16. Mai 2018

Phänomenal – Europapokal!

Noch ist es nicht ganz so weit, erst müssen die Bayern nächsten Samstag den DFB-Pokal gewinnen, doch, dass sich die Bayern binnen Wochenfrist ein zweites Mal in die Suppe spucken lassen, das kann ich mir beim besten Unwillen nicht vorstellen. Der Meister wird alles daran setzen, seinen großen Trainer Jupp Heynckes mit dem Double in den Ruhestand zu verabschieden, so dass wir, da bin ich mir sicher, nach dem Finale die Korken knallen lassen können.

Hatte ich vor vier Wochen noch harsch die Einstellung, die zurückgekehrte Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit moniert, darf ich mich nach vier Siegen zum Saisonabschluss sehr gerne revidieren. DAS hätte ich der Truppe und Tayfun Korkut wahrlich nicht zugetraut. Ein jeder, der es mit dem VfB hält, war sich sicher, dass wir bis drei Spieltage vor Schluss die 40 Punkte für den Klassenerhalt auf der Habenseite haben müssen, weil in Leverkusen, gegen Hoffenheim und in München wenig bis nichts zu ernten sein würde.

Doch dann gewinnt man geschwind mal gegen Bayer und Hoffenheim bei circa 4 zu 50 Torschüssen und legt eine fast unheimlich erscheinende Effizienz an den Tag. Diese Siege gegen zwei Championsleague-Anwärter allein waren schon sensationell.

Vor allem der erste Sieg in Leverkusen seit 2002, wenngleich er glücklich war, kam für mich richtig unerwartet, so dass ich seither in Sachen VfB auf Wolke sieben schwebe. Ein Spiegelbild der Rückrunde war dann der nicht minder unerwartete Auftritt gegen Hoffenheim. Wieder war es ein Spiel, das man eigentlich nicht gewinnen kann.

Hoffenheim schoss vier Mal so oft aufs Tor wie der VfB und zeigte die deutlich reifere Spielanlage. Der VfB aber setzte erneut eine kämpferisch überragende Vorstellung dagegen und warf sich mit allem, was er hatte, in die Hoffenheimer Schüsse. Selbst als man die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestritt, gab man nicht klein bei. Im Gegenteil, Mario Gomez nutzte unsere einzige Torchance im zweiten Durchgang zum vorentscheidenden 2:0 und zog den Hoffenheimern dadurch endgültig den Zahn.

Tayfun Korkut, der Gustav Gans der Bundesliga, hat das Glück, das man braucht, auf den Wasen zurückgebracht. Seine Bilanz jedoch darauf zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Er hat an den richtigen Stellschrauben angesetzt, überfordert die Spieler nicht und lässt sie das spielen, was sie können.

Bestes Beispiel, der Kapitän Christian Gentner, der jahrelang eher Hemmschuh in der Schaltzentrale war, denn der handlungsschnelle, zweikampfstarke Stratege, den es in der Mittelzentrale braucht.

11Freunde hat Gentes Rolle treffend analysiert, in dem die Onlineausgabe des Sportmagazins feststellte „Vor allem kann Korkut nicht hoch genug angerechnet werden, dass er Christian Gentner nicht wie seine Vorgänger im zentralen Mittelfeld aufstellt, sondern auf dem rechten Flügel. Hier kommen Gentners Kampfgeist und seine Dynamik zum Tragen, seine fehlenden Spielgestalter-Fähigkeiten fallen wiederum nicht so stark ins Gewicht. So hat Korkut Leistungen aus Gentner herausgekitzelt, die man vor der Rückrunde kaum für möglich gehalten hat.“

Einige weitere Spieler, wie zum Beispiel Dennis Aogo oder auch Daniel Ginczek machten unter Korkut zuletzt einen Leistungssprung, so dass der positive Trend mehr auf akribische Analysen der Spiele und der Fähigkeiten der Spieler zurückzuführen ist, als auf pures Glück. Dieses kam dazu und man hat es sich wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet.

Bis zum auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, wurde Korkut zum Vorwurf gemacht, immer an denselben Aufstellungen festzuhalten und deshalb zu leicht ausrechenbar zu sein. Die Ergebnisse gaben ihm Recht, das Zauberwort hieß „Stabilität“. Für den Klassenerhalt schien jedes Mittel recht, Vertrauen zu den Alternativen auf Bank und Tribüne schien nicht vorhanden zu sein.

In Zeiten des sportlichen Aufschwungs fehlen den Kritikern über die Art und Weise natürlich die Argumente, trotzdem war mir Wolfs Devise, keiner dürfe sich zu keinem Zeitpunkt ausruhen und müsse sich in jedem Training neu anbieten und zeigen, sympathischer. Doch, Sympathie gewinnt keine Spiele, letztlich zählen die Ergebnisse, und diese sprechen eine deutliche Sprache – für Korkut, gegen Wolf.

Letztlich kommt es im Fußball eben doch auf die Leistungen auf dem Platz und nicht im Training an, solang die Reservisten bei Laune bleiben und nicht resignieren. Korkuts Herangehensweise mit dem Setzen auf Stabilität und Eingespieltheit fruchtete besser als die von Wolf, der seine Trainingsweltmeister mit Einsätzen belohnte, die Mannschaft dadurch aber zu oft durcheinander wirbelte.

Nach den Heim-Unentschieden gegen den HSV und Hannover 96 sowie der deutlichen und einzigen Niederlage unter Korkut in Dortmund, brodelte es dann aber doch im Umfeld. Auch fast alle Blogger, mich eingeschlossen, monierten, dass Spieler wie Anastasios Donis auf der Bank versauerten, während immer die gleichen Akteure, vor allem im Offensivbereich, ihren Stiefel herunterspielen durften.

Just im Spiel darauf gegen Werder Bremen sprang Tayfun Korkut über seinen Schatten und verhalf Donis erstmals seit seinem Debüt in Wolfsburg wieder zu einem Einsatz. Donis kam von der Bank und sorgte mit dafür, dass man nicht erneut, wie noch gegen Hannover 96 vor Wochenfrist, um den Ausgleich bettelte, sondern weiter nach vorne Akzente setzte. Die Folge, Joker Donis legte in der Nachspielzeit mustergültig für Joker Özcan auf, und sicherte damit nicht nur den Heimsieg sondern auch den vorzeitigen Klassenerhalt.

Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, der eine oder andere VfBler, ob Trainer oder Spieler, verfolge die Stimme(n) der Fans im Netz und ziehe an der einen oder anderen Stelle auch seine Rückschlüsse. Dies wäre aus meiner Sicht nicht einmal verwerflich und als Schwäche auszulegen, sondern zeugt von Interesse und dem Blick über den eigenen Tellerrand. Sven Ulreich war so ein Kandidat, der schaute immer verstohlen weg, wenn er mich sah, gehörte ich bekanntermaßen nicht zu seinen allergrößten Fans.

Eines meiner Credos über die Bundesliga der Gegenwart lautet, spielt man nicht gegen den Abstieg, spielt man um Europa. Dies bewahrheitete sich in dieser Saison einmal mehr. Kaum war der Klassenerhalt unter Dach und Fach, gewinnt sensationell in Leverkusen und schon war sie da, die Diskussion darüber, ob der VfB reif für Europa sei oder eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb nicht zu früh käme. Ich kann mit dieser Diskussion und einer Denke, es wäre besser gewesen, die letzten Spiele in den Sand zu setzen, überhaupt nichts anfangen. Schon der zahlenden Kundschaft, ähm Anhängerschaft, gegenüber wäre es eine Frechheit, nicht das Letzte aus sich herauszuholen. Zudem stehen auf dem Platz Leistungssportler, die aus der Natur der Sache heraus lieber gewinnen als verlieren (sollten).

Somit verbietet sich die Frage, ob Europa zu früh kommt, von selbst. Der VfB war, und ist es immer noch, nicht nur von den eigenen sondern auch den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig und wenn am Ende dann ein Platz steht, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt, kommt diese nicht zu früh sondern zurecht.

Fünf Jahre nach der sensationellen Tour nach Rijeka im 9er-Busle lechze ich förmlich nach weiteren internationalen Erlebnissen und neuen Grounds, was eine schöne Abwechslung zum mitunter tristen und sich ständig wiederholendem Einheitsbrei Bundesliga ist. Unter den Allesfahrern sind wir uns einig, da habe ich bislang keinen einzigen getroffen, der nicht auf Europa gehofft hätte, wenngleich eine Qualifikation selbstredend keiner erwartet hat.

Die Mannschaft, wenn sie denn einigermaßen zusammengehalten werden kann, dürfte den Ansprüchen der Europa League sicher genügen. Beim Umfeld hingegen habe ich so meine Zweifel. Dieses muss seine internationale Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Für mich gibt der VfB ein erbärmliches Bild ab, wenn bei Spielen gegen weniger klangvolle Namen die Untertürkheimer Kurve komplett gesperrt ist und sich im Rest des weiten Runds kaum mehr als 10.000 Zuschauer verlieren. Jeder hat seine Gründe, dass er mal nicht kann. Sei es die weite Anfahrt unter der Woche, seien die zwei oder eine der beiden Anstoßzeiten beruflich nicht machbar, doch, seien wir mal ehrlich, käme der FC Barcelona anstatt der aserbaidschanische Meister zur selben Zeit, das Stadion wäre voll! Da wäre es wirklich wünschenswert, dass diese „Fans“ künftig wegen dem VfB und nicht wegen des Gegners ins Neckarstadion kämen und somit auch unattraktivere Spiele zu Fußballfesten machen.

Der VfB ist mit dem Dauerkartenverkauf für mich zu früh hervor geprescht und hat leider nicht das so rühmliche Saisonende abgewartet. Dann nämlich hätte man die Europaleague-Spiele, etwa bis zum Ende der Gruppenphase, gegen Aufpreis in die Dauerkarten integrieren und ähnlich des „Follow-my-team-Systems“ bei Welt- und Europameisterschaften bei nicht erfolgter Qualifikation Beträge zurückerstatten können. Im schlimmsten Fall hätte man einen Verwaltungsaufwand, der sich im EDV-Zeitalter jedoch in Grenzen hielte, im besten bei jedem Spiel, zumindest auf dem Papier, mindestens 30.000 Zuschauer.

Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim war der Europacupzug dennoch für mich abgefahren, weil die Konkurrenz am 33. Spieltag nicht mitspielte. Am letzten Spieltag musste nicht „nur“ Frankfurt auf Schalke verlieren, sondern auch der VfB in München gewinnen, um wider Erwarten doch noch in die Europaleague einzuziehen. Dass dieses Unterfangen schier unmöglich sein würde, untermauert die Statistik, hat der VfB in 49 Bundesliga-Begegnungen bei den Bayern doch gerade einmal fünf Siege eingefahren.

Ich kenne viele, selbst unter Allesfahrern, die sich das Spiel in München nicht mehr antun. Diese Auswärtstour erfordert ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Nehmerqualität.

Entlang der A8 zwischen Stuttgart und München befindet sich wohl kein Rast- oder Parkplatz, auf dem es rund um den einstigen Südgipfel nicht schon ordentlich gescheppert hätte. Die Bayern-Karawane beginnt ja nicht erst weit hinter Ulm, selbst aus hiesigen Regionen rücken Fanbusse an, so dass Begegnungen schon zwangsläufig stattfinden. Man muss sich ein dickes Fell angeeignet haben, um die Provokationen und das Miasanmia-Gehabe versuchen zu ignorieren, erstrecht, wenn die vermeintlichen Bayern auch noch schwäbisch schwätzen.

Im Stadion geht es dann weiter mit den Scharmützeln, man wird als „Gast“ ins oberste Stockwerk verfrachtet und bekommt Lightbier vorgesetzt. Vergnügungssteuerpflichtig sind Besuche im Schlauchboot also eher nicht und, wie wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, setzt es meistens auch noch eine Packung. Daher habe ich vollstes Verständnis für jene, die zuhause geblieben sind oder sich lieber die Amas in Hoffenheim angesehen haben.

Auch ich war lange mit mir am Ringen, ob ich mir dieses Spiel und die Meisterfeier der Bazis wirklich noch antun soll. Erfahrungsgemäß lassen sich die Bayern die Party ja nicht vermiesen und haben uns schon bei ähnlicher Konstellation, selbst mit B- und C-Mannschaften, keine Chance gelassen.

Als der Worst Case, in München abzusteigen, nicht mehr eintreten konnte, ließ ich mich überreden, wenigstens mitzufahren und eine nette Saisonabschlussfahrt zu veranstalten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal, ob ins Stadion rein gehen oder nur auf dem Busparkplatz oldschool Radio hören würde, die Fahrt mit Freunden stand eindeutig im Vordergrund.

Nach der Serie zuletzt wandelte sich dann aber die Stimmungslage und Erwartungshaltung. Schließlich reisten wir als zweitbeste Rückrundenmannschaft und somit mit breiter Brust an.

Hatten wir unmittelbar nach dem Amtsantritt von Korkut in einigen Spielen augenscheinlich jenes Glück, das Hannes Wolf fehlte, konnte es nach dieser Vielzahl von Spielen kaum mehr Zufall sein, dass so gut wie keiner in der Lage war, den Korkut-Code zu knacken. Wäre uns durch die Sperren von Ascacibar und Aogo nicht die zuletzt so stabile und gut auf sich abgestimmte Doppel-Sechs komplett abhanden gegangen, hätte ich uns gar gute Chancen gegeben, auch aus München etwas mitnehmen zu können.

Zu allem Überfluss fiel dann kurzfristig auch noch Mario Gomez aus, der am Vorabend des Spiels Vater geworden war. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Weil Korkut bislang seine Formationen so wenig wechselte bzw. auch wechseln musste und daher viele Spieler ohne Spielpraxis dabei waren, hätte ich direkt vor dem Spiel keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet.

