4. November 2012

Ulle hält den Punkt fest

Nach Dortmund ging es mal wieder, zum ersten Mal in dieser Saison, mit dem Bus und dem RWS Berkheim. Anders als beim Freitag-Abendspiel in der letzten Saison und dem sensationellen 4:4, als wir aufgrund des all freitäglichen Wahnsinns auf den deutschen Autobahnen erst 10 Minuten vor Spielbeginn aus dem Bus stiegen, sollte dieses Mal alles reibungslos laufen. Abfahrt in Berkheim war um 7 Uhr. Auf der Strecke ins Ruhrgebiet war lediglich ein kleinerer Stau zu verzeichnen, so dass wir schon gegen 13.30 Uhr in Dortmund eintrafen und dem obligatorischen Brinkhoff’s im Biergarten des Stadion Rote Erde nichts im Wege stand. Obligatorisch deshalb, weil ich es mir ungern entgehen lasse, wenn ich im Fußballtempel schlechthin zu Gast bin. Dort vereint sich gelb-schwarz und weiß-rot, ohne dass es irgendwelchen Ärger gibt. Dass wir nicht unbedingt Freunde sind und beide Teams und damit auch die Fans aufgrund der Tabellensituation unter Druck stehen und dem Gegner, zumindest an diesem Tag, nichts Gutes wünschen, ist doch normal. Alles läuft aber auf einer vernünftigen und nicht feindschaftlichen Ebene ab, so dass man sich dort als weiß-rote Minderheit nicht unwohl fühlen muss. Nach den letzten Auftritten vom VfB gegen den BVB 09 schlug uns Respekt entgegen, die Dortmunder zeigten sich keineswegs siegessicher, ist doch auch beim Deutschen Meister im Herbst 2012 noch zu viel Sand im Getriebe.

Letzte Saison noch hatte ich Stehplatz, was angesichts unserer späten Ankunftszeit eine recht ungemütliche Angelegenheit war, kamen wir doch kaum mehr in den Stehbereich hinein. So entschied ich mich dieses Mal für einen Sitzplatz der teuren Kategorie. Der Platz an sich war gut, leider jedoch nicht ganz, wie ich ihn mir erhoffte, nämlich seitlicher zu unserem Fanblock. So konnte ich davon lediglich vor dem Spiel ein paar Bilder schießen. Vorteil dieser Platzkategorie war aber, dass ich einen anderen Eingang, nämlich den im Bereich Nordost, zu nehmen hatte und die Einlasskontrollen dort erfahrungsgemäß lascher sind, als im Bereich der Ultras. Aufgrund des Einsatzes von Pyrotechnik beim BVB in den letzten beiden Jahren, war mit strengen Kontrollen zu rechnen. Es waren weder Megaphon, Trommel noch Fahnen, geschweige denn Taschen und Rücksäcke erlaubt. So hatte ich es auch nicht besonders eilig hinein zu gelangen, genoss noch ein wenig die Zeit im Stadion Rote Erde und fachsimpelte mit Dortmundern und Stuttgarter Bekannten über den Saisonverlauf unserer beiden Teams.

