24. April 2019

Leistungsverweigerung!

Nach Jahren des Dahinsiechens und einer kurzen Episode der Hoffnung, dass sich beim VfB tatsächlich mal etwas ändern könnte, sind wir nach dem 0:6-Debakel in Augsburg an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt.

Rede ich von Tiefpunkt, erscheint Rudi Völler vor meinem geistigen Auge, als er sich beim legendären Interview auf Island bei Weißbier-Waldemar darüber ausgekotzt hat, er könne es nicht mehr hören, wenn ihm nach jedem Tiefpunkt weitere und noch tiefere Tiefpunkte angedichtet werden würden.

Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es nach Völlers Rücktritt wieder einige Höhepunkte zu bejubeln, während diese beim VfB weiter entfernt zu sein scheinen, als die Geysire vom Neckar.

Der VfB hat es mit der Bankrotterklärung in der Fugger-Stadt geschafft, dass mein Geduldsfaden mit dem Verein fürs erste gerissen ist. In einem von (Ex-)Trainer Weinzierl seit Wochen zum Endspiel („wir haben noch alles in der eigenen Hand“) hochstilisierten Aufeinandertreffen mit einem vermeintlich direkten Konkurrenten, sich von der ersten Minute an derart kampf- und widerstandslos zu ergeben, ist eine bodenlose Frechheit.

Was sind das für Charaktere, die Reschke da an Land gezogen und mit üppigen Verträgen ausgestattet hat? Altstars, die sich ihre Rente aufbessern wollen, Leihspieler, bei denen keine Identifikation mit dem VfB aufkommen kann, Möchtegern-Stars, die denken, allein, weil sie teuer waren, wären sie wer, und Mitläufer, die vielleicht wollen, es aber nicht (mehr) können.

Wer greift bei dieser Ansammlung von Egoisten endlich mal durch? Es ist doch ein reines Kasperletheater, wenn Geldstrafen nicht gezahlt werden, man sich weigert, bestimmte Positionen zu spielen, in Interviews über den eigenen Arbeitgeber herzieht, Teambuildings-Versuche mit Desinteresse konterkariert werden und man sich null und nichtig mit Arbeitgeber, Stadt, Fans identifiziert. Wer schreitet ein und sorgt bei diesem Sauhaufen, wo offensichtlich jeder macht, was er will, für Disziplin und Ordnung? Wenn gut zureden nicht fruchtet und über Disziplinarstrafen nur gelacht wird, kaserniert die Assis in der Sportschule Ruit ein und lasst sie 7 mal 24 an Fußball und den VfB denken!

Dietrich und Reschke leb(t)en zwar von oben Beleidigungen und Lügen vor, bis in die „Mannschaft“ hätte dieser Ton tunlichst nicht hineingetragen werden dürfen. So stehen wir jetzt, vier Spieltage vor Schluss vor einem Scherbenhaufen oder auch einem (möglicherweise) irreparablen Totalschaden.

Wo sind die pflichtbewussten Profis, die bereit sind, sich für ihre horrenden Gehälter zu schinden und Stadt, Verein und Fans etwas zurückgeben zu wollen? Wo sind jene Profis, die immer gewinnen wollen und denen es nicht egal ist, wenn sie abgeschlachtet werden?

Heutzutage scheint es diese Rotzlöffel überhaupt nicht mehr zu tangieren, ob in ihrer Vita ein Abstieg und die mit Abstand schlechteste VfB-Saison der Historie steht, Hauptsache die Zahlen auf dem Gehaltszettel stimmen.

Bei Abstieg dürften sich zwei Drittel dieser Leistungsverweigerer finanziell sogar noch verbessern, weil andere Vereine wie die Geier nach zum Sonderpreis erhältlichen charakterlosen Arschlöchern lechzen. Der Rest, der woanders keinen besser dotierten Vertrag erhält, schwer vermittelbar ist und nicht unterkommt, bleibt hier und liegt dem VfB weiter genüsslich auf der Tasche. Reschkes Rentenverträge für Auslaufmodelle werden uns wohl noch einige Jahre lang verfolgen. Dietrich jubelt zwar, dass der VfB bei Abstieg zu keinen Notverkäufen gezwungen sei, doch, Realitätssinn ist eben überhaupt nicht Dietrichs Sache.

Unter Reschke wurde das Gehaltsniveau derart angehoben, dass uns jeder Verkauf eines Top-Verdieners erleichtern dürfte. Klar, wegprügeln kann man sie nicht, ein Mario Gomez bspw., der dem Vernehmen nach zwischen fünf und sechs Millionen Euro per anno „verdienen“ soll, erklärt bei jeder Gelegenheit generös, er stünde auch in der 2. Liga zur Verfügung.

Er könnte genauso gut sagen, da ihm vermutlich kein zweiter Verein ein solches Salär bietet, bleibt er eben hier. Auch Holger Badstuber, mit ähnlich üppigem Vertrag ausgestattet, wird nur das Weite suchen, wenn er sich finanziell nicht verschlechtert, so dass dem VfB im Falle des Abstiegs gar nichts anderes übrig bleiben dürfte, jene zu verscherbeln, die eine ordentliche Ablöse versprechen und gleichzeitig von der Gehaltsliste verschwinden.

Beim ein oder anderen dürfte es gar auf das Modell Ibišević hinauslaufen, bei dem der Spieler zwar weg transferiert wird, der VfB jedoch dennoch bis zum Sankt Nimmerleinstag einen Teil der Bezüge weiterzahlt. Mit derart haltlosen Aussagen lasse ich mich von Dietrich nicht verarschen.

Hitzlsperger und Mislintat sind jetzt dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, wen der VfB überhaupt behalten möchte, wer den nötigen Charakter mitbringt, sich für den Verein zu zerreißen, auch wenn ihm die vorgesehene Position, der Übungsleiter, der Feinstaub oder der Dauerstau in der Stadt nicht gefällt. Am Monatsende gibt es schließlich genügend Schmerzensgeld, das die Motivation in jeder noch so beschissenen Lage hochhalten sollte. Derzeit gibt es ganz wenige, die für die nächste Saison noch ihre Daseinsberechtigung haben, Kabak zum Beispiel, der jedoch im Falle des Abstiegs sicher weg wäre.

Mit der Leistungsverweigerung vom Samstag wurde eine Grenze überschritten und der letzte Kredit verspielt. Von der ersten Minute vorführen haben sie sich lassen und nicht mal den Ansatz eines Zweikampfes gesucht. Null gelbe Karten sprechen Bände. Vermutlich wollten sie doch „nur“ Weinzierl loswerden, was sie in eindrucksvoller Manier geschafft haben. Es war auf der Tribüne äußerst peinlich mit anzusehen, dass Eckbälle in jeder E-Jugend-Mannschaft besser verteidigt werden und dass nur eine Mannschaft wirklich am Spiel teilnehmen wollte.

Sollten diese Drecksäcke am Samstag wieder rennen können und Mönchengladbach besiegen, werde ich erst recht sauer. Dieser erbärmliche Haufen hat nur eines verdient, den Abstieg mit sofortigem Großreinemachen auf allen Ebenen.

Augsburg hat neben dem so gut wie sicheren Nichtabstieg ganz nebenbei auch noch den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie eingefahren, Glückwunsch, Zieler, Baumgartl, Pavard, Kempf, Esswein, Insúa, Castro, Kabak, Zuber, Gomez, González, Donis, Didavi, ihr ward dabei und steht für DEN Schandfleck der jüngeren VfB-Geschichte. Man wird sich noch lange an euer stümperhaftes Auftreten erinnern, und das nicht nur, wenn mal wieder vom höchsten Augsburger Sieg aller Zeiten berichtet wird.

Das 0:6 war zudem für den VfB die höchste Niederlage seit dem 17. Spieltag 1985/1986. Damals hieß der Gegner Werder Bremen und, damals wie heute, hatte ich mir den Kick im Stadion angetan. Freitagabend, Flutlicht, bitter kalt und ein entfesselnd aufspielender Meisterschaftskandidat von der Weser.

