22. Mai 2018

Es hat nicht sollen sein!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 09:19

Völlig unerwartet haben die Bayern am Samstag nach dem Triple auch das Double verpasst und stehen nun als Dubbl da.

Die Bayern waren, wie schon gegen uns, ein Schatten ihrer selbst. Man merkt, dass sie in die Jahre gekommen sind und vor allem die Krücken in der Abwehr schnell vorgetragenen Konterangriffen nach einer langen Saison nicht mehr gewachsen sind. Wenn dann auch noch vorne ein inzwischen 35-jähriger Franck Ribéry weniger durch Tempodribblings denn durch bemitleidenswertes Hängenbleiben und sich fallen lassen auffällt und sich ein Lewandowski wohl endgültig bei einem Verein wähnt, der an der Championsleague nicht nur teilnehmen darf, sondern sie auch gewinnen kann, kommt es vor, dass die Bajuwaren nicht einmal mehr ihrem großen Trainer Jupp Heynckes einen würdigen Abschied zu bescheren imstande sind.

Wäre diese bittere Niederlage für die Bayern nicht schon bitter genug gewesen, verspielten sie nach dem Schlusspfiff weiteren Kredit, indem sie entgegen der Gepflogenheiten nicht bis zum Spalier geblieben sind, sondern beleidigt in den Katakomben verschwanden.

Für den Gipfel der Peinlichkeiten sorgte dann der selbsternannte beste Stürmer Deutschlands, indem er seine Silbermedaille respektlos ins Publikum warf. Da dieses Wurfgeschoss durchaus jemanden hätte schwer verletzen können, hoffe ich, dass der Sittenwächter unter den Fußballverbänden, der DFB, Ermittlungen aufgenommen hat und endlich auch Stadionverbote gegen die Rüpel auf dem Platz verhängt. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB dürfte ohnehin allerhand zu tun haben und gegen sich selbst ermitteln, verhinderte er doch als Veranstalter das Einschmuggeln von Pyrotechnik beider Fanszenen ins Stadion nicht.

Jogi Löw darf sich bestätigt fühlen, den Flegel Sandro Wagner noch rechtzeitig vor der WM ausgebootet zu haben. Wagner war für mich ohnehin schon immer überschätzt und durfte sich glücklich schätzen, als Lückenbüßer beim Confed-Cup an der großen weiten Fußballwelt einmal schnuppern zu dürfen. Bei einem WM-Turnier aber, an dem sechs, sieben Wochen lang bestmögliche Harmonie innerhalb des Trosses herrschen sollte, kann man Stinkstiefel, die sich selbst über das Team stellen schlicht nicht gebrauchen.

Bayern-Niederlagen an sich sind ja schön, liefern sie doch Bilder der Bosse Rummenigge und Hoeneß zum Genießen, die man so schnell nicht vergisst.

Für mich als Fan, der den VfB gerne nächste Saison in der Europaleague-Qualifikation gesehen hätte, war es ohnehin befremdlich, den Bayern die Daumen drücken zu müssen. Fast grotesk war es dann, dass die Bayern in der letzten Minute der Nachspielzeit trotz Hinzuziehens des Video-Assistenten einen glasklaren Elfmeter nicht zugesprochen bekamen und somit das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine EL-Teilnahme zerplatzt war. Dass in gefühlt tausend Jahren bei einem Spiel ohne VfB-Beteiligung EINMAL der FC Bayern benachteiligt wird und der VfB der Dumme ist, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Unabhängig davon, dass die Europaleague in der kommenden Saison ohne den VfB stattfinden wird, gönne ich der Frankfurter Eintracht den Pokalsieg von Herzen. Genau 30 Jahre nach dem letzten Triumph wieder ein Titel, der in die Mainmetropole geht, herzlichen Glückwunsch. Wenn man die Bilder der Triumphfahrt vom Flughafen zum Römer gesehen hat, wie eine ganze Stadt den Helden von Berlin huldigte, konnte man sich eigentlich nur mitfreuen.

Da der VfB die EL-Teilnahme nicht mehr in der eigenen Hand hatte und auf „fremde“ Ergebnisse angewiesen war, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Bitter ist es eben, dass die Bayern wohl in zehn Versuchen gerade eines solcher Endspiele gegen einen absoluten Underdog vergeigen und das ausgerechnet dann, wenn der VfB durch einen Bayern-Sieg in den Europapokal einziehen würde.

Hätten wir uns qualifiziert, hätte es mich sehr gefreut. Vor allem den VfB auswärts, ob auf den Balkan, in den Ostblock oder nach Skandinavien zu begleiten und zu repräsentieren, danach lechzt vor allem der Allesfahrer nach fünf Jahren europäischer Abwesenheit geradezu.

Das demütige Gerede vieler, Europa käme zu früh, wir müssten schauen, wo wir herkommen und davon, dass wir als EL-Teilnehmer erster Abstiegskandidat seien, ist für mich großer Quatsch. Da hat wohl die jahrelang von oben herab gepredigte Demut, das sich retten von einem Übergangsjahr zum nächsten auf weite Teile der Fans abgefärbt.

Für mich zerbrechen sich da zu viele den Kopf der Vereinsführung. Diese hätte einen Kader auf die Beine stellen müssen, der der Doppelbelastung sowohl physisch als auch mental gewachsen gewesen hätte sein müssen, während der Fan sich doch einfach mal über die Abwechslung und das Privileg Deutschland international vertreten zu dürfen, hätte freuen können.

Pragmatisch wie ich bin sehe ich natürlich auch Positives an der Nichtteilnahme. Die Heimspiele vor 15.000 Zuschauern hätten mich weniger erfreut, ebenso wie die vielen Sonntag- oder gar Montagspiele, die eine Teilnahme zur Folge gehabt hätte. Auch dass Leipzig diese Ochsentour ab Ende Juli jetzt bestreiten „darf“ und mit ihren handgezählten „Fans“ auf Fanszenen, die nicht „ohne“ sein dürften, treffen wird, das gönne ich ihnen. Denke, die sind weitaus weniger begeistert, als wir es gewesen wären.

Die Saison 2017/2018 ist nun Geschichte, nachdem sich gestern auch der VfL Wolfsburg den Verbleib in der Liga gesichert hat. Wann werden diese unsäglichen Relegationsspiele endlich wieder abgeschafft? Es ist ein ungleicher Kampf, in dem sich fast immer der Bundesligist durchsetzt und für seine grottenschlechten Darbietungen letztlich noch belohnt wird, während der unterlegene Zweitligist danach fast immer mit einem großen personellen Aderlass zu leben hat und nicht selten in der Folgesaison gegen den Abstieg kämpft oder gar absteigt, siehe Eintracht Braunschweig.

Für den VfB endete die Saison auf einem für einen Aufsteiger hervorragenden siebten Platz, wenngleich nach dem letzten Aufstieg sogar Platz vier heraussprang. In den allgemeinen Tenor „danke für eine geile Saison“ möchte ich jedoch nicht einstimmen, weil in der schwächsten Bundesliga aller Zeiten noch bedeutend mehr drin gewesen wäre. Ohne Zweifel, die Rückrunde war richtig geil, sensationell sogar, doch, um die Saison komplett zu bewerten gehören aber nun mal zwei Halbserien.

Die Vorrunde hat mir nämlich eher wenig Spaß bereitet. Ein einziger Auswärtspunkt und destruktiver Fußball über fast das gesamte Halbjahr bleiben hängen. Im Nachhinein betrachtet erfolgte der Trainerwechsel zu spät und wurde nur so lang hinausgezögert, weil der Heimnimbus oder auch der ordentliche Auftritt zu Hause gegen die Bayern Hannes Wolf ein ums andere Mal retteten.

Schade, dass Wolf offensichtlich zu großen Respekt vor dieser Liga hatte und nicht mutiger spielen ließ. So begann man meist erst mit Offensivfußball, als das Kind bereits im Brunnen lag, sprich, man einem Rückstand hinterherlaufen musste. Das Positivste an der Vorrunde war noch, dass man der einen oder anderen Negativserie ein Ende setzte, ob Wolfsburg, Augsburg oder Köln, seit dieser Saison sind diese keine Angstgegner mehr.

Die Rückrunde allerdings hat dann gerockt, vor allem das Ende, so dass ich es jetzt schon kaum erwarten kann, bis es Ende August endlich wieder weitergeht. Die Auftritte, der Zusammenhalt des Teams und auch die individuelle Klasse einiger lassen mich hoffnungsfroh auf die neue Saison blicken. Noch immer hoffe ich, dass Holger Badstuber bleibt und für Pavard nicht ein unmoralisches Angebot ins Haus flattert, bei dem der VfB nicht anders kann, als dieses anzunehmen und den Franzosen ziehen zu lassen. Hier ist die Fußball-AG gefragt, ihren hehren Versprechungen vor der Ausgliederung Taten folgen zu lassen und die derzeit funktionierende Mannschaft zusammenzuhalten. Dann und ergänzt durch „interessante Neuzugänge“ stünde ein vielversprechendes Gerüst, so dass wir uns vor den wenigsten Bundesligisten verstecken müssten.

Von der vergangenen Saison in Erinnerung bleiben, dürfte am nachhaltigsten die Einführung des Videoassistenten. Der VfB hat von ihm profitiert, wie kaum ein anderes Team. Vor allem nach dem Heimspiel gegen Köln stellte ich mir die Frage, ob es denn gerechter gewesen wäre, durch einen unberechtigten Elfmeter kurz vor Schluss zu verlieren, anstatt dieses gefühlt ewige Warten auf eine endgültige Entscheidung in Kauf zu nehmen. Die Geschichte ist bekannt, der Elfer für Köln wurde zurückgenommen und im Gegenzug gelingt Akolo durch ein Kullertor der Siegtreffer für den VfB.

Ich war schon immer ein Verfechter des Videobeweises, gerade wegen solcher Szenen und weil im Fußball einzelne Tore über Millionen entscheiden können. Auf der anderen Seite ist der Videobeweis, wie er in der Premierensaison praktiziert wurde, eine einzige Farce.

Die Entscheidungen dauern zu lang und es ist oft nicht einheitlich, wann sich der Mann am Ohr denn zu melden hat. Emotionen gehen verloren, weil man kaum mehr unvermittelt jubeln kann, sondern erst noch abwarten muss, ob der Referee ein Signal bekommt. Das Problem am Videoassistenten ist, dass dieser eben auch nur ein Schiedsrichter ist, der schon auf dem Platz nicht den richtigen Durchblick hat. Wird dann auch noch ein und dieselbe Szene von drei Schiedsrichtern dreimal verschieden bewertet, kann die beste technische Neuerung nicht funktionieren. Bestes Beispiel das Pokalendspiel, der eine gibt den Elfer, der andere nicht, also sind wir genauso weit wie ohne Videobeweis, so dass man diesen in dieser Form schleunigst wieder abschaffen sollte.

Schauen wir, wie sich der Videoassistent bei der WM, wo in der Regel bessere Schiedsrichter eingesetzt sind, bewähren wird. Meine Vorfreude auf die WM in Russland hält sich noch in Grenzen. Immer neue Vorwürfe über Staatsdoping, Einschränkung der Pressefreiheit und eine FIFA, die das alles nicht anzugehen scheint, weil es schließlich völlig egal ist, wie schmutzig das Geld ist, das man „verdient“.

Dazu eine deutsche Mannschaft, in der, nicht nur die Bayern, die Protagonisten auf dem Zahnfleisch daher kommen. Ich hoffe, Jogi Löw bringt die Truppe, wie es ihm bislang immer gelungen ist, auch dieses Mal rechtzeitig wieder auf Vordermann.

Zudem ist es mir sauer aufgestoßen, dass der DFB die Herren Özil und Gündogan nach deren Treffen mit „ihrem Präsidenten“ nicht suspendiert hat. Ich bin ohnehin noch vom alten Schlag und spreche von der Nationalmannschaft und nicht von „Die Mannschaft“, so erwarte ich, dass Spieler, die den Adler auf der Brust tragen, sich mit den Gepflogenheiten und Werten unseres Landes identifizieren und sich mindestens genauso deutsch wie türkisch fühlen, die Entscheidung für Deutschland also nicht nur wegen der größeren Erfolgsaussichten getroffen wurde.

Dass diese sich vor den Wahlkampfkarren von Erdogan spannen lassen, einem Despoten, der keine Gelegenheit auslässt über Deutschland zu wettern und unser Land mit dem Nasenring durch die Manege zieht, dafür fehlen mir die Worte. Dass sich die beiden, immerhin erwachsenen, Männer der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst waren, kann mir keiner erzählen.

Das nationale Interesse des Traums von der Titelverteidigung muss derart groß sein, dass sich selbst unser Bundespräsident instrumentalisieren lässt, schön Wetter zu machen und diese beiden Integrationsaushängeschilder medienwirksam ins Schloss Bellevue einlädt. Wie lang dauert es eigentlich beim Otto-Normalverbraucher, einen Termin beim Staatsoberhaupt zu bekommen?

Ich für meinen Teil möchte diese beiden nicht mehr im Nationalelftrikot sehen und hoffe, dass die deutschen Fans sie gnadenlos auspfeifen werden. Es widerstrebt zwar meinem Naturell, eigene Spieler während des Spiels auszupfeifen, doch hier sehe ich keine andere Möglichkeit, dem DFB und den beiden Spielern klarzumachen, dass der mögliche sportliche Erfolg nicht über allem steht.