Der VfB scheint sich ja tatsächlich zu stabilisieren. Zehn Punkte aus den letzten vier Spielen, langsam kann es kein Zufall mehr sein! Maßgeblich geht dieser Aufwärtstrend mit der Systemumstellung (Kvist alleiniger 6er) und der Hereinnahme von Raphael Holzhauser einher. Seit seinem Startelfdebüt in Nürnberg hält die Serie. Anders als die Dortmunder, die in Gesprächen gestern Tamas Hajnal großen Respekt zollten und ihn sogar teilweise gerne noch in ihren Reihen hätten (!), kräht bei uns kein Hahn mehr nach ihm. Allerdings haben sie natürlich eher seine Leistungen von vor vier Jahren in Erinnerung, unsere sind natürlich frischer. Hajnal machte zuletzt den Eindruck, dass er dem Tempo, Stichwort schnelles Umschaltspiel, nicht mehr standhalten kann und er seinen Zenit überschritten hat. Holzhauser wirkt gedanklich frischer und antizipiert Situationen schneller. Natürlich ist er ein junger Spieler, der Fehler macht und noch vieles lernen muss. Dennoch macht er mir zurzeit unheimlich Spaß. Weniger spaßig gestern allerdings seine Situation gegen Sebastian Kehl, der sich einen Nasenbeinbruch zuzog. Holzhauser war in der Szene mit Gelb sehr gut bedient und hätte sich über einen Platzverweis nicht beschweren dürfen. Hier bewies Schiri Zwayer das viel zitierte Fingerspitzengefühl und beließ es bei einer Verwarnung. Meiner Meinung nach reichte dieses Strafmaß aus, da man Holzhauser keine Absicht unterstellen konnte. Es war eine dumme Aktion, so darf er einfach nicht mit dem Ellenbogen ausholen. Dennoch empfinde ich es als äußerst unfair, wenn Trainer Klopp und Manager Zorc lautstark „rot“ fordern und auf die VfB-Bank und den vierten Offiziellen losgehen. Dem ganzen die Krone setzte dann noch Stadionsprecher, oder  besser Dampfplauderer Norbert Dickel (warum schlägt mir die Rechtschreibprüfung hier Dackel vor?) auf, der sich in der Halbzeitpause anmaßte, zu fordern, wie solche Aktionen zu bewerten sein sollten. Für mich ein No-Go, während des Spiels den Versuch zu unternehmen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Absolut unfair!

Wir sahen im Westfalenstadion vor 80.645 Zuschauern, darunter rund 6.200 Schwaben, ein absolut intensives Spiel mit Haken und Ösen und den besseren Chancen für Dortmund. Dennoch verstand es der VfB immer wieder selbst Nadelstiche zu setzen und den Raum zu nutzen, den die Dortmunder anboten. Mit etwas mehr Glück am Ende, hätte der VfB auch das Siegtor erzielen können. Dortmund hatte Glück, dass der Schiedsrichter beim Foul von Hummels gegen Ibisevic nicht auf Elfmeter entschied. Womöglich spielte dabei eine Rolle, dass sich Ibisevic nicht fallen ließ, weil er trotzdem das Tor machen wollte. Auf der Gegenseite parierte Ulreich einige Male glänzend und hielt den VfB im Spiel.

Für mich war es alles in allem ein leistungsgerechtes Unentschieden, mit dem der VfB gut leben kann. In Zeiten der Dreipunkteregelung bin ich zwar kein Freund von Punkteteilungen, da weder Fisch noch Fleisch und man mit Remis‘ in der Tabelle nicht vom Fleck kommt. Wenn man aber dem deutschen Meister vor einer großartigen Kulisse auswärts einen Punkt abtrotzt, fühlt sich das trotzdem geil an. Der VfB zählt zweifellos zu den Angstgegnern der Borussen. Es war das vierte Remis beider Teams gegeneinander in Folge, sowie das vierte Remis im Westfalenstadion in Folge. Der VfB war der einzige Verein, den die Dortmunder in ihrer grandiosen letzten Meistersaison nicht bezwingen konnten. Auch die Befürchtung, die VfB-typisch gewesen wäre, dass unser Ex-Spieler Julian Schieber uns einen einschenken könnte, bewahrheitete sich nicht, da Sven Ulreich glänzend gegen ihn parieren konnte.

