14. April 2017

Bereit für den Endspurt?

Seit längerer Zeit, genauer gesagt seit der Schmach von Fürth, melde ich mich auch mal wieder auf meinem Blog zu Wort. Nicht, weil es über den VfB nichts zu schreiben gäbe, sondern schlicht und einfach darin begründet, dass einem als Allesfahrer entweder die Zeit und nach Sonntags- und Montagsspielen unter der Woche manchmal auch der Kopf zum Schreiben fehlt.

Wenn man dann außerdem noch auf die Idee kommt, unsere Amateure in Elversberg oder gegen Lautern II im Schlienz-Stadion zu unterstützen und samstags einen Ausflug in die Ortenau zu unternehmen, um das Oberligaspiel zwischen dem SSV Reutlingen beim Offenburger FV anzuschauen, kann sich jedermann leicht ausmalen, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt.

Was ist passiert seither? Nach der Länderspielpause gelang die Rehabilitation für das Hinspiel-Debakel gegen Dynamo Dresden nur bedingt, auch wenn man als moralischer Sieger aus dieser Partie hervorging. Im Anschluss an das Fürth-Spiel äußerte ich die Hoffnung, dass nach der Pause (endlich) die Stunde von Ebenezer Ofori schlagen könnte oder auch müsste.

Dies bewahrheitete sich, er feierte ein ordentliches Debüt, auch wenn die Abstimmung mit seinen Mitspielern in der einen oder anderen Szene noch fehlte. Dass er eine gute Ballbehandlung hat und ein weiterer Stabilisator im VfB-Spiel werden könnte, deutete er aber schon an.

Als die Gewinner der Länderspielpause, in der der VfB zwei Testspiele bestritt, galten vermeintlich Tobias Werner und Alexandru Maxim. Wie sich dann aber, als der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurden, herausstellte, waren sie in den Tests doch mehr Lückenbüßer für die bei ihren Nationalmannschaften verweilenden VfB-Spieler, denn Hoffnungsträger für die restlichen Zweitligaspiele.

In Degerloch trafen während der Pause Timo Baumgartl und Carlos Mané mit ihren U21-Nationalmannschaften aufeinander. Auf diesen Kick verzichtete ich kurzfristig dann doch, weil es einerseits um nichts ging und andererseits solche Tests meist in Wechselarien ausarten, wo jeglicher Spielfluss auf der Strecke bleibt. Carlos Mané spielte dabei im Team mit der reiferen Spielanlage und gewann 1:0, während Timo Baumgartl nur in der zweiten Halbzeit ran durfte, sehr nervös wirkte und den einen oder anderen groben Schnitzer in sein Repertoire einbaute.

Vor dem Dresden-Spiel gab es dann die mit Spannung erwartete Jubiläums-Choreographie vom Commando Cannstatt 1997. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle für 20 Jahre Emotionen, Hingabe, Einsatz und Support für unseren VfB Stuttgart.

Im ausverkauften Neckarstadion und im Beisein von etwa 8.000 Dresdnern erwischte der VfB eine rabenschwarze erste halbe Stunde. Mit einem lupenreinen Hattrick brachte die Nürnberger Leihgabe Stefan Kutschke die eigentlich Gelb-Schwarzen, die dieses Mal in weinroten Jerseys angetreten waren, schnell mit 0:3 in Führung.

Das Abwehrverhalten bei allen Toren, bis hin zum von Mitch Langerak verschuldeten Foulelfmeter trieb einem Sorgenfalten auf die Stirn und machte auch ein Stück weit wütend. Dass der Schiedsrichter den Lauf der Dynamos begünstigte, geschenkt, würden sich die Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB nicht von Spiel zu Spiel fortsetzen. Vor dem 0:2 hätte es Elfmeter für den VfB geben müssen, zu allem Überfluss erhielt Simon Terodde für eine vermeintliche Schwalbe seine vierte gelbe Karte, obwohl er sich keineswegs fallen ließ und so mancher Schiedsrichter auf Elfmeter für den VfB entschieden hätte.

Weshalb der VfB nicht wenigstens gegen die gelbe Karte Protest eingelegt hat, erschloss sich mir nicht. Terodde gilt derzeit als die Lebensversicherung des VfB, so dass eine Sperre, die aus seiner nächsten gelben Karte resultieren würde, schmerzhaft wäre und mit schlimmstenfalls den Aufstieg kosten könnte. Bemerkenswert war in dieser Phase, in der dem VfB überhaupt nichts gelang, wie sehr das Publikum hinter dem Team stand und dass es zu so gut wie keinen Unmutsbekundungen kam. Im Gegenteil, die Mannschaft, der man das Bemühen nicht absprechen konnte, wurde vehement und lautstark nach vorne getrieben.

Eben jener Simon Terodde war es dann auch, der ein erstes (zählbares) Lebenszeichen vom VfB aussendete. Nach einem klasse Zuspiel von Carlos Mané vollendete er in Mittelstürmerposition und -manier zum Halbzeitstand von 1:3. Emiliano Insúa erhöhte eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem allerersten Tor für den VfB sehenswert zum 2:3, ehe Terodde in der 94. Minute vom Elfmeterpunkt aus schließlich für den viel umjubelten Ausgleich sorgte.

Dass Mané schon eine ganze Weile nicht mehr rund lief sah man da bereits, dennoch hinderte es ihn nicht daran, diesen so wichtigen Elfmeter herauszuholen. Ausgerechnet der Ex-VfBler Philip Heise bot Mané (aus alter Verbundenheit?) sein Bein an, worüber dieser dankend fiel.

Wie Simon Terodde nach 94 kraftraubenden Minuten die Nerven behielt und Keeper Schwäbe keine Chance ließ war bemerkenswert und ist nicht hoch genug zu bewerten. Das ist das Holz, aus dem Führungsspieler geschnitzt sind, dafür braucht es keine Binde.

So stand am Ende eines stimmungsvollen und bemerkenswerten Spiels das 3:3 und bedröppelte Dresdner, die sich lange wie die sicheren Sieger fühlten.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt. Als ein paar Dresdner unseren Haupttribünen-Block verließen, sagte ich in einer Lautstärke, die sie mitbekamen, „endlich sind die da drüben mal ruhig“, was sie ja durchaus auch als Kompliment hätten auffassen können.

Selten habe ich einen lauteren Gästeblock im Neckarstadion erlebt. Da zudem alles friedlich blieb, die Polizei zufrieden war und selbst die Dresdner Fanbetreuung sich lobend über das Sicherheitskonzept der Stuttgarter geäußert hat, könnte man von einem rundum gelungenen Fußballnachmittag sprechen.

