21. März 2010

Barcelona-Tour mit deftiger Niederlage im Camp Nou

Bereits am Montag nachmittag begann unser 4-tägiger Trip zum Champions League Achtelfinale in Barcelona. Die günstigen Flüge ab Stuttgart waren schnell vergriffen, so dass wir mit unserer 8-köpfigen Gruppe einen Direktflug ab dem Euroairport Basel-Freiburg-Mulhouse buchten, Kostenpunkt für Anita und mich: 70 Euro pro Person, wobei die Preise stark variierten und bei jedem etwas anders waren. Um nicht mitten in der Nacht die Fahrt von Stuttgart nach Basel antreten zu müssen und schon kaputt in Barcelona anzukommen, entschlossen wir uns, bereits am Montag loszufahren und 3km vom Flughafen entfernt in Blotzheim im Elsaß zu übernachten. Der Vorteil dabei, außer, dass wir relativ ausgeruht den Flug antreten konnten war der, dass wir das Auto kostenlos auf dem Hotelparkplatz stehen lassen konnten und mit einem Kleinbus sowohl zum Flughafen gebracht wurden, als auch wieder abgeholt wurden. Der Ort selbst hat so gut wie überhaupt nichts zu bieten. Gut die Hälfte aller Geschäfte und Restaurants ist wohl schon seit Jahren geschlossen. So waren wir froh, wenigstens bei einem Pizza-Express, hinein sitzen zu können und noch etwas zum Essen zu bekommen. Danach tranken wir im Hotel-Restaurant noch ein, zwei Bierchen und gingen relativ früh ins Bett, schließlich sollte die Nacht gegen halb sechs schon wieder zu Ende sein.

Am Dienstag morgen dann frühstückten wir in dem Captain Hotel sehr gut und wurden gegen 7 Uhr zum Flughafen gebracht, da bereits um 8.25 Uhr der Flug ging. Die Maschine hob auch pünktlich ab und nach einer Flugzeit von 1:20 Stunden landeten wir in Barcelona. Endlich dort, nachdem wir schon seit Ende Dezember diesem Trip entgegen gefiebert hatten. Wir nahmen den Bus zum zentral gelegenen Plaça de Catalunya, welchen wir nach einer Fahrzeit von etwa 30 Minuten erreichten. Von dort liefen wir die Rambla hinunter Richtung Mittelmeer, tranken nahe des Yachthafens noch einen Kaffee und checkten dann in unserem Hotel Oasis ein. Die Zimmer waren schön und ausreichend ausgestattet. Für einen Preis von 50 Euro für ein Doppelzimmer inklusive Frühstück kann man wirklich nicht meckern.

Danach erkundeten wir die City mit seinen engen Gassen zu Fuß. In Blotzheim hatte ich meine Winterjacke im Auto zurück gelassen und wollte in Barcelona endgültig mit dem Winter abschließen. Dass es hier noch eine Woche zuvor 20 Zentimeter Neuschnee und den stärksten Wintereinbruch seit 25 Jahren gegeben hatte, konnte man sich angesichts des milden Klimas und des strahlend blauen Himmels gar nicht mehr vorstellen. Lediglich der Wind, der am Dienstag noch böig auffrischte, ließ es zeitweise etwas kühl erscheinen.

Anita und ich waren ja bereits beim letzten Spiel in Barcelona im Dezember 2007, so dass wir die Innenstadt schon einigermaßen kannten. Allerdings entdeckten natürlich auch wir aufgrund der vielen engen verwinkelten Gassen einiges neues. Barcelona hat schon ein beeindruckendes Flair, ist aber auch eine laute, hektische Stadt. Immer, wenn man sich über die Stadt Barcelona informiert, wird natürlich vor Nepp und Taschendieben gewarnt, so dass wir vorsichtig waren und bspw. den Geldbeutel nicht wie sonst in der Gesäßtasche hatten. Wir blieben Gott sei Dank vor so unliebsamen Erlebnissen verschont, von einigen anderen bekamen wir aber mit, dass sie beklaut wurden.