Löw hat, man denke nur an Kuranyi und Kruse, Spieler wegen vergleichsweiser Lappalien aus dem Dunstkreis der Nationalmannschaft verbannt. Hier und jetzt, wenn ein Exempel statuiert werden müsste, kneift der gute Jogi, handelt es sich doch um vermeintliche Schlüsselspieler. Fußball ist halt doch nur ein verlogenes Geschäft.

Ich wünsche Euch eine schöne Sommerpause und mir einen nicht allzu heißen Sommer. Macht’s gut, man sieht und liest sich!

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16. Mai 2018

Phänomenal – Europapokal!

Noch ist es nicht ganz so weit, erst müssen die Bayern nächsten Samstag den DFB-Pokal gewinnen, doch, dass sich die Bayern binnen Wochenfrist ein zweites Mal in die Suppe spucken lassen, das kann ich mir beim besten Unwillen nicht vorstellen. Der Meister wird alles daran setzen, seinen großen Trainer Jupp Heynckes mit dem Double in den Ruhestand zu verabschieden, so dass wir, da bin ich mir sicher, nach dem Finale die Korken knallen lassen können.

Hatte ich vor vier Wochen noch harsch die Einstellung, die zurückgekehrte Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit moniert, darf ich mich nach vier Siegen zum Saisonabschluss sehr gerne revidieren. DAS hätte ich der Truppe und Tayfun Korkut wahrlich nicht zugetraut. Ein jeder, der es mit dem VfB hält, war sich sicher, dass wir bis drei Spieltage vor Schluss die 40 Punkte für den Klassenerhalt auf der Habenseite haben müssen, weil in Leverkusen, gegen Hoffenheim und in München wenig bis nichts zu ernten sein würde.

Doch dann gewinnt man geschwind mal gegen Bayer und Hoffenheim bei circa 4 zu 50 Torschüssen und legt eine fast unheimlich erscheinende Effizienz an den Tag. Diese Siege gegen zwei Championsleague-Anwärter allein waren schon sensationell.

Vor allem der erste Sieg in Leverkusen seit 2002, wenngleich er glücklich war, kam für mich richtig unerwartet, so dass ich seither in Sachen VfB auf Wolke sieben schwebe. Ein Spiegelbild der Rückrunde war dann der nicht minder unerwartete Auftritt gegen Hoffenheim. Wieder war es ein Spiel, das man eigentlich nicht gewinnen kann.

Hoffenheim schoss vier Mal so oft aufs Tor wie der VfB und zeigte die deutlich reifere Spielanlage. Der VfB aber setzte erneut eine kämpferisch überragende Vorstellung dagegen und warf sich mit allem, was er hatte, in die Hoffenheimer Schüsse. Selbst als man die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestritt, gab man nicht klein bei. Im Gegenteil, Mario Gomez nutzte unsere einzige Torchance im zweiten Durchgang zum vorentscheidenden 2:0 und zog den Hoffenheimern dadurch endgültig den Zahn.

Tayfun Korkut, der Gustav Gans der Bundesliga, hat das Glück, das man braucht, auf den Wasen zurückgebracht. Seine Bilanz jedoch darauf zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Er hat an den richtigen Stellschrauben angesetzt, überfordert die Spieler nicht und lässt sie das spielen, was sie können.

Bestes Beispiel, der Kapitän Christian Gentner, der jahrelang eher Hemmschuh in der Schaltzentrale war, denn der handlungsschnelle, zweikampfstarke Stratege, den es in der Mittelzentrale braucht.

11Freunde hat Gentes Rolle treffend analysiert, in dem die Onlineausgabe des Sportmagazins feststellte „Vor allem kann Korkut nicht hoch genug angerechnet werden, dass er Christian Gentner nicht wie seine Vorgänger im zentralen Mittelfeld aufstellt, sondern auf dem rechten Flügel. Hier kommen Gentners Kampfgeist und seine Dynamik zum Tragen, seine fehlenden Spielgestalter-Fähigkeiten fallen wiederum nicht so stark ins Gewicht. So hat Korkut Leistungen aus Gentner herausgekitzelt, die man vor der Rückrunde kaum für möglich gehalten hat.“

Einige weitere Spieler, wie zum Beispiel Dennis Aogo oder auch Daniel Ginczek machten unter Korkut zuletzt einen Leistungssprung, so dass der positive Trend mehr auf akribische Analysen der Spiele und der Fähigkeiten der Spieler zurückzuführen ist, als auf pures Glück. Dieses kam dazu und man hat es sich wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet.

Bis zum auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, wurde Korkut zum Vorwurf gemacht, immer an denselben Aufstellungen festzuhalten und deshalb zu leicht ausrechenbar zu sein. Die Ergebnisse gaben ihm Recht, das Zauberwort hieß „Stabilität“. Für den Klassenerhalt schien jedes Mittel recht, Vertrauen zu den Alternativen auf Bank und Tribüne schien nicht vorhanden zu sein.

In Zeiten des sportlichen Aufschwungs fehlen den Kritikern über die Art und Weise natürlich die Argumente, trotzdem war mir Wolfs Devise, keiner dürfe sich zu keinem Zeitpunkt ausruhen und müsse sich in jedem Training neu anbieten und zeigen, sympathischer. Doch, Sympathie gewinnt keine Spiele, letztlich zählen die Ergebnisse, und diese sprechen eine deutliche Sprache – für Korkut, gegen Wolf.

Letztlich kommt es im Fußball eben doch auf die Leistungen auf dem Platz und nicht im Training an, solang die Reservisten bei Laune bleiben und nicht resignieren. Korkuts Herangehensweise mit dem Setzen auf Stabilität und Eingespieltheit fruchtete besser als die von Wolf, der seine Trainingsweltmeister mit Einsätzen belohnte, die Mannschaft dadurch aber zu oft durcheinander wirbelte.

Nach den Heim-Unentschieden gegen den HSV und Hannover 96 sowie der deutlichen und einzigen Niederlage unter Korkut in Dortmund, brodelte es dann aber doch im Umfeld. Auch fast alle Blogger, mich eingeschlossen, monierten, dass Spieler wie Anastasios Donis auf der Bank versauerten, während immer die gleichen Akteure, vor allem im Offensivbereich, ihren Stiefel herunterspielen durften.

Just im Spiel darauf gegen Werder Bremen sprang Tayfun Korkut über seinen Schatten und verhalf Donis erstmals seit seinem Debüt in Wolfsburg wieder zu einem Einsatz. Donis kam von der Bank und sorgte mit dafür, dass man nicht erneut, wie noch gegen Hannover 96 vor Wochenfrist, um den Ausgleich bettelte, sondern weiter nach vorne Akzente setzte. Die Folge, Joker Donis legte in der Nachspielzeit mustergültig für Joker Özcan auf, und sicherte damit nicht nur den Heimsieg sondern auch den vorzeitigen Klassenerhalt.

Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, der eine oder andere VfBler, ob Trainer oder Spieler, verfolge die Stimme(n) der Fans im Netz und ziehe an der einen oder anderen Stelle auch seine Rückschlüsse. Dies wäre aus meiner Sicht nicht einmal verwerflich und als Schwäche auszulegen, sondern zeugt von Interesse und dem Blick über den eigenen Tellerrand. Sven Ulreich war so ein Kandidat, der schaute immer verstohlen weg, wenn er mich sah, gehörte ich bekanntermaßen nicht zu seinen allergrößten Fans.

Eines meiner Credos über die Bundesliga der Gegenwart lautet, spielt man nicht gegen den Abstieg, spielt man um Europa. Dies bewahrheitete sich in dieser Saison einmal mehr. Kaum war der Klassenerhalt unter Dach und Fach, gewinnt sensationell in Leverkusen und schon war sie da, die Diskussion darüber, ob der VfB reif für Europa sei oder eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb nicht zu früh käme. Ich kann mit dieser Diskussion und einer Denke, es wäre besser gewesen, die letzten Spiele in den Sand zu setzen, überhaupt nichts anfangen. Schon der zahlenden Kundschaft, ähm Anhängerschaft, gegenüber wäre es eine Frechheit, nicht das Letzte aus sich herauszuholen. Zudem stehen auf dem Platz Leistungssportler, die aus der Natur der Sache heraus lieber gewinnen als verlieren (sollten).

Somit verbietet sich die Frage, ob Europa zu früh kommt, von selbst. Der VfB war, und ist es immer noch, nicht nur von den eigenen sondern auch den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig und wenn am Ende dann ein Platz steht, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt, kommt diese nicht zu früh sondern zurecht.

Fünf Jahre nach der sensationellen Tour nach Rijeka im 9er-Busle lechze ich förmlich nach weiteren internationalen Erlebnissen und neuen Grounds, was eine schöne Abwechslung zum mitunter tristen und sich ständig wiederholendem Einheitsbrei Bundesliga ist. Unter den Allesfahrern sind wir uns einig, da habe ich bislang keinen einzigen getroffen, der nicht auf Europa gehofft hätte, wenngleich eine Qualifikation selbstredend keiner erwartet hat.

Die Mannschaft, wenn sie denn einigermaßen zusammengehalten werden kann, dürfte den Ansprüchen der Europa League sicher genügen. Beim Umfeld hingegen habe ich so meine Zweifel. Dieses muss seine internationale Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Für mich gibt der VfB ein erbärmliches Bild ab, wenn bei Spielen gegen weniger klangvolle Namen die Untertürkheimer Kurve komplett gesperrt ist und sich im Rest des weiten Runds kaum mehr als 10.000 Zuschauer verlieren. Jeder hat seine Gründe, dass er mal nicht kann. Sei es die weite Anfahrt unter der Woche, seien die zwei oder eine der beiden Anstoßzeiten beruflich nicht machbar, doch, seien wir mal ehrlich, käme der FC Barcelona anstatt der aserbaidschanische Meister zur selben Zeit, das Stadion wäre voll! Da wäre es wirklich wünschenswert, dass diese „Fans“ künftig wegen dem VfB und nicht wegen des Gegners ins Neckarstadion kämen und somit auch unattraktivere Spiele zu Fußballfesten machen.

Der VfB ist mit dem Dauerkartenverkauf für mich zu früh hervor geprescht und hat leider nicht das so rühmliche Saisonende abgewartet. Dann nämlich hätte man die Europaleague-Spiele, etwa bis zum Ende der Gruppenphase, gegen Aufpreis in die Dauerkarten integrieren und ähnlich des „Follow-my-team-Systems“ bei Welt- und Europameisterschaften bei nicht erfolgter Qualifikation Beträge zurückerstatten können. Im schlimmsten Fall hätte man einen Verwaltungsaufwand, der sich im EDV-Zeitalter jedoch in Grenzen hielte, im besten bei jedem Spiel, zumindest auf dem Papier, mindestens 30.000 Zuschauer.

Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim war der Europacupzug dennoch für mich abgefahren, weil die Konkurrenz am 33. Spieltag nicht mitspielte. Am letzten Spieltag musste nicht „nur“ Frankfurt auf Schalke verlieren, sondern auch der VfB in München gewinnen, um wider Erwarten doch noch in die Europaleague einzuziehen. Dass dieses Unterfangen schier unmöglich sein würde, untermauert die Statistik, hat der VfB in 49 Bundesliga-Begegnungen bei den Bayern doch gerade einmal fünf Siege eingefahren.

Ich kenne viele, selbst unter Allesfahrern, die sich das Spiel in München nicht mehr antun. Diese Auswärtstour erfordert ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Nehmerqualität.

Entlang der A8 zwischen Stuttgart und München befindet sich wohl kein Rast- oder Parkplatz, auf dem es rund um den einstigen Südgipfel nicht schon ordentlich gescheppert hätte. Die Bayern-Karawane beginnt ja nicht erst weit hinter Ulm, selbst aus hiesigen Regionen rücken Fanbusse an, so dass Begegnungen schon zwangsläufig stattfinden. Man muss sich ein dickes Fell angeeignet haben, um die Provokationen und das Miasanmia-Gehabe versuchen zu ignorieren, erstrecht, wenn die vermeintlichen Bayern auch noch schwäbisch schwätzen.

Im Stadion geht es dann weiter mit den Scharmützeln, man wird als „Gast“ ins oberste Stockwerk verfrachtet und bekommt Lightbier vorgesetzt. Vergnügungssteuerpflichtig sind Besuche im Schlauchboot also eher nicht und, wie wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, setzt es meistens auch noch eine Packung. Daher habe ich vollstes Verständnis für jene, die zuhause geblieben sind oder sich lieber die Amas in Hoffenheim angesehen haben.

Auch ich war lange mit mir am Ringen, ob ich mir dieses Spiel und die Meisterfeier der Bazis wirklich noch antun soll. Erfahrungsgemäß lassen sich die Bayern die Party ja nicht vermiesen und haben uns schon bei ähnlicher Konstellation, selbst mit B- und C-Mannschaften, keine Chance gelassen.

Als der Worst Case, in München abzusteigen, nicht mehr eintreten konnte, ließ ich mich überreden, wenigstens mitzufahren und eine nette Saisonabschlussfahrt zu veranstalten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal, ob ins Stadion rein gehen oder nur auf dem Busparkplatz oldschool Radio hören würde, die Fahrt mit Freunden stand eindeutig im Vordergrund.

Nach der Serie zuletzt wandelte sich dann aber die Stimmungslage und Erwartungshaltung. Schließlich reisten wir als zweitbeste Rückrundenmannschaft und somit mit breiter Brust an.

