5. Mai 2016

Geht mal Bier hol‘n, ihr spielt schon wieder scheiße!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 12:36

So mein Lieblingstitel der “VfBallermannhits”, die unmittelbar nach Bekanntgabe des Kurztrainingslagers auf Mallorca vergangene Woche, die Runde machten. So aussagekräftig, auch was den Gemütszustand in den letzten Wochen und Monaten betrifft, der einen während nahezu jedem Spiel beschleicht.

Da das Montag-Spiel in Bremen von der aktiven Fanszene boykottiert wurde, fand am Sonntag, unmittelbar vor der Abreise der Mannschaft nach Bremen, noch eine Karawane vom Cannstatter Bahnhof zum Trainingsgelände statt. Dort durften wir, entgegen der sonstigen Gepflogenheiten, den Schluss des Abschlusstrainings verfolgen und die Mannschaft dabei lautstark gen Norden verabschieden und ihr versuchen noch den entscheiden Push mit auf die Reise zu geben.

Ein großer Bahnhof wurde dieser Truppe gemacht, die es für uns richten muss, den ersten Abstieg seit 41 Jahren zu verhindern. Doch, auch das war vergebene Liebesmüh, gedankt haben sie es nämlich einmal mehr nicht und gingen an der Weser sang- und klanglos 2:6 unter.

Das von allen Seiten belächelte Trainingslager auf Mallorca zeigte damit überhaupt keinen Effekt, zumindest keinen positiven, im Gegenteil, der VfB setzte den Tiefpunkten der letzten Wochen einen weiteren unten drunter. Da fragt man sich schon, was das soll, zwischen zwei Spielen kurz mal nach Malle in ein anderes, weil mediterranes, Klima zu fliegen und sich diesen Reisestrapazen auszusetzen, auch wenn dies von offizieller Seite heruntergespielt wird, man hätte auch nicht länger gebraucht, um ins Allgäu zu gelangen, wo man ursprünglich seine Zelte aufschlagen wollte.

Plätze mit Rasenheizung hätten sich auch dort finden lassen. Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Teambildung hätte es auch dort gegeben. Billiger wäre es ohnehin gewesen, wobei ich an dieser Stelle einmal mehr betonen muss, dass der Verein, der sich in den letzten Jahren sportlich kaputt gespart hat, auch in puncto Luxus einmal kürzer treten könnte, wenn nicht müsste.

Hat es diese Truppe überhaupt verdient, stets in den teuersten 5-Sterne-Tempeln, Golf- und Wellnesshotels abzusteigen, wo sich Otto Normalbürger nicht mal eine Nacht leisten könnte? Hätte es nicht auch die Sportschule Malente getan, in der der Geist zum WM-Gewinn 1974 entstand? Müssen es Charterflüge nach Malle oder zurück von Bremen sein? Könnte man die Mannschaft nicht von Bremen mit dem Bus zurück fahren lassen, der ja ohnehin fährt. Weshalb in der Nacht noch ein Rückflug per Charter, weshalb eine Ausnahme-Nachtlandeerlaubnis in Stuttgart, während wir seinerzeit von Barcelona aus kommend bis zum Morgengrauen auf dem Rollfeld in Barcelona mangels Nachtlandeerlaubnis festsaßen?

Man darf die Mannschaft gerne für außerordentliche Leistungen mit Luxus belohnen, aber, in sportlich und finanziell düsteren Zeiten würde es dem Verein gut zu Gesicht stehen, zur Bodenhaftung zurückzukehren und die ohnehin verwöhnte Versagertruppe nicht weiter zu hofieren und zu hätscheln, wenn sie sich eigentlich Peitschenhiebe verdient hätte.

Diese „Auszeit“ war, so wurde kommuniziert, ausdrücklich Wunsch des Trainers. Dass dies schon ein erstes Anzeichen sein könnte, dass Dutt von Kramny abrückt, könnte man jetzt hinein interpretieren oder auch, dass Dutt schon einmal vorsorgt, sollte es auch mit Kramny schief gehen.
Klar war auf jeden Fall, sollte nicht eine deutliche Leistungssteigerung und ein Erfolgserlebnis in Bremen zu verzeichnen sein, dass Dutt und Kramny die Entscheidung für Malle um die Ohren fliegen würde.

„WAS ZUM TEUFEL HABEN DIE JUNGS AUF MALLE GEMACHT?“ Die Vorstellung in Bremen war eine nahtlose Fortsetzung der schlechten Auftritte der letzten Wochen. Die Mannschaft präsentierte sich, aller teambildender Maßnahmen zum Trotz, abermals nicht als Team, jeder war sich selbst der Nächste, jeder hatte mit seine eigenen fußballerischen Unzulänglichkeiten zu tun, war zweikampfschwach wie eh und je und ließ sich von giftigen Bremern eindrucksvoll vor Augen führen, wie Abstiegskampf auszusehen hat. Das Auftreten des VfB hingegen hatte schon etwas von Urlaubsmodus, Malle lässt grüßen!

Die Bremer Zuschauer erzeugten eine überragende Stimmung, so dass von den etwa 800 VfBlern wenig bis nichts zu hören war. Das lag aber nicht allein am Boykott der aktiven Fanszene an diesem Montagabend. Werder, bei denen einige Ultras dem Spiel solidarisch ebenso fern blieben, machte mobil und holte seine Zuschauer ins Boot, verteilte Klatschpappen und forderte das Publikum auf, 90 Minuten zu stehen und Rambazamba zu machen, um den „Ausfall“ des organisierten Supports der Ultras zu kompensieren. Bei einem solchen Lautstärkepegel hätte man wohl auch 4.000 VfBler kaum lauter wahrgenommen als die wenigen Anwesenden.

Bremen macht im Abstiegskampf unter dem Motto „Green-white-wonderwall“ mobil und steht im wahrsten Sinne des Wortes hinter und zum Verein, während es bei der Stadt Stuttgart niemanden ernsthaft zu tangieren scheint, würde sein Aushängeschild absteigen.

Der grüne OB Kuhn ließ nur dazu verlauten, dass es einen Imageverlust der Stadt geben würde, wenn der VfB abstiege, mehr nicht. Keine Plakataktion, kein Werben für den VfB, nicht einmal ein Stadionbesuch (gut, darauf können wir gerne verzichten), schließlich ist er ja Bayern-„Fan“.
Unter seinen Amtsvorgängern Schuster und Rommel war das noch anders, prangten noch riesige Plakate an den Einfallstraßen, gab es Radio-Spots und noch einiges mehr. Nicht nur bundesweit hat es der VfB binnen neun Jahren „geschafft“ vom Deutschen Meister zur grauen Maus zu mutieren, nein, auch in der Heimat wird man, wenn überhaupt, nur noch stiefmütterlich behandelt und wahrgenommen.