Jedenfalls erkundeten wir die City an diesem Dienstag zu Fuß und schauten uns auch schon mal das  Maremagnum, auf einer Halbinsel direkt am Hafen gelegen, wo sich auch ein großes Einkaufs- und Vergnügungszentrum befindet, an, wo am Spieltag der große Fantreffpunkt eingerichtet wird. Einige VfBler waren natürlich auch schon am Dienstag in der Stadt, doch der Großteil, vor allem die “Bronze- und Silberreisenden” werden gegen Mittwoch nachmittag eintreffen. Nach dem Stadtbummel suchten wir noch ein Lokal, in dem wir alle Platz hatten, das nicht so verraucht war und wo wir möglichst noch die Speisekarte lesen können. Schließlich kehrten wir in einer Gasse in ein Lokal ein, die Speisekarte dort war zwar auch nur auf spanisch, man konnte sich aber im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Speisen machen, da sie auf der Karte abgebildet waren. Ich entschied mich für ein Rindersteak mit Pommes, welches dann aber doch besser abgebildet war, als das, das man mir brachte. Es ähnelte leider mehr einer Schuhsohle. Aber: Hauptsache was im Magen. Danach tranken wir noch ein paar Bier in unserer Hotelbar und gingen danach aufs Zimmer. Hier einige Impressionen von der Katalanenmetropole:

Orangenbaum in Barcelona

Krumme Geschäfte?

Typisch für Barcelona

La Rambla

Der Mittwochmorgen begann natürlich mit dem Frühstück im Hotel, welches leider nicht so berauschend war. Die Brötchen waren nicht besonders frisch, es gab lediglich 3 Marmeladensorten und keinen Honig, Nutella oder dergleichen. Eier gab es keine, insgesamt eine sehr dürftige Auswahl, vor allem wenn man das Frühstück mit dem am Vortag im Elsaß verglich. Nach dem Frühstück fuhren wir mit der Metro, direkt an unserem Hotel lag die Station Barceloneta, zur Plaça Espanya, wo wir mit dem Bus den Olympia-Berg hinauffuhren. Das Olympiastadion von 1992 hatte zu unserer Freude geöffnet, so dass wir einen Blick hinein ins weite Rund werfen konnten. Um die Mittagszeit hatten Anita und ich dann genug, wir machten uns auf den Weg zurück zum Hotel, da wir ab gegen 13 Uhr Geli und Carle erwarteten, die erst am Spieltag mit Germanwings von Stuttgart aus anreisten. Außerdem stieg auch langsam das Fußballfieber. Angesichts der um die Mittagszeit zu erwartenden Schwaben-Invasion, hatte ich auch keinen Nerv mehr für Besichtigungs-Touren und wollte langsam zum gemütlichen Teil übergehen.

Die anderen wollten noch das Spanische Dorf aufsuchen, das zur Weltausstellung von 1929 errichtet wurde. Wie wir später erfuhren, wurde dieses Vorhaben wieder verworfen, da der Eintritt angesichts der wenigen Zeit, die zur Besichtigung blieb, zu teuer war.

Anita und ich warteten also in der Hotel-Bar und tranken das, wie ich finde, recht gute spanische Bier. Geli und Carle waren aber immer noch nicht da, als auch die anderen schon zurück vom Olympia-Berg kamen. Dann erfuhren wir, dass die beiden kurzerhand auf ein anderes, allerdings noch besseres Hotel umgebucht wurden, so dass wir uns beim Fantreffpunkt verabredeten. Dieser war bereits voller Schwaben und wir trafen jede Menge Bekannte. Auch Heiko war mit seinen Murgtalschwaben bereits dort, nachdem sie über Palma de Mallorca angereist waren. Am Fantreffpunkt selbst waren jede Menge Unterhaltungsmöglichkeiten für die VfB-Fans eingerichtet, wie Tischkicker und eine Showbühne. Wir hielten uns nicht sehr lange auf, zumal Geli und Carle auch noch gerne etwas von der Stadt sehen wollten und wir auch noch vor dem Spiel etwas essen gehen wollten.

