13. Oktober 2014

Hertha-VfB/ St. Pauli-Union – ein WE im Zeichen des Fußballs!

Gut eineinhalb Wochen ist die unnötige Niederlage von Berlin schon wieder her. Wegen des anstrengenden Wochenendes und einer noch stressigeren Woche kam ich leider nicht früher dazu, meine Eindrücke und Erlebnisse zu schildern.
Wir machten uns am frühen Morgen des Tags der Deutschen Einheit auf den Weg nach Berlin, jedoch nicht, um den Feierlichkeiten zu selbigem in der Hauptstadt beizuwohnen, sondern, um den VfB zu unterstützen, der, wie schon fast traditionell, das Freitagabend-Spiel im 625 Kilometer entfernt liegenden Berliner Olympiastadion zu bestreiten hatte. Die Fahrt dorthin verlief feuchtfröhlich, ohne besondere Zwischenfälle und ohne Verspätung, so dass wir wie geplant gegen 14.45 Uhr unser Domizil am Berliner Kaiserdamm, nur drei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt gelegen, erreichten und uns kurz darauf in einer Pizzeria mit Freunden treffen konnten. Ein paar Bier und ein paar leckere Bruschetta später begaben wir uns in Richtung Stadion.
Eigentlich wollten wir noch im Biergarten direkt vor dem Stadion Freunde treffen, da wir aber auf der falschen Seite ankamen und es auch im Stadioninnern Vollbier gibt, gingen wir sofort hinein ins altehrwürdige und denkmalgeschützte Stadion.
Erst später fiel mir ein, dass ich eigentlich noch Karten zum verkaufen gehabt hätte, da ich kurz vor Abreise noch zwei Eintrittskarten auf der Gegengeraden gewonnen hatte. Wenn schon, denn schon, dachte ich mir und nahm diesen Platz dann selbstverständlich auch ein, versprach er doch eine bessere Perspektive zum fotografieren. Schade eben, dass ich dadurch einige Leute, die man sonst immer trifft im Gästeblock, dieses Mal nicht sehen konnte. Aber, einen Tod muss man eben sterben. Der Platz war jedenfalls super, unsere Reihe fast leer, von den insgesamt in Stuttgart verlosten 20 Karten waren offensichtlich nur vier in Anspruch genommen worden.
Noch heute kann man den verlorenen Punkten hinterher trauern, denn, viel einfacher als bei der alten Dame dürfte es in den nächsten Wochen nicht werden, das Punktekonto aufzubessern. Man hatte die Berliner gut im Griff, die Führung lediglich durch einen höchstfragwürdigen Elfmeter aus der Hand gegeben, als Antonio Rüdiger anfangs der zweiten Halbzeit die Geduld verlor und mit dem Kopf durch die Wand einen Angriff starten wollte. Das Ende ist bekannt, Ballverlust, schulmäßiger Hertha-Konter und das (vor-) entscheidende 2:1 für die Hertha, die wohl selbst nicht wusste, wie ihr geschah. Bis dahin hatte der VfB das Spiel gut und die Hertha wartete „nur“ darauf, bis der allgegenwärtige Fehlerteufel seinen Auftritt hatte.
Bezeichnend diese Aktion für Toni Rüdiger. Zuletzt hatte ich ihn ja gelobt, dass er, seit er sich zum Stamm des Kaders der Nationalmannschaft zählen darf, eine stärkere Präsenz zeigt, gewillt ist Verantwortung zu übernehmen und vor allem eine Körpersprache an den Tag legt, die man sich vom Rest der Truppe wünschen würde. Dass er mit 21 Jahren (noch) überfordert ist, die Führungsrolle in der Mannschaft zu übernehmen, liegt auf der Hand. Er sollte zunächst sein eigenes Spiel verbessern und daran arbeiten seine Fehlerquote zu minimieren, hat er doch auch schon gegen Köln das vorentscheidende Tor maßgeblich mit verursacht. Dennoch liegt es mir fern, Rüdiger zum Sündenbock für die Niederlage in Berlin abzustempeln. Es ist doch traurig genug, dass es sonst keinen gibt in unserer Mannschaft, der Verantwortung übernimmt und voran geht.
Ein Christian Gentner trägt im Aktionsradius eines Bierdeckels die Kapitänsbinde spazieren, während sich Jungspunde im Team aufopfern und es wenigstens versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. DIE Achse im VfB-Spiel muss sich erst noch finden.
Hier, so finde ich, sind wir auf gar keinem ganz so schlechten Weg. Spielerisch sind Fortschritte erkennbar. Kirschbaum als Ulle-Nachfolger macht seine Sache ordentlich und strahlt eine wohltuende Sicherheit aus.
Rüdiger befindet sich in einer Entwicklung und kann durchaus in absehbarer Zeit Abwehrchef werden, allerdings hielte ich es nach wie vor für notwendig, ihm einen erfahrenen Haudegen an die Seite zu stellen. Rüdiger und Schwaab bildeten bei der fürchterlichen Niederlagenserie unter Thomas Schneider weitestgehend unsere Innenverteidigung, Ergebnis bekannt. Hier hat es der VfB durch seine nicht erfolgte Saisonnachbereitung einfach versäumt, an den Stellschrauben zu drehen, die schon lang als die Achillesferse des VfB bekannt waren. Ich wünsche es mir, dass Rüdiger auf dem Boden bleibt und an seinen Schwächen arbeitet. Es ist sicherlich nicht einfach für den Jungen die Bodenhaftung zu wahren, wenn er, wie heute geschrieben, als einer der heißesten Transferkandidaten gehandelt wird und angeblich selbst der FC Chelsea seine Fühler nach ihm ausgestreckt habe.
Im zentralen Mittelfeld sind Romeu, Gruezo und zuletzt auch Leitner Lichtblicke, während Gentner im modernen Fußball eigentlich ein Auslaufmodell ist. Es nützt nichts, sinnlos Kilometer abzuspulen. Uns nützt auch ein Kapitän nichts, den man im Spiel 90 Minuten so gut wie nicht wahrnimmt. Ich bin mir relativ sicher, dass er die nächste „Ikone“ ist, die dem „neuen“ VfB zum Opfer fallen wird. Auch Vedad Ibisevic, dem ich allerdings in Berlin eine verbesserte Form attestiere und der das 0:1 schön vorbereitet hat, wird sich sehr bald einer neuen Konkurrenzsituation stellen müssen, denn, Daniel Ginczek scharrt schon mit den Hufen.
Armin Veh, das zeigt auch die Absetzung von Sven Ulreich, macht vor Namen, alten Verdiensten oder dem Standing im Verein keinen Halt und ist auf der Suche nach der bestfunktionierenden Mannschaft. Somit haben wir jetzt eine Situation wie schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr, nämlich, dass allein die Leistung zählt. Veh hat es sich in den Kopf gesetzt, den VfB wieder in angenehmere Tabellengefilde zu führen und hier nicht zu scheitern. Für einen Trainer ist es doch ein leichtes irgendwo ein Himmelfahrtskommando zu übernehmen, einiges zu probieren und gegen Windmühlen anzukämpfen, um sich dann mit einer fetten Abfindung oder unter weiterem Kassieren der Bezüge wieder entlassen zu lassen. Das hat Veh ganz sicher nicht vor. Für ihn ist der VfB eine Herzensangelegenheit, also wird er weiter kämpfen und sämtliche Register ziehen. Sollte, wie man munkelt, an der Möglichkeit etwas dran sein, dass Veh vor hat, auf Sicht den Posten des Sportdirektors zu übernehmen und man womöglich Thomas Tuchel als Trainer auf den Wasen locken möchte, auch dann wäre es eminent wichtig, dass Veh sich nicht verbiegen lässt und vor allem nicht an Widerständen aus dem Verein und dem Umfeld scheitert und damit verbrannt wäre. Ich drücke ihm fest die Daumen, dass das Umfeld geduldig bleibt und dass wir mit ihm die Kurve bekommen. Natürlich probiert er einiges, natürlich macht er dabei auch Fehler, dennoch sehe ich Bewegung wie lange nicht in der ersten Elf und bin daher weiter guter Dinge, dass wir schon bald die Früchte dieses Umbruchs ernten können.
In Sachen Bobic-Nachfolge ist fürs Erste Ruhe eingekehrt. Wie man vernimmt, gibt Jochen Schneider den Manager auf Probe, mindestens bis zur Winterpause. Damit kann ich persönlich gut leben, wenn Veh als eine Art Teammanager fungiert und Schneider lediglich in Sachen PR mehr in den Vordergrund tritt. Wie schon öfter von mir thematisiert, ist einfach der Zeitpunkt für die Managersuche beschissen, so dass eine wirklich große Lösung erst nach Ende der Saison möglich sein dürfte. Gute Leute wachsen nicht auf den Bäumen, gescheiterte Manager (z. B. Kreuzer) oder erneut ein Anfänger (Lehmann, Kahn, Effenberg, etc.…) würden meine Kopfschmerzen, die mir mein Verein sowieso schon bereitet, eher noch verstärken. Der einzige der Namen, die bisher so durch die Presse geisterten, der einen gewissen Charme versprüht, wäre Jan Schindelmeiser. Ich gebe es zu, dass ich zunächst erschrocken bin, als ich seinen Namen las, den ich in erster Linie mit dem Nachbarn von der Autobahnraststätte in Verbindung bringe. Bei näherem Hinschauen und einem genaueren Blick auf seine Vita aber, brächte er eine große Eignung für diesen vakanten Posten mit. Und, es wäre ein Mann mit Erfahrung im Fußball-Business und ohne Stallgeruch. Ob sich unsere Granden eine solche Lösung ernsthaft vorstellen können, bezweifle ich allerdings. Es ist ja sooo wichtig, dass man den Verein und die ach so eigenen Abläufe darin kennt, ein Außenstehender würde da gar nicht durchblicken. So lang sich Vorstand und Aufsichtsrat nicht neuen Wegen öffnen, wird sich grundlegend in näherer Zukunft nichts ändern.
