20. September 2016

Mal wieder auf Trainersuche

Eine turbulente Woche liegt mal wieder hinter dem VfB Stuttgart. Jos Luhukay warf nach kaum mehr als zehnwöchiger Tätigkeit beim VfB entnervt das Handtuch, weil seine Auffassungen mit denen des Vereins nicht korrespondierten. Ihm, von dem man wusste, dass er ein eigenbrötlerischer Typ ist, setzte man mit Jan Schindelmeiser einen Vorgesetzten vor die Nase, zu dem die Chemie offensichtlich nicht stimmte.

Als dieser schon seit Wochen schwelende Zwist in die Öffentlichkeit getragen wurde und Daimler-Aufsichtsrat Wilfried Porth nichts Besseres zu tun hatte, als Luhukay öffentlich in die Schranken zu weisen, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Sollte Luhukay tatsächlich auf sämtliche Ansprüche verzichten, ist er wahrlich ein Ehrenmann. Allein, mir fehlt der Glaube. Für mich hat der Verein in dieser Angelegenheit mindestens genau so viel Dreck am Stecken wie Jos Luhukay, so dass es nachvollziehbar wäre, er hätte sich einfach rausschmeißen lassen und ließe den Verein finanziell noch ordentlich bluten.

Es könnte sich also durchaus um die offizielle Sprachregelung handeln, seitens des Vereins, getragen von der Hoffnung nicht noch mehr in einem schlechten Bild zu erscheinen, als ohnehin schon. Von einem Rücktritt überrascht zu werden ist in der öffentlichen Wahrnehmung dann doch noch etwas Anderes, als müsste man eine Kette von Fehlentscheidungen kleinlaut einräumen.

Spätestens nach dem Heidenheim-Spiel war es klar, dass diese Zweckehe in die Brüche gehen und jeder weitere Tag dem VfB schaden würde. Deshalb habe ich es absolut begrüßt, als am Donnerstag vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Kaiserslautern Tatsachen geschaffen waren und alle Seiten nun nach vorne schauen können und sich nicht mehr durch interne Grabenkämpfe zerfleischen und zermürben müssen.

Bei Sport im Dritten erläuterte Aufsichtsrat Porth die Denke des Aufsichtsrats und blieb dabei, dass es richtig gewesen sei, zunächst den Trainer und dann erst den Sportdirektor zu verpflichten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln, wenngleich diese Aussagen meine Meinung über die (eigentliche) Vereinsführung nur bestätigen, denn, auch hier haben sie wieder nichts gelernt und würden denselben Fehler offensichtlich beim nächsten Mal wieder begehen.

Für mich ist das Thema Luhukay mit diesem Blog beendet. Jeder Mensch hat sein eigenes Naturell. Da die im Fußball-Business tätigen Insider über alles und jeden Bescheid wissen oder zumindest Quellen haben, über die sie sich informieren könn(t)en, hätte man bei sorgfältiger Abwägung aller Fürs und Widers wissen müssen, wen man sich da ins Haus holt. Luhukay hat zwar als Referenzen einige Aufstiege in seiner Vita stehen, genauso stechen aber auch zwischenmenschliche Differenzen mit Vorgesetzten und Spielern heraus, in der Branche gilt Luhukay gemeinhin als schwieriger Typ.

Wenn ich ihn dann als Heilsbringer sehe und noch vor dem Sportdirektor verpflichte, muss ich die beiden vorher “auf sich loslassen” und beide ausloten lassen, ob eine Zusammenarbeit miteinander überhaupt möglich ist. Es ist zwar nicht gerade üblich, dass sich der Trainer seinen Vorgesetzten aussucht, da der VfB aber schon bei Luhukays Verpflichtung den unkonventionellen Weg eingeschlagen hat, hätte er diesen in dieser Konstellation konsequent weiter gehen müssen.

So aber hat es laut Schindelmeiser vom ersten (!) Gespräch an nicht gepasst, so dass man diese Liaison im Grunde viel früher hätte beenden müssen. Die Vorstellungen gingen schon deshalb weit auseinander, weil Luhukay nicht etwa als Trainer verpflichtet wurde, der helfen sollte etwas aufzubauen, sondern sein einziger Auftrag darin bestand, den VfB zurück in die Bundesliga zu führen.

Schindelmeiser steckte da in der Zwickmühle, da es für ihn auch ein Leben nach dem Aufstieg gibt und er eine Mannschaft, die auch in der Bundesliga konkurrenzfähig wäre, aufbauen soll. Während Schindelmeiser hoffnungsvolle Talente an den Neckar lockte, wollte Luhukay mit ihm bekannten, altbewährten und in die Jahre gekommenen Weggefährten den Aufstieg schaffen. Da sich letztlich der Chef Schindelmeiser durchsetzte und Luhukay durch die jüngsten Verpflichtungen seine Ziele konterkariert sah und auf bockig umschaltete, kam es schließlich zum nicht mehr zu kittenden Bruch.

Dass ich mit einigen Aufstellungen, Äußerungen und Entscheidungen von ihm nicht einverstanden war, habe ich mehrfach beschrieben. Dennoch habe ich Verständnis für Luhukays Reaktion unter Berücksichtigung des Gesamtkontexts und möchte auch nicht nachkarten.

Vielmehr beschäftigt mich die Frage, was nun, VfB? Schindelmeiser beschreibt sich selbst als Teamplayer und führt aus, dass Teamarbeit zuletzt nicht möglich war, weil zwischen Luhukay und ihm Funkstille geherrscht hätte.

Wie definiert Schindelmeiser „Team Play“, was muss der Neue haben, was Luhukay nicht hatte? Bereits Robin Dutt referierte zu Beginn seiner Amtszeit, dass es auf dem Wasen keine One-Man-Show mehr geben dürfe und war dann doch DAS Gesicht für den Niedergang, das keiner stoppte.

Will Schindelmeiser bei Transfers einen Konsens zwischen Trainer und einem Team von Hitzlsperger (dem Luhukay angeblich den Dialog verweigerte), Kienle, Cast und Schindelmeiser erreichen?

Oder bedeutet für ihn Teamarbeit, wie einst unter Fredi Bobic, immer und überall seine Ohren haben und dem Trainer reinreden zu wollen? Weshalb wollte Luhukay Jan Schindelmeiser von der Trainerbank und aus dem Mannschaftsbus verbannen? „Nur“, weil die beiden von Beginn an nicht auf einer Wellenlänge funkten oder wollte Schindelmeiser doch mehr Einfluss auf das Team nehmen, als es einem Sportdirektor zustünde?

Weil ich noch an das Gute im Menschen glaube und denke, dass vor allem die verschiedenen Ansätze, mit denen der VfB zurück in die Spur zu bringen sei zwischen den beiden Alpha-Tieren zum Zerwürfnis führten, glaube ich nicht, dass Schindelmeiser nach der pflegeleichten Lösung sucht.