Wäre da nicht die schwere Knieverletzung von Carlos Mané gewesen: Der Portugiese wird rund fünf Monate ausfallen und möglicherweise überhaupt kein Spiel mehr für den VfB bestreiten, sollte ihn sein Stammverein Sporting Lissabon bereits im kommenden Sommer zurückfordern.

Am Ende stand ein Punktgewinn, mit dem man aufgrund des Ergebnis-Verlaufes zufrieden sein musste. Ich schreibe bewusst nicht „Spielverlauf“, denn, bei einem Chancenverhältnis von 8:3 (lt. kicker.de) und allein vier Aluminiumtreffern wäre auch deutlich mehr drin gewesen.

Nur drei Tage nach dem emotionalen Spiel gegen Dynamo Dresden musste der VfB zum wiedererstarkten TSV 1860 München reisen, während der Gegner von der DFL zwei Tage länger Zeit zur Regeneration und für die Vorbereitung genehmigt bekam.

Nach nun schon vier Spielen in Serie ohne dreifachen Punktgewinn zählte in der Arroganz-Arena zur ungewohnten Anstoßzeit mittwochs um 17.30 Uhr eigentlich nur der Sieg. Trotz dieser arbeitnehmerunfreundlichen Ansetzung fanden sich knapp 15.000 VfB-Fans im Schlauchboot, wo man bislang fast nur Niederlagen zu sehen bekam, ein.

Da man in diesem auf der grünen Wiese von Fröttmaning gebauten Stadion gut rund herum laufen und durch die eine oder andere Luke auch gut fotografieren kann, nahm ich zum allerersten Mal in dieser Saison einen Stehplatz im Gästebereich. Während man bei Gastspielen bei den Münchner Bayern im Oberrang eingepfercht wird und lediglich Paulaner light ausgeschenkt wird, konnten wir bei den 60ern erstmals ein Spiel in diesem Schlauchboot vom Unterrang aus und bei Vollbier verfolgen.

Mit dem dringend benötigten Sieg wurde es zwar wieder nichts und doch durfte sich der VfB auch nach diesem Spiel als moralischer Sieger fühlen, weil Marcin Kamiński in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte.

Vom Spiel selbst war ich maßlos enttäuscht, so dass es dieses Mal fast schon ein Nachteil war, so nah dran zu sein. Nach gütiger Mitarbeit unserer Defensivabteilung erzielte der 60er-Neuzugang Lacazette die Führung, auf der sich die Löwen 70 Minuten lang ausruhten. Dabei stellte sich der VfB beim Gegentor einfach nur dämlich an, weil keiner, nachdem Lacazette die Kugel schon verstolpert hatte, sich zuständig fühlte, den Ball aus der Gefahrenzone zu dreschen. Dennoch musste man wieder, trotz des Bettelns um dieses Gegentor, konstatieren, dass das Tor aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde, der VfB also einmal mehr benachteiligt wurde.

Der VfB hatte zwar Ballbesitz fast schon „bayern-like“, fand jedoch keine Mittel, die beiden Fünferketten der 60er ernsthaft in Gefahr zu bringen. Sämtliche Offensivspieler, namentlich Julian Green, Takuma Asano und Christian Gentner waren Totalausfälle, so dass Überraschungsmomente Mangelware waren und Simon Terodde völlig in der Luft hing. In einem Spiel so gut wie ohne Torchancen wären Standardsituationen ein probates Mittel gewesen, doch, wenn diesen stets das Timing fehlt und kein Anderer die Verantwortung übernimmt und den glücklosen Anto Grgić erlöst, beraubt man sich auch dieser Möglichkeit. So hieß es bei einem Gegner, der zuvor immerhin zwei Siege in Folge einfuhr, sich mit diesem Pünktchen zufrieden zu geben und auf den Befreiungsschlag weiter zu warten.

Während und nach dem Spiel bei den Münchner Löwen hörte ich erstmals in der Zeit seines Wirkens lautere Stimmen gegen unseren Trainer Hannes Wolf. Hauptkritikpunkt war die neuerliche Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim und dass Wolf Spieler auf falschen Positionen einsetze und zu viel experimentiere.

Mein Vertrauen in Hannes Wolf ist hingegen grenzenlos, so dass ich notfalls auch nach einem verpassten Aufstieg an Schindelmeisers Stelle an ihm festhalten würde. Ich sehe derzeit vieles nicht ganz so negativ wie viele andere. Wir sind noch immer mitten im Umbruch und im Aufbau einer Mannschaft, die durchaus Hoffnungen für die Zukunft weckt. Punktuell verstärkt kann diese Mannschaft meiner Meinung nach im Falle des Aufstiegs eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und wird spielerisch häufiger und leichter glänzen als zur Zeit in der 2. Liga. In der Bundesliga wären wir einer von vielen, zu Beginn gar Außenseiter, so dass sich kaum ein Team gegen uns derart hinten reinstellen wird wie jeder Gegner in dieser 2. Liga. Dieses Stahlbad muss eine junge Truppe erst einmal überstehen und wird, im Fall des Aufstiegs, ganz sicher gestärkt daraus hervorgehen.

Darüber hinaus hat Jan Schindelmeiser in der kurzen Zeit seines Wirkens ein Händchen dafür bewiesen, erschwingliche Jungs, die die Qualität spürbar anheben, mit kreativen Vertragsgestaltungen an den Neckar zu lotsen.

Ein paar Bekannte, mit denen ich mich nach dem Spiel bei den Löwen unterhalten habe, waren tatsächlich der Auffassung, dass, sollten wir aus den Aufstiegsrängen herausrutschen, ein neuer Akzent in Form eines Trainerwechsels gesetzt werden müsse. Auf meine Gegenfrage, wer es denn jetzt noch besser machen würde, hörte ich nur, wenn überhaupt, egal, „mit dieser Mannschaft MUSS man einfach aufsteigen“.

Ich sehe das konträr. Die Voraussetzungen sind zwar gegeben, Übermannschaften sind unsere Konkurrenten nicht und doch hat es Hannes Wolf mit vorwiegend jungen Menschen, die Formschwankungen unterliegen, zu tun.

Wenn sich dann noch während kleinerer Krisen die vermeintlichen Führungsspieler wegducken, weil sie schon genug mit sich selbst zu tun haben, wenn jeder Gegner nur aufs zerstören aus ist, wenn die Schiedsrichter die harte Gangart einiger Teams und taktische Fouls (zu jedem Zeitpunkt, auch in der 1. Minute und nicht nur weit in der 2. Halbzeit) nicht regelkonform ahnden, ergibt das eine Mixtur, die jedes Spiel extrem intensiv und schwierig werden lässt.

