26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

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1. Mai 2017

Warum ich (Stand jetzt) nicht pro Ausgliederung stimmen kann

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:02

Meinen Unmut darüber, dass der VfB die geplante Ausgliederung just wieder auf die Tagesordnung setzte, zu einer Zeit, in der eigentlich alles der Konzentration auf den Aufstieg in die Bundesliga untergeordnet werden sollte, habe ich bereits beschrieben.

Ebenso darüber, dass ein Termin unter der Woche um 18.30 Uhr einen Affront gegen die vielen, vielen auswärtigen Mitglieder darstellt, die entweder Urlaub nehmen müssen oder aber an dieser zukunftsweisenden Entscheidung nicht mitwirken können.

Wenn sich der Präsident dann hinstellt, einem Mitglied müsse der VfB so wichtig sein, sich „EINMAL“ für den VfB frei zu nehmen, soll er mal den Spielplan Revue passieren lassen, und zusammenzählen, wie oft der VfB Freitags, Montags oder eine englische Woche gespielt hat und sich bewusst machen, dass es gerade die bei der MV ausgegrenzten auswärtigen Mitglieder sind, die am meisten Urlaub opfern mussten und für die schon jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel darstellt. Eine ganz unglückliche und unbedachte Äußerung unseres Präsidenten!

Als Rechtfertigung, dass dieser Termin genauso alternativlos wie wohl die Ausgliederung sein soll, dient, man wolle die Entscheidung direkt nach dem Ende der Relegationsspiele zur Abstimmung bringen, wenn man endgültig weiß, in welcher Liga der VfB in der nächsten Saison spielt. Zudem solle die außerordentliche Mitgliederversammlung bzw. die Abstimmung über die Ausgliederung noch vor den Pfingstferien durchgepeitscht werden. Dieses Fass wurde mitten in einer sportliche Krise aufgemacht und spaltet die Fangemeinde seither zunehmend.

Auf der einen Seite stehen diejenigen mit den Dollarzeichen in den Augen, die den VfB mit dem 41,5 Millionen-Scheck vom Daimler von jetzt auf gleich in höheren Sphären sehen und dem VfB abnehmen, dass wir ohne die Finanzspritze von Investoren auf Dauer neudeutsch nur noch ein „Opfer“ sein würden, auf der anderen stehen diejenigen, die kritisch hinterfragen, ob denn diese zunächst nur gesicherten 41,5 Millionen Euro tatsächlich den Erfolg garantieren, wie uns die derzeit über uns hinweg rollende Propagandamaschinerie vom VfB Glauben machen will.

Ich bin sehr skeptisch, was das angeht. Man braucht nur die derzeitige Bundesliga-Tabelle anschauen und erkennt, dass allein Millionen-Spritzen keine Tore schießen, Leverkusen, Wolfsburg und der HSV lassen grüßen.

Mehr als auf die Höhe etwaiger Einlagen kommt es im Fußballgeschäft darauf an, wie man mit dem Geld umgeht, ob nachhaltig investiert wird oder ob man in der Hoffnung auf schnellen Erfolg sich eine teure Mannschaft zusammenkauft und das Wohl und Wehe des Vereins in deren Händen liegt. Eine Finanzspritze oder wie es der VfB betitelt, Anschubfinanzierung, verbessert zweifellos die Voraussetzungen, im Oberhaus auf Anhieb wieder Fuß zu fassen, birgt aber auch das Risiko diese Chance zu einem sehr hohen Preis ein für allemal zu verspielen, weil es sich um Einmalzahlungen handelt.

Seit dem Abstieg hat der VfB viel richtig gemacht. Er hat durch erhebliche Transfererlöse die Verluste, die durch den Abstieg zu erwarten waren, kompensieren können und mit Jan Schindelmeiser auf dem Sportdirektor-Posten einen Glücksgriff getan. Auch Präsident Dietrich, von der Ausgliederungsthematik einmal abgesehen, hat mich bislang positiv überrascht. Durch die Euphorie im Umfeld, einem neuen Zuschauerrekord für die 2. Liga und steigender Mitgliederzahl käme der VfB im Fall des sofortigen Wiederaufstiegs mit einem blauen Auge davon.

Schindelmeiser hat bisher kluge Transfers getätigt und mit Hannes Wolf auf dem Cheftrainer-Posten eine sensationelle Lösung präsentiert. Dennoch ist Schindelmeiser erst ein Dreivierteljahr im Amt, Dietrich ein halbes, so dass ich nach Jahren des Missmanagements mit vorschnellem Beurteilen ihrer Arbeit vorsichtig bin. Noch immer schwebt der Aufsichtsrat in fast unveränderter Konstellation über allem, so dass ich mich schwer tue, den Vertrauensvorschuss zu leisten, der mit einer Stimme für die Ausgliederung von den Mitgliedern eingefordert wird.

Vertrauensbildend ist es nach meinem Empfinden schon gleich gar nicht, wenn von Vereinsseite die Skeptiker und Kritiker der Ausgliederung zu möglichen Totengräbern des VfB erklärt werden. Allein die Webseite http://www.ja-zum-erfolg.info/ mit dem Abschmettern von Bedenken als „Fakes“, dazu das Erklär-Bär-Video im „Sendung mit der Maus-Style“ empfinde ich als Respektlosigkeit den (wahlberechtigten erwachsenen) Mitgliedern gegenüber und als Indiz dafür, für wie minderbemittelt das VfB-Mitglied gehalten wird. Wie man die Mitglieder einschätzt, erfährt man dann noch durch den Hinweis auf der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, die bekanntermaßen im Neckarstadion und damit im Freien stattfinden wird, dass man auf „der Witterung angemessene Kleidung“ achten solle.

In puncto Offenheit den Mitgliedern gegenüber kann sich der Verein ein Beispiel am 1. FSV Mainz 05 nehmen, der vor der gleichen Entscheidung steht und seine Mitglieder umfassend mittels eines vom Verein in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens über die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen einer Ausgliederung informiert (nachzulesen unter https://dervfbblog.files.wordpress.com/2017/04/gutachten_zur_ausgliederung_der_lizenzspielerabteilung-1.pdf).

Dass eine Ausgliederung durchaus Vorteile haben kann und möglicherweise früher oder später auf Druck des jeweiligen Vereinsregisters erfolgen muss, liegt auf der Hand. Mit einem gemeinnützigen Verein hat ein Millionen-Unternehmen, wie es der VfB ist, schon lang nichts mehr zu tun.

Es gäbe aber ja noch andere Gesellschaftsformen, die man wählen könnte, ohne Anteile des Vereins zu veräußern und sich damit, wenn auch indirekt, in die Hände eines Investors zu begeben. Die Auswahl zwischen mehreren Varianten, wie z. B. der KGaA, bei der Investoren einsteigen könnten, ohne dass mein Stimmrecht (bzgl. der Lizenzspielerabteilung) aufgeben würde, wäre meiner Ansicht nach fairer gewesen. Dafür hätte es Zeit benötigt, die man den Mitgliedern jetzt nicht einräumt.

Alternativen werden den Mitgliedern nicht aufgezeigt, es heißt lediglich „friss oder stirb“. Genauso hinterfragenswert ist es, ob man nur mit der Daimler AG oder auch noch mit anderen potentiellen Investoren gesprochen hat und was diese für einen Einstieg beim VfB bereit gewesen wären zu zahlen. Den Mitgliedern bleibt nichts anders übrig, dem Verein zu glauben (oder auch nicht) und das, obwohl doch Vertrauen in den letzten Jahren ein absolutes Fremdwort auf dem Wasen war.

Wie kommt es plötzlich, dass der VfB auf einen Wert von 350 Millionen Euro taxiert wird, wenn vor einem Jahr noch von etwa der Hälfte die Rede war. Handelt es sich hier gar um eine Scheinmarke, die den den Mitgliedern genannt wird, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass 75% der Stimmberechtigten für die Ausgliederung stimmen? Hofft man, dass diese beträchtliche Summe, aus der die 41,5 Millionen Euro (11,75%), die der Daimler an Anteilen erwerben möchte, hervorgehen, die Sinne der Mitglieder vernebelt? Etwas mehr Transparenz bei der Ermittlung des Unternehmenswerts wäre hilfreich gewesen.

Für den Daimler ist die Summe, die er investiert, zunächst einmal irrelevant, da sich diese Einlage bilanziell nicht auswirkt und er somit auch vor seinen Aktionären und Mitarbeitern keine Rechenschaft darüber ablegen muss. Für ihn stellt es eine Beteiligung dar und beeinträchtigt lediglich seine Liquidität. Somit hält sich sein Risiko in engen Grenzen, zumal er ja wieder aussteigen könnte, sollte sich der VfB einmal im Sinkflug befinden.

