29. Dezember 2015

Jahresrückblick 2015: Januar bis März

Joshua Kimmich verlässt den VfB gen München

Das Jahr 2015 begann noch vor dem Trainingsauftakt mit einer weniger schönen Mitteilung. Joshua Kimmich, einst mit einer Rückkaufoption nach Leipzig verschachert, kehrt dem VfB endgültig den Rücken und wechselt zum Rekordmeister Bayern München. Der VfB nahm zwar seine Rückkaufoption wahr, jedoch nur, um Kimmich zu den Bayern weiterzureichen.
Kimmich wurde, als Bobic und Labbadia noch die Verantwortung trugen, zu RB Leipzig abgeschoben, weil ihm, dem riesen Talent, keine Perspektiven im eigenen Verein aufgezeigt werden konnten. Man setzte damals offensichtlich auf die falschen Pferde wie Robin Yalcin und Rani Khedira wie man heute weiß und (ver)stärkte zudem den Brausenclub, womit man einen nicht unwesentlichen Anteil an derem Aufstieg hat. Bei Leipzig wirken die von Bobic weggemobbten und ehemals im VfB-Jugendbereich sehr erfolgreichen Thomas Albeck und Frieder Schrof, die wussten, welches Kronjuwel der VfB da in seinen Reihen hat und mit Kusshand zugriffen.
Dadurch entfremdete sich Kimmich logischerweise vom VfB, so dass er keine Lust mehr verspürte, noch einmal für den Krisenclub vom Cannstatter Wasen die Fußballschuhe zu schnüren. Diese Tatsache und jene, dass man ohnehin keine Chance hat, einen Spieler gegen seinen Willen zu halten, wenn der große FC Bayern ruft, taten ein Übriges. Und, nicht zu vernachlässigen, war der VfB auf die Kimmich-Millionen angewiesen, um das Geschäftsjahr 2014 noch mit einem leichten Gewinn verbuchen zu können und um für den Rest der Saison „flüssig” zu bleiben.
Der VfB indes, der auf Tabellenplatz 15 überwinterte, nahm als erster Bundesligist das Training wieder auf. Huub Stevens zog dabei die Zügel merklich an und ließ seine Mannen in der Vorbereitung um 6.30 Uhr früh antanzen und bat um 7 Uhr zum ersten Lauf. Beim so schwierigen Unterfangen Klassenerhalt sollte nichts dem Zufall überlassen werden.

Robin Dutt als Nachfolger von Fredi Bobic vorgestellt

Am Dreikönigstag wurde Robin Dutt als neuer Sportdirektor und damit als Nachfolger von Fredi Bobic vorgestellt. Dutt, der die Saison noch als Chef-Trainer von Werder Bremen begonnen hatte, wechselte also wieder einmal die Seiten. Nachdem er den Sportdirektor-Posten beim DFB geschmissen hatte, weil seine Berufung doch der Trainerjob sei, nun also die Rolle rückwärts. Ich war von Anfang nicht begeistert von dieser Personalie, auch wenn es nach Fredi Bobic im Grunde nur besser werden konnte. Immer wieder mal keimten Gerüchte auf, Dutt wäre deshalb die Nummer eins der VfB-Verantwortlichen gewesen, weil er vom selben Anwalt Christoph Schickhardt beraten würde, wie auch Präsident Bernd Wahler persönlich und der VfB in seiner Gesamtheit. Vetterleswirtschaft dieser Art kennt man vom VfB, daher wäre es auch keine Überraschung, wenn dies die vordergründigen Beweggründe für Dutts Verpflichtung gewesen wären und das Wohl des VfB erst an zweiter Stelle gekommen wäre.
Qualitäten als Schreibtischtäter konnte Dutt bislang keine vorweisen, eher im Gegenteil, aus Kreisen des DFB hörte man, konzeptionelles Arbeiten gehöre nicht unbedingt zu Dutts Stärken. Matthias Sammer hatte auf der Position des DFB-Sportdirektors Maßstäbe gesetzt, seine Fußstapfen waren für Robin Dutt merklich zu groß. Mir gefallen Leute grundsätzlich nicht, die sich Dinge vorher nicht richtig überlegen und andere dann aus egoistischen Motiven in ein plötzliches Vakuum stürzen, wie es Dutt mit dem DFB getan hatte, so dass ich äußerst skeptisch war, was seine Verpflichtung anging. Dutt hatte zwar nicht den sonst so präferierten Stallgeruch, ist aber in Leonberg zu Hause, so dass der VfB schon auch eine Art „heim kommen“ für Robin Dutt bedeutete.
Wer hat, der hat, daher stattete man Dutt gleich einmal und ohne eine vorher angesiedelte Probezeit abzuwarten mit einem 4-Jahres-Vertrag und einem Vorstandsposten aus. Mir persönlich wäre ein streitbarerer Geist wie Jens Lehmann oder auch Oliver Kahn lieber gewesen, wenn man schon einen Anfänger mit dieser anspruchsvollen Aufgabe betraut. Dennoch, sobald die Tinte unter einem Vertrag mit dem VfB trocken ist, gebe ich jedem Neuen die Chance, meine Vorurteile auszuräumen und wünsche ihm und vor allem dem VfB dabei alles Gute.

16. bis 24. Januar: Trainingslager in Lagos/ Portugal

Im Trainingslager in Lagos an der Algarve preschte Bernd Wahler, der sich ansonsten für meinen Geschmack zu bedeckt hält, damit vor, dass man daran denke, mit Huub Stevens den Vertrag zu verlängern, Stevens jedoch für seine Entscheidung alle Zeit der Welt geben würde. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, mit dem Abstand von gut elf Monaten hatte er mit dieser Aussage wohl eher die Absicht, Stevens bei Laune zu halten.
Das Trainingslager in Portugal war zugleich „mein“ erstes Wintertrainingslager. Die Wintervorbereitung hatte ich bislang eher selten auf dem Schirm, zum einen, weil ich nicht gleich im Januar neuen Urlaub verbrauchen wollte, zum anderen aber auch, weil mich die Ziele meist nicht unbedingt reizten.
Eine Ausnahme wäre sicherlich Südafrika im Jahr zuvor gewesen, da war es mir nach der Bekanntgabe etwas zu knapp, diesen Trip zu planen und kurzfristig Urlaub zu bekommen, was ich mittlerweile schwer bereue. Jetzt also Lagos, wo ich seit 1983 schon etliche Urlaube verbrachte und wo mir Land und Leute einfach zusagen. Mit dem Wetter hatten wir Pech. Bevor der VfB ankam, hörten wir von Dauerurlaubern, hätte es sechs Wochen lang keinen Regentag gegeben. Als wir dort waren, machte sich die Sonne rar, es regnete immer wieder und es war, wie am Atlantik üblich, meist sehr windig. An manchen Tagen kletterte das Thermometer kaum über 10°, die Regel waren allerdings etwa 15°, die bei sehr böigem Wind auch schon unangenehm sein können. Die Trainingsbedingungen und das Hotel sollen für das Team super gewesen sein, für uns Fans war es nicht gerade optimal, da wir viele Einheiten nur hinter einem großen Fangnetz verfolgen konnten, welches ob der „Treffsicherheit“ der meisten Kicker allerdings auch nötig war.
Alles in allem waren es sehr schöne Tage an der Algarve. Etwa 20-30 Fans waren vor Ort und es herrschte eine sehr lockere Atmosphäre, auch zwischen Team und Betreuern und den Fans.
Auf dem Trainingsplatz indes gerieten Ibisevic und Harnik bei einer Keilerei aneinander und Moritz Leitner wurde von Stevens gerüffelt, weil er nach einem Zweikampf den sterbenden Schwan mimte und dafür mit einem Straftraining um 6 Uhr in der Früh bedacht wurde.

Das erste Testspiel gegen den albanischen Erstligisten KF Laçi gewann man indes mit 5:0. Da es der Fußball-Gott in diesen Zeiten mit dem VfB nicht gut meint, passte es ins Bild, dass einer der seltenen VfB-Siege wohl nur deshalb so deutlich ausfiel, weil das Spiel ins Visier der albanischen Wettmafia gerückt war und wohl verschoben worden ist. Als Augenzeuge wunderte man sich über diese Gerüchte freilich nicht, stellten die Albaner die Verteidigung in der zweiten Halbzeit doch fast gänzlich ein.