Hannes Wolf wird in den gut 200 Tagen, wo er nun beim VfB ist, mehr gelernt haben, als insgesamt während seiner doch schon einige Jahre andauernden Trainerkarriere. Die Öffentlichkeit und auch die Fans hinterfragen jeden Furz und Feuerstein, während Wolf die Dinge moderieren und Fragen auch offen lassen muss. Zum Thema Großkreutz hätten Schindelmeiser und er sicherlich mehr zu sagen gehabt, um die Entscheidung des Vereins plausibel und für alle nachvollziehbar zu erklären, die lange währende Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim wird ebenso seine Gründe haben, die man der Öffentlichkeit vorenthält, um den Spieler zu schützen und ihn nicht vollends zu demontieren.

Wolf ist für mich nach wie vor eine große Trainerhoffnung im deutschen Fußball und für den VfB erst recht, daher vertraue ich ihm voll und ganz, dass er alles dafür tun wird, das Beste für unseren VfB herauszuholen. Persönlich habe ich keine Lust mehr auf ständige Trainerwechsel und auf eines der bekannten Gesichter des Trainerkarussells, das zwar kurzfristig einen Effekt versprechen würde, der jedoch schnell wieder verpufft wäre und wir diesen für Jahre an der Backe hätten. Dass uns das Reagieren nach den „Gesetzen des Fußballs“ dort hin gebracht hat, wo wir momentan stehen, sollte wohl jedem klar sein.

Nach dem nunmehr fünften sieglosen Spiel in Folge stand der VfB beim Derby gegen unsere „Freunde“ aus Ostfrankreich gehörig unter Druck. Deren Anhänger hatten das Spiel bereits im Vorfeld als Krieg deklariert und meinten das durchaus ernst, wenn man sich ihr martialisches Auftreten während der gesamten 90 Minuten (und auch noch nach dem Schlusspfiff) vor Augen führt.

Außerhalb des Stadions funktionierte die Fantrennung perfekt, wie schon beim Hinspiel im Wildpark sorgte die schwer bewaffnete Ordnungsmacht für bestmögliche Sicherheit bei der An- und Abreise der knapp 60.000 Schlachtenbummler.

So sehr ein echtes Derby das Salz in der Suppe in einem bisweilen zum Einheitsbrei mutierenden Liga-Alltag darstellt, möchte ich Vorkommnisse wie 2009 auswärts im Wildpark erlebt, als sich bürgerkriegsähnliche Szenen beim Verlassen des Stadions abspielten, nicht mehr haben.

Es hat ja jeder Verein so seine Chaoten, kaum einer aber in der Vielzahl wie die Gelbfüßler. Sorgten sie beim letzten Abstieg in die 3. Liga gegen Jahn Regensburg schon für einen Eklat, als sie Spieler und die eigene Geschäftsstelle angriffen, stand das Spiel am Sonntag nach dem Abschießen von Feuerwerksraketen aufs Spielfeld kurz vor dem Abbruch.

Ich bin ja bekennender Verfechter von kontrolliertem Abbrennen von Pyrotechnik, jedoch nur dann, wenn das Material im Block bleibt und keine Böller, die schwerste Knalltraumata für Umstehende verursachen können, gezündet werden.

Was der schwarze (vermummte) Block der Karlsruher abzog, war gemeingefährlich und asozial. Da der letzte Abstieg des KSC seinen Anhang nicht zur Besinnung brachte, keine Selbstreinigung in der Fanszene stattfand und der Verein seine Pappenheimer offensichtlich nicht in den Griff bekommt, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, würde dieser Verein zunächst einmal völlig von der Bildfläche verschwinden.

Seine „Fans“ arbeiten mit Hochdruck daran, indem sie ihrem ohnehin schon finanziell klammen Herzensclub Bärendienst um Bärendienst erweisen und möglicherweise, da vorbestraft, dem KSC nun ein Geisterspiel beschert haben. Der Verein muss sich diese zusätzlichen Kosten sprichwörtlich am Kader absparen, während der anstehende Stadionneubau sein Übriges tun könnte, dem KSC die Luft zum Atmen zu nehmen. Viel Spaß in und mit der 3. Liga kann man da nur wünschen!

Umso erfreulicher war es dann, dass der VfB den Bock endlich umstoßen und mit zwei Asano-Toren den zweiten Derbysieg der Saison einfahren konnte, während der KSC bereits acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat und für die 3. Liga planen kann.

Unseren Ultras verlangte es alles ab, dass zwischen dem Jubiläums-Heimspiel und dem Derby im Neckarstadion nur sieben Tage lagen. Auch vor dem Derby zauberten unsere Hardcore-Fans eine gigantische Choreo in die Cannstatter Kurve, dieses Mal, wen wundert’s, mit Bezug auf die Feindschaft zum Gegenüber. „Den Fächer fürs Gesindel – das Zepter für uns“ lautete das Motto und war perfekter Auftakt für den Saisonhöhepunkt, den das Derby für viele Fans darstellt.

„Wir steigen auf, wir steigen auf, wir steigen auf und ihr steigt ab“ hallte es durchs weite Rund. Schadenfreude ist doch irgendwie die schönste Freude, auch wenn dieser Sieg natürlich in erster Linie für uns selbst wichtig war.

Damit hat der VfB die Tabellenführung zurückerobert und doch ist noch nichts gewonnen. Es geht verdammt eng zu oben, weil sich (noch) keiner eine länger währende Krise nimmt und auf der anderen Seite auch kein Team oben steht, das souverän von Sieg zu Sieg eilt. Daher steigt der Druck unaufhörlich an, weil bei noch sechs ausstehenden Spielen Ausrutscher kaum mehr wettzumachen sind. Inwieweit die junge Mannschaft diesem standhält und daran wächst, wird sich erweisen.

Das Spiel gegen den KSC hatte der VfB ohne zu glänzen weitestgehend unter Kontrolle und man ließ nur wenige Torchancen des Gegners zu. Das spricht jedoch weniger für die Stärke vom VfB als für die Schwäche des seit diesem Spieltag abgeschlagenen Schlusslichts. Einzig, als wegen der von den Karlsruher Chaoten verursachten Verzögerungen drei Minuten Nachspielzeit in der ersten Halbzeit anstanden, hatte man den Eindruck, auf 48 Minuten sei der VfB nicht eingestellt gewesen. Was sich in diesen Minuten vor der Pause abspielte, war paradox. Das gesamte Team wirkte auf einmal, als habe es Blei in den Beinen, stand zu weit vom Gegner weg und ließ diesen gewähren. Nur der Karlsruher Ungefährlichkeit geschuldet, hat sich dieses kollektive Abschalten nicht gerächt.

