19. Oktober 2016

Sadomasochismus à la VfB

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Der Sadomasochist empfindet gemeinhin Lust und Freude, indem er anderen Schmerzen zufügt oder indem er sich selbst Schmerzen zufügen lässt.

Dem VfB-Fan, ob Allesfahrer oder „nur“ Dauerkarteninhaber und Heimspielbesucher, wird bereits seit Jahren ein Hang zum Sadomasochismus nachgesagt. Während bei anderen Vereinen vor allem Heimspiele reine Festspiele sind, sind unsere eher selten vergnügenssteuerpflichtig. Während anderswo die schönste Nebensache der Welt dazu dient, Freude zu haben und den Alltag zu vergessen, baut ein VfB-Fan bei den Spielen meist Aggressionen auf, wird in schlechte Stimmung versetzt und lässt sich das Wochenende versauen, so gut wie es nur geht.

Um diesen perversen Sadomasochismus in vollen Zügen auszuleben, braucht es natürlich auch die passende Mannschaft. Diese zu bauen, damit haben zunächst die Vereins-Oberen wie Staudt und Heldt begonnen, indem sie völlig überteuerte Altstars wie Bastürk und Ewerthon anschleppten und ein Ciprian Marica, den man mittels DVD-Studium als geeignet genug befand, zum teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte aufstieg.

Nach Heldt kam Bobic, seines Zeichens TV-Experte (oder auf Deutsch Dummschwätzer) beim DSF, der als Einzelhandelskaufmann geeignet genug erschien, Millionen von Euro möglichst verlustbringend einzusetzen, die wenigen verbliebenen Identifikationsfiguren der ersten Mannschaft durch Granaten wie Torun, Haggui, Abdellaoue und unzählige andere zu ersetzen und darüber hinaus unser großes Kapital im Nachwuchsbereich, das inzwischen in Leipzig für seine hochklassige Arbeit geadelt wird, zu vergraulen.

Wenn ich jetzt noch zwanzig weitere Leute in den Raum werfen würde, die für den Niedergang der letzten Jahre verantwortlich zeichnen, würde es hier den Rahmen sprengen, möchte ich doch über die Aktualität und den letzten Auftritt in Dresden etwas schreiben.

Jedenfalls gebührt allen Verantwortlichen der letzten zehn Jahre ein großer Dank und vor allem Respekt, dass sie dem sadomasochistisch veranlagten Publikum mittlerweile eine Mannschaft geschenkt hat, welches ähnliche Neigungen zu haben scheint.

Ein 4:0 gegen Fürth, Loblieder auf die Truppe, Hoffnung auf eine Serie, Freude über die an den Tag gelegte Spielkultur, Begeisterung über Wolfs Rudel. Ist doch alles scheiße! Nein, wir wollen leiden, wir müssen leiden, wir sind schließlich der VfB!

Auch die Mannschaft um Dominus Gentner kann mit Lobhudeleien offensichtlich wenig anfangen. Diese wurde zwar nach dem Abstieg auf vielen Positionen geändert, Problem dabei aber, die Guten, die Begehrlichkeiten weckten, sind weg, andere, die nicht untergekommen sind, zwangsläufig noch da.

So änderte sich der Charakter der Truppe noch immer nicht entscheidend, sind uns doch die Gentners, Kleins, Insúas und einige mehr erhalten geblieben. Das Problem dabei ist, dass sie kraft ihres Alters noch immer den Ton angeben und noch immer Führungspersönlichkeiten sein sollten, und damit einen Anspruch haben, dem sie nie gerecht geworden sind.

War das Spiel gegen Manchester City im Vorjahr der Anfang vom Ende und das 5:1 gegen Hoffenheim der letzte Bundesligasieg, bot sich nun die Gala gegen Fürth an, selbstzufrieden die Beine hochzulegen, sich gegenseitig die Eier zu graulen und dem Trugschluss zu erliegen, man hätte bereits etwas erreicht und es liefe von selbst.

Hannes Wolf, der eher der Kommunikator denn ein Schleifer sein soll, täte gut daran, schnell zu erkennen, mit welchen Charakteren er es zu tun hat. Die Sadomasochisten auf dem grünen Rasen fangen mit Streicheleinheiten offensichtlich nichts an, sie brauchen es auch nach einem 4:0 noch hart.

Dresden war mal wieder eine Demütigung der feinsten Art. Die Spieler lassen sich nahezu ohne Gegenwehr mit einem 5:0 aus dem Stadion schießen und halten es nach dem Spiel noch nicht einmal für nötig, sich bei den leidgeplagten Fans, die mitten in der Nacht aufbrechen mussten, um diese Schmach hautnah miterleben zu dürfen, für ihr Kommen und die Unterstützung zu bedanken.

Ausgerechnet Dominus Gentner, an dem das Spiel bei nur 44 Ballkontakten und gerade einmal vier erfolgreich absolvierten Zweikämpfen, komplett vorbei lief, hielt seine Schäfchen zurück, als sie sich, allen voran Kevin Großkreutz, auf den Weg zum Fanblock machen wollten.

Ein „guter“ Sadomasochist, der Gentner als Anführer eigentlich sein sollte, holt sich nach einer solchen „Leistung“ die verbalen Beschimpfungen aus dem Block als Sahnehäubchen doch gerne auch noch ab. Konsequenz sieht anders aus, denn auch die Fans, deren Lust nach den fünf Nackenschlägen auf dem Siedepunkt war, hätten es verdient gehabt, nach neunzig Minuten der Leiden ein Ventil zu erhalten, an dem ihr Frust ausgelassen werden kann. Elendiger Spielverderber!

Der VfB unterliegt dem Aufsteiger Dynamo Dresden also 0:5. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Vor fünf Monaten trennten die beiden Teams noch zwei Spielklassen und jetzt deklassieren die Sachsen den gefühlten Erstligisten VfB derart – höher hatte der VfB zuletzt vor über 30 Jahren verloren, damals 0:6 bei Werder Bremen.

Dieses Debakel zu erklären fällt einerseits schwer, andererseits ist es eben der VfB! So war als Reaktion auf dieses Debakel im Netz hauptsächlich zu lesen, „endlich habe ich meinen alten VfB wieder“, „schade, dass die Mitgliederversammlung nicht erst diesen Sonntag war“ oder auch „war Fürth das diesjährige Manchester City?“.

Möchte der Verein mittelfristig wegkommen von seinen sadomasochistischen Spielchen und die Fans langsam wieder an lustvollere Auftritte gewöhnen, sollten jetzt schon die Alarmglocken schrillen. Ein 0:5 in Dresden ist zwar genauso wenig ein Maßstab wie das 4:0 gegen Fürth und doch legte es schonungslos offen, wie fragil das Gebilde nach wie vor ist.

