kein wirklicher Aufwärtstrend und auch keine erfolgversprechende Besserung im Defensivverhalten erkennbar waren, blieb für mich der Aha-Effekt nach dem Trainerwechsel aus.

Manch einer wollte ja beim Dortmund-Spiel eine Steigerung und vor allem eine andere Körpersprache erkannt haben. Leute, wenn das der Maßstab ist und man sich schon daran aufgeilt, dass das Auftreten ein anderes als das erbärmliche gegen Augsburg war, dann gute Nacht.

Es waren allenfalls zwanzig ordentliche Minuten in Dortmund, und die zu einem Zeitpunkt, als man schon 3:0 hätte hinten liegen können. Zu einem Zeitpunkt, als Dortmund mit dem Europa League Spiel in Krasnodar (Russland) in den Knochen und einer sicheren Führung im Rücken einen Gang herunterschaltete fängt der VfB mit Fußballspielen an? Ich selbst, ohnehin von Augsburg noch sauer auf die „Mannschaft“ war jedenfalls so bedient, dass ich nach einer halben Stunde in die Stadionkneipe nebenan gegangen bin und den Rest des Trauerspiels auf Sky angeschaut habe.

Gegen Bremen folgte dann eine im Rahmen unserer Möglichkeiten akzeptable erste Halbzeit, nicht überragend, aber o. k. und vor allem ergebnisorientiert, was in diesem Sechs-Punkte-Spiel auch legitim war. Dann aber kam die „Mannschaft“ aus den Katakomben heraus und trottete über den Platz, als hätten sich Schlaftabletten im Pausentee befunden. Man bettelte förmlich um den Ausgleich, der dann auch fiel und konnte hinterher über den einen Punkt fast noch glücklich sein. Weniger als diesen Punkt hätte Zorniger vermutlich aus diesen beiden Spielen auch nicht geholt.

Bremen war, wie auch Augsburg ein eminent wichtiges Sechs-Punkte-Spiel, das man ohne Wenn und Aber gewinnen hätte müssen. Diese Gegner sind unsere Kragenweite und vor allem auch diejenigen, mit denen wir überhaupt noch konkurrenzfähig sind. Mainz hat zwar gerade einen Lauf, wäre aber auch ein Gegner, bei dem man an einem guten Tag punkten kann. Umso bedauerlicher, dass sich Dutt auch nach dem müden 1:1 gegen Bremen nicht zum Handeln gezwungen sah und einem neuen Trainer mit Mainz womöglich einen Bilderbuchstart beschert hätte.

Langsam aber sicher keimt in mir die Befürchtung auf, dass Dutt entweder keinen Plan hat wie es weitergehen soll oder dass er noch immer ernsthaft darauf hofft, die Interimslösung Kramny werde zu einer Billig-Dauer-Lösung.

Für diese Zauderei in einer Phase, in der uns das Wasser bis zum Hals steht und in der man kaum Hoffnung hat, dass die „Mannschaft“ in der derzeitigen Konstellation überhaupt ein Spiel gewinnen wird können, hätte ich im Nachhinein höchstens Verständnis, wenn man zum 1.1. die „große“ Trainerlösung präsentiert, mit einem Namen, der erst in der Winterpause übernehmen möchte, wie zum Beispiel Favre.

Lucien Favre, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, dass er sich den VfB in seiner derzeitigen Verfassung antun würde, ist so lang mein absoluter Favorit, bis er vom Markt ist. Hier darf sich der VfB zumindest nicht vorwerfen lassen müssen, nicht alles versucht zu haben.

Auch Pierluigi Tami, der bei den Grasshoppers aus Zürich herausragende Arbeit leistet, wäre ein interessanter Mann. Er muss sich entscheiden, ob er das unterschriftsreif vorliegende Vertragsangebot bei GC annimmt oder ob er mit seinen 58 Lenzen eine neue Herausforderung im Ausland annimmt und, falls ja, ob er sich gerne auf den Schleudersitz beim VfB setzen würde oder doch bessere Optionen hat.