Hatten wir unmittelbar nach dem Amtsantritt von Korkut in einigen Spielen augenscheinlich jenes Glück, das Hannes Wolf fehlte, konnte es nach dieser Vielzahl von Spielen kaum mehr Zufall sein, dass so gut wie keiner in der Lage war, den Korkut-Code zu knacken. Wäre uns durch die Sperren von Ascacibar und Aogo nicht die zuletzt so stabile und gut auf sich abgestimmte Doppel-Sechs komplett abhanden gegangen, hätte ich uns gar gute Chancen gegeben, auch aus München etwas mitnehmen zu können.

Zu allem Überfluss fiel dann kurzfristig auch noch Mario Gomez aus, der am Vorabend des Spiels Vater geworden war. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Weil Korkut bislang seine Formationen so wenig wechselte bzw. auch wechseln musste und daher viele Spieler ohne Spielpraxis dabei waren, hätte ich direkt vor dem Spiel keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet.

Daher hielten wir uns noch Ewigkeiten am Bus auf und waren nicht erpicht darauf, schnell in die Arena zu gelangen. So kam es, dass ich als Stadionfotograf den Einlauf der Teams und das Intro in den Fankurven zunächst verpasste. Dennoch kam ich gerade noch rechtzeitig, um den Treffer zum 0:1 durch Daniel Ginczek sehen und bejubeln zu können. Da ich vor hatte, sollte das Spiel seinen befürchteten Verlauf nehmen, das Stadion genauso schnell wieder zu verlassen, wie ich es betreten hatte, ersparte ich mir den beschwerlichen Gang in den Oberrang und verweilte die komplette Spieldauer hinweg hinter den Rollstuhlfahrerplätzen auf der Gegengerade.

Nachdem die Bayern relativ früh, wenn auch glücklich, zum Ausgleich kamen, schien das Spiel in die erwartete Richtung zu gehen. Kurz am Sieg schnuppern und dann den A… versohlt bekommen, das kenne ich von unzähligen Begegnungen in München zur Genüge. Die Bayern hatten in der Folgezeit einige gute Chancen, die sie aufgrund eigenen Unvermögens oder wegen eines hervorragend aufgelegten Ron-Robert Zieler nicht nutzten. Normalerweise rächt sich das ja im Fußball, jedoch nicht unbedingt beim in der Liga dominanten FC Bayern.

Zieler ist auch so ein Garant unserer starken Defensivleistungen im Verlaufe dieser Saison. Zwölf Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Seit Jens Lehmann haben wir endlich wieder einen Keeper im Kasten, der uns auch Siege festhält. Mittlerweile sollte es niemanden mehr geben, der noch Mitch Langerak hinterher trauert. Dieser spielt mittlerweile in Japan beim hierzulande völlig unbekannten Club Nagoya Grampus, nachdem er in der Vorrunde in Levante keinen einzigen Liga-Einsatz hatte!

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer stabilen Defensive ist Holger Badstuber. An dessen Seite reiften Pavard zu einem fast schon Weltklasse-Mann und Timo Baumgartl mindestens zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Verteidiger. Ich hoffe sehr, dass man sich mit ihm auf eine Ausweitung seines Engagements verständigt. Eine eventuelle Europaleague-Teilnahme könnte die Chancen dafür erhöhen.

Badstuber war, wie auch Daniel Ginczek, nahezu die gesamte Rückrunde über fit, was die Frage aufwirft, ob Korkut so viel dosierter trainieren lässt als Hannes Wolf oder ob Korkut auch diesbezüglich einfach nur Glück hatte. Normal ist das alles nämlich nicht!

Auch wenn unsere starke und zusammengewachsene Defensivabteilung einmal mehr relativ wenige Hochkaräter zugelassen hat, drückte ein anderer Akteur dem Spiel seinen Stempel auf: Anastasios Donis! Was der Grieche in München ablieferte, dafür gehen mir die Superlative aus. Mit welchem Antritt er die beiden ersten VfB-Tore initiierte, wie er erst Rafinha, dann Süle stehen ließ, Weltklasse. Donis schoss ein Tor selbst und bereitete zwei weitere vor, besser geht es kaum. Ginczek, Donis, Akolo, Ginczek hießen am Ende die Torschützen eines denkwürdigen Spiels. Donis ist mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, Korkut muss sich für die nächste Saison etwas einfallen lassen, ihn in die Stammelf einzubauen.

Korkuts Bilanz liest sich herausragend. Ich war auch nicht begeistert, als er als neuer Chefcoach vorgestellt wurde, jedoch nicht, dass ich etwas gegen ihn persönlich gehabt hätte, es war viel mehr die Enttäuschung darüber, dass Super-Spürnase Reschke mit einer derart unkreativen Lösung aufwartete und ich Korkut eher als Leisetreter eingeschätzt und es ihm nicht zugetraut habe, den damaligen Sauhaufen von Mannschaft auf Kurs zu bekommen.

Das ist das Schöne am Fußball, es geht um Momentaufnahmen und den jetzigen Moment dürfen wir genießen, ohne zur Abbitte verpflichtet zu sein, wie es Reschke schon früh in der Rückserie einforderte. Korkut hat den richtigen Ton beim Team getroffen und es geschafft, die Mannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Durch die ersten ordentlichen Ergebnisse konnte er in Ruhe arbeiten und das Team weiter bringen. Für ihn war es im Nachhinein sicher auch kein Nachteil, mit welchen Vorbehalten er hier bei seinem Amtsantritt konfrontiert war, dazu fällt mir der gute alte Sponti-Spruch „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ ein!

Durch die anfänglichen Erfolge wuchs das Selbstbewusstsein, der Zusammenhalt und beraubte die unzufriedenen Ergänzungsspieler ihrer Argumente. Hinzu kam, dass die Winterneuzugänge zu Volltreffern wurden. Wer hätte es schon Thommy, den ich nicht einmal kannte, zugetraut, unser Offensivspiel derart zu beleben, wer Mario Gomez dass er tatsächlich den so dringend benötigten Qualitätsschub im Vergleich zu Simon Terodde bringen würde. Exemplarisch dafür das zweite Tor gegen Hoffenheim, das eben nur ein Klassespieler so macht, vor allem dann, wenn es sich wirklich um die einzige sich bietende Torchance handelt. Diese Tore hat Terodde in der Vorrunde nicht gemacht, so dass dieser Tausch letztlich goldrichtig war.

Dass die Geschichten des Spiels in München vor allem Spieler schrieben, die auf der Miste von Schindelmeiser und Wolf gewachsen sind, freut mich schon ein wenig. Ob Mangala (92% gewonnene Zweikämpfe), Akolo, Donis oder auch Zieler, alle lieferten eine bärenstarke Vorstellung ab und sind der Beleg dafür, dass Schindelmeiser eben doch nicht nur Schrott eingekauft hat, was einige in Anbetracht der vielen verliehenen Spieler, die noch Schindelmeiser geholt hatte, behaupten.

Nach dieser phänomenalen Rückrunde und vor allem dem Spiel bei den Bayern muss ich meinen Hut vor Tayfun Korkut ziehen. Wurde ihm meist vorgeworfen, unflexibel zu sein und rein auf Stabilität zu setzen, bewies er gegen die Bayern Flexibilität und trat mit einem Matchplan an, der offensichtlich selbst Jupp Heynckes überrascht hat.

Zwar wurde Korkut zu seinem Glück gezwungen, doch er bewies großen Mut, Akolo als Mittelstürmer, Ginczek und Donis auf den Außenbahnen und dazu noch Thommy hinter dieser geballten Offensive zu bringen. Ob Donis’ Sololäufe zum Plan gehörten, ist nicht überliefert. Jedenfalls war es genau das richtige Rezept gegen eine hoch verteidigende Mannschaft mit schnellen Läufen hinter die Linien zu kommen.

Die Tore fielen zudem alle auch noch zum perfekten Zeitpunkt. Ein frühes Tor, um den Bayern zu zeigen, dass man nicht hergefahren ist, reine Staffage der Meisterfeierlichkeiten zu sein, ein Tor zum sprichwörtlich psychologisch günstigen Zeitpunkt vor der Pause, sowie die beiden Treffer kurz nach der Halbzeitpause, in der sich die Bayern sicherlich noch einiges vorgenommen hatten und diese Pläne schnell wieder begraben mussten.

So stand nach 55 Minuten ein unfassbares 1:4 auf der Anzeigetafel! Jedoch nicht für mich, ich konnte zwar den Gästeblock gut fotografieren, sah von meinem Platz aber die Anzeigetafel nicht.

Deshalb ging ich unmittelbar nach dem 1:4 völlig perplex auf die Ordnerin des Eingangs zum nächstgelegenen Block zu und fragte, ob ich kurz rein dürfe, um die Anzeigetafel zu fotografieren, was dann auch geklappt hat.

Ab dem Moment war ich dermaßen geflasht und bin es im Grunde immer noch. Zwar traute ich dem Braten noch immer nicht, doch, die Zeit verrann. In der Zwischenzeit kam ich mit einem Bayern-Fan relativ gut ins Gespräch, was dazu führte, dass die Zeit noch schneller rum ging und ich langsam begann, an die Sensation zu glauben.

Dieser Bayern-Fan outete sich als VfB-Sympathisant und war ziemlich interessiert daran, weshalb es mit Hannes Wolf schief ging und welche jungen Spieler sich in dieser Saison wie entwickelt hatten. Er gönnte uns dann zwar den Sieg, bedauerte aber diesen Heim-Abschluss für Jupp Heynckes. Ich versuchte ihm dann Mut zuzureden, indem ich ihm vor Augen führte, dass sich mit diesem 1:4 der Kreis für Jupp Heynckes endgültig geschlossen hat. War er im Oktober 1991 noch nach einem 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers (!) nach seiner ersten Amtszeit bei den Bayern mit Schimpf und Schande entlassen worden, bekam er nun, fast 27 Jahre später, beim 1:4 gegen den großen Stadtrivalen der Kickers Blumen, Beifall und viel Herzschmerz zum Abschied! Wenn das mal nicht DIE perfekte Pointe seiner Geschichte war! ;-)

Dieser Bayern-Fan, dem es wegen der permanenten Sonneneinstrahlung auf der Gegentribüne zu warm geworden war, lieh mir dann sogar noch für die letzten Minuten seine Dauerkarte, so dass ich zwischenzeitlich fast Höhe Mittellinie gesessen bin und die Schlussminuten dieses denkwürdigen Spiels aus der Nähe miterleben durfte.

Fast vierzig Jahre lang fahre ich zu den meisten unserer Spiele nach München und durfte nun, nach 1994 und 2010, erst den dritten Sieg live miterleben. Diese Zahlen belegen das historische Ausmaß, dass es dem VfB im hundertsten Bundesliga-Aufeinandertreffen zum allerersten Mal gelang, vier Tore in einem Spiel gegen die Bayern zu erzielen, untermauern dies ebenfalls.

Die Bayern hatten sicherlich nicht ihren allerbesten Tag und waren auch nicht mehr mit voller Konzentration bei der Sache. Dennoch gibt es am grandiosen Auftreten des VfB nichts kleinzureden. Der VfB fand gegen die langsam in die Jahre kommende Bayern-Abwehr das richtige Mittel und war vor dem Tor einmal mehr gnadenlos effizient. Dieser Sieg geht so oder so in die Geschichtsbücher ein, für diesen Sieg brauchen wir uns nicht zu entschuldigen.

Danach war kein Halten mehr. Die Bayern-Feierlichkeiten interessierten mich nicht mehr die Bohne. Wie Rumpelstilzchen hüpfte ich aus der Arena und fiel unzähligen Freunden und Bekannten um den Hals. Diesen phänomenalen Tag wird wohl keiner, der dabei war, jemals vergessen.

Der VfB schließt die Saison als Aufsteiger also auf einem hervorragenden siebten Tabellenplatz ab und ihm fehlen am Ende sage und schreibe gerade einmal noch vier Punkte zur Championsleague-Teilnahme. Wo diese vier Punkte liegengeblieben sind, darüber möchte ich jetzt überhaupt nicht anfangen zu schwadronieren, sonst kommt womöglich Trauer darüber auf, dass wir „nur“ Siebter geworden sind. ;-)

Meine Respektbekundung an Tayfun Korkut und dafür, was er kurzfristig aus der Truppe herausgeholt hat, ist oben nachzulesen. Mit dem Abpfiff der Saison zählen diese Meriten allerdings nicht mehr viel. Einen Trainer zu beurteilen geht frühestens, wenn er eine Saisonvorbereitung absolviert und erste Transfers getätigt hat. Noch immer bin ich skeptisch, ob Korkut den Jahreswechsel als VfB-Trainer erleben wird.

Nicht weil ich nach dieser starken Rückrunde an Korkut selbst zweifeln würde, nein, deshalb, weil wir über den VfB und die Charaktere in der Mannschaft sprechen. Die große Kunst von Korkut muss es weiterhin sein, Stimmung und Spannung hochzuhalten und nebenbei Ergebnisse liefern, damit das (schwierige) Umfeld ruhig bleibt. Dass es über weite Strecken der Saison nicht an der Qualität sondern vor allem an der Mentalität fehlte und zuletzt auch der zweite Anzug gut saß, macht Hoffnung auf eine entspannte Sommerpause. Ich gehe optimistisch in diese und würde mich ehrlich freuen, wenn Korkut weiterhin ein solch gutes Händchen haben würde, wie bisher. Mit einer Vertragsverlängerung, die über 2019 hinaus schon anstehen soll, würde ich allerdings erst noch bis nach dem stürmischen Herbst abwarten.