Wenn es läuft, glänzen auch die vermeintlichen Führungsspieler, wenn es jedoch nicht läuft und die vielen jungen Spieler Führung und jemanden, der das Spiel ordnet, brauchen würden, tauchen sie mit unter.

Hatte Kapitän Gentner vor ein paar Tagen noch großspurig verlauten lassen, der VfB sei endgültig in der 2. Liga angekommen, zeigte es sich am Samstag, dass dem eben nicht so ist.

„Leider“ konnte ich selbst nicht nach Dresden fahren, weil ich durch eine Hochzeit verhindert war. Nach diesem Ergebnis sagen mir zwar jetzt viele, „sei froh, dass Du nicht dort warst“. Aber, das bin ich mitnichten. Ein Auswärtsspiel ist schließlich viel mehr als das bloße Spiel.

Es ist die Fahrt, die Stimmung im Bus, die Atmosphäre rund ums und im Stadion, die Fangesänge, das Stadionbier, die Stadionwurst, der Geruch es Rasens, kurz, Lebensgefühl und Leidenschaft. Darüber hinaus ist es mit der Terminierung ausgerechnet auf diesen Samstag extrem dumm gelaufen und raubt mir die vielleicht einmalige Chance auf einen Zweitliga-34er.

Da es bereits in der letzten Saison stets Klatschen hagelte, als ich nicht dabei war, könnte ich aber auch abergläubisch daher kommen, und dies als wahren Grund für die Niederlage heranziehen. Im Vorjahr verpasste ich lediglich das 0:4 in München wegen Krankheit, das 0:4 in Mönchengladbach, weil es unter der Woche war und ich nicht frei nehmen konnte, sowie das 2:6 in Bremen wegen des Boykotts der Fanszene.

Ein ungewohntes Gefühl jedenfalls war es schon am Samstag, als sich gefühlt meine komplette Facebook-Freundesliste auf dem Weg in die ehemalige DDR befand und ich mich langsam in Schale schmiss und auf die Hochzeit vorbereitete.

„Anpfiff“ in der Kirche war um 13.30 Uhr und daher auch noch „super“ getimt das Ganze. Da das Kribbeln am Spieltag naturgemäß da war und uns das Vorgeplänkel in der Kirche weniger aufregend erschien als das Spiel, entschlossen wir uns, zunächst auf „ein“ Bier in die Kneipe gegenüber einzukehren und Gefahr zu laufen, etwas verspätet im Gotteshaus einzulaufen.

Dort sahen wir einen VfB, der zunächst einmal noch akzeptabel im Spiel war und auch die ersten beiden Großchancen durch Gentner und Mané kreierte. Mit zunehmender Spieldauer aber nahm das Unheil seinen Lauf. Die Mannschaftsteile vom VfB standen, ganz anders als noch gegen Fürth, viel zu weit auseinander und ließen sich ein ums andere Mal durch Spielverlagerungen der Dresdner in Verlegenheit bringen. Die Dynamos legten die erwartet harte Gangart an den Tag, der die Diven vom Neckar mit zunehmender Spieldauer immer weniger entgegen zu setzen hatten. Der VfB verteidigte, fast wie zu Zorniger-Zeiten, extrem hoch und zwang Dresden dadurch zu einigen überhasteten Abspielen und Ballverlusten. Doch, ebenfalls wie zu Zorniger-Zeiten, traf man vorne das Tor nicht und ließ sich hinten zu einfach überrumpeln.

Das 1:0 fiel noch recht überraschend. Klein lag bei der Entstehung des Treffers zunächst nach einem vermeintlichen Foul am Boden, doch die Dresdner spielten weiter. Die VfBler waren dabei noch ob dieser vermeintlichen Unart erbost und reklamierten, anstatt sich zu sortieren und sich auf den Dresdner Angriff zu konzentrieren.

Dadurch war Kleins Abwehrseite verwaist, was die Dresdner zum Flankenlauf ausnutzten und Kutschke in der Mitte nur noch einzunicken brauchte. Dass die Dresdner den Ball nicht ins Aus beförderten und weiter spielten war völlig legitim und auch in meinem Sinne. Einzig dem Schiedsrichter obliegt es, das Spiel zu unterbrechen, was ich für richtig halte, da in 99,9% der Fälle das Liegenbleiben als taktisches Mittel genutzt wird und die meisten, sobald das Spiel unterbrochen ist, wieder putzmunter aufstehen. Dass der VfB zwischenzeitlich selbst den Ball hatte und diesen ebenfalls nicht ins Aus spielte, ist dabei aus der Sicht derer, die dies als Alibi sehen wollen, nicht der Rede wert.

Ein Rückstand kann passieren, ein Rückstand sollte, erst recht in dieser 2. Liga, kein Beinbruch sein. Noch waren gut fünfzig Minuten Zeit, auf diesen Rückschlag entsprechend zu reagieren.
Dass der VfB danach aber völlig kopflos agierte, ist mir noch heute unbegreiflich. Gerade einmal vier Minuten später führte Langerak einen Abstoß riskant und kurz aus und überraschte damit Zimmermann. Der Ball gelangte dadurch schnell zu „Lumpi“ Lambertz, der frei vor Langerak auftauchte und die Nerven behielt. Dieser Doppelschlag saß!

Ehe man sich versah, stand es 3:0, drei Gegentore in sechs Minuten. Unfassbar, desaströs und vor allem blamabel, wie sich der VfB präsentierte. Wir waren ebenfalls fürs erste bedient und gingen in die Kirche. In erster Linie um unseren Freunden die Ehre zu erweisen und in zweiter um eine Kerze für eine bessere zweite Halbzeit anzuzünden.

Hat natürlich alles nichts genutzt, beim anschließenden Stehempfang bekamen wir dann binnen kürzester Zeit das 4:0 und das 5:0 vermeldet, so dass ich in diesem Moment tatsächlich erst einmal froh war, nicht noch die elendige, lange Rückfahrt vor mir zu haben.

Auch wenn man von den Mannschaften der letzten Jahre schon so manche Qual erleiden musste, dieses 5:0 beim Aufsteiger hatte noch einmal
eine andere Dimension. Schlimmer geht immer, vor allem beim VfB! Der VfB kassierte seine höchste Zweitligapleite aller Zeiten, während Dresden seinen höchsten Zweitligasieg aller Zeiten feierte. Jaaaaaa, der VfB!

Binnen zwei Wochen, nur durch die Länderspielpause unterbrochen, zwei so verschiedene Gesichter der Mannschaft? Was war passiert? An der Rückkehr von Florian Klein in die Startelf allein kann es ja nicht gelegen haben.