Auf den Trainerbänken saßen die beiden Ottos, Rehhagel und Baric. Damals wie heute war ich stinksauer ob des Dargebotenen, der große Unterschied aber war der, dass dies ein Ausrutscher war und sich die Protagonisten wenigstens schämten, während beim VfB die ganze Saison schon unterirdisch ist, wir noch kein einziges gutes Spiel gesehen haben und mit Augsburg „nur“ noch eins oben draufgesetzt wurde.

Damals hatten wir einen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Jungs nach einem derartigen Debakel im Neuen Schloss antanzen ließ, wo sich jeder Einzelne erklären musste, während sich unser jetziger Präsident auf Abruf auf Tauchstation befindet und damit beschäftigt ist, seine geschäftlichen Beziehungen zu verschleiern, anstatt sich um die Probleme des VfB zu kümmern.

In jener Saison in den 80ern hatten wir noch Typen wie Karlheinz Förster, Guido Buchwald, Günther Schäfer, Karl Allgöwer und Asgeir Sigurvinsson in der Mannschaft, die eine offene Rechnung mit ins Rückspiel nahmen.

Werder reiste als Tabellenführer an und stand nur deshalb nicht schon als Meister fest, weil Kutzop am 33. Spieltag in letzter Sekunde den Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten drosch.

Für den VfB hingegen ging es um nichts mehr. Als Pokalfinalist stand fest, dass wir in der darauffolgenden Saison international vertreten sein würden, so dass man die Saison hätte locker ausklingen lassen können.

Das erhofften sich auch die Werderaner, deren erster Meistertitel unter Rehhagel und nach 1965 so greifbar war. An dieses Spiel und vor allem die knisternde Atmosphäre kann ich mich noch recht gut erinnern und weiß sogar noch, dass ich damals einen Kurvensitzplatz (ach, die schönen alten Holzbänke) unterhalb von A- oder B-Block hatte.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, als ginge es für uns um die Meisterschaft und nicht für Werder. Auf den Rängen war die große Lust zu spüren, den Nordlichtern in die Suppe zu spucken. Wettbewerbsverzerrung war noch verpönt, man hatte keine Lust darauf, sich nachsagen lassen zu müssen, den Bremern die Meisterschaft kampflos überlassen zu haben. Außerdem herrschte seit dem Abstieg 1975, als Werder 15. und der VfB 16. wurde, eine gewisse gegenseitige Abneigung, so dass man lieber den Südrivalen als die “Fischköpfe” als Meister gesehen hat.

Daher trieb das Publikum, 62.000 waren gekommen, das Team von der ersten Minute unermüdlich an, was sich auf dem Rasen widerspiegelte. Man hatte den Eindruck, die Jungs rannten um ihr Leben, was bei Rehhagel völliges Unverständnis hervorrief, gab es doch auch ordentlich auf die Socken.

Durch zwei Allgöwer-Tore gewannen wir mit 2:1, während die Bayern zu Hause Gladbach mit 6:0 abfertigten und noch an Werder vorbeizogen.

Nach dem Schlusspfiff wurde Werder reichlich mit Häme überschüttet und wir feierten den Sieg, als gäbe es kein Morgen. Das damalige Team bewies Charakter, von dem wir bei dem jämmerlichen Haufen der Gegenwart nur träumen können.

Undank ist der Welt Lohn, eine Woche später bedankten sich die Bayern im DFB-Pokalfinale für die Schützenhilfe nicht, sondern schossen uns, Willi Entenmann saß inzwischen auf der Trainerbank, mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion.

In frustrierenden Zeiten wie diesen tut es ganz gut, in Erinnerungen zu schwelgen und sich an die Helden früherer Tage zu erinnern. Doch, so bitter, es ist, ich muss mich auch schon wieder den Totalversagern vom Samstag zuwenden.

Während die Genannten der Saison 1985/1986 allesamt respektable Karrieren nach der Karriere hingelegt haben, sind, wenn man Jan Åge Fjørtoft bei Wontorra glauben darf, mindestens 60% der Profis drei Jahre nach Karriereende pleite und landen mehr oder weniger in der Gosse. Ob das auch jetzt noch, bei den in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Gehältern, so ist, sei dahingestellt. In der Sache hat er sicher nicht ganz unrecht.

Wer keinen Charakter und so wenig Anstand besitzt, für horrende Gehälter alles andere hintenan zu stellen, wer zu doof ist, Trainervorgaben zu befolgen, wer Problemen aus dem Weg geht, wer zur Unselbständigkeit erzogen wird, beleidigte Leberwurst mimt, wenn es unbequem wird, wer nicht bereit ist, sich an Gruppenregeln zu halten und sich ein Fußballerleben lang stets selbst der Nächste ist, wird es da draußen schwer haben, einen Job zu bekommen, kommt er nicht gerade als Fernseh-“Experte“ unter.

Womöglich kommen dann Schlaumeier wie Beckenbauer in Bezug auf Brehmes Privatinsolvenz daher, und fordern einen Fonds für in Not geratene Ex-Profis. Das würde mir jedoch nur ein müdes Lächeln abringen, postieren sich die Sozialversager am Spieltag zwischen Karlseck und Neckarstadion, springt gerade noch mein Hofbräu-Fläschle für sie heraus.

Da ich mich gerade so in Rage schreibe. Sollte irgendwer der Auffassung sein, ich würde diese Armleuchter zu unflätig beleidigen und zu hart angehen, der stelle sich selbst die Frage, ob er die „Leistung“ vom Samstag etwa nicht auch als persönliche Beleidigung aufgefasst hat.

Dass Weinzierl zu spät entlassen wurde, steht außer Frage. Dennoch gehört es sich nicht, einen solchen Auftritt hinzulegen, um den unbeliebten Übungsleiter los zu werden. Unsere minderbemittelten Kicker können noch froh sein, dass die Ultras das Stadion bereits zur Halbzeit verlassen haben. Sonst hätte wohl jeder Protagonist dieser öffentlichen Hinrichtung sein Trikot, das über 90 Minuten durch Nicht-Leistung beschmutzt wurde, abliefern müssen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – bis zu 8.000 VfB-Fans machen sich erwartungsfroh auf nach Bayerisch Schwaben und das „Team“ interessiert das überhaupt nicht.

Soviel auch zum Thema, die Proteste gegen Dietrich würden die Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Die Unterstützung, untermalt von einer beeindruckenden Auswärtschoreographie, war phänomenal und schlug erst nach dem 3:0 merklich um.

Das Traurige daran ist, es geht offensichtlich nicht nur mir so, dass die Emotionen völlig raus sind. Man hätte auf die Zäune klettern und sie beleidigen können, aber nein, die Ultras fuhren heim und der Rest flüchtete sich in Lethargie oder bestenfalls noch in Sarkasmus.

Charakterlose Arschlöcher interessieren sich eben nur für sich selbst, denen sind die Proteste gegen Dietrich genauso egal wie die 8.000 Idioten, die diesen Stümpern am Osterwochenende hinterherfahren.

Wie schon letzte Woche geschrieben, hätte nach dem etwas erträglicher ausgefallenen Düsseldorf-Debakel nicht nur Reschke, sondern auch Weinzierl entlassen werden müssen.

Geradezu paradox ist es doch, dass man Reschke vordergründig deshalb den Laufpass gab, weil man ihn nicht auch noch den dritten Trainerfehlgriff verantworten lassen wollte und Hitzlsperger so lang mit der Entlassung gezaudert hat, um letztlich „Entscheidungshilfe“ vom „Team“ erhalten zu müssen. Schon seit einigen Wochen war es mir klar, dass wir in dieser Konstellation Punktelieferant bleiben werden, nichts, aber auch gar nichts, gaben die Auftritte her, aus denen man Hoffnung auf Besserung schöpfen konnte.

Dass Weinzierl die Spieler nicht erreicht hat, sie öffentlich diskreditiert hat, sich bis zum Schluss nicht richtig mit dem VfB identifiziert hat und letztlich auf der Spieltags-PK mit seiner Medienschelte um den Rauswurf gebettelt hat, vieles wollte Hitzlsperger wegen der bloßen Hoffnung auf Kontinuität nicht wahrhaben.