In der Bundesligapause fand auf dem Trainingsgelände des VfB ein Trainingsspiel gegen den Landesligisten Germania Bargau statt. Dieses Spiel wurde auf der VfB-Seite nicht beworben, allerdings konnte man auf der Seite von Bargau, regionalen Sportseiten und auch Tageszeitungen wie dem Schwarzwälder Boten Kenntnis davon erlangen. Als Austragungsort war das Robert-Schlienz-Stadion angegeben, zur besten Frühschoppenzeit, Samstagmorgen 11 Uhr. Trotz Wasen-Besuchs am Vortag standen wir rechtzeitig auf, um uns diesen Kick nicht entgehen zu lassen, was einigermaßen schwer fiel. Da die Bundesligapause meist langweilig ist, einfach etwas fehlt, und wenn man die Gelegenheit hat, die Daheimgebliebenen am Ball zu sehen, ist es fast klar, dass man diese nicht auslässt. Das böse Erwachen folgte auf dem Fuß. Angekommen auf dem Trainingsgelände war das Robert-Schlienz-Stadion verwaist, also pilgerten wir weiter in Richtung Trainingsplatz, wo wir von der Straße aus Action vernommen hatten. Dort standen wir vor verschlossenen Türen, ein Ordner wies uns ab, weil ich eine VfB-Jacke an hatte. Bargauer dagegen wurden rein gelassen.
Da verstand ich mal kurz die Welt nicht mehr. Als Allesfahrer darf man einem solchen Kirmeskick nicht beiwohnen, Gäste dagegen schon? Wo ist da die Logik? Laut Ordner „wollte der Trainer ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit“.
Mir erschließt sich der Sinn dieser Aussperrung überhaupt nicht, da es sich wohl kaum um einen ernsthaften Test handeln konnte, wenn mehr als zehn Nationalspieler fehlen. Es dürfte ja wohl nicht möglich gewesen sein, etwas einzuspielen, das Leverkusen im nächsten Spiel das Fürchten lehren soll. Ich war wirklich perplex und verzichtete spontan auf den Fanshop-Besuch, weil ich in diesem Moment vom VfB nichts mehr sehen und hören mochte. Das Spiel endete 7:1 und hatte eine gute und eine bittere Nachricht im Köcher. Daniel Ginczek traf vierfach und kommt immer besser in Schuss, während der große Pechvogel Daniel Didavi einen Muskelbündelriss erlitt und erneut vier bis sechs Wochen fehlen wird. Ganz, ganz bitter für ihn und auch für das Team, ist er doch zum Taktgeber unseres Spiels herangereift. Gute Besserung, Dida, kann man da nur sagen.
Schließlich noch ein paar Worte zu unserem Berlin-Trip. Unweit unseres Hotels befindet sich das Cancun, ein mexikanisches Restaurant und Cocktailbar, bei dem wir uns schon vor einem Jahr bestens aufgehoben fühlten und wo es bis weit in die Nacht Essen und Getränke vom feinsten gibt. Da wir Samstags relativ früh raus mussten, wollten wir nicht mehr in die Stadt oder ins vom Berliner Fanclub „CKB08“ betriebenen Rössle nach Neukölln fahren, sondern verweilten in „Bettnähe“ und hofften auf mehr als nur eine Mütze voll Schlaf.
Weit gefehlt, trotz der Niederlage wurde der Abend noch richtig lustig, so dass wir erst gegen halb fünf Uhr im Zimmer waren. Gut zwei Stunden später klingelte der Wecker schon wieder, da uns unsere Tour weiter nach Hamburg führen sollte. Auf dem Programm stand das 2. Liga-Spiel FC St. Pauli-Union Berlin.
Mein zweiter Verein, spätestens seit unseren UEFA-Cup-Spielen gegen Celtic Glasgow, mit denen St. Pauli eine Fanfreundschaft verbindet, sind ja die braunweißen, zumindest wenn sie in einer anderen Liga spielen als wir.
Der gemeinsame Abstiegskampf 2010/2011 war da schon eine harte Probe dieses besonderen Verhältnisses und für das zu meinen Freunden beim magischen FC. Sonst aber finde ich es ziemlich wohltuend, wie anders St. Pauli im Vergleich zu „normalen“ Profivereinen ist.
Wegen der unchristlichen Anstoßzeit um 13 Uhr verließen wir Berlin also gegen 8.30 Uhr und traten die 1 ½-stündige Fahrt im ICE an. Sichtlich übermüdet und dennoch voller Vorfreude waren wir unterwegs. Nach Ankunft in der Hansestadt kurz das Gepäck in unser Bestwestern Hotel gebracht und schon ging es weiter in Richtung Kiez.
Bereits beim Umstieg in die U3 hatten wir den ersten Bekannten getroffen, mit ihm zogen wir weiter in die neu errichteten Fanräume im Bauch der neuen Gegengeraden. Dort bekamen wir gleich mal eine Einführung, wie sich jeder Fanclub dort einbringen durfte und welche Devotionalien der alten Stadiongaststätte dort ihren neuen Platz fanden.
Ganz interessant, zudem war das Astra, das schon wieder extrem gut mundete, für Stadionverhältnisse recht günstig. Kurz noch die hinterlegten Eintrittskarten abgeholt und schon ging es hinein ins Millerntorstadion. Diese Paarung hatte ich schon lang mal auf dem Zettel, pflegen diese beiden Fanszenen nach gegenseitigen Unterstützungsaktionen, als die Clubs finanziell am Tropf hingen, ein recht gutes Verhältnis miteinander. Einer der wenigen Ost-Vereine, die am Millerntor wohl gelitten und gerne gesehen sind. So war außer dem Spiel also auch noch ein gemeinsamer Umtrunk mit den Union-Fans zu erwarten. Wir hatten Sitzplätze auf der Süd, oberhalb des Ultra-Blocks und inmitten der braun-weißen Fangemeinde. Die Stimmung war während des gesamten Spiels bombastisch, der Spielverlauf tat ein Übriges. Nach einer Notbremse, der daraus resultierenden Roten Karte und dem verwandelten Elfmeter Mitte der ersten Halbzeit war das Spiel quasi entschieden. Es dauerte dann zwar noch bis zur 73. Minute, ehe St. Pauli mit dem 2:0 das Spiel endgültig entschied, große Spannung kam dennoch nicht auf, zu überlegen war St. Pauli, zu wenig hatten die Unioner entgegen zu setzen. Beiden Teams stand vor dem Spiel das Wasser bis zum Hals, so dass die Erleichterung über den am Ende deutlichen 3:0-Sieg überall spürbar war.
Die Union-Ultras hängten in der Halbzeit ihre Zaunfahnen ab und stellten den Support ein, offensichtlich jedoch nicht wegen der Leistung der eigenen Mannschaft. Angeblich gab es vor dem Block Tumulte zwischen einigen St. Pauli-Fans und Berliner Stadionverbotlern, woraufhin einige Ultras das Stadion verlassen wollten, von der Polizei jedoch daran gehindert wurden. In Folge dessen soll es zu einem massiven Pfeffersprayeinsatz der Wachtmeister im Gästeblock gekommen sein, was die Ultras dazu bewegte, den Block geschlossen zu verlassen. In der ersten Halbzeit noch machten sie richtig Alarm.
In den St. Pauli-Bereichen dagegen herrschte 90 Minuten lang Dauersupport. Im Gegensatz zum Neckarstadion wird auf allen Tribünen mitgemacht, im Gegensatz zu unseren Ultras werden von den St. Pauli Ultras fast nur Lieder angestimmt, die der eigenen Mannschaft huldigen, sie nach vorne peitschen und manchmal auch voller Selbstironie getragen sind. Sind bei uns gefühlte 80% der Songs, in denen sich die Ultras selbst feiern oder den Gegner verunglimpfen, wird diesem in St. Pauli meistens Respekt entgegengebracht. Natürlich lassen sich diese beiden Vereine und vor allem die Stadien schlecht miteinander vergleichen, dennoch würde ich mir ein wenig Umdenken in der Fanszene wünschen. Ich stelle jedes Mal dort fest, dass schon die Grundstimmung eine bessere ist, was vielleicht auch daran liegen mag, dass nicht jeder das Stadion mit dem Messer zwischen den Zähnen betritt.
Wir haben den Besuch im ausverkauften Millerntor sehr genossen. Abends auf dem Kiez verließen uns dann aber leider irgendwann einmal die Kräfte und die Müdigkeit gewann die Oberhand. War zwar schade, jedoch nicht zu vermeiden. Wäre ich in diesem Jahr nicht schon zwei Mal in Hamburg gewesen, stünde das vierte Mal Hamburg im Dezember nicht schon wieder fast vor der Tür, hätte es mich sicherlich richtig genervt, so war es gerade noch zu verkraften, gegen 22 Uhr in Richtung Hotel aufzubrechen zu müssen.
Schließlich wurde gestern noch die SWR-Dokumentation „Fußballfieber – der VfB Stuttgart und seine Geschichte ausgestrahlt“. Als einer der Gewinner beim SWR-Gewinnspiel durfte ich beim Preview beim SWR am vergangenen Dienstag dabei sein und mir den Streifen schon vorab zu Gemüte führen. Johannes Seemüller moderierte, Talkgäste waren Hansi Müller, Günther Schäfer, Lothar Weise sowie die für die Doku verantwortlich zeichnenden SWR-Sportjournalisten Jens Ottmann und Thomas Wehrle. Da ich an diesem Tag höllische Rückenschmerzen hatte, war lang nicht klar, ob ich mir das tatsächlich antue. Im Nachhinein kann man fast sagen, dass es mir gereicht hätte, die Doku sonntags im Fernsehen anzuschauen. Da ich direkt vom Geschäft dort hin ging, hätte ich mir wenigstens einen kleinen Imbiss und ein Bierchen dazu gewünscht, doch leider, außer einem Sektempfang gab es nichts für Gaumen und Leber. Mir ist zwar klar, dass man das jetzt nicht unbedingt erwarten konnte, aber, darauf hoffen durfte man ja schon, wenn schon so mit Exklusivität geworben wird. Die Doku war absolut sehenswert, vor allem an die Sternstunden, die ich selbst hautnah miterlebt habe, erinnert man sich immer wieder gerne zurück und genießt die Bilder dazu. Ehrensache, dass gestern der HDD-Receiver einprogrammiert wurde und der Streifen aufgehoben wird.