Sollte die Höhe der Einlage vom Daimler tatsächlich zu hoch angesetzt sein, könnte es dem Verein zudem schwer fallen, weitere Investoren zu denselben Konditionen zu finden, um am Ende des Tages die gewünschten 24,9% der Anteile verkauft zu bekommen. Wer dann zusätzlich noch mit ins Boot genommen wird, darüber haben die Mitglieder dann allerdings kein Stimmrecht mehr, sollte die Ausgliederung durchgehen. Dies läge dann in der Entscheidungsbefugnis der AG, womit die Mitglieder in dieser Hinsicht mit ihrem Kreuzchen Stand jetzt die Katze im Sack kaufen würden.

Eine weitere Frage, die mir unter den Nägeln brennt und die mir bislang keiner zu meiner Befriedigung erklären konnte, ist die, was passiert, wenn der Daimler aus welchen Gründen auch immer keine Lust mehr hat, den VfB zu unterstützen und seine Anteile weiter veräußern möchte?

Der VfB betont zwar immer wieder, dass es vertraglich geregelt werde, dass kein Investor seine Anteile ohne Zustimmung vom VfB weiter verkaufen dürfe und dass der VfB ein Rückkaufrecht auf die Anteile habe. In der Praxis erscheint es mir schwierig, kurz mal 41,5 Millionen (plus/ minus Wertanstieg bzw. -verfall) auf den Tisch des Hauses zu legen, um dadurch den Einstieg bspw. eines chinesischen Investors zu verhindern.

In diesem Zusammenhang stößt mir auch die Aussage, das vom Daimler erhaltene Geld würde ins Eigenkapital fließen, sauer auf. Buchhalterisch ist es wohl tatsächlich so, aber doch nicht in der Realität, wenn jederzeit damit gerechnet werden muss, dass die entsprechende Einlage der AG theoretisch wieder entzogen werden kann. Ich gebe zu, ich bin kein Finanzexperte, da der VfB es aber nicht für nötig hält, Bedenken stichhaltig auszuräumen, macht man sich als Laie eben seine eigenen Gedanken.

Würden die Gelder regelmäßig fließen, stiege die Erfolgswahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren sprunghaft an. Da es sich aber um eine einmalige Einlage von 41,5 Millionen Euro handelt, wird uns diese Summe vermutlich nicht so weit voran bringen, wie es sich viele erhoffen. Der Daimler hat zwar, wenn man der Propaganda-Seite vom VfB glauben darf, ein höheres Sponsoring-Engagement zugesagt, solang aber keine Zahlen auf dem Tisch liegen und man sich als Mitglied kein Bild davon machen kann, ist auch dieses Versprechen eher unter der Kategorie „Katze im Sack“ einzuordnen.

Damit stehen weiter die 41,5 Millionen Euro als Fixum (und das auch nur im Fall des Aufstiegs), der Rest, der im Raum steht, ist theoretischer Natur, so dass man das glauben kann oder eben auch nicht.

41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball nicht mehr die Welt und helfen dem VfB höchstens kurzfristig weiter. Ein Teil der Summe soll sofort in den Profikader fließen, ein weiterer in den Nachwuchsbereich und schließlich soll davon auch noch die marode Infrastruktur auf Vordermann gebracht werden.

Wer davon träumt, dass sich mit diesen Mitteln kurz- und mittelfristig Vereine wie Hoffenheim und Leipzig, die uns in den letzten Jahren enteilt sind, wieder einholen lassen, ist ein Phantast.

Diese 41,5 Millionen hätten sich durch gute Arbeit im Kerngeschäft in den letzten Jahren auch aus dem Spielbetrieb heraus erwirtschaften lassen. Ich möchte gar nicht so weit zurück gehen und noch einmal daran erinnern, wie schnell die 35 Millionen Euro, die man beim Verkauf von Mario Gomez eingenommen hat, versickert sind.

Aus der jüngeren Vergangenheit ist das Beispiel Joshua Kimmich zu nennen und das Vergraulen unserer Ikonen im Jugendbereich Albeck und Schrof. Besäßen wir heute noch die Transferrechte an Kimmich, würden wir diese Summe durch einen einzigen Verkauf einnehmen, ohne dafür auch noch unsere Mitgliederrechte verschachern zu müssen.

Seit Schindelmeiser beim VfB ist, wurde im Nachwuchsbereich bereits an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht, der Einstieg von Porsche als Hauptsponsor des Nachwuchsleistungszentrums sowie das Stellen des Nachwuchsbereichs auf eigene finanzielle Beine ist ein weiterer wichtiger Schritt. An dieser Stelle müssen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt werden, wenn die richtige Leute am richtigen Ort sind und nicht nach Kumpanei eingestellt oder entlassen werden, wie es in der Ära Bobic gang und gäbe war. Dann lassen sich schon bald und auch ohne Ausgliederung erste Früchte in Form von erstklassigen Bundesligaspielern ernten.

Die 41,5 Millionen Euro vom Daimler erscheinen noch mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich vor Augen führt, wie sich die Fernsehgelder ab der kommenden Saison entwickeln werden. Der durchschnittliche Bundesligist erhält demnach gut 47 Millionen Euro jährlich und damit etwa zehn Millionen Euro mehr als der FC Bayern in dieser Saison oder fast doppelt soviel wie der VfB in der Vorsaison als Bundesligist.

Dadurch wird insgesamt mehr Geld in den Kreislauf fließen, von dem alle Vereine profitieren (die Top Ten logischerweise noch mehr als die Anderen), so dass es mir äußerst unrealistisch erscheint, dass der VfB, wie er in seinem „Sendung mit der Maus Video“ propagiert, schon bald wieder die Lücke nach oben schließen und die Plätze 2-5 anvisieren können wird.

Es wird ebenso die Hoffnung geschürt, dass der VfB nach einer Ausgliederung wieder selbst bestimmen kann, welcher Spieler bleibt und welcher geht. Auch das erscheint mir eine gewagte These zu sein, denn, Profifußballer gehen ausnahmslos dort hin, wo es das meiste Geld zu „verdienen“ gibt.

Ich bin froh, dass der VfB den Gehälterirrsinn nur bedingt mitgeht und unser Top-Verdiener derzeit „nur“ ca. 2 bis 2,5 Millionen jährlich in den Allerwertesten geschoben bekommt. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass man einen Verein wie Hoffenheim beim Wettbieten um einen Spieler aussticht und somit ein Gehaltsniveau im doppelt oder dreifach so hohen Bereich aufbaut.

Geht man diese Entwicklung mit, läuft man schnell Gefahr, den Schritt zurück in die Heldtsche Ära zu machen, als man Gehälter auf Championsleague-Niveau zu bezahlen hatte und die entsprechenden Einnahmen plötzlich fehlten. Da kann ich mich eher noch mit der Philosophie eines SC Freiburg anfreunden, der sich als Ausbildungsverein sieht und für den es Teil seiner Philosophie ist, Transfererlöse zu generieren und sich dadurch sein Überleben zu sichern.

Bei der Selbstbeweihräucherung seitens des VfB erkenne ich noch kein nachhaltiges Konzept, wie es weiter gehen soll, wenn die einmaligen Einnahmen, die aus der Ausgliederung generiert wurden, ausgegeben oder auch versickert sind.

Beim Daimler bin ich mir zudem nicht sicher, mit welcher Ernsthaftigkeit er sein Sponsoring beim VfB betreibt oder ob er weiterhin gerade nur das Mindestmaß dessen für den VfB tut, was nötig ist, um den Einstieg eines oder mehrerer Konkurrenten zu verhindern.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren, dass der Daimler gemäß seines Leitspruchs „Das Beste oder nichts“ hauptsächlich Spitzensport fördert. Sei es im Motorsport, wo für ihn bereits der zweite Platz eine Niederlage darstellt, bei der deutschen Fußballnationalmannschaft oder auch im Spitzen-Tennis gibt der Konzern ein Vielfaches dessen aus, was ihm der Nachbar VfB wert ist.

Schon beim „Verkauf“ der Namensrechte am Neckarstadion, hat man dem Vernehmen nach die Stadt gehörig über den Tisch gezogen (10 Millionen Mark einmalig!), auch den Namen Mercedes-Benz Arena bekam man nach dem letzten Stadionumbau Presseberichten zufolge zum Schnäppchenpreis.

Dem Daimler stünde es ja frei, den VfB als Hauptsponsor nach Kräften zu unterstützen wenn er denn schon seit Jahren als Gegenleistung einen Aufsichtsratsposten für sich beansprucht und maßgeblich über die Geschicke des VfB mitbestimmt und demzufolge am Absturz in den letzten Jahren nicht ganz unbeteiligt ist.

So lang der Verein und Daimler klüngeln und nicht mit offenen Karten gespielt wird, so lang Kritiker als Ewiggestrige abgetan werden, fällt es mir schwer, für die Ausgliederung zu stimmen und mein Stimmrecht, was die künftige AG betrifft, aufzugeben.