Hitzlsperger, wie vor ihm schon Schneider/ Briem, Heldt, Bobic, Dutt und Reschke absoluter Novize in diesem Metier, kann einem derzeit leidtun. Er wirkte nach dem Auftritt in Augsburg schwer angeschlagen, und wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob er der Richtige für diesen Job ist.

Noch bin ich skeptisch, beurteile ihn jedoch erst nach der Sommertransferperiode. Das lange Festhalten an Weinzierl könnte ihm noch gehörig um die Ohren fliegen.

Seit seinem Amtsantritt wird stets betont, wie nah Hitzlsperger am Team sei und wie viele Gespräche er führen würde. Da kann es mir doch keiner erzählen, dass er nicht erkannt hat, dass Weinzierl die Truppe längst verloren hatte.

Dass sie mit Mannschaftsführung und Matchplänen genauso wenig anfangen konnte, wie damit, dass manche, wie Esswein, ständig aufliefen, während andere komplett außen vor waren.

Da dieser Fußball keinen Spaß machte, weder Fans noch Fußballern, und zudem die Ergebnisse nicht stimmten, gab es wohl genau null Argumente, das mit Weinzierl durchzuziehen. Ein Twitter-User will nach dem Augsburg-Spiel von Aogo erfahren haben, dass „99%“ der „Mannschaft“ gegen Weinzierl gewesen seien, da frage ich mich wirklich, wie Hitzlsperger der Auffassung sein konnte, dass wir mit Weinzierl noch die Kurve kriegen könnten.

Hitzlsperger befindet sich noch in der 100-Tage-Frist, so dass allzu große Kritik an ihm noch unangebracht ist, danach, und spätestens nach Abschluss der Sommertransferperiode jedoch sollte auch er nach Leistung beurteilt werden.

Es war zwar ein kluger Schachzug von Dietrich, nach dem unbeliebten Reschke Everybody’s Darling und Vereinslegende Hitzlsperger an die vorderste Front zu stellen, um Reschkes Scherbenhaufen aufzukehren und dessen Missstände zu verwalten. Damit erhoffte Dietrich, selbst aus dem Fokus der Kritik zu rücken, was gründlich danebengegangen ist, die neuesten Quattrex-Enthüllungen lassen grüßen.

Ob Nico Willig diesem Sauhaufen in den verbleibenden vier bis sechs Spielen neues Leben und so etwas wie Teamgeist einhaucht, wird man sehen.

Es spricht für Hitzlsperger, wie er dem einstigen U19-Trainer das Vertrauen ausspricht und wie er sich von dessen Arbeitsmethoden überzeugt zeigt.

Von Willigs Spielphilosophie und Menschenführung hört man nur Gutes, ob er auch mit den jämmerlichen Versagern vom Samstag zurechtkommt, in ein paar Wochen sind wir schlauer.

Er scheint die Flucht nach vorn suchen zu wollen, was ein Schlüssel sein könnte. Zum einen verspräche dies die Beendigung der Torflaute, zum anderen besänne man sich wieder auf das eigentliche Ziel des Spiels, womit auch mehr Spielfreude zu erwarten sein dürfte.

Bin gespannt, ob wir am Samstag gegen das ebenfalls schwächelnde Mönchengladbach einen komplett anderen VfB und womöglich gar einen Sieg sehen werden. Über diesen könnte ich mich vermutlich nicht einmal freuen, denn, ich halte nichts davon, wenn hochbezahlte Profifußballer die Leistungsbereitschaft so lang einstellen, bis der ungeliebte Chef weg ist und sie dann wieder wie die Häschen rennen.

Was mich bei der Beförderung von Nico Willig befremdet und ich als schlechtes Zeichen für unseren Nachwuchs ansehe, ist, dass man der U19, die die Chance hat, Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden, in der entscheidenden Phase das Herzstück rausreißt. Die Gefahr ist groß, dass es am Saisonende nur Verlierer gibt beim VfB.

Das zarte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt begründet sich nach wie vor einzig und allein aufgrund der Schwäche der Konkurrenz. Auch Willig kann in der Kürze der Zeit lediglich die Missstände verwalten und dem einen oder anderen, der komplett außen vor war, eine neue Chance geben.

Die großen Versäumnisse des Winters, keinen spielstarken Sechser und keinen Torjäger geholt zu haben, werden auch ihn einholen. Ob ein Mario Gomez, der im Winter noch getönt hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen, derzeit angesichts seiner Slapstick-Einlagen aber in jeder Comedy-Show besser aufgehoben wäre als auf dem Platz, den Turnaround schafft, wenn insgesamt mehr nach vorne geht, ich bin gespannt. Wie so vieles derzeit, ist auch das schwer vorstellbar.

Egal, wie die Saison ausgeht, der VfB steht mal wieder vor einem radikalen Neuanfang. Da auch beim VfB der Fisch vom Kopf her stinkt, muss Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich den Weg frei machen.

Er steht wie kein anderer für das Verlassen des Weges der Vernunft und der Installation des Perlentauchers. Er ließ Reschke gewähren und goutierte jene Alleingänge Reschkes, die er als Grund für Schindelmeisers Entlassung vorschob.

Er erschlich sich bei seiner „Wahl“ und der Ausgliederungspropaganda das Vertrauen der Mitglieder mit falschen Versprechungen und hat wohl auch gelogen, als es um mögliche Interessenskonflikte bzgl. seines Quattrex-Imperiums ging.

Der offene Brief des Fanausschusses blieb bislang unbeantwortet, Dietrich ist und bleibt ein Meister des Aussitzens. Womöglich lacht er nur über die Vorwürfe, die ihm wohl erst dann gefährlich werden könnten, sollte die DFL ermitteln.

Die Mitglieder haben Dietrich, trotz aller Warnungen, durch die Ausgliederung mit einer Machtfülle ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Somit werden ihm die Mitglieder kaum gefährlich werden können und deshalb egal sein.

Wie er ganz aktuell erklärte, werde er die Vorwürfe zeitnah entkräften, was nicht darauf hoffen lässt, dass er bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Sollten seine wohl noch immer bestehenden Beteiligungen und das damit verbundene Partizipieren an Erfolgen möglicher Relegationsgegner, von der DFL als „noch im Rahmen“ angesehen werden, änderte dies nichts an der moralischen Verwerflichkeit. Die DFL sah seinerzeit auch bei Redbull keine Untergrabung der 50+1-Regelung und gab sich mit dem neuen alten Logo zufrieden, um diese Retorte in die Bundesliga zu hieven. Auch dies mag bestehendes Recht sein, mit Anstand und Moral jedoch hat wenig zu tun, was bei der DFL passiert.

Sollte die DFL nicht aktiv werden, muss man auf den Aufsichtsrat hoffen. Wie Oliver Trust bei Sport im Dritten andeutete, scheint der Daimler mit der Verwendung seiner Gelder nicht einverstanden zu sein, so dass der Druck möglicherweise auch von der Investorenseite her zunehmen wird.

So oder so, die Luft für Dietrich wird zunehmend dünn. Fast hätte ich an seinen Charakter appelliert, doch, siehe oben, siehe Augsburg, darauf braucht man wohl nicht zu hoffen. Wie sich der VfB auf allen Ebenen präsentiert, wird von oben vorgelebt, so dass es bis zu Dietrichs Demission nur weiter heißen kann, #StuttgartkämpfenDietrichraus.

Nach einem Trainerwechsel Prognosen fürs nächste Spiel abzugeben, sind schwierig und ich bin da echt zwiegespalten. Mir wäre es fast lieber, es ginge mit der Truppe sang- und klanglos runter (nichts anderes verdient man nach einer solchen Saison) und ich müsste keinen mehr sehen, als dass sie ab Samstag „Ätschegäbele“ sagen, und sich berappeln, wie man es nach Trainerwechseln ja schon oft genug erlebt hat.

Darauf habe ich ehrlich gesagt überhaupt keinen Bock und es würde meinen Hass auf diese erbärmlichen Gestalten wohl ins Unermessliche steigern.

