2. November 2018

Cannstatter Chaos-Club

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:07

So lautete das Motto der großen Choreographie vor dem vorletzten Heimspiel gegen Werder Bremen, aus dem der bis dato einzige Saisonsieg resultierte.

Dass man als Tabellenschlusslicht, wenn man das Kunststück fertig bringt, von bislang zehn Pflichtspielen in sieben davon torlos zu bleiben, und als erstes Team der Bundesliga in der noch jungen Saison den Trainer wechselt, von der Presse nicht gerade zimperlich behandelt wird, liegt in der Natur der Sache.

Dass aber der neue Hoffnungsträger Markus Weinzierl nach zwei 0:4-Pleiten gegen zwei Championsleague-Teilnehmer schon ein Fehlstart angedichtet wird und hineininterpretiert wird, der Trainer-Effekt sei bereits verpufft, halte ich für weit hergeholt.

Diesen Fehlstart hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die Korkut gewähren ließ und ihn schließlich viel zu spät entließ. Natürlich kann man einwerfen, Korkut hätte die beiden Spiele auch nicht schlechter coachen können, womöglich sogar mit weniger Gegentoren verloren, doch, das ist hypothetisch und brächte uns auch nicht wirklich weiter.

Weinzierl hatte nicht nur mit den Gegnern zum falschen Zeitpunkt Pech, auch die Spielverläufe müssen den „Neuen“ doch in den Wahnsinn treiben. Gegen Dortmund konnte er sein Konzept bereits nach zwei Minuten in die Tonne kippen, in Sinsheim nach 8 Minuten. Für die Unterzahl hat der VfB in Sinsheim eine ordentliche erste Halbzeit, wohl die beste der bisherigen Saison, gespielt und fiel dann nach dem Wechsel in seine Einzelteile auseinander. Das viel zitierte Spielglück war nicht auf unserer Seite, so dass es völlig verfrüht wäre, den Kopf in den Sand zu stecken.

Mir gefällt Weinzierl bislang, auch mit welcher Locker- aber auch Klarheit er die Pressekonferenzen absolviert. Im Gegensatz zu Vorgänger Korkut, der zwar viel stammelte, aber wenig sagte, hat man bei Weinzierl den Eindruck, dass er mit seiner lockeren aber doch bestimmten Art auch auf das Team überzeugend einwirken kann und sich etwas bewegt.

Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Erfolge einstellen und dann auch nach und nach die Verletzten zurückkehren. Ob heute schon das Glück auf unserer Seite ist und wir endlich mal in Führung gehen oder erst nächste Woche in Nürnberg, wir werden sehen. Jetzt bereits den Trainer anzuzählen wäre absurd, denn, er ist der, der am wenigsten für die Misere kann.

Diese hat sich die Vereinsführung zuzuschreiben. Natürlich waren wir, ich ja auch, im Sommer sehr guter Dinge, dass Reschke gut eingekauft hatte und Korkut genug Zeit gehabt hat, aus dem Personal eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Auf dem Papier lesen sich die Namen ja auch toll, ob sie charakterlich passen, ob sie gesund sind und ob der Trainer überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann, dies zu hinterfragen und zu beurteilen ist aber doch Aufgabe der Verantwortlichen.

Offensichtlich passt es vorne und hinten nicht. Wenn man liest, dass Didavi mit den Problemen an der Achillesferse bereits aus Wolfsburg gekommen und es somit nicht verwunderlich ist, dass er selten einsatzbereit ist, muss man sich schon fragen, ob sie da unten noch alle haben, auf dieser elementar wichtigen Position auf einen Invaliden zu setzen. Ich mag Didavi unheimlich gerne und habe mich über dessen Rückkehr sehr gefreut, doch, unter diesen Umständen hätte ein verantwortungsvoll handelnder Sportdirektor und der Arzt, der den Medizincheck durchführte, Abstand nehmen müssen, den Transfer zu tätigen.

Welche Rolle Castro einnehmen soll(te), ist mir auch noch nicht so ganz klar. Mit seiner Vita erhebt er doch sicher einen Führungsanspruch im Team. Lassen das aber die Gestandenen, allen voran ein Gentner, überhaupt zu, dass hier ein neuer König ins Team drängt, der größer zu werden droht als man es selbst ist?

Ähnlich verhält es sich mit den jungen Wilden, die man dazu geholt hat. Alles ambitionierte Talente, doch, die Frage ist, hat einer der Arrivierten überhaupt ein Interesse daran, dass diese sich verbessern und an ihrer Stelle spielen oder hält man sie nicht bewusst klein?

Dies scheint noch immer das Kardinalproblem des VfB und die Wurzel des Übels der unzähligen Trainerwechsel der letzten Jahre zu sein, dass Neuzugänge bei uns eher schlechter werden und schneller die Lust verlieren, wie der Transfer eingetütet war.

Hat man dazu noch einen schwachen Trainer, wie es Korkut offensichtlich war, der lieber den Weg des geringsten Widerstands wählt und diesem Treiben keinen Einhalt gebietet, um bei den vermeintlichen Führungsspielern nicht anzuecken, kommt eben das heraus, was wir Woche für Woche bestaunen dürfen. Elf Einzelspieler, keine Mannschaft, und ein vogelwildes Auftreten in allen Mannschaftsteilen.
Dass der Trainer hier den falschen Ansatz wählte, hätte Reschke, der ja immer so nah dran ist, merken und schon aus ureigenem Interesse, nämlich dass seine Neuzugänge zünden, vehement dazwischen grätschen müssen. Ich bleibe dabei, spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut weggemusst, was den Start von Weinzierl wohl um einiges leichter gemacht hätte.

So steht jetzt unweigerlich Reschke in der Kritik, der nicht nur die Fans als ahnungslose Vollidioten betitelt hat, sondern auch noch unverhohlen lügt. Zudem wird der VfB AG inzwischen vorgeworfen, dass man seit der Ära Mayer-Vorfelder keinem auf dem Wasen mehr eine solche Machtfülle eingeräumt hat, wie sie Reschke wohl genießt.

Der freie Journalist Oliver Trust konfrontierte den Aufsichtsratsvorsitzenden und Vereinspräsidenten Wolfgang Dietrich letzten Sonntag bei Sport 1 mit diesem Vorwurf, worauf Dietrich in gewohnt dünnhäutiger Manier reagierte. Mit dem einen oder anderen Vorwurf mag Trust übers Ziel hinausgeschossen sein, doch, was haften blieb, war, dass es in der AG vorne und hinten nicht stimmt. Dass es beim VfB keine One-Man-Shows mehr geben dürfe, hatte seinerzeit schon Robin Dutt angemerkt und viel Beifall dafür erhalten, nachdem er Fredi Bobic abgelöst hatte.

Nun, erst gute drei Jahre später haben wir sie wieder und zwar in einer noch nie dagewesenen Form. An der Spitze stehen mit Dietrich, dem Trust in Sachen Fußball-Kompetenz Ahnungslosigkeit vorwarf, ein Sonnenkönig, der andere Meinungen nicht akzeptiert und mit Reschke ein Sportdirektor, der erstmals in der ersten Reihe steht und Interview für Interview unterstreicht, weshalb man ihn bislang nicht auf die Öffentlichkeit losgelassen hat. Da wünsche ich mir doch den smarten Jan Schindelmeiser zurück, dessen Entlassung Dietrich noch immer nicht plausibel begründet hat.

Dass Trust mit seinen Vorwürfen in Richtung Vereinsführung bei manchem offene Türen einrannte, offenbart, dass Guido Buchwald nun aus der Deckung trat und unter der Woche scharf aus der Hüfte schoss. Er kritisierte die Vertragsverlängerung mit Tayfun Korkut und eben auch, dass es in der Vereinsführung an Sportkompetenz fehle. Ausgerechnet Buchwald bin ich geneigt zu sagen. Es klingt sehr nach verletzter Eitelkeit von einem, der es beim VfB in diesem Leben wohl zu nichts mehr bringen wird, außer eben zu einem einfachen Aufsichtsratsmitglied.

