2. Dezember 2014

Von Pech-Armin und Huub im Glück

Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.

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2. Dezember 2012

Englische Woche endet versöhnlich

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 14:21

Zum vierten Spiel, dabei dem dritten Auswärtsspiel, binnen neun Tagen ging es also mal wieder ins Frankenland. Erstmals in 50 Jahren Bundesliga trat der VfB dabei beim Fusionsclub SpVgg Greuther Fürth an, den selbst ernannten Unaufsteigbaren, die es in der letzten 2. Liga Saison dann aber doch mal geschafft haben, diesen Nimbus zu durchbrechen. Nach 15 Spieltagen spricht allerdings vieles dafür, dass es sich dabei nur um ein einjähriges Intermezzo handelt, zu grün, nicht nur wegen ihrer Vereinsfarben, kommen die Fürther daher.

Eigentlich meint es der Spielplan mit dem VfB ja gut, in Zeiten, in denen eine englische Woche die andere jagt, und in denen der VfB sichtlich auf dem Zahnfleisch daher kommt. Nach der weiten und kraftzehrenden Bukarest-Reise ging es ins beschauliche Breisgau, um danach hintereinander gegen die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Augsburg und Fürth antreten zu dürfen. Nach der Schmach in Freiburg, wurden wenigstens gegen Augsburg und Fürth sechs wichtige Punkte eingefahren, die dazu taugen, den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten zu dürfen und vor allem, aller Voraussicht nach, in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Letztere ist die wichtigste Erkenntnis in dieser weiteren „Übergangssaison“.

Von mehr zu träumen verbietet sich fast von selbst. Der VfB ist nach wie vor ein sehr fragiles Gebilde, wo Kleinigkeiten den Anlass geben können, dieses einstürzen zu lassen. Dem VfB fehlen bundesligataugliche Alternativen, um dem einen oder anderen Leistungsträger auch einmal eine Pause gönnen zu können. So durfte gestern mal wieder ein Tamas Hajnal auf dem Platz sein Unwesen treiben, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Ihn stufe ich zwar nicht in die Kategorie „Fehleinkauf“ ein, da er uns in der Rückrunde 2010/11 sehr weitergeholfen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatte. Mittlerweile aber, sicherlich auch der wenigen Einsatzzeiten geschuldet, fehlt ihm jegliches Selbstvertrauen, so dass er auf dem Platz wie ein Fremdkörper wirkt. Seine Zeit dürfte abgelaufen sein. Zu langsam und statisch wirkt er, zu fahrig, wenn er den Ball hat. Dabei würde uns gerade ein Kreativspieler sehr gut tun, kommt doch aus dem Mittelfeld viel zu wenig Inspiration. Sollte diese Aufgabe in naher Zukunft einem Kevin Stöger nicht zugetraut werden, würde ich mir wünschen, dass der VfB in der Winterpause Geld in die Hand nimmt und handelt.  Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass in der Wintertransferperiode als Vorgriff auf den Sommer Mittel freigesetzt werden, so würde ich es begrüßen, wenn der personelle Umbruch schon zu dieser Zeit seine Fortsetzung finden würde und unzufriedene Spieler wie bspw. Kuzmanovic und Maza abgegeben werden würden, sofern sich Abnehmer finden. Dann böte sich die Möglichkeit, junge Spieler noch näher an die Stammelf heranzuführen und Erfahrungen sammeln zu lassen, auch mit dem Risiko, dass sie Lehrgeld bezahlen. Nach dem Sieg in Fürth haben wir 22 Punkte auf dem Konto, gegen Schalke und in Mainz besteht noch die Möglichkeit, das Punktekonto weiter zu erhöhen, so dass, in Anbetracht der Schwäche einiger Abstiegskandidaten nach unten nichts mehr anbrennen sollte. Lieber also jetzt schon das Gerüst für 2012/13 einspielen, als wieder mit aller Macht in die Europa League zu drängen, um dann eine ähnlich konfuse nächste Saison zu spielen.

Vergnügungssteuerpflichtig sind die Auftritte des VfB in dieser Saison keineswegs. Besonders in den Heimspielen, wo gerade einmal zwei glückliche Siege heraussprangen, bietet der VfB meist fußballerische Magerkost. Die Spiele plätschern so dahin, das Team präsentiert sich äußerst einfallslos und versteht es nicht, eine kompakte Abwehr zu knacken. Gegen das Schlusslicht Augsburg ließ sich die Labbadia-Truppe phasenweise an die Wand spielen. Anstatt nach einer 1:0-Führung auf das 2:0 drängen, wird die Führung mehr schlecht als recht verwaltet und der Rückwärtsgang eingelegt, um so einen am Boden liegenden Gegner aus der Reserve zu locken. Ob dieses Sicherheitsdenken von der Bank vorgegeben wird oder die Spieler auf dem Platz dies eigenmächtig an den Tag legen, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass es von der Regionalliga aufwärts gegen jedes Team schwer sein dürfte, zu Torchancen zu kommen, wenn durch ständiges zurück spielen, Tempo aus dem Spiel genommen wird und sich der Gegner wieder in aller Ruhe formieren kann.

Auswärts dagegen läuft es deutlich besser. In der Auswärtstabelle belegt der VfB derzeit Platz zwei. In der Fremde kommt es dem VfB entgegen, nicht das Spiel machen zu müssen und man hat auch das eine oder andere Mal das Quäntchen Glück, das man braucht. Gestern brauchte es dieses Glück wie auch das Unvermögen des Gegners, das auch in Überzahl den Ball nicht über die Linie brachte. Die Fürther unterstrichen damit, weshalb sie in dieser Saison noch keinen Heimsieg zustande brachten, zu harmlos kamen sie über weite Strecken daher. Dem VfB genügte eine durchschnittliche Leistung, in dem der Kampf angenommen wurde. Das Tor des Tages erzielte der agile Shinji Okazaki, nachdem Ibisevic einen an ihm selbst verursachten Elfmeter noch vergab, Okazaki jedoch am schnellsten schaltete.

Der VfB hätte deutlich früher seine Ruhe haben können, wären die Konter sauberer zu Ende gespielt worden. Exemplarisch Martin Harnik, der, nach seiner Leistung gegen Augsburg zu Recht erst einmal draußen saß und zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Er ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst und vergab mehrere Konterchancen kläglich schon im Ansatz. So hieß es mal wieder zittern bis zum Schluss und man benötigte einen gut aufgelegten Sven Ulreich, um den wichtigen Auswärtssieg einzufahren. Diesen konnte letztendlich auch Thorsten Kinhöfer nicht verhindern, der nur so mit Karten um sich warf und unseren Kapitän Serdar Tasci vorzeitig zum Duschen schickte. War diese Hinausstellung hart, aber mit etwas Wohlwollen gerade noch vertretbar, waren die Karten danach mehr oder weniger lächerlich. In ein Spiel, das zwar kampfbetont aber keineswegs unfair ablief, brachte er eine Hektik rein, die sich gewaschen hatte. Gräbt der DFB weiterhin solche Pfeifen aus, braucht man sich nicht wundern, wenn die Emotionen auch außerhalb des Spielfelds hochkochen und manch einer durchdreht. Dieses divenhafte Auftreten von Kinhöfer und sein künstliches ringen um Autorität ging überhaupt nicht. Zudem „glänzte“ er durch eine sehr zweifelhafte Zweikampfauslegung und schwang sich zum Hauptdarsteller des Spiels auf. Immer ein tolles Armutszeugnis für einen Pfeifenmann, wenn sowohl Heim- als auch Auswärtsteam und –fans mit ihm hadern und ihm am liebsten an den Kragen gehen würden.

Apropos DFB bzw. DFL. Auch bei diesem Spiel wurde der Aktion „Ohne Stimme keine Stimmung“ gefolgt. Die Fürther blieben 12 Minuten, 12 Sekunden, ihrem Stimmungsblock komplett fern, auch das CC97 verzichtete in dieser Zeit auf jeglichen Support und hielt lediglich den Banner „Für den Erhalt der Fankultur“ hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion Früchte trägt und am 12.12. keine Entscheidungen gegen die Millionen von friedlichen Fans fallen. Im Übrigen, auch gestern wieder fühlte ich mich im Stadion sicher, https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/!