Ähnliches Glück wie Korkut lässt sich in der Rückrunde auch Michael Reschke bescheinigen. Wäre ihm das Experiment Korkut missglückt, wäre er zum Abschuss freigegeben gewesen. Mit den Erfolgen kehrte auch bei ihm eine Souveränität ein, die ich ihm nach seinen „Elefant im Porzellanladen-Auftritten“ im ersten halben Jahr seines Wirkens wahrlich nicht zugetraut habe.

Dass er nun am Montag, gerade einmal zwei Tage nach dem (Saison)finale furioso, zur Pressekonferenz lud und dabei sage und schreibe 7 ½ Personalentscheidungen verkündete, überraschte dann doch gewaltig. Fünf Neuzugänge, die Vertragsverlängerungen Jens Grahls und Emiliano Insúas sowie das Bekenntnis von Mario Gomez zum VfB hatte Reschke zu verkünden.

Chapeau, so früh war beim VfB noch keiner dran und die Namen der Neuen lesen sich interessant, soll es sich doch vor allem bei Sosa und Maffeo um international umworbene Top-Talente und die Zukunft für unsere Außenverteidigerpositionen handeln. Dass die VfB-AG dafür ordentlich Euros locker gemacht hat, geschenkt, wenn sie ihren Vorschusslorbeeren nur annähernd gerecht werden.

Im weiteren Verlauf der Transferperiode wird Reschke sicher auch noch mit dem einen oder anderen gestandenen Spieler aufwarten, abhängig davon, wer den Verein noch verlassen wird. Bislang habe ich bei den Planungen der kommenden Saison ein gutes Gefühl und würde Reschke nach seinem ersten Jahr und dem ungenügenden Beginn schon mal ein „befriedigend“ ins Zeugnis schreiben.

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11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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25. Juni 2015

Aufbruch 1893! Der VfB erfindet sich neu!