Werder wurde bereits auf der Fahrt vom Hotel ins Stadion frenetisch bejubelt, so dass den Bremern schon fast nichts anderes übrig blieb, als sich zu zerreißen und das so wichtige Spiel für die Stadt und seine Fans zu gewinnen.

In Bremen fiel neben Serey Dié, Kevin Großkreutz und Daniel Ginczek kurzfristig auch noch Kapitän Christian Gentner aus, der zwar nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, der im Team aber doch ein Standing besitzt, das der Mannschaft zusätzlich fehlte. In Schwaab, Harnik, Insúa, Tytoń und Ersatzkapitän Georg Niedermeier standen immer noch einige gestandene (zumindest sollten sie es sein) Bundesligaakteure auf dem Platz, die dem Team Halt hätten geben sollen. Barba spielte in der Innenverteidigung und Matthias Zimmermann kam als rechter Verteidiger zu seinem Bundesligadebüt, während ausnahmsweise mal wieder Maxim und Didavi zusammen ran durften.

Bremen zeigte vom Anpfiff weg, wie Abstiegskampf aussehen muss und kämpfte um jeden Zentimeter Rasen, während die VfB-Akteure große Probleme bei der Ballbehandlung hatten und Werder eher spielerisch knacken wollten. Man kam von VfB-Seite aus abermals nicht in die Zweikämpfe und mit dem frühen Pressing der Werderaner überhaupt nicht zurecht.

Dass man bspw. den Ausfall von Serey Dié nicht ansatzweise kompensieren kann, wurde bereits in den letzten Wochen deutlich und fiel am Montag erneut schwer ins Gewicht. Daniel Schwaab, der auf die Sechs gerückt war, ist von Haus aus Innenverteidiger und lässt sich daher eher in die Abwehrkette zurückfallen, als dass er Angriffe mit ankurbelt. Didavi und Rupp wurden durch konsequentes Pressing der Bremer früh gestört, so dass wenig Konstruktives heraus kam. Bereits früh entwickelte sich die Partie in Richtung der Bremer, die schon nach 10 Minuten und nach einer haarsträubenden und schlafmützigen Aktion von Georg Niedermeier in Führung gingen.

Der VfB kam zwar zum vorübergehenden Ausgleich, dem ein schöner Spielzug vorausgegangen war, Torschütze Didavi, nach Zuspiel von Maxim. Es wäre DIE Chance für den VfB gewesen, sich noch einmal zu sammeln und die Partie wieder bei null zu beginnen, aber, das wäre dann wohl nicht unser VfB gewesen.

Der VfB der Gegenwart tut nämlich alles dafür, einen kurz mal verunsicherten Gegner wieder aufzubauen. Trifft der Gegner nicht, besorgt man es eben selbst. Eine recht harmlose Flanke der Bremer köpfte Barba zurück, vorbei am heraus stürmenden und verdutzten Tytoń, ins eigene Tor. Immer wenn der Gegner denkt, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein dummer VfBler daher. Eigentor Nummer sieben, Allzeit-Rekord ausgebaut.
Bei diesem Gegentor verletzte sich Yatabaré, sein Ersatzmann Öztunali, seines Zeichens Enkel von Uwe Seeler, besorgte nach 42 Minuten die 3:1-Pausenführung, erneut „verdiente“ sich Georg Niedermeier dabei einen Scorer-Punkt.

Zwei Minuten später musste der bis dahin beste VfB-Spieler, Daniel Didavi, mit einem Pferdekuss ausgewechselt werden. Ihm sprang zuvor Seuchenvogel Martin Harnik, der unlängst die halbe Mannschaft mit seiner Grippe angesteckt hat, ins Kreuz und setzte den Neu-Wolfsburger schachmatt.

Zur Pause twitterte Thomas Hitzlsperger „wär vielleicht ganz gut, die Jungs verbringen die Halbzeit in der Eistonne. Wärme hat bisher nix gebracht“. Auf den Punkt gebracht! Währenddessen sah Gentner vor dem Sky-Mikrofon einen spielerisch besseren VfB und höhere Qualität in Reihen des VfB. Denke, diese Meinung hatte er exklusiv, wobei es ihm ohnehin besser zu Gesicht gestanden hätte, in die Kabine zu eilen und „seiner“ Mannschaft die Leviten zu lesen.

Nach dem Wechsel wollte der VfB noch einmal alle Kräfte mobilisieren und kam auch prompt zum Anschlusstreffer durch Eigentorschütze Barba (per Hacke). Doch, die Bremer hatten Blut geleckt und wussten ja, wie es um die „Abwehr“ des VfB bestellt war, so dass Pizarro schon zehn Minuten danach auf 4:2 erhöhte. Spätestens als Federico Barba kurze Zeit später mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste und der bemitleidenswerte Ristl hineingeworfen wurde, brachen beim VfB alle Dämme.

Dass Muskelverletzungen (Gentner, Barba) just dann auftreten, nachdem der VfB für drei Tage aus der Kälte Deutschlands ins frühlingshafte Mallorca und wieder zurück jettete, könnte ein Zufall sein, oder eben auch nicht!

Die Tore zum 5:2 und zum 6:2 machten schließlich das Debakel perfekt. Erstmals seit 1985 kassierte der VfB an der Weser sechs Gegentore, damals ein 6:0 an einem kalten Freitag-Abend! Die Revanche darauf folgte dann jedoch prompt im Rückspiel, als wir durch ein 2:1 gegen Werder mit zwei Allgöwer-Toren die Bayern zum Meister machten und Werder ins Tal der Tränen stürzten.

Dutt stärkte Jürgen Kramny nach dem Debakel demonstrativ den Rücken und möchte der Mannschaft, nachdem Mallorca nichts gebracht hat, eine Kopfwäsche verpassen. Kramny sei 100 Prozent VfB, habe die Mentalität und die Identifikation und könne nichts für den Ausfall etlicher Leistungsträger (für deren Alternativen Chef-Einkäufer Dutt nicht gesorgt hatte). Hört sich irgendwie schon nach Aufgabe an, da sich die Reihen im VfB-Lazarett bis Saisonende nicht mehr entscheidend lichten dürften.