Am 22.01. wurde der Wechsel von Raphael Holzhauser zur Wiener Austria bestätigt. Der Sportdirektor von Austria Wien, ein gewisser Franz(l) Wohlfahrt, tütete den Transfer ein. Holzhauser, der mit den Amateuren wie auch die Austria in Belek im Trainingslager weilte, musste also nur das Hotel wechseln. Alles in allem ein logischer Wechsel, weil er beim VfB nicht über die Rolle des Reservisten hinauskam und auch sein Lebenswandel insgesamt nicht dem eines Bundesligaprofis entsprach. Bis er während seiner Leihe zum FC Augsburg in Ungnade gefallen ist, zeigte er durchaus, was er drauf hat, vor allem bei Standards, und mit seinem begnadeten linken Fuß.

Das zweite Testspiel in Lagos gegen den portugiesischen Zweitligisten SC Farense endete nach schwachem Auftritt 1:1 unentschieden, Kostic traf für die Schwaben. Außer dem windigen Wetter bleibt in negativer Erinnerung an das Trainingslager in Lagos, dass weit und breit kein anderes Team in diesen Gefilden seine Wintervorbereitung absolvierte, so dass es an Gegnern mangelte und diese Tests somit kein Gradmesser für die anstehenden Aufgaben waren.

Ein offizielles Fanfest gab es dieses Mal zwar nicht, jedoch lud uns der VfB auf „zwei, drei“ Getränke an die Hotelbar im Mannschaftshotel Cascade Resort ein. Zuletzt war es üblich, dass zu Fanfesten die gesamte Mannschaft einschließlich Trainer- und Betreuerstab kommt, dieses Mal fand dieses Treffen auf „freiwilliger“ Basis statt, wobei den Führungsspielern Gentner und Ulreich sowie auch Schwaab, Niedermeier und Klein sicherlich angeraten wurde, zu erscheinen. Umso erfreulicher, dass sich auch ein paar Youngsters wie Timo Werner und Mart Ristl blicken ließen. Letzterer hatte erst kurz vor Beginn des Trainingslagers beim Mercedes-Benz Junior Cup im Sindelfinger Glaspalast auf sich aufmerksam gemacht und stieß nach guten Leistungen dort gleich zum Kader der Profis. Auch die anderen jungen Wilden haben es mir nicht nur durch ihre Trainingsleistungen angetan, sondern auch deshalb, weil sie noch so wohltuend normal sind. Sie grüßen freundlich und helfen nach den Einheiten dem Meuschi noch beim zusammen räumen, während solche, die ihre Nase weit oben tragen (Leitner) ihr Zeug nur hinrotzen. An der Stelle macht sich eine gute Kinderstube schon bemerkbar.

Zum Abschluss des Trainingslagers dann noch ein nicht alltägliches Highlight. Die Mannschaft flog, wie wir, in der Holzklasse mit Germanwings zurück in die Heimat, wo wir sie jedoch nicht mehr belästigen oder in ihrem Ablauf stören wollten. Lediglich Robin Dutt schüttelte ich beim Warten aufs Gepäck am Stuttgarter Flughafen noch die Hände und wünschte ihm alles Gute. Allerdings nicht für seine Aufgabe beim VfB sondern anlässlich seines 50. Geburtstags, den er am Tag des Rückflugs beging.

Auftaktniederlage gegen Mönchengladbach

Am 31.01. schließlich endete sie, die Zeit voller neuer Hoffnungen, ohne Niederlagen und sonstiger größerer Enttäuschungen. Die Zeit der Wahrheit stand wieder an, der Rückrundenstart. Und den versemmelte der VfB mal wieder gründlich. Beim 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach blieb der VfB im fünften Heimspiel in Folge ohne eigenes Tor, Negativrekord! Es war die nahtlose Fortsetzung einer katastrophalen Vorrunde, so dass die Vorfreude auf eine bessere Rückrunde schon in den Startlöchern stecken blieb. Nach einer katastrophalen Anfangsphase und hochkarätigen Chancen der Gladbacher schaffte es der VfB immerhin, den Champions League Anwärter auf sein Niveau herunterzuziehen, so dass die Partie zunehmend verflachte. Da zeigte sich dann, dass die Elf vom Niederrhein an diesem Tag zu packen gewesen wäre. Symptomatisch, dass sich der VfB beim entscheidenden 0:1 auch noch auskontern ließ. Dumm, dümmer, VfB! Und doch wäre in der vierten Minute der Nachspielzeit fast noch der Ausgleich geglückt, wenn, ja wenn, Georg Niedermeier aus vier Metern ins leere Tor und nicht nur die Latte getroffen hätte.

Verpflichtung von Serey Dié

Wenige Stunden vor Schließung des Transferfensters wurde schließlich noch der einzige Winterneuzugang an Land gezogen. Der ivorische Nationalspieler Serey Dié, der sich zum Zeitpunkt der Verpflichtung noch beim Afrika-Cup befand, gilt als Enfant terrible. Während seiner Zeit beim FC Basel war er zwar stets unumstrittener Publikumsliebling, fiel aber auch immer wieder negativ auf, so bspw. 2012 als er nach einem Spiel gegen den FC Lausanne einen Balljungen ohrfeigte, der ihm während des Spiels den Ball zu langsam zugeworfen hatte. Seine Eskapaden und Sperren beim FC Basel häuften sich, so dass dieser Hochkaräter plötzlich bezahlbar auf dem Markt war und Robin Dutt, der ihn auch schon zum SC Freiburg locken wollte, zugriff. Wie man aus heutiger Sicht sagen kann, saß eine der ersten Amtshandlungen Dutts gehörig, Dié schwang sich in der Rückrunde zum Leistungsträger und einem DER Garanten des Klassenerhalts auf. In der Bundesliga sollte Serey Dié noch zwei Spiele lang fehlen.

Nullnummer in Köln

Direkt nach der Winterpause setzten die Terminplaner eine englische Woche an. Für den VfB ging es dabei nach Köln, wo der VfB seit Ewigkeiten nicht mehr verloren hatte. Dritte englische Woche der Saison, nach Dortmund und Hamburg zum dritten Mal auswärts, was für mich bedeutete, dass ich einen Tag Urlaub nehmen musste, besser gesagt zwei halbe Tage. Am Spieltag nachmittags mit dem Zug in die Domstadt, Übernachtung und früh morgens mit dem Zug zurück und vom Hauptbahnhof direkt ins Geschäft. Was tut man nicht alles, um sich unter der Woche auswärts ein erbärmliches 0:0 reinzuziehen. Dieses Spiel war die Hochzeit des Stevenschen Defensiv-Wahns. Bei einem heimschwachen Gegner, der zu Hause ähnlich „treffsicher“ ist wie der VfB, mit einer Riegel-Rudi-Taktik anzutreten, und das nach einer Heimniederlage gegen Gladbach und der bevorstehenden Heimniederlage gegen die Münchner Bayern, spottet jeder Beschreibung. Das Spiel entwickelte sich erwartungsgemäß zum Duell Not gegen Elend auf unterstem Niveau. Das bewegendste an diesem Abend war noch die Gedenkminute für Udo Lattek, als sich das ganze Stadion einschließlich des VfB-Blocks erhob und dem Altmeister klatschend die letzte Ehre erwies.

Heimniederlage gegen die Bayern

Der Angsthasenfußball von Köln wurde als Mutmacher für die Partie gegen die Bayern verkauft, die Null sollte auch gegen den Spitzenreiter stehen. Nur, dass die Kölner Angriffsbemühungen ähnlich limitiert aussehen wie die vom VfB und die Durchschlagskraft der Bayern eine andere ist, wischte man in den Gedankenspielen kurzerhand beiseite. Die Bayern, in der Rückrunde nach einem Debakel in Wolfsburg und einem Remis gegen Schalke ebenfalls noch sieglos, mussten in Stuttgart schon gewinnen, um nicht in eine bajuwarische Krise zu schlittern. Doch, keine Angst, ihr Bayern, auch wenn der VfB vieles nicht kann, Aufbaugegner kann er wie kaum ein Anderer. Dass die Brust der Bayern schon einmal breiter war, merkte man ihrer Spielanlage an. Der VfB spielte gut mit, auch wenn er sich insgesamt zu wenig zutraute, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Und trotzdem hätte man durch Sakai in Führung gehen können, der aber nur den Außenpfosten traf. Kurz vor der Pause nahmen dann die Dinge ihren Lauf. Ein abgefälschter Ball fiel Arjen Robben vor die Füße, der humorlos und sehenswert über Ulreich hinweg abschloss. Und, als wäre es der Sonntagsschüsse noch nicht genug, traf David Alaba kurz nach dem Seitenwechsel per Freistoß in den Winkel. Das war’s, der VfB bekam mal wieder viel Lob, viele Respektsbekundungen, viel Honig ums Maul geschmiert, dass man ja gar nicht so schlecht wäre, wie es der Tabellenstand aussagt. Doch, die Tabelle lügt nicht und gestaltet sich aus VfB-Sicht gnadenlos, ohne Berücksichtigung einer B-Note weist sie nach 20 Spieltagen den 18. und damit letzten Tabellenplatz für den VfB aus.