Die Talkrunde war relativ kurz, aber aufschlussreich und amüsant. Bei Hansi Müller, als Aufsichtsrat und Würdenträger, wirkte es für mich aufgesetzt, als er meinte „der VfB ist noch immer ein geiler Club“. Auch befremdlich und realitätsfern fand ich, als er von regelmäßig 50.000 und mehr Zuschauern schwärmte. Gerade als Amtsträger sollte ihm doch bewusst sein, dass der Verein drauf und dran ist sein Klientel vollends zu vergraulen und weniger als 40.000 zahlende Zuschauer keine Seltenheit mehr sind. Lothar Weise, VfB-Spieler von 1958-1963 und Siegtorschütze im Pokalfinale 1958 gegen Fortuna Düsseldorf plauderte von der guten alten Zeit, als VfB noch „Vorbild für Bayern“ bedeutete und die Bayern keine Chance gegen den VfB hatten. Und, dass heutzutage der beste VfB-Spieler keine Chance mehr hätte, bei den Bayern zu spielen.
Wie er bei Heimspielen noch bis zwei Stunden vor Spielbeginn an seiner Tankstelle den Tankwart gab, ehe seine Frau das Kommando zur Abfahrt ins Neckarstadion gab.
Und, schließlich war da noch „Günne“ Günther Schäfer, mein Held der Meistermannschaft 1992, der durch seine unfassbare Rettungsaktion das 2:0 für Leverkusen verhinderte und dadurch den Titel erst möglich machte. Er gefiel mir am besten, beschrieb, wie er bei einem seiner ersten Trainings bei den Profis von Bernd Förster umgesenst wurde, was ihm drei Wochen Verletzungspause einbrachte. Wie er nach dieser Pause sich dann jenen Bernd Förster schnappte und ihn ebenfalls niederstreckte. Wie er am Blick des Gefoulten erschrak und „Wunder was“ dachte, was er wohl gleich mit ihm anstellen würde. Und, wie überrascht er dann gewesen ist, als Förster ihm die Hand reichte und trocken meinte „ich bin der Bernd“. Diese Anekdote sollte verdeutlichen, wie die damaligen Platzhirsche ihr Revier verteidigt haben, aber auch, wie man sich als Jungspund selbst Respekt im Mannschaftskreis erarbeiten konnte. Weiter führte Schäfer aus, wie wichtig ihm als Verantwortlichem der Fußballschule Respekt ist, wie er versucht, den Jungs Werte zu vermitteln und den Wächter gibt, ob die Jungs diese auch annehmen.
Hier schließt sich für mich wieder der Kreis zu unserer aktuellen Spielergeneration, zu unserer Profimannschaft, hat doch Armin Veh in jüngster Vergangenheit gerade bemängelt, die Jungs heutzutage wüssten überhaupt nicht mehr, was Respekt bedeute, würden ihn unberechtigterweise einfordern, diesen anderen jedoch nicht entgegenbringen. Bleibt zu hoffen, dass Günne den Jungs etwas von seinen Werten vermitteln kann. Er war für mich der Inbegriff von Vereinstreue, gepaart mit steter Leistungsbereitschaft und Loyalität. Einen solchen Mann sucht man schon seit längerer Zeit, vermutlich seit Soldo, in unseren Reihen vergeblich!