Eine Kopfwäsche für die Profis, wie immer die auch aussehen mag, befürchte ich, wird nichts bringen. Die Bequemlichkeit und mangelnde Erfolgsgier hat Dutt doch selbst gefördert, indem man den Druck stets den anderen zuschob und man schlechte Spiele bei Mitkonkurrenten verharmloste. Dass es das Restprogramm in sich haben würde und man seine nötigen Punkte tunlichst vor den letzten fünf Spielen einfahren musste, war mir klar, seit der Spielplan veröffentlicht wurde.

Man kann sich in der Theorie natürlich die ersten 60 Minuten schön trinken, ähm, reden und lediglich kritisieren, dass man sich am Ende abschlachten lassen hat. Damit macht man es sich aber zu einfach. Für ein Abstiegsendspiel war das mal wieder von der ersten Minute an zu wenig, vor allem in puncto Zweikampfhärte und Körpersprache.

Diese Mannschaft mit einer katastrophalen Abwehr, nicht vorhandenem defensiven Mittelfeld und einem Sturm, der nicht mehr als ein laues Lüftchen ist, soll jetzt allen Ernstes den Schalter noch einmal umlegen können? Dieses Team, ohne jegliche Führungsspieler? Wo ein Niedermeier zwar mit der Gosch Ansprüche erhebt, gar über das Saisonende hinaus, im Spiel dann aber stets DER Unsicherheitsfaktor schlechthin ist? Wo ein Martin Harnik nicht nur seine Mitspieler matt setzt, sondern auch keinen Ball stoppen kann und das Tor nicht trifft? Wo ein Daniel Schwaab nicht mehr als ein Leisetreter ist und sich wie alle anderen in das Schicksal ergibt? Wo Didavi und Kostic mit den Gedanken weit weg sind und in Gedanken wohl schon kurz vor dem Championsleague-Titel stehen? Wo ein Timo Werner bei der Leichtathletik besser aufgehoben wäre als beim Fußball. Wo sich der Torwart zunehmend von der Unsicherheit seiner Vorderleute anstecken lässt? Wo Rupp und Maxim außer Form sind und jetzt auch noch Insúa gelbgesperrt gegen Mainz fehlen wird?

Letzteres sehe ich nicht einmal als allzu negativ an. Phiip Heise kam mir in dieser Saison bislang zu schlecht weg und hat für meinen Geschmack zu wenig Einsatzchancen erhalten, obwohl er mir in den Trainingslagern ganz gut gefallen hat. Ich hoffe, dass er gegen Mainz ran darf und nicht doch Allzweckwaffe Schwaab sich zu allem Überfluss auch noch als Linksverteidiger versuchen darf.

Diese „Mannschaft“, vor allem mit den zahlreichen Ausfällen, ist einfach zu schlecht, so dass man Kramny nur bedingt für diesen Negativlauf verantwortlich machen kann. Anfangs profitierte er nicht unerheblich von der Arbeit Zornigers, vor allem, weil die Spiele unter Zorniger ja zum Großteil ordentlich waren und nur Nuancen geändert werden mussten.

Jetzt, in der nun schon seit zehn Spielen andauernden Krise wirkt Kramny zunehmend ratlos und während der Spiele phasenweise so, als ginge ihn die Veranstaltung überhaupt nichts an. Ein Lautsprecher wird er sicher nicht mehr werden, aber, ein wenig mehr Temperament würde man sich schon wünschen, gerade dann, wenn man merkt, dass sich die Mannschaft selbst nicht helfen kann.

Wenn man dann noch feststellen muss, dass je länger die Saison dauert, das Team in der Schlussphase eines Spiels nicht mehr zusetzen kann, also platt ist, stellt sich die Frage, ob denn auf dem Wasen richtig trainiert wird. Kramny wäre wohl einer der wenigen Trainer, der in einer Saison zwei Mal absteigt, denn auch die Amateure sind ja quasi sein Team. Ob er als Abstiegstrainer nach der Saison noch vermittelbar wäre, daran habe ich große Zweifel.

Robin Dutt scheint hier (mal wieder) keinen Plan B zu haben. Kramny wurde bereits im November mangels Alternativen und mutmaßlich auch mangels Geld zum Cheftrainer ernannt. Dutt erinnert mich mit seiner Eigenschaft „Probleme auszusitzen“ und seinem „Wir schaffen das, (weil wir so gut sind)“ mehr und mehr an die Bundeskanzlerin, deren Macht jedoch auch schon zu bröckeln beginnt.

Wo Dutt ist, ist unten, dies scheint sich nun auch beim VfB zu bewahrheiten. Galt es lang den Scherbenhaufen aufzuräumen, den Bobic hinterlassen hat und nur darum, das Schlimmste zu verhindern, muss sich Dutt langsam aber sicher an den Ergebnissen messen lassen. Versprach er vor der Saison noch, die Vetterleswirtschaft würde der Vergangenheit angehören und man lege wieder Wert auf mehr Sportkompetenz im Verein, macht er sich gerade in diesen Punkten in letzter Zeit angreifbar. Zweifelsohne hat er gute Transfers getätigt, wie die von Serey Dié, Lukas Rupp und Kevin Großkreutz, lag aber auch bei vielen daneben, Sunjic, Kruse, Kravets, um nur ein paar davon zu nennen.

Diese Saison hat Dutt geplant, hat seinen Wunschtrainer Zorniger trotz einiger Widerstände durchgeboxt, um ihn dann, als die Ergebnisse ausblieben und der Druck von außen zu groß wurde, fallen zu lassen. Die Fangemeinde ist bis heute gespalten darüber, ob die Zorniger-Entlassung richtig war oder ob man ihm nicht noch die Wintervorbereitung hätte zugestehen sollen. Mit Zorniger stünden wir sicher jetzt auch nicht schlechter da.

Was auffällt und letztlich den Ausschlag für die Zorniger-Entlassung gab, war, dass er bei den Medien nicht wohlgelitten war und diese ihn systematisch weg mobbten, während Kramny nun mit Samthandschuhen angepackt wird. Das dürfte daran liegen, dass Kramny freundlich und adrett daher kommt und immer zu einem Statement bereit ist, während Zorniger die Schreiberlinge auch mal anblaffte und abblitzen ließ, wenn es ihm danach war.

Nach dem 2:6 sah ich großen Handlungsbedarf, um mal wieder zu retten, was noch zu retten ist, und verstand die Welt nicht mehr, dass am Tag danach zur Tagesordnung übergegangen wurde.

Lässt man es einfach so laufen, wie in den letzten Wochen, und hofft stets auf Besserung im nächsten Spiel, ist die Saison irgendwann mal zu Ende und wir sind sang- und klanglos abgestiegen.

