20. November 2017

Fußball ist keine Mathematik

Diesen Ausspruch prägte einmal Karl-Heinz Rummenigge, als er Ottmar Hitzfeld als Bayern-Trainer anzählte und damit despektierlich auf seinen erlernten Beruf, Mathematiklehrer, anspielte.
So fehl am Platz dieser damals war, zumal bei Rummenigge ohnehin selten etwas Vernünftiges herauskommt, wenn er zynisch oder lustig sein will, so sehr assoziiere ich diese Phrase mit dem derzeit praktizierten Führungsstil beim VfB.

Fußball ist keine Mathematik und Fußball ist auch nicht ausschließlich eine kräftig sprudelnde Geldquelle, in der es um Gewinnmaximierung und das Zufriedenstellen seiner Aktionäre bzw. Anteilseigner geht. Der Fußball ist mehr. Er ist ein Spiel der Emotionen, die schönste Nebensache der Welt.

Mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Eventisierung und den Übernahmen von Vereinen durch finanzstarke Wirtschaftsbosse, Mäzene und Scheichs ging der lang gehegte Grundgedanke des bezahlbaren Sports, mit dem sich die Leute identifizieren, ohnehin mehr und mehr verloren. Geld regiert den Fußball und entfernt sich, geführt von korrupten Verbänden, immer mehr von der Basis. Sei es der Weltverband FIFA, bei dem Bestechung an der Tagesordnung ist und der sich trotz nachgewiesener Schmiergeldzahlungen, Menschenrechtsverletzungen und vielem mehr noch immer nicht dazu durchringt, Katar die WM zu entziehen. Oder sei es auch DFB und DFL, die gerne ihr Saubermann-Image pflegen und den hiesigen Fußball zu einer Popcorn-Veranstaltung verkommen lassen wollen, indem sie das Ausleben von Fankultur immer mehr unterbinden.

Dass Pyro-Einlagen sanktioniert werden, daran hat man sich ja gerade noch gewöhnt. Dass aber inzwischen auch Schmäh-Plakate und –Gesänge bestraft werden und DER Fußball-Anwalt in Deutschland, Christoph Schickhardt, der auch schon des Öfteren den VfB vertrat, gar fordert, dass Spiele, in denen einer wie Dietmar Hopp beleidigt werde, überhaupt nicht angepfiffen werden, spottet jeder Beschreibung. Man kann zu den Spruchbändern stehen wie man möchte, aber, wäre es verhältnismäßig, deshalb ein Spiel abzusagen und 50.000 Leute, von denen die allermeisten überhaupt nichts mit dem Spruchband zu tun haben, nach Hause zu schicken?

Wir sind auf dem Weg zu englischen Verhältnissen, wo man mittlerweile nicht einmal mehr aufstehen und seinen Emotionen freien Lauf lassen darf, ohne von einem Steward ein freundliches, aber bestimmtes „sit down, please“ zu kassieren. Sind das Verhältnisse, die wir wirklich wollen können? Die uns von einem Verband diktiert werden sollen, der sich derzeit mit seinem Video-Assistenten lächerlich macht und seinen eigenen WM-Sumpf noch nicht trockengelegt bzw. aufgeklärt hat? Gegen die weitere Eventisierung bis hin zur Abschaffung der Stehplätze, die immer mal wieder ins Gespräch gebracht wird, dagegen gilt es sich bis zum letzten Blutstropfen zu wehren.

Inzwischen hat auch der VfB als einer der letzten Bundesligavereine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und damit selbst einen Teil seiner Seele verkauft. Mit Wolfgang Dietrich wurde ein Präsident durchgeboxt, dem Diplomatie fremd ist und dem, um seine Ziele zu erreichen, jedes Mittel recht ist. Diesen Ruf erwarb er sich als Boss eines undurchsichtigen Firmengeflechts und wurde aus eben diesem Grund auch zum Sprecher von Stuttgart 21 ernannt. Er weiß es, Menschen zu manipulieren und für sich einzunehmen und war deshalb sicher der Richtige, das ewig schwelende und zum Schluss leidige Thema „Ausgliederung der Profiabteilung“ zu einem vom VfB gewünschten Abschluss zu bringen.

Die Zweitligazugehörigkeit spielte ihm dabei in die Karten, denn, als Tabellenführer und Mitglied der Spitzengruppe der 2. Liga lässt sich leichter eine Aufbruchsstimmung entfachen, als wenn man als Sechzehnter in der Bundesliga herumdümpeln würde.

Dass man dabei den wirtschaftlich ungünstigsten Zeitpunkt wählte und den VfB mutmaßlich weit unter Wert verkaufte, wurde billigend in Kauf genommen. Es ging ja auch nicht hauptsächlich um die Daimler-Millionen, sondern darum, endlich nicht mehr bei vielen wegweisenden Entscheidungen die lästige Mitgliederschaft befragen zu müssen.
Viele, die der Ausgliederung zugestimmt haben, ließen sich von den Friede-, Freude-, Eierkuchen-Veranstaltungen im Trump-Style (make VfB great again) die Sinne vernebeln und setzten großes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, den Schindelmeiser geholt hatte.

Weil es Schindelmeiser innerhalb kürzester Zeit und mit klugen Transfers geschafft hat, ein junges, hungriges und vor allem aufstiegsfähiges Team auf die Beine zu stellen und in Hannes Wolf eines der spannendsten und vielversprechendsten Trainertalente, die Deutschland zu bieten hat, präsentierte, war das Vertrauen in den Sachverstand und in die Fähigkeit, aus wenig Geld viel zu machen, offensichtlich grenzenlos.

