2. November 2013

Heja BVB, Oje VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 11:49

Bilder vom gestrigen Debakel sind jetzt online. Glückwunsch BVB zu einem tollen Spiel bei wie immer einer klasse Atmosphäre.

Danke VfB für Nichts. Wenn man mit der Naivität einer Knabenmannschaft zu Werke geht und ständig am hinterherlaufen ist, kann man in Dortmund nichts ernten. Zu viele Totalausfälle in der Truppe, der BVB auf jeder Position besser besetzt. So heißt es, den Blick nach unten zu richten und hoffen, dass Braunschweig, Freiburg und Nürnberg die Punktelieferanten der Liga bleiben. Erste Gelegenheit ein Polster nach unten aufzubauen böte sich heute in acht Tagen. Doch, mittlerweile hat es sich in der Liga herumgesprochen, wie (einfach) dem VfB beizukommen ist, zu ausrechenbar sind wir mittlerweile. So halte ich heute nicht einmal für ausgeschlossen, dass der SCF gegen uns leicht und locker seinen ersten Saisonsieg einfahren könnte. Ich hoffe natürlich, dass es nicht so weit kommen wird, zumal das Auswärtsspiel in Freiburg von der Papierform her noch das leichteste der kommenden Begegnungen ist. Angesichts der Heimschwäche und der dann noch ausstehenden Auswärtsaufgaben in Schalke und in Wolfsburg könnten wir uns bis Weihnachten in ganz ungemütlichen Tabellengefilden wieder finden, sollte nicht ganz schnell eins Ruck durchs gesamte Team gehen!

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1. April 2013

Unglückliche Heimniederlage gegen den Deutschen Meister

Nach der Länderspielpause und einer gefühlten Ewigkeit mal wieder hatte der VfB ein Heimspiel zur traditionellen Fußballzeit, Samstag 15.30 Uhr, vor der Brust. Voller Vorfreude und auch mit einem gewissen Optimismus machte ich mich an diesem Samstag schon sehr frühzeitig auf zu einem Bierchen und Fachsimpeleien mit Freunden. Diese Rituale gehören dazu wie das Treiben auf dem grünen Rasen und können an einem Samstag-Nachmittag natürlich weitaus genüsslicher angegangen werden als bei Sonntag-Spielen.

Durchaus optimistisch deswegen, weil der VfB dem BVB zuletzt vier Mal in Folge ein Remis abringen konnte, weil, durch die Länderspielpause und den Wegfall der Dreifachbelastung ein wenig Zeit zum durchschnaufen war und weil der VfB zuletzt durch den Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt den Tabellendruck etwas abmildern und sich Selbstvertrauen zurück holen konnte.

Das Stadion war seit längerem mal wieder ausverkauft, was einmal mehr verdeutlicht, dass zum VfB viele Leute eher wegen dem Gegner als wegen dem VfB kommen. Ein Phänomen, das nun mal so ist. Vor allem in Zeiten, des sportlichen Misserfolgs, in einer Saison, in der sich eine emotionslose Partie an die nächste reiht, in der sich Verein und Mannschaft immer mehr vom Publikum entfremden, in denen man für immer weniger Gegenleistung immer mehr Geld bezahlen soll, da ist ein Stadionbesuch einfach nicht mehr so selbstverständlich wie vielleicht noch vor einigen Jahren.

Und die VfBler, die zu Hause blieben, ermöglichten den unzähligen Gelb-Schwarzen sich einen Platz inmitten des weiten Runds zu sichern. Dies hatte zur Folge, dass sicherlich rund 10.000 BVB-Fans das Neckarstadion bevölkerten. Dortmunder möchte ich nicht sagen, da es unter denen doch sehr geschwäbelt hat.

