11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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25. Juni 2015

Aufbruch 1893! Der VfB erfindet sich neu!

Ein Ende der Saure-Gurken-Zeit ist in Sicht. Zum Glück. Jeden Tag neue Gerüchte über Zu- und Abgänge, mit der Zeit nervt es und man lechzt nach Vollzug in der einen oder anderen Personalie. Man sollte meinen, in Zeiten von Berateragenturen, Internet und Mobiltelefonie wäre es egal, in welchem Zipfel der Welt sich die Spieler, Trainer und Manager aufhalten, deren Zukunft (und die der Vereine) könnte auch ohne ihre Anwesenheit geklärt werden, dem ist aber wohl doch nicht so. So freue ich mich darauf, dass sie Anfang nächster Woche nach und nach eintrudeln werden und sich endlich auch persönlich erklären können. Ich freue mich insbesondere darauf, wenn unser neuer Trainer Alexander Zorniger erstmals erklären wird, was er mit dem VfB vor hat, wie er sich den VfB der Zukunft vorstellt, auf wen er setzt, auf wen nicht und was Robin Dutt seiner Meinung nach noch am Kader verändern muss.
Was wird aus Spielern wie Vedad Ibisevic, Adam Hlousek, Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch, denen man dem Vernehmen nahegelegt hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Werden sie, für den Fall dass sie es vorziehen ihren gut dotierten Vertrag lieber absitzen zu wollen, „normaler“ Teil der Mannschaft sein, wird es eine Trainingsgruppe 2 geben oder wird man sie ohne Wenn und Aber auf der Tribüne versauern lassen? Ich hielte es als Druckmittel durchaus für eine charmante Lösung, diese Spieler komplett von der Mannschaft fern zu halten, ihnen Tag für Tag klar zu machen, dass sie mehr geduldet als erwünscht sind und verspräche mir davon noch am ehesten, dass sie ihren Allerwertesten bewegen, um doch, notfalls für kleineres Salär, irgendwo unterzukommen. Ein Sportler sollte doch nach meinem Verständnis den natürlichen Ehrgeiz haben, sich im Training stetig zu verbessern, den täglichen Konkurrenzkampf zu spüren und sich im wöchentlich im Wettkampf zu messen. Man kann sich doch nicht damit zufriedengeben, nur zu trainieren, dafür fette Kohle zu kassieren, sportlich aber in Vergessenheit zu geraten. Über den (schlechten) Charakter solcher Spieler braucht man kein Wort mehr zu verlieren…
Vielleicht zieht ja auch, dass im nächsten Jahr die Euro in Frankreich ansteht, wo, durch eine weitere Aufblähung des einstigen Elitenturniers halb Europa dabei sein wird und sich damit auch Nationen wie Bosnien-Herzegowina, Tschechien und Norwegen berechtigte Chancen ausrechnen dürften, dabei zu sein. Für Spieler, deren Stammplatz die Tribüne ist, dürften die Chancen dabei zu sein, schwer sinken, so dass sie es sich genau überlegen dürften, was ihnen wichtiger ist, viel Geld zu kassieren fürs Nichtstun oder für ihr Vaterland bei einer Europameisterschaft aufzulaufen, auch unter dem Hintergrund, dass sie alle nicht mehr die Jüngsten sind und eine solche Chance demnach wohl kein weiteres Mal kommen dürfte.
Thorsten Kirschbaum steht vor einem Wechsel zum 1. FC Nürnberg, laut kicker.de habe man sich inzwischen weit unter den einst geforderten 750.000 Euro geeinigt. Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass er seine Chance Ulle zu beerben nicht nutzen konnte. Die Bürde, Ulle vergessen machen und gleichzeitig Ulles große Fangemeinde überzeugen zu müssen, war zu groß. Ich kenne ihn ja aus einigen Trainingslagern und habe ihn da schon weitaus stärker halten sehen, wie das, was er dann in der Bundesliga auf den Platz brachte. Er war übernervös, was sich natürlich auch auf die Abwehr übertrug, so dass der Wechsel zurück zu Ulle fast schon wieder folgerichtig war. So hat er sich hier in kürzester Zeit verbrannt, so dass der Abgang die logische Folge ist.
Setzt Zorniger weiter auf Gotoku Sakai? Wie schon einige Spieler vor ihm, hatte Go seine beste Zeit beim VfB, als er uns noch nicht gehörte und als Leihspieler Werbung in eigener Sache betreiben musste. Damals wollte man ihn schon am liebsten „eindeutschen“, damit er für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt gewesen wäre. Er wäre in seiner damaligen Form das optimale Pendant zu Philipp Lahm gewesen, wobei die beiden sogar beliebig die Seiten hätten wechseln können. Einen Weltklasseauftritt von ihm habe ich noch in guter Erinnerung, als er beim 5:1 bei Steaua Bukarest den Rumänen mit Okazaki zusammen Knoten in die Beine wirbelte. Vielleicht hält man Japaner ja am besten paarweise, es fällt bei ihm frappierend auf, dass seine Formkurve, seit uns Shinji Okazaki verlassen hat, dramatisch nach unten zeigt. Vielleicht bekommt Zorniger ihn ja wieder hin, er dürfte es aber schwer haben, in die erste Elf zu kommen. Auf der linken Seite sähe ich lieber einen Linksfüßer und rechts stünde er zunächst einmal höchstens als Backup für Florian Klein zur Debatte.
Wenig halte ich davon, auf der Rechtsverteidigerposition auf einen gelernten Innenverteidiger wie etwa Daniel Schwaab zu setzen. Auch wenn er, wie die gesamte Mannschaft, im Finale der Vorsaison stark verbessert agierte, ist er für mich ein Spieler, den man gerne abgeben darf. Sicherlich ist er ein untadeliger Profi und privat eher ruhig und solide, aber, einer der Ruhe und Sicherheit im Spiel ausstrahlt ist er eben auch nicht. Im Gegenteil, er hat immer wieder riesen Schnitzer in seinem Repertoire, die es nicht rechtfertigen, danach dann über das allzu kritische Stuttgarter Publikum herzuziehen. Es ist noch immer so, dass der Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen muss und es andersherum schwierig ist. Im Saisonfinale war der Rückhalt der Fans grenzenlos, allerdings nur, weil man genau ein Gespür dafür entwickelt hat, dass es Huub Stevens gelang, eine Formation, eine Einheit auf den Platz zu bringen, die sich für den Brustring aufgerieben und zum Schluss auch einen brutalen Willen gezeigt und Zusammenhalt demonstriert hat.
Antonio Rüdiger wird den VfB wohl verlassen und dem VfB angesichts der kolportierten Ablöse im zweistelligen Millionenbereich wichtigen Handlungsspielraum ermöglichen. Es scheint so, dass alle Transferaktivitäten mit dieser Personalie stehen und fallen. Bei Rüdiger sehe ich zwar noch großes Entwicklungspotential, aber, Reisende soll man nicht aufhalten. Ein klares Bekenntnis zum VfB ist ihm nicht zu entlocken, im Gegenteil, er macht keinen Hehl daraus, dass er sich zu höherem berufen fühlt, als den steinigen Weg mit dem VfB mitzugehen. Daher kann man nur hoffen, dass eine baldige Einigung mit dem VfL Wolfsburg erzielt werden kann und Robin Dutt so viel wie möglich Ablöse generieren kann, möglichst natürlich nahe der 20-Millionengrenze.
Nicht nur wenn Rüdiger uns verlässt aber dann besonders benötigen wir einen Abwehrchef, wie es Bordon, Meira oder auch Verlaat waren. An dem Belgier Sébastien Dewaest sei der VfB interessiert (ja, wieder nur ein Gerücht…), was man von ihm so hört und liest, hört sich nicht schlecht an. Seit dieser Woche scheint auch Ermin Bičakčić auf dem Markt zu sein, der mit Hoffenheims Trainer Gisdol nicht klar kommen soll. Dass er von Hoffenheim käme, wäre für mich jetzt nicht von vornherein ein K. O. –Kriterium, da er nicht, wie viele andere ehemalige Spieler von uns, den VfB wegen Hopps schnödem Mammon verlassen hat. Mit ihm wusste Labbadia nichts anzufangen, so dass er für lächerliche 350.000 Euro zu Eintracht Braunschweig geflüchtet ist und sich dort für höhere Weihen empfehlen konnte. Dort verpasste man ihm den Spitznamen „Eisen-Ermin“, was seiner Spielweise gerecht wird. Ermin ist ein eisenharter Verteidiger und dazu technisch beschlagen. Sollte er bezahlbar sein, würde ich mich über seine Rückkehr sehr freuen, auch, weil er ein super Typ, normal und im Herzen sowieso ein VfBler geblieben ist.
Georg Niedermeier, auch ein guter Typ, sehe ich allenfalls noch als Lückenbüßer an, sollten die oben genannten oder auch Timo Baumgartl mal ausfallen. Er ist, trotz seines gesetzteren Alters, keiner, der die Richtung vorgeben und eine Abwehr organisieren kann und technisch zu grobschlächtig, nicht umsonst sein Spitzname „Niederstrecker“.
Im Mittelfeld führt kein Weg an Serey Dié vorbei. Der Ivorer hat sich binnen kürzester Zeit als Leader etabliert und großen Anteil am Klassenerhalt. Allein mit Schönspielern und Zweikampfallergikern wie Leitner und Gentner ließ sich keine Hoheit im Mittelfeld herstellen. Es hat einen gebraucht wie Dié, der dazwischen haut und sich nichts gefallen lässt. Es ist auch wirklich köstlich, ihn im Training zu beobachten, wie lautstark er dort von Anfang an auftrat, wie engagiert er ist und wie er sämtliche Voodoo-Geister anruft, um ein Trainingsspielchen doch noch zu gewinnen.
Christian Gentner steht wohl kurz vor einer Vertragsverlängerung. In einer funktionierenden Mannschaft kommen seine Stärken zum Tragen, wenn es nicht so läuft, ist er jedoch ein Mitläufer wie die meisten anderen auch und der Kapitänsbinde nicht würdig. Mit dem neuen Trainer, einigen Neuzugängen und den Spielern, die sich im Abstiegskampf besonders hervor getan haben, entsteht zwangsläufig auch eine neue Hierarchie. Da ich von Dutt und Zorniger erwarte, dass auch mannschaftsintern jeder Stein umgedreht wird, hoffe ich, dass Zorniger nach seinen Eindrücken aus knapp sechs Wochen Vorbereitung kurz vor dem Pokalspiel bei Holstein Kiel den Kapitän selbst bestimmen wird.
Überrascht war ich gestern, dass Daniel Didavi in der Sportbild offen über einen möglichen Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen gesprochen hat. Bislang ordnete ich Meldungen zu diesem Thema in die Ecke „Gerüchteküche“ ein. Didavi, den ich als VfBler durch und durch einschätze, wirft dabei die Frage auf, ob man von einem Profisportler Dankbarkeit und auch Vereinstreue einfordern kann, oder ob man Verständnis dafür haben muss, wenn ein hochveranlagter Spieler nach höherem strebt, als jahrelang um den Nichtabstieg zu spielen und jetzt Teil eines möglicherweise vielversprechenden Neuanfangs bei seinem Herzensverein sein könnte. Mit seinen nunmehr 25 Jahren ist er nun mal nicht mehr der Allerjüngste, so dass ihm schnell die Zeit davon laufen könnte, wenn er die Chance jetzt nicht wahrnimmt, mit Leverkusen Championsleague zu spielen und gegen die ganz Großen des Fußballs antreten zu dürfen.
Zweifellos hat der VfB ihm alle Zeit gegeben, sich von seinen schweren Verletzungen zu erholen und wieder vollständig zu genesen. Aber, seien wir mal ehrlich, hätte der VfB eine andere Wahl gehabt? Der VfB hat zwar 2012, als er schwer verletzt von der Leihe aus Nürnberg zurückkam, seinen Vertrag vorzeitig verlängert, sicher aber auch aus Eigennutz und auch um Didavi wieder eine Heimat zu geben. Labbadia wusste vor seinem Wechsel zum Club nichts mit Didavi anzufangen, so dass man ihn mehr zu den Franken abschob, als dass man sich eine Leistungsexplosion von ihm erhoffte. Was er kann, wusste man schließlich bereits. Dort blühte Dida dann auf und wäre damals gerne beim Club geblieben, ein Spieler mehr, der durch die Ausleihe im Herzen bereits mit dem VfB abschloss. Durch solche Beispiele wird ja jetzt auch Günther Schäfer als Teammanager installiert, um den verliehenen Jungs klar zu machen, dass sie weiterhin Teil vom VfB sind und sich nicht entfremden.
So gesehen wäre die damalige Vertragsverlängerung ohne seine Verletzung womöglich schon nicht zustande gekommen. In diesem Winter, als noch nicht absehbar war, ob Dida überhaupt nochmal wieder auf die Beine kommen würde, wäre er wohl zu einer Vertragsverlängerung bereit gewesen, was dem VfB zu unsicher war.
Ich wäre Didavi nicht böse, wenn er die neue Herausforderung annehmen würde, dann aber am liebsten sofort, so dass der VfB noch eine stattliche Ablöse generiert und beide Seiten damit glücklich sind. Die bisher kolportierten drei Millionen, die Leverkusen zu zahlen bereit wäre, erscheinen mir recht wenig, bei gebotenen sechs bis acht Millionen käme Robin Dutt dagegen sicherlich ins Grübeln, zumal man ja auch noch Maxim und Stöger zur Verfügung hat.
Seit Bosman bin ich der Auffassung, dass ein Vertrag vor Beginn der Saison verlängert sein muss, wenn der Vertrag am Saisonende ausläuft. Nicht nur, dass ein ablösefreier Spieler Begehrlichkeiten weckt und dadurch automatisch Unruhe vorprogrammiert ist, auch kann (und sollte) es sich ein Verein wie der VfB nicht erlauben, auf eine Ablösesumme zu verzichten.
Am allerliebsten wäre mir eine Vertragsverlängerung zu deutlich verbesserten Bezügen vor Saisonstart. Wie man an (inoffiziellen) Gehaltstabellen ablesen kann, findet man Dida teamintern unter ferner liefen, was seinem Leistungsvermögen überhaupt nicht entspricht. In den letzten beiden Jahren stand er uns gerade noch rechtzeitig zum Saisonfinale zur Verfügung und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass wir uns weiterhin Bundesligist schimpfen dürfen.
Sollte Didavi nicht nach der ganz großen finanziellen Sicherheit streben sondern sich auf ein nach Einsätzen gekoppeltes Vertragsmodell einlassen, wäre der VfB sicherlich nicht abgeneigt, sein Einkommen leistungsgerecht aufzustocken. Alles andere wäre für den VfB ein (zu) hohes Risiko, wenn man sich Didas Einsatzzeiten aus den letzten Jahren anschaut.
Wer ihm dann, auch schon jetzt in diversen Foren, Undankbarkeit und Söldnertum vorwirft, kann nur mit auf den Weg gegeben werden. Willkommen in der Realität. Einige sind bereits nach der Verkündung von Ulles Abschied auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen, für die anderen bricht dann eben jetzt die heile Welt zusammen. Der moderne Fußball bietet nun mal keinen Platz mehr für nostalgische Gefühle, es geht dabei nur noch ums Geld, für die Medien, die Vereine, die Vereinsvertreter und auch für die Spieler, egal was der Fan auf der Tribüne darüber denkt.
Wer nicht damit klar kommt, dass ein (einstiger) Liebling den Verein verlässt, dem sei die Traditionself ans Herz gelegt, dort spielen die wahren Legenden, die den Brustring im Herzen tragen und dem Verein ein Leben lang treu geblieben sind, wie unter anderen mein Allzeit-Lieblingsspieler Karl “Wasenkarle” Allgöwer.