Würde man nach einer solchen streben, verböten sich bereits die “schwierigen” Charaktere Gisdol und Breitenreiter, die als mögliche Nachfolgekandidaten am häufigsten genannt werden. Beide scheiterten in ihren letzten Vereinen (von der sportlichen Entwicklung einmal abgesehen) in erster Linie daran, weil sie von ihrer Linie nicht abzurücken bereit waren, Teile der Mannschaft gegen sich aufbrachten und sich von niemandem reinreden ließen. Auch mein Lieblingstrainer der letzten Jahre, Christian Gross, wäre einer, der sich nicht bevormunden lassen würde.

Ohne Schindelmeiser lange genug zu kennen, kann ich es mir nicht vorstellen, dass er so tickt, stand er doch auch bei Hoffenheim recht lang im Schatten von dem alles überstrahlenden Ralf Rangnick.

Daher ist eher davon auszugehen, dass der Aufsichtsrat auf die Schnelle einen Trainer präsentierte, der nicht zum VfB und zur Mannschaft passte und dieses „Missverständnis“ nun korrigiert wurde.

Aufsichtsrat Porth entlarvte bei seinem Fernsehauftritt die Arbeit des Aufsichtsrats ungewollt und doch schonungslos. Er bestätigte, was ich schon seit Jahren anprangere, nämlich, dass sich der Verein von der Meinung der Öffentlichkeit leiten lässt und Entscheidungen hauptsächlich politisch fällt, indem man Krisen aussitzt, und dann und gegen die eigene Überzeugung handelt, jedoch erst, wenn das Kind längst im Brunnen liegt.

In den letzten Jahren wurden überfällige Entscheidungen oft erst getroffen, wenn die Kurve kaum mehr zu bändigen war, anstatt Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Mit dieser „Wir schaffen das, weil wir so gut sind“ (Robin Dutt) Politik und der an den Tag gelegten Ignoranz der Sorgen und Nöte des Vereins und seiner Fans und Mitglieder wurde der Verein dorthin geführt, wo wir jetzt stehen. Dies ist hauptsächlich auf die gänzlich fehlende sportliche Kompetenz in Aufsichtsrat und Vorstand (vorher Bobic/ Dutt, jetzt Schindelmeiser ausgenommen) zurückzuführen, weshalb wir in der letzten Saison auch ungebremst auf den Abstieg zugesteuert sind und niemand Robin Dutt stoppte und uns vom Trainer Kramny erlöste.

Nach Porths Auffassung war die Luhukay-Verpflichtung richtig, weil die Entscheidung von den Medien gefeiert wurde, ebenso wie die jüngsten Transfers schon deshalb richtig sind, weil die Resonanz bei den Fans eine positive war, wohlgemerkt, bevor wir und auch bevor Herr Porth die Jungs jemals haben spielen sehen. Wenn mir dieser Fernsehauftritt eines gebracht hat, dann die Erkenntnis, dass Aufsichtsrat wohl jeder kann (oder auch nicht!).

Schindelmeiser traue ich ein gutes Händchen bei der Trainerwahl zu. Er kennt inzwischen den Verein und er kennt die Mannschaft, so dass er beurteilen kann, welcher Trainer für welches System steht und ob man dieses mit dieser (gegebenen) Mannschaft auch realisieren kann. Jüngst geistern die Namen Hannes Wolf, U19-Trainer des BVB, und David Wagner, Coach von Huddersfield durch den Blätterwald. Beide kann ich nicht beurteilen, bin jedoch kein Freund davon, wegen eigener Misswirtschaft andere Vereine mitten in der Saison ins Chaos zu stürzen, indem man ihnen den Trainer weg kauft. Ein Rücktritt ist schon schlimm genug, dann muss man reagieren, aber einem Verein den Trainer einfach wegzukaufen, wäre für mich eine andere Dimension und spräche schon im Vorfeld nicht für einen guten Charakter des Neu-Coaches. Dies träfe jetzt jedoch allerdings mehr auf David Wagner zu. Im Jugendbereich sind die Vereine i. d. R. gut aufgestellt und sehen die Trainer die Tätigkeit dort oft als Sprungbrett, so dass die BVB-Jugend dadurch sicher nicht ins Bodenlose fallen würde.

Als Interimslösung präsentierte der VfB Olaf Janßen als Cheftrainer und Heiko Gerber sowie Andi Hinkel als Assistenten. Für mich für den Übergang durchaus eine Lösung mit Charme (und auch mit Zukunft?).
Janßen bringt Cheftrainer-Erfahrung mit, Gerber und Hinkel sind beliebte VfB-Ikonen, bei denen wohl jedes VfB-Herz aufgeht, die beiden auf der VfB-Trainerbank zu erleben. Am Ende des Tages kommt es doch in erster Linie darauf ein, wie das neue Gespann harmoniert und wie es mit der Mannschaft auskommt.

Diese Mannschaft wird auch zukünftig jeden Trainer schassen, dessen Nase ihr nicht passt, so dass für mich tatsächlich das A&O ist, dass sich jeder verstanden und als wichtigen Teil des Großen Ganzen sieht. Ist diese Grundvoraussetzung gegeben und das Trainerteam schafft es, der Mannschaft einen Plan mit auf den Platz zu geben und sie von Spiel zu Spiel weiterzuentwickeln, spräche für mich zunächst einmal nichts dagegen, an dieser Konstellation vorerst etwas zu ändern. Hat das Trainerteam die Mannschaft auf seine Seite gezogen, wird sie ihm helfen und versuchen so wenig Gründe wie möglich zu liefern, ihnen einen neuen Cheftrainer vor die Nase zu setzen.

Schindelmeiser lässt zwar keine Zweifel offen, dass dies nur eine Übergangslösung darstellt, aber, man hat auch schon Pferde kotzen sehen oder eben auch erlebt, dass Mayer-Vorfelder nach einer beispiellosen Siegesserie nicht umhin kam, Jogi Löw einen Cheftrainervertrag zu geben und auch, dass Max Eberl vor Jahresfrist trotz gegenteiliger Beteuerungen Andre Schubert die Mannschaft schließlich endgültig anvertraute. So daneben ich es in der letzten Saison fand, Jürgen Kramny nach der Zorniger-Entlassung umgehend zum Cheftrainer zu ernennen, so voreilig fände ich es jetzt auch, dem neuen Gespann überhaupt keine Zukunft zu geben.

Lieber jetzt in Ruhe beobachten, als eine Verpflichtung übers Knie zu brechen und die Entscheidung in wenigen Wochen bereits wieder zu bereuen.

Der Beginn unter Leitung von Olaf Janßen ließ sich ordentlich an. Nach der Heimpleite gegen Heidenheim zeigte sich der VfB, wenn auch gegen schwache Lauterer, verbessert.