Weiter geht es bereits am Donnerstag gegen Molde FK und um den Einzug in das Sechzehntelfinale in der Europa League. Nach den Auswärtssiegen in Kopenhagen und in Bukarest hat der VfB das Weiterkommen in der eigenen Hand. Bei eigenem Sieg und wenn Bukarest in Kopenhagen nicht gewinnt, wäre der VfB sogar Gruppensieger. Dass dies aber sicher kein Selbstläufer wird, spätestens seit dem Hinspiel sollte der VfB gewarnt sein. Auch wenn Molde außer diesen drei Punkten keinen weiteren mehr gesammelt hat, dürfte es wieder ein hartes Stück Arbeit werden, denn auch die Norweger werden sicher nicht bestrebt sein, im Neckarstadion das Spiel zu machen. Trotzdem wäre natürlich alles andere als ein Sieg indiskutabel. Jedoch erscheint mir selbst dieses Unterfangen nicht als selbstverständlich, geht dem VfB doch die Leichtigkeit ab.

Wie der VfB wohl das Ende der Hinserie herbei sehnt, so geht es mir selbst auch. Alle drei, vier Tage ein Spiel, dazu mittlerweile eisige Temperaturen wie gestern in Fürth, man zählt die Spiele langsam herunter. Molde, Schalke, in Mainz und zum Abschluss das Pokalspiel gegen den 1. FC Köln, dann geht ein durchwachsenes VfB-Jahr zu Ende. Die Punkteausbeute ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Auftreten der Mannschaft weniger. Es fehlen mir die Begeisterung und der Spaß am Spiel. War der VfB lange durch herzerfrischenden Offensivfußball bekannt, wird bei uns Fußball über weite Strecken „nur“ noch gearbeitet. Dass die Mannschaft es besser kann als sie es zeigt, war in Bukarest zu sehen, als ein tolles Offensivfeuerwerk gezeigt wurde, das begeisterte.

In der Bundesliga dagegen gewannen wir nur in Nürnberg mit zwei Toren Unterschied, ansonsten waren es äußerst knappe Siege, die auf des Messers Schneide standen. Demgegenüber stehen deftige Niederlagen, ausgerechnet gegen die Vereine und Betriebssportgemeinschaften, die uns Fans besonders weh tun. Deswegen bin ich auch in dieser Saison schwer zu versöhnen, zu sehr drücken die 1:6, 0:3 und 0:3-Klatschen auf mein Gemüt. Bezeichnend, und das spricht für die oben angesprochene Fragilität, dass in diesen Spielen ein, zwei dumme oder unvorhergesehene Aktionen ausreichten, um das Team in sich zusammen fallen zu lassen.

Die von Labbadia vielfach erwähnte Stabilität ist also höchstens in Ansätzen zu erkennen. So wird sich auch ob des gestrigen Spiels auf die Schulter geklopft, dass man endlich einmal ein dreckiges Spiel nach Hause gebracht habe. Dass dieser dreckige Sieg aber erneut am seidenen Faden hing, blieb unerwähnt.

Schaun mer mal, was die Wundertüte VfB gegen Molde und zwei Tage später gegen Schalke zu bieten hat. Die Tabelle ist so eng, dass wir Schalke durch ein 7:0 überflügeln könnten, wobei mir ein (dreckiges) 1:0 natürlich auch genügen würde. :-) . Eine Konstellation, die vor einem Monat noch undenkbar gewesen wäre!

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5. März 2012

Aus-, Aus-, Auswärtssieg!

Samstagnacht 4 Uhr in Stuttgart. Der Wecker klingelt und es heißt Aufstehen. Aufstehen für den VfB, aufstehen für die gut 660 Kilometer nach Hamburg, aufstehen, um den um 5.51 Uhr startenden ICE zu erreichen. Aufstehen für die Tour in meine Lieblingsstadt! Aufstehen für Hamburg, und das zum zweiten Mal innerhalb von 6 Tagen. Aber auch Aufstehen für den Auswärtssieg?

Wer’s glaubt, wird selig. Seit Ende September gab es keinen Auswärtssieg mehr. Mit Ausnahme des 2:2 in Leverkusen setzte es auswärts fast nur noch Niederlagen. So hielt sich mein Optimismus an diesem noch dunklen Samstagmorgen schwer in Grenzen. Woher also die Motivation nehmen, aufzustehen? Diese Frage stellt sich ein Fan gewöhnlich nicht, will man doch dabei sein, wenn sein Verein antritt. Als Fan malt man aber auch nicht schwarz, sondern hofft darauf, dass jede (Negativ-) Serie auch einmal ein Ende haben wird. Dazu kommt natürlich, dass bei so einer Tour der Spaß neben dem Fußball auch nicht zu kurz kommt. Dass wir in Hamburg einige Bekannte treffen würden, war ausgemachte Sache. Zufall war es aber, dass wir schon am Hauptbahnhof Stuttgart einige Freunde trafen, mit denen wir die komplette Fahrt in den hohen Norden schon feuchtfröhlich im Bistrowagen der Deutschen Bahn verweilten, so dass die Zeit wie im Flug, ähm Zug, verging. Um 11.34 Uhr erreichten wir pünktlich den Hamburger Hauptbahnhof, von wo aus wir die vorab gecheckte Verbindung mit der U3 bis zur Station „St. Pauli“ nahmen und alsbald in unserem Hotel, dem Holiday Inn Express Reeperbahn, einchecken konnten. Noch einen kurzen Snack im Maredo auf der sündigen Meile eingeworfen und wir machten uns auch schon auf den Weg zur Imtech-Arena, wie das Volksparkstadion neuerdings heißt. Gegen 14 Uhr trafen wir dort ein und überlegten gerade, ob wir schon rein gehen sollten, als die Ultras mit ihren Fahnen und Doppelhaltern um die Ecke kamen. Dies war dann Anlass genug, noch schnell hinein zu huschen, da sich deren Einlass erfahrungsgemäß zeitlich in die Länge zieht. Drinnen trafen wir dann gleich einige Mädels und Jungs vom OFC Roter Brustring Hamburg (RBHH), die schon fast traditionell zu „ihrem“ Heimspiel im Anschluss an das Spiel eine Barkassenfahrt auf der Elbe, inklusive Transfer vom Stadion zum Anleger, veranstalten. Zum dritten Mal in Folge habe ich uns dafür angemeldet. Lustig fand ich ja die Anekdote, dass die OFC-Mitglieder sich beim Einlass rechtfertigen mussten, weil sie „Hamburg“ in ihrem Logo haben und der Ordnungsdienst sie wohl am liebsten zu den Heimfans gesteckt hätte. Je näher der Spielbeginn rückte, desto mehr Bekannte trafen ein, so dass die Zeit rasend schnell um ging und wir uns langsam mal einen guten Platz im Stehblock suchen mussten. Relativ weit oben noch hörte ich es nach uns rufen, so dass wir uns gleich zu unseren Berkheimern gesellten. Im Stehblock war es natürlich wieder schwierig, vernünftige Fotos von unseren Ultras zu machen. Das nahm ich aber in Kauf, da vernünftige Geradentickets kaum unter 60 Euro zu haben waren und die auch wesentlich teureren Plätze über und neben dem Fanblock keinen besonderen Mehrwert diesbezüglich geboten hätten.