Im Vergleich zum Frankfurt-Spiel änderte Labbadia die Anfangsformation gleich auf vier Positionen. Tasci wegen Grippe, Kvist und Molinaro gesperrt fielen ebenso aus wie der verletzt von der Nationalelf zurückgekehrte Shinji Okazaki. Für diese rückten Rüdiger hinten rechts, Felipe, Maxim und Harnik ins Team. Der VfB begann engagiert und hatte durch Niedermeier und Traore erste gute Tormöglichkeiten, hatte aber auch Glück, dass Reus in der Anfangsphase an Sven Ulreich scheiterte. Der VfB war von Beginn an im Spiel und es entwickelte sich, wie so oft in letzter Zeit gegen den BVB, ein Spiel mit offenem Visier. Man merkte den Brustringträgern an, dass sie sich etwas vorgenommen hatten und keineswegs dem scheinbar übermächtigen Gegner das Feld kampflos überlassen wollten. Anders als in so vielen Spielen zuvor , als man verhalten ins Spiel ging und erst einmal abwartete, den Sicherheitsrückpass dem Steilpass stets vorzog, war auf einmal Bewegung und Kampfgeist drin, was sich auch aufs Publikum projizierte. Gerade bei uns, Haupttribüne Seite Richtung Untertürkheimer Kurve, wo man oft den gegnerischen Anhang lauter hört als den unseren, wo sich gegnerische Fans in großer Anzahl tummeln, wo sich zuletzt eine unfassbare Lethargie und Gleichgültigkeit breit machte, gerade hier spürte ich, wie sich das Feuer vom Rasen auf die Ränge übertrug und Gift wie lange nicht mehr drin war.

Dass, wenn David gegen Goliath spielt, der vermeintlich kleine auch einmal zu unlauteren Mitteln greifen muss um nicht Katz und Maus mit sich spielen zu lassen, liegt in der Natur der Sache. Dass die Dortmunder Spieler, die meist unheimlich flink auf den Beinen sind, das eine oder andere Mal auch rustikal ausgebremst werden müssen, ist doch normal in diesem Sport. Wie sehr würde man sich aufregen, würde man sich sang- und klanglos ergeben und hätte nach dem Schlusspfiff nicht eine gelbe Karte zu verzeichnen.

Ich betone hierbei rustikal und meine nicht brutal oder fies. Die Aktion von Martin Harnik gegen Schmelzer fand ich überflüssig, da, so wie der Ball kam, eigentlich keine Gefahr mehr entstehen konnte. Wenn man sich die Fernsehbilder anschaut, sieht man auch, dass Harnik schon vor dem „hohen Fuß“ Körperkontakt mit Schmelzer hatte, also genau wusste, dass er „in der Nähe“ war und es einfach nicht so ist, wie er hinterher zum Besten gab, dass er ihn nicht gesehen hätte. Ob jetzt der Fuß hoch oder der Kopf zu tief war, ist müßig zu diskutieren. In dieser Situation hätte er nicht so einsteigen brauchen, fertig. Allerdings, dieses Vergehen wurde richtigerweise mit Gelb sanktioniert, eine härtere Strafe wäre überzogen gewesen. Es war Harniks fünfte Gelbe Karte, so hat er jetzt auch ausreichend Zeit, darüber nachzudenken, ob das hat sein müssen.

Und, Marcel Schmelzer, nichts für ungut. Der BVB hat Erfahrungen mit Gesichtsverletzungen und wird sicherlich die bestmögliche Versorgung gewährleisten können. Dass man auch mit Nasenbeinbruch nicht so schwer gehandicapt ist wie bei einem Fußbruch zeigt derzeit unsere Winterneuerwerbung Alexandru Maxim. Er stand erstmals in der Bundesliga in der Startelf und wird dort hoffentlich nicht so schnell wieder rausfliegen, auch wenn er damit Brunos Wunschelf sprengen sollte. Er ist DER Lichtblick in Zeiten fußballerischer Armut, ist er doch ein Spieler, dessen Freund der Ball ist und der einzige weit und breit in unserem Kader, Raphael Holzhauser mit Abstrichen ausgenommen, der es vermag einen Eckball bzw. Freistoß zum eigenen Mann und vor allem über den ersten Abwehrspieler hinweg zu bringen. Bei ihm geht mir derzeit das Herz auf und nicht umsonst gilt er als der „Mario Götze Rumäniens“. Ich bin guter Hoffnung, dass wir an ihm noch viel Freude haben werden und freute mich riesig, dass er es war, der sich für seine starke Leistung mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich belohnte.