Als Aufsichtsrat Interna an die Öffentlichkeit zu tragen, damit hatte sich bereits Hansi Müller sein eigenes Grab geschaufelt. Wenn Dietrich dazu anmerkt, dass diese Vorwürfe von Buchwald Thema der nächsten AR-Sitzung seien, darf daraus geschlossen werden, dass Buchwalds Tage beim VfB ebenso gezählt sind.

Jedoch, bestimmt steckt auch bei Buchwalds Worten ein Fünkchen Wahrheit. Interessant dabei, dass auch ihm offensichtlich die Rolle, die Thomas Hitzlsperger spielt, nicht so ganz klar zu sein scheint. Er wird gerne als Sympathieträger vor den VfB-Karren gespannt, seine Kompetenz herausgestrichen, doch, was er genau mitzubestimmen hat, außer dass er der Gute-Laune-Onkel für die Jungs im Nachwuchsleistungszentrum ist, hat sich auch mir noch nicht so recht erschlossen.

Auch das Mitbestimmungsrecht des Aufsichtsrats erscheint nun in einem anderen Licht. Es ist mir schon klar, dass der Aufsichtsrat per Definition ein reines Kontrollorgan ist und sich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten hat. Doch, beim VfB ticken die Uhren eben anders. Der Aufsichtsrat hat sich selten herausgehalten und tut es auch heute nicht, wie die öffentliche Präsenz dessen Vorsitzenden unterstreicht. Bei der Schindelmeiser-Entlassung wurde Einstimmigkeit des Aufsichtsrats und Alternativlosigkeit vorgegaukelt, um von Dietrich bei Sport 1 erklärt zu bekommen, dass es noch ein (im Organigramm wohl nicht auftauchendes) Gremium, besetzt von Dietrich, Porth und Reschke, gäbe, das Entscheidungen treffe, „wenn diese schnell getroffen werden müssten“, so wohl die Korkut-Entlassung am (übrigen) Aufsichtsrat vorbei.

Es scheint so zu sein, als spiele der VfB schon seit der erfolgreichen Ausgliederungs-Mitgliederversammlung ein falsches Spiel. Zu lügen, dass sich die Balken biegen, wurde von den handelnden Personen salonfähig gemacht, schließlich kann man im schmutzigen Geschäft Profifußball selten die Wahrheit sagen, so will man uns weismachen.

Angefangen damit, dass man mit der Entlassung von Schindelmeiser erst herausrückte, als die Einspruchsfrist bzgl. der Ausgliederung verstrichen war und dass man uns bis heute nicht die Wahrheit gesagt hat. Dabei stand dem Vernehmen nach lang vor der (offiziell verkündeten) Schindelmeiser-Entlassung fest, dass Dietrich seinen Spezi Reschke holen möchte, hat Reschke doch bereits im Juni bei den Bayern um die Auflösung seines Kontraktes ersucht.

Dieses Gebaren zieht sich durch die Amtszeit Dietrichs wie ein roter Faden und ist das, was am Ende von seiner Amtszeit (hoffentlich kein weiterer Abstieg, hoffentlich auch kein (regionaler) chinesischer Investor) hängen bleiben wird. Den Kader, von dem man so überzeugt gewesen ist, will Dietrich indes im Winter aufbessern, damit auch die letzte Kohle, die die Ausgliederung in die Kassen spülte, verballert wird. Bislang hat man diese ja hauptsächlich in ein Gnadenbrot für Alt-Stars ohne Wiederverkaufswert gesteckt, das hat sich manch einer, der für „Ja“ stimmte, bestimmt anders vorgestellt.

Der VfB entpuppt sich einmal mehr als DER Chaosverein mit katastrophaler Außendarstellung. Gerade jetzt kommen solche Nebenkriegsschauplätze zur Unzeit, wünscht man es Weinzierl doch, dass er einigermaßen unbelastet an seine Aufgabe herangehen kann und ihm diese nicht schon in seinen ersten Wochen vom „schwierigen Umfeld“ erschwert wird.

Der VfB braucht auf Sicht wieder eine Identität, ein Wiedererkennungsmerkmal, für das er steht. Dieses erkennt momentan kein Mensch, seit der HSV in die Niederungen der 2. Liga verschwunden ist, wird kein Verein in der Bundesliga mehr mit Chaos assoziiert als der VfB. Daher gebietet es die sportliche Situation, dass sich alle beim VfB zurück nehmen und der Fokus allein aufs Sportliche gelegt wird.
Weinzierl ist die ärmste Sau und muss aus einem zu dünnen Kader (danke, Reschke!) mit etlichen Verletzten den Turnaround schaffen. Reschke, der ihm diese Situation (zu späte Korkut-Entlassung) und den zu dünnen Kader eingebrockt hat, sollte Weinzierl jetzt einmal vertrauen und dort den Hebel ansetzen lassen, wo er den Eindruck hat, dass es am meisten krankt.

Weinzierl sollte möglichst unbelastet und ohne vorgekaut zu bekommen, wer im Team wichtig zu sein hat, hier beginnen können. Ja, beginnen, denn, die Aufholjagd fängt ja jetzt erst an.

Dazu gehört es auch, der Ära Gentner endlich ein Ende zu bereiten und ihn draußen zu lassen, wenn er offensichtlich formschwach ist. Wenn mittlerweile selbst bei den Experten, siehe Sammer in dieser Woche, zur Achse des VfB nur noch meinen, Gentner gehöre dieser an, „er ist ja der Kapitän“, und nicht Leistung oder Wert der VfB-Ikone heraus gestrichen wird, sollte auch den Letzten klar werden, dass Vereinsliebe allein nicht genügen darf, Woche für Woche sein Unwesen auf dem Platz zu treiben. Dem VfB-Spiel, die wenigen herausgespielten Torchancen unterstreichen das, fehlt es an Geschwindigkeit, schon allein deshalb muss sich das Gerüst des Teams verändern, weg von der Rentnerband, hin zum (unbeschwerten) Jugendstil.

Jedes Mal, wenn es Gente drohte, an den Kragen zu gehen, war kurz darauf der Trainer weg, ich baue darauf, dass Weinzierl beim VfB etwas erreichen möchte und eventuellen Widerständen trotzt. Reschke täte gut daran, sich bei derartigen Entscheidungen herauszuhalten, schließlich ist Weinzierl wohl auch seine letzte Patrone.

Erstmals seit Wochen habe ich für heute ein gutes Gefühl! Freitagabend, Flutlicht, volles Haus und ein Gegner, der uns in der Vergangenheit meist gelegen hat. Ein guter Tag, den Bock umzustoßen, wenn, ja wenn nicht Leichtsinnsfehler oder sonstige Widrigkeiten wie bei Weinzierls ersten Spielen eintreten. Dann ist auch der beste Trainer machtlos.

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27. Dezember 2016

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nach der desolaten Vorstellung bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 war in Würzburg eigentlich Wiedergutmachung angesagt, wollte man den zahlreichen Anhang versöhnlich in die Winterpause entlassen.

Es stand das allererste Pflichtspiel bei den Würzburger Kickers an. Uns erwartete, wie schon so oft in dieser Zweitligasaison, ein gefühltes Pokalspiel an einer Stätte, an der man sich vor Monaten noch kein VfB-Ligaspiel hätte vorstellen können.

Das Stadion am Dallenberg darf nur mit Ausnahmegenehmigung als Spielstätte für die 2. Liga herhalten und wurde im Sommer bereits teilumgebaut, um die Übergangsauflagen erfüllen zu können. Die Zuschauerkapazität wurde auf ein Fassungsvermögen von 13.100 aufgestockt, zudem die obligatorische Rasenheizung eingebaut. Sofern die Würzburger Kickers dem bezahlten Fußball erhalten bleiben, muss das Stadion in den nächsten zwei bis drei Jahren auf mindestens 15.000 Zuschauer weiter ausgebaut werden.

Für das VfB-Spiel meldeten die Kickers mit 12.475 zahlenden Zuschauern „ausverkauft“, weil dieses Spiel als Hochsicherheitsspiel deklariert war und daher Pufferblöcke die beiden Fan-Lager trennten.
Nach ausgiebigem Frühschoppen mit einigen Freunden von den Taubertaler und Hohenloher VfB-Fans in der Wohnzimmer-Bar in Würzburg ging es mit der Straßenbahn zum Stadion. Wir hatten dieses Mal einen Block auf der Gegengerade ausgewählt, im eigentlich neutralen Bereich, der jedoch nahezu komplett in VfB-Hand war. Der Einlass gestaltete sich langwierig und zäh, wie bei einem Hochsicherheitsspiel eben üblich.

Zu den üblichen Schikanen, wenn der Obrigkeit die Düse geht, gehört es, dass auch in den vermeintlich neutralen Bereichen nur alkoholfreie Plörre ausgeschenkt wird. Normalerweise vergewissere ich mich am Bierstand auch gleich, dieses Mal jedoch ließ ich mir ein Bier mitbringen und tat damit den sprichwörtlichen Griff ins Klo. Ein Schluck und sofort entsorgt, ungenießbar das Zeugs. Gerade in Bayern verwundert ein derart schikanöses Vorgehen ganz besonders, gilt Bier dort doch als Grundnahrungsmittel und ist Betriebsräten von Firmen, die den Gerstensaft aus Bierautomaten verdammen wollten, eine Klage vor Gericht wert. Doch, auch hier beweist es sich wieder, dass die Rechte von Fußball-Fans weit unter denen von Otto-Normalbürger angesiedelt sind und man es mit ihnen ja machen kann. Würzburg ist bei weitem nicht der einzige bayerische Verein, der mit uns Schwaben so verfahren ist, auch zuletzt in Ingolstadt und Augsburg gab es nur „bleifrei“.

Nicht, dass ich es nicht zwei Stunden „ohne“ aushalten würde, mir geht es da ums Prinzip, um die Gängelei, um die Pauschalverurteilung und darum, dass die Obrigkeit offensichtlich immer mehr Gefallen daran findet, dem Fußballfan das Erlebnis Stadionbesuch so unangenehm wie nur möglich zu machen.

Zu allem Überfluss folgte dann auch noch ein Spiel unserer Brustringträger, das man unter normalen Umständen mit Freunden am Bierstand eher nebenher verfolgt hätte, waren die Spieler doch offensichtlich mit ihren Gedanken bereits im Weihnachtsurlaub bei ihren Familien, rund um den Erdball verstreut.

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nein, das hat Hannes Wolf nach dem erbärmlichen Auftritt in Würzburg nicht von sich gegeben. Diese Aussage ist knapp 15 Monate alt und stammt von Alexander Zorniger, als er flehentlich darauf hinwies, was alles im Argen liegt und dass sich diese Missstände nicht von heute auf morgen beheben lassen. Zorniger war motiviert genug, den VfB nach vorn zu bringen, bekam diese Zeit aber (leider) nicht.

Das hat sich nun Hannes Wolf vorgenommen, fraglich ist, ob man ihm die notwendige Zeit einräumt, dieser Truppe das Phlegma auszutreiben, das stets dann um sich greift, wenn man die Möglichkeit hätte, den nächsten Schritt zu gehen.

Vor dem Spiel forderte Hannes Wolf eine Reaktion auf die Niederlage gegen Hannover 96, die mir in den Nachbetrachtungen noch viel zu gut weg kam. Schon da ließ der VfB alles vermissen, was einen Aufstiegsfavoriten auszeichnet, fehlte es an der Einstellung UND der fußballerischen Klasse, so dass unterm Strich eine hochverdiente Niederlage stand.

Wolf forderte, in Würzburg bräuchte es Männer auf dem Platz. Das Gegenteil war der Fall, elf Memmen, die nichts auf den Platz brachten, was es an diesem 4. Advent gebraucht hätte, stümperten der Winterpause entgegen.

Wirklich jedem war es klar, dass gegen die „ größte Kloppertruppe der Liga“ (Zitat von Jürgen Machmeier, Präsident des SV Sandhausen, letzte Woche) mit fußballerischer Leichtigkeit kein Blumentopf zu gewinnen sein würde, sondern dass dort andere Tugenden gefragt sein würden. Man hätte über den Kampf zum Spiel finden müssen, sich körperlich dagegen stemmen, und die Zweikämpfe annehmen müssen.

War das wirklich JEDEM klar? Nein, den Brustringträgern offensichtlich nicht! Da konnte sich Wolf den Mund fusselig reden, zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Wir sind ja so toll, wir sind der VfB, so die Denke der sich noch immer grandios selbstüberschätzenden Spezies VfB-Profi. Nein, ihr seid nicht toll, ihr, zumindest noch immer die Hälfte der „Mannschaft“, seid diejenigen, die den einst so stolzen VfB nach vierzig Jahren in die 2. Liga katapultiert habt und seid mit „Leistungen“ wie zuletzt ein logischer und ganz normaler Zweitligist.

Dem Team fehlte es in Würzburg einmal mehr an allem, was man von einem Profifußballer erwarten können darf. Wenn schon die fußballerische Klasse nicht ausreicht, ist es durchaus erlaubt zu kämpfen, sich zu wehren, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren und als Team aufzutreten. Da man sich nahezu kampflos ergab, weiß man, wie es um deren Ehrgefühl und Charakter bestellt ist, sonst hätte man nach dem furchtbaren Auftritt gegen Hannover ein anderes Gesicht gezeigt.

Der VfB, der erstmals im (hässlichen) grauen Auswärtstrikot auftrat, lief von Beginn an hinterher und kam während der gesamten neunzig Minuten zu keiner einzigen nennenswerten Torchance. Die Schwaben erlangten gegen den vermeintlich unterlegenen Underdog nicht einmal so etwas wie Spielkontrolle, weil dies überhaupt nicht möglich ist, wenn ständige Stock- und Abspielfehler zu schnellen Ballverlusten führen. Wenn man schon die Basics nicht beherrscht und man einen schlechten Tag erwischt hat, wäre es ratsam gewesen, einfach zu spielen und zu versuchen, sich ins Spiel hineinzubeißen und an Sicherheit zu gewinnen, anstatt immer und immer wieder zu versuchen, plump durch den Gegenspieler hindurch zu spielen.

Dazu fehlt es der Truppe nach wie vor an Grips und daraus folgend am richtigen Spielverständnis, um ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, wenn es einmal nicht wie auf dem Reißbrett geplant, läuft.
Der VfB, ohne Abwehrchef Baumgartl (gesperrt) und Kapitän Gentner (grippegeschwächt auf der Bank) angetreten, ergab sich wehrlos in sein Schicksal, weil kein einziger da war, der das Spiel geordnet und Führungsqualitäten an den Tag gelegt hätte.

Hätte man nicht gewusst, wer in den roten Trikots steckte, man hätte den Favoriten darin vermutet. Den Roten sah man den Siegeswillen an, während es bei den in grau spielenden Stuttgartern eher anmutete, man wolle diesen letzten Fußballnachmittag des Jahres einfach nur hinter sich bringen. Williger, bissiger, spritziger und auch torgefährlicher kauften die Unterfranken dem VfB schnell den Schneid ab. Da die Kickers auch noch giftiger in den Zweikämpfen waren, keinen Respekt zeigten oder gar in Ehrfurcht erstarrten, lief das Spiel von der ersten Minute an in Richtung der Würzburger.

Es ist extrem ärgerlich, dass man sich nach dem Debakel bei Dynamo Dresden ein zweites Mal von einem Aufsteiger vorführen ließ und sich auch in Würzburg über eine höhere Niederlage nicht hätte beklagen dürfen.

Advent, Advent, der Baum der brennt. Nach einer zumindest von der Punkteausbeute her bis zum 15. Spieltag passablen Vorrunde, hatte es der VfB in der Hand, sich eine formidable Ausgangsposition im Kampf um den Aufstieg zu schaffen und als Herbstmeister zu „überwintern“.

Doch, Christian Genter lässt grüßen, wollte man das überhaupt? Ist es nicht vielleicht die Denke der ganzen „Mannschaft“ und Christian Gentner trägt sie als Kapitän nun mal an die Öffentlichkeit, dass man sich in der Verfolgerrolle wohler fühlt als auf dem Platz an der Sonne? Für Leistungssportler wäre das eine fatale Einstellung, schließlich ist im Sport der Zweite schon der erste Verlierer.

Wie die „Mannschaft“ gegen Hannover und in Würzburg aufgetreten ist, offenbarte einmal mehr, dass jedwede Höhenluft dieser Truppe mehr schadet, als dass sie sie zu weiteren Großtaten anstacheln würde. Nach der Eroberung der Tabellenspitze in Aue begab sich die „Mannschaft“ in den Urlaubsmodus und dachte offensichtlich, sie habe ihre Schuldigkeit getan.

Wenn Wolf aus diesem Konzentrations- und Leistungsabfall Schlüsse ziehen möchte, dann eventuell diesen, darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, nach Würzburg noch eine Trainingswoche anzusetzen und den Spielern in Aussicht zu stellen, dass man dies bei entsprechenden Leistungen zum Abschluss noch einmal überdenken könne. Eine derartige Maßnahme würde zur Teambildung beitragen und den einen oder anderen Profi zu mehr Konzentration bis zum Schluss anstacheln.

Möchte man aus dieser Schmach etwas Positives ziehen, dann das, dass es für Jan Schindelmeiser keine bessere Steilvorlage hätte geben können, den Kader im Winter noch einmal durchzumischen und teamintern jeden Stein umzudrehen.

In Würzburg wurde einmal mehr schonungslos offen gelegt, wie fragil das VfB-Gebilde nach wie vor ist und dass es an Spielern, die bedingungslos bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, mangelt. Deswegen sind wir abgestiegen, dieses Phänomen, dass der absolute Willen, alles für den Verein zu geben, fehlt, wurde auch durch die zahlreichen Abgänge und Neuzugänge nicht aus dem Innersten der „Mannschaft“ verbannt.

Wolf und Schindelmeiser legen den Finger in die Wunde und wissen um die Schwachstellen, die Wurzel dieses Übels zu finden und zu entfernen, da haben sich schon etliche Vorgänger die Zähne daran ausgebissen. Für mich befindet sich der VfB, was das angeht, erstmals seit langem auf einem guten Weg. Nach Bobic und Dutt, die eher alte Weggefährten um sich scharten und denen ein heimeliges Gefühl wichtiger war als der Leistungsgedanke, ist Schindelmeiser dabei, diesen Missstand zu korrigieren. Auch der neue Präsident Dietrich schlug bereits in dieselbe Kerbe und forderte eine bessere Leistungskultur im gesamten Verein.

Wenn hier konsequent geforscht und wirklich JEDER hinterfragt wird, ob er auf dem Posten, den er einnimmt, richtig aufgehoben ist und wirklich alles für den Vereinserfolg zu geben bereit ist, wäre ein großer Schritt getan. Es scheint noch zu viele im Funktionsteam und sonstige Amt- und Würdenträger im Verein zu geben, denen die kostenlose VIP-Karte im Neckarstadion wichtiger zu sein scheint, als der Erfolg des VfB, so dass weiterhin eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.

Die Wohlfühloase VfB muss endlich, für alle, nicht nur die Spieler, der Vergangenheit angehören, möchte man langfristig ein Leistungsklima schaffen, das die Guten und Leistungsbereiten fördert und die Bequemen aussortiert. Gerade wenn es darum geht, langjährige (aktuelle und ehemalige) Klub-Ikonen als „faule Äpfel“ erkannt zu haben, benötigt Jan Schindelmeiser die bedingungslose Unterstützung seiner Vorstandskollegen und von Präsident Dietrich. Wird ihm diese nicht zuteil, werden Intrigen und die Vetterleswirtschaft zu Lasten des Vereins ewig weiter gehen.

Auch vom Funktionsteam würde ich mir erwarten, dass diese Insider das Kind beim Namen nennen und der Vereinsführung mitteilen, was teamintern im Argen liegt. Man hört seit Jahren immer wieder heraus, dass es in der „Mannschaft“ nicht stimmen würde, Grüppchenbildung vorherrsche, der eine oder andere gemobbt werden würde und es Neuzugänge immens schwer haben würden, sich zu integrieren und an der vorhandenen Hierarchie zu rütteln. Das ist alles andere als erfolgs- und leistungsorientiert, wenn immer noch Störfaktoren vorhanden sind, die gar nicht daran interessiert sind, dass ein echtes Team zusammenwächst.

Will man, wie Schindelmeiser sie fordert, zu einer Leistungskultur und Winner-Mentalität zurückkehren, darf NIEMAND von einer schonungslosen Analyse verschont werden. Wofür beschäftigt man zum Beispiel (wieder) einen Teampsychologen, wenn man am Verhalten der Spieler auf dem Platz keine Änderung feststellen kann. Wenn sein Dienst auf freiwilliger Basis von den Problemfällen nicht in Anspruch genommen wird, sollte man Gruppensitzungen ansetzen, um gemeinsam zu ergründen, weshalb der Teamgedanke trotz ständig wechselnden Personals seit Jahren immer noch nicht in die Mercedesstraße eingezogen ist.

Für mich verkörpert in der „Mannschaft“ nach wie vor hauptsächlich der Kapitän das fehlende Leistungsklima und das Festhalten an Erbhöfen der Vergangenheit. Gentner (in Würzburg freilich erst spät eingewechselt) ist weder DER Leader auf dem Platz noch wegen seiner Leistungen über jeden Zweifel erhaben. Er bekleidet die wichtigste Position im modernen Fußball und bringt dafür insgesamt zu wenig mit. Als Umschaltspieler muss er sowohl Staubsauger vor der Abwehr wie auch Schwungrad für eigene Angriffe sein. Beides erfüllt er meines Erachtens nur mangelhaft. Ihm kann zwar durchaus Fleiß attestiert werden, weil er viel läuft, oft aber eben nicht richtig.

Defensiv weist er in den wichtigsten Statistiken, Pass- und Zweikampfquote, extrem schwache Werte auf. Zudem fehlt ihm das Gespür, wann Tempo herauszunehmen ist und wann schnelle Angriffe eingeleitet werden müssen. Zudem fehlt ihm die Risikobereitschaft, so dass er für mich ein Alibifußballer wie er im Buche steht ist und meist eher den Quer- oder Rückpass wählt, als dass er versucht das Spiel schnell zu machen, wenn die Möglichkeit gegeben wäre. Dazu fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit. Und, wenn es im Team schlecht läuft, ist er der erste, der untertaucht oder zur allgemeinen Verunsicherung beiträgt, wenn er überhastet schlampige Pässe spielt und seine Mitspieler damit in Bedrängnis bringt.

Dass er als DAS Gesicht des Abstiegs (neben Wahler, Dutt, Kramny) noch immer Kapitän und Stammspieler (mit vermeintlicher Stammplatzgarantie) ist und einem radikalen Neuaufbau damit im Wege steht, kann nur damit zusammenhängen, dass seine Hausmacht noch immer groß genug ist. Paradox mutet es hier schon an, dass nach dem Abstieg alle unsere „guten“ Spieler Begehrlichkeiten weckten, dem Vernehmen nach aber niemand wegen Gente angeklopft hat.

Dass Dutt während seiner letzten Zuckungen als VfB-Sportdirektor Gentner noch einen Rentenvertrag geben durfte, darüber habe ich mich schon öfter mokiert, weil ebenso unnötig (Vertrag lief noch ein Jahr) wie auch zum damaligen Zeitpunkt unverständlich. Auf der einen Seite war es sicherlich ein Faustpfand für Dutt, DER (vermeintlichen) Führungspersönlichkeit ein Treuebekenntnis, auch im Fall des Abstiegs, abzuringen, auf der anderen Seite aber spricht diese Maßnahme nicht gerade dafür, dass Dutt an einer schonungslosen Analyse, wie es zum Absturz kam, interessiert gewesen war.

Dass Gentner sich zwar aus Teilen des Fan-Lagers ständiger Kritik ausgesetzt sieht, der Stuttgarter Blätterwald jedoch meist sehr gnädig mit ihm umspringt, kann zum einen bedeuten, dass die Fans alle keine Ahnung haben oder aber auch, dass jemand ein Interesse daran hat, dass sich an den Zuständen beim VfB nichts ändert. Es ist jedenfalls schon auffällig, wie ein Alexander Zorniger seinerzeit fast herausgeschrieben wurde und wie handzahm mit Gentner umgegangen wird. Es kann schon nützlich sein, wenn man „seine“ Leute am richtigen Fleck sitzen hat…

Welche Rolle Gentners Berater Jürgen Schwab, der beim VfB seit Jahren ein und aus geht, spielt, auch darüber kann ich nur spekulieren. Immer wieder beklagen Vereine sich darüber, dass Spielerberater zu großen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen würden. Jürgen Schwab, seines Zeichens Inhaber der Spieleragentur BMS Sportconsulting und bester Freund von Fredi Bobic, hatte schon zur Zeit, als Bobic als Sportdirektor fungierte, mutmaßlich großen Anteil daran, dass Sven Ulreich über Jahre Stammkeeper war und ernsthafte Konkurrenz für ihn unerwünscht war. Als einer wie Bernd Leno heranwuchs, verkaufte man diesen lieber umgehend, bevor man überhaupt einen Konkurrenzkampf und/ oder eine Torwartdiskussion zuließ und Zweifel an Ulles Position hätten aufkeimen können.

Wie im Fall von Sven Ulreich schien man in den letzten Jahren auch nie an ernsthafter Konkurrenz für Christian Gentner interessiert gewesen zu sein. Waren Hoffnungsträger da, wie z. B. ein Zdravko Kuzmanović, wurden diese klein gehalten und weggemobbt.

Es ist beileibe nicht so, dass ich persönlich etwas gegen Gente hätte. Er ist ein sympathischer Kerl und trägt den Brustring im Herzen, zumindest Letzteres wie wir alle, aber, auf dem Platz ist er für mich ein Hemmschuh und steht eher für die Schlafwagenabteilung als für den Wolf’schen Angriffsfußball.

Seit Hannes Wolf antrat, musste er mehr die bestehenden Missstände verwalten als dass er groß etwas verändern hätte können. So änderte sich auch an der Stellung Gentners als absolutem Leader dieser „Mannschaft“ nichts. Zum einen sicherlich der Situation geschuldet, dass der Kader gerade im Mittelfeld zu wenig Alternativen bietet, zum anderen sicherlich aber auch, weil er dem ohnehin schon sehr fragilen Gebilde nicht auch noch das Herzstück entreißen wollte.

Außerdem könnte es eine Rolle gespielt haben, dass Gentner von außen als DAS Gesicht dieses VfB und äußerst beliebt wahrgenommen wird und sich ein Newcomer erst einmal vor der Reaktion des Umfelds scheuen könnte, DIE Integrationsfigur abzusägen. Bei letzterem kann ich ihn, wie oben bereits erwähnt, beruhigen. Unter uns Fans ist die Wahrnehmung über ihn pari, so meine Einschätzung. Die einen halten ihn für unverzichtbar, andere sehen in ihm DAS Problem des VfB überhaupt, so dass es „den“ Fans ohnehin nicht recht zu machen wäre.

Dass Gente auch bei Wolf nicht über jeden Zweifel erhaben ist, äußerte sich immerhin darin, dass er zuletzt ein paar Mal ausgewechselt wurde, was man zuvor überhaupt nicht gewohnt war.

Wolf steht für Ballbesitzfußball, frühes Pressen und schnelles Umschaltspiel, was er der Truppe bisher nur bedingt eintrichtern konnte. Die Flexibilität, die er von seinen Spielern einfordert und die sich auch in seinen Aufstellungen ausdrückt, ist noch nicht ausreichend vorhanden, sein Credo, dass seine Spieler auf dem Platz selbständig Entscheidungen treffen, ebenso nicht.

Außer im konditionellen Bereich wird das Hauptaugenmerk während der Winterpause wohl darauf gelegt werden, dies zu trainieren. Ob Wolf, Stand jetzt, die richtigen Spieler für seine Vorstellungen hat, ist fraglich.

Gerade was spielintelligente Spieler im zentralen Mittelfeld angeht, die unter Höchstbelastung auch noch wissen was zu tun ist und nicht zu schnell den Kopf verlieren, dürfte Wolf aus Dortmund verwöhnt sein, wenn man an die Herren Kehl, Bender, Gündogan, Weigl und einige andere denkt, die sich dort die Klinke in die Hand gaben. Bei Gentner habe ich die erwähnten Zweifel, Zimmermann ist für mich nicht mehr als ein Ergänzungsspieler, Pavard in der Abwehr besser aufgehoben und Hosogai zwar ein verlässlicher Arbeiter, aber kein Leader und zudem verletzungsanfällig.

Führungsspieler müssen sich entwickeln, was jedoch von innen heraus schwierig ist, wenn sich alles auf Gentner fokussiert und an ihm als Denkmal seit Jahren nicht gerüttelt wird.

Noch schwieriger als Führungsspieler selbst zu entwickeln, ist es für einen nicht auf Rosen gebetteten Zweitligisten jetzt im Winter einen geeigneten Spieler aus seinem laufenden Vertrag herauszukaufen.
Einen Glücksgriff, wie ihn Horst Heldt seinerzeit mit Pavel Pardo landete, davon träume ich zwar, halte diesen Traum aber selbst nicht für realistisch.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie man staunte, als Heldt nach der WM 2006 mit zwei Mexikanern, den allerersten in der Bundesliga überhaupt, ankam und man sich erst einmal mit den neuen Gesichtern vertraut machen und sich in ihre Vita einlesen musste.

Neben Ricardo Osorio unterschrieb „El Comandante“ Pavel Pardo, der als der Franz Beckenbauer Mexikos galt, in der Neckarmetropole. Diese Wertschätzung widerfuhr Pardo nicht nur deswegen, weil er Rekordnationalspieler seines Landes war, sondern vor allem deswegen, weil seine elegante Art Fußball zu spielen und seine Spielübersicht an Kaiser Franz erinnerten. Pardo wurde durch seine herzliche, offene Art, wie Osorio ja auch, von allen auf Anhieb ins Herz geschlossen und tat sich vor allem als tadelloser Sportsmann und Musterprofi hervor. Er war nicht der Typ Söldner, der über den großen Teich wechselte, (nur) um Millionen zu scheffeln, sondern zeigte sich interessiert an Stadt und Verein und brachte sich bestmöglich ins Team ein. Da zudem auch seine Leistungen und seine Führungsstärke auf dem Platz überzeugten, werden wir ihn, nicht nur wegen der Meisterschaft 2007, stets in bester Erinnerung behalten.

Dieser Transfer saß und legte offen, dass es zwar Glück braucht, charakterlich einwandfreie Typen für den Verein zu gewinnen, es aber auch nicht gänzlich unmöglich ist.