Gut elf Stunden nach dem Aufstehen, blickten wir also auf das weite Rund hinab und ich erinnerte mich daran, welch enttäuschende Vorstellungen der VfB in den vergangenen Jahren an gleicher Stelle abgeliefert hatte. Die letzten vier Vergleiche wurden allesamt verloren, wobei mir zwei davon in besonders schlechter Erinnerung sind. Als Meister setzte es 2007 eine herbe 1:4 Schlappe, der VfB in Gelb-Schwarz und mit einem gewissen R. S. aus N. im Kasten, der es unnachahmlich verstand, völlig hirn- und planlos durch seinen Strafraum zu irren, so dass auch der abgeklärteste Abwehrspieler dessen Welt nicht verstand. Gut, sagte ich mir schon damals, ohne Torwart verliert man auch in Hamburg… In der letzten Saison dann als unser rumänischer, noch von Heldt und Veh per DVD-Studium gesichteter und verpflichteter, „Wunderstürmer“ Ciprian Marica schon nach 16-Minuten Schiri Stark mit dem A-Wort bedachte und des Feldes verwiesen wurde. Eigentlich hat er ja Recht, dachte ich mir damals, trotzdem für einen Fan frustrierend, wenn man einmal durch fast ganz Deutschland fährt und dann auf dem Absatz wieder kehrt machen könnte, weil nach einer solchen Undiszipliniertheit in der Anfangsphase ein positives Ergebnis ziemlich unwahrscheinlich geworden war.

Zurück in der Neuzeit: als die Mannschaftsaufstellung vom VfB verlesen wurde, atmete ich zunächst auf, dass der VfB gegenüber dem Sieg gegen Freiburg unverändert antrat. Aufatmen deshalb, weil ich hoffte, dass Labbadia auch nach dem Ablauf von Molinaro’s Rotsperre Gotoku Sakai in der Mannschaft lassen würde. Dieser mausert sich immer mehr zu einer echten Verstärkung und harmoniert prächtig mit Shinji Okazaki auf der linken Seite. Ansonsten bestand auch wenig Grund zu tauschen, was bedeutete, dass Georg Niedermeier trotz Rippenprellung spielen konnte und Cacau, trotz Treffer in der Woche im Länderspiel gegen Frankreich, abermals auf der Bank saß.

Der VfB begann äußerst konzentriert und war zunächst einmal auf Sicherheit bedacht. Die ersten Chancen vergab Hajnal für den VfB, während die VfB-Abwehr sicher stand und nicht zu durchbrechen war.  Nach 20 Minuten begannen wir schon den Teufel an die Wand zu malen. Der VfB hatte auch in einigen zurückliegenden Auswärtsspielen ganz gefällig angefangen und brach nach einem Gegentor dann auseinander. Anders jedoch jetzt in Hamburg. Mitte der zweiten Halbzeit brachte uns Vedad Ibisevic mit einer Klasseaktion in Führung. Wer jetzt wütende und stürmende Hamburger erwartete, wurde enttäuscht, der VfB erspielte sich weitere Chancen und erhöhte nur 8 Minuten nach dem 1:0 durch Kuzmanovic per Elfmeter auf 2:0. Der einzige Aufreger aus VfB-Sicht erfolgte erst kurz vor dem Pausenpfiff, als der HSV einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen bekam. Ulreich hatte aber mit Petric‘ Schüsschen keine Problem. So konnten wir mit einer beruhigenden Führung das Pausenbier genießen, so richtig trauen wollte dem Braten aber noch niemand. Man kennt ja den VfB. Doch dieser kam auch mit Elan aus der Pause. Rajkovic, der schon den ersten Elfer verursachte, legte Harnik elfmeterreif im Strafraum. Kuzmanovic verwandelte auch den zweiten Elfer sicher, so dass eigentlich nichts mehr anbrennen sollte.

In der 54. Minute dann schließlich die endgültige Entscheidung in diesem einseitigen Spiel. Sven Ulreich sprintete in Richtung Eckfahne, um einen Ball abzuschirmen und ihn ins Aus trudeln zu lassen, als plötzlich wie von einer Tarantel gestochen Paulo Guerrero angerauscht kam und ihn aufs übelste abgrätschte. Schon im Stadion hatte man gesehen, dass der Peruaner vorsätzlich eine schwere Verletzung unseres Keepers in Kauf genommen hat. In Anbetracht der Eskapaden dieses Skandal-Spielers ringt sich das Sportgericht hoffentlich zu einem äußerst harten Urteil durch und zieht Guerrero für eine lange Zeit aus dem Verkehr. Fürs erste ist ein Strafmaß von acht Spielen gefordert, gegen das der HSV Einspruch eingelegt hat. Der HSV versucht das brutale Einsteigen zu bagatellisieren und vergleicht das Einsteigen Guerreros mit dem Platzverweis von Ottl, für das er nur drei Spiele Sperre erhielt. Dieser Vergleich hinkt allerdings gewaltig. Abgesehen davon, dass ich die drei Spiele für Ottl auch als zu wenig empfand, war bei seiner Aktion noch irgendwie der Ball in der Nähe. Außerdem war das Tackling Ottls knapp über der Grasnarbe, während Guerrero angestürmt kam und im Stile eines Weitspringers Ulreich umsenste. Wäre das getroffene Bein sein Standbein gewesen, es wäre mit Sicherheit durch gewesen und unser Ulle hätte die nächsten sechs bis neun Monate in der Reha verbringen müssen. Dass Guerrero immer wieder das Kind im Manne zeigt, beweisen seine trotzigen Aussagen nach dem Spiel „er ist ja wieder aufgestanden und hat weiter gespielt“. Das spielt beim Sportgericht nur eine untergeordnete Rolle, zumal er nicht wegen rohem Spiels sondern wegen einer Tätlichkeit gesperrt wurde. Dass Guerrero von einigen HSV-Fans noch gefeiert wurde zeugt vom Niveau dieser geistigen Tiefflieger.

Nach der Aktion war der weitere Spielverlauf fast zur Nebensache geworden. Das Ding war gelaufen, der VfB steuerte einem ungefährdeten Auswärtssieg entgegen und wir in der Kurve standen noch immer unter dem Eindruck des Brutalo-Fouls an Ulreich. Die HSV-Fans waren gar nicht mehr zu hören, es schallten nur noch VfB-Freudengesänge und hin und wieder ein mit Inbrunst gesungenes Scheiß HSV durchs Stadion. Mehr als 2.500 Brustringträger übernahmen das Kommando im Volkspark und verabschiedeten die nach Hause eilenden Rauten mit einem freundlich gemeinten „Auf Wiedersehen“. Der VfB derweil erspielte sich Chance um Chance, am Ende laut Kicker-Statistik 0:10, und hätte weitaus höher gewinnen können. Einer ging dann doch noch rein: Martin Harnik, derzeit bester Torjäger der Rückrunde, trug sich auch noch in die Torschützenliste ein und vollendete zum auch in dieser Höhe völlig verdienten 0:4, seinem 14. Saisontor.

Schrieb ich letzte Woche noch, dass man die Saison eigentlich langsam ausklingen lassen kann, sind jetzt plötzlich die Europa League Plätze in Reichweite. Sollte Fürth im Pokalhalbfinale an Dortmund scheitern, was ja nicht komplett ausgeschlossen ist, dürfte bereits der siebente Tabellenplatz zur Europa League Teilnahme reichen. Drei Punkte trennen uns von Hannover, vier von Bremen auf dem 6. Platz. Und, diese beiden treffen am Wochenende aufeinander, was bedeutet, dass wir, vorausgesetzt eines eigenen Sieges gegen Kaiserslautern, aufgrund des besseren Torverhältnisses Hannover überholen könnten, sollten die in Bremen verlieren. Verrückt, wie schnell das mit der 3-Punkte-Regelung geht. Vor 2 Wochen sah ich uns noch bis zum Ende gegen den Abstieg spielen, da sich eine unterirdische Leistung an die nächste reichte. Plötzlich, 17 Tore aus den letzten fünf Spielen, sind wir die Torfabrik der Liga. Eigentlich bin ich ja kein großer Freund der Europaleague. Die Reisen haben zwar schon ihren Reiz, die vielen Sonntagspiele nerven aber und als Tabellensiebenter würde man sicherlich bereits schon im Juli gegen den Meister aus Kasachstan um den Einzug in die nächste Qualifikationsrunde kämpfen, was eine vernünftige Saisonvorbereitung erschweren und ein richtiges Trainingslager, in dem alle Nationalspieler mit von der Partie sind, unmöglich machen würde. Andererseits hat der Umstand früh schon Wettbewerbsspiele zu haben manchen Mannschaften auch schon genutzt. Scheint also auch eine Kopfsache zu sein. Dem VfB unter Christian Gross hat eine solche Vorbereitung vor zwei Jahren nicht gut getan. Aber natürlich stehen die Chancen jetzt recht gut, angesichts der kommenden Gegner Lautern, in Sinsheim und gegen den Club. Und, der VfB macht mittlerweile wieder einen stabileren Eindruck als noch vor ein paar Wochen. Wird diese Stabilität in die nächsten Wochen mitgenommen, steigert sich auch das Selbstvertrauen des Teams, was Hoffnung auf weitere Heldentaten macht. Hamburg war jedenfalls eine wunderschöne Heldentat, auch aus dem Grund, dass wir damit unseren Freunden, die dem FC St. Pauli nahe stehen, eine riesen Freude machen konnten.

