5. Mai 2016

Geht mal Bier hol‘n, ihr spielt schon wieder scheiße!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 12:36

So mein Lieblingstitel der “VfBallermannhits”, die unmittelbar nach Bekanntgabe des Kurztrainingslagers auf Mallorca vergangene Woche, die Runde machten. So aussagekräftig, auch was den Gemütszustand in den letzten Wochen und Monaten betrifft, der einen während nahezu jedem Spiel beschleicht.

Da das Montag-Spiel in Bremen von der aktiven Fanszene boykottiert wurde, fand am Sonntag, unmittelbar vor der Abreise der Mannschaft nach Bremen, noch eine Karawane vom Cannstatter Bahnhof zum Trainingsgelände statt. Dort durften wir, entgegen der sonstigen Gepflogenheiten, den Schluss des Abschlusstrainings verfolgen und die Mannschaft dabei lautstark gen Norden verabschieden und ihr versuchen noch den entscheiden Push mit auf die Reise zu geben.

Ein großer Bahnhof wurde dieser Truppe gemacht, die es für uns richten muss, den ersten Abstieg seit 41 Jahren zu verhindern. Doch, auch das war vergebene Liebesmüh, gedankt haben sie es nämlich einmal mehr nicht und gingen an der Weser sang- und klanglos 2:6 unter.

Das von allen Seiten belächelte Trainingslager auf Mallorca zeigte damit überhaupt keinen Effekt, zumindest keinen positiven, im Gegenteil, der VfB setzte den Tiefpunkten der letzten Wochen einen weiteren unten drunter. Da fragt man sich schon, was das soll, zwischen zwei Spielen kurz mal nach Malle in ein anderes, weil mediterranes, Klima zu fliegen und sich diesen Reisestrapazen auszusetzen, auch wenn dies von offizieller Seite heruntergespielt wird, man hätte auch nicht länger gebraucht, um ins Allgäu zu gelangen, wo man ursprünglich seine Zelte aufschlagen wollte.

Plätze mit Rasenheizung hätten sich auch dort finden lassen. Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Teambildung hätte es auch dort gegeben. Billiger wäre es ohnehin gewesen, wobei ich an dieser Stelle einmal mehr betonen muss, dass der Verein, der sich in den letzten Jahren sportlich kaputt gespart hat, auch in puncto Luxus einmal kürzer treten könnte, wenn nicht müsste.

Hat es diese Truppe überhaupt verdient, stets in den teuersten 5-Sterne-Tempeln, Golf- und Wellnesshotels abzusteigen, wo sich Otto Normalbürger nicht mal eine Nacht leisten könnte? Hätte es nicht auch die Sportschule Malente getan, in der der Geist zum WM-Gewinn 1974 entstand? Müssen es Charterflüge nach Malle oder zurück von Bremen sein? Könnte man die Mannschaft nicht von Bremen mit dem Bus zurück fahren lassen, der ja ohnehin fährt. Weshalb in der Nacht noch ein Rückflug per Charter, weshalb eine Ausnahme-Nachtlandeerlaubnis in Stuttgart, während wir seinerzeit von Barcelona aus kommend bis zum Morgengrauen auf dem Rollfeld in Barcelona mangels Nachtlandeerlaubnis festsaßen?

Man darf die Mannschaft gerne für außerordentliche Leistungen mit Luxus belohnen, aber, in sportlich und finanziell düsteren Zeiten würde es dem Verein gut zu Gesicht stehen, zur Bodenhaftung zurückzukehren und die ohnehin verwöhnte Versagertruppe nicht weiter zu hofieren und zu hätscheln, wenn sie sich eigentlich Peitschenhiebe verdient hätte.

Diese „Auszeit“ war, so wurde kommuniziert, ausdrücklich Wunsch des Trainers. Dass dies schon ein erstes Anzeichen sein könnte, dass Dutt von Kramny abrückt, könnte man jetzt hinein interpretieren oder auch, dass Dutt schon einmal vorsorgt, sollte es auch mit Kramny schief gehen.
Klar war auf jeden Fall, sollte nicht eine deutliche Leistungssteigerung und ein Erfolgserlebnis in Bremen zu verzeichnen sein, dass Dutt und Kramny die Entscheidung für Malle um die Ohren fliegen würde.

„WAS ZUM TEUFEL HABEN DIE JUNGS AUF MALLE GEMACHT?“ Die Vorstellung in Bremen war eine nahtlose Fortsetzung der schlechten Auftritte der letzten Wochen. Die Mannschaft präsentierte sich, aller teambildender Maßnahmen zum Trotz, abermals nicht als Team, jeder war sich selbst der Nächste, jeder hatte mit seine eigenen fußballerischen Unzulänglichkeiten zu tun, war zweikampfschwach wie eh und je und ließ sich von giftigen Bremern eindrucksvoll vor Augen führen, wie Abstiegskampf auszusehen hat. Das Auftreten des VfB hingegen hatte schon etwas von Urlaubsmodus, Malle lässt grüßen!

Die Bremer Zuschauer erzeugten eine überragende Stimmung, so dass von den etwa 800 VfBlern wenig bis nichts zu hören war. Das lag aber nicht allein am Boykott der aktiven Fanszene an diesem Montagabend. Werder, bei denen einige Ultras dem Spiel solidarisch ebenso fern blieben, machte mobil und holte seine Zuschauer ins Boot, verteilte Klatschpappen und forderte das Publikum auf, 90 Minuten zu stehen und Rambazamba zu machen, um den „Ausfall“ des organisierten Supports der Ultras zu kompensieren. Bei einem solchen Lautstärkepegel hätte man wohl auch 4.000 VfBler kaum lauter wahrgenommen als die wenigen Anwesenden.

Bremen macht im Abstiegskampf unter dem Motto „Green-white-wonderwall“ mobil und steht im wahrsten Sinne des Wortes hinter und zum Verein, während es bei der Stadt Stuttgart niemanden ernsthaft zu tangieren scheint, würde sein Aushängeschild absteigen.

Der grüne OB Kuhn ließ nur dazu verlauten, dass es einen Imageverlust der Stadt geben würde, wenn der VfB abstiege, mehr nicht. Keine Plakataktion, kein Werben für den VfB, nicht einmal ein Stadionbesuch (gut, darauf können wir gerne verzichten), schließlich ist er ja Bayern-„Fan“.
Unter seinen Amtsvorgängern Schuster und Rommel war das noch anders, prangten noch riesige Plakate an den Einfallstraßen, gab es Radio-Spots und noch einiges mehr. Nicht nur bundesweit hat es der VfB binnen neun Jahren „geschafft“ vom Deutschen Meister zur grauen Maus zu mutieren, nein, auch in der Heimat wird man, wenn überhaupt, nur noch stiefmütterlich behandelt und wahrgenommen.

Werder wurde bereits auf der Fahrt vom Hotel ins Stadion frenetisch bejubelt, so dass den Bremern schon fast nichts anderes übrig blieb, als sich zu zerreißen und das so wichtige Spiel für die Stadt und seine Fans zu gewinnen.

In Bremen fiel neben Serey Dié, Kevin Großkreutz und Daniel Ginczek kurzfristig auch noch Kapitän Christian Gentner aus, der zwar nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, der im Team aber doch ein Standing besitzt, das der Mannschaft zusätzