14. April 2017

Bereit für den Endspurt?

Seit längerer Zeit, genauer gesagt seit der Schmach von Fürth, melde ich mich auch mal wieder auf meinem Blog zu Wort. Nicht, weil es über den VfB nichts zu schreiben gäbe, sondern schlicht und einfach darin begründet, dass einem als Allesfahrer entweder die Zeit und nach Sonntags- und Montagsspielen unter der Woche manchmal auch der Kopf zum Schreiben fehlt.

Wenn man dann außerdem noch auf die Idee kommt, unsere Amateure in Elversberg oder gegen Lautern II im Schlienz-Stadion zu unterstützen und samstags einen Ausflug in die Ortenau zu unternehmen, um das Oberligaspiel zwischen dem SSV Reutlingen beim Offenburger FV anzuschauen, kann sich jedermann leicht ausmalen, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt.

Was ist passiert seither? Nach der Länderspielpause gelang die Rehabilitation für das Hinspiel-Debakel gegen Dynamo Dresden nur bedingt, auch wenn man als moralischer Sieger aus dieser Partie hervorging. Im Anschluss an das Fürth-Spiel äußerte ich die Hoffnung, dass nach der Pause (endlich) die Stunde von Ebenezer Ofori schlagen könnte oder auch müsste.

Dies bewahrheitete sich, er feierte ein ordentliches Debüt, auch wenn die Abstimmung mit seinen Mitspielern in der einen oder anderen Szene noch fehlte. Dass er eine gute Ballbehandlung hat und ein weiterer Stabilisator im VfB-Spiel werden könnte, deutete er aber schon an.

Als die Gewinner der Länderspielpause, in der der VfB zwei Testspiele bestritt, galten vermeintlich Tobias Werner und Alexandru Maxim. Wie sich dann aber, als der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurden, herausstellte, waren sie in den Tests doch mehr Lückenbüßer für die bei ihren Nationalmannschaften verweilenden VfB-Spieler, denn Hoffnungsträger für die restlichen Zweitligaspiele.

In Degerloch trafen während der Pause Timo Baumgartl und Carlos Mané mit ihren U21-Nationalmannschaften aufeinander. Auf diesen Kick verzichtete ich kurzfristig dann doch, weil es einerseits um nichts ging und andererseits solche Tests meist in Wechselarien ausarten, wo jeglicher Spielfluss auf der Strecke bleibt. Carlos Mané spielte dabei im Team mit der reiferen Spielanlage und gewann 1:0, während Timo Baumgartl nur in der zweiten Halbzeit ran durfte, sehr nervös wirkte und den einen oder anderen groben Schnitzer in sein Repertoire einbaute.

Vor dem Dresden-Spiel gab es dann die mit Spannung erwartete Jubiläums-Choreographie vom Commando Cannstatt 1997. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle für 20 Jahre Emotionen, Hingabe, Einsatz und Support für unseren VfB Stuttgart.

Im ausverkauften Neckarstadion und im Beisein von etwa 8.000 Dresdnern erwischte der VfB eine rabenschwarze erste halbe Stunde. Mit einem lupenreinen Hattrick brachte die Nürnberger Leihgabe Stefan Kutschke die eigentlich Gelb-Schwarzen, die dieses Mal in weinroten Jerseys angetreten waren, schnell mit 0:3 in Führung.

Das Abwehrverhalten bei allen Toren, bis hin zum von Mitch Langerak verschuldeten Foulelfmeter trieb einem Sorgenfalten auf die Stirn und machte auch ein Stück weit wütend. Dass der Schiedsrichter den Lauf der Dynamos begünstigte, geschenkt, würden sich die Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB nicht von Spiel zu Spiel fortsetzen. Vor dem 0:2 hätte es Elfmeter für den VfB geben müssen, zu allem Überfluss erhielt Simon Terodde für eine vermeintliche Schwalbe seine vierte gelbe Karte, obwohl er sich keineswegs fallen ließ und so mancher Schiedsrichter auf Elfmeter für den VfB entschieden hätte.

Weshalb der VfB nicht wenigstens gegen die gelbe Karte Protest eingelegt hat, erschloss sich mir nicht. Terodde gilt derzeit als die Lebensversicherung des VfB, so dass eine Sperre, die aus seiner nächsten gelben Karte resultieren würde, schmerzhaft wäre und mit schlimmstenfalls den Aufstieg kosten könnte. Bemerkenswert war in dieser Phase, in der dem VfB überhaupt nichts gelang, wie sehr das Publikum hinter dem Team stand und dass es zu so gut wie keinen Unmutsbekundungen kam. Im Gegenteil, die Mannschaft, der man das Bemühen nicht absprechen konnte, wurde vehement und lautstark nach vorne getrieben.

Eben jener Simon Terodde war es dann auch, der ein erstes (zählbares) Lebenszeichen vom VfB aussendete. Nach einem klasse Zuspiel von Carlos Mané vollendete er in Mittelstürmerposition und -manier zum Halbzeitstand von 1:3. Emiliano Insúa erhöhte eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem allerersten Tor für den VfB sehenswert zum 2:3, ehe Terodde in der 94. Minute vom Elfmeterpunkt aus schließlich für den viel umjubelten Ausgleich sorgte.

Dass Mané schon eine ganze Weile nicht mehr rund lief sah man da bereits, dennoch hinderte es ihn nicht daran, diesen so wichtigen Elfmeter herauszuholen. Ausgerechnet der Ex-VfBler Philip Heise bot Mané (aus alter Verbundenheit?) sein Bein an, worüber dieser dankend fiel.

Wie Simon Terodde nach 94 kraftraubenden Minuten die Nerven behielt und Keeper Schwäbe keine Chance ließ war bemerkenswert und ist nicht hoch genug zu bewerten. Das ist das Holz, aus dem Führungsspieler geschnitzt sind, dafür braucht es keine Binde.

So stand am Ende eines stimmungsvollen und bemerkenswerten Spiels das 3:3 und bedröppelte Dresdner, die sich lange wie die sicheren Sieger fühlten.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt. Als ein paar Dresdner unseren Haupttribünen-Block verließen, sagte ich in einer Lautstärke, die sie mitbekamen, „endlich sind die da drüben mal ruhig“, was sie ja durchaus auch als Kompliment hätten auffassen können.

Selten habe ich einen lauteren Gästeblock im Neckarstadion erlebt. Da zudem alles friedlich blieb, die Polizei zufrieden war und selbst die Dresdner Fanbetreuung sich lobend über das Sicherheitskonzept der Stuttgarter geäußert hat, könnte man von einem rundum gelungenen Fußballnachmittag sprechen.

Wäre da nicht die schwere Knieverletzung von Carlos Mané gewesen: Der Portugiese wird rund fünf Monate ausfallen und möglicherweise überhaupt kein Spiel mehr für den VfB bestreiten, sollte ihn sein Stammverein Sporting Lissabon bereits im kommenden Sommer zurückfordern.

Am Ende stand ein Punktgewinn, mit dem man aufgrund des Ergebnis-Verlaufes zufrieden sein musste. Ich schreibe bewusst nicht „Spielverlauf“, denn, bei einem Chancenverhältnis von 8:3 (lt. kicker.de) und allein vier Aluminiumtreffern wäre auch deutlich mehr drin gewesen.

Nur drei Tage nach dem emotionalen Spiel gegen Dynamo Dresden musste der VfB zum wiedererstarkten TSV 1860 München reisen, während der Gegner von der DFL zwei Tage länger Zeit zur Regeneration und für die Vorbereitung genehmigt bekam.

Nach nun schon vier Spielen in Serie ohne dreifachen Punktgewinn zählte in der Arroganz-Arena zur ungewohnten Anstoßzeit mittwochs um 17.30 Uhr eigentlich nur der Sieg. Trotz dieser arbeitnehmerunfreundlichen Ansetzung fanden sich knapp 15.000 VfB-Fans im Schlauchboot, wo man bislang fast nur Niederlagen zu sehen bekam, ein.

Da man in diesem auf der grünen Wiese von Fröttmaning gebauten Stadion gut rund herum laufen und durch die eine oder andere Luke auch gut fotografieren kann, nahm ich zum allerersten Mal in dieser Saison einen Stehplatz im Gästebereich. Während man bei Gastspielen bei den Münchner Bayern im Oberrang eingepfercht wird und lediglich Paulaner light ausgeschenkt wird, konnten wir bei den 60ern erstmals ein Spiel in diesem Schlauchboot vom Unterrang aus und bei Vollbier verfolgen.

Mit dem dringend benötigten Sieg wurde es zwar wieder nichts und doch durfte sich der VfB auch nach diesem Spiel als moralischer Sieger fühlen, weil Marcin Kamiński in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte.

Vom Spiel selbst war ich maßlos enttäuscht, so dass es dieses Mal fast schon ein Nachteil war, so nah dran zu sein. Nach gütiger Mitarbeit unserer Defensivabteilung erzielte der 60er-Neuzugang Lacazette die Führung, auf der sich die Löwen 70 Minuten lang ausruhten. Dabei stellte sich der VfB beim Gegentor einfach nur dämlich an, weil keiner, nachdem Lacazette die Kugel schon verstolpert hatte, sich zuständig fühlte, den Ball aus der Gefahrenzone zu dreschen. Dennoch musste man wieder, trotz des Bettelns um dieses Gegentor, konstatieren, dass das Tor aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde, der VfB also einmal mehr benachteiligt wurde.

Der VfB hatte zwar Ballbesitz fast schon „bayern-like“, fand jedoch keine Mittel, die beiden Fünferketten der 60er ernsthaft in Gefahr zu bringen. Sämtliche Offensivspieler, namentlich Julian Green, Takuma Asano und Christian Gentner waren Totalausfälle, so dass Überraschungsmomente Mangelware waren und Simon Terodde völlig in der Luft hing. In einem Spiel so gut wie ohne Torchancen wären Standardsituationen ein probates Mittel gewesen, doch, wenn diesen stets das Timing fehlt und kein Anderer die Verantwortung übernimmt und den glücklosen Anto Grgić erlöst, beraubt man sich auch dieser Möglichkeit. So hieß es bei einem Gegner, der zuvor immerhin zwei Siege in Folge einfuhr, sich mit diesem Pünktchen zufrieden zu geben und auf den Befreiungsschlag weiter zu warten.

Während und nach dem Spiel bei den Münchner Löwen hörte ich erstmals in der Zeit seines Wirkens lautere Stimmen gegen unseren Trainer Hannes Wolf. Hauptkritikpunkt war die neuerliche Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim und dass Wolf Spieler auf falschen Positionen einsetze und zu viel experimentiere.

Mein Vertrauen in Hannes Wolf ist hingegen grenzenlos, so dass ich notfalls auch nach einem verpassten Aufstieg an Schindelmeisers Stelle an ihm festhalten würde. Ich sehe derzeit vieles nicht ganz so negativ wie viele andere. Wir sind noch immer mitten im Umbruch und im Aufbau einer Mannschaft, die durchaus Hoffnungen für die Zukunft weckt. Punktuell verstärkt kann diese Mannschaft meiner Meinung nach im Falle des Aufstiegs eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und wird spielerisch häufiger und leichter glänzen als zur Zeit in der 2. Liga. In der Bundesliga wären wir einer von vielen, zu Beginn gar Außenseiter, so dass sich kaum ein Team gegen uns derart hinten reinstellen wird wie jeder Gegner in dieser 2. Liga. Dieses Stahlbad muss eine junge Truppe erst einmal überstehen und wird, im Fall des Aufstiegs, ganz sicher gestärkt daraus hervorgehen.

Darüber hinaus hat Jan Schindelmeiser in der kurzen Zeit seines Wirkens ein Händchen dafür bewiesen, erschwingliche Jungs, die die Qualität spürbar anheben, mit kreativen Vertragsgestaltungen an den Neckar zu lotsen.

Ein paar Bekannte, mit denen ich mich nach dem Spiel bei den Löwen unterhalten habe, waren tatsächlich der Auffassung, dass, sollten wir aus den Aufstiegsrängen herausrutschen, ein neuer Akzent in Form eines Trainerwechsels gesetzt werden müsse. Auf meine Gegenfrage, wer es denn jetzt noch besser machen würde, hörte ich nur, wenn überhaupt, egal, „mit dieser Mannschaft MUSS man einfach aufsteigen“.

Ich sehe das konträr. Die Voraussetzungen sind zwar gegeben, Übermannschaften sind unsere Konkurrenten nicht und doch hat es Hannes Wolf mit vorwiegend jungen Menschen, die Formschwankungen unterliegen, zu tun.

Wenn sich dann noch während kleinerer Krisen die vermeintlichen Führungsspieler wegducken, weil sie schon genug mit sich selbst zu tun haben, wenn jeder Gegner nur aufs zerstören aus ist, wenn die Schiedsrichter die harte Gangart einiger Teams und taktische Fouls (zu jedem Zeitpunkt, auch in der 1. Minute und nicht nur weit in der 2. Halbzeit) nicht regelkonform ahnden, ergibt das eine Mixtur, die jedes Spiel extrem intensiv und schwierig werden lässt.