Nach dem Spiel ging es dann bestens gelaunt Richtung Bus des RBHH und von dort zum Anleger Nähe Baumwall. Noch kurz formiert für ein Gruppenbild und schon ging’s los. Die Barkassenfahrt war wieder richtig klasse organisiert und hat großen Spaß gemacht. Der Käpt’n hatte ein Einsehen und legte kurzerhand an, damit sich die Herren erleichtern konnten und das enge Schiffsklo ein wenig entlastet wurde. Es wurde viel gesungen und gelacht und Flensburger (zumindest von mir) getrunken. Auch die VfB-Fanbetreuung war mit Klenky und Christian vertreten, auch eine Reminiszenz an den Beistand von Oben, dem Beinamen des OFC’s, der die VfB-Farben in der Hansestadt hoch hält. Die Fahrt war wie immer sehr kurzweilig, für eine Hafenrundfahrt zwar sehr lang, trotzdem ging sie für alle viel zu schnell zu Ende.

Wir zogen danach noch weiter auf den Kiez und wurden dort noch einmal so richtig gefeiert. Die am Kiez ansässigen bzw. dort verkehrenden stehen nun mal eher zu ihrem Stadtteilclub als zum HSV, so dass wir noch zig Hände schüttelten und sich die meisten mit uns freuten. Ein rundum gelungener Ausflug also. Wäre „Hamburg, meine Perle“ nicht gerade DER HSV-Song, ich würde das heute noch summen, mit dem geilen Gefühl des Auswärtssieges im Kopf.

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28. März 2010

Geiler Auswärtssieg bei den Bazis

Wie bereits angekündigt, trafen wir uns an diesem 27. März 2010 um 10 Uhr in Esslingen-Berkheim zur Auswärtsfahrt nach München mit dem RWS Berkheim. Mit ein paar Minuten Verspätung (auf irgendeinen, der zu spät kommt, muß man ja immer warten…) ging es dann auch los. Von Berkheim aus ist man ja schnell auf der A8 und sollte auch schnell in München sein. Sind ja schließlich nur rund 200 Kilometer. Wir kamen verhältnismäßig gut durch, von dem ein oder anderen kleinen Stau bzw. stockenden Verkehr abgesehen, was aber auf der A8 im Allgemeinen, wenn der VfB in München spielt aber auch im Besonderen völlig normal ist. Hielt sich meine Vorfreude auf das Spiel wenige Stunden davor noch in überschaubaren Grenzen, wuchs sie jetzt, nach dem ersten Snack im Bus, dem ersten Zuprosten mit dem im Bus erhältlichen Wulle-Bier sowie den ersten fachkundigen Gesprächen doch stetig ebenso wie der Optimismus, in der Arroganz-Arena doch etwas holen zu können.

An einem Rasthof kurz vor Augsburg machten wir unsere einzige Rast, die auf etwa 25 Minuten angesetzt wurde. Ich nutzte die Gelegenheit und trank noch einen Kaffee und war erst einmal froh, für einige Minuten an der frischen Luft zu sein. Am Rasthof war nicht zu übersehen, dass der Südschlager anstand. Es hielten einige Busse und Individualreisende dort, von beiden Lagern, was auch sofort die üblichen Frotzeleien nach sich zog. Dort hielt sich auch ein Bauern-Fanclub namens Ebnat-Süd (Bazis von der Ostalb, na super) auf. Als diese wieder abfuhren und uns mit wüsten Gesten aus dem Bus heraus bedachten, winkten welche von uns mit einer derer Fahnen zurück, die sich die Bazis doch tatsächlich aus dem Bus entwenden ließen. Mein erster Gedanke dabei: hoffentlich sind die Bayern auf dem Platz heute auch so schlafmützig. Jedenfalls legte der Busfahrer sofort den Rückwärtsgang ein und es kam zu heftigen Wortgefechten auf dem Rasthofgelände.

Die Bazis fanden die Aktion gar nicht lustig und hinderten uns an der Weiterfahrt, indem sie sich vor dem Bus aufbauten. Einige von denen befanden sich auch schon in einem beängstigenden alkoholisierten Zustand und wurden richtig aggressiv. Andere meinten Ordnungshüter herbei telefonieren zu müssen, die auch prompt eintrafen und sich der Sache annahmen. Schließlich tauchte die Fahne wieder auf und man einigte sich von gegenseitigen Strafanzeigen abzusehen. Wer die Fahne an sich genommen hatte, konnte eh nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden, daher wäre eine Anzeige sowieso im Sande verlaufen, eher wäre der Tatbestand der Nötigung nachzuweisen gewesen, da die Bauern uns an der Weiterfahrt hinderten. Als Retourkutsche stahlen sie uns dann das hintere Nummernschild. Großes Kino am frühen Morgen also, umso mehr wünschte man sich natürlich, die richtige Antwort auf dem Platz geben zu können.

Gegen 14 Uhr erreichten wir dann den Busparkplatz nahe der hässlichen Schüssel Allianz-Arena. Wie man so ein Teil in die Pampa, weit außerhalb der Stadt, bauen kann, hat sich mir noch nicht erschlossen. Für mich ist es so ziemlich das hässlichste und auch stimmungstoteste Stadion in Deutschland. Um so bitterer, dass wir dort bis vor dem Spiel noch nichts gerissen hatten. Am Busparkplatz trafen wir wieder jede Menge Bekannte und warteten auch noch eine Weile auf jemanden, so dass wir dort auch noch gemütlich ein Bierchen tranken.

Die Schlangen vor dem Einlass waren schon beträchtlich um diese Zeit. Erst hatte man das Gefühl, da ginge überhaupt nichts voran, irgendwann war ich aber doch am Drehkreuz, um mein Ticket einzuschieben und hinein zu kommen. Die Durchsuchungsprozedur selbst verlief im normalen Rahmen.

Nachdem wir die vielen Stufen bis zum Oberrang erklommen hatten, warfen wir gegen 15 Uhr einen ersten Blick ins Stadion. Erwartungsgemäß waren vor allem die Bayern-Bereiche noch sehr spärlich gefüllt. Nach dem Treppensteigen hätte ich zwar auch schon wieder Durst gehabt, jedoch werde ich mir im Leben keine Arena-Card zulegen, so dass ich diese Gelüste verdrängte.

Der VfB Fanbereich, es wurden ja sämtliche 6.400 Gästetickets verkauft, war schon gut gefüllt und man machte auch gleich auf sich aufmerksam, in dem erste Lieder angestimmt wurden. Diese sollten sicher auch die Mannschaft, die sich auf unserer Seite warm machte, anstacheln, heute alles zu geben. Ich bin mir vor Derbys manchmal nicht sicher, ob die Mannschaft sich da genau so reinsteigern kann, wie ich mich als Fan. Gerade, wenn man die Pöbeleien mitbekommen hat, wenn einem Kinder aus einenm für sie sicheren Bus heraus den Stinkefinger entgegen strecken, wünscht man sich doch nichts sehnlicher als am Ende zu lachen.