Ulreich wird von der Öffentlichkeit und vielen VfB-Fans einmal mehr in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gerückt. Bei aller Wertschätzung für ihn. Ich bin froh, dass Ulle, der das VfB-Wappen wie kein anderer Spieler mit Stolz trägt, beim VfB spielt und langsam auch wieder zu alter Stärke findet. Dennoch hat auch er Schwächen, an denen er weiter arbeiten muss. Gegen die Bayern leitete er das 1:1 ein, als er einen Schuss Müller vor die Füße abklatschte, auch gestern gab es in der Anfangsphase eine ähnliche Situation, die ins Auge hätte gehen können. Auch seine Spieleröffnung ist weiter stark verbesserungswürdig, was aber seine zuletzt gezeigten Leistungen nicht schmälern soll. Gestern war er, wie auch letzte Woche gegen Frankfurt, letztendlich der Garant dafür, dass wir drei bzw. einen Punkt(e) ergattern konnten. In der Nationalmannschaft allerdings dürfte es schwer für ihn werden. An Neuer führt (noch) kein Weg vorbei, Adler, der uns noch die Qualifikation zur WM 2010 rettete und dann durch eine schwere Verletzung aus der Bahn geworfen wurde, drängt mit Macht wieder ins Team. Dann stehen ja noch junge Leute wie Zieler, ter Stegen und Leno hintenan. Zumindest vor den Letztgenannten braucht sich Ulle gewiss nicht zu verstecken. Diese haben allerdings den Vorteil, dass sie bereits zum Kreis gehören und Ulle erst noch dazu stoßen muss. Dies dürfte nur durch eine beispiellose Verletzungsmisere gelingen, die man Jogi Löw nicht wünschen mag. Luxusprobleme auf der Position des Torhüters gab es in Deutschland schon immer, daher ist es auch kein Beinbruch oder mangelnde Wertschätzung, wenn ein hervorragender Torwart nicht zu Nationalmannschaftsehren kommen sollte. Um in diesen erlauchten Kreis zu gelangen, benötigt man etwas Glück und muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Daher liegt Sven Ulreich auch richtig, wenn er sich weiter nur auf den VfB konzentrieren möchte, weil er die Nationalmannschaftsberufungen sowieso nicht beeinflussen kann.

Für den VfB geht es am Donnerstag in der Europa League beim FC Kopenhagen weiter. Nach lediglich zwei Punkten aus drei Spielen muss aus VfB-Sicht ein Sieg her, um sich die Möglichkeit offen zu halten, ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Mit den zuletzt gezeigten Leistungen dürfte der VfB mit dem nötigen Selbstvertrauen anreisen. Im Hinspiel tat sich der VfB gegen die gut organisierte dänische Defensive sehr schwer, hätte aber einen Elfmeter bekommen müssen und somit einen knappen Sieg verdient gehabt. Vielleicht kehrt das Glück ja in Kopenhagen zurück. In dieser Gruppe wäre ein Ausscheiden schon blamabel und sehr ärgerlich. Mit einem Kraftakt in der letzten Rückrunde qualifizierte man sich für diesen Wettbewerb, der nach Vereinsaussagen auch fürs Renommee enorm wichtig ist. Wir Fans müssen durch die Teilnahme an diesem Wettbewerb einiges hinnehmen, wie z. B. unchristliche Anstoßzeiten, Donnerstag 21.05 Uhr, sowie enorm vieler Sonntagspiele (Pro Samstag 15:30). Allerdings gibt uns die Teilnahme ja auch etwas, z. B. Auswärtsreisen in Länder, in die man sonst nicht unbedingt reisen würde, wie nächste Woche Dänemark und zwei Wochen später Rumänien. Schön wäre es daher, wenn endlich auch die Resultate stimmen würden und man sich auch mal einen Blick auf die Tabelle gönnen könnte. Daher hoffe ich sehr auf einen Sieg bei den heimstarken Dänen, damit wir noch hoffnungsfroh nach Bukarest fliegen können, und nicht, dass es schon dort um nichts mehr geht. Die Mannschaft macht auf mich einen motivierten Eindruck, auch in diesem Wettbewerb noch etwas reißen zu wollen. Sie müssen einfach ihre Torchancen noch konsequenter als zuletzt nutzen, dann bin ich sehr optimistisch, dass die auch in Dänemark zahlreich anwesenden Schwaben das Team zum Sieg schreien werden und Kopenhagen am Donnerstag in weiß-rot erstrahlen wird.

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24. Januar 2011

Stuttgart erkämpft sich einen Punkt

Der VfB Stuttgart kann immerhin einen Punkt bei Borussia Dortmund erobern. Pogrebnjak erzielt kurz vor Schluss noch das 1:1 (1:0). Dabei verpasste es der Tabellenführer, die Partie rechtzeitig zu entscheiden.
Spielverlauf:

Die Dortmunder tauchten bereits in der dritten Spielminute das erste Mall gefährlich vor dem Tor des VfB Stuttgart auf. BVB-Stürmer Robert Lewandowski kam völlig freistehend zum Abschluss. Doch sein Schuss verfehlte das Gehäuse von Torhüter Sven Ulreich deutlich.