Der äußere Rahmen war perfekt. Entgegen der Prognosen regnete es nicht, bestes Herbstwetter bei endlich wieder angenehmeren Temperaturen erwartete uns in Kaiserslautern. Zunächst einmal ging es vom Busparkplatz in einem gut zwei Kilometer langen Fußmarsch hinauf auf den “Berg”.

Der Einlass verlief äußerst professionell, auch mit der “großen” Kamera hatten wir keinerlei Probleme. Durch die inzwischen von vielen gelebte Fanfreundschaft, die ihren Ursprung in der Hool-Szene hat, war die Atmosphäre sensationell, so wie man es sich eigentlich immer wünschen würde.

Das Stadion war mit knapp 46.000 Zuschauern für Zweitligaverhältnisse hervorragend gefüllt. Ein Wahnsinn, wie viele Schwaben mitgekommen sind. Die Schätzungen reichen von 10.000 bis zu 15.000 Brustringträgern. Auch in unserem Bereich auf der Gegentribüne tummelten sich gefühlt halb so viele Schwaben wie Pfälzer. Selbst der VfB-Ehrenrat mit den Meisterschafts-Torschützen von 1984 und 1992 saßen fast neben uns und nahmen sich nach dem Spiel, sichtlich erleichtert und gut gelaunt, ausreichend Zeit für das eine oder andere Erinnerungsfoto.

Es war eines jener Spiele, zu denen sich ein jeder, also auch Gelegenheitsfahrer, aufrafft. Relativ kurze Anfahrt, eine traditionsreiche Spielstätte und der Spieltermin an einem Samstag. Freitag in Bochum dürfte sich dann wieder die Spreu vom Weizen trennen und man wird hauptsächlich auf die altbekannten Gesichter treffen, die sich von den Begleitumständen nicht so beeinflussen lassen und immer und überall dabei sind.

Zum Einlauf der Mannschaften gab es auf beiden Seiten jeweils eine schöne Choreographie zu bestaunen. Die Pfälzer feierten schlicht und mit zahlreichen weißen und roten Fahnen ihre Westkurve, während die Choreo auf der anderen Seite mit roten und schwarzen Fahnen untermalt ganz im Zeichen Württembergs stand.

Die Atmosphäre im Stadion war überragend. Jedes Mal, wenn ich auf dem „Betze“ bin, finde ich es ein Jammer, dass dieser tolle Verein mit diesen begeisterungsfähigen Fans schon über viele Jahre hinweg solch ein Schattendasein führt und wohl auch in dieser Saison wieder mit dem Aufstieg nichts zu haben wird. Im Gegenteil, als Schlusslicht geht der Blick naturgemäß nach unten.

Janßen veränderte die Startformation auf gleich vier Positionen. Erwartungsgemäß durfte Alexandru Maxim mal wieder von Beginn an ran und auch Timo Baumgartl kehrte nach langer Verletzungspause in die Innenverteidigung zurück. Stephen Sama, der gegen Heidenheim heillos überfordert war, stand dafür nicht im Kader. Auch der japanische Wirbelwind Asano durfte von Beginn an sein Können zeigen und Hosogai kehrte nach auskuriertem Muskelfaserriss auf die Sechs zurück.

Die Grundordnung sah über weite Strecken besser aus als zuletzt, wenngleich es einige Zeit dauerte, bis sich der VfB gefunden hatte und man vor allem in der Anfangsviertelstunde froh sein konnte, dass harmlose Lauterer aus der Stuttgarter Findungsphase kein Kapital schlugen. Im Gegensatz zu Luhukay, der stoisch auf der Bank saß, gefiel mir das Coaching von Olaf Janßen wesentlich besser. Er war ständig auf Achse, dirigierte und zitierte den einen oder anderen zum Gespräch in die Coaching Zone. Auch wenn es durchaus erfolgreiche Trainer geben soll, denen man während der Spiele keine Gefühlsregung anmerkt, ist mir persönlich doch jemand an der Linie lieber, der richtig bei der Sache ist und die Mannschaft nicht sich selbst überlässt.

Zwischen der 15. und 60. Spielminute hatte der VfB das Spiel ganz gut im Griff. In der 52. Minute gelang dem VfB das Tor des Tages, nachdem der starke Emiliano Insúa seine Freiheiten auf der linken Seite nutzte und präzise auf Simon Terodde flankte, der nur noch einzuköpfen brauchte. Es war der zweite Treffer für den Mann mit der eingebauten Torgarantie, wie in Sandhausen, erneut auswärts.
Als Kaiserslautern nach einer knappen Stunde zunehmend alles auf eine Karte setzte, war es vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man begann einmal mehr zu wackeln.

Schon mit dem Führungstreffer fing sie wieder an, die Selbstherrlichkeit und der Zwang den Gegner lieber vorführen zu wollen anstatt einfach zu spielen und mit aller Macht auf die Entscheidung zu drängen. So wurde es am Ende ein Zittersieg, über den Ausgleich hätte sich der VfB nicht beschweren dürfen, weil man die eigenen Bemühungen schon früh ad acta legte und sich mit dem 0:1 sicher wähnte. Allzu sehr sollte der VfB sein Glück nicht mehr strapazieren, hatte man doch in Sandhausen schon vehement um den Ausgleich gebettelt.

Was bleibt also haften, zu Beginn der englischen Woche? Positiv ist auf jeden Fall, dass den VfB die Unruhe im Verein nicht vollends aus der Bahn geworfen hat und er nach der Heimpleite gegen Heidenheim zumindest kurzfristig in die Erfolgsspur zurück gefunden hat. Zudem machten die beiden Japaner Spaß. Hosogai aufmerksam und giftig, Asano wahnsinnig schnell und mit guter Ballbehandlung. Ich denke, an ihm werden wir noch sehr viel Freude haben.

Negativ sehe ich noch immer die Abwehrschwächen und die Durchlässigkeit unserer Mittelfeldzentrale um Hosogai und vor allem Gentner. Offensiv legte Gentner zwar eines seiner besseren Spiele hin. Wenn es dem Gegner jedoch gelingt, in seinen Rücken zu kommen, brennt es oft lichterloh. Teams mit größerem Selbstvertrauen und höherer Qualität nutzen solche Stellungsfehler gnadenlos aus. In der Abwehr war ich angetan von Baumgartls Saisondebüt und auch der Leistungssteigerung von Insúa. Toni Sunjic unterlief zwar kein spielentscheidender Fauxpas und doch ist es seine fehlende Geschwindigkeit, die ihn zum permanenten Sicherheitsrisiko macht. In Kombination mit Florian Klein bereitet mir die Abwehr noch immer allergrößte Sorgen.