Erfreulich im Spiel war, dass der VfB defensiv gefestigter wirkte als zuletzt und die Absicherung der letzten Zone des Spielfelds gut funktioniert hat. Es war gefühlt immer einer da, der den letzten Pass abgelaufen hat, so dass man bei frühsommerlichen Temperaturen einen beruhigten Nachmittag verleben konnte.

Lichtblicke beim VfB waren Benjamin Pavard, der immer stärker aufspielende Insúa, bis zu seiner Auswechslung Ofori sowie Alexandru Maxim, dem man die Freude anmerkte, wieder mitwirken zu dürfen. Nach dem Ausfall von Carlos Mané ist Maxim schon so etwas wie DER Hoffnungsträger in Sachen Kreativität. Ihm fehlte zwar in vielen Situationen die Genauigkeit, was jedoch seiner fehlenden Spielpraxis geschuldet gewesen sein dürfte. Man merkte ihm an, dass seine Füße oft nicht das taten, was der Kopf vor hatte. Die Standards schlug er gefährlicher vors Tor wie zuletzt Anto Grgić, zudem ist er ein Spieler, der immer für ein Überraschungsmoment gut ist, so dass er gerade nach Manés Ausfall noch sehr wertvoll für den VfB werden könnte.

So war er an der Entstehung von beiden Toren beteiligt und hat damit einen großen Anteil am Sieg. Was Maxim angeht, freue ich mich, wenn ich ihn so spielen sehe wie am Sonntag, respektiere es aber auch, wenn er nicht aufgestellt wird. Kein Spieler ist größer als der Verein, dass sich Maxim bei etlichen Trainern nicht durchsetzen konnte, wird schon seine Gründe haben.

Ich bin gespannt, ob Maxim jetzt in Selbstzufriedenheit verfällt und sich in Sicherheit wiegt, nach einem ordentlichen Spiel schon wieder Stammspieler zu sein, oder ob er bereit ist, sich noch einmal sechs Wochen lang zu schinden und sich jeden Einsatz aufs Neue zu verdienen.

Am Ostermontag heißt der nächste Gegner unseres VfB dann Arminia Bielefeld. Seit der Entlassung von Jürgen Kramny fuhren die Ostwestfalen drei Siege und ein Remis ein und sind auf dem besten Wege, dem Abstieg von der Schippe zu springen. Schon an dieser Statistik lässt sich ablesen, dass auch dort der Weg kein leichter sein wird. Weshalb man uns für dieses nicht unbedingt Spitzenspiel ein weiteres Montagsspiel aufs Auge gedrückt hat, verstehe wer will, ich nehm’s sarkastisch und pragmatisch und erfreue mich daran, dass es wegen des Feiertags „nur“ einen Tag Urlaub kostet.

Im Vergleich zum letzten Auswärtsspiel bei den Münchner Löwen sollte der VfB von Beginn an im Defensivverbund konzentriert zu Werke gehen und leichte Fehler, die zum Rückstand führen können, tunlichst unterlassen. Wenn schon nach vorne die Durchschlagskraft fehlt und alles auf ein 0:0-Spiel hinausläuft, sollte man sich die Dinger hinten nicht noch selbst einschenken.

Es ist zu hoffen, dass mit dem Sieg gegen den KSC das Selbstvertrauen zurückkehrte und das Gebilde wieder stabiler wird. Zuletzt schien es so, dass sich gleich mehrere Spieler auf einmal ihre Krise nehmen. Dieser Sieg und das insgesamt wieder bessere Arbeiten im Kollektiv sollte Mut für die anstehenden Aufgaben machen.

Der Deutsche Sportclub Arminia Bielefeld hat für dieses Spiel bereits 20.000 Tickets abgesetzt und rechnet mit 2.000 Schwaben. Am Ende werden es sicherlich wieder etliche mehr Brustringträger sein, die sich den Dienstag frei genommen haben, um unsere Jungs zum Auswärtssieg zu schreien.

Am Tag davor nehmen sich bereits Hannover 96 und Eintracht Braunschweig, deren Lastminute-Siege mittlerweile unheimlich werden, gegenseitig die Punkte ab, so dass der VfB der große Gewinner des nächsten Spieltags werden könnte.

Wie wenn wir derzeit durch die Schiedsrichterentscheidungen zuletzt nicht schon benachteiligt und gestraft genug wären, bewies die DFL mit der Schiedsrichteransetzung fürs Bielefeld-Spiel ihr nicht vorhandenes Fingerspitzengefühl. Harm Osmers aus Hannover ist der Leiter dieses wichtigen Spiels, aus der Stadt eines unserer größten Aufstiegskonkurrenten also!

Ob die Familie Osmers nachtragend ist und Harm Osmers die Chance beim Schopfe packt, seinem Vater Hans-Joachim Osmers späte Rache zukommen zu lassen, wird sich dabei zusätzlich zeigen. 1993 war es, im Neckarstadion bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, an das ich mich noch gut erinnern kann. Axel Kruse, wie man ihn kannte, ein wenig übermotiviert, rannte Osmers über den Haufen. O-Ton Kruse dazu: „Ich rannte auf ihn zu, fing an zu schimpfen und packte ihn am Arm. Er versuchte sich loszureißen, stolperte aber dabei, drehte sich zweimal um die eigene Achse und fiel hin wie der Osterhase. Heute würde ich sagen: Schiri-Schwalbe“. Satte zehn Wochen Sperre hatte ihm das eingebracht, ich fand ihn trotzdem extrem cool beim VfB zu jener Zeit.

Ein paar Worte auch noch zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni, zu der der VfB Anfang April geladen hat. Für mich kommt es auch zur Unzeit, mit dieser so richtungsweisenden Entscheidung mitten im Aufstiegsrennen vorzupreschen und damit unweigerlich einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht zu haben.

Dass die MV zudem Donnerstag Abends, 18.30 Uhr, stattfinden soll und damit vielen auswärtigen und auch berufstätigen „einheimischen“ Mitgliedern die Teilnahme verwehrt bleibt, ist ein Schlag ins Gesicht eben jener Mitglieder der VfB-Familie. Wenn dann Präsident Dietrich bei #vfbimdialog noch süffisant erklärt, für diesen wichtigen Tag für den VfB Stuttgart müssten die Mitglieder eben „mal“ einen Tag Urlaub opfern, ist das ein Affront gegen eben jene Auswärtigen, für die schon jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist und die wegen der vom Verein uns eingebrockten Zweitligasaison bereits genug Urlaub für Freitags- und Montagsspiele opfern mussten. Daher halte ich fest, dass die Terminwahl an sich äußerst unglücklich ist, von möglicher Ablenkung im Aufstiegsrennen ganz zu schweigen.