Brunos Wunschformation wurde unter anderem durch Kvists Gelbsperre gesprengt. Ob ein Kausalzusammenhang zwischen Kvists Sperre und dem neuen Angriffsschwung besteht? Für mich liegt dieser „Verdacht“ nahe, war das VfB-Spiel doch plötzlich viel schneller und ansehnlicher. Wenn man sich die Verfassung des dänischen Nationalspielers zuletzt vor Augen führt, war seine Sperre für das Team mehr Segen als Fluch.

Eine andere Maßnahme, zu der Bruno Labbadia buchstäblich gezwungen wurde, war, Antonio Rüdiger als Rechtsverteidiger aufzustellen und Gotoku Sakai links verteidigen zu lassen. Eine personelle Rochade, die ich mir schon nach dem Bayern-Spiel gewünscht hätte, als Rüdiger großartig gegen Ribery spielte, und, nachdem Sakai zurückkehrte, sofort wieder auf der Bank oder Tribüne verschwand. Gerade junge Spieler verstehen doch die Welt nicht mehr, wenn sie nach starken Leistungen sofort wieder aus dem Team genommen werden, wenn vermeintliche Leistungsträger von Sperren, Verletzungen oder Afrika-Cup zurückkehren. Ein Trainer sollte doch immer zuerst die formstärksten Spieler bringen und gute Leistungen belohnen, anstatt blind seiner inneren Überzeugung zu folgen, und sich Woche für Woche von SEINEN Lieblingen enttäuschen zu lassen. Diesbezüglich erinnert mich Labbadia oft an Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede bzw. den Auszug davon „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“.  Bei solch sturem Festhalten an manchen Spielern bin ich (dann) gegenteiliger Meinung!

Doch nun zurück zum Spiel. Für Schmelzer kam Piszczek, der eigentlich für die Champions League Partie in Málaga geschont werden sollte, ins Spiel. Ausgerechnet der polnische Rechtsverteidiger war es dann, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung seine Farben in Führung köpfte. So gesehen war der Tritt von Harnik gegen Schmelzer für den BVB ein „Glückstritt“. Beim VfB war die Aufregung groß, war dem Freistoß, der dem 0:1 voranging doch ein unberechtigter Einwurf für Dortmund vorausgegangen.   Bei aller Aufregung aber, eine vom BVB schon hundertfach gesehene Freistoßvariante darf man auch besser verteidigen…

So rächte sich in einem bis dato ausgeglichenen Spiel mit verteilten Torchancen, hüben wie drüben, die erneut schludrige Chancenverwertung vom VfB, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Ibisevic, meist auf sich alleine gestellt, bekommt zu wenig Futter, um sein Torkonto erhöhen zu können, er fällt derzeit meist lediglich dadurch auf, dass er Bälle gut behaupten kann. Mangelndes Engagement kann man ihm nicht vorwerfen, fast unermüdlich wirft er alles in den Ring, was er zur Verfügung hat. Wenn er sich Tore nicht selbst vorbereitet, trifft er aber (zur Zeit) nicht. Schade, dass er knapp im Abseits stand, als er Weidenfeller per Kopf überwunden hatte.

Stattdessen hätten aber Georg Niedermeier und vor allem Traore treffen müssen. Möchte man ein solches Spiel gegen einen starken Gegner gewinnen, dann muss man einfach die Kiste machen und 1:0 in Führung gehen. So fiel der Treffer auf der anderen Seite, was den VfB allerdings dieses Mal nicht lähmte und zurück warf. Nicht zuletzt, weil sie in Maxim endlich mal wieder einen kreativen Kopf auf dem Platz hatten, gelang es, dem BVB ein über weite Strecken ausgeglichenes Spiel zu bieten.