Wie erwähnt, mein Geduldsfaden ist gerissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mir die weiteren Spiele nicht mehr antun werde. Berlin ist gebucht, nach Schalke fliegen wir aus Malle ein (ja, auch WIR SIND STUTTGART) und die Relegationstermine sind geblockt. Die Touren sind nach wie vor geil, auch Augsburg war es, stören tun da nur die Spiele. Die Weggefährten und Leidensgenossen, die man trifft, mit denen man unterwegs ist, wiegen vieles auf, sogar ein unterirdisches 0:6!

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18. April 2019

Frust!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 06:20

„Wir dürfen nicht anfangen, den Frust über die derzeitige Lage nach außen zu tragen. Wenn wir dies tun, sind wir auf dem falschen Weg. Ich appelliere an jeden einzelnen, die Ruhe zu bewahren. Jeder einzelne ist in unserer Situation gefordert“, so Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nach der Heimniederlage gegen Bayer 04 Leverkusen.

Auslöser dieser mahnenden Worte dürften Anzeichen einer Selbstauflösung des Teams sein. Gegen Leverkusen drückte sich dies in Ascacibars Spucken gegen Havertz, dem Disput von Kempf mit Co-Trainer Beller sowie überzogenen Reaktionen nach ihren Auswechslungen von Zuber und Gonzalez aus.

Weshalb dann ausgerechnet der Chef des Teams sich nicht an die Vorgabe Hitzlspergers hält (womit er einen weiteren Kündigungsgrund liefert), gibt Rätsel auf. Auf der Spieltags-Pressekonferenz platzte der Frust aus Weinzierl förmlich heraus. Und das nicht im Affekt, er erschien bereits mit geballten Fäusten in der Tasche und wartete förmlich darauf, endlich lospoltern zu können. Ich werte dies als einen Affront gegen Hitzlsperger und neuerlichen Hilferuf, ihn endlich zu entlassen. Bereits vor ein paar Tagen schrieb ich, es sei wohl besser, beide Seiten voneinander zu erlösen, dieser These gibt Weinzierl mit seinem denkwürdigen Auftritt neue Nahrung.

Dabei bin ich keineswegs der Auffassung, ein Trainer müsse sich alles gefallen lassen. Zu gegebener Zeit darf sich ein Jeder gerne auskotzen und Medienschelte betreiben, sind doch die Kollegen auf der anderen Seite des Podiums auch nicht gerade zimperlich, was die Beurteilung der Übungsleiter angeht. Vor allem in Stuttgart sind wir gebrannte Kinder und wissen, Alexander Zorniger lässt grüßen, wie sehr die Medienvertreter es beeinflussen, ob ein Trainer in Ruhe arbeiten kann oder nicht.

Was Weinzierl angeht, bin ich mit der Berichterstattung und dem Umgang mit ihm in den Pressekonferenzen, auch nicht einverstanden. Es geht vieles ins persönliche und es wird eher gefragt, wie es sich anfühlt, wenn man ständig verliert, den Nichtabstiegsplatz aus den Augen verliert und die Stürmer nicht treffen, als danach, was er anders zu machen gedenkt, um den Bock endlich umzustoßen und weshalb Spieler wie zum Beispiel Thommy und Akolo in seinen Überlegungen nicht vorkommen, während Gomez und Gonzalez einen bedauernswerten Auftritt nach dem anderen hinlegen.

Weinzierl hat natürlich Recht, wenn er sagt, er sei nicht schuld, wenn Ascacibar einen Gegenspieler anspuckt und wenn Gomez das Tor nicht trifft. Aber, er ist schuld daran, dass sich das Team seit seiner Amtsübernahme so gut wie überhaupt nicht weiterentwickelt hat. Durch Aussagen wie „wir müssen das besser machen“, wir müssen das, wir müssen jenes und wir dürfen das nicht, beruhigt er uns VfB-Fans in keinster Weise.

Eher das Gegenteil ist der Fall, es ist das Hoffen auf den lieben Fußballgott, nicht aber ein Indiz dafür, dass er einen Plan in der Tasche hätte, wie wir uns in den nächsten Spielen noch steigern könnten. Das macht Angst!

Zudem haut er allzu gern seine eigenen Spieler in die Pfanne, was bei denen nicht sonderlich ankommen dürfte. Mich würde es brennend interessieren, ob Weinzierl im Winter außer Esswein noch weitere Wunschspieler auf dem Zettel hatte, die Reschke ihm nicht genehmigt hat oder was sonst sein Plan gewesen war, eine bessere Rück –als Vorrunde spielen zu können.

Die Vakanz im kreativen Mittelfeld (Alternative zu Didavi) und Sturm (5 Tore Gomez, 2 Tore Gonzalez) war bekannt, so dass es äußerst fahrlässig gewesen ist, nur mit diesem Personal auch in die zweite Saisonhälfte zu gehen.

Aufgrund seiner Bilanz hätte Weinzierl nach dem Debakel in Düsseldorf zusammen mit Reschke gehen müssen. Danach hatte man zwar kurz den Eindruck, er wirke gelöster mit Hitz anstatt Reschke an seiner Seite, doch, der zarte Aufschwung mit gerade mal dem Pflichtsieg gegen Hannover 96 und zwei Achtungs-Unentschieden in Bremen und gegen Hoffenheim erwies sich als Strohfeuer.

Weshalb jetzt immer noch nicht gehandelt, erschließt sich mir überhaupt nicht. Weinzierl und der VfB, das passt einfach nicht. Schon als Augsburg-Trainer tat er uns nicht gut, bei 7 Siegen und nur einer Niederlage (18:5 Tore), womit er den Trainern Labbadia, Veh und Zorniger den Gnadenstoß versetzte.

Als VfB-Trainer ist seine Bilanz verheerend. Vier Siege, vier Unentschieden und 14 Niederlagen sprechen Bände und sollten Grund genug sein, ihn zu entlassen, jetzt, wo wir langsam aber sich den Atem der Nürnberger spüren.

Wie am Schluss Hannes Wolf, scheint Weinzierl um seine Entlassung zu betteln, siehe seine fragwürdigen Aufstellungen und das jüngste Konterkarrieren von Hitzlspergers Appell. Der Verdacht drängt sich auf, man setze darauf, Weinzierl im Falle des Abstiegs günstiger loszubekommen.

Für mich ein Spiel mit dem Feuer, zumal ein professionell wirtschaftender Verein wie der VfB, der um die Verweildauer seiner Trainer weiß, bestimmt ausreichend Rücklagen für Abfindungen gebildet hat! Ein Abstieg käme uns um ein Vielfaches teurer, so dass ich es nicht kapiere, weshalb man drauf und dran ist, die Fehler von 2016 zu wiederholen.

Nichtsdestotrotz hat Augsburg für Weinzierl Endspielcharakter. Ein neuerlicher blutleerer Auftritt, weitere Eskapaden auf und neben dem Platz oder eine Eskalation auf den Rängen. Es fühlt sich an, als fehle nur noch der berühmte Tropfen, um den VfB endgültig ins Chaos zu stürzen. Hitzlsperger hätte ich ruhigere Zeiten gewünscht, sich ins neue Aufgabengebiet einzuarbeiten. Er ist fast ausschließlich als Krisenmanager gefragt und hat einen Brandherd nach dem anderen zu löschen.

Je weniger die Spiele, desto schwieriger die Suche nach einer Interimslösung, denn, nur eine solche kommt in Frage, will man im Sommer unbelastet mit einem neuen Trainer in die nächste Saison gehen. Ich bin gespannt, wen Hitz aus dem Hut zaubern wird und würde derzeit jede Wette eingehen, dass Weinzierl nicht bis Saisonende unser Trainer ist.

Ascacibar indes wurde inzwischen von der DFL mit der Mindeststrafe von sechs Wochen für eine Tätlichkeit, zu der auch Spucken zählt, belegt. Mildernde Umstände, die das Strafmaß hätten drücken können, gab es offensichtlich nicht, sonst hätte der VfB wohl Einspruch eingelegt.

Somit steht uns Ascacibar erst bei einem möglichen Relegationsrückspiel wieder zur Verfügung. Ich hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel harsche Kritik an den selbsternannten Experten geübt, die allzu hart mit Santi ins Gericht gingen und ihn am liebsten wieder zurück in der argentinischen Pampa sähen, weil für Spucker kein Platz in unserer Gesellschaft sei. Auch ich war von seiner Aktion entsetzt und will so etwas von keinem VfB-Spieler sehen. Daher bin ich mit der Bestrafung einverstanden, weil Santi eine Grenze überschritten hat, egal in welcher emotionalen Ausnahmesituation er sich befand.