Meiner Meinung nach wäre nach Bremen ein Impuls von außen notwendig gewesen, um eine (letzte) Aufbruchsstimmung zu erzeugen und dem Team mal wieder vor Augen zu führen, was die Stunde geschlagen hat. Befindet sie sich in ihrem für ihre Verhältnisse fast schon normalen Trott, kann sie sich der Erfahrung nach, daraus nicht mehr von innen heraus befreien.

Einen neuen Impuls könnte ein neuer Trainer bringen, der für Power und Push steht, wie es einst Christoph Daum war, als er 1991 die VfB-Bühne betrat und vom ersten Tag an ein anderer Wind auf dem Wasen wehte.

Das könnte auch eine graue Eminenz sein, wie einst Lattek, als er Sammer bei seinen ersten Schritten als Bundesligatrainer, auch im Abstiegskampf, unterstützte und ihm wertvolle Tipps gab.

Ottmar Hitzfeld fiele mir da ein oder auch einer wie Hans Meyer, eben jemand, vor dem die Spieler Respekt haben und vor dem sie es sich überhaupt nicht getrauen würden, eine solche Scheiße wie in Bremen abzuliefern, wenn noch ein Funken Ehre in ihnen schlummert.

Dutt jedoch sieht keinen Handlungsbedarf, so dass wir für mich in Bremen so gut wie abgestiegen sind. Unser neuer sportlicher Berater Karl Allgöwer ließ sich zwar in den letzten Tagen auf dem Trainingsplatz blicken und Dutt betonte auch, man wäre schön blöd, wenn man einer solchen Ikone nicht zuhören würde, doch ich bezweifle dass alleine vom „zuhören“ der Bock umgestoßen werden kann. Zu melden hat er sicherlich auch nicht viel.
Sollte der Abstieg eintreten, muss die Ära Dutt beendet werden, wenn er den Weg nicht selbst für einen Neuanfang frei macht.

Da ich dieser „Mannschaft“ überhaupt nicht mehr über den Weg traue und sie langsam auch nicht mehr ertragen kann, ist mein einziger Hoffnungsschimmer fürs Mainz-Spiel, das Comeback von Kevin Großkreutz. Noch gestern postete er auf Instagram, wie sehr er darauf brenne und dass er alles raushauen wolle.

Ob einer allein reicht, die anderen mitzureißen, zumal er von einer Verletzungspause zurückkommt und sicher selbst noch nicht bei 100 Prozent sein wird, ist die große Frage.

Klar ist aber, dass wir Typen wie ihn brauchen, um überhaupt eine Chance zu haben, das Ruder noch herumzureißen. Er gab gar ein Treuebekenntnis über das Saisonende hinaus ab und versprach, für den Fall des Abstiegs, dass er mithelfen wolle, diese Schmach auszumerzen. Großkreutz ist einer der ganz wenigen, denen ich das abnehme und die ich überhaupt noch in der nächsten Saison auf dem Wasen sehen möchte.

Mittlerweile ist es mir fast egal, ob wir die Klasse mal wieder irgendwie halten oder nicht. Wenn man nach Jahren des Missmanagements immer tiefer in die Scheiße rutscht, wäre ein Abstieg nur die logische Konsequenz, über den sich kein Verantwortungsträger wundern oder beklagen dürfte.
Schlimmer als das jahrelange Dahinsiechen in der Bundesliga kann die 2. Liga überhaupt nicht sein. Unzählige Heimniederlagen und das nicht nur gegen Spitzenteams, fast jeder Ligakonkurrent ein Angstgegner, immer die gleichen Spieler, die man als Identifikationsfiguren und als unersetzlich ansieht, während das Team Jahr für Jahr mehr geschwächt wird, das alles macht schlicht keine Lust auf weitere Jahre in der Bundesliga.
Ich bin müde, bin es leid, wenn es so kommt, ist es eben so! Tut sicher ganz gut, wenn der Stecker endlich mal gezogen wurde.

Gegen Mainz, vor wohl ausverkauftem Haus, wird der VfB Charakter zeigen müssen. Vielleicht schafft es ja „Fischkreutz“, das Team mitzureißen und aus dem einen oder anderen ein paar Prozentpunkte mehr herauszukitzeln.

Klar ist natürlich auch, dass schon ein einziger Punkt zur Relegation reichen könnte und dass wir mit zwei Siegen wohl ohnehin direkt gerettet wären, es also weiterhin in der eigenen Hand haben. Die Zeit, den Kopf schon gänzlich in den Sand zu stecken, ist also noch nicht da.

Es ist zwar schwer vorstellbar, dass sie noch einmal alle Kräfte bündeln und zunächst Mainz niederringen, aber, man kennt ja den Fußball zur Genüge. Fast genau vor einem Jahr, als der VfB schon einmal unbedingt gegen Mainz gewinnen musste, dauerte es in einem brutalen Nervenspiel bis zur 66. Minute, ehe Daniel Didavi aus 30 Metern einfach mal abzog und der Ex-VfBler im Mainzer Tor, Loris Karius, sich den Ball quasi selbst ins Netz boxte. Vielleicht haben beide ja am Samstag Ähnliches in ihrem Repertoire.

Auch diesen Samstag gilt es, die Nerven zu bewahren. Sollte sich der Trend der letzten Wochen fortführen (was ich befürchte) und die Mannschaft erneut ohne große Gegenwehr verlieren und sich vom Gegner vorführen lassen, möchte ich es mir nicht ausmalen, was nach dem Spiel auf der Mercedesstraße los sein dürfte.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 3 votes)
2. Februar 2016

Kramny kommt an!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 22:51

Nach dem vielversprechenden Auftakt in Köln, stand am zweiten Rückrundenspieltag das Wiedersehen mit Ex-Trainer Bruno Labbadia sowie Gotoku Sakai an. In der Hinrunde hatte man unverdient und äußerst unglücklich verloren, nachdem Florian Klein des Feldes verwiesen wurde. Die beiden letzten Heimspiele gegen die Rauten entschied man knapp für sich, beide Male in Spielen, in denen eine Niederlage bereits den Abstieg hätte bedeuten können. Ganz so dramatisch stellte sich die Situation relativ früh in der Rückrunde dieses Mal nicht dar und doch war es ein ganz wichtiges Spiel. Mit einem Sieg bestand die Möglichkeit an den HSV heranzurücken und diesen selbst wieder in den Abstiegskampf mit hineinzuziehen.
In der Vorrunde hätte sich der Spielfilm in etwa so abgespielt:

Der VfB mit einer großartigen Leistung und einem mitreißenden Offensivfeuerwerk, spielte den HSV über weite Strecken an die Wand, lediglich am leidigen Thema Chancenverwertung hätte man etwas aussetzen können.