Nach einer guten Stunde Spieldauer kam der VfB dann zum verdienten Ausgleich durch Maxim, der zu diesem Zeitpunkt in der Luft lag. Knackpunkt des Spiels war dann die gelb-rote Karte für Georg Niedermeier nach 70 Minuten. In meinen Augen einfach nur dumm dieses Einsteigen, wenn man bereits gelbverwarnt ist. Dieses Foul wäre vom einen oder anderen Referee auch mit glatt rot bestraft worden, daher auch ist es auch müßig darüber zu diskutieren, dass die erste gelbe Karte für Niedermeier keine war. Der Schorsch wirkte nicht nur in dieser Szene übermotiviert und machte seinem Spitznamen „Niederstrecker“ alle Ehre. Unschön, was dann geschah, als Götze im Fallen eine Bewegung mit seiner Hand in Richtung Schorsch machte, ihn wohl auch im Gesicht „streichelte“, der Schorsch sich aber danach wälzte, als habe ihm Mike Tyson seine gefürchtete Schlaghand ins Gesicht gedonnert. Diese Theatralik im „modernen“ Fußball widert mich einfach an, ob es jetzt ein Gegner ist oder wie in diesem Fall ein eigener Spieler. Wir haben doch gestandene Mannsbilder auf dem Platz und keine Memmen, also sollten sie sich auch wie Mannsbilder benehmen und nicht sämtliche guten Sitten vergessen, nur um sein eigenes Strafmaß abmildern zu wollen oder eine Bestrafung für den Gegenspieler herausschinden zu wollen. Was mich betrifft kann der Schorsch damit keinen Eindruck machen, ich fand das nur peinlich.

Schlimm ist eben, wo wir schon bei Schauspielerei sind, dass diese mittlerweile zum guten Ton in der Bundesliga gehört. Wie oft sieht man Spieler, die sich bei gegnerischem Ballbesitz herum wälzen, um zu erwirken, dass irgendeiner den Ball raus spielt und plötzlich wieder „fit“ sind, wenn die eigene Mannschaft den Ball gewinnt. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, plädiere ich dafür, gnadenlos weiter zu spielen, zumindest von der gegnerischen Mannschaft, ohne dabei irgendetwas von verletztem Fairplay zu faseln. Wo ist denn das Fairplay, wenn 60.000 Zuschauer im Stadion durch den Verfall der Sitten verarscht werden und das Spiel dazu noch unnötig verlangsamt wird.

So war die Hinausstellung Niedermeiers gerechtfertigt, ebenso wie die gelbe Karte für Götze. Für meinen Geschmack war das noch zu wenig, um hier eine Hinausstellung Götzes zu fordern. Allerdings hat mir der Schiedsrichter Aytekin insgesamt zu einseitig gepfiffen, bspw. hätte Gündogan ebenso gelb oder dann später auch gelb-rot sehen können bzw. müssen, in Situationen, als es weniger um den Ball ging, als bei der Aktion von Niedermeier, wo immerhin die Absicht unterstellt werden konnte, er wolle den Ball spielen. Auch muss man nicht zwingend bei jedem Körperkontakt gegen die wendigen Leichtgewichte Reus und Götze auf Freistoß für den BVB entscheiden. Diese wiederum forderten stets gestenreich, genauso wie die Dortmunder Bank und vor allem im Tor Ramona Weidenfeller Karten gegen den VfB. Dieses ständige Reklamieren, Gestikulieren und Rumgeheule, um den Schiri auf seine Seite zu bekommen, hätte genauso sanktioniert gehört. Der VfB hätte noch einen Handelfmeter bekommen können, dazu war die gelbe Karte für eine vermeintliche Schwalbe gegen Boka völlig überzeugen. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass der DFB dem Schiedsrichtergespann die Mission erteilt hatte, die Liga noch ein wenig „spannend“ zu halten und dass der VfB eben die Bayern nicht schon zum frühzeitigen Meister machen sollte.

Der VfB hat meiner Meinung nach über weite Strecken das getan, was er tun musste. Er begegnete dem BVB mit Einsatz, Kampf und Leidenschaft, Tugenden, die wir lange vermisst hatten. Daher verteufele ich keineswegs das eine oder andere harte Einsteigen, dies war notwendig, um dem BVB Paroli zu bieten und in gewisser Weise auch um sich Respekt zu verschaffen.