Hannes Wolf wird in den gut 200 Tagen, wo er nun beim VfB ist, mehr gelernt haben, als insgesamt während seiner doch schon einige Jahre andauernden Trainerkarriere. Die Öffentlichkeit und auch die Fans hinterfragen jeden Furz und Feuerstein, während Wolf die Dinge moderieren und Fragen auch offen lassen muss. Zum Thema Großkreutz hätten Schindelmeiser und er sicherlich mehr zu sagen gehabt, um die Entscheidung des Vereins plausibel und für alle nachvollziehbar zu erklären, die lange währende Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim wird ebenso seine Gründe haben, die man der Öffentlichkeit vorenthält, um den Spieler zu schützen und ihn nicht vollends zu demontieren.

Wolf ist für mich nach wie vor eine große Trainerhoffnung im deutschen Fußball und für den VfB erst recht, daher vertraue ich ihm voll und ganz, dass er alles dafür tun wird, das Beste für unseren VfB herauszuholen. Persönlich habe ich keine Lust mehr auf ständige Trainerwechsel und auf eines der bekannten Gesichter des Trainerkarussells, das zwar kurzfristig einen Effekt versprechen würde, der jedoch schnell wieder verpufft wäre und wir diesen für Jahre an der Backe hätten. Dass uns das Reagieren nach den „Gesetzen des Fußballs“ dort hin gebracht hat, wo wir momentan stehen, sollte wohl jedem klar sein.

Nach dem nunmehr fünften sieglosen Spiel in Folge stand der VfB beim Derby gegen unsere „Freunde“ aus Ostfrankreich gehörig unter Druck. Deren Anhänger hatten das Spiel bereits im Vorfeld als Krieg deklariert und meinten das durchaus ernst, wenn man sich ihr martialisches Auftreten während der gesamten 90 Minuten (und auch noch nach dem Schlusspfiff) vor Augen führt.

Außerhalb des Stadions funktionierte die Fantrennung perfekt, wie schon beim Hinspiel im Wildpark sorgte die schwer bewaffnete Ordnungsmacht für bestmögliche Sicherheit bei der An- und Abreise der knapp 60.000 Schlachtenbummler.

So sehr ein echtes Derby das Salz in der Suppe in einem bisweilen zum Einheitsbrei mutierenden Liga-Alltag darstellt, möchte ich Vorkommnisse wie 2009 auswärts im Wildpark erlebt, als sich bürgerkriegsähnliche Szenen beim Verlassen des Stadions abspielten, nicht mehr haben.

Es hat ja jeder Verein so seine Chaoten, kaum einer aber in der Vielzahl wie die Gelbfüßler. Sorgten sie beim letzten Abstieg in die 3. Liga gegen Jahn Regensburg schon für einen Eklat, als sie Spieler und die eigene Geschäftsstelle angriffen, stand das Spiel am Sonntag nach dem Abschießen von Feuerwerksraketen aufs Spielfeld kurz vor dem Abbruch.

Ich bin ja bekennender Verfechter von kontrolliertem Abbrennen von Pyrotechnik, jedoch nur dann, wenn das Material im Block bleibt und keine Böller, die schwerste Knalltraumata für Umstehende verursachen können, gezündet werden.

Was der schwarze (vermummte) Block der Karlsruher abzog, war gemeingefährlich und asozial. Da der letzte Abstieg des KSC seinen Anhang nicht zur Besinnung brachte, keine Selbstreinigung in der Fanszene stattfand und der Verein seine Pappenheimer offensichtlich nicht in den Griff bekommt, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, würde dieser Verein zunächst einmal völlig von der Bildfläche verschwinden.

Seine „Fans“ arbeiten mit Hochdruck daran, indem sie ihrem ohnehin schon finanziell klammen Herzensclub Bärendienst um Bärendienst erweisen und möglicherweise, da vorbestraft, dem KSC nun ein Geisterspiel beschert haben. Der Verein muss sich diese zusätzlichen Kosten sprichwörtlich am Kader absparen, während der anstehende Stadionneubau sein Übriges tun könnte, dem KSC die Luft zum Atmen zu nehmen. Viel Spaß in und mit der 3. Liga kann man da nur wünschen!

Umso erfreulicher war es dann, dass der VfB den Bock endlich umstoßen und mit zwei Asano-Toren den zweiten Derbysieg der Saison einfahren konnte, während der KSC bereits acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat und für die 3. Liga planen kann.

Unseren Ultras verlangte es alles ab, dass zwischen dem Jubiläums-Heimspiel und dem Derby im Neckarstadion nur sieben Tage lagen. Auch vor dem Derby zauberten unsere Hardcore-Fans eine gigantische Choreo in die Cannstatter Kurve, dieses Mal, wen wundert’s, mit Bezug auf die Feindschaft zum Gegenüber. „Den Fächer fürs Gesindel – das Zepter für uns“ lautete das Motto und war perfekter Auftakt für den Saisonhöhepunkt, den das Derby für viele Fans darstellt.

„Wir steigen auf, wir steigen auf, wir steigen auf und ihr steigt ab“ hallte es durchs weite Rund. Schadenfreude ist doch irgendwie die schönste Freude, auch wenn dieser Sieg natürlich in erster Linie für uns selbst wichtig war.

Damit hat der VfB die Tabellenführung zurückerobert und doch ist noch nichts gewonnen. Es geht verdammt eng zu oben, weil sich (noch) keiner eine länger währende Krise nimmt und auf der anderen Seite auch kein Team oben steht, das souverän von Sieg zu Sieg eilt. Daher steigt der Druck unaufhörlich an, weil bei noch sechs ausstehenden Spielen Ausrutscher kaum mehr wettzumachen sind. Inwieweit die junge Mannschaft diesem standhält und daran wächst, wird sich erweisen.

Das Spiel gegen den KSC hatte der VfB ohne zu glänzen weitestgehend unter Kontrolle und man ließ nur wenige Torchancen des Gegners zu. Das spricht jedoch weniger für die Stärke vom VfB als für die Schwäche des seit diesem Spieltag abgeschlagenen Schlusslichts. Einzig, als wegen der von den Karlsruher Chaoten verursachten Verzögerungen drei Minuten Nachspielzeit in der ersten Halbzeit anstanden, hatte man den Eindruck, auf 48 Minuten sei der VfB nicht eingestellt gewesen. Was sich in diesen Minuten vor der Pause abspielte, war paradox. Das gesamte Team wirkte auf einmal, als habe es Blei in den Beinen, stand zu weit vom Gegner weg und ließ diesen gewähren. Nur der Karlsruher Ungefährlichkeit geschuldet, hat sich dieses kollektive Abschalten nicht gerächt.

Erfreulich im Spiel war, dass der VfB defensiv gefestigter wirkte als zuletzt und die Absicherung der letzten Zone des Spielfelds gut funktioniert hat. Es war gefühlt immer einer da, der den letzten Pass abgelaufen hat, so dass man bei frühsommerlichen Temperaturen einen beruhigten Nachmittag verleben konnte.

Lichtblicke beim VfB waren Benjamin Pavard, der immer stärker aufspielende Insúa, bis zu seiner Auswechslung Ofori sowie Alexandru Maxim, dem man die Freude anmerkte, wieder mitwirken zu dürfen. Nach dem Ausfall von Carlos Mané ist Maxim schon so etwas wie DER Hoffnungsträger in Sachen Kreativität. Ihm fehlte zwar in vielen Situationen die Genauigkeit, was jedoch seiner fehlenden Spielpraxis geschuldet gewesen sein dürfte. Man merkte ihm an, dass seine Füße oft nicht das taten, was der Kopf vor hatte. Die Standards schlug er gefährlicher vors Tor wie zuletzt Anto Grgić, zudem ist er ein Spieler, der immer für ein Überraschungsmoment gut ist, so dass er gerade nach Manés Ausfall noch sehr wertvoll für den VfB werden könnte.

So war er an der Entstehung von beiden Toren beteiligt und hat damit einen großen Anteil am Sieg. Was Maxim angeht, freue ich mich, wenn ich ihn so spielen sehe wie am Sonntag, respektiere es aber auch, wenn er nicht aufgestellt wird. Kein Spieler ist größer als der Verein, dass sich Maxim bei etlichen Trainern nicht durchsetzen konnte, wird schon seine Gründe haben.

Ich bin gespannt, ob Maxim jetzt in Selbstzufriedenheit verfällt und sich in Sicherheit wiegt, nach einem ordentlichen Spiel schon wieder Stammspieler zu sein, oder ob er bereit ist, sich noch einmal sechs Wochen lang zu schinden und sich jeden Einsatz aufs Neue zu verdienen.

Am Ostermontag heißt der nächste Gegner unseres VfB dann Arminia Bielefeld. Seit der Entlassung von Jürgen Kramny fuhren die Ostwestfalen drei Siege und ein Remis ein und sind auf dem besten Wege, dem Abstieg von der Schippe zu springen. Schon an dieser Statistik lässt sich ablesen, dass auch dort der Weg kein leichter sein wird. Weshalb man uns für dieses nicht unbedingt Spitzenspiel ein weiteres Montagsspiel aufs Auge gedrückt hat, verstehe wer will, ich nehm’s sarkastisch und pragmatisch und erfreue mich daran, dass es wegen des Feiertags „nur“ einen Tag Urlaub kostet.

Im Vergleich zum letzten Auswärtsspiel bei den Münchner Löwen sollte der VfB von Beginn an im Defensivverbund konzentriert zu Werke gehen und leichte Fehler, die zum Rückstand führen können, tunlichst unterlassen. Wenn schon nach vorne die Durchschlagskraft fehlt und alles auf ein 0:0-Spiel hinausläuft, sollte man sich die Dinger hinten nicht noch selbst einschenken.

Es ist zu hoffen, dass mit dem Sieg gegen den KSC das Selbstvertrauen zurückkehrte und das Gebilde wieder stabiler wird. Zuletzt schien es so, dass sich gleich mehrere Spieler auf einmal ihre Krise nehmen. Dieser Sieg und das insgesamt wieder bessere Arbeiten im Kollektiv sollte Mut für die anstehenden Aufgaben machen.

Der Deutsche Sportclub Arminia Bielefeld hat für dieses Spiel bereits 20.000 Tickets abgesetzt und rechnet mit 2.000 Schwaben. Am Ende werden es sicherlich wieder etliche mehr Brustringträger sein, die sich den Dienstag frei genommen haben, um unsere Jungs zum Auswärtssieg zu schreien.

Am Tag davor nehmen sich bereits Hannover 96 und Eintracht Braunschweig, deren Lastminute-Siege mittlerweile unheimlich werden, gegenseitig die Punkte ab, so dass der VfB der große Gewinner des nächsten Spieltags werden könnte.

Wie wenn wir derzeit durch die Schiedsrichterentscheidungen zuletzt nicht schon benachteiligt und gestraft genug wären, bewies die DFL mit der Schiedsrichteransetzung fürs Bielefeld-Spiel ihr nicht vorhandenes Fingerspitzengefühl. Harm Osmers aus Hannover ist der Leiter dieses wichtigen Spiels, aus der Stadt eines unserer größten Aufstiegskonkurrenten also!

Ob die Familie Osmers nachtragend ist und Harm Osmers die Chance beim Schopfe packt, seinem Vater Hans-Joachim Osmers späte Rache zukommen zu lassen, wird sich dabei zusätzlich zeigen. 1993 war es, im Neckarstadion bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, an das ich mich noch gut erinnern kann. Axel Kruse, wie man ihn kannte, ein wenig übermotiviert, rannte Osmers über den Haufen. O-Ton Kruse dazu: „Ich rannte auf ihn zu, fing an zu schimpfen und packte ihn am Arm. Er versuchte sich loszureißen, stolperte aber dabei, drehte sich zweimal um die eigene Achse und fiel hin wie der Osterhase. Heute würde ich sagen: Schiri-Schwalbe“. Satte zehn Wochen Sperre hatte ihm das eingebracht, ich fand ihn trotzdem extrem cool beim VfB zu jener Zeit.

Ein paar Worte auch noch zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni, zu der der VfB Anfang April geladen hat. Für mich kommt es auch zur Unzeit, mit dieser so richtungsweisenden Entscheidung mitten im Aufstiegsrennen vorzupreschen und damit unweigerlich einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht zu haben.