Und doch bleibt einem interessierten und engagierten Mitglied nichts anderes übrig, als sich pragmatisch mit dieser Tatsache zu arrangieren. Präsident Dietrich hat schon mehrmals anklingen lassen, wie sehr dieses Thema den Verein über Jahre in seinem Handeln eingeschränkt, wenn nicht gelähmt hat, und dass er diese Entscheidung genau einmal während seiner Regentschaft zur Abstimmung bringen und jedes Votum, so oder so, akzeptieren werde.

Das heißt, es bleibt dem verantwortungsvollen Mitglied nichts anderes übrig, als sich ernsthaft mit dem Für und Wider einer Ausgliederung zu beschäftigen und seine Stimme im Sinne und zum Wohl der Zukunft des Vereins abzugeben. Allein schon wegen der unpässlichen Terminierung dieser Abstimmung auf „bockig“ zu schalten und von vornherein auf „dagegen“ zu stellen, wäre eventuell kontraproduktiv.

Ich persönlich werde mir bis dahin sämtliche #vfbimdialog-Sendungen ansehen und auch die eine oder andere Veranstaltung mit Dietrich besuchen, um mir meine Meinung zu bilden. Derzeit bin ich ergebnisoffen, was das angeht, würde aber sicherlich nur „dafür“ stimmen, wenn handfeste Zahlen, Daten, Fakten auf dem Tisch liegen und nicht lediglich irgendwelche optimistischen Schätzungen. Der Verein hat also noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Dreiviertelmehrheit zu erlangen.

Weiter beschäftigte mich unter der Woche, wie wohl jeden Fußballfan, der Terroranschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am Dienstag kurz vor dem ursprünglich angesetzten Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco. Wenn selbst an Orten, die rund 1.000 Sicherheitskräfte absichern, Terroranschläge möglich sind und durchgeführt werden, verdeutlicht das, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.

Dass die zum Teil schwer traumatisierten Spieler bereits gut 24 Stunden später aufgrund des Diktats der UEFA erneut im Mannschaftsbus Platz nehmen und ein so wichtiges Spiel bestreiten mussten, ist nicht nachvollziehbar. An der Stelle wird deutlich, dass Menschlichkeit im Fußball keinen Platz mehr hat und einzig der schnöde Mammon zählt.

Durch die Geister, die die Fußballverbände riefen, indem sie stets neue „Wettbewerbe“ ins Leben rufen oder altbewährte reformieren bzw. aufblähen, ist natürlich wenig Zeit für Ausweichtermine vorhanden. Und dennoch hätte hier der Verband ein Zeichen der Menschlichkeit setzen MÜSSEN und Trainern und Spielern die Entscheidung darüber, ob sie sich befähigt sehen, tags darauf wieder Fußball zu spielen, überlassen sollen, ganz gleich welche Konsequenzen dies für den ach so vollen Rahmenterminkalender gehabt hätte.

Am Tag des Anschlags hatte man aufgrund der Berichterstattung noch eher den Eindruck, ein übergroßer Böller habe im Bus eingeschlagen, während am darauffolgenden Tag herauskam, welch großes Glück die Dortmunder hatten, dass nicht mehr passiert ist. Jeder stinknormale Bus, mit dem wir alle zwei Wochen zu Auswärtsspielen unterwegs sind, wäre wohl in seine Einzelteile zerfallen, während das Panzerglas im Dortmunder Mannschaftsbus noch Schlimmeres abgewehrt hatte.

Mit diesem Wissen im Kopf, dass es sich um einen gezielten Anschlag auf das Leben der ganzen Mannschaft handelte und welch großes Glück im Unglück der BVB hatte, schickte man das Team also wieder auf den Platz. Hinzu kam, dass ein Spieler, der für die Partie vorgesehen gewesen war, so schwer beim Anschlag verletzt wurde, dass er noch in der Nacht operiert wurde.

Doch, dem BVB blieb wohl keine andere Wahl, zum Spiel anzutreten, bei einer Weigerung hätten dem BVB wohl drastische Strafen gedroht, bis hin zum Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren. Business as usal auch dann, wie es die Paragraphen eben vorschreiben.

Es bleibt zu hoffen, dass das Lieblingskind der Deutschen, der Fußball nämlich, nicht weiter von kriminellem Abschaum missbraucht und Ausnahmezustände wie in Paris 2015 oder am Dienstag in Dortmund Einzelfälle bleiben. Allein, mir fehlt der Glaube, gerade daran geilen sich die Terroristen ja auf, an der Erschütterung über solche Vorkommnisse der „normalen“ Menschen.

Zu guter Letzt wünsche ich Allen friedliche Ostern und uns allen am Montag eine gute Fahrt, wir sehen uns auf der Bielefelder Alm.

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20. September 2016

Mal wieder auf Trainersuche

Eine turbulente Woche liegt mal wieder hinter dem VfB Stuttgart. Jos Luhukay warf nach kaum mehr als zehnwöchiger Tätigkeit beim VfB entnervt das Handtuch, weil seine Auffassungen mit denen des Vereins nicht korrespondierten. Ihm, von dem man wusste, dass er ein eigenbrötlerischer Typ ist, setzte man mit Jan Schindelmeiser einen Vorgesetzten vor die Nase, zu dem die Chemie offensichtlich nicht stimmte.

Als dieser schon seit Wochen schwelende Zwist in die Öffentlichkeit getragen wurde und Daimler-Aufsichtsrat Wilfried Porth nichts Besseres zu tun hatte, als Luhukay öffentlich in die Schranken zu weisen, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Sollte Luhukay tatsächlich auf sämtliche Ansprüche verzichten, ist er wahrlich ein Ehrenmann. Allein, mir fehlt der Glaube. Für mich hat der Verein in dieser Angelegenheit mindestens genau so viel Dreck am Stecken wie Jos Luhukay, so dass es nachvollziehbar wäre, er hätte sich einfach rausschmeißen lassen und ließe den Verein finanziell noch ordentlich bluten.

Es könnte sich also durchaus um die offizielle Sprachregelung handeln, seitens des Vereins, getragen von der Hoffnung nicht noch mehr in einem schlechten Bild zu erscheinen, als ohnehin schon. Von einem Rücktritt überrascht zu werden ist in der öffentlichen Wahrnehmung dann doch noch etwas Anderes, als müsste man eine Kette von Fehlentscheidungen kleinlaut einräumen.