Aus diesem Blickwinkel kann ich auch die Aussage von Labbadia unterschreiben, dass die Dortmunder keineswegs unter Artenschutz stehen. Wir sind sicherlich nicht dafür zuständig, dass die Dortmunder am Mittwoch gegen Málaga eine schlagkräftige Elf auf dem Platz haben, auch wenn ich natürlich hoffe, dass der BVB diese Hürde nimmt. Der VfB kämpft ums Überleben in der Liga und kann auf solche Sentimentalitäten in der derzeitigen Situation keine Rücksicht nehmen.

Dass Klopp hinterher die überharte Gangart vom VfB und die eine oder andere Schramme seiner Kicker beklagte liegt ja mit daran, dass sie sich ebenfalls mit allem, was sie haben, ins Getümmel werfen und ordentlich austeilen. Diese Spielweise hat sie in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht, also sollte jetzt auch nicht gejammert werden, wenn der VfB gut dagegen hielt.

Als VfB-Fan ging ich trotz der Niederlage, die leider in Unterzahl nicht mehr verhindert werden konnte, zufrieden von dannen. Der VfB hat einiges ins Spiel investiert und hätte den einen Punkt sicherlich auch verdient gehabt. Sollte es gelingen, diese neu entdeckten Tugenden auch bei den kommenden Spielen in die Waagschale zu werfen, ist mir nicht bange. Mindestens gegen zwei Drittel der Liga würde eine solche Leistung zum Sieg reichen und diese aufopferungsvolle Hingabe belohnt werden.

Für den VfB wird es in den restlichen Spielen darum gehen, den Abstand auf Relegationsplatz 16 zu halten und mit der Abstiegszone nichts mehr zu tun zu bekommen. Die Spiele werden aber weniger und unten scheint das kurze Aufmucken des FC Augsburg schon wieder beendet zu sein. Alle anderen, die in der Tabelle hinter uns platziert sind, punkten ebenfalls nicht gerade furchteinflößend, so dass das Thema Abstiegsgefahr hoffentlich bald ad acta gelegt werden kann.

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31. März 2012

4:4 gewonnen!

Eines vorneweg: wenn man sich bei manch leidenschaftsloser Vorstellung fragt, weshalb man es sich antut, der Mannschaft überall hinterher zu reisen, um sich doch nur zu ärgern, so kann man nach dem gestrigen Abend festhalten, dass es genau diese Momente sind, wofür es sich lohnt, diesem wunderbaren Sport zu frönen. Ein Spiel, an Dramaturgie nicht zu überbieten. Und das in dem Fußballtempel in Deutschland schlechthin, dem Westfalenstadion in Dortmund. Am Ende gab es nur Gewinner. In vorderster Front natürlich der Fußball im Allgemeinen, die 80.720 Zuschauer, die diesem Spektakel beiwohnen durften und natürlich die Protagonisten in kurzen Hosen, die allerbeste Unterhaltung boten. Es war Gänsehaut pur, die einen den ganzen Abend begleitete. Selbst als wir in Rückstand lagen und die Dortmunder in Feierlaune waren. Die Schwarz-Gelben muss man einfach lieb haben, wenn man die Atmosphäre und die Schwarz-Gelbe Wand mit 30.000 Fans in der Südtribüne einmal erlebt hat. Dann die unfassbaren Glücksgefühle in unserem Block als der VfB innerhalb kürzester Zeit aus dem 0:2 ein 3:2 machte. Und, das an Emotionalität nicht zu überbietende Ende als Gentner in der Nachspielzeit zum 4:4 traf. Da nahmen wir auch die unfreiwilligen Bierduschen beim Torjubel gerne in Kauf.