Nicht umsonst wurden, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die beiden vor den Karren gespannt, um für die Ausgliederung zu werben. Sportlich waren wir ohnehin auf Kurs bzw. am Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung soeben aufgestiegen, so dass die Zweifler in der Minderheit waren und als ewiggestrige Traditionalisten bezeichnet wurden. Warnungen, „seine“ Entscheidung nicht an Personen festzumachen, wurden in den Wind geschlagen, weil sehr viele auf dem „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Trip waren und den VfB durch den Geldregen bereits wieder auf dem Weg nach Europa wähnten.

Dass die Vorwürfe gegen Jan Schindelmeiser nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, weiß man zwar inzwischen, ich bin mir dennoch noch nicht im Klaren darüber, ob diese Differenzen nicht noch irgendwie zu kitten gewesen wären. Doch, der inzwischen als Aufsichtsrat der AG fungierende Wolfgang Dietrich hatte daran offenbar gar kein Interesse. Der Moor (Schindelmeiser) hatte seine Schuldigkeit getan und musste weg. Die Ausgliederung war durch, die Einspruchsfrist abgelaufen. Schindelmeiser war einer von drei Vorständen der AG, Dietrich „nur“ noch Aufsichtsrat. Mit dieser Konstellation oder auch den Geistern, die man selber rief, hatte Dietrich offenbar so seine Probleme. Schindelmeiser war schließlich nicht „sein“ Mann gewesen, sondern schon da, als er ins Präsidentenamt gehievt wurde.

Nachdem die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war, versorgte man die Stuttgarter Nachrichten mit Interna, um aus dem Nichts Jan Schindelmeiser zum Abschuss freizugeben und dem vorzubeugen, dass der bereits feststehende Rausschmiss nicht aus heiterem Himmel kommt. Nicht die feine englische Art und äußerst unpopulär, den beliebten Sportdirektor, dem so viele in puncto Zukunftsplanung ihr Vertrauen entgegen brachten, derart abzuservieren, aber, in einer Kapitalgesellschaft menschelt es nun mal weniger als in einem eingetragenen Verein.

Hier geht es um knallhartes Business, unbequeme Zeitgenossen werden schon mal von einem Tag auf den anderen entsorgt. Man muss ja schließlich das große Ganze im Blick behalten und der VfB steht ohnehin über allem, so dass man äußerst dumm gewesen wäre, das Superhirn der Liga, Michael Reschke, der auf dem Markt gewesen war, nicht mit dem Sport-Vorstandposten zu versehen. So die Lesart, die uns der VfB weismachen wollte.

Dass Reschke bereits vor der Asien-Reise der Bayern Uli Hoeneß um die Auflösung seines Vertrages gebeten haben soll, um zum VfB wechseln zu können, verleiht der Personalie mehr als nur ein Gschmäckle. Nicht allein, dass man, obwohl es im Verhältnis mit Schindelmeiser schon das ganze Jahr geknirscht haben soll, ihn als das personifizierte Vertrauen in eine bessere VfB-Zukunft für die Ausgliederung werben ließ, auch, dass man ihn fleißig die Kaderplanung in der Sommerpause tätigen lassen hat, im Wissen, dass dieser die längste Zeit beim VfB gewesen ist, war äußerst fahrlässig. Michael Reschke, dem die Bayern einen Hallodri wie Hasan Salihamidžić vor die Nase setzten, wurde also der neue starke Mann beim VfB. Schnell stellte man fest, die Chemie zwischen Dietrich und Reschke stimmt, locker, leger und im Partnerlook präsentieren sich die beiden Macher nur allzu gerne, es geht eben nichts über eine gute Männerfreundschaft…

Dass Reschke bislang stets ein Mann für die zweite Reihe war und dort auch am besten aufgehoben ist, beweist der Rheinländer in unschöner Regelmäßigkeit. Wie ein Elefant im Porzellanladen reißt er Wände ein, wo keine sind und macht Fässer auf, die unnötig wie ein Kropf sind. Erst betitelte er Kritiker wie Fans und Mitglieder gleichermaßen als ahnungslose Vollidioten, wenn sie an seinen bisherigen Transfers etwas auszusetzen hatten, und nun scheint er entschlossen zu sein, unsere Amateure abzumelden.

Auch hier kommt mir der Ausspruch „Fußball ist keine Mathematik“ in den Sinn. Denn, Fußball ist weit mehr, Fußball ist Emotion, ist Verbundenheit, ist Tradition. Unsere Amateure, Deutscher Amateurmeister 1963 und 1980 sowie derzeitiger Vierter in der Ewigen Tabelle der 3. Liga, sollen, geht es nach dem Willen von Michael Reschke, komplett von der Bildfläche verschwinden. Dass für viele Fans aber die Amateure ihr zweitliebstes Kind sind und für sie eine Welt zusammenbrechen würde, interessiert den „Macher“ Reschke nicht. Emotionen haben für ihn scheinbar im Fußball nichts verloren, es geht ihm nur um den Profit für die AG. Daher stelle ich schon jetzt für mich fest, dass Reschke nicht zum VfB passt und er zumindest mir gestohlen bleiben kann. Schindelmeiser war Kommunikator, der auch bei sensiblen und schwierigen Themen mit Argumenten zu überzeugen versuchte. Reschke aber poltert herein und es interessiert ihn offenbar überhaupt nicht, was wir Fans über Jahrzehnte liebgewonnen haben. Die nötige Sensibilität, die es eben auch braucht, ein Fußballunternehmen zu führen geht ihm, wie ja auch Dietrich, völlig ab.