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21. Oktober 2013

Wechselbad der Gefühle

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:07

Bilder vom Tor-Festival in Hamburg sind jetzt online. Es war mal wieder ein denkwürdiger Trip in die Hansestadt, auch wenn ich im Nachhinein feststellen muss, dass vier Tage Hamburg schon heftig sind. Am Donnerstag war richtiges Sauwetter angesagt, da blieb uns fast nichts anderes übrig, als nach kurzen Fußmärschen im Regen bei nächster Gelegenheit wieder einzukehren. Kontrastwetter dann am Freitag, strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen, die einluden mal nach Blankenese rauszufahren, im Botanischen Garten vorbei zu schauen und an den Landungsbrücken zu flanieren. Abends dann eine Kiezführung mit Titten-Tina, einschließlich eines Blicks in den Boxkeller der Ritze. Hat sich gelohnt. War interessant und amüsant! Beim Gang durch die Herbertstraße mussten die Damen eben einen Umweg nehmen, that’s life! :-) .

Samstags dann trafen nach und nach immer mehr VfBler ein, unsere Freunde schon früh morgens, so dass wir nach einem guten Frühstück zu einer rund 15-stündigen Kneipentour aufbrachen und aus vielen Kiezkneipenperspektiven heraus das Treiben auf der sündigen Meile bzw. deren Seitenstraßen erleben durften. Da wir alle nicht so verschrocken sind, mussten wir zwischendurch auch einmal nachsehen, ob sich in Lokalen wie dem Goldenen Handschuh und Elbschlosskeller je etwas ändern würde, was nach diesem Wochenende ganz klar zu verneinen ist. Was man dort erlebt, muss leider der Zensur zum Opfer fallen. Mutige Neugierige sollten sich einfach selbst davon überzeugen.

Am Spieltags morgen dann stand der Frühschoppen mit dem Hamburger OFC Roter Brustring Hamburg ab 11 Uhr in der Sportsbar Loop in HH-Bahrenfeld auf dem Programm. Einige VfBler, einschließlich unserer Fanbetreuung Klenky und Christian, hatten sich dort zum Essen und Vorglühen versammelt. Leider wurde uns wieder ein Sonntagsspiel verordnet, so dass eine Barkassenfahrt, wie schon in der letzten Saison, nicht zustande kam. Deshalb würde ich mir das Spiel beim HSV (oder gar dem FC St. Pauli!?) mal an einem der letzten beiden Spieltage, also Samstag 15:30, wünschen.

Trotzdem hat es wieder viel Spaß gemacht, leider kamen auch von unseren Bekannten weniger als erwartet zum Treffpunkt, die Kieznacht hatte bei einigen ihren Tribut gefordert.

Von HH-Bahrenfeld ist es lediglich eine S-Bahn-Station bis Othmarschen, von wo aus Shuttle-Busse zum Volksparkstadion verkehren. Kurze Wege, so haben wir es doch gerne! Nach der Ankunft am Stadion blieb noch Zeit im Bistro Picknick das eine oder andere Bierchen zu trinken und sich mit Freunden zu treffen.

Dann ging es also hinein zum eigentlich Highlight und Anlass des Hamburg-Trips. Für mich ist und bleibt es das Volksparkstadion, dann laufe ich schon überhaupt nicht Gefahr, bei den vielen Namenswechseln durcheinander zu kommen. Hamburg ist seit Jahren ein Pflicht-Auswärtsspiel für mich. Zum einen wegen unserer Freunde aus Hamburg und Umgebung, wegen der Stadt an sich, wegen dem Kiez und nicht zuletzt auch wegen dem Stadion. Mir gefällt es immer sehr gut dort, weil ich mich dort auch als Auswärtsfan gut behandelt fühle. Man ist nicht total abgeschottet von den HSV-Fans, kauft an denselben Kiosken sein Vollbier wie die HSVer und auch die Einlasskontrollen sind relativ entspannt. So geht’s doch auch!

Nach zwei Siegen in Folge in Hamburg sollte an diesem fast Spätsommertag der dritte Auswärtsdreier bei den Rauten folgen. Das Spiel begann vielversprechend, denn, wir hatten kaum Platz genommen, schon traf Maxim überlegt zum 0:1. Leider zog sich der VfB danach etwas zurück und ließ den HSV ins Spiel kommen. Der HSV übernahm die Initiative, kam aber noch nicht zu klaren Chancen, unsere Verteidigung stand anfangs ganz gut. Das änderte sich nach gut 20 Minuten. Sakai, wieder einmal zu weit aufgerückt, musste hinten rechts von William Kvist vertreten werden, der gleich doppelt patzte und den starken Arslan an den 5-Meter-Raum passen ließ, wo sich Lasogga nicht zwei Mal bitten ließ und zum Ausgleich traf. Ein Warnschuss zur rechten Zeit, besann sich der VfB danach doch wieder mehr auf die Offensive. Eine Viertelstunde nach dem Ausgleich schlug Maxim einen Freistoß in den Strafraum und genau auf den Kopf unseres Käpt’n Christian Gentner, der zur 2:1-Halbzeitführung einnetzte. Auch danach hatte es wieder den Anschein, der VfB wolle sich auf der Führung ausruhen. Dennoch hätte der VfB kurz nach dem Seitenwechsel auf 3:1 erhöhen können, als Ibisevic eine Hereingabe von Ibrahima Traore knapp verfehlte. Danach verlor der VfB völlig den Faden, kassierte das 2:2 durch Beister und ließ danach Chancen im Minutentakt zu, so dass einem angst und bange werden konnte. In diese Drangphase hinein fiel das zu diesem Zeitpunkt dann doch überraschende 3:2 für den VfB. Die Freude darüber währte allerdings lediglich drei Minuten, bis van der Vaart zum Endstand traf.

Besagter van der Vaart provozierte dann wohl unseren Jungspund Antonio Rüdiger, der sich daraufhin zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Dass der in die Jahre gekommene van der Vaart solche Mittel für notwendig erachtet, hat er ja bereits im Februar dieses Jahres zugegeben, als er eine Rote Karte für Lewandowski durch Schauspielerei provozierte. Ich hoffe es, glaube es aber nicht, dass das DFB-Sportgericht bei der Urteilsfindung auch recherchiert, wie gravierend die Provokation war und ob eine Sperre für van der Vaart möglicherweise auch in Frage kommen könnte.

Ob er Rüdiger jetzt „Nigger“ genannt hat, wie in manchen Foren zu lesen ist (eine seriöse Quelle darüber habe ich nicht gefunden) oder ihm sonstige Nettigkeiten entgegengeworfen hat, meiner Meinung nach muss sich Antonio Rüdiger besser in den Griff bekommen. Dies war seine vierte Rote Karte in seinen letzten dreißig Pflichtspielen, was eindeutig zu viel ist. Als Wiederholungstäter – schon bei seiner Roten Karte gegen Fürth ging es nicht um den Ball –  erwartet ihn eine Sperre von vermutlich vier bis fünf Spielen. Da bald wieder Schorsch Niedermeier zurückkehren wird und mit Haggui noch ein bundesligaerfahrener Recke bereit steht, dürfte Rüdigers Stammplatz, auch nach Ablauf der Sperre, erst einmal futsch sein. Er wird sich wieder ganz hinten anstellen müssen und hat zunächst einmal viel Zeit, über seine Dummheit(en) nachzudenken. Der VfB hat ja ein Gespräch mit Rüdiger angekündigt. Ich wünsche mir, dass es dabei nicht nur um das übliche Blabla wie „Bärendienst für die Mannschaft“ geht, sondern man auch versuchen wird, der Sache auf den Grund zu gehen, weshalb sich der Spieler in manchen Situationen so gehen lässt. Wie man so hört, soll er ja auch Probleme außerhalb des Platzes haben.  Er ist ein begnadetes Talent, sollte sich aber mehr aufs fußballerische konzentrieren. Dass man ihn (noch) nicht abzuschreiben braucht sieht man an den Boatengs, die am Anfang ihrer Karrieren auch mehr durch Kapriolen außerhalb des Platzes und Aussetzern auf dem Platz aufgefallen sind, als durch fußballerische Höchstleistungen. Beide legen inzwischen eine bemerkenswerte Karriere hin.

So müssen wir am Ende mit dem einen Punkt zufrieden sein, auch wenn das nach dreimaliger Führung und drei Auswärtstoren schwer fällt.  Vor dem Spiel noch sagte ich, dass wir, wenn wir schon die Heimspiele nicht gewinnen, wenigstens auswärts gewinnen sollten. Nach diesem Spiel jetzt ist ein Heimsieg gegen den Club schon fast wieder Pflicht, möchte man den Anschluss an Platz vier nicht verlieren. Ich finde nicht, dass die Hoffnung darauf zu hoch gegriffen ist. Lassen wir einmal die Bayern, den BVB und Bayer Leverkusen außen vor, ist die Liga ausgeglichen wie selten, so dass, mit ein wenig Konstanz, auch mehr als die (finanziell) unattraktive Europa League drin sein könnte.

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1. April 2013

Unglückliche Heimniederlage gegen den Deutschen Meister

Nach der Länderspielpause und einer gefühlten Ewigkeit mal wieder hatte der VfB ein Heimspiel zur traditionellen Fußballzeit, Samstag 15.30 Uhr, vor der Brust. Voller Vorfreude und auch mit einem gewissen Optimismus machte ich mich an diesem Samstag schon sehr frühzeitig auf zu einem Bierchen und Fachsimpeleien mit Freunden. Diese Rituale gehören dazu wie das Treiben auf dem grünen Rasen und können an einem Samstag-Nachmittag natürlich weitaus genüsslicher angegangen werden als bei Sonntag-Spielen.

Durchaus optimistisch deswegen, weil der VfB dem BVB zuletzt vier Mal in Folge ein Remis abringen konnte, weil, durch die Länderspielpause und den Wegfall der Dreifachbelastung ein wenig Zeit zum durchschnaufen war und weil der VfB zuletzt durch den Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt den Tabellendruck etwas abmildern und sich Selbstvertrauen zurück holen konnte.

Das Stadion war seit längerem mal wieder ausverkauft, was einmal mehr verdeutlicht, dass zum VfB viele Leute eher wegen dem Gegner als wegen dem VfB kommen. Ein Phänomen, das nun mal so ist. Vor allem in Zeiten, des sportlichen Misserfolgs, in einer Saison, in der sich eine emotionslose Partie an die nächste reiht, in der sich Verein und Mannschaft immer mehr vom Publikum entfremden, in denen man für immer weniger Gegenleistung immer mehr Geld bezahlen soll, da ist ein Stadionbesuch einfach nicht mehr so selbstverständlich wie vielleicht noch vor einigen Jahren.

Und die VfBler, die zu Hause blieben, ermöglichten den unzähligen Gelb-Schwarzen sich einen Platz inmitten des weiten Runds zu sichern. Dies hatte zur Folge, dass sicherlich rund 10.000 BVB-Fans das Neckarstadion bevölkerten. Dortmunder möchte ich nicht sagen, da es unter denen doch sehr geschwäbelt hat.

Im Vergleich zum Frankfurt-Spiel änderte Labbadia die Anfangsformation gleich auf vier Positionen. Tasci wegen Grippe, Kvist und Molinaro gesperrt fielen ebenso aus wie der verletzt von der Nationalelf zurückgekehrte Shinji Okazaki. Für diese rückten Rüdiger hinten rechts, Felipe, Maxim und Harnik ins Team. Der VfB begann engagiert und hatte durch Niedermeier und Traore erste gute Tormöglichkeiten, hatte aber auch Glück, dass Reus in der Anfangsphase an Sven Ulreich scheiterte. Der VfB war von Beginn an im Spiel und es entwickelte sich, wie so oft in letzter Zeit gegen den BVB, ein Spiel mit offenem Visier. Man merkte den Brustringträgern an, dass sie sich etwas vorgenommen hatten und keineswegs dem scheinbar übermächtigen Gegner das Feld kampflos überlassen wollten. Anders als in so vielen Spielen zuvor , als man verhalten ins Spiel ging und erst einmal abwartete, den Sicherheitsrückpass dem Steilpass stets vorzog, war auf einmal Bewegung und Kampfgeist drin, was sich auch aufs Publikum projizierte. Gerade bei uns, Haupttribüne Seite Richtung Untertürkheimer Kurve, wo man oft den gegnerischen Anhang lauter hört als den unseren, wo sich gegnerische Fans in großer Anzahl tummeln, wo sich zuletzt eine unfassbare Lethargie und Gleichgültigkeit breit machte, gerade hier spürte ich, wie sich das Feuer vom Rasen auf die Ränge übertrug und Gift wie lange nicht mehr drin war.

Dass, wenn David gegen Goliath spielt, der vermeintlich kleine auch einmal zu unlauteren Mitteln greifen muss um nicht Katz und Maus mit sich spielen zu lassen, liegt in der Natur der Sache. Dass die Dortmunder Spieler, die meist unheimlich flink auf den Beinen sind, das eine oder andere Mal auch rustikal ausgebremst werden müssen, ist doch normal in diesem Sport. Wie sehr würde man sich aufregen, würde man sich sang- und klanglos ergeben und hätte nach dem Schlusspfiff nicht eine gelbe Karte zu verzeichnen.

Ich betone hierbei rustikal und meine nicht brutal oder fies. Die Aktion von Martin Harnik gegen Schmelzer fand ich überflüssig, da, so wie der Ball kam, eigentlich keine Gefahr mehr entstehen konnte. Wenn man sich die Fernsehbilder anschaut, sieht man auch, dass Harnik schon vor dem „hohen Fuß“ Körperkontakt mit Schmelzer hatte, also genau wusste, dass er „in der Nähe“ war und es einfach nicht so ist, wie er hinterher zum Besten gab, dass er ihn nicht gesehen hätte. Ob jetzt der Fuß hoch oder der Kopf zu tief war, ist müßig zu diskutieren. In dieser Situation hätte er nicht so einsteigen brauchen, fertig. Allerdings, dieses Vergehen wurde richtigerweise mit Gelb sanktioniert, eine härtere Strafe wäre überzogen gewesen. Es war Harniks fünfte Gelbe Karte, so hat er jetzt auch ausreichend Zeit, darüber nachzudenken, ob das hat sein müssen.

Und, Marcel Schmelzer, nichts für ungut. Der BVB hat Erfahrungen mit Gesichtsverletzungen und wird sicherlich die bestmögliche Versorgung gewährleisten können. Dass man auch mit Nasenbeinbruch nicht so schwer gehandicapt ist wie bei einem Fußbruch zeigt derzeit unsere Winterneuerwerbung Alexandru Maxim. Er stand erstmals in der Bundesliga in der Startelf und wird dort hoffentlich nicht so schnell wieder rausfliegen, auch wenn er damit Brunos Wunschelf sprengen sollte. Er ist DER Lichtblick in Zeiten fußballerischer Armut, ist er doch ein Spieler, dessen Freund der Ball ist und der einzige weit und breit in unserem Kader, Raphael Holzhauser mit Abstrichen ausgenommen, der es vermag einen Eckball bzw. Freistoß zum eigenen Mann und vor allem über den ersten Abwehrspieler hinweg zu bringen. Bei ihm geht mir derzeit das Herz auf und nicht umsonst gilt er als der „Mario Götze Rumäniens“. Ich bin guter Hoffnung, dass wir an ihm noch viel Freude haben werden und freute mich riesig, dass er es war, der sich für seine starke Leistung mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich belohnte.

Brunos Wunschformation wurde unter anderem durch Kvists Gelbsperre gesprengt. Ob ein Kausalzusammenhang zwischen Kvists Sperre und dem neuen Angriffsschwung besteht? Für mich liegt dieser „Verdacht“ nahe, war das VfB-Spiel doch plötzlich viel schneller und ansehnlicher. Wenn man sich die Verfassung des dänischen Nationalspielers zuletzt vor Augen führt, war seine Sperre für das Team mehr Segen als Fluch.

Eine andere Maßnahme, zu der Bruno Labbadia buchstäblich gezwungen wurde, war, Antonio Rüdiger als Rechtsverteidiger aufzustellen und Gotoku Sakai links verteidigen zu lassen. Eine personelle Rochade, die ich mir schon nach dem Bayern-Spiel gewünscht hätte, als Rüdiger großartig gegen Ribery spielte, und, nachdem Sakai zurückkehrte, sofort wieder auf der Bank oder Tribüne verschwand. Gerade junge Spieler verstehen doch die Welt nicht mehr, wenn sie nach starken Leistungen sofort wieder aus dem Team genommen werden, wenn vermeintliche Leistungsträger von Sperren, Verletzungen oder Afrika-Cup zurückkehren. Ein Trainer sollte doch immer zuerst die formstärksten Spieler bringen und gute Leistungen belohnen, anstatt blind seiner inneren Überzeugung zu folgen, und sich Woche für Woche von SEINEN Lieblingen enttäuschen zu lassen. Diesbezüglich erinnert mich Labbadia oft an Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede bzw. den Auszug davon „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“.  Bei solch sturem Festhalten an manchen Spielern bin ich (dann) gegenteiliger Meinung!

Doch nun zurück zum Spiel. Für Schmelzer kam Piszczek, der eigentlich für die Champions League Partie in Málaga geschont werden sollte, ins Spiel. Ausgerechnet der polnische Rechtsverteidiger war es dann, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung seine Farben in Führung köpfte. So gesehen war der Tritt von Harnik gegen Schmelzer für den BVB ein „Glückstritt“. Beim VfB war die Aufregung groß, war dem Freistoß, der dem 0:1 voranging doch ein unberechtigter Einwurf für Dortmund vorausgegangen.   Bei aller Aufregung aber, eine vom BVB schon hundertfach gesehene Freistoßvariante darf man auch besser verteidigen…

So rächte sich in einem bis dato ausgeglichenen Spiel mit verteilten Torchancen, hüben wie drüben, die erneut schludrige Chancenverwertung vom VfB, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Ibisevic, meist auf sich alleine gestellt, bekommt zu wenig Futter, um sein Torkonto erhöhen zu können, er fällt derzeit meist lediglich dadurch auf, dass er Bälle gut behaupten kann. Mangelndes Engagement kann man ihm nicht vorwerfen, fast unermüdlich wirft er alles in den Ring, was er zur Verfügung hat. Wenn er sich Tore nicht selbst vorbereitet, trifft er aber (zur Zeit) nicht. Schade, dass er knapp im Abseits stand, als er Weidenfeller per Kopf überwunden hatte.

Stattdessen hätten aber Georg Niedermeier und vor allem Traore treffen müssen. Möchte man ein solches Spiel gegen einen starken Gegner gewinnen, dann muss man einfach die Kiste machen und 1:0 in Führung gehen. So fiel der Treffer auf der anderen Seite, was den VfB allerdings dieses Mal nicht lähmte und zurück warf. Nicht zuletzt, weil sie in Maxim endlich mal wieder einen kreativen Kopf auf dem Platz hatten, gelang es, dem BVB ein über weite Strecken ausgeglichenes Spiel zu bieten.

Nach einer guten Stunde Spieldauer kam der VfB dann zum verdienten Ausgleich durch Maxim, der zu diesem Zeitpunkt in der Luft lag. Knackpunkt des Spiels war dann die gelb-rote Karte für Georg Niedermeier nach 70 Minuten. In meinen Augen einfach nur dumm dieses Einsteigen, wenn man bereits gelbverwarnt ist. Dieses Foul wäre vom einen oder anderen Referee auch mit glatt rot bestraft worden, daher auch ist es auch müßig darüber zu diskutieren, dass die erste gelbe Karte für Niedermeier keine war. Der Schorsch wirkte nicht nur in dieser Szene übermotiviert und machte seinem Spitznamen „Niederstrecker“ alle Ehre. Unschön, was dann geschah, als Götze im Fallen eine Bewegung mit seiner Hand in Richtung Schorsch machte, ihn wohl auch im Gesicht „streichelte“, der Schorsch sich aber danach wälzte, als habe ihm Mike Tyson seine gefürchtete Schlaghand ins Gesicht gedonnert. Diese Theatralik im „modernen“ Fußball widert mich einfach an, ob es jetzt ein Gegner ist oder wie in diesem Fall ein eigener Spieler. Wir haben doch gestandene Mannsbilder auf dem Platz und keine Memmen, also sollten sie sich auch wie Mannsbilder benehmen und nicht sämtliche guten Sitten vergessen, nur um sein eigenes Strafmaß abmildern zu wollen oder eine Bestrafung für den Gegenspieler herausschinden zu wollen. Was mich betrifft kann der Schorsch damit keinen Eindruck machen, ich fand das nur peinlich.

Schlimm ist eben, wo wir schon bei Schauspielerei sind, dass diese mittlerweile zum guten Ton in der Bundesliga gehört. Wie oft sieht man Spieler, die sich bei gegnerischem Ballbesitz herum wälzen, um zu erwirken, dass irgendeiner den Ball raus spielt und plötzlich wieder „fit“ sind, wenn die eigene Mannschaft den Ball gewinnt. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, plädiere ich dafür, gnadenlos weiter zu spielen, zumindest von der gegnerischen Mannschaft, ohne dabei irgendetwas von verletztem Fairplay zu faseln. Wo ist denn das Fairplay, wenn 60.000 Zuschauer im Stadion durch den Verfall der Sitten verarscht werden und das Spiel dazu noch unnötig verlangsamt wird.

So war die Hinausstellung Niedermeiers gerechtfertigt, ebenso wie die gelbe Karte für Götze. Für meinen Geschmack war das noch zu wenig, um hier eine Hinausstellung Götzes zu fordern. Allerdings hat mir der Schiedsrichter Aytekin insgesamt zu einseitig gepfiffen, bspw. hätte Gündogan ebenso gelb oder dann später auch gelb-rot sehen können bzw. müssen, in Situationen, als es weniger um den Ball ging, als bei der Aktion von Niedermeier, wo immerhin die Absicht unterstellt werden konnte, er wolle den Ball spielen. Auch muss man nicht zwingend bei jedem Körperkontakt gegen die wendigen Leichtgewichte Reus und Götze auf Freistoß für den BVB entscheiden. Diese wiederum forderten stets gestenreich, genauso wie die Dortmunder Bank und vor allem im Tor Ramona Weidenfeller Karten gegen den VfB. Dieses ständige Reklamieren, Gestikulieren und Rumgeheule, um den Schiri auf seine Seite zu bekommen, hätte genauso sanktioniert gehört. Der VfB hätte noch einen Handelfmeter bekommen können, dazu war die gelbe Karte für eine vermeintliche Schwalbe gegen Boka völlig überzeugen. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass der DFB dem Schiedsrichtergespann die Mission erteilt hatte, die Liga noch ein wenig „spannend“ zu halten und dass der VfB eben die Bayern nicht schon zum frühzeitigen Meister machen sollte.

Der VfB hat meiner Meinung nach über weite Strecken das getan, was er tun musste. Er begegnete dem BVB mit Einsatz, Kampf und Leidenschaft, Tugenden, die wir lange vermisst hatten. Daher verteufele ich keineswegs das eine oder andere harte Einsteigen, dies war notwendig, um dem BVB Paroli zu bieten und in gewisser Weise auch um sich Respekt zu verschaffen.

Aus diesem Blickwinkel kann ich auch die Aussage von Labbadia unterschreiben, dass die Dortmunder keineswegs unter Artenschutz stehen. Wir sind sicherlich nicht dafür zuständig, dass die Dortmunder am Mittwoch gegen Málaga eine schlagkräftige Elf auf dem Platz haben, auch wenn ich natürlich hoffe, dass der BVB diese Hürde nimmt. Der VfB kämpft ums Überleben in der Liga und kann auf solche Sentimentalitäten in der derzeitigen Situation keine Rücksicht nehmen.