Last-Minute-Knockout in Sinsheim

Das Warten auf Serey Dié hatte schließlich ein Ende. Die Ivorer gewannen den Afrika-Cup durch ein 9:8 nach Elfmeterschießen gegen Ghana, so dass Serey Dié erhobenen Hauptes seinen Dienst beim VfB antreten konnte. Freitags vor dem Hoffenheim-Spiel absolvierte Serey Dié seine erste Trainingseinheit mit dem Team, so dass er für einen Startelfeinsatz an der Autobahnraststätte noch nicht in Frage kam.
Stevens rückte auch in Sinsheim nicht von seiner Riegel-Taktik ab und war in erster Linie, analog zu Köln, darauf aus, ein 0:0 zu ermauern. Antifußball von der schlimmsten Sorte, destruktiv ohne Ende, um mit dem Team, an dem sich Bobic messen lassen wollte, überhaupt punkten zu können, schien Stevens jedes Mittel recht. In Timo Werner und Martin Harnik standen zu Beginn gerade einmal zwei Offensivkräfte auf dem Platz, der Rest waren durchweg mehr oder weniger Zerstörer. Mit solchen Auf- und Vorstellungen wie in der Saison bereits zuhauf gesehen, darf man sich nicht wundern, dass es mittlerweile viele außerhalb des Schwabenlands gibt, die dem VfB den Abstieg wünschten.
So trat der VfB also auch bei Hoffenheim an wie das Kaninchen vor der Schlange. Hoffenheim, mit drei Niederlagen in die Rückrunde gestartet und daher auch nicht mit sonderlich viel Selbstvertrauen ausgestattet, wurde damit eingeladen, selbst die Initiative zu ergreifen und sich ihre verloren gegangene Sicherheit zurückzuerlangen. Nach einer halben Stunde Not gegen Elend nutzte Roberto Firminho nach einer Standardsituation einen Abpraller, der vor seine Füße fiel, zum überraschenden 1:0. Dieses Gegentor war zunächst der Weckruf für den VfB, der aktiver wurde und kaum zehn Minuten später zum Ausgleich durch Gotoku Sakai kam. Der Japaner erzielte damit sein erstes Bundesligator überhaupt und das erste VfB-Tor in der Rückrunde.
In der zweiten Hälfte verflachte die Partie immer mehr, Chancen auf beiden Seiten waren Mangelware. Ob Robin Dutt während des Spiels schon Einfluss nahm und Huub Stevens dazu bewegte, in Maxim und Ibisevic zwei zusätzliche Offensivkräfte zu bringen, ist reine Spekulation. Vielleicht hat es Stevens ja selbst erkannt, dass selbst ein Unentschieden bei dieser Tabellenkonstellation zu wenig wäre. Klare Chancen sprangen indes keine heraus, weil aufgrund technischer Schlampigkeiten die letzte Präzision fehlte. Als man sich bereits auf dieses schiedliche friedliche Unentschieden geeinigt zu haben schien, schenkte Timo Baumgartl einen Ball leichtfertig her, der über Volland zu Sebastian Rudy gelangte und den dieser nur noch einzuschieben brauchte. Dritte Minute der Nachspielzeit und dann dieser Nackenschlag. Die Lichter schienen auszugehen auf dem Wasen, Huub Stevens raunzte auf der anschließenden Pressekonferenz einen Journalisten an: „Haben Sie einen Rat für mich?“. So ratlos hatte man den Knurrer aus Kerkrade selten erlebt, ich befürchtete seinerzeit nach Veh den zweiten Trainer-Rücktritt in dieser Saison. So weit kam es zum Glück nicht, wobei Stevens bei seinen Halbjahres-Engagements sicherlich auch die mutmaßlich exorbitant hohe Nichtabstiegsprämie im Kopf hat und schon daher nicht bereit ist, davon zu laufen. Augen zu und durch!

Fanliebe gegen “Echte Liebe”

Dutt stärkte Stevens zwar öffentlich den Rücken, intern wuchsen seine Zweifel aber, ob die geplante Erneuerung des VfB mit Stevens möglich wäre, so dass wohl (spätestens) nach dem Hoffenheim-Spiel die erste Kontaktaufnahme mit Alexander Zorniger erfolgte.
Für den VfB ging es nach dem Nackenschlag in Sinsheim gleich freitags gegen Borussia Dortmund weiter. Der BVB spielte selbst eine Horror-Saison und fand sich vor nicht allzu langer Zeit auf den Abstiegsrängen wieder, befand sich aber nach zuletzt zwei Siegen in Folge auf dem aufsteigenden Ast. Auch im dritten Heimspiel der Rückrunde versuchte es der VfB mit einer nominell defensiv aufgestellten Mannschaft. Frappierend schon in der Anfangsphase, wie sich ein Klassenunterschied zwischen den beiden Teams zeigte. Dortmund kombinationssicher und zielstrebig, der VfB ängstlich und ohne jegliches Selbstvertrauen, was in der frühen Führung durch Aubameyang mündete. Doch, völlig überraschend, kam der VfB zurück. Niedermeier wurde im Strafraum von Sahin von den Beinen geholt und holte dadurch einen Strafstoß für den VfB heraus. Da Sahin Niedermeier kurz vor der Torlinie von den Beinen holte, hätte er zwingend rot sehen müssen, doch Schiedsrichter Aytekin ließ seine Karten stecken, weil er, wie er später zugab, diese Doppelbestrafung doof findet und somit Selbstjustiz übte. Da es nur der VfB war, durfte Aytekin ohne jegliche Sanktionierung weiter sein Unwesen auf Deutschlands Fußballplätzen treiben, nicht auszudenken, was mit ihm passiert wäre, wenn er die Bayern so benachteiligt hätte. Müßig darüber zu spekulieren, ob der VfB in Überzahl gewonnen oder sich der BVB dann wenigstens mit einem Remis begnügt hätte. Gündogan brachte seine Farben noch vor der Pause in Führung, kurz vor Schluss, nach Fehler von Baumgartl in Co-Produktion mit Ulreich, erzielte Reus das entscheidende 1:3. Das 2:3 in den Schlusssekunden durch Georg Niedermeier stellte nur noch Ergebniskosmetik dar, so dass man auch im fünften Rückrundenspiel ohne Sieg und bereits mit fünf Punkten Rückstand auf den 15. Platz am Tabellenende festsaß.
Die Nerven, auch bei den Fans, lagen blank und dennoch spielten sich nach dem Dortmund-Spiel in der Cannstatter Kurve herzzerreißende Szenen ab. Die Spieler bekamen nicht etwa den Zorn der Fans ab wie noch vor Wochenfrist in Sinsheim, im Gegenteil, sie, allen voran Timo Baumgartl, wurden in den Arm genommen, geherzt und getröstet, Szenen so unglaublich, dass sie um die Welt gingen. Der Schulterschluss mit den Fans ist also vorhanden, das Signal klar. Wir zusammen, ihr für uns, wir für euch, wir geben nicht auf!

Remis im Kellerduell

In Hannover sprang Huub Stevens (endlich) über seinen Schatten und nominierte mit Harnik, Werner, Maxim und dem endlich zurückgekehrten Daniel Ginczek gleich vier Offensivkräfte. Bei den ebenfalls kriselnden 96ern reichte es freilich auch nicht zum Befreiungsschlag. Nach Toren von Gentner und Stindl trennte man sich 1:1. Dass die Nerven in diesem Kellerduell blank lagen zeigte sich auch bei einer Rangelei zwischen Harnik und Stindl, die beide des Feldes verwiesen wurden und für Harnik eine Zwei-Spiele-Sperre zur Folge hatte. Eigentlich dämlich und dennoch aus zweierlei Aspekten noch positiv hervorzuheben. Zum einen zeigt sich in solchen Szenen, dass dem Spieler die Situation nicht völlig am Arsch vorbeigeht und zum anderen hätte man Harnik schon länger mal eine Denkpause gewünscht, in der Hoffnung, dass er danach geläutert und stärker zurückkommen würde.