Also machten wir uns auf den Weg zurück in die City und aßen in einem italienisch angehauchten Reataurant, in dem es merkwürdigerweise nicht einmal eine Pizza gab, zu mittag. Das Essen war auch nicht besonders, für mich gab es eine Penne Bolognese, vor allem war die Portion sehr dürftig. Die Spanier tischen doch erst zum Abendessen ordentlich auf.

Als wir das Lokal wieder verließen trafen wir dann noch Hautzi und Tom, mit denen wir dann gleich mal ein Begrüßungsbierchen trinken gingen. Danach gingen wir dann zurück zum Hotel, wo wir noch vorsichtshalber warme Klamotten für abends einpackten (am Vorabend war es schließlich aufgrund des Windes recht frisch) und uns wieder mit dem Rest unserer Truppe trafen.

Direkt vor unserem Hotel befand sich eine Bushaltestelle, von der drei Linien bis zum Stadion Camp Nou verkehrten. Also fuhren wir gegen 18.30 los, nicht ohne noch ein Foto von unserer Hotelbar und unserer “Reisegruppe” machen zu lassen. Auf der Fahrt sahen wir dann noch unseren Mannschaftsbus, eskortiert von Polizisten.

Nachdem wir einige Zeit im Stau standen und sich die Fahrdauer recht lange hinzog, erreichten wir doch den Fußballtempel schlechthin, das Camp Nou, das größte Fußballstadion in Europa. Da ich ja vor 2 Jahren schon dort war und wußte, dass die Gästefans ganz oben eingepfercht werden, war ich lange am überlegen, ob ich mich um Karten in einem anderen Sektor bemühen sollte. Ich ließ es aber dann sein, zum einen, weil wir ja doch zusammen bleiben wollten. Dann weiß man nicht bei internationalen Spielen, ob man mit VfB-Fanklamotten überhaupt woanders reingelassen wird, dazu kommt, dass die Kartenpreise für den 2. Rang wohl bei etwa 125 Euro lagen. So schossen wir noch kurz ein Gruppenfoto vor dem Stadion und begaben uns zum Eingang. Die Organisation war mit deutschen Maßstäben nicht zu vergleichen, jedenfalls wurde ich, bis ich mal im Treppenhaus war, sicher drei Mal durchsucht.

Dann sahen wir zu, dass wir den Weg nach oben hinter uns brachten. Schier endlos kamen uns die Stufen vor. Zu allem Überfluß klingelte unterwegs noch mein Handy, so dass ich auf dem mühsamen Weg auch noch telefonieren durfte. :-) Als wir an unserem Platz ankamen, kramte ich natürlich sofort meinen Fotoapparat heraus und schoß ein erstes Foto.

Das Camp Nou ist schon ein beeindruckendes Stadion. Zwar alt, an manchen Stellen baufällig und ohne Dach, aber die Tradition ist hier zu riechen, wenn man sich vor Augen führt, welche Fußball-Schlachten hier seit 1957 stattgefunden haben. Allerdings ist vom Gästeblock aus, der sich von der Kurve bis zur Mitellinie erstreckt, der Blick über die Stadt fast besser als der aufs Spielfeld. Im Gegensatz zu unserem letzten Gastspiel haben die Katalanen auch noch ein Fangnetz gespannt, weshalb natürlich viele Bilder nichts geworden sind. Wenn man allerdings knipst wie ein Bekloppter, kann man dies verschmerzen, und bekommt immer noch genügend vorzeigbare Pics hin. :-)

Lange Zeit erschien es so, dieses Spiel würde kaum einen Spanier interessieren, da das Stadion sich nur sehr langsam füllte. Die Spanier aber, das hatten wir auch schon in Sevilla festgestellt, kommen erst pünktlich zum Anpfiff und verlassen das Stadion nach dem Schlußpfiff sofort wieder. Es herrscht eben eine andere Fankultur dort. Im Gegensatz aber zu unserem letzten Spiel im Camp Nou, als das Stadion aufgrund der damaligen Tabellensituation in der Gruppenphase (Barca sicher erster, wir sicher letzter) bedeutungslos und das Stadion daher nur halbvoll war, bekam dieses Achtelfinalspiel die Kulisse, die es verdient hatte. Das Stadion war nahezu voll, spätestens als die FC Barcelona Hymne ertönte, hatten die Katalanen ihre Plätze eingenommen.