Daher hielten wir uns noch Ewigkeiten am Bus auf und waren nicht erpicht darauf, schnell in die Arena zu gelangen. So kam es, dass ich als Stadionfotograf den Einlauf der Teams und das Intro in den Fankurven zunächst verpasste. Dennoch kam ich gerade noch rechtzeitig, um den Treffer zum 0:1 durch Daniel Ginczek sehen und bejubeln zu können. Da ich vor hatte, sollte das Spiel seinen befürchteten Verlauf nehmen, das Stadion genauso schnell wieder zu verlassen, wie ich es betreten hatte, ersparte ich mir den beschwerlichen Gang in den Oberrang und verweilte die komplette Spieldauer hinweg hinter den Rollstuhlfahrerplätzen auf der Gegengerade.

Nachdem die Bayern relativ früh, wenn auch glücklich, zum Ausgleich kamen, schien das Spiel in die erwartete Richtung zu gehen. Kurz am Sieg schnuppern und dann den A… versohlt bekommen, das kenne ich von unzähligen Begegnungen in München zur Genüge. Die Bayern hatten in der Folgezeit einige gute Chancen, die sie aufgrund eigenen Unvermögens oder wegen eines hervorragend aufgelegten Ron-Robert Zieler nicht nutzten. Normalerweise rächt sich das ja im Fußball, jedoch nicht unbedingt beim in der Liga dominanten FC Bayern.

Zieler ist auch so ein Garant unserer starken Defensivleistungen im Verlaufe dieser Saison. Zwölf Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Seit Jens Lehmann haben wir endlich wieder einen Keeper im Kasten, der uns auch Siege festhält. Mittlerweile sollte es niemanden mehr geben, der noch Mitch Langerak hinterher trauert. Dieser spielt mittlerweile in Japan beim hierzulande völlig unbekannten Club Nagoya Grampus, nachdem er in der Vorrunde in Levante keinen einzigen Liga-Einsatz hatte!

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer stabilen Defensive ist Holger Badstuber. An dessen Seite reiften Pavard zu einem fast schon Weltklasse-Mann und Timo Baumgartl mindestens zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Verteidiger. Ich hoffe sehr, dass man sich mit ihm auf eine Ausweitung seines Engagements verständigt. Eine eventuelle Europaleague-Teilnahme könnte die Chancen dafür erhöhen.

Badstuber war, wie auch Daniel Ginczek, nahezu die gesamte Rückrunde über fit, was die Frage aufwirft, ob Korkut so viel dosierter trainieren lässt als Hannes Wolf oder ob Korkut auch diesbezüglich einfach nur Glück hatte. Normal ist das alles nämlich nicht!

Auch wenn unsere starke und zusammengewachsene Defensivabteilung einmal mehr relativ wenige Hochkaräter zugelassen hat, drückte ein anderer Akteur dem Spiel seinen Stempel auf: Anastasios Donis! Was der Grieche in München ablieferte, dafür gehen mir die Superlative aus. Mit welchem Antritt er die beiden ersten VfB-Tore initiierte, wie er erst Rafinha, dann Süle stehen ließ, Weltklasse. Donis schoss ein Tor selbst und bereitete zwei weitere vor, besser geht es kaum. Ginczek, Donis, Akolo, Ginczek hießen am Ende die Torschützen eines denkwürdigen Spiels. Donis ist mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, Korkut muss sich für die nächste Saison etwas einfallen lassen, ihn in die Stammelf einzubauen.

Korkuts Bilanz liest sich herausragend. Ich war auch nicht begeistert, als er als neuer Chefcoach vorgestellt wurde, jedoch nicht, dass ich etwas gegen ihn persönlich gehabt hätte, es war viel mehr die Enttäuschung darüber, dass Super-Spürnase Reschke mit einer derart unkreativen Lösung aufwartete und ich Korkut eher als Leisetreter eingeschätzt und es ihm nicht zugetraut habe, den damaligen Sauhaufen von Mannschaft auf Kurs zu bekommen.

Das ist das Schöne am Fußball, es geht um Momentaufnahmen und den jetzigen Moment dürfen wir genießen, ohne zur Abbitte verpflichtet zu sein, wie es Reschke schon früh in der Rückserie einforderte. Korkut hat den richtigen Ton beim Team getroffen und es geschafft, die Mannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Durch die ersten ordentlichen Ergebnisse konnte er in Ruhe arbeiten und das Team weiter bringen. Für ihn war es im Nachhinein sicher auch kein Nachteil, mit welchen Vorbehalten er hier bei seinem Amtsantritt konfrontiert war, dazu fällt mir der gute alte Sponti-Spruch „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ ein!

Durch die anfänglichen Erfolge wuchs das Selbstbewusstsein, der Zusammenhalt und beraubte die unzufriedenen Ergänzungsspieler ihrer Argumente. Hinzu kam, dass die Winterneuzugänge zu Volltreffern wurden. Wer hätte es schon Thommy, den ich nicht einmal kannte, zugetraut, unser Offensivspiel derart zu beleben, wer Mario Gomez dass er tatsächlich den so dringend benötigten Qualitätsschub im Vergleich zu Simon Terodde bringen würde. Exemplarisch dafür das zweite Tor gegen Hoffenheim, das eben nur ein Klassespieler so macht, vor allem dann, wenn es sich wirklich um die einzige sich bietende Torchance handelt. Diese Tore hat Terodde in der Vorrunde nicht gemacht, so dass dieser Tausch letztlich goldrichtig war.

Dass die Geschichten des Spiels in München vor allem Spieler schrieben, die auf der Miste von Schindelmeiser und Wolf gewachsen sind, freut mich schon ein wenig. Ob Mangala (92% gewonnene Zweikämpfe), Akolo, Donis oder auch Zieler, alle lieferten eine bärenstarke Vorstellung ab und sind der Beleg dafür, dass Schindelmeiser eben doch nicht nur Schrott eingekauft hat, was einige in Anbetracht der vielen verliehenen Spieler, die noch Schindelmeiser geholt hatte, behaupten.

Nach dieser phänomenalen Rückrunde und vor allem dem Spiel bei den Bayern muss ich meinen Hut vor Tayfun Korkut ziehen. Wurde ihm meist vorgeworfen, unflexibel zu sein und rein auf Stabilität zu setzen, bewies er gegen die Bayern Flexibilität und trat mit einem Matchplan an, der offensichtlich selbst Jupp Heynckes überrascht hat.

Zwar wurde Korkut zu seinem Glück gezwungen, doch er bewies großen Mut, Akolo als Mittelstürmer, Ginczek und Donis auf den Außenbahnen und dazu noch Thommy hinter dieser geballten Offensive zu bringen. Ob Donis’ Sololäufe zum Plan gehörten, ist nicht überliefert. Jedenfalls war es genau das richtige Rezept gegen eine hoch verteidigende Mannschaft mit schnellen Läufen hinter die Linien zu kommen.

Die Tore fielen zudem alle auch noch zum perfekten Zeitpunkt. Ein frühes Tor, um den Bayern zu zeigen, dass man nicht hergefahren ist, reine Staffage der Meisterfeierlichkeiten zu sein, ein Tor zum sprichwörtlich psychologisch günstigen Zeitpunkt vor der Pause, sowie die beiden Treffer kurz nach der Halbzeitpause, in der sich die Bayern sicherlich noch einiges vorgenommen hatten und diese Pläne schnell wieder begraben mussten.

So stand nach 55 Minuten ein unfassbares 1:4 auf der Anzeigetafel! Jedoch nicht für mich, ich konnte zwar den Gästeblock gut fotografieren, sah von meinem Platz aber die Anzeigetafel nicht.

Deshalb ging ich unmittelbar nach dem 1:4 völlig perplex auf die Ordnerin des Eingangs zum nächstgelegenen Block zu und fragte, ob ich kurz rein dürfe, um die Anzeigetafel zu fotografieren, was dann auch geklappt hat.

Ab dem Moment war ich dermaßen geflasht und bin es im Grunde immer noch. Zwar traute ich dem Braten noch immer nicht, doch, die Zeit verrann. In der Zwischenzeit kam ich mit einem Bayern-Fan relativ gut ins Gespräch, was dazu führte, dass die Zeit noch schneller rum ging und ich langsam begann, an die Sensation zu glauben.

Dieser Bayern-Fan outete sich als VfB-Sympathisant und war ziemlich interessiert daran, weshalb es mit Hannes Wolf schief ging und welche jungen Spieler sich in dieser Saison wie entwickelt hatten. Er gönnte uns dann zwar den Sieg, bedauerte aber diesen Heim-Abschluss für Jupp Heynckes. Ich versuchte ihm dann Mut zuzureden, indem ich ihm vor Augen führte, dass sich mit diesem 1:4 der Kreis für Jupp Heynckes endgültig geschlossen hat. War er im Oktober 1991 noch nach einem 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers (!) nach seiner ersten Amtszeit bei den Bayern mit Schimpf und Schande entlassen worden, bekam er nun, fast 27 Jahre später, beim 1:4 gegen den großen Stadtrivalen der Kickers Blumen, Beifall und viel Herzschmerz zum Abschied! Wenn das mal nicht DIE perfekte Pointe seiner Geschichte war! ;-)

Dieser Bayern-Fan, dem es wegen der permanenten Sonneneinstrahlung auf der Gegentribüne zu warm geworden war, lieh mir dann sogar noch für die letzten Minuten seine Dauerkarte, so dass ich zwischenzeitlich fast Höhe Mittellinie gesessen bin und die Schlussminuten dieses denkwürdigen Spiels aus der Nähe miterleben durfte.

Fast vierzig Jahre lang fahre ich zu den meisten unserer Spiele nach München und durfte nun, nach 1994 und 2010, erst den dritten Sieg live miterleben. Diese Zahlen belegen das historische Ausmaß, dass es dem VfB im hundertsten Bundesliga-Aufeinandertreffen zum allerersten Mal gelang, vier Tore in einem Spiel gegen die Bayern zu erzielen, untermauern dies ebenfalls.

Die Bayern hatten sicherlich nicht ihren allerbesten Tag und waren auch nicht mehr mit voller Konzentration bei der Sache. Dennoch gibt es am grandiosen Auftreten des VfB nichts kleinzureden. Der VfB fand gegen die langsam in die Jahre kommende Bayern-Abwehr das richtige Mittel und war vor dem Tor einmal mehr gnadenlos effizient. Dieser Sieg geht so oder so in die Geschichtsbücher ein, für diesen Sieg brauchen wir uns nicht zu entschuldigen.

Danach war kein Halten mehr. Die Bayern-Feierlichkeiten interessierten mich nicht mehr die Bohne. Wie Rumpelstilzchen hüpfte ich aus der Arena und fiel unzähligen Freunden und Bekannten um den Hals. Diesen phänomenalen Tag wird wohl keiner, der dabei war, jemals vergessen.

Der VfB schließt die Saison als Aufsteiger also auf einem hervorragenden siebten Tabellenplatz ab und ihm fehlen am Ende sage und schreibe gerade einmal noch vier Punkte zur Championsleague-Teilnahme. Wo diese vier Punkte liegengeblieben sind, darüber möchte ich jetzt überhaupt nicht anfangen zu schwadronieren, sonst kommt womöglich Trauer darüber auf, dass wir „nur“ Siebter geworden sind. ;-)

Meine Respektbekundung an Tayfun Korkut und dafür, was er kurzfristig aus der Truppe herausgeholt hat, ist oben nachzulesen. Mit dem Abpfiff der Saison zählen diese Meriten allerdings nicht mehr viel. Einen Trainer zu beurteilen geht frühestens, wenn er eine Saisonvorbereitung absolviert und erste Transfers getätigt hat. Noch immer bin ich skeptisch, ob Korkut den Jahreswechsel als VfB-Trainer erleben wird.

Nicht weil ich nach dieser starken Rückrunde an Korkut selbst zweifeln würde, nein, deshalb, weil wir über den VfB und die Charaktere in der Mannschaft sprechen. Die große Kunst von Korkut muss es weiterhin sein, Stimmung und Spannung hochzuhalten und nebenbei Ergebnisse liefern, damit das (schwierige) Umfeld ruhig bleibt. Dass es über weite Strecken der Saison nicht an der Qualität sondern vor allem an der Mentalität fehlte und zuletzt auch der zweite Anzug gut saß, macht Hoffnung auf eine entspannte Sommerpause. Ich gehe optimistisch in diese und würde mich ehrlich freuen, wenn Korkut weiterhin ein solch gutes Händchen haben würde, wie bisher. Mit einer Vertragsverlängerung, die über 2019 hinaus schon anstehen soll, würde ich allerdings erst noch bis nach dem stürmischen Herbst abwarten.

Ähnliches Glück wie Korkut lässt sich in der Rückrunde auch Michael Reschke bescheinigen. Wäre ihm das Experiment Korkut missglückt, wäre er zum Abschuss freigegeben gewesen. Mit den Erfolgen kehrte auch bei ihm eine Souveränität ein, die ich ihm nach seinen „Elefant im Porzellanladen-Auftritten“ im ersten halben Jahr seines Wirkens wahrlich nicht zugetraut habe.

Dass er nun am Montag, gerade einmal zwei Tage nach dem (Saison)finale furioso, zur Pressekonferenz lud und dabei sage und schreibe 7 ½ Personalentscheidungen verkündete, überraschte dann doch gewaltig. Fünf Neuzugänge, die Vertragsverlängerungen Jens Grahls und Emiliano Insúas sowie das Bekenntnis von Mario Gomez zum VfB hatte Reschke zu verkünden.