In Würzburg fehlten einige der vermeintlichen Führungsspieler zudem noch. Timo Baumgartl schwang sich in den letzten Wochen und Monaten zum Abwehrchef auf und ist für mich eine der wenigen Hoffnungen für die Zukunft. Wenn man immer auf der Suche nach einer Achse, bestehend aus Torwart, Abwehrchef, Mittelfeldregisseur und Stoßstürmer ist, ist er für mich in dieser gesetzt. Auch was den Stoßstürmer angeht, ob Simon Terodde oder Daniel Ginczek, sind wir ordentlich aufgestellt.

Bei Mitch Langerak bin ich hin- und hergerissen. Er ist bärenstark auf der Linie, in Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung derzeit jedoch eher eine Version Ulreich Reloaded. Ich hoffe, er fängt sich wieder, sonst kommen wir in den nächsten Monaten um eine neuerliche Torwartdiskussion nicht herum.

Florian Klein erhebt aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung den Anspruch Führungsspieler zu sein, dem entgegen stehen seine „Leistungen“ auf dem Platz. Er ist der Typ Söldner, der mangels Angeboten seine Zeit beim VfB absitzt und wohl weg sein dürfte, wenn ihm jemand mehr als der VfB bezahlt.

Kevin Großkreutz besticht derzeit mehr als Socialmedia-König (in Konkurrenz zu Emiliano Insúa) als auf dem Platz und wird sich steigern müssen, möchte er seinen Stammplatz nicht gefährdet sehen.

Als er im letzten Winter von Galatasaray Istanbul an den Neckar wechselte, begann er verheißungsvoll und hatte großen Anteil an der Aufholjagd zu Beginn der Rückrunde. Der Wendepunkt kam dann beim Spiel in Ingolstadt (3:3), als er sich trotz offenkundiger Muskelverletzung nicht auswechseln ließ. Dieser übertriebene Ehrgeiz, der „Mannschaft“ helfen zu wollen, rächte sich schließlich, aus einem möglicherweise „nur“ Muskelfaserriss wurde ein Muskelbündelriss, sein vorzeitiges Saisonende war bereits ausgerufen. Doch, Großkreutz wäre nicht Großkreutz, hätte dieser an der Stelle schon aufgegeben. Er kämpfte sich heran und meldete sich zum vorletzten Saisonspiel gegen Mainz 05 einsatzbereit, eine Fehleinschätzung, an der er (und wir) bis heute zu knabbern haben. Die Vorbereitung konnte er nur halbwegs mit bestreiten, so dass ihm die erforderliche Fitness für sein kampfintensives Spiel bis zuletzt gefehlt hat und er daher nur selten eine echte Hilfe für unser Spiel darstellte. In den letzten Wochen kam noch hinzu, dass er in Gedanken bei seiner noch in Dortmund lebenden hochschwangeren Ehefrau war, was ihn zusätzlich notwendige Konzentration gekostet haben dürfte. Nun ist sein Töchterchen da und er kann seinen Akku neu aufladen, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir im neuen Jahr wieder den alten Kevin Großkreutz erleben und noch viel Freude an ihm haben dürfen.

Bis die „Mannschaft“ bundesligareif ist, muss sich personell noch einiges tun, wenngleich ich dennoch davon überzeugt bin, dass der Aufstieg gelingen wird, weil die 2. Liga personell nichts Besseres als den VfB zu bieten hat. Der VfB kann nachbessern und wird nachbessern, zudem wird die erste Vorbereitung unter Cheftrainer Wolf die „Mannschaft“ weiter bringen, so dass ich nicht wüsste, welche zwei oder drei Vereine am Ende vor uns stehen sollten, wenn der VfB nur annähernd sein Potential ausschöpft.

Für aufstiegsreif halte ich die „Mannschaft“ zwar schon jetzt, für bundesligareif jedoch noch keineswegs. Sollte der Aufstieg gelingen und der VfB eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wollen, muss sich die Mentalität der „Mannschaft“ grundlegend ändern. Es müssen Typen her, die gewillt sind, sich jedes Ergebnis jede Woche aufs Neue erarbeiten zu wollen, und es müssen jene aussortiert werden, die nicht mitziehen und den Teamerfolg gefährden.

Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber, es ist möglich. Der 1. FC Köln ist für mich diesbezüglich ein Paradebeispiel. Stöger und Schmadtke bringen mittlerweile eine Mannschaft auf den Platz, die in nahezu jedem Spiel über 90 Minuten und nicht nur phasenweise konzentriert zu Werke geht und selbst für die Großen schwer zu bespielen ist, weil die Mannschaft im Kollektiv diszipliniert zusammen arbeitet und kompakt auftritt.

Wolf und Schindelmeiser traue ich Ähnliches zu. Bislang gibt es an den Transfers von Jan Schindelmeiser nichts zu mäkeln, auch Julian Greens Verpflichtung sehe ich positiv. Er ist ein Spieler, der Potential hat und für den der VfB wohl die letzte Chance bietet, richtig durchzustarten, nachdem es beim HSV und den Bayern aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt hat. Sollte es beim VfB hinhauen, hätten wir bei den kolportierten 300.000 Euro Ablöse ein richtiges Schnäppchen gemacht, wenn nicht, Shit happens, das Risiko hielte sich in Grenzen.

Dieser Transfer spricht allerdings auch für einen Weggang von Alexandru Maxim, der es auch nach Didavis Abgang und beim x-ten Trainer nicht zur Stammkraft gebracht hat. Ihm würde eine Luftveränderung sicherlich gut tun, zu festgefahren scheint die Situation in Stuttgart zu sein für ihn.

Sein Abgang (bitte nicht unter Wert) würde Mittel freisetzen, um für die Schaltzentrale im Mittelfeld endlich nachzubessern. Dass zwischen Abwehr und Angriff eine riesen Lücke klafft, zeigte sich nicht nur in den beiden letzten Spielen, da aber ganz besonders. Ein Zwischenspieler mit gutem Zweikampfverhalten, gutem Stellungsspiel und dem Gefühl für die Situation würde dem VfB nicht nur gut tun, sondern wäre meiner Meinung nach sogar existentiell wichtig, um Stabilität ins Spiel zu bekommen und nicht durch jeden noch so kleinen Windstoß aus der Bahn geworfen zu werden.

Schindelmeiser erklärte nach dem Würzburg-Spiel, man müsse dem Kader Spieler mit dem Winner-Gen zuführen, und Hannes Wolf schlug in dieselbe Kerbe wie Alexander Zorniger, als er nach dem Spiel anmerkte „Die Verlässlichkeit, immer alles geben zu wollen, fehlt mir. Das gibt es beim VfB schon länger, diese Kultur des Alles-Gebenwollens ist untergegangen“.

Zum Jahresabschluss ist das so ziemlich das schlechteste (Armuts-)Zeugnis, das man Berufsfußballern, ihres Zeichens Leistungssportler, ausstellen kann, wenn ihnen die permanente Leistungsbereitschaft abgesprochen wird.

Hannes Wolf ist motiviert genug, diesem Haufen die Selbstverliebtheit und Selbstzufriedenheit auszutreiben. Die Frage ist jedoch, schafft Wolf das oder schafft die Truppe ihn?

Nach dem zweiten Kollektivversagen binnen sechs Tagen konnte man mal wieder den Eindruck bekommen, die „Mannschaft“ würde gegen den Trainer spielen, wenn sie seine Vorgaben so konsequent missachtet. Nachtigall, „ick hör Dir trapsen“, diese Geschichte wiederholt sich schließlich ständig beim VfB.

Wenig förderlich ist es dann, wenn Angestellte des Vereins, wie Ehrenrat Guido Buchwald, öffentlich die Reife von Greenhorn Wolf bemängeln und ihn als Risiko für den Verein ansehen. Gut, die BLÖD erschien mit dem Artikel reißerisch wie es eben ihre Art ist, Buchwald merkte immerhin noch an, das Risiko hätte man bei einem erfahreneren Trainer auch.