Ich hoffe sehr, dass die Gremien sich diesen quasi nicht mehr rückgängig machbaren Schritt noch einmal gut überlegen. Mit der Abmeldung werden nämlich nicht „nur“ 2,5 Millionen Euro im Jahr eingespart, es wird sich auch der Möglichkeit beraubt, Talente auf hohem Niveau an den Männerfußball heranzuführen. Auch hier wieder, Fußball ist keine Mathematik!

Der Eindruck verfestigt sich, dass der Abstieg unserer Amateure 2016 einigen Herren in die Karten spielte und man nun die große Chance sieht, sich diesen lästigen Beiwerks mehr oder weniger elegant zu entledigen. Ferner kommt es derzeit offensichtlich, wie aus den jüngsten Regionalversammlungen zu erfahren war, ganz gelegen, dass die „Amas“ derzeit sportlich schwächeln und, O-Ton, offensichtlich ja auch keinen Bock mehr hätten. Will es den Jungs tatsächlich einer verdenken, dass es sie beschäftigt und nicht mehr unbeschwert aufspielen lässt, wenn keiner weiß, ob in der nächsten Saison noch Platz für ihn auf dem Wasen ist? Für mich kommt die Debatte zur Unzeit und ist einer guten Saison nicht förderlich.

Klar, nach dem Herausposaunen diesen Plans durch Reschke am 20.10. verlor man umgehend 0:5 in Saarbrücken, spielte noch einmal herzerfrischend beim 2:2 gegen Kickers Offenbach, ehe man Schott Mainz, Hoffenheim und am Samstag auch Steinbach unterlag. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Entscheidung bereits in Stein gemeißelt ist und es kein Zurück mehr gibt. Ein Jammer, wie ich finde!
Anstatt darüber zu klagen, dass die Regionalliga nicht das optimale Sprungbrett für eine spätere Bundesligakarriere sei, sollte man doch vielmehr ein paar Euro mehr in die Hand nehmen, um die „Amas“ wieder dorthin zu bringen, wo sie lange Jahre waren, nämlich in die 3. Liga. Die ist nämlich ein ideales Stahlbad für unsere Youngster, wer es dort schafft, sich durchzubeißen, bringt zumindest einmal die Robustheit mit, die es auch für die Bundesliga braucht.

Unser Problem der letzten Jahre war keineswegs, dass man es über die Amateure nicht nach oben schaffen kann. Es seien nur einige Namen von vielen genannt, wie Hinkel, Khedira, Kuranyi, Hleb oder Daniel Didavi, die sich bei den Amateuren für höhere Weihen empfehlen konnten.

Um die Jungs zu fördern und zu fordern benötigt man fähiges Personal neben dem grünen Rasen, was vor allem in der Bobic-Ära gegen dessen Weggefährten abgesetzt und weg gemobbt wurde. Noch während Heldt Sportdirektor war, wechselte der langjährige Amateur-Trainer Rainer Adrion, wer wollte es ihm verdenken, zum DFB und übernahm den frischgebackenen U21- Europameister.

2012 schließlich verließen uns die langjährigen Koryphäen Thomas Albeck und Frieder Schrof in Richtung Leipzig. Der kürzlich überraschend verstorbene Albeck (R. i. F.) und Schrof standen ebenso wie Adrion dafür, dass sie die Jungs nicht nur sportlich förderten, sondern ihnen auch sonst bei allen Alltagsproblemen die Türen offenstanden. Sie waren Mentoren, Ziehväter, Jugendleiter und Trainer in Personalunion und sahen in den Spielern nicht nur Gelddruckmaschinen der Zukunft, sondern den Menschen samt Familie, der dahinter steckt. Der gute Ruf dieser Leute ließ sich Spieler für den VfB entscheiden, die unter Umständen woanders in jungen Jahren schon deutlich mehr hätten verdienen können. Auf das Wort der Herren konnte man sich verlassen, auch wenn es darum ging, ob es ein Spieler packt oder auch nicht. Auch an dieser Stelle sei erwähnt, Fußball ist nun mal keine Mathematik. Ein Fußballunternehmen, das man als AG nun spätestens ist, darf nie außer Acht lassen, dass man es mit Menschen und Emotionen zu tun hat.

Seinerzeit machten Bobic und Labbadia ihr eigenes Ding. Bobic scharte lieber gute Freunde anstatt Fachleute um sich, während Labbadia sich vehement dagegen verschloss, junge Spieler einzubauen und ernsthaft zu fördern. Bei ihm hatte man den Eindruck, er werfe lieber „der Meute“ jemanden zum Fraß hin, indem er einst den gelernten Innenverteidiger und damals noch Greenhorn, Ermin Bičakčić, als rechten Verteidiger gegen Franck Ribéry spielen ließ, um hinterher sagen zu können, seht her, der kann es nicht. Weil man dem Sachverstand von Albeck und Schrof nicht vertraute, ging dem VfB seinerzeit auch Joshua Kimmich durch die Lappen, ein Spieler, der jetzt bereits das Doppelte der Ausgliederungsmillionen vom Daimler wert sein dürfte.

Die wirtschaftlichen Beweggründe und die Argumentation, dass Spieler heutzutage schon mit 18, 19 Jahren den Durchbruch schaffen sollten, kann man zwar in gewisser Weise nachvollziehen und doch könnte man zumindest Letzterem Rechnung tragen, in dem man die Jungs sich früher bei den Amateuren frei schwimmen lässt als bisher und konsequent aussiebt, wer keine Perspektive hat. Auch hier befanden wir uns, seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter im sportlichen Bereich schwangen, auf einem guten Weg, indem man sich von langjährigen Amateur-Spielern, denen man den großen Durchbruch nicht mehr zutraute, wie Ristl und Tashchy oder auch Besuschkow, trennte.