Nach dem Einlauf der Mannschaften wurde wie immer bei Championsleaguespielen die obligatorische Championsleaguehymne eingespielt, die es mir noch immer (so routiniert sind wir ja diesbezüglich nicht) eiskalt den Rücken hinunter laufen läßt.

Nach dem 1:1 im Hinspiel, vor allem nach der in der ersten Halbzeit dargebotenen Leistung, konnte ich mir ein Weiterkommen unter besonderen Umständen durchaus vorstellen. Wobei es natürlich gegen die weltbeste Fußballmannschaft ging und hier hätte wirklich alles Glück für uns zusammen kommen und die Leistung jedes einzelnen stimmen müssen. Man machte sich Mut, zum Beispiel damit, dass Barca wenige Wochen zuvor gegen Almeria an gleicher Stätte 2:2 gespielt hatte, genau das Ergebnis, das uns reichen würde. Es wäre aber notwendig gewesen,

- das Spiel der Katalanen im Ansatz zu zerstören,

- die Passwege von Barca konsequent zuzustellen,

- eigene unnötige Ballverluse zu vermeiden,

- nach vorne eigene Nadelstiche zu setzen,

- den Ballzauberern den Spaß am Spiel zu verderben, indem man ihnen permanent auf den Füßen steht und mit einer gesunden Härte begegnet.

- und, wie Gross betonte, Jens Lehmann müßte das Spiel seines Lebens machen.

Nichts von alledem trat ein. Das Team erstarrte aus Ehrfurcht wie das Kaninchen vor der Schlange. Kein einziger der Brustringträger brachte Normalform oder versuchte das Heft in die Hand zu nehmen. Die ersten paar Minuten noch waren Ansätze zu erkennen, spätestens mit dem 1:0 durch den überragenden Weltfußballer des Jahres Lionel Messi waren die guten Vorsätze dahin. Dieser lief mit dem Ball über 30,40 Meter, von einem Spalier von vier VfBlern begleitet, bis er die Lücke erspähte und unhaltbar für Jens Lehmann in den Winkel einschoß. Wäre man nicht VfBler und ginge es nicht um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League, könnte man sich an so einer Aktion durchaus erfreuen. So aber waren wir erstmal stinksauer, vor allem auch, weil auch danach kein Aufbäumen zu erkennen war. Der VfB ließ die Katalanen gewähren wie sie wollten, stand bei Ballbesitz von Barca immer zu weit weg und schritt nicht energisch genug ein. Dazu kamen dilettantische Ballverluste, die man sich gegen einen solch übermächtigen Gegner einfach nicht erlauben darf. Ist es doch gerade die Kunst, Bälle mit enormem Kraftaufwand wieder zurück zu erobern. Für Barcelona war das eher ein Trainingsspielchen, so schwach war der VfB. Ein Chancenverhältnis am Ende von 13:0 sagt eigentlich alles aus. Der VfB hatte Glück, dass den Katalanen nicht daran gelegen war, den VfB zu demütigen, sonst hätte das Debakel noch weitaus schlimmer ausfallen können.

