30. Januar 2019

Stuttgart kämpfen, Dietrich raus!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 13:46

Das neue Jahr beginnt für den VfB wie das alte aufgehört hat – mit zwei Niederlagen. Jene gegen die Münchner Bayern war dabei natürlich eingeplant, ganz im Gegensatz zu der zuhause in der Vorwoche gegen Mainz 05.

Trainer Weinzierl änderte sein Team gleich auf fünf Positionen und trat mutiger auf als zuletzt. Beck ersetzte Castro, Insúa Borna Sosa, Neuzugang Kabak lief anstelle von Timo Baumgartl auf, dazu kamen noch Nicolás González und Donis für Aogo und Mario Gomez. Ob Timo Baumgartl tatsächlich Schwindelgefühle plagten oder er doch wegen der Bonus-Spiel-Aussage zum Zuschauen verdammt wurde, mag ich nicht zu beurteilen. Aufgrund dieser stellte ich letzte Woche bekanntermaßen die Charakterfrage und „riet“ Markus Weinzierl, alle zuhause zu lassen, die sich von vornherein aufzugeben scheinen.

Bemerkenswert war der Startelf-Verzicht von Mario Gomez, der realistisch eingeordnet hatte, dass wir gegen die Bayern eher schnelle Konterspieler statt eines Strafraumstürmers brauchen könnten.

Bemerkenswert in doppelter Hinsicht, denn, wenn man bei seiner Aussage „Deswegen habe ich dem Trainer auch gesagt, er soll die anderen beiden spielen lassen„ zwischen den Zeilen liest, hätte sich Gomez von selbst aufgestellt, wobei wir bei der Grundsatzfrage wären, ob es im Profifußball Stammplatzgarantien gibt und weshalb Christian Gentner nicht auch mal eine derartige Selbstreflektion erfährt.

Die Aufstellung las sich für mich vielversprechender als in den letzten Wochen. Umso ärgerlicher war es daher, dass man bereits nach fünf Minuten den Überblick im eigenen Strafraum verlor und in Rückstand geriet. Bitter, in einem Spiel, von dem man schon nichts anderes als eine hohe Niederlage erwartete, dermaßen früh die Bestätigung dafür zu erhalten. So machte ich gerade einmal in den ersten fünf Minuten ein paar Bilder, ehe uns der Spielstand und die Hoffnung, im Paulaner Fantreff Voll- statt Light-Bier serviert zu bekommen, in die Katakomben trieb und wir den Rest des Spiels auf dem Bildschirm verfolgten.

Eigentlich ist der Fantreff Heim-Fans vorbehalten, da wir neutral gekleidet waren und Emotionen ohnehin kaum mehr vorhanden sind, fielen wir dort nicht einmal auf. Bei bayerischem Schweinebraten mit Kren und Weizenbier aus dem Glas (verflixt, doch Light!) schauten wir dem Treiben zu. Früher wäre dies noch unvorstellbar gewesen, da staute sich Tage vorher der Schaum vor dem Mund und jeder dahergelaufene Lederhosenträger wurde beleidigt. Diese Luft ist raus, emotionslos wie die Darbietungen auf dem grünen Rasen lasse ich dieses ungleiche Duell inzwischen über mich ergehen.

Somit wichen wir der nasskalten Witterung aus und sahen einen VfB, der eine Reaktion zeigte und wider Erwarten (zunächst) nicht einbrach. Im Gegenteil, wegen der Passivität der Münchner Bayern, kam der VfB immer besser ins Spiel und erzielte mit einem Traumtor von Donis den Ausgleich. Eben jener Donis hatte sogar noch die Führung auf dem Fuß, war aber offensichtlich zu überrascht, dass der Ball zu ihm durchkam, so dass er Neuer überhastet anschoss. Daher ging es immerhin mit einem achtbaren Remis in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel änderten sich dann wieder die Kräfteverhältnisse. Die Bayern brachten den Ex-VfBler Serge Gnabry für Martinez und mit Gnabry kam der Angriffsschwung zurück, während der VfB zu passiv aus den Katakomben kam und die Protagonisten den Anschein erweckten, sich auf einer ordentlichen ersten Hälfte ausruhen zu wollen.

Eben jener Gnabry spielte zehn Minuten nach der Pause Gentner an, welcher sehenswert zur Bayern-Führung verwandelte. War vermutlich nicht so gewollt, unser viertes Eigentor in dieser Saison, doch, hätte Weinzierl Gentner auch mal eine Pause verordnet, wäre Gentner nicht im Weg gestanden und das Tor wäre so nicht gefallen. Weshalb Gente, auch wenn er noch so formschwach ist, jedes Mal in der Startformation steht, begreife ich nicht. Ist es die Stammplatzgarantie oder liegt der Grund gar darin, dass Gentner und Weinzierl denselben Berater haben?

Ich hoffe, trotz aktueller Dementis, dass bis zum Ende der Transferperiode der dringend benötigte spielstarke Mittelfeldspieler noch kommt und Weinzierl sich traut, Gentner auch mal draußen zu lassen. Ich kann immer wieder nur betonen, dass ich Gentner als Typen und als Menschen sehr schätze, auf dem Platz aber selten etwas mit ihm anfangen konnte.

Schon 2010, als er aus Wolfsburg zurückkehrte, hatte ich den Wechsel im Blog kritisiert und jetzt, neun Jahre später, reden viele von einer Vereinslegende.

Warum denn überhaupt? Was hat Gentner mit dem VfB erreicht? Meister 2007 als Ergänzungsspieler, dann der Wechsel nach Wolfsburg wegen des Geldes und weil beim VfB kein Platz für ihn war und seit seiner Rückkehr geht es stetig bergab.

Warum dann? Weil er Kapitän ist? Seit er 2013 über Nacht nach Tascis Abgang wie die Jungfrau zum Kinde zur Kapitänsbinde kam, hat der Abwärtstrend an Rasanz zugelegt und hat sich die Verweildauer der Trainer mindestens halbiert.

Warum sonst? Weil er der dienstälteste VfB-Profi ist? Weil er beim Abstieg geblieben ist? Dann bitte möchte ich wissen, ob jemals ein Angebot für ihn vorlag.

Daher ist mir Vereinslegende viel zu hoch gegriffen. Als Vereinslegenden sehe ich Robert Schlienz, Karlheinz Förster, Asgeir Sigurvinsson, Hermann Ohlicher, Karl Allgöwer, Guido Buchwald, Günne Schäfer, das magische Dreieck, Zvonimir Soldo bis hin zu Thomas Hitzlsperger, um nur einige zu nennen, die alle mit dem VfB etwas erreicht haben, nicht aber Spieler, deren größter „Verdienst“ ist, dem Verein über eine lange Zeit erhalten geblieben zu sein.

Dass Gentner den VfB lebt und liebt, steht außer Frage. Auf dem Platz jedoch sollte er Jüngeren und Handlungsschnelleren das Feld überlassen. In München wieder ist er mir mitunter negativ, um es klar zu sagen, feige, aufgefallen. Traut sich nicht oder kann es nicht, Situationen spielerisch aufzulösen und bringt dadurch Mitspieler in die Bredouille, weil er nur froh ist, den Ball schnell wieder los zu sein. So spielt doch kein Leader. Gerade die vielen jungen Spieler im Kader bräuchten Führungsspieler, zu denen sie aufgrund ihrer Leistung aufschauen können und die sich auf dem Platz nicht verstecken, wenn es nicht wie erhofft läuft.

Weshalb ich zu diesem Thema mal wieder deutlich meine Meinung sagen muss, liegt darin begründet, dass Reschke sich offensichtlich ernsthaft damit auseinandersetzt, Gentners (wie auch Becks) Vertrag zu verlängern. Womöglich denkt er sich dabei noch, ALLE lieben Gente und dass er in Zeiten der sportlichen Katastrophe mit Gentes Vertragsverlängerung „das schwierige Umfeld“ besänftigen könnte. Deshalb positioniere ich mich und weiß, dass viele meiner VfB-Freunde ähnlich über diese Personalie denken, und hoffe darauf, dass die aktuelle seine letzte Saison als Kapitän und Stammspieler ist. Gerne sehe ich ihn wieder in der Fanbetreuung oder als Teammanager, als Mensch und Typ ist er mir sympathisch und stets freundlich.

Doch, um zurück zum Spiel zu kommen: González hatte zwar noch den Ausgleich auf dem Fuß, was jedoch auch die einzige VfB-Chance in der zweiten Hälfte darstellte, so dass unterm Strich ein 4:1 für die Bayern steht und man sich einmal mehr vier Gegentore eingefangen hat. Damit stehen bislang sagenhafte 42 Gegentore zu Buche, was einem Wert von 2,21 pro Spiel entspricht. Zum Vergleich, in der letzten Saison kassierte man in 34 Spielen lediglich 36 Gegentore, was den Grundstein zum Klassenerhalt bedeutete.

Kabaks Debüt machte Mut, er ist ein Kämpfer, mit gutem Timing im Zweikampf und einem gutem Auge und klärte mehrere Male in höchster Not. Hoffentlich lässt er sich nicht, wie schon viele vor ihm, auf das Niveau der Anderen herunterziehen und konserviert seine Stärken. Kempf ist zur festen Größe geworden und nicht mehr wegzudenken, so dass es interessant wird, wie die Abwehrreihe denn aussehen wird, wenn Baumgartl und vor allem Pavard wieder einsatzbereit sind. Dann hat Weinzierl die Qual der Wahl und sollte sich auf eine Formation festlegen, damit endlich Automatismen zu erkennen sind und die Abstimmung besser funktioniert. Derzeit hat die Abwehr, in welcher Zusammensetzung auch immer, nur die Bezeichnung „Hühnerhaufen“ verdient.

Ich bin gespannt, was bis zum Deadline-Day noch passiert, ob ein Pavard noch da sein wird, ein Badstuber, und erst recht ein Maffeo. Stand heute, so Reschke, sei es unwahrscheinlich, dass sich noch etwas tut, warten wir es. Beklagte man in der Vorrunde den dünnen Kader, stehen nun drei Zugängen zwei Abgänge gegenüber. Zudem legte man Badstuber und Maffeo nahe, sich einen neuen Verein zu suchen, so dass es, selbst wenn kein Abnehmer für sie gefunden wird, fraglich ist, ob sie in der Rückrunde überhaupt noch einmal für uns auflaufen werden.

Berkay Özcan (wie auch Sarpei) hat uns bereits in Richtung seines alten Trainers Hannes Wolf verlassen. Bei Özcan war offenbar plötzlich Eile geboten, weil er den Angaben zufolge im Sommer für weit weniger Ablöse hätte gehen können, wenn er 500 Minuten Einsatzzeit nicht erreicht. Wer sich solche Klauseln ausdenkt, ist mir schleierhaft. Die genaue Ausformulierung würde mich dabei brennend interessieren, war Özcan doch über weite Phasen der Vorrunde verletzt. Reduziert sich diese Anzahl dann entsprechend? Was, wenn ein Spieler seinen Wechsel erzwingen möchte und sich ständig krank meldet, um unter dieser Marke zu bleiben?

Unabhängig davon, dass Reschke mal wieder gelogen hat, als bei der Vertragsverlängerung verkündet wurde, es existiere keine Ausstiegsklausel, dachte ich, Reschke sei Profi, woran sich beim Aushandeln solcher Klauseln zweifeln lässt.

Dem Spieler Özcan trauere ich hingegen nicht nach. Er ist ein netter Kerl und kam mir in Gesprächen im Trainingslager eher schüchtern und demütig als großkotzig vor. Weshalb ich den Wechsel dennoch nicht nachvollziehen kann, ist, weil Reschke in der Vorrunde noch unser mangelndes Kreativpotential und die fehlende Alternative zum dauerverletzten Daniel Didavi damit begründet hat, der „leider auch verletzte“ Özcan wäre als Didavis Backup vorgesehen gewesen. Jetzt haben wir die Situation, dass der Backup weg, Didavi weiterhin ein höchst unsicherer Kanonist ist und für die Position hinter den Spitzen auch kein neuer Mann geholt wurde. Logisch!

Erster Abgangskandidat ist Pablo Maffeo, bis zur Verpflichtung von Ozan Kabak Rekord-Einkauf des VfB. Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich diskreditierte den Spieler zuletzt öffentlich auf einer Veranstaltung der Backnanger Kreiszeitung, betitelte ihn als Flop, der „quer im Stall“ stehe.

Es gehört sich für einen VfB-Präsidenten nicht, Personal öffentlich zu kritisieren, mit Nutzvieh zu vergleichen und nicht zuletzt durch derartige Aussagen Kapital der VfB AG zu vernichten. Dietrich träumt zwar davon, jene zehn Millionen Euro, die man in Maffeo investiert hat, zurück zu bekommen, was reichlich unrealistisch sein dürfte, wenn man den Jungen als ungezogenen und faulen Bengel ins Schaufenster stellt.

Dass Reschke zunächst einmal zehn Millionen Euro in den Sand gesetzt hat, sieht Dietrich gelassen, „es gehöre dazu, dass man einen solchen Flop dabei hat“.

Es ist ja auch nicht sein eigenes Geld, sondern das des VfB. Vielleicht sollte man einem Menschen wie Dietrich einmal vor Augen führen, wie viel 10.000.000 Euro für die zahlende Kundschaft sind und dass es sich um Mittel handelt, die dem VfB an anderer Stelle fehlen.