An der Personalie Didavi hängt wohl auch die Zukunft von Alexandru Maxim. Bliebe Didavi wäre Maxim wohl weiterhin nur Backup für Didavi, was sicherlich nicht sein Anspruch ist. Dann ist es fraglich, ob es Sinn macht, einen bekanntermaßen sensiblen Spieler wie Maxim gegen seinen Willen zu halten, zumal er auf der Insel hoch im Kurs steht und die Engländer aufgrund ihrer gut dotierten Fernsehverträge Ablösesummen ausrufen, von denen man hierzulande nur träumt. Ich fände es sehr schade, wenn Alex uns verlassen würde, da ich von seinen Qualitäten überzeugt bin und er ein Typ Spieler ist, für den man Woche für Woche gern ins Stadion pilgert.
Würde uns Maxim verlassen, stiegen automatisch die Einsatzchancen für Kevin Stöger, der nach zweijähriger Ausleihe vom 1. FC Kaiserslautern zurückkehrt. Ich hoffe, dass er den nächsten Schritt machen kann, technisch beschlagen ist er jedenfalls und scheint sich im Stahlbad Zweite Liga auch die nötige Robustheit angeeignet zu haben, ich freue mich auf ihn.
Auch Carlos Gruezos Einsatzchancen dürften durch die Abgänge von Romeu und Leitner wieder gestiegen sein. Er hat ein Seuchenjahr hinter sich und wird hoffentlich wieder an seine Leistungen der Rückrunde 13/14 anknüpfen, auch wenn es schwer sein dürfte an Dié und Gentner vorbei zu kommen.
Für Martin Harnik gilt das gleiche wie für Didavi, Vertrag verlängern oder an den Meistbietenden verkaufen. Auch bei ihm hoffe ich jedoch, dass man sich auf eine Ausweitung des Arbeitspapiers verständigen kann. Ich hatte vor einiger Zeit schon über ihn unter dem Titel „Zwischen Genie und Wahnsinn“ geschrieben, und denke, das beschreibt ihn ganz gut. Oftmals misslingen ihm einfachste Dinge, dann wieder, manchmal nur wenige Minuten später, bringt er Dinge auf den Platz, die nur ganz wenige können. Mangelnden Einsatz, mangelnde Identifikation mit dem Verein, auch mangelnde Selbstkritik kann man ihm nie vorwerfen. Er ist ein echter Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt, geradeaus und für mich einer der wenigen Führungsspieler, die wir haben. Daher wäre es sehr schade, wenn er seine Zelte bei uns abbrechen würde.
Auch die anderen Protagonisten des geglückten Klassenerhalts wecken Begehrlichkeiten finanziell potenterer Clubs. So soll Filip Kostic beim Championsleague-Finalisten Juventus Turin hoch im Kurs stehen und auch der eine oder andere Verein ein Auge auf Daniel Ginczek geworfen haben. Bei beiden wäre es bitterschade, wenn sie uns nach nur einem Jahr wieder verlassen würden.
Unverkäuflich gibt es für den VfB nicht, daran sei auch an dieser Stelle erinnert. Flattert ein unmoralisches Angebot herein, zu dem es schon fahrlässig wäre, nein zu sagen, dann wäre es halt so. Es spricht doch auch für den VfB bzw. für die Leistungen in den letzten Spielen, wenn andere Vereine auf unsere Spieler aufmerksam geworden sind.
Zu guter Letzt ein paar Worte zu Timo Werner. Er hat zuletzt in seiner Entwicklung stagniert und bei seinen Kurzeinsätzen nicht überzeugt und meist keine Bindung zum Spiel gefunden. Ihn schreibe ich noch lange nicht ab und hoffe viel mehr, dass er eines der Gesichter „des neuen VfB“ sein wird. Vielleicht tut ihm die Berufung zur U19 EM gut und gibt ihm einen weiteren Schub. Ich finde es positiv, dass es der VfB ihm und auch Timo Baumgartl nicht verwehrt hat, dieses Erlebnis mitzunehmen. Bringt ihm sicherlich (persönlich und sportlich) mehr, als mit dem VfB zu trainieren, Zorniger wird auch so wissen, was er an ihm hat.
Selbstredend wünsche ich mir kaum etwas weniger als den totalen Aderlass, gerade jetzt, wo sich vielversprechende Konturen im Kader abzeichnen. Auf der anderen Seite ist unser Verein weiterhin notorisch klamm und hätte höchstwahrscheinlich, wäre man nicht wie die Jungfrau zum Kinde in der Winterpause zu den Kimmich-Millionen gekommen, schon damals einen Leistungsträger verkaufen müssen, um überhaupt bis zum Saisonende finanziell über die Runden zu kommen. Finanzieller Aufwand und sportlicher Ertrag stehen schon lang nicht mehr im Einklang miteinander, so dass wir jetzt den Preis für die jahrelange Misswirtschaft bezahlen müssen.
Auch wenn es viele nicht hören wollen, dass Dutt nachtritt und ohne Namen zu nennen Fredi Bobic ein Armutszeugnis ausstellt. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass jahrelang planlos vor sich hin gewurstelt wurde, dass die Sicherung der eigenen Position über den Interessen des Vereins stand, dass gute Leute (und Spieler) weggemobbt wurden und man Ja-Sager um sich geschart hat. Dadurch kam man weg von einem Leistungsklima, was sich bis in die Mannschaft niederschlug. Da wurde weniger nach Leistung als nach dem Namen des Beraters aufgestellt, andere, die man wohl nur holte, um den Kader noch mehr aufzublähen, hatten, egal wie sehr sie sich im Training reinhingen, so gut wie keine Chance auf Einsätze. Dass diese irgendwann resignierten und innerlich kündigten, bevor sie richtig ankamen, konnte dabei nicht verwundern. So wurde ohnehin schon diskussionswürdiges Kapital zu totem Kapital.
Diesen Scherbenhaufen, den Bobic hinterlassen hat, muss Robin Dutt jetzt aufkehren und die finanzielle Balance wiederherstellen. Dass dies mehrere Transferperioden in Anspruch nehmen dürfte, hat Dutt bereits verlauten lassen. Je mehr Transfereinnahmen während dieser Zeit generiert werden, desto schneller wird der VfB wieder handlungsfähig sein und desto früher können wir es uns auch wieder leisten, Spieler tatsächlich für unverkäuflich zu erklären. Jetzt sind wir leider noch nicht so weit, so dass man meiner Meinung nach in dieser Transferperiode noch mit allem rechnen muss.
Dutt sprach von kreativen Lösungen, die es zu finden gelte, dann mal viel Glück dabei. Ich bin keiner, der bei den Zugängen große Namen erwartet. Derzeit vertraue ich voll und ganz Dutt und Zorniger, dass sie einen Plan haben, welchen Fußball der VfB in der neuen Saison spielen soll, welche Korsettstangen erhalten bleiben sollen und welche Puzzleteile hinzugefügt werden müssen. Dafür bedarf es nicht immer eines großen Namens, wichtig ist, dass ein Neuzugang charakterlich in Ordnung ist, gut ausgebildet, ein Teamplayer ist und genügend Grips im Kopf hat, die ihm zugedachte Rolle zu verinnerlichen und seine Aufgabe gut zu erfüllen.
Auf solche Attribute wurde in den letzten Jahren kein großer Wert gelegt, obwohl sie im Mannschaftssport unabdingbar sind. Deshalb verspreche ich mir auch von einem Lukas Rupp mehr, als ich es von einem Sidney Sam tun würde, der wohl ein Vielfaches kosten würde, jedoch kein guter Charakter zu sein scheint. Ich hoffe doch schwer, dass wegen des Rupp-Wechsels nicht gleich wieder jene um die Ecke kommen, die meinen, einen Ex-Karlsruher zu verpflichten ginge überhaupt nicht.
So wenig ein namhaft verstärkter Kader die Garantie für eine erfolgreiche und sorgenlose Saison gibt, so wenig muss ein mit „Namenlosen“ ergänzter oder auch verstärkter VfB automatisch noch schlechter aufgestellt sein als in den letzten beiden Jahren. Wenn am Montag Zorniger seinen Dienst antritt, ist alles neu und sollte alles auf „null“ gestellt werden. Er muss der Mannschaft ein Gesicht verleihen, seine Spielphilosophie durchsetzen und die Spieler dafür einbauen und möglicherweise auch wie Schachfiguren auf andere Positionen versetzen. Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen, die Zeit dafür sollte man ihm geben. Ein Sieg im Pokal in Kiel und ein machbares Auftaktprogramm im am Freitag erscheinenden Bundesligaspielplan wäre dabei durchaus hilfreich.
Die Voraussetzungen für Zorniger, sich in kürzester Zeit ein Bild von der Mannschaft zu machen und alles umzukrempeln sind in dieser Vorbereitung denkbar schlecht. Das eigentliche Haupttrainingslager im Zillertal musste früh terminiert werden, da man bei zillertal.at in der Pflicht stand und man ja lang nicht wusste, ob für uns der Bundesliga- oder der 2. Ligaspielplan gelten würde. So wurde ein Termin gewählt, der für beide Ligazugehörigkeiten gepasst hat. Jetzt, zum Glück als Bundesligist, wird dieses Trainingslager ein fast reines Lauftrainingslager werden, bei dem sämtliche Nationalspieler, die noch bis Mitte Juni für ihre Nationalteams im Einsatz waren, fehlen.
Ob es Ende Juli noch ein reguläres zweites Trainingslager geben wird, steht derzeit in den Sternen. Wegen der späten Planungssicherheit tut sich der VfB offensichtlich damit schwer, so kurzfristig noch etwas zu finden. Ich hoffe darauf, dass es diesbezüglich zum Trainingsauftakt Neuigkeiten geben wird.
Ich begleitete sowohl die Inthronisierung Dutts als Sportvorstand wie auch die Ernennung Zornigers zum Trainer mit großer Skepsis. Bei Dutt muss ich mich schon teilweise revidieren, die Verpflichtung Dié’s war ein Volltreffer und im Nachhinein betrachtet war auch sein besonnenes Auftreten im Abstiegskampf richtig. Seit der ominösen PK hat er Pluspunkte dazu gesammelt, jedoch muss er den großen Worten nun Taten folgen lassen. Anknüpfend daran klingt die Verpflichtung Zornigers konsequent und plausibel, vor allem auch nach dem, was man von ihm so liest und hört. Dass er eben eine Spielidee mitbringt, einen Plan im Kopf hat und diesen konsequent verfolgt und durchzieht und es Leute unter ihm schwer haben werden, die nicht mitziehen oder dessen Pläne gar konterkarieren. Ich gehe da jetzt absolut positiv ran und freue mich darauf, verfolgen zu dürfen, wie sich der VfB (zum Besseren) verändert.
Für seine wohl ziemlich erste spürbare Amtshandlung hat er bei mir schon einmal einen Stein im Brett. Der Verein hat es Sven Ulreich offensichtlich nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb, hätte es Ulle unter Zorniger wohl schwer gehabt, mit seiner trägen und behäbigen Art die Nummer 1 zu bleiben. Ulle als Ersatztorhüter hätte nur Unruhe gebracht, außerdem wäre es auch nicht konsequent gewesen, einen Torhüter auf der Bank zu haben, dem man nicht vertraut. Mit Odisseas Vlachodimos hat sich ein Nachwuchstalent die Beförderung zur Nummer 2 verdient, mit nunmehr 21 Jahren hätte er sich sicherlich auch nicht mehr mit der Rolle des Amateur-Keepers zufrieden gegeben.
Spieler kommen und gehen, der VfB bleibt. Das ist schon seit eh und je meine Devise und sollte sich die/ der eine oder andere auch auf die Fahnen schreiben, die/ der jetzt menschlich so wahnsinnig von oder über Ulle enttäuscht ist. Nichts ist im Leistungssport vergänglicher als die Verdienste von gestern. Wenn die Leistung nicht mehr stimmt, rückt nun mal ein besserer nach. Dieses Prinzip scheinen einige verdrängt oder vergessen zu haben, war bei uns der Leistungsgedanke doch (zu) lange außer Kraft gesetzt. Es ging mehr um irgendwann einmal gegebene Versprechen, Erbhöfe und Vitamin B. Sehr gut, dass jetzt ein anderer Wind zu wehen scheint.
Für mich war es ein sehr guter Tag für den VfB, als Ulles Abschied publik wurde, der große Chancen für die Zukunft bietet, ich jedenfalls weine ihm keine Träne nach.
Er hatte für mich nach seiner Ausbootung gegen Benfica Lissabon eineinhalb gute Jahre, das war’s aber auch schon mit seiner Herrlichkeit. Herzlich wenig in acht Jahren Profifußball beim VfB. Für den schnellen, modernen Fußball, den Zorniger mutmaßlich spielen lassen möchte, ist Ulle nicht geschaffen. Dafür fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit, schnelle Angriffe einzuleiten und vor allem auch das fußballerische Können abgefangene Bälle zum eigenen Mann zu bringen.
So bin ich froh, dass er weg ist und meine, besser hätte es nicht kommen können. Beide Seiten haben ihr Gesicht gewahrt, so dass ich ihm nicht einmal böse sein kann, dass er ausgerechnet zu den Bayern geht. Für mich ist das eine klare Win-Win-Situation, zumindest was den VfB und Ulle angeht, auch wenn ich mich schon insgeheim frage, ob die Bayern bei diesem Transfer daran gedacht haben, dass auch ein Manuel Neuer mal langfristig ausfallen könnte.
Natürlich wird es Ulle helfen, tagtäglich mit dem wohl besten Torhüter der Welt zusammenarbeiten und sich von ihm einiges abschauen zu dürfen. Er wird sich verbessern, davon bin ich überzeugt. Es war zu viel eingefahren beim VfB, ernsthafte Sorgen um seinen Status musste er sich bei uns nie machen. Obwohl bereits Christian Groß, später Labbadia und zuletzt Armin Veh gerne etwas auf dieser Schlüsselposition gemacht hätten, wurde deren Wunsch nach einer neuen Nummer 1 nicht erhört. Stattdessen gab man Marc Ziegler das Gnadenbrot im Herbst seiner Karriere, den braven Bankdrücker zu mimen und holte danach Thorsten Kirschbaum, der, als er die Chance erhielt, den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit schuldig blieb.
Stichwort mentale Stärke, diese habe ich Ulle zuletzt auch abgesprochen. Er strahlte nicht die notwendige Sicherheit einer Nummer 1 aus, war sich unsicher in seinen Aktionen, überlegte zu viel und traf so oft die falsche von zwei möglichen Entscheidungen, anstatt intuitiv das Richtige zu tun. An dieser Schwäche wird er bzw. werden die Bayern mit ihm sicherlich arbeiten müssen.
Einen Zappelphilipp im Tor werden sie sich nicht leisten können, für den Fall, dass er mal in einem wichtigen Spiel für Manuel Neuer in die Bresche springen muss. Dann wäre wohl ganz schnell Tom Starke die Nummer 2 und Ulle säße noch nicht einmal auf der Bank.
Auch jetzt, nachdem ich den Wechsel sacken lassen habe, verstehe ich die Bayern nicht, dass sie gerade auf Ulle gekommen sind. Der Fußball-Ästhet Pep Guardiola muss doch verzweifeln, wenn jede Rückgabe Slapstickpotential in sich birgt oder wenn Ulles Abschläge mal wieder im Seitenaus landen. Von der Spielweise, die man von den Bayern gewohnt ist, hoch zu verteidigen, werden sie mit Ulle im Kasten abrücken müssen, weil er nicht die Übersicht eines Manuel Neuer hat und weil man ihn nicht bedenkenlos, auch scharf, anspielen kann.
Beim VfB hat mich Ulle nie überzeugt. Schon im Wechselspiel mit der Oberpfeife Raphael Schäfer nutzte er die große Chance nicht und wurde ins zweite Glied zurückgestuft. Damals schützten ihn noch seine Jugend und seine Unerfahrenheit davor, ihn frühzeitig abzuschreiben!
Dann kam Jens Lehmann für zwei Jahre und Ulle wurde versprochen, in diesen zwei Jahren von Lehmann lernen zu dürfen und danach die Nummer 1 zu werden. Der Zusatz „unter Leistungsvorbehalt“ fehlte offensichtlich bei dieser Zusage.