Als nach unermüdlichem Anrennen und Chancen kreieren in der 66. Minute endlich das 1:0 durch ein Eigentor von Aaron Hunt gefallen war, ließ man sich von einem der wenigen Hamburger Angriffe überrumpeln. Nach einer Flanke von links vollstreckte Rudnevs, der sonst nicht einmal ein Scheunentor trifft, per sehenswertem Flugkopfball und mit seinem ersten Saisontreffer zum Ausgleich. Zweikampfmonster Niedermeier, in dieser Situation zaudernd wie ein Kätzchen, kam einen Tick zu spät.

Lediglich vier Zeigerumdrehungen später geschah dann das Unglaubliche. Ilicevic stibitzte Großkreutz den Ball und tunnelt Fehleinkauf Tytoń zum 1:2, welches das Spiel komplett auf den Kopf stellte. Nach kräftezehrendem Spiel auf nassem, tiefem Geläuf hat der VfB am Ende nichts mehr zuzusetzen. Der eingewechselte Kravets setzt einen Ball noch an die Latte, das war’s dann auch schon.

Der VfB erntet Lob, der HSV die Punkte und wusste dabei nicht, wie er mit seinen limitierten Mitteln und fast ohne Torchancen dieses Spiel gewinnen konnte. Zorniger an der Linie raufte sich die Haare, um hinterher in die Mikrofone zu raunzen, dass er nicht wisse, wo er denn noch ansetzen solle, „außer bei der Chancenverwertung“.

Spiele nach diesem Strickmuster gab es zu Beginn der Saison einige. Doch was ist anders geworden seit damals? Wie kommt es, dass wir ein im Grunde gleiches Spiel mit fast gleichem Personal jetzt mit einem neuen Mann an der Seitenlinie auf einmal gewinnen können?
Es mag eine Rolle spielen, dass die Jungs, weil sie sich nicht mehr zu Tode pressen, hinten hinaus mehr Luft und damit auch mehr Konzentration haben. Vielleicht war auch die Wintervorbereitung effektiver, als die im Sommer mit Zorniger, die Mannschaft jedenfalls machte über weite Strecken einen flinken und spritzigen Eindruck.

Kramny macht seine Sache bisher mehr als ordentlich. Er fängt wirklich an, mir zu gefallen. Mit seiner unaufgeregten und pragmatischen Art, ist er fast schon der Gegen-Zorniger. Er lamentiert nicht sondern schafft halt und lässt das spielen, was auch am Ende der Stevens-Ära tolle Spiele und vor allem Punkte brachte. Es genügten einige wenige Kniffe, um den VfB zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Er kommt nicht selbstherrlich rüber, bindet sein Team, einschließlich Führungsspieler, ein, und erarbeitet gemeinsam mit ihnen eine Strategie, wie der VfB im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten auszurichten ist. Er verfolgt dabei nicht Hirngespinste des perfekten Fußballs, sonder macht sich bewusst, dass wir noch immer gerade genug Spieler im Kader haben, die das Fußballspielen nicht erfunden haben.

Im Mittelfeld treten wir eine Spur kompakter auf. Mit Ruppinho an Stelle des verletzten Martin Harnik, setzt er auf einen dritten (eigentlich) zentralen Abräumer und zugleich Antreiber neben Serey Dié und Christian Gentner. Er holte Georg Niedermeier aus der Versenkung zurück, hat in Kevin Großkreutz einen vorbildlichen Fighter dazu bekommen und setzt offensichtlich auf Erfahrung.

Auf der einen Seite erstaunt es mich schon etwas, dass gerade er, als ehemaliger Amas-Trainer, auf keinen „seiner“ Jungs zurückgreift, Schwaab Timo Baumgartl vorzieht und auch Arianit Ferati im Moment überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Auf der anderen Seite aber gibt der Erfolg Kramny Recht! Kramny setzt auf Erfahrung, Stabilität und ein harmonisches Miteinander. Offensichtlich schätzt er die Lage so ein, dass die Youngsters mit der derzeitigen prekären Situation mental überfordert sind und man ihnen keinen Gefallen täte, sie weiter zu verheizen. Timo Baumgartl ist so ein Beispiel, obwohl eigentlich schnell und technisch nicht schlecht, war er zum Schluss ein Sicherheitsrisiko, so dass es nachvollziehbar dass ihm derzeit der erfahrene Georg Niedermeier vorgezogen wird.

Und, was man nicht vernachlässigen darf und womit wir wieder beim ersten Abschnitt dieses Textes wären. Kramny hat das notwendige Glück zurückgebracht. Der Fußball ist zwar einfach und manchmal trotzdem nicht erklärbar. Tytoń bekam dieses Gegentor dieses Mal eben nicht durch die Hosenträger und hat sich in den letzten Monaten zum absoluten Leistungsträger und sicheren Rückhalt entwickelt. Selbst jetzt, wo Mitch Langerak einsatzbereit wäre, ist ein Torwartwechsel kein Thema mehr. Kramny hatte nicht nur das Glück, dass Tytoń den VfB im Spiel gehalten hat, er bewies auch noch ein glückliches Händchen bei seinen Einwechslungen. Für mich kamen sie zwar spät, zum Glück jedoch nicht zu spät.

Schon nach der vergebenen Großchance von Timo Werner kurz nach dem Seitenwechsel, sagte ich, dass Kramny ihn im Grunde auswechseln und gegen Kravets, der mir in Belek schon gut gefiel, ersetzen müsste.

Wer in einem Spiel so leichtfertig mit seinen Chancen umgeht, könnte an einem schlechten Tag noch zwei Stunden weiter spielen, ohne ins Tor zu treffen. Ich möchte damit nicht den Stab über Timo Werner brechen. Nach seiner Ausbootung fürs Hertha-Spiel nahm Werner eine positive Entwicklung, an guten Tagen ist er mit seiner Schnelligkeit eine echte Waffe, Samstag jedoch war nicht sein Tag.

Es dauerte noch bis zur 78. Minute, es stand inzwischen 1:1, ehe Kravets zu seinem Heimdebüt kam. Der Ukrainer hat bekanntlich das Ziel, sich über Einsätze beim VfB für eine Kader-Nominierung zur Euro 2016 in Frankreich zu empfehlen. Ein schwieriges Unterfangen, da Timo Werner im Moment kaum aus der Mannschaft wegzudenken ist und auch Daniel Ginczek in absehbarer Zeit zurückkehren dürfte.