Dass die MV zudem Donnerstag Abends, 18.30 Uhr, stattfinden soll und damit vielen auswärtigen und auch berufstätigen „einheimischen“ Mitgliedern die Teilnahme verwehrt bleibt, ist ein Schlag ins Gesicht eben jener Mitglieder der VfB-Familie. Wenn dann Präsident Dietrich bei #vfbimdialog noch süffisant erklärt, für diesen wichtigen Tag für den VfB Stuttgart müssten die Mitglieder eben „mal“ einen Tag Urlaub opfern, ist das ein Affront gegen eben jene Auswärtigen, für die schon jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist und die wegen der vom Verein uns eingebrockten Zweitligasaison bereits genug Urlaub für Freitags- und Montagsspiele opfern mussten. Daher halte ich fest, dass die Terminwahl an sich äußerst unglücklich ist, von möglicher Ablenkung im Aufstiegsrennen ganz zu schweigen.

Und doch bleibt einem interessierten und engagierten Mitglied nichts anderes übrig, als sich pragmatisch mit dieser Tatsache zu arrangieren. Präsident Dietrich hat schon mehrmals anklingen lassen, wie sehr dieses Thema den Verein über Jahre in seinem Handeln eingeschränkt, wenn nicht gelähmt hat, und dass er diese Entscheidung genau einmal während seiner Regentschaft zur Abstimmung bringen und jedes Votum, so oder so, akzeptieren werde.

Das heißt, es bleibt dem verantwortungsvollen Mitglied nichts anderes übrig, als sich ernsthaft mit dem Für und Wider einer Ausgliederung zu beschäftigen und seine Stimme im Sinne und zum Wohl der Zukunft des Vereins abzugeben. Allein schon wegen der unpässlichen Terminierung dieser Abstimmung auf „bockig“ zu schalten und von vornherein auf „dagegen“ zu stellen, wäre eventuell kontraproduktiv.

Ich persönlich werde mir bis dahin sämtliche #vfbimdialog-Sendungen ansehen und auch die eine oder andere Veranstaltung mit Dietrich besuchen, um mir meine Meinung zu bilden. Derzeit bin ich ergebnisoffen, was das angeht, würde aber sicherlich nur „dafür“ stimmen, wenn handfeste Zahlen, Daten, Fakten auf dem Tisch liegen und nicht lediglich irgendwelche optimistischen Schätzungen. Der Verein hat also noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Dreiviertelmehrheit zu erlangen.

Weiter beschäftigte mich unter der Woche, wie wohl jeden Fußballfan, der Terroranschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am Dienstag kurz vor dem ursprünglich angesetzten Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco. Wenn selbst an Orten, die rund 1.000 Sicherheitskräfte absichern, Terroranschläge möglich sind und durchgeführt werden, verdeutlicht das, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.

Dass die zum Teil schwer traumatisierten Spieler bereits gut 24 Stunden später aufgrund des Diktats der UEFA erneut im Mannschaftsbus Platz nehmen und ein so wichtiges Spiel bestreiten mussten, ist nicht nachvollziehbar. An der Stelle wird deutlich, dass Menschlichkeit im Fußball keinen Platz mehr hat und einzig der schnöde Mammon zählt.

Durch die Geister, die die Fußballverbände riefen, indem sie stets neue „Wettbewerbe“ ins Leben rufen oder altbewährte reformieren bzw. aufblähen, ist natürlich wenig Zeit für Ausweichtermine vorhanden. Und dennoch hätte hier der Verband ein Zeichen der Menschlichkeit setzen MÜSSEN und Trainern und Spielern die Entscheidung darüber, ob sie sich befähigt sehen, tags darauf wieder Fußball zu spielen, überlassen sollen, ganz gleich welche Konsequenzen dies für den ach so vollen Rahmenterminkalender gehabt hätte.

Am Tag des Anschlags hatte man aufgrund der Berichterstattung noch eher den Eindruck, ein übergroßer Böller habe im Bus eingeschlagen, während am darauffolgenden Tag herauskam, welch großes Glück die Dortmunder hatten, dass nicht mehr passiert ist. Jeder stinknormale Bus, mit dem wir alle zwei Wochen zu Auswärtsspielen unterwegs sind, wäre wohl in seine Einzelteile zerfallen, während das Panzerglas im Dortmunder Mannschaftsbus noch Schlimmeres abgewehrt hatte.

Mit diesem Wissen im Kopf, dass es sich um einen gezielten Anschlag auf das Leben der ganzen Mannschaft handelte und welch großes Glück im Unglück der BVB hatte, schickte man das Team also wieder auf den Platz. Hinzu kam, dass ein Spieler, der für die Partie vorgesehen gewesen war, so schwer beim Anschlag verletzt wurde, dass er noch in der Nacht operiert wurde.

Doch, dem BVB blieb wohl keine andere Wahl, zum Spiel anzutreten, bei einer Weigerung hätten dem BVB wohl drastische Strafen gedroht, bis hin zum Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren. Business as usal auch dann, wie es die Paragraphen eben vorschreiben.

Es bleibt zu hoffen, dass das Lieblingskind der Deutschen, der Fußball nämlich, nicht weiter von kriminellem Abschaum missbraucht und Ausnahmezustände wie in Paris 2015 oder am Dienstag in Dortmund Einzelfälle bleiben. Allein, mir fehlt der Glaube, gerade daran geilen sich die Terroristen ja auf, an der Erschütterung über solche Vorkommnisse der „normalen“ Menschen.

Zu guter Letzt wünsche ich Allen friedliche Ostern und uns allen am Montag eine gute Fahrt, wir sehen uns auf der Bielefelder Alm.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.2/10 (10 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +2 (from 2 votes)
22. September 2016

Danke, Olaf Janßen, willkommen Hannes Wolf!

Zwei Spiele, sechs Punkte, 3:0 Tore. So die makellose Bilanz des wohl der Statistik nach erfolgreichsten Trainers der VfB-Vereinsgeschichte. Ich hätte dieser Interimslösung gerne mehr Zeit und auch die Chance eingeräumt, sich als Dauerlösung zu empfehlen.

Dass man Kramny im Vorjahr zu schnell zum Chef ernannt hat, ist inzwischen wohl jedem klar. Viele lehnten eine neuerliche interne (Billig)-Lösung schon deshalb ab, weil es mit Kramny schief gegangen ist, wobei es auch Gegenbeispiele gibt, sogar beim VfB.

Mit einer funktionierenden Interimslösung von Spiel zu Spiel zu denken, bevor man „irgendwen“ holt, der nicht bei drei auf dem Baum ist, damit hätte ich gut leben können.

So verfuhr Mayer-Vorfelder 1996 mit Jogi Löw, nachdem Rolf Fringer kurz vor Saisonstart den Verein verließ und Schweizer Nationaltrainer wurde. Assistent Joachim Löw übernahm, den MV aufgrund seiner Unerfahrenheit und weil er eher stiller Analytiker denn Lautsprecher war, schon nicht als Dauerlösung sah.

Nach den Kumpel-Typen Jürgen Röber und Rolf Fringer und durchwachsenen Jahren seit der Meisterschaft 1992, sah MV eher einen Feldherrn für die Truppe um Berthold, Foda, Haber, Poschner & Co. vor, der der unumstrittene Chef sein und sich von den zahlreichen Alphatieren nicht auf der Nase herumtanzen lassen sollte.

Erst nach einer beispiellosen Siegesserie und begeisterndem Fußball, das magische Dreieck war geboren, kam MV nicht mehr umhin, Löw nach dem 6. Spieltag offiziell zum Cheftrainer zu ernennen. Auch wenn just am Tag der Verkündung das Heimspiel gegen den krassen Außenseiter Fortuna Düsseldorf mit 0:2 verloren ging, bleibt die Ära Löw und die des magischen Dreiecks, gekrönt vom Pokalsieg und dem Finale im Pokal der Pokalsieger gegen Chelsea in Stockholm, als eine der fußballerisch besten Zeiten vom VfB in bester Erinnerung.

Vor Jahresfrist erst gab André Schubert nach dem Rücktritt von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach die Interimslösung. Wie Jan Schindelmeiser beteuerte auch Max Eberl stets, dass diese Lösung nur eine vorübergehende sei, mit dem Ausgang, dass Schubert heute noch auf der Trainerbank der Borussia sitzt.

Es kommt immer darauf an, welches Standing der „Co“ und sein Team bei den Spielern schon vorher hatte und noch hat. Galt er als Spitzel des bisherigen Chefs oder war er eher der Kumpel von den Spielern, bei dem sie sich auch schon einmal ausweinen konnten. Bei Letzterem ist die Motivation der Mannschaft durchaus die, dass sie dem „Co“ helfen werden und eine womöglich für sich selbst schlechtere Lösung dadurch verhindern können. Daher nicht unbedingt die schlechteste Variante, erst einmal abzuwarten, bevor man mit einem Schnellschuss einen Trainer verpflichtet, nur weil der gerade verfügbar ist, und der dann womöglich nicht zum Verein und zur Mannschaft passt.

Diesen „Jemand“ hat Schindelmeiser nicht geholt, vielmehr hat er einen der vielversprechendsten Nachwuchstrainer Deutschlands von Borussia Dortmund losgeeist. Mit dieser Lösung hat wohl niemand gerechnet, so dass man Schindelmeiser hier schon allein deshalb loben kann, weil bis zuletzt nichts nach außen gedrungen ist und weil hinter dieser Verpflichtung ein Plan steckt. Eigentlich nicht noch extra erwähnenswert, beim VfB jedoch schon.

So rücken Olaf Janßen, Heiko Gerber und Andi Hinkel wieder zurück ins zweite Glied. Mich würde sehr interessieren, ob Janßen sich grundsätzlich vom Cheftrainer-Dasein losgesagt hat und sich in der Spielbeobachtung besser aufgehoben sieht, oder ob es ihn nicht doch gereizt hätte, diesen Posten auch länger auszufüllen. Ich wünsche mir, dass dieses Dreigespann vom Verein nicht billig abserviert wird, sondern für jeden ein Platz gefunden wird, wo er sich gut aufgehoben fühlt und man sich an sie auch erinnert, wenn Posten auf der nächsthöheren Stufe vakant sind. Gerade Andy Hinkel hat man schon einmal abserviert, ich wünsche mir, dass mit ihm so nicht noch ein zweites Mal umgesprungen wird. Aber, auch da habe ich bei Jan Schindelmeiser ein gutes Gefühl, er weiß das Potential derer, die allein weil sie beliebte VfB-Ikonen der Vergangenheit sind, wichtiges Kapital darstellen, zu schätzen und wird sie hoffentlich nicht so vergraulen wie seine Vorgänger.

Dem 35-jährigen Hannes Wolf eilt der Ruf eines Erfolgscoachs voraus, weil er in den letzten Jahren zwei Mal Deutscher Meister mit den U17-Junioren und zuletzt Meister mit den U19-Junioren wurde.
Der VfB geht damit einen neuen Weg und bietet Wolf, dessen großer Mentor kein geringerer als Jürgen Klopp ist und den viele beim BVB schon als logischen Tuchel-Nachfolger gesehen haben, die große Chance sich einen Namen im Profifußball zu machen.

Dass der BVB Wolf ablösefrei zum VfB wechseln ist, rechnet Schindelmeiser dem BVB hoch an. Was genau dahinter steckt weiß man natürlich nicht. Ich glaube kaum, dass der BVB froh ist, ihn losgeworden zu sein, so möchte ich es positiv sehen, dass der BVB Wolf diese Chance aus Dankbarkeit nicht verbauen wollte und dies vor allem nicht daran scheitern sollte, dass ein klammer Zweitligist wie der VfB eine etwaige Ablöseforderung nicht zu zahlen bereit gewesen wäre. Für den BVB wären dies ohnehin Peanuts gewesen!

Für den VfB ist die Verpflichtung Wolfs Risiko und Chance zugleich. Da dieser Schuss sitzen muss und es sich der Verein nicht erlauben kann, in dieser Saison nicht aufzusteigen, wird Wolf vom ersten Tag an Ergebnisse liefern müssen. Deshalb tut er gut daran, auf dem Fundament, das Olaf Janßen und sein Team inzwischen gesetzt haben, aufzubauen und Dinge peu à peu zu ändern, statt zu schnell zu viel zu wollen. Es ist höchst bedauerlich, dass man mit Wolf nicht schon die Saisonvorbereitung bestreiten konnte, so dass er jetzt zunächst einmal mit dem zurecht kommen muss, was schon vorhanden ist und erst im Wintertrainingslager und ggf. der Wintertransferperiode damit beginnen kann, sich „sein“ Team aufzubauen.

Ein Risiko besteht außerdem darin, wie durchsetzungsfähig er gegen die abgewichste Spezies Fußball-Profis sein wird und ob er es schafft, fast gleichaltrige Profis wie Christian Gentner von neuen Methoden und neuen Spielsystemen zu überzeugen und wie konsequent er ihnen gegenüber wäre, würde sich der eine oder andere verweigern.