Das spanische Publikum hatte natürlich seine Freude am eigenen Team. Schon in der Stadt wurden wir von den meisten eher belächelt, weil niemand ernsthaft daran gedacht hatte, wir könnten Barca in Verlegenheit bringen. Weshalb man den VfB von Anfang an nicht richtig ernst genommen hatte, wurde auf dem Rasen eindrucksvoll deutlich. Barcelona ist für uns mehr als nur eine Nummer zu groß. Daher war die Stimmung auf den Rängen auch nicht überschwänglich. Für einige Sekunden wurde des öfteren die Barce Vereinshymne angestimmt, die auch sofort wieder verstummte. Dann hatten sie noch 2, 3 weitere Lieder drauf und die paar Fahnenschwenker hinter dem Tor rissen das Gesamtbild der katalanischen Fankultur auch nicht mehr besonders heraus. Für uns war es das Spiel des Jahres, für die Katalanen eher Business as usual. Das Spiel plätscherte aus unserer Sicht dem Achtelfinal-Aus entgegen. Pedro, abermals Messi und Bojan sorgten schließlich für das 4:0, mit dem wir noch gut bedient waren. Barca ließ über die gesamte Spieldauer Ball und Gegner laufen und geriet nicht einmal ernsthaft in Gefahr. Zeitweise konnten sie es sich erlauben, auf den Außen Spieler zu postieren, die überhaupt nicht am Spielgeschehen teilnahmen, weil die ganze Barca-Mannschaft insgesamt so ballsicher ist und vom VfB auch nicht ernsthaft gestört wurde. Einzelkritik möchte ich mir weitestgehend ersparen, weil alle VfBler sich nicht mit Ruhm bekleckerten. Einzig über Jens Lehmann, der leider auch nicht das Spiel seines Lebens machte, möchte ich mich auslassen. Er wandelte mal wieder am Rande der Hinausstellung. Nachdem er wegen Reklamierens gelb gesehen hatte, weigerte er sich einen von Ibrahimovic ins Tor geschossenen Ball zu holen und hätte für diese Aktion durchaus noch einmal gelb sehen können. Klar ärgerten ihn auch im Camp Nou die Balljungen. Trotzdem sollte er sich im Alter von 40 Jahren besser im Griff haben und nicht ständig Publikum und Gegner gegen uns aufbringen. So schadet er dem eigenen Team und ist ein schlechtes Vorbild unsere jungen Spieler. Mittlerweile bin ich froh, wenn im Sommer dieses Kapitel beendet wird.

Nach dem Spiel gab es dann noch die obligatorische Blocksperre. Wir wurden gut 30 Minuten nicht hinaus gelassen, diese Zeit wurde dann natürlich für Gesänge genutzt. Trotz des zuvor Gesehenen wurde der VfB gefeiert und wir feierten uns selbst. Dabei wurde wir über “Ihr werdet nie Deutscher Meister” bis zur Umba ein großes Repertoire abgespult. Auch der VfB-Wechselgesang und die Welle durften nicht fehlen. Beeindruckend war das Echo im bereits leeren Stadion. Unsere Sangeskünste lockten dann auch wieder einige Zuschauer heraus, die sich um die Ehrentribüne herum druckten.

Als wir endlich das Stadion verlassen durften und wieder am Erdboden angekommen waren, liefen wir zur nächsten U-Bahnstation und waren gegen Mitternacht wieder in der City, wo wir natürlich gleich Ausschau hielten, wo wir noch etwas zu trinken bekommen. In der ersten Botega war uns der Frust über das Wie des Ausscheidens noch deutlich anzusehen. Leider schloß diese Location bereits nach unserem zweiten Bier, so dass wir uns noch im unserem Hotel nahen Irish Pub weiter vergnügten.

Dort fand eine St. Patrick’s Day Party statt und wir kriegten uns erstmal nicht mehr ein, weil alle mit so lustigen Hüten herumliefen.

Bei uns lockerte die Stimmung dann mehr und mehr auf und irgendwann war das Spiel kein Thema mehr. Wir hatten noch eine Menge Spaß und feierten weiter, bis der Pub dann leider auch schon gegen 2 Uhr schloß. Da wir bereits am Donnerstag unseren anstrengenden Rückreisetag hatten, beließen wir es dabei und gingen zurück zum Hotel Oasis.