Es trat mal wieder das alte VfB-Phänomen zutage. Zu viel Lob tut der Truppe nicht gut, sie braucht konstanten militärischen Drill, nicht umsonst wünschte ich mir in den letzten Jahren schon öfter Felix Magath zurück. Sein Credo, „Qualität kommt von Qual“, wäre genau das, was diese Mannschaft durchweg benötigt.

Lange Leine, freie Tage, wie sie Kramny an Ostern gewährte und die wohl ein entscheidender Mosaikstein auf dem Weg zum Abstieg waren, Pustekuchen. Disziplin, Ordnung, Diktatur ist das einzige, was diese Truppe versteht, nicht umsonst hieß der letzte einigermaßen erfolgreiche VfB-Coach Huub Stevens.

Das muss das Team um Hannes Wolf verinnerlichen. Neue Trainingsmethoden, kommunikativer Führungsstil, Überzeugungsarbeit, alles schön und gut, jedoch nur dann, wenn man sie am Ende des Tages hart rangenommen und sie vom hohen Ross heruntergeholt hat.

Dem Dresdner Wille und Kampfgeist hatte der verweichlichte Haufen, der am Samstag auf dem Platz stand, rein überhaupt nichts entgegen zu setzen.

Wo war der von vielen immer vehement geforderte Alexandru Maxim? Wo ist dieser Edeltechniker, wenn es körperlich zur Sache geht und mit Schönspielerei kein Blumentopf zu gewinnen ist? Wo war unser Kapitän, der, wie wir seit Sonntag vergangener Woche wissen, Vorbild unseres neuen Präsidenten ist? Sollte sich Dietrich Gentners Eigenschaften zu Eigen machen wollen, dann erst recht gute Nacht, VfB und Dietrich raus!

Von der zweiten Halbzeit bekam ich dann nichts mehr mit, las nur in den Berichten, dass kein Aufbäumen erkennbar gewesen sei und man keinen ernsthaften Torschuss mehr abgegeben hätte. So hat Dresden auch in dieser Höhe hochverdient gewonnen, was einem Offenbarungseid für einen Aufstiegsfavoriten gleich kommt.

Christian Gentner hat es unter der Woche in einem Interview, als er Cheftrainer Wolf in höchsten Tönen lobte, gesagt: Bei dem, was das Trainerteam vom Team verlangt, wird dem Kopf einiges abverlangt. Da ich den Unseren schon seit längerem eben jene geistigen Fähigkeiten abspreche, ist es nicht verwunderlich, dass der VfB so konfus agierte und nach dem Rückstand auf die veränderte Ausgangslage keine Antwort mehr parat hatte.

Da rächt es sich einfach einmal mehr, dass Hannes Wolf keine Saisonvorbereitung zur Verfügung hatte und seine Vorstellungen den Jungs während des Spielbetriebs eintrichtern muss. Auch für ihn ist es ein schmaler Grat, die Aufgabe hochmotiviert anzugehen und von Woche zu Woche mehr von seiner Handschrift zu sehen, und dem, die Truppe damit nicht zu überfordern.

Gegen die angeschlagenen Münchner Löwen muss nun auf Teufel komm raus ein Sieg her. Wenn ich von angeschlagenen Löwen schreibe, beschleicht mich schon beim Schreiben ein flaues Gefühl in der Magengegend, haben wir es doch offensichtlich auch in der 2. Liga mit dem Phänomen zu tun, der perfekteste Aufbaugegner zu sein, den sich eine kriselnde Mannschaft wünschen kann. Bei einem „normalen“ Verein, würde man jetzt den Charaktertest ausrufen, doch, was ich vom Charakter der Truppe halte, siehe oben.

Bemerkenswert ist es ja, wie ruhig Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf nach außen blieben, wenngleich auch sie betonten, dass sich ein solches Spiel NIEMALS wiederholen dürfe. Intern hat es hoffentlich heftiger gekracht, so dass die Jungs wenigstens am eigenen Leib noch zu spüren bekamen, was sie in Dresden angerichtet haben.

Sollte ihnen der erfolgte Einlauf zu soft ausgefallen sein, möchte ich mir nicht ausmalen, was sie gegen die Löwen noch im Köcher haben werden, um danach endlich mit der Peitsche in Berührung zu kommen.
Gegen schwache Fürther war nicht alles rosarot, genauso wenig wie jetzt ein Grund für totales Schwarzmalen geboten ist. Beängstigend war lediglich die Art und Weise, wie man sich von einem minderbemittelten Gegner den Schneid abkaufen und sich schließlich wehrlos aus dem Stadion schießen ließ.

Nüchtern betrachtet war es „nur“ eine Niederlage einer im Umbruch befindlichen Mannschaft. Dass auch Rückschläge zu einem Umbruch gehören, weiß man. Wenn dieser, zumindest was das Ausmaß betrifft, einmalig bleiben sollte, war er auch kein Beinbruch.

Bedenkliche Spuren würde diese Blamage lediglich hinterlassen haben, würde bereits jetzt das Vertrauen in den Plan des Trainers bröckeln, was unter Zorniger in der letzten Saison recht früh der Fall war. Gerade auch deshalb ist es immens wichtig, dass diese Niederlage ein einmaliger Ausrutscher war und die Jungs gemerkt haben, dass es nur funktioniert wenn ein jeder zu einhundert Prozent konzentriert und bei der Sache ist und nichts und niemanden in dieser 2. Liga auf die leichte Schulter nimmt. Daher ist es am Freitag elementar wichtig, dass man sich gegen die 60er anders präsentiert und vor allem nicht so kopflos agiert wie in Dresden.

Auch dieses Spiel beginnt bei null. In den Köpfen der Spieler darf das Debakel von Dresden keine Rolle mehr spielen, sie müssen unbelastet und nicht übermotiviert herangehen, und geduldig auf ihre Chancen warten. Dann bin ich mir sicher, dass es einen Heimsieg geben und Selbstvertrauen fürs Derby in einer Woche getankt werden kann.

Mit einem Sieg wäre man auch tabellarisch wieder in der Spur, geht es doch, mit Ausnahme von Spitzenreiter Eintracht Braunschweig, an der Tabellenspitze sehr eng zu. Aber, Fakt ist auch, dass die direkten Aufsteiger in den letzten Jahren im Schnitt nicht mehr als sechs Saisonniederlagen zu verzeichnen hatten, wir haben schon derer drei auf unserem Konto.

Daher wäre es wünschenswert, wenn das Team von nun an ein anderes Gesicht und vor allem Konstanz an den Tag legen würde. Auch der sadomasochistischste Fan hätte wohl nichts dagegen einzuwenden, wenn die schier endlose Zeit der Qualen, Demütigungen, Selbstzerfleischungen und Blamagen endlich einmal ein Ende finden würde.