Nach dem Hannover-Spiel preschte erstmals Ralf Rangnick vor und erklärte auf Sky und ServusTV, dass Alexander Zorniger „spätestens“ zur neuen Saison neuer VfB-Trainer werden würde. Wie man heute weiß, war dies damals längst in trockenen Tüchern, so dass man mit Stevens ein falsches Spiel spielte. Kein Wunder, dass dieser immer gereizter auf in diese Richtung gehende Fragen reagierte. Und doch können wir dankbar sein für die Professionalität, die Huub Stevens an den Tag legte, indem er dieses Kasperletheater mitspielte und nicht einfach den Bettel hingeschmissen hat. Ich vermute mal, dass ihm seit dem Abstiegskampf des Vorjahres und den emotionalen Momenten, die er mit dem VfB und uns Fans erlebte, der VfB trotz allem ans Herz gewachsen war und er uns nicht im Stich lassen wollte, wie es ein halbes Jahr vorher Armin Veh getan hatte. Auf der anderen Seite war aber natürlich auch fraglich, ob der VfB sich eine Entlassung Stevens‘ überhaupt hätte leisten können, unabhängig davon wurde das Heimspiel gegen den Mit-Abstiegskonkurrenten Hertha BSC Berlin einmal mehr zum Schicksalsspiel für den Trainer hochstilisiert.
Am Ende stand die null auf beiden Seiten, obwohl der VfB die engagiertere Mannschaft mit den besseren Chancen war. Ein Heimsieg wäre verdient gewesen, gelang aber nicht, so dass man auch nach dem 24. Spieltag Schlusslicht war, mit noch immer fünf Punkten Abstand zum rettenden Ufer.
Mehr als das Ergebnis blieben die Ausschreitungen vor und nach dem Spiel in Erinnerung. Obwohl Bundesligavereine, Sicherheitsvertreter, Polizei, DFL und was weiß ich, wer noch, stets betonen, dass Spiele unter Berücksichtigung sämtlicher Sicherheitslagen angesetzt werden würden, setzte man dieses Spiel gegen die Hertha, deren Fans eine Freundschaft zu unseren Erzfeinden vom KSC pflegen, bei Dunkelheit und an einem Freitagabend an. Den KSC ließ man intelligenterweise an einem anderen Tag und nicht parallel spielen, so dass es vorprogrammiert war, dass einige hundert Gelbfüßler-Chaoten anreisen würden, die mit dem Spiel an sich nichts am Hut hatten und lediglich Ärger suchten.
Dass es dann bei Dunkelheit unübersichtlich wurde und zu unschönen Szenen kam, haben sich die Ordnungshüter selbst zuzuschreiben. Vor allem nach dem Spiel eskalierte die Situation, als die Polizei nichts besseres zu tun hatte, wegen ein paar hundert blauen Deppen den Bahnhof zuzusperren und tausende VfBler damit auszusperren und an ihrer Heimfahrt zu hindern.
Wohlgemerkt handelte es sich um ein Abendspiel und nach 23 Uhr schwimmen einem beim dürften ÖPNV-Angebot im Großraum Stuttgart nun mal die Felle davon, so dass die Nervosität vor den Toren stieg und vereinzelt versucht wurde, den Bahnhof zu stürmen. Auch da hatte dann die Polizei wieder ihren großen Auftritt, in dem sie durch Türschlitze Pfefferspray versprühte und somit zur allgemeinen Beunruhigung der Lage maßgeblich beitrug. Ganz großes Kino an diesem Abend!
Eher noch weiteres Öl goss Präsident Wahler dann ins Feuer, indem er die Vorkommnisse kritisierte, ohne ein vollständiges Bild über die Ereignisse gehabt zu haben. Vor allem von ihm, der selten etwas sagt, sollte, wenn er denn etwas sagt, gehaltvolleres kommen, nachdem er sich informiert hat und nicht einfach nachplappern, was Polizeichefs ihm in den Mund legen, die selbst auf der Suche nach Rechtfertigungen sind.

Debakel in Leverkusen

Wenn nicht bald die Wende und damit der erste Rückrundensieg gelingt, dürfte der VfB kaum mehr zu retten sein. Auch nach dem Hertha-Spiel stellte sich die Frage, ob der VfB mit Stevens weitermacht oder gar weitermachen muss. Abgesehen vom finanziellen Aspekt und der Fälligkeit einer Abfindung im Falle einer Stevens-Entlassung, hat sich Dutt durch die frühe Festlegung auf Alexander Zorniger maßgeblich dieser letzten Patrone beraubt. Würde Zorniger sofort einspringen (müssen) könnte er bereits vor seinem geplanten Amtsantritt verbrannt sein, nämlich dann, sollte das Unternehmen „Rettung“ schiefgehen. Daher war es schon logisch, dass Stevens auch in Leverkusen noch auf der Bank sitzen würde. Ausgerechnet beim Angstgegner Leverkusen auf die Wende zu hoffen, war schon reichlich vermessen. Der VfB begann zwar ordentlich und ließ die Werkself kaum zur Geltung kommen, leider schaffen es die Schwaben selten bis nie, eine solche Gangart konsequent und konzentriert über 90 Minuten auf den Platz zu bringen. Nach einer halben Stunde lud der VfB Bayer förmlich zur Führung ein, indem gleich fünf Spieler eine wahre Slapstick-Orgie hinlegten, und damit Wendell freispielten, der seinen ersten Bundesligatreffer erzielte. Vier Minuten später legte Drmic nach, so dass die gute erste halbe Stunde wie weggeblasen war und Bayer nun eindeutig Chef im Ring war. In der 50. Und 59. Minute erhöhte die Werkself auf 4:0 und spulte in der Folgezeit ihr Pensum im Schongang herunter, mit Gedanken beim schon dienstags anstehenden Championsleague Spiel bei Athletico Madrid. Nicht auszudenken, welche Dimension dieses Debakel angenommen hätte, wenn Bayer mit der gleichen Intensität der ersten Stunde weitergemacht hätte. Der VfB zerfiel in seine Einzelteile und hatte Bayer auch nichts mehr entgegenzusetzen, nachdem sie zwei Gänge heruntergeschaltet hatten. Beängstigend!

Erster Rückrundensieg!

Der erste Rückrundensieg gelang dann im folgenden Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht, die man auswärts schon 5:4 (!) schlagen konnte. Die Eintracht ging zwar kurz nach der Halbzeit in Führung, zwei Mal Ginczek sowie Alexandru Maxim drehten jedoch das Spiel. Der VfB blieb dadurch zwar immer noch Letzter, konnte den Rückstand auf Platz 15 aber auf zwei Punkte verkürzen, was neue Hoffnung auf den Klassenerhalt machte. Vor allem, dass Daniel Ginczek endlich seine ersten Tore für den VfB erzielte, nährte die Hoffnung auf mehr. Der Junge ist ein ganz starker Knipser, wenn er denn die Fitness, das Selbstvertrauen und auch die richtigen Zuspiele bekommt, wie an diesem Tag von Harnik und Maxim.
Der VfB spielte zwar eine Stunde lang wie ein Absteiger, kam aber mithilfe der Frankfurter wider Erwarten noch zurück. Wenn einer Aufbaugegner ähnlich gut kann wie wir, dann ist das die Eintracht. Auch an dieser Stelle nochmals vielen Dank, wenn wir das Spiel verloren hätten, wenn bei Ginczek der Knoten an diesem Tag nicht geplatzt wäre, wenn…? Vermutlich wäre eine Niederlage gegen die Eintracht dem Abstieg gleichgekommen. So machte sich zwar große Erleichterung breit, jedoch auch die Erkenntnis, dass man drei Punkte und nicht mehr gewonnen hatte. Die Situation ist brenzlig genug, der Sieg nährte aber die Hoffnung, dass die Jungs wieder an ihre eigenen Stärken glauben und in den nächsten Spielen befreiter aufspielen können.