Auch wenn der Verein weismachen möchte, die Stimme der Mitglieder bleibe entscheidend heißt es in dem oben erwähnten Gutachten „Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

Ich bin gewiss weder Ultra, noch einer, der sich der Moderne verschließt. Als Mitglied möchte ich aber ernst genommen und umfassend informiert werden und nicht die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen, wie es derzeit geschieht.

Ich hoffe, dass bis zum 01.06. noch Fakten auf den Tisch kommen und nicht nur Vorhaben verkündet werden, über deren Eintrittswahrscheinlichkeit nur spekuliert werden kann. Für die Katze im Sack werde ich sicherlich nicht stimmen.

Sollte es tatsächlich so schlecht um den VfB bestellt sein und der Laden im Fall einer Ablehnung der Ausgliederungspläne mutmaßlich zugemacht werden müssen, möge man auch dies offenlegen, weshalb das so sein soll. Sonst ist das für mich nur Panikmache und unseriöse Stimmenfängerei.

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22. April 2017

Mit Glück, Maxim und Mega-Terodde!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 08:55

Der VfB Stuttgart schloss den 29. Spieltag mit einem Auswärtssieg bei Arminia Bielefeld ab und holte sich die Tabellenführung von Hannover 96 zurück.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das den VfB auf der Alm erwartete. Die Bielefelder taten uns nicht den Gefallen an Jürgen Kramny als Trainer festzuhalten und holten seit seiner Entlassung beachtliche zehn Punkte aus vier Spielen. Der VfB indes kam nach zuvor fünf sieglosen Partien im Derby gegen den KSC zum ersten Dreier seit Ende Februar und meldete sich somit bereit für den Saison-Endspurt.

Erst zum zweiten Mal während seiner Amtszeit vertraute Hannes Wolf der Elf der Vorwoche. Der VfB begann forsch und deutete schon in der Anfangsphase an, dass man sich in Bielefeld etwas vorgenommen hatte. Vor allem über den wiedererstarkten Maxim, der nach Manés schwerer Verletzung noch DER Trumpf im Aufstiegsrennen werden könnte, liefen viele Angriffe in Richtung des Bielefelder Kastens, während sich die Ostwestfalen zunächst kaum befreien konnten.

In der zehnten Minute kam Simon Terodde wohl leicht außerhalb des Strafraums nach einem Laufduell zu Fall, die Pfeife des Hannoveraner (!) Schiedsrichters Harm Osmers blieb jedoch stumm. Pfeift er diese Aktion konsequent zu unseren Gunsten, kann man auch über eine rote Karte wegen Notbremse diskutieren. Mit der Theatralik eines Arjen Robben, der in Madrid für einen ähnlichen Kontakt den Elfmeter erhielt, wäre wohl auch hier mehr drin gewesen.

Gleich mit der ersten Torchance nach einem schönen Spielzug gingen dann die Arminen in Führung. Ausgerechnet Christoph Hemlein, der beim VfB den Durchbruch nicht schaffte, köpfte eine schöne Flanke unhaltbar für Langerak zur Führung der Arminen ein. Man merkte ihm förmlich an, wie gut ihm der Treffer gegen seinen alten Verein tat. Dennoch bot auch dieser Treffer Anlass zur Diskussion über fehlende Intensität im Abwehrverhalten. Man ließ die Bielefelder nach Belieben kombinieren, während Insúa bei Hemlein gerade mal ein Alibi-Hopserle machte und der Wucht des Bielefelders nichts entgegen setzen konnte. Nach der Führung war der VfB um eine schnelle Antwort bemüht, kam jedoch kaum zu nennenswerten Abschlüssen, weil der letzte Pass nicht ankam oder die Ballbehandlung zu schludrig vorgetragen wurde, was zu vielen unnötigen Ballverlusten führte.

Bielefeld hat seit dem Wechsel auf der Bank zum Luxemburger Jeff Saibene durchaus auch in Sachen Spielkultur etwas zu bieten und wurde mit der Führung im Rücken mutiger. Vom VfB kam in weiten Phasen der ersten Halbzeit wenig, ein insgesamt enttäuschender und auch ernüchternder Auftritt, war man doch angesichts dem fünf Spiel währenden Negativlauf und den Ergebnissen der Konkurrenz zum Nachlegen verdammt. Auf der Gegengerade, Reihe 1, wo es uns dieses Mal hinverschlagen hatte, ließ ich mich schon in Anbetracht der Atmosphäre auf der Alm zur Bemerkung hinreißen, dass überall, wohin wir reisen, beste Stimmung herrscht, was ja nicht unbedingt für den VfB spricht.

Der VfB hatte zwar über weite Strecken des Spiels ein Plus an Ballbesitz, wusste mit diesem jedoch wenig anzufangen. Dies änderte sich schlagartig in der 51. Minute, als der Bielefelder Keeper Davari außerhalb des Strafraums Alexandru Maxim den Ball vor die Füße spielte, dieser sich nicht zweimal bitten ließ und die Kugel aus 40 Metern per Bogenlampe in den Kasten drosch. Auch in Zeiten, als Maxim nicht spielte, ich die Entscheidung des Trainers aber akzeptierte und nachvollziehen konnte, betonte ich immer wieder, dass es manchmal eben doch gut tut, einen wie Maxim auf dem Rasen zu wissen. Dieses Tor, das behaupte ich mal, hätte kein anderer im Kader gemacht. Nicht nur in dieser Situation hat Maxim geglänzt, er war während des gesamten Spiels Dreh- und Angelpunkt und unheimlich engagiert und motiviert. Einer seiner besten Auftritte im VfB-Dress, an den ich mich erinnern kann.

Nur drei Minuten später dribbelte sich der Dreifach-Torschütze aus dem Hinspiel, Simon Terodde, durch die gegnerische Abwehr und lupfte den Ball im Stile eines Klassestürmers über Davari hinweg zur VfB-Führung. Danach ging es rauf und runter. Dem VfB gelang es nicht, Ruhe ins Spiel zu bekommen, während die Bielefelder vor Selbstvertrauen nur so strotzten und eine Viertelstunde vor Schluss durch Yabo zum Ausgleich kamen. Wieder war es Hemlein, der volley aus kurzer Distanz abzog, Langerak konnte nur noch vor die Füße von Yabo abklatschen und sah bei diesem Treffer nicht ganz so glücklich aus. Den Letzten beißen nun mal die Hunde, die entscheidenden Fehler passierten vorher, weil zu halbherzig agiert wurde und man keinen Zugriff auf die Gegenspieler bekam. Nun drängten beide Teams auf die Führung. Vor allem Terodde boten sich nach der Hereinnahme von Ginczek mehr Räume, doch, er scheiterte drei Mal in aussichtsreicher Position.

Ginzek kam nach dem Bielefelder Ausgleich für Anto Grgic, der erst zur Halbzeit für Özcan eingewechselt wurde. Die Höchststrafe für einen Spieler, ein- und kurze Zeit später wieder ausgewechselt zu werden, was Grgic auch überhaupt nicht schmeckte, wie sich an seiner Körpersprache und wie er sofort in die Kabine trottete, ablesen ließ.

Hannes Wolf begründete diese Maßnahme später mit den geänderten Vorzeichen und damit, dass es sonst Gentner getroffen hätte, der jedoch „noch gut im Spiel“ gewesen sei. Meinen Segen hätte Wolf bei der Herausnahme von Gentner gehabt. Es ist sowieso schwer nachzuvollziehen, weshalb Gentner nun die 10 geben darf, wo sich mit Özcan und Ofori eine Doppelsechs gefunden zu haben scheint, während der eigentliche 10er Maxim auf den Flügel ausweichen muss. Für mich hat das Ganze schon einen Touch von Wachablösung und deutet darauf hin, dass man Gentner in dieser Saison noch mitschleppt und kein Fass aufmachen möchte, im Sommer die Karten aber neu gemischt werden.

Nach Chancen hüben wie drüben spielte Daniel Ginczek zu einem Zeitpunkt, an dem man sich bereits mit einer Punkteteilung abgefunden hatte, Simon Terodde frei, der abermals mit feiner Technik Davari überwand und zum vielumjubelten 2:3 einschoss. Am Ende war es wieder einmal die individuelle Klasse und die starke Reservebank, die das Spiel zu Gunsten des VfB entschied.

Im Aufstiegsrennen indes ist man genau so schlau wie zuvor. Den Ersten VfB trennen gerade einmal drei Punkte vom Vierten Eintracht Braunschweig, so dass weiterhin jeder Ausrutscher schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Für den VfB bedeutet das, dass er keinen Deut nachlassen darf und sich in der Defensivarbeit tunlichst steigern sollte. Zu instabil wirkten die Auftritt zuletzt. Fünf Mal nicht gewonnen, dann ein glanzloser Sieg gegen das mit Abstand schwächste Team der Liga und jetzt auf der Alm letztlich mit Dusel und durch starke Einzelleistungen gewonnen. Ein Ruhekissen sieht anders aus.