Chapeau, so früh war beim VfB noch keiner dran und die Namen der Neuen lesen sich interessant, soll es sich doch vor allem bei Sosa und Maffeo um international umworbene Top-Talente und die Zukunft für unsere Außenverteidigerpositionen handeln. Dass die VfB-AG dafür ordentlich Euros locker gemacht hat, geschenkt, wenn sie ihren Vorschusslorbeeren nur annähernd gerecht werden.

Im weiteren Verlauf der Transferperiode wird Reschke sicher auch noch mit dem einen oder anderen gestandenen Spieler aufwarten, abhängig davon, wer den Verein noch verlassen wird. Bislang habe ich bei den Planungen der kommenden Saison ein gutes Gefühl und würde Reschke nach seinem ersten Jahr und dem ungenügenden Beginn schon mal ein „befriedigend“ ins Zeugnis schreiben.

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3. April 2010

VfB siegt mit 2:1 in München: Stuttgarter Sternstunde

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , , , , , – Franky @ 07:41

Der VfB Stuttgart hat erstmals seit 1999 wieder beim FC Bayern gewonnen. Die Mannschaft von Christian Gross bezwang den Rekordmeister am Samstag in der Fußball-Bundesliga mit 2:1 (1:1) und setzte damit eine Ausrufezeichen im Kampf um einen Platz in der Europa League.

Spielverlauf:

Erstmals hatte sich der VfB-Trainer Christian Gross dazu entschlossen, im Sturm Ciprian Marica und Cacau gemeinsam aufzubieten. Pawel Pogrebnjak war zunächst nur Ersatz. Vom Angriff war jedoch erst einmal wenig zu sehen. In einer äußerst zähen Anfangsphase hatten beide Mannschaften große Probleme im Spielaufbau. Der VfB agierte abwartend, den Bayern, bei denen Topstars Arjen Robben und Franck Ribery im ersten Abschnitt nur auf der Bank saßen, fehlte drei Tage nach dem Pokalspiel auf Schalke die Frische und die Inspiration. Trotzdem gingen sie nach einer halben Stunde durch Ivica Olic in Führung. Erst jetzt wurde der VfB etwas mutiger und suchte häufiger den Weg nach vorne. Mit dem etwas glücklichen Ausgleichstreffer durch Christian Träsch wurden die Stuttgarter kurz vor der Pause belohnt. Zu Beginn der zweiten Hälfte kamen bei den Bayern Robben und Ribery – doch es war der VfB, der den besseren Start erwischte. Zunächst scheiterte Timo Gebhart freistehend an Butt (49.). Und nur eine Minute später brachte Marica die Gäste in Führung. Die Bayern rannten in der Folgezeit wütend an, während es der VfB verpasste, bei guten Kontergelegenheiten für die vorzeitige Entscheidung zu sorgen. Mit Glück und Geschick überstanden die Stuttgarter die Schlussoffensive der Hausherren.

Tore:

Die Führung der Bayern entstand über die ansonsten in der ersten Hälfte schwache linke Seite: Danijel Pranjic passte den Ball scharf in die Mitte, wo Ivica Olic den VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier alt aussehen ließ und mit einer Direktabnahme zum 1:0 traf (32.). Den Stuttgarter Ausgleich erzielte Christian Träsch. Aus 20 Metern zog der Mittelfeldspieler ab – abgefälscht von Holger Badstuber und dadurch unhaltbar schlug der Ball hinter Jörg Butt im Bayern-Tor ein (41.). Beim zweiten VfB-Tor kam Cacau im Anschluss an eine Ecke am Strafraumeck an den Ball, seine Flanke köpfte Marica aus kürzester Distanz über die Linie.

Entscheidende Szene:

Träschs Ausgleich kurz vor der Pause, zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt, gab dem VfB das nötige Selbstvertrauen, auch bei den Bayern bestehen zu können.

Kommentar:

Mit dem Sieg in München hat der VfB die Pleite von Barcelona endgültig vergessen gemacht und den eigenen Fans eine seltene Sternstunde beschert. Mit viel Selbstvertrauen können die Stuttgarter nun in die verbleibenden sechs Spiele gehen, in denen sie den erneuten Einzug in den Europapokal schaffen wollen. Die Aussichten darauf haben sich am Samstag deutlich verbessert.

Die Statistik:
Bayern München:

Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento – Müller (82. Demichelis), van Bommel, Schweinsteiger, Pranjic (46. Robben) – Klose, Olic (46. Ribéry)

VfB Stuttgart:

Lehmann – Boulahrouz, Niedermeier, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira (34. Kuzmanovic) – Gebhart (87. Hilbert), Hleb – Cacau, Marica (72. Pogrebnjak)

Schiedsrichter:

Meyer (Burgdorf) -

Zuschauer:

69 000 (ausverkauft)

Tore:

1:0 Olic (32.), 1:1 Träsch (41.), 1:2 Marica (50.).

Gelbe Karten:

van Bommel (8) / Cacau (5)

(STZ 27.3.10)

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28. März 2010

Geiler Auswärtssieg bei den Bazis

Wie bereits angekündigt, trafen wir uns an diesem 27. März 2010 um 10 Uhr in Esslingen-Berkheim zur Auswärtsfahrt nach München mit dem RWS Berkheim. Mit ein paar Minuten Verspätung (auf irgendeinen, der zu spät kommt, muß man ja immer warten…) ging es dann auch los. Von Berkheim aus ist man ja schnell auf der A8 und sollte auch schnell in München sein. Sind ja schließlich nur rund 200 Kilometer. Wir kamen verhältnismäßig gut durch, von dem ein oder anderen kleinen Stau bzw. stockenden Verkehr abgesehen, was aber auf der A8 im Allgemeinen, wenn der VfB in München spielt aber auch im Besonderen völlig normal ist. Hielt sich meine Vorfreude auf das Spiel wenige Stunden davor noch in überschaubaren Grenzen, wuchs sie jetzt, nach dem ersten Snack im Bus, dem ersten Zuprosten mit dem im Bus erhältlichen Wulle-Bier sowie den ersten fachkundigen Gesprächen doch stetig ebenso wie der Optimismus, in der Arroganz-Arena doch etwas holen zu können.

An einem Rasthof kurz vor Augsburg machten wir unsere einzige Rast, die auf etwa 25 Minuten angesetzt wurde. Ich nutzte die Gelegenheit und trank noch einen Kaffee und war erst einmal froh, für einige Minuten an der frischen Luft zu sein. Am Rasthof war nicht zu übersehen, dass der Südschlager anstand. Es hielten einige Busse und Individualreisende dort, von beiden Lagern, was auch sofort die üblichen Frotzeleien nach sich zog. Dort hielt sich auch ein Bauern-Fanclub namens Ebnat-Süd (Bazis von der Ostalb, na super) auf. Als diese wieder abfuhren und uns mit wüsten Gesten aus dem Bus heraus bedachten, winkten welche von uns mit einer derer Fahnen zurück, die sich die Bazis doch tatsächlich aus dem Bus entwenden ließen. Mein erster Gedanke dabei: hoffentlich sind die Bayern auf dem Platz heute auch so schlafmützig. Jedenfalls legte der Busfahrer sofort den Rückwärtsgang ein und es kam zu heftigen Wortgefechten auf dem Rasthofgelände.

Die Bazis fanden die Aktion gar nicht lustig und hinderten uns an der Weiterfahrt, indem sie sich vor dem Bus aufbauten. Einige von denen befanden sich auch schon in einem beängstigenden alkoholisierten Zustand und wurden richtig aggressiv. Andere meinten Ordnungshüter herbei telefonieren zu müssen, die auch prompt eintrafen und sich der Sache annahmen. Schließlich tauchte die Fahne wieder auf und man einigte sich von gegenseitigen Strafanzeigen abzusehen. Wer die Fahne an sich genommen hatte, konnte eh nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden, daher wäre eine Anzeige sowieso im Sande verlaufen, eher wäre der Tatbestand der Nötigung nachzuweisen gewesen, da die Bauern uns an der Weiterfahrt hinderten. Als Retourkutsche stahlen sie uns dann das hintere Nummernschild. Großes Kino am frühen Morgen also, umso mehr wünschte man sich natürlich, die richtige Antwort auf dem Platz geben zu können.

Gegen 14 Uhr erreichten wir dann den Busparkplatz nahe der hässlichen Schüssel Allianz-Arena. Wie man so ein Teil in die Pampa, weit außerhalb der Stadt, bauen kann, hat sich mir noch nicht erschlossen. Für mich ist es so ziemlich das hässlichste und auch stimmungstoteste Stadion in Deutschland. Um so bitterer, dass wir dort bis vor dem Spiel noch nichts gerissen hatten. Am Busparkplatz trafen wir wieder jede Menge Bekannte und warteten auch noch eine Weile auf jemanden, so dass wir dort auch noch gemütlich ein Bierchen tranken.

Die Schlangen vor dem Einlass waren schon beträchtlich um diese Zeit. Erst hatte man das Gefühl, da ginge überhaupt nichts voran, irgendwann war ich aber doch am Drehkreuz, um mein Ticket einzuschieben und hinein zu kommen. Die Durchsuchungsprozedur selbst verlief im normalen Rahmen.

Nachdem wir die vielen Stufen bis zum Oberrang erklommen hatten, warfen wir gegen 15 Uhr einen ersten Blick ins Stadion. Erwartungsgemäß waren vor allem die Bayern-Bereiche noch sehr spärlich gefüllt. Nach dem Treppensteigen hätte ich zwar auch schon wieder Durst gehabt, jedoch werde ich mir im Leben keine Arena-Card zulegen, so dass ich diese Gelüste verdrängte.

Der VfB Fanbereich, es wurden ja sämtliche 6.400 Gästetickets verkauft, war schon gut gefüllt und man machte auch gleich auf sich aufmerksam, in dem erste Lieder angestimmt wurden. Diese sollten sicher auch die Mannschaft, die sich auf unserer Seite warm machte, anstacheln, heute alles zu geben. Ich bin mir vor Derbys manchmal nicht sicher, ob die Mannschaft sich da genau so reinsteigern kann, wie ich mich als Fan. Gerade, wenn man die Pöbeleien mitbekommen hat, wenn einem Kinder aus einenm für sie sicheren Bus heraus den Stinkefinger entgegen strecken, wünscht man sich doch nichts sehnlicher als am Ende zu lachen.

Bei der Präsentation der Mannschaftsaufstellungen war ich sehr überrascht, dass weder Ribery noch Robben in der Anfangsformation standen. Wollte Van Gaal die Aufgabe Stuttgart also mit halber Kraft lösen? Kann es sich ein FC Bayern leisten gegen den VfB Stuttgart, immerhin der zweitbesten Rückrundenmannschaft, seine besten Spieler für das Spiel am Dienstag gegen ManU zu schonen? Eine solche Haltung ist wohl an Arroganz kaum zu überbieten.

Der VfB trat gegenüber dem Hannover-Spiel auf drei Positionen verändert an. Bouhlarouz vertrat den verletzten Celozzi, Christian Träsch, der seine Grippe auskuriert hatte, kam für Zdravko Kuzmanovic ins Spiel und Cacau ersetzte Pogrebnjak als zweiten Stürmer neben Marica.

Auf der Ehrentribüne fanden sich außer den Bayern-Oberen Rummenigge und Hoeneß auch u. a. Paul Breitner, Herr Gomez, umrahmt von einigen Damen sowie auch unser Ex-Präsident MV nebst Gattin ein.

Die Bayern, die die 120-Pokalminuten vom vergangenen Mittwoch gegen Schalke in den Beinen hatten, begannen zunächst forscher als der VfB, ohne jedoch den VfB in Verlegenheit bringen zu können. Der VfB agierte vorsichtiger, stand hinten aber relativ sicher. Die erste Torchance war dann dem VfB vorbehalten. Khedira zwang Butt mit einem beherzten Schuß zu einer Parade. Dies wirkte wie ein Warnschuß für die Bayern, die danach erst durch Klose, dann durch Van Buyten gute Möglichkeiten besaßen. Fast folgerichtig fiel in dieser Phase das 1:0 für die Bayern, als sich Olic gegen Niedermeier durchsetzte und scharf über Lehmann hinweg einnetzte. Scheiße, dachte ich. Wieder einmal ganz nett mitgespielt, aber für uns gibt es einfach in München nichts zu holen. Nicht von ungefähr schaffte der VfB bislang in 42 gemeinsamen Bundesligajahren gerade einmal vier Siege in München, egal ob im Stadion an der Grünwalder Straße, im Olympiastadion oder in der Allianz-Arena. Wenn der VfB kommt und Derbystimmung aufkommt, sind auch die Bayern hochmotiviert und geben sich selten eine Blöße. Der VfB hat dabei oft auch Angst vor der eigenen Courage und stirbt allzu oft in Schönheit. Vielleicht war man in der Vergangenheit mit letzterem auch schon insgeheim zufrieden.

Dies alles kochte in mir nach dem 0:1 aus unserer Sicht hoch. Es ist zwar nicht so, dass man nach einem 0:1-Rückstand den Kopf in den Sand stecken muß, beileibe nicht. Aber andererseits weiß man eben, wie schwer es ist, gegen die Bayern ein Spiel zu drehen und man weiß, dass es die Bayern verstehen, ein Ergebnis zu verwalten. Das spielte natürlich in die Karten der Bayern und der Plan schien aufzugehen, den VfB mal eben so im vorübergehen zu schlagen.