Ein Ende der Saure-Gurken-Zeit ist in Sicht. Zum Glück. Jeden Tag neue Gerüchte über Zu- und Abgänge, mit der Zeit nervt es und man lechzt nach Vollzug in der einen oder anderen Personalie. Man sollte meinen, in Zeiten von Berateragenturen, Internet und Mobiltelefonie wäre es egal, in welchem Zipfel der Welt sich die Spieler, Trainer und Manager aufhalten, deren Zukunft (und die der Vereine) könnte auch ohne ihre Anwesenheit geklärt werden, dem ist aber wohl doch nicht so. So freue ich mich darauf, dass sie Anfang nächster Woche nach und nach eintrudeln werden und sich endlich auch persönlich erklären können. Ich freue mich insbesondere darauf, wenn unser neuer Trainer Alexander Zorniger erstmals erklären wird, was er mit dem VfB vor hat, wie er sich den VfB der Zukunft vorstellt, auf wen er setzt, auf wen nicht und was Robin Dutt seiner Meinung nach noch am Kader verändern muss.
Was wird aus Spielern wie Vedad Ibisevic, Adam Hlousek, Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch, denen man dem Vernehmen nahegelegt hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Werden sie, für den Fall dass sie es vorziehen ihren gut dotierten Vertrag lieber absitzen zu wollen, „normaler“ Teil der Mannschaft sein, wird es eine Trainingsgruppe 2 geben oder wird man sie ohne Wenn und Aber auf der Tribüne versauern lassen? Ich hielte es als Druckmittel durchaus für eine charmante Lösung, diese Spieler komplett von der Mannschaft fern zu halten, ihnen Tag für Tag klar zu machen, dass sie mehr geduldet als erwünscht sind und verspräche mir davon noch am ehesten, dass sie ihren Allerwertesten bewegen, um doch, notfalls für kleineres Salär, irgendwo unterzukommen. Ein Sportler sollte doch nach meinem Verständnis den natürlichen Ehrgeiz haben, sich im Training stetig zu verbessern, den täglichen Konkurrenzkampf zu spüren und sich im wöchentlich im Wettkampf zu messen. Man kann sich doch nicht damit zufriedengeben, nur zu trainieren, dafür fette Kohle zu kassieren, sportlich aber in Vergessenheit zu geraten. Über den (schlechten) Charakter solcher Spieler braucht man kein Wort mehr zu verlieren…
Vielleicht zieht ja auch, dass im nächsten Jahr die Euro in Frankreich ansteht, wo, durch eine weitere Aufblähung des einstigen Elitenturniers halb Europa dabei sein wird und sich damit auch Nationen wie Bosnien-Herzegowina, Tschechien und Norwegen berechtigte Chancen ausrechnen dürften, dabei zu sein. Für Spieler, deren Stammplatz die Tribüne ist, dürften die Chancen dabei zu sein, schwer sinken, so dass sie es sich genau überlegen dürften, was ihnen wichtiger ist, viel Geld zu kassieren fürs Nichtstun oder für ihr Vaterland bei einer Europameisterschaft aufzulaufen, auch unter dem Hintergrund, dass sie alle nicht mehr die Jüngsten sind und eine solche Chance demnach wohl kein weiteres Mal kommen dürfte.
Thorsten Kirschbaum steht vor einem Wechsel zum 1. FC Nürnberg, laut kicker.de habe man sich inzwischen weit unter den einst geforderten 750.000 Euro geeinigt. Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass er seine Chance Ulle zu beerben nicht nutzen konnte. Die Bürde, Ulle vergessen machen und gleichzeitig Ulles große Fangemeinde überzeugen zu müssen, war zu groß. Ich kenne ihn ja aus einigen Trainingslagern und habe ihn da schon weitaus stärker halten sehen, wie das, was er dann in der Bundesliga auf den Platz brachte. Er war übernervös, was sich natürlich auch auf die Abwehr übertrug, so dass der Wechsel zurück zu Ulle fast schon wieder folgerichtig war. So hat er sich hier in kürzester Zeit verbrannt, so dass der Abgang die logische Folge ist.
Setzt Zorniger weiter auf Gotoku Sakai? Wie schon einige Spieler vor ihm, hatte Go seine beste Zeit beim VfB, als er uns noch nicht gehörte und als Leihspieler Werbung in eigener Sache betreiben musste. Damals wollte man ihn schon am liebsten „eindeutschen“, damit er für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt gewesen wäre. Er wäre in seiner damaligen Form das optimale Pendant zu Philipp Lahm gewesen, wobei die beiden sogar beliebig die Seiten hätten wechseln können. Einen Weltklasseauftritt von ihm habe ich noch in guter Erinnerung, als er beim 5:1 bei Steaua Bukarest den Rumänen mit Okazaki zusammen Knoten in die Beine wirbelte. Vielleicht hält man Japaner ja am besten paarweise, es fällt bei ihm frappierend auf, dass seine Formkurve, seit uns Shinji Okazaki verlassen hat, dramatisch nach unten zeigt. Vielleicht bekommt Zorniger ihn ja wieder hin, er dürfte es aber schwer haben, in die erste Elf zu kommen. Auf der linken Seite sähe ich lieber einen Linksfüßer und rechts stünde er zunächst einmal höchstens als Backup für Florian Klein zur Debatte.
Wenig halte ich davon, auf der Rechtsverteidigerposition auf einen gelernten Innenverteidiger wie etwa Daniel Schwaab zu setzen. Auch wenn er, wie die gesamte Mannschaft, im Finale der Vorsaison stark verbessert agierte, ist er für mich ein Spieler, den man gerne abgeben darf. Sicherlich ist er ein untadeliger Profi und privat eher ruhig und solide, aber, einer der Ruhe und Sicherheit im Spiel ausstrahlt ist er eben auch nicht. Im Gegenteil, er hat immer wieder riesen Schnitzer in seinem Repertoire, die es nicht rechtfertigen, danach dann über das allzu kritische Stuttgarter Publikum herzuziehen. Es ist noch immer so, dass der Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen muss und es andersherum schwierig ist. Im Saisonfinale war der Rückhalt der Fans grenzenlos, allerdings nur, weil man genau ein Gespür dafür entwickelt hat, dass es Huub Stevens gelang, eine Formation, eine Einheit auf den Platz zu bringen, die sich für den Brustring aufgerieben und zum Schluss auch einen brutalen Willen gezeigt und Zusammenhalt demonstriert hat.
Antonio Rüdiger wird den VfB wohl verlassen und dem VfB angesichts der kolportierten Ablöse im zweistelligen Millionenbereich wichtigen Handlungsspielraum ermöglichen. Es scheint so, dass alle Transferaktivitäten mit dieser Personalie stehen und fallen. Bei Rüdiger sehe ich zwar noch großes Entwicklungspotential, aber, Reisende soll man nicht aufhalten. Ein klares Bekenntnis zum VfB ist ihm nicht zu entlocken, im Gegenteil, er macht keinen Hehl daraus, dass er sich zu höherem berufen fühlt, als den steinigen Weg mit dem VfB mitzugehen. Daher kann man nur hoffen, dass eine baldige Einigung mit dem VfL Wolfsburg erzielt werden kann und Robin Dutt so viel wie möglich Ablöse generieren kann, möglichst natürlich nahe der 20-Millionengrenze.
Nicht nur wenn Rüdiger uns verlässt aber dann besonders benötigen wir einen Abwehrchef, wie es Bordon, Meira oder auch Verlaat waren. An dem Belgier Sébastien Dewaest sei der VfB interessiert (ja, wieder nur ein Gerücht…), was man von ihm so hört und liest, hört sich nicht schlecht an. Seit dieser Woche scheint auch Ermin Bičakčić auf dem Markt zu sein, der mit Hoffenheims Trainer Gisdol nicht klar kommen soll. Dass er von Hoffenheim käme, wäre für mich jetzt nicht von vornherein ein K. O. –Kriterium, da er nicht, wie viele andere ehemalige Spieler von uns, den VfB wegen Hopps schnödem Mammon verlassen hat. Mit ihm wusste Labbadia nichts anzufangen, so dass er für lächerliche 350.000 Euro zu Eintracht Braunschweig geflüchtet ist und sich dort für höhere Weihen empfehlen konnte. Dort verpasste man ihm den Spitznamen „Eisen-Ermin“, was seiner Spielweise gerecht wird. Ermin ist ein eisenharter Verteidiger und dazu technisch beschlagen. Sollte er bezahlbar sein, würde ich mich über seine Rückkehr sehr freuen, auch, weil er ein super Typ, normal und im Herzen sowieso ein VfBler geblieben ist.
Georg Niedermeier, auch ein guter Typ, sehe ich allenfalls noch als Lückenbüßer an, sollten die oben genannten oder auch Timo Baumgartl mal ausfallen. Er ist, trotz seines gesetzteren Alters, keiner, der die Richtung vorgeben und eine Abwehr organisieren kann und technisch zu grobschlächtig, nicht umsonst sein Spitzname „Niederstrecker“.
Im Mittelfeld führt kein Weg an Serey Dié vorbei. Der Ivorer hat sich binnen kürzester Zeit als Leader etabliert und großen Anteil am Klassenerhalt. Allein mit Schönspielern und Zweikampfallergikern wie Leitner und Gentner ließ sich keine Hoheit im Mittelfeld herstellen. Es hat einen gebraucht wie Dié, der dazwischen haut und sich nichts gefallen lässt. Es ist auch wirklich köstlich, ihn im Training zu beobachten, wie lautstark er dort von Anfang an auftrat, wie engagiert er ist und wie er sämtliche Voodoo-Geister anruft, um ein Trainingsspielchen doch noch zu gewinnen.
Christian Gentner steht wohl kurz vor einer Vertragsverlängerung. In einer funktionierenden Mannschaft kommen seine Stärken zum Tragen, wenn es nicht so läuft, ist er jedoch ein Mitläufer wie die meisten anderen auch und der Kapitänsbinde nicht würdig. Mit dem neuen Trainer, einigen Neuzugängen und den Spielern, die sich im Abstiegskampf besonders hervor getan haben, entsteht zwangsläufig auch eine neue Hierarchie. Da ich von Dutt und Zorniger erwarte, dass auch mannschaftsintern jeder Stein umgedreht wird, hoffe ich, dass Zorniger nach seinen Eindrücken aus knapp sechs Wochen Vorbereitung kurz vor dem Pokalspiel bei Holstein Kiel den Kapitän selbst bestimmen wird.
Überrascht war ich gestern, dass Daniel Didavi in der Sportbild offen über einen möglichen Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen gesprochen hat. Bislang ordnete ich Meldungen zu diesem Thema in die Ecke „Gerüchteküche“ ein. Didavi, den ich als VfBler durch und durch einschätze, wirft dabei die Frage auf, ob man von einem Profisportler Dankbarkeit und auch Vereinstreue einfordern kann, oder ob man Verständnis dafür haben muss, wenn ein hochveranlagter Spieler nach höherem strebt, als jahrelang um den Nichtabstieg zu spielen und jetzt Teil eines möglicherweise vielversprechenden Neuanfangs bei seinem Herzensverein sein könnte. Mit seinen nunmehr 25 Jahren ist er nun mal nicht mehr der Allerjüngste, so dass ihm schnell die Zeit davon laufen könnte, wenn er die Chance jetzt nicht wahrnimmt, mit Leverkusen Championsleague zu spielen und gegen die ganz Großen des Fußballs antreten zu dürfen.
Zweifellos hat der VfB ihm alle Zeit gegeben, sich von seinen schweren Verletzungen zu erholen und wieder vollständig zu genesen. Aber, seien wir mal ehrlich, hätte der VfB eine andere Wahl gehabt? Der VfB hat zwar 2012, als er schwer verletzt von der Leihe aus Nürnberg zurückkam, seinen Vertrag vorzeitig verlängert, sicher aber auch aus Eigennutz und auch um Didavi wieder eine Heimat zu geben. Labbadia wusste vor seinem Wechsel zum Club nichts mit Didavi anzufangen, so dass man ihn mehr zu den Franken abschob, als dass man sich eine Leistungsexplosion von ihm erhoffte. Was er kann, wusste man schließlich bereits. Dort blühte Dida dann auf und wäre damals gerne beim Club geblieben, ein Spieler mehr, der durch die Ausleihe im Herzen bereits mit dem VfB abschloss. Durch solche Beispiele wird ja jetzt auch Günther Schäfer als Teammanager installiert, um den verliehenen Jungs klar zu machen, dass sie weiterhin Teil vom VfB sind und sich nicht entfremden.
So gesehen wäre die damalige Vertragsverlängerung ohne seine Verletzung womöglich schon nicht zustande gekommen. In diesem Winter, als noch nicht absehbar war, ob Dida überhaupt nochmal wieder auf die Beine kommen würde, wäre er wohl zu einer Vertragsverlängerung bereit gewesen, was dem VfB zu unsicher war.
Ich wäre Didavi nicht böse, wenn er die neue Herausforderung annehmen würde, dann aber am liebsten sofort, so dass der VfB noch eine stattliche Ablöse generiert und beide Seiten damit glücklich sind. Die bisher kolportierten drei Millionen, die Leverkusen zu zahlen bereit wäre, erscheinen mir recht wenig, bei gebotenen sechs bis acht Millionen käme Robin Dutt dagegen sicherlich ins Grübeln, zumal man ja auch noch Maxim und Stöger zur Verfügung hat.
Seit Bosman bin ich der Auffassung, dass ein Vertrag vor Beginn der Saison verlängert sein muss, wenn der Vertrag am Saisonende ausläuft. Nicht nur, dass ein ablösefreier Spieler Begehrlichkeiten weckt und dadurch automatisch Unruhe vorprogrammiert ist, auch kann (und sollte) es sich ein Verein wie der VfB nicht erlauben, auf eine Ablösesumme zu verzichten.
Am allerliebsten wäre mir eine Vertragsverlängerung zu deutlich verbesserten Bezügen vor Saisonstart. Wie man an (inoffiziellen) Gehaltstabellen ablesen kann, findet man Dida teamintern unter ferner liefen, was seinem Leistungsvermögen überhaupt nicht entspricht. In den letzten beiden Jahren stand er uns gerade noch rechtzeitig zum Saisonfinale zur Verfügung und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass wir uns weiterhin Bundesligist schimpfen dürfen.
Sollte Didavi nicht nach der ganz großen finanziellen Sicherheit streben sondern sich auf ein nach Einsätzen gekoppeltes Vertragsmodell einlassen, wäre der VfB sicherlich nicht abgeneigt, sein Einkommen leistungsgerecht aufzustocken. Alles andere wäre für den VfB ein (zu) hohes Risiko, wenn man sich Didas Einsatzzeiten aus den letzten Jahren anschaut.
Wer ihm dann, auch schon jetzt in diversen Foren, Undankbarkeit und Söldnertum vorwirft, kann nur mit auf den Weg gegeben werden. Willkommen in der Realität. Einige sind bereits nach der Verkündung von Ulles Abschied auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen, für die anderen bricht dann eben jetzt die heile Welt zusammen. Der moderne Fußball bietet nun mal keinen Platz mehr für nostalgische Gefühle, es geht dabei nur noch ums Geld, für die Medien, die Vereine, die Vereinsvertreter und auch für die Spieler, egal was der Fan auf der Tribüne darüber denkt.
Wer nicht damit klar kommt, dass ein (einstiger) Liebling den Verein verlässt, dem sei die Traditionself ans Herz gelegt, dort spielen die wahren Legenden, die den Brustring im Herzen tragen und dem Verein ein Leben lang treu geblieben sind, wie unter anderen mein Allzeit-Lieblingsspieler Karl “Wasenkarle” Allgöwer.