Egal wer die Dreier-, Vierer- oder Fünferkette bildet, die Gegentorflut muss eingedämmt werden, ansonsten dürfte es auch gegen Freiburg und in Düsseldorf schwierig werden, den Befreiungsschlag zu landen. Es offenbarte sich gegen die Bayern erneut, dass wir Probleme bekommen, sobald der Gegner das Tempo anzieht und dies im Kopf erst dann realisieren, wenn es zu spät ist. Auf der Aufstellung bei den Bayern könnte aufgebaut werden, nimmt man die langsamen Beck und Gentner heraus.

Gefährlich an der phasenweise ordentlichen Vorstellung in München ist, dass es wieder von allen Seiten heißt, auf dieser Leistung ließe sich aufbauen und dass das Team viel zu stark sei, um sich nicht aus dem Abstiegs-Schlamassel zu befreien.

Freiburg wird um die Schwächen und das mangelnde Selbstbewusstsein wissen und versuchen, dies gnadenlos auszunutzen. Gegen die einstigen Breisgau-Brasilianer wird es ein völlig anderes Spiel werden, in dem der VfB gefordert sein wird, das Spiel zu machen, was ihm nun mal überhaupt nicht behagt. Dennoch muss ein Sieg her und die Chancen dafür stehen auch nicht schlecht. Zum einen lag uns Freiburg in den letzten Jahren, zum anderen hat auch Freiburg nach dem Rückrundenstart gegen einen Negativtrend anzukämpfen und wird demzufolge nicht mit übergroßem Selbstvertrauen anreisen. Gegen Freiburg und in Düsseldorf stehen extrem wichtige Schlüsselspiele auf dem Programm, stehen wir danach noch immer ohne Rückrundensieg da, muss das Saisonziel wohl auf Platz 16 nach unten korrigiert werden.

Der Sonnenkönig entpuppt sich mit seiner Großmannssucht immer mehr als der Totengräber des VfB und weit und breit scheint keiner gewillt, ihn zu stoppen. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Ein Jan Schindelmeiser, der lieber den ersten vor dem zweiten Schritt machen wollte und den Herren dem Vernehmen nach ins Gesicht gesagt hat, dass sie keine Ahnung haben und sich doch besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren sollen, wurde „entsorgt“, nachdem der Moor seine Schuldigkeit getan hatte und weil er zu unbequem war.

Einem Guido Buchwald, der im Aufsichtsrat wohl gegen Windmühlen kämpft und als letzten Ausweg den Gang an die Öffentlichkeit sah, wurde ein Maulkorb verpasst. Dass es nicht die feine englische Art war, Kritik nach außen zu tragen, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Wenn aber de facto der Präsident zu mächtig ist und im Aufsichtsrat das letzte Wort hat, wenn die Sponsorenvertreter im Aufsichtsrat, die Dietrich durchdrückten, zu allem Ja und Amen sagen, Hauptsache man schließt keine Sponsorenverträge mit Konkurrenzunternehmen ab, so lang dürften die Mehrheitsverhältnisse geklärt sein.

So sehr der Machtmensch Dietrich allem und jedem misstraut, so sehr lässt er dem einstigen Superhirn der Liga, Michael Reschke, Narrenfreiheit. War ein Schindelmeiser nicht mehr tragbar, weil er mit Leuten, die keinen Fußballsachverstand mitbrachten, potentielle Transfers nicht im Detail durchgesprochen hatte, scheint es Dietrich genehmer zu sein, wenn Reschke in karnevalistischer Manier die Vorzüge von Ü30-Auslaufmodellen anpreist, die ein Vielfaches an Gehältern kosten, wie jene, die Schindelmeiser ausgelobt hatte.

Ob eine Vereinsführung ruhig und ohne Störfeuer von außen arbeiten kann, hängt stark, wenn auch nicht ausschließlich, vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg ab. Dass es mit Hannover und Nürnberg tatsächlich zwei Teams gibt, die noch schlechter sind, als der VfB und der VfB daher nicht schon längst abgeschlagen Tabellenletzter ist, hat man also alleine diesem Umstand zu verdanken. Dass der VfB mit Abstand seine schlechteste Saison der Bundesliga-Historie spielt, geht dabei ein wenig unter, was bislang noch Glück für Dietrich & Co. war.

Nachdem Reschkes zweiter Trainerwechsel nun ebenfalls verpufft ist, die Außendarstellung des VfB eine Katastrophe ist, man Spieler öffentlich an den Pranger stellt und über allem die sportliche Talfahrt steht, legen die Proteste gegen Dietrich wieder an Fahrt zu.

Die „Dietrich raus“ Rufe werden lauter, das Problem ist nur, dass es ihn in seiner Loge nicht anficht. Nur wegen unfreundlicher Transparente wird dieser Präsident das Feld nicht räumen, da bräuchte es mehr, bis hin zu handfesten Protesten, ähnlich denen von 2009. Um weiteres Unheil vom VfB abzuwenden, bräuchte es eine starke Opposition mit einem überzeugenden Kandidaten, die zum Ziel hat, diesen Präsidenten zu stürzen, bevor es zu spät ist und der VfB in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Von den hervorragenden Rahmenbedingungen redet ein Dietrich immer nur, entscheidend ist bei einem Fußball-Unternehmen auf dem Platz und daran muss sich Dietrich messen lassen. Angesichts von Investitionen in Höhe von fast 50 Millionen Euro ist der Ertrag desaströs und Dietrich dafür hauptverantwortlich.

Dietrichs Marionette auf dem Sportdirektoren-Posten war zu Gast bei Sky90. Ich befand mich zu der Zeit noch auf der Heimfahrt aus München und kann deshalb nur einordnen, was ich in Ausschnitten mitbekommen habe. Ein Pavard-Verkauf noch in dieser Transferperiode stünde nicht zur Debatte und er stehe „total“ hinter Trainer Weinzierl.

Bei einem Mann, der seine Lügen als Wahrheitsbeugung zu legitimieren versucht, sollten in beiden Fällen die Alarmglocken schrillen, wobei ich Pavards schnellen Abgang sogar noch befürworten würde.
Personelle Alternativen haben wir genügend in der Abwehr, zudem hat auch Pavard eine schwache Vorrunde gespielt. Ihn nehme ich, im Gegensatz zu vielen VfB-Fans die ihm unterstellen schon seit dem Sommer nicht mehr mit vollem Herzen beim VfB zu sein, in Schutz.

Er ist nach wie vor ein sehr junger Spieler, auf den durch den WM-Gewinn so einiges einprasselte. Dann kommt er zurück und jeder, vielleicht sogar er selbst auch, denkt, als Weltmeister müsse er besondere Dinge machen und in eine Führungsrolle schlüpfen. Diesem Anspruch wurde er zu keiner Zeit gerecht und verletzte sich zu allem Überfluss auch noch schwer.

Auch die gespielte Rückendeckung für Markus Weinzierl erscheint nach neun Niederlagen in zwölf Spielen geflunkert, hat sich Reschke doch ähnlich zu Hannes Wolf und Tayfun Korkut geäußert, kurz bevor er ihnen den Arschtritt gab.

Weinzierl mag ich eigentlich als Typen und hoffe, dass er mit dem VfB die Kurve kriegt, schließlich wünsche auch ich mir endlich mal Kontinuität auf dem Trainerposten.

Als sehr daneben empfinde ich allerdings dessen öffentliche Diskreditierung seiner, vornehmlich jungen, Spieler. Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn ein Trainer die Zügel anzieht und disziplinarische Maßnahmen ergreift, wenn der eine oder andere aus der Reihe tanzt und nicht mitzieht. Befasst man sich aber mit seinen früheren Stationen, hat Weinzierl in einigen Fällen nicht durch sonderlich gute Menschenführung geglänzt, so dass sich einige seiner Ex-Spieler bei ihm ungerecht behandelt fühlten, was der erste Schritt wäre, seine Mannschaft zu verlieren, was in unserer derzeitigen Situation fatal wäre.

Wenn ein Maffeo mit großen Hoffnungen zum VfB gekommen ist, sich jedoch hinter einem Andreas Beck anstellen muss, der seinen Zenit längst überschritten hat, kann ich seinen Frust schon ein Stück weit verstehen.

Dass er aber so schnell aufgibt und sich nicht integrationswillig zeigt (glaubt man zumindest der öffentlichen Schelte), zeugt von schlechtem Charakter. Ob man sich gezielt auch nach dem Menschen Maffeo erkundigt hat oder ob man sich das Talent allein schon deshalb angelte, weil der Tipp von Pep Guardiola, zu dem Reschke eine Freundschaft pflegt, kam, wäre interessant zu wissen. Offensichtlich hat man nicht genau genug hingeschaut und vermutlich auch bei der Integration der Jungen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, Fehler gemacht.

Reschke, der seine Kritiker vor nicht allzu langer Zeit als ahnungslose Vollidioten betitelte, appellierte in der Sendung ferner auch an den Zusammenhalt. An Unterstützung der Fanszene mangelt es nach wie vor nicht, rund 7.500 VfBler, die selbst das zu erwartende Debakel von München nicht abschreckte, dort hinzufahren, sprechen Bände.

Dass es in naher Zukunft kein „Zusammen“ zwischen weiten Teilen der Fans und der Vereinsführung geben kann, hat sich Spalter Dietrich durch seine Amtsführung selbst zuzuschreiben. Wer ohne Gegenkandidat und nur wegen der Anwesenheit einiger hundert Jubelperser gerade einmal gut 57% der Stimmen auf sich vereint, großmundig ankündigt, Präsident aller VfBler sein zu wollen, das Amt dann aber autokratisch bekleidet, wie will dieser Mann Vertrauen gewinnen.

Einer, der von den vollmundigen Versprechungen der Ausgliederungspropaganda zu großen Teilen nichts mehr wissen will, der die Gesichter der erfolgreichen Ausgliederungskampagne entsorgt hat, als er sie für seine Zwecke nicht mehr gebraucht hatte und der einem im persönlichen Gespräch ins Gesicht lügt, anstatt einfach mitzuteilen, „dazu möchte ich nichts sagen“, der versprochen hatte, Hannes Wolf niemals zu entlassen, um seine Demontage durch die Schindelmeiser-Entlassung höchstpersönlich zu initiieren, soll man vertrauen? Ich hoffe, die Kurve gibt keine Ruhe, bis Dietrich Geschichte ist.

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22. Januar 2019

Charakter zeigen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:24

Neues Jahr, alte Probleme. Ging ich vor dem Spiel gegen Mainz seit langem mal wieder optimistisch aus dem Haus und ins Stadion, kehrte die Ernüchterung schneller ein, als man überhaupt in der Rückrunde angekommen war.

Die Neuzugänge, die dem VfB-Spiel Wucht verleihen sollten, die Rückkehr der meisten Rekonvaleszenten, sowie die Möglichkeit für Markus Weinzierl, das Team im Trainingslager länger beisammen zu haben, Fitnessdefizite aufzuarbeiten und Automatismen erarbeiten zu können, machte mir Hoffnung, dass wir gegen Mainz erstmals „sein“ Team sehen würden, nachdem er in der Vorrunde die Missstände lediglich verwalten musste und sich die Mannschaft fast von selbst aufstellte. Keine der Niederlagen unter Weinzierl machte ich bislang am Trainer fest, kam er doch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und übernahm einen völlig desolaten, kaputt trainierten und verunsicherten Haufen.

Dass die Zügel deutlich angezogen wurden erkannte man an der disziplinarischen Maßnahme, weshalb Donis nicht im Kader des Testspiels gegen Utrecht stand und dass auch Maffeo und Borna Sosa vom Bannstrahl des Trainers getroffen wurde.

Donis fiel wiederholt durch Undiszipliniertheiten auf und muss sich somit an die eigene Nase fassen, wenn er immer wieder außen vor ist. Im Mannschaftssport ist es wichtig, dass man sich an Regeln hält, Punkt! Maffeo wiederum soll im Team völlig isoliert sein, nicht einmal den Kontakt zu den spanischsprachigen Kollegen pflegen, außerdem prangert Weinzierl dessen Leistungsbereitschaft an, so dass sich noch diesen Winter die Wege mit dem bis vor kurzem teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte trennen könnten.

Wäre noch Borna Sosa, der den Vorschusslorbeeren, die ihm vorher eilten noch nicht gerecht wurde und am Samstag gar mit falschem Schuhwerk auflief, was Weinzierl so erzürnte, dass er ihn zur Pause in der Kabine ließ. Schlamperei und Dilettantismus, wohin das Auge reicht!

Dass die Mischung im Kader und das Verhältnis zwischen sehr jung und sehr alt nicht ausgewogen genug war, zumindest bis zur Verpflichtung von Esswein und Zuber, wusste man, nun aber stellt es sich so dar, dass ein Teil des Teams aus hochveranlagten Rotzlöffeln besteht, während der andere Teil aufgrund der derzeitigen Leistungsfähigkeit nicht in die erste Elf gehören würde, dort aber steht, weil er sich in der Gruppe tadellos verhält. In dieser „Mannschaft“ stimmt es vorne und hinten nicht.

Körpersprache und der unbedingte Siegeswillen sind beim Einlaufen schon nicht zu erkennen, die aufgesetzte Island-Kopie vor den Spielen kann sich das Team sparen, wenn es ohnehin schon die Hosen gestrichen voll hat. Die Fans müssen nicht angestachelt werden, Leistung zu bringen, wenn sie irgendwo stimmt, dann da. Entscheidend ist auf dem Platz und dort stellte man nur kurz einen Unterschied zwischen dem Schalke-Spiel und dem propagierten Neubeginn fest.