Nach dem erneut dürftigen Frühstück machten wir uns mit Metro und Zug auf in Richtung Barcelona Airport, wo gegen 12 Uhr unser Flieger zurück nach Basel abhob. Dort wurden wir wie vereinbart vom Flughafen abgeholt und zurück zu unserem ersten Hotel in Blotzheim gebracht. Die Heimfahrt war dann noch sehr nervenaufreibend, da just an unserem Rückreisetag hier auf der A5 eine Großbaustelle eingerichtet wurde, die uns etwa 2 Stunden Stop and Go Verkehr einbrachten. Hauptsache ist aber natürlich, dass wir alle wieder gesund und munter heimgekommen sind.

Insgesamt war es eine schöne Reise. Barcelona mit seinem mediterranen Flair hat schon etwas, auch wenn wir bereits das 2. Mal dort verweilten. Das Spiel war zum Vergessen, das Drumherum wie immer lohnenswert. Vermutlich können wir uns bereits jetzt auf eine Saison ohne internationalen Spiele einstellen. Ich gewinne diesem Umstand zunehmend Positives ab. Wir können uns konsolidieren und in einer Saison ohne Dreifachbelastung vielleicht auch wieder mal ganz oben angreifen, und das von Beginn der Saison an. Nicht zuletzt schont es natürlich auch den Geldbeutel. Wir nehmen es aber wie es kommt und wären natürlich auch in der Saison 2010/11 international am Start. In diesem Sinne, adios Europa und bis zum nächsten Mal.

Viele Grüße

Franky

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15. März 2010

Unnötige Niederlage auf Schalke

Wie wenn der März 2010 mit den Spielen in Bremen, Barcelona und, sofern wir Karten bekommen, auch München, nicht schon genug zu bieten hätte, wollte ich mir auch das Freitag-Abendspiel auf Schalke nicht entgehen lassen. Da es nicht jedermann möglich ist, Freitags schon um 12 Uhr Feierabend zu machen, um mit dem Bus in den Ruhrpott zu fahren, stand ich mit diesem Vorhaben relativ alleine da. Also entschloß ich mich dazu, diese Tour mit dem RWS Berkheim anzutreten. Man kennt sich ja inzwischen ein wenig und die Touren waren bisher immer recht nett. Um 12.30 Uhr ging es in Berkheim los, nach einem Einstiegsstopp in Heimsheim über die A8, die A5 und die A45 nahmen wir Kurs auf Gelsenkirchen. Wir kamen relativ gut durch, so dass wir pünklichst gegen 19 Uhr am Stadion eintrafen. Mit Polizeieskorte wurde unser Bus direkt vor den Gästeeingang der in blau erleuchteten Veltins-Arena geleitet.

Nachdem wir noch in Ruhe ein Stuttgarter Bier tranken und sich die Menschentraube vor dem Eingang ein wenig gelichtet hatte, begaben wir uns zu den Eingangskontrollen. Bei einigen Mitfahrern, die mehr aus dem Bus fielen als ausstiegen, befürchteten wir schon, sie könnten an der vorgegebenen 1,6-Promille-Grenze scheitern, was sich aber als unbegründet herausstellte. Ich bekam von niemandem mit, dass er deswegen draußen bleiben mußte. Die Einlasskontrollen waren normal und nicht übertrieben, so dass wir uns schnell auf dem Gang zum Gästeblock befanden. Ich hatte allerdings den Block unterhalb des Gästeblocks, der gemischt besetzt war mit Schalkern und VfBlern. Ich muß sagen, dass ich für mehr Geld schon wesentlich schlechtere Plätze hatte. In der Arena saß ich in Reihe 7 mit Top-Sicht auf das Spielfeld. In meiner Denke ist Fußball immer noch ein Freiluftsport, deshalb war ich schon verwundert, dass das Dach geschlossen war, obwohl es ja keine Niederschläge an diesem Freitag abend gab. So bildetete sich schon früh eine Dunstglocke unter dem geschlossenen Dach.