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8. Dezember 2014

Bitte erlöse uns von dem Bösen…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:24

…zu allererst vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Joachim Schmidt, der einem Dieter Hundt in nichts nach steht und der heimliche Boss auf dem Wasen ist. Der Marionetten um sich herum versammelt, die sich ihren Allerwertesten platt hocken, im Endeffekt aber nichts zu melden haben.

Erlöse uns von Vorstandsmitglied Ulrich Ruf, der als Controller, oder wie sein Titel beim VfB lautet, Finanzvorstand, ein Millionenunternehmen nach wie vor auf dem Reißbrett mit führt, weil die IT-Entwicklung spurlos an ihm vorbeiging. Sein Vertrag läuft ohnehin im Sommer aus, ich hoffe keiner der Betriebsblinden an der Mercedesstraße kommt auf die Idee, diesen noch einmal zu verlängern.

Erlöse uns auch von der angedachten Manager-Lösung Jochen Schneider. Trotz jahrzehntelanger Handlangertätigkeit für unterschiedlichste Sportdirektoren, heißt das noch lange nicht, dass er der Aufgabe als Manager in vorderster Front gewachsen ist. Ich habe ehrlich gesagt die Nase voll von internen Lösungen, es muss ein Profi her, der über den VfB-Tellerrand hinausschauen kann und nicht nur Erfahrung in einem Unternehmen vorweisen kann, das an die Wand gefahren wurde. Schneider mag ein loyaler Zuarbeiter und ein Fachmann im kaufmännischen Bereich und im Vertragsmanagement sein, als Sportdirektor wünsche ich mir einen Mann, der die Branche kennt und den man vor allem auch in der Branche kennt und respektiert und der jede Menge Kontakte und Reputation besitzt.
Robin Dutt, der seit heute als Favorit für den Posten durch die Gazetten geistert, ist so ein Name. Meiner Ansicht aber auch nicht mehr. Als Trainer ist er nach seiner Freiburger Zeit überall gescheitert, auch wenn er es in Leverkusen als Heynckes-Nachfolger nicht leicht hatte. In Bremen hatte er dann mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, die ihn beim VfB erwarten würden, nämlich unter Sparzwang eine schlagkräftige Truppe formen zu müssen. Was ihn für mich aber völlig disqualifiziert ist die Art und Weise, wie er zunächst den Sportdirektor-Posten beim DFB annahm und beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga gleich wieder schmiss. Offensichtlich hat ihm der Schreibtischjob weniger behagt als die tägliche Arbeit mit einer Mannschaft, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er den Job dieses Mal aus voller Überzeugung antreten würde. Schon allein die Tatsache, dass er nahe seiner Heimat Leonberg eine Stelle antreten könnte, würde ihn sicherlich ins grübeln bringen, ob damit dem VfB langfristig gedient wäre, wage ich zu bezweifeln.
Wegen der Heimatverbundenheit haben wir schon so manchen geholt, ob auf Spieler- oder Funktionärsebene, so richtig gedankt hat es dem Verein keiner und weitergebracht hat es den Verein auch nicht. Dutt ist bei mir irgendwie unten durch, seitdem er den so wichtigen Job beim DFB, wo er ja Sammer-Nachfolger wurde, nach noch nicht einmal einem Jahr wieder geschmissen hat. Das wäre eine Tätigkeit gewesen, in der strategisches Planen und Gestalten unabdingbar ist und somit umso fataler, wenn man sich jedes Jahr nach einer neuen Lösung umschauen muss. Auch Dutt-Nachfolger Hansi Flick scheint dort mehr Not- als Dauerlösung zu sein, hat die Suche ja auch lange genug gedauert. Natürlich würde ich ihm, wie jedem anderen neuen auch, eine Eingewöhnungszeit einräumen und ihn dann irgendwann einmal nur über seine Tätigkeit beim VfB bewerten, aber, meine 1A-, 1B- und auch 1C-Lösung wäre Dutt nicht.

Erlöse uns auch langsam wieder von Präsidenten Bernd Wahler, von dem sich alle viel mehr versprochen haben. Auch für mich las sich seine Vita wie die der eierlegenden Wollmilchsau. Er war als Adidas-Manager im großen Sport zu Hause, hatte beruflich mit Sportlern, Managern, Trainern, Verbänden und den Endkunden, also den Fans, zu tun. Zudem ist der Präsidentenjob für den VfB-Fan Wahler auch noch eine Herzensangelegenheit, so dass ich nach der fürchterlichen Mäuser-Ära begeistert war aufgrund dessen Wahl. Nach gut 15-monatiger Amtszeit ist die Ernüchterung umso größer. Natürlich war er seit Beginn seiner Amtszeit mehr Krisenmanager denn Gestalter, schafft es aber bis heute nicht, an Präsenz und Autorität zuzulegen und aus dem Schatten des mächtigen Aufsichtsrats herauszutreten. Bei der Pressekonferenz nach der Bobic-Entlassung sah man deutlich, wer das Wort führte (nämlich Dr. Schmidt) und wer brav den Worten lauschte und hier und da zustimmend nickte (nämlich Wahler) Von unserem Präsidenten erwarte ich, dass er in düsteren Tagen wie diesen auch mal auf den Tisch haut und Klartext redet und nicht immer andere vorschickt. Ich, der die gesamte Ära Mayer-Vorfelder mitbekommen hat, bin natürlich anderes gewohnt, was das anbelangt. MV hätte nicht vier lange Jahre (also auch die der Ex-Präsidenten) zugeschaut und Krisen milde weggelächelt, in denen der Verein für Begeisterung zum Verein für Bedeutungslosigkeit mutierte. Wenn er den Zeitpunkt gekommen sah, ließ er sich schon auch mal in der Kabine blicken und las den Spielern (und auch Trainern) die Leviten. Sogenannte Führungsspieler durften im Kultus- und später im Finanzministerium antanzen, um Rechenschaft abzulegen und wenn alles nicht fruchtete, lud er die Mannschaft zu sich in den Muckensturm ein und soff sie unter den Tisch, so dass in den nächsten Tagen schon allein der brummende Schädel daran erinnerte, was von ihnen verlangt wird. Heute werden unsere Spieler zu sehr in Watte gepackt und geschützt bis zum geht nicht mehr. Wie sollen sich da auch überhaupt Persönlichkeiten entwickeln, wie soll ein Spieler überhaupt einschätzen können, was sie uns mit Auftritten wie dem von Samstag antun, wenn sie ständig abgeschottet und vor jeglicher heftiger Kritik geschützt werden.

Erlöse uns auch von der Mannschaft, die über Jahre hinweg maßlos enttäuschte und die selbst an maßloser Selbstüberschätzung leidet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ulles, Gentes, Schwaab, Harniks, Sakais, um nur einige zu nennen, nach der VfB-Zeit woanders noch eine große Zeit haben werden. Wer kam denn groß raus in den letzten Jahren, nachdem er den VfB verließ. Außer den teuer verkauften Spielern, die ihre Klasse hatten und noch immer haben, fällt mir keiner ein, der woanders nach seiner VfB-Zeit groß durchstartete. Es ist doch kein Wunder, dass es für Leute wie Ulle und Gente, die bei uns im Verein so hoch im Kurs stehen, nie irgendwelche ernsthaften Abwerbungsversuche gab. Von dem jetzigen Kader fallen mir spontan die beiden Timos ein sowie die Langzeitverletzten Didavi und Ginczek, die mir noch am ehesten auch im Falle eines Abstiegs wohlgelitten wären. Auch Antonio Rüdiger möchte ich derzeit nicht verteufeln, bin aber nach wie vor überzeugt, dass ihm ein erfahrener Nebenmann fehlt. Seine Qualitäten hat er zweifellos und trotz einiger grober Schnitzer stimmt bei ihm wenigstens noch die Körpersprache auf dem Platz.