Von angedachten Farmteams und Kooperationen mit Großaspach, Kickers oder auch Heidenheim halte ich überhaupt nichts. Sind Spieler einmal in die Provinz abgeschoben, entfremden sich die meisten und wecken Begehrlichkeiten Anderer, sofern sie sich entscheidend weiterentwickeln. Dann mag der VfB zwar für eine gewisse Zeit noch die Transferrechte in Händen halten, das nützt aber nichts, wenn ein Spieler innerlich gekündigt und mit dem VfB abgeschlossen hat, Joshua Kimmich lässt grüßen. Ist ein Spieler mal weg, lernt Anderes kennen, fällt es ihm umso leichter, eine weitere Luftveränderung zu wagen, anstatt zum VfB zurückzukommen. Eine viel größere Motivationsspritze wäre es doch, beim VfB bleiben zu können, den „Stars“ der Ersten regelmäßig über den Weg zu laufen und sich Tipps holen zu können und als Belohnung für gute Leistungen das eine oder andere Mal mit ihnen trainieren zu dürfen oder es gar in den Kader zu schaffen, wie in dieser Saison bereits Sessa.

Da unsere Amateure im Verein offensichtlich keine Lobby mehr genießen, ist es umso bedauerlicher, dass sie auch von den Fans so wenig Unterstützung erhalten. Sie werden zwar wahrgenommen und von vielen geschätzt, den Hintern hoch, um sie auch bei den Spielen zu unterstützen, bekommen aber die wenigsten. Fast ausschließlich sind die Gästefans auch bei den „Heimspielen“ in der Überzahl. Viele weigern sich dabei, einen Fuß ins Kickers-Stadion zu setzen, obwohl dieses Stadion ja städtisch ist und der VfB deshalb einen Großteil seiner Heimspiele dort austrägt bzw. auch austragen muss.
Sehr bedauerlich finde ich es, dass sich unsere Ultras den Amas weitestgehend verschließen und dort nicht als Gruppe auftreten. Andere Fanszenen machen Auftritte ihrer Amateure zu Festspielen, Support und Pyro-Einlagen inklusive, während bei den Unseren eine Atmosphäre wie auf einer Beerdigung herrscht.

Für mich sind Spiele der Amateure wie eine Reise in die Vergangenheit. Sofern es die Spielansetzungen zulassen und Spiele der Amas nicht mit denen unserer Profis kollidieren, fahre ich auch gerne mal auswärts mit und stehe mit 30-50 anderen VfBlern im Gästeblock. Dort erlebt man dann noch den ursprünglichen Fußball, wie wir ihn kennen- und lieben gelernt haben, in kleinen, heruntergekommenen Stadien und zu moderaten Preisen. Bei Vereinen, die schon bessere Zeiten erlebt haben, trifft man sie noch, die Kuttenträger und hat den Eindruck, dort wäre die Zeit stehengeblieben. Sollte ich eines Tages die Nase voll haben vom Hochglanzprodukt in der Beletage, oder, besser gesagt, sollten sie mich endgültig vertrieben haben, wäre es Stand heute noch eine echte und vielleicht auch die einzige Alternative, mit den Amateuren alle Spiele zu machen. Manchmal habe ich den Eindruck, es fehlt nur noch der berühmte Tropfen, bis es so weit kommt. Ein Jammer, dass ich mich von diesem Vorhaben demnächst wohl endgültig verabschieden muss.

Reschke hat bei Bayer bereits die Amateure abgemeldet und wird es auch beim VfB tun, wenn ihn nicht im letzten Moment noch einer stoppt. Spielte die Musik beim VfB noch im eingetragenen Verein, könnte man sich von der in Kürze anstehenden Mitgliederversammlung noch versprechen, dass der eine oder andere flammende Appell Wirkung zeigt und noch einmal zurückgerudert wird. Da aber auch die Amateure ausgegliedert wurden, dürfte selbst ein solcher nichts mehr nützen. Uns und vielen anderen Auswärtsfahrern, die sich während der MV noch auf der Rückfahrt aus Bremen befinden, hat man ohnehin der Möglichkeit beraubt, an dieser teilnehmen zu können. Augen auf bei der Terminwahl!

Der VfB hätte es selbst in der Hand, unseren Nachwuchs wieder an die Spitze Fußball-Deutschlands zu bringen. Dazu gehört jedoch ein eiserner Wille und nicht, dass man die Amateure nur nebenher laufen lässt.

Wichtigster Punkt sind die Verantwortlichen, die sich im Nachwuchsleistungszentrum und später bei den Amateuren um die Jungs kümmern. Es müsste wieder mehr über wahre Koryphäen, sozialkompetente Mitarbeiter und gute Seelen berichtet werden können, anstatt über nächtliche Eskapaden mit Profi-Spieler(n).