Ein richtiger Gradmesser, wie stabil Janßens Formation schon ist und wie konzentriert das Team seine Vorgaben umsetzt gibt es bereits morgen gegen den noch verlustpunktfreien Spitzenreiter Eintracht Braunschweig. Die Braunschweiger kommen mit breiter Brust und durchaus guten Erinnerungen an den Neckar. Zu Bundesligazeiten bedeutete ein 2:2 beim VfB das Aus für Thomas Schneider und auch letzten Dezember im DFB-Pokal trotzte man dem Favoriten nach regulärer Spielzeit ein Unentschieden ab.

Für den VfB darf dies keine Rolle spielen. In der 2. Liga, die hoffentlich nur Übergangsstation ist, muss man zwingend daran arbeiten, das Neckarstadion wieder zu einer Festung werden zu lassen. Verliert man nach Heidenheim im dritten Heimspiel bereits zum zweiten Mal, beschwört man die Geister, die Luhukay rief, nämlich die, dass der große Zuschauerzuspruch die Mannschaft lähme. So weit wollen wir es nicht kommen lassen, daher zählt nur ein Heimsieg!

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23. Februar 2014

Heilsbringer gesucht!

#aufbruch1893, ZUSAMMENHALTEN! Der Versuch, die Fans mit ins Boot zu nehmen, ist zugegebenermaßen nett gemeint, hat aber auch gegen die alte Dame Hertha BSC Berlin seine Wirkung verfehlt. Eines haben die Verantwortlichen des VfB damit aber wohl erreicht, die Stimmung nach Abpfiff war nicht feindselig, es wurde nicht der Kopf von Personen gefordert, stattdessen gab es aufmunternden Beifall. Es war ja wieder „nur“ eine „unglückliche“ Niederlage, bei einem Debakel hätte man sich nach dem Spiel wohl mal wieder vor der Haupttribüne wiedergefunden!
Die Aktion, durch die man pro Dauerkarte jeweils zwei Karten in der Untertürkheimer Kurve für je 2,50 Euro erwerben konnte, brachte sicherlich 10.000 Zuschauer zusätzlich, die sonst nicht gekommen wären. So war seit längerem mal wieder ein VfB-Wechselgesang der beiden Kurven möglich und auch bei „steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ machten mehr Leute auf allen Tribünen mit, als zuletzt. Man konnte spüren, dass ein neues Wir-Gefühl vorhanden war und die Leute gewillt sind, den VfB in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Von außen wurden also die Impulse gesetzt, diese Vorlage hätte die Mannschaft einfach nur annehmen und verwandeln müssen.
Auf dem Platz aber fand sich leider die bittere Realität der letzten Wochen wider. Tore schießen leicht gemacht für den Gegner, selbst vermochte man es in 90 Minuten nicht, auch nur eine klareTorchance herauszuspielen. Mit solch spielerischer Armut, gepaart mit immer wiederkehrenden Aussetzern, dürfte es schwer bis unmöglich werden die Klasse zu halten. Klar, wir hatten mal wieder kein Glück mit dem Unparteiischen, hätten zwei Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen. Dem 1:2 ging ein vermeintliches Foulspiel an Werner voraus, das nicht geahndet wurde. Im Gegenzug verursachte Arthur Boka einen Freistoß auf der rechten Halbposition, der den späten Knockout zur Folge hatte. Boka, ein Sinnbild der derzeitigen Krise. Im defensiven Mittelfeld besser aufgehoben als als linker Verteidiger, machte ein ordentliches Spiel und sorgte mit dem 1:1 zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause für Stuttgarter Glücksgefühle, um dann durch dieses dumme Foul den Gesamteindruck wieder zu schmälern. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass der VfB phasenweise ganz nett mitspielt, gestern auch die kämpferische Komponente vorhanden war, es am Ende aber doch nicht reicht, weil man sich durch individuelle Aussetzer immer wieder um den Lohn bringt. Mir selbst liegt es fern, diese Niederlage am Schiedsrichter festzumachen. In den Stimmen zum Spiel lese ich erneut überwiegend davon, dass man sich nicht belohnt habe, was von wenig Selbstkritik gezeugt. Auch lese ich vom aufopferungsvollen Kampf, den man geliefert habe.
Bei solchen Statements fällt mir immer Kaiser Franz bei der WM 1986 ein. Nachdem der Kaiser über sein Team wild grantelte und ein Journalist beschwichtigen wollte „gekämpft haben sie aber doch“, erwiderte Beckenbauer, „kämpfen tun auch die Afrikaner“, das zu einer Zeit, als diese bei WM-Turnieren noch nie über die Vorrunde hinausgekommen waren. Soll heißen, das ist das mindeste.
Bezeichnend, dass ich in all den Statements lediglich beim Youngster Timo Werner wirklich Selbstkritik erkenne. Er sagt nämlich unter anderem „Symbolisch, dass am Ende einmal mehr ein Standard entscheidet. Uns fehlte allerdings der Zug zum Tor.“
Sprich, beim Standard gepennt und zu wenig für den Erfolg getan. So sah ich es von außen nämlich auch. Ich hatte schon ein dummes Gefühl, als Luhukay Sandro Wagner einwechselte, Stürmer für Mittelfeldspieler. Die Berliner wollten offensichtlich noch den Lucky Punch setzen, was der VfB-Bank wohl nicht den Anlass für besondere Maßnahmen oder Umstellungen suggerierte. Schon irgendwie merkwürdig, dass es, wie schon gegen Mainz, die Bayern und in Leverkusen, ausgerechnet der Joker des Gegners war, der stach? Oder nicht? Liegt das vielleicht auch an der fehlenden Flexibilität unserer Truppe bzw. unseres Trainers? Bei anderen Teams beobachtet man, dass der Trainer einen Spieler zu sich ruft und die neue Zuordnung kundtut, wenn der Gegner offensichtlich sein System umstellt. Bei uns? Nichts! Wie auch sonst in unserem Spiel, wo alles auf Zufall aufgebaut ist, so offensichtlich auch hier. Der Trainer überlässt die Spieler ihrem Schicksal und auf dem Platz ist keiner, der entsprechend dirigiert und organisiert.
Nach der längst überfälligen Entlassung von Labbadia und der Inthronisierung von Thomas Schneider als neuem Trainer, hatte dieser zunächst mein grenzenloses Vertrauen, auch wenn ich damals schon, sollte es denn Schneider werden, eine Lösung mit dem erfahrenen Lorenz-Günther Köstner an seiner Seite favorisiert hatte. Dieser war damals vereinslos und bewies schon in Wolfsburg ein gutes Händchen mit jungen Spielern und war zu jener Zeit auffallend oft in Stuttgart zu sehen.
Köstner steht inzwischen in Düsseldorf an der Linie, die derzeit diskutierten Augenthaler oder Adrion, die man Schneider als erfahrene Koryphäe zur Seite stellen könnte, halte ich heute für nicht mehr ausreichend. Damals, als Labbadia entlassen wurde, hätte man vermutlich nur an ein paar Stellschrauben drehen müssen, um die Jungs in die Spur zu bekommen, heute ist die Situation derart verfahren, dass meiner Meinung nur noch ein radikaler Kahlschnitt Hoffnung auf die Wende machen würde.