An der Personalie Didavi hängt wohl auch die Zukunft von Alexandru Maxim. Bliebe Didavi wäre Maxim wohl weiterhin nur Backup für Didavi, was sicherlich nicht sein Anspruch ist. Dann ist es fraglich, ob es Sinn macht, einen bekanntermaßen sensiblen Spieler wie Maxim gegen seinen Willen zu halten, zumal er auf der Insel hoch im Kurs steht und die Engländer aufgrund ihrer gut dotierten Fernsehverträge Ablösesummen ausrufen, von denen man hierzulande nur träumt. Ich fände es sehr schade, wenn Alex uns verlassen würde, da ich von seinen Qualitäten überzeugt bin und er ein Typ Spieler ist, für den man Woche für Woche gern ins Stadion pilgert.
Würde uns Maxim verlassen, stiegen automatisch die Einsatzchancen für Kevin Stöger, der nach zweijähriger Ausleihe vom 1. FC Kaiserslautern zurückkehrt. Ich hoffe, dass er den nächsten Schritt machen kann, technisch beschlagen ist er jedenfalls und scheint sich im Stahlbad Zweite Liga auch die nötige Robustheit angeeignet zu haben, ich freue mich auf ihn.
Auch Carlos Gruezos Einsatzchancen dürften durch die Abgänge von Romeu und Leitner wieder gestiegen sein. Er hat ein Seuchenjahr hinter sich und wird hoffentlich wieder an seine Leistungen der Rückrunde 13/14 anknüpfen, auch wenn es schwer sein dürfte an Dié und Gentner vorbei zu kommen.
Für Martin Harnik gilt das gleiche wie für Didavi, Vertrag verlängern oder an den Meistbietenden verkaufen. Auch bei ihm hoffe ich jedoch, dass man sich auf eine Ausweitung des Arbeitspapiers verständigen kann. Ich hatte vor einiger Zeit schon über ihn unter dem Titel „Zwischen Genie und Wahnsinn“ geschrieben, und denke, das beschreibt ihn ganz gut. Oftmals misslingen ihm einfachste Dinge, dann wieder, manchmal nur wenige Minuten später, bringt er Dinge auf den Platz, die nur ganz wenige können. Mangelnden Einsatz, mangelnde Identifikation mit dem Verein, auch mangelnde Selbstkritik kann man ihm nie vorwerfen. Er ist ein echter Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt, geradeaus und für mich einer der wenigen Führungsspieler, die wir haben. Daher wäre es sehr schade, wenn er seine Zelte bei uns abbrechen würde.
Auch die anderen Protagonisten des geglückten Klassenerhalts wecken Begehrlichkeiten finanziell potenterer Clubs. So soll Filip Kostic beim Championsleague-Finalisten Juventus Turin hoch im Kurs stehen und auch der eine oder andere Verein ein Auge auf Daniel Ginczek geworfen haben. Bei beiden wäre es bitterschade, wenn sie uns nach nur einem Jahr wieder verlassen würden.
Unverkäuflich gibt es für den VfB nicht, daran sei auch an dieser Stelle erinnert. Flattert ein unmoralisches Angebot herein, zu dem es schon fahrlässig wäre, nein zu sagen, dann wäre es halt so. Es spricht doch auch für den VfB bzw. für die Leistungen in den letzten Spielen, wenn andere Vereine auf unsere Spieler aufmerksam geworden sind.
Zu guter Letzt ein paar Worte zu Timo Werner. Er hat zuletzt in seiner Entwicklung stagniert und bei seinen Kurzeinsätzen nicht überzeugt und meist keine Bindung zum Spiel gefunden. Ihn schreibe ich noch lange nicht ab und hoffe viel mehr, dass er eines der Gesichter „des neuen VfB“ sein wird. Vielleicht tut ihm die Berufung zur U19 EM gut und gibt ihm einen weiteren Schub. Ich finde es positiv, dass es der VfB ihm und auch Timo Baumgartl nicht verwehrt hat, dieses Erlebnis mitzunehmen. Bringt ihm sicherlich (persönlich und sportlich) mehr, als mit dem VfB zu trainieren, Zorniger wird auch so wissen, was er an ihm hat.
Selbstredend wünsche ich mir kaum etwas weniger als den totalen Aderlass, gerade jetzt, wo sich vielversprechende Konturen im Kader abzeichnen. Auf der anderen Seite ist unser Verein weiterhin notorisch klamm und hätte höchstwahrscheinlich, wäre man nicht wie die Jungfrau zum Kinde in der Winterpause zu den Kimmich-Millionen gekommen, schon damals einen Leistungsträger verkaufen müssen, um überhaupt bis zum Saisonende finanziell über die Runden zu kommen. Finanzieller Aufwand und sportlicher Ertrag stehen schon lang nicht mehr im Einklang miteinander, so dass wir jetzt den Preis für die jahrelange Misswirtschaft bezahlen müssen.
Auch wenn es viele nicht hören wollen, dass Dutt nachtritt und ohne Namen zu nennen Fredi Bobic ein Armutszeugnis ausstellt. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass jahrelang planlos vor sich hin gewurstelt wurde, dass die Sicherung der eigenen Position über den Interessen des Vereins stand, dass gute Leute (und Spieler) weggemobbt wurden und man Ja-Sager um sich geschart hat. Dadurch kam man weg von einem Leistungsklima, was sich bis in die Mannschaft niederschlug. Da wurde weniger nach Leistung als nach dem Namen des Beraters aufgestellt, andere, die man wohl nur holte, um den Kader noch mehr aufzublähen, hatten, egal wie sehr sie sich im Training reinhingen, so gut wie keine Chance auf Einsätze. Dass diese irgendwann resignierten und innerlich kündigten, bevor sie richtig ankamen, konnte dabei nicht verwundern. So wurde ohnehin schon diskussionswürdiges Kapital zu totem Kapital.
Diesen Scherbenhaufen, den Bobic hinterlassen hat, muss Robin Dutt jetzt aufkehren und die finanzielle Balance wiederherstellen. Dass dies mehrere Transferperioden in Anspruch nehmen dürfte, hat Dutt bereits verlauten lassen. Je mehr Transfereinnahmen während dieser Zeit generiert werden, desto schneller wird der VfB wieder handlungsfähig sein und desto früher können wir es uns auch wieder leisten, Spieler tatsächlich für unverkäuflich zu erklären. Jetzt sind wir leider noch nicht so weit, so dass man meiner Meinung nach in dieser Transferperiode noch mit allem rechnen muss.
Dutt sprach von kreativen Lösungen, die es zu finden gelte, dann mal viel Glück dabei. Ich bin keiner, der bei den Zugängen große Namen erwartet. Derzeit vertraue ich voll und ganz Dutt und Zorniger, dass sie einen Plan haben, welchen Fußball der VfB in der neuen Saison spielen soll, welche Korsettstangen erhalten bleiben sollen und welche Puzzleteile hinzugefügt werden müssen. Dafür bedarf es nicht immer eines großen Namens, wichtig ist, dass ein Neuzugang charakterlich in Ordnung ist, gut ausgebildet, ein Teamplayer ist und genügend Grips im Kopf hat, die ihm zugedachte Rolle zu verinnerlichen und seine Aufgabe gut zu erfüllen.
Auf solche Attribute wurde in den letzten Jahren kein großer Wert gelegt, obwohl sie im Mannschaftssport unabdingbar sind. Deshalb verspreche ich mir auch von einem Lukas Rupp mehr, als ich es von einem Sidney Sam tun würde, der wohl ein Vielfaches kosten würde, jedoch kein guter Charakter zu sein scheint. Ich hoffe doch schwer, dass wegen des Rupp-Wechsels nicht gleich wieder jene um die Ecke kommen, die meinen, einen Ex-Karlsruher zu verpflichten ginge überhaupt nicht.
So wenig ein namhaft verstärkter Kader die Garantie für eine erfolgreiche und sorgenlose Saison gibt, so wenig muss ein mit „Namenlosen“ ergänzter oder auch verstärkter VfB automatisch noch schlechter aufgestellt sein als in den letzten beiden Jahren. Wenn am Montag Zorniger seinen Dienst antritt, ist alles neu und sollte alles auf „null“ gestellt werden. Er muss der Mannschaft ein Gesicht verleihen, seine Spielphilosophie durchsetzen und die Spieler dafür einbauen und möglicherweise auch wie Schachfiguren auf andere Positionen versetzen. Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen, die Zeit dafür sollte man ihm geben. Ein Sieg im Pokal in Kiel und ein machbares Auftaktprogramm im am Freitag erscheinenden Bundesligaspielplan wäre dabei durchaus hilfreich.
Die Voraussetzungen für Zorniger, sich in kürzester Zeit ein Bild von der Mannschaft zu machen und alles umzukrempeln sind in dieser Vorbereitung denkbar schlecht. Das eigentliche Haupttrainingslager im Zillertal musste früh terminiert werden, da man bei zillertal.at in der Pflicht stand und man ja lang nicht wusste, ob für uns der Bundesliga- oder der 2. Ligaspielplan gelten würde. So wurde ein Termin gewählt, der für beide Ligazugehörigkeiten gepasst hat. Jetzt, zum Glück als Bundesligist, wird dieses Trainingslager ein fast reines Lauftrainingslager werden, bei dem sämtliche Nationalspieler, die noch bis Mitte Juni für ihre Nationalteams im Einsatz waren, fehlen.
Ob es Ende Juli noch ein reguläres zweites Trainingslager geben wird, steht derzeit in den Sternen. Wegen der späten Planungssicherheit tut sich der VfB offensichtlich damit schwer, so kurzfristig noch etwas zu finden. Ich hoffe darauf, dass es diesbezüglich zum Trainingsauftakt Neuigkeiten geben wird.
Ich begleitete sowohl die Inthronisierung Dutts als Sportvorstand wie auch die Ernennung Zornigers zum Trainer mit großer Skepsis. Bei Dutt muss ich mich schon teilweise revidieren, die Verpflichtung Dié’s war ein Volltreffer und im Nachhinein betrachtet war auch sein besonnenes Auftreten im Abstiegskampf richtig. Seit der ominösen PK hat er Pluspunkte dazu gesammelt, jedoch muss er den großen Worten nun Taten folgen lassen. Anknüpfend daran klingt die Verpflichtung Zornigers konsequent und plausibel, vor allem auch nach dem, was man von ihm so liest und hört. Dass er eben eine Spielidee mitbringt, einen Plan im Kopf hat und diesen konsequent verfolgt und durchzieht und es Leute unter ihm schwer haben werden, die nicht mitziehen oder dessen Pläne gar konterkarieren. Ich gehe da jetzt absolut positiv ran und freue mich darauf, verfolgen zu dürfen, wie sich der VfB (zum Besseren) verändert.
Für seine wohl ziemlich erste spürbare Amtshandlung hat er bei mir schon einmal einen Stein im Brett. Der Verein hat es Sven Ulreich offensichtlich nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb, hätte es Ulle unter Zorniger wohl schwer gehabt, mit seiner trägen und behäbigen Art die Nummer 1 zu bleiben. Ulle als Ersatztorhüter hätte nur Unruhe gebracht, außerdem wäre es auch nicht konsequent gewesen, einen Torhüter auf der Bank zu haben, dem man nicht vertraut. Mit Odisseas Vlachodimos hat sich ein Nachwuchstalent die Beförderung zur Nummer 2 verdient, mit nunmehr 21 Jahren hätte er sich sicherlich auch nicht mehr mit der Rolle des Amateur-Keepers zufrieden gegeben.
Spieler kommen und gehen, der VfB bleibt. Das ist schon seit eh und je meine Devise und sollte sich die/ der eine oder andere auch auf die Fahnen schreiben, die/ der jetzt menschlich so wahnsinnig von oder über Ulle enttäuscht ist. Nichts ist im Leistungssport vergänglicher als die Verdienste von gestern. Wenn die Leistung nicht mehr stimmt, rückt nun mal ein besserer nach. Dieses Prinzip scheinen einige verdrängt oder vergessen zu haben, war bei uns der Leistungsgedanke doch (zu) lange außer Kraft gesetzt. Es ging mehr um irgendwann einmal gegebene Versprechen, Erbhöfe und Vitamin B. Sehr gut, dass jetzt ein anderer Wind zu wehen scheint.
Für mich war es ein sehr guter Tag für den VfB, als Ulles Abschied publik wurde, der große Chancen für die Zukunft bietet, ich jedenfalls weine ihm keine Träne nach.
Er hatte für mich nach seiner Ausbootung gegen Benfica Lissabon eineinhalb gute Jahre, das war’s aber auch schon mit seiner Herrlichkeit. Herzlich wenig in acht Jahren Profifußball beim VfB. Für den schnellen, modernen Fußball, den Zorniger mutmaßlich spielen lassen möchte, ist Ulle nicht geschaffen. Dafür fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit, schnelle Angriffe einzuleiten und vor allem auch das fußballerische Können abgefangene Bälle zum eigenen Mann zu bringen.
So bin ich froh, dass er weg ist und meine, besser hätte es nicht kommen können. Beide Seiten haben ihr Gesicht gewahrt, so dass ich ihm nicht einmal böse sein kann, dass er ausgerechnet zu den Bayern geht. Für mich ist das eine klare Win-Win-Situation, zumindest was den VfB und Ulle angeht, auch wenn ich mich schon insgeheim frage, ob die Bayern bei diesem Transfer daran gedacht haben, dass auch ein Manuel Neuer mal langfristig ausfallen könnte.
Natürlich wird es Ulle helfen, tagtäglich mit dem wohl besten Torhüter der Welt zusammenarbeiten und sich von ihm einiges abschauen zu dürfen. Er wird sich verbessern, davon bin ich überzeugt. Es war zu viel eingefahren beim VfB, ernsthafte Sorgen um seinen Status musste er sich bei uns nie machen. Obwohl bereits Christian Groß, später Labbadia und zuletzt Armin Veh gerne etwas auf dieser Schlüsselposition gemacht hätten, wurde deren Wunsch nach einer neuen Nummer 1 nicht erhört. Stattdessen gab man Marc Ziegler das Gnadenbrot im Herbst seiner Karriere, den braven Bankdrücker zu mimen und holte danach Thorsten Kirschbaum, der, als er die Chance erhielt, den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit schuldig blieb.
Stichwort mentale Stärke, diese habe ich Ulle zuletzt auch abgesprochen. Er strahlte nicht die notwendige Sicherheit einer Nummer 1 aus, war sich unsicher in seinen Aktionen, überlegte zu viel und traf so oft die falsche von zwei möglichen Entscheidungen, anstatt intuitiv das Richtige zu tun. An dieser Schwäche wird er bzw. werden die Bayern mit ihm sicherlich arbeiten müssen.
Einen Zappelphilipp im Tor werden sie sich nicht leisten können, für den Fall, dass er mal in einem wichtigen Spiel für Manuel Neuer in die Bresche springen muss. Dann wäre wohl ganz schnell Tom Starke die Nummer 2 und Ulle säße noch nicht einmal auf der Bank.
Auch jetzt, nachdem ich den Wechsel sacken lassen habe, verstehe ich die Bayern nicht, dass sie gerade auf Ulle gekommen sind. Der Fußball-Ästhet Pep Guardiola muss doch verzweifeln, wenn jede Rückgabe Slapstickpotential in sich birgt oder wenn Ulles Abschläge mal wieder im Seitenaus landen. Von der Spielweise, die man von den Bayern gewohnt ist, hoch zu verteidigen, werden sie mit Ulle im Kasten abrücken müssen, weil er nicht die Übersicht eines Manuel Neuer hat und weil man ihn nicht bedenkenlos, auch scharf, anspielen kann.
Beim VfB hat mich Ulle nie überzeugt. Schon im Wechselspiel mit der Oberpfeife Raphael Schäfer nutzte er die große Chance nicht und wurde ins zweite Glied zurückgestuft. Damals schützten ihn noch seine Jugend und seine Unerfahrenheit davor, ihn frühzeitig abzuschreiben!
Dann kam Jens Lehmann für zwei Jahre und Ulle wurde versprochen, in diesen zwei Jahren von Lehmann lernen zu dürfen und danach die Nummer 1 zu werden. Der Zusatz „unter Leistungsvorbehalt“ fehlte offensichtlich bei dieser Zusage.