Die Fahrt nach Dortmund begann für uns gegen 13 Uhr, als wir in Heimsheim den vom RWS Berkheim gecharterten Bus bestiegen und voller Vorfreude die Reise antraten. Schnell holte uns der ganz normale Wahnsinn am Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen ein. Es begann ja auch die erste Osterreisewelle, so dass wir schon bei Pforzheim den ersten von unzähligen Staus zu durchfahren hatten. Zwischenzeitlich hatte ich große Bedenken, überhaupt etwas vom Spiel zu sehen, so zäh zog sich die Fahrt hin. Etwa eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn erreichten wir Dortmund dann und reihten uns in den Stadionstau ein. Unser Busfahrer dachte dann besonders schlau zu sein, vertraute seinem Navi und ließ die Richtung Parkplatz abbiegenden rechts liegen, so dass wir uns plötzlich im Dortmunder Innenstadtverkehr wiederfanden. So sah ich unsere Felle immer mehr davon schwimmen und fühlte mich bestätigt, dass die Abfahrtszeit 12 Uhr in ES-Berkheim an einem Freitag recht knapp gewählt war. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatten wir den rechten Weg wieder eingeschlagen und standen auf der Brücke über die Bundesstraße, Richtung Busparkplatz im Stau, ehe der Busfahrer, nach Rücksprache mit der vor uns fahrenden Polizei, ein Einsehen hatte und uns aussteigen ließ. Den Weg zum Gästeblock bewältigten wir im Laufschritt, die Ordner an den Eingängen hatten Verständnis für unsere Eile und beschränkten die Abtast- und Durchsuch-Prozeduren aufs Nötigste. Im Stadion angekommen lief bereits You’ll never walk alone, was darauf hindeutete, dass der Einlauf der Gladiatoren unmittelbar bevorstand. Erst mal kurz durchatmen, geschafft…

Da wir für dieses Spiel Stehplatztickets hatten, war es natürlich äußerst ungünstig, so spät einzutreffen. Die Gänge im Stehblock waren nicht mehr als solche zu erkennen, so dass wir kaum rein kamen. Die wenigen Ordner hatten offensichtlich bereits aufgegeben, wenigstens die Gänge freizuhalten und die Leute zum durchgehen zu bewegen. Die ersten Augenblicke nach dem Eintreffen wollte ich nutzen, noch ein Bild von der Schwarz-Gelben Schalparade zu schießen, was genügte, meine Leute aus den Augen zu verlieren. Nachdem ich mich mit anderen Berkheimern bei den Ordnern beschwert hatte, dass es ja unmögliche Zustände wären, führten sie uns unten in den Stehplatzbereich, wo ich mich dann während der ersten Halbzeit aufhielt. Nicht optimal und schlechte Sicht, da ständig Ordner und Polizei vor einem herumturnte und das Gedränge auch immer größer wurde. Aber, darüber regte ich mich nicht groß auf. Weiß man doch, wenn man ein Stehplatzticket wählt, dass es sich empfiehlt, frühzeitig seinen Platz einzunehmen.

Ich fuhr durchaus optimistisch in den Ruhrpott. Der VfB erreichte in den letzten beiden Begegnungen gegen den BVB jeweils ein 1:1, was ich auch für dieses Aufeinandertreffen tippte. Beide Male war Dortmund favorisiert, doch der VfB schaffte es jeweils mit Glück und Geschick einen Punkt zu erringen, was ich als Vorzeichen sah, dass wir uns möglicherweise zum Dortmund Angstgegner aufschwingen könnten. Das Spiel begann wie erwartet. Mit druckvollen Dortmundern, die die VfB-Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Der BVB presste früh und zwang den VfB mit seinem druckvollen Hochgeschwindigkeitsfußball in die Defensive und kam zu ersten Chancen. Mit eigenen Nadelstichen in der Offensive (Schieber muss das 0:1 machen) zeigte der VfB dem Tabellenführer aber, dass er sich nicht zu sicher fühlen darf. Dennoch hatte der BVB natürlich ein deutliches Chancenplus. Ulreich, das Aluminium und mehr als einmal unser Turm in der Schlacht, Schorsch Niedermeier, verhinderten den frühen Rückstand. Nach etwa einer halben Stunde hätte der VfB allerdings einen Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen, als Weidenfeller Ibisevic in aussichtsreicher Position legte. Bitter, denn ein möglicher Elfer hätte auch die Rote Karte für Weidenfeller nach sich ziehen müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Spielleitung von Schiri Weiner gefiel, ließ er doch viel laufen, was dem Spielfluss gut tat.