Bei der Präsentation der Mannschaftsaufstellungen war ich sehr überrascht, dass weder Ribery noch Robben in der Anfangsformation standen. Wollte Van Gaal die Aufgabe Stuttgart also mit halber Kraft lösen? Kann es sich ein FC Bayern leisten gegen den VfB Stuttgart, immerhin der zweitbesten Rückrundenmannschaft, seine besten Spieler für das Spiel am Dienstag gegen ManU zu schonen? Eine solche Haltung ist wohl an Arroganz kaum zu überbieten.

Der VfB trat gegenüber dem Hannover-Spiel auf drei Positionen verändert an. Bouhlarouz vertrat den verletzten Celozzi, Christian Träsch, der seine Grippe auskuriert hatte, kam für Zdravko Kuzmanovic ins Spiel und Cacau ersetzte Pogrebnjak als zweiten Stürmer neben Marica.

Auf der Ehrentribüne fanden sich außer den Bayern-Oberen Rummenigge und Hoeneß auch u. a. Paul Breitner, Herr Gomez, umrahmt von einigen Damen sowie auch unser Ex-Präsident MV nebst Gattin ein.

Die Bayern, die die 120-Pokalminuten vom vergangenen Mittwoch gegen Schalke in den Beinen hatten, begannen zunächst forscher als der VfB, ohne jedoch den VfB in Verlegenheit bringen zu können. Der VfB agierte vorsichtiger, stand hinten aber relativ sicher. Die erste Torchance war dann dem VfB vorbehalten. Khedira zwang Butt mit einem beherzten Schuß zu einer Parade. Dies wirkte wie ein Warnschuß für die Bayern, die danach erst durch Klose, dann durch Van Buyten gute Möglichkeiten besaßen. Fast folgerichtig fiel in dieser Phase das 1:0 für die Bayern, als sich Olic gegen Niedermeier durchsetzte und scharf über Lehmann hinweg einnetzte. Scheiße, dachte ich. Wieder einmal ganz nett mitgespielt, aber für uns gibt es einfach in München nichts zu holen. Nicht von ungefähr schaffte der VfB bislang in 42 gemeinsamen Bundesligajahren gerade einmal vier Siege in München, egal ob im Stadion an der Grünwalder Straße, im Olympiastadion oder in der Allianz-Arena. Wenn der VfB kommt und Derbystimmung aufkommt, sind auch die Bayern hochmotiviert und geben sich selten eine Blöße. Der VfB hat dabei oft auch Angst vor der eigenen Courage und stirbt allzu oft in Schönheit. Vielleicht war man in der Vergangenheit mit letzterem auch schon insgeheim zufrieden.

Dies alles kochte in mir nach dem 0:1 aus unserer Sicht hoch. Es ist zwar nicht so, dass man nach einem 0:1-Rückstand den Kopf in den Sand stecken muß, beileibe nicht. Aber andererseits weiß man eben, wie schwer es ist, gegen die Bayern ein Spiel zu drehen und man weiß, dass es die Bayern verstehen, ein Ergebnis zu verwalten. Das spielte natürlich in die Karten der Bayern und der Plan schien aufzugehen, den VfB mal eben so im vorübergehen zu schlagen.

Kurz vor dem 0:1 verletzte sich unser Nationalspieler Sami Khedira nach einem sehr harten Einsteigen des derzeit formschwachen Nationalstürmers Klose. Wie sich hinterher herausstellte erlitt Sami einen Anriss des Kreuz- und Innenbands; er wird uns voraussichtlich 3-4 Wochen fehlen.

Für Sami Khedira kam Zdravko Kuzmanovic ins Spiel, der sofort nach seiner Einwechslung eine Freistoßchance bekam, den Ball aber leider knapp neben den von uns aus gesehen rechten Pfosten setzte. Der VfB kam jetzt, in den letzten 10 Minuten vor der Halbzeit, besser ins Spiel und besaß die besseren Möglichkeiten. Leider verzog Marica den Ball, als er alleine auf Butt zulief. Besser machte es in der 41. Minute Christian Träsch. Cacau erkämpfte sich einen fast schon verloren gegangenen Ball zurück, paßte in die Mitte zu Träschi, der sofort abzog. Abgefälscht von Bastubers Rücken fiel der Ball unhaltbar für Butt, der sich auf dem Weg in die andere Torecke befand, ins Tor. Ein zugegebenermaßen glücklicher, aber auch verdienter Treffer. Der Jubel im Block kannte natürlich keine Grenzen. Sollte die Arroganz der Bayern doch bestraft werden? Verdient hätten sie es!

Mit dem 1:1 ging es dann auch in die Halbzeit. Als Django Asül im Halbzeit-Interview ob des abgefälschten Tores dem VfB den sprichwörtlichen Bayern-Dusel attestierte mußte ich schmunzeln. Dass es ein in der Entstehung glückliches Tor war, darüber gab es wohl kaum zwei Meinungen, hochverdient war der Ausgleich aber auf alle Fälle. In der Halbzeit machten sich dann die bajuwarischen Hoffnungsträger Ribery und Robben intensiv warm, so dass damit zu rechnen war, dass die Bayern mit Beginn der zweiten Halbzeit mindestens einen der beiden bringen würden und jetzt ernst machen würden.

Erwartungsgemäß wurden sogar beide zum Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt, ausgerechnet für die Wegbereiter des 1:0 Pranjic und Olic. Den Bayern-Fans war damit klar, dass jetzt die große Show beginnen würde und man auch im 18. Heimspiel in Folge ohne Niederlage bleiben würde. Apropos Bayern-Fans: die zwei Fanblöcke hinter beiden Toren waren zwar farbenfroh, außer den zu ihrem Standard-Repertoire zwei Liedern brachten sie aber nichts zustande. Und die meist auch erst, wenn der Trompeter den Takt vorgegeben hat. Sonst war Totenstille vorherrschend, von der Gegengerade und der Haupttribüne kam rein gar nichts. Stimmung aus der Südkurve? Lächerlich, was die drauf hatten.

Dagegen war auf VfB-Seite fast 90 Minuten Dauersupport angesagt, der auch im Fernsehen sehr gut rüber kam. Ich konnte mir das Spiel heute noch einmal genüßlich anschauen und mich selbst davon überzeugen.

Ribery und Robben konnte man schon anmerken, dass sie gewillt waren, das Ruder im Handumdrehen herumzureißen. Dies zeigte sich, darin, dass sie schnell den Abschluß suchten, jedoch zunächst sehr harmlos, so z. B. ein Kullerball von Robben, den Lehmann mühelos mit der Kappe hätte aufnehmen können.

Anders der VfB: erst scheiterte Gebhart in der 49. Minute frei vor Butt, aus dem daraus resultierenden Eckball folgte dann das vielumjubelte 1:2. Cacau erkämpfte sich bei einem Getümmel im Münchener Strafraum den Ball, setzte sich zur Grundlinie durch und konnte flanken. Ribery schritt nicht energisch genug ein und gab der Flugbahn des Balles noch eine leichte Richtungsänderung. Sämtliche Bayern-Spieler hoben den Arm, weil sie die Flanke im Toraus gesehen haben wollten, und schalteten ab, so dass Marica am langen Pfosten aus kürzester Distanz nur noch einnicken brauchte. Ob der Ball tatsächlich im Aus war, konnte von keiner Kameraposition eindeutig bewiesen werden. Der Linienrichter hatte hier nicht den richtigen Durchblick, da er nicht auf Höhe der Grundlinie stand. Die Bayern jedenfalls protestierten vehement, doch der Schiri ließ sich natürlich und Gott sei Dank nicht mehr umstimmen. Sei’s drum: die hochdotierten Bayern-Profis sollten eigentlich wissen, dass man erst aufhören sollte zu spielen, wenn der Schiri gepfiffen hat, so ist das Tor aus meiner Sicht eher dem diletantischen Abwehrverhalten der Münchener zuzuschreiben. Dass wir das Spiel gedreht hatten und plötzlich in Führung lagen, konnte ich nicht recht glauben, einfach weil sich gegen diesen Gegner schon zu viele Negativerlebnisse in meinem Gehirn eingebrannt hatten.  Jetzt waren wir natürlich alle aus dem Häuschen und rieben uns weiter verwundert die Augen, was dort unten auf dem Rasen dargeboten wurde.