Auf der Gegenseite sorgte Stuttgarts Stürmer Pawel Pogrebnjak für erste Aufregung (6. Minute). Der Russe versuchte, im Duell mit Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller einen Elfmeter zu schinden. Der Pfiff von Schiedsrichter Brych blieb allerdings zu recht aus. In der Folge zeigten die Dortmunder die bessere Spielanlage, doch die besseren Chancen hatten zunächst die Stuttgarter: Erst prüfte Christian Gentner nach einer Kuzmanovic-Ecke Dortmunds Torhüter Weidenfeller per Kopf (14.) und nur wenige Minuten später kam Sven Schipplock ebenfalls frei zum Kopfball (18.), der allerdings das Tor deutlich verfehlte. Schipplock war für den verletzten Cacau » in die Mannschaft gerückt. Das war auch die einzige personelle Veränderung beim VfB im Vergleich zum Sieg gegen Mainz .

Nach 20. Minuten zog sich der VfB Stuttgart dann zunehmend zurück und überließ dem BVB das Spiel. Folgerichtig erarbeiteten sich die Dortmunder auch mehr Torchancen. Erst suchten Nuri Sahin (21.) und Marcel Schmelzer (24.) mit Distanzschüssen aus halblinker Position den Abschluss – ohne Erfolg. Dann verlieren Stuttgarts Abwehrspieler Delpierre und Molinaro den Ball leichtsinnig an Jakub Blaszczykowski. Der Pole legt sich den Ball allerdings zu weit vor, sodass ihm Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich die Kugel vom Fuß schnappen kann (28.). Und auch in der 30. Minute gingen die Dortmunder zu fahrlässig mit einer Torchance um: Aus aussichtsreicher Position will Sahin auf Stürmer Lewandowski passen, statt selbst den Torabschluss zu suchen.

Dortmunder lassen viele Chancen ungenutzt

Doch kurz vor der Halbzeit waren die Dortmunder dann doch noch erfolgreich. Nach einer schnellen Kombination von Sahin über Kevin Großkreutz schiebt Mario Götze zur Führung der Gastgeber ein (42.). Den Schlusspunkt der ersten Halbzeit setzte dann Lewandowski, der Ulreich mit seinem Kopfball zu einer Rettungstat zwang.

VfB-Trainer Bruno Labbadia reagierte in der Halbzeitpause auf das enttäuschende Auftreten seiner Mannschaft in der Offensive und wechselte für den unauffälligen Arthur Boka Timo Gebhart ein. Am Spielverlauf sollte sich dadurch allerdings nicht viel ändern. Die Dortmunder gaben den Takt vor und kamen durch Großkreutz zur nächsten Chance (50.). VfB-Torhüter Sven Ulreich kann aber noch entscheidend stören. In der 56. Minute vergab dann Lewandowski aus elf Metern eine weitere aussichtsreiche Chance. Und auch Sahins abgefälschter Schuss aus 20 Metern verfehlte das VfB-Tor nur um Zentimeter (60.).

In der 61. Minute machte dann endlich der VfB-Angriff wieder auf sich aufmerksam. Doch Schipplock kann eine Vorlage von Molinaro aus kurzer Distanz nicht im gegnerischen Tor unterbringen. Die Dortmunder konnten in der Folge ihre Überlegenheit nicht in weitere Tore ummünzen und ließen zu viele Chancen ungenutzt. Wie auch in der 75. Minute als Barrios das Tor verfehlte. Das sollte sich rächen: Fünf Minuten vor Spielende erzielte Stuttgarts Pogrebnjak den etwas überraschenden Ausgleich, der den Roten einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf sichert.

Entscheidende Szene:

Der VfB Stuttgart erzielte mit seinem besten Spielzug, eingeleitet durch den eingewechselten Gebhart und mit der Hacke von Kuzmanovic auf Pogrebnjak abgelegt, doch noch den Ausgleich.

Kommentar:

Der VfB Stuttgart hielt zunächst gut mit, stand in der Defensive sicher und erarbeitete sich durchaus gute Chancen. Bis zur Pause konnten die Roten ihre Defensive dann allerdings zu wenig entlasten. Vor allem im Angriffsspiel läuft beim VfB nicht viel zusammen. Ungenauigkeiten im Passpiel machen es dem Gegner oft zu leicht, den Ball zurückzuerobern. Letztlich profitierten sie auch davon, dass der BVB zu fahrlässig mit seinen Chancen umgegangen ist.