Nach den übermittelten Bildern aus La Manga und den geschilderten Eindrücken der Journalisten, die vor Ort waren, war die Hoffnung da, in der Rückrunde einen anderen VfB zu erleben. Zumindest über die Außen sollte mehr gehen, Mario Gomez besser in Szene gesetzt werden und nicht zuletzt er selbst hat ja angekündigt, uns zum Klassenerhalt zu schießen. Dass das grundsätzliche Problem, nämlich dass uns ein spielstarker zentraler Mittelfeldspieler fehlt, der das Spiel lesen, schnell machen, beruhigen kann, je nach Situation und vor allem unabhängig vom Spielstand, nicht behoben wurde, könnte uns, sollte Reschke weiterhin keinen Handlungsbedarf sieht, noch teuer zu stehen kommen. Ich bleibe dabei, dass mir spontan kein Team in Europa einfällt, welches einen ähnlich lahmarschigen und uninspirierten Fußball spielt wie der VfB.

Da man einen Christian Gentner jedoch nicht hinterfragt, sich kein Trainer, der mitten in der Saison kommt, getraut, den Kapitän herauszunehmen, im Gegenteil, man wohl ernsthaft über eine Vertragsverlängerung nachdenkt, wird sich beim VfB von der Spielweise her wohl in den nächsten Jahren nicht allzu viel ändern.

Auch wenn sämtliche Statistiken des Spiels für den VfB sprechen, auch wenn der VfB am Ende dem Remis ganz nah war, war der Auftritt über weite Strecken indiskutabel.

Lediglich zu Beginn merkte man, dass Weinzierl den Seinen einen Plan mitgegeben hatte und hatte den Eindruck, jeder wisse, was die Stunde geschlagen hat und was zu tun ist. Kleinigkeiten genügen dann jedoch, das fragile Gebilde zum Einsturz zu bringen.

Nachdem die Mainzer die Anfangsnervosität abgelegt hatten und schnell und zielstrebig begannen nach vorn zu spielen, dauerte es nicht lang, bis man zurücklag und das Unheil seinen Lauf nahm. Deutliche Parallele zur Vorrunde, ein Gegentor genügt, dass Nummer 1 bis 11 auf dem Platz nur noch kopflos herum irrt und jeder nur mit sich selbst beschäftigt ist. Wir haben kein Team, in dem einer für den anderen da ist, sondern elf Einzelspieler, von denen sich zu viele hängen lassen. Das ist Einstellungssache, so dass in erster Linie die Spieler gefragt sind, sich zusammenzuraufen und aus dem Sumpf zu ziehen.

Die Abwehr ein einziger Hühnerhaufen, das Mittelfeld zu statisch und ein Sturm nicht vorhanden. Wie man sich exemplarisch beim zweiten Gegentor trotz numerischer Überzahl von einem (!) Mainzer herspielen ließ, spottete jeder Beschreibung. Ein solches Abwehrverhalten, drei Gegentore selbst gegen die Karnevalisten von Mainz 05, waren einmal mehr nicht bundesligatauglich.

Statt das Kardinalproblem des VfB im Mittelfeld zu beheben, beglückte uns der Perlentaucher letzte Woche mit dem nächsten Rekordeinkauf der Vereinshistorie. Tja, seit der Ausgliederung wird halt geklotzt statt gekleckert und vorzugsweise der zweite vor dem ersten Schritt getan.

Nicht dass ich den Kauf von Ozan Kabak an sich verurteile und den Stab über einen Spieler breche, den ich noch nie habe spielen lassen. Für mich ist aber der Zeitpunkt verkehrt und birgt die große Gefahr, den Jungen jetzt schon zu verheizen.

In Baumgartl, Badstuber, Kempf, Pavard und Aidonis haben wir doch eigentlich genügend Innenverteidiger, als dass auf dieser Position Handlungsbedarf bestünde.

Ob es da nicht vernünftiger gewesen wäre, den Jungen gleich wieder für ein halbes Jahr an Galatasaray zu verleihen, um ihm im Sommer einen von der sportlichen Situation losgelösten Start zu ermöglichen?
Für wen soll er denn spielen? Egal, wen er verdrängt, der Druck, der als Rekordeinkauf auf ihm lastet, wird immens sein. Ob er mit seinen 18 Jahren diesem standhält, erst recht, sollte er einmal spielentscheidend patzen? Wie reagiert dann derjenige, der für ihn weichen musste? Oder möchte man ihn womöglich, wie schon viele vor ihm, wochen- und monatelang behutsam aufbauen, so lang, bis er die Lust verliert und mit dem VfB abschließt, ehe er richtig angekommen ist?

Hier holt man sich für mein Empfinden neues Konfliktpotential ins Haus und macht unter Umständen ein völlig unnötiges Fass auf, gerade so, als ob wir nicht schon genügend Baustellen zu beackern hätten. Wiederum, Michael Reschke ist ja, seit er hier Dienst tut, dafür bekannt, kein Fettnäpfchen auszulassen.

Bei dieser Konstellation hoffe ich inständig, dass bei den Bayern noch vor Ende der Wechselfrist Handlungsbedarf im Defensivbereich aufkommt und Pavard sofort nach München wechselt, während bei Holger Badstuber ein Wechsel (vorerst) vom Tisch sein dürfte.

Nachdem Reschke vorgeprescht war und ihn öffentlich zum Verkauf angeboten hatte, musste er inzwischen zurückrudern, weil Badstuber und sein Berater überhaupt nicht daran denken, den VfB zu verlassen und dabei womöglich auf Geld zu verzichten.

Völlig legitim von Badstuber und eine Ohrfeige für Reschke, der sich durch seinen offenbar mit Niemandem abgestimmten Vorstoß äußerst unprofessionell und vereinsschädigend verhalten hat. Dies deshalb, weil ein solches Vorpreschen meist den Preis empfindlich drückt und man am Ende wohl ein Vertragskonstrukt wie einst bei Ibišević an der Backe haben könnte.

Mir kommt Holger Badstuber sowieso zu schlecht weg beim VfB und wird in meinen Augen auch von vielen Fans zu schlecht behandelt und aufs Übelste beleidigt. Dass er ein guter Spieler ist, ist bekannt, dass die Fehler, die er in den ersten Spielern machte, seines nicht würdig sind, sollte auch bekannt sein. Diese werden ihn am allermeisten ärgern, ihn deshalb aufs Abstellgleis zu stellen, halt ich für ungerecht, hat er doch in der letzten Saison gezeigt, wie wertvoll er für den VfB sein kann. Ich denke, da passt es zwischenmenschlich mit der Clique um Beck, Aogo, Gentner nicht, die lieber ihren Buddy Baumgartl auf dem Platz sehen als Badstuber.

Vielleicht passt es ihnen ja auch nicht, dass Badstuber mit der Wellnessoase auf dem Wasen nichts anfangen kann und hungrig und verbissen genug ist, sich mit Minimalisten-Fußball nicht zufrieden zu geben. Vielleicht ist ihnen sein Ehrgeiz zu groß, weil er nach Niederlagen schon mal ungenießbar werden kann (wie es sich für einen Sportler im Allgemeinen gehört)?! Solche Typen bräuchte es mehr beim VfB, aber, als Traditionsverein pflegt man eben auch nicht so schöne Traditionen, nämlich jene, dass seit Jahren Spieler und Verantwortliche gehen müssen, die ernsthaft vorhaben, den VfB besser zu machen.

Der Sturm indes war gegen Mainz über weite Strecken mal wieder nicht vorhanden. Mario Gomez kann einem schon leidtun. Seines Alters geschuldet erspielt er sich seine Torchancen nicht mehr wie früher selbst, sondern ist auf Flanken angewiesen, auf die man beim VfB lange warten kann. Ihm fehlt nach wie vor ein Partner, wie es Daniel Ginczek in der Rückrunde der vergangenen Saison gewesen ist, ein Bulle, der Räume für ihn schafft. Da Gomez derzeit auch nicht den frischesten Eindruck macht, sollte Weinzierl ihn mal von der Bank bringen und stattdessen González von Beginn an.

Nach seinen Toren gegen Schalke und jetzt gegen Mainz ist womöglich der Knoten bei ihm geplatzt, auch wenn die Kisten nur noch Ergebniskosmetik bedeuteten. Ob Gomez, wie Gentner, eine vermeintliche Stammplatzgarantie hat und dem Trainer die Hände gebunden sind, vermag ich nicht zu beurteilen, den Eindruck bekommen könnte man aber. Unabhängig von González als möglichem Gomez-Ersatz hoffe ich, dass Reschke bis Ende Januar noch einen Stürmer, der sofort weiterhilft, verpflichtet.

Erschreckend war am Samstag erneut, dass es lange kein Aufbäumen gab und nur am Schluss, auch durch die Einwechslung von Donis, plötzlich und aus heiterem Himmel Leben in der Bude war.
Nach den beiden Treffern traf Donis noch den Pfosten und es gab den Videobeweis, wegen eines vermeintlichen Handspiels. Klar, der eine Schiri gibt ihn vielleicht, der andere nicht, ein Grund zu lamentieren ist diese für mich richtige Entscheidung nicht.

Ich bin ohnehin kein Freund der heute praktizierten Handspielregel, wo sich ein Jeder daran ergötzt, wenn einem Spieler der Ball irgendwie, und wenn aus 5m scharf angeschossen, an die Hand springt. Als ich Fußball-Fan wurde gab es beim Handspiel ausschließlich folgende Möglichkeiten: „Angeschossen“, gab keinen Elfer, „absichtliches Handspiel“ und „Hand ging zum Ball“, dann wurde Elfer gepfiffen.

Damals herrschte weitestgehend Klarheit. Damit hätte es man belassen sollen, war die Regel doch zum einen für jeden verständlich, zum anderen auch gerecht. Ich hätte mich nicht wirklich darüber freuen können, hätte der VfB durch eine solch glückliche Fügung den unverdienten Ausgleich geschafft und die Mainzer um den verdienten Lohn gebracht. Nach dem 0:3 war für mich der Käs gegessen.

Da bin ich meinetwegen Oldschool und Gerechtigkeit wäre mir wichtiger gewesen, als ein geschenkter Punktgewinn. A propos Oldschool, VfB, die permanenten Werbemails zur Unzeit könnt Ihr Euch sparen, mich machen sie nur noch aggressiv.

Allgemein gehört die Socialmedia-Abteilung hinterfragt, einen Claim nach dem anderen raushauen und nach einem Grottenkick noch titeln „für Aufholjagd nicht belohnt“ worden zu sein. Die einzigen, die nicht belohnt wurden, sind wir Fans, zumindest jene, die bis zum Schluss bei Eiseskälte ausgeharrt haben. Dafür hätte ich mich gerne mit einem Glühwein To Go belohnen lassen.

Tabellarisch hat sich am Wochenende nicht viel geändert, außer dass es eben „nur“ noch 16 Spiele sind, in denen es den Klassenerhalt klarzumachen gilt. Geht es nach Timo Baumgartl sind es gar nur 15, hat er doch schon im Vorfeld das Bayern-Spiel als Bonus-Spiel bezeichnet.

An Stelle von Markus Weinzierl würde ich im Laufe dieser Woche die Charakterfrage stellen und mir, sofern es so viele werden, die elf Spieler herauspicken, die NICHT nur nach München fahren, um die Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten.

Als Sportler sollte man in jeden Wettkampf, in jedes Spiel gehen mit dem Vorhaben sein Bestes zu geben und danach zu schauen, was dabei herauskommt. Mit einer derartigen Mentalität jedoch, sei es Baumgartl in Bezug auf das Bayern-Spiel oder Gentner in der Vorrunde (gegen Mainz muss man nicht gewinnen) ist es nicht verwunderlich, wie der VfB da steht und vor allem, dass, wenn das Erwartete, nämlich ein Gegentor, eintritt, alle Dämme brechen und man sang- und klanglos untergeht und sich kaum einer dagegen stemmt.

Der Wind wird spürbar rauer auf dem Cannstatter Wasen. Das „schwierige Umfeld“ brodelt, wird ungeduldig und fragt sich, ob das der Erfolg sein soll, den Dietrich und seine Schergen so großmäulig versprochen hatten. Es setzte Pfiffe ob der Darbietung und „Dietrich raus“ Rufe, nun scheinen es auch langsam die Ausgliederungsbefürworter zu begreifen, dass mehr Geld nicht gleich mehr Erfolg bedeutet. Die Mittel müssen schon auch vernünftig eingesetzt werden, und nicht dafür, alternden Ex-Größen lukrative Rentenverträge zu verschaffen.

Stöbert man in den einschlägigen Foren, stellen die Ersten schon wieder Markus Weinzierl in Frage. Dagegen wehre ich mich, auch wenn ich mit seinen Aufstellungen nicht immer einverstanden bin und vor allem es nicht verstehe, dass er sich an die größte Baustelle im Kader nicht heran wagt.

Und doch hat er es weiterhin nicht leicht mit einem (selbst)überschätzten Kader und einem Sportvorstand, der „seinen“ Trainern meint Ratschläge in Sachen Aufstellung und spielerischer Ausrichtung erteilen zu müssen. Bevor der nächste Trainer dran glauben muss, muss Reschke weg.

Dass der VfB nicht schon tiefer im Abstiegs-Schlamassel steckt, hat man einzig und allein der Unfähigkeit vom 1. FC Nürnberg und von Hannover 96 zu verdanken. Dank derer halte ich den direkten Abstieg noch immer für fast ausgeschlossen, so dass die Chancen auf den Klassenerhalt nach wie vor gut sind.

Zudem ist es auch noch verfrüht für Panikmache nach gerade einem Rückrundenspiel, wenngleich natürlich die Alarmglocken schrillen müssen und man keine Spiele mehr zum Verschenken hat.