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2. November 2013

Heja BVB, Oje VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 11:49

Bilder vom gestrigen Debakel sind jetzt online. Glückwunsch BVB zu einem tollen Spiel bei wie immer einer klasse Atmosphäre.

Danke VfB für Nichts. Wenn man mit der Naivität einer Knabenmannschaft zu Werke geht und ständig am hinterherlaufen ist, kann man in Dortmund nichts ernten. Zu viele Totalausfälle in der Truppe, der BVB auf jeder Position besser besetzt. So heißt es, den Blick nach unten zu richten und hoffen, dass Braunschweig, Freiburg und Nürnberg die Punktelieferanten der Liga bleiben. Erste Gelegenheit ein Polster nach unten aufzubauen böte sich heute in acht Tagen. Doch, mittlerweile hat es sich in der Liga herumgesprochen, wie (einfach) dem VfB beizukommen ist, zu ausrechenbar sind wir mittlerweile. So halte ich heute nicht einmal für ausgeschlossen, dass der SCF gegen uns leicht und locker seinen ersten Saisonsieg einfahren könnte. Ich hoffe natürlich, dass es nicht so weit kommen wird, zumal das Auswärtsspiel in Freiburg von der Papierform her noch das leichteste der kommenden Begegnungen ist. Angesichts der Heimschwäche und der dann noch ausstehenden Auswärtsaufgaben in Schalke und in Wolfsburg könnten wir uns bis Weihnachten in ganz ungemütlichen Tabellengefilden wieder finden, sollte nicht ganz schnell eins Ruck durchs gesamte Team gehen!

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3. September 2012

In München untergegangen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:03

Bilder vom Spiel gegen die Bayern sind jetzt online unter http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=362, wobei mir das Wort „Spiel“ dieses Mal schwerer über die Lippen kommt als sonst. Gespielt hat im Grunde nur eine Mannschaft und das waren die Bayern. Gespielt nach Lust und Laune, für die Galerie, mit dem VfB. Man kann in München verlieren, das wissen gerade wir VfB-Fans. Aber, man darf sich nicht abschlachten lassen und Sämtliches vermissen lassen, was einen Erfolg in München möglich werden ließe. Über Jahrzehnte haben wir den Bayern in den Auswärtsspielen einen großen Kampf und Paroli geboten, wenn auch meist mit wehenden Fahnen verloren wurde. Man konnte die bayerische Landeshauptstadt erhobenen Hauptes verlassen und erntete sogar manch respektvolle Anerkennung der Bayern-Fans. Seit einigen Jahren aber sind wir nur noch ein Sparringspartner und werden der Lächerlichkeit preisgegeben. Noch im April, als wir selbst der Bayern-Reserve unterlegen waren, wurden wir in und beim Abmarsch aus der Arena verhöhnt und ausgelacht, gestern nicht einmal mehr das. Die Bayern-Fans hatten sich wohl gedacht, mit dem Ergebnis sind wir gestraft genug.

Begonnen hatte es ja noch vielversprechend. Schon früh hatten wir Pech, dass Harniks Tor lediglich die Latte im Weg stand. Der VfB ließ sich davon nicht entmutigen und spielte forsch auf und ging auch, nicht einmal unverdient, in Führung. Doch, anstatt dass der Treffer Auftrieb gab, verhielt sich der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange, ließ die Bayern auf einmal kommen und bettelte förmlich um ein Gegentor, das auch prompt, lediglich sieben Minuten nach der Führung, fiel, nachdem Hajnal den Ball in der Vorwärtsbewegung vertändelte. Nur zwei Minuten später, dieses Mal nach Ballverlust Okazakis, netzte Kroos aus der Distanz ein, ehe noch vor der Pause die Entscheidung fiel. Zur zweiten Halbzeit brachte Labbadia dann Torun für Hajnal, doch ehe man sich über diese Personalie groß Gedanken machen konnte, erhöhten die Bayern zwischen der 47. und 51. Minute auf 6:1. Danach nahmen die Bayern zum Glück zwei Gänge heraus. Unrühmlicher Höhepunkt war dann noch die rote Karte unseres, eigentlich unersetzlichen, Goalgetters Ibisevic, der bei einem Gerangel mit Boateng etwas die Nerven verlor. Dennoch hätte es mit etwas Fingerspitzengefühl Kinhöfers gelb für beide getan. Ibisevic wird uns also zwei Spiele fehlen, vielleicht die Chance für Cacau, sich wieder ins Team zu spielen.

Durch die anstehende Länderspielpause hat Labbadia jetzt zwei Wochen Zeit mit seinen Spielern, die in Stuttgart bleiben, die Wunden zu lecken und zu trainieren, trainieren, trainieren. In München fehlte es mal wieder an allem. Ungenaues Spiel, zu viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, harmlose Standards, technische Mängel, Unkonzentriertheiten und nach dem ersten Gegentor schon fast Auflösungserscheinungen und kein Aufbäumen. Sie haben sich ergeben und schon früh damit abgefunden, dass es nichts zu ernten gibt.

Es stehen aber auch zwei Wochen an, in denen man als VfB-Fan am besten nicht auf die Tabelle schaut. Danach kommt der Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ins Neckarstadion, der einen überraschend guten Start hingelegt hat und in den beiden Spielen ohne Gegentor blieb. Der VfB sollte also gewarnt sein, ist aber auf der anderen Seite nach null Punkten aus zwei Spielen schon wieder gehörig unter Druck, endlich den Bock umzustoßen und anzufangen zu punkten.

Nach nur einem grottenschlechten Spiel ist gewiss nicht der Zeitpunkt alles zu verteufeln und in Frage zu stellen, bedenklich war die Art und Weise aber trotzdem, wie die hohe Niederlage zustande kam. Auch wenn Labbadia kein großer Freund der Rotation ist, würde ich mir doch öfter mal Wechsel in der Anfangsformationen wünschen. Zum einen würde dies den Konkurrenzkampf im Team mehr fördern, als wenn sich jeder, der gegen Wolfsburg oder in Moskau gespielt hat und die Woche über gesund blieb, sicher sein kann, auch in München aufzulaufen. Der andere Aspekt aber ist, dass der VfB schwerer auszurechnen wäre. Ich hoffe, diesbezüglich springt Labbadia über seinen Schatten, auch wenn er immer die Stabilität und Balance im Team betont, die er durch wechselnde Aufstellungen nicht gefährden wolle. Spätestens nach diesem Spiel mit sechs Gegentoren muss man konstatieren, dass es mit der Stabilität auch nicht mehr so weit hin ist…

Nach einer solchen Darbietung bin ich heute tatsächlich froh, dass am nächsten Wochenende spielfrei ist. Ein guter Zeitpunkt daher das 35-Jahr-Jubiläum des RWS Berkheim, dem größten und auch einem der ältesten VfB-Fanclubs, zu feiern.