Kurz vor dem 0:1 verletzte sich unser Nationalspieler Sami Khedira nach einem sehr harten Einsteigen des derzeit formschwachen Nationalstürmers Klose. Wie sich hinterher herausstellte erlitt Sami einen Anriss des Kreuz- und Innenbands; er wird uns voraussichtlich 3-4 Wochen fehlen.

Für Sami Khedira kam Zdravko Kuzmanovic ins Spiel, der sofort nach seiner Einwechslung eine Freistoßchance bekam, den Ball aber leider knapp neben den von uns aus gesehen rechten Pfosten setzte. Der VfB kam jetzt, in den letzten 10 Minuten vor der Halbzeit, besser ins Spiel und besaß die besseren Möglichkeiten. Leider verzog Marica den Ball, als er alleine auf Butt zulief. Besser machte es in der 41. Minute Christian Träsch. Cacau erkämpfte sich einen fast schon verloren gegangenen Ball zurück, paßte in die Mitte zu Träschi, der sofort abzog. Abgefälscht von Bastubers Rücken fiel der Ball unhaltbar für Butt, der sich auf dem Weg in die andere Torecke befand, ins Tor. Ein zugegebenermaßen glücklicher, aber auch verdienter Treffer. Der Jubel im Block kannte natürlich keine Grenzen. Sollte die Arroganz der Bayern doch bestraft werden? Verdient hätten sie es!

Mit dem 1:1 ging es dann auch in die Halbzeit. Als Django Asül im Halbzeit-Interview ob des abgefälschten Tores dem VfB den sprichwörtlichen Bayern-Dusel attestierte mußte ich schmunzeln. Dass es ein in der Entstehung glückliches Tor war, darüber gab es wohl kaum zwei Meinungen, hochverdient war der Ausgleich aber auf alle Fälle. In der Halbzeit machten sich dann die bajuwarischen Hoffnungsträger Ribery und Robben intensiv warm, so dass damit zu rechnen war, dass die Bayern mit Beginn der zweiten Halbzeit mindestens einen der beiden bringen würden und jetzt ernst machen würden.

Erwartungsgemäß wurden sogar beide zum Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt, ausgerechnet für die Wegbereiter des 1:0 Pranjic und Olic. Den Bayern-Fans war damit klar, dass jetzt die große Show beginnen würde und man auch im 18. Heimspiel in Folge ohne Niederlage bleiben würde. Apropos Bayern-Fans: die zwei Fanblöcke hinter beiden Toren waren zwar farbenfroh, außer den zu ihrem Standard-Repertoire zwei Liedern brachten sie aber nichts zustande. Und die meist auch erst, wenn der Trompeter den Takt vorgegeben hat. Sonst war Totenstille vorherrschend, von der Gegengerade und der Haupttribüne kam rein gar nichts. Stimmung aus der Südkurve? Lächerlich, was die drauf hatten.

Dagegen war auf VfB-Seite fast 90 Minuten Dauersupport angesagt, der auch im Fernsehen sehr gut rüber kam. Ich konnte mir das Spiel heute noch einmal genüßlich anschauen und mich selbst davon überzeugen.

Ribery und Robben konnte man schon anmerken, dass sie gewillt waren, das Ruder im Handumdrehen herumzureißen. Dies zeigte sich, darin, dass sie schnell den Abschluß suchten, jedoch zunächst sehr harmlos, so z. B. ein Kullerball von Robben, den Lehmann mühelos mit der Kappe hätte aufnehmen können.

Anders der VfB: erst scheiterte Gebhart in der 49. Minute frei vor Butt, aus dem daraus resultierenden Eckball folgte dann das vielumjubelte 1:2. Cacau erkämpfte sich bei einem Getümmel im Münchener Strafraum den Ball, setzte sich zur Grundlinie durch und konnte flanken. Ribery schritt nicht energisch genug ein und gab der Flugbahn des Balles noch eine leichte Richtungsänderung. Sämtliche Bayern-Spieler hoben den Arm, weil sie die Flanke im Toraus gesehen haben wollten, und schalteten ab, so dass Marica am langen Pfosten aus kürzester Distanz nur noch einnicken brauchte. Ob der Ball tatsächlich im Aus war, konnte von keiner Kameraposition eindeutig bewiesen werden. Der Linienrichter hatte hier nicht den richtigen Durchblick, da er nicht auf Höhe der Grundlinie stand. Die Bayern jedenfalls protestierten vehement, doch der Schiri ließ sich natürlich und Gott sei Dank nicht mehr umstimmen. Sei’s drum: die hochdotierten Bayern-Profis sollten eigentlich wissen, dass man erst aufhören sollte zu spielen, wenn der Schiri gepfiffen hat, so ist das Tor aus meiner Sicht eher dem diletantischen Abwehrverhalten der Münchener zuzuschreiben. Dass wir das Spiel gedreht hatten und plötzlich in Führung lagen, konnte ich nicht recht glauben, einfach weil sich gegen diesen Gegner schon zu viele Negativerlebnisse in meinem Gehirn eingebrannt hatten.  Jetzt waren wir natürlich alle aus dem Häuschen und rieben uns weiter verwundert die Augen, was dort unten auf dem Rasen dargeboten wurde.

Die Münchner Flügelzange war zwar stets bemüht, jedoch ohne große Wirkung. Unsere Außenspieler Boulahrouz (steigerte sich enorm in der 2. Halbzeit) und vor allem Molinaro versperrten den Dribbelkünstlern ein ums andere Mal den Weg für schnelle Antritte. Wenn die Bayern versuchten, Pässe in die Tiefe zu spielen, stand unsere Doppelsechs mit Kuzmanovic und Träsch meist goldrichtig.Wir ließen die Bayern kaum zu guten Chancen kommen, so dass sie es mehr und mehr mit Verzweiflungsschüssen probierten, die aber meist das Tor weit verfehlten. Auf der Gegenseite hatte der VfB die besseren Chancen, wobei ich mir gewünscht hätte, dass der ein oder andere Konter sauberer zu Ende gespielt worden wäre. Das hätte dann doch unsere Nerven, die zum zerreißen angespannt waren, etwas geschont.

Chancen für die Bayern blieben Mangelware, wobei man sich bei den Bayern natürlich nie sicher sein kann. In der Schlußphase beorderte Van Gaal dann noch Van Buyten zum Unruhe stiften nach vorne, doch hielt der VfB auch dieser Maßnahme stand. Auch Schiedsrichter Meyer widerstand den ständigen Versuchen der Bayern, Freistöße in aussichtsreicher Position zu schinden. Meyer bot eine recht gute Leistung, hätte aber meiner Ansicht nach mehr Karten für die Bayern verteilen müssen. Nicht nur Kloses Foul gegen Khedira war grenzwertig. Dass Van Bommel erst in der Schlußphase den Karton sah, davor aber ein ums andere Mal rüde foulen durfte, hatte ich nicht verstanden. Vor allem waren auch Situationen dabei, in denen aussichtsreiche Kontersituationen vom VfB mit taktischen Fouls unterbunden wurden, die eigentlich zwingend gelb hätten nach sich ziehen müssen. Cacau, der im Laufe der kommenden Woche erklären wird, ob er das Angebot über eine Vertragsverlängerung beim VfB annehmen wird, sah bereits in der 1. Halbzeit seine fünfte gelbe Karte und fehlt somit im kommenden Spiel gegen Bor. M’Gladbach. Ich würde mir wünschen, dass er zu vernünftigen Konditionen bleibt. Gestern glänzte er zwar nicht als Torschütze, war aber an beiden Toren beteiligt und rackerte vorne wie hinten.

Als die Bayern versuchten, mit Macht auf den Ausgleich zu drängen, war Jens Lehmann unser Turm in der Schlacht. Er wirft sich nach wie vor wie ein Junger ins Getümmel und pflückt Flanken wie Eckbälle scheinbar mühelos weg. Gestern tat es wieder sehr gut einen Jens Lehmann zwischen den Pfosten zu haben. Eine Unsicherheit hatte er, als er eine Flanke unterschätzte, ansonsten ließen lediglich seine Abschläge zu wünschen übrig. Er bot für mich eine starke Leistung. Spieler des Spiels waren für mich aber Christian Träsch und Cristian Molinaro.

Als auch die Schlußoffensive der Bayern zu verpuffen schien und noch 2 Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, rückte der lang ersehnte Sieg in München natürlich greifbar nah. Die VfB-Fans skandierten schon lange u. a.  “Sieg”  und “Ohne Stuttgart wär hier gar nix los”, was auch zutraf. Sehr viele sog. Bayern-Fans befanden sich schon auf dem Nachhauseweg, sie wollten das für sie bittere und für uns so süße Ende gar nicht mehr live mit erleben.

Auch unser Erfolgstrainer Gross schaute schon demonstrativ auf die Uhr und hoffte auf ein baldiges Ende der Partie.

Um 17:20 Uhr schließlich war er perfekt: der erste Sieg in München seit dem September 1999, damals noch im Olympiastadion. Der erste Bundesligasieg in der Allianz-Arena (im Ligapokal gab es ja auch mal einen) und der erste Sieg in diesem Jahrtausend in München. Riesen-Jubel brandete natürlich auf und überall um einen herum nur strahlende Gesichter. Ein Sieg hier in der Höhle des Löwen tut doch besonders gut. Schnell waren nur noch überwiegend VfBler im Stadion geblieben, wo die Mannschaft natürlich zuerst mit einer La Ola gefeiert wurde. Auch der Mannschaft merkte man an, dass sie sich bewußt war, etwas Seltenes geschafft zu haben. Sie feierten ausgelassen und wie kleine Kinder auf dem Rasen. Selbst für einen alten Hasen wie Jens Lehmann war es der allererste Sieg in München gegen die Bayern in seiner langen Karriere. Nachdem die Spieler Richtung Katakomben weiter zogen, wurde im VfB-Block noch eine Umba angestimmt. Da wir noch jemanden treffen wollten und um 18 Uhr schon wieder am Bus sein sollten, machten wir uns langsam auf den Weg nach unten. Dieses Mal kamen einem auch die Stufen nicht mehr beschwerlich vor. Nicht nur, weil es bergab ging, der Sieg machte uns einfach nur happy und so schwebten wir halber hinab.

Unten am Stadion warteten wir dann noch auf Bekannte, nicht ohne wieder reichlich angepöbelt worden zu sein. Wären wir auf Ärger aus gewesen, hier hätten wir ihn bekommen können. Aberdutzende liefen mit provozierenden Gesten oder Gesängen an uns vorbei und hofften, dass wir entsprechend reagieren würden. Ich lächelte sie aber sehr freundlich an und freute mich diebisch, dass wir diesen Assis in die Meisterschaftssuppe gespuckt hatten.

Und dann kamen an uns natürlich auch jede Menge strahlende und einfach nur glückliche Schwaben vorbei. Wildfremde Menschen nahmen sich in den Arm und klatschten sich ab. Wie ein solcher Sieg ein Lächeln in Tausende von Gesichtern zaubern kann, ist schon phänomenal. Auswärtssiegen ist schön, aber natürlich in München umso mehr.

Kurz darauf gingen wir dann in Richtung unseres Busses, wo ich natürlich als erstes ein Siegerbier trank, auf das ich mich schon seit Stunden gefreut hatte. Die Rückfahrt verlief unspektakulär, außer dass wir wieder bei Augsburg am Rasthof unser vermißtes Nummernschild zurück erhielten. Es war auf der gegenüberliegenden Seite aufgefunden worden, unser Busfahrer war darüber bereits vor dem Halt informiert gewesen. So konnte schließlich auch er letztendlich noch zufrieden seine Heimfahrt antreten. Auf dem Rastplatz waren ebenfalls beide Fanlager vertreten, von Zwischenfällen habe ich aber nichts mitbekommen. Von einem dritten Verein trafen wir dort auch noch Anhänger: nämlich vom 1. FC Heidenheim, die vom Spiel in Burghausen, nach einem Auswärtssieg frohgestimmt wie wir, zurück kamen.

Bald darauf , gegen 21.30 Uhr, waren wir dann zurück in Berkheim. Der Tag war natürlich super, wer hätte das gedacht, dass wir in der entscheidenden Phase der Meisterschaft, wo für die Bayern so viel auf dem Spiel steht, dort gewinnen könnten. Ich jedenfalls nicht. So ist plötzlich der Einzug ins internationale Geschäft keine Utopie mehr. Nur noch drei Punkte (und das deutlich schlechtere Torverhältnis) trennen uns vom HSV. Dieser nimmt sich gerade wieder seine traditionelle Schwächephase in der Rückrunde. Sollte der HSV heute in Gladbach verlieren, sind wir auf Tuchfühlung. Dem VfB in der Form der bisher gespielten Rückrunde sind auch bis zum Saisonende noch sechs Siege zuzutrauen. Und dann, ja dann schaun mer mal, wozu es reicht.

Ich wünsche Euch eine schöne Woche und bis bald

Franky

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27. März 2010

VfB Stuttgart gegen Bayern München: Schokoseite gegen Sahneflügel

Christian Gross will nicht viel verraten. Nicht über seine Strategie, nicht über die Vorbereitung und auch nicht über sein Personal. Er habe das Tor des Bayern-Dribblers Arjen Robben halt im Fernsehen gesehen, sagt der Trainer des VfB Stuttgart lapidar. Diesen Überfall von rechts, der in wenigen Sekunden abgelaufen ist und der den Traum des FC Schalke 04 vom Pokalfinale beendet hat.

Gross gilt als Trainer, der ständig Fußball-DVDs studiert, Szenen seziert, nach den Stärken und Schwächen des Gegners fahndet. Und ausgerechnet vor dem Südderby am Samstag (15.30 Uhr) in München hat er Robbens Tor halt nur im Fernsehen gesehen – ohne Analyse? “Robben hat schon andere Tore erzielt”, sagt Gross, “vielleicht ist er sogar in der Form seines Lebens.”