Dass Klopp hinterher die überharte Gangart vom VfB und die eine oder andere Schramme seiner Kicker beklagte liegt ja mit daran, dass sie sich ebenfalls mit allem, was sie haben, ins Getümmel werfen und ordentlich austeilen. Diese Spielweise hat sie in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht, also sollte jetzt auch nicht gejammert werden, wenn der VfB gut dagegen hielt.

Als VfB-Fan ging ich trotz der Niederlage, die leider in Unterzahl nicht mehr verhindert werden konnte, zufrieden von dannen. Der VfB hat einiges ins Spiel investiert und hätte den einen Punkt sicherlich auch verdient gehabt. Sollte es gelingen, diese neu entdeckten Tugenden auch bei den kommenden Spielen in die Waagschale zu werfen, ist mir nicht bange. Mindestens gegen zwei Drittel der Liga würde eine solche Leistung zum Sieg reichen und diese aufopferungsvolle Hingabe belohnt werden.

Für den VfB wird es in den restlichen Spielen darum gehen, den Abstand auf Relegationsplatz 16 zu halten und mit der Abstiegszone nichts mehr zu tun zu bekommen. Die Spiele werden aber weniger und unten scheint das kurze Aufmucken des FC Augsburg schon wieder beendet zu sein. Alle anderen, die in der Tabelle hinter uns platziert sind, punkten ebenfalls nicht gerade furchteinflößend, so dass das Thema Abstiegsgefahr hoffentlich bald ad acta gelegt werden kann.

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23. Oktober 2012

Rüdiger als Matchwinner

An diesem goldenen Oktoberwochenende hatten wir mal wieder eine besondere Tour geplant. Erst ging es am Samstag in den Erdgas-Sportpark nach Halle, unmittelbar nach Spielende folgte die Weiterfahrt nach Hamburg, wo der VfB am Sonntag-Abend den 8. Spieltag abschließen würde.

Gegen den Hallescher FC ging es für unsere Amas darum, den Negativtrend mit zuvor sechs sieglosen Spielen in Folge zu beenden und sich wieder ein kleines Polster zu den Abstiegsplätzen zu erarbeiten.

Dies gelang eindrucksvoll. Bereits nach vier Spielminuten nutzte Antonio Rüdiger die Konfusion in der Hallenser Abwehr, als er eine Ablage aus etwa 20 Metern mit einem satten Vollspannschuss ins Tor hämmerte und damit die in den schönen schwarzen Auswärtstrikots angetretenen Schwaben in Führung schoss. Halle, die ebenfalls in einer Negativspirale stecken, merkte man danach die Verunsicherung an. Der VfB versäumte es aber, diese auszunutzen und unmittelbar nachzulegen. So legten die Hausherren nach und nach die Nervosität ab und übernahmen das Kommando, welches zwischenzeitlich kurz vor der Halbzeit in den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich mündete.

Fünf Minuten nach Wiederbeginn musste unser Kapitän Tobi Rathgeb verletzungsbedingt vorzeitig den Platz verlassen und wurde durch Thomas Geyer ersetzt. Weitere vier Zeigerumdrehungen später dezimierten sich die Gastgeber selbst, als Preuß nach einem Foul am überragenden Rüdiger die Ampelkarte sah. Zehn Minuten später gab es gut 20 Meter vor dem gegnerischen Tor nach einem Foul an Rani Khedira Freistoß für den VfB. Der etatmäßige Standardspezialist Rathgeb stand ja nicht mehr auf dem Platz, also übernahm Antonio Rüdiger die Verantwortung und schnürte seinen Doppelpack.

An dieser Stelle möchte ich einmal meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, dass normalerweise der Leitwolf Tobias Rathgeb sämtliche Standards bei unserer zweiten Mannschaft treten darf. Bei aller Wertschätzung für Rathgeb, hielte ich es für angebrachter die Standards  ambitionierteren Spielern, wie (einst) Holzhauser, oder eben jetzt einem Kevin Stöger, Antonio Rüdiger oder auch Rani Khedira zu überlassen. So kommt Holzhauser in die erste Mannschaft und übernimmt dort auf Anhieb die Standards, welche er bei den Amas selten bis nie ausführen durfte, ebenso packt Rüdiger in Halle die Chance beim Schopfe und hämmert das Runde ins Eckige, wo Rathgeb mutmaßlich einmal mehr die Kugel mehr geschlenzt denn gedroschen hätte und der Ball so zu 99% eine sichere Beute für den Keeper gewesen wäre oder der Ball über den Kasten geflogen wäre.

Nach dem 1:2 war der Widerstand der Hallenser jedenfalls gebrochen und der VfB erhöhte noch durch Janzer und Benyamina auf das etwas zu hohe 1:4.

Eigentlich schaffen wir es selten bis nie zu einem Auswärtsspiel unserer Jungen Wilden. Dieses Mal jedoch bot es sich an, auch wenn Halle nicht auf dem direkten Weg nach Hamburg liegt. Dennoch bereuten wir diese Entscheidung in keiner Sekunde. Es war ein toller Trip, bei fast sommerlichen Temperaturen und strahlend blauem Himmel. Die 7.002 Zuschauer im Erdgas-Sportpark machten ordentlich Stimmung und unterstützten ihr Team während der gesamten 90 Minuten. Leider blieb der Gästeblock an diesem Tag geschlossen, so dass sich die ohnehin wenigen VfB-Fans noch im weiten Rund verloren. Die Mannschaft ließ es sich dennoch nicht nehmen, sich nach dem Spiel in unserer Kurve feiern zu lassen und sich fürs Kommen zu bedanken. Für den VfB geht es am kommenden Wochenende zu Wacker Burghausen, die auf einem respektablen fünften Tabellenplatz stehen und sogar die Heimtabelle anführen. Es dürfte also kein leichtes Unterfangen werden. Dennoch ist unserem jungen Team mit dem Elan von Halle einiges zuzutrauen, zumal es die Punkte für den Klassenerhalt wohl eher auswärts holen muss. In Degerloch ist der VfB auch im fünften Jahr in der 3. Liga noch nicht heimisch geworden, auch, weil so gut wie jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist. Dem Team ist zu wünschen, dass sich dieser Zustand baldmöglichst ändert, die Heimfans auch in Degerloch einmal in der Überzahl sind und sich ein Stimmungsblock bildet, der dem Gegner stimmungstechnisch Paroli bieten kann. Es sollte sich doch einmal herumsprechen, dass hier junge, hungrige Akteure auf dem Platz stehen, die unsere Farben mehr als würdig vertreten, und, die es verdient hätten, mehr Zuspruch zu erhalten.

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