So bedarf es schon besonderer Eigenwerbung, um diesen Widrigkeiten zu trotzen und sich in die Mannschaft zu kämpfen. Bereits seine erste Aktion hat mir imponiert. Wenn mich etwas genervt hat bei diesem Kick, war es dieses Klein-Klein-Spiel und dass bei diesem rutschigen Boden keiner (außer bei Standard Didavi) einmal aus der Distanz abgezogen hat. Kravets tat es fast mit seinem ersten Ballkontakt und zwang den guten Adler im HSV-Tor mit einem scharfen 20-Meter-Schuss zu einer Parade.

So zeigte Kravets schon in seiner ersten Szene, dass er Zug zum Tor besitzt. Das Tor wollte aber auch nach seiner Einwechslung nicht fallen. Ein 1:1 wäre psychologisch eine Katastrophe gewesen. Wenn man den Gegner über die komplette Spieldauer beherrscht, sich ein enormes Chancenplus herausspielt, in allen Belangen besser ist, sollte sich das auch im Ergebnis niederschlagen, vor allem, wenn man sich im Existenzkampf am Tabellenende befindet. Kramny sah es wohl nicht anders und setzte in der 88. Minute noch einen Akzent von der Bank aus, Alexandru Maxim kam für Daniel Didavi aufs Feld.

Der Rest ist Geschichte! Erster Ballkontakt Maxim, kurz den Kopf gehoben und Kravets dort erspäht, wo sich ein Mittelstürmer befinden muss, eine gefühlvolle Flanke und ein Kopfball wie ein Strich. Was für ein geiles Tor, was für eine Technik von Kravets, der dem Ball noch enormes Tempo mitgab. Ich hörte am Samstag vermehrt Stimmen, ein solches Tor hätten wir seit Gomez‘-Zeiten nicht mehr gesehen, dem kann ich bei näherem Betrachten nur beipflichten. Sollte dieser Kurzeinsatz Aufschluss darüber geben, was der Ukrainer drauf hat, werden wir noch viel Freude an ihm haben.

Dieses 2:1 setzte den Schlusspunkt unter ein begeisterndes Spiel im strömenden Regen. Die Stimmung auf den Rängen und auch auf dem Rasen war überragend und macht Lust auf mehr. Wie stabil der Aufschwung ist, wird sich zeigen, ich traue dem Braten jedenfalls noch nicht. Dennoch gilt es nun Punkt um Punkt mitzunehmen, um möglichst früh die 40-Punkte-Marke anzupeilen. Die letzten Auftritte stimmen mich schon weitaus optimistischer als ich noch im November war. Die Mannschaft lebt, vor allem scheint die Stimmung mittlerweile hervorragend zu sein, sicherlich nicht nur Kramnys Verdienst, der gemeinsame Abschuss seines Vorgängers schweißte sie wohl zusätzlich zusammen.

Im Februar nun haben wir plötzlich wahre Luxusprobleme und einen schon lang nicht mehr dagewesenen Konkurrenzkampf im Kader. Nicht nur im Tor beharken sich zwei überdurchschnittliche Kandidaten. Auch im Mittelfeld, aus dem es gegen den HSV sage und schreibe drei Spieler in die Sportschau-Elf-des-Tages schafften, nämlich Serey Die, Daniel Didavi und Lukas Rupp, gibt es spätestens dann ein Hauen und Stechen, wenn Martin Harnik sich für die Startelf fitmeldet, vielleicht schon fürs Frankfurt-Spiel. Zu den Dreien gesellen sich noch der ohnehin nie in Frage gestellte Kapitän Christian Gentner sowie Filip Kostic, der mehr und mehr an seine Form der letzten Spiele der Vorsaison herankommt.
Wen möchte man da also für Harnik opfern? Seinen Platzhalter Lukas Rupp vielleicht? Nein, Ruppinho, den nicht einmal „Jubel-Verletzungen“ aus der Bahn werfen, ist mittlerweile einer der Köpfe des Teams geworden.

Der andere, gegen den HSV mal wieder überragend, ist Serey Dié. Was er im strömenden Regen und auf tiefem Geläuf abspulte, unermüdlich Bälle eroberte, angetrieben und eigene Angriffe initiiert hat, war schon phänomenal.

Auch im Sturm ist die Luft für Harnik mittlerweile dünn geworden. Timo Werner sollte weiterhin seine Einsatzzeiten bekommen, ist Kravets tatsächlich das Tier, als das er sich im Samstag dargestellt hat, wird er in die erste Elf drängen und, spätestens Anfang März, sollte auch Ginni wieder ein Thema sein.

Daher wird sich Harnik zunächst einmal hintenanstellen und ähnlich zünden müssen wie Kravets am Samstag, möchte er in absehbarer Zeit seinen Stammplatz zurückerobern. Legt er weiter die Schludrigkeit bei der Ballbehandlung und im Abschluss an den Tag wie in der Vorrunde, dürfte er es schwer haben.

Bliebe noch die Abwehr, die nach wie vor die größte Bau- und Schwachstelle im Team. Wenn Kramny in der Innenverteidigung (freiwillig) auf Schwaab und Niedermeier setzt, weiß man als Beobachter was die Stunde geschlagen haben muss. Mit dieser Besetzung kann es allenfalls um Schadensbegrenzung gehen, darum, im eigenen Strafraum die Lufthoheit zu besitzen und die Bälle wegzudreschen, nicht aber um mindestens genauso wichtige Eigenschaften wie Antizipation und Spieleröffnung. Dass Schwaab sowohl Sunjic als auch Timo Baumgartl vorgezogen wurden, sagt viel darüber aus, welche Wertschätzung diese beiden bei Trainer Kramny haben müssen und ist wohl als Indiz zu werten, dass der Nebenmann des gestern verpflichteten Italieners Federico Barba eher Niedermeier als Baumgartl heißen dürfte.

Barba war zuletzt Reservist in Empoli und ist mit seinen 22 Jahren auch nicht der erfahrene Mann, den man sich gewünscht hätte. Bevor ich ihn nicht spielen gesehen habe, kann ich mir kein Urteil über ihn erlauben. Im heute kurzfristig anberaumten und mit 0:2 verloren gegangenem Test gegen die SG Sonnenhof-Großaspach gab er unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Debüt im VfB-Dress, wobei er sich gleich verletzte. „Verhärtung in der linken Wade“, so die offizielle Sprachregelung. Ich kann nicht sagen, wieso, aber nach dieser Meldung habe ich Barba schon mal für die halbe Rückrunde abgeschrieben, weil die Erstdiagnosen unserer Vereinsärzte zuletzt stets danebenlagen und sich die Verletzungsdauer stets als ungewöhnlich lang erwiesen hat. Sollte dies so eintreten, wäre das natürlich extrem ärgerlich, auch wenn man dann die Kaufpflicht nicht wahrnehmen müsste, weil diese an zehn Einsätze gekoppelt ist.