Gestern wurde erwartungsgemäß Przemysław Tytoń als neuer Mann zwischen den Pfosten bestätigt. Von ihm habe ich bisher nur das eine oder andere Youtube-Video gesehen. Tolle Reflexe hat er ja, ein solches Video könnte man von Ulle aber sicher auch zusammenschneiden. Fußballerisch und in der Spieleröffnung soll er jedoch auch nicht der Beste sein, so dass wir mit ihm womöglich vom Regen in die Traufe kommen. Hier lasse ich mich gerne eines Besseren belehren und vertraue darauf, dass es der Typ Torhüter ist, den wir für unser Spiel brauchen. Mein Urteil bilde ich mir sowieso am liebsten selbst und freue mich daher umso mehr aufs Trainingslager im Zillertal. Auf dieser Position können wir meiner Ansicht nach nur besser werden, ich hoffe, die einstigen Ulle-Jünger machen ihm das Leben durch ständiges Hinterhergeheule nicht unnötig schwer. Ihm eilt ein guter Ruf voraus und dass er „nur“ Nummer vier in der Gilde der polnischen Keeper ist, hat auch keine negative Aussagekraft in Anbetracht der starken Konkurrenz mit Fabiański, Szczęsny und Boruc.
Um auf Ulle zurückgekommen: Er wurde also aufgrund einer Versprechung und nicht aufgrund seiner Leistungsstärke unsere Nummer 1. Von Beginn an sah man frappierende Unterschiede zwischen dem Weltklasse-Keeper Lehmann und Ulreich. Konnte man sich zwei Jahre lang bei gegnerischen Eckbällen entspannt zurücklehnen, begann nun die fünf lange Jahre andauernde Zeit der Schnappatmung. Fing Lehmann Flanken, die in den Strafraum segelten locker ab und leitete den schnellen Gegenangriff ein, gab es nun todlangweilige Kicks, an denen Ulles träge Art einen großen Anteil hatte. Was wedelte er mit den Armen, „Leute, rausrücken“, um dann, wenn alle einschließlich der Gegner aufgerückt waren, die Kugel dem am nächsten stehenden Abwehrspieler zuzurollen. Im heutigen Fußball kommt es in erster Linie darauf an, Überraschungsmomente zu schaffen und Lücken zu reißen. Mit dem behäbigen Spielaufbau à la Sven Ulreich jedoch, gelang es jedem Gegner seine Grundordnung wieder herzustellen, selbst unterklassigen Teams bspw. im DFB-Pokal, gegen die wir oft genug unsere Müh und Not hatten, ich erinnere mich nur an Babelsberg oder auch den BFC Dynamo.
Christian Groß erkannte das, wurde aber leider kurz nach Bobic‘ Amtsantritt entlassen. Mit der Installation von Bobic als Sportdirektor begannen vier lockere Jahre für Sven Ulreich, ist doch Ulles Berater Jürgen Schwab bester Kumpel und Geschäftspartner von Bobic, so dass öffentliche Kritik bereits im Keim erstickt wurde und Bobic stets seine schützende Hand über den schon lange schwächelnden Torhüter legte.
Als Armin Veh zum zweiten Mal kam, attestierte er Ulreich zwar, sich seit seiner Entlassung verbessert zu haben, stellte aber auch fest, dass Ulle kein Spiel lesen könne und sprach ihm damit durch die Blume (Spiel-)Intelligenz ab.
Für das Kabinenfest während der Länderspielpause letzten September nahm ich mir von vornherein vor, nur mit Georg Niedermeier, mit dem man von diversen Trainingslagern bekannt ist und mit Armin Veh, der mich noch vom Zillertal kannte, ausführlicher zu sprechen. Mit Bobic hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, so dass mich seine Sicht der Dinge genauso wenig interessierte wie die von bspw. Christian Gentner oder von Sven Ulreich.
Veh sprach ich direkt auf seine Achse, also Torhüter, Abwehrchef, Mittelfeldchef, Stoßstürmer an, was er denn dazu sage. Er entgegnete, ich müsse Verständnis dafür haben, dass er nicht über seine Spieler spreche. Akzeptiert, sagte ich, aber ich dürfe doch etwas dazu sagen, worauf er mit „selbstverständlich“ antwortete.
Also, legte ich los: „ich war selbst mal Torwart, Stichworte Strafraumbeherrschung, Spieleröffnung, Antizipation, fußballerisches Können, Ausstrahlung, es ist so viel, was ihm meiner Auffassung nach fehlt“. Ich merkte, dass ich damit bei ihm offene Türen einrannte und, als ich fragte, ob ein Torwartwechsel denkbar wäre, meinte er nur „lass dich überraschen, ich geh jetzt, du weißt mir zu viel“, war ein netter Plausch. Es kam sicher nicht von ungefähr, dass der Wechsel ausgerechnet im Spiel 1 nach der Bobic- Entlassung vollzogen wurde. Dass der Wechsel insgesamt derart in die Hose ging, konnte man nicht ahnen. Daher bleibe ich dabei, dass der Wechsel gerechtfertigt war. Ulle war spätestens ab diesem Zeitpunkt angezählt und stand nur noch mangels ernsthafter Alternative im Kasten.
Eines kann man Ulle nicht absprechen, nämlich dass er den VfB über Jahre verkörpert hat wie kaum ein Zweiter. Er betonte stets, dass der VfB sein Traumverein ist und dass er den Brustring im Herzen trage. Allein diese Vereinsliebe genügte vielen, ihn zur Ikone hoch zu stilisieren, ohne seine Leistungen zu hinterfragen. Wann hat er uns denn das letzte Mal ein Spiel gewonnen? Ich erinnere mich an das 1:0 in Berlin unter Thomas Schneider im Spätsommer 2013, was also auch schon eine Weile her ist.
Aus den genannten Gründen wurde es Ulle beim VfB zu leicht gemacht, über Jahre die Nummer 1 zu bleiben, ohne dass er sich diese Nominierung(en) stets aufs Neue erarbeiten musste.
Von Haus aus ist er doch ein Arbeiter und ein Kämpfer. Nach dem frühen Tod seines Vaters, als er gerade einmal 14 Jahre alt war, setzte er seinen ihm gegenüber erklärten Schwur, eines Tages für den VfB aufzulaufen, in die Tat um. Alleine, um es so weit zu schaffen, bedingt es Ehrgeiz, eiserne Disziplin, Können und auch den Willen sich ständig zu verbessern.
Lang hatte man den Eindruck, er arbeite viel an sich und schaue über den Tellerrand hinaus. Man las immer wieder davon, was er individuell noch macht, zum Beispiel Gehirntraining mit einer Privattrainerin, wo er sich Spielsituationen vorstellen musste und Entspannungstechniken lernen sollte, an seiner Beweglichkeit feilte er im Kunstturnforum.
Vor allem die Zusammenarbeit mit Life-Kinetik-Trainer Efthimios Kompodietas schien Früchte zu tragen. Ob sein Eifer in den letzten Jahren nachgelassen hat, vielleicht weil er sich zu sicher war und ihm nur noch Honig ums Maul geschmiert wurde, kann ich nicht beurteilen. Meine Internetrecherchen bezüglich seiner individuellen Anstrengungen enden jedenfalls im Jahr 2011. Ich sah ihn seit dem 1:6 in München, als er die Niederlage maßgeblich selbst einleitete, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, einfach nur noch schlecht. Analysiert man die letzte Saison kann man bei etwa der Hälfte der Gegentore die Rolle des Torwarts hinterfragen, wenn man sein Stellungsspiel und sein mangelndes Spielverständnis betrachtet oder die Szenen zurücklaufen lässt und feststellt, dass erst ein Abschlag von ihm oder eine nicht abgefangene Ecke zum Ballverlust führte.
Was seit 2011 mit ihm passiert ist, ob er private Probleme hat und ihn etwas bedrückt, mit dem man nicht an die Öffentlichkeit geht, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht kehrte auch eine schädliche Selbstzufriedenheit ein, vielleicht war er sich seines Status zu sicher.
An dieser Stelle muss sein Torwarttrainer Andreas Menger hinterfragt werden, der noch auf dem Fanfest im Zillertal erklärte, zur Zeit des Abgangs von Leno sei Ulle der bessere Torhüter gewesen. Natürlich verleugnete er nicht, dass die Entwicklung der beiden Keeper seither weit auseinander ging, aber, er schaffte es in den letzten Jahren nicht, Ulle besser zu machen oder sich durchzusetzen, eine echte Konkurrenz für Ulle zu holen. Im Training, bspw. diesen Winter in Lagos, war er mir stets zu lasch. Man übte Abschläge, diese flogen, wie man es gewohnt ist, reihenweise aus dem Feld, so dass Meuschi, der die Bälle einsammeln musste, der vielbeschäftigste Mann war, und Menger hielt es nicht für nötig, einzugreifen und seine Mannen zurechtzustutzen. Hier wünschte ich mir wirklich den von Fredi Bobic abgesägten Ebo Trautner zurück, der über Jahre ein gutes Torwarttraining abgehalten hat und bei den Fans äußerst beliebt ist.
Für Ulles bis zum Anfang der letzten Woche gelebte Vereinsliebe danke ich ihm, auch für das eine oder andere gute Spiel. Eines ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, nämlich der Sieg bei der Frankfurter Eintracht 2010/2011, als er nach Delpierres Platzverweis vor allem gegen Gekas sensationell hielt und uns damit im Rennen um den Nichtabstieg hielt.
Nachhaltiger bleiben mir jedoch sein ständiges zögern und seine schlechten Abschläge in Erinnerung. In der Gilde der besten VfB-Torhüter nimmt er für mich keinen vorderen Rang ein. Sawitzki und Bögelein vor meiner Zeit, später dann Heinze, Roleder, Immel, Franz Wohlfahrt, Timo Hildebrand und natürlich Jens Lehmann waren allesamt bessere und vor allem zuverlässigere Keeper.
Mit diesen Ausführungen ist das Thema Ulle beim VfB für mich abgeschlossen. Ich sah mich lediglich noch einmal dazu genötigt, die Gründe fundiert darzulegen, weshalb ich Ulle schon seit Jahren äußerst kritisch sehe. Im Internet wurde ich lange von vielen seiner Jüngern angefeindet, in Facebook vom einen oder anderen blockiert, ein Internet-Troll drohte mir gar mit Anzeige wegen Beleidigung, weil ich in einer der fragwürdigen Facebook-Gruppen, die Ulle in die Nationalmannschaft schreiben wollten, schrieb, dass Ulle einer der schlechtesten Bundesligakeeper ist und ihm zu viel fehlen würde, je ein guter Torwart zu werden. Daher ist der Abgang jetzt schon eine Genugtuung, das Grinsen darüber bringe ich bis jetzt nicht aus meinem Gesicht, wenn ich daran denke.
Nicht nur, dass er geht, sondern auch darüber, dass er den Weg des geringsten Widerstands gewählt hat und sich mit 26 Jahren schon fast aufs Altenteil zurücksetzt. In Zeiten des Söldnertums ist es natürlich legitim, dorthin zu wechseln, wo am meisten gezahlt wird, vielleicht auch, um den einen oder anderen Titel in seiner Vita stehen zu haben, aber, bei aller Liebe, welchen Anteil er daran haben wird, das steht auf einem anderen Blatt.
Was bei den Bayern aus ihm wird, ist mir ziemlich egal. Über Bayern-Spieler lasse ich mich ohnehin ungern aus. Denjenigen, die jetzt noch damit kommen, „warum ausgerechnet zu den Bayern“, sei gesagt, dass er, zumindest in Deutschland, nicht viele Alternativen mit Perspektive zur Nummer 1 hatte. Ins Ausland wollte er nicht, auch das ein Indiz fehlenden Selbstbewusstseins und fehlendenden Ehrgeizes. Daher irgendwie konsequent sich aus dem großen Rampenlicht herauszunehmen und trotzdem noch finanziell außerordentlich abzusahnen, wenngleich seine (Bundesliga-) Karriere für mich damit beendet ist.
Ich blicke, wie schon dargelegt, recht optimistisch in die Zukunft und freue mich auf die neue Saison. Bis Ende August wird sich noch einiges tun auf dem Transfermarkt. Es wird schmerzhafte Abgänge geben, sicher auch die eine oder andere vielversprechende Neuverpflichtung. Der eingeschlagene Weg ist alternativlos, der VfB benötigt eine Frischzellenkur. Er muss die Balance finden zwischen erfahrenen Führungsspielern, sinnvollen Ergänzungen und dies stets, ohne dem eigenen Nachwuchs den Weg zu verbauen. Diese Nachwuchsspieler sind unser Kapital der Zukunft, diese müssen wir hegen und pflegen, diese müssen eine Perspektive erkennen und müssen dann da sein und sich zeigen, wenn ein Leistungsträger ausfällt. Daher freue ich mich auf die Wanitzeks, Kiesewetters und Ristls und wie sie alle heißen. Dutt und Zorniger haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Jungs Vertrauen schenken zu wollen, gerne mit ihnen arbeiten und sie auch spielen lassen, wenn sie besser sind als ein Arrivierter. Mit einer derartigen Philosophie identifiziere ich mich persönlich mehr, als mit der nicht vorhandenen in den letzten Jahren. Spieler, die beim VfB groß geworden sind und es in den Profikader schaffen, sind doch mehr mit dem Herzen dabei als jene Durchschnittsspieler, die aus aller Herren Länder hinzugekauft wurden.
An dieser Stelle zwei Zitate von Legende Buffy Ettmayer:
„Bei lauter ausländischen Spielern kann man auch gleich einen Doppeldeckerbus hinstellen – die Spieler unten und die Übersetzer oben rein.“
„Wer ist Tunay Torun? Brauchen die den, dass sie Elf gegen Elf spielen können, oder was? Oder Abdellaoue – oder wie heißt der? Solche Spieler kann der VfB auch zwischen Deizisau und Plochingen holen.“
Ich bin großer Hoffnung, dass dies nun auch in der VfB-Führungsriege angekommen ist und man lieber hungrige Spieler mit Entwicklungspotential holt, als abgehalfterte Altstars. Natürlich geht es nicht ohne die eine oder andere erfahrene Korsettstange, die weiterhin dazu verpflichtet werden muss. Wenn das neue Scouting-System greift, wenn man sich mit den betrauten Personen abspricht und über Neuzugänge diskutiert und zum Schluss kommt, dass ein Spieler geholt werden soll, wird er wenigstens so weit durchleuchtet sein, dass er ein Teamplayer, ein guter Typ ist und zu der Truppe passt.
Zugegebenermaßen viel Theorie, vieles von der PK aufgegriffen, was Mut macht für eine bessere Zukunft. Die Praxis wird zeigen, was alles umgesetzt werden kann und auch wie so manche Entscheidung, die vielleicht auch weh tun wird, vom Umfeld mitgetragen wird.
Sehr hilfreich wäre natürlich ein gutes Auftaktprogramm im morgen erscheinenden Spielplan. Schwieriger als in der letzten Saison, was uns gleich ins schlechte Fahrwasser gespült hat, ging es kaum. Auswärts in Gladbach, München, Dortmund und Berlin, zu Hause gleich gegen einen von der Euphorie getragenen Aufsteiger. Da wir letzte Saison auswärts starteten, erhalten wir nun wohl ein Heimspiel, hoffentlich gegen einen machbaren Gegner wie bspw. Frankfurt oder Bremen, so dass von Beginn an Ruhe herrscht und sich der VfB frühzeitig ins gesicherte Mittelfeld absetzen kann.
Für mich beginnt morgen mit der Veröffentlichung des Spielplans die Saison. Wenige Tage später werden die ersten Terminierungen einschl. des Pokalspiels in Kiel erfolgen, so dass es endlich wieder etwas zu planen gibt. Am Montag dann der Trikotlaunch im Schlienz-Stadion und das erste Training, bevor es am Freitag, wenigstens für drei Tage, ins Zillertal geht. Nach wie vor hoffe ich noch auf ein zweites Trainingslager Ende Juli, wofür wir ursprünglich Urlaub eingereicht hatten. Eines ist sicher, langweilig wird es nicht, die Gerüchteküche wird weiter brodeln, mindestens so lang, wie sich die Bundesliga noch im „Sommerschlaf“ befindet.