Also doch. Der VfB-Trainer weiß natürlich um die Fähigkeiten des niederländischen Ausnahmekönners, ebenso um dessen Schlüsselrolle in der Bayern-Offensive. Und es ist davon auszugehen, dass sich Gross viele Szenen der Münchner Protagonisten hat zusammenschneiden lassen, um die eigenen Möglichkeiten auszuloten und die richtigen Mittel gegen den Bundesliga-Tabellenführer zu finden. “Es haben sich schon viele Trainer den Kopf darüber zerbrochen, wie Arjen Robben zu stoppen ist”, sagt Gross. Ein Spieler allein könne das nicht schaffen. Deshalb lauten die Schlagworte des Schweizers: “Kompaktheit, Selbstvertrauen, Mut.”

Gibt es den Schlüssel zum Erfolg?

Geschlossenheit gegen einen größeren Gegner – das fordert der Stuttgarter Übungsleiter gerne. Vor der Begegnung mit dem FC Barcelona sprach er fast identische Worte, und im Achtelfinalhinspiel der Champions League demonstrierte die VfB-Elf auch, dass sie die Vorgaben von Gross nahezu perfekt umsetzen kann.

Auf dem Taktikbrett hatte der Cheftrainer den Plan entworfen, dass der Wunderfußballer Lionel Messi nicht nur gedoppelt werden müsse, sondern von drei, notfalls sogar von vier Mann attackiert werden müsse. Zunächst war Cristian Molinaro im Verbund mit Alexander Hleb gefordert, dazu kamen aus dem zentralen Mittelfeld Sami Khedira und/oder Christian Träsch. Das hat funktioniert und schreit gegen den bayerischen Hochgeschwindigkeitsfußballer Robben nach einer Wiederholung.

Denn der Schlüssel zu einem Erfolg gegen das Team von Trainer Louis van Gaal lag zuletzt darin, den Bayern zwar überwiegend den Ball und damit die Spielkontrolle zu überlassen, ihnen aber so gut wie keinen Raum nach vorne zu gewähren. Cesare Prandelli, der Coach des AC Florenz, hat es mit zwei dicht aneinandergeklebten Defensivreihen in München vorgemacht. Daran orientierten sich auf nationaler Grünfläche anschließend Nürnberg (1:1), Köln (1:1) und Frankfurt (2:1) erfolgreich.

Molinaro und Hleb haben sich gefunden

“Gegen die Bayern droht aber nicht nur von einer Seite Gefahr”, sagt Gross. Da gibt es auch noch Franck Ribéry, sofern der französische Spielbeschleuniger fit ist. Denn auch Ribéry kann aus dem Stand und mit dem Ball am Fuß so viel Tempo aufnehmen, dass es für die Gegner (manchmal auch die Mitspieler) zu schnell wird.

Doch bei den Münchnern hat sich seit vergangenem Spätherbst die rechte Außenbahn mit Arjen Robben vorne und dem Verteidiger Philipp Lahm dahinter zum Sahneflügel entwickelt. Da trifft es sich gut, dass die Stuttgarter mit ihrer Schokoladenseite dagegenhalten können: Molinaro und Hleb haben auf eine Art und Weise zusammengefunden, die sie nun ebenfalls zu einem der besten Duos in der Bundesliga macht.

Molinaro, weil er italienisch verteidigt. Taktisch klug. Filigran, wenn möglich. Robust, wenn nötig. Hat der Linksverteidiger dann Teil eins seiner Arbeit verrichtet, sprintet er die Linie entlang, um die feinen Pässchen von Hleb in die Mitte zu befördern. Den Weißrussen selbst hat Gross wieder auf ein Niveau gehievt, dass es ihm körperlich erlaubt, seine Fußballkunst zu zeigen. Was auch Manchester City nicht entgangen ist. Denn Hleb kann Technik und Tempo auf ebenso elegante und effiziente Weise verbinden wie Robben – wenn auch bisher nur als Vorbereiter und nicht als Torschütze.

(STZ online 26.3.10)

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3. Januar 2010

Der VfB Stuttgart im Mai 2009

Mai

2.5.2009

Bielefeld – Stuttgart 2:2: VfB lässt zwei Punkte auf der Alm liegen

Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hat im Kampf um die internationalen Plätze einen Rückschlag hinnehmen müssen. Bei Arminia Bielefeld kam die Mannschaft von Teamchef Markus Babbel nicht über ein 2:2 (2:1) hinaus und konnte damit die Siegesserie von fünf Siegen in Folge nicht fortsetzen.

Zwar zogen die Schwaben zumindest vorerst an Hertha BSC Berlin vorbei, doch können die Berliner, die im Spitzenspiel am Sonntag beim Hamburger SV antreten, ihre Position wieder zurückerkämpfen.

Die abstiegsbedrohten Gastgeber verbesserten sich durch das zweite Unentschieden in Folge zwar auf den 15. Tabellenplatz, warten aber weiterhin auf den ersten Heimsieg seit dem 22. November. Die Tore für die Gastgeber in einer abwechslungsreichen Partie erzielten Christopher Katongo (30.) und der nur wenige Sekunden zuvor eingewechselte Vlad Munteanu durch einen Foulelfmeter (68.). Zuvor hatten Matthieu Delpierre (4.) und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (35.) die Gäste zweimal in Führung gebracht.

Wir waren wir mit unserer Clique vom Bierhexle unterwegs. Deren 9-Sitzer-Busle war aber vermeintlich voll, so dass Anita und ich mit meinem Auto fuhren. An den Raststätten trafen wir uns dann immer wieder. Da ich hinfuhr, konnte ich da allerdings noch nicht mit anst0ßen.

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Schätzungsweise beim zweiten oder dritten Halt kamen wir jedoch darauf, dass das Busle doch nur mit 7 Leuten besetzt war, Ule hatte sich schlichtweg verzählt. :-) . Sonst verlief die Fahrt ohne besondere Vorkommnisse, die Strecke nach Ostwestfalen zieht sich allerdings gewaltig hin.

In Bielefeld gingen wir dann gleich ins Bistro Linie 4, einer Bielefelder Fankneipe, um sich auf das Spiel einzustimmen.

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Danach ging es nach einem kurzen Fußweg ins Stadion. Wir hatten unsere Tickets bei Bielefeld bestellt und saßen daher inmitten lauter Bielefeldern. War aber alles friedlich und ich hatte ein mal mehr eine gute Perspektive zum Fotografieren. Das Spiel begann ja super für uns, denn bereits nach 4 Minuten gingen wir durch Delpierre in Führung. Leider ließ sich der VfB in der Folge etwas den Schneid abkaufen und geriet unter Druck. Nach dem Bielefelder Ausgleich konnte der VfB zwar noch einmal in Führung gehen, mußte sich aber nach einem Elfmeter erstmals seit längerem wieder mit einem Unentschieden begnügen. In diesem Spiel traf Spielkunst auf Abstiegskampf. Der VfB schaffte es nicht, seine Linie beizubehalten und so war der Bielefelder Punktgewinn am Ende verdient. Nachdem wir im Jahr 2009 also bisher nur Siege feierten, als wir auswärts dabei waren, mußten wir erstmals mit einem Punkt zufrieden sein. Nach so vielen positiven Erlebnissen in den letzten Wochen, nahm ich das auch so hin, nach dem Motto “man kann ja nicht jedes Mal gewinnen”. Im Kampf um die Meisterschaft, die ja wieder möglich wurde, war es aber natürlich ein Rückschlag. Nach dem Spiel gingen wir noch für einige Zeit zurück in die Kneipe und fuhren dann schließlich wieder Richtung Heimat zurück. Das nächste Mal sollten wir aber übernachten. Zum einen ist es in der Kneipe ganz nett, zum anderen sind 5 Stunden Rückfahrt nach einem anstrengenden Tag auch kein Pappenstiel.

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5.5. 2009

Beim Oberligisten 1. FC Normannia Gmünd trat der VfB zu einem Testspiel an, das er 3:1 gewann. Torschützen waren Marica und Nico Klotz bei einem Eigentor der Gastgeber.

6.5.2009

Babbel bis 2011:Der VfB regelt seine Zukunft

Der VfB hat die Weichen gestellt: Der Teamchef Markus Babbel und sein Co-Trainer Rainer Widmayer bleiben bis 2011 und werden künftig von Alexander Zorniger assistiert. Reiner Geyer wird Trainer des Drittligateams, Gerhard Zuber wird Scout.

Es war der Tag der Unterschriften im VfB-Clubhaus an der Mercedesstraße. Dabei finden sich neue und alte Namen unter dem von den Vereinsbossen ausgewählten Personal, mit dem der Meister von 2007 auch künftig sportlich auf Kurs bleiben will.

Die Bundesligamannschaft: Elf Siege, vier Unentschieden und eine Niederlage – so lautet die Bilanz des VfB in der Bundesliga, seitdem Markus Babbel nach der 1:4-Niederlage beim VfL Wolfsburg am 22. November 2008 die Verantwortung übernommen hat. Nun macht der VfB in der Woche vor dem Wolfsburg-Heimspiel Nägel mit Köpfen. Was schon längst besprochen war, wird damit offiziell vollzogen: Der Teamchef Babbel, der von Juli an in Köln an der deutschen Sporthochschule seine Fußballlehrerlizenz erwerben wird, und sein Co-Trainer Rainer Widmayer haben ihre Verträge jeweils um zwei Jahre bis 2011 verlängert.

“Markus Babbel und Rainer Widmayer haben maßgeblichen Anteil an unserer Entwicklung”, sagt der Teammanager Horst Heldt, der vor allem Babbels Bezüge deutlich anheben musste. Ergänzt wird der Trainerstab des Erstligateams um Alexander Zorniger, der von der nächsten Saison an als zweiter Assistent arbeiten wird. Zorniger trainiert derzeit den Oberligisten Normannia Gmünd. Gemeinsam mit Markus Babbel hat der 41-Jährige den Lehrgang für die Trainer-A-Lizenz absolviert. Aber auch Horst Heldt ist sich sicher, mit Zorniger “einen absoluten Fachmann” gefunden zu haben, “der das bestehende Trainerteam nach unserer Überzeugung optimal ergänzt”.

Die Drittligamannschaft: Nach fünf Jahren als Trainer der zweiten Mannschaft bricht Rainer Adrion zum Saisonende seine Zelte beim VfB ab, um künftig im Dienste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) das U-21-Nationalteam zu coachen. In die großen Fußstapfen des Stuttgarter Trainer-Urgesteins, das Anfang der achtziger Jahre 22 Bundesligaspiele für den VfB bestritt, tritt Reiner Geyer. Der 45-jährige Franke absolvierte 55 Bundesliga- sowie 80 Zweitligaspiele für Nürnberg, Saarbrücken und Schweinfurt.

Derzeit trainiert Geyer die zweite Mannschaft der SpVgg Greuther Fürth. Mit dem Team liegt der Coach in der Regionalliga Süd aktuell auf dem zehnten Platz. “Bei der Trainersuche haben wir uns die Frage gestellt, bei welchem Verein die Spieler gut ausgebildet werden”, sagt Horst Heldt. Die Wahl fiel dabei auf Reiner Geyer, der in Fürth 16 Spieler an den Profikader übergeben konnte.

Auch in der Region ist Geyer kein Unbekannter, war er doch zu Zweitligazeiten des SSV Reutlingen zunächst Co-Trainer von Armin Veh. Im Dezember 2001 rückte Geyer gar als Chef auf, nachdem Veh in die erste Liga zu Hansa Rostock gewechselt war.

Das Scouting: Mit dem Chefscout Herbert Briem verliert der VfB zum 30. Juni einen weiteren langjährigen Mitarbeiter. Während Briem künftig als Spielerberater tätig sein wird, bleiben Erwin Hadewicz und Christophe Rempp Spielerbeobachter beim VfB. Dritter Scout wird der 33-jährige Sportlehrer Gerhard Zuber, der zuvor beim Österreichischen Fußballverband tätig war. Nun sucht der VfB für seine Scoutingabteilung noch einen vierten Mann, der sich um die Jugend kümmern soll. (STZ online)

9.5.2009

Gomez erzielt schnellstes Saison-Tor: VfB besiegt Tabellenführer

Der überragende Nationalspieler Mario Gomez hat mit seinem ersten Viererpack den Titelträumen des VfL Wolfsburg einen herben Dämpfer versetzt und den VfB Stuttgart wieder zurück ins Titelrennen geschossen. Der 23 Jahre alte Angreifer erzielte beim 4:1 (2:1)-Sieg der Schwaben gegen den Tabellenführer seine Saisontore Nummer 20 bis 23 und brachte den VfB damit bis auf zwei Punkte an Wolfsburg heran. Die Wölfe blieben zwar an der Spitze, müssen aber nun mehr denn je um den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte bangen.

In einem packenden und phasenweise hochklassigen Spitzenspiel zwischen den beiden besten Mannschaften der Bundesliga-Rückrunde brachte Gomez den VfB per Doppelschlag früh in Führung (1. und 20. ). Edin Dzeko verkürzte mit seinem 20. Treffer noch vor der Pause (36.) – doch erneut Gomez machte mit seinem dritten Tor alles klar (63.) und legte in der 77. Minute sogar noch einen drauf. Vor 55.700 Zuschauern in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena legte Stuttgart einen Blitzstart hin. Bereits nach 28 Sekunden fand Rechtsverteidiger Christian Träsch mit einer Flanke aus dem Halbfeld Gomez, der völlig unbedrängt einköpfte.