Die zuletzt von mir favorisierten Magath und Slomka haben neue Anstellungen gefunden. Die meisten anderen auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer machen mir einfach nur Angst, damit vom Regen in die Traufe zu kommen. Gerade Slomka zeigt in Hamburg jetzt, wie neue Besen sprichwörtlich gut kehren könnten. Er wechselte sein Team auf sechs Positionen, grub einen zuvor Verbannten aus der Versenkung aus, redete die Mannschaft stark und beorderte den überschätzten Nationalspieler Westermann auf die Bank. Ganz anders also als zu Schneiders Amtsantritt, der von Anfang an nicht den Eindruck erweckte, einen großen Plan mit dem Sammelsurium an Spielern zu haben. Auch das hatte ich vor geraumer Zeit bereits kritisiert, dass er doch sicherlich vorsprechen musste, was er denn anders machen würde als Labbadia, wenn er Cheftrainer werden würde. Bleibt fast alles beim Alten, gibt er nur eine Kopie des Vorgängers ab, hätte man auch alles beim alten belassen können. Von einem Konzept Marke Thomas Schneider ist auch nach einem halben Jahr nichts zu erkennen. Im Gegenteil, er fährt einen Schlingerkurs, und erweckt nicht den Eindruck, dass er eine eigene Linie oder gar einen Matchplan vorzuweisen hat.
Mittlerweile hat dieser Mann die gefühlt schlechteste Bilanz aller VfB-Trainer vorzuweisen, fünf Siege, vier Unentschieden aber schon zehn Niederlagen. Dazu das DFB-Pokal-Aus in Freiburg und das Ausscheiden in der Europa League Qualifikation gegen Rijeka.
Ich mache mir Sorgen wie noch nie um den VfB und frage mich, ob, und falls ja, wann der VfB gedenkt zu reagieren. Es bringt doch jetzt nichts mehr auf Teufel komm raus auf Kontinuität zu setzen, sich durch nichts und niemandem davon abbringen lassen zu wollen und auf die Rückkehr des Glücks zu hoffen. Ich würde mir dies gefallen lassen, wenn eine Weiterentwicklung eines Spielsystems, eine Verbesserung von Spiel zu Spiel erkennbar wäre. Davon aber sind wir derzeit meilenweit entfernt. Im Grunde laufen die Spiele alle nach demselben Strickmuster ab: wir kassieren zu viele billige Tore und sind selbst nicht in der Lage uns Torchancen herauszuspielen. In den letzten zehn (!) Spielen haben wir immer mindestens zwei Gegentore bekommen, was eine verheerende Bilanz ist, zumal, wenn man es selbst kaum schafft, vors gegnerische Tor zu kommen. Schneider hat es in nunmehr 19 Bundesligaspielen nicht geschafft, der Mannschaft ein Defensivkonzept und eine Kompaktheit zu verleihen, welche Grundvoraussetzung wäre, wettbewerbsfähig zu sein, wenn man schon vorne mit Toren geizt.
So führt für mich kein Weg vorbei an einer Trennung von Schneider als Profitrainer, in den Jugendbereich darf er gerne zurück. Da die Entscheidung pro Schneider genauso wie die unnötige Vertragsverlängerung mit Labbadia auf Bobic‘ Miste gewachsen ist, muss Bobic ebenfalls von seinen Aufgaben entbunden werden. Wie kein anderer steht Bobic für den sportlichen Niedergang in den letzten 3 ½ Jahren. Natürlich fand er hier keine einfachen Rahmenbedingungen vor, da aufgrund von Stadionumbau und Gehaltkostensenkungen von Anfang an kleinere Brötchen gebacken werden mussten. Trotzdem ist er eben auch kein gestandener Manager, der sehr viel Geld (das wir nicht haben) verbrannt hat, sei es durch Trainerabfindungen, sei es durch entgangene Ablösesummen, weil Spieler nicht rechtzeitig vor Vertragsende wegtransferiert wurden. Natürlich muss man Verträge einhalten, trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich hier Manager anderer Vereine geschickter anstellen, die Möglichkeiten als Verein auszuschöpfen.
Als zumindest diskussionswürdig halte ich zudem seine Verbandelung mit Jürgen Schwab, der sein Berater ist und mit dem er in Winterbach ein Sportgeschäft betreibt. Dieser Schwab fungiert nämlich auch als Berater von Gentner und Ulreich und könnte ein Grund sein, weshalb die beiden eigentlich immer spielen, wenn sie fit sind!
Welcher Trainer UND Manager uns jetzt, zwölf Spieltage vor Saisonende, noch weiterhelfen und schnelle Besserung versprechen könnte, weiß ich nicht. Sicher ist, der Schuss muss sitzen. Novizen wie Kahn (Manager), Effenberg oder Matthäus als Trainer, wären sicherlich ein hohes Risiko und im hiesigen Umfeld nicht vermittelbar. Leute wie Büskens, Augenthaler oder Oenning, die noch die klangvolleren der „freien“ Trainer wären, reißen mich ehrlich gesagt nicht vom Hocker.
Die jetzt, nachdem man die Herren Magath und Slomka ad acta legen muss, charmanteste Lösung wäre für mich Christian Gross, wenn er sich denn den VfB überhaupt noch einmal antun würde. Damit würde sich auch ein Kreis schließen, hat doch Gross dem Vernehmen nach die Lust am VfB just in dem Moment verloren, als Bobic Manager wurde. Angeblich hätte er diesen Job gerne in Personalunion gehabt und kam mit Bobic von Anfang nicht klar. Da Bobic, wie man heute weiß, keine Kritiker in seinem Umfeld duldet, hat er ihn dann auch schnellstmöglich entsorgt. Wie sauer ich über die Entlassung damals war, lässt sich hier http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=2595 nachlesen.
Von Rückholaktionen bin ich eigentlich kein großer Freund. In diesem Fall sähe ich aber Erfolgsaussichten, da Gross ein ausgewiesener Fußball-Fachmann ist, schon aufgrund seiner Ausstrahlung eine natürliche Autorität versprüht und ein Team motivieren kann. Eigenschaften, die momentan bitter notwendig sind.

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31. Dezember 2010

VfB bestätigt Trainerwechsel: Labbadia kommt für Jens Keller

Category: Presse — Tags: , , , , – Franky @ 07:49

Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart wechselt wie berichtet zum zweiten Mal in dieser Saison den Trainer. Zwei Tage nach der 1:2- Niederlage bei Hannover 96 verkündete der Verein am Sonntag die Trennung von Jens Keller. Nachfolger ist Bruno Labbadia, den der Verein am Mittag vorstellen wollte. Der 44 Jahre alte Darmstädter war seit seiner Beurlaubung beim Hamburger SV Ende April ohne Verein.