Kurz darauf war es dann aber um den VfB geschehen. Kehl legte für Kagawa auf, der den Ball unter die Latte drosch. Aufgrund des Chancenplus des Meisters eine verdiente und auch fällige Führung. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr allzu viel. Dortmund hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt gut im Griff. Die Pause nutzte ich zum Plausch mit einigen Bekannten und einem zweiten Versuch von oben in den Stehplatzbereich zu gelangen, was dieses Mal auch funktionierte.

Auch die zweite Hälfte begann der BVB furios. Bei Pisczceks Pfostenknaller hatten wir noch das Glück des Tüchtigen, nur eine Minute später aber bezwang Kuba Sven Ulreich zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0. Dortmund sah zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aus. Ich hoffte nur, dass es jetzt kein Debakel gibt, Chancen dazu waren für den BVB vorhanden. In der 61. Minute kam dann der längst überfällige Wechsel auf unserer linken Abwehrseite. Molinaro wurde für Boka aufs Feld geschickt, der einmal mehr völlig überfordert war. Kuba und Pisczcek spielten zeitweise Katz und Maus mit ihm, der ständig in die Mitte zog anstatt seine Seite zuzumachen. Wie schon gegen den Club eine grottenschlechte Vorstellung unserer Nummer 15. Mit Molinaro kam mehr Stabilität auf dieser Seite rein. Mitte der zweiten Hälfte bekam man den Eindruck, dass Dortmund einen Gang zurückschalten und der VfB noch einmal seine Chance suchen wollte. Kvist setzte mit seinem satten Pfostenschuss ein erstes Ausrufezeichen, Ibisevic hatte kurz darauf eine gute Kopfballchance. Dann folgte die Zeit der spielentscheiden Wechsel. Beim VfB kam Christian Gentner für Hajnal, bei Dortmund Bender für Gündogan. Ich hatte den Eindruck, dass dem BVB mit der Auswechslung von Gündogan Struktur und Stabilität verloren ging, während sich der viel gescholtene Gentner zum (fast) spielentscheidenden Mann aufschwang. Kaum im Spiel bediente Gentner Niedermeier, dessen Volleyablage Vedad Ibisevic im Stile eines kaltschnäuzigen Torjägers gegen die Laufrichtung von Weidenfeller im Kasten versenkte. Gerade einmal sechs Minuten später kam der Ball nach von Ibisevic gegen Subotic gewonnenen Kopfballduell zu Julian Schieber, der mit unbändiger Willenskraft den Ball unter Kontrolle hielt, Weidenfeller umkurvte und zum 2:2 einschob. Ihm gönne ich es besonders, wurde er unter der Woche doch noch von seinem eigenen Präsidenten unwürdig abqualifiziert. Wiederum nur zwei Minuten später schickte Kuzmanovic Schieber auf die Reise, der mit einem satten Linksschuss durch die Beine von Weidenfeller das sensationelle 2:3 markierte. Daraufhin brachen bei uns im Block natürlich alle Dämme und auch ich hatte ernsthafte Standprobleme, am Ende aber alles gut überstanden. Unfassbar, bei einem eigentlich übermächtigen Gegner innerhalb so kurzer Zeit aus einem 0:2 ein 3:2 zu machen. Der BVB aber, im Stile einer Klassemannschaft, schüttelte sich kurz und schlug, auch einer gewissen Passivität vom VfB in dieser Phase geschuldet, eiskalt zurück. Als Hummels und Perisic Dortmund mit 4:3 in Führung schossen war im Stadion natürlich ein Geräuschpegel zu vernehmen, den ich sonst nur aus schottischen Stadien kenne. Wir waren restlos bedient und sahen es jetzt, nach dieser Aufholjagd, als tragisch an, mit leeren Händen heimfahren zu müssen. Doch, der VfB raffte sich auch nach diesem Tiefschlag noch einmal auf. Der eingewechselte Bah setzte einem eigentlich schon verlorenen Ball in der Nachspielzeit gut nach, so dass der Ball zu Molinaro gelangte. Dieser tat das, was man macht, wenn man in der Nachspielzeit unbedingt noch ein Tor braucht und drosch den Ball hoch in den Dortmunder Sechzehner. Schmelzer legte unfreiwillig für Gentner auf, dieser umkurvte Kehl und hämmerte den Ball unter die Latte des Dortmunder Tores. Damit wurde Gentner tatsächlich zum „Matchwinner“, auch wenn es keinen Sieger gab. Dieses Remis fühlte sich wie ein Sieg an. Unbändiger Jubel natürlich in unseren Reihen und bedröppelte Dortmunder, die zwei Punkte auf die Bayern verloren, den (Meister-) Sack im direkten Duell aber ja noch selbst zumachen können. Außerdem, nach München fahren wir ja auch noch. ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über ein Unentschieden schon einmal so gefreut hätte. Nach diesem Spielverlauf wäre es einfach bitter gewesen zu verlieren. Da habe ich sogar weniger an mich als Fan gedacht, als an die Mannschaft. Für dieses Aufbäumen musste es einfach die Belohnung in Form eines Punktgewinnes geben. Der VfB hat gestern, zumindest nach Kvist‘ Pfostenschuss, der als Startsignal zu sehen war, eine geile Leistung abgeliefert. Sie waren in dieser Phase unheimlich präsent in den Zweikämpfen und kämpften um jeden Ball. Das war Leidenschaft pur, wie ich sie vom VfB lange nicht mehr gesehen habe. Dass dieser Punktgewinn nicht unverdient war, zeigt die Statistik von Fussballdaten.de: Ballbesitz 49,5% zu 50,5%, gewonnene Zweikämpfe 47% zu 53%, Fouls 8 zu 10. Die Torschussstatistik von 27 zu 11 zu Gunsten des BVB war fast vorhersehbar. Dass man aber bestrebt war, selbst das Spiel zu machen und in den Zweikämpfen eine positive Bilanz ausweist, ist Beleg dafür, wie sich in der VfB in das Spiel hineingebissen hat. Auch die Foulstatistik von „nur“ 8 zu 10 finde ich bemerkenswert, ist es doch sauschwer diese wieselflinken Dortmunder mit fairen Mitteln zu verteidigen.