Gestern wurde erwartungsgemäß Przemysław Tytoń als neuer Mann zwischen den Pfosten bestätigt. Von ihm habe ich bisher nur das eine oder andere Youtube-Video gesehen. Tolle Reflexe hat er ja, ein solches Video könnte man von Ulle aber sicher auch zusammenschneiden. Fußballerisch und in der Spieleröffnung soll er jedoch auch nicht der Beste sein, so dass wir mit ihm womöglich vom Regen in die Traufe kommen. Hier lasse ich mich gerne eines Besseren belehren und vertraue darauf, dass es der Typ Torhüter ist, den wir für unser Spiel brauchen. Mein Urteil bilde ich mir sowieso am liebsten selbst und freue mich daher umso mehr aufs Trainingslager im Zillertal. Auf dieser Position können wir meiner Ansicht nach nur besser werden, ich hoffe, die einstigen Ulle-Jünger machen ihm das Leben durch ständiges Hinterhergeheule nicht unnötig schwer. Ihm eilt ein guter Ruf voraus und dass er „nur“ Nummer vier in der Gilde der polnischen Keeper ist, hat auch keine negative Aussagekraft in Anbetracht der starken Konkurrenz mit Fabiański, Szczęsny und Boruc.
Um auf Ulle zurückgekommen: Er wurde also aufgrund einer Versprechung und nicht aufgrund seiner Leistungsstärke unsere Nummer 1. Von Beginn an sah man frappierende Unterschiede zwischen dem Weltklasse-Keeper Lehmann und Ulreich. Konnte man sich zwei Jahre lang bei gegnerischen Eckbällen entspannt zurücklehnen, begann nun die fünf lange Jahre andauernde Zeit der Schnappatmung. Fing Lehmann Flanken, die in den Strafraum segelten locker ab und leitete den schnellen Gegenangriff ein, gab es nun todlangweilige Kicks, an denen Ulles träge Art einen großen Anteil hatte. Was wedelte er mit den Armen, „Leute, rausrücken“, um dann, wenn alle einschließlich der Gegner aufgerückt waren, die Kugel dem am nächsten stehenden Abwehrspieler zuzurollen. Im heutigen Fußball kommt es in erster Linie darauf an, Überraschungsmomente zu schaffen und Lücken zu reißen. Mit dem behäbigen Spielaufbau à la Sven Ulreich jedoch, gelang es jedem Gegner seine Grundordnung wieder herzustellen, selbst unterklassigen Teams bspw. im DFB-Pokal, gegen die wir oft genug unsere Müh und Not hatten, ich erinnere mich nur an Babelsberg oder auch den BFC Dynamo.
Christian Groß erkannte das, wurde aber leider kurz nach Bobic‘ Amtsantritt entlassen. Mit der Installation von Bobic als Sportdirektor begannen vier lockere Jahre für Sven Ulreich, ist doch Ulles Berater Jürgen Schwab bester Kumpel und Geschäftspartner von Bobic, so dass öffentliche Kritik bereits im Keim erstickt wurde und Bobic stets seine schützende Hand über den schon lange schwächelnden Torhüter legte.
Als Armin Veh zum zweiten Mal kam, attestierte er Ulreich zwar, sich seit seiner Entlassung verbessert zu haben, stellte aber auch fest, dass Ulle kein Spiel lesen könne und sprach ihm damit durch die Blume (Spiel-)Intelligenz ab.
Für das Kabinenfest während der Länderspielpause letzten September nahm ich mir von vornherein vor, nur mit Georg Niedermeier, mit dem man von diversen Trainingslagern bekannt ist und mit Armin Veh, der mich noch vom Zillertal kannte, ausführlicher zu sprechen. Mit Bobic hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, so dass mich seine Sicht der Dinge genauso wenig interessierte wie die von bspw. Christian Gentner oder von Sven Ulreich.
Veh sprach ich direkt auf seine Achse, also Torhüter, Abwehrchef, Mittelfeldchef, Stoßstürmer an, was er denn dazu sage. Er entgegnete, ich müsse Verständnis dafür haben, dass er nicht über seine Spieler spreche. Akzeptiert, sagte ich, aber ich dürfe doch etwas dazu sagen, worauf er mit „selbstverständlich“ antwortete.
Also, legte ich los: „ich war selbst mal Torwart, Stichworte Strafraumbeherrschung, Spieleröffnung, Antizipation, fußballerisches Können, Ausstrahlung, es ist so viel, was ihm meiner Auffassung nach fehlt“. Ich merkte, dass ich damit bei ihm offene Türen einrannte und, als ich fragte, ob ein Torwartwechsel denkbar wäre, meinte er nur „lass dich überraschen, ich geh jetzt, du weißt mir zu viel“, war ein netter Plausch. Es kam sicher nicht von ungefähr, dass der Wechsel ausgerechnet im Spiel 1 nach der Bobic- Entlassung vollzogen wurde. Dass der Wechsel insgesamt derart in die Hose ging, konnte man nicht ahnen. Daher bleibe ich dabei, dass der Wechsel gerechtfertigt war. Ulle war spätestens ab diesem Zeitpunkt angezählt und stand nur noch mangels ernsthafter Alternative im Kasten.
Eines kann man Ulle nicht absprechen, nämlich dass er den VfB über Jahre verkörpert hat wie kaum ein Zweiter. Er betonte stets, dass der VfB sein Traumverein ist und dass er den Brustring im Herzen trage. Allein diese Vereinsliebe genügte vielen, ihn zur Ikone hoch zu stilisieren, ohne seine Leistungen zu hinterfragen. Wann hat er uns denn das letzte Mal ein Spiel gewonnen? Ich erinnere mich an das 1:0 in Berlin unter Thomas Schneider im Spätsommer 2013, was also auch schon eine Weile her ist.
Aus den genannten Gründen wurde es Ulle beim VfB zu leicht gemacht, über Jahre die Nummer 1 zu bleiben, ohne dass er sich diese Nominierung(en) stets aufs Neue erarbeiten musste.
Von Haus aus ist er doch ein Arbeiter und ein Kämpfer. Nach dem frühen Tod seines Vaters, als er gerade einmal 14 Jahre alt war, setzte er seinen ihm gegenüber erklärten Schwur, eines Tages für den VfB aufzulaufen, in die Tat um. Alleine, um es so weit zu schaffen, bedingt es Ehrgeiz, eiserne Disziplin, Können und auch den Willen sich ständig zu verbessern.
Lang hatte man den Eindruck, er arbeite viel an sich und schaue über den Tellerrand hinaus. Man las immer wieder davon, was er individuell noch macht, zum Beispiel Gehirntraining mit einer Privattrainerin, wo er sich Spielsituationen vorstellen musste und Entspannungstechniken lernen sollte, an seiner Beweglichkeit feilte er im Kunstturnforum.
Vor allem die Zusammenarbeit mit Life-Kinetik-Trainer Efthimios Kompodietas schien Früchte zu tragen. Ob sein Eifer in den letzten Jahren nachgelassen hat, vielleicht weil er sich zu sicher war und ihm nur noch Honig ums Maul geschmiert wurde, kann ich nicht beurteilen. Meine Internetrecherchen bezüglich seiner individuellen Anstrengungen enden jedenfalls im Jahr 2011. Ich sah ihn seit dem 1:6 in München, als er die Niederlage maßgeblich selbst einleitete, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, einfach nur noch schlecht. Analysiert man die letzte Saison kann man bei etwa der Hälfte der Gegentore die Rolle des Torwarts hinterfragen, wenn man sein Stellungsspiel und sein mangelndes Spielverständnis betrachtet oder die Szenen zurücklaufen lässt und feststellt, dass erst ein Abschlag von ihm oder eine nicht abgefangene Ecke zum Ballverlust führte.
Was seit 2011 mit ihm passiert ist, ob er private Probleme hat und ihn etwas bedrückt, mit dem man nicht an die Öffentlichkeit geht, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht kehrte auch eine schädliche Selbstzufriedenheit ein, vielleicht war er sich seines Status zu sicher.
An dieser Stelle muss sein Torwarttrainer Andreas Menger hinterfragt werden, der noch auf dem Fanfest im Zillertal erklärte, zur Zeit des Abgangs von Leno sei Ulle der bessere Torhüter gewesen. Natürlich verleugnete er nicht, dass die Entwicklung der beiden Keeper seither weit auseinander ging, aber, er schaffte es in den letzten Jahren nicht, Ulle besser zu machen oder sich durchzusetzen, eine echte Konkurrenz für Ulle zu holen. Im Training, bspw. diesen Winter in Lagos, war er mir stets zu lasch. Man übte Abschläge, diese flogen, wie man es gewohnt ist, reihenweise aus dem Feld, so dass Meuschi, der die Bälle einsammeln musste, der vielbeschäftigste Mann war, und Menger hielt es nicht für nötig, einzugreifen und seine Mannen zurechtzustutzen. Hier wünschte ich mir wirklich den von Fredi Bobic abgesägten Ebo Trautner zurück, der über Jahre ein gutes Torwarttraining abgehalten hat und bei den Fans äußerst beliebt ist.
Für Ulles bis zum Anfang der letzten Woche gelebte Vereinsliebe danke ich ihm, auch für das eine oder andere gute Spiel. Eines ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, nämlich der Sieg bei der Frankfurter Eintracht 2010/2011, als er nach Delpierres Platzverweis vor allem gegen Gekas sensationell hielt und uns damit im Rennen um den Nichtabstieg hielt.
Nachhaltiger bleiben mir jedoch sein ständiges zögern und seine schlechten Abschläge in Erinnerung. In der Gilde der besten VfB-Torhüter nimmt er für mich keinen vorderen Rang ein. Sawitzki und Bögelein vor meiner Zeit, später dann Heinze, Roleder, Immel, Franz Wohlfahrt, Timo Hildebrand und natürlich Jens Lehmann waren allesamt bessere und vor allem zuverlässigere Keeper.
Mit diesen Ausführungen ist das Thema Ulle beim VfB für mich abgeschlossen. Ich sah mich lediglich noch einmal dazu genötigt, die Gründe fundiert darzulegen, weshalb ich Ulle schon seit Jahren äußerst kritisch sehe. Im Internet wurde ich lange von vielen seiner Jüngern angefeindet, in Facebook vom einen oder anderen blockiert, ein Internet-Troll drohte mir gar mit Anzeige wegen Beleidigung, weil ich in einer der fragwürdigen Facebook-Gruppen, die Ulle in die Nationalmannschaft schreiben wollten, schrieb, dass Ulle einer der schlechtesten Bundesligakeeper ist und ihm zu viel fehlen würde, je ein guter Torwart zu werden. Daher ist der Abgang jetzt schon eine Genugtuung, das Grinsen darüber bringe ich bis jetzt nicht aus meinem Gesicht, wenn ich daran denke.
Nicht nur, dass er geht, sondern auch darüber, dass er den Weg des geringsten Widerstands gewählt hat und sich mit 26 Jahren schon fast aufs Altenteil zurücksetzt. In Zeiten des Söldnertums ist es natürlich legitim, dorthin zu wechseln, wo am meisten gezahlt wird, vielleicht auch, um den einen oder anderen Titel in seiner Vita stehen zu haben, aber, bei aller Liebe, welchen Anteil er daran haben wird, das steht auf einem anderen Blatt.
Was bei den Bayern aus ihm wird, ist mir ziemlich egal. Über Bayern-Spieler lasse ich mich ohnehin ungern aus. Denjenigen, die jetzt noch damit kommen, „warum ausgerechnet zu den Bayern“, sei gesagt, dass er, zumindest in Deutschland, nicht viele Alternativen mit Perspektive zur Nummer 1 hatte. Ins Ausland wollte er nicht, auch das ein Indiz fehlenden Selbstbewusstseins und fehlendenden Ehrgeizes. Daher irgendwie konsequent sich aus dem großen Rampenlicht herauszunehmen und trotzdem noch finanziell außerordentlich abzusahnen, wenngleich seine (Bundesliga-) Karriere für mich damit beendet ist.
Ich blicke, wie schon dargelegt, recht optimistisch in die Zukunft und freue mich auf die neue Saison. Bis Ende August wird sich noch einiges tun auf dem Transfermarkt. Es wird schmerzhafte Abgänge geben, sicher auch die eine oder andere vielversprechende Neuverpflichtung. Der eingeschlagene Weg ist alternativlos, der VfB benötigt eine Frischzellenkur. Er muss die Balance finden zwischen erfahrenen Führungsspielern, sinnvollen Ergänzungen und dies stets, ohne dem eigenen Nachwuchs den Weg zu verbauen. Diese Nachwuchsspieler sind unser Kapital der Zukunft, diese müssen wir hegen und pflegen, diese müssen eine Perspektive erkennen und müssen dann da sein und sich zeigen, wenn ein Leistungsträger ausfällt. Daher freue ich mich auf die Wanitzeks, Kiesewetters und Ristls und wie sie alle heißen. Dutt und Zorniger haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Jungs Vertrauen schenken zu wollen, gerne mit ihnen arbeiten und sie auch spielen lassen, wenn sie besser sind als ein Arrivierter. Mit einer derartigen Philosophie identifiziere ich mich persönlich mehr, als mit der nicht vorhandenen in den letzten Jahren. Spieler, die beim VfB groß geworden sind und es in den Profikader schaffen, sind doch mehr mit dem Herzen dabei als jene Durchschnittsspieler, die aus aller Herren Länder hinzugekauft wurden.
An dieser Stelle zwei Zitate von Legende Buffy Ettmayer:
„Bei lauter ausländischen Spielern kann man auch gleich einen Doppeldeckerbus hinstellen – die Spieler unten und die Übersetzer oben rein.“
„Wer ist Tunay Torun? Brauchen die den, dass sie Elf gegen Elf spielen können, oder was? Oder Abdellaoue – oder wie heißt der? Solche Spieler kann der VfB auch zwischen Deizisau und Plochingen holen.“
Ich bin großer Hoffnung, dass dies nun auch in der VfB-Führungsriege angekommen ist und man lieber hungrige Spieler mit Entwicklungspotential holt, als abgehalfterte Altstars. Natürlich geht es nicht ohne die eine oder andere erfahrene Korsettstange, die weiterhin dazu verpflichtet werden muss. Wenn das neue Scouting-System greift, wenn man sich mit den betrauten Personen abspricht und über Neuzugänge diskutiert und zum Schluss kommt, dass ein Spieler geholt werden soll, wird er wenigstens so weit durchleuchtet sein, dass er ein Teamplayer, ein guter Typ ist und zu der Truppe passt.
Zugegebenermaßen viel Theorie, vieles von der PK aufgegriffen, was Mut macht für eine bessere Zukunft. Die Praxis wird zeigen, was alles umgesetzt werden kann und auch wie so manche Entscheidung, die vielleicht auch weh tun wird, vom Umfeld mitgetragen wird.
Sehr hilfreich wäre natürlich ein gutes Auftaktprogramm im morgen erscheinenden Spielplan. Schwieriger als in der letzten Saison, was uns gleich ins schlechte Fahrwasser gespült hat, ging es kaum. Auswärts in Gladbach, München, Dortmund und Berlin, zu Hause gleich gegen einen von der Euphorie getragenen Aufsteiger. Da wir letzte Saison auswärts starteten, erhalten wir nun wohl ein Heimspiel, hoffentlich gegen einen machbaren Gegner wie bspw. Frankfurt oder Bremen, so dass von Beginn an Ruhe herrscht und sich der VfB frühzeitig ins gesicherte Mittelfeld absetzen kann.
Für mich beginnt morgen mit der Veröffentlichung des Spielplans die Saison. Wenige Tage später werden die ersten Terminierungen einschl. des Pokalspiels in Kiel erfolgen, so dass es endlich wieder etwas zu planen gibt. Am Montag dann der Trikotlaunch im Schlienz-Stadion und das erste Training, bevor es am Freitag, wenigstens für drei Tage, ins Zillertal geht. Nach wie vor hoffe ich noch auf ein zweites Trainingslager Ende Juli, wofür wir ursprünglich Urlaub eingereicht hatten. Eines ist sicher, langweilig wird es nicht, die Gerüchteküche wird weiter brodeln, mindestens so lang, wie sich die Bundesliga noch im „Sommerschlaf“ befindet.