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14. September 2014

Mutlos, leblos, VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 11:57

Die positiven Nachrichten vorneweg, wir haben es hinter uns! Wir haben „nur“ 0:2 in München verloren. Dass man dort auch durchaus eine Packung bekommen kann, haben wir vor fast genau zwei Jahren beim 1:6 erleiden müssen. Der Unterschied zu damals aber: vor zwei Jahren spielten wir nicht nur gut mit, wir gingen auch mit 0:1 in Führung und, wer weiß, hätte damals nicht Ulles Dauerformtief begonnen, hätte man damals das Zeug dazu gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Als er einen Schuss vor die Füße Müllers prallen ließ, war es damals schon vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man ließ sich regelrecht abschlachten.
Anders gestern, ohne Torschuss kann man nun mal kein Spiel gewinnen. Und, darauf zu bauen, bei den Bayern wenigstens ein 0:0 zu ermauern ist derzeit genau so unrealistisch wie ein Abstieg der übermächtigen Bayern.
Was waren das damals noch Spiele, die dem auch heute noch bemühten Begriff „Südschlager“ mehr als gerecht wurden. Wir zogen zwar im altehrwürdigen Olympiastadion meistens den Kürzeren, boten aber stets einen offenen Schlagabtausch und erarbeiteten uns den Respekt der Bayern, auch den der Fans. Ergebnisse wie ein 3:5 aus unserer Sicht waren keine Seltenheit, bei minus 16 Grad und dem ersten Spiel von Franz Beckenbauer auf der einen, Jürgen Röber auf der anderen Seite, erlebte ich gar „meinen“ ersten Sieg überhaupt bei den Bayern, dank der Hand Adrian Knups. Unvergessen danach die Polonäse „oberkörperfrei“ durch den Olympiapark und die Triumphfahrt über die von Schneewehen durchsetzte A8 zurück nach Stuttgart.
Damals waren die Fahrten nach München noch richtige Highlights in der Saison. Unter den Fans herrschte eine Gier dabei zu sein, nicht selten fanden bis zu 10.000 Schwaben den Weg nach München und man rechnete sich vor den Spielen etwas aus. Was hatten wir auch für Spieler in den 70er, 80er und 90er-Jahren. Da war zwar auch die eine oder andere Pfeife dabei, wir hatten aber Typen in unseren Reihen, die ihr Herz in die Hand nahmen und die Anderen mitzureißen wussten. Heute hat sich dieses Verhältnis leider dramatisch umgekehrt.
Mittlerweile nimmt man als Allesfahrer die Fahrt nach München eher mürrisch hin, viele andere kneifen von vornherein. Eines dieser Stadien „auf der grünen Wiese“, am A… der Welt, Gästeblock im dritten Rang, wo man weder sein Paulaner Light (gut, das boykottiere ich sowieso) noch eine Stadionwurst mit auf den Platz nehmen darf. Wo man von den überheblichen Bayern-Fans nur noch blöd angemacht oder belächelt wird, wo man sich auf gut deutsch schwer im Zaum halten muss, um nicht auszurasten und irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Mir schwillt da jedes Mal regelrecht der Kamm… Dann stellen sie uns noch eine Hundertschaft Turtles vor den Block, was auch nicht gerade zur allgemeinen Gelassenheit beiträgt. Fast schon lustig oder eher lächerlich in München, wie zwanghaft in manchen Bereichen auf Fantrennung geachtet wird und 50 Meter weiter wieder alles zusammenfließt. Da werden mal so richtig Steuergelder verschwendet, sollen sie sich doch ein Beispiel an NRW nehmen, wo sie es mit weniger Polizei und Deeskalation probieren, was bisher offensichtlich gut funktioniert.
Die Mannschaft hat schon die Hosen voll, wenn sie das Stadion betritt und schaut ehrfürchtig zu ihren Gegenspielern auf. Da scheint es manchmal, dass es im Vorfeld nur wichtig ist, wer von wem das Trikot abstaubt, von Selbstvertrauen und ernsthaftem Siegeswillen keine Spur.
Wir haben leider keine Führungsspieler mit Eiern in der Hose, die schon durch ihre Körpersprache ihrem Gegenüber klar machen, „wenn Du meinst Hugoles mit mir treiben zu können, gibt’s auf die Socken…“. Im Gegenteil, im Zweifel wird zurückgezogen, ein Foul an einem Bayern-Akteur wird in der Republik ja schon als Majestätsbeleidigung angesehen, solchen Diskussionen und dem Aufschrei der Bayern-Oberen möchte man lieber im Vorfeld gleich jegliche Nahrung nehmen.
Armin Veh hat schon nach dem Köln-Spiel angeprangert, die Jungs seien alle zu lieb. So hielt sich meine Hoffnung schwer in Grenzen, dass wir in München einen anderen VfB erleben würden, doch, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt und immer erst nach dem Spiel.
Wie Kampf Berge versetzen kann, konnte man beim Freitag-Abend-Spiel Bayer 04 Leverkusen-Werder Bremen erleben. Leverkusen, eigentlich den Bremern übermächtig, hätte zur Pause gut und gern 4:0 führen können, wenn nicht gar müssen, wurde von den Bremern aber nach und nach der Zahn gezogen. Bremen hielt mit großem Kampf und, wenn sich die Möglichkeit bot, auch mit mutigem Spiel nach vorne, dagegen. Dort wurde um jeden Zentimeter Rasen gekämpft, kein Ball verloren gegeben. Solche Spiele kenne ich eher von der Insel, so dass ich schwer beeindruckt war, so etwas in unserer Liga verfolgen zu dürfen.
Nach diesem Kick sah ich mich sofort gemüßigt, Sven Ulreich, der auf Facebook postete, dass sie sich im Hotel aufs Spiel vorbereiteten, auf seine Pinnwand zu posten, dass ich hoffe, dass sie sich dieses Spiel angeschaut haben und dass sie verdammt noch mal ein ähnliches Engagement an den Tag legen sollen und so auch befähigt wären, den Bayern weh zu tun. Die Bayern, verletzungsgeplagt und vor anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen stehend, wollten die Partie im Schongang gewinnen und sich nicht außerordentlich verausgaben. Für dieses Vorhaben war der VfB natürlich der dankbarste Gegner, den man sich wünschen kann. Gerade störe ich mich beim vorigen Satz am Wort „Gegner“, Sparringspartner wäre treffender. Wir liefen ordentlich nebenher, ohne den Bayern zu nahe zu treten. Die Defensive stand zwar weitestgehend gut, die meiste Zeit liefen wir aber trotzdem nebenher und überließen den Bayern das Spielgerät.
Erschreckend fand ich einmal mehr die technischen Mängel, die bei uns zutage traten. Fehlpässe über drei Meter sind nicht bundesligatauglich. Und wenn dem einen oder anderen Spieler bei einem 3-Meter-Pass die Kugel noch 4 Meter wegspringt, bis man sie kontrolliert hat oder eben, wie meistens, der Gegner sich den Ball geschnappt hat, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Spielfluss aufkommt und vor allem keine Überraschungsmomente entstehen, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Gefahr entstand allenfalls durch Kopfbälle von Antonio Rüdiger oder einem Distanzschuss von Timo Werner. Bayern hätte ohne Torwart spielen können, kein einziger Ball kam auf den Kasten von Manuel Neuer. Ich habe nunmehr in vier Pflichtspielen in der noch jungen Saison gerade einmal vier Torschüsse gezählt. Wenn man es in naher Zukunft nicht schafft, ein kombinationssichereres Offensivspiel mit gefährlichen Torabschlüssen, hinzulegen, wird es ganz schwer, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen. Unsere Abwehr ist nach wie vor zu instabil, um nicht zu null spielen zu können.
Armin Veh brachte in Leitner und Werner für Maxim und Didavi zwar zwei Neue, leider verpufften diese Wechsel, weil man nach dem Köln-Spiel auf allen Positionen hätte wechseln können und keiner der damaligen Totalausfälle besser aus der Länderspielpause kam.
Leitner zeigte auch gestern wieder, dass er ein Schönwetterfußballer ist. Wenn es in der Truppe läuft, kann er glänzen, ein Spieler, der Ordnung in ein nicht funktionierendes Team hineinbringt ist er nicht. Auf Timo Werner dagegen lass ich noch nichts kommen. Er ist blutjung und muss sich an den Rhythmus in der Liga weiterhin gewöhnen. In der zweiten Halbzeit, als er für Ibisevic in die Mitte rückte, war er auffälliger und hat mir (an der Seite von Kostic und Maxim) gut gefallen. Bevor ich den lustlosen und stets lamentierenden Sturmtank Ibisevic bringe, setze ich doch lieber auf Dauer auf Timo Werner, dem man anmerkt, dass er will und dass er sich verausgabt. Jedoch vertraue ich hier auch Armin Veh, der Tag für Tag am besten sieht, ob er der großen Belastung jede Woche schon jetzt gewachsen ist.
Veh muss möglichst schnell „seine“ Elf finden, die uns wieder mehr Freude macht und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt. Momentan sieht es zwar nach einer ganz düsteren Saison aus, jedoch sollte man nach gerade einmal vier, zugegebermaßen sehr ernüchternden, Pflichtspielen die Kirche im Dorf lassen. Mir war es seit der Spielplanpräsentation klar, dass es durchaus sein könnte, dass wir nach fünf Spielen noch ohne Punkt da stehen. Gladbach, Bayern, Dortmund, zu Beginn gleich die denkbar schwersten Auswärtsaufgaben, dazwischen noch unseren (Heim-)Angstgegner Köln und die Hoffenheimer, die sich dank Hopps Millionen mal wieder namhaft verstärkt haben. Daher ist es noch viel zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Erschreckend allenfalls für mich, wie wenig wir insgesamt an den Spielen teilgenommen haben, wie wenig Torgefahr entfacht wurde und wie leidenschaftslos, vor allem gegen Köln, der Brustring von der gesamten Truppe spazieren getragen wurde.
Veh scheint langsam zu merken, auf welch schwierige Aufgabe er sich hier eingelassen hat. Er beteuert, als Außenstehender den VfB nicht so schlecht gesehen zu haben, wie er wirklich geworden ist. Schade, dass diese Erkenntnis offensichtlich nicht schon während der Trainingslager gereift ist, auch wenn es sich langsam herausstellt, dass die kolportierten 15 Millionen Euro für Sommertransfers, unter Vorbehalt des Verkaufs von Altlasten und inklusive aller Gebühren, Handgelder, Gehälter, erfolgten. Für einen Lastminute-Einkauf, der so dringend nötig gewesen wäre, war angeblich schon kein Geld mehr da. Anstatt in ein kalkuliertes Risiko zu gehen und wenigstens noch einen erstklassigen Innenverteidiger zu holen, riskiert man hier also (sehenden Auges) den Super-GAU. Dieser wird zwar nicht zwingend kommen, Gegner, die mehr mit uns auf Augenhöhe spielen als die ersten fünf bekommen wir auch noch, angesichts der fragilen ersten Elf, die Woche für Woche auf dem Platz steht, halte ich ihn zumindest für möglich.
Bernd Wahler scheint Bobic einfach weiter „machen zu lassen“ und kümmert sich in erster Linie um die Ausgliederung der Profiabteilung. Ob diese Prioritätenfestlegung realitätsgetreu ist, wird sich herausstellen. Meiner Ansicht nach muss zuerst der sportliche Bereich attraktiv und erfolgversprechend aufgestellt sein, um überhaupt potente Geldgeber für den VfB begeistern zu können und sich am Ende, in Anbetracht der Gesamtsituation nicht unter Wert verkaufen zu müssen. Dass Bobic einfach weiter machen durfte nach der verkorksten letzten Saison ist für mich DER Kardinalfehler schlechthin. Auch diese bittere Tatsache laste ich Bernd Wahler an, der auf mich den Eindruck macht, (zu) bequem zu sein und sich aus dem sportlichen Bereich komplett herauszuhalten. Da hätte ich mir einen starken Mann wie früher MV gewünscht, der auf den Tisch haut und personelle Konsequenzen zieht. Das richtige Datum für den großen Schnitt ist immer der 1.7., hier wurde es versäumt Nägel mit Köpfen zu machen.
Auch wenn ich letzten Endes mit der Installation von Armin Veh als Cheftrainer einverstanden war und noch immer bin – ich hatte schon am Ende der letzten Saison bedauert, dass Huub Stevens nicht weiter machen und eine Auszeit nehmen wollte. Jetzt allerdings bröckelt langsam durch, dass Stevens durchaus zum weitermachen bereit gewesen wäre, man aber schon bei Armin Veh im Wort stand. Sollte das die Wahrheit sein, verstehe ich die Welt nicht mehr. Stevens kannte die Mannschaft immerhin schon und hätte wohl besser gewusst, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, als es Armin Veh wusste. So holte man lieber einen unbedarften Mann, dem die unbequemen Wahrheiten in der Mannschaft noch nicht so geläufig waren, beließ Bobic im Amt, der wiederum Armin Veh „einarbeiten“ durfte und seine (Fehl-)Sicht über die Mannschaft und ihr Innenleben an Veh weitergab.
Das Lamentieren über diese groben Fehler der Vergangenheit bringt uns jetzt aber leider auch nicht weiter, auch wenn es noch so traurig ist. Im Grunde sehe ich diese Mannschaft fast als untrainierbar an, zumindest kommt man mit Nettigkeiten bei ihr nicht weiter, siehe Stevens, der mit seiner knorrigen, kompromisslosen Art genau der Richtige war.
Veh merkt man die Akribie an, mit der sein Engagement antrat und er ist bereit, Änderungen durchzuziehen. Nach 2 ½ Monaten Arbeit an alter Wirkungsstätte hat er diese Woche Sven Ulreich angezählt bzw. in die Pflicht genommen, nämlich dass er fußballerisch und im Lesen des Spiels besser werden müsse um ein guter Bundesligatorwart zu werden. Meiner Ansicht nach sind dies jedoch Defizite, die ein Torwart hat oder auch nicht und kaum im vergleichsweise hohen Alter noch erlernt werden können. Vielleicht wollte Veh auch nur vorbauen, dass irgendwann einmal eine Ablösung Ulles, kein Tabuthema mehr ist.
Mit den Auswechslungen von Gentner und Ibisevic gestern setzte er (hoffentlich) ein Zeichen für die Zukunft, dass KEIN Platz in der Mannschaft in Stein gemeißelt ist. Neben den Genannten haben wir leider noch einige Baustellen mehr. Für gestern hatte ich gehofft, dass Schorsch Niedermeier anstelle von Daniel Schwaab in die Innenverteidigung rücken würde, dass Sakai und Harnik die längst überfällige Pause bekommen würden. Beide waren auch gestern wieder schwach und mit Unmengen an Stockfehlern. In Daniel Ginczek „wächst“ ernsthafte Konkurrenz für Ibisevic heran, möglicherweise sitzt er schon gegen Hoffenheim auf der Bank. Meiner Meinung nach scheut Veh (noch) den ganz großen Umbruch, um das ohnehin schon sehr fragile Gebilde nicht völlig zum Einsturz bringen. Andererseits, mir würde es Hoffnung machen und es könnte dadurch ein Ruck durchs Team gehen. Das Gros des Teams ist doch für die meisten unsäglichen Auftritte in den letzten Jahren maßgeblich verantwortlich, das hätte man auch schon im Sommer so analysieren müssen, geschehen ist so gut wie nichts, wie auch, wenn der Manager während der für einen „Einkäufer“ wichtigsten Phase der Saison mal eben so drei Wochen in den Urlaub geht.
So zielt mein Stückchen Hoffnung, die ich noch in diese Saison setze, darauf ab, bis zum nächsten Transferfenster den Schaden so gering wie möglich zu halten und dann den großen Umbruch einzuleiten. Gegen Hoffenheim habe ich schon jetzt ein ganz dummes Gefühl, dass es eine Niederlage geben könnte, die so richtig weh tut. Andererseits holten wir vor Jahresfrist im ersten Spiel unter Thomas Schneider mit dem 6:2 gegen Hoffenheim unseren ersten Saisonsieg und den noch richtig spektakulär.
Aufgeben gilt nicht, immer weiter kämpfen und dann siegen, für den Brustring, für den VfB, und nicht zuletzt für uns Fans. Gerade gegen Hoffenheim kann sich das Team keine so emotionslose Vorstellung wie im Heimspiel gegen Köln leisten, gerade da erwarten wir, dass sich jeder zerreißt und schon die Körpersprache im Kabinengang klar macht, dass es hier nur einen Sieger geben wird. Enttäuscht die Mannschaft erneut, kommen schwere Zeiten auf das Team zu, auch im Verhältnis zu den Fans. Der Vertrauensvorschuss, den man ihnen in der letzten Saison durch #Zusammenhalten und ähnliche Aktionen zugestand, ist langsam aber sicher aufgebraucht. Vor allem dann, wenn man von der Tribüne aus den Eindruck hat, dass die Mannschaft gar nicht will, dann muss sie sich ohne Wenn und Aber dem aufkeimenden Zorn stellen und darf nicht Bähmulle spielen wie nach dem Köln-Spiel! Das zeigte nämlich den „Charakter“ dieser Truppe schonungslos auf, nämlich die Schuld bei den Anderen zu suchen anstatt sich an die eigene Nase zu fassen. Der Rückhalt der Fans ist nach wie vor da, auch gestern in München wieder.

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4. Mai 2014

Gerade nochmal gutgegangen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 13:25