Mit dem 1. FC Union Berlin kommt am Montag ein ganz anderes Kaliber ins Neckarstadion. Den Unionern geht zwar auswärts etwas die Wucht ab, mit der sie ihre Heimspiele bestreiten und doch stellt sich da ein ganz gefährlicher Gegner vor. Der lange verkannte Jens Keller scheint hier sein ideales Arbeitsumfeld vorgefunden zu haben und hat es geschafft, ein ausgeglichenes Kollektiv zu formen, das das Zeug zum Aufstieg hat. Mit den fantastischen Fans im Rücken könnte es das große Plus der Unioner sein, dass sie weitestgehend befreit aufspielen können, weil der Aufstieg kein Muss ist und viele es sogar lieber sähen, bliebe der 1. FC Union in der 2. Liga. Union ist der etwas andere Verein im Profifußball und versucht sich seine Traditionen, seine Fan-Nähe und seine Unabhängigkeit von Investoren zu erhalten. Gerade da haben viele Unioner Bedenken, dass sich der Verein im Falle des Aufstiegs öffnen müsse und das Ursprüngliche verloren gehen könnte.

Für den VfB könnte die Aufgabe leichter werden als gegen die Abstiegskandidaten. Es ist kaum zu erwarten, dass die Unioner, wie so viele Kontrahenten zuletzt, den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken werden. Als Tabellendritter und mit auch am Montag wieder überragender Unterstützung ihrer Fans werden sie versuchen mitzuspielen, ohne jedoch dem VfB ins offene Messer laufen zu wollen. Man darf gespannt sein, wie beide Teams mit dem Druck, der nun doch immer größer wird, umgehen werden und wer die besseren Nerven hat.

Wie wenn der Aufstiegskampf nicht genug Nerven kosten würde, wird dieser fast noch überstrahlt von der anstehenden Abstimmung über eine mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung des VfB Stuttgart 1893 e. V. in eine Aktiengesellschaft.

Nach Jahren der Misswirtschaft beim VfB tue ich mich schwer damit, der „neuen“ Vereinsführung alles vorbehaltlos zu glauben, was uns so erzählt wird. Natürlich hört es sich charmant an, wenn Jan Schindelmeiser unmittelbar nach einer „erfolgreichen“ Abstimmung mit einem 40-Millionen-Euro-Scheck auf Shopping-Tour gehen darf. Diese Aussicht auf schnelles Geld darf uns jedoch nicht die Sinne vernebeln und dazu verleiten, ohne akribische Prüfung wichtige Werte und Mitspracherechte zu verkaufen. 40 Millionen Euro hört sich auf den ersten Blick zwar nach sehr viel an, ist im heutigen Fußballgeschäft aber auch nicht die Welt. Mit einem professionellen Scouting und den richtigen Leuten am richtigen Ort lassen sich solche Beträge durchaus auch aus eigener Kraft erwirtschaften, man stelle sich zum Beispiel nur einmal vor, wir besäßen heute noch die Transferrechte an einem Joshua Kimmich. Auch ein Leihgeschäft mit Kaufoption wie bei Carlos Mané, sollten wir die Zügel des Handelns komplett in useren Händen haben, könnte bei weiterhin positiver sportlicher Entwicklung des Spielers 25-30 Millionen Euro in die Kassen spülen, wenn man ihn für 15 Millionen Euro fest an den VfB bindet und nach ein, zwei Jahren auf die Insel verkauft und dabei unterstellt, dass er dann nicht weniger “wert” sein würde, als ein Leroy Sané, der letzten Sommer für eine Rekordsumme von 40-45 Millionen Euro zu Manchester City wechselte.

Was keiner bei der Debatte erwähnt, ist zudem, dass der neue TV-Vertrag, der ab der nächsten Saison in Kraft tritt, den Vereinen noch sehr viel mehr Geld als bisher in die Kassen spülen wird und sich die kolportierten 40 Millionen Euro somit weiter relativieren könnten.

Der VfB preschte mit dieser Mitgliederversammlung mehr oder weniger aus dem Nichts, mitten in einer sportlichen Krise und in einer Phase, in der im Grunde alles dem Ziel direkter Wiederaufstieg unterzuordnen wäre, vor und terminierte diese zudem mindestens diskussionswürdig auf einen Werktag um 18.30 Uhr. Damit werden sowohl viele, viele auswärtige Mitglieder bei dieser so zukunftsweisenden Entscheidung ausgegrenzt, als auch jene Mitglieder, deren persönliches Arbeitsumfeld es Ihnen nicht ermöglicht, zu dieser Zeit auf der Matte zu stehen.

Klar hat Präsident Dietrich immer wieder betont, dieses Thema habe den Verein (zu) lange gelähmt und müsse zeitnah zur Abstimmung kommen und dann ein für allemal (zumindest was seine Amtszeit betrifft) von der Agenda verschwinden. Und doch ist diese Entscheidung zu tiefgreifend, um sie einfach so mal hopplahopp, womöglich aufstiegstrunken und ohne Zeit und Gelegenheit sich ausreichend über die Für und Wider zu informieren, durchzupeitschen.

Der VfB wird dem entgegnen, dass Präsident Dietrich und andere Gesichter und Verantwortungsträger des Vereins in den kommenden Wochen von Veranstaltung zu Veranstaltung tingeln und für die Ausgliederung werben und dass dies Information genug sei.

Auch ich werde auf die eine oder andere dieser Veranstaltungen gehen und versuchen, mich noch tiefgreifender zu informieren, doch fehlt mir hier ein bisschen die “Gegenseite” oder zumindest das Aufzeigen des VfB von Alternativen zur Ausgliederung.

Bislang heißt es mehr oder weniger nur, entweder Ausgliederung oder wir wurschteln halt weiter wie bisher, was ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Warum steht der Daimler über allem, welche Unternehmen stehen eventuell noch zur Debatte? Gab es womöglich welche, die mehr als der Daimler bezahlt hätten? Wieso in eine AG ausgliedern, was spräche gegen andere Gesellschaftsformen?
Der VfB hat im Vorfeld der MV eigens die Seite http://www.ja-zum-erfolg.info/news/ an den Start gebracht, deren URL schon ein gewisses “Friss oder stirb” beinhaltet.

Zudem werden Dichtung und Wahrheit, Fake-News und Fakten aus VfB-Sicht beleuchtet und den Skeptikern, zumindest lese ich das so zwischen den Zeilen, suggeriert, wer dagegen ist, ist blöd oder sage nein zum Erfolg!

In welchem Zusammenhang steht denn mehr Geld mit Erfolg? Es verbessert zwar die Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Garantie ist es aber nicht. So wie man das Daimler-Geld vergolden kann, kann man es genauso gut in den Sand setzen und dann hätte der VfB sich für Nichts und wieder Nichts und ein für allemal verkauft.

Davor habe ich Angst! Ich sehe zwar die Richtung, die der VfB seit dem Abstieg eingeschlagen hat, als positiv an. Meiner Meinung nach macht Jan Schindelmeiser einen ausgezeichneten Job. Er hat mit Hannes Wolf einen wahnsinnig interessanten und hoffnungsvollen Trainer geholt und, sollte der Aufstieg gelingen, bislang auch wirklich alles richtig gemacht.

Selbst von Präsident Dietrich, bei dem ich anfangs mehr als skeptisch war, bin ich angetan. Nach dem eher unsichtbaren Bernd Wahler wirkt Dietrich auf mich wie ein “Hans Dampf in allen Gassen”. Er ist omnipräsent, hält und knüpft Kontakte, holt alte VfB-Ikonen ins Boot oder baut durch sie (Hitzfeld, Klinsmann) auch “nur” sein Netzwerk aus. Das Fan-Sein merkt man ihm an, er gibt sich volksnah, hat stets ein offenes Ohr für jeden.

Und doch ist längst nicht alles eitel Sonneschein. Der Aufsichtsrat schwebt noch immer über allem, Dietrich ist der Kandidat des Aufsichtsrats und soll nun gefälligst die Ausgliederung durchdrücken. Dieser versucht die gute Stimmung, die im Falle des Aufstiegs herrschen wird, für diesen einschneidenden Beschluss zu nutzen.

Mir fehlt aufgrund der letzten Jahre und deshalb, weil eben dieser Aufsichtsrat, der den Verein sehenden Auges in den Abstieg schlittern ließ, noch immer die Zügel in der Hand hält, weiterhin das Vertrauen. Eine Saison in der zweiten Liga, in der wir mit dem besten und teuersten Kader der Liga erwartungsgemäß oben mitspielen, macht noch keinen Sommer.