Die Amateure dürften aber auch vom Gesamtverein, ähm, der AG, nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden wie bisher. Es fängt damit an, dass es schon detektivischer Fähigkeiten bedarf, drei Tage vor einem Heimspiel herauszufinden, ob im Gazi- oder im Schlienzstadion gespielt wird. Der VfB müsste, wie es Rainer Adrion vor zwei, drei Jahren schon einmal in Aussicht gestellt hat, darauf drängen, dass die Terminierungen nicht immer zeitgleich zu den Spielen der Profis erfolgen, vor allem bei vermeintlichen Risikospielen, bei denen es wichtiger zu sein scheint, dass Polizei, Ordnungsdienst und damit auch der VfB einen ruhigen Nachmittag verleben, als dass die Amateure bestmögliche Unterstützung erhalten. Man könnte die Socialmedia-Kanäle und die Webseite nutzen, besser über die Amateure zu informieren und vor allem mobil zu machen, die Jungs auch im Stadion anzufeuern. Für mich sind die Möglichkeiten noch lang nicht ausgereizt. Je attraktiver die Amateure werden und je größer die Chancen sind, diese als Sprungbrett nach oben nutzen können, desto leichter täte sich der VfB auch, mehr Talente zum VfB zu locken bzw. diese zu halten, wenn sie schon da sind.

Auch wenn ich befürchte, dass das Aus der Amateure beschlossene Sache ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich im Verein noch jemand findet, der Reschke zurückpfeift. Fußball ist keine Mathematik, es gibt Themen, die man in einem Fußballunternehmen sensibel anpacken muss, spielt man doch mit den Gefühlen der Anhängerschaft. Wer das nicht verstanden hat, hat im Fußball bzw. zumindest in der ersten Reihe nichts zu suchen.

Fußball ist keine Mathematik und der Fußball ist kein Experimentierfeld für einen, der den VfB nur vom Hörensagen kennt und der noch heute am liebsten von seinem früheren Arbeitgeber schwärmt.
Für mich passt Reschke nicht hier her und schon gar nicht an die vorderste Front. Er mag als Superhirn im Scouting eine Bereicherung sein, doch, sobald er sich in der Öffentlichkeit äußert, ist Fremdschämen angesagt, so wie er die Fettnäpfchen anzieht. Dazu gab es am Freitag in der Cannstatter Kurve ein passendes Spruchband.

Ich habe mich bei der Ausgliederungsdebatte so geäußert und mache es an dieser Stelle wieder. Teuer erkaufter Erfolg steht für mich nicht an erster Stelle, wenn es um Vereinsliebe geht. Der VfB darf sich gerne von den Superreichen abheben, indem er aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt, anstatt mit aller Macht zu versuchen, den Anschluss nach oben wieder herzustellen. Ich will hier keine Spieler, die 10 Millionen Euro im Jahr und mehr „verdienen“, ich brauche niemanden an der Spitze, der bei einem derzeitigen Abstiegskandidaten Luftschlösser baut, wo er den VfB in zwei, drei Jahren sieht.

Fußball ist in erster Linie Tagesgeschäft. Im Hier und jetzt geht es darum, den Klassenerhalt zu schaffen, was schwer genug werden wird. Das auch, weil Reschke in den gut drei Wochen, die er während der Transferperiode Zeit hatte, seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ascacíbars Wechsel wurde dem Vernehmen nach noch von Schindelmeiser in die Wege geleitet, Aogo kam von der, ja, ich oute mich als ahnungsloser Vollidiot, Reschkerampe, und Beck hat, wie er Woche für Woche demonstriert, seinen Zenit längst überschritten. Für den Hochgeschwindigkeitsfußball, für den Hannes Wolf eigentlich steht, sind Spieler Marke Auslaufmodell ungeeignet und kontraproduktiv.

Daher täte Reschke gut daran, sich zunächst einmal auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich mit Taten und nicht Visionen Anerkennung erwerben. Denn, Alt-Kanzler Helmut Schmidt sagte es einst, „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Unsere erst kürzlich eingeweihte neue Fahne! :-(

Den Nagel auf den Kopf getroffen!

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26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

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1. Mai 2017

Warum ich (Stand jetzt) nicht pro Ausgliederung stimmen kann

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:02

Meinen Unmut darüber, dass der VfB die geplante Ausgliederung just wieder auf die Tagesordnung setzte, zu einer Zeit, in der eigentlich alles der Konzentration auf den Aufstieg in die Bundesliga untergeordnet werden sollte, habe ich bereits beschrieben.

Ebenso darüber, dass ein Termin unter der Woche um 18.30 Uhr einen Affront gegen die vielen, vielen auswärtigen Mitglieder darstellt, die entweder Urlaub nehmen müssen oder aber an dieser zukunftsweisenden Entscheidung nicht mitwirken können.

Wenn sich der Präsident dann hinstellt, einem Mitglied müsse der VfB so wichtig sein, sich „EINMAL“ für den VfB frei zu nehmen, soll er mal den Spielplan Revue passieren lassen, und zusammenzählen, wie oft der VfB Freitags, Montags oder eine englische Woche gespielt hat und sich bewusst machen, dass es gerade die bei der MV ausgegrenzten auswärtigen Mitglieder sind, die am meisten Urlaub opfern mussten und für die schon jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel darstellt. Eine ganz unglückliche und unbedachte Äußerung unseres Präsidenten!

Als Rechtfertigung, dass dieser Termin genauso alternativlos wie wohl die Ausgliederung sein soll, dient, man wolle die Entscheidung direkt nach dem Ende der Relegationsspiele zur Abstimmung bringen, wenn man endgültig weiß, in welcher Liga der VfB in der nächsten Saison spielt. Zudem solle die außerordentliche Mitgliederversammlung bzw. die Abstimmung über die Ausgliederung noch vor den Pfingstferien durchgepeitscht werden. Dieses Fass wurde mitten in einer sportliche Krise aufgemacht und spaltet die Fangemeinde seither zunehmend.