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31. Dezember 2010

3:5 gegen Bayern: Gomez stürzt den VfB tiefer in die Krise

Es hätte alles so schön werden können. Bruno Labbadia, der neue Hoffnungsträger auf der VfB-Bank , feierte sein Ligadebüt, der Gegner war der große FC Bayern. Und die Fans, die die Mannschaft am Donnerstag in der Europa League gegen Odense (5:1) mit demonstrativer Teilnahmslosigkeit gestraft hatten, waren wieder voll bei der Sache, vor dem Anpfiff hüpften und sagen sie. Hinterher jedoch wendeten sie sich mit Grausen ab.

Mit 3:5 (0:3) hat der VfB in einem denkwürdigen Spiel gegen die Bayern verloren und beendet damit die Vorrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz, mit der kläglichen Ausbeute von zwölf Punkten. Die Angst vor dem Absturz in die zweite Liga wird immer größer, denn auch der erneute Trainerwechsel hat, zumindest kurzfristig, nicht den erhofften Befreiungsschlag gebracht. Gnadenlos bekam Labbadia vor Augen geführt, dass es eine mehr als undankbare Aufgabe ist, den VfB in der Liga zu halten – trotz aller guter Vorhaben, mit denen er sein Team ins Spiel geschickt hatte.

Der Trainer veränderte die Mannschaft auf gleich fünf Positionen. Serdar Tasci und Matthieu Delpierre kehrten in den Innenverteidigung zurück, Christian Träsch spielte wieder im zentralen Mittelfeld, Cacau im Sturm. All das war im Vorfeld erwartet worden – sehr überraschend hingegen war die Besetzung des rechten Verteidigerpostens: Dort kam Ermin Bicakcic zum Einsatz, ein gelernter Innenverteidiger aus der zweiten Mannschaft. Es war eine mutige Maßnahme, die sich als kapitaler Fehlgriff erwies.

Der 20-Jährige begann stark. Schon nach sieben Minuten hatte er die Chance zur Führung, köpfte nach einem Freistoß von Arthur Boka aber zu unplatziert. Und zur zweiten VfB-Chance leistete Bicakcic die Vorarbeit, als Christian Träsch am Bayern-Torwart Jörg Butt scheiterte (11.). Es war also ein durchaus engagierter Beginn der Stuttgarter, die in der Folgezeit jedoch wieder einmal in sich zusammenfielen.

Sehr abwartend hatten die Bayern begonnen und den VfB spielen lassen. Dann schlugen sie eiskalt zu. Bicakcic vertändelte den Ball gegen Thomas Müller, dessen Zuspiel Mario Gomez zum 1:0 verwertete (31). Der frühere Stuttgarter revanchierte sich fünf Minuten später und lieferte Müller die Vorarbeit zum 2:0, nachdem diesmal Delpierre gepatzt hatte. Und erneut Bicakcic ließ kurz vor der Pause Franck Ribery gewähren – der Franzose bedankte sich und traf zum 3:0.

Im zweiten Abschnitt keimte zunächst Hoffnung auf, als der eingewechselte Martin Harnik zum 1:3 traf (50.). Dann jedoch machte sich der VfB mit weiteren haarsträubenden Fehlern alles selbst zunichte: Erst traf Gomez zum 4:1, nachdem Sven Ulreich eine harmlose Hereingabe von Ribéry aus den Händen hatte gleiten lassen. Dann krachte der VfB-Torwart mit Christian Träsch zusammen – erneut war Gomez zur Stelle und erzielte mit seinem zwölften Saisontor das 5:1. Konfuser als in diesen Minuten hat man den VfB selten gesehen.

Erst jetzt korrigierte Labbadia seine Fehlentscheidung und holte den gegen Ribéry völlig überforderten Bikacic vom Feld. Die Bayern stellten das Fußballspielen ein – mit dem Mute der Verzweiflung stemmte sich der VfB gegen das drohende Desaster. Vor allem Pawel Pogrebnjak schritt dabei mit unermüdlichem Einsatz voran. Erneut Martin Harnik und danach Christian Gentner betrieben mit ihren Toren Ergebniskosmetik und verhinderten eine Blamage. Die VfB-Fans ließen sich dadurch nicht milde stimmen. Sie drehten sich um, als sich die Spieler nach dem Schlusspfiff bedanken wollten. Zur sportlichen Krise gesellt sich vor dem Pokalspiel gegen die Bayern am Mittwoch ein echtes Fanproblem.

Mannschaften und Statistiken
VfB Stuttgart:

Ulreich – Bicakcic (60. Boulahrouz), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic (68. Gentner) – Gebhart (46. Harnik), Boka – Cacau, Pogrebnjak

Bayern München:

Butt – Lahm, Breno, Timoschtschuk, Contento – van Bommel, Ottl – Altintop (46. Pranjic), Müller (77. Alaba), Ribéry – Gomez (67. Klose)

Schiedsrichter:

Kinhöfer (Herne) – Zuschauer: 40.500 (ausverkauft)

Tore:

0:1 Gomez (31.), 0:2 Müller (36.), 0:3 Ribéry (43.), 1:3 Harnik (49.), 1:4 Gomez (52.), 1:5 Gomez (54.), 2:5 Harnik (64.), 3:5 Gentner (70.)

Gelbe Karten:

Pogrebnjak (2), Tasci (2), Träsch (3) / Timoschtschuk (2)

Beste Spieler:

Harnik, Pogrebnjak / Ribéry, Gomez, Müller

(STZ online 19.12.2010)

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21. März 2010

Barcelona-Tour mit deftiger Niederlage im Camp Nou

Bereits am Montag nachmittag begann unser 4-tägiger Trip zum Champions League Achtelfinale in Barcelona. Die günstigen Flüge ab Stuttgart waren schnell vergriffen, so dass wir mit unserer 8-köpfigen Gruppe einen Direktflug ab dem Euroairport Basel-Freiburg-Mulhouse buchten, Kostenpunkt für Anita und mich: 70 Euro pro Person, wobei die Preise stark variierten und bei jedem etwas anders waren. Um nicht mitten in der Nacht die Fahrt von Stuttgart nach Basel antreten zu müssen und schon kaputt in Barcelona anzukommen, entschlossen wir uns, bereits am Montag loszufahren und 3km vom Flughafen entfernt in Blotzheim im Elsaß zu übernachten. Der Vorteil dabei, außer, dass wir relativ ausgeruht den Flug antreten konnten war der, dass wir das Auto kostenlos auf dem Hotelparkplatz stehen lassen konnten und mit einem Kleinbus sowohl zum Flughafen gebracht wurden, als auch wieder abgeholt wurden. Der Ort selbst hat so gut wie überhaupt nichts zu bieten. Gut die Hälfte aller Geschäfte und Restaurants ist wohl schon seit Jahren geschlossen. So waren wir froh, wenigstens bei einem Pizza-Express, hinein sitzen zu können und noch etwas zum Essen zu bekommen. Danach tranken wir im Hotel-Restaurant noch ein, zwei Bierchen und gingen relativ früh ins Bett, schließlich sollte die Nacht gegen halb sechs schon wieder zu Ende sein.