Ascacibar wird die Sperre selbst am meisten treffen! Als einer der wenigen, für die Fußball noch Kampfsport und nicht nur Ballett ist, dürfte er durchdrehen, wenn er in den nächsten Wochen nicht mitwirken kann und womöglich miterleben muss, wie der Absturz des VfB noch mehr an Rasanz aufnimmt.

Daher sollte es mit der Strafe gut sein und sämtliche Kritiker, die eh alles besser wissen, sollten von nun an die Klappe halten und dem jungen Burschen, der er noch immer ist, die zweite Chance zugestehen. Ich bin mir sicher, auch einem Hitzkopf wie ihm, wird das kein zweites Mal passieren. Kopf hoch, Santi, wir VfBler stehen zu Dir!

Ob mit oder ohne Santi, Augsburg wird schwer. Durch den Trainerwechsel und den Sieg in Frankfurt wittern die bayerischen Schwaben Morgenluft und könnten sich durch einen Sieg fast aller Abstiegssorgen entledigen. Gut möglich also, dass Weinzierl ausgerechnet von seinem Ex-Verein in die gut dotierte Arbeitslosigkeit geschickt wird.

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27. September 2017

Riegel-Hannes!

Zum Abschluss der englischen Woche und zum Wasenauftakt hatte der VfB den FC Augsburg zu Gast. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg, der Trainer Jonker den Job kostete, und der ärgerlichen Niederlage am Dienstag in Mönchengladbach, reichte es gegen die bayerischen Schwaben (nur) zu einer Punkteteilung.

Das Intro für dieses Spiel bot von beiden Fanszenen jeweils eine Choreographie, während die der Augsburger im Antlitz derer in der Cannstatter Kurve nur verblassen konnte. Das Motto hieß dieses Mal „Schwabenmetropole Stuttgart“ und war schlicht in den Farben des Stuttgarter Stadtwappens gehalten. Kurze Zeit später gingen im Augsburger Block noch grüne und rote Rauchschwaden hoch, während in der Cannstatter Kurve der altbekannte Banner „Bazitrachten raus aus Stuttgart“ präsentiert wurde.

Die Aversion vieler gegen die Unsitte aufs Cannstatter Volksfest verkleidet wie im Fasching zu gehen, artete Zeitungsberichten nach am Samstag aus und mündete sogar in Handgreiflichkeiten, wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Das ginge auch für mich zu weit, wenngleich mich dieser Kostümball schon auch extrem nervt. Nicht nur in Cannstatt kann man sich durch die Sauftouristen belästigt fühlen, auch die Bahnen sind übervölkert von vorglühendem Partyvolk in billigen Trachten, so dass der Volksfest-Höhepunkt für mich längst der Kehraus ist.

Da das Spiel wenig Spektakuläres bot, beschäftigt man sich in den Tagen danach eben mit diesen Nebensächlichkeiten. Schon als ich eine Stunde vor Spielbeginn die Mannschaftsaufstellung las, ahnte ich, dass an diesem Tag ein Feuerwerk höchstens auf den Rängen stattfinden würde. Es ist keineswegs so, dass ich mit einem Punktgewinn gegen den FC Augsburg nicht leben könnte, wenn man sich die jüngste Bilanz gegen die Fuggerstädter vor Augen führt. Sage und schreibe sieben Niederlagen am Stück standen in den letzten Aufeinandertreffen zu Buche, diese Negativserie konnte durch das Remis durchbrochen werden. Zudem ist der FC Augsburg stark in die Saison gestartet, schlug unter der Woche Leipzig zu null und ist nach der Auftaktniederlage gegen den HSV nunmehr seit fünf Spielen ungeschlagen.
Dass Hannes Wolf in Anbetracht dieser Vorzeichen sein Team nach dem Motto „Safety First“ auf- und einstellte, fand ich nachvollziehbar. Im letzten Duell auf heimischem Boden, noch unter Alexander Zorniger, setzte es im Neckarstadion im Abstiegsjahr ein desaströses 0:4, so dass für Samstag zunächst einmal Vorsicht die Mutter der Porzellankiste war.

Anders als Zorniger wollte Wolf den bayerischen Schwaben nicht ins offene Messer laufen und setzte auf ein Abwehrbollwerk, das sich gewaschen hatte. Sage und schreibe acht Defensivspezialisten, darunter vier gelernte Innenverteidiger, schickte Wolf auf den Platz. Die offensive Fahne sollten lediglich der erneut starke Donis, Brekalo und in vorderster Front Terodde hoch halten. Die leise Hoffnung hatte ich ja, dass Wolf im späteren Spielverlauf offensiv nachlegen würde, als aber in der 65. Minute auch noch der defensivere Orel Mangala für Brekalo eingewechselt wurde, fand ich mich langsam mit dem torlosen Unentschieden ab.

Manch einer wird monieren, dass eine derart defensive Aufstellung einer Heimmannschaft unwürdig und für das Publikum eine Zumutung ist, ich hatte dafür in diesem Spiel Verständnis, weil wir Aufsteiger sind und der Spatz in der Hand eben manchmal besser ist als die Taube auf dem Dach. Sieben Punkte nach sechs Spielen, keine herausragende, jedoch eine akzeptable Zwischenbilanz. Wir sind in der Liga angekommen und Hannes Wolf hat es geschafft, die Defensive im Vergleich zu den Vorjahren gehörig zu stabilisieren.

DER Turm in der Schlacht im Defensivverbund war bei seinem zweiten Einsatz für den VfB erneut Holger Badstuber. Was dieser Mann abräumt, im Spielaufbau leistet und wie er brenzlige Situationen mit einer spielerischen Leichtigkeit löst, ist phänomenal. Wenn er sein Verletzungspech ablegt und einigermaßen regelmäßig einsatzbereit ist, ist mir, was den Klassenerhalt betrifft, nicht bange.
Er verleiht unserer Defensive allein durch seine Präsenz ein Mehr an Sicherheit, wovon irgendwann auch die schwächelnde Offensive profitieren dürfte. Steigt das Vertrauen in die Hintermänner, lässt es sich auch unbeschwerter nach vorne spielen, zumal mit Ascacibar nun ein Sechser da ist, der resolut in den Zweikämpfen ist und den Rasen umpflügt wie kein zweiter in der Mannschaft.

Für den verletzten Gentner rückte Benjamin Pavard auf die Doppelsechs und nicht Burnić oder Ofori, während Kaminski mit Baumgartl und Badstuber die Dreierkette bildete. Kaminski spielte solide und rettete das Remis eine Viertelstunde vor Schluss, als er in höchster Not Finnbogason die Kugel abluchste, während Baumgartl in einigen Situationen zu fahrig agierte.

Badstuber unterband durch technisch anspruchsvolle Einlagen bedrohliche Aktionen zuhauf und erntete dafür Szenenapplaus, was Baumgartl dazu bewog, es ihm gleichzutun, was sich beinahe gerächt hätte. Er wäre gut beraten, sich die Sicherheit durch einfaches und konzentriertes Passspiel zu holen und einfach in seinem Bereich nichts anbrennen zu lassen.

Die (neuen) Außen der bei gegnerischem Ballbesitz von einer Dreier- zur Fünferkette werdenden Abwehrformation sind defensiv bisher weitestgehend ein Gewinn. Sowohl Dennis Aogo als auch Rückkehrer Andreas Beck bringen viel Ruhe und Erfahrung mit ein, sind aber mit jeweils über 30 Jahren nicht (mehr) die Flügelflitzer, die auch mal einen Mann überlaufen und bis zur gegnerischen Grundlinie vorstoßen können.