Der 40-Jährige Keller war erst am 13. Oktober als Nachfolger des entlassenen Christian Gross vom Assistenz- zum Chefcoach befördert worden. Aber auch er konnte den Europa-League-Teilnehmer nicht aus den unteren Tabellenregionen führen. Nach zuletzt fünf Ligaspielen ohne Sieg steht der VfB auf einem Abstiegsplatz.

Zwar war es unter dem gebürtigen Stuttgarter Keller zunächst wieder bergauf gegangen. Der ehemalige Spieler und Jugendtrainer des Vereins holte in seinen ersten vier Spielen sieben Punkte mit der Mannschaft und führte sie vorzeitig in die K.o.-Runde der Europa League. Insgesamt brachte er es aber nur auf zwei Siege und neun Punkte in neun Bundesliga-Partien.

Labbadia soll nun die verunsicherte Mannschaft vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit bewahren. Nach dem bedeutungslosen letzten Gruppenspiel in der Europa League gegen Odense BK am kommenden Donnerstag treffen die Stuttgarter zum Hinrunden-Abschluss in der Bundesliga und im DFB-Pokal jeweils auf den FC Bayern München.

(STZ 12.12.2010)

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16. November 2010

3:3 verloren! Jaaaa, der VfB!

Der VfB ist und bleibt ein Rätsel. Nach dem 6:0 gegen Bremen versuchte der VfB mit der gleichen Startaufstellung auch in Kaiserslautern sein Glück. Und, es schien gerade so weiter zu gehen. Als kurz nach der Pause Christian Gentner per Foulelfmeter das 0:3 markierte, waren die Pfälzer mausetot und niemand setzte auch nur noch einen Pfifferling auf die Kurz-Truppe. Doch der VfB präsentierte sich einmal mehr in Geberlaune und musste am Ende noch froh sein, wenigstens einen Punkt heimgebracht zu haben.

Auf das Spiel in Kaiserslautern freute ich mich schon lang. Das Stadion und die Fans gehören einfach in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2006 fand sich Kaiserslautern ja zeitweise fast in der Regional- bzw. Dritten Liga wieder, ehe Stefan Kuntz als Vorstandsvorsitzender die Wende zum Besseren schaffte. Meine letzten beiden Spiele auf dem Betze waren 2006 bei der WM Italien-Australien, mit dem noch gut in Erinnerung bleibenden Skandal-Elfer in der 95. Minute, sowie in der 2. Liga beim Spiel gegen St. Pauli. Tags darauf spielte der VfB in Mannheim gegen Hoffenheim, so dass wir in der Pfalz übernachteten und die beiden Spiele verbanden. Schon in der 2. Liga herrschte Erstliga-Atmosphäre, 40.000 Zuschauer, die den 4:1-Sieg frenetisch feierten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hoffte ich, dass die Lauterer bald einmal wieder aus der Bundesliga grüßen würden.

Karten bestellte ich dieses Mal nicht über den Fanclub sondern direkt beim 1. FCK. Im Gästebereich war ich schon allzu oft ganz oben gelandet und sah mehr vom Dachgestänge als vom Spiel. Dieses Mal wollte ich näher dabei sein und bestellte Karten auf der Gegengerade, mit der positiven Begleiterscheinung, keinen Fangzaun vor der Nase zu haben. In unserem Bereich im Stadion war gemischtes Publikum, sowohl VfB- als auch FCK-Fans. Teilweise auch Dauerkarteninhaber, die sichtlich angesäuert waren, ob der massig eingefallenen VfB-Invasion. Der VfB selbst hat ja 5.300 Gästekarten verkauft, rechnet man diese hinzu, die beim FCK als Käufer auftraten, waren es sicherlich 7.000 Schwaben. Dass es nicht zum Betze-Sturm gereicht hat und wir am Ende keinen Grund zum feiern haben, ja darüber können wir uns bei der Mannschaft beklagen.

Die Stimmung der Lauterer Fans war sehr gereizt. Sie ärgerten sich nicht nur über die vielen Schwaben in ihrer Nähe, auch über die eigene Mannschaft und die Aufstellung ihres Trainers, des gebürtigen Stuttgarters Marco Kurz. Schon zu Beginn war also Schwarzmalen angesagt und nach dem 0:1 und dem 0:2 fühlten sie diese schon früh bestätigt. Es war ganz geckig, die Gefühlsschwankungen dieser Fans hautnah mitzubekommen. Auf dem Betze wird eben Fußball gelebt, mit all den Freuden und auch dem Leiden, was bei einem Traditionsverein dazu gehört. Als Fan fand ich das ganz wohltuend, und weitaus emotionaler als noch vor 2 Wochen in Wolfsburg. Vor dem Spiel gab es dann noch eine schöne Choreographie der Lauterer Fans zu Ehren des verstorbenen Ehrenspielführers Fritz Walter, dessen Name das Stadion auf dem Betzenberg seit exakt 25 Jahren trägt.

Nach wie vor bin ich von Jens Keller nicht überzeugt. Zu tief sitzt noch immer die Verärgerung, zu der er mit seiner ersten Pressekonferenz als Cheftrainer Anlass gab. Auch wenn immer mehr Details über Christian Gross` Arbeit und sein Zerwürfnis mit den meisten im Verein ans Tageslicht kommen und ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen ist, bin ich noch immer der Meinung, Christian Gross hätte die Wende (auch?) geschafft. Allerdings nicht unter diesen Voraussetzungen. Möchte man einen Trainer, der nachweislich Ahnung vom Fußball hat und Erfolge nachzuweisen hat, nicht nur kurzfristige, sondern auch nachhaltig, muss man vertrauensvoll miteinander zusammen arbeiten und den Trainer Mosaiksteinchen zusammen fügen lassen, die er für nötig hält. Dass Gross nach der Bobic-Anstellung als Manager, mit dem er offensichtlich nicht gut kann und dem geplatzten Petric-Transfer resigniert hat, kann ich mir durchaus vorstellen und kann es ihm auch nicht verdenken.

Angeblich hat der VfB-Vorstand Christian Gross schon lange Zeit vor seiner Verpflichtung auf dem Radar gehabt und ihn beobachtet. Daher ist es mir noch immer unbegreiflich, dass beide Seiten zum Schluss so weit auseinander lagen. Wer einen Christian Gross holt, sollte wissen was er tut. Beim VfB wissen sie aber leider nicht, was sie tun.

Dass Gross nicht mit jungen Leuten zurecht kommt und sie daher allesamt fort geschickt hat und auch statt Ulreich lieber einen gestandenen Keeper gehabt hätte, ist jedenfalls nicht darauf zurückzuführen, dass es Gross mit jungen entwicklungsfähigen Profis nicht kann. Es liegt viel mehr an der Qualität dieser Jungs, von denen Gross nicht überzeugt war. Ein Gegenbeispiel ist doch Timo Gebhart, der auch ein junger, längst nicht fertiger, Spieler ist, den Gross gefördert hatte bis zum geht nicht mehr. In Basel hat Gross Spieler wie Rakitic, Petric, Derdiyok, Streller und viele andere mehr an den Profifußball heran und in die weite Welt hinaus geführt. Der Vorstand hätte Gross vertrauen und seine Einschätzungen ernst nehmen müssen. Jetzt werden ihm auch noch der Abgang von Rudy und die Ausleihe von Schieber in die Schuhe geschoben. Der VfB tut gerade so, als wären vor Rudy keine Talente gegangen, weil ihnen der Weg nach oben durch teure Söldner verbaut wurde.

Auch die Mär, die leider auch von der schreibenden Zunft sehr  unterstützt wird, Jens Keller hätte, im Gegensatz zu Gross, Christian Träsch wieder ins Mittelfeld beordert, ist Quatsch. In der letzten Saison spielte Träsch ausschließlich im defensiven Mittelfeld und auch Gross war nicht verborgen geblieben, dass er dort am wertvollsten ist. Die Maßnahme, ihn als Außenverteidiger zurückzuziehen, war aus der Not geboren. Degen krank, Celozzi verletzt, Boulahrouz, verletzt und formschwach. Tasci, der die Rolle auch schon ausgefüllt hatte, musste, wenn er fit war, als Innenverteidiger ran, da Delpierre lange ausfiel und Niedermeier teils unterirdisch auftragt. Auch hier war Boulahrouz keine wirkliche Alternative. Patrick Funks Defizite in puncto Schnelligkeit traten in Kaiserslautern deutlich zu tage. So blieb Gross fast nichts anderes übrig, als Träsch als Außenverteidiger aufzubieten. Dazu kommt, dass, hätte er Träsch neben Kuzmanovic oder Gentner im defensiven Mittelfeld spielen lassen, ein hochbezahlter Akteur auf der Bank hätte Platz nehmen müssen, da beide nicht gerade für die Außenbahnen prädestiniert sind. So war es eine Frage der Zeit, bis Celozzi oder Degen zurückgekommen wären und Träsch wäre zurück ins Mittelfeld versetzt worden. Von VfB-Seite her wird mir da zu viel schmutzige Wäsche gewaschen, teilweise sogar noch von den Spielern, die sich am ehesten schämen sollten.

Dass Träsch jetzt wieder im Mittelfeld fungiert, tut unserem Spiel gut. Es ist deutlich mehr Zug drin. Er harmoniert auch besser mit Christian Gentner, als Gentner es mit Kuzmanovic tat, der leider gerade verletzt ist, es aber schwer haben wird, zurück in die Stammformation zu kommen. Die Zentrale scheint erstmal besetzt zu sein, auf den Außen tummeln sich hoffentlich bald auch wieder Didavi und Audel, dazu haben wir Gebhart und Camoranesi, da dürfte dann weder für einen Gentner noch für einen Kuzmanovic Platz sein.

Eine gute Maßnahme von Keller finde ich jedoch, Boka im linken Mittelfeld zu bringen. Sonst hieß es immer Boka oder Molinaro, jetzt spielen beide. Diese Maßnahme finde ich aus zweierlei Gründen gelungen: Erstens hat Boka seine Stärken sowieso mehr in der Offensive und ist hinten eher schludrig, zum anderen wäre er ein viel zu teurer Bankdrücker.

Sonst hat sich mit Keller ja nicht grundlegend viel geändert. Die Bilanz liest sich zwar nicht schlecht bis hier hin, wir sind aber längst noch nicht aus dem Schneider. Die Tabellensituation ist nach wie vor äußerst bedrohlich und mit 11 Punkten aus 12 Spielen die eines Abstiegskandidaten. Es ist wieder etwas mehr Bewegung drin und die Stürmer verbreiten wieder so etwas wie Torgefahr. Der Kader mag reichen, um in gesichertere Gefilden vordringen zu können, mehr als Bundesligadurchschnitt ist das aber auch nicht, was die Herren vom Vorstand uns mit den Einnahmen aus der Meisterschaft und zwei Championsleague-Teilnahmen zusammengekauft und auch verkauft bzw. verhökert haben.

In Kaiserslautern war es einmal mehr katastrophal mit ansehen zu müssen, wie die Mannschaft aufgrund kleinster Widrigkeiten auseinander gebrochen ist. Haarsträubende Stellungsfehler in der Defensive, die zu Gegentoren führten. Dazu ein Torwart, der einfach noch viel lernen muss. In Kaiserslautern merkte man den Fans die Vorfreude auf Ulreich in der Westkurve richtiggehend an. Sie versuchten von Beginn der 2. Halbzeit an, Ulreich nervös zu machen, was ihnen wohl auch gelang. Seine Präsenz bei Standards, seine Strafraumbeherrschung sind einfach noch immer nicht bundesligatauglich. Klar, wir waren jetzt zwei Jahre von Jens Lehmann verwöhnt. Stand er im Tor, musste man sich quasi bei keinem Eckball oder Freistoß aus dem Halbfeld fürchten. Er pflückte die Dinger runter und warf sich ins Getümmel. In mehr als 90% aller Fälle bekommt der Torwart den Freistoß, sollte es mal schief gehen. Dieser Mut fehlt Sven Ulreich noch. Ich war auch froh, dass man ihm die Chance geben wollte, zumal er mich in den Spielen, als er Lehmann vertrat, positiv überraschte. Spätestens ab dem Trainingslager setzte diesbezüglich bei mir ein Umdenken ein und ich hätte mir einen erfahreneren oder eben besseren Keeper für den VfB gewünscht oder zumindest, dass Ulreich seine Nerven in den Griff bekommt. Diesbezüglich habe ich öfter den Eindruck, dass er von zwei Möglichkeiten entweder überhastet die falsche trifft oder manchmal auch zu lange überlegt. Und das in Situationen, die ein Torhüter meiner Meinung nach intuitiv lösen können sollte. Die löchrige Abwehr jedoch macht es ihm auch nicht leicht, mehr Sicherheit zu bekommen und bringt ihn von einer Verlegenheit zur nächsten.

In Kaiserslautern nahm das Unheil seinen Lauf, als Keller Patrick Funk durch Khalid Boulahrouz ersetzte. Funk nach diesem Auftritt in Frage zu stellen, fand ich durchaus berechtigt, da alle bis dahin gefährlichen Lauterer Angriffe über seine Seite liefen und ihm gegen Rivic die Schnelligkeit fehlte. Dafür aber Boulahrouz einzuwechseln, gerade erst wieder von einer Verletzung genesen, dazu ein Unsicherheitsfaktor in den meisten Spielen, bei denen er auf dem Platz stand, verstand ich von Anfang nicht.