Am Dienstag morgen dann frühstückten wir in dem Captain Hotel sehr gut und wurden gegen 7 Uhr zum Flughafen gebracht, da bereits um 8.25 Uhr der Flug ging. Die Maschine hob auch pünktlich ab und nach einer Flugzeit von 1:20 Stunden landeten wir in Barcelona. Endlich dort, nachdem wir schon seit Ende Dezember diesem Trip entgegen gefiebert hatten. Wir nahmen den Bus zum zentral gelegenen Plaça de Catalunya, welchen wir nach einer Fahrzeit von etwa 30 Minuten erreichten. Von dort liefen wir die Rambla hinunter Richtung Mittelmeer, tranken nahe des Yachthafens noch einen Kaffee und checkten dann in unserem Hotel Oasis ein. Die Zimmer waren schön und ausreichend ausgestattet. Für einen Preis von 50 Euro für ein Doppelzimmer inklusive Frühstück kann man wirklich nicht meckern.

Danach erkundeten wir die City mit seinen engen Gassen zu Fuß. In Blotzheim hatte ich meine Winterjacke im Auto zurück gelassen und wollte in Barcelona endgültig mit dem Winter abschließen. Dass es hier noch eine Woche zuvor 20 Zentimeter Neuschnee und den stärksten Wintereinbruch seit 25 Jahren gegeben hatte, konnte man sich angesichts des milden Klimas und des strahlend blauen Himmels gar nicht mehr vorstellen. Lediglich der Wind, der am Dienstag noch böig auffrischte, ließ es zeitweise etwas kühl erscheinen.

Anita und ich waren ja bereits beim letzten Spiel in Barcelona im Dezember 2007, so dass wir die Innenstadt schon einigermaßen kannten. Allerdings entdeckten natürlich auch wir aufgrund der vielen engen verwinkelten Gassen einiges neues. Barcelona hat schon ein beeindruckendes Flair, ist aber auch eine laute, hektische Stadt. Immer, wenn man sich über die Stadt Barcelona informiert, wird natürlich vor Nepp und Taschendieben gewarnt, so dass wir vorsichtig waren und bspw. den Geldbeutel nicht wie sonst in der Gesäßtasche hatten. Wir blieben Gott sei Dank vor so unliebsamen Erlebnissen verschont, von einigen anderen bekamen wir aber mit, dass sie beklaut wurden.

Jedenfalls erkundeten wir die City an diesem Dienstag zu Fuß und schauten uns auch schon mal das  Maremagnum, auf einer Halbinsel direkt am Hafen gelegen, wo sich auch ein großes Einkaufs- und Vergnügungszentrum befindet, an, wo am Spieltag der große Fantreffpunkt eingerichtet wird. Einige VfBler waren natürlich auch schon am Dienstag in der Stadt, doch der Großteil, vor allem die “Bronze- und Silberreisenden” werden gegen Mittwoch nachmittag eintreffen. Nach dem Stadtbummel suchten wir noch ein Lokal, in dem wir alle Platz hatten, das nicht so verraucht war und wo wir möglichst noch die Speisekarte lesen können. Schließlich kehrten wir in einer Gasse in ein Lokal ein, die Speisekarte dort war zwar auch nur auf spanisch, man konnte sich aber im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Speisen machen, da sie auf der Karte abgebildet waren. Ich entschied mich für ein Rindersteak mit Pommes, welches dann aber doch besser abgebildet war, als das, das man mir brachte. Es ähnelte leider mehr einer Schuhsohle. Aber: Hauptsache was im Magen. Danach tranken wir noch ein paar Bier in unserer Hotelbar und gingen danach aufs Zimmer. Hier einige Impressionen von der Katalanenmetropole:

Orangenbaum in Barcelona

Krumme Geschäfte?

Typisch für Barcelona

La Rambla

Der Mittwochmorgen begann natürlich mit dem Frühstück im Hotel, welches leider nicht so berauschend war. Die Brötchen waren nicht besonders frisch, es gab lediglich 3 Marmeladensorten und keinen Honig, Nutella oder dergleichen. Eier gab es keine, insgesamt eine sehr dürftige Auswahl, vor allem wenn man das Frühstück mit dem am Vortag im Elsaß verglich. Nach dem Frühstück fuhren wir mit der Metro, direkt an unserem Hotel lag die Station Barceloneta, zur Plaça Espanya, wo wir mit dem Bus den Olympia-Berg hinauffuhren. Das Olympiastadion von 1992 hatte zu unserer Freude geöffnet, so dass wir einen Blick hinein ins weite Rund werfen konnten. Um die Mittagszeit hatten Anita und ich dann genug, wir machten uns auf den Weg zurück zum Hotel, da wir ab gegen 13 Uhr Geli und Carle erwarteten, die erst am Spieltag mit Germanwings von Stuttgart aus anreisten. Außerdem stieg auch langsam das Fußballfieber. Angesichts der um die Mittagszeit zu erwartenden Schwaben-Invasion, hatte ich auch keinen Nerv mehr für Besichtigungs-Touren und wollte langsam zum gemütlichen Teil übergehen.

Die anderen wollten noch das Spanische Dorf aufsuchen, das zur Weltausstellung von 1929 errichtet wurde. Wie wir später erfuhren, wurde dieses Vorhaben wieder verworfen, da der Eintritt angesichts der wenigen Zeit, die zur Besichtigung blieb, zu teuer war.

Anita und ich warteten also in der Hotel-Bar und tranken das, wie ich finde, recht gute spanische Bier. Geli und Carle waren aber immer noch nicht da, als auch die anderen schon zurück vom Olympia-Berg kamen. Dann erfuhren wir, dass die beiden kurzerhand auf ein anderes, allerdings noch besseres Hotel umgebucht wurden, so dass wir uns beim Fantreffpunkt verabredeten. Dieser war bereits voller Schwaben und wir trafen jede Menge Bekannte. Auch Heiko war mit seinen Murgtalschwaben bereits dort, nachdem sie über Palma de Mallorca angereist waren. Am Fantreffpunkt selbst waren jede Menge Unterhaltungsmöglichkeiten für die VfB-Fans eingerichtet, wie Tischkicker und eine Showbühne. Wir hielten uns nicht sehr lange auf, zumal Geli und Carle auch noch gerne etwas von der Stadt sehen wollten und wir auch noch vor dem Spiel etwas essen gehen wollten.