Spätestens nach dem Heidenheim-Spiel war es klar, dass diese Zweckehe in die Brüche gehen und jeder weitere Tag dem VfB schaden würde. Deshalb habe ich es absolut begrüßt, als am Donnerstag vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Kaiserslautern Tatsachen geschaffen waren und alle Seiten nun nach vorne schauen können und sich nicht mehr durch interne Grabenkämpfe zerfleischen und zermürben müssen.

Bei Sport im Dritten erläuterte Aufsichtsrat Porth die Denke des Aufsichtsrats und blieb dabei, dass es richtig gewesen sei, zunächst den Trainer und dann erst den Sportdirektor zu verpflichten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln, wenngleich diese Aussagen meine Meinung über die (eigentliche) Vereinsführung nur bestätigen, denn, auch hier haben sie wieder nichts gelernt und würden denselben Fehler offensichtlich beim nächsten Mal wieder begehen.

Für mich ist das Thema Luhukay mit diesem Blog beendet. Jeder Mensch hat sein eigenes Naturell. Da die im Fußball-Business tätigen Insider über alles und jeden Bescheid wissen oder zumindest Quellen haben, über die sie sich informieren könn(t)en, hätte man bei sorgfältiger Abwägung aller Fürs und Widers wissen müssen, wen man sich da ins Haus holt. Luhukay hat zwar als Referenzen einige Aufstiege in seiner Vita stehen, genauso stechen aber auch zwischenmenschliche Differenzen mit Vorgesetzten und Spielern heraus, in der Branche gilt Luhukay gemeinhin als schwieriger Typ.

Wenn ich ihn dann als Heilsbringer sehe und noch vor dem Sportdirektor verpflichte, muss ich die beiden vorher “auf sich loslassen” und beide ausloten lassen, ob eine Zusammenarbeit miteinander überhaupt möglich ist. Es ist zwar nicht gerade üblich, dass sich der Trainer seinen Vorgesetzten aussucht, da der VfB aber schon bei Luhukays Verpflichtung den unkonventionellen Weg eingeschlagen hat, hätte er diesen in dieser Konstellation konsequent weiter gehen müssen.

So aber hat es laut Schindelmeiser vom ersten (!) Gespräch an nicht gepasst, so dass man diese Liaison im Grunde viel früher hätte beenden müssen. Die Vorstellungen gingen schon deshalb weit auseinander, weil Luhukay nicht etwa als Trainer verpflichtet wurde, der helfen sollte etwas aufzubauen, sondern sein einziger Auftrag darin bestand, den VfB zurück in die Bundesliga zu führen.

Schindelmeiser steckte da in der Zwickmühle, da es für ihn auch ein Leben nach dem Aufstieg gibt und er eine Mannschaft, die auch in der Bundesliga konkurrenzfähig wäre, aufbauen soll. Während Schindelmeiser hoffnungsvolle Talente an den Neckar lockte, wollte Luhukay mit ihm bekannten, altbewährten und in die Jahre gekommenen Weggefährten den Aufstieg schaffen. Da sich letztlich der Chef Schindelmeiser durchsetzte und Luhukay durch die jüngsten Verpflichtungen seine Ziele konterkariert sah und auf bockig umschaltete, kam es schließlich zum nicht mehr zu kittenden Bruch.

Dass ich mit einigen Aufstellungen, Äußerungen und Entscheidungen von ihm nicht einverstanden war, habe ich mehrfach beschrieben. Dennoch habe ich Verständnis für Luhukays Reaktion unter Berücksichtigung des Gesamtkontexts und möchte auch nicht nachkarten.

Vielmehr beschäftigt mich die Frage, was nun, VfB? Schindelmeiser beschreibt sich selbst als Teamplayer und führt aus, dass Teamarbeit zuletzt nicht möglich war, weil zwischen Luhukay und ihm Funkstille geherrscht hätte.

Wie definiert Schindelmeiser „Team Play“, was muss der Neue haben, was Luhukay nicht hatte? Bereits Robin Dutt referierte zu Beginn seiner Amtszeit, dass es auf dem Wasen keine One-Man-Show mehr geben dürfe und war dann doch DAS Gesicht für den Niedergang, das keiner stoppte.

Will Schindelmeiser bei Transfers einen Konsens zwischen Trainer und einem Team von Hitzlsperger (dem Luhukay angeblich den Dialog verweigerte), Kienle, Cast und Schindelmeiser erreichen?

Oder bedeutet für ihn Teamarbeit, wie einst unter Fredi Bobic, immer und überall seine Ohren haben und dem Trainer reinreden zu wollen? Weshalb wollte Luhukay Jan Schindelmeiser von der Trainerbank und aus dem Mannschaftsbus verbannen? „Nur“, weil die beiden von Beginn an nicht auf einer Wellenlänge funkten oder wollte Schindelmeiser doch mehr Einfluss auf das Team nehmen, als es einem Sportdirektor zustünde?

Weil ich noch an das Gute im Menschen glaube und denke, dass vor allem die verschiedenen Ansätze, mit denen der VfB zurück in die Spur zu bringen sei zwischen den beiden Alpha-Tieren zum Zerwürfnis führten, glaube ich nicht, dass Schindelmeiser nach der pflegeleichten Lösung sucht.

Würde man nach einer solchen streben, verböten sich bereits die “schwierigen” Charaktere Gisdol und Breitenreiter, die als mögliche Nachfolgekandidaten am häufigsten genannt werden. Beide scheiterten in ihren letzten Vereinen (von der sportlichen Entwicklung einmal abgesehen) in erster Linie daran, weil sie von ihrer Linie nicht abzurücken bereit waren, Teile der Mannschaft gegen sich aufbrachten und sich von niemandem reinreden ließen. Auch mein Lieblingstrainer der letzten Jahre, Christian Gross, wäre einer, der sich nicht bevormunden lassen würde.

Ohne Schindelmeiser lange genug zu kennen, kann ich es mir nicht vorstellen, dass er so tickt, stand er doch auch bei Hoffenheim recht lang im Schatten von dem alles überstrahlenden Ralf Rangnick.

Daher ist eher davon auszugehen, dass der Aufsichtsrat auf die Schnelle einen Trainer präsentierte, der nicht zum VfB und zur Mannschaft passte und dieses „Missverständnis“ nun korrigiert wurde.

Aufsichtsrat Porth entlarvte bei seinem Fernsehauftritt die Arbeit des Aufsichtsrats ungewollt und doch schonungslos. Er bestätigte, was ich schon seit Jahren anprangere, nämlich, dass sich der Verein von der Meinung der Öffentlichkeit leiten lässt und Entscheidungen hauptsächlich politisch fällt, indem man Krisen aussitzt, und dann und gegen die eigene Überzeugung handelt, jedoch erst, wenn das Kind längst im Brunnen liegt.