Über die Rückkehr von Andreas Beck habe ich mich nach der Bekanntgabe des Transfer zwar gefreut, auch wenn ich skeptisch wegen seines fortgeschrittenen Alters war und man von ihm aus der Türkei eben auch nicht mehr viel gehört hatte. Er ist trotz seiner Vergangenheit im Kraichgau ein sympathischer Typ geblieben, man nimmt es ihm ab, dass der VfB in all den Jahren „sein“ Verein geblieben ist. Noch mehr hätte mich diese Vereinsverbundenheit gefreut, wenn er schon zurück gekommen wäre, als er noch in der Blüte seines Schaffens war und nicht erst im Spätherbst seiner Karriere, wo auf den ersten Blick der Eindruck entsteht, es wolle einer gemütlich und daheim bei Muttern seine Karriere ausklingen lassen.

Wäre er zurückgekehrt, als es dem VfB wirklich dreckig ging, hätte er Kultstatus erlangen können, so aber wird es nur eine kurze zweite Episode mit ihm werden. Ich bin mal die Rechtsverteidiger der letzten Jahre durchgegangen, um vor Augen zu führen, was uns hätte alles erspart werden können, hätte er sich früher zum Brustring zurück besannt. Dort finden sich Namen, angefangen mit Khalid Boulahrouz (den ich allerdings sehr schätzte), über Stefano Celozzi, Philipp Degen, Gotoku Sakai, Tim Hoogland, Toni Rüdiger, Daniel Schwaab, Florian Klein, Matthias „Zimbo“ Zimmermann, Kevin Großkreutz bis hin zu Jean Zimmer. Kaum einer taugte zur Dauerlösung, so dass diese Planstelle zur Dauerbaustelle wurde. Seit Ricardo Osorio, an dem Beck seinerzeit nicht vorbei kam, ist die Position des Rechtsverteidigers, wie auch mit Abstrichen das Pendant auf der linken Seite, DIE Problemzone im VfB-Spiel. Es bleibt zu hoffen, dass Andi Beck dieses Problem wenigstens kurzfristig beheben kann.

Nach den bisherigen sechs Saisonspielen wurden die Auftritte des VfB meist gelobt, selbst als keine Punkte eingefahren wurden. Man spiele ordentlich mit, habe viel Ballbesitz und man sei in keinem Spiel wirklich chancenlos gewesen, etwas mitzunehmen. Das ist zwar alles richtig und doch kam für meinen Geschmack vom VfB zu wenig. In den verloren gegangenen Auswärtsspielen wurde man immer erst initiativ, als man zurücklag und das Kind bereits im Brunnen lag. Vor den Gegentoren war die Sicherung des eigenen Kastens oberste Maxime, das Offensivspiel wurde, bis es hinten einschlug, fast gänzlich vernachlässigt. Was bringt also Ballbesitz, wenn man damit nicht den Weg nach vorne sucht, sondern die Kugel in der eigenen Hälfte zirkulieren lässt? So war es meist eine Frage der Zeit, bis der Gegner „ernst“ macht und in Führung geht. Dem Offensivspiel, das wurde bisher nahezu in jedem Spiel deutlich, fehlen Impulse. Wenn dann noch, wie in den letzten beiden Spielen, Akolo ausfällt, der zwei unserer bisherigen drei Saisontore erzielt hat, ist unser Sturm nur ein laues Lüftchen.

Simon Terodde, so wirkt er auf mich seit seinem verschossenen Elfmeter gegen Mainz, plagt die Angst vor seinem ersten Bundesligator im zarten Alter von 29 Jahren. Er verkrampft zunehmend und wirkt immer unglücklicher in seinen Aktionen, so dass man nur hoffen kann, dass bei ihm endlich der Knoten platzt oder Daniel Ginczek schnell eine Option für die Startelf darstellt.

Was dem VfB nach dem Abgang von Maxim komplett abgeht, ist ein kreativer Mann hinter den Spitzen, der den tödlichen Pass spielen und für Überraschungsmomente sorgen kann. Hat sich der Streit mit Jan Schindelmeiser unter anderem daran entladen, dass dieser Maxim abgab, ohne einen adäquaten Ersatz präsentiert zu haben, darf man, ohne gleich als Vollidiot betitelt zu werden, die Frage an Michael Reschke richten, weshalb er dann keinen geholt hat, wo er doch so gut vernetzt zu sein scheint. Zeit hätte er noch genügend gehabt.

Nun aber ist eine kurzfristige Belebung der Offensive kaum zu erwarten, jedenfalls so lang nicht, bis Carlos Mané wieder zur Verfügung steht. Wolf wird weiter improvisieren und einen Fußball spielen lassen müssen, der ihm selbst widerstreben dürfte. Doch, als Mittel zum Zweck ist alles erlaubt, was uns von den Abstiegsplätzen fern hält.

Eigentlich will ich ja von alten Statistiken, die geschrieben wurden bevor Hannes Wolf seinen Job beim VfB antrat, nichts wissen. Nach dem Abstieg hat sich der VfB runderneuert, fast kein Spieler, der für die genannten Statistiken verantwortlich zeichnete, ist noch da. Und trotzdem ist vieles wie immer, wenngleich einiges natürlich besser geworden ist.

Wir können in Berlin, Gelsenkirchen und Mönchengladbach nicht (mehr) gewinnen und tun uns gegen den FC Augsburg extrem schwer. Dass es auch anders geht, zeigten die knappen Heimsiege gegen Mainz und Wolfsburg, unsere letzten Gegner vor dem Abstieg.

Augsburg zu Hause war in der jüngeren Vergangenheit ein Brett, so dass dieses Pünktchen am Ende als Bonuspunkt durchgehen könnte. Zudem blieben wir im Neckarstadion weiterhin ohne Gegentor, was Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte.

Insgesamt sehe ich uns im Soll und bin optimistisch, dass wir in Frankfurt, ein Pflaster, das uns in den letzten Jahren immer gut gelegen hat, den ersten Auswärtssieg einfahren werden.
Das bedingt ein wenig mehr Risiko nach vorne und vor allem den unbedingten Willen, das erste Tor zu schießen. Versteckt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange und lädt die Eintracht ein, uns hinten hineinzudrängen, wäre es für mich der falsche Ansatz.

Ein Auswärtssieg würde den Punkt gegen Augsburg vergolden und uns beruhigt in die Länderspielpause gehen lassen, denn, danach wartet zu Hause der nächste dicke Brocken auf uns. Deutlich wird das nicht unbedingt beim Blick auf die Tabelle, denn, der FC ist ja bekanntlich Schlusslicht, aber, womit wir wieder bei den Serien wären, seit 1996 gewann der VfB kein Bundesligaheimspiel mehr gegen die Geißbockelf.

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17. April 2016

Mit Vollgas Richtung 2. Liga

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 21:04

Noch immer bin ich schwer verkatert an diesem tristen Sonntag und das nicht nur wegen reichlich konsumierter Hopfen-Kaltschalen, sondern vor allem wegen der Darbietung der Brustringträger in Augsburg.

Ein solch blutleerer, kampf- und ideenloser Auftritt lässt nicht darauf schließen, dass sich die „Mannschaft“ des Ernstes der Tabellensituation bewusst war, oder, noch schlimmer, dass ihr irgendetwas am Ligaverbleib vom VfB liegen würde. Schämen sollten sie sich, die Reaktionen nach dem Spiel ließen aber eher vermuten, dass sie überrascht gewesen wären, weil ihnen keine Beifallsarien aus dem Block entgegen hallten, sondern Pfiffe. Daher machten sie schneller wieder kehrt, als sie gekommen waren.

Bereits letzte Woche hatte ich geschrieben, dass ich sowohl mit unserer Niederlage in Augsburg rechnen würde und es mich nicht wundern würde, wenn gleichzeitig Darmstadt, Bremen und Hoffenheim ihre Spiele gewännen. Dass dies dann exakt so eintrat, bescherte mir zwar die zwischenzeitliche Spieltagsführung im Kicktipp-Spiel, was mich an diesem Tag jedoch auch nicht trösten konnte. Der Abstiegskampf hat uns endgültig wieder und das, obwohl man sich im Februar zwischenzeitlich gar auf Europaleague-Kurs wähnte.