Seit gestern, dem 03. Mai 2014, 17.21 Uhr, steht fest, der VfB gehört auch in der Saison 2014/2015 zum elitären Kreis der Bundesligisten. Trotz der wieder einmal in der Schlussminute eingefangenen Niederlage gegen den VfL Wolfsburg ist Platz 15 eingemeißelt.
Gut, es soll vor dieser Saison der eine oder andere vom internationalen Geschäft gefaselt haben, gar von der Championsleague träumten manche. Die Realität holte uns jedoch schnell ein. Den vermeintlichen Vorteil, im Gegensatz zu den Vorjahren, dass relativ frühzeitig der Kader für die Saison stand, wurde gleich verspielt, indem Bruno Labbadia überhaupt nicht daran dachte, die Vorbereitung zu nutzen, um eine Stammmannschaft einzuspielen. In nahezu jedem Vorbereitungsspiel würfelte Labbadia eine Aufstellung aus und wechselte in der zweiten Halbzeit auch noch komplett durch. So stand von Anfang an keine eingespielte Truppe auf dem Platz, der eine wusste nicht, was der andere machte. Die ersten Pflichtspiele gegen Plovdiv und den BFC Dynamo wurden mehr schlecht als recht erledigt, in den Playoffs gegen Rijeka war international bereits Endstation. Nicht nur, dass man dem deutschen Fußball in Bezug auf die 5-Jahreswertung einen Bärendienst erwies, stand der VfB mit einem Kader, der auf drei Wettbewerbe ausgerichtet war, plötzlich vor einer Saison, in der (nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal in Freiburg) „nur“ noch das Alltagsgeschäft Bundesliga zu bewältigen war.
Labbadia, dem Trainer von Bobic‘ Gnaden, der, obwohl heftig in der Kritik stehend, obwohl er ständig über das hiesige Umfeld bruddelte, der für einen „Fußball“ stand, der dem an und für sich schönen Sport in nichts ähnelte, trotz aller Zweifel, trotz brodelnder Stimmung im Umfeld, wurde dieser Labbadia von Bobic kurzerhand mit einem hochdotierten 3-Jahres-Vertrag ausgestattet, um ein halbes Jahr später doch zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Labbadia hier fertig hatte.
Es folgte Thomas Schneider, der B-Jugend-Trainer, der zunächst einen guten Start hinlegte. Manche munkeln, dass er in der Anfangszeit noch von der Ordnung, die unter Labbadia durchaus herrschte, profitiert hatte. Je mehr er dann aber selbst verantwortlich zeichnete, desto katastrophaler wurden die Auftritte. Die ersten sieben Bundesligaspiele noch ungeschlagen, wobei am Ende der Serie drei unnötige Unentschieden gegen Bremen, in Hamburg und gegen Nürnberg dabei waren, folgte das 1:6 in Dortmund, das noch unglücklich zustande kam. 1:0 geführt, einen Elfer, der das 2:2 bedeuten hätte können, kurz vor der Pause nicht bekommen und dann abgeschossen worden. Danach gewann man vor der Winterpause noch in Freiburg und gegen Hannover 96, lieferte aber auch grottenschlechte Spiele ab, wie bspw. auf Schalke. Mit 18 Punkten ging man in die Winterpause, schon damals erinnerte ich daran, dass dies die Bilanz eines Abstiegskandidaten ist und lediglich dadurch kaschiert wurde, weil es eben noch ein paar noch schlechtere Mannschaften in der Liga gab.
Das Trainingslager in Südafrika ließ man sich von der DFL sponsern, über den sportlichen Wert konnte schon damals trefflich gestritten werden. Im Verlauf der weiteren Runde offenbarte sich dann, dass man die Hausaufgaben nicht machte. Der VfB kam aus der Winterpause nicht verbessert und machte dazu auch keinen austrainierten Eindruck. Es begann die Serie der späten (Joker-) Gegentore und der „unglücklichen“ Niederlagen. Der Verdacht erhärtete sich, dass Schneider zwar ein guter B-Jugendtrainer sein mag, einer ausgebufften Profitruppe jedoch nicht vermitteln kann, worauf es ankommt. In der B-Jugend dauern die Spiele lediglich 80 Minuten und nach diesen 80 Minuten stellte der VfB regelmäßig den Spielbetrieb ein. Dazu kam, dass es Schneider nicht schaffte, Disziplin in den Haufen zu bekommen. Die einen waren weitaus mehr Könige der Nacht als auf dem Platz, andere wie Ibisevic tanzten Schneider auf der Nase herum und erkannten ihn nicht als ihren Chef an. Hier hätte Schneider, schon lang vor Ibisevic Undiszipliniertheit gegen Augsburg, Exempel statuieren und ein solch vereinsschädigendes Verhalten unterbinden müssen. Schneider war für das Haifischbecken Bundesliga offensichtlich zu nett und glaubte an das Gute im Spieler, nämlich, dass die lange Leine irgendwann mit Leistung zurückgezahlt werden würde. Weit gefehlt! Auch nach seinem Platzverweis war Ibisevic ein Fremdkörper im Spiel und regelmäßig ein Totalausfall auf dem Platz. Offensichtlich „arbeitete“ er daran, wie schon bei seinen vorigen Stationen auch, für sich gewinnbringend das Trikot wechseln zu dürfen. Eines hat er jetzt schon geschafft, von uns Fans will ihn kaum einer mehr beim VfB sehen. Der Verein muss nun Verhandlungsgeschick beweisen und ihn nicht (wie viele andere vor ihm) weit unter Wert abgeben.
Schneider hat es also verpasst, sich als Bundesligatrainer zu beweisen. Schon seit Leverkusen, der dritten „unglücklichen“ Niederlage binnen einer Woche, war es mir klar, dass wir mit Schneider kein Spiel mehr gewinnen würden und der Verein zum zweiten Mal in dieser Saison zum Handeln gezwungen sein würde.
Man sagt ja „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, dennoch hat sich der VfB lang davor gescheut, seine Entscheidung pro Schneider als Fehlentscheidung zuzugeben. Erst nach dem 2:2 gegen Braunschweig zog man erneut die Reißleine und installierte den eine Woche zuvor bei PAOK Saloniki geschassten Huub Stevens als Cheftrainer.
Für mich einerseits viel zu spät, andererseits hätte man Stevens kaum früher bekommen. Dass nach Schneider, der vieles einfach laufen ließ, auch das, was nicht lief, ein erfahrener Mann kommen musste, der Disziplin in den Laden bringt, war mir klar. Daher stand ich von Anfang an hinter der Entscheidung, auch wenn es mir zu Beginn schwer fiel, Stevens losgelöst von seiner Schalker Vergangenheit zu sehen, für die er steht wie kaum ein anderer. Erstmals in dieser Saison verspürte ich in mir so etwas wie Aufbruchsstimmung, auch wenn das Kapitel Schneider zu sehr in die Länge gezogen wurde. Seit Christian Gross hatte ich zum ersten Mal wieder ein gutes Gefühl, was unseren Cheftrainer anging. Ich war sehr skeptisch, ob der Schnitt nicht zu spät erfolgte und mir nicht sicher, ob Stevens zaubern und die Mannschaft von heute auf morgen wieder in die Spur bringen könnte. Als Indiz der in mir geweckten Aufbruchsstimmung wollte ich mir die erste Trainingseinheit des „Retters“ nicht entgehen lassen und war von seiner Präsenz auf Anhieb angetan. Klare Anweisungen auf dem Platz, neue Trainingsformen und Vertreter unserer Spaßfraktion, wie Traore, Boka und Maxim, die voll bei der Sache waren und sich nicht getrauten, ihre üblichen Faxen zu machen. Er brachte sofort Zug und Konzentration rein. Stevens ist ein Disziplinfanatiker, bezeichnend, dass er vor Vormittagseinheiten ein gemeinsames Frühstück einführte, weil er früh erkannt hat, dass es einigen Spielern an der nötigen Professionalität fehlt(e).
Das erste Spiel in Bremen brachte ein Remis, über das man sich nicht freuen konnte, weil uns abermals ein später Ausgleichstreffer um den verdienten Lohn brachte. „Verdient“ setze ich mal in Ausrufezeichen, weil es wieder die alte Leier war. Nach eigener Führung zu wenig getan, die letzte Gier, die Führung auszubauen, ging uns schon einige Zeit ab. Dramatisch, dass wir zu allem Überfluss aufgrund des HSV-Sieges auf Platz 17 zurückfielen.
Was folgte, war dennoch ein klarer Aufwärtstrend. Überlebenswichtige und erzitterte Siege gegen den HSV und Freiburg, eine knappe Niederlage gegen den Vizemeister BVB nach 2:0-Führung, Punktgewinne in Gladbach und Hannover, dazwischen der eindrucksvolle 3:1-Sieg gegen Huub’s Ex-Verein Schalke. Lediglich die 0:2-Niederlage in Nürnberg war ein heftiger Ausrutscher nach unten. Nürnbergs einziger Sieg aus den letzten 10 Spielen und eine ganz schwache Vorstellung unseres VfB. Auf der Heimfahrt in die Nacht, es war ja ein Mittwochabend-Spiel, hätte ich keinen Pfifferling auf den VfB mehr gesetzt. Diese Saison bot viele Tiefpunkte, dieser tat aber richtig weh.
Da wir mittlerweile aber einen Fußballlehrer auf der Kommandobrücke haben, arbeitete er diese Niederlage schonungslos auf und zog die richtigen Schlüsse. Der dauerverletzte Daniel Didavi, der sich die Wochen davor Spielpraxis bei den Amateuren holte, stand gegen den BVB völlig überraschend in der Startelf, genauso wie der im Winter verpflichtete Ecuadorianer Carlos Gruezo. Stevens hat hier zwei aus dem Hut gezaubert, mit denen wohl keiner (mehr) ernsthaft gerechnet hatte. Interessant, dass Stevens in Gruezo den einzigen „richtigen“ Sechser im Kader sieht und damit indirekt und offen die Kaderzusammenstellung unseres Vorstands kritisiert hat. Seit diesen personellen Maßnahmen war die nötige Stabilität zurückgekehrt und die Auftritte wurden ansehnlicher. Dass das Selbstvertrauen noch immer nicht zurück gekehrt ist, merkte man in den Auswärtsspielen in Gladbach und Hannover, wo man die Siege, die auf dem Silbertablett bereit lagen, nicht holte. Auf der anderen Seite haben wir diese Spiele auch nicht verloren, was Wochen zuvor sicherlich passiert wäre, ein Indiz zurückgekehrter Stabilität.
Der Punkt in Hannover war letztlich der entscheidende im Kampf um den Klassenerhalt. Anfangs war ich enttäuscht über das 0:0 am Freitagabend, auf der anderen Seite wies ich aber auch darauf hin „abwarten, was der Punkt noch wert sein kann“. Durch die Ergebnisse, die dann samstags und sonntags folgten waren wir faktisch gerettet, auch wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist, und man sich nie sicher sein darf, solang rechnerisch noch etwas passieren kann.
Daher waren wir gut beraten, die neu erweckte Heimstärke auch gestern zu zeigen und selbst den noch fehlenden Punkt zu holen, um sich nicht auf die Bayern verlassen zu müssen, die nach der Klatsche gegen Real Madrid beim HSV Charakter zeigen mussten. Für uns ging es gegen die Millionentruppe von VW Wolfsburg, die noch um die CL-Qualifikation kämpfen. Leider zeigten die Wölfe recht früh, welche Substanz in ihrer zusammengekauften Truppe steckt und das Geld eben manchmal doch Tore schießt. De Bruyne erzielte nach einer knappen Viertelstunde das 0:1. Danach plätscherte das Spiel vor sich hin. Wolfsburg zeigte die bessere Spielanlage, dem VfB fehlten die Mittel richtig dagegen zu halten. In der zweiten Halbzeit war der VfB besser im Spiel, kam auch zum Ausgleich, um in der Schlussminute doch noch, nach haarsträubendem Fehler vom eingewechselten Boka, den Nackenschlag zum 1:2 hinnehmen zu müssen.