Die Stimmung war schon vor Anpfiff prächtig. Die Schalker wittern natürlich unter Magath Morgenluft und erhoffen sich die Meisterschaft seit 50 Jahren. Mit einem Sieg konnten sie zumindest für einen Tag die Tabellenspitze erklimmen. Und auch die gut 2.000 VfB-Fans waren guter Hoffnung, wurde doch unter Gross noch kein Auswärtsspiel verloren. Das Commando Cannstatt zelebrierte seinen 13. Geburtstag mit einer netten Fahnen- und Bannerchoreo.

Der VfB mußte das zuletzt so siegreiche Team umstellen. Für den gelbgesperrten Kapitän Matthieu Delpierre spielte erwartungsgemäß Georg Niedermeier. Kurzfristig mußte auch noch Stefano Celozzi wegen einer Erkältung passen, für ihn übernahm Christian Träsch die Rechtsverteidigerposition, für diesen wiederum rückte Kuzmanovic ins defensive Mittelfeld. Zunächst entwickelte sich ein recht langweiliges Spiel mit mehr Ballbesitz für den VfB. Schalke trat auch zu Hause erwartungsgemäß sehr defensiv an und hat ja zudem die beste Abwehr der Liga. So verpufften die zaghaften Angriffsbemühungen des VfB meist im Ansatz. Erst etwa 10 Minuten vor dem Halbzeitpfiff gab es erste gute Gelegenheiten durch Pogrebnjak und Kuzmanovic, die aber beide am guten Manuel Neuer scheiterten. Die Schalker taten reichlich wenig fürs Spiel und traten in erster Linie in Erscheinung, wenn es darum ging, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Dass dieses ständige Reklamieren nicht schon früh mit einer gelben Karte unterbunden wurde, hatte ich nicht verstanden. Neben mir saß ein sog. Schalke-Fan, vom Dialekt her eher von der Alb ra, der mir ständig ein nerviges Schalkö ins Ohr schrie und den Schiedsrichter erst mit Hitler verglich, um dann noch hinterher zu schieben, Amerell hätte sich auch ihm vergangen. Das rundete mein Bild vom primitiven Schalker Fan natürlich erst einmal ab. Um so mehr wünschte ich mir, dass die am Ende nichts zu lachen haben. Wie wir heute wissen, kam es leider anders.

Die erste Halbzeit plätscherte also ihrem Ende entgegen und so ging es folgerichtig mit einem 0:0 in die Kabinen. Ich hatte keine Lust, mir eine Knappenkarte zuzulegen, um etwas zu trinken zu holen, so dass ich auf meinem Platz dem Anpfiff der 2. Halbzeit entgegen fieberte. Magath war wohl mit dem Auftritt seiner Schalker nicht zufrieden, so dass er mit Baumjohann und Edu gleich zwei Neue brachte. Und eben dieser Edu war es, der bereits in der 46. Minute einen katastrophalen Schnitzer von Tasci zum schmeichelhaften 1:o für Schalke nutzte. Doch Tasci steckte den Kopf nicht in den Sand und besorgte bereits 4 Minuten später per Kopf den Ausgleich. Ein sehr wichtiges Tor dachte ich noch, da es gegen die massive Abwehr der Königsblauen schwer werden würde, einem Rückstand hinterher zu laufen. Doch gerade mal weitere 5 Minuten später hatten wir erneut diese Situation. Der VfB spielte dilettantisch auf Abseits, so dass mit Westermann und Kuranyi gleich zwei Schalker frei vor Lehmann auftauchten. Der Ex-Stuttgarter Kuranyi war es schließlich der zum 2:1 vollendete. Diese Passiv-Abseitsregel geht mir so etwas auf den Geist. Im Stadion ist es schier unmöglich, zu unterscheiden, wer aktiv ist, wer passiv und wann eine neue Spielsituation entsteht. Dies ist wohl eher eine Regel für Fernsehzuschauer, die dies dann bei der fünften Zeitlupe erklärt bekommen. Ich war jedenfalls sehr angefressen.