Den Auftakt haben wir in den Sand gesetzt, jetzt gilt es, in München an sich zu glauben und seine Chance zu suchen. Dass die Bayern defensiv verwundbar sind, hat man des Öfteren im Laufe dieser Saison gesehen, warum sollte der VfB nicht jetzt damit anfangen, auch mal gegen einen Großen zu punkten. 14 Punkte sind erbärmlich, zwei Niederlagen gegen Mainz ebenso, gerade deshalb müssen die Protagonisten nach München fahren, um sich dort die verlorenen Punkte zurückzuholen.

Wenn wir dann am Sonntagabend nach Hause fahren und das Gefühl dabei haben, die Mannschaft habe alles versucht und wurde eben von den Bayern niedergerungen, könnte man darauf aufbauen. Mit Darbietungen jedoch, wie wir sie in der Saison zuhauf gesehen haben, ist jedoch das Schlimmste zu befürchten. Daher sind gerade jetzt Charakterköpfe gefragt und keine Schisser, ich hoffe, Weinzierl findet überhaupt welche!

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2. September 2018

Die Hosen voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 11:05

Nach den zwei Auftaktniederlagen in Rostock sowie in Mainz hatte sich der VfB unnötig unter Druck gesetzt, gegen die übermächtigen Bayern möglichst etwas Zählbares einfahren zu müssen.

Der Deadline-Day am Freitag verstrich, ohne dass Michael Reschke für weitere Verstärkung gesorgt hätte. Null Tore in den ersten beiden Spielen offenbarten, dass der Abgang von Daniel Ginczek eine Lücke hinterlassen hat, so dass ich mir es gewünscht hätte, dass noch eine Alternative fürs Sturmzentrum präsentiert wird, wenn Nicolás González noch nicht der ganz große Durchbruch zugetraut wird.

In den bisherigen Spielen wirkte Mario Gomez fahrig in seinen Aktionen, nicht wirklich fit und in gewisser Weise auch „satt“. Sein ganz großes Ziel, eine neuerliche WM-Teilnahme, hat er durch seine Leistungen in der Rückrunde erreicht.

Der Ansporn, sich dem Bundestrainer aufdrängen zu müssen, ist weg, da Gomez nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.

Ist die Frage, was treibt ihn jetzt noch an? Hat er noch den ganz großen Ehrgeiz, dem VfB unter allen Umständen weiterhelfen zu wollen oder lässt er seine Karriere gemütlich ausklingen?

Die Einstellung spreche ich ihm nicht ab, auch wenn er, wie alle anderen, in den ersten Spielen nur Mitläufer war, der mit seiner eigenen Leistung zu kämpfen hatte, anstatt in der Lage zu sein, eine Führungsrolle einzunehmen und die Richtung vorzugeben.

Auch gestern gegen die Bayern hing er völlig in der Luft, was jedoch in erster Linie der defensiven Ausrichtung des Teams geschuldet war. Dennoch verstolperte er die wenigen Bälle, die er bekam und es fehlte die Spritzigkeit die in die Jahre gekommene Bayern-Abwehr durch Anlaufen unter Druck zu setzen.

Tayfun Korkut indes ließ sich erneut durch die öffentliche Meinung zu Startelfänderungen hinreißen. Der in die Kritik geratene Holger Badstuber musste nach zwei spielentscheidenden Patzern in Rostock und in Mainz Platz für Timo Baumgartl machen, während A. Donis nach seiner völligen Ausbootung gegen Mainz in der Startelf stand. Ein Schlingerkurs des Trainers, der nicht unbedingt ausdrückt, dass der Kollege auf der Trainerbank einen Plan hätte.

Sollte er doch einen in der Tasche haben, war dieser gestern offensichtlich rein aufs Verhindern ausgerichtet und nicht aufs Gestalten.

Mit nominell neun (!) defensiv denkenden Akteuren wollte man wohl ein 0:0 ermauern oder die Niederlage im erträglichen Rahmen halten, was für meinen Geschmack zu wenig war, angesichts der knapp 60.000 Augenzeugen, die für diese einseitige Demütigung einen immensen Top-Zuschlag (sofern nicht Dauerkarteninhaber) zu berappen hatten.

Will man die Bayern ernsthaft in Bedrängnis bringen und versuchen mitzuspielen, bedarf es mehr Esprit, als nur die Bälle ins Nichts zu schlagen und sich daran zu erfreuen, wie die Sekunden verrinnen.

Dass die Bayern in einer anderen Liga spielen, steht außer Frage. Dass man in 90 Minuten aber weder eine gelbe Karte kassiert, noch einen Eckball herausholt, noch ein einziges Mal aufs Tor schießt, steht auf einem anderen Blatt. Die Bayern siegten im Schongang, ich habe vom VfB selten ein emotionsloseres Spiel gegen die Bayern gesehen.

Dass die Bayern einiges motivierter waren als der VfB, zeigte sich in der 21. Minute, als Donis an der Seitenlinie mit großem Einsatz Ribéry weg grätschte.

Die gesamte Bayern-Bank sprang auf und war entrüstet. Auf Seiten des VfB hingegen, keine Emotionen, keiner, der Donis applaudiert und das Publikum aufgeputscht hätte. Eine solche Aktion kann eine Initialzündung sein, dem Gegner den Schneid abzukaufen, doch, der VfB hatte offensichtlich an diesem Tag keinen Bock, mehr als ein angenehmer Sparringspartner zu sein.

Stimmte in der ersten halben Stunde wenigstens noch die Konzentration und der Einsatz, war auch das nach dem 0:1 wie weggeblasen. Man ergab sich in sein Schicksal und hatte von außen nie den Eindruck, dass irgendwer noch an die Wende geglaubt hätte.

Das 1:4 zum Saisonfinale in München war sicher kein Maßstab für dieses Spiel und doch war es ein Fingerzeig, wie den Bayern noch am ehesten beizukommen wäre. Mit schnellem Flügelspiel lassen sich die Bayern-Granden, die gewohnt hoch standen, noch am ehesten überlaufen und in gefährliche Situationen verwickeln, gestern blieben diese stümperhaften Versuche allesamt im Ansatz stecken, weil das Spiel insgesamt zu sehr auf Sicherheit ausgelegt war.

Bot sich mal ein Hauch einer Konterchance, fehlte es dem Stoßstürmer Gomez an Tempo, um in der Mitte ein potentieller Abnehmer zu sein.

Die erste Auswechslung des Spiels in der 57. Minute muss bereits vor dem Spiel festgestanden haben und nicht dem Spielverlauf oder gar der Leistung von Anastasios Donis geschuldet gewesen sein. Konsequenterweise hagelte es für diese Korkuts Eingebung ein gellendes Pfeifkonzert.

Er ackerte und rackerte und war der Einzige auf Seiten des VfB, dem man im Spiel offensiv noch etwas zugetraut hatte, dennoch wurde er durch Thommy ersetzt, womit auch deutlich wurde, dass Korkut keine Ambitionen hatte, das Spiel noch versuchen zu drehen. Dann nämlich hätte er sein Team sukzessiv offensiver ausrichten und das Risiko erhöhen müssen, wofür diese Wahrscheinlichkeit mit diesem positionsgetreuen Wechsel eher gering gehalten wurde.

Wenig später fiel dann das 0:2, womit der Käs gegessen war und man in Reihen des VfB den Schlusspfiff herbeisehnte. An Schmähgesängen aus dem Gästeblock mangelte es nicht, wenngleich aus diesem keine optischen Akzente kamen, weil die Ultras dem Vernehmen nach wegen Problemen beim Einlass das Spiel boykottierten.

Nach null Toren, null Punkten und Tabellenplatz 18 nach dem zweiten Spieltag steht der VfB nach der Länderspielpause in Freiburg gehörig unter Druck. Für manch einen beginnt die Saison ohnehin erst dort, ich hätte mir zumindest in Mainz ein engagierteres Auftreten gewünscht.

Da dieses ausgeblieben war, stand das Team gegen Bayern in der Pflicht und versagte auf ganzer Linie. Wird immer darüber lamentiert, dass der VfB gegen Bayern meist in der Schlussphase einer Saison, wenn die Bayern voll im Saft stehen, spielen muss und es doch so viel einfacher sei, am Anfang auf sie zu treffen, sah sich getäuscht.

Zwar stimmen die Abläufe bei ihnen noch nicht zu hundert Prozent, zwar benötigten sie gegen Hoffenheim noch die Mithilfe des Videoassistenten, wenn man es aber nicht einmal versucht, ihnen weh zu tun, haben sie natürlich leichtes Spiel.

Gerade nach den Diskussionen in der Woche um Ribérys Schwalbe gegen Hoffenheim, hätte ich es mir gewünscht, dass der VfB mal in eine Situation gekommen wäre, in der der VAR benötigt worden wäre und vielleicht etwas gutzumachen gehabt hätte.

Dies war nicht der Fall, kein einziger ernsthafter Torabschluss spricht Bände. Nicht nur die Bayern hätten gegen den VfB ohne Torwart antreten können, in den bisherigen drei Saisonspielen musste der gegnerische Torwart genau zweimal eingreifen (Aogos Freistoß ins Torwarteck (!) in Rostock; Gonzalez’ Schuss in Mainz). Alle anderen in der Statistik als Torschüsse ausgewiesenen Versuche gingen am Tor vorbei oder kullerten in die Arme des Keepers.

Ich hoffe, dass Korkut von diesem destruktiven Gewürge sehr bald absieht und die Jungs Fußball spielen lässt. Die taktischen Fesseln müssen, vor allem in der Kreativabteilung, abgelegt werden.

Wenn Badstuber aus Leistungsgründen aus der Startelf fliegt, muss auch die Rolle bzw. „Leistung“ der anderen älteren Spieler hinterfragt werden. Ob Insúa, Aogo, Castro, Gomez oder auch Kapitän Gentner.

Keiner der Genannten steht für schnelles, schnörkelloses Spiel, keiner vermochte es im bisherigen Saisonverlauf zu rechtfertigen, dass er den Vorzug vor jüngeren für die Zukunft des VfB stehenden Akteuren erhalten hat. Im Gegenteil, es scheint fast so zu sein, dass das Tempo im Spiel bewusst altersgerecht bestimmt ist, womit keinerlei Überraschungsmomente in der gegnerischen Hälfte aufkommen.

Nach einem Pokalspiel und zwei Ligaspielen ist es verfrüht, den Stab über den Trainer und das Team zu brechen. Auch eine Niederlage, wenn auch ein Klassenunterschied offenbart wurde, gegen die Bayern eignet sich nicht, jetzt schon in Panik zu verfallen.

Was mich eben fürchterlich aufregt, ist, dass gefühlt der Saisonstart verschlafen bzw. verschenkt wurde und die komplette Euphorie verflogen ist. Es waren ja nicht nur die Ergebnisse. Spielerisch lag bisher sehr viel im Argen und Torgefahr war nicht vorhanden, so dass man sich schon fragt, was das Team den Sommer über getan hat. Im Trainingslager war ich überrascht, dass kaum eine Einheit länger als 45 Minuten dauerte, was jedoch auch der Hitze geschuldet gewesen sein könnte. Zudem weiß man im Trainingslager auch nicht immer, was hinter den Kulissen noch gemacht wird.

Korkuts Glück könnte es jetzt sein, dass es in den nächsten Spielen zunächst nach Freiburg geht und dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf seine Visitenkarte im Neckarstadion abgibt. Beides sind Gegner, die man bezwingen kann, wenn nicht muss. Korkut muss die Länderspielpause nutzen und versuchen, grundlegende Dinge zu verändern. Dass Korkuts Fußball selten vergnügungssteuerpflichtig ist, wissen wir seit der Rückrunde, dort war er aber wenigstens erfolgreich. Die Frage, die sich aufdrängt, ist jetzt, kann Korkut auch anders und, war es doch nur pures Glück, was wir in der Rückrunde hatten. Dieses scheint jedenfalls nun aufgebraucht zu sein, so dass er sich nicht weiter auf Altbewährtes verlassen sollte, im Vertrauen, der Wind werde sich schon von selbst wieder drehen. Korkut steht nun extrem unter Druck und muss liefern. Der Kader dazu wurde ihm anvertraut.

Sollte es wider Erwarten in Freiburg wieder nichts zu ernten geben, dürfte Düsseldorf bereits ein erstes Endspiel für ihn werden. Ich hoffe in Freiburg auf eine mutigere Ausrichtung und einen VfB, der von Beginn an zeigt, dass er um jeden Preis gewinnen möchte. Igelt man sich auch dort zunächst ein und lässt Freiburg gewähren, wäre es meiner Ansicht nach fatal und der Anfang vom Ende.

Noch hat Korkut alle Fäden in der Hand und kann überdenken, auf wen der alten Hasen er sich wirklich noch verlassen kann und wo wer am besten aufgehoben ist. Tut er das nicht und zeigt er nicht endlich, dass er nicht nur Feuerwehrmann sondern auch ein Team entwickeln kann, bekommen wir eben mal wieder einen neuen Trainer. Man ist es ja inzwischen gewohnt!

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28. August 2018

Same procedure as every year

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:48

Der VfB verlor zum Saisonauftakt zuerst in Rostock, dann in Mainz und setzte fast schon traditionell den Saisonstart in den Sand.

Das Reiten auf einer Euphoriewelle ist nicht die Sache des VfB. Die fabelhafte Rückrunde, auf dem Papier ordentliche Transfers, die Rückkehr Benjamin Pavards als Weltmeister und eine harmonisch anmutende Vorbereitung ließen den gemeinen VfB-Fan seit Monaten mit einem Dauergrinsen durch die Gegend spazieren und von deutlich besseren Zeiten träumen, als wir sie im letzten Jahrzehnt zu durchleiden hatten.