Auf der einen Seite stehen diejenigen mit den Dollarzeichen in den Augen, die den VfB mit dem 41,5 Millionen-Scheck vom Daimler von jetzt auf gleich in höheren Sphären sehen und dem VfB abnehmen, dass wir ohne die Finanzspritze von Investoren auf Dauer neudeutsch nur noch ein „Opfer“ sein würden, auf der anderen stehen diejenigen, die kritisch hinterfragen, ob denn diese zunächst nur gesicherten 41,5 Millionen Euro tatsächlich den Erfolg garantieren, wie uns die derzeit über uns hinweg rollende Propagandamaschinerie vom VfB Glauben machen will.

Ich bin sehr skeptisch, was das angeht. Man braucht nur die derzeitige Bundesliga-Tabelle anschauen und erkennt, dass allein Millionen-Spritzen keine Tore schießen, Leverkusen, Wolfsburg und der HSV lassen grüßen.

Mehr als auf die Höhe etwaiger Einlagen kommt es im Fußballgeschäft darauf an, wie man mit dem Geld umgeht, ob nachhaltig investiert wird oder ob man in der Hoffnung auf schnellen Erfolg sich eine teure Mannschaft zusammenkauft und das Wohl und Wehe des Vereins in deren Händen liegt. Eine Finanzspritze oder wie es der VfB betitelt, Anschubfinanzierung, verbessert zweifellos die Voraussetzungen, im Oberhaus auf Anhieb wieder Fuß zu fassen, birgt aber auch das Risiko diese Chance zu einem sehr hohen Preis ein für allemal zu verspielen, weil es sich um Einmalzahlungen handelt.

Seit dem Abstieg hat der VfB viel richtig gemacht. Er hat durch erhebliche Transfererlöse die Verluste, die durch den Abstieg zu erwarten waren, kompensieren können und mit Jan Schindelmeiser auf dem Sportdirektor-Posten einen Glücksgriff getan. Auch Präsident Dietrich, von der Ausgliederungsthematik einmal abgesehen, hat mich bislang positiv überrascht. Durch die Euphorie im Umfeld, einem neuen Zuschauerrekord für die 2. Liga und steigender Mitgliederzahl käme der VfB im Fall des sofortigen Wiederaufstiegs mit einem blauen Auge davon.

Schindelmeiser hat bisher kluge Transfers getätigt und mit Hannes Wolf auf dem Cheftrainer-Posten eine sensationelle Lösung präsentiert. Dennoch ist Schindelmeiser erst ein Dreivierteljahr im Amt, Dietrich ein halbes, so dass ich nach Jahren des Missmanagements mit vorschnellem Beurteilen ihrer Arbeit vorsichtig bin. Noch immer schwebt der Aufsichtsrat in fast unveränderter Konstellation über allem, so dass ich mich schwer tue, den Vertrauensvorschuss zu leisten, der mit einer Stimme für die Ausgliederung von den Mitgliedern eingefordert wird.

Vertrauensbildend ist es nach meinem Empfinden schon gleich gar nicht, wenn von Vereinsseite die Skeptiker und Kritiker der Ausgliederung zu möglichen Totengräbern des VfB erklärt werden. Allein die Webseite http://www.ja-zum-erfolg.info/ mit dem Abschmettern von Bedenken als „Fakes“, dazu das Erklär-Bär-Video im „Sendung mit der Maus-Style“ empfinde ich als Respektlosigkeit den (wahlberechtigten erwachsenen) Mitgliedern gegenüber und als Indiz dafür, für wie minderbemittelt das VfB-Mitglied gehalten wird. Wie man die Mitglieder einschätzt, erfährt man dann noch durch den Hinweis auf der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, die bekanntermaßen im Neckarstadion und damit im Freien stattfinden wird, dass man auf „der Witterung angemessene Kleidung“ achten solle.

In puncto Offenheit den Mitgliedern gegenüber kann sich der Verein ein Beispiel am 1. FSV Mainz 05 nehmen, der vor der gleichen Entscheidung steht und seine Mitglieder umfassend mittels eines vom Verein in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens über die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen einer Ausgliederung informiert (nachzulesen unter https://dervfbblog.files.wordpress.com/2017/04/gutachten_zur_ausgliederung_der_lizenzspielerabteilung-1.pdf).

Dass eine Ausgliederung durchaus Vorteile haben kann und möglicherweise früher oder später auf Druck des jeweiligen Vereinsregisters erfolgen muss, liegt auf der Hand. Mit einem gemeinnützigen Verein hat ein Millionen-Unternehmen, wie es der VfB ist, schon lang nichts mehr zu tun.

Es gäbe aber ja noch andere Gesellschaftsformen, die man wählen könnte, ohne Anteile des Vereins zu veräußern und sich damit, wenn auch indirekt, in die Hände eines Investors zu begeben. Die Auswahl zwischen mehreren Varianten, wie z. B. der KGaA, bei der Investoren einsteigen könnten, ohne dass mein Stimmrecht (bzgl. der Lizenzspielerabteilung) aufgeben würde, wäre meiner Ansicht nach fairer gewesen. Dafür hätte es Zeit benötigt, die man den Mitgliedern jetzt nicht einräumt.

Alternativen werden den Mitgliedern nicht aufgezeigt, es heißt lediglich „friss oder stirb“. Genauso hinterfragenswert ist es, ob man nur mit der Daimler AG oder auch noch mit anderen potentiellen Investoren gesprochen hat und was diese für einen Einstieg beim VfB bereit gewesen wären zu zahlen. Den Mitgliedern bleibt nichts anders übrig, dem Verein zu glauben (oder auch nicht) und das, obwohl doch Vertrauen in den letzten Jahren ein absolutes Fremdwort auf dem Wasen war.