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14. September 2014

Mutlos, leblos, VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 11:57

Die positiven Nachrichten vorneweg, wir haben es hinter uns! Wir haben „nur“ 0:2 in München verloren. Dass man dort auch durchaus eine Packung bekommen kann, haben wir vor fast genau zwei Jahren beim 1:6 erleiden müssen. Der Unterschied zu damals aber: vor zwei Jahren spielten wir nicht nur gut mit, wir gingen auch mit 0:1 in Führung und, wer weiß, hätte damals nicht Ulles Dauerformtief begonnen, hätte man damals das Zeug dazu gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Als er einen Schuss vor die Füße Müllers prallen ließ, war es damals schon vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man ließ sich regelrecht abschlachten.
Anders gestern, ohne Torschuss kann man nun mal kein Spiel gewinnen. Und, darauf zu bauen, bei den Bayern wenigstens ein 0:0 zu ermauern ist derzeit genau so unrealistisch wie ein Abstieg der übermächtigen Bayern.
Was waren das damals noch Spiele, die dem auch heute noch bemühten Begriff „Südschlager“ mehr als gerecht wurden. Wir zogen zwar im altehrwürdigen Olympiastadion meistens den Kürzeren, boten aber stets einen offenen Schlagabtausch und erarbeiteten uns den Respekt der Bayern, auch den der Fans. Ergebnisse wie ein 3:5 aus unserer Sicht waren keine Seltenheit, bei minus 16 Grad und dem ersten Spiel von Franz Beckenbauer auf der einen, Jürgen Röber auf der anderen Seite, erlebte ich gar „meinen“ ersten Sieg überhaupt bei den Bayern, dank der Hand Adrian Knups. Unvergessen danach die Polonäse „oberkörperfrei“ durch den Olympiapark und die Triumphfahrt über die von Schneewehen durchsetzte A8 zurück nach Stuttgart.
Damals waren die Fahrten nach München noch richtige Highlights in der Saison. Unter den Fans herrschte eine Gier dabei zu sein, nicht selten fanden bis zu 10.000 Schwaben den Weg nach München und man rechnete sich vor den Spielen etwas aus. Was hatten wir auch für Spieler in den 70er, 80er und 90er-Jahren. Da war zwar auch die eine oder andere Pfeife dabei, wir hatten aber Typen in unseren Reihen, die ihr Herz in die Hand nahmen und die Anderen mitzureißen wussten. Heute hat sich dieses Verhältnis leider dramatisch umgekehrt.
Mittlerweile nimmt man als Allesfahrer die Fahrt nach München eher mürrisch hin, viele andere kneifen von vornherein. Eines dieser Stadien „auf der grünen Wiese“, am A… der Welt, Gästeblock im dritten Rang, wo man weder sein Paulaner Light (gut, das boykottiere ich sowieso) noch eine Stadionwurst mit auf den Platz nehmen darf. Wo man von den überheblichen Bayern-Fans nur noch blöd angemacht oder belächelt wird, wo man sich auf gut deutsch schwer im Zaum halten muss, um nicht auszurasten und irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Mir schwillt da jedes Mal regelrecht der Kamm… Dann stellen sie uns noch eine Hundertschaft Turtles vor den Block, was auch nicht gerade zur allgemeinen Gelassenheit beiträgt. Fast schon lustig oder eher lächerlich in München, wie zwanghaft in manchen Bereichen auf Fantrennung geachtet wird und 50 Meter weiter wieder alles zusammenfließt. Da werden mal so richtig Steuergelder verschwendet, sollen sie sich doch ein Beispiel an NRW nehmen, wo sie es mit weniger Polizei und Deeskalation probieren, was bisher offensichtlich gut funktioniert.
Die Mannschaft hat schon die Hosen voll, wenn sie das Stadion betritt und schaut ehrfürchtig zu ihren Gegenspielern auf. Da scheint es manchmal, dass es im Vorfeld nur wichtig ist, wer von wem das Trikot abstaubt, von Selbstvertrauen und ernsthaftem Siegeswillen keine Spur.
Wir haben leider keine Führungsspieler mit Eiern in der Hose, die schon durch ihre Körpersprache ihrem Gegenüber klar machen, „wenn Du meinst Hugoles mit mir treiben zu können, gibt’s auf die Socken…“. Im Gegenteil, im Zweifel wird zurückgezogen, ein Foul an einem Bayern-Akteur wird in der Republik ja schon als Majestätsbeleidigung angesehen, solchen Diskussionen und dem Aufschrei der Bayern-Oberen möchte man lieber im Vorfeld gleich jegliche Nahrung nehmen.
Armin Veh hat schon nach dem Köln-Spiel angeprangert, die Jungs seien alle zu lieb. So hielt sich meine Hoffnung schwer in Grenzen, dass wir in München einen anderen VfB erleben würden, doch, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt und immer erst nach dem Spiel.
Wie Kampf Berge versetzen kann, konnte man beim Freitag-Abend-Spiel Bayer 04 Leverkusen-Werder Bremen erleben. Leverkusen, eigentlich den Bremern übermächtig, hätte zur Pause gut und gern 4:0 führen können, wenn nicht gar müssen, wurde von den Bremern aber nach und nach der Zahn gezogen. Bremen hielt mit großem Kampf und, wenn sich die Möglichkeit bot, auch mit mutigem Spiel nach vorne, dagegen. Dort wurde um jeden Zentimeter Rasen gekämpft, kein Ball verloren gegeben. Solche Spiele kenne ich eher von der Insel, so dass ich schwer beeindruckt war, so etwas in unserer Liga verfolgen zu dürfen.
Nach diesem Kick sah ich mich sofort gemüßigt, Sven Ulreich, der auf Facebook postete, dass sie sich im Hotel aufs Spiel vorbereiteten, auf seine Pinnwand zu posten, dass ich hoffe, dass sie sich dieses Spiel angeschaut haben und dass sie verdammt noch mal ein ähnliches Engagement an den Tag legen sollen und so auch befähigt wären, den Bayern weh zu tun. Die Bayern, verletzungsgeplagt und vor anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen stehend, wollten die Partie im Schongang gewinnen und sich nicht außerordentlich verausgaben. Für dieses Vorhaben war der VfB natürlich der dankbarste Gegner, den man sich wünschen kann. Gerade störe ich mich beim vorigen Satz am Wort „Gegner“, Sparringspartner wäre treffender. Wir liefen ordentlich nebenher, ohne den Bayern zu nahe zu treten. Die Defensive stand zwar weitestgehend gut, die meiste Zeit liefen wir aber trotzdem nebenher und überließen den Bayern das Spielgerät.
Erschreckend fand ich einmal mehr die technischen Mängel, die bei uns zutage traten. Fehlpässe über drei Meter sind nicht bundesligatauglich. Und wenn dem einen oder anderen Spieler bei einem 3-Meter-Pass die Kugel noch 4 Meter wegspringt, bis man sie kontrolliert hat oder eben, wie meistens, der Gegner sich den Ball geschnappt hat, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Spielfluss aufkommt und vor allem keine Überraschungsmomente entstehen, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Gefahr entstand allenfalls durch Kopfbälle von Antonio Rüdiger oder einem Distanzschuss von Timo Werner. Bayern hätte ohne Torwart spielen können, kein einziger Ball kam auf den Kasten von Manuel Neuer. Ich habe nunmehr in vier Pflichtspielen in der noch jungen Saison gerade einmal vier Torschüsse gezählt. Wenn man es in naher Zukunft nicht schafft, ein kombinationssichereres Offensivspiel mit gefährlichen Torabschlüssen, hinzulegen, wird es ganz schwer, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen. Unsere Abwehr ist nach wie vor zu instabil, um nicht zu null spielen zu können.
Armin Veh brachte in Leitner und Werner für Maxim und Didavi zwar zwei Neue, leider verpufften diese Wechsel, weil man nach dem Köln-Spiel auf allen Positionen hätte wechseln können und keiner der damaligen Totalausfälle besser aus der Länderspielpause kam.
Leitner zeigte auch gestern wieder, dass er ein Schönwetterfußballer ist. Wenn es in der Truppe läuft, kann er glänzen, ein Spieler, der Ordnung in ein nicht funktionierendes Team hineinbringt ist er nicht. Auf Timo Werner dagegen lass ich noch nichts kommen. Er ist blutjung und muss sich an den Rhythmus in der Liga weiterhin gewöhnen. In der zweiten Halbzeit, als er für Ibisevic in die Mitte rückte, war er auffälliger und hat mir (an der Seite von Kostic und Maxim) gut gefallen. Bevor ich den lustlosen und stets lamentierenden Sturmtank Ibisevic bringe, setze ich doch lieber auf Dauer auf Timo Werner, dem man anmerkt, dass er will und dass er sich verausgabt. Jedoch vertraue ich hier auch Armin Veh, der Tag für Tag am besten sieht, ob er der großen Belastung jede Woche schon jetzt gewachsen ist.
Veh muss möglichst schnell „seine“ Elf finden, die uns wieder mehr Freude macht und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt. Momentan sieht es zwar nach einer ganz düsteren Saison aus, jedoch sollte man nach gerade einmal vier, zugegebermaßen sehr ernüchternden, Pflichtspielen die Kirche im Dorf lassen. Mir war es seit der Spielplanpräsentation klar, dass es durchaus sein könnte, dass wir nach fünf Spielen noch ohne Punkt da stehen. Gladbach, Bayern, Dortmund, zu Beginn gleich die denkbar schwersten Auswärtsaufgaben, dazwischen noch unseren (Heim-)Angstgegner Köln und die Hoffenheimer, die sich dank Hopps Millionen mal wieder namhaft verstärkt haben. Daher ist es noch viel zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Erschreckend allenfalls für mich, wie wenig wir insgesamt an den Spielen teilgenommen haben, wie wenig Torgefahr entfacht wurde und wie leidenschaftslos, vor allem gegen Köln, der Brustring von der gesamten Truppe spazieren getragen wurde.
Veh scheint langsam zu merken, auf welch schwierige Aufgabe er sich hier eingelassen hat. Er beteuert, als Außenstehender den VfB nicht so schlecht gesehen zu haben, wie er wirklich geworden ist. Schade, dass diese Erkenntnis offensichtlich nicht schon während der Trainingslager gereift ist, auch wenn es sich langsam herausstellt, dass die kolportierten 15 Millionen Euro für Sommertransfers, unter Vorbehalt des Verkaufs von Altlasten und inklusive aller Gebühren, Handgelder, Gehälter, erfolgten. Für einen Lastminute-Einkauf, der so dringend nötig gewesen wäre, war angeblich schon kein Geld mehr da. Anstatt in ein kalkuliertes Risiko zu gehen und wenigstens noch einen erstklassigen Innenverteidiger zu holen, riskiert man hier also (sehenden Auges) den Super-GAU. Dieser wird zwar nicht zwingend kommen, Gegner, die mehr mit uns auf Augenhöhe spielen als die ersten fünf bekommen wir auch noch, angesichts der fragilen ersten Elf, die Woche für Woche auf dem Platz steht, halte ich ihn zumindest für möglich.
Bernd Wahler scheint Bobic einfach weiter „machen zu lassen“ und kümmert sich in erster Linie um die Ausgliederung der Profiabteilung. Ob diese Prioritätenfestlegung realitätsgetreu ist, wird sich herausstellen. Meiner Ansicht nach muss zuerst der sportliche Bereich attraktiv und erfolgversprechend aufgestellt sein, um überhaupt potente Geldgeber für den VfB begeistern zu können und sich am Ende, in Anbetracht der Gesamtsituation nicht unter Wert verkaufen zu müssen. Dass Bobic einfach weiter machen durfte nach der verkorksten letzten Saison ist für mich DER Kardinalfehler schlechthin. Auch diese bittere Tatsache laste ich Bernd Wahler an, der auf mich den Eindruck macht, (zu) bequem zu sein und sich aus dem sportlichen Bereich komplett herauszuhalten. Da hätte ich mir einen starken Mann wie früher MV gewünscht, der auf den Tisch haut und personelle Konsequenzen zieht. Das richtige Datum für den großen Schnitt ist immer der 1.7., hier wurde es versäumt Nägel mit Köpfen zu machen.
Auch wenn ich letzten Endes mit der Installation von Armin Veh als Cheftrainer einverstanden war und noch immer bin – ich hatte schon am Ende der letzten Saison bedauert, dass Huub Stevens nicht weiter machen und eine Auszeit nehmen wollte. Jetzt allerdings bröckelt langsam durch, dass Stevens durchaus zum weitermachen bereit gewesen wäre, man aber schon bei Armin Veh im Wort stand. Sollte das die Wahrheit sein, verstehe ich die Welt nicht mehr. Stevens kannte die Mannschaft immerhin schon und hätte wohl besser gewusst, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, als es Armin Veh wusste. So holte man lieber einen unbedarften Mann, dem die unbequemen Wahrheiten in der Mannschaft noch nicht so geläufig waren, beließ Bobic im Amt, der wiederum Armin Veh „einarbeiten“ durfte und seine (Fehl-)Sicht über die Mannschaft und ihr Innenleben an Veh weitergab.
Das Lamentieren über diese groben Fehler der Vergangenheit bringt uns jetzt aber leider auch nicht weiter, auch wenn es noch so traurig ist. Im Grunde sehe ich diese Mannschaft fast als untrainierbar an, zumindest kommt man mit Nettigkeiten bei ihr nicht weiter, siehe Stevens, der mit seiner knorrigen, kompromisslosen Art genau der Richtige war.
Veh merkt man die Akribie an, mit der sein Engagement antrat und er ist bereit, Änderungen durchzuziehen. Nach 2 ½ Monaten Arbeit an alter Wirkungsstätte hat er diese Woche Sven Ulreich angezählt bzw. in die Pflicht genommen, nämlich dass er fußballerisch und im Lesen des Spiels besser werden müsse um ein guter Bundesligatorwart zu werden. Meiner Ansicht nach sind dies jedoch Defizite, die ein Torwart hat oder auch nicht und kaum im vergleichsweise hohen Alter noch erlernt werden können. Vielleicht wollte Veh auch nur vorbauen, dass irgendwann einmal eine Ablösung Ulles, kein Tabuthema mehr ist.
Mit den Auswechslungen von Gentner und Ibisevic gestern setzte er (hoffentlich) ein Zeichen für die Zukunft, dass KEIN Platz in der Mannschaft in Stein gemeißelt ist. Neben den Genannten haben wir leider noch einige Baustellen mehr. Für gestern hatte ich gehofft, dass Schorsch Niedermeier anstelle von Daniel Schwaab in die Innenverteidigung rücken würde, dass Sakai und Harnik die längst überfällige Pause bekommen würden. Beide waren auch gestern wieder schwach und mit Unmengen an Stockfehlern. In Daniel Ginczek „wächst“ ernsthafte Konkurrenz für Ibisevic heran, möglicherweise sitzt er schon gegen Hoffenheim auf der Bank. Meiner Meinung nach scheut Veh (noch) den ganz großen Umbruch, um das ohnehin schon sehr fragile Gebilde nicht völlig zum Einsturz bringen. Andererseits, mir würde es Hoffnung machen und es könnte dadurch ein Ruck durchs Team gehen. Das Gros des Teams ist doch für die meisten unsäglichen Auftritte in den letzten Jahren maßgeblich verantwortlich, das hätte man auch schon im Sommer so analysieren müssen, geschehen ist so gut wie nichts, wie auch, wenn der Manager während der für einen „Einkäufer“ wichtigsten Phase der Saison mal eben so drei Wochen in den Urlaub geht.
So zielt mein Stückchen Hoffnung, die ich noch in diese Saison setze, darauf ab, bis zum nächsten Transferfenster den Schaden so gering wie möglich zu halten und dann den großen Umbruch einzuleiten. Gegen Hoffenheim habe ich schon jetzt ein ganz dummes Gefühl, dass es eine Niederlage geben könnte, die so richtig weh tut. Andererseits holten wir vor Jahresfrist im ersten Spiel unter Thomas Schneider mit dem 6:2 gegen Hoffenheim unseren ersten Saisonsieg und den noch richtig spektakulär.
Aufgeben gilt nicht, immer weiter kämpfen und dann siegen, für den Brustring, für den VfB, und nicht zuletzt für uns Fans. Gerade gegen Hoffenheim kann sich das Team keine so emotionslose Vorstellung wie im Heimspiel gegen Köln leisten, gerade da erwarten wir, dass sich jeder zerreißt und schon die Körpersprache im Kabinengang klar macht, dass es hier nur einen Sieger geben wird. Enttäuscht die Mannschaft erneut, kommen schwere Zeiten auf das Team zu, auch im Verhältnis zu den Fans. Der Vertrauensvorschuss, den man ihnen in der letzten Saison durch #Zusammenhalten und ähnliche Aktionen zugestand, ist langsam aber sicher aufgebraucht. Vor allem dann, wenn man von der Tribüne aus den Eindruck hat, dass die Mannschaft gar nicht will, dann muss sie sich ohne Wenn und Aber dem aufkeimenden Zorn stellen und darf nicht Bähmulle spielen wie nach dem Köln-Spiel! Das zeigte nämlich den „Charakter“ dieser Truppe schonungslos auf, nämlich die Schuld bei den Anderen zu suchen anstatt sich an die eigene Nase zu fassen. Der Rückhalt der Fans ist nach wie vor da, auch gestern in München wieder.

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