Die Münchner Flügelzange war zwar stets bemüht, jedoch ohne große Wirkung. Unsere Außenspieler Boulahrouz (steigerte sich enorm in der 2. Halbzeit) und vor allem Molinaro versperrten den Dribbelkünstlern ein ums andere Mal den Weg für schnelle Antritte. Wenn die Bayern versuchten, Pässe in die Tiefe zu spielen, stand unsere Doppelsechs mit Kuzmanovic und Träsch meist goldrichtig.Wir ließen die Bayern kaum zu guten Chancen kommen, so dass sie es mehr und mehr mit Verzweiflungsschüssen probierten, die aber meist das Tor weit verfehlten. Auf der Gegenseite hatte der VfB die besseren Chancen, wobei ich mir gewünscht hätte, dass der ein oder andere Konter sauberer zu Ende gespielt worden wäre. Das hätte dann doch unsere Nerven, die zum zerreißen angespannt waren, etwas geschont.

Chancen für die Bayern blieben Mangelware, wobei man sich bei den Bayern natürlich nie sicher sein kann. In der Schlußphase beorderte Van Gaal dann noch Van Buyten zum Unruhe stiften nach vorne, doch hielt der VfB auch dieser Maßnahme stand. Auch Schiedsrichter Meyer widerstand den ständigen Versuchen der Bayern, Freistöße in aussichtsreicher Position zu schinden. Meyer bot eine recht gute Leistung, hätte aber meiner Ansicht nach mehr Karten für die Bayern verteilen müssen. Nicht nur Kloses Foul gegen Khedira war grenzwertig. Dass Van Bommel erst in der Schlußphase den Karton sah, davor aber ein ums andere Mal rüde foulen durfte, hatte ich nicht verstanden. Vor allem waren auch Situationen dabei, in denen aussichtsreiche Kontersituationen vom VfB mit taktischen Fouls unterbunden wurden, die eigentlich zwingend gelb hätten nach sich ziehen müssen. Cacau, der im Laufe der kommenden Woche erklären wird, ob er das Angebot über eine Vertragsverlängerung beim VfB annehmen wird, sah bereits in der 1. Halbzeit seine fünfte gelbe Karte und fehlt somit im kommenden Spiel gegen Bor. M’Gladbach. Ich würde mir wünschen, dass er zu vernünftigen Konditionen bleibt. Gestern glänzte er zwar nicht als Torschütze, war aber an beiden Toren beteiligt und rackerte vorne wie hinten.

Als die Bayern versuchten, mit Macht auf den Ausgleich zu drängen, war Jens Lehmann unser Turm in der Schlacht. Er wirft sich nach wie vor wie ein Junger ins Getümmel und pflückt Flanken wie Eckbälle scheinbar mühelos weg. Gestern tat es wieder sehr gut einen Jens Lehmann zwischen den Pfosten zu haben. Eine Unsicherheit hatte er, als er eine Flanke unterschätzte, ansonsten ließen lediglich seine Abschläge zu wünschen übrig. Er bot für mich eine starke Leistung. Spieler des Spiels waren für mich aber Christian Träsch und Cristian Molinaro.

Als auch die Schlußoffensive der Bayern zu verpuffen schien und noch 2 Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, rückte der lang ersehnte Sieg in München natürlich greifbar nah. Die VfB-Fans skandierten schon lange u. a.  “Sieg”  und “Ohne Stuttgart wär hier gar nix los”, was auch zutraf. Sehr viele sog. Bayern-Fans befanden sich schon auf dem Nachhauseweg, sie wollten das für sie bittere und für uns so süße Ende gar nicht mehr live mit erleben.

Auch unser Erfolgstrainer Gross schaute schon demonstrativ auf die Uhr und hoffte auf ein baldiges Ende der Partie.

Um 17:20 Uhr schließlich war er perfekt: der erste Sieg in München seit dem September 1999, damals noch im Olympiastadion. Der erste Bundesligasieg in der Allianz-Arena (im Ligapokal gab es ja auch mal einen) und der erste Sieg in diesem Jahrtausend in München. Riesen-Jubel brandete natürlich auf und überall um einen herum nur strahlende Gesichter. Ein Sieg hier in der Höhle des Löwen tut doch besonders gut. Schnell waren nur noch überwiegend VfBler im Stadion geblieben, wo die Mannschaft natürlich zuerst mit einer La Ola gefeiert wurde. Auch der Mannschaft merkte man an, dass sie sich bewußt war, etwas Seltenes geschafft zu haben. Sie feierten ausgelassen und wie kleine Kinder auf dem Rasen. Selbst für einen alten Hasen wie Jens Lehmann war es der allererste Sieg in München gegen die Bayern in seiner langen Karriere. Nachdem die Spieler Richtung Katakomben weiter zogen, wurde im VfB-Block noch eine Umba angestimmt. Da wir noch jemanden treffen wollten und um 18 Uhr schon wieder am Bus sein sollten, machten wir uns langsam auf den Weg nach unten. Dieses Mal kamen einem auch die Stufen nicht mehr beschwerlich vor. Nicht nur, weil es bergab ging, der Sieg machte uns einfach nur happy und so schwebten wir halber hinab.

Unten am Stadion warteten wir dann noch auf Bekannte, nicht ohne wieder reichlich angepöbelt worden zu sein. Wären wir auf Ärger aus gewesen, hier hätten wir ihn bekommen können. Aberdutzende liefen mit provozierenden Gesten oder Gesängen an uns vorbei und hofften, dass wir entsprechend reagieren würden. Ich lächelte sie aber sehr freundlich an und freute mich diebisch, dass wir diesen Assis in die Meisterschaftssuppe gespuckt hatten.

Und dann kamen an uns natürlich auch jede Menge strahlende und einfach nur glückliche Schwaben vorbei. Wildfremde Menschen nahmen sich in den Arm und klatschten sich ab. Wie ein solcher Sieg ein Lächeln in Tausende von Gesichtern zaubern kann, ist schon phänomenal. Auswärtssiegen ist schön, aber natürlich in München umso mehr.

Kurz darauf gingen wir dann in Richtung unseres Busses, wo ich natürlich als erstes ein Siegerbier trank, auf das ich mich schon seit Stunden gefreut hatte. Die Rückfahrt verlief unspektakulär, außer dass wir wieder bei Augsburg am Rasthof unser vermißtes Nummernschild zurück erhielten. Es war auf der gegenüberliegenden Seite aufgefunden worden, unser Busfahrer war darüber bereits vor dem Halt informiert gewesen. So konnte schließlich auch er letztendlich noch zufrieden seine Heimfahrt antreten. Auf dem Rastplatz waren ebenfalls beide Fanlager vertreten, von Zwischenfällen habe ich aber nichts mitbekommen. Von einem dritten Verein trafen wir dort auch noch Anhänger: nämlich vom 1. FC Heidenheim, die vom Spiel in Burghausen, nach einem Auswärtssieg frohgestimmt wie wir, zurück kamen.

Bald darauf , gegen 21.30 Uhr, waren wir dann zurück in Berkheim. Der Tag war natürlich super, wer hätte das gedacht, dass wir in der entscheidenden Phase der Meisterschaft, wo für die Bayern so viel auf dem Spiel steht, dort gewinnen könnten. Ich jedenfalls nicht. So ist plötzlich der Einzug ins internationale Geschäft keine Utopie mehr. Nur noch drei Punkte (und das deutlich schlechtere Torverhältnis) trennen uns vom HSV. Dieser nimmt sich gerade wieder seine traditionelle Schwächephase in der Rückrunde. Sollte der HSV heute in Gladbach verlieren, sind wir auf Tuchfühlung. Dem VfB in der Form der bisher gespielten Rückrunde sind auch bis zum Saisonende noch sechs Siege zuzutrauen. Und dann, ja dann schaun mer mal, wozu es reicht.