Nach dem Spiel verabschiedeten sich Traore, Boka und Cacau, die den Verein verlassen werden, von den Fans. Traore blühte unter Stevens auf und hat gewiss seinen Anteil am Klassenerhalt. Dennoch weine ich ihm keine Träne nach, steht er doch maßgeblich für ein abgehobenes Söldnertum. Ein Spieler, der die Realität nicht kennt, wie Otto Normalbürger sein tägliches Leben zu meistern hat, stellt sich hin und möchte ernsthaft glauben machen, dass er mit zwei Millionen Euro Jahresgehalt, Probleme sähe seine Familie zu ernähren. Ein Spieler, der die eigenen Fans mehrfach beleidigt hat, weil das Publikum grottenschlechte Darbietungen nicht goutiert hat, sondern in seinen Augen die Frechheit besaß, den Unmut in Form von Pfiffen kundzutun. Auch sein Abgang von Augsburg war schon unrühmlich, in Zukunft muss der Verein einfach mehr auf den Charakter der Spieler schauen und zukünftige Zugänge in dieser Hinsicht durchleuchten. Wie bei Ibisevic wiederholt sich auch bei ihm Geschichte. Mönchengladbach wird sicherlich auch eines Tages diesbezüglich seine helle Freude an ihm haben.
Arthur Boka, dem man schon letztes Jahr „nur“ einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag gab, verlässt den VfB nach acht Jahren. In diesen acht Jahren wechselten regelmäßig Licht und Schatten ab, unumstrittener Stammspieler war er selten. Links hinten für mich falsch aufgehoben, da er defensiv große Schwächen hat, was er gestern wieder unter Beweis stellte. Anfangs mit Ludovic Magnin, später mit Molinaro hatte er stets gute Konkurrenz auf der Position und konnte sich selten festspielen. Im linken offensiven Mittelfeld hatten wir meistens bessere, so machte er für mich die besten Spiele in der letzten Saison neben Kvist auf der Doppel-Sechs. Ich mochte ihn trotzdem, ein schillernder Paradiesvogel, aber auch ein Kämpfer, dem ich für die Zukunft in Málaga alles Gute wünsche.
Und, schließlich, nach elf Jahren wird uns auch Cacau verlassen. „Time to say goodbye“, irgendwann ist eben für jeden Schluss. Man kennt die Interna nicht, man weiß nicht, welche Gehaltsvorstellungen Cacau noch hatte, klar ist, die 3,5 Millionen Jahressalär, die er seit seinem letzten Vertragspokerhickhack, als er quasi schon einmal weg war, einstreicht, durfte man ihm bei weitem nicht mehr geben. Ob er einen großen Wert für den Zusammenhalt in der Mannschaft besitzt und er somit weiterhin wertvoll gewesen wäre, auch da habe ich meine Zweifel. Gerade nach seinem Sommermärchen 2010 machte er eher den Eindruck eines Egomanen und steckte förmlich mit seiner schlechten Laune an, wenn es nicht wunschgemäß lief. Zudem war er in letzter Zeit viel und langwierig verletzt und hat nicht mehr die Spritzig- und Schnelligkeit, die im modernen Fußball gefordert ist. Daher ist der Abschied für mich nachvollziehbar und richtig. Ihn durchzuschleppen, „nur“ weil er ein verdienter Spieler ist, halte ich für falsch und finanziell unverantwortlich. Nun wünsche ich ihm, dass er bei der Vereinswahl ein glückliches Händchen hat und noch einmal aufblühen wird. Ihm wird eine Luftveränderung sicherlich gut tun und, wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja in absehbarer Zeit in unserem Trainerstab wieder.
Ich hoffe, dass dies nicht die einzigen Abgänge sein werden. Der Kader gehört runderneuert. Abdellaoue steht angeblich vor einer Rückkehr nach Hannover, Sakai hat gestern wieder seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis gestellt, was Sararer kann oder auch nicht, nach diesem Jahr bin ich nicht schlauer, auch einige andere dürften auf der Kippe stehen. Allerdings hoffe ich, dass keine weiteren unumstößlichen Tatsachen geschaffen werden, bevor feststeht, welcher Trainer in der nächsten Saison das Zepter schwingen wird.
Nach Feiern ist mir heute nicht zumute. Erleichterung ob des geschafften Klassenerhalts ist vorhanden, mehr aber auch nicht. Zu enttäuscht bin ich über die Fehlentwicklungen in den letzten Jahren. Die Aufbruchsstimmung, die vor Jahresfrist vorhanden war, ist verpufft und einer Ernüchterung gewichen. Bernd Wahler muss sich jetzt beweisen, muss seinen großen Worten Taten folgen lassen. Es gehört von oben nach unten aufgeräumt. An erster Stelle wird sich Fredi Bobic erklären müssen. Die Vertragsverlängerung mit Labbadia, fehlende Transfererlöse, wenn man Spieler lieber ablösefrei gehen lässt, anstatt rechtzeitig Verträge zu verlängern oder Spieler zu verkaufen, da fehlt ihm die Weitsicht. Seine Nähe zur Mannschaft und damit ein Stück weit das untergraben der Autorität des Trainers unter Labbadia und Schneider fand ich schon lang schädlich. Daher nicht verwunderlich, dass er seit Stevens‘ Amtsantritt von der Tribüne aus und nicht mehr von der Bank die Spiele verfolgt. Uns dann weiszumachen (oder auch vorlügen), er hätte von oben den besseren Überblick, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Dann hat er in den nunmehr fast vier Jahren seines Wirkens nach und nach altbewährte Kräfte durch eigene Spezies ersetzt, die dankbar für den lukrativen Job sind und es nicht wagen würden, ihrem Gönner zu widersprechen und kontrovers zu diskutieren. Wie man hört soll es eine Streitkultur an der Mercedesstraße nicht mehr geben, aufkeimende Kritik einfach abgeschmettert werden. Es gibt niemanden, der (Entscheidungen von) Bobic kontrolliert und vor allem mit ihm auf Augenhöhe diskutieren könnte. Hier hat sich Bobic eine Machtfülle geschaffen, die dem VfB schadet. Sein Vorstandskollege Ruf, der noch heute, im Jahr 2014, auf die Dienste eines Computers verzichten soll, sehnt langsam aber sicher seine Rente herbei und wird einen Teufel tun, durch Querdenken und Aufbegehren seinen Posten zu riskieren.
Auch im Aufsichtsrat stehen Veränderungen an. Das bisherige Gremium zeichnet sich durch eine Ja-Sager-Mentalität und wirtschaftliche (Eigen-) Interessen aus, und dient nicht unbedingt immer dem Wohle des VfB. Ich hoffe, der VfB hat endlich mal den Mut, auch unbequeme Leute wie Karl Allgöwer einzubinden und nicht nur die einen Schulterklopfer durch andere zu ersetzen. Guido Buchwald steht ja zur Debatte. Nichts gegen unseren Diego, ob er aber einer wäre, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und sie auch knallhart vertritt, da habe ich meine großen Zweifel.
Die Mitgliederversammlung jedenfalls dürfte interessant werden. Der VfB täte gut daran, sich bis dahin neu aufgestellt zu haben, wenn nicht, dürfte die MV recht turbulent werden.
Ich weiß nicht, ob jemals schon 32 Punkte zum Klassenverbleib gereicht haben. Diese Bilanz ist für einen Verein wie den VfB erbärmlich und nur dazu ausreichend den Worst Case Abstieg abzuwenden, weil es drei noch blindere Mannschaften in der Liga gibt.
Die Fehlentwicklungen der letzten Jahre müssen nun schonungslos aufgearbeitet werden. Für mich steht und fällt vieles mit der Trainerfrage. Möchte Stevens weitermachen? Dann wäre meiner Meinung nach alles andere als eine Vertragsverlängerung mit ihm schwer vermittelbar. Es kann aber natürlich auch sein, dass er das Engagement von Anfang an als Kurzzeitbeschäftigung angesehen hat, eine erkleckliche Nichtabstiegsprämie einstreicht und sich dann verabschiedet, um mit mittlerweile 60 Jahren kürzer zu treten und das Leben mit seiner Frau genießen zu können. Das müsste man natürlich respektieren.
Sollte er hier aber Blut geleckt haben und weiter machen wollen, bin ich hundertprozentig für eine Verlängerung mit Stevens. Er hat einen Plan und weiß, was zu tun ist. Könnte er bei der Kaderplanung mitwirken, hätte ich ein gutes Gefühl, weil er sicherlich schon jetzt im Kopf hat, welche Mosaiksteinchen fehlen, um eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die eine bessere nächste Saison hinlegen kann. Zudem gefällt mir Stevens als Typ. Klare Worte, ein wenig Ironie und vor allem authentisch.
Wenn Stevens nicht mehr möchte, böte dies auf der anderen Seite die Chance für einen Neuanfang. Unser Meistertrainer Armin Veh wäre wieder frei, zum 1.7. könnte man notfalls auch jemanden aus einem bestehenden Vertrag holen.
Wichtig ist, ab heute, wo Planungssicherheit herrscht, müssen die Weichen in die Zukunft gestellt werden und das möglichst schnell und trotzdem mit Bedacht und Weitsicht.
Planspiele, wie vor Wochen kolportiert, mit Rangnick als Sportdirektor und Tuchel als Trainer haben für mich einen großen Charme. Dabei stellt sich die Frage, was Rangnick als Supervisor bei Redbull noch vor hat. Salzburg ist überlegen Meister, Leipzig steigt auf, wenn sie die Auflagen der DFL erfüllen können, was ich nicht hoffe!
Hat er damit seine Ziele erreicht oder ist er erst fertig, wenn er den nächsten Retortenclub in die Bundesliga geführt hat? Ist für ihn Geld alles oder ist seine Heimatverbundenheit und Liebe zum VfB größer?
Vor der Saison posaunte Bobic in die Welt hinaus, dass er sich an diesem Kader messen lassen würde, was ihm jetzt (zu Recht) um die Ohren gehauen wird. Seit er bei uns das Zepter schwing, ging es kontinuierlich bergab. Zuletzt fehlte ihm das glückliche Händchen in Trainerentscheidungen und Spielerverpflichtungen. Fehlentscheidungen, gepaart mit einer Beratungsresistenz sind eine explosive Mischung.
Wenn jetzt Tacheles geredet wird, muss die Personalie Bobic auf die Tagesordnung und über eine Ablösung nachgedacht und ggf. auch vollzogen werden. Er ist schließlich das Gesicht des VfB und somit auch das Gesicht des Niedergangs. Diese Saison und das glückliche Ende sollten der rechtzeitige Schuss vor den Bug gewesen sein, so weiter machen wir bisher, können sie nicht mehr auf dem Wasen, was ja auch schon Wahler vor einiger Zeit zum Besten gab. Jetzt kommt die Zeit des Handelns, Wahler, mach es!
Heute mache ich mal den Guardiola und erkläre die Saison für beendet. Aufgrund einer Familienfeier wird München mein einziges Auswärtsspiel in dieser Saison sein, das ich verpassen werde. Das Bedenkliche daran: es fällt mir überhaupt nicht schwer. Abgesehen von der sportlichen Bedeutungslosigkeit des Kicks, ist München eines meiner unbeliebtesten Stadien überhaupt. Dazu noch als Staffage für die Meisterfeierlichkeiten zu dienen, darauf habe ich schlicht und einfach keine Lust. Diese Saison hat Nerven gekostet, jetzt kann man (als Fan) zum gemütlichen Teil übergehen und gespannt sein, wie es beim VfB weitergehen wird.