Nach schier endlosen Jahren dürftiger Auftritte reift in mir seit Samstag die Erkenntnis, dass nur ein Abstieg diese heilende Wirkung haben kann und nur so der nötige Kahlschlag kommen wird. Ein Bernd Wahler versprach zwar noch im März diesen Jahres, als uns das Wasser bis zum Halse stand, ein „weiter so“ werde und dürfe es nicht geben, es waren leider, wie man heute weiß, nur leere Worthülsen. Im Sommer wurde genau so weiter gemacht und jetzt bekommen wir eben die Quittung dafür. Sollte der Abstieg kommen, wird er zweifelsohne eng mit dem Namen Bernd Wahler verbunden sein. Er kann natürlich nichts für die Sünden der Vergangenheit, er hat aber auch die Gunst der Stunde nicht genutzt, den Verein zu verändern und neu auszurichten, geschweige denn neue Gelder zu generieren. Das von der Vereinsführung gepriesene Allheilmittel Ausgliederung können sie sich derzeit abschminken, diese Personen haben jeglichen Kredit aufgebraucht, so dass die Mitglieder einen Teufel tun werden, mit der 75% Mehrheit für die Ausgliederung zu stimmen.

Der Verein muss jetzt, ohne Ausgliederung, retten, was zu retten ist. Ein Abstieg käme teuer, sehr teuer und würde den VfB womöglich in die Zahlungsunfähigkeit manövrieren, so dass sogar die Lizenz für die zweite Liga in Gefahr sein könnte. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt es diesen unbedingt zu vermeiden, aus emotionaler aber freunde ich mich langsam damit an. Es wäre die Möglichkeit, den Verein wieder zu verschlanken und komplett neu aufzustellen. Diese Chance müsste dann aber auch genutzt und allen Beteiligten, die beteuern würden, den „Betriebsunfall“ korrigieren zu wollen, der Laufpass gegeben werden.

Das Spiel am Samstag war der Offenbarungseid schlechthin und eine Bewerbung erster Güte für das Montagspiel bei Sport 1. Man fragt sich, was die Woche übergetan wurde und ob es über „Singen und Klatschen“ hinausging. Hat man sich angesichts, des doch durchaus glücklichen und zu hoch ausgefallenen Sieges beim SC Freiburg, die ganze Woche über auf die Schultern geklopft, oder sich auf das Schalke-Spiel vorbereitet? Hat ein Martin Harnik nach zwei Toren im Breisgau gleich wieder die Bodenhaftung verloren und gemeint, nun ginge es wieder mit halber Kraft? Verlassen sich alle einzig und allein auf Retter Huub, dass der es schon richten würde? Ist es unseren Spielern überhaupt klar, dass auch er auf das Wohlwollen seiner Spieler angewiesen ist? Er ist kein Zauberer, der den Hut hebt und bei dem plötzlich aus Scheiße Gold wird.
So wie ihn „seine Jungs“ am Samstag im Stich ließen, dürfte es eigentlich nicht verwundern, wenn, zwei Wochen nach dem Rücktritt Armin Vehs der nächste sagen würde „macht Euren Scheiß allein“. Ein Trainer muss doch an der Linie verzweifeln, wenn er sieht, wie man einen Gegner förmlich zum Tore schießen einlädt. Wie schon in Bremen wurde das Spiel in erster Linie durch Standardsituationen des Gegners entschieden. Ich bemängele ja schon lang, dass wir zu wenig geistige Überflieger in der Mannschaft haben, was sich in solchen Situationen dann auf dem Platz zeigt. Standards zu verteidigen lernt man in der Jugend, arbeitet im Training darauf hin, legt Zuordnungen fest, etc. Wer da nicht aufpasst, dies nicht umsetzen kann, dem fehlt es eben im Kopf, vor allem, wenn Fehler in solcher Häufigkeit vorkommen. Wie Harnik, sicherlich noch geschwächt durch zu viele La-Ola-Wellen unter der Woche, seinen ihm bei Ecken zugeteilten Gegenspieler Choupo-Moting gewähren ließ, spottet jeder Beschreibung. Unabhängig davon erinnerte ich mich auch am Samstag wieder an einen Jens Lehmann im Tor, dessen Hoheitsgebiet der Straf- und vor allem der 5-Meter-Raum, war. In den zwei Jahren, in denen Lehmann unser Tor hütete, konnte man bei gegnerischen Ecken wegschauen, so wenig Gefahr bestand, so sicher pflückte er die Ecken runter. Dass Ulle, wie der Reporter in der Sport 1 Nachbetrachtung, bester Stuttgarter war, da möchte ich nicht einmal widersprechen, allerdings nur deshalb, weil man keinen einzigen positiv herausheben könnte.

Das Spiel war also bereits nach acht Minuten so gut wie verloren, daher möchte ich auch gar nicht näher darauf eingehen. Einzig noch, dass sich zu allem Überfluss kurz vor Schluss Antonio Rüdiger schwer verletzt hat und vermutlich über Monate ausfallen wird, ist noch eine Erwähnung wert. Vielleicht hat diese Verletzung ja auch ihr Gutes, nämlich das, dass der Verein in der Innenverteidigung in der Winterpause zum handeln gezwungen sein dürfte, so dass doch noch ein gestandener (intelligenter) Verteidiger geholt wird, der uns die dringend benötigte Stabilität verleihen kann.

Ich bin am Samstag seit langem mal wieder vorzeitig gegangen. Es war etwa die 70. Minute, in der ich mich fragte, was ich hier noch soll. Arbeitsverweigerung auf ganzer Strecke, kein Kampfgeist, zweikampfschwach, kein Spielwitz, ein Klassenunterschied. Zudem habe ich gefroren wie ein Hund, unsere Weihnachtsfeier im 1893 stand vor der Tür, also sind wir schon mal vorgegangen. Dort hörte ich bei einigen Freunden am Abend deutlich wie selten heraus, vor allem bei denen, die zu jedem Heimspiel einen Anreiseweg von 100-200 Kilometern zurückzulegen haben, dass sie am überlegen sind, sich überhaupt noch mal eine Dauerkarte zu holen und ob sie sich gar die nächsten Heimspiele noch antun sollen. Ich kann es keinem verdenken, zu blutleer die Vorstellungen, zu viele Baustellen im Verein, zu wenig Leidenschaft zu erkennen, momentan ist der VfB eher ein Verein, der Leiden schafft als einer, der Freude macht.

Der VfB läuft derzeit ernsthaft Gefahr, noch viel mehr treue Fans zu verlieren als dem Verein in den letzten Jahren ohnehin schon den Rücken zugekehrt haben. Leidensfähigkeit kann man denen nicht absprechen. Es ist nur so, dass viele es mittlerweile so sehen, dass man die Wochenenden sinnvoller gestalten kann, als sich Woche für Woche ein Frusterlebnis nach dem nächsten abzuholen. Nach Jahren des Missmanagements und dem Für-Dummverkaufen der Fans ist keine Hoffnung auf Besserung mehr vorhanden. Man hat innerlich schon fast abgeschlossen und hofft nur noch, dass man bald erlöst werden möge.

Der Verein siecht seit Jahren auf der Intensivstation vor sich hin und weit und breit ist niemand in Sicht, der den Verein gesundet oder der endlich den Stecker zieht. Das schlimmste derzeit ist für mich tatsächlich, dass ich die Hoffnung mittlerweile begraben habe, dass sich in der jetzigen Konstellation jemals irgendetwas Grundlegendes ändern wird, die Mannschaft dann aber, wenn man es überhaupt nicht erwartet, plötzlich wieder zuckt, um im nächsten Spiel dann wieder auf der ganzen Linie zu versagen. So befindet man sich wahrhaftig permanent in einem grausamen Wechselbad der Gefühle, das immer schwerer zu ertragen ist. Auch heute, zwei Tage nach dem Debakel gegen Schalke, wäre mir inzwischen ein Ende mit Schrecken lieber als der Schrecken ohne Ende.