Daher versuche ich mich auch anderweitig zu informieren und für mich herauszufinden, ob eine Ausgliederung wirklich so alternativlos ist und ob das denn alles stimmt, was uns der VfB gerade erzählt. Als Gegenpol zur Ausgliederungsseite vom VfB gibt es die Seite https://dervfbblog.wordpress.com/, in der unter anderem die angebliche Dichtung und Wahrheit zerpflückt und verdeutlicht wird, dass Bedenken durchaus berechtigt und angebracht sind. Es wird durchleuchtet, dass die versprochenen Einlagen vom Daimler zunächst einmal keinerlei Auswirkungen auf dessen Bilanz haben und deren Höhe für seine Aktionäre daher erst einmal völlig irrelevant ist.

Weshalb der Unternehmenswert vom VfB binnen eines Jahres so in die Höhe geschnellt sein soll, ist mir etwas schleierhaft und erscheint in diesem Zusammenhang in einem trüben Licht. Ist es denn gesagt, dass in absehbarer Zeit auch andere Unternehmen zu diesen Konditionen auf diesen Zug aufspringen, oder wird hier “nur” gönnerhaft vom Daimler eine Zahl in den Raum geworfen, um die Mitglieder zu ködern?

Bei mir überwiegt weiterhin die Skepsis und ich hätte es lieber gehabt, die Entscheidung darüber hätte man hintenan geschoben und dann zur Abstimmung gebracht, wenn verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen wurde. Das wäre dann der Fall, wenn der VfB durch richtige Personalentscheidungen auch in der Bundesliga nachhaltig konkurrenzfähig wäre, nicht aber zum jetzigen Zeitpunkt, wo der Aufstieg selbst für den Krösus der Liga fünf Spieltage vor Schluss am seidenen Faden hängt.

Spannende Wochen stehen uns bis zur Abstimmung bevor. Eine Abstimmung, die die Fanszene bereits jetzt spaltet, was Gift im Aufstiegskampf ist. Auf der einen Seite die Traditionalisten, die die Werte des VfB unter keinen Umständen verkaufen wollen und wohl unter keinen Umständen je für eine Ausgliederung stimmen werden und eben jene, die jedem vorwerfen, der dagegen oder zumindest skeptisch ist, ewiges Herumdümpeln zu bevorzugen und “nein zum Erfolg zu sagen”.

Ich sehe mich dazwischen angesiedelt. Erfolg ist für mich nicht alles, die zunehmende Kommerzialisierung unschön, das Ursprüngliche des Fußballs ist längst verloren gegangen. Dieses Rad lässt sich zwar nicht zurückdrehen, aber vielleicht verlangsamen, zumal eine Ausgliederung, siehe zum Beispiel den Hamburger SV, keinerlei Garantien birgt.

Im Gegenteil, die Mitgliederversammlungen sind zu traurigen Veranstaltungen verkommen (381 Mitglieder bei der letzten HSV-MV am 8.1.17), von Meisterschaftsfeiern auf dem Rathausmarkt und der Championsleague ist man auch drei Jahre nach Entscheidung meilenweit entfernt. Weshalb soll man sich dann auch noch überhaupt die MV antun, wenn man gerade noch über die Belange der Faustball- und Hockey-Abteilung befinden darf, bzgl. der Fußballabteilung aber so gut wie kein Mitspracherecht mehr besitzt? Weshalb dann überhaupt noch Mitglied sein?

Das Tempo, mit der die Ausgliederung duchgeboxt werden soll, erscheint mir wie eine Verzweiflungstat, den Abstand nach oben möglichst schnell mit Hilfe eines Investors verringern zu wollen. Die letzte Patrone sozusagen, geht das schief, versanden auch diese Millionen im Nirvana, dann gute Nacht, VfB.

Es nervt mich wirklich extrem, mir zu dieser Unzeit diese Gedanken machen zu müssen, wo am Montag ein ganz richtungsweisendes Spiel ansteht. Die beiden bisherigen Montagsspiele gegen Mit-Aufstiegsaspiranten konnte der VfB nämlich nicht gewinnen, danach geht es zu einem in dieser Saison recht unberechenbaren 1. FC Nürnberg, der seit dem Pokalfinale 2007 als unser Angstgegner gilt. Schwere Aufgaben also, die es zu meistern gilt und auf deren Bewältigung der gesamte Fokus gelegt werden sollte. Lässt der VfB da nach oder es geht im im Endspurt die Luft aus, könnte sich das Thema Ausgliederung ohnehin fürs erste selbst erledigt haben.

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14. April 2017

Bereit für den Endspurt?

Seit längerer Zeit, genauer gesagt seit der Schmach von Fürth, melde ich mich auch mal wieder auf meinem Blog zu Wort. Nicht, weil es über den VfB nichts zu schreiben gäbe, sondern schlicht und einfach darin begründet, dass einem als Allesfahrer entweder die Zeit und nach Sonntags- und Montagsspielen unter der Woche manchmal auch der Kopf zum Schreiben fehlt.

Wenn man dann außerdem noch auf die Idee kommt, unsere Amateure in Elversberg oder gegen Lautern II im Schlienz-Stadion zu unterstützen und samstags einen Ausflug in die Ortenau zu unternehmen, um das Oberligaspiel zwischen dem SSV Reutlingen beim Offenburger FV anzuschauen, kann sich jedermann leicht ausmalen, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt.

Was ist passiert seither? Nach der Länderspielpause gelang die Rehabilitation für das Hinspiel-Debakel gegen Dynamo Dresden nur bedingt, auch wenn man als moralischer Sieger aus dieser Partie hervorging. Im Anschluss an das Fürth-Spiel äußerte ich die Hoffnung, dass nach der Pause (endlich) die Stunde von Ebenezer Ofori schlagen könnte oder auch müsste.

Dies bewahrheitete sich, er feierte ein ordentliches Debüt, auch wenn die Abstimmung mit seinen Mitspielern in der einen oder anderen Szene noch fehlte. Dass er eine gute Ballbehandlung hat und ein weiterer Stabilisator im VfB-Spiel werden könnte, deutete er aber schon an.

Als die Gewinner der Länderspielpause, in der der VfB zwei Testspiele bestritt, galten vermeintlich Tobias Werner und Alexandru Maxim. Wie sich dann aber, als der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurden, herausstellte, waren sie in den Tests doch mehr Lückenbüßer für die bei ihren Nationalmannschaften verweilenden VfB-Spieler, denn Hoffnungsträger für die restlichen Zweitligaspiele.

In Degerloch trafen während der Pause Timo Baumgartl und Carlos Mané mit ihren U21-Nationalmannschaften aufeinander. Auf diesen Kick verzichtete ich kurzfristig dann doch, weil es einerseits um nichts ging und andererseits solche Tests meist in Wechselarien ausarten, wo jeglicher Spielfluss auf der Strecke bleibt. Carlos Mané spielte dabei im Team mit der reiferen Spielanlage und gewann 1:0, während Timo Baumgartl nur in der zweiten Halbzeit ran durfte, sehr nervös wirkte und den einen oder anderen groben Schnitzer in sein Repertoire einbaute.

Vor dem Dresden-Spiel gab es dann die mit Spannung erwartete Jubiläums-Choreographie vom Commando Cannstatt 1997. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle für 20 Jahre Emotionen, Hingabe, Einsatz und Support für unseren VfB Stuttgart.

Im ausverkauften Neckarstadion und im Beisein von etwa 8.000 Dresdnern erwischte der VfB eine rabenschwarze erste halbe Stunde. Mit einem lupenreinen Hattrick brachte die Nürnberger Leihgabe Stefan Kutschke die eigentlich Gelb-Schwarzen, die dieses Mal in weinroten Jerseys angetreten waren, schnell mit 0:3 in Führung.

Das Abwehrverhalten bei allen Toren, bis hin zum von Mitch Langerak verschuldeten Foulelfmeter trieb einem Sorgenfalten auf die Stirn und machte auch ein Stück weit wütend. Dass der Schiedsrichter den Lauf der Dynamos begünstigte, geschenkt, würden sich die Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB nicht von Spiel zu Spiel fortsetzen. Vor dem 0:2 hätte es Elfmeter für den VfB geben müssen, zu allem Überfluss erhielt Simon Terodde für eine vermeintliche Schwalbe seine vierte gelbe Karte, obwohl er sich keineswegs fallen ließ und so mancher Schiedsrichter auf Elfmeter für den VfB entschieden hätte.

Weshalb der VfB nicht wenigstens gegen die gelbe Karte Protest eingelegt hat, erschloss sich mir nicht. Terodde gilt derzeit als die Lebensversicherung des VfB, so dass eine Sperre, die aus seiner nächsten gelben Karte resultieren würde, schmerzhaft wäre und mit schlimmstenfalls den Aufstieg kosten könnte. Bemerkenswert war in dieser Phase, in der dem VfB überhaupt nichts gelang, wie sehr das Publikum hinter dem Team stand und dass es zu so gut wie keinen Unmutsbekundungen kam. Im Gegenteil, die Mannschaft, der man das Bemühen nicht absprechen konnte, wurde vehement und lautstark nach vorne getrieben.