Ich behaupte mal, JEDER, der diesem denkwürdigen Abend live beiwohnen durfte, wird so ein Spiel niemals vergessen. Auch für mich reiht es sich ein in die ganz großen Sternstunden, die ich schon mit dem VfB erleben durfte. Den Dortmundern wünsche ich, dass auch sie das positive aus diesem Spiel ziehen können und in den nächsten Spielen ihre Chancen etwas konsequenter ausnutzen und den Bayern weiterhin die Stirn bieten.

Leider war nach dem Spiel nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses. Die Zeit reichte noch zu einem Bierchen am Stadion Rote Erde und ein kurzer Smalltalk nebst Aufmunterung zweier frustrierter BVB-Fans. Gerne wäre ich auch schon vor dem Spiel dort hin, ist es doch jedes Mal ein freundschaftliches Miteinander von BVB- und VfB-Fans.

Dann machten wir uns auf in Richtung des Busparkplatzes, wo ich mir von den Murgtalschwaben, die ebenfalls eigens für dieses Spiel einen Bus charterten, noch zwei, drei Bier für die Rückfahrt organisierte. Die RWS-Vorräte waren bereits nach der langen Hinfahrt aufgebraucht. ;-)

Gegen 5.30 Uhr schließlich lag ich dann in meinem Bett. Geschafft aber glücklich. Danke VfB, danke Jungs vom Neckar. Wir sind alle mächtig stolz auf Euch!

Wenn dieses Spiel keinen Rückenwind für die Europa League gibt, was dann. Gegen Mainz geht es darum, diesen Punkt zu vergolden und von der Schwäche der Konkurrenz um (mittlerweile) Platz 5 zu profitieren. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Bilder vom Spiel auf http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=333.

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