Borussia Dortmund:

Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Sahin, da Silva – Blaszczykowski (63. Barrios), Götze, Großkreutz (86. Feulner) – Lewandowski )90. Stiepermann).

VfB Stuttgart:

Ulreich – Funk, Tasci, Delpierre (63. Niedermeier), Molinaro – Träsch, Kuzmanovic – Gentner, Boka (46. Gebhart) – Schipplock (70. Harnik), Pogrebnjak.

Tore:

1:0 Götze (42.), 1:1 Pogrebnjak (85.)

Schiedsrichter:

Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer:

80.720 

(Stuttgarter Zeitung online 22.1.2011)

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27. April 2010

Torwartfrage: “Ich hoffe, dass der VfB mich ranlässt”

Das Dörfchen Grünheide mit seinen Angelseen liegt verschlafen im märkischen Sand vor den Toren Berlins. Privat hätte sich der VfB-Torwart Sven Ulreich wohl niemals hierher, nach “jwd”, verirrt. Doch “janz weit draußen”, wie man in der Hauptstadt sagt, im Ortsteil Kienbaum, trainierten einst die DDR-Leistungskader. Geblieben ist aus dieser Zeit eine Anlage, die bis heute viele Spitzensportler in ihren Bann zieht: Die Höhenkammer, in der sich ein geringerer Sauerstoffgehalt wie in 3000 Metern Höhe simulieren lässt. “In der Höhenkammer kann man mit geringerem Widerstand die Grundlagenausdauer verbessern, was nach Verletzungen optimal ist. Der Körper bildet mehr rote Blutkörperchen”, erklärt Sven Ulreich, der sich nach dem Wochenende bei der Familie gestern Abend wieder ins Flugzeug Richtung Berlin gesetzt hat. Schließlich gilt es für den 21-Jährigen, keine Zeit zu verlieren. Nach seinem Bruch des Wadenbeinköpfchens im linken Knie am 2. März im U-21-Länderspiel der DFB-Auswahl gegen Island setzt Ulreich alles daran, schnell wieder voll belastbar zu sein.

Vertragsverlängerung als Vertrauensbeweis

“Das Training schlägt gut an – ich mache große Fortschritte”, sagt Ulreich, der bisher 15 Bundesligaspiele, 44 Drittliga- und 29 Regionalligaspiele für den VfB absolviert hat und nun die große Chance besitzt, Jens Lehmann im Stuttgarter Tor zu beerben. “Seit ich im Verein bin, ist es mein Ziel, der Bundesliga-Stammtorwart zu werden”, sagt Ulreich, der in der E-Jugend zum VfB kam und in Berlin in seiner täglichen Reha-Arbeit von einem Physiotherapeuten des Clubs begleitet und behandelt wird. Die Vertragsverlängerung bis 2013 vor knapp drei Wochen hat Ulreich bereits als einen großen Vertrauensbeweis empfunden. Jetzt hofft er, “dass mich der Club als Nummer eins ran lässt. Ich erwarte mir für die nächste Saison viel.” Fast fünf Wochen hat sich der 1,91 Meter große Schlussmann nur mit einer Spezialschiene am Knie an Krücken vorwärts bewegt – und konnte daher vor allem den Oberkörper trainieren.

Also hat er im Sitzen Bälle gefaustet und gefangen. In dieser Woche soll es nun erstmals “fast ohne Krücken” gehen. Von Mai an will Ulreich das Knie dann erstmals wieder ohne orthopädische Hilfe belasten. Sven Ulreich ist ehrgeizig, wittert seine Chance, weiß aber, “dass für die Nummer eins eine schnelle Genesung und eine Topvorbereitung auf die neue Saison absolute Pflicht sind.” Neben den Aufbaumaßnahmen hat der Torwart aufmerksam Zeitung gelesen. Also ist auch ihm nicht entgangen, dass ihm vermutlich ein altbekanntes VfB-Gesicht zur Seite gestellt wird, sollte die Heilung des Knies weiter so gut verlaufen wie bisher: Marc Ziegler, 33, bei Borussia Dortmund angestellt und in der Saison 1995/96 Stammtorwart in Stuttgart, soll nach Plan A der erfahrene Gegenpol zum jungen Ulreich werden. “Es ist richtig, dass es ein Stuttgarter Interesse an Marc Ziegler gibt”, sagt der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc, “aber wir müssen erst mal unsere Szenarien auf der Torwartposition durchspielen. Deshalb lässt sich momentan nicht mehr sagen.”