Eben jener Simon Terodde war es dann auch, der ein erstes (zählbares) Lebenszeichen vom VfB aussendete. Nach einem klasse Zuspiel von Carlos Mané vollendete er in Mittelstürmerposition und -manier zum Halbzeitstand von 1:3. Emiliano Insúa erhöhte eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem allerersten Tor für den VfB sehenswert zum 2:3, ehe Terodde in der 94. Minute vom Elfmeterpunkt aus schließlich für den viel umjubelten Ausgleich sorgte.

Dass Mané schon eine ganze Weile nicht mehr rund lief sah man da bereits, dennoch hinderte es ihn nicht daran, diesen so wichtigen Elfmeter herauszuholen. Ausgerechnet der Ex-VfBler Philip Heise bot Mané (aus alter Verbundenheit?) sein Bein an, worüber dieser dankend fiel.

Wie Simon Terodde nach 94 kraftraubenden Minuten die Nerven behielt und Keeper Schwäbe keine Chance ließ war bemerkenswert und ist nicht hoch genug zu bewerten. Das ist das Holz, aus dem Führungsspieler geschnitzt sind, dafür braucht es keine Binde.

So stand am Ende eines stimmungsvollen und bemerkenswerten Spiels das 3:3 und bedröppelte Dresdner, die sich lange wie die sicheren Sieger fühlten.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt. Als ein paar Dresdner unseren Haupttribünen-Block verließen, sagte ich in einer Lautstärke, die sie mitbekamen, „endlich sind die da drüben mal ruhig“, was sie ja durchaus auch als Kompliment hätten auffassen können.

Selten habe ich einen lauteren Gästeblock im Neckarstadion erlebt. Da zudem alles friedlich blieb, die Polizei zufrieden war und selbst die Dresdner Fanbetreuung sich lobend über das Sicherheitskonzept der Stuttgarter geäußert hat, könnte man von einem rundum gelungenen Fußballnachmittag sprechen.

Wäre da nicht die schwere Knieverletzung von Carlos Mané gewesen: Der Portugiese wird rund fünf Monate ausfallen und möglicherweise überhaupt kein Spiel mehr für den VfB bestreiten, sollte ihn sein Stammverein Sporting Lissabon bereits im kommenden Sommer zurückfordern.

Am Ende stand ein Punktgewinn, mit dem man aufgrund des Ergebnis-Verlaufes zufrieden sein musste. Ich schreibe bewusst nicht „Spielverlauf“, denn, bei einem Chancenverhältnis von 8:3 (lt. kicker.de) und allein vier Aluminiumtreffern wäre auch deutlich mehr drin gewesen.

Nur drei Tage nach dem emotionalen Spiel gegen Dynamo Dresden musste der VfB zum wiedererstarkten TSV 1860 München reisen, während der Gegner von der DFL zwei Tage länger Zeit zur Regeneration und für die Vorbereitung genehmigt bekam.

Nach nun schon vier Spielen in Serie ohne dreifachen Punktgewinn zählte in der Arroganz-Arena zur ungewohnten Anstoßzeit mittwochs um 17.30 Uhr eigentlich nur der Sieg. Trotz dieser arbeitnehmerunfreundlichen Ansetzung fanden sich knapp 15.000 VfB-Fans im Schlauchboot, wo man bislang fast nur Niederlagen zu sehen bekam, ein.

Da man in diesem auf der grünen Wiese von Fröttmaning gebauten Stadion gut rund herum laufen und durch die eine oder andere Luke auch gut fotografieren kann, nahm ich zum allerersten Mal in dieser Saison einen Stehplatz im Gästebereich. Während man bei Gastspielen bei den Münchner Bayern im Oberrang eingepfercht wird und lediglich Paulaner light ausgeschenkt wird, konnten wir bei den 60ern erstmals ein Spiel in diesem Schlauchboot vom Unterrang aus und bei Vollbier verfolgen.

Mit dem dringend benötigten Sieg wurde es zwar wieder nichts und doch durfte sich der VfB auch nach diesem Spiel als moralischer Sieger fühlen, weil Marcin Kamiński in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte.

Vom Spiel selbst war ich maßlos enttäuscht, so dass es dieses Mal fast schon ein Nachteil war, so nah dran zu sein. Nach gütiger Mitarbeit unserer Defensivabteilung erzielte der 60er-Neuzugang Lacazette die Führung, auf der sich die Löwen 70 Minuten lang ausruhten. Dabei stellte sich der VfB beim Gegentor einfach nur dämlich an, weil keiner, nachdem Lacazette die Kugel schon verstolpert hatte, sich zuständig fühlte, den Ball aus der Gefahrenzone zu dreschen. Dennoch musste man wieder, trotz des Bettelns um dieses Gegentor, konstatieren, dass das Tor aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde, der VfB also einmal mehr benachteiligt wurde.

Der VfB hatte zwar Ballbesitz fast schon „bayern-like“, fand jedoch keine Mittel, die beiden Fünferketten der 60er ernsthaft in Gefahr zu bringen. Sämtliche Offensivspieler, namentlich Julian Green, Takuma Asano und Christian Gentner waren Totalausfälle, so dass Überraschungsmomente Mangelware waren und Simon Terodde völlig in der Luft hing. In einem Spiel so gut wie ohne Torchancen wären Standardsituationen ein probates Mittel gewesen, doch, wenn diesen stets das Timing fehlt und kein Anderer die Verantwortung übernimmt und den glücklosen Anto Grgić erlöst, beraubt man sich auch dieser Möglichkeit. So hieß es bei einem Gegner, der zuvor immerhin zwei Siege in Folge einfuhr, sich mit diesem Pünktchen zufrieden zu geben und auf den Befreiungsschlag weiter zu warten.

Während und nach dem Spiel bei den Münchner Löwen hörte ich erstmals in der Zeit seines Wirkens lautere Stimmen gegen unseren Trainer Hannes Wolf. Hauptkritikpunkt war die neuerliche Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim und dass Wolf Spieler auf falschen Positionen einsetze und zu viel experimentiere.

Mein Vertrauen in Hannes Wolf ist hingegen grenzenlos, so dass ich notfalls auch nach einem verpassten Aufstieg an Schindelmeisers Stelle an ihm festhalten würde. Ich sehe derzeit vieles nicht ganz so negativ wie viele andere. Wir sind noch immer mitten im Umbruch und im Aufbau einer Mannschaft, die durchaus Hoffnungen für die Zukunft weckt. Punktuell verstärkt kann diese Mannschaft meiner Meinung nach im Falle des Aufstiegs eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und wird spielerisch häufiger und leichter glänzen als zur Zeit in der 2. Liga. In der Bundesliga wären wir einer von vielen, zu Beginn gar Außenseiter, so dass sich kaum ein Team gegen uns derart hinten reinstellen wird wie jeder Gegner in dieser 2. Liga. Dieses Stahlbad muss eine junge Truppe erst einmal überstehen und wird, im Fall des Aufstiegs, ganz sicher gestärkt daraus hervorgehen.

Darüber hinaus hat Jan Schindelmeiser in der kurzen Zeit seines Wirkens ein Händchen dafür bewiesen, erschwingliche Jungs, die die Qualität spürbar anheben, mit kreativen Vertragsgestaltungen an den Neckar zu lotsen.

Ein paar Bekannte, mit denen ich mich nach dem Spiel bei den Löwen unterhalten habe, waren tatsächlich der Auffassung, dass, sollten wir aus den Aufstiegsrängen herausrutschen, ein neuer Akzent in Form eines Trainerwechsels gesetzt werden müsse. Auf meine Gegenfrage, wer es denn jetzt noch besser machen würde, hörte ich nur, wenn überhaupt, egal, „mit dieser Mannschaft MUSS man einfach aufsteigen“.

Ich sehe das konträr. Die Voraussetzungen sind zwar gegeben, Übermannschaften sind unsere Konkurrenten nicht und doch hat es Hannes Wolf mit vorwiegend jungen Menschen, die Formschwankungen unterliegen, zu tun.

Wenn sich dann noch während kleinerer Krisen die vermeintlichen Führungsspieler wegducken, weil sie schon genug mit sich selbst zu tun haben, wenn jeder Gegner nur aufs zerstören aus ist, wenn die Schiedsrichter die harte Gangart einiger Teams und taktische Fouls (zu jedem Zeitpunkt, auch in der 1. Minute und nicht nur weit in der 2. Halbzeit) nicht regelkonform ahnden, ergibt das eine Mixtur, die jedes Spiel extrem intensiv und schwierig werden lässt.