Reschke bedeutete bereits, der VfB werde „nichts groß“ mit dem Abstiegskampf zu tun haben, was im Umkehrschluss ja nur bedeuten kann, Europa wir kommen. Das klassische Mittelfeld gibt es in der Bundesliga nicht mehr, wer nicht gegen den Abstieg spielt, spielt um Europa.

Der VfB wäre aber nicht der VfB, wenn er einen positiven Trend fortsetzen und die (Korkut-/ Reschke-)Kritiker endgültig verstummen lassen würde.

Das letzte halbe Jahr war für die VfB-Anhänger fast schon surreal, es gab nichts, aber auch überhaupt nichts zu bruddeln. Es war zwar nicht alles Gold, was glänzte, doch, entscheidend ist auf dem Platz, die Ergebnisse stimmten, also hatte der Trainer alles richtig gemacht. Die Spiele waren nicht immer ansehnlich, auch die immer gleichen Aufstellungen stießen hier und da sauer auf, aber, Korkut brachte das Glück zurück, so dass es wirklich nichts zu meckern gab. Die unberücksichtigten Reservisten ordneten sich unter und hielten, zumindest nach außen, ihren Mund und selbst die Rehawelt-Dauerpatienten Ginczek und Badstuber warf nichts mehr um.

Das Vertrauen in Korkut wuchs also, so dass die Hoffnung groß war, den Rückenwind in die neue Saison hinüber retten zu können.

Wie schon mehrmals auf dieser Plattform geschrieben, beurteile ich einen Trainer erst abschließend, wenn er mindestens eine Vorbereitung eigenverantwortlich durchgeführt hat und auch bei Personalentscheidungen ein Wörtchen mitreden durfte.

In der Rückrunde konnte Korkut nur gewinnen. Sein Ruf war ramponiert, erwartet wurde von ihm lediglich der Klassenerhalt. Zudem spielte ihm in die Karten, dass die Wintertransfers Thommy und Gomez saßen und die älteren Spieler, die Hannes Wolf wohl auf dem Gewissen hatten, bereit waren, für „den Neuen“ durchs Feuer zu gehen. Nicht zuletzt dürfte Korkut bis zum Saisonende auch von Hannes Wolfs Grundlagenarbeit profitiert haben, wäre ein solcher Schlussspurt doch nicht möglich gewesen, wenn im konditionellen Bereich geschludert worden wäre.

Das Wie war im vergangenen Jahr völlig egal, nur die Ergebnisse und der Abstand zu den Abstiegsplätzen zählten. Das Zauberwort hieß Stabilität, weshalb sich Korkut vor allzu großen Wechseln in der Anfangsformation scheute und gut und gerne mit zwölf, dreizehn Spielern ausgekommen wäre.

Nun haben sich die Voraussetzungen drastisch geändert. Früh, wie selten ein Trainer, hatte Korkut das Team beisammen. Der Kader liest sich auf dem Papier hervorragend, manch einer spricht vom besten seit 2007. Dass es bei dieser Fülle an Akteuren, die ihrem Selbstverständnis nach alle Stammspieler sein wollen, ein Hauen und Stechen um die begehrten Plätze geben würde, war vorauszusehen.

Korkuts Aufgabe bestand und besteht darin, dem Team (s)eine Spielphilosophie und Variabilität einzuimpfen und die Jungs auf den Ernstfall vorzubereiten. Dass es bei einem Kader von zwanzig potentiellen Stammspielern an jedem Wochenende Härtefälle geben wird, ist klar. Der Trainer muss diese moderieren und darauf hinwirken, dass alle an einem Strang ziehen.

Von einem echten Teamgeist erkenne ich in den ersten Wochen noch nichts. Noch scheint es in der Truppe nicht zu stimmen, wenn bereits nach zwei Spielen gemeckert wird, weil man einmal draußen saß und wenn die Nerven, verfolgt man die sozialen Netzwerke, blank zu liegen scheinen. Bis nächsten Freitag wäre noch Zeit, etwaige Stinkstiefel auszusortieren und im Kader nachzujustieren (wie es Michael Reschke formulierte).

Dass es in den ersten beiden Spielen auf dem Rasen weder spielerisch noch menschlich zusammenpasste, sah man. Es war kein Aufbäumen, kein sich helfen erkennbar und auch Trainer Korkut schien keinen Plan B in der Tasche zu haben, wie die stets positionsgetreuen Wechsel verdeutlichen. Die lange Phase des Trainierens, sich Findens und sich Einspielens hat offensichtlich (noch) keine Früchte getragen. Diesen Saisonstart hatte man sich wahrlich anders vorgestellt.

Seit Wochen stand für mich fest, dass ein erfolgreicher Auftakt in Rostock Signalwirkung für die kommenden Spiele haben würde.

Dass es leichtere und dankbarere Lose gegeben hätte, als über 830 Kilometer weit zu einem ambitionierten Drittligisten reisen zu müssen, der schon vier Ligaspiele absolviert hatte und demnach im Gegensatz zum VfB wusste, wo er steht, war klar.

Dass es im Kessel brodelt, wenn Ost auf West trifft und, wie man weiß, Schwaben im Nordosten Deutschlands nicht sehr wohlgelitten sind, war selbst jedem Fan klar, der sich mit der Reise und etwaigen Sicherheitsüberlegungen auseinandergesetzt hatte.

Ob Tayfun Korkut dem Team diese zu erwartenden äußeren Umstände vermittelt hat, weiß ich nicht. Jedenfalls ließ das Team nach einer ersten Chance durch Mario Gomez in der 3. Minute alles vermissen, was nötig gewesen wäre, sich gegen das frühe Aus zu stemmen.

Mit Hacke, Spitze, eins, zwei drei und ständigem Lamentieren, wenn einem ein Rostocker „aus Versehen“ mal auf den Fuß getreten ist, nimmt man den Kampf jedenfalls nicht an. Das alarmierende an diesem Pokal-Aus war, dass der VfB nicht nur in puncto Einstellung unterlegen war, sondern auch kein Klassenunterschied zu erkennen war. Die Statistiker zählten 4:26 „Torschüsse“, bei denen der Torhüter der Gastgeber nicht einmal ernsthaft eingreifen musste. Man vermisste Genauigkeit und Durchschlagskraft!

Mich nervt es extrem, dass das Pokalausscheiden und ein schlechter Ligastart auch noch kleingeredet werden. Das Pokal-Aus ist unumstößlich und nicht mehr gutzumachen. Viele tun dies mit „ist ja nur Pokal“ ab, ich nicht. Für den Verein ist der DFB-Pokal ein äußerst lukrativer Wettbewerb und DIE Chance sich in sieben Spielen für den Europapokal zu qualifizieren. Für uns Fans bieten vor allem die ersten Runden, wenn es nicht gerade gegen einen Bundesligisten geht, schöne Fahrten zu neuen und interessanten Grounds im sonst recht monotonen Bundesligaalltag.

Nichtsdestotrotz hätte ich nächstes Jahr gegen ein näheres Ziel nichts einzuwenden. Die Losfee meinte es in den letzten Jahren nicht besonders gut mit uns, mussten wir doch auch schon nach Cottbus, Kiel, zwei Mal Babelsberg und Lüneburg reisen.

Dagegen waren Homburg und Bochum zwischendurch echte Kurzstrecken dagegen. Doch, die Auslosung ist kein Wunschkonzert, so dass sich vor Rostock nicht die Frage des Ob sondern nur des Wie stellte.
Eine reine Busfahrt, hin- und gleich wieder zurück, schied aus, schließlich ist man(n) keine zwanzig mehr. Nach dem Abwägen mehrerer Optionen stieß ich auf eine Ostseekreuzfahrt ab Warnemünde (keine 15 km vom Ostseestadion entfernt) mit Rückkehr am Spieltag um 8 Uhr, was mir perfekt erschien und sich auch als perfekt erwies.

Rostock scheint prädestiniert zu sein für Anreisen der außergewöhnlichen Art, weshalb ich eine kleine Anekdote von anno dazumal erzählen möchte:

Bereits 1996, als ich zum ersten Mal im Ostseestadion war, zu Zeiten des magischen Dreiecks also, waren wir mit geliehenen DB-Netzkarten 1. Klasse unterwegs und gefühlt das gesamte Wochenende in irgendwelchen Zügen.

Als sich auf der Hinfahrt auf dem letzten Teilstück zwischen Lübeck und Rostock ein Herr zu uns ins Abteil gesellte und eifrig mit „kicker“-Statistiken und ausgedruckten Excel-Tabellen hantierte, fragten wir ihn, ob er denn beruflich mit dem Spiel zu tun hätte, was er bejahte. Es war der NDR3-Hörfunkreporter der guten alten Samstagskonferenz!

Er bot uns an, uns mit zum Spiel zu nehmen, da ihn ein Kollege am Bahnhof erwartete und sie nur zu zweit seien, was wir dankend annehmen, waren wir doch unsicher, was uns, in voller VfB-Montur, dort zu erwarten hätte.

So wurden wir also standesgemäß am damaligen Marathontor des Ostseestadions abgesetzt und fragten unseren neuen Freund zum Abschied noch nach seinem Namen, um seinen weiteren Werdegang verfolgen zu können. Es war Kai Dittmann, mittlerweile deutschlandweit bekannt als Sky-Reporter.

Das Spiel endete übrigens 2:2 nach 2:0-Führung (Tore: Bobic, Balakov). Akpoborie erzielte den Anschlusstreffer, weil unser Ösi Franz Wohlfahrt daneben griff, O-Ton Wohlfahrt: „da hat ein Maulwurf rausgschaut“.

Doch, zurück zur Neuzeit: Der VfB hat also in Rostock die erste Titelchance verschenkt und kaum einen schien das fürchterlich aufzuregen. Da verstehe ich die Welt nicht mehr.

Auch die Niederlage in Mainz schmerzt, läuft man doch von Anfang an einem Rückstand hinterher und setzt sich damit unnötig unter Druck. Die einkalkulierte Niederlage gegen Bayern vorausgesetzt dürfte es bereits nach zwei Spieltagen unruhig am Neckar werden.

Der VfB hätte es sich einfacher machen können. Die Hürden in Rostock (am Wochenende zuhause 0:4 gegen Kickers Würzburg) und Mainz waren nicht gerade unüberwindbar. Im Gegenteil, mit dem Rückenwind der Vorsaison hätte man so richtig durchstarten können. Doch, das VfB-Gen scheint es in sich zu haben, dass dem Team erst das Wasser bis zum Halse stehen muss, ehe es Beine bekommt, meist dann, wenn ein anderer Übungsleiter an der Seitenlinie das Zepter schwingt. Noch sind wir nicht so weit, noch ist genügend Zeit, diesen gefährlichen Trend zu stoppen und in ruhigere Fahrwasser zu kommen, doch, Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Tayfun Korkut ist jetzt gefordert, Konsequenzen aus dem zuletzt harmlosen und pomadigen Auftreten zu ziehen. Gonzalo Castro ist (noch) nicht der Strippenzieher, den man sich erhofft hatte, völlig unverständlich für mich, dass in Rostock Santiago Ascacíbar für ihn weichen musste.

Gentner, der wenig erfreut über seinen Platz auf der Bank in Rostock gewesen ist, nach seiner Einwechslung jedoch auch keine Impulse setzte, wirkte auch in Mainz nicht fit und hätte ausgewechselt gehört wie Mario Gomez. Stattdessen mussten die Jungen, Gonzalez und Thommy dran glauben, nach Leistung ging es bei diesen Auswechslungen sicher nicht.

Wählt Korkut etwa den Weg des geringsten Widerstands, indem er Diskussionen mit den alten Haudegen aus dem Weg geht und es sich lieber mit den Jungen verscherzt? Zählen alte Meriten mehr als die aktuelle Leistung?

Dass es erneut Holger Badstuber war, der den Mainzern in einem typischen 0:0-Spiel den Weg zum Sieg ebnete, ist Fakt. Und doch stimme ich nicht in das allgemeine Badstuber-Gebashe ein. Zum einen hat er einen riesigen Anteil daran, dass wir in der Vorsaison so wenige Gegentore wie schon lange nicht mehr kassiert haben, zum anderen kann man sich durchaus auch fragen, wo Emiliano Insúa herumturnte, als Badstuber ins Laufduell musste, so in Rostock, so auch in Mainz.

Was sich in den sozialen Netzwerken derzeit abspielt, wie Badstuber beleidigt wird, ist für mich unterste Schublade. Ich hatte es zuletzt immer wieder geschrieben, dass es zum einen völlig legitim von ihm war, sich andere Vereinsoptionen anzuhören, weil sein Vertrag mit dem VfB ja ausgelaufen war und zum anderen ein ehrgeiziger Spieler, der sich nicht in der Wohlfühloase einrichtet sondern weiter kommen und besser werden möchte, um einiges wertvoller ist, als Spieler, die einfach zufrieden damit sind, überhaupt hier zu sein.

Badstuber stemmt sich gegen Niederlagen und wird unausstehlich nach Niederlagen, genau so sollte eigentlich jeder Leistungssportler sein. Wenn aber die sogenannten Fans weiter auf ihm herumhacken und seine Championsleague-Ambitionen (die er mit der Unterschrift ohnehin ad acta gelegt hat, es sei denn, er würde die Championsleague mit dem VfB erreichen) ins Lächerliche ziehen, könnte es ihn nur noch mehr verunsichern und kontraproduktiv für uns alle sein. Ich hoffe, Korkut lässt sich durch diese Negativstimmung nicht beeinflussen, indem er ihn herausnimmt, sondern stärkt ihm den Rücken und sieht zu, dass die Abwehr so organisiert ist, dass der langsamere Innenverteidiger nicht ständig in aussichtslose Laufduelle gehen muss.