Der VfB hat einen Plan B in der Tasche

Durchgesickert ist allerdings, dass der BVB gerne Bernd Leno, der beim VfB II das Tor hütet, im Gegenzug für Ziegler haben möchte. Aber diese Rochade lehnt der VfB ab. Auch die derzeitige Nummer drei bei den VfB-Profis, Alexander Stolz, ist bei den Westfalen im Gespräch. Doch an dem ist wiederum das Dortmunder Interesse nicht besonders groß. Es gibt in Sachen Lehmann-Nachfolge bei den Stuttgartern aber auch einen Plan B, der zum Tragen kommen könnte, sollte Ulreich nicht rechtzeitig das alte Niveau erreichen. Daher muss sich der Manager Horst Heldt auch die Alternativen prüfen – und ist dabei wieder auf einen vertrauten Namen gestoßen: auf Timo Hildebrand. Mit 221 Bundesligaspielen und tollen Paraden in der Meistersaison 2007 ist der gebürtige Wormser ein populärer Name in der Clubgeschichte. So wurde der Torwart in einer Zuschauerumfrage des SWR-Fernsehens nach den beliebtesten VfB-Akteuren aller Zeiten auf Rang neun gewählt – und der Cheftrainer Christian Gross nennt den Goalie wohl nicht ohne Hintergedanken “einen erfahrenen Mann”.

Ist Hildebrand also einer, mit dem sich der VfB – und vor allem Christian Gross – ernsthaft beschäftigt? Seit seinem Abschied aus Stuttgart blickt der 31-Jährige auf wechselvolle drei Jahre zurück: Da gab es die 18 verlorenen Monate in Valencia – und die Ausbootung aus der Nationalelf vor der EM 2008. Auch in Hoffenheim agieren der Trainer Ralf Rangnick und der Manager Jan Schindelmeiser beim Thema Hildebrand sehr defensiv. Bei saisonübergreifend 41 Spielen hätte sich Hildebrands Vertrag automatisch verlängert. Diese Marke kann der Goalie nicht mehr erreichen. Sven Ulreich hat ohnehin keine Angst vor möglicher Konkurrenz – ob sie nun Hildebrand heißt oder nicht. “Ich bin inzwischen so stark”, sagt der 21-Jährige, “dass ich auch erfahrenen Torhütern ordentlich Dampf machen kann.”

(STZ 25.4.10)

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1. Februar 2010

4:1 – Torfeuerwerk für die Roten gegen Dortmund

Der VfB Stuttgart hat die beeindruckende Erfolgsserie von Borussia Dortmund gestoppt und seine bemerkenswerte Aufholjagd fortgesetzt.

Mit dem 4:1 (1:0) gegen die zuvor zwölfmal nacheinander ungeschlagenen Westfalen schafften die unter ihrem neuen Trainer Christian Gross weiter unbezwungenen Schwaben den Anschluss an das Mittelfeld der Fußball-Bundesliga. Durch ein unübersichtliches Eigentor von Dortmunds Felipe Santana ging der VfB in der 14. Minute 1:0 in Führung, Lucas Barrios traf mit seinem 10. Saisontor (55.) zum Dortmunder Ausgleich. Zdravko Kuzmanovic (77.), Ciprian Marica (86.) und Christian Träsch (89.) trafen dann zum VfB- Sieg. In der mit 42 000 Zuschauern ausverkauften Baustelle Mercedes-Benz Arena hatte Stuttgarts Stürmer Ciprian Marica (48.) zuvor einen an ihm verursachten Foulelfmeter vergeben.
“Wir haben von Anfang an gezeigt, wer hier das Sagen hat. Den BVB haben wir gut in den Griff gehabt, aber uns selbst das Leben schwer gemacht”, sagte VfB-Kapitän Sami Khedira. “Wir haben von Anfang an nicht in unser Spiel gefunden. Heute hatten wir alle einen gebrauchten Tag”, betonte BVB-Verteidiger Patrick Owomoyela.