Großkreutz hat auf der Rechtsverteidigerposition Florian Klein ausgestochen und wird diese Rolle wohl bis auf weiteres ausfüllen. Nach Lukas Rupp hatte er erneut die zweitbeste Laufleistung und gute Zweikampfwerte zu verzeichnen. Macht er so weiter, fußballerisch und von seiner Einstellung zum Profisport her, werden wir noch sehr viel Freude an ihm haben.

Die ersten beiden Spiele der Rückrunde machen Lust auf mehr. Schon jetzt freue ich mich auf Frankfurt, das oft ein gutes Pflaster für uns war und DIE Gelegenheit ist, in der Tabelle weiter in Richtung obere Tabellenhälfte zu klettern. Nicht nur, dass wir die Frankfurter mit einem Sieg überflügeln könnten, auch die Gelegenheit Armin Veh eins auszuwischen sollte den Brustringträgern Flügel verleihen.

Aufgrund der Vorkommnisse beim Spiel gegen Darmstadt 98 werden wir auf einen leeren Frankfurter Fanblock treffen. Da der Block 40 der Eintracht-Fans gesperrt ist, werden sie sich wohl auf der Gegengerade niederlassen und somit noch näher an die VfB-Anhänger heranrücken. Ob da einer diese Kollektivstrafe zu Ende gedacht hat? Ich glaube es nicht.

Und dann war da gestern noch der sogenannte Deadline-Day. Immer wieder verwundert es einen, wie ein Pleiteverein wie der HSV bspw. Drmic von Mönchengladbach loseisen konnte und sich auch noch fast Sanogo von den Young Boys Bern geangelt hätte. Ähnlich wie bei der Posse um Kevin Großkreutz im Sommer, erreichten den HSV die Unterlagen einige Minuten zu spät, so dass der Wechsel platzte. Nichtsdestotrotz, Kühne scheint einmal mehr die Schatulle weit geöffnet zu haben.

Einen solchen Gönner hat der VfB nicht zu verzeichnen, so dass nach der Verpflichtung von Großkreutz und der Leihe von Kravets, allenfalls noch eine weitere Leihe möglich war. Dies wurde kurz vor Ultimo dann bekanntlich Barba, ich bin gespannt auf den Jungen und hoffe auf eine schnelle Integration, auf und neben dem Platz.

Doch, nicht nur Zugänge hatten wir zu verzeichnen, auch Abgänge und dabei zum Glück keinen unserer Leistungsträger. Die Vereinslegende Adam Hlousek, in dem Zorniger schon den nächsten Weltklasseinnenverteidiger gesehen hatte, verließ uns in Richtung Legia Warschau, obwohl er die Woche zuvor noch eine herzzerreißende Liebeserklärung in Richtung VfB und uns Fans abgegeben hat. Dass diese innige Liebe eher einseitig war, zeigte sich dann zum Glück in diesen Tagen. Damit fand Robin Dutt für einen weiteren Einkauf der Kategorie „What the fuck“ aus der Bobic-Ära einen Abnehmer, Chapeau!

Völlig überraschend wurde dann gestern noch kurz vor Schließung des Transferfensters die Bayer-Leihgabe Robbie Kruse an seinen Stammverein „zurückgegeben“. Kruse wurde im Sommer, wohl überstürzt, geholt als Reaktion auf den Ibisevic-Abgang. Ausgiebig gescoutet scheint er nicht geworden zu sein, es war wohl eher ein Transfer aus der Rubrik „nicht schnell genug auf dem Baum gewesen“. Einen Spieler, der in den letzten eineinhalb Jahren gerade einmal zu drei Kurzeinsätzen für Bayer kam und zudem in einem erbärmlichen körperlichen Zustand an den Neckar kam, hätte man sicherlich nicht genommen, wenn genügend Zeit gewesen wäre, dass er sich vorstellen und vorspielen hätte können.

Einen solchen Hänfling habe ich selten auf einem Fußballplatz gesehen. Von einem schwäbischen Bundesligisten, der seiner Fürsorgepflicht nachkommt, hätte ich es fast schon erwartet, dass man ihm jeden Tag eine Schüssel Spätzle mit Soß verabreicht und ihn so Stück für Stück aufpäppelt. Sei’s drum, unter dieses Missverständnis wurde nach fünf Kurzeinsätzen der Schlussstrich gezogen.

Dann war da noch am Deadline-Day der Wechsel unseres Ex-Kapitäns Serdar Tasci zu den Bayern. Durch die russisch-türkischen politischen Spannungen und der Ankündigung Putins, weder Vertragsverlängerungen mit türkischen Spielern zuzulassen noch weitere Türken ins Land zu lassen, erklärte sich Tasci, trotz seines deutschen Passes, schon Ende letzten Jahres solidarisch und kündigte seinen baldigen Abschied an.

Fast zwangsläufig brachte man ihn dann auch mit dem VfB in Verbindung, der ja händeringend auf der Suche nach einem Innenverteidiger ist bzw. war. Aussagen Tascis, wonach er sich eine Rückkehr zum VfB gut vorstellen könne, befeuerte die Gerüchteküche zusätzlich, so dass die ersten Nostalgiker bereits auf den Plan gerufen wurden und den VfB für verrückt erklärten, würde er sich nicht um den gebürtigen Esslinger bemühen.
Dass Tascis Liebe zum VfB schnell wieder erkalten würde, wenn ihm Dutt erklären müsste, dass er allenfalls noch die Hälfte seines früheren Gehalts für ihn bezahlen könnte, damit müssen sich die selbsternannten Fifa-Manager ja nicht auseinandersetzen.

Fakt ist, dass eine Rückkehr Tascis überhaupt nur möglich gewesen wäre, wenn er auf viel Geld verzichtet hätte, welcher Profi macht das schon. Schalke buhlte außerdem mit um Tascis Dienste, so dass königsblau um einiges wahrscheinlicher gewesen wäre, als eine Rückkehr zum VfB, ganz unabhängig davon, ob er sportlich überhaupt ein Gewinn geworden wäre.

Ich bin nicht traurig darüber, dass dieser Wechsel nie ernsthaft ein Thema war und habe daher auch keinen Schmerz, dass er schließlich bei den Bayern gelandet ist.