Hannes Wolf wird in den gut 200 Tagen, wo er nun beim VfB ist, mehr gelernt haben, als insgesamt während seiner doch schon einige Jahre andauernden Trainerkarriere. Die Öffentlichkeit und auch die Fans hinterfragen jeden Furz und Feuerstein, während Wolf die Dinge moderieren und Fragen auch offen lassen muss. Zum Thema Großkreutz hätten Schindelmeiser und er sicherlich mehr zu sagen gehabt, um die Entscheidung des Vereins plausibel und für alle nachvollziehbar zu erklären, die lange währende Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim wird ebenso seine Gründe haben, die man der Öffentlichkeit vorenthält, um den Spieler zu schützen und ihn nicht vollends zu demontieren.

Wolf ist für mich nach wie vor eine große Trainerhoffnung im deutschen Fußball und für den VfB erst recht, daher vertraue ich ihm voll und ganz, dass er alles dafür tun wird, das Beste für unseren VfB herauszuholen. Persönlich habe ich keine Lust mehr auf ständige Trainerwechsel und auf eines der bekannten Gesichter des Trainerkarussells, das zwar kurzfristig einen Effekt versprechen würde, der jedoch schnell wieder verpufft wäre und wir diesen für Jahre an der Backe hätten. Dass uns das Reagieren nach den „Gesetzen des Fußballs“ dort hin gebracht hat, wo wir momentan stehen, sollte wohl jedem klar sein.

Nach dem nunmehr fünften sieglosen Spiel in Folge stand der VfB beim Derby gegen unsere „Freunde“ aus Ostfrankreich gehörig unter Druck. Deren Anhänger hatten das Spiel bereits im Vorfeld als Krieg deklariert und meinten das durchaus ernst, wenn man sich ihr martialisches Auftreten während der gesamten 90 Minuten (und auch noch nach dem Schlusspfiff) vor Augen führt.

Außerhalb des Stadions funktionierte die Fantrennung perfekt, wie schon beim Hinspiel im Wildpark sorgte die schwer bewaffnete Ordnungsmacht für bestmögliche Sicherheit bei der An- und Abreise der knapp 60.000 Schlachtenbummler.

So sehr ein echtes Derby das Salz in der Suppe in einem bisweilen zum Einheitsbrei mutierenden Liga-Alltag darstellt, möchte ich Vorkommnisse wie 2009 auswärts im Wildpark erlebt, als sich bürgerkriegsähnliche Szenen beim Verlassen des Stadions abspielten, nicht mehr haben.

Es hat ja jeder Verein so seine Chaoten, kaum einer aber in der Vielzahl wie die Gelbfüßler. Sorgten sie beim letzten Abstieg in die 3. Liga gegen Jahn Regensburg schon für einen Eklat, als sie Spieler und die eigene Geschäftsstelle angriffen, stand das Spiel am Sonntag nach dem Abschießen von Feuerwerksraketen aufs Spielfeld kurz vor dem Abbruch.

Ich bin ja bekennender Verfechter von kontrolliertem Abbrennen von Pyrotechnik, jedoch nur dann, wenn das Material im Block bleibt und keine Böller, die schwerste Knalltraumata für Umstehende verursachen können, gezündet werden.

Was der schwarze (vermummte) Block der Karlsruher abzog, war gemeingefährlich und asozial. Da der letzte Abstieg des KSC seinen Anhang nicht zur Besinnung brachte, keine Selbstreinigung in der Fanszene stattfand und der Verein seine Pappenheimer offensichtlich nicht in den Griff bekommt, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, würde dieser Verein zunächst einmal völlig von der Bildfläche verschwinden.

Seine „Fans“ arbeiten mit Hochdruck daran, indem sie ihrem ohnehin schon finanziell klammen Herzensclub Bärendienst um Bärendienst erweisen und möglicherweise, da vorbestraft, dem KSC nun ein Geisterspiel beschert haben. Der Verein muss sich diese zusätzlichen Kosten sprichwörtlich am Kader absparen, während der anstehende Stadionneubau sein Übriges tun könnte, dem KSC die Luft zum Atmen zu nehmen. Viel Spaß in und mit der 3. Liga kann man da nur wünschen!

Umso erfreulicher war es dann, dass der VfB den Bock endlich umstoßen und mit zwei Asano-Toren den zweiten Derbysieg der Saison einfahren konnte, während der KSC bereits acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat und für die 3. Liga planen kann.

Unseren Ultras verlangte es alles ab, dass zwischen dem Jubiläums-Heimspiel und dem Derby im Neckarstadion nur sieben Tage lagen. Auch vor dem Derby zauberten unsere Hardcore-Fans eine gigantische Choreo in die Cannstatter Kurve, dieses Mal, wen wundert’s, mit Bezug auf die Feindschaft zum Gegenüber. „Den Fächer fürs Gesindel – das Zepter für uns“ lautete das Motto und war perfekter Auftakt für den Saisonhöhepunkt, den das Derby für viele Fans darstellt.

„Wir steigen auf, wir steigen auf, wir steigen auf und ihr steigt ab“ hallte es durchs weite Rund. Schadenfreude ist doch irgendwie die schönste Freude, auch wenn dieser Sieg natürlich in erster Linie für uns selbst wichtig war.

Damit hat der VfB die Tabellenführung zurückerobert und doch ist noch nichts gewonnen. Es geht verdammt eng zu oben, weil sich (noch) keiner eine länger währende Krise nimmt und auf der anderen Seite auch kein Team oben steht, das souverän von Sieg zu Sieg eilt. Daher steigt der Druck unaufhörlich an, weil bei noch sechs ausstehenden Spielen Ausrutscher kaum mehr wettzumachen sind. Inwieweit die junge Mannschaft diesem standhält und daran wächst, wird sich erweisen.

Das Spiel gegen den KSC hatte der VfB ohne zu glänzen weitestgehend unter Kontrolle und man ließ nur wenige Torchancen des Gegners zu. Das spricht jedoch weniger für die Stärke vom VfB als für die Schwäche des seit diesem Spieltag abgeschlagenen Schlusslichts. Einzig, als wegen der von den Karlsruher Chaoten verursachten Verzögerungen drei Minuten Nachspielzeit in der ersten Halbzeit anstanden, hatte man den Eindruck, auf 48 Minuten sei der VfB nicht eingestellt gewesen. Was sich in diesen Minuten vor der Pause abspielte, war paradox. Das gesamte Team wirkte auf einmal, als habe es Blei in den Beinen, stand zu weit vom Gegner weg und ließ diesen gewähren. Nur der Karlsruher Ungefährlichkeit geschuldet, hat sich dieses kollektive Abschalten nicht gerächt.

Erfreulich im Spiel war, dass der VfB defensiv gefestigter wirkte als zuletzt und die Absicherung der letzten Zone des Spielfelds gut funktioniert hat. Es war gefühlt immer einer da, der den letzten Pass abgelaufen hat, so dass man bei frühsommerlichen Temperaturen einen beruhigten Nachmittag verleben konnte.

Lichtblicke beim VfB waren Benjamin Pavard, der immer stärker aufspielende Insúa, bis zu seiner Auswechslung Ofori sowie Alexandru Maxim, dem man die Freude anmerkte, wieder mitwirken zu dürfen. Nach dem Ausfall von Carlos Mané ist Maxim schon so etwas wie DER Hoffnungsträger in Sachen Kreativität. Ihm fehlte zwar in vielen Situationen die Genauigkeit, was jedoch seiner fehlenden Spielpraxis geschuldet gewesen sein dürfte. Man merkte ihm an, dass seine Füße oft nicht das taten, was der Kopf vor hatte. Die Standards schlug er gefährlicher vors Tor wie zuletzt Anto Grgić, zudem ist er ein Spieler, der immer für ein Überraschungsmoment gut ist, so dass er gerade nach Manés Ausfall noch sehr wertvoll für den VfB werden könnte.

So war er an der Entstehung von beiden Toren beteiligt und hat damit einen großen Anteil am Sieg. Was Maxim angeht, freue ich mich, wenn ich ihn so spielen sehe wie am Sonntag, respektiere es aber auch, wenn er nicht aufgestellt wird. Kein Spieler ist größer als der Verein, dass sich Maxim bei etlichen Trainern nicht durchsetzen konnte, wird schon seine Gründe haben.

Ich bin gespannt, ob Maxim jetzt in Selbstzufriedenheit verfällt und sich in Sicherheit wiegt, nach einem ordentlichen Spiel schon wieder Stammspieler zu sein, oder ob er bereit ist, sich noch einmal sechs Wochen lang zu schinden und sich jeden Einsatz aufs Neue zu verdienen.

Am Ostermontag heißt der nächste Gegner unseres VfB dann Arminia Bielefeld. Seit der Entlassung von Jürgen Kramny fuhren die Ostwestfalen drei Siege und ein Remis ein und sind auf dem besten Wege, dem Abstieg von der Schippe zu springen. Schon an dieser Statistik lässt sich ablesen, dass auch dort der Weg kein leichter sein wird. Weshalb man uns für dieses nicht unbedingt Spitzenspiel ein weiteres Montagsspiel aufs Auge gedrückt hat, verstehe wer will, ich nehm’s sarkastisch und pragmatisch und erfreue mich daran, dass es wegen des Feiertags „nur“ einen Tag Urlaub kostet.