Wie der VfB den Tabellenführer über weite Strecken dominiert hat und wie man bei diesem Spiel sah, dass sich die Mannschaft langsam aber sicher findet und die zweite Liga auch mental annimmt, sollte es möglich sein in dieser Liga ohne echte Übermannschaften Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu halten und trotzdem „nebenher“ etwas zu entwickeln.

Sollten die Ergebnisse jedoch nicht stimmen und die Aufstiegsplätze fürs erste außer Reichweite geraten, dürfte es auch für Wolf ungemütlich werden. Vor einem Jahr mit Zorniger standen wir schon einmal vor einem Neuanfang und mussten erleben, wie wenig Zeit einem im Bundesliga-Business noch eingeräumt wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben. In der 2. Liga hat es Wolf aber sicherlich leichter als Zorniger vor einem Jahr in der Bundesliga, so dass ich hoffnungsvoll bin, dass diese Verpflichtung sitzt.

Wolf ist eine spannende Personalie, gilt er doch als großes Trainertalent und wird in diesem Zusammenhang in einem Atemzug mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel genannt. Gerade bezüglich unserer Vereinsphilosophie, die künftig auch in der Satzung verankert ist, dass es Vereinsziel ist und bleiben muss, dem Nachwuchs das Vertrauen zu schenken und Talente zu fördern, ist das eine sehr gute und auch nachvollziehbar Entscheidung. Wolf kann offensichtlich mit jungen Spielern umgehen, sie fördern und kennt die Stars von morgen heute schon, so dass ich meine, dass uns eine spannende Zeit bevorstehen könnte. Er soll zudem sehr kommunikativ sein und eine überragende Ansprache haben, hat analytische Fähigkeiten, kurz um, die Vorschusslorbeeren sind gewaltig.

Ein Twitter-User warf gestern bereits in den Raum, „Heldt, Bobic und Dutt googeln den Namen Hannes Wolf noch“ und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf. Diese kreative, wenngleich überraschende Lösung auf der Trainerposition, spricht für Jan Schindelmeiser und sein Team. Chapeau!

Am Mittwoch übergab also Olaf Janßen den Stab an Hannes Wolf und hinterlässt ihm ein zuletzt intaktes, gefestigtes Team. Mit der, wie ich finde, besten Saisonleistung, bezwang der VfB den bis dahin noch verlustpunktfreien Tabellenführer Eintracht Braunschweig verdient mit 2:0. Waren es gegen Lautern noch 45 gute Minuten, hatte man die Braunschweiger nun schon insgesamt über mindestens 60 Minuten lang sehr gut im Griff. Lediglich direkt nach Wiederanpfiff und in der Schlussviertelstunde spielte Braunschweig Powerplay und der VfB konnte sich beim glänzend aufgelegten Mitch Langerak bedanken, dass es nicht noch einmal eng wurde.

Ansonsten spielte man weitestgehend souverän und lud den Gegner dieses Mal nicht durch individuelle Schnitzer zu Großchancen ein. Es war eine meist konzentrierte Darbietung einer Mannschaft, der man anmerkte, dass sie wollte. Mehr Potential, als sie gestern gezeigt hat, hat sie mit Sicherheit, dieses muss Hannes Wolf nun herauskitzeln. In Anbetracht der turbulenten Wochen auf dem Wasen und der Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt und unaufgeregt geschafft wird, waren die beiden Spiele zuletzt mehr als ordentlich, vor allem weil man sie ohne Gegentor nach Hause brachte. Großen Anteil daran hat Timo Baumgartl, der sich einfügte, als wäre er nie weg gewesen. An dessen Seite lief sogar Toni Sunjic, nicht nur wegen seines Tores, zu Hochform auf und machte wohl sein bislang bestes Spiel im VfB-Dress.
Olaf Janßen hat es in wenigen Tagen geschafft, eine Einheit zu formen, in der einer für den anderen da ist. Gegen Braunschweig stimmte der Einsatz, man spürte den Willen und man merkte, dass ein Plan dahinter steckte. Einziges Manko war für mich, das immer noch langsame, statische Spiel, mit dem es schwer war, Überraschungsmomente zu kreieren. Zeitweise verfiel das Team in das alte Strickmuster, den knappen 1:0-Vorsprung verwalten zu wollen, anstatt vehementer auf das 2:0 zu drängen. Jedoch, das muss man ihnen zu Gute halten, spielte man auch gegen den Tabellenführer, ein eingespieltes Team, das es im bisherigen Saisonverlauf schaffte, gegnerische Fehler gnadenlos auszunutzen und nach Ballgewinnen blitzschnell vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Dies unterband der VfB über weite Strecken bravourös.

Bezüglich des Tempos hat Wolf, der für schnellen Fußball steht, schon einmal einige Ansatzpunkte. Man darf gespannt sein, welcher der bisherigen Platzhirsche schon allein deswegen aus dem Raster fällt.
Bereits nach dem Lautern-Spiel lobte ich das Coaching von Olaf Janßen. Auch gestern fiel positiv auf, dass er ständig auf Achse war, dirigierte, Emotionen zeigte, in ständiger Kommunikation mit dem Vierten Offiziellen war, und, wenn sich die Gelegenheit bot, einen Spieler zum Einzelgespräch zur Bank zitierte.

Auch mit seinen Einwechslungen lag er für mich, sowohl in der Sache als auch was den Zeitpunkt betraf, goldrichtig. Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause nach wie vor behutsam herangeführt wird, sollte für Belebung sorgen und kam für den schwächsten Mann in Reihen des VfB, Berkay Özcan. Gerade einmal vier Minuten im Spiel erlöste Großkreutz große Teile der 36.800 anwesenden Zuschauer mit dem vorentscheidenden 2:0.

Ein unwiderstehlicher Sprint des Japaners Takuma Asano über die rechte Seite, dessen Hereingabe Christian Gentner noch verpasste, weil er gedanklich nicht auf der Höhe war, der Ball mit Glück aber zu Asano zurück kam, dieser suchte sich nun lieber Kevin Großkreutz als Abnehmer aus, welcher mit sehenswertem Schlenzer zum 2:0 einnetzte.

Auch der Wechsel Zimmer für den müde wirkenden Asano gut zwanzig Minuten vor dem Ende machte Sinn, um den nun beruhigenden Vorsprung über die Zeit zu bringen. Kumbela hätte zehn Minuten vor Schluss noch einmal für Spannung sorgen können, wenn Mitch Langerak zwischen den Pfosten nicht so herausragend reagiert hätte.

Am Ende stand ein hochverdienter Sieg und erstmals in dieser Saison der direkte Aufstiegsplatz 2. So kann es weiter gehen, so muss es weiter gehen, darauf lässt sich für Hannes Wolf aufbauen.

Ob der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels quasi während des Spiels gegen Braunschweig und die Installation eines neuen Trainers mitten in der englischen Woche glücklich war, wissen wir nach dem Spiel gegen Bochum. Im Bochumer Ruhrstadion verloren wir zuletzt bei Vehs Pflichtspieldebüt 2014 im DFB-Pokal durch zwei Terodde-Tore. Terodde läuft inzwischen im VfB-Trikot auf und wird heiß darauf sein, im dritten Auswärtsspiel in Folge zu treffen, wo es zuhause bisher noch nicht geklappt hat. Bei Spielen mit Bochumer Beteiligung ist hoher Unterhaltungswert garantiert, exemplarisch hierfür steht das letzte Heimspiel, das der VfL mit 5:4 gegen den 1. FC Nürnberg für sich entschied.

Ich freue mich drauf, wieder nach Bochum zu kommen und dort mal wieder um Ligapunkte zu kämpfen. Lieber wäre mir dieses Aufeinandertreffen zwar in der Bundesliga gewesen, aber, man nimmt es, wie es kommt.

Das Ruhrstadion hat seinen besonderen Flair. In die Jahre gekommen, wie früher üblich, zentral gelegen und nicht auf der grünen Wiese gebaut und zahlreiche Bierhallen drum rum. Auch in den Fankneipen kann man sich in der Regel als VfB-Fan gut aufhalten und mit den Bochumern feiern, am liebsten natürlich den Auswärtssieg. Ich bin heiß auf unser drittes Spiel in sechs Tagen, darauf ein Fiege!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.8/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
28. April 2016

Aber scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 07:11

„Wer mir den Eindruck vermittelt, dass er dafür nicht bereit ist, für den haben wir hier keine Verwendung.“ So unser Kapitän Christian Gentner nach der desaströsen Leistung vor Wochenfrist beim FC Augsburg. Was sich fast schon wie ein Rücktrittsgesuch anhörte, entpuppte sich gegen Borussia Dortmund einmal mehr als leere Worthülse. Gentner stand natürlich wieder auf dem Platz, Barba kam (endlich) zu seinem Pflichtspiel-Debüt im VfB-Dress, zudem rückten der noch von einer überstandenen Grippe geschwächte Lukas Rupp und Martin Harnik in die Startformation.

Was ich bereits zum Bayern-Spiel geschrieben habe, traf auch für das Aufeinandertreffen mit der besten Rückrundenmannschaft, Borussia Dortmund, zu: Wer Punkte gegen die Kellerkinder der Liga leichtfertig liegen lässt, muss eben mal gegen einen Großen einen raushauen und sich die Punkte dort (zurück) holen. Auch wenn Dortmund im Vergleich zum VfB derzeit eine Übermannschaft ist, wäre es selten einfacher gewesen, als am Samstag, gegen das Starensemble etwas Zählbares einzufahren.

Der BVB verzichtete in Aubameyang, Gündogan und Mats Hummels gleich auf drei seiner wichtigsten Spieler, hatte das Pokalspiel vom Mittwoch in den Knochen und kann in der Liga vom zweiten Platz nicht mehr verdrängt werden. Daher lag es nahe, dass, wenn man entsprechendes Engagement und die notwendige Gier an den Tag legen würde, der BVB die letzten paar Prozentpunkte vermissen lassen könnte. Schließlich will sich keiner mehr in der Schlussphase der Saison, vor Pokalfinale und Euro, verletzen.

Dafür hätte der VfB jedoch in die Tat umsetzen müssen, was man in der Woche nach Augsburg großspurig angekündigt hatte. Es wurde die Mentalitätsfrage gestellt, kritisiert, dass man den nötigen Biss verbissen ließ und in einem Abstiegsendspiel nicht einmal eine gelbe Karte zu verzeichnen hatte.

Den Aussagen in der Woche nach dem Augsburg-Spiel nach zu schließen, musste man annehmen, die Mannschaft habe verstanden, Dutt habe verstanden, Kramny habe verstanden. Nach dem Spiel musste man konstatieren, keiner hat verstanden.

Nachdem man das Spiel gegen die Bayern bereits im Vorfeld als Bonus-Spiel abgetan und den Spielern daher ein wunderbares Alibi zurechtgelegt hatte, hörte sich Dutt nach Augsburg anders an: „Wir sollten nicht erst in der Woche darauf in Bremen anfangen, punkten zu wollen, sondern schon am Samstag.“ Aha, Robin Dutt! Samstag, nach der Niederlage gegen den BVB, hieß es aus seinem Munde „Das Spiel interessiert mich nullkommanull, mich interessiert nur nächste Woche.“ Und nächste Woche nach der Niederlage bei Werder richtet sich der Blick auf Mainz? Dann auf Wolfsburg? Dann??? Oh, sind ja gar keine Spiele mehr!

Dutt macht sich mit solchen Statements angreifbar und gibt, wie der gesamte Verein, ein klägliches Bild ab. Bereits der Ausruf seiner Achter-Liga war ein Schenkelklopfer und nun das! Unser verstorbener Ex-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder würde sich im Grabe herumdrehen. In seiner Ägide lud er nach solch desaströsen Auftritten die damaligen Führungsspieler in sein Amtszimmer im Neuen Schloss vor und las einem nach dem anderen die Leviten, dass sie „klein mit Hut“ wieder herauskamen und meistens im nächsten Spiel ganz anders auftraten.

Wenn diese Maßnahmen nicht fruchteten, lud MV zum „Teambuilding“ in seinen Weinkeller in den Muckensturm. Vorfelder genoss es in der Mitte „seiner“ Schützlinge zu sein und war so aber auch immer nah am Puls der Zeit und wusste, wie es um den Teamgeist bestellt war.

Auch beim VfB der Gegenwert ist es nun an der Zeit, neue Reizpunkte zu setzen. Gegen den BVB verlor der VfB einmal mehr sang- und klanglos 0:3 und konnte das Spiel gerade einmal 20 Minuten lang vom Ergebnis her offen halten, obwohl schon die ganze Spielanlage einen Klassenunterschied deutlich machte.

Als kurz vor der Pause das 0:2 fiel, war der Käs gegessen. Den Dortmundern bot man ein Trainingsspiel an, wie sie es sich besser nicht hätten wünschen können. Auslaufen nach dem DFB-Pokal quasi. Man ließ den BVB spielen, scheute Zweikämpfe und die Mannen vom VfB schien es nicht einmal zu frustrieren, im eigenen Stadion derart vorgeführt zu werden. Wieder keine gelbe Karte, kein Aufbäumen, man ließ es einfach so geschehen.