Danach versuchte der VfB weiter Druck zu entfachen, kam auch noch zu einigen Chancen, die aber allesamt, besonders durch Timo Gebhart, versemmelt wurden. So wurde Schalke tatsächlich an diesem Abend Tabellenführer und der VfB kann sich wohl endgültig von seinen Europacup-Hoffnungen verabschieden. Mir ist das relativ egal.  Einzig lukrativ ist sowieso die Champions League, in der Europaleague wird ja frühestens ab dem Achtelfinale Geld verdient, so dass eine Teilnahme zunächst wirklich nur dem Renommee dienen würde. Dann lieber eine Saison ohne Dreifachbelastung, in der sich das Team mal wieder konsolidieren kann und Christian Gross die Möglichkeit hat, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen. Dies traue ich ihm als Konzepttrainer zu.

Der Jubel auf Schalke war natürlich riesig, wieder scheiße gespielt und gewonnen. Und der VfB konnte es nicht begreifen, gegen eine solche Truppe verloren zu haben. Das ist eben die Handschrift des Trainer-Gurus Magath, der es immer wieder schafft, aus durchschnittlichen Mannschaften Spitzenteams zu formen. Er kitzelt aus seinen Spielern das Optimum heraus, so auch aus den Ex-Stuttgartern Bordon und Kuranyi. Bordon stand ja bereits kurz vor dem Karriereende und erlebt gerade seinen dritten Frühling, und Kuranyi ist mit seiner Präsenz auf dem Platz mittlerweile zum absoluten Führungsspieler aufgestiegen.

Schon als ich auf meinen Platz in der Arena kam, rechnete ich mir aus, endlich mal ein Trikot ergattern zu können. Leider waren unsere Jungs über den Ausgang enttäuscht, so dass sie nur zaghaft Richtung Kurve kamen und frühzeitig wieder abdrehten. Einzig Khalid Boulahrouz kam näher und warf ein Trikot, das ich auch gefangen hatte. Hinter mir krallte sich ein sog. VfB-Fan jedoch so daran fest und wollte sich notfalls um das Trikot prügeln, so dass ich es losließ, denn der Klügere gibt ja nach. Wenigstens war es dann schon zerrissen. :-) In Hannover letzten Herbst hatte ich schon ein ähnliches Erlebnis. Mir jedenfalls ist es nicht wert, mich darum zu prügeln, aber Primitivlinge gibt es halt überall, auf Schalke trifft man sie mehr an als sonstwo, sogar auch unter VfB-Fans.

Nach dem Spiel ging es dann gleich wieder in Richtung Bus. Die Abfahrt traten wir dann mit 2 Leuten weniger an, weil diese unauffindbar waren. Wir kamen erneut gut durch, unsere Busfahrer ließen es auch gut laufen, so dass wir gegen 5 Uhr wieder in Esslingen-Berkheim ankamen. Es war schon anstrengend, zumal es ja ein normaler Arbeitstag war, an dem ich früh aufgestanden bin. Aber, am Ende des Tages, war ich doch froh, diese Tour mitgemacht zu haben, auch wenn wir die erste Auswärtsniederlage seit dem Debakel in Leverkusen einstecken mußten.

Jetzt laufen unsere Vorbereitungen auf Barcelona schon auf Hochtouren, heute noch geht es Richtung Elsaß los, von wo aus wir morgen früh nach Barcelona fliegen. Der VfB muß sich zweifellos steigern, soll dort das große Wunder geschehen. Vor allem solche haarsträubende Abwehrschnitzer sollten tunlichst unterlassen werden. Aber, Delpierre kehrt ja wieder zurück und kann seinen Wert für die Mannschaft unterstreichen. Niedermeier, der ja nach Delpierres Genesung völlig ohne Not wieder aus der Mannschaft genommen wurde, scheint durch diese Maßnahme verunsichert worden zu sein und machte auf Schalke einen sehr nervösen Eindruck. Wie sagte Christian Gross nach dem Spiel auf Schalke und im Ausblick auf Barcelona so schön: wir dürfen hinten keine Fehler machen, vorne treffen wir immer.

In diesem Sinne, Bilder folgen am Donnerstag, ein Bericht voraussichtlich am Freitag.

Allen bis dahin eine schöne Woche und viele Grüße

Franky

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