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13.5.2009

Im Titelrennen: 2:1 auf Schalke – der VfB darf weiter träumen

Auch ohne den verletzten Mario Gomez gewinnen die Stuttgarter, die in dieser Saison noch etwas ganz Großes erreichen können. Durch ein 2:1 (1:1) beim FC Schalke hat der VfB Stuttgart seine Chancen auf den Titelgewinn in der Bundesliga gewahrt. Nun steht an den letzten beiden Spieltagen ein Herzschlagfinale bevor.

Daumen rauf. Knapp 65 Minuten sind gespielt, als Khalid Boulahrouz das Zeichen gibt. Damit will der Verteidiger zwar nur seine Kollegen auf einen Eckball des Gegners einstimmen, aber dieses Signal gilt beim VfB jetzt in jeder Beziehung.

Daumen rauf heißt es nach dem 2:1 beim FC Schalke auch in der Tabelle. Alles ist möglich – sogar die Meisterschaft. Das ursprüngliche Ziel Uefa-Pokal ist praktisch erreicht. So lautet das Fazit am Ende einer aufregenden Partie um 21.49 Uhr.

Der Sieg musste her

Als der Stuttgarter Mannschaftsbus drei Stunden zuvor in die Schalker Arena eingebogen war, war den Insassen schon zweierlei klar – zum einen, dass der überragende Torjäger Mario Gomez nicht eingesetzt werden konnte. Er fiel mit einer Adduktorenverletzung aus. Außerdem musste ein Sieg her, um weiter vom Titel oder zumindest von Platz zwei und der direkten Qualifikation für die Champions League träumen zu können. Weil am Dienstag der VfL Wolfsburg, der FC Bayern und Hertha BSC ihre Spiele gewonnen hatten, stand der VfB also unter Druck. Würde er nachlegen können?

“Wir schauen nur auf uns”, sagte Markus Babbel vor dem Anpfiff. Nach dem Abpfiff sagte der Teamchef dasselbe. Er sagte jedoch auch noch mehr. Etwa, “dass dieser Sieg unheimlich wichtig war”. Jetzt könne man befreit aufspielen und habe vieles selbst in der Hand. Und zum Schluss sagte Babbel dann noch: “Schaun mer mal, was am letzten Spieltag noch möglich ist.” Dann muss der VfB beim FC Bayern antreten. Zuvor geht es am Samstag gegen Cottbus. Babbel hatte 90 Minuten hinter sich, in denen der VfB immer wieder bewies, warum er nach Wolfsburg das zweitbeste Team in der Rückrunde stellt – jedoch nur immer mal wieder und nicht konstant. Aber es reichte. Nach dem Amtsantritt von Babbel lautete die Bilanz bis Mittwoch: zwölf Siege, vier Unentschieden und nur eine Niederlage in Bremen. Nun ist zu der Babbel-Bilanz der 13. Erfolg hinzugekommen – und das ohne Gomez.

Der hatte zuvor nur ein Saisonspiel verpasst – am 6. Dezember, als es für den VfB dennoch zu einem 3:0 in Cottbus reichte. Aber dass die Schalker ein anderes Kaliber sind als Energie, wusste Babbel. Nicht von ungefähr hat der Revierclub in dieser Runde bis jetzt die wenigsten Gegentore aller 18 Bundesligisten kassiert. Vor der Partie waren es 30, das 31. folgte in der 16. Minute.

Alle haben sich dem Teamgeist verschrieben

Nachdem zuvor Kobiaschwili die erste Schalker Möglichkeit vergeben hatte, machte es Cacau im Gegenzug besser. Der Stürmer profitierte von einem Krstajic-Fehler und ließ dem Schalker Keeper Neuer mit einem Schuss aus 20 Metern keine Chance. Cacau jubelte auf dem Platz, und Gomez freute sich auf der Bank so, als hätte er den Treffer erzielt oder zumindest vorbereitet. Diese Szene demonstrierte dann eine große VfB-Stärke im Frühling 2009 – den Teamgeist, dem sich alle verschrieben haben.

Allerdings gab es auch den ein oder anderen Aussetzer im System, beispielsweise als Farfan köpfen durfte, aber das Gehäuse verfehlte (19.). Ansonsten schien der VfB den Gegner jedoch im Griff zu haben. Die Erfolge in den vergangenen Monaten gaben der Mannschaft viel Selbstvertrauen. Womöglich war sich der VfB seiner Sache jedoch zu sicher. Woran es mangelte, war jedenfalls die letzte Konsequenz. Und Gomez war nicht da.

Dennoch begannen die Schalker Fans nach einer halben Stunde zu murren, weil ihre Mannschaft zwar oft im Ballbesitz war, aber wenig gute Aktionen zustande brachte. Im nächsten Moment schlugen die Gefühlsregungen jedoch um – als Rakitic den Ball nach einem Freistoß genauso kunstvoll wie zuvor Cacau ins Netz schlenzte (39.).

Obwohl Cacau vor der Pause noch mal scheiterte (41.), hatte der VfB seinen Schwung etwas verloren. Kuranyi setzte einen Kopfball über das Gehäuse (50). Die Schalker drückten, doch als keiner damit rechnete, schlug die Stunde des bis dahin blassen Ciprian Marica, der Gomez vertrat. Der Rumäne profitierte von einem Patzer von Neuer, der einen Hitzlsperger-Schuss abprallen ließ. Marica war da. Glück hatte der VfB allerdings, dass Kuranyi nach einem Fehler von Lehmann den Pfosten traf (71.). Der Rest war Jubel – und am lautesten jubelte Gomez. (STZ online)

14.5.2009

Kampf um die Meisterschaft:Der VfB wagt sich aus der Deckung

Durch den 2:1-Sieg beim FC Schalke steht der VfB Stuttgart unmittelbar davor, in den Uefa-Pokal einzuziehen. Doch das genügt Jens Lehmann nicht. “Für uns geht die Saison jetzt erst los”, sagt der Torhüter vor dem Heimspiel am Samstag gegen Cottbus.

Nach rechts führt der Weg zum abfahrbereiten Mannschaftsbus. Doch Markus Babbel biegt plötzlich nach links ab. Mit entschlossenem Blick schreitet der VfB-Teamchef im Untergeschoss der Schalker Arena durch eine staunende Menschenmenge immer weiter zu dieser Tür am Ende des Ganges. Erst im letzten Moment bemerkt er seinen Irrtum: Babbel steht vor der Stadionkapelle und hält an. “Solange nur ich so blind bin, geht’s ja”, sagt er, dreht sich um und findet endlich den richtigen Weg. Dabei wäre es kein Fehler gewesen, bei dieser Gelegenheit ein Kerzchen anzuzünden. Als Dank für das, was an diesem Abend passiert ist – und als Zeichen der Hoffnung für das, was jetzt noch kommt.

Glück im Spiel gegen Schalke

Mit einigem Glück hat der VfB am Mittwoch mit 2:1 bei Schalke 04 gewonnen und kann nun, mit noch mehr Glück, diese so wechselhafte Saison zu einem grandiosen Ende bringen. Als Vierter liegen die Stuttgarter in Lauerstellung und können zumindest den FC Bayern, Gegner im letzten Spiel, noch aus eigener Kraft überholen. Und sollten parallel dazu auch der VfL Wolfsburg und Hertha BSC im Saisonfinale Punkte liegen lassen, dann wäre am 23. Mai sogar der ganz große Wurf möglich: die sechste deutsche Meisterschaft in der Vereinsgeschichte.

Wie berauscht feierte der VfB den ersten Sieg auf Schalke seit der Saison 1997/1998. Leidenschaftlich hat das Team gekämpft und mit vereinten Kräften den Ausfall seines besten Spielers kompensiert. Erst in der Abschlussbesprechung hatte Markus Babbel die nichtsahnenden Profis davon in Kenntnis gesetzt, dass Mario Gomez wegen Adduktorenproblemen nicht würde spielen können. “Der Trainer hat es souverän genommen – also kam auch bei uns keine Panik auf”, berichtete hinterher der Außenverteidiger Ludovic Magnin. Ausgerechnet dem Gomez-Ersatz Ciprian Marica gelang dann der entscheidende Treffer zum VfB-Sieg, der den Manager Horst Heldt vor Freude fast platzen ließ. “Die Mannschaft hat den Charaktertest mit Bravour bestanden”, sagt Heldt und kann es ansonsten “nicht in Worte fassen, wie stolz ich auf jeden einzelnen Spieler bin”.

22 von 24 möglichen Punkten hat der VfB aus den vergangenen acht Spielen geholt und angesichts von sechs Zählern Vorsprung auf Rang sechs den Uefa-Pokal fast schon erreicht. Eher bemüht nehmen sich daher nach dem Schalke-Spiel die Versuche aus, noch Gefahr von hinten zu wittern. Der Kapitän Thomas Hitzlsperger empfiehlt zwar nachdrücklich, “mit einem Auge nach unten zu schauen”, und auch der Manager Horst Heldt weigert sich standhaft, statt des Uefa-Cups andere “idiotische Ziele” auszurufen. Allerdings setzt sich auch zunehmend die Erkenntnis durch, dass es nun um den Einzug in die Champions League geht – oder sogar um den Titel. “Wenn wir beide Spiele gewinnen, werden wir Meister”, sagt Marica. Ganz so offensiv geht Babbel nicht vor – auch er sieht sein Team aber in einer guten Ausgangsposition: “Jetzt können wir befreit aufspielen und wollen mal sehen, was noch möglich ist.”

Lehmann wirkt geradezu euphorisch

Für vorsichtige Prognosen ist Jens Lehmann nicht mehr zu haben. Geradezu euphorisch kommt der VfB-Torhüter aus der Kabine und verkündet: “Für uns geht die Saison jetzt erst los. Bisher war es ein zähes Herantasten – nun können wir noch viel erreichen.” Ungefragt fährt er dann mit seinem Lieblingsthema fort und geht wieder einmal auf die Schiedsrichter los. “Wir wären jetzt schon verdient Meister, wenn die Schiedsrichter uns nicht immer benachteiligen würden.”

Sechs bis sieben Punkte, so hat Lehmann errechnet, seien dem VfB durch falsche Entscheidungen geklaut worden. Konkrete Fehler des jungen Michael Kempter im Schalke-Spiel sind ihm diesmal nicht aufgefallen – seine Botschaft aber ist klar: Im Sinne einer sich ausgleichenden Gerechtigkeit mögen die Unparteiischen im Saisonfinale im Zweifel doch bitte schön für den VfB entscheiden.

Gegen Energie Cottbus wollen sich die Stuttgarter am Samstag allerdings nicht auf die Hilfe des Schiedsrichters verlassen. Mario Gomez soll wieder dabei sein und helfen, die Vorgabe des Trainers umzusetzen: “Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und gewinnen”, sagt Markus Babbel. Und danach wäre endgültig alles möglich – im Endspiel gegen den FC Bayern in der Münchner Arena. (STZ online)

16.5.2009

2:0 gegen Energie Cottbus:VfB sichert sich Europa-Ticket

Der VfB Stuttgart hat sich endgültig für das internationale Geschäft qualifiziert und am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga bei Bayern München ein “Endspiel” um die direkte Qualifikation für die Champions League. Nach einem 2:0 (1:0) gegen Energie Cottbus, das im Abstiegskampf höchstens noch den Relegationsplatz erreichen kann, haben die Schwaben auch noch Chancen auf die deutsche Meisterschaft – der VfB hat sein Schicksal in diesem Fall aber nicht selbst in der Hand.

In einem Spiel ohne große Höhepunkte, in dem die Gastgeber engagiert, aber auch ein wenig verkrampft und zunehmend fahrig auftraten, traf zunächst Thomas Hitzlsperger in der 19. Minute mit einem als Hereingabe gedachten Freistoß. Aus halbrechter Position flog der Ball an Freund und Feind vorbei und schließlich vom Innenpfosten ins Tor. Im Gegenzug nach einem Lattentreffer für Energie von Jiayi Shao (76.) machte der starke Cacau auf Vorlage von Mario Gomez alles klar (78.).

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16.5. 2009

Jubiläum der Meistermannschaft 1984

Vor dem letzten Saison-Heimspiel am heutigen Samstag gegen Energie Cottbus erlebten die Fans des VfB einen ganz besonderen Moment. Ein Großteil der VfB-Mannschaft, die 1984 Deutscher Meister geworden war, kam auf Einladung des Vereins in die Mercedes-Benz Arena. Vor 25 Jahren sicherte sich der VfB einen Spieltag vor Schluss die Meisterschaft mit einem 2:1-Sieg in Bremen. Dieses Jubiläum galt es zu feiern. Von Torwart Helmut Roleder über die Defensiv-Spieler Karlheinz Förster und Guido Buchwald bis hin zu VfB-Legende Karl Allgöwer waren viele der Einladung gefolgt. Das Team bestand bis auf die beiden Ausländer Asgeir Sigurvinsson und Dan Corneliusson und dem aus dem Ruhrpott stammenden Thomas Kempe ausschließlich aus Baden-Württembergern. VfB-Präsident Erwin Staudt, der die ehemaligen Spieler begrüßte, betonte dabei die Bedeutung des Titelgewinns 1984: “Diese Mannschaft hat mit der Meisterschaft den Grundstein dafür gelegt, dass der VfB heute einen Stern auf dem Trikot tragen darf.” Der Titel war der erste für den Klub seit Beginn der Bundesliga. Einige aus dem Team spielten für die Deutsche Nationalmannschaft, Guido Buchwald und Günther Schäfer feierten genau heute vor 17 Jahren sogar die zweite Meisterschaft in der Bundesliga-Geschichte des VfB. Und Helmut Roleder hat noch immer die meisten Spiele als VfB-Torwart auf dem Buckel.