Also machten wir uns auf den Weg zurück in die City und aßen in einem italienisch angehauchten Reataurant, in dem es merkwürdigerweise nicht einmal eine Pizza gab, zu mittag. Das Essen war auch nicht besonders, für mich gab es eine Penne Bolognese, vor allem war die Portion sehr dürftig. Die Spanier tischen doch erst zum Abendessen ordentlich auf.

Als wir das Lokal wieder verließen trafen wir dann noch Hautzi und Tom, mit denen wir dann gleich mal ein Begrüßungsbierchen trinken gingen. Danach gingen wir dann zurück zum Hotel, wo wir noch vorsichtshalber warme Klamotten für abends einpackten (am Vorabend war es schließlich aufgrund des Windes recht frisch) und uns wieder mit dem Rest unserer Truppe trafen.

Direkt vor unserem Hotel befand sich eine Bushaltestelle, von der drei Linien bis zum Stadion Camp Nou verkehrten. Also fuhren wir gegen 18.30 los, nicht ohne noch ein Foto von unserer Hotelbar und unserer “Reisegruppe” machen zu lassen. Auf der Fahrt sahen wir dann noch unseren Mannschaftsbus, eskortiert von Polizisten.

Nachdem wir einige Zeit im Stau standen und sich die Fahrdauer recht lange hinzog, erreichten wir doch den Fußballtempel schlechthin, das Camp Nou, das größte Fußballstadion in Europa. Da ich ja vor 2 Jahren schon dort war und wußte, dass die Gästefans ganz oben eingepfercht werden, war ich lange am überlegen, ob ich mich um Karten in einem anderen Sektor bemühen sollte. Ich ließ es aber dann sein, zum einen, weil wir ja doch zusammen bleiben wollten. Dann weiß man nicht bei internationalen Spielen, ob man mit VfB-Fanklamotten überhaupt woanders reingelassen wird, dazu kommt, dass die Kartenpreise für den 2. Rang wohl bei etwa 125 Euro lagen. So schossen wir noch kurz ein Gruppenfoto vor dem Stadion und begaben uns zum Eingang. Die Organisation war mit deutschen Maßstäben nicht zu vergleichen, jedenfalls wurde ich, bis ich mal im Treppenhaus war, sicher drei Mal durchsucht.

Dann sahen wir zu, dass wir den Weg nach oben hinter uns brachten. Schier endlos kamen uns die Stufen vor. Zu allem Überfluß klingelte unterwegs noch mein Handy, so dass ich auf dem mühsamen Weg auch noch telefonieren durfte. :-) Als wir an unserem Platz ankamen, kramte ich natürlich sofort meinen Fotoapparat heraus und schoß ein erstes Foto.

Das Camp Nou ist schon ein beeindruckendes Stadion. Zwar alt, an manchen Stellen baufällig und ohne Dach, aber die Tradition ist hier zu riechen, wenn man sich vor Augen führt, welche Fußball-Schlachten hier seit 1957 stattgefunden haben. Allerdings ist vom Gästeblock aus, der sich von der Kurve bis zur Mitellinie erstreckt, der Blick über die Stadt fast besser als der aufs Spielfeld. Im Gegensatz zu unserem letzten Gastspiel haben die Katalanen auch noch ein Fangnetz gespannt, weshalb natürlich viele Bilder nichts geworden sind. Wenn man allerdings knipst wie ein Bekloppter, kann man dies verschmerzen, und bekommt immer noch genügend vorzeigbare Pics hin. :-)

Lange Zeit erschien es so, dieses Spiel würde kaum einen Spanier interessieren, da das Stadion sich nur sehr langsam füllte. Die Spanier aber, das hatten wir auch schon in Sevilla festgestellt, kommen erst pünktlich zum Anpfiff und verlassen das Stadion nach dem Schlußpfiff sofort wieder. Es herrscht eben eine andere Fankultur dort. Im Gegensatz aber zu unserem letzten Spiel im Camp Nou, als das Stadion aufgrund der damaligen Tabellensituation in der Gruppenphase (Barca sicher erster, wir sicher letzter) bedeutungslos und das Stadion daher nur halbvoll war, bekam dieses Achtelfinalspiel die Kulisse, die es verdient hatte. Das Stadion war nahezu voll, spätestens als die FC Barcelona Hymne ertönte, hatten die Katalanen ihre Plätze eingenommen.

Nach dem Einlauf der Mannschaften wurde wie immer bei Championsleaguespielen die obligatorische Championsleaguehymne eingespielt, die es mir noch immer (so routiniert sind wir ja diesbezüglich nicht) eiskalt den Rücken hinunter laufen läßt.

Nach dem 1:1 im Hinspiel, vor allem nach der in der ersten Halbzeit dargebotenen Leistung, konnte ich mir ein Weiterkommen unter besonderen Umständen durchaus vorstellen. Wobei es natürlich gegen die weltbeste Fußballmannschaft ging und hier hätte wirklich alles Glück für uns zusammen kommen und die Leistung jedes einzelnen stimmen müssen. Man machte sich Mut, zum Beispiel damit, dass Barca wenige Wochen zuvor gegen Almeria an gleicher Stätte 2:2 gespielt hatte, genau das Ergebnis, das uns reichen würde. Es wäre aber notwendig gewesen,

- das Spiel der Katalanen im Ansatz zu zerstören,

- die Passwege von Barca konsequent zuzustellen,

- eigene unnötige Ballverluse zu vermeiden,

- nach vorne eigene Nadelstiche zu setzen,

- den Ballzauberern den Spaß am Spiel zu verderben, indem man ihnen permanent auf den Füßen steht und mit einer gesunden Härte begegnet.

- und, wie Gross betonte, Jens Lehmann müßte das Spiel seines Lebens machen.