Dem VfB, der Stunden vor dem Spiel den sofortigen Wechsel von Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zum abstiegsbedrohten italienischen Club Lazio Rom bekanntgegeben hatte, reichte unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zunächst eine solide Leistung zur Halbzeit-Führung. Nach dem vergebenen 2:0 und dem überraschenden Dortmunder Ausgleich gaben sich beide Teams mit dem Punkt nicht zufrieden, der VfB schaffte dann in der turbulenten Schlussphase den insgesamt verdienten Sieg.

Die Gastgeber spielten zu Beginn druckvoll nach vorne und wurde nach 14 Minuten belohnt. Alexander Hleb bediente mustergültig Neuzugang Cristian Molinaro, der passte in den Fünfmeterraum zu Marica. Aus dem Gewühl heraus prallte der Ball von Hüfte des Innenverteidigers Felipe Santana über die Linie. Unklar blieb, ob dabei auch die Hand von Pawel Pogrebnjak im Spiel war. “Mit allen Körperteilen haben beide den Ball reingemacht”, sagte VfB-Manager Horst Heldt zur Halbzeit am “Sky”-Mikrofon, BVB-Geschäftsführer Hans- Joachim Watzke meinte: “Die Hand war wohl dran, aber das müssen wir akzeptieren, fertig aus.” Die Gäste zeigten sich von dem unglücklichen Rückstand nur kurz beeindruckt, doch sowohl Patrick Owomoyelas Kopfball (20.) als auch der Fernschuss von Nelson Valdez (24.) verfehlten ihr Ziel nur knapp.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit vergab der Gastgeber das 2:0. Marica wurde von Owomoyela im Strafraum klar gefoult, knallte aber den fälligen Elfmeter an die Unterkante der Querlatte (48.). Ähnlich kurios wie die VfB-Führung fiel dann der Dortmunder Ausgleich: Nach einem Foul an Pogrebnjak, der kurz zuvor nach einer Schwalbe “Gelb” gesehen hatte, warteten die Stuttgarter vergeblich auf den Pfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen). Kevin Großkreutz nutzte die Konfusion und passte unbedrängt zu Barrios, der zum 1:1 einschoss (55.).

Mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze in die Torwartecke von BVB-Schlussmann Marc Ziegler traf der erst kurz zuvor eingewechselte Kuzmanovic zum 2:1 (77.). Neven Subotic rettete gegen Tasci kurz darauf auf der Linie, Lehmann auf der Gegenseite kurz darauf gegen Valdez. Marica machte kurz vor Schluss alles klar (86.), Träsch erhöhte dann zum zu hoch ausgefallenen 4:1.
(STN online 31.1.10)

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30. Januar 2010

Im Aufwind: Die Jungen und der Wilde

Im 101. Jahr ihres Bestehens präsentiert sich die Dortmunder Borussia so jugendlich wie selten zuvor und auch äußerst erfolgreich. In der Bundesliga hält Schwarz-Gelb Fühlung zu den Champions League-Rängen

und vor allem zum ungeliebten Reviernachbarn Schalke. Die inoffizielle Ruhrgebietsmeisterschaft ist in dieser Saison somit wieder geprägt vom Spitzenfußball, von der sportlichen Rivalität zweier Traditionsvereine, die beide zurückkehren wollen zu alter Größe. Dortmund setzt hierbei auf eine junge, hungrige Mannschaft, in der noch viel Entwicklungspotenzial steckt. Toptalente wie die längst in der Innenverteidigung gesetzten Neven Subotic und Mats Hummels lassen angesichts ihrer routinierten Spielweise oft vergessen, dass sie beide erst Anfang 20 sind. An ihrer Seite, der linken wohlgemerkt, hat U21-Europameister Marcel Schmelzer gar Leistungsträger und Publikumsliebling Dede verdrängt. In Mittelfeld und Angriff geben Youngster wie Sven Bender, Eigengewächs Nuri Sahin oder den bekennenden BVB-Anhänger Kevin Großkreutz den Takt vor.