Dabei begann der Tag klasse. Ausnahmsweise schlossen wir uns der Jahres-Ausfahrt der Murgtalschwaben an und besuchten vor dem Spiel noch das Brauhaus 1516 direkt am Augsburger Hauptbahnhof. Bester Laune kamen wir eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn am Stadion an. Nach kurzem meet and greet mit Freunden und Bekannten am Busparkplatz ging es auch schon hinein. Wir hatten unsere Plätze auf der Haupttribüne, wo es zum einen besser zum fotografieren gewesen ist und es, im Gegensatz zum Gästeblock, „richtiges“ Bier gab.

Zu Beginn gab es eine schöne vom Schwabensturm initiierte „Traditionsverein“-Choreographie, bevor es auch schon hinein ins Spiel ging. Von Beginn an war auf VfB-Seite keine Entschlossenheit zu spüren. Man erhoffte sich zwar, dass das Team im Vergleich zu Ingolstadt und Darmstadt erfolgshungriger antreten würde, wurde jedoch schon bald bitter enttäuscht.

Die meisten Spieler schienen gedanklich schon bei ihren neuen Vereinen zu sein, so dass ein völlig zusammenhanglos anmutender Auftritt daraus wurde. Kein Teamgeist, keine Konzentration, keine Zweikampfhärte, dilettantisches Zweikampfverhalten, unerklärliche Stockfehler, kaum Torgefahr, kein Zusammenspiel und an der Seitenlinie ein Trainer, der erst noch nachweisen muss, dass er einer solchen Situation gewachsen ist. Schwaab und Klein rechts, Insúa links, ließen sich ein ums andere Mal überspielen und düpieren, so dass Augsburg schnell zu seinen Spielanteilen kam und vor allem schnell merkte, dass dieser VfB zu packen ist.

Wie man bei der nach Hannover 96 zweitschwächsten Heim-Mannschaft einen solchen Auftritt hinlegen und von der ersten Minute an alles vermissen lassen kann, was nötig wäre, im Abstiegskampf zu punkten und zu bestehen, ist mir und wohl allen anderen Mitgereisten ein großes Rätsel.
Da das Team nach der Erfolgsserie zu Beginn der Rückrunde schon wieder der Auffassung war, es habe seine Schuldigkeit getan, sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass das Grundgerüst der Mannschaft schnellstmöglich komplett ausgetauscht werden muss. Gentner als Kapitän ist für mich Woche für Woche mehr der Witz des Jahrhunderts. Keine Ausstrahlung, keine Eier, zaudernd anstatt entschlossen, er steht wie kein zweiter für die Bequemlichkeit und Verweichlichung dieser Truppe.

Getreu dem Schlussverkaufsmotto „Alles muss raus“ ist Dutt im Sommer gefordert, dem Team ein neues Gesicht zu verleihen und eine neue Hierarchie, ohne Rücksicht auf irgendeine Hausmacht, zu installieren.

Nachdem mit Lukas Rupp kurzfristig auch noch der letzte Kämpfer ausgefallen war, hatten wir ausnahmslos Ballerinas in rosa Tutus auf dem Platz, die lieber höflichen Sicherheitsabstand zu ihren Gegenspielern hielten, anstatt dorthin zu gehen, wo es weh tut. Null gelbe Karten im Abstiegs“kampf“ sprechen Bände.

Unseren Künstlern Didavi, Kostic und Maxim gestehe ich es ja zu, die eine oder andere Situation mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei zu lösen, wenn dies aber auch all die ganzen Rumpelfußballer in der Startelf meinen, für sich beanspruchen zu können, fehlt mir das Verständnis. Diejenigen sollten erst einmal an den Basics arbeiten und mal anfangen zu üben, einfache Pässe über zehn Meter an den eigenen Mann zu bringen. Abstiegskampf gewinnt man nur selten mit Schönspielerei.

Bezeichnend der spielentscheidende Treffer, als Niedermeier ein Luftloch schoss und seine Eigentormarke auf mindesten 2 ½ hoch schraubte. Diese Slapstickeinlage nötigte sogar seinem Trainer eine von ihm ungewohnte Breitseite ab, „bis Niedermeier MAL WIEDER einen Stockfehler hatte“. Von Augsburgern umringt auf der Haupttribüne fiel mir nichts anderes ein, als sarkastisch drüber zu lachen. Das Schlimme war, dass dieses Spiel exakt so verlief, wie ich es befürchtet hatte, ich also nicht einmal negativ überrascht war.

Egal wie die Saison noch enden wird, eines ist klar: Robin Dutt darf keinen der auslaufenden Verträge verlängern, weder den von Daniel Schwaab, noch Georg Niedermeiers, noch den von Martin Harnik und auch nicht die von Florian Klein und Christian Gentner, die wir vertragsbedingt auch nächste Saison noch an der Backe haben werden. Diese alle stehen sinnbildlich für die Mentalität dieses eierlosen Trümmerhaufens und stecken Neuzugänge mit ihrer Bequemlichkeit schneller an, als dass sie die Stadt kennen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es gerade die oben Genannten wären, die im Falle des Abstiegs Treueschwüre wie „Ich habs mit verbockt und möchte jetzt auch helfen, diesen Betriebsunfall zu korrigieren“ ablassen würden, hoffentlich lässt sich Dutt davon dann nicht blenden. Vielmehr sollte man doch dankbar sein, dass all jene Verträge in absehbarer Zeit auslaufen und der Blick endlich in eine bessere Zukunft gerichtet werden kann.

Dass es Woche für Woche die Gleichen sind, die Kramny aufstellt, begreife ich nicht. Es ist ja beileibe nicht so, dass sie sich für weitere Nominierungen empfehlen würden.

In dieser Beziehung ist Kramny meiner Meinung nach ein Feigling. Er bringt noch immer stets die Platzhirsche und setzt keine Reizpunkte, indem sich der eine oder andere auch mal unverhofft auf der Bank oder Tribüne wiederfindet. Für mich muss ein neuer Trainer Akzente setzen und sich von seinen Vorgängern abheben. Wenn einer aber den Weg des geringsten Widerstands wählt, nicht anecken möchte und offensichtlich keinen weiterführenden Plan hat, außer auf das Gute im Spieler zu hoffen, ist er für mich fehl am Platze und beliebig austauschbar.

Wofür leiht man einen Federico Barba aus und lässt ihn, jetzt, wo er wieder fit ist, sich nicht beweisen? Schlechter als Niedermeier, Schwaab und Sunjic wird er ja wohl kaum sein und, wenn doch, muss auch an der Zurechnungsfähigkeit von Robin Dutt gezweifelt werden. Noch in der Woche nährte Kramny Hoffnungen auf Barba, indem er erklärte, für das Spiel könne ein Linksfuß nützlich sein. Verließ ihn kurz vor dem Spiel dann doch der Mut, etwas Neues auszuprobieren?

Weshalb greift ein Trainer, den man von den Amateuren hochgezogen hat, nicht auf „seine“ Spieler der zweiten Garde zurück? Traut er ihnen das Haifischbecken Bundesliga nicht zu, haben wir also auch in der Reserve ein großes Qualitätsproblem? Oder möchte er nur den einen oder anderen „Führungsspieler“ nicht vor den Kopf stoßen, der dann womöglich weichen müsste? Mir ist das absolut rätselhaft, zumal ja jeder langjährige Trainer einer Mannschaft „seine“ Spieler hat, denen er vertraut und die bereit sind, für ihn ihre beste Leistung zu bringen. Hatte Kramny einen solchen Spieler bei den Amas nicht, zeugt das nicht von einem guten Arbeitsklima seinerzeit.

Die einzigen echten Typen, die sich ernsthaft und mit allem, was sie haben, gegen Niederlagen stemmen, Kevin Großkreutz und Serey Dié, fallen für den Rest der Saison aus wie auch Goalgetter Daniel Ginczek, so dass er auf deren Hilfe und zurückkehrende Qualität nicht zu hoffen braucht. Daher gilt es, aus dem zur Verfügung stehenden Personal das Beste herauszuholen und die am besten harmonierende Formation auf den Platz zu schicken. Die von Augsburg ist es mit Sicherheit nicht.