Der VfB hat es in den letzten Jahren mit sämtlichen Trainertypen versucht und nie nachhaltigen Erfolg gehabt, daher verbietet es sich schon von Grund auf, schon jetzt an Hannes Wolf zu zweifeln. Er ist zweifellos eines der größten Trainertalente, die der deutsche Markt hergibt und konnte bei zwei der besten ihrer Zunft, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, während seiner Dortmunder Zeit über deren Schultern schauen und sich mit ihnen austauschen.

Zudem ist Wolf seit elf Jahren bereits Trainer und hat sich von der Kreisliga B in die 2. Liga hochgearbeitet und hat damit jenen Eifer und Durchhaltevermögen nachgewiesen, den man sich von seinen Spielern auch wünschen würde.

Ich hoffe es sehr, dass man endlich mal einem Trainer vertraut und Quertreiber wie Buchwald ganz schnell an den neuen Verhaltenskodex (für ALLE Mitarbeiter) erinnert, der sicherlich auch beinhaltet, etwaige Kritik intern zu äußern. Buchwald hat weder als Trainer etwas erreicht noch hat er genügend Einblick in die Arbeit Wolfs, so dass sich dessen Kritik schon aus diesem Grund verbietet.

Wolf und Schindelmeiser genießen bei mir noch absoluten Welpenschutz, weil sie ihre eigentliche Arbeit erst jetzt beginnen. Zu den Zeitpunkten, als sie kamen, waren die Planungen weit fortgeschritten bzw. abgeschlossen, so dass sie bisher nur verwalten und wenig gestalten konnten. Diese Phase des Gestaltens beginnt im Winter im Kleinen und mit der Planung der neuen Saison dann im Großen.

Als Resümee der Vorrunde kann man konstatieren, dass wir auf dem Relegationsplatz zwar ordentlich da stehen, der VfB sich aber wird steigern müssen, möchte man direkt aufsteigen. Zehn Siege sind eine ordentliche Ausbeute, auch wenn die wenigsten davon überzeugend eingefahren werden konnten. Fünf Niederlagen bereits sind eindeutig zu viel und für den so oft zitierten FC Bayern der 2. Liga unwürdig. Es kristallisiert sich zwar keine Übermannschaft heraus und doch sollte man wachsam sein. Die letztjährigen Aufsteiger Freiburg und Leipzig beendeten die Saison mit sechs bzw. sieben Niederlagen, so dass es eigentlich jedem klar sein sollte, was die Stunde geschlagen hat und dass man sich allzu viele Ausrutscher nicht mehr leisten sollte.

Die Blutauffrischung im Kader, die im Sommer begann, muss im Winter, im Rahmen der Möglichkeiten, die der Markt hergibt, fortgesetzt werden. Weil sich an der grundlegenden Mentalität der Truppe, wie zuletzt erlebt, noch nicht grundlegend etwas geändert hat, wären die „richtigen“ Abgänge mindestens genauso wichtig, wie uns weiter bringende Neuzugänge. Spielern, die lediglich ihren Vertrag absitzen, sich aber mit den Zielen des Vereins nicht identifizieren und dabei schlechte Stimmung verbreiten, gehört ein Abgang ebenso schmackhaft gemacht, wie jenen, die uns fußballerisch nicht weiter bringen und lediglich den Kader aufblähen.

Jan Schindelmeiser wünsche ich dabei das glückliche Händchen, das er in Hoffenheim und bei seinen bisherigen Transfers für den VfB, schon unter Beweis gestellt hat.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf einige ruhige Tage ohne VfB-Niederlage, bin aber gleichzeitig bereits gespannt, mit welchen Personalien Jan Schindelmeiser uns womöglich überraschen wird.

Die Wartezeit bis zu einem weiteren Highlight der Zweitligasaison, dem Gastspiel am Millerntor beim FC St. Pauli, verkürze ich persönlich mir mit dem schon obligatorischen Besuch beim Mercedes-Benz Junior-Cup und kurz darauf dem Trainingslager in Lagos. Dort bin ich sehr gespannt darauf, wie Wolf mit der Mannschaft arbeiten wird und ob es schon dort das eine oder andere neue Gesicht zu begutachten gibt. Wäre schön, ein netteres Ambiente für den Einstand könnte ich mir kaum vorstellen.

Euch allen wünsche ich weiterhin schön Tage zwischen den Jahren und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Danke für Eure Treue und bis bald!

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3. November 2009

Interview mit Horst Heldt “Solche Auswüchse sind Gift”

Category: Presse — Tags: , , , , , , , – Franky @ 20:14
VfB-Manager Horst Heldt

VfB-Manager Horst Heldt

Vor dem morgigen Auftritt in der Champions League beim FC Sevilla nimmt Horst Heldt die Mannschaft in die Pflicht – und das Trainerteam in Schutz. Außerdem dementiert der VfB-Manager die Gerüchte um Jürgen Klinsmann und er ärgert sich über Guido Buchwald.

Herr Heldt, warum verliert der VfB morgen in der Champions League beim vermeintlich übermächtigen FC Sevilla nicht?

Weil ich hoffe, dass uns der leichte Aufwärtstrend nach dem 0:0 am Samstag gegen den FC Bayern genügend Kraft und Selbstvertrauen gibt. Es wäre schön, wenn wir in Sevilla punkten könnten – wobei wir nicht vergessen dürfen, dass dieser Gegner ein europäisches Spitzenteam ist.

Wie soll das mit dem Punkten klappen mit einer Mannschaft, der es immer wieder an der erforderlichen Disziplin mangelt?

Disziplin ist im Fußball das oberste Gebot. Diese Tugend zeichnet erfolgreiche Mannschaften aus – auf dem Platz und außerhalb davon. Aber weil wir gerade sportlich in einer sehr schwierigen Situation sind, haben wir hier keinen disziplinlosen Haufen.

Zu hören ist jedoch, dass es immer wieder Spieler gibt, die verspätet zu einem Treffpunkt erscheinen oder sich nicht an die vorgeschriebene Kleiderordnung halten. Sind das für Sie nur Kleinigkeiten?

Nein, wenn einer ausbüchst und sich nicht an die Spielregeln hält, wird er bestraft. Dafür gibt es einen Katalog, den das Trainerteam vorgibt. Denn in unserer Lage sind solche Auswüchse das reine Gift.

Müssten aber nicht auch Sie als Mitglied des Vorstands das Trainerteam unterstützen?

Das mache ich, wenn das im Strafenkatalog festgelegte Ausmaß der Verfehlungen überschritten wird.

Sie sprechen beispielsweise von Alexander Hleb, der nach der Pokalniederlage vor einer Woche in Fürth den Mannschaftsarzt Heiko Striegel attackiert hat?

Genau, Alex hat seine Strafe bekommen, und es war eine harte Strafe. Aber er hat sich danach sowohl bei der Mannschaft als auch bei Heiko Striegel persönlich entschuldigt. Deshalb bleibt da nichts zurück.

Sind die oft zu Gegentoren führenden Disziplinlosigkeiten auf dem Platz eine Folge der Disziplinlosigkeiten außerhalb davon?

Zwar existiert kein direkter Zusammenhang zwischen dem Tragen eines falschen T-shirts und einem Gegentreffer. Dennoch hat das eine etwas mit dem anderen zu tun. Beides ist eine Einstellungssache.

Dafür dass die Einstellung stimmt, sind auch die Cotrainer Rainer Widmayer und Alexander Zorniger verantwortlich. Anscheinend haben die beiden aber bei Teilen der Mannschaft einen schweren Stand. Es heißt, sie würden nicht ernst genommen, weil sie keine Profierfahrung besitzen.

Wenn das so wäre, dann wäre das kein Armutszeugnis für unsere Trainer, sondern für unsere Spieler. Aber es ist nicht so. Der Vorwurf, die Trainer wären nicht anerkannt, ist lächerlich. Mit Rainer Widmayer sind wir in der vergangenen Saison noch Dritter geworden, woran er einen gewiss nicht kleinen Anteil hatte. Und Alexander Zorniger bringt sich hier voll und ganz ein.