Summa summarum waren auch nicht die beiden von Badstuber mitverschuldeten Gegentore schuld an den Niederlagen, sondern dass es gegen zwei durchschnittliche Mannschaften nicht gelang, auch nur ein Tor zu schießen. Gute Torchancen in den beiden Spielen lassen sich an einer Hand abzählen. Insgesamt war das Spiel zu behäbig, zu statisch, mit zu vielen Tempoverhinderern auf dem Platz.

Natürlich kann man konstatieren, dass es für Schnappatmung zu früh ist, dass es erst das erste Saisonspiel war und noch weitere 33 vor uns liegen. Man kann das Versagen in Rostock und Mainz auch damit kleinreden, dass wir in Rostock noch nie und in Mainz noch nie im neuen Stadion gewonnen haben. Auch der Verweis auf die Vorsaison könnte beruhigen, als wir in der Vorrunde auswärts drei mickrige Pünktchen eingefahren und dafür die Kohlen zu Hause aus dem Feuer geholt haben.

Dass wir mit Mainz auf Augenhöhe waren, kann man positiv wie negativ einordnen. Positiv sicherlich, weil Mainz nicht zu den ersten Abstiegskandidaten zu zählen ist, negativ aber auch, weil es eben nur Mainz war und noch wesentlich dickere Brocken in der Liga auf uns warten.

Auf den Heimnimbus, der Garant dafür war, dass wir in der letzten Saison nie auf einem direkten Abstiegsplatz standen, sollte man sich am Samstag nicht verlassen, wenn der Gegner Bayern München heißt. Dass die Bayern die schlechte WM und die blamable Schlussphase der letzten Saison nicht auf sich sitzen lassen wollen, unterstrich bereits das klare 5:0 im Supercup gegen Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Nicht minder werden die Lederhosenträger motiviert sein, den VfB zu demütigen, der ihnen mit jenem 1:4 so genüsslich in die Meisterfeier-Suppe gespuckt hatte.

Nach den beiden Auftaktpleiten muss aus VfB-Sicht ein Sieg her, egal wer der Gegner ist. Man hätte es einfacher haben können, hätte man es in Rostock nicht an Einstellung und Konzentration vermissen lassen und hätte man sich in Mainz nach ordentlicher Anfangsviertelstunde nicht auf das gefährliche Vabanque-Spiel eingelassen, dass am Ende ein einziger Lucky Punch entscheidend sein würde.

Das hatte sich mit zunehmender Spieldauer abgezeichnet. Dass es dann ausgerechnet Anthony Ujah war, dem der von den Mainzern vielumjubelte Siegtreffer gelang, war zu befürchten. Von seinen nunmehr 24 Bundesligatoren gelangen ihm ein Viertel (!), nämlich sechs, gegen den VfB, so dass nicht nur Mainz Stuttgarts Angstgegner ist, sondern auch noch ein echtes Schreckgespenst in seinen Reihen hatte.

Gespannt darf man sein, was sich bis zum Transferschluss noch tut beim VfB. Özcan und neuerdings auch Donis gelten als Abgangskandidaten, wobei ich vor allem Letzteres nicht nachvollziehen könnte. Heute hat Korkut dementiert, Donis noch abzugeben, schaun mer mal, was sein Wort am Ende des Tages wert sein wird.

Der griechische Internationale soll ein schwieriger Charakter, ein schlampiges Genie und kein wirklicher Teamplayer sein. Das alles sollte dem VfB bekannt gewesen sein, als er ihn für ca. drei Millionen Euro von Juventus Turin verpflichtete. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ihm die Akzeptanz seiner Mitspieler nicht gewiss wäre, würde er regelmäßig auftrumpfen wie gegen die Bayern, doch dafür braucht er Einsatzzeiten. Noch denkt Korkut zu defensiv und bringt ihn dem Vernehmen nach deshalb nicht, weil er nicht genug nach hinten arbeitet und keiner ist, der auf Höhe des eigenen Strafraums einen Gegenspieler weggrätscht. Da nimmt man dann lieber eine 0:1-Niederlage in Kauf, anstatt Offensivpower aufzubieten, um auch mal 2:4 gewinnen zu können.

In Mainz war Donis nicht einmal im Kader, was als Indiz seines möglichen Abgangs bewertet werden muss. Für mich ist Donis mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, einer, der Wege geht, mit denen die Gegenspieler nicht unbedingt rechnen, also einer der für Überraschungsmomente sorgen kann, was er vor allem beim 4:1-Sieg in München eindrucksvoll unterstrich.

Würde man sich gerade vor dem so schweren Spiel gegen die Münchner Bayern dieser Waffe berauben und den womöglich einzigen Spieler, vor dem die Bayern wirklich Respekt haben, abgeben, wäre das für mich schwer nachvollziehbar.

Man darf gespannt sein, wie Korkut das schwierige Unterfangen gegen die Bayern anzugehen gedenkt. Erfahrung oder junges Blut, das ist hier die Frage. Mit zu vielen (älteren) Spielern, die das Tempo verschleppen und das Spiel verlangsamen, würde man den Bayern in die Karten spielen.

Schlagen kann man sie jedoch mit schnellem, passgenauem Spiel und wenn man hinter ihre Abwehrreihe kommt, siehe das famose 4:1 zum Abschluss der letzten Saison, siehe das Pokalfinale, siehe auch die WM, bei der die Bayern-Verteidiger immer schlecht ausgesehen haben, wenn es schnell ging.

Wird Korkut den nicht wirklich fit wirkenden Gentner noch einmal auf die Bank setzen und stattdessen einen schnellen Mann wie Donis bringen? Wird er gar den Sturm-Messias Mario Gomez draußen lassen, an dem das frühe WM-Scheitern noch zu nagen scheint? Mit Nicolas Gonzalez stünde eine gute Alternative bereit und es wäre Platz für Didavi in der Mannschaft.

Dass Korkut Didavi nach dessen wenig erquicklichem Auftritt in Rostock für Mainz gleich herausnahm, verwunderte mich stark. Von ihm kann man sich, selbst wenn er nicht im Hochbesitz seiner Kräfte ist, noch etwas Außergewöhnliches erwarten. Seinen Spielmacher gleich nach dem ersten schwachen Spiel herauszunehmen und ihn indirekt zum Sündenbock von Rostock zu machen, zeugt von wenig psychologischem Geschick. Gerade die Kreativspieler, die im Spiel ständig etwas probieren und nicht nur Rückpässe nach Schema F spielen, sind oft die Sensibelsten und benötigen das Vertrauen des Trainers, Fehler machen zu dürfen. Ein Felix Magath, einst selbst Spielmacher, hat es mit Krassimir Balakov einst vorgemacht, wie man einen in der Kritik stehenden Spielmacher aufbaut.

Ich hoffe, Korkut findet die richtigen Schrauben, an denen er bis zum Bayern-Spiel drehen muss. Der VfB muss sich in allen Belangen verbessern, von der Einstellung her, im Defensivverhalten und vor allem im Offensivspiel.

Mit der Verstärkung des Kaders sind die Ansprüche zweifellos gestiegen. Rein ergebnisorientierter Fußball, der nicht einmal von Erfolg gekrönt ist, dürfte dem Umfeld in der noch jungen Saison schwer zu vermitteln sein. Korkut ist gefordert, auch in puncto Attraktivität zuzulegen, die Spieler dazu hat er bekommen. Die Hoffnung auf schnelle Besserung ist bei mir fast schon wieder weg, eher befürchte ich ein von Durchhalteparolen getragenes Hangeln von Spiel zu Spiel, nach denen wir von den Herren Korkut, Gentner & Co. vorgetragen bekommen, welche Fortschritte doch schon wieder zu erkennen waren (natürlich nicht für den Laien!). Tritt dies ein, dürfte dem VfB einmal mehr ein heißer Herbst bevor stehen (der meteorologische beginnt ja bereits am Samstag), same procedure as every year eben.

Nun hoffe ich auf eine Überraschung gegen die Bayern und freue mich tatsächlich bereits jetzt auf die Länderspielpause danach. So schnell hatte ich noch nie fürs erste genug!

So konnte es nicht weitergehen, das war nicht mehr mein VfB. Also, einmal den Reset-Knopf gedrückt und alles auf Anfang. Same procedure as every year! Wie diese Episode weitergeht, sollte sich nicht Grundsätzliches im Team und in der Ausrichtung ändern, ist absehbar. Schlechte Ergebnisse, schlechte Stimmung im Team, unzufriedene Spieler und ein immer lauter rumorendes Umfeld und wir stünden vor dem gefühlt tausendsten Neuanfang. Korkut, dessen Vertrag unnötigerweise jüngst erst verlängert wurde, muss sich nun beweisen. Er muss zeigen, dass er nicht nur Feuerwehrmann sondern auch ein Team entwickeln kann.
Die Voraussetzungen nach dem Urlaub waren perfekt. Der Kader stand fast vollständig fest, bis auf unseren Weltmeister standen so gut wie alle Akteure rechtzeitig auf der Matte, um sich kennenzulernen, dem Team eine Spielphilosophie einzubläuen und die Jungs um die Stammplätze kämpfen zu lassen.

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21. Juli 2018

Über die „deutsche“ WM und den VfB in der Vorbereitung

Seit Sonntag ist die WM Geschichte und wir können uns wieder den wirklich wichtigen Dingen im (Fußball-)Leben zuwenden, dem VfB nämlich. Doch bevor ich einen Ausblick auf den VfB wage, möchte ich noch auf das WM-Turnier und dabei ganz besonders auf das Abschneiden der deutschen Nationalelf zurückblicken.

Noch nie hat mich ein WM-Ausscheiden einer deutschen Nationalmannschaft emotional weniger belastet als dieses Mal. Und das, obwohl es das historisch schlechteste Ergebnis einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt war.

Schon im Vorfeld stießen mir einige Dinge sauer auf. Da war zum einen die Özil-, Gündogan, Erdogan-Affäre. Für mich war es nach dem Treffen der beiden türkischstämmigen deutschen Nationalspieler mit dem türkischen Despoten Erdogan zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt (zwei Tage vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders) ein Unding, diese beiden ohne jegliche Aufarbeitung des Themas zu nominieren und schließlich auch zur WM mitzunehmen.

Dass es der DFB duldete, dass Özil den Medientag schwänzte und das hochkochende Thema lieber totschwieg, und, fast noch schlimmer, ein Oliver Bierhoff sich am Rande des Saudi Arabien-Spiels hinstellt, und sagt, jetzt sei es aber auch mal gut mit dem Thema, unterstreicht eindrucksvoll, wie weit sich der DFB inzwischen von der Basis entfernt hat.

Dass es mit einem Basta des Nationalelf-Managers nicht getan war, bewiesen die Pfiffe sowohl in Leverkusen als auch später bei der WM.
Ferner kam es im Team offensichtlich nicht gut an, dass langzeitige Rekonvaleszenten, allen voran Manuel Neuer, eine Einsatzgarantie erhielten, und der Weltmeister-Bonus auch noch vier Jahre nach dem Titel wichtiger zu sein schien, als die aktuelle Form.

Der Gewinn des Confed-Cups und der U21-EM 2017 hätten Anlass genug sein müssen, den Arrivierten Feuer unter dem Hintern zu machen, zeigten diese Titel doch, dass das Reservoir aus dem Bundestrainer Löw schöpfen kann, schier unendlich ist. Zudem lockte der Bundestrainer die Spieler vor allem zum Confed-Cup mit falschen Versprechungen, wenn am Ende doch wieder fast ausschließlich die Platzhirsche auf dem Platz stehen.

Leider machte Löw denselben Fehler wie schon einige Weltmeister vor ihm (oder ist es Zufall, dass der Weltmeister seit Jahren fast ausnahmslos in der Vorrunde scheitert?), den Zeitpunkt einer Blutauffrischung zu verpassen und sich nicht rechtzeitig von einstigen Leistungsträgern loszusagen.

Dankbarkeit ist im Fußball-Geschäft nur bis zu einem gewissen Grad angebracht und darf in Ausnahmefällen einem besonders wertvollen Spieler entgegengebracht werden, von dem man überzeugt ist, dass er sich noch fangen und im weiteren Turnierverlauf wichtig werden könnte.

Wenn aber die halbe Mannschaft aus ausgelaugten und formschwachen Ex-Größen besteht und das Leistungsprinzip ad absurdum geführt wird, bekommt man eben schon nach der Vorrunde die Quittung in Form des Ausscheidens präsentiert.

Dass es zwischen Löw und Bierhoff, zwischen die lange kein Blatt Papier passte, nicht mehr stimmt, entlud sich nicht nur an der Auswahl des WM-Quartiers, mit dem keiner so richtig zufrieden war. Als Bierhoff nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko einen Reporter harsch mit „das müssen Sie den Trainer fragen“ abkanzelte, dachte ich nur, „Nachtigall, ick hör dir trapsen“.

Hinzu kamen weitere Nebenkriegsschauplätze, die auf den ersten Blick keine große Sache wären, wie das nächtliche Abschalten des WLAN’s im Teamhotel in Vatutinki, weil einige Spieler nachts lieber exzessiv zu zocken schienen, anstatt sich professionell auf den nächsten Arbeitstag vorzubereiten.

Es sagt viel über die heutige Spielergeneration aus, wenn man sich lieber an die Konsole flüchtet, anstatt Probleme beim Schopfe zu packen und Alarm zu schlagen, wenn die Ziele gefährdet sind.