In den letzten Jahren wurden überfällige Entscheidungen oft erst getroffen, wenn die Kurve kaum mehr zu bändigen war, anstatt Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Mit dieser „Wir schaffen das, weil wir so gut sind“ (Robin Dutt) Politik und der an den Tag gelegten Ignoranz der Sorgen und Nöte des Vereins und seiner Fans und Mitglieder wurde der Verein dorthin geführt, wo wir jetzt stehen. Dies ist hauptsächlich auf die gänzlich fehlende sportliche Kompetenz in Aufsichtsrat und Vorstand (vorher Bobic/ Dutt, jetzt Schindelmeiser ausgenommen) zurückzuführen, weshalb wir in der letzten Saison auch ungebremst auf den Abstieg zugesteuert sind und niemand Robin Dutt stoppte und uns vom Trainer Kramny erlöste.

Nach Porths Auffassung war die Luhukay-Verpflichtung richtig, weil die Entscheidung von den Medien gefeiert wurde, ebenso wie die jüngsten Transfers schon deshalb richtig sind, weil die Resonanz bei den Fans eine positive war, wohlgemerkt, bevor wir und auch bevor Herr Porth die Jungs jemals haben spielen sehen. Wenn mir dieser Fernsehauftritt eines gebracht hat, dann die Erkenntnis, dass Aufsichtsrat wohl jeder kann (oder auch nicht!).

Schindelmeiser traue ich ein gutes Händchen bei der Trainerwahl zu. Er kennt inzwischen den Verein und er kennt die Mannschaft, so dass er beurteilen kann, welcher Trainer für welches System steht und ob man dieses mit dieser (gegebenen) Mannschaft auch realisieren kann. Jüngst geistern die Namen Hannes Wolf, U19-Trainer des BVB, und David Wagner, Coach von Huddersfield durch den Blätterwald. Beide kann ich nicht beurteilen, bin jedoch kein Freund davon, wegen eigener Misswirtschaft andere Vereine mitten in der Saison ins Chaos zu stürzen, indem man ihnen den Trainer weg kauft. Ein Rücktritt ist schon schlimm genug, dann muss man reagieren, aber einem Verein den Trainer einfach wegzukaufen, wäre für mich eine andere Dimension und spräche schon im Vorfeld nicht für einen guten Charakter des Neu-Coaches. Dies träfe jetzt jedoch allerdings mehr auf David Wagner zu. Im Jugendbereich sind die Vereine i. d. R. gut aufgestellt und sehen die Trainer die Tätigkeit dort oft als Sprungbrett, so dass die BVB-Jugend dadurch sicher nicht ins Bodenlose fallen würde.

Als Interimslösung präsentierte der VfB Olaf Janßen als Cheftrainer und Heiko Gerber sowie Andi Hinkel als Assistenten. Für mich für den Übergang durchaus eine Lösung mit Charme (und auch mit Zukunft?).
Janßen bringt Cheftrainer-Erfahrung mit, Gerber und Hinkel sind beliebte VfB-Ikonen, bei denen wohl jedes VfB-Herz aufgeht, die beiden auf der VfB-Trainerbank zu erleben. Am Ende des Tages kommt es doch in erster Linie darauf ein, wie das neue Gespann harmoniert und wie es mit der Mannschaft auskommt.

Diese Mannschaft wird auch zukünftig jeden Trainer schassen, dessen Nase ihr nicht passt, so dass für mich tatsächlich das A&O ist, dass sich jeder verstanden und als wichtigen Teil des Großen Ganzen sieht. Ist diese Grundvoraussetzung gegeben und das Trainerteam schafft es, der Mannschaft einen Plan mit auf den Platz zu geben und sie von Spiel zu Spiel weiterzuentwickeln, spräche für mich zunächst einmal nichts dagegen, an dieser Konstellation vorerst etwas zu ändern. Hat das Trainerteam die Mannschaft auf seine Seite gezogen, wird sie ihm helfen und versuchen so wenig Gründe wie möglich zu liefern, ihnen einen neuen Cheftrainer vor die Nase zu setzen.

Schindelmeiser lässt zwar keine Zweifel offen, dass dies nur eine Übergangslösung darstellt, aber, man hat auch schon Pferde kotzen sehen oder eben auch erlebt, dass Mayer-Vorfelder nach einer beispiellosen Siegesserie nicht umhin kam, Jogi Löw einen Cheftrainervertrag zu geben und auch, dass Max Eberl vor Jahresfrist trotz gegenteiliger Beteuerungen Andre Schubert die Mannschaft schließlich endgültig anvertraute. So daneben ich es in der letzten Saison fand, Jürgen Kramny nach der Zorniger-Entlassung umgehend zum Cheftrainer zu ernennen, so voreilig fände ich es jetzt auch, dem neuen Gespann überhaupt keine Zukunft zu geben.

Lieber jetzt in Ruhe beobachten, als eine Verpflichtung übers Knie zu brechen und die Entscheidung in wenigen Wochen bereits wieder zu bereuen.

Der Beginn unter Leitung von Olaf Janßen ließ sich ordentlich an. Nach der Heimpleite gegen Heidenheim zeigte sich der VfB, wenn auch gegen schwache Lauterer, verbessert.

Der äußere Rahmen war perfekt. Entgegen der Prognosen regnete es nicht, bestes Herbstwetter bei endlich wieder angenehmeren Temperaturen erwartete uns in Kaiserslautern. Zunächst einmal ging es vom Busparkplatz in einem gut zwei Kilometer langen Fußmarsch hinauf auf den “Berg”.

Der Einlass verlief äußerst professionell, auch mit der “großen” Kamera hatten wir keinerlei Probleme. Durch die inzwischen von vielen gelebte Fanfreundschaft, die ihren Ursprung in der Hool-Szene hat, war die Atmosphäre sensationell, so wie man es sich eigentlich immer wünschen würde.

Das Stadion war mit knapp 46.000 Zuschauern für Zweitligaverhältnisse hervorragend gefüllt. Ein Wahnsinn, wie viele Schwaben mitgekommen sind. Die Schätzungen reichen von 10.000 bis zu 15.000 Brustringträgern. Auch in unserem Bereich auf der Gegentribüne tummelten sich gefühlt halb so viele Schwaben wie Pfälzer. Selbst der VfB-Ehrenrat mit den Meisterschafts-Torschützen von 1984 und 1992 saßen fast neben uns und nahmen sich nach dem Spiel, sichtlich erleichtert und gut gelaunt, ausreichend Zeit für das eine oder andere Erinnerungsfoto.