Ich wünsche Euch eine schöne Woche und bis bald

Franky

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26. Februar 2010

Den Dom ließen wir in Kölle – die Punkte nahmen wir eindrucksvoll mit

Nachdem mich anfangs der Woche noch eine heftige Grippe plagte, wurde ich rechtzeitig zum Spiel in Köln wieder fit. So begaben wir uns an diesem Samstag pünktlichst zum Bahnhof, um den Intercity, der planmäßig um 7.37 Uhr starten sollte, ohne Streß zu erreichen. Aufgrund “technischer Probleme”, mehr wollte uns die Deutsche Bahn nicht mitteilen, verzögerte sich die Abfahrt aber leider um etwa 20 Minuten, Zeit, die uns natürlich in Köln fehlen würde. Zumal wir uns dieses Mal aufgrund der Sparpreise der Bahn für einen normalen IC und nicht den ICE entschieden hatten, und somit etwa eine Stunde länger unterwegs sein sollten. Wir begaben uns sofort in den Bistrowagen, in dem wir uns zunächst mit unseren mitgebrachten Fleischküchle-Wecka eine erste Grundlage schufen. So dauerte es dann auch nicht lange, bis ich mich dazu entschloss, zu testen, wie das Franziskaner Weißbier an diesem frühen Samstag-Morgen schmecken würde. Leider erstreckten sich die technischen Probleme der Bahn auch auf die Kühlung der Getränke. Das erste Weizen gleich soichwarm, das kann ja heiter werden… In Mannheim stiegen dann auch Heiko und Konrad von den Murgtalschwaben zu. Da wir dann natürlich sofort nachträglich auf Carles Geburtstag anstoßen “mußten”, trank ich eben noch ein Weizen, das zu meiner großen Freude deutlich kälter war, als das vorherige. Hätte die Bahnangestellte das erste doch auch nur von hinten weggenommen… ;-) . Im weiteren Verlauf der Fahrt, die über die schöne Strecke dem Rhein entlang über Mainz, an der Loreley vorbei und über Koblenz führte, klopften wir dann noch einen Skat, für mich mein erster seit bestimmt 15 Jahren, wir lasen die Tagespresse und diskutierten natürlich schon unsere Erwartungen für das Spiel. Da Marica gelbgesperrt ausfiel und Cacau sowie Schieber nach ihren Verletzungen noch kein Spiel bestritten haben, befürchteten wir fast, Christian Gross würde nur mit einer echten Spitze, nämlich Pavel Pogrebnjak antreten. Eine Taktik, vor der es mir immer graut, zeigt man doch damit indirekt dem Gegner, dass er mal schön die Initiative ergreifen darf. Wir haben einfach nicht die gefährlichen Flügelspieler, wie z. B. die Bayern mit Ribery und Robben, um nur mit einem Stoßstürmer spielen zu können.

Dadurch war die Fahrt natürlich sehr kurzweilig und ging im Zug um wie im Flug. Was machen Köln-Touristen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen? Richtig! Ein Bild vom Dom. Dass das Bild noch den richtigen Touch bekam, gesellte sich schnell noch Charlie Chaplin zu uns.

Unsere erste Anlaufstelle in Köln war dann das Früh-Kölsch. Hier sind wir erfahrungsgemäß wohlgelitten, das Personal ist freundlich, die Bierversorgung klappt bestens und essen kann man dort auch noch etwas. Etwas störend für einen Süddeutschen sind natürlich die Reagenzgläser, in denen man in Köln sein Bier bekommt. Aber, wie geschrieben, die Versorgung klappte bestens, “unser” Kellner behielt uns ständig im Auge und brachte Nachschub, wenn wieder zu viel Luft in den Gläsern war.

Nachdem wir uns im Früh mit fester und flüssiger Nahrung gestärkt hatten, ging es ab ins Stadion. Da mir der Weg dorthin immer elends lang vorkommt, probierten wir es dieses Mal mit dem Taxi. Das war leider auch keine gute Entscheidung, schnell standen wir im Stau, brauchten somit mindestens genau so lang wie mit der Bahn und bezahlten noch 19 Euro für die Strecke. Da wir zu viert fuhren, ging das natürlich, dennoch lohnt sich das nur, wenn man eine Zeitersparnis dabei hat. Im Stadion dann trennten sich zunächst unsere Wege. Ich hatte mir zwar Karten über den VfB besorgen lassen, war mit diesen aber nicht einverstanden. Im gleichen Block über unserem Fanblock saßen wir letztes Jahr auch, damals hinter einer Plexiglasscheibe, schlecht zum Fotografieren natürlich. Auch den davor liegenden Strafraum konnte man nicht komplett einsehen. So entschloß ich mich kurzerhand dazu, beim FC Karten für die Gegentribüne zu bestellen, in einem Block, in dem im letzten Jahr massenhaft VfB-Fans waren, und meine Karten weiter zu geben. Am Einlaß gab es überhaupt keine Probleme, schnurstracks waren wir drin. Für mich ist es immer ein erhebendes Gefühl, in dieses Stadion zu kommen. Mir persönlich gefällt das Rheinenergiestadion von den neuen bzw. umgebauten Stadien in Deutschland mit am besten. Vor dem Spiel herrscht hier immer eine besondere Atmosphäre, vor allem, wenn Viva Colonia oder das Vereinslied Mer stonn zu Dir gespielt werden. Dann ist das weite Rund eine einzige rot-weiße Schalparade, die auch für mich als Gästefan schön anzusehen ist.

Ich fand die Plätze, die wir hatten, super. Der Block dürfte zu je 50% von Kölner und VfBlern belegt gewesen sein. Es gab aber keinerlei Probleme zwischen den Fangruppen. Rechtzeitig zum Verlesen unserer Mannschaftsaufstellung waren wir auf unseren Plätzen. Der leider angeschlagene Sami Khedira wurde durch Zdravko Kuzmanovic ersetzt, Marica also doch durch Cacau. Mich persönlich hätte es doch verwundert, wenn Gross anders aufgestellt hätte. Donnerstags war ich noch beim Training und da machte Cacau auf mich als Laien nicht den Eindruck, er wäre noch nicht fit genug.

Durch ein Spalier von Cheerleadern ging es für unser Team also hinein in das stimmungsvolle Stadion. Der VfB war gefordert heute. Es galt zu zeigen, dass die Niederlage gegen den HSV nur ein Ausrutscher war und Selbsvertrauen zu tanken vor dem bevorstehenden Highlight gegen den großen FC Barcelona. Außerdem war es interessant zu sehen, wie die Mannschaft reagieren würde, wenn zwei Stammspieler der vergangenen Wochen fehlen würden. Vor allem Sami Khediras Ausfall dürfte schwer wiegen, ist er doch mehr und mehr das Gesicht und die Lunge des neuen VfB.

Das Spiel begann dann recht schwungvoll. Der VfB hatte früh erste Torchancen durch Cacau (5.), Delpierre (6.) und Träsch (10.). Vor allem Delpierre hätte mit seinem Kopfball freistehend gerne für die Beruhigungspille sorgen dürfen. Dennoch stimmte der Auftakt zuversichtlich. Der Mannschaft merkte man das Vorhaben an, die Scharte der HSV-Niederliege auswetzen zu wollen. Die neuen fügten sich auch nahtlos in das Mannschaftsgefüge ein. Cacau wirkte sehr motiviert. Nachdem unter Gross zunächst Pogrebnjak und Marica gesetzt waren und er zu allem Überfluß noch durch eine Verletzung ausgebremst wurde, kam er in Köln erst zu seinem allerersten Rückrundeneinsatz. Viele schrieben ihn schon, vor allem in Bezug auf seine mögliche WM-Teilnahme, ab, was ihm deutlich zusetzt. In einigen Interviews in der Woche vor dem Spiel machte er deutlich, dass er nicht kampflos aufgeben und sich zeigen wolle. Eine Woche danach wissen wir, dass dies keine leeren Worthülsen waren. Er muß einfach besser und auch für die Mannschaft wertvoller sein, als seine direkten Konkurrenten, dann wird auch sicher Christian Gross der letzte sein, der ihn in seinem Eifer bremsen möchte. Diesen Kampfgeist hätte ich mir im übrigen auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht, der sich möglicherweise gewaltig “verwechselt” hat. Wie ich Christian Gross bislang einschätze, kann sich jeder seine Einsätze verdienen oder er sagt ihm klipp und klar, dass er keine Zukunft unter ihm haben wird. Dem Hitz konnte er aber, und das sicher gerechtfertigt, keine Einsätze garantieren, Chancen hätte er aber durchaus gehabt.