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28. Januar 2014

Die Krise setzt sich fort!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 18:45

Nach den durchweg positiven und frohgelaunten Berichten aus dem fernen Südafrika, markigen Worten unseres Kapitäns sowie unseres Trainers, konnte ich den Neustart in die Rückrunde, den Beginn der so viel zitierten Aufholjagd, kaum erwarten. Die ganze Woche über war ich nervös. Voller Vorfreude zählte ich die Tage bis es endlich wieder losging.

Für den Gewinner der Wintervorbereitung, Mo Abdellaoue, freute ich mich ganz besonders, dass er endlich beim VfB angekommen zu sein scheint. Bereits mehrfach hatte ich mich darüber echauffiert, dass Mo kaum eine echte Chance, geschweige denn das Vertrauen des Trainers bekommen hat. Dass er ein sensibler Spieler ist, der Selbstbewusstsein und Anerkennung braucht, um seine Leistung abzurufen. Dass er es besser kann, als er in der Vorrunde zeigen durfte, bewies er zur Genüge in  Hannover. Daher wehrte ich mich auch vehement gegenüber denjenigen, die ihn schon jetzt als Fehleinkauf von der Hannoveraner Resterampe abstempelten und bei jedem misslungenen Ballkontakt, wenn er denn mal überhaupt bei einem Spiel gegen denselben treten durfte, zu murren begannen. Das ist genau das, was einem sensiblen Spieler den Rest gibt.

So freute ich mich zu hören, dass er am Kap der guten Hoffnung den Reset-Knopf gefunden hat und einen neuen Anlauf nimmt. Zumal Thomas Schneider ankündigte, mit zwei Spitzen zu spielen, was ihm sicherlich mehr entgegen kommt, als als Backup für den gesetzten Vedad Ibisevic zu fungieren, um dann den Heilsbringer zu geben, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

So war ich also happy, als es endlich Samstag war und es in Richtung Neckarstadion ging. Mit 19 Punkten, auch das hatte ich bereits vor Weihnachten geschrieben, haben wir, wenn man davon ausgeht, dass 40 Punkte für den Klassenerhalt benötigt werden, gerade einmal die Bilanz eines Abstiegskandidaten, die es schleunigst aufzupolieren gilt. Da die nächsten Aufgaben gegen die Bayern und in Leverkusen nicht leichter werden, war also ein Sieg gegen die biederen Mainzer schon fast Pflicht, ging es doch auch darum, die gute Stimmung der Vorbereitung mit in die Rückrunde hinein zu retten.

Bereits eine Viertelstunde vor Spielbeginn nahm ich meinen Platz im Block 3B ein und musste erst einmal kurz überlegen, ob zufällig das Volksfest oder sonst ein Event stattfindet, oder welchen Grund es sonst gibt, weshalb die Leute später als sonst kommen. Beschämend leer fand ich unser „Wohnzimmer“ vor, offiziell 38.000 Besucher, tatsächlich sicherlich kaum einmal 30.000, und das nach einer sechswöchigen Pause. So sehr die Protagonisten #aufbruch1893 predigen und damit eine Aufbruchsstimmung erzeugen möchten, man glaubt ihnen nicht mehr. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem der „normale“ Zuschauer zuerst Taten sehen möchte und sich nicht abermals für dumm verkaufen lässt. In Zeiten stetig steigender Lebenshaltungskosten und überzogener Eintrittskartenpreise überlegt es sich ein Familienvater eben dreimal, ob er für diese zu erwartende fußballerische Magerkost so tief in die Tasche greift. Wer möchte es den Leuten verdenken. Es ist ja auch nicht so, dass man für sein Geld irgendeine Gegenleistung wie Spielfreude oder Spaßfußball erwarten dürfte. Wie oft wurde gepredigt „ihr für uns, wir für euch“, wie oft waren das leere Worthülsen und der Alltag holte uns schneller wieder ein als uns allen lieb war.

Schon seit einiger Zeit sind die Stadionbesuche nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig. Erfreuten wir uns vor zwei Jahren noch an „dreckigen Siegen“, die mehr erzittert, denn erspielt wurden, gewinnen wir diese Grottenkicks heute nicht einmal mehr. Die Spiele plätschern dahin, es ist weder Spielfreude zu erkennen, noch, dass hier ein wahres Team auf dem Platz stünde,  das gemeinsame Sache macht. Jeder ist sich selbst am nächsten, keiner bereit, Verantwortung zu übernehmen. So sehen dann auch die Spiele aus, Stückwerk in weiten Teilen, kein Zusammenhang, kein Zusammenspiel, nicht einmal der unbändige Wille, für den Verein und für uns Fans alles zu geben. Nachdem der x-te Trainer dran glauben musste, der unbeliebte Aufsichtsratsvorsitzende ebenso seinen Stuhl räumen musste wie Ex-Präsident Mäuser fragt man sich, welches Impulses es noch bedarf, bis sich einmal die Spieler selbst in die Pflicht nehmen.

Als Außenstehender würde man es mal gerne sehen, dass die Herren Profis am Schlafittchen gepackt werden, doch in dieser Hinsicht dürften dem Verein arbeitsrechtlich enge Grenzen gesteckt sein. Dennoch habe ich den Eindruck, dass der Verein nicht alle seine Möglichkeiten ausschöpft. Wie viele Spieler hatten wir denn in den letzten Jahren, die es sich hier bequem machten in der Wohlfühloase VfB, auch wenn sie längst keine Rolle mehr spielten, anstatt ihren Hintern zu bewegen und, notfalls auch für weniger Geld, woanders spielen zu können. Dass dies niemand macht und lieber den VfB auspresst wie eine Zitrone, so lang es nur geht, beweist doch, mit was für einer Generation wir es zu tun haben. Wohlstandsjünglinge, denen das Geld wichtiger als alles andere ist. Dass wir uns nicht falsch verstehen: der VfB als Vertragspartner ist natürlich in der Schuld und verpflichtet, geschlossene Verträge einzuhalten. Nur, solchen Spielern sollte man das Leben auf dem Wasen eben so unbequem wie möglich machen. Weshalb nicht Spieler, wie früher Kuzmanovic oder im Sommer Traore, für die Transfererlöse generiert werden könnten, aus dem Alltagsbetrieb herausnehmen und sie dadurch anregen entweder den Vertrag zu verlängern oder das Weite zu suchen? Ein Spieler mit Charakter wird sich doch in der Regel lieber auf der großen Bühne präsentieren wollen, anstatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit Wald- und Wiesenläufe zu machen. Außer den Bayern und Dortmund leistet es sich nur noch der VfB in Deutschland Spieler  ablösefrei gehen zu lassen. Hier ist das Management gefragt und hat schlichtweg versagt, wenn Spieler ablösefrei den Verein verlassen. Wenn ein Jahr vor Vertragsende keine Einigung in Sicht ist muss eine Lösung her, die dem Verein noch eine Ablöse beschert und dem Spieler eine neue Perspektive eröffnet. Wofür haben wir denn einen solch großen Kader und eine gute zweite Mannschaft, wenn nicht ab diesem Zeitpunkt schon versucht wird, sich den Nachfolger heranzuziehen und ihm Spielpraxis zu verschaffen. Mir kommt es immer vor, als dass man einfach in den Tag hinein lebt und nur auf Entwicklungen  reagiert, anstatt selbst (frühzeitig) das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Diese Erkenntnis schlägt sich auch auf der Position des Trainers nieder. Erst wird der Vertrag mit Labbadia aufgrund von selbst auferlegtem Druck verlängert, um ihn dann ein dreiviertel Jahr später zu feuern. Folge dessen: hohe Abfindungszahlung und ein Trainer, der nicht bei drei auf dem Baum war und mit der „Planung“ seines Vorgängers zu Recht kommen muss. In Sachen Labbadia hat sich lang vor dessen Vertragsverlängerung abgezeichnet, dass er den Verein nicht weiter bringt, dass er unzufrieden wirkt und auch dass dessen Standing in der breiten Öffentlichkeit nicht das Beste war. Steckte ein Plan in der Managementarbeit hätte man Anfang 2013 ein Anforderungsprofil an einen Trainer erstellen, diesen aussuchen und notfalls zum 1.7. aus dem Vertrag herauskaufen können. Diese Summe, die in der Regel dem Monatsgehalt eines gut bezahlten Profis entspricht, hätte auch noch der VfB aufbringen können.

Wenn sich die hohen Herren auf der Klausur im Tannheimer Tal auch unbequeme Wahrheiten an den Kopf geworfen haben, wird die eine oder andere der genannten sicherlich dabei gewesen sein. Ich habe das Gefühl, dass Fredi Bobic seitdem verstärkt unter Beobachtung steht und sich nicht mehr viele Fehler leisten darf. Unterm Strich hat er, in gewiss nicht einfachen Zeiten, als Manager eine katastrophale Bilanz vorzuweisen.

Nach der längst überfälligen Trennung von Labbadia schmiss man Schneider ins kalte Wasser und übergab ihm einen zusammengewürfelten Haufen an Akteuren, von denen man nicht den Eindruck hat, ihr letztes Hemd für den VfB zu geben. Wir haben zwar Ur-VfBler wie Gentner und Ulreich, die einfach froh sind, hier zu sein, in der Heimat, bei der Familie, bei IHREM VfB. Solche Bekenntnisse werden beim VfB schnell mit langjährigen gut dotierten Verträgen belohnt, ohne den sportlichen Wert für die Mannschaft zu beleuchten.