Dabei war es weiß Gott nicht die erste Weltmeisterschaft, bei der es teamintern gekracht hat. Der Unterschied zu heute war jedoch der, dass es früher Typen gab, die entgegensteuerten, wenn sie merkten, dass der Trainer mit der Situation überfordert ist.

Der WM-Titel 1974 zum Beispiel wurde erst möglich, nachdem Franz Beckenbauer nach dem 0:1 gegen die DDR die Macht übernahm und quasi die Mannschaft selber aufstellte und selbst 2014 war es erst ein Weckruf aus der Mannschaft, der das Team zurück in die Spur brachte.

Kapitän Lahm stellte mal wieder seine eigenen Interessen über die der Mannschaft und beharrte darauf, im defensiven Mittelfeld spielen zu dürfen, während es auf den Außenverteidigerpositionen krankte und diese ausschließlich durch Innenverteidiger bekleidet waren.

Löw sah sich an sein Versprechen Lahm gegenüber gebunden und trug den Willen des Kapitäns mit. Nach dem mühevollen und glücklichen 2:1 gegen Algerien entband Lahm Löw von seiner Zusage, nachdem einige Führungsspieler Alarm geschlagen hatten. Fortan stabilisierte sich die deutsche Mannschaft und zeigte ein anderes Gesicht, das Ende der Geschichte ist hinlänglich bekannt.

Diese Führungsspieler der WM 2014 traten in den letzten Jahren nach und nach zurück. Wir haben keinen Podolski mehr, keinen Lahm, keinen Schweinsteiger, keinen Mertesacker und auch keinen Klose mehr. Joachim Löw fehlte bei der WM in Russland ein verlängerter Arm auf dem Feld, es gab keinen einzigen, der sich gegen das Ungemach stemmte und die anderen mitgerissen hätte.

Die Spiele plätscherten dahin, man ergötzte sich an Ballbesitz ohne im Strafraum gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Den etatmäßigen Führungs- oder auch Möchtegernführungsspielern fehlte das Standing (Neuer, wegen seiner langen Absenz; Özil, siehe oben), die Form (Hummels, Khedira, Müller) oder sie sind schon vom Naturell her keine Lautsprecher (Kroos).

Die Weltmeister von 2014 erfüllten die Erwartungen nicht, die sie sicher auch an sich selbst gestellt hatten und besaßen zudem noch die Frechheit bspw. einen Plattenhardt im Spiel zu schneiden und Timo Werner zwar extrem viel laufen zu lassen, um ihn dann doch nicht seine Stärken ausspielen zu lassen, indem man stets den Quer- oder Rückpass vorzog, anstatt zielstrebig nach vorne zu spielen.

Es wurde Angsthasenfußball der übelsten Sorte dargeboten, so dass ich wirklich froh darüber war, als das Elend gegen Südkorea sein jähes Ende fand.

Löw ignorierte sämtliche Alarmzeichen im Vorfeld. Nach extrem durchwachsenen Tests gegen Österreich und Saudi-Arabien wiederholte er gebetsmühlenartig, dass er schon öfter bewiesen habe, zu wissen, was zu tun sei und er auch wüsste, wie das Team auf den Punkt topfit zu bekommen sei.

Diese Arroganz erinnerte mich schwer an Armin Veh nach der Meisterschaft mit dem VfB, der später beim HSV antrat und erklärte, „ich muss keinem mehr etwas beweisen“. Das ist genau der falsche Ansatz, ein Trainer muss sich immer wieder mal neu erfinden und die Zeichen der Zeit erkennen, wenn „seine“ Spieler oder sein Spielstil im wahrsten Sinne des Wortes überholt sind.

Den einst erfolgreichen Ballbesitzfußball kann ich vielleicht noch mit einer blutjungen Mannschaft und Spielern, die laufen, laufen und nochmal laufen, spielen lassen. Es geht darum Lücken zu finden und in diese blitzschnell hineinzustoßen und so Überraschungsmomente zu schaffen, was jedoch einer Ü30-Mannschaft nicht gelingt, die auf dem Feld umher trabt, als befände sie sich bei einem Altherrenturnier.

Den Spaniern ging es vier Jahre zuvor ähnlich, schade, dass sie Löw nicht als leuchtendes Beispiel, nämlich, wie es nicht funktioniert, herangezogen hat.

Nach vorne fehlte also die Durchschlagskraft, nach hinten war man anfällig. Manuel Neuer sah sich wohl selten so vielen Eins- gegen Eins-Duellen konfrontiert wie in den drei Vorrundenspielen. Auch dies für mich eine Folge dessen, dass Spieler wie Hummels und Boateng in die Jahre gekommen und Kimmich völlig außer Form sind.

Der VfB und Eintracht Frankfurt haben es vorgemacht, wie hinter die Bayern- und somit fast identische Nationalelf-Abwehrformation zu kommen ist, die Mexikaner und Schweden scheinen dabei genau hingeschaut zu haben.

Dass die Bayern-Spieler nach dem Championsleague-Aus Motivationsprobleme plagten, bekam man zum Saisonende vor Augen geführt. So schön sich unser 4:1 Auswärtssieg vom letzten Spieltag noch immer anfühlt, so irreal kommt er einem noch vor.

Es wäre hypothetisch zu hinterfragen, ob dieser so auch gelungen wäre, hätten die Bayern noch das Championsleague-Finale vor der Brust gehabt oder wäre es in der Meisterschaft noch um etwas gegangen. Als Form- und Stimmungsbarometer der Bayern-Profis und damit dem Gros der Nationalmannschaft hätte man die letzten Spiele der Bayern aber heranziehen und Schlüsse daraus ziehen müssen.

Schien es noch unfassbar und einmalig gewesen zu sein, in welcher Manier Donis die Bayern-Abwehr ein ums andere Mal stehen ließ, wurde es zur Methode, als es den Frankfurter gerade mal eine Woche später im Pokalfinale mit den gleichen Mitteln gelang. Das System, die Bayern zu knacken, bekam den schönen Beinamen „Bruda, schlag den Ball lang“.

Ein langer Ball, ein schneller Stürmer und die nicht (mehr) so schnellen Verteidiger, ob Hummels, Boateng oder Süle, hatten das Nachsehen. Doch dem maß Löw keine Bedeutung zu, was sich schon andeutete, als man sich selbst gegen Österreich und Saudi-Arabien ein ums andere Mal düpieren und die Außenseiter zu ungewöhnlich vielen Torchancen kommen ließ.

Diese Abwehrprobleme setzten sich nahtlos bei der WM fort. Da man durch geschossene Tore zwar Spiele gewinnt, Meisterschaften aber in der Regel aufgrund einer sicheren Abwehr, war es mir schon während des Mexiko-Spiels klar, dass ein Ausscheiden in der Vorrunde im Bereich des Möglichen sein würde.

In all den Jahren stand ich immer zu Jogi Löw, auch wenn viele der Auffassung waren, mit dem Spielermaterial des letzten Jahrzehnts hätte mehr herauskommen müssen als „nur“ ein Weltmeistertitel.

Ich sah dabei das Positive: seit 2006 immer mindestens das Halbfinale erreicht! Unter den letzten Vier ist die Luft dünn, so dass Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden können, mal ist man der Glücklichere, mal nicht.

Ich sah dabei auch einige Fehler Löws, doch, welcher Mensch macht keine Fehler. Da sich diese Fehler, die für mich in erster Linie am Setzen auf nicht fitte vermeintliche Leistungsträger sind, ständig wiederholten, und nun zum frühen Aus führten, bin ich der Auffassung, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf.

Ob 2008 Ballack oder 2012 Schweinsteiger, stets schleppte man Spieler durch, die nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren, womit man de facto mit einem Mann weniger auf dem Platz stand. 2018 wurde dem ganzen die Krone aufgesetzt, indem aus Dankbarkeit oder auch Trotz (Özil!) zu viele formschwache oder nicht fitte Spieler als unverzichtbar erklärt wurden.
Löws große Stärke bestand dagegen in den letzten Jahren darin, das Team immer auf den Punkt fit zu bekommen und eine Mischung aus Spielern zu finden, die als Einheit auftrat und an einem Strang zog. Das hat er dieses Mal nicht geschafft, in erster Linie deshalb, weil das Leistungsprinzip nicht mehr galt. So stellt sich schon die Frage, ob sich Löw in 14 Jahren DFB nicht abgenutzt hat und auch auf der Trainerposition ein Neuanfang her muss.

Der DFB hat zwar völlig ohne Not seinen Vertrag noch vor der WM bis 2022 verlängert und auch Löw beteuerte nach kurzer Bedenkzeit weitermachen zu wollen, doch, ich meine, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Im internen Kreis hat Löw in dieser Woche seine Aufarbeitung präsentiert, die breite Öffentlichkeit möchte man bis zum 24.08. im Unklaren lassen, dann, sage und schreibe gerade einmal 14 Tage vor dem nächsten Pflichtspiel gegen Frankreich in der Nations League.

Vor der WM lag die Ruhe um die Nationalmannschaft und ein gutes WM-Turnier im nationalen Interesse, was sich darin ausdrückte, dass die beiden Erdogan-Huldiger aufs Büßerbänkchen des Bundespräsidenten gebeten wurden, um Schönwetter zu machen.

Dass der Bundespräsident dieses Schmierentheater mitspielte und kurzfristig zur Audienz bat, hat seinem Ansehen eher geschadet und den „Türken“ nicht genutzt. Für mich war es eine armselige Inszenierung, die meine Meinung über die beiden nicht geändert hat. Beides sind erwachsene Menschen, beide sind von hochbezahlten Beraterstäben umgeben, sie hätten sich der Außenwirkung ihrer Wahlkampfwerbung bewusst sein müssen.

Je länger die Öffentlichkeit über die Konsequenzen aus dem WM-Debakel im Unklaren gelassen wird, desto mehr pirschen neunmalkluge „Experten“ hervor. Jüngster Kandidat, Philipp Lahm. Während des WM-Turniers sah ich denselben Philipp Lahm gemütlich am Starnberger See sitzen und wachsweiche Analysen zu den Spielen der Deutschen absondern. Er hat nicht ein einziges Mal Klartext gesprochen, den Finger in die Wunde gelegt und Dinge beim Namen genannt und jetzt auf einmal möchte er erkannt habe, dass Löws Menschenführung nicht mehr zeitgemäß ist?

Lahm hätte Gelegenheiten genug gehabt, sich zu positionieren und Dinge, die im Argen anzusprechen. Hinterher, wenn auch der Letzte von gut 80 Millionen Deutschen mitbekommen hat, dass es im Team nicht stimmte, nachzutreten, ist für mich zum einen lächerlich und zeugt zum anderen von seinem schlechten Charakter, den er seit 2010 immer wieder bewiesen hat.
Lahm scheint seine Auszeit nach dem Karriereende beenden wollen und auf einen (hochdotierten) Posten im Fußball-Business zu drängen.

Rummenigge sprang Lahm zur Seite und schlug ihn gar als DFB-Vizepräsidenten vor, indem er selbst zum Rundumschlag gegen DFB ansetzte und alle dort tätigen Verantwortungsträger als Amateure betitelte. Aber, Rummenigge wäre nicht Rummenigge, würde er mit einem solchen Angriff nicht bezwecken wollen, etwas für seinen FC Bayern herauszuholen.

Zum einen sehe ich das Wort „Amateure“ als Schimpfwort unangebracht, zum anderen kann man ausnahmsweise mal froh darüber sein, dass beim DFB die Interessen der Amateure auch noch berücksichtigt werden und Amateurvertreter die Mehrheit im DFB-Bundestag haben.

Ginge es nach Rummenigge würde die Kommerzialisierung im Fußball noch schneller voranschreiten, die Schere noch schneller auseinander gehen, was die Bayern zwar unter Umständen international konkurrenzfähiger werden ließe, auf der anderen Seite jedoch noch mehr Amateurvereine ihre Existenz kosten würde.

Daher ist es für den deutschen Fußball, den Breitensport und die Nachwuchsförderung eminent wichtig, dass die Amateurvereine ihr Stimmrecht behalten und wenigstens kleinere Erfolge feiern dürfen, wie jüngst die Veränderung der Aufstiegsregelung in den Regionalligen.

Um diese Struktur beizubehalten, braucht es Vertreter der Amateurvereine mit Rückgrat in gehobenen Positionen und keinen Philipp Lahm, der sich dreht wie das Fähnchen im Wind und von seinem Ex-Vorgesetzten ins Amt gelobt wird.

Je länger die Verkündung der Ergebnisse der Ursachenforschung seitens des DFB auf sich warten lässt, desto unwahrscheinlicher werden personelle Konsequenzen auf höchster Ebene. Weder ein Grindel, noch ein Bierhoff und schon gar nicht Joachim Löw dürften zur Disposition stehen, wobei zumindest über Bierhoff diskutiert werden sollte.

Der Tausendsassa wäre mit seinem Jahrhundert-Projekt der DFB-Akademie ohnehin ausgelastet genug, um vom Posten des Nationalmannschafts-Managers zurücktreten zu können. Bierhoff steht wie kein zweiter für die Eventisierung der Nationalelf und würde einem Neuanfang mindestens genauso im Wege stehen wie Jogi Löw. Ein neues Gesicht auf diesem Posten könnte den Fokus zurück auf den Fußball und weg von unsäglichen Hashtags und Claims („Die Mannschaft“) lenken, was ein erster Schritt zurück zur Nahbarkeit des Teams wäre.

Dass Bierhoff, wie auch Grindel der ins selbe Horn blies, hinterher noch gegen Özil nachgetreten hat, obwohl er selbst im Vorfeld der WM sämtliche Konsequenz in dieser Affäre vermissen ließ, rückt ihn zusätzlich in ein schlechtes Licht und erweckt den Anschein, als bezwecke er damit einzig und allein seinen eigenen Allerwertesten zu retten.