Doch zurück zum Spiel. Die beiden Trainer verfolgten das Geschehen auf dem Spielfeld jeweils im Stehen. Für uns war es ja auch ein Wiedersehen mit Zvoni Soldo, der 10 Jahre lang die Kickstiefel für den VfB geschnürt hatte und lange unser Kapitän war. Ihm möchte man ja in Köln Alles Gute wünschen, aber bitte nicht in diesem Spiel.

Christian Gross wie immer engagiert an der Seitenlinie

Auch Zvonimir Soldo verfolgt das Geschehen im Stehen

Im Kölner Strafraum ging es bereits in der Anfangsphase heiß her

Nach den ersten guten VfB-Chancen gaben auch die Kölner in Person von Novakovic ihre erste Duftmarke ab, der in einer 1:1-Situation am glänzend reagierenden Jens Lehmann scheiterte. Im Gegenzug dann fiel das 0:1 durch Cacau, als die Kölner noch über die vergebene Chance haderten. Vorausgegangen war dem Tor ein glänzendes Zusammenspiel auf der linken Seite von Hleb und Molinaro, der sich immer mehr zu einem Glücksgriff mausert. Mit Verlaub: wer fragt heute noch nach Ludovic Magnin? Die Kölner brauchten eine gute Viertelstunde, um sich vom Gegentreffer zu erholen und näherten sich nun mal wieder zaghaft dem VfB-Tor. Christopher Schorch aber vertändelte den Ball. Postwendend folgte der Konter, der zum 0:2 nach 31 Minuten führte. Cacau war schon auf und davon, verstolperte dann fast die Kugel, so dass er die Situation nur noch mit einem Distanzschuß retten konnte. Dabei schlenzte er den Ball aber technisch anspruchsvoll und sehenswert ins rechte Toreck. Im VfB-Sektor brachen daraufhin natürlich alle Dämme. Mit 2 Toren lagen wir auswärts in dieser Saison bislang nur in Frankfurt in Front, da waren wir aber nicht mit dabei. Das Spiel lief also ähnlich gut wie letzte Saison an gleicher Stelle, als wir durch 3 Gomez-Tore mit 3:0 gewannen. Danach profitierte Novakovic abermals von einem Stellungsfehler von Delpierre, auch hier bügelte Lehmann die Gefahr glänzend aus, danach scheiterte Gebhart mit einem satten Schuß an Mondragon.

In der 38. Minute machte Cacau dann seinen Hattrick perfekt, als nach einer Ecke der Ball über Schorch und Mondragon Cacau der Ball genau vor die Füße sprang. Die VfB-Fans waren jetzt natürlich völlig aus dem Häuschen und die Kölner bedient.

Cacau macht seinen Hattrick perfekt

Kein Protest, nur Teil einer Hüpfeinlage :-)

Dass den Kölner durch Schorch noch vor der Pause der Anschluß gelang, tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Trotz teilweise guter Chancen der Kölner sah es nicht danach aus, dass der VfB noch einbrechen könnte.  Nach dem Seitenwechsel war Köln zunächst optisch überlegen und hatte einige Chancen. Sie waren aber entweder zu unpräzise oder fanden in dem fehlerfreien Jens Lehmann ihren Meister. Köln konnte es sich allerdings auch nicht leisten, kopflos nach vorne zu rennen, da der VfB stets präsent war und immer wieder Nadelstiche setzte. In der 65. Minute war dann der Arbeitstag von Aleks Hleb beendet. Auch er steigert sich seit dem Amtsantritt von Gross kontinuierlich, warum ein Fußballprofi aber keine Luft für 90 Minuten hat, erschließt sich mir nicht. Er wurde von dem wiedererstarkten Roberto Hilbert ersetzt, der prompt 4 Minuten später die Flanke zum vorentscheidenden 1:4, ausnahmsweise durch Pavel Pogrebnjak, schlug.

Cacau traf schließlich in der 74. Minute zum Endstand von 1:5. Sein erster Viererpack in der Bundesliga. Für den VfB war es der erste lupenreine Hattrick seit 1986, als dies Jürgen Klinsmann beim 0:7 in Düsseldorf gelang. Auch damals war ich schon dabei. :-) . Jetzt waren nicht nur die VfB-Fans aus dem Häuschen, jetzt waren auch die Kölner aus dem Stadion. Mit dem 1:4 begann eine Massenflucht, zum Schlußpfiff waren wir dann fast unter uns.

Hellseher?

Nach dem 1:5 war es dann mehr oder weniger ein Schaulaufen. Die Kölner hatten längst resigniert, der noch immer torhungrige VfB hätte sogar noch um das ein oder andere Tor höher gewinnen können. So ließ sich die Mannschaft natürlich nach Schlußpfiff feiern, vor allem Cacau wurde natürlich besungen. Er hat sich hoffentlich jetzt in die Mannschaft hineingespielt. In dieser Form wäre er eine Bereicherung für jede Bundesligamannschaft und so bleibt zu hoffen, dass sich beide Parteien in vernünftigem Rahmen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen können. Hervorzuheben ist aber auch die insgesamt gute Mannschaftsleistung. Lediglich Delpierre und mit zunehmender Spieldauer Hleb fielen hier ab, die besten beim VfB waren Lehmann und Cacau.

Nach dem Feiern der Mannschaft gingen wir hinunter, um die anderen wieder zu treffen. Den VfB-Sportshop hatten wir als Treffpunkt ausgemacht. Doch diese Rechnung hatten wir ohne die Kölner gemacht. Im Gegensatz zu vor dem Spiel war der Zugang zum Gästebereich mit Zäunen und Ordnern zugestellt. Wir, natürlich in voller VfB-Montur, sprachen dann einen Ordner an, der uns zu jemandem brachte, der uns Zugang zum Gästebereich verschaffen konnte. Also ganz freundlich das Personal dort, er wunderte sich selbst über die Organisation, indem er “tolle Fantrennung” murmelte. Schnell haben wir uns dann also wiedergefunden und machten uns auf den Weg zur Straßenbahn. Auf dem Weg dorthin kam uns dann ein Bierstand sehr gelegen, nachdem es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Dort trafen wir dann noch Freunde aus dem Bierhexle und begossen erst einmal den Sieg.

Danach ging es mit der Straßenbahn zurück zur Kölner Altstadt. In der Pfaffen-Brauereigaststätte am Heumarkt aßen wir erst einmal etwas, danach gingen wir noch in die Bar Keks direkt in der Altstadt, wo es laute Musik und reichlich Kölsch gab. Hier gab es auch keine Fantrennung, Kölner und VfBler feierten gemeinsam.

Kurz vor 10 Uhr fuhr dann leider wieder unser Zug Richtung Heimat. Letztes Jahr hatten wir in Köln übernachtet, das wäre auch dieses Mal eine gute Wahl gewesen. So ging die Party eben im Zug weiter, der überwiegend von fröhlichen Schwaben bevölkert war.

Fröhliche Schwaben überall

Um 0.40 Uhr kamen wir planmäßig und vom langen Tag gezeichnet wieder in Stuttgart an. Es war ein klasse Tag mit einem Super-Auswärtssieg und guten Freunden. Kurz gesagt: PERFEKT!

Ein Bericht über das Barcelona-Spiel und den Ausblick auf Frankfurt folgt in Kürze.

Viele Grüße

Franky

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