Mit Schweizern und „gefühlten“ Schweizern auf der Trainerbank hat der VfB fast nur gute Erfahrungen gemacht. Über Jürgen Sundermann, den man von GC loseiste, Helmut Benthaus, der vom FC Basel kam, Rolf Fringer, dem wir immerhin den späteren und auch zuvor in der Schweiz tätigen Jogi Löw zu verdanken haben, bis hin zu Christian Gross standen die Schweizer für Innovation, Fußballsachverstand und Erfolg.

Da jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, geisterte heute zur Abwechslung der Name Dirk Schuster durch die Gazetten. Ihn finde ich einen äußerst interessanten Mann, der sowohl beim Nachbarn von den Golan-Höhen als auch aktuell bei Darmstadt 98 hervorragende Arbeit leistete bzw. noch leistet. Einige verbohrte VfBler würden ihn vermutlich schon deshalb ablehnen, da er als Spieler eine KSC- und als Trainer eine Kickers-Vergangenheit hat. Für mich wären dies überhaupt keine K.O.-Kriterien, wären „wir“ früher schon so eingestellt gewesen, hätte es wohl weder einen Karl Allgöwer, noch einen Jürgen Klinsmann, noch einen Guido Buchwald und auch keinen Fredi Bobic bei uns gegeben. Ich hoffe trotzdem, dass diese Meldung eine Ente ist und Dirk Schuster sein Werk in Darmstadt fortsetzt.

Mit den anderen üblichen Verdächtigungen konnte ich mich noch immer nicht anfreunden, im Gegenteil, die meisten auf der Liste machen mir nur Angst.

Da heute zu lesen war, Dutt wolle seinen ehemaligen Assistenten Damir Buric an den Neckar lotsen und da sein alter Torwarttrainer schon da ist, liegt die Vermutung nah, Dutt bringe, wie einst Bobic, „seine“ Leute unter, was es einem starken Trainer umso schwerer machen würde, bei uns einzusteigen. Murat Yakin (den ich nicht haben wollte) habe schon abgesagt, weil er eben nicht seinen Trainerstab hätte mitbringen dürfen. Es ist ein schmaler Grat auf dem Dutt sich damit bewegt, schon bei Christian Gross war es der Anfang vom Ende, als ihm eigene (Vertrauens-)Leute verwehrt wurden. Eine solche Denke, dass die Co-Trainer gefälligst aus dem Verein zu stammen haben, kann ja nur darauf gemünzt sein, dass die nächste Trainerentlassung nicht ganz so teuer wird. Absurd!

So steigt in mir die Befürchtung, dass Dutt eher einen ruhigen und pflegeleichten Trainer verpflichten wird, der zunächst einmal froh und dankbar ist, wieder untergekommen zu sein, anstatt sich mit einem Alpha-Tier auseinanderzusetzen und die Signale auf Aufbruch zu stellen.
Dutt ist sich hoffentlich im Klaren darüber, dass seine Position mit der nächsten Trainerverpflichtung steht und fällt. Noch eine solche Fehleinschätzung wie die Zornigers wird Dutt sich nicht leisten können. Misslingt dieser vermeintlich letzte Schuss, dürfte er kaum mehr zu halten und der VfB nicht mehr zu retten sein.

Wir stehen also vor einer eminent wichtigen zukunftsweisenden Entscheidung und Dutt hat die Ruhe weg. Wahler taucht weiter unter und lässt Dutt machen, geballte Fußballkompetenz, die Dutt bei der Trainersuche zur Seite stehen würde, sucht man beim VfB weiterhin vergebens. Unser Schicksal liegt in gewisser Weise nun in den Händen von Dutt, dem, angesichts eines großzügigen Vierjahres-Vertrags, noch am wenigsten passieren kann, sollte es schief gehen fällt er noch am weichsten, einfach grotesk.

Dutt ist sich der Tragweite der Entscheidung bewusst und zögert diese hinaus, während wir ungebremst dem Abgrund entgegen rauschen und wertvolle Zeit verlieren. Wenn das nur (wieder) mal gut geht…

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.1/10 (10 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 5 votes)