Dann können Sie sicher sagen, dass die beiden mit dem Chef Markus Babbel die beste Lösung für den VfB sind?

Absolut. Sie marschieren trotz der nicht einfachen Situation vorneweg und sind die Ersten, die den Hebel umlegen wollen. Außerdem ist es offensichtlich so, dass die Mannschaft ihnen nach wie vor folgt.

Könnte der Grund dafür nicht auch sein, dass die Spieler wissen, was sie an Babbel haben und dass sie von ihm nicht nicht so viel befürchten müssen – vielleicht im Gegensatz zu einem neuen Trainer?

Uns kann da keiner etwas vormachen. Ich war auch mal Spieler. Die Wahrheit zeigt sich auf dem Platz – und da sehe ich, dass die Spieler aus Überzeugung agieren.

Dennoch hält sich das Gerücht, der VfB habe bereits mit Jürgen Klinsmann als möglichen Babbel-Nachfolger gesprochen.

Das ist an den Haaren herbeigezogen. Es hat kein Gespräch mit Jürgen Klinsmann gegeben – und es ist auch kein Gespräch mit ihm geplant. Das ist definitiv so.

Guido Buchwald übt momentan massive Kritik am VfB-Management. Der Ehrenkapitän ist ein guter Freund von Klinsmann. Könnte es sein, dass Buchwald so versucht, Klinsmann beim VfB zu platzieren – und sich mit?

Das weiß ich nicht – und es interessiert mich auch nicht.

Buchwald nimmt vor allem die Transferpolitik aufs Korn.

Es ist immer das Gleiche. Die Neuzugänge sind für den Misserfolg verantwortlich – und die, die schon zehn Jahre im Verein sind, für den Erfolg. Aber so einfach ist es nicht. Zudem haben wir in der vergangenen Saison mit Jens Lehmann, Martin Lanig, Jan Simak und Christian Träsch den dritten Platz belegt – und diese Spieler waren in der Ablöse nicht teuer. Aber das erwähnt Guido Buchwald nicht.

Denken Sie in der Winterpause trotzdem an Neuverpflichtungen?

Darüber werden wir in naher Zukunft sprechen. Aber der größte Fehler wäre es, uns jetzt schon zu sehr mit dem zu beschäftigen, was wir im Januar machen. Denn jetzt muss unser Hauptaugenmerk darauf liegen, die aktuelle Situation zu verbessern.

STZ 3.11.09

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VfB-Präsident Staudt im Interview “Die Treffer bei den Transfers haben überwogen”

VfB-Präsident Erwin Staudt traut seinem Teamchef Markus Babbel viel zu: die Doppelbelastung zu meistern, den Trainerlehrgang abzuschließen und gleichzeitig die Mannschaft aus dem Tal zu führen.

Herr Staudt, ist die rote Welt nach dem 0:0 gegen den FC Bayern wieder in Ordnung?

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Gar nichts ist in Ordnung.

Es war immerhin ein kleiner Schritt aus dem Tal.

Wir stehen auf einem Tabellenplatz, der alles andere als gut ist. Das verlangt alle Anstrengungen, um da unten wegzukommen.

Wie erleben Sie die Krise. Auch mit schlaflosen Nächten?

Schlaflos bin ich nicht. Aber ich habe mir natürlich auch Gedanken zu den Ursachen und Lösungen gemacht.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Wir haben umfassend diskutiert und analysiert. Mit allen Gremien, dem Trainerteam und dem Mannschaftsrat. Danach waren wir der Ansicht, dass wir unseren Weg weitergehen.

Pardon. Das hört sich an, als hätten Sie erst gekuschelt, um sich hinterher zufrieden gegenseitig auf die Schulter zu klopfen.

Falsch! In diesen Runden wurde sehr kontrovers diskutiert. Aber das Wichtigste ist, dass wir am Ende die richtigen Schlüsse aus der Situation gezogen haben.

Und wie sehen die aus?

Wir sind uns alle der schwierigen Lage bewusst, in der wir uns befinden. Alleine schon wegen der Trainerausbildung von Markus Babbel.

Sie sagen es. Dieses Projekt ist gescheitert.

Das sehe ich anders. Wir müssen ihn jetzt noch mehr unterstützen.

Glauben Sie wirklich, dass man zwei anspruchsvolle Tätigkeiten gleichzeitig gut machen kann?

In anderen Bereichen ist das sicher leichter möglich als im Bundesligageschäft. Grundsätzlich sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass er das schafft.

Aber die letzten Monate haben eher gezeigt, dass es Markus Babbel nicht gelingt.

Das war nicht der ausschlaggebende Grund für die Krise.

Aber ein Mosaiksteinchen.

Alibis lasse ich nicht gelten. Aber man kann das so sehen. In erster Linie ist es ein Medienthema. Wir sind davon überzeugt, dass wir einen sehr guten Mann haben. Und dass er das bewältigt.

So weit hergeholt sind die Analysen nicht. Markus Babbel hat in diesen Tagen selbst eine Reihe von Fehlern eingeräumt.

Wollen wir jetzt wieder das Thema Rotation aufwärmen?

Ein weiteres Mosaiksteinchen.

Wir haben einen Kader, in dem jede Position doppelt besetzt ist.

Doppelt ja, aber nicht in gleicher Qualität. Damit stellt sich die Frage: Wurde der Kader falsch zusammengestellt?

Die Neuzugänge werden in einer solchen Situation immer thematisiert. Im Nachhinein kann man leicht kritisieren. Die Planung war zum damaligen Zeitpunkt schlüssig. Dafür wurden wir öffentlich gelobt.

Es ist die Planung von Horst Heldt. Er wirkt in diesen Tagen sehr angegriffen.

Er arbeitet sehr hart, und natürlich ist er unzufrieden, wie wir alle. Keinen lässt so eine Entwicklung kalt.

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Zum Chefkritiker hat sich Guido Buchwald aufgeschwungen. Er wirft der Vereinsführung Versagen vor. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin enttäuscht.Vor allem über die Art und Weise. Als Ehrenspielführer des VfB hätte er direkt zu uns kommen sollen, um bei einer Tasse Kaffee alles zu erörtern. Dass er erneut den Weg über die Medien gewählt hat, enttäuscht mich.

Im Kern dieser Kritik stehen die Transfers. Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Heldt?

Es gibt immer Treffer und Nieten. Da ist bei jedem Club so. Schauen sie sich doch um in der Liga. Ich glaube aber, dass bei unseren Transfers die Treffer überwogen haben.

Welche Rolle spielt der Präsident bei Transfers? Haben Sie das letzte Wort?

Wir definieren zunächst gemeinsam den Bedarf. Danach macht die sportliche Seite Vorschläge, dann entscheidet der Vorstand gemeinsam, wie wir vorgehen.

Kann sich der VfB Vagner Love leisten?

Das werden wir sehen.

Markus Babbel räumte Fehler ein. Haben Sie etwas falsch gemacht?

Wir haben alle Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen.

Zurück zur Stürmerfrage. Lässt die Kasse einen hochkarätigen Transfer zu?

Wir können nicht nur Spieler holen, wir müssen auch welche abgeben.

Das Gebot an Manager Heldt lautet also: Erst verkaufen, dann einkaufen.

Im Idealfall sollte das Hand in Hand gehen.

Wer ist Ihr Wunschstürmer?

Einer, der viele Tore schießt.

Hohe Erwartungen. Und was fordern Sie von Ihrer sportlichen Abteilung?

Dass sie die Ruhe bewahrt, konzentriert arbeitet und alles tut, um den Teambuilding-Prozess fortzusetzen. Wir sind in diesem Bereich noch nicht fertig.

Und was erwarten Sie gegen den FC Sevilla?

Das, was ich immer hoffe.

Einen Sieg?

Auch wenn Sevilla ein sehr starker Gegner ist, hoffe ich immer, dass wir Fußball-Deutschland zeigen können, dass wir ein würdiger Vertreter sind.

STN online 3.11.09

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