Wie kommt es plötzlich, dass der VfB auf einen Wert von 350 Millionen Euro taxiert wird, wenn vor einem Jahr noch von etwa der Hälfte die Rede war. Handelt es sich hier gar um eine Scheinmarke, die den den Mitgliedern genannt wird, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass 75% der Stimmberechtigten für die Ausgliederung stimmen? Hofft man, dass diese beträchtliche Summe, aus der die 41,5 Millionen Euro (11,75%), die der Daimler an Anteilen erwerben möchte, hervorgehen, die Sinne der Mitglieder vernebelt? Etwas mehr Transparenz bei der Ermittlung des Unternehmenswerts wäre hilfreich gewesen.

Für den Daimler ist die Summe, die er investiert, zunächst einmal irrelevant, da sich diese Einlage bilanziell nicht auswirkt und er somit auch vor seinen Aktionären und Mitarbeitern keine Rechenschaft darüber ablegen muss. Für ihn stellt es eine Beteiligung dar und beeinträchtigt lediglich seine Liquidität. Somit hält sich sein Risiko in engen Grenzen, zumal er ja wieder aussteigen könnte, sollte sich der VfB einmal im Sinkflug befinden.

Sollte die Höhe der Einlage vom Daimler tatsächlich zu hoch angesetzt sein, könnte es dem Verein zudem schwer fallen, weitere Investoren zu denselben Konditionen zu finden, um am Ende des Tages die gewünschten 24,9% der Anteile verkauft zu bekommen. Wer dann zusätzlich noch mit ins Boot genommen wird, darüber haben die Mitglieder dann allerdings kein Stimmrecht mehr, sollte die Ausgliederung durchgehen. Dies läge dann in der Entscheidungsbefugnis der AG, womit die Mitglieder in dieser Hinsicht mit ihrem Kreuzchen Stand jetzt die Katze im Sack kaufen würden.

Eine weitere Frage, die mir unter den Nägeln brennt und die mir bislang keiner zu meiner Befriedigung erklären konnte, ist die, was passiert, wenn der Daimler aus welchen Gründen auch immer keine Lust mehr hat, den VfB zu unterstützen und seine Anteile weiter veräußern möchte?

Der VfB betont zwar immer wieder, dass es vertraglich geregelt werde, dass kein Investor seine Anteile ohne Zustimmung vom VfB weiter verkaufen dürfe und dass der VfB ein Rückkaufrecht auf die Anteile habe. In der Praxis erscheint es mir schwierig, kurz mal 41,5 Millionen (plus/ minus Wertanstieg bzw. -verfall) auf den Tisch des Hauses zu legen, um dadurch den Einstieg bspw. eines chinesischen Investors zu verhindern.

In diesem Zusammenhang stößt mir auch die Aussage, das vom Daimler erhaltene Geld würde ins Eigenkapital fließen, sauer auf. Buchhalterisch ist es wohl tatsächlich so, aber doch nicht in der Realität, wenn jederzeit damit gerechnet werden muss, dass die entsprechende Einlage der AG theoretisch wieder entzogen werden kann. Ich gebe zu, ich bin kein Finanzexperte, da der VfB es aber nicht für nötig hält, Bedenken stichhaltig auszuräumen, macht man sich als Laie eben seine eigenen Gedanken.

Würden die Gelder regelmäßig fließen, stiege die Erfolgswahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren sprunghaft an. Da es sich aber um eine einmalige Einlage von 41,5 Millionen Euro handelt, wird uns diese Summe vermutlich nicht so weit voran bringen, wie es sich viele erhoffen. Der Daimler hat zwar, wenn man der Propaganda-Seite vom VfB glauben darf, ein höheres Sponsoring-Engagement zugesagt, solang aber keine Zahlen auf dem Tisch liegen und man sich als Mitglied kein Bild davon machen kann, ist auch dieses Versprechen eher unter der Kategorie „Katze im Sack“ einzuordnen.

Damit stehen weiter die 41,5 Millionen Euro als Fixum (und das auch nur im Fall des Aufstiegs), der Rest, der im Raum steht, ist theoretischer Natur, so dass man das glauben kann oder eben auch nicht.

41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball nicht mehr die Welt und helfen dem VfB höchstens kurzfristig weiter. Ein Teil der Summe soll sofort in den Profikader fließen, ein weiterer in den Nachwuchsbereich und schließlich soll davon auch noch die marode Infrastruktur auf Vordermann gebracht werden.

Wer davon träumt, dass sich mit diesen Mitteln kurz- und mittelfristig Vereine wie Hoffenheim und Leipzig, die uns in den letzten Jahren enteilt sind, wieder einholen lassen, ist ein Phantast.

Diese 41,5 Millionen hätten sich durch gute Arbeit im Kerngeschäft in den letzten Jahren auch aus dem Spielbetrieb heraus erwirtschaften lassen. Ich möchte gar nicht so weit zurück gehen und noch einmal daran erinnern, wie schnell die 35 Millionen Euro, die man beim Verkauf von Mario Gomez eingenommen hat, versickert sind.

Aus der jüngeren Vergangenheit ist das Beispiel Joshua Kimmich zu nennen und das Vergraulen unserer Ikonen im Jugendbereich Albeck und Schrof. Besäßen wir heute noch die Transferrechte an Kimmich, würden wir diese Summe durch einen einzigen Verkauf einnehmen, ohne dafür auch noch unsere Mitgliederrechte verschachern zu müssen.