Da fragt man sich als „Außenstehender“ schon, wo die Grundtugend des Sportlers, ob in der Freizeit oder professionell, geblieben ist, nämlich die des unbedingten siegen wollen. Solche blutleeren Auftritte sind eine Schande für jeden, der sich das Trikot mit dem Brustring überstreift, und für mich nur ganz schwer zu ertragen. In den 80er- und 90er-Jahren gab es solche Demütigungen höchstens alle ein bis zwei Jahre mal zu beklagen und ebenso lang sprach man davon, in der heutigen Zeit muss man schon dankbar sein, wenn in einem Spiel der Einsatz mal wieder so ist, wie man ihn immer erwarten können sollte.
Hier ist der Verein absolut gefordert, kommende Neuzugänge genau unter die Lupe zu nehmen und sie auch auf ihre charakterlichen Eigenschaften, Elternhaus, Intelligenz, Gruppenverhalten, Identifikation, etc. pp hin zu untersuchen, was logischerweise nicht der Fall sein kann, wenn man Lastminute-Transfers tätigt und sich von der Resterampe bedient. Es ist eine Schande, was sich heutzutage alles VfB-Spieler schimpfen darf, die Quittung dafür lässt sich am aktuellen Tabellenstand ablesen und könnte schlimmstenfalls im Abstieg münden, der, wie so vieles, hausgemacht wäre. Wenn schon der Präsident öffentlich fehlende Mentalität beklagt, kann man zumindest darauf hoffen, dass im Sommer der große Schnitt kommen wird.

Dass die Kurve nach dem frühen 0:3 in der zweiten Halbzeit den Support einstellte, war folgerichtig und der „Leistung“ angemessen. Da auch aus dem Dortmunder Block generell kaum supportet wurde, knapp 300 Ultras wurden von der Polizei während des Spieles festgesetzt und erst nach Spielende wieder entlassen, plätscherte das Spiel in einer tristen Veranstaltung seinem Ende entgegen.

Frühlingsfest, ausverkauftes Haus und dann eine solch erbärmliche Vorstellung. Nicht zu fassen, mit einem solchen Auftreten dürfte kein Punkt mehr zu erringen sein.

Es war kollektives Versagen auf ganzer Linie. Angefangen bei Debütant Barba, der beim ersten Tor zurückzog, wohl in Erinnerung an Niedermeiers Eigentor gegen die Bayern, über Tytoń im Kasten, dessen Fehler sich gerade wieder häufen, einem Florian Klein, der vor allem beim dritten Tor nach Ballverlust lustlos und uninspiriert zurücktrabte, bis nach vorne, wo Kostic Timo Werner zwar oft suchte, jedoch niemals fand.

Seit Serey Dié’s Ausfall ist vor allem unser zentrales Mittelfeld die große Schwachstelle. Auch wenn Dié zuletzt selbst viele Stockfehler unterliefen, stopfte er doch auch viele Löcher und hat ein Gefühl für die Räume, die er zulaufen muss. Rupp und Gentner denken beide in dieser Hinsicht zu offensiv, so dass ich hoffe, dass sich Kramny für das Bremen-Spiel etwas einfallen lässt. Mart Ristl wäre ein Kandidat für die defensive Sechs oder meinetwegen auch Daniel Schwaab, der das auch schon, im Rahmen der sonstigen Alternativen, akzeptabel spielte.

Da Daniel Didavi, bei dem seine Initialzündung nach der Bekanntgabe seines Wechsels leider ausgeblieben ist, sich mehr für Wolfsburg zu schonen scheint, als noch einmal alles für den VfB rauszuhauen, wäre es eine Überlegung, Lukas Rupp auf dessen Position zu stellen.

Bewusst werfe ich dabei nicht den Namen von Alexandru Maxim in den Ring, er ist zwar ein netter Kerl, aber leider absolut nicht in Form, wie er Samstag nach seiner Einwechslung erneut demonstriert hat. Auch ein Torwartwechsel soll inzwischen ein Thema für Bremen sein, was ich nicht einmal so schlecht fände. Es wäre zwar falsch und ungerecht, Tytoń „der Meute“ als Sündenbock zum Fraß vorzuwerfen, aber, alles was Hoffnung auf Besserung schürt und neue Reize setzt, wäre mir gerade recht.

Dass man in dieser langen Woche bis Bremen etwas ändern muss, sah auch der VfB so. So wurde gestern bekannt gegeben, dass man von Mittwoch an ein dreitägiges Trainingslager auf der Ferieninsel Mallorca bestritten würde.

Auf den ersten Blick sieht mir das wie blinder Aktionismus aus, zumal diese drei Tage zwei Reisetage beinhalten und demnach nicht allzu viel trainiert werden kann. Als Fan bin ich noch immer stinksauer über die zuletzt gezeigten „Leistungen“ und darüber, dass man sich ohne Not wieder einmal große Abstiegssorgen machen muss. Daher würde ich der Truppe eher einen Schleifer wie Magath an den Hals wünschen, der sie mit Medizinbällen auf den Monte Scherbelino gejagt hätte, anstatt die Jungs mit einem Trip nach Mallorca zu „belohnen“, zumal wir ohnehin nicht im Geld schwimmen. Wenn dann als Begründung vorgeschoben wird, man wolle „in Ruhe“ arbeiten, zeigt mir nur einmal mehr, dass die Herren Profis in einer ganz anderen Welt leben. Öffentliche Trainingseinheiten sind ohnehin Mangelware und die Journalisten werden ohnehin mitreisen, so dass die fehlende „Ruhe“ wohl am ehesten noch auf die Zaungäste beim Training gemünzt sein dürfte.

Auf der anderen Seite kann dieser „Tapetenwechsel“ natürlich auch Sinn machen. Das Wetter in Deutschland verleitet derzeit nicht unbedingt dazu, freudestrahlend durch die Gegend zu laufen. Die Sonne ist also gut fürs geschundene Gemüt, das Team ist 24 Stunden am Tag zusammen und das Funktionsteam kann ebenso lang an Teambuilding und Psyche arbeiten, und viele Gespräche mit den zuletzt patzenden Stammkräften führen. Wenn sie dann noch gute Bedingungen vorfinden und sich alle wohl fühlen, vielleicht wird ja dann doch noch der Traum von einem “richtigen” Trainingslager auf Mallorca wahr, so dass dies auch für uns Trainingslager-Stammfahrer noch etwas Gutes haben könnte.

Da die Wetterprognose für Deutschland langsam besser wird und es in Bremen bis am Montag auch frühlingshafte Temperaturen geben soll, ist nicht einmal die Gefahr gegeben, dass sie nach ihrer Rückkehr den Kälteschock erleiden und der Rest der Truppe, der noch nicht grippegeschwächt ist, diese auch noch bekommt.

Ob das Trainingslager, das natürlich von vielen und nicht nur von VfB-Fanseite belächelt wird, ein Erfolg ist, weiß man am Montagabend und spätestens nach Saisonende. Setzen sich die indiskutablen Leistungen schon in Bremen fort, fliegt ihnen die Entscheidung für Malle schon recht schnell um die Ohren.

So oder so, der VfB hat bis zum kommenden Montag genügend Zeit, die letzten Wochen aufzuarbeiten und sollte sich dabei endlich mal nicht mehr in die eigene Tasche lügen.

Wurden glückliche Punkte in Ingolstadt und in Darmstadt als Erfolgserlebnisse verkauft und mit der Aussage „den Druck haben die Anderen“ der Fuß vom Pedal genommen, gilt es nun den Schalter wieder umzulegen. Die Stimmen zum Dortmund-Spiel machen mich schon wieder fuchsteufelswild, wenn davon geredet wird, die Zeitpunkte der Dortmunder Tore seien unglücklich und der Knackpunkt gewesen. Für mich war der Knackpunkt die Einfahrt mit dem Bus ins Stadion und spätestens der Anpfiff zum Spiel. Das Team hatte sprichwörtlich die Hosen voll und ließ von Beginn an jede Aggressivität vermissen, die notwendig gewesen wäre, diesem BVB Paroli bieten zu können.

Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als der VfB schon fast aussichtslos zurücklag und im Saisonfinale nur noch gewinnen konnte, ist die Lage dieses Mal anders herum. Wir schienen bereits so gut wie gerettet, manch einer träumte gar von Europa, so dass es sich die Mannschaft wieder in ihrer Komfortzone bequem machte, anstatt die Gier beizubehalten und die Erfolgsserie auszubauen bzw. nach der Heimniederlage gegen Hannover eine neue zu starten.

Hatten wir in den letzten Jahren Hoffnungsträger wie Didavi und Ginczek, die nach schweren Verletzungen gerade noch rechtzeitig zurück und vor allem auch in Form kamen, fehlen diese dieses Mal, auch wenn Kevin Großkreutz jetzt verlauten ließ, dass er möglicherweise in dieser Saison noch zurückkehren würde. Selbst wenn, bestünde die Gefahr, dass er zu früh reingeworfen wird, dass er noch lang nicht in Topform zurückkehrt und auch, dass die große Last auf seinen Schultern liegen würde, würden sich doch die Möchtegern-Führungsspieler hinter ihm verstecken.

Das einzige Positive des aktuellen Abwärtstrends ist (hoffentlich), dass für Dutt die eine oder andere angedachte Vertragsverlängerung vom Tisch sein müsste. Ob in der Bundesliga oder in 2. Bundesliga, der große Schnitt muss diesen und nächsten Sommer vollzogen werden, nämlich dann, wenn die Verträge der Gesichter unseres Niedergangs (zumindest denen der Mannschaft) auslaufen bzw. ausgelaufen sind.
Noch sind wir nicht abgestiegen, auch wenn der Vorsprung auf den Relegations- und sogar den direkten Abstiegsplatz 17 dramatisch geschrumpft ist. Noch haben wir es in der eigenen Hand, auch wenn wir ein vermeintlich schwereres Restprogramm als die Konkurrenten haben und auch wenn es aus heutiger Sicht und mit den Eindrücken des Augsburg- und des Dortmund-Spiels kaum vorstellbar ist, dass sich das Team in Bremen gänzlich anders präsentieren wird.

Dort muss das Team ohne die Fanszene auskommen, da diese einvernehmlich, also in Absprache zwischen den Ultras und den offiziellen Fanclubs, zum Boykott dieses Montagspiels ausgerufen hat.
Dem Team würde es gut zu Gesicht stehen, diesen ungewohnten Umstand nicht schon jetzt als Alibi für eine möglicherweise erneut indiskutable Leistung heranziehen zu wollen. In nahezu jedem Auswärtsspiel ist die Unterstützung herausragend, zurückgekommen ist selten etwas.

Eher noch im Gegenteil: auch nach grottenschlechten Vorstellungen wie in Augsburg und gegen Borussia Dortmund reagiert die Mannschaft äußerst ungehalten, wenn ihr aus dem Block keine Zustimmung sondern Pfiffe entgegen hallen. Gegen den BVB trottete das Team dann auch nur missmutig bis zum „Sechzehner“, um nach ein paar Sekunden der Starre abzudrehen und in die Katakomben zu verschwinden. Von Mannschaftsseite aus bestand also kein Redebedarf, von Zusammenhalt und einem „Wir für Euch, Ihr für uns“ drei Spieltage vor Schluss in äußerst prekärer Lage keine Spur.

Dass Dutt die wenig erfreuten Zuschauerreaktionen und das Einstellen des Supports süffisant mit der Aussage „die Leute sind unzufrieden, wir haben aber nächste Woche ein Auswärtsspiel, Montag Abends können uns sowieso kaum Zuschauer begleiten“ kommentierte, zeugt auch nicht von einem Verständnis und der absoluten Wertschätzung der Anhängerschaft gegenüber.

Nachdem das Montagspiel erstmals wie ein Damokles-Schwert über dem Wasen hing, hatte Dutt vor den Mikrophonen die Ansetzung ja noch kritisiert und als Wettbewerbsverzerrung betitelt, um diese dann doch klaglos hinzunehmen. Ich weiß zwar nicht, ob ein offizieller Protest Erfolgsaussichten gehabt hätte, dadurch hätte man sich als Fan aber zumindest verstanden und vertreten gefühlt. So fühlte sich sein erstes Statement halbherzig und wie das berühmte „Pfeifen im Walde“ an und nicht so, als ob diese Ansetzung beim VfB ernsthaft jemanden tangiere.

Auch ohne einen prall gefüllten Gästeblock ist der VfB in der Pflicht zu liefern. In den 1980er- bis hinein in die 1990er Jahre war es gang und gäbe, dass sich bei manchen Spielen kaum mehr als 50 Fans in den Gästeblock „verirrten“ und die damaligen Teams haben auch nicht gejammert, im Gegenteil, sie hatten Herz und rissen sich für den Brustring noch den Allerwertesten auf, so dass sich der heutige Sauhaufen eine Scheibe davon abschneiden könnte.