Wie jedem Spieler und Trainer, der bei uns seinen Dienst antritt, bin ich zunächst einmal neutral und gebe Schneider die Chance, meine Gunst zu gewinnen. Ob er der richtige ist, wird sich erweisen, heute schon den Stab über den Trainer zu brechen, wäre verfrüht.

Ein wenig enttäuscht bin ich darüber, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger sehr wenig geändert hat. Es werden doch im Vorfeld seiner Bestellung zum Cheftrainer Gespräche stattgefunden haben, was er anders als sein Vorgänger machen möchte. Er muss sich doch von diesem abheben und kein Ebenbild abgeben. Im Ablauf der Spiele sehe ich noch keinen großen Unterschied zu denen unter Labbadia. Nach wie vor ist wenig Bewegung im Spiel, noch immer wird mehr der Rückwärts- als der Vorwärtsgang eingelegt, nach wie vor kassieren wir viele einfache und vermeidbare Gegentore, nach wie vor ist die Stammmannschaft fast eine geschlossene Gesellschaft von 13, 14 Akteuren. Angesichts des großen Kaders hätte ich eigentlich einen größeren Konkurrenzkampf erwartet.

Solang sich nichts Grundlegendes ändert an der Aufstellung, der Einstellung und der Körpersprache der Spieler, so lang schlechte Vorstellungen noch immer schön geredet werden, so lang wird kein Fan zurückzugewinnen sein, der fürs erste mit dem VfB abgeschlossen hat. Diese Leute wollen überzeugt werden von Fortschritt und Nachhaltigkeit dessen und sehen, wofür der VfB eigentlich steht. .

Zu dem Rahmen, der einem Rückrundenauftakt nicht würdig war, wurde es noch, pünktlich zum Wiederbeginn, lausig kalt, so dass ich hoffte, beim Spiel würde mir wenigstens  warm  (ums Herz) werden.

Außer der schon vorab angekündigten Doppelspitze brachte Schneider Maxim auf der linken Außenbahn, Traore und Werner blieben also zunächst einmal draußen. Auch der als Ersatzkapitän abgesetzte Georg Niedermeier musste mit der Reservistenrolle vorlieb nehmen.

Am Anfang war dem VfB auch das Bemühen anzumerken, gut in die Rückrunde zu starten. Selber ließ man (noch) nichts zu, und versuchte schnell nach vorne zu spielen. Nachdem Mo Abdellaoue artistisch zum 1:0 abgestaubt hatte wurde die Hoffnung auf den so wichtigen Dreier weiter genährt. Leider versäumte es der VfB wiederholt nach eigener Führung genau so weiter zu machen und mit Vehemenz nachzulegen. Nach eigener Führung setzt man sich erst einmal bequem zur Ruhe und schaut sich an, was der Gegner so drauf hat. Das war an diesem Samstag Gott sei Dank nicht sehr viel, im Gegenteil, fast wäre das 2:0 für uns gefallen, wenn Mo unseren Ex-Spieler Shinji Okazaki nicht getreten hätte. Das Tor durch Martin Harnik, den man ansonsten auf dem Platz vergeblich gesucht hat, wurde zu Recht nicht gegeben. Diese Chance in der 26. Minute war für lange, lange Zeit das letzte in der Offensive gesetzte Lebenszeichen vom VfB. Stattdessen geilte man sich einmal mehr an Ballstaffetten durch die eigenen Reihen auf, die regelmäßig durch ungenaue Zuspiele oder technische Unzulänglichkeiten auch schon wieder beendet waren. Da unseren Innenverteidigern die Anspielstationen nach vorne fehlten, wurde, wie in der Vorrunde auch schon, immer öfter Sven Ulreich ins Spiel mit einbezogen, dem anzumerken war, dass er froh war, wenn er den Ball unfallfrei wieder nach vorne gebracht hat. Ob ins Aus oder zum Gegner, das spielt in diesem Moment keine Rolle, Hauptsache weg! Dieses Spielchen wiederholt sich pro Halbzeit gefühlte 15-20 Mal und dient meiner Ansicht nach nicht dazu, die davon getriebenen Zuschauer wieder zurück zu gewinnen. Leitner im Mittelfeld sehr bemüht, Gentner formschwach, läuft zwar viel, manchmal aber auch nur, um sich hinter einem Gegenspieler zu verstecken. So stelle ich mir unseren Kapitän, an dem die Mitspieler eigentlich aufschauen sollten, nicht vor. Ibisevic, ein Totalausfall, wirkte, wie wenn er froh wäre jetzt einen Nebenmann zu haben, der ihm die Arbeit abnimmt, zumindest schaute er stets sehr interessiert zu, wie Abdellaoue sich mühte. Maxim, nicht so stark wie gewohnt, wie auch, ist er doch ein zentraler Mittelfeld- und kein Außenbahnspieler.

Dass der rechte Verteidiger eine unserer größten Baustellen ist, weiß man nicht erst seit Samstag. Gegen Mainz aber bewies Sakai, dass er, zumindest in seiner jetzigen Form, einfach nicht bundesligatauglich ist. Er hatte so einen guten Start als er kam, so dass schon ernsthaft darüber nachgedacht würde, ihn aufgrund seiner deutschen Mutter einzudeutschen, um Löw ein Pendant zu Lahm zu liefern. Dann aber befiel ihn, äußerst rätselhaft und noch nicht erforscht, die VfB-Krankheit, die sich darin äußert, dass so gut wie jeder unserer Neuzugänge, der eine früher, der andere später, sein Leistungsvermögen nahezu komplett verliert. Spontan kann ich mich an keinen Akteur erinnern, der in jüngster Vergangenheit zu uns kam und sich erwähnenswert verbesserte. Im Gegenteil, sie verschlechtern sich eher, so auch Sakai. Mir blutet das Herz, wenn ich an Leute wie Hinkel, Beck, Osorio oder auch Hilbert denke, die wir alle mehr oder weniger davon gejagt haben.

Letztendlich war es dann auch Sakai, dem es vorbehalten blieb, den Mainzer Ausgleichstreffer vorzubereiten, in dem er einen kapitalen Querschläger zu Moritz schlug. Dieser schickte Okazaki auf die Reise, woraufhin Ulle völlig ungestüm und unmotiviert aus dem Kasten gestürmt kam, Sakai über den Haufen rannte, Okazaki nicht wusste wie ihm geschah und lässig einschieben konnte. In allerjüngster Vergangenheit der dritte Bock dieser Art von Ulle, was seinem Selbstbewusstsein sicherlich nicht förderlich ist. Er wirkt auf mich ohnehin schon seit geraumer Zeit unsicher. Wie wenn er stets zwei Lösungen im Kopf hat und dann die falsche wählt. Ein Torhüter muss einen Großteil seines Spiels intuitiv spielen, muss Situationen antizipieren und eben EINE Entscheidung treffen. Und dies aus dem Bauch heraus und sich nicht erst die Frage stellen „was mach ich jetzt“? Wer Selbstvertrauen hat, beim wem es läuft, der trifft in seinem Spiel weitestgehend die richtigen Entscheidungen, weil er nicht groß überlegt, sondern weiß, was er zu tun hat. Soviel ich weiß hat sich an der  uralten Torhüterregel „wenn der Torwart raus kommt, muss er ihn haben“ noch nichts geändert. Hier fehlt es am Timing, an der Kommunikation mit den Vorderleuten und auch an seinem Durchsetzungsvermögen, sonst kämen solche Tore normalerweise überhaupt nicht, und schon gar nicht in solcher Regelmäßigkeit zustande.

Ich kann es mir nicht erklären, woran es liegt, hat er doch schon bewiesen, dass er es besser kann. Möglicherweise fühlt er sich als Ikone zu sicher. Der Kritik, die auf ihn jetzt herein prasselt muss sich Ulle stellen und schleunigst daran arbeiten, solche Fehler abzustellen. Geht man auch bei dieser Position vom Leistungsprinzip aus, darf zumindest über einen  Torwartwechsel nachgedacht werden. Wir haben, zusammen mit Schalke 04, die beste Torwartschmiede Deutschlands und im Sommer mit Thorsten Kirschbaum zudem eine hochveranlagte Nummer zwei verpflichtet. Schon um die Reservisten und Nachwuchsleute nicht zu verprellen und ihnen jeder Illusion einer (fairen) Chance zu berauben, wäre es angebracht  Trainingsleistungen und die derzeitige Form sprechen zu lassen und den besseren aufzustellen. Einen Wechsel morgen beim Bayern-Spiel hielte ich allerdings für Quatsch, da wäre die Wahrscheinlichkeit groß, den nächsten Hoffnungsträger zu verbrennen. So hat Ulle also weiterhin die Chance, sich auf seine Stärken zu besinnen und die Kritiker verstummen zu lassen. Warum nicht gleich morgen?

In der zweiten Halbzeit übernahm der VfB wieder etwas mehr das Kommando, klare Chancen aber blieben Mangelware. Einzig in der 71. Minute, als Abdellaoue auf dem Weg in Richtung Tor war und gefoult wurde, hätte es einen Platzverweis für Mainz geben können, wenn nicht müssen. Und, wenn man kein Glück hat, kommt noch Pech hinzu, nämlich als Mainz mit dem so gut wie einzigen Torschuss in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer erzielte. Auch hier hatte ich von unserem Platz aus den Eindruck, dass Ulle mit besserem Stellungsspiel und größerer Handlungsschnelligkeit die Flanke auf den Torschützen hätte erreichen können, der Ball war schließlich lang in der Luft.

So stand also am Ende, nach einem abermals weitestgehend emotionslosen, langweiligen Spiel die dritte Heimniederlage sowie die vierte Niederlage in den letzten fünf Spielen. Schlimm, dass das Spiel ein Spiegelbild der Vorrunde war, von Neubeginn, Aufholjagd und dergleichen keine Spur. Die Spiele plätschern ohne große Höhepunkte vor sich hin, auf der Tribüne langweilt man sich zu Tode und wundert sich dabei nicht, dass keine (Aufbruch-)Stimmung rund um den VfB aufkommen mag.

Die Ernüchterung ist groß, meine Hoffnung auf eine bessere Rückrunde geschwunden. Noch mehr, seit Samstag „dürfen“ wir uns mit dem Abstiegsszenario auseinander setzen. Der Abstand auf den Relegationsplatz ist auf drei Punkte zusammengeschmolzen, die Kellerkinder fangen plötzlich an zu punkten. Der Trainerwechsel bisher verpufft, unsere Achse von sog. Führungsspielern mit Ulreich, Niedermeier, Gentner, Harnik, Ibisevic schwächelt durchgängig oder spielt nicht. Was also soll Hoffnung auf Besserung machen? Was kurzfristig, was langfristig? Kurzfristig plädiere ich auf jeden Fall dafür einen Rani Khedira zu bringen, der seine Sache gegen Hannover gut gemacht hat, so lang Gentner der Mannschaft nicht helfen kann. Da Abdellaoue und Ibisevic ähnliche Typen sind und Ibisevic in letzter Zeit hauptsächlich durch reklamieren und linke Fouls auffällt, würde ich Werner und Mo im Sturm aufbieten. Rojas könnte ich mir auf Harniks Position vorstellen. Den Rechtsverteidiger könnte Antonio Rüdiger geben, wenn Schneider das (Stamm-) Innenverteidiger-Duo Rüdiger/ Schwaab zu sprengen bereit ist. Ob Patrick Funk derzeit eine Alternative wäre, kann ich schwer beurteilen. Da man ihn aber von St. Pauli zurückbeordert und nicht gegen geringe Ablöse hat ziehen lassen, gehe ich davon aus, dass man im Sommer noch von seinen Qualitäten überzeugt war.

Eines ist klar, es muss einfach Schluss sein mit einem Stammteam als geschlossener Gesellschaft, wo man höchstens durch Verletzungen oder Sperren herausgerissen wird. So würde ein Leistungsprinzip ad absurdum geführt, und verleitet zur Bequemlichkeit derer, die immer spielen und hat zur Folge, dass die vielen Spieler, die außen vor sind, zuerst frustriert sind, um dann innerlich mit dem VfB abzuschließen. Sollte dann einmal der „Ernstfall“ eintreten, sind diese Spieler aufgrund mangelnder Spielpraxis und auch aufgrund mangelnder Motivation kaum zu gebrauchen, zumal sie wüssten, dass sie, wenn der Platzhalter wieder einsatzbereit ist, sowieso wieder draußen sind. Mit solchen Maßnahmen könnte Schneider sein Profil schärfen und sich Anerkennung im Kader erarbeiten, nicht aber, wenn schwächelnde Stammkräfte immer wieder spielen und nach schwachen Leistungen auch noch unter Artenschutz genommen werden.

Morgen kommen also die Bayern. Die Hütte wird ausnahmsweise mal wieder voll werden, was aber lediglich für den Schatzmeister ein Grund zur Freude sein dürfte. Ich rechne mit 15.000 bis 20.000 Bayern-Fans, so dass der Abend schwer zu ertragen sein dürfte. In sportlicher Hinsicht sind meine Erwartungen sowieso auf dem Nullpunkt, so dass ich froh bin, wenn ich den morgigen Tag hinter mir habe. Zu weit ist die Schere auseinander gedriftet, zu chancenlos der Rest der Liga und erst recht der VfB. So wird es einzig von den Bayern abhängen, wie das Ergebnis ausfallen wird. Haben sie Lust uns abzuschießen oder reichen ihnen einfach die drei Punkte und lassen Gnade vor Recht ergehen. Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich egal, ob wir 0:2 oder wie Werder 0:7 verlieren, beides ergibt unter dem Strich null Punkte. Weh tut es so oder so. Vielleicht wäre ein Debakel auch besser als eine knappe Niederlage wie im Pokalfinale, die vieles kaschieren würde. Dann könnten wir wenigstens auf klare Worte nach dem Spiel hoffen und keine Schönrederei mehr.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es mir auch bewusst ist, dass erst ein Spiel in der Rückrunde gespielt ist und es durchaus immer noch möglich ist, dass wir eine Halbserie sehen werden, die Spaß macht. Allein, mir fehlt nach der dürftigen Vorstellung gegen Mainz der Glaube daran.

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