Ein Film für die Fans im Stadion

Nach einer Ansprache von Präsident Erwin Staudt und einer Geschenkübergabe durch VfB-Vorstand Ulrich Ruf und Präsident Staudt ging es hinein ins Stadion auf die Showbühne direkt vor die VfB-Fans in der Cannstatter Kurve. Spontan stattete sogar VfB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder den Jubilaren einen Besuch ab und wurde mit großer Freude empfangen. Neben Guido Buchwald, Karl Allgöwer und Karlheinz Förster ließen sich Rainer Zietsch, Achim Glückler, Peter Reichert, Andreas Müller, Hermann Ohlicher und Thomas Kempe von den Zuschauern in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena feiern. Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Filmbeitrag über die Deutsche Meisterschaft 1984, der auf der Stadionleinwand vor der Partie gezeigt wurde. In anschließenden Interviews erzählten Förster, Buchwald und Ohlicher über ihre Erinnerungen und Erlebnisse aus der Zeit, als der VfB seinen Meisterstern aufs Trikot bekommen hat. Abschließend hatte Erwin Staudt dann noch einen ganz besonderen Wunsch: “Ich hoffe, dass wir in 25 Jahren alle gemeinsam das 50-Jährige Jubiläum feiern können und lade Euch hiermit dazu schon einmal ganz herzlich ein.” (vfb.de)

18.5.2009

Startschuss für die Fußballarena

Der offizielle Baggerbiss für die Umbauten der Mercedes-Benz Arena ist erfolgt.

20.5.2009

Mercedes-Benz Arena: Der Rasen ist weg.

Wenige Tage nach Ende des Spielbetriebs sind der Rasen und die Laufbahn in der Arena entfernt.

18.5.2009

Vor dem Südgipfel:Die Abteilung Attacke sitzt diesmal in Stuttgart

Anders als in der Vergangenheit ist es vor dem Südgipfel der VfB mit Jens Lehmann, der gegen die Bayern stichelt

Die psychologische Kriegsführung vor dem Spiel des VfB in München hat begonnen. Nachdem Jens Lehmann die Bayern provoziert hatte, reagierte nun der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: “Das ist eine Unsportlichkeit allererster Güte.”

Der Mann vom Radio wollte es ganz genau wissen. Nach den Verdiensten von Markus Babbel an der großen Aufholjagd des VfB erkundigte er sich und fragte Jens Lehmann: “Hat der Teamchef Ihnen vielleicht das Bayern-Gen eingepflanzt?” Der Stuttgarter Torhüter überlegte nur kurz und konterte dann gedankenschnell: “Wenn wir das Bayern-Gen hätten”, sagte Lehmann, “dann wären wir längst deutscher Meister. Denn dann würden uns die Schiedsrichter bevorteilen. So aber werden wir permanent benachteiligt.”

Nach dem 2:1-Sieg am vergangenen Mittwoch auf Schalke war es, als der 39-Jährige die psychologische Kriegsführung vor dem Saisonfinale startete. Über das Spiel wollte er nicht lange reden und ließ sich stattdessen ungefragt und ausgiebig über die Schiedsrichter aus, die dem VfB nach seiner Rechnung “sechs bis sieben Punkte” geklaut hätten. Auch nach dem 2:0 am Samstag gegen Cottbus hielt er sich nicht allzu lange mit den Toren von Thomas Hitzlsperger und Cacau auf, sondern befeuerte seine Kampagne. Wolfsburg, sagte er, habe dieses Jahr von den Schiedsrichtern profitiert, genau wie die Bayern, “die so manche Entscheidung, die gegen uns gepfiffen wird, zu ihren Gunsten ausgelegt bekommen”. Und noch einmal legte er sich fest: “Normalerweise müssten wir schon längst verdient deutscher Meister sein.”

Rummenigge fordert Konsequenzen für Lehmann

Die Realität ist: mit einiger Wahrscheinlichkeit holt am Samstag Wolfsburg den Titel, während sich der VfB und die Bayern im direkten Vergleich in München um den zweiten Platz streiten. Selten war ein Südgipfel derart brisant – trotzdem hielten sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters, anders als früher, mit Sticheleien in Richtung Stuttgart lange zurück. Noch am Samstagabend hatte sich Manager Uli Hoeneß im ZDF-”Sportstudio” sehr zahm gegeben. Am Montag aber folgte sie dann, die Münchner Replik auf Lehmanns Unterstellungen.

Der Clubchef Karl-Heinz Rummenigge höchstpersönlich war es, der den VfB-Torhüter in aller Schärfe zurechtwies. “Jens Lehmann unterstellt den Schiedsrichtern Manipulation und Betrug. Das ist Blödsinn und eine Unsportlichkeit allererster Güte”, sagte Rummenigge und forderte indirekt Konsequenzen: “Ich bin gespannt, wie der DFB darauf reagiert.” Ermittlungen vonseiten des Verbandes werde es zwar nicht geben, sagte Wolfgang Niersbach am Nachmittag – jedoch fand auch der DFB-Generalsekretär Lehmanns Einlassungen “total überflüssig”.

Bayern: Volle Konzentration auf den VfB

Rummenigge wittert hinter der Kritik des Torhüters vor allem eines: “Taktik.” Es sei “völlig klar, dass Jens Stimmung gegen uns machen will”. Damit sei der Stuttgarter bereits erfolgreich gewesen – jedenfalls hatte Rummenigge beim 2:2 am Samstag in Hoffenheim den Eindruck, dass der Schiedsrichter Michael Weiner “einen angespannten Eindruck” gemacht habe. Daher forderte Rummenigge mehr Zurückhaltung – und will dabei in den nächsten Tagen mit gutem Beispiel vorangehen: “Wir werden uns zurückhalten und uns nur auf das wichtige Spiel gegen den VfB konzentrieren.”

Beim VfB jedoch ist man nicht so ganz sicher, ob es nicht doch noch ein paar Provokationen aus München geben wird. So war es zumindest häufig in der Vergangenheit, weshalb der Stuttgarter Manager Horst Heldt nach dem Cottbus-Spiel sagte: “Ich gehe davon aus, dass diese Woche noch etwas kommt. Aber wir sind da völlig entspannt.”

Nur mit der Champions League kann Gomez gehalten werden

Das naheliegendste Thema wäre es, wenn die Bayern nun öffentlichkeitswirksam ihr Interesse an Mario Gomez erneuern und damit Unruhe in Stuttgart schüren würden. Denn die Zukunft des Nationalspielers wird auch vom Ausgang der Partie am Samstag abhängen. Sollte der VfB gewinnen und die Champions League erreichen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass Gomez nach München wechselt, minimal. Der 23-Jährige jedenfalls hat immer erklärt, er gehe nur dann, wenn alles stimmt. Ein Club, dessen Champions-League-Teilnahme nicht gesichert ist, passt kaum in dieses Profil. Das würde zwar auch nicht bedeuten, dass Gomez sicher in Stuttgart bleibt, ein Verkauf des größten Stars zu einem Club ins Ausland aber dürfte dem VfB viel leichter fallen als ein Transfer zu den bei den Fans so verhassten Bayern.

Offen ist vor diesem Hintergrund, wie Mario Gomez am Samstag vom Bayern-Anhang empfangen wird. Sicher dagegen scheint, auf was sich Jens Lehmann in der Münchner Arena wird einstellen müssen. Der Torhüter ahnt bereits, “dass ich dort nicht himmelhochjauchzend begrüßt werde”.

23.5.2009

2:1 gegen Stuttgart:Bayern gewinnt Millionen-Endspiel

Ich versuchte lange Karten für das Saisonfinale zu ergattern, hatte aber leider kein Glück bei der Verlosung. Ebay beobachtete ich auch regelmäßig, es war aber der Wahnsinn, was dort verlangt wurde. So entschlossen wir uns, das Spiel beim Bierhexle mit einigen anderen Daheimgebliebenen anzuschauen. War dann auch nicht so schlimm, schließlich war ich einen Tag vor dem Saisonfinale bei AC/DC auf dem Hockenheimring und hatte somit am Samstag etwas weniger Streß. Am TV sahen wir dann, dass, wie es schien, beim VfB die Luft raus war nach einer tollen Aufholjagd und man zu fast keinem Zeitpunkt die Hoffnung hatte, dass vielleicht noch ein Sieg herausspringen könnte. Die Ergebnisse auf den anderen Plätzen taten ein übriges. Wolfsburg führt früh, so dass die Meisterschaft schon sehr bald kein Thema mehr war, der KSC schoss überraschend die Hertha ab, so dass keine der beiden Parteien noch auf Platz 4 zurückfallen konnte. Am Ende also Platz 3 und die Champions League Quali. Was für ein toller Abschluss. Ist zwar relativ schiwierig die Konstellation, da die Champions League Millionen noch nicht fest eingeplant werden können. Aber dennoch bietet dieser Abschluss glänzende Perspektiven für die nächste Saison. Wir feierten jedenfalls die Niederlage wie einen Sieg und trauerten der entgangenen Meisterschaft in keinster Weise nach.

Das kleine Fußball-Wunder, auf das ein der FC Bayern München und noch ein bisschen mehr der zuletzt so selbstbewusste VfB Stuttgart gehofft hatten in den vergangenen Tagen, ist dann doch ausgeblieben. Aber das unspektakuläre Verfolgerduell vor 69.000 Zuschauer in der Münchner Arena hatte trotzdem zwei kleine Sieger.

Der entthronte Meister sicherte sich durch den 2:1-Sieg den zweiten Platz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League. Die Bundesliga-Saison endete somit halbwegs versöhnlich für die zwischendurch arg gebeutelten Bayern. Die Schwaben bleiben trotz der Niederlage Dritter, weil der eigentlich ungeliebte Rivale aus dem Badischen, der Karlsruher SC, Hertha BSC besiegt hatte. Der VfB hat somit ebenfalls noch eine Chance, im lukrativsten internationalen Vereinswettbewerb zu starten.

Pfiffe für Lehmann

Schon der Beginn war für Stuttgart nicht besonders erfreulich. Bei der Bekanntgabe der VfB-Aufstellung gab es laute Pfiffe, und besonders laute für Jens Lehmann. Nicht ganz unerwartet, immerhin hat sich der frühere Rivale von Oliver Kahn in der Nationalmannschaft noch nie besonderer Beliebtheit erfreut beim Münchner Publikum. Und seine Bemerkungen vor einer Woche, der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg wären von den Schiedsrichtern in dieser Saison bevorzugt worden, steigerte die Antipathie noch ein bisschen. Lehmann erlebte keinen schönen Nachmittag in der Münchner Arena, der Stuttgarter Keeper wurde bei jeder Aktion, bei jedem Ballkontakt nicht nur ausgepfiffen, sondern auch mit unfreundlichen Rufen bedacht.

Die erste Viertelstunde entsprach nicht den hohen Erwartungen. Beide Mannschaften begannen vorsichtig, vor allem darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Es war zu spüren, dass viel auf dem Spiel stand. Bald allerdings ging es um eines schon nicht mehr: den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Die frühe Führung der Wolfsburger wurde zwar wie alle anderen Tore aus Niedersachsen nicht auf der Leinwand gemeldet, aber im Stadion sprach es sich herum, dass der Spitzenreiter sich keine Blöße geben wird.

Boulahrouz trifft ins eigene Tor

Nach 16 Minuten tauchten die Bayern zum zweiten Mal gefährlich im Strafraum auf, das erste Mal – zehn Minuten zuvor – hatte Kapitän Mark van Bommel nach einem Körperkontakt mit Lehmann vergeblich auf einen Strafstoß gehofft. Dann griff Franck Ribéry über die linke Seite an, zog ab und der Stuttgarter Verteidiger Khalid Boulahrouz verlängerte den Ball unglücklich ins eigene Netz zur Münchner Führung. In Wolfsburg stand es mittlerweile schon 2:0, und deshalb feierten nur diejenigen überschwänglich, die nicht über die Ergebnisse auf dem Laufenden gehalten wurden. Die Bayern waren ihrem ersten Ziel, der direkten Qualifikation für die Champions League, einen kleinen Schritt näher.

Die Schwaben bemühten sich nun zwar um mehr Schwung, aber das Spiel entwickelte sich auch nach dem ersten Tor nicht zu einem Spitzenduell. Der VfB versuchte es vor allem mit Distanzschüssen, aber da war Hans-Jörg Butt dreimal auf der Hut, er klärte zunächst gegen Christian Träsch, dann parierte er die Schüsse von Thomas Hitzelsperger und Mario Gomez. Kurz vor dem Pausenpfiff schaffte es dann Luca Toni, den Ball über das leere Tor zu schießen. Boulahrouz hatte zuvor über eine Flanke von Sosa geschlagen und den Italiener so überhaupt erst in Schussposition gebracht.

Podolski und Heynckes verabschiedet

Dieses Spiel spiegelte ganz gut die nicht immer sehr glückliche Saison von Toni wider. Dem Torschützenkönig des vergangenen Jahres ist auch an diesem Samstag nicht viel gelungen. Nur Sekunden nach der Großchance am Ende der ersten Halbzeit legte er sich den Ball auf dem Weg zum Tor zu weit vor. In der 80. Minute wurde der Italiener von Jupp Heynckes erlöst. Miroslav Klose kam nach seiner Verletzung zu einem weiteren Kurzeinsatz. Der „Fünf-Spiele“-Trainer war vor dem Anpfiff gemeinsam mit Lukas Podolski, Massimo Oddo und Willy Sagnol verabschiedet worden.