Dutt rückt von seiner Philosophie weiterhin nicht ab, das Team stärker reden zu wollen, als es tatsächlich ist und gab in Sport im Dritten gar zum Besten, sie würden in Bremen gewinnen, weil „wir können das, weil wir so gut sind“. Dabei erinnerte er an die Siegesserie zu Beginn der Rückrunde, als allerdings noch Kevin Großkreutz und Serey Dié den Laden dicht hielten.

Mein Optimismus, dass der Schalter ohne Impuls von außen noch einmal umgelegt werden könnte, hält sich in Grenzen. Dieser Impuls hätte für mich mal wieder Trainerwechsel geheißen, auch wenn ich eigentlich kein Freund dieses ständigen Alibiverschaffens für eine Mannschaft bin, deren Leistungsbereitschaft sich in engen Grenzen hält.

Gut, jetzt steht das Trainingslager auf Mallorca an, ich hoffe, das Team versteht dieses als „Hallo-Wach-Pille“ und mobilisiert zum Endspurt noch die letzten Reserven, dass nicht nach dem Bremen-Spiel doch noch über die Reißleine nachgedacht werden muss.

Mutig, wenn nicht total unnötig, ist es allemal, wenn Robin Dutt für Kramny eine Jobgarantie schon über das Saisonende hinaus ausspricht. Zorniger musste nach zehn Punkten aus seinen letzten zehn Spielen gehen, Kramny holte im gleichen Zeitraum nur noch deren sieben. Wie schon viele Trainer vor ihm beißt auch er sich an der Hausmacht einiger Akteure die Zähne aus.

Sollte er über das Saisonende hinaus VfB-Trainer bleiben wollen, könnte sich der VfB ein Beispiel am SC Freiburg nehmen, der anno dazumal, noch zu Volker Finkes Zeiten, lieber die komplette Mannschaft austauschte, als den Trainer zu entlassen, weil die Mannschaft ihm nicht mehr folgte.

Bremen wird so oder so DER Charaktertest für unser so labiles Team werden. Vor allem kämpferisch überzeugen die Bremer im Abstiegskampf, zudem weiß der Verein die gesamte Stadt und das Umland bedingungslos hinter sich. Aktionen wie die „Green white wonderwall“ pushen das Team unheimlich, während in Stuttgart Totenstille herrscht und sich nur das direkte Umfeld zu sorgen scheint.

Prangten im Abstiegskampf 2001 riesige Banner an den Einfallstraßen nach Stuttgart, die für eine Aufbruchsstimmung und große Unterstützung im Abstiegskampf sorgten, scheint es der Stadt heuer egal zu sein, in welch prekärer Lage sich sein (einstiges) Aushängeschild befindet. Ob es daran liegt, dass im Rathaus ein Bayern-Fan auf dem Chefsessel sitzt, die Stadt an ihrer Feinstaubdebatte ersticket oder man den VfB bereits aufgegeben hat, man weiß es nicht.

Die Werder-Ultras haben aus Solidarität angekündigt, dieses Montag-Spiel ebenfalls zu boykottieren. Ob sie dies nach der Zuspitzung der Tabellensituation am letzten Spieltag auch noch machen werden und wie viele von ihnen sich daran beteiligen, wird man sehen. Werder macht jedenfalls mobil und verkauft die vom VfB zurückgesandten Karten nun an Werder-Fans, so dass das Stadion nahezu ausverkauft sein dürfte.

Für mich wird der Montag eine harte Probe werden. Nicht dabei zu sein ist schon schlimm und ungewohnt genug, dabei aber auch noch trotz Abonnement auf Sky zu verzichten, wird schwer. Denn, konsequent ist der Boykott auch nur, wenn man dem Bezahlfernsehen keine gute Quote beschert, sonst ist ohnehin alles für die Katz‘.

Der VfB wird wohl mindestens noch vier Punkte aus den restlichen drei Partien benötigen, um sicher Fünfzehnter zu werden und muss mit dem Punkten in Bremen beginnen, um Bremen nicht an uns vorbeiziehen zu lassen. Der letzte Sieg in Bremen datiert aus dem Jahre 2006, was unterstreicht, wie hoch die Trauben für uns im Weserstadion hängen.

So lang wir den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft schaffen können, versuche ich positiv zu bleiben und hoffe, das Team kommt geläutert und mit neuem Mut aus Mallorca zurück.

Die Fanszene ruft am Sonntag, 01. Mai 2016, ab 13 Uhr, zum gemeinsamen Marsch vom Cannstatter Bahnhof zum VfB-Trainingsgelände auf, um gegen das Montag-Spiel und die weitere Zerstückelung der Spieltage zu demonstrieren. Dazu sind alle VfBler aufgerufen, ihre Mai-Wanderung zu „verschieben“ und sich der Karawane anzuschließen. Anschließend verfolgen wir gemeinsam die letzten Sequenzen des Trainings und verabschieden den Tross lautstark in den hohen Norden. Damit verpassen wir ihnen noch die letzte Motivationsspritze und zeigen ihnen, dass wir hinter ihnen stehen.

Der Entschluss, gerade jetzt bei diesem eminent wichtigen Spiel, fernzubleiben, fiel allen Beteiligten schwer, war jedoch alternativlos. Zum Zeitpunkt, als der Beschluss gefasst wurde, stellte sich die Situation noch nicht ganz so bedrohlich dar, das Team hatte es mehrfach in der Hand, dieses Spiel zu einem nahezu bedeutungslosen werden zu lassen.

Dies wurde versäumt, anscheinend funktioniert die Truppe nur unter größtmöglichem Druck, den sie nun in Bremen wieder hat. Um diesem standzuhalten bedarf es mehr als den Worten der Vereinspsychologen Laux und Dutt und einem „wir schaffen das“.

Ich ließ mich nach dem Dortmund-Spiel schon dazu hinreißen, dieses Montag-Spiel positiv zu sehen, weil wenigstens das nächste Wochenende nicht versaut wird, Galgenhumor eben.
Allen Umständen zum Trotz versuche auch ich positiv zu bleiben und an das Team zu glauben. Ein Abstieg wäre für den Verein katastrophal und birgt die Gefahr, auf Nimmerwiedersehen vom Oberhaus zu verschwinden.

Andererseits, wir können es ja sowieso nicht ändern, wünscht man sich fast schon eher ein Ende mit Schrecken als den Schrecken ohne Ende, weil die große Befürchtung besteht, dass wir in einem weiteren Bundesligajahr eine noch schlechtere Mannschaft haben würden und sich das Leiden gnadenlos fortsetzen würde.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (8 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +2 (from 2 votes)
23. Februar 2015