Im Vergleich zum letzten Auswärtsspiel bei den Münchner Löwen sollte der VfB von Beginn an im Defensivverbund konzentriert zu Werke gehen und leichte Fehler, die zum Rückstand führen können, tunlichst unterlassen. Wenn schon nach vorne die Durchschlagskraft fehlt und alles auf ein 0:0-Spiel hinausläuft, sollte man sich die Dinger hinten nicht noch selbst einschenken.

Es ist zu hoffen, dass mit dem Sieg gegen den KSC das Selbstvertrauen zurückkehrte und das Gebilde wieder stabiler wird. Zuletzt schien es so, dass sich gleich mehrere Spieler auf einmal ihre Krise nehmen. Dieser Sieg und das insgesamt wieder bessere Arbeiten im Kollektiv sollte Mut für die anstehenden Aufgaben machen.

Der Deutsche Sportclub Arminia Bielefeld hat für dieses Spiel bereits 20.000 Tickets abgesetzt und rechnet mit 2.000 Schwaben. Am Ende werden es sicherlich wieder etliche mehr Brustringträger sein, die sich den Dienstag frei genommen haben, um unsere Jungs zum Auswärtssieg zu schreien.

Am Tag davor nehmen sich bereits Hannover 96 und Eintracht Braunschweig, deren Lastminute-Siege mittlerweile unheimlich werden, gegenseitig die Punkte ab, so dass der VfB der große Gewinner des nächsten Spieltags werden könnte.

Wie wenn wir derzeit durch die Schiedsrichterentscheidungen zuletzt nicht schon benachteiligt und gestraft genug wären, bewies die DFL mit der Schiedsrichteransetzung fürs Bielefeld-Spiel ihr nicht vorhandenes Fingerspitzengefühl. Harm Osmers aus Hannover ist der Leiter dieses wichtigen Spiels, aus der Stadt eines unserer größten Aufstiegskonkurrenten also!

Ob die Familie Osmers nachtragend ist und Harm Osmers die Chance beim Schopfe packt, seinem Vater Hans-Joachim Osmers späte Rache zukommen zu lassen, wird sich dabei zusätzlich zeigen. 1993 war es, im Neckarstadion bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, an das ich mich noch gut erinnern kann. Axel Kruse, wie man ihn kannte, ein wenig übermotiviert, rannte Osmers über den Haufen. O-Ton Kruse dazu: „Ich rannte auf ihn zu, fing an zu schimpfen und packte ihn am Arm. Er versuchte sich loszureißen, stolperte aber dabei, drehte sich zweimal um die eigene Achse und fiel hin wie der Osterhase. Heute würde ich sagen: Schiri-Schwalbe“. Satte zehn Wochen Sperre hatte ihm das eingebracht, ich fand ihn trotzdem extrem cool beim VfB zu jener Zeit.

Ein paar Worte auch noch zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni, zu der der VfB Anfang April geladen hat. Für mich kommt es auch zur Unzeit, mit dieser so richtungsweisenden Entscheidung mitten im Aufstiegsrennen vorzupreschen und damit unweigerlich einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht zu haben.

Dass die MV zudem Donnerstag Abends, 18.30 Uhr, stattfinden soll und damit vielen auswärtigen und auch berufstätigen „einheimischen“ Mitgliedern die Teilnahme verwehrt bleibt, ist ein Schlag ins Gesicht eben jener Mitglieder der VfB-Familie. Wenn dann Präsident Dietrich bei #vfbimdialog noch süffisant erklärt, für diesen wichtigen Tag für den VfB Stuttgart müssten die Mitglieder eben „mal“ einen Tag Urlaub opfern, ist das ein Affront gegen eben jene Auswärtigen, für die schon jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist und die wegen der vom Verein uns eingebrockten Zweitligasaison bereits genug Urlaub für Freitags- und Montagsspiele opfern mussten. Daher halte ich fest, dass die Terminwahl an sich äußerst unglücklich ist, von möglicher Ablenkung im Aufstiegsrennen ganz zu schweigen.

Und doch bleibt einem interessierten und engagierten Mitglied nichts anderes übrig, als sich pragmatisch mit dieser Tatsache zu arrangieren. Präsident Dietrich hat schon mehrmals anklingen lassen, wie sehr dieses Thema den Verein über Jahre in seinem Handeln eingeschränkt, wenn nicht gelähmt hat, und dass er diese Entscheidung genau einmal während seiner Regentschaft zur Abstimmung bringen und jedes Votum, so oder so, akzeptieren werde.

Das heißt, es bleibt dem verantwortungsvollen Mitglied nichts anderes übrig, als sich ernsthaft mit dem Für und Wider einer Ausgliederung zu beschäftigen und seine Stimme im Sinne und zum Wohl der Zukunft des Vereins abzugeben. Allein schon wegen der unpässlichen Terminierung dieser Abstimmung auf „bockig“ zu schalten und von vornherein auf „dagegen“ zu stellen, wäre eventuell kontraproduktiv.

Ich persönlich werde mir bis dahin sämtliche #vfbimdialog-Sendungen ansehen und auch die eine oder andere Veranstaltung mit Dietrich besuchen, um mir meine Meinung zu bilden. Derzeit bin ich ergebnisoffen, was das angeht, würde aber sicherlich nur „dafür“ stimmen, wenn handfeste Zahlen, Daten, Fakten auf dem Tisch liegen und nicht lediglich irgendwelche optimistischen Schätzungen. Der Verein hat also noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Dreiviertelmehrheit zu erlangen.

Weiter beschäftigte mich unter der Woche, wie wohl jeden Fußballfan, der Terroranschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am Dienstag kurz vor dem ursprünglich angesetzten Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco. Wenn selbst an Orten, die rund 1.000 Sicherheitskräfte absichern, Terroranschläge möglich sind und durchgeführt werden, verdeutlicht das, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.

Dass die zum Teil schwer traumatisierten Spieler bereits gut 24 Stunden später aufgrund des Diktats der UEFA erneut im Mannschaftsbus Platz nehmen und ein so wichtiges Spiel bestreiten mussten, ist nicht nachvollziehbar. An der Stelle wird deutlich, dass Menschlichkeit im Fußball keinen Platz mehr hat und einzig der schnöde Mammon zählt.

Durch die Geister, die die Fußballverbände riefen, indem sie stets neue „Wettbewerbe“ ins Leben rufen oder altbewährte reformieren bzw. aufblähen, ist natürlich wenig Zeit für Ausweichtermine vorhanden. Und dennoch hätte hier der Verband ein Zeichen der Menschlichkeit setzen MÜSSEN und Trainern und Spielern die Entscheidung darüber, ob sie sich befähigt sehen, tags darauf wieder Fußball zu spielen, überlassen sollen, ganz gleich welche Konsequenzen dies für den ach so vollen Rahmenterminkalender gehabt hätte.

Am Tag des Anschlags hatte man aufgrund der Berichterstattung noch eher den Eindruck, ein übergroßer Böller habe im Bus eingeschlagen, während am darauffolgenden Tag herauskam, welch großes Glück die Dortmunder hatten, dass nicht mehr passiert ist. Jeder stinknormale Bus, mit dem wir alle zwei Wochen zu Auswärtsspielen unterwegs sind, wäre wohl in seine Einzelteile zerfallen, während das Panzerglas im Dortmunder Mannschaftsbus noch Schlimmeres abgewehrt hatte.

Mit diesem Wissen im Kopf, dass es sich um einen gezielten Anschlag auf das Leben der ganzen Mannschaft handelte und welch großes Glück im Unglück der BVB hatte, schickte man das Team also wieder auf den Platz. Hinzu kam, dass ein Spieler, der für die Partie vorgesehen gewesen war, so schwer beim Anschlag verletzt wurde, dass er noch in der Nacht operiert wurde.

Doch, dem BVB blieb wohl keine andere Wahl, zum Spiel anzutreten, bei einer Weigerung hätten dem BVB wohl drastische Strafen gedroht, bis hin zum Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren. Business as usal auch dann, wie es die Paragraphen eben vorschreiben.

Es bleibt zu hoffen, dass das Lieblingskind der Deutschen, der Fußball nämlich, nicht weiter von kriminellem Abschaum missbraucht und Ausnahmezustände wie in Paris 2015 oder am Dienstag in Dortmund Einzelfälle bleiben. Allein, mir fehlt der Glaube, gerade daran geilen sich die Terroristen ja auf, an der Erschütterung über solche Vorkommnisse der „normalen“ Menschen.

Zu guter Letzt wünsche ich Allen friedliche Ostern und uns allen am Montag eine gute Fahrt, wir sehen uns auf der Bielefelder Alm.

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