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14. September 2014

Mutlos, leblos, VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 11:57

Die positiven Nachrichten vorneweg, wir haben es hinter uns! Wir haben „nur“ 0:2 in München verloren. Dass man dort auch durchaus eine Packung bekommen kann, haben wir vor fast genau zwei Jahren beim 1:6 erleiden müssen. Der Unterschied zu damals aber: vor zwei Jahren spielten wir nicht nur gut mit, wir gingen auch mit 0:1 in Führung und, wer weiß, hätte damals nicht Ulles Dauerformtief begonnen, hätte man damals das Zeug dazu gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Als er einen Schuss vor die Füße Müllers prallen ließ, war es damals schon vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man ließ sich regelrecht abschlachten.
Anders gestern, ohne Torschuss kann man nun mal kein Spiel gewinnen. Und, darauf zu bauen, bei den Bayern wenigstens ein 0:0 zu ermauern ist derzeit genau so unrealistisch wie ein Abstieg der übermächtigen Bayern.
Was waren das damals noch Spiele, die dem auch heute noch bemühten Begriff „Südschlager“ mehr als gerecht wurden. Wir zogen zwar im altehrwürdigen Olympiastadion meistens den Kürzeren, boten aber stets einen offenen Schlagabtausch und erarbeiteten uns den Respekt der Bayern, auch den der Fans. Ergebnisse wie ein 3:5 aus unserer Sicht waren keine Seltenheit, bei minus 16 Grad und dem ersten Spiel von Franz Beckenbauer auf der einen, Jürgen Röber auf der anderen Seite, erlebte ich gar „meinen“ ersten Sieg überhaupt bei den Bayern, dank der Hand Adrian Knups. Unvergessen danach die Polonäse „oberkörperfrei“ durch den Olympiapark und die Triumphfahrt über die von Schneewehen durchsetzte A8 zurück nach Stuttgart.
Damals waren die Fahrten nach München noch richtige Highlights in der Saison. Unter den Fans herrschte eine Gier dabei zu sein, nicht selten fanden bis zu 10.000 Schwaben den Weg nach München und man rechnete sich vor den Spielen etwas aus. Was hatten wir auch für Spieler in den 70er, 80er und 90er-Jahren. Da war zwar auch die eine oder andere Pfeife dabei, wir hatten aber Typen in unseren Reihen, die ihr Herz in die Hand nahmen und die Anderen mitzureißen wussten. Heute hat sich dieses Verhältnis leider dramatisch umgekehrt.
Mittlerweile nimmt man als Allesfahrer die Fahrt nach München eher mürrisch hin, viele andere kneifen von vornherein. Eines dieser Stadien „auf der grünen Wiese“, am A… der Welt, Gästeblock im dritten Rang, wo man weder sein Paulaner Light (gut, das boykottiere ich sowieso) noch eine Stadionwurst mit auf den Platz nehmen darf. Wo man von den überheblichen Bayern-Fans nur noch blöd angemacht oder belächelt wird, wo man sich auf gut deutsch schwer im Zaum halten muss, um nicht auszurasten und irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Mir schwillt da jedes Mal regelrecht der Kamm… Dann stellen sie uns noch eine Hundertschaft Turtles vor den Block, was auch nicht gerade zur allgemeinen Gelassenheit beiträgt. Fast schon lustig oder eher lächerlich in München, wie zwanghaft in manchen Bereichen auf Fantrennung geachtet wird und 50 Meter weiter wieder alles zusammenfließt. Da werden mal so richtig Steuergelder verschwendet, sollen sie sich doch ein Beispiel an NRW nehmen, wo sie es mit weniger Polizei und Deeskalation probieren, was bisher offensichtlich gut funktioniert.
Die Mannschaft hat schon die Hosen voll, wenn sie das Stadion betritt und schaut ehrfürchtig zu ihren Gegenspielern auf. Da scheint es manchmal, dass es im Vorfeld nur wichtig ist, wer von wem das Trikot abstaubt, von Selbstvertrauen und ernsthaftem Siegeswillen keine Spur.
Wir haben leider keine Führungsspieler mit Eiern in der Hose, die schon durch ihre Körpersprache ihrem Gegenüber klar machen, „wenn Du meinst Hugoles mit mir treiben zu können, gibt’s auf die Socken…“. Im Gegenteil, im Zweifel wird zurückgezogen, ein Foul an einem Bayern-Akteur wird in der Republik ja schon als Majestätsbeleidigung angesehen, solchen Diskussionen und dem Aufschrei der Bayern-Oberen möchte man lieber im Vorfeld gleich jegliche Nahrung nehmen.
Armin Veh hat schon nach dem Köln-Spiel angeprangert, die Jungs seien alle zu lieb. So hielt sich meine Hoffnung schwer in Grenzen, dass wir in München einen anderen VfB erleben würden, doch, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt und immer erst nach dem Spiel.
Wie Kampf Berge versetzen kann, konnte man beim Freitag-Abend-Spiel Bayer 04 Leverkusen-Werder Bremen erleben. Leverkusen, eigentlich den Bremern übermächtig, hätte zur Pause gut und gern 4:0 führen können, wenn nicht gar müssen, wurde von den Bremern aber nach und nach der Zahn gezogen. Bremen hielt mit großem Kampf und, wenn sich die Möglichkeit bot, auch mit mutigem Spiel nach vorne, dagegen. Dort wurde um jeden Zentimeter Rasen gekämpft, kein Ball verloren gegeben. Solche Spiele kenne ich eher von der Insel, so dass ich schwer beeindruckt war, so etwas in unserer Liga verfolgen zu dürfen.
Nach diesem Kick sah ich mich sofort gemüßigt, Sven Ulreich, der auf Facebook postete, dass sie sich im Hotel aufs Spiel vorbereiteten, auf seine Pinnwand zu posten, dass ich hoffe, dass sie sich dieses Spiel angeschaut haben und dass sie verdammt noch mal ein ähnliches Engagement an den Tag legen sollen und so auch befähigt wären, den Bayern weh zu tun. Die Bayern, verletzungsgeplagt und vor anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen stehend, wollten die Partie im Schongang gewinnen und sich nicht außerordentlich verausgaben. Für dieses Vorhaben war der VfB natürlich der dankbarste Gegner, den man sich wünschen kann. Gerade störe ich mich beim vorigen Satz am Wort „Gegner“, Sparringspartner wäre treffender. Wir liefen ordentlich nebenher, ohne den Bayern zu nahe zu treten. Die Defensive stand zwar weitestgehend gut, die meiste Zeit liefen wir aber trotzdem nebenher und überließen den Bayern das Spielgerät.
Erschreckend fand ich einmal mehr die technischen Mängel, die bei uns zutage traten. Fehlpässe über drei Meter sind nicht bundesligatauglich. Und wenn dem einen oder anderen Spieler bei einem 3-Meter-Pass die Kugel noch 4 Meter wegspringt, bis man sie kontrolliert hat oder eben, wie meistens, der Gegner sich den Ball geschnappt hat, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Spielfluss aufkommt und vor allem keine Überraschungsmomente entstehen, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Gefahr entstand allenfalls durch Kopfbälle von Antonio Rüdiger oder einem Distanzschuss von Timo Werner. Bayern hätte ohne Torwart spielen können, kein einziger Ball kam auf den Kasten von Manuel Neuer. Ich habe nunmehr in vier Pflichtspielen in der noch jungen Saison gerade einmal vier Torschüsse gezählt. Wenn man es in naher Zukunft nicht schafft, ein kombinationssichereres Offensivspiel mit gefährlichen Torabschlüssen, hinzulegen, wird es ganz schwer, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen. Unsere Abwehr ist nach wie vor zu instabil, um nicht zu null spielen zu können.
Armin Veh brachte in Leitner und Werner für Maxim und Didavi zwar zwei Neue, leider verpufften diese Wechsel, weil man nach dem Köln-Spiel auf allen Positionen hätte wechseln können und keiner der damaligen Totalausfälle besser aus der Länderspielpause kam.
Leitner zeigte auch gestern wieder, dass er ein Schönwetterfußballer ist. Wenn es in der Truppe läuft, kann er glänzen, ein Spieler, der Ordnung in ein nicht funktionierendes Team hineinbringt ist er nicht. Auf Timo Werner dagegen lass ich noch nichts kommen. Er ist blutjung und muss sich an den Rhythmus in der Liga weiterhin gewöhnen. In der zweiten Halbzeit, als er für Ibisevic in die Mitte rückte, war er auffälliger und hat mir (an der Seite von Kostic und Maxim) gut gefallen. Bevor ich den lustlosen und stets lamentierenden Sturmtank Ibisevic bringe, setze ich doch lieber auf Dauer auf Timo Werner, dem man anmerkt, dass er will und dass er sich verausgabt. Jedoch vertraue ich hier auch Armin Veh, der Tag für Tag am besten sieht, ob er der großen Belastung jede Woche schon jetzt gewachsen ist.