Dem Abgrund entgegen

Die Woche nach der Last-Minute-Niederlage in Hoffenheim war geprägt von der Furcht, unaufhaltsam und ungebremst in Richtung zweite Liga zu taumeln und auf der anderen Seite von der Hoffnung, dass Huub Stevens nach seiner zur Schau getragenen Ratlosigkeit doch über seinen Schatten springen und mit dem Mute der Verzweiflung gegen den BVB offensiver antreten würde. Dass wir mittlerweile in einer (Tabellen-)Situation angekommen sind, in der nur noch Siege helfen, müsste auch Huub Stevens mittlerweile begriffen haben und sein Handeln danach ausrichten.
Natürlich wäre es legitim gewesen, gegen Mönchengladbach, die Bayern und Borussia Dortmund erst einmal zu versuchen Beton anzurühren, um sich keine Mega-Klatschen einzufangen. Aber, bei heimschwachen Kölnern, bei formschwachen Hoffenheimern musste man einfach mehr erwarten dürfen, und den Willen auf Sieg zu spielen erkennen können. Bei und nach diesen beiden Spielen war ich maßlos enttäuscht. Wie das Kaninchen vor der Schlange zog man sich zurück, spielte quer und zurück anstatt zu versuchen den Gegner unter Druck zu setzen und sich Respekt zu verschaffen. Was dort über weite Strecken gespielt wurde, hatte mit Fußball wenig zu tun. Ängstlich, behäbig legte man den Rückwärtsgang ein und wenn es mal nach vorne ging, verloren wir die Bälle aufgrund technischer Unzulänglichkeiten schnell wieder. Und wenn dann noch lediglich zwei Spieler der Anfangsformation die Lizenz zum Stürmen haben, ist natürlich bei einem versprungenen Ball keiner da, der helfen könnte. So ist man naturgemäß nur am Hinterherlaufen und lässt sich zudem von einem verunsicherten Gegner in die eigene Hälfte drängen.
Noch ärgerlicher war der blutleere Auftritt von Sinsheim zu bewerten, wenn man als nächstes Borussia Dortmund vor der Brust hat. Zwar krebst auch der BVB in der zweiten Tabellenhälfte herum, befindet sich aber nach zuletzt zwei Siegen in Folge im Aufwind und hat die Qualität in seinen Reihen, jeden Gegner an die Wand spielen zu können. Als ernsthaften Rivalen im Abstiegskampf sah ich die Borussen ohnehin nie an, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Kurve kriegen würden.
Meine Hoffnung auf eine Trendwende gerade in diesem Spiel hielt sich daher von vornherein in Grenzen. Früher gehörte das Bier davor und danach dazu, um sich aufs Spiel einzustimmen und es danach zu analysieren. Heutzutage sind diese Treffen mit Freunden der Hauptteil und das Spiel lässt man dazwischen so über sich ergehen. Daher trafen wir uns am Freitag schon sehr frühzeitig in einem Brauhaus in der Stuttgarter Innenstadt und hatten eine große und lustige Runde beisammen, so dass ich schon gar keine Lust hatte, aufzustehen und in Richtung Stadion zu pendeln.
Aber, hilft ja nichts, wir sind natürlich rechtzeitig gegangen. Zehn Minuten vor Spielbeginn erreichte ich meinen Platz schließlich und hätte schon da am liebsten auf dem Absatz wieder kehrt gemacht, als mir per Whatsapp-Nachricht die Aufstellung zuging und ich ohne jedes Verständnis dafür zur Kenntnis nehmen musste, dass Huub Stevens offensichtlich nicht dazu bereit war, von seiner destruktiven Defensiv-Taktik abzurücken. Erneut mit Werner und Harnik gerade einmal zwei Offensiv-Akteure und dahinter nur Abräumer und Abwehrspieler. Abgesehen davon, dass diese defensive Ausrichtung bislang noch nicht von Erfolg gekrönt war, ist es beschämend für eine Heimmannschaft so aufzulaufen. Dem Gegner macht es das natürlich nicht leicht, aber, das Verständnis für einen solchen Antifußball hält sich sowohl beim Gegner als auch beim heimischen Publikum in Grenzen. So liefert der VfB weiterhin wenig Argumente, dass ihm irgendjemand eine Träne nachweinen würde, wenn er tatsächlich den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müsste. Der VfB steht bislang zu Recht da, wo er steht, und hat offensichtlich nicht die Mittel, den Bock endlich einmal umzustoßen.
So begann das Spiel, wie es zu befürchten war. Der BVB nahm sofort das Heft in die , der VfB stand tief in seiner eigenen Hälfte. Der VfB hatte gegen die schnellen Dortmunder Außen von Beginn an einen schweren Stand und lief fast ausschließlich staunend hinter- oder bestenfalls nebenher. Nachdem Ulreich bereits zwei Mal parieren konnte, lenkte er in der 15. Minute einen Schuss direkt vor die Füße von Aubameyang, Glück, dass dieser im Abseits stand. Auch diesen Warnschuss begriff der VfB nicht, indem er eigeninitiativ geworden wäre, so dass es zehn Minuten später geschehen war und der BVB die längst fällige Führung erzielte.
Völlig überraschend kamen wir dann aber zum Ausgleich. Bei der ersten (!) Torannäherung nach einer halben Stunde lief Sahin Georg Niedermeier in die Hacken und hinderte ihn somit drei Meter vor dem Tor am Torschuss. Folgerichtige Entscheidung, Elfmeter, den Klein platziert verwandelte.
Ebenfalls folgerichtig, Rot für Sahin, hat er doch eine klare Torchance vereitelt. Das Regelwerk schreibt dafür zwingend die Rote Karte vor und lässt keinen Interpretationsspielraum. Weshalb Aytekin die Karte stecken ließ, weiß wohl nur er selbst. Natürlich ist diese Regel blödsinnig, aber, sie gilt nun mal (noch), so dass es eine bodenlose Frechheit des fränkischen Schiedsrichters war, an dieser Stelle Selbstjustiz zu üben und sich darüber hinweg zu setzen. Man stelle sich nur vor, im nächsten Spiel in Hannover, gleiche Situation im VfB-Strafraum und ein VfB-Spieler fliegt für ein solches Vergehen vom Platz. Ungerecht ist die Welt!
Vielleicht hat Aytekin die Szenen vom Gladbach-Spiel ja gesehen und daraus geschlossen, der Schorsch träfe bestenfalls die Latte. Für mich eine absolute Frechheit, welche Narrenfreiheit die Schiedsrichter haben und dass sie Woche für Woche ungestraft in den Spielverlauf eingreifen dürfen und dafür auch noch ein hohes Honorar erhalten.
Ein klarer Regelverstoß, Protest dennoch wohl sinnlos, handelt es sich doch selbst bei solch glasklaren Szenen nach Auffassung des DFB um eine Tatsachenentscheidung und bestenfalls Wahrnehmungsstörung des Schiedsrichters. Weshalb es noch Linienrichter und einen vierten Offiziellen gibt, die ebenfalls eingreifen könnten, das aber so gut wie nie tun, ist deren Geheimnis. Für mich war es die Schlüsselszene des Spiels. Gegen zehn Dortmunder wäre vielleicht ein Punkt drin gewesen. Dortmund hat ja das wichtige Champions League Spiel gegen Juventus Turin vor der Brust und hätte sich zu zehnt möglicherweise nicht voll verausgabt und wäre womöglich mit einem Punkt dann zufrieden gewesen. Auch wenn ein Protest gegen die Spielwertung wohl wenig Aussicht auf Erfolg hätte, an Stelle des VfB würde ich Schritte einleiten und diese Unverschämtheit nicht einfach schlucken. Richtig zornig verfolgte ich dann die gestrigen Diskussionsrunden, wo Aytekin für seinen “Mut” noch gelobt wurde, anstatt dass mit aller Deutlichkeit herausgestrichen wurde, dass festgeschriebene Regeln für alle gleich gelten müssen und alles andere eine schreiende Ungerechtigkeit ist.
Schon fast zum Lachen, dass es die Rote Karte in ähnlicher Situation beim Spiel Paderborn-Bayern, als Robben gelegt wurde, gab. Vielleicht sollte der DFB hier seine Schiedsrichter mal auf den gleichen Stand bringen oder es auch nur zugeben, dass es den vielzitierten Bayern-Bonus tatsächlich gibt.
So lief das Spiel wie schon davor weiter, Dortmund kombinierte wie in besten Zeiten und erzielte keine zehn Minuten nach dem Ausgleich die erneute Führung. Ich war schon da stinksauer. Natürlich ließ das 1:2 noch alle Möglichkeiten offen. Dennoch war es fürchterlich mit anzusehen, wie unterlegen der VfB war, dass wir überhaupt nichts entgegenzusetzen hatten und immer einen Schritt zu spät dran waren. Positiv herauszuheben war lediglich das Startelf-Debüt von Serey Dié und das Comeback von Carlos Gruezo, auch wenn er noch lang nicht der Alte ist und zu allem Überfluss später auch noch verletzt ausgewechselt werden musste.
Das VfB-Spiel übertraf meine schlechtesten Erwartungen. Es war überhaupt nichts zu sehen, das für den Rest der Saison Hoffnung geben würde. Vogelwild in der Abwehr, harmlos im Sturm und ein Mittelfeld mit null Akzenten nach vorne. Dann noch ein Torwart, der den Ball lieber ins Seitenaus drischt, anstatt ihn einem Mitspieler anzuvertrauen. Es tat einfach weh!
So spielt ein Schlusslicht, so spielt ein Absteiger, so spielt ein Haufen von Einzelspielern, die trotz deutlicher Transparente in der Cannstatter Kurve den AbstiegsKAMPF noch immer nicht angenommen zu haben scheinen.
Nicht nur das erbärmliche Auftreten der Mannschaft schmerzte. Im ausverkauften Neckarstadion befanden sich sicherlich zwischen 15.000 und 20.000 Dortmunder Fans und diese natürlich dort, wo es nicht ganz so viele Dauerkarten gibt, also beispielsweise bei uns. Da ich ohnehin einen megadicken Hals hatte und dann noch beim Dortmunder Führungstreffer viele aufsprangen und selbst zu „Steht auf, wenn ihr Dortmunder seid“ stehen blieben, zog ich es vor, ins Cancun zu gehen und dort die zweite Halbzeit anzuschauen. Das kam bei mir schon lang nicht mehr vor, dass ich noch vor der Halbzeit gegangen bin, dieses Mal aber war das Gesamtpaket ausschlaggebend, da meine Hoffnung auf eine bessere zweite Halbzeit nicht vorhanden war.
Bereut habe ich diesen Entschluss zu keiner Zeit. Es war allein der Dortmunder Schludrigkeit geschuldet, dass es ergebnistechnisch kein Debakel gab. Als Timo Baumgartl, bis dahin bester VfBler, kurz vor Schluss nach schlampigem Pass von Klein der Ball versprang und seine Rückgabe dadurch zu kurz geriet, war das Spiel ohnehin bereits so gut wie verloren, so dass ich dem Youngster keinen Vorwurf mache. Ulle hätte die Situation auch antizipieren und entschlossener herauslaufen können. Der Deckel war also drauf, daran änderte das 2:3 durch Niedermeier in der Nachspielzeit auch nichts mehr.
In der Woche tauchte im Netz eine ältere Fake-Geschichte wieder auf, die davon erzählte, Marcel Reif wäre vom DFB für Bayern-Übertragungen gesperrt worden, weil er sie immer so in den Himmel lobe und nicht neutral kommentiere. Mein spaßiger Kommentar dazu, natürlich mit einem Augenzwinkern, war, dass er dann zur Strafe die VfB-Spiele kommentieren müsse, davon Augenkrebs bekäme und mich das nicht tangieren würde, weil ich ohnehin bei jedem Spiel bin. Weit gefehlt, nun saß ich also im Cancun und musste sein Gesabber über mich ergehen lassen. Das mit dem Augenkrebs traf tatsächlich zu, er war nahezu entsetzt. „Was ist nur aus diesem VfB geworden“, „Schockstarre“, „keiner will den Ball haben“, „erbärmlich“, waren so noch die freundlichsten Vokabeln. Ganz Fußball-Deutschland wurde ganz deutlich vor Augen geführt, dass der erste Absteiger eigentlich schon feststeht. Man kann es sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie in dieser verfahrenen Situation noch eine grundlegende Wende kommen soll.
Unterm Strich stehen also weiterhin 18 Punkte nach 22 Spielen. Nach meiner Rechnung müssen noch mindestens sechs Siege her, um dem Abstieg noch entgehen zu können. Nur, gegen wen sollen die gelingen?
Die Transparente in der Kurve vor dem Spiel wie „Wadenkrampf und Bluterguss, statt Selfiescheiß im Mannschaftsbus“ oder auch „Auf geht’s Stuttgart, kämpfen ihr Nieten“ waren eine deutliche Ansage, was von der Mannschaft erwartet wird. Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel passten ja einige Ultras die Mannschaft am Clubgelände ab und stellten sie zur Rede. Anscheinend soll dies für so manchen Spieler erleichternd gewesen sein, sich einmal konstruktiv den Frust von der Seele reden zu können und in friedlichem Rahmen abgelaufen sein. Die Zeiten auf dem Wasen werden also rauer, die Mannschaft zunehmend in die Pflicht genommen, dem Abstiegskampf alles unterzuordnen und persönliche Eitelkeiten und Befindlichkeiten beiseite zu schieben. Ich hoffe sehr, dass auch weitere Aktionen im friedlichen Rahmen verlaufen und es nicht zu Eskalationen kommt, die wir schon erlebt haben und auf die ich wirklich verzichten kann.
Nach dem Spiel spielten sich herzzerreißende Szenen in der Kurve ab, die ein engeres Zusammenrücken zwischen Team und Fans dokumentieren. Waren es doch die Fans, die die Spieler trösteten und aufmunterten und nicht etwa die Mannschaft, die uns Mut gemacht hätte. Wie die Häufchen Elend kamen die Jungs in die Kurve, offensichtlich am Boden zerstört. Es wirkte fast so, als wären sie genauso erschrocken über die indiskutable Darbietung wie wir Fans.
Gerade die Youngsters, , unsere Timos, die sich mit dem VfB sicherlich am meisten identifizieren, hatten Tränen in den Augen und machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube, wie sehr ihnen diese Situation an die Nieren geht. Gerade für die beiden muss die Vorstellung besonders schlimm und auch lähmend sein, für alle Ewigkeit mit der dunkelsten Stunde der VfB-Vergangenheit in Verbindung gebracht zu werden. Unsere Youngster tun mir in dieser Lage am meisten Leid, da wir keine Führungsspieler haben, die sie an die Hand und wieder aufrichten können, zumindest keine, deren Leistung und Auftreten sie dazu befähigen und glaubwürdig machen würden. Aber auch ein Moritz Leitner, dem man ja zutraut, dass ihm die Situation egal ist, stand da wie ein reumütiger Bub.
Am Freitagabend merkte man deutlich wie nie zuvor, welch immenser Druck der Mannschaft lastet und auch wie ratlos sie sind, damit umzugehen. Der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft scheint also vorerst vorhanden zu sein, richten müssen es aber trotzdem diejenigen, die auf dem Platz stehen. Der Unterstützung dabei können sie sich nach wie vor sicher sein, so auch am nächsten Samstag in Hannover. Ob die Situation nach Niederlagen gegen Hannover und die Berliner Hertha noch die gleiche wäre, da habe ich meine Zweifel. Es ist purer Pragmatismus der Fanszene, still zu halten und das Team nicht noch weiter zu verunsichern, was dann womöglich noch kontraproduktiv wäre.
Sportdirektor Robin Dutt zählt inzwischen öffentlich den Trainer an, indem er ihn indirekt dazu auffordert, von seiner defensiven Grundordnung abzuweichen. Natürlich ist das in der Sache richtig, denkt doch fast jeder so, aber, ob es ein geschickter Schachzug ist, Stevens öffentlich Ratschläge zu erteilen, wage ich zu bezweifeln.
Wie ich Stevens einschätze kränkt ihn das, wenn man seine Überzeugung in Frage stellt und es würde mich nicht wundern, wenn er tatsächlich demnächst den Bettel hinwerfen würde. Da er ein ehrlicher, aber auch sturer Mensch ist, könnten die Äußerungen Dutts in die falsche Richtung gehen, nämlich dass Stevens, selbst sollte er schon andere Überlegungen angestellt haben, seine taktische Ausrichtung jetzt zum Bossen nicht ändern wird, nur um nicht den Eindruck zu erwecken, sich in die Aufstellung hineinreden zu lassen.
Inzwischen habe ich Zweifel, ob die Rückholaktion Stevens‘ richtig war. Nach Vehs Rücktritt war er zwar für mich der bestmögliche Nachfolger, da mir seine Art der Mannschaftsführung in der letzten Saison gefallen hat. Zudem merkte man ja unter Veh, dass der Hurra-Stil gefährliche Defensiv-Schwächen offenbarte. Mit Stevens erhoffte ich mir eine Stabilisierung der Defensive, aber natürlich nicht um den Preis, dass man sich sämtlicher Offensiv-Qualitäten berauben würde.
Maurizio Gaudino hat es letzte Woche beim Fußball-Stammtisch eigentlich plausibel erklärt, dass es falsch war, Stevens zurückzuholen. Die Spieler kannten ihn, so dass keine neuen Reize gesetzt wurden und somit auch keine Aufbruchsstimmung in der Mannschaft entfacht wurde. Natürlich ist das richtig, da Veh aber zurückgetreten war und sich die Mannschaft damals noch nicht ganz so schlecht präsentierte, waren diese Punkte für mich nicht vorrangig. Damals herrschte nach Vehs überraschendem Rücktritt erst einmal eine Leere und man war froh, diesen Abgang bestmöglich und vor allem schnell kompensiert zu haben.
Ob Stevens in den nächsten Spielen, in denen es weitestgehend gegen direkte Konkurrenten geht, bereit ist, mehr Risiko zu gehen, wird sich zeigen. Wenn nicht, muss eigentlich die Notbremse gezogen werden, denn so schlittern wir unweigerlich dem Abgrund entgegen.
Unser Königstransfer Kostic ist genauso außen vor wie Alexandru Maxim. Leitner darf genauso fast immer ran wie Hlousek. Martin Harnik soll den Stoßstürmer geben, während Ginczek zu den Amateuren verbannt wurde (und trifft und trifft).
Natürlich ist jede weitere Unruhe nicht förderlich und es spräche nicht für den VfB, beschäftigte man zum zweiten Mal in Folge drei Trainer in einer Saison. Aber, den Rücktritt Vehs würde ich da nicht einmal mitzählen, weil er ja selbst den Schlussstrich gezogen hatte und „freiwillig“ ging. Hier ist dem Verein „nur“ vorzuwerfen, dass er sich offensichtlich nicht über Veh informiert hatte, ob und inwiefern er sich seit seinem Rausschmiss 2008 verändert hat. Was so heraussickert, gab es mit Veh nämlich genau die gleichen Probleme, die man ihm schon damals nachgesagt hatte.
Ich möchte wahrlich keinen Trainerwechsel herbei reden, aber, wenn eine Situation verfahren ist, wenn einige Spiele hintereinander ähnlich und ohne Weiterentwicklung oder gar Verbesserung dahinplätschern, muss eventuell die letzte Patrone noch gezogen werden, um sich am Ende nicht vorwerfen zu müssen, nicht alles versucht zu haben.
Stevens wirkte schon in Sinsheim erschreckend ratlos und wusste auch nach dem Dortmund-Spiel keine Lösungsansätze. Dass die Kader-Zusammenstellung falsch ist, dass die individuellen Fehler abgestellt gehören und dass er kein Messias ist, sprach er in die Mikrofone.
Natürlich würde sich wohl jeder Trainer der Welt an diesem Kader die Zähne ausbeißen, aber, psychologisch scheint ihm in dieser Saison das Geschick zu fehlen, das ihn in der letzten Saison noch auszeichnete.
Die aufgeführten Thesen sind Tatsachen, die man weiß und jeder sieht, mir fehlt jetzt aber DER Spieler, den er stärkt (und der es ihm dann auch mit Leistung zurückzahlt), so wie er es in der letzten Saison mit Gruezo, Didavi und auch Traore schaffte. So etwas wäre ein Impuls, den man sich von einem Trainerwechsel erhofft, dieser ist leider seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ausgeblieben. Mit Serey Dié hat man ja jetzt DEN Spielertyp, der gefehlt hat, der kratzt und beißt, so dass man das Mittelfeld offensiver ausrichten könnte. Mit neun defensiv denkenden Spielern werden wir es kaum aus dem Keller heraus schaffen.
Wenn man sich die Sportsendungen des Wochenendes wie den Fußball-Stammtisch und auch Sky 90 zu Gemüte geführt hat, muss man feststellen, dass dieser Offenbarungseid gegen Dortmund dazu geführt hat, das kaum noch jemand einen Pfifferling auf den VfB setzen würde. Alle sind mehr oder weniger sprachlos, wie hilf- und führungslos der VfB sich derzeit präsentiert.
Dennoch ist es natürlich verfrüht den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn sich immer mehr Teams aus der Abstiegszone verabschieden. Das nächste Spiel in Hannover dürfte (einmal mehr) richtungsweisend werden. Zeigt die Mannschaft eine Reaktion, hat der Zuspruch der Fans diese Wirkung und wird, Originalton Dutt, Energie freisetzen oder verfällt man weiterhin in die alte Lethargie und lässt das Spiel über sich geschehen. Natürlich haben wir in den letzten Jahren dort wenig gerissen, abgesehen vom 0:0 in der Rückrunde der letzten Saison, aber, der Sieg Paderborns in Hannover vor einer Woche sollte doch Mut machen, dass wir das auch schaffen könn(t)en. Sollte der Auswärtssieg gelingen, wäre Hannover zudem ebenfalls noch dick in der Verlosung.
Früher war Hannover der Inbegriff eines „Graue-Maus-Spiel“. Ein zugiges Stadion, überschaubare Unterstützung im Gästeblock und das in einer Stadt, wo man sonst eigentlich nur vorbei fahren würde. Mittlerweile hat sich Hannover gemausert. Nicht nur, dass sie sich seit Jahren in der Liga etabliert haben, das Stadion ist nach dem Umbau richtig schön geworden und es ist mittlerweile auch ein beliebtes Reiseziel des VfB-Anhangs. Die Stimmung im Stadion ist gut, auch wenn die Ultras „ihre Erste“ derzeit boykottieren. Ich freue mich also drauf, aber, wie immer in letzter Zeit, mehr auf das Drumherum und die Leute, als auf das Spiel.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (5 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
28. März 2014