Es war eines jener Spiele, zu denen sich ein jeder, also auch Gelegenheitsfahrer, aufrafft. Relativ kurze Anfahrt, eine traditionsreiche Spielstätte und der Spieltermin an einem Samstag. Freitag in Bochum dürfte sich dann wieder die Spreu vom Weizen trennen und man wird hauptsächlich auf die altbekannten Gesichter treffen, die sich von den Begleitumständen nicht so beeinflussen lassen und immer und überall dabei sind.

Zum Einlauf der Mannschaften gab es auf beiden Seiten jeweils eine schöne Choreographie zu bestaunen. Die Pfälzer feierten schlicht und mit zahlreichen weißen und roten Fahnen ihre Westkurve, während die Choreo auf der anderen Seite mit roten und schwarzen Fahnen untermalt ganz im Zeichen Württembergs stand.

Die Atmosphäre im Stadion war überragend. Jedes Mal, wenn ich auf dem „Betze“ bin, finde ich es ein Jammer, dass dieser tolle Verein mit diesen begeisterungsfähigen Fans schon über viele Jahre hinweg solch ein Schattendasein führt und wohl auch in dieser Saison wieder mit dem Aufstieg nichts zu haben wird. Im Gegenteil, als Schlusslicht geht der Blick naturgemäß nach unten.

Janßen veränderte die Startformation auf gleich vier Positionen. Erwartungsgemäß durfte Alexandru Maxim mal wieder von Beginn an ran und auch Timo Baumgartl kehrte nach langer Verletzungspause in die Innenverteidigung zurück. Stephen Sama, der gegen Heidenheim heillos überfordert war, stand dafür nicht im Kader. Auch der japanische Wirbelwind Asano durfte von Beginn an sein Können zeigen und Hosogai kehrte nach auskuriertem Muskelfaserriss auf die Sechs zurück.

Die Grundordnung sah über weite Strecken besser aus als zuletzt, wenngleich es einige Zeit dauerte, bis sich der VfB gefunden hatte und man vor allem in der Anfangsviertelstunde froh sein konnte, dass harmlose Lauterer aus der Stuttgarter Findungsphase kein Kapital schlugen. Im Gegensatz zu Luhukay, der stoisch auf der Bank saß, gefiel mir das Coaching von Olaf Janßen wesentlich besser. Er war ständig auf Achse, dirigierte und zitierte den einen oder anderen zum Gespräch in die Coaching Zone. Auch wenn es durchaus erfolgreiche Trainer geben soll, denen man während der Spiele keine Gefühlsregung anmerkt, ist mir persönlich doch jemand an der Linie lieber, der richtig bei der Sache ist und die Mannschaft nicht sich selbst überlässt.

Zwischen der 15. und 60. Spielminute hatte der VfB das Spiel ganz gut im Griff. In der 52. Minute gelang dem VfB das Tor des Tages, nachdem der starke Emiliano Insúa seine Freiheiten auf der linken Seite nutzte und präzise auf Simon Terodde flankte, der nur noch einzuköpfen brauchte. Es war der zweite Treffer für den Mann mit der eingebauten Torgarantie, wie in Sandhausen, erneut auswärts.
Als Kaiserslautern nach einer knappen Stunde zunehmend alles auf eine Karte setzte, war es vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man begann einmal mehr zu wackeln.

Schon mit dem Führungstreffer fing sie wieder an, die Selbstherrlichkeit und der Zwang den Gegner lieber vorführen zu wollen anstatt einfach zu spielen und mit aller Macht auf die Entscheidung zu drängen. So wurde es am Ende ein Zittersieg, über den Ausgleich hätte sich der VfB nicht beschweren dürfen, weil man die eigenen Bemühungen schon früh ad acta legte und sich mit dem 0:1 sicher wähnte. Allzu sehr sollte der VfB sein Glück nicht mehr strapazieren, hatte man doch in Sandhausen schon vehement um den Ausgleich gebettelt.

Was bleibt also haften, zu Beginn der englischen Woche? Positiv ist auf jeden Fall, dass den VfB die Unruhe im Verein nicht vollends aus der Bahn geworfen hat und er nach der Heimpleite gegen Heidenheim zumindest kurzfristig in die Erfolgsspur zurück gefunden hat. Zudem machten die beiden Japaner Spaß. Hosogai aufmerksam und giftig, Asano wahnsinnig schnell und mit guter Ballbehandlung. Ich denke, an ihm werden wir noch sehr viel Freude haben.

Negativ sehe ich noch immer die Abwehrschwächen und die Durchlässigkeit unserer Mittelfeldzentrale um Hosogai und vor allem Gentner. Offensiv legte Gentner zwar eines seiner besseren Spiele hin. Wenn es dem Gegner jedoch gelingt, in seinen Rücken zu kommen, brennt es oft lichterloh. Teams mit größerem Selbstvertrauen und höherer Qualität nutzen solche Stellungsfehler gnadenlos aus. In der Abwehr war ich angetan von Baumgartls Saisondebüt und auch der Leistungssteigerung von Insúa. Toni Sunjic unterlief zwar kein spielentscheidender Fauxpas und doch ist es seine fehlende Geschwindigkeit, die ihn zum permanenten Sicherheitsrisiko macht. In Kombination mit Florian Klein bereitet mir die Abwehr noch immer allergrößte Sorgen.

Ein richtiger Gradmesser, wie stabil Janßens Formation schon ist und wie konzentriert das Team seine Vorgaben umsetzt gibt es bereits morgen gegen den noch verlustpunktfreien Spitzenreiter Eintracht Braunschweig. Die Braunschweiger kommen mit breiter Brust und durchaus guten Erinnerungen an den Neckar. Zu Bundesligazeiten bedeutete ein 2:2 beim VfB das Aus für Thomas Schneider und auch letzten Dezember im DFB-Pokal trotzte man dem Favoriten nach regulärer Spielzeit ein Unentschieden ab.

Für den VfB darf dies keine Rolle spielen. In der 2. Liga, die hoffentlich nur Übergangsstation ist, muss man zwingend daran arbeiten, das Neckarstadion wieder zu einer Festung werden zu lassen. Verliert man nach Heidenheim im dritten Heimspiel bereits zum zweiten Mal, beschwört man die Geister, die Luhukay rief, nämlich die, dass der große Zuschauerzuspruch die Mannschaft lähme. So weit wollen wir es nicht kommen lassen, daher zählt nur ein Heimsieg!

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