Im Gegenteil, unverhofft kommt selten oft. Ohne die Verletzungen Boatengs und kurzfristig noch von Martinez wäre Tasci auch bei den Bayern nie ein Thema gewesen.

Selbst in dieser Konstellation jetzt ist Tasci mehr Notnagel als einer mit der Chance auf einen Stammplatz im Münchner Starensemble. Vielleicht tue ich ihm ja unrecht, weil ich ihn seit seinem Abgang nicht mehr spielen gesehen habe. In Anbetracht seiner damaligen Schnelligkeitsdefizite und seines damaligen Leistungsstands müsste sich bei den Bayern schon auch Badstuber noch verletzen, was ja leider nicht einmal so abwegig ist. Den Posten neben dem einzigen etatmäßigen Innenverteidiger können immer „fachfremde“ Mannen wie Xabi Alonso, Alaba oder auch Kimmich bekleiden, so dass für Tasci meist nur die Bank bleiben dürfte.

Somit hat er für die verbleibenden 15 Bundesligaspiele, plus Pokal, plus Champions League, einen Vertrag als Standby-Profi unterschrieben, fürstlich dotiert und mit der Chance sich ein, zwei oder drei Titel auf seine nächsten Autogrammkarten schreiben zu dürfen. Besser konnte es für ihn kaum laufen, zumal Kumpel Ulle sicher dafür sorgen wird, dass sie auf der Bank nebeneinander sitzen dürfen. Dieses Standing traue selbst ich Ulle zu, es sich in den letzten Monaten erarbeitet zu haben. Ich gönne es Serdar, dass er zumindest raus aus Russland ist, wo er sich zuletzt weder wohl noch sicher gefühlt hatte und hege überhaupt keinen Groll, dass er „ausgerechnet“ zu den Bayern gewechselt ist.

Anders als einige Trolls im Netz, die ihn schon jetzt als geldgeilen Söldner beschimpfen, weil er nicht zum geliebten VfB zurückgekommen ist und auch weil der VfB in dieser Personalie nicht in Konkurrenz zu den Bayern getreten ist.

Dieselben Trolle sind es dann wohl auch, die Cacaus Rückkehr zum VfB II bejubeln und ihn schon wieder auf dem Sprungbrett zu den Profis wähnen.
Cacaus Zeit in der Bundesliga ist jedoch schon lang abgelaufen. Mich wundert es immer wieder, wie schnell der Fan vergisst.
Schon vergessen, wie seine Leistungen förmlich explodiert sind, als der VfB drauf und dran war, ihm keinen Vertrag mehr zu geben? Wie er um Wertschätzung flehte, um einen hoch dotierten, weil letzter großer, Vertrag kämpfte?

Wie er seit seiner Vertragsunterschrift mehr und mehr abbaute und zum Schluss fast nur noch verletzt war? Er stieg zu einem der Top-Verdiener im Verein auf und brachte so gut wie keine Gegenleistung mehr?

Selbst als dieser Vertrag endlich ausgelaufen war, heulten noch viele herum, weil man ihn nicht noch einmal verlängerte.

Wie für Tasci, so gilt auch für Cacau: man küsst das Wappen „seines“ Vereins, solang dieser ordentlich, wenn nicht überbezahlt. Sobald man aber dem Leistungsabfall und Alter entsprechend das Gehalt gravierend nach unten anpassen möchte, ist es vorbei mit der großen Liebe.

Deshalb zog Cacau gen Japan, wurde dort allerdings nicht glücklich. Seither hält er sich mehr oder weniger regelmäßig bei unseren Amateuren fit und unterschrieb folgerichtig jetzt einen Vertrag bei den Amas. Das aber sicherlich auch nicht nur, weil er den VfB außerordentlich liebt, sondern weil er keine in Frage kommende Alternative gefunden hatte.

Einige sollten sich von der Romantik im Profifußball wirklich mal verabschieden.

Nicht dass man mich falsch versteht. Ich bin selbst Cacau-Fan und kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Es ist ja nicht so, dass er nach der Vertragsverlängerung mit Absicht schlecht gespielt hätte oder für seine Verletzungen etwas konnte. Selbst die Wertschätzungs-Debatte damals konnte ich nachvollziehen, wenn Cacau als Teil der Meistermannschaft von 2007 gerade mal ein Drittel oder die Hälfte dessen überwiesen bekam, was man Marica und Pogrebnjak in den Rachen schmiss.

Aber, die Zeit lässt sich halt nicht zurückdrehen. Ich finde es schön, dass er jetzt für die Amas aufläuft, vielleicht verhilft er ihnen zu einem Schub, vielleicht auch zu endlich besseren Zuschauerzahlen. Nur, Cacau jetzt dafür zu preisen, dass er wieder nach Hause gekommen ist und Tasci ist der Söldner, weil er zu den Bayern wechselte, darüber kann ich schmunzeln und würde mit einem Augenzwinkern glatt behaupten, hätte Cacau ein Angebot der Bayern vorliegen gehabt, würde er heute seinen Spind an der Säbener Straße einräumen.

Und dann ist da dieser Tage auch noch Fredi Bobic, der für Sky den Deadline-Day kommentierte. Dabei trat er abermals gegen den VfB nach. Zorniger ist weg, also, neue Zielscheibe, Kramny. Die Stuttgarter Nachrichten zitieren den Einzelhandelskaufmann aus dem Hallschlag wie folgt“ „Ich halte ihn für einen guten Trainer, aber ich habe ihn jetzt in der Bundesliga nicht für den Trainer gehalten.“ Was seine Persönlichkeit und die Weiterentwicklung des Fußballs angehe, müsse Kramny noch ein bisschen mehr bringen. „Das wird die Frage sein – wird er diesen nächsten Schritt machen können?“

Da können wir doch nur hoffen, dass sich Kramny in Bobic‘ Fehleinschätzungen der letzten Jahre einreiht und als Bundesligatrainer durchstartet. Bobic lässt keine Gelegenheit aus, seinen früheren Arbeitgeber zu diskreditieren. Ich hoffe, man verfolgt in der Branche seinen zur Schau getragenen schlechten Charakter mit Stinkstiefelmentalität ganz genau und hält weiter sämtliche Türen für ihn geschlossen.

Eine Legende demontiert sich mehr und mehr selbst. Leuchteten vor Jahren noch meine Augen, als ich Bobic hörte und an das magische Dreieck dachte, ist mittlerweile nur noch Verachtung übrig geblieben für die beleidigte Leber-, ähm, Bratwurst.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.6/10 (9 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +4 (from 6 votes)