Dass diese jämmerliche Ansammlung an Berufsfußballern, die gestern einmal mehr ihre Unfähigkeit zur Schau stellte, die gleiche sein soll, die für uns in den restlichen Spielen die Kohlen aus dem Feuer holen soll, bereitet mir jetzt schon Schweißausbrüche und schlaflose Nächte.
Kramny muss jetzt zeigen, ob er die Fähigkeit besitzt, die Jungs bei der Ehre zu packen und darf vor Veränderungen nicht zurückschrecken. Es müssen Zeichen von außen her, sonst bleibt das Team in diesem Trott und kann den Schalter nicht mehr umlegen. Die Streichung des trainingsfreien Montags ist überfällig und hoffentlich nicht nur Aktionismus. Es müssen andere Saiten aufgezogen werden, lässt Kramny das Schiff weiterhin schlingern, kann ich mir es gut vorstellen, dass wir (spätestens) nach dem Spiel gegen den BVB mal wieder einen neuen Trainer bekommen. Der Kramny-Effekt ist nach zuletzt nur einem Sieg aus neun Spielen endgültig verpufft.

Dass die Situation nicht noch viel prekärer ist, haben wir den Managemententscheidungen von Hannover 96 und Eintracht Frankfurt zu verdanken. Während Hannover mit Ex-VfBler Michael Frontzeck wohl nur wegen seines „Retter-Bonus“ und nicht aus Überzeugung in die Saison ging und mit Thomas Schaaf schließlich völlig ins Klo griff, stand für mich die Eintracht bereits am Tag der Bekanntgabe, dass Veh neuer alter Trainer werden würde, als Abstiegskandidat Nummer 1 fest. Danke, Euch beiden!

So geht es für den VfB wohl lediglich darum, die Relegation zu vermeiden, was allerdings bereits Horrorvorstellung genug ist. Nach den erbärmlichen Auftritten in der jüngeren Vergangenheit, nicht nur gestern, fällt es einem schwer, daran zu glauben, dass diese Truppe mit dieser Einstellung auch nur gegen irgendjemanden eine Siegchance hätte. Jedes Zweit- und Drittligateam ist mittlerweile so gut ausgebildet, dass es konzentriert verteidigen und unsere harmlose Offensive in Schach halten kann, während wir uns hinten die Dinger in schöner Regelmäßigkeit selbst rein hauen.
In einer möglichen Relegation ginge es wohl gegen den 1. FC Nürnberg. Nicht nur die Vorstellung, dass Nürnberg zu Bundesligazeiten einer unserer (inzwischen unzähligen) Angstgegner war, auch dass wir diesen lachhaften Haufen noch zwei weitere Male ertragen müssten, macht nicht gerade Lust darauf.

Das Schlimme nach Jahren des Dahinsiechens auf der Intensivstation ist, dass ich derzeit nicht weiß, wovor ich mehr Angst habe. Vor einem möglichen Abstieg und der Realität 2. Bundesliga oder davor, dass wir in der Liga bleiben und die nächste Saison wieder einen Tick schlechter wird und die Scheiße niemals endet.

Jahr für Jahr schreibe ich mittlerweile von der schlechtesten VfB-Elf aller Zeiten, wobei gestern in Augsburg ein weiterer Tiefpunkt war und man sich damit beruhigen können sollte, dass es schlimmer nimmer geht. Wären da nicht Leute wie der Holzfuß-Schorsch, Schwaab, Klein, Gentner, Sunjic, Kravets, gestern auch Insúa, von denen fast alle, wenn nicht alle, auch nächsten Samstag wieder ihren Dilettantismus zur Schau tragen dürften, so dass gegen den BVB, egal wie dieser auch rotieren möge, ein Debakel zu befürchten sein dürfte.

Gewänne tags zuvor Werder in Hamburg, stünden wir auf dem Relegationsplatz und die Alarmglocken dürften wohl endgültig auch bei Robin Dutt läuten. Dann wäre es überhaupt nicht mehr verwunderlich, wenn der nächste Feuerwehrmann noch retten müsste, was zu retten ist. Geht’s Huub Stevens eigentlich gesundheitlich wieder besser? ;-)

Nach Dortmund kommt dann das wohl vorentscheidende Spiel bei Werder Bremen, bei dem der VfB ohne seine aktive Fanszene auskommen muss. Bei vielen ist der Aufschrei groß, weil man sein Team in dieser prekären Lage nicht im Stich lassen dürfe. All jene Leute sollten sich dabei vor Augen führen, welchen Stuss „die Mannschaft“ gestern mit bestmöglicher Unterstützung abgeliefert hat und ob es für diese Mimosen nicht sogar förderlich wäre, wenn ihnen keine überbordenden Erwartungen aus der Kurve entgegen schlagen.

Ich für meinen Teil trage den Boykott mit und beteilige mich auch daran. Mir persönlich geht es gar nicht in erster Linie um Montagspiele generell. Diese werden, wenn auch schleichend, kommen und dürften nur schwerlich zu verhindern sein. Im besagten Fall aber geht es um die Terminierung aus heiterem Himmel, an einem Spieltag, für den der Rahmenterminkalender Spiele lediglich freitags und samstags ausgewiesen hatte. Dass aufgrund der 1. Mai-Krawalle keine Sonntagspiele stattfinden würden, stand also schon seit Ende 2014 fest, als der Rahmenterminkalender aufgesetzt wurde. Daher ist es jetzt auch scheinheilig von der DFL, so zu argumentieren, dass das Montagsspiel angesetzt wurde, weil am 1. Mai keine Spiele stattfinden sollen. Dass, wenn es denn schon ein Montagsspiel sein musste, noch ausgerechnet jenes mit der weitesten Entfernung ausgewählt wurde, schlägt dem Fass den Boden aus. Hier gilt es Zeichen zu setzen und zu versuchen, darauf hinzuwirken, dass die Belange der Fans mehr mitberücksichtigt werden. Dass es mit dem einmaligen Fernbleiben eines Spiels und dem Hochhalten von Bannern nicht getan ist, ist allen Beteiligten klar. Es müssen weitere Aktionen folgen bis hin zum Komplettboykott des Bezahlfernsehens. Sky kann es sich nach wie vor nicht leisten, Abonnenten zu verlieren, so dass dies die einzige Möglichkeit sein dürfte, Sky, DFL und die Vereine dort zu treffen, wo es ihnen weh tut. Kündigen ein paar hundert tausend aus der aktiven Fanszene ihre Abos, wäre meiner Meinung nach bereits viel gewonnen. Der deutsche Fernsehmarkt lässt sich mit dem englischen nicht vergleichen, da die Zahl derer, die überhaupt bereit sind, für Fußball im TV zu bezahlen, weitaus überschaubarer ist als in England, so dass es bei schwindenden Abonnentenzahlen schwierig sein dürfte, einen ähnlichen TV-Vertrag abzuschließen und dabei noch schwarze Zahlen zu schreiben, wie der, der in England die Finanzquellen sprudeln lässt.

Ich kann einem höher dotierten TV-Vertrag auf Kosten eines noch zerstückelteren Spielplans überhaupt nichts Positives abgewinnen. Ich persönlich brauche nicht noch mehr Stars in der Liga, die das Gehaltsniveau, das ohnehin schon ein Wahnsinn und für den Normalbürger nicht nachvollziehbar ist, weiter anheben und möchte es mir auch gar nicht ausmalen, dass Holzfüße wie Niedermeier, Klein, Schwaab, Gentner, etc. das Doppelte von dem „verdienen“, was man ihnen schon heute in den Rachen wirft.

Das Spiel in Bremen, bei dem im Übrigen auch die Bremer Ultras solidarisch einen Boykott angekündigt haben, also ohne Gästefans. Danach kommt dann der FSV Mainz 05 ins Neckarstadion, gegen die ein Dreier drin sein könnte, wenn man nach dem Gesetz der Serie geht. Mainz hatten wir schon des Öfteren am Saisonende zu Gast und dabei meist gewonnen.

Ich hoffe, das Team hat schon verinnerlicht, dass Wolfsburg nicht Paderborn ist und lässt es nicht wieder auf den 34. Spieltag ankommen. Der Trend im Abstiegskampf spricht eindeutig gegen den VfB, einfach weil jetzt Mannschaften Morgenluft wittern, die so nicht damit rechneten, während der VfB dem Saisonende entgegen taumelt und in einer schlimmen Krise steckt.

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11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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