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden (Hermann Hesse)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 17:04

Ich gebe es zu. Auch ich habe auf der Rückfahrt von Nürnberg in den Abgesang unseres VfB in die 2. Liga mit eingestimmt. Zu erschütternd die Vorstellung, zu hilflos die Körpersprache der Spieler, die es letztlich richten müssen.

Wer hoffte, aus dem Ende der Sieglosserie gegen den HSV wäre neuer Mut geschöpft worden, musste sich prompt eines Besseren belehren lassen. Gegen einen Gegner, der seinerseits mit vier Niederlagen am Stück angetreten ist, ließ man sich nach einer Viertelstunde bereits nach und nach den Schneid abkaufen und nahm den Abstiegskampf gelinde gesagt nicht an. Der VfB war an Passivität nicht zu überbieten und überließ den Nürnbergern fast kampflos das Feld. Zwei einigermaßen ernsthafte Torschüsse in 90 Minuten, in einem solch existentiell wichtigen Spiel, dafür fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Wenn die einzelnen Spieler schon nicht wegen uns Fans, schon gar nicht wegen sich selbst, für ihre fürstliche Entlohnung alles daran setzen, den größtmöglichen Schaden vom Verein abzuwenden, dann sollten sie wenigstens für die Firma VfB, für die Mitarbeiter, denen sie tagtäglich begegnen, kämpfen. Ein Abstieg würde u. a. Personalabbau auf der Geschäftsstelle und in anderen Bereichen bedeuten, und das von Leuten, denen es bei weitem nicht so gut geht, wie den Herren Profis.

Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass diese Truppe in dieser Zusammenstellung untrainierbar ist. In der Winterpause hätte man vielleicht noch entgegensteuern können, den einen oder anderen faulen Apfel aussortieren und stattdessen einen willigen Leitwolf holen können. Welchen Wert bspw. ein Julian Schuster in Freiburg für diese Rasselbande dort hat fasziniert mich immer wieder. Er wäre ein Spieler gewesen, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (er hat kürzlich erst verlängert), dem man eventuell eine Rückkehr hätte schmackhaft machen können. Dies ist jetzt nur ein Beispiel, dass ein charakterlich einwandfreier Spieler mit Führungsqualitäten nicht unbedingt teuer sein muss!

Alles lamentieren hilft uns jetzt aber nicht weiter. Nach Schließen des Transferfensters war klar, dass Schneider, Bobic & Co. diesem Kader ihr Vertrauen schenkten und wir wohl oder übel damit über die Runden kommen müssen. Auch wenn momentan wenig für den Klassenverbleib spricht, muss bis zum letzten Blutstropfen und solang der Käs rechnerisch noch nicht gegessen ist, alles versucht werden, um das Unheil abzuwenden.

Mein heutiger Titel „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ sollte in der Kabine aufgehängt werden, damit es sich jeder verinnerlicht. Jeder Tag ist ein neuer Anfang, jeder Anpfiff eröffnet ein neues Spiel mit zunächst einmal den gleichen Chancen für beide Mannschaften. Jedes Spiel beginnt bei 0:0, kein Team, außer vielleicht den Bayern, ist unschlagbar. Jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht gegen uns. Diesen hat jedoch kein Team von vornherein. Jede Mannschaft, die den Platz betritt, hat zunächst einmal vor, diesen wieder als Sieger zu verlassen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass ein Gegner nachlässt und sich im Laufe des Spiels womöglich mit einer Niederlage anfreundet. Das geht allerdings nur über bedingungslosen Einsatz, volle Konzentration und mit der Bereitschaft Fehler der Mitspieler auszubügeln und über die Schmerzgrenze. Tugenden, die uns zuletzt völlig abgingen, die man aber von einem Profi erwarten kann und auch erwarten muss. Da es alle schon gezeigt haben, dass sie es besser können, ist auch bei uns noch nicht aller Tage Abend.

Ich habe mal zusammenfasst, was meiner Ansicht nach für und was gegen den Abstieg spricht und dabei natürlich das so wichtige Spiel morgen gegen Borussia Dortmund in den Vordergrund gestellt.

Pro: wer in Nürnberg so blutleer agiert, hat es nicht begriffen und hat keine Existenzberechtigung in der Bundesliga. Gentner (einige haben es nicht begriffen) und Rüdiger (nur 90% gegeben) mit ihren Statements machen mir Angst.

Der VfB hat in dieser Saison noch kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten abgeliefert.

Die vielen späten Gegentore, die vielen Jokertore des Gegners, ein Indiz von schlechter Kondition und fehlender geistiger Frische und Flexibilität. Im Trainingslager wurde zwar Robben Island besichtigt, genügend trainiert aber nicht.

In der Winterpause wurde ein potentieller Stabilisator wie Kvist abgegeben. Moli, der zumindest für die Stimmung im Team gut war, verkauft und keinen Ersatz geholt. Wir haben keine Mannschaft auf dem Platz, die sich hilft, lauter kleine Grüppchen und Ich-AG’s, denen es größtenteils wohl wirklich am A… vorbei geht, wenn der VfB absteigt. Die heuern eben beim nächstbesten Club an und treiben dort ihre Spielchen weiter.

Das ist auch das, das mir am meisten Angst macht. Viele werden jetzt schon mit dem Kopf mehr beim nächsten Arbeitgeber sein, als hier ihre verdammte Pflicht zu tun.

Kontra:

Wir haben noch vier Heimspiele. Mit vier Heimsiegen wären wir ziemlich sicher gerettet. Der Heimfluch muss besiegt werden, Hamburg als guten Anfang sehen. Ganz wichtig, morgen gegen Dortmund: agieren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, kassieren wir die nächste Packung. Gelingt es aber Präsenz in den Zweikämpfen zu zeigen, hart und nicht unfair, einfach den Dortmundern klar zeigen, dass es den Sieg nicht umsonst gibt, wer weiß, ob dann nicht der eine oder andere lieber zurückzieht, möchte er doch am Dienstag bei Real dabei sein. Gut möglich auch, dass Klopp, der sich bei den jüngsten Aufeinandertreffen massiv über unsere harte Gangart beschwert hat, den einen oder anderen vorsorglich gleich draußen lässt. Das müssen wir ausnutzen. Gestern hat mich stutzig gemacht, dass viele meinten „wer weiß, vielleicht holen wir ja einen Punkt gegen den BVB“. Zum einen helfen uns nur noch Siege weiter, zum anderen darf man aber gerade das der Mannschaft nicht vermitteln. Eher mal Videoanalyse betreiben, wie es der HSV geschafft hat, 3:0 gewinnen, übrigens auch vor einem CL-Spiel. Das muss der Anspruch sein, die Heimspiele zu gewinnen. Selbst die Bayern hatten wir ja lange am Wickel!

Wenn man den Worten von Bobic gestern Glauben schenken darf, hat die Mannschaft Stevens nach dem Nürnberg-Spiel so richtig kennengelernt. Absolute Fokussierung auf den Beruf, keine Privattermine bis auf weiteres und ein rauer Umgangston herrschen wohl seitdem. Hat die Mannschaft auch nur einen Hauch von Charakter, wird sie anders auftreten als in Nürnberg.

ZUSAMMENHALTEN, die Fans werden, wie gegen Hamburg ja auch, wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen und alles mögliche versuchen, der Mannschaft zu helfen. An der Unterstützung wird es bei allen restlichen Spielen nicht mangeln. Auf der anderen Seite bleiben die Dortmunder Ultras lieber zu Hause und schauen ihre Amateure gegen Preußen Münster, Protestaktion wegen der überhöhten Eintrittspreise und, aus ihrer Sicht, Top-Zuschlag in jedem Spiel. Der Gästeblock wird zwar dennoch voll sein, gibt ja auch genügend Majas hier um die Ecke, ob die gleiche Stimmung dort herrschen wird, sie sich sogar wegen Uneinigkeit kloppen, werden wir sehen. Wir sind das Heimteam, also haben die sowieso keine Chance, akkustisch die Oberhand zu gewinnen.

Fragt sich, welche Argumente sich durchsetzen. Ich bin von der Mannschaft und damit von fast allen Spielern maßlos enttäuscht, aber die müssen es eben jetzt für uns richten. Notfalls noch eine attraktive Nichtabstiegsprämie ausloben (wäre zumindest weitaus günstiger als ein Abstieg), die den Spielern Beine macht, anders erreicht man einen Großteil der Söldner leider nicht mehr. Trotzdem sehe ich bei den vier Heimspielen durchaus eine Chance, nur, morgen muss einfach mal ein deutliches Signal gesetzt werden. Über den Kampf ins Spiel finden und nicht versuchen, den Dortmundern in technischer Hinsicht ebenbürtig zu sein. Da liegen nämlich Welten zwischen dem Champions League Finalisten und unseren Rumpelfußballern!

Mein Fazit: die Lage ist düster und doch nicht ganz aussichtslos!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.0/10 (2 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)