Dass dann eben dieser Boulahrouz mit Georg Niedermeier am 1:3 schuld war und sich Boula kurz danach mit Muskelfaserriss wieder verabschiedete, bestätigte mich in meinem anfänglichen Unverständnis über diese Maßnahme. Boulahrouz ist eben kein Außenverteidiger, der Druck erzeugen kann, was wichtig gewesen wäre, um selbst weiter Nadelstiche in der Offensive zu setzen. So war diese Einwechslung mit der Weckruf für die Lauterer, da es sich der VfB defensiv bequem machen wollte.  Für Boula kam dann Degen erstmals nach Pfeifferschem Drüsenfieber zum Einsatz, er zeigte wenigstens gute Ansätze nach vorne.

Der Hauptgrund an der furiosen Aufholjagd der Roten Teufel lag darin, dass der VfB meinte, das Ergebnis verwalten zu können. Ein folgenreicher Trugschluss und nicht nachvollziehbar, da der VfB ja noch immer nach seiner Form und dem verloren gegangenen Selbstbewusstsein sucht. Unermüdlicher Antreiber der Lauterer war ausgerechnet Christian Tiffert, der sichtlich gereift wirkt und vor allem durch gute und scharf getretene Standards auffiel. Allerdings hätte er auch durch sein überhartes Einsteigen gegen Christian Träsch vom Platz fliegen können. Hätte der Schiedsrichter Babak Rafati in der ein oder anderen Situation energischer durchgegriffen und härtere persönliche Strafen verhängt, wäre das Unheil vielleicht auch ausgeblieben. So aber ließ sich der VfB den Schneid abkaufen und das Spiel wurde hektisch, was natürlich eher den Pfälzern zugute kam. Am Ende feierten die FCK-Fans und wir schlichen aus dem Stadion wie begossene Pudel.

Der Abmarsch aus dem Stadion und die Rückfahrt mit dem Bus zu unserem Auto verlief friedlich. Logisch, dass die ein oder andere spitze Bemerkung wegen des verspielten Vorsprungs kam, aber da muss man als VfB-Fan halt durch. Insgesamt war alles friedlich, wie man es in Kaiserslautern normalerweise auch gewohnt ist. Nach dem Spiel ist die Verbissenheit und Rivalität vergessen und man kann sich normal übers Spiel, unsere Vereine und die Bundesliga unterhalten. So muss es sein.

Für uns war natürlich der eine Punkt weder Fisch noch Fleich und am Ende eher demoralisierend als aufbauend. Nächsten Sonntag müssen wir gegen den 1. FC Köln ran, dem das Wasser auch bis zum Hals steht. Aufgrund des 0:4-Derby-Debakels zu Hause gegen Gladbach und der in dieser Woche stattfindenden Jahreshauptversammlung, bei der in der höchsten Führungsriege mit rollenden Köpfen gerechnet wird, werden wir auf einen Gegner treffen, der Flagge zeigen muss. Als Schlusslicht ist für Köln “verlieren verboten”, daher rechne ich mit einem Spiel der Kölner nach der alten Soldo-Weisheit “Safety First”, also einem Riegel, den es erst einmal zu überwinden gilt. Dazu müssen sie aber selbst versuchen, über Konter zum Erfolg zu kommen, ein Unentschieden würde ihnen auch nicht sehr weiter helfen. Mit Podolski und Novakovic haben sie zumindest in der Offensive Leute, auf die man aufpassen muss. Könnte ein gefährliches Spiel werden, bei dem ein frühes Tor natürlich hilfreich wäre. Aber, bitte auf der richtigen Seite, sonst kann es ein ganz ungemütlicher Nachmittag werden.

Nach dem Spiel fuhren wir dann direkt vom P&R-Platz Kaiserslautern-Ost nach Kandel ins Schalander, wo die Murgtalschwaben ihre Jahresfahrt mit dem Bus unterbrachen und wir viele Bekannte begrüßen konnten. Dort gab es dann reichhaltig und gut zu essen. Kleiner Wermutstropfen: Die Bierversorgung ließ etwas zu wünschen übrig. Die einzige Bedienung, die für die gut 40 „Mann“ im 1. Stock zuständig war, mühte sich nach Kräften. Der Durst nach dem an diesem Tag erlebten wäre aber größer gewesen, so dass dem Schalander einiges an Umsatz entging, was sie hätten machen können.

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17. Oktober 2010

Günter Netzer bringt es auf den Punkt

Category: Glossen/ Kolumnen — Tags: , , , – Franky @ 08:32

Die Entlassung von Trainer Christian Gross beim VfB Stuttgart empfinde ich als äußerst seltsamen Vorgang.

Denn die Gründe, die jetzt zur Trennung geführt haben sollen, wurden von den VfB-Verantwortlichen noch im Sommer angeführt, um die Erfolge von Gross zu erklären: zum Beispiel seine Kommunikationsfähigkeit und auch seine Konsequenz, die er in Verbindung mit den Spielern an den Tag gelegt hat.

Die Zufriedenheit war sogar so groß, dass sie in einer vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Gross münden sollte. Deshalb halte ich die Reaktion der Stuttgarter jetzt für inkonsequent und schwach. Denn man wusste, welchen Trainer man mit Christian Gross verpflichtet hat. Und hat sich dafür genug feiern lassen.

Aber vor allem die Spieler sind die Hauptschuldigen. Sie haben nicht ihr wahres Gesicht gezeigt in dieser Saison. Doch auch die vom Co-Trainer Jens Keller jetzt praktizierte Illoyalität hat ihren Teil dazu beigetragen. Keller hat tatsächlich in der Öffentlichkeit erklärt, dass es zwecklos gewesen sei, mit Gross zu reden. Einen solchen Co-Trainer kann man sich nur wünschen…

Sie haben nach Entschuldigungen gesucht und die ewig gleichen Alibi-Ausreden herangezogen. Etwa, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreiche. Sie haben nie ihr wahres Leistungspotenzial ausgeschöpft und damit den Verein in größte Schwierigkeiten gebracht. Und werden jetzt auch noch damit belohnt, dass ihr unbequemer Trainer entlassen wird.

Eine meiner vordringlichsten Aufgaben als Manager beim HSV war immer, den Trainer zu stützen. Weil ich mich für ihn verantwortlich gefühlt habe und bei Misserfolgen selbst zur Debatte gestanden hätte.

Deshalb ist ja die Trainer-Suche nach der Verpflichtung von Spielern die allerwichtigste Aufgabe für die Verantwortlichen eines Vereins. Dafür muss man ein Gespür haben. Und wissen, dass die erfolgreichen Trainer meist ein wenig verrückt und vor allem unbequem sind.

Hier haben die Verantwortlichen in Stuttgart mal wieder den einfachsten Weg gewählt.

(Bild.de 16.10.10)

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