Nichts von alledem trat ein. Das Team erstarrte aus Ehrfurcht wie das Kaninchen vor der Schlange. Kein einziger der Brustringträger brachte Normalform oder versuchte das Heft in die Hand zu nehmen. Die ersten paar Minuten noch waren Ansätze zu erkennen, spätestens mit dem 1:0 durch den überragenden Weltfußballer des Jahres Lionel Messi waren die guten Vorsätze dahin. Dieser lief mit dem Ball über 30,40 Meter, von einem Spalier von vier VfBlern begleitet, bis er die Lücke erspähte und unhaltbar für Jens Lehmann in den Winkel einschoß. Wäre man nicht VfBler und ginge es nicht um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League, könnte man sich an so einer Aktion durchaus erfreuen. So aber waren wir erstmal stinksauer, vor allem auch, weil auch danach kein Aufbäumen zu erkennen war. Der VfB ließ die Katalanen gewähren wie sie wollten, stand bei Ballbesitz von Barca immer zu weit weg und schritt nicht energisch genug ein. Dazu kamen dilettantische Ballverluste, die man sich gegen einen solch übermächtigen Gegner einfach nicht erlauben darf. Ist es doch gerade die Kunst, Bälle mit enormem Kraftaufwand wieder zurück zu erobern. Für Barcelona war das eher ein Trainingsspielchen, so schwach war der VfB. Ein Chancenverhältnis am Ende von 13:0 sagt eigentlich alles aus. Der VfB hatte Glück, dass den Katalanen nicht daran gelegen war, den VfB zu demütigen, sonst hätte das Debakel noch weitaus schlimmer ausfallen können.

Das spanische Publikum hatte natürlich seine Freude am eigenen Team. Schon in der Stadt wurden wir von den meisten eher belächelt, weil niemand ernsthaft daran gedacht hatte, wir könnten Barca in Verlegenheit bringen. Weshalb man den VfB von Anfang an nicht richtig ernst genommen hatte, wurde auf dem Rasen eindrucksvoll deutlich. Barcelona ist für uns mehr als nur eine Nummer zu groß. Daher war die Stimmung auf den Rängen auch nicht überschwänglich. Für einige Sekunden wurde des öfteren die Barce Vereinshymne angestimmt, die auch sofort wieder verstummte. Dann hatten sie noch 2, 3 weitere Lieder drauf und die paar Fahnenschwenker hinter dem Tor rissen das Gesamtbild der katalanischen Fankultur auch nicht mehr besonders heraus. Für uns war es das Spiel des Jahres, für die Katalanen eher Business as usual. Das Spiel plätscherte aus unserer Sicht dem Achtelfinal-Aus entgegen. Pedro, abermals Messi und Bojan sorgten schließlich für das 4:0, mit dem wir noch gut bedient waren. Barca ließ über die gesamte Spieldauer Ball und Gegner laufen und geriet nicht einmal ernsthaft in Gefahr. Zeitweise konnten sie es sich erlauben, auf den Außen Spieler zu postieren, die überhaupt nicht am Spielgeschehen teilnahmen, weil die ganze Barca-Mannschaft insgesamt so ballsicher ist und vom VfB auch nicht ernsthaft gestört wurde. Einzelkritik möchte ich mir weitestgehend ersparen, weil alle VfBler sich nicht mit Ruhm bekleckerten. Einzig über Jens Lehmann, der leider auch nicht das Spiel seines Lebens machte, möchte ich mich auslassen. Er wandelte mal wieder am Rande der Hinausstellung. Nachdem er wegen Reklamierens gelb gesehen hatte, weigerte er sich einen von Ibrahimovic ins Tor geschossenen Ball zu holen und hätte für diese Aktion durchaus noch einmal gelb sehen können. Klar ärgerten ihn auch im Camp Nou die Balljungen. Trotzdem sollte er sich im Alter von 40 Jahren besser im Griff haben und nicht ständig Publikum und Gegner gegen uns aufbringen. So schadet er dem eigenen Team und ist ein schlechtes Vorbild unsere jungen Spieler. Mittlerweile bin ich froh, wenn im Sommer dieses Kapitel beendet wird.

Nach dem Spiel gab es dann noch die obligatorische Blocksperre. Wir wurden gut 30 Minuten nicht hinaus gelassen, diese Zeit wurde dann natürlich für Gesänge genutzt. Trotz des zuvor Gesehenen wurde der VfB gefeiert und wir feierten uns selbst. Dabei wurde wir über “Ihr werdet nie Deutscher Meister” bis zur Umba ein großes Repertoire abgespult. Auch der VfB-Wechselgesang und die Welle durften nicht fehlen. Beeindruckend war das Echo im bereits leeren Stadion. Unsere Sangeskünste lockten dann auch wieder einige Zuschauer heraus, die sich um die Ehrentribüne herum druckten.

Als wir endlich das Stadion verlassen durften und wieder am Erdboden angekommen waren, liefen wir zur nächsten U-Bahnstation und waren gegen Mitternacht wieder in der City, wo wir natürlich gleich Ausschau hielten, wo wir noch etwas zu trinken bekommen. In der ersten Botega war uns der Frust über das Wie des Ausscheidens noch deutlich anzusehen. Leider schloß diese Location bereits nach unserem zweiten Bier, so dass wir uns noch im unserem Hotel nahen Irish Pub weiter vergnügten.

Dort fand eine St. Patrick’s Day Party statt und wir kriegten uns erstmal nicht mehr ein, weil alle mit so lustigen Hüten herumliefen.

Bei uns lockerte die Stimmung dann mehr und mehr auf und irgendwann war das Spiel kein Thema mehr. Wir hatten noch eine Menge Spaß und feierten weiter, bis der Pub dann leider auch schon gegen 2 Uhr schloß. Da wir bereits am Donnerstag unseren anstrengenden Rückreisetag hatten, beließen wir es dabei und gingen zurück zum Hotel Oasis.

Nach dem erneut dürftigen Frühstück machten wir uns mit Metro und Zug auf in Richtung Barcelona Airport, wo gegen 12 Uhr unser Flieger zurück nach Basel abhob. Dort wurden wir wie vereinbart vom Flughafen abgeholt und zurück zu unserem ersten Hotel in Blotzheim gebracht. Die Heimfahrt war dann noch sehr nervenaufreibend, da just an unserem Rückreisetag hier auf der A5 eine Großbaustelle eingerichtet wurde, die uns etwa 2 Stunden Stop and Go Verkehr einbrachten. Hauptsache ist aber natürlich, dass wir alle wieder gesund und munter heimgekommen sind.

Insgesamt war es eine schöne Reise. Barcelona mit seinem mediterranen Flair hat schon etwas, auch wenn wir bereits das 2. Mal dort verweilten. Das Spiel war zum Vergessen, das Drumherum wie immer lohnenswert. Vermutlich können wir uns bereits jetzt auf eine Saison ohne internationalen Spiele einstellen. Ich gewinne diesem Umstand zunehmend Positives ab. Wir können uns konsolidieren und in einer Saison ohne Dreifachbelastung vielleicht auch wieder mal ganz oben angreifen, und das von Beginn der Saison an. Nicht zuletzt schont es natürlich auch den Geldbeutel. Wir nehmen es aber wie es kommt und wären natürlich auch in der Saison 2010/11 international am Start. In diesem Sinne, adios Europa und bis zum nächsten Mal.

Viele Grüße

Franky

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