Seit Schindelmeiser beim VfB ist, wurde im Nachwuchsbereich bereits an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht, der Einstieg von Porsche als Hauptsponsor des Nachwuchsleistungszentrums sowie das Stellen des Nachwuchsbereichs auf eigene finanzielle Beine ist ein weiterer wichtiger Schritt. An dieser Stelle müssen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt werden, wenn die richtige Leute am richtigen Ort sind und nicht nach Kumpanei eingestellt oder entlassen werden, wie es in der Ära Bobic gang und gäbe war. Dann lassen sich schon bald und auch ohne Ausgliederung erste Früchte in Form von erstklassigen Bundesligaspielern ernten.

Die 41,5 Millionen Euro vom Daimler erscheinen noch mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich vor Augen führt, wie sich die Fernsehgelder ab der kommenden Saison entwickeln werden. Der durchschnittliche Bundesligist erhält demnach gut 47 Millionen Euro jährlich und damit etwa zehn Millionen Euro mehr als der FC Bayern in dieser Saison oder fast doppelt soviel wie der VfB in der Vorsaison als Bundesligist.

Dadurch wird insgesamt mehr Geld in den Kreislauf fließen, von dem alle Vereine profitieren (die Top Ten logischerweise noch mehr als die Anderen), so dass es mir äußerst unrealistisch erscheint, dass der VfB, wie er in seinem „Sendung mit der Maus Video“ propagiert, schon bald wieder die Lücke nach oben schließen und die Plätze 2-5 anvisieren können wird.

Es wird ebenso die Hoffnung geschürt, dass der VfB nach einer Ausgliederung wieder selbst bestimmen kann, welcher Spieler bleibt und welcher geht. Auch das erscheint mir eine gewagte These zu sein, denn, Profifußballer gehen ausnahmslos dort hin, wo es das meiste Geld zu „verdienen“ gibt.

Ich bin froh, dass der VfB den Gehälterirrsinn nur bedingt mitgeht und unser Top-Verdiener derzeit „nur“ ca. 2 bis 2,5 Millionen jährlich in den Allerwertesten geschoben bekommt. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass man einen Verein wie Hoffenheim beim Wettbieten um einen Spieler aussticht und somit ein Gehaltsniveau im doppelt oder dreifach so hohen Bereich aufbaut.

Geht man diese Entwicklung mit, läuft man schnell Gefahr, den Schritt zurück in die Heldtsche Ära zu machen, als man Gehälter auf Championsleague-Niveau zu bezahlen hatte und die entsprechenden Einnahmen plötzlich fehlten. Da kann ich mich eher noch mit der Philosophie eines SC Freiburg anfreunden, der sich als Ausbildungsverein sieht und für den es Teil seiner Philosophie ist, Transfererlöse zu generieren und sich dadurch sein Überleben zu sichern.

Bei der Selbstbeweihräucherung seitens des VfB erkenne ich noch kein nachhaltiges Konzept, wie es weiter gehen soll, wenn die einmaligen Einnahmen, die aus der Ausgliederung generiert wurden, ausgegeben oder auch versickert sind.

Beim Daimler bin ich mir zudem nicht sicher, mit welcher Ernsthaftigkeit er sein Sponsoring beim VfB betreibt oder ob er weiterhin gerade nur das Mindestmaß dessen für den VfB tut, was nötig ist, um den Einstieg eines oder mehrerer Konkurrenten zu verhindern.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren, dass der Daimler gemäß seines Leitspruchs „Das Beste oder nichts“ hauptsächlich Spitzensport fördert. Sei es im Motorsport, wo für ihn bereits der zweite Platz eine Niederlage darstellt, bei der deutschen Fußballnationalmannschaft oder auch im Spitzen-Tennis gibt der Konzern ein Vielfaches dessen aus, was ihm der Nachbar VfB wert ist.

Schon beim „Verkauf“ der Namensrechte am Neckarstadion, hat man dem Vernehmen nach die Stadt gehörig über den Tisch gezogen (10 Millionen Mark einmalig!), auch den Namen Mercedes-Benz Arena bekam man nach dem letzten Stadionumbau Presseberichten zufolge zum Schnäppchenpreis.

Dem Daimler stünde es ja frei, den VfB als Hauptsponsor nach Kräften zu unterstützen wenn er denn schon seit Jahren als Gegenleistung einen Aufsichtsratsposten für sich beansprucht und maßgeblich über die Geschicke des VfB mitbestimmt und demzufolge am Absturz in den letzten Jahren nicht ganz unbeteiligt ist.

So lang der Verein und Daimler klüngeln und nicht mit offenen Karten gespielt wird, so lang Kritiker als Ewiggestrige abgetan werden, fällt es mir schwer, für die Ausgliederung zu stimmen und mein Stimmrecht, was die künftige AG betrifft, aufzugeben.

Auch wenn der Verein weismachen möchte, die Stimme der Mitglieder bleibe entscheidend heißt es in dem oben erwähnten Gutachten „Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

Ich bin gewiss weder Ultra, noch einer, der sich der Moderne verschließt. Als Mitglied möchte ich aber ernst genommen und umfassend informiert werden und nicht die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen, wie es derzeit geschieht.

Ich hoffe, dass bis zum 01.06. noch Fakten auf den Tisch kommen und nicht nur Vorhaben verkündet werden, über deren Eintrittswahrscheinlichkeit nur spekuliert werden kann. Für die Katze im Sack werde ich sicherlich nicht stimmen.

Sollte es tatsächlich so schlecht um den VfB bestellt sein und der Laden im Fall einer Ablehnung der Ausgliederungspläne mutmaßlich zugemacht werden müssen, möge man auch dies offenlegen, weshalb das so sein soll. Sonst ist das für mich nur Panikmache und unseriöse Stimmenfängerei.

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