BVB-Trainer Jürgen Klopp verstand es hervorragend gerade diese jungen Spieler in ein stabiles Mannschaftsgerüst einzubauen, das ihnen Sicherheit gibt, aber auch genügend Freiraum lässt, um ihre Stärken voll auszuspielen. Zu Klopps persönlichen Stärken zählt indes die immense Leidenschaft, mit der er seinen Beruf lebt. Genau diese Leidenschaft brach jüngst auch beim Auswärtssieg in Köln heraus. Zunächst wurde
der gebürtige Bad Cannstatter vom Unparteiischen wegen unbotmäßigem Verbalverhalten an der Seitenlinie auf die Tribüne  verbannt, von dort setzte er zu einem Siegesjubellauf an wie ihn die Liga wohl noch nie zuvor gesehen hat: Unaufhaltsam, wild und mitreißend – eben genauso wie sein Team auf dem grünen Rasen, das sich seit Wochen im Aufwind befi ndet. Einer der mit Sicherheit ebenfalls seinen Anteil am neuen Schwung der Borussen hat, ist Stürmer Lucas Barrios, genannt „La Pantera“, auf Deutsch: der Panther. Anfangs in der Bundesliga ob einiger vergebener Großchancen noch belächelt, treibt er heute seinen Gegenspielern
regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn. Neun Treffer und drei Vorlagen stehen für den Argentinier bis dato zu Buche. In Jürgen Klopps 4-2-3-1-System übernimmt Barrios die Rolle der zentralen Stoßspitze, hinter ihm wirbelt meist Nelson Valdez, der prächtig mit Barrios harmoniert. Überhaupt scheint dieser Tage so gut wie
alles zu stimmen beim Ballspielverein Borussia, der sich anschickt über kurz oder lang wieder auf Titeljagd zu gehen.

Top Facts

1 Nur gegen Werder Bremen mussten die Borussen in ihrer Bundesliga-Geschichte mehr Niederlagen hinnehmen als gegen den VfB, der bislang 37 Siege gegen Schwarz-Gelb einfuhr.
2 Mit Sven Bender im Team hat Dortmund noch nicht verloren. In elf Spielen mit dem Sommerneuzugang von 1860 München gab es neun Siege und zwei Unentschieden für die Klopp-Elf.
3 In den letzten vier Heimspielen gegen Dortmund holte der VfB nur vier von zwölf möglichen Zählern.
4 In der Bundesliga durfte die Gross-Elf zuletzt drei Siege in Serie feiern. Das gab es für den VfB zuletzt im Mai 2009. Der BVB hat sogar seine letzten sechs Begegnungen allesamt gewonnen, was zuletzt im vergangenen
Frühjahr gelang, als man sogar sieben Mal in Folge siegreich blieb.
5 Insgesamt ist das Klopp-Team seit zwölf Partien unbesiegt (neun Siege, drei Remis). Dies gelang den Bierstädtern innerhalb einer Saison zuletzt in der Meistersaison 2001/02 (damals 13).
6 Jens Lehmann gehört zum Kreise derer, die in ihrer Karriere sowohl für den FC Schalke als auch dessen großen Rivalen Borussia Dortmund aufliefen und zu den wenigen Spielern, die mit beiden Mannschaften einen
Titel gewinnen konnten. Außerdem erzielte er am 19. Dezember 1997 beim 2:2 im Revierderby ein legendäres Kopfballtor, das das erste Feldtor eines Torhüters in der Bundesliga überhaupt war.
7 Sieben der letzten acht Tore erzielten die Borussen noch vor dem Pausenpfiff.
8 BVB-Keeper Marc Ziegler begann seine Bundesligakarriere auf dem Wasen, wo er von 1995 bis 1999 41 Einsätze im Trikot mit dem roten Brustring absolvierte.

Gesamtbilanz:

83 Spiele, 37 VfB-Siege, 19 Unentschieden und 27 BVB-Siege, bei einem Torverhältnis von 140:124 für
den VfB Stuttgart.

Heimbilanz des VfB gegen BVB:  25 VfB-Siege, 8 Unentschieden und 8 Heimniederlagen bei einem Torverhältnis von 84:47 für den VfB Stuttgart.

(Stadion Aktuell;vfb.de)

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