Veh muss möglichst schnell „seine“ Elf finden, die uns wieder mehr Freude macht und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt. Momentan sieht es zwar nach einer ganz düsteren Saison aus, jedoch sollte man nach gerade einmal vier, zugegebermaßen sehr ernüchternden, Pflichtspielen die Kirche im Dorf lassen. Mir war es seit der Spielplanpräsentation klar, dass es durchaus sein könnte, dass wir nach fünf Spielen noch ohne Punkt da stehen. Gladbach, Bayern, Dortmund, zu Beginn gleich die denkbar schwersten Auswärtsaufgaben, dazwischen noch unseren (Heim-)Angstgegner Köln und die Hoffenheimer, die sich dank Hopps Millionen mal wieder namhaft verstärkt haben. Daher ist es noch viel zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Erschreckend allenfalls für mich, wie wenig wir insgesamt an den Spielen teilgenommen haben, wie wenig Torgefahr entfacht wurde und wie leidenschaftslos, vor allem gegen Köln, der Brustring von der gesamten Truppe spazieren getragen wurde.
Veh scheint langsam zu merken, auf welch schwierige Aufgabe er sich hier eingelassen hat. Er beteuert, als Außenstehender den VfB nicht so schlecht gesehen zu haben, wie er wirklich geworden ist. Schade, dass diese Erkenntnis offensichtlich nicht schon während der Trainingslager gereift ist, auch wenn es sich langsam herausstellt, dass die kolportierten 15 Millionen Euro für Sommertransfers, unter Vorbehalt des Verkaufs von Altlasten und inklusive aller Gebühren, Handgelder, Gehälter, erfolgten. Für einen Lastminute-Einkauf, der so dringend nötig gewesen wäre, war angeblich schon kein Geld mehr da. Anstatt in ein kalkuliertes Risiko zu gehen und wenigstens noch einen erstklassigen Innenverteidiger zu holen, riskiert man hier also (sehenden Auges) den Super-GAU. Dieser wird zwar nicht zwingend kommen, Gegner, die mehr mit uns auf Augenhöhe spielen als die ersten fünf bekommen wir auch noch, angesichts der fragilen ersten Elf, die Woche für Woche auf dem Platz steht, halte ich ihn zumindest für möglich.
Bernd Wahler scheint Bobic einfach weiter „machen zu lassen“ und kümmert sich in erster Linie um die Ausgliederung der Profiabteilung. Ob diese Prioritätenfestlegung realitätsgetreu ist, wird sich herausstellen. Meiner Ansicht nach muss zuerst der sportliche Bereich attraktiv und erfolgversprechend aufgestellt sein, um überhaupt potente Geldgeber für den VfB begeistern zu können und sich am Ende, in Anbetracht der Gesamtsituation nicht unter Wert verkaufen zu müssen. Dass Bobic einfach weiter machen durfte nach der verkorksten letzten Saison ist für mich DER Kardinalfehler schlechthin. Auch diese bittere Tatsache laste ich Bernd Wahler an, der auf mich den Eindruck macht, (zu) bequem zu sein und sich aus dem sportlichen Bereich komplett herauszuhalten. Da hätte ich mir einen starken Mann wie früher MV gewünscht, der auf den Tisch haut und personelle Konsequenzen zieht. Das richtige Datum für den großen Schnitt ist immer der 1.7., hier wurde es versäumt Nägel mit Köpfen zu machen.
Auch wenn ich letzten Endes mit der Installation von Armin Veh als Cheftrainer einverstanden war und noch immer bin – ich hatte schon am Ende der letzten Saison bedauert, dass Huub Stevens nicht weiter machen und eine Auszeit nehmen wollte. Jetzt allerdings bröckelt langsam durch, dass Stevens durchaus zum weitermachen bereit gewesen wäre, man aber schon bei Armin Veh im Wort stand. Sollte das die Wahrheit sein, verstehe ich die Welt nicht mehr. Stevens kannte die Mannschaft immerhin schon und hätte wohl besser gewusst, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, als es Armin Veh wusste. So holte man lieber einen unbedarften Mann, dem die unbequemen Wahrheiten in der Mannschaft noch nicht so geläufig waren, beließ Bobic im Amt, der wiederum Armin Veh „einarbeiten“ durfte und seine (Fehl-)Sicht über die Mannschaft und ihr Innenleben an Veh weitergab.
Das Lamentieren über diese groben Fehler der Vergangenheit bringt uns jetzt aber leider auch nicht weiter, auch wenn es noch so traurig ist. Im Grunde sehe ich diese Mannschaft fast als untrainierbar an, zumindest kommt man mit Nettigkeiten bei ihr nicht weiter, siehe Stevens, der mit seiner knorrigen, kompromisslosen Art genau der Richtige war.
Veh merkt man die Akribie an, mit der sein Engagement antrat und er ist bereit, Änderungen durchzuziehen. Nach 2 ½ Monaten Arbeit an alter Wirkungsstätte hat er diese Woche Sven Ulreich angezählt bzw. in die Pflicht genommen, nämlich dass er fußballerisch und im Lesen des Spiels besser werden müsse um ein guter Bundesligatorwart zu werden. Meiner Ansicht nach sind dies jedoch Defizite, die ein Torwart hat oder auch nicht und kaum im vergleichsweise hohen Alter noch erlernt werden können. Vielleicht wollte Veh auch nur vorbauen, dass irgendwann einmal eine Ablösung Ulles, kein Tabuthema mehr ist.
Mit den Auswechslungen von Gentner und Ibisevic gestern setzte er (hoffentlich) ein Zeichen für die Zukunft, dass KEIN Platz in der Mannschaft in Stein gemeißelt ist. Neben den Genannten haben wir leider noch einige Baustellen mehr. Für gestern hatte ich gehofft, dass Schorsch Niedermeier anstelle von Daniel Schwaab in die Innenverteidigung rücken würde, dass Sakai und Harnik die längst überfällige Pause bekommen würden. Beide waren auch gestern wieder schwach und mit Unmengen an Stockfehlern. In Daniel Ginczek „wächst“ ernsthafte Konkurrenz für Ibisevic heran, möglicherweise sitzt er schon gegen Hoffenheim auf der Bank. Meiner Meinung nach scheut Veh (noch) den ganz großen Umbruch, um das ohnehin schon sehr fragile Gebilde nicht völlig zum Einsturz bringen. Andererseits, mir würde es Hoffnung machen und es könnte dadurch ein Ruck durchs Team gehen. Das Gros des Teams ist doch für die meisten unsäglichen Auftritte in den letzten Jahren maßgeblich verantwortlich, das hätte man auch schon im Sommer so analysieren müssen, geschehen ist so gut wie nichts, wie auch, wenn der Manager während der für einen „Einkäufer“ wichtigsten Phase der Saison mal eben so drei Wochen in den Urlaub geht.
So zielt mein Stückchen Hoffnung, die ich noch in diese Saison setze, darauf ab, bis zum nächsten Transferfenster den Schaden so gering wie möglich zu halten und dann den großen Umbruch einzuleiten. Gegen Hoffenheim habe ich schon jetzt ein ganz dummes Gefühl, dass es eine Niederlage geben könnte, die so richtig weh tut. Andererseits holten wir vor Jahresfrist im ersten Spiel unter Thomas Schneider mit dem 6:2 gegen Hoffenheim unseren ersten Saisonsieg und den noch richtig spektakulär.
Aufgeben gilt nicht, immer weiter kämpfen und dann siegen, für den Brustring, für den VfB, und nicht zuletzt für uns Fans. Gerade gegen Hoffenheim kann sich das Team keine so emotionslose Vorstellung wie im Heimspiel gegen Köln leisten, gerade da erwarten wir, dass sich jeder zerreißt und schon die Körpersprache im Kabinengang klar macht, dass es hier nur einen Sieger geben wird. Enttäuscht die Mannschaft erneut, kommen schwere Zeiten auf das Team zu, auch im Verhältnis zu den Fans. Der Vertrauensvorschuss, den man ihnen in der letzten Saison durch #Zusammenhalten und ähnliche Aktionen zugestand, ist langsam aber sicher aufgebraucht. Vor allem dann, wenn man von der Tribüne aus den Eindruck hat, dass die Mannschaft gar nicht will, dann muss sie sich ohne Wenn und Aber dem aufkeimenden Zorn stellen und darf nicht Bähmulle spielen wie nach dem Köln-Spiel! Das zeigte nämlich den „Charakter“ dieser Truppe schonungslos auf, nämlich die Schuld bei den Anderen zu suchen anstatt sich an die eigene Nase zu fassen. Der Rückhalt der Fans ist nach wie vor da, auch gestern in München wieder.

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