Zu diesem Zeitpunkt waren schon zwei weitere Tore gefallen. Zunächst brachte van Bommel die Bayern 2:0 in Führung (60.), drei Minuten später tanzte Gomez die Münchner Abwehr aus und schaffte den Anschlusstreffer. Da die Berliner mittlerweile aussichtslos im Rückstand lagen, ließen es auch die beiden Mannschaften in München nun etwas lockerer angehen. Die Nervosität, die Verbissenheit der ersten Hälfte war weg, aber es fehlte am Ende einer langen Saison wohl auch die Energie, den Zuschauern noch ein wenig Zauberfußball zu bieten. Zwei Minuten vor dem Ende war dann die Bayern-Karriere von Podolski zu Ende: Die Fans verabschiedeten ihn mit Applaus bei seiner Auswechslung. Es war der letzte Höhepunkt der insgesamt niveauarmen Partie.

Bayern München – VfB Stuttgart 2:1 (1:0)
München: Butt – Lucio, van Buyten, Demichelis, Lahm – van Bommel – Sosa, Ribery – Schweinsteiger (77. Ottl) – Toni (79. Klose), Podolski (88. Borowski)
Stuttgart: Lehmann – Träsch (69. Schieber), Boulahrouz, Niedermeier, Magnin – Hilbert, Khedira, Hitzlsperger (84. Marica), Gebhart (60. Elson) – Cacau, Gomez
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 1:0 Boulahrouz (16., Eigentor), 2:0 van Bommel (60.), 2:1 Gomez (63.)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: van Bommel (10) – Hitzlsperger (5/1)

Text: F.A.Z.

26.5.2009

Mario Gomez wird den VfB verlassen

Der Wechsel von Mario Gomez vom VfB Stuttgart zum Ligakonkurrenten FC Bayern München steht vor dem Abschluss.

VfB-Sportdirektor Horst Heldt: “Wir haben es zweimal geschafft, Mario zu halten. Jetzt hat er sich für einen Wechsel entschieden. Das ist sehr schade. Mario Gomez hat Großartiges für den VfB geleistet und auch in dieser Saison wieder einen maßgeblichen Anteil zum Erfolg der Mannschaft beigetragen.”

Die beiden Vereine müssen die endgültigen Wechselmodalitäten noch klären. “Fakt ist aber”, so Heldt weiter, “wenn der FC Bayern unsere Bedingungen akzeptiert, wird der Transfer in den nächsten Tagen vonstatten gehen.”

Mario Gomez: “Ich hatte eine super Zeit beim VfB und bin sehr dankbar für alles, was ich hier erleben durfte. Diesen Schritt zu gehen, fällt mir nicht leicht. Ich habe diese Entscheidung in Absprache mit dem VfB Stuttgart, gemeinsam mit meiner Familie und meinem Berater getroffen. Ich werde den Kontakt nach Stuttgart nicht abreißen lassen und komme auch immer wieder gerne hierher zurück. Ich verstehe, dass viele VfB-Fans nicht nachvollziehen können, dass ich nun zum FC Bayern wechseln möchte, hoffe aber, dass sie sich genauso gerne wie ich an die überragende Zeit zurückerinnern, die wir gemeinsam hier erleben durften.”

27.5.2009

Mario Gomez wechselt nach München: Die Zeit der Unbeschwertheit ist vorbei

Beim VfB Stuttgart ist Mario Gomez der unumstrittene Star gewesen. Jetzt geht er nach München – und muss beweisen, dass er sich auch auf der ganz großen Fußballbühne durchsetzen kann.

Um kurz vor halb sechs am Dienstagnachmittag steigt Mario Gomez ins Flugzeug, dann ist er erst mal weg. Vermutlich gibt es nicht viele Nationalspieler, die sich am Ende einer langen Saison auf diesen PR-Trip der deutschen Auswahl nach Fernost freuen, mit zwei eher lästigen Freundschaftsspielen gegen China und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ziemlich sicher aber ist Mario Gomez einer davon. Denn als er das Flugzeug wieder verlässt, da befindet er sich in Schanghai. 8889 Kilometer liegen zwischen Stuttgart und Schanghai – genug Distanz also, um nichts von den Erschütterungen mitzubekommen, die er in der Heimat ausgelöst hat.

Fast zeitgleich mit Gomez’ Abflug bestätigen am Dienstag die Presseagenturen mit Eilmeldungen auch offiziell, was seit Tagen kein Geheimnis mehr war: Der Nationalstürmer verlässt den VfB Stuttgart und schließt sich in der neuen Saison dem deutschen Rekordmeister an, dem FC Bayern. Nichts trifft die Anhänger des VfB mehr als der Wechsel eines Stuttgarters nach München. Nach Madrid hätten sie ihn zähneknirschend ziehen lassen, oder auch nach Manchester oder Mailand. Nur eben nicht nach München.

“Vaterlandsverräter” war in den Internetforen denn auch eine der freundlicheren UmschreibungenderFansfürden Torjäger, den sie bis vergangenen Samstag noch verehrt hatten wie einen Halbgott. Ausgerechnet in München verlor der VfB an diesem Tag mit 1:2, Gomez hatte noch einmal ein Tor geschossen. Nun weiß man sicher, dass es sein letztes Tor für den VfB war und auch sein letztes Spiel.

Debüt mit 18 gegen den FC Chelsea

Mario Gomez, 23, wird mit den Schmähungen gerechnet haben. Er weiß, dass der Profifußball keine Dankbarkeit kennt; und er versteht, “dass viele VfB-Fans nicht nachvollziehen können, dass ich nun zum FC Bayern wechseln werde”, wie er in einer Presseerklärung mitteilen lässt. Verdient aber hat er die Schmähungen nicht. Es hat in der jüngeren Vergangenheit des VfB keinen Spieler gegeben, der diesen Verein mehr geprägt und weiter nach vorne gebracht hätte. Und es hat nicht viele gegeben, die sich so sehr mit ihrem Club identifiziert haben wie dieser bodenständige und wohlerzogene Oberschwabe mit den spanischen Wurzeln, der mit 15 Jahren seine Heimatgemeinde Unlingen verließ, um sich in Stuttgart zu einem Berufsfußballer ausbilden zu lassen.

Unter dem Trainer Felix Magath gibt er 2004, als 18-Jähriger, gegen den FC Chelsea in der Champions League sein Debüt in der Profimannschaft. Und unter Armin Veh schießt er 2005, beim 2:1-Sieg gegen Mainz, sein erstes Bundesligator. Er schafft es zum Stammspieler – und entwickelt sich fortan in atemberaubendem Tempo zu einem der großen Stürmerstars in Deutschland. Meister wird er mit dem VfB 2007 und im gleichen Jahr zum Fußballer des Jahres gewählt.

In der jetzt abgelaufenen Saison erzielt er in der Liga 24 Tore und hat, neben dem Teamchef Markus Babbel, den mit Abstand größten Anteil daran, dass der VfB Dritter wird und sich im August für die Champions League qualifizieren kann. In seinen 121Bundesligaeinsätzen für den VfB hat er 63 Tore geschossen, in den 153 Pflichtspielen insgesamt waren es 87 – eine herausragende Quote von mehr als fünfzig Prozent. Man muss nicht die gesamte Stuttgarter Vereinsgeschichte seit dem Jahre 1893 kennen, um mutmaßen zu können, dass Mario Gomez der kompletteste Angreifer war, der jemals das Trikot mit dem roten Brustring getragen hat.

Treueschwüre hat es nie gegeben

Seit mindestens zwei Jahren stand fest, dass Gomez den VfB eines Tages verlassen wird. Sehr offen sind beide Seiten mit dem Thema immer umgegangen. Es gab keine romantischen Treueschwüre des Stürmers und keine illusorischen Unverkäuflichkeitserklärungen des Vereins. Allen war klar, dass der VfB irgendwann zu klein wird für einen Stürmer mit so großen Fähigkeiten. Nie hat der Manager Horst Heldt zu versichern versucht, dass der Angreifer bis zu seinem eigentlichen Vertragsende im Jahr 2012 in Stuttgart bleiben würde. Und nie hat Gomez einen Hehl daraus gemacht, dass sein Karriereplan einen baldigen Wechsel zu einem der europäischen Großclubs vorsieht. Seinen oberschwäbischen Dialekt hat er sich, zum großen Bedauern seiner Mutter, wohl auch deshalb schon vor einigen Jahren abtrainiert.

Nach dem Titelgewinn 2007 war es Gomez, der sich gegen einen Transfer zu Juventus Turin entschied; im vergangenen Jahr war es der VfB, der seinen größten Star trotz der Angebote von Manchester City und dem FC Bayern zum Bleiben überredete. Schon vor zwei Jahren sei er bereit gewesen, sich woanders durchzusetzen, sagte der Stürmer in den vergangenen Monaten. Sehr glaubhaft jedoch versicherte er auch, dass er auf dieses eine Angebot warte, “bei dem alles stimmt”.

Aus München ist es nun gekommen, und Gomez hat zugegriffen. Er ist der teuerste Spieler in der Bundesligageschichte, teurer noch als Franck Ribéry. 25 Millionen Euro haben die Bayern vor zwei Jahren für den Franzosen bezahlt – 35 Millionen Euro bekommt der VfB nun von den Münchnern, die ihren neuen Starstürmer mit geschätzten acht Millionen pro Jahr entlohnen.

Gnadenlose Pfiffe beim Länderspiel

Nicht nur der hohen Ablösesumme wegen hat der VfB Gomez viel zu verdanken. Er war es, der das Stuttgarter Spiel in den vergangenen Jahren auf eine höhere Stufe gehoben hat. Andererseits hat aber auch Gomez seinem Verein einiges zu verdanken. In Stuttgart fand er das Umfeld, sich in Ruhe entwickeln zu können. Und als er schließlich gut genug war, bildete Gomez den unumstrittenen Mittelpunkt einer Mannschaft, die sich vollständig in den Dienst ihres Torjägers stellte. Beim 4:1-Sieg gegen den späteren Meister aus Wolfsburg schoss Gomez neulich alle Stuttgarter Tore und wurde dabei von den Kollegen glänzend bedient. Danach erklärte er: “Ich sage immer: im Leistungssport ist es wichtig, eine homogene Mannschaft zu bilden. Und die haben wir.”

Wie es ist, wenn ein solches Umfeld fehlt, das hat Gomez im Nationalteam schmerzhaft erfahren, wo nicht das ganze Spiel auf ihn zugeschnitten ist und das Publikum keine Fehler verzeiht. Seit März 2008 hat er kein Tor mehr für Deutschland geschossen. Auf haarsträubende Weise versiebte er Chancen bei der Europameisterschaft, vor deren Beginn er als potenzieller Superstar gehandelt wurde. Und gnadenlos pfeifen ihn Ende März die Leute in Leipzig aus, als seine Flaute selbst gegen Liechtenstein nicht enden will. Es sind seine schwersten Stunden als Fußballprofi. Tapfer stellt er sich damals den bohrenden Fragen der Öffentlichkeit – und kann trotzdem nichts daran ändern, dass seine Klasse plötzlich infrage gestellt wird. In Stuttgart, seiner Wohlfühloase, päppelt man ihn wieder auf. Mit den Toren für den VfB kommt das Selbstvertrauen zurück – und das benötigt Gomez künftig besonders dringend.

Beim FC Bayern darf Gomez nicht davon ausgehen, dass die Mitspieler den Ball jedes Mal quer legen, wenn sie allein vor dem Tor stehen. Und er muss damit rechnen, dass die Leute schnell die torlosen Minuten addieren und die Leistung ins Verhältnis zur Ablöse setzen. Zwar deutet alles darauf hin, dass sein immenses Potenzial ausreicht, um auch dort zum gefeierten Torjäger zu werden, den Beweis allerdings, sich auch auf Deutschlands wichtigster Fußballbühne durchsetzen zu können, den muss Mario Gomez erst antreten. Die unbeschwerte Zeit in Stuttgart ist vorbei – in München entscheidet sich nun, ob es eine ganz große Karriere wird. (STZ online)

Unsere Lebensversicherung der letzten Jahre verläßt uns also. Mario Gomez geht! Und das noch ausgerechnet zu den Bayern. Als normaler Fan kann man es sich überhaupt nicht vorstellen, erst das VfB-Wappen küssen und ein paar Tage oder Wochen später das Trikot des Erzfeindes überzustreifen. Wäre Herr Gomez nach Barcelona oder Manchester gegangen, hätte ich ihm viel Glück gewünscht und seinen Weg weiter verfolgt. So aber habe ich fertig mit ihm und würde mich freuen, wenn er an der Konkurrenz dort und der Erwartungshaltung zerbrechen würde. Dieser Transfer zeigt wieder einmal, dass wir es fast nur noch mit Legionären zu tun haben, denen es in ihrer Karriere nur darum geht, so viele Millionen wie möglich zu scheffeln und ihnen die Gefühlswelt der Fans total wurst ist. So ist es nun mal, Spieler kommen und gehen, der Verein bleibt!

29.5.2009

Länderspiele

Deutschland-China 1:1, Cacau debütierte in der DFB-Auswahl:

Mit gleich vier VfB-Spielern machte sich die deutsche Nationalmannschaft auf die Asien-Reise zum Ausklang der Spielzeit 2008/09. Zum Auftakt ging es am heutigen Freitag in Shanghai gegen Gastgeber China. Und mit Thomas Hitzlsperger sowie dem scheidenden Torjäger Mario Gomez standen dann auch die beiden etablierten DFB-Auswahlspieler in der Startformation der Mannschaft von Joachim Löw, während den Neulingen Christian Träsch und Cacau zunächst nur ein Platz auf der Bank blieb. Tor: Podolski, Gomez bis zur 63. Minute, Hitzlsperger 90 Minuten und Cacau ab 63. waren im Einsatz.

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