Doch, selbstverständlich, drehte sich die Welt auch nach dem deutschen WM-Desaster weiter und die Weltmeisterschaft wurde zu Ende gespielt.
Ein WM-Turnier mit 32 Mannschaften nimmt in der Regel erst ab der KO-Phase Fahrt auf. Die Vorrunde bot meist gähnende Langeweile, Taktiererei und wenig fußballerische Feinkost.

Auch danach wurde es kaum besser, in der Nachbetrachtung fallen mir vielleicht drei mitreißende Spiele während des gesamten Turniers ein. Das Niveau insgesamt und der Leistungsstand einiger Top-Stars der Branche empfand ich als erschreckend. Der Bogen im Fußball ist längst überspannt. Hier ein unbedeutender Cup, dort einer und in den „Pausen“ Reisen über mehrere zehntausend Kilometer, um den Trikotabsatz und die Fernsehpräsenz auf den neuen Märkten in Asien zu steigern.

Die Folge dessen ist, dass viele Spieler 70 bis 80 Spiele in den Knochen haben und ausgelaugt zur WM kommen. So verkommt das Turnier immer mehr zu einem Muster ohne Wert. Die besten Erfolgsaussichten hat dann ein harmonierendes und funktionierendes Kollektiv, in dem sich die Spieler selbst pushen (siehe Pogba) und zu Höchstleistungen antreiben, auch wenn das Fleisch schon extrem schwach ist.

Dass Frankreich nach dem Halbfinalsieg gegen phasenweise fantastisch aufspielende Belgier sich den Weltmeistertitel sichern würde, war zu erwarten. Frankreich, das ich schon vor Turnierbeginn als Weltmeister getippt hatte, hatte nach dem Halbfinale einen Tag länger Zeit zur Regeneration und zudem keine drei Verlängerungen in den Knochen, im Gegensatz zu den Kroaten.

Dass deren Finalsieg jedoch durch eine Schwalbe von Griezmann eingeleitet wurde, stößt mir auch heute noch sauer auf. Das 1:0 in einem Spiel ist nun mal richtungsweisend und beraubte die Kroaten einer einmaligen Chance, auch wenn sie zwischenzeitlich zum Ausgleich gekommen waren.

Wann endlich werden solche Betrüger, wenn eindeutig überführt, nachträglich für eine Reihe von Spielen gesperrt, so dass eine solche Aktion noch lange nachwirkt? Solang sie damit durchkommen und am Ende noch für ihre Abgezocktheit gefeiert werden, wird sich an diesen Zuständen nichts ändern.

Ganz besonders habe ich den Titel natürlich unserem Stuttgarter Jungen, Benjamin Pavard, gegönnt. Ein Wahnsinn, wie seine Karriere innerhalb eines halben Jahres an Fahrt aufgenommen hat. Er wäre glücklich gewesen, als Nummer 23 zur WM mitfahren zu dürfen und wurde Stammspieler. Spätestens durch sein wichtiges Tor gegen Argentinien, Marke Tor des Monats, spielte sich Pavard in die Herzen seiner Landsleute, und er bekam gar einen eigenen Fangesang.

Dass ein Stammspieler einer phasenweise furios aufspielenden französischen Nationalmannschaft Begehrlichkeiten weckt, ist normal, als Weltmeister sowieso.

Sollte an der jüngst veröffentlichten Meldung, dass Pavard spätestens 2019 zu den Bayern wechselt, etwas dran sein, wäre ich enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass er den VfB für die dann nicht mehr verhandelbare festgeschriebene Ablösesumme von etwa 35 Millionen Euro verlässt und nicht etwa für deutlich mehr schon in diesem Sommer.

In Zeiten eines überhitzten Transfermarktes und wenn ein Spieler angeblich auch im Fokus absoluter internationaler Top-Clubs wie Barca oder PSG steht, hätte man sich dann doch mehr erhofft, zumal der VfB spätestens seit dem Verbleib von Holger Badstuber auch ohne Pavard gut aufgestellt wäre.

Sollte die Meldung der Tatsache entsprechen, stellen sich mir doch noch einige Fragen. Stimmt die kolportierte Klausel, dass die festgeschriebene Ablösesumme nächsten Sommer Makulatur sein würde, würde sich der VfB für die Championsleague qualifizieren? Was würde dann passieren? Zahlen die Bayern auch dann jeden Preis oder wurde diese Eventualität schon mit verhandelt? Oder wechselt Pavard doch schon in diesem Sommer an die Isar? Was wäre es den Münchnern ein früherer Wechsel und das Vermeiden des Risikos, dass der VfB sich für die Championsleague qualifiziert, wert? Es ist ja nicht so, dass ich auf Platz 4 spekulieren würde. In der letzten Saison fehlten dem VfB aber gerade einmal vier Punkte für das Erreichen der Championsleague, so dass die Hoffnung darauf nicht ganz ins Reich der Träumerei zu verweisen ist, zumindest dann, sollte der Rest der Liga weiterhin so schwächeln.

Sollte sich Pavard wirklich schon während der WM für die Bayern entschieden haben, sind dem VfB ohnehin die Hände gebunden. Dann scheidet ein Verkauf in diesem Sommer zu einem anderen Verein sowieso aus, was einmal mehr vor Augen führen würde, dass Verträge ohne Ausstiegsklauseln Wunschdenken sind und dass die Macht die Spieler und deren Berater besitzen.

Den Wahrheitsgehalt dieser SWR-Meldung kann ich nicht sonderlich gut einschätzen. Bislang stach der SWR in meiner Wahrnehmung nicht dadurch hervor, gut informiert in Sachen Transfers zu sein und Informationen exklusiv gesteckt zu bekommen. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Pavard während des Turniers um seinen Vereinswechsel gekümmert und einen Vertrag unterschrieben hat. Vielleicht hat da ja jemand aus der Mercedesstraße eine falsche Lunte gelegt und der SWR ist hereingefallen.

Ich würde mich freuen, würde Benji auch in der kommenden Saison, dann als Weltmeister, für den VfB auflaufen, sähe unsere Abwehr aber auch ohne ihn gut aufgestellt.

Der VfB hat sich, wie ich meine, ordentlich verstärkt und seinen Kader früh wie selten nahezu komplett beisammen gehabt. Von jungen vielversprechenden Talenten wie Borna Sosa, Maffeo und Gonzalez über Marc-Oliver Kempf, einem bundesligaerprobten Spieler vor dem nächsten Schritt bis hin zu Gonzalo Castro, dessen Zeit in Dortmund nicht so glücklich verlief, der meiner Meinung nach jedoch zu einer wichtigen Stütze im VfB-Spiel werden kann.

Dazu gilt es zwei „Rückkehrer“ zu begrüßen, über die ich mich, im Gegensatz zu vielen Hatern, sehr freue.

Zum einen Holger Badstuber, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, zu einem Top-Verein, der der VfB nun mal (noch) nicht ist wechseln und international spielen zu wollen. Die ganz großen Adressen hatten kein Interesse, auf Experimente hatte Badstuber offensichtlich keine große Lust. So band er sich für drei Jahre an den VfB, was durchaus als Treuebekenntnis gewertet werden darf, auch wenn man weiß, dass Verträge im Fußball-Business das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Nach dem Motto „lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ entschied sich Badstuber, beim VfB zu bleiben. Ihm blieb natürlich nicht verborgen, dass der VfB in diesem Sommer klotzte statt kleckerte und realisierte, dass, wenn sich der VfB weiter so rasant entwickelt, das internationale Geschäft mit dem VfB keine Utopie sein muss.

Weshalb ich mich über seinen Verbleib so freue ist einfach, dass er für mich ein wichtiger Faktor war, weshalb wir in der letzten Saison so wenige Gegentore gefangen und weshalb sich Timo Baumgartl nach Jahren der Stagnation spürbar weiter entwickelt hat. Zudem ist Badstuber ein Typ, der das sog. Bayern-Gen in sich trägt und lieber gewinnt als verliert. Ergeben sich einige in ihr Schicksal und reden Niederlagen schön, so legt Badstuber den Finger in die Wunde und ist richtig angefressen, wie nach dem 0:3 in Dortmund, der einzigen Niederlage während Korkuts bisheriger Amtszeit. Mit ehrgeizigen Spielern lässt sich etwas gewinnen, deshalb bin ich froh, dass Badstuber dem VfB sein Ja-Wort gegeben hat.

Der zweite Rückkehrer heißt Daniel Didavi. Über ihn freue ich mich ganz besonders, habe ihm den Wechsel nach Wolfsburg aus damaliger Sicht auch nicht krumm genommen, nachzulesen auf meiner Hommage an unseren 10er, nachdem sein Abgang feststand: http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4009

Weil ich so überzeugt von ihm und davon bin, dass es keine leeren Phrasen sind, wenn er beteuert VfBler durch und durch zu sein, bin ich mir auch relativ sicher, dass er nach seiner Rückkehr 150% Einsatz bringen und so schnell nicht mit anderen Angeboten kokettieren wird. Er stand nach Jahren unermüdlichen Abstiegskampfes am Scheideweg, fragte sich wohl, ob er sich im Herbst seiner Karriere die Frage gefallen lassen möchte, nicht alles versucht zu haben. Jetzt kommt der Bursche geläutert zurück und weiß zu schätzen, wie Holger Badstuber auch, was er am VfB hat.

Dida ist genau der Spielertyp, den wir letzte Saison so schmerzlich vermisst haben. Er kann ein Spiel lesen, Stürmer in Szene setzen und hat einen begnadeten linken Fuß. 15 Scorerpunkte beim Relegationsteilnehmer Wolfsburg sind aller Ehren wert. Ich drücke ihm (und, ganz uneigennützig natürlich auch uns) fest die Daumen, dass er seine Knieprobleme endgültig überwunden hat und wir noch viele tolle Spiele von ihm sehen. Freue mich schon auf Grassau und bin sehr gespannt, ob er mich noch kennt.

Die Kunst Tayfun Korkuts muss jetzt darin liegen, in den verbleibenden vier Wochen bis zum Beginn der Pflichtspiele die beste erste Elf zu finden.

Als Korkut kam, fand er Traumvoraussetzungen beim VfB vor. Getreu dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ konnte er die Arbeit aufnehmen und hatte keinen Erwartungsdruck.

Als einzige Zielvorgabe hatte er den Klassenerhalt zu erfüllen und das, obwohl der VfB bis auf den ersten Spieltag (Platz 16) nie auf einem möglichen Abstiegsplatz stand. Ein Spielsystem oder gar eine Weiterentwicklung des Teams wurde von ihm nicht verlangt, so dass das Zauberwort bis zum rechnerisch feststehenden Klassenerhalt nach dem Bremen-Spiel einzig und allein „Stabilität“ hieß.

Das implizierte, dass Experimente, die das fragile Gebilde ins Wanken hätten bringen können, ebenso verboten waren, wie unerzwungene Startelfwechsel. Mit dieser Marschroute stürmte der VfB auf Platz sieben und verpasste die Europaleague-Qualifikation nur um Haaresbreite.

In der neuen Saison findet Korkut eine neue Situation vor. Er hat einen ordentlichen Kader, bei dem sowohl die Mischung zwischen jung und alt als auch zwischen erfahren und unerfahren zu stimmen scheint.

Korkut ist alleinverantwortlich für die Saisonvorbereitung und muss die Mannschaft auf den Punkt bis zum Pokalspiel am 18. August in Rostock fit bekommen. Weil der VfB einen ausgeglichen Kader hat, den Reschke sicherlich zu großen Teilen in Absprache mit Korkut zusammengestellt hat, wäre Korkut gut beraten, seine Aufstellungen variabler zu gestalten und möglichst alle bei Laune zu halten.

In der Vorsaison hatte Korkut bei allem, was er anfasste, ein glückliches Händchen. Spieler, denen er sein Vertrauen schenkte, dankten es ihm mit Leistung, jene, die außen vor waren, blieben (zumindest nach außen) ruhig und selbst die Trainingsdosierung und -intensität schien optimal gewesen zu sein, spielten doch sonst von Verletzungen schwer gebeutelte Spieler, wie Ginczek und Badstuber, die Rückrunde fast komplett durch.

Ob das Zufall war oder Korkut es einfach kann, wird sich zeigen. Derzeit bin ich sehr optimistisch was den Kader angeht und hoffe, dass Korkut etwas daraus macht.

Reschke hat seine Hausaufgaben weitestgehend gemacht, rastet aber nicht, so dass es mich nicht wundern würde, wenn er noch jemanden aus dem Hut zaubert.

Nachdem Reschke mit den Wintertransfers und Korkut (bisher) goldrichtig gelegen hat und auch die Transferaktivitäten in diesem Sommer in Zeitpunkt und Qualität richtig gut aussehen, stelle ich ihm zumindest für sein zweites Halbjahr beim VfB ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, was ich im Winter nie für möglich gehalten hätte. Da Fußball aber Tagesgeschäft ist und sich die Dinge von heute auf morgen auch wieder drehen können, will ich den Tag nicht vor dem Abend loben.

Von mir aus kann es gerne so weiter gehen, wie zum Ende der letzten Saison. Von den Siegen in Leverkusen und München nach gefühlten Ewigkeiten dort, zehre ich stimmungstechnisch noch heute.

Wenn es die Zeit zulässt, melde ich mich zwischen Grassau und Rostock nochmal mit meinen Eindrücken vom Trainingslager im Chiemgau. Bis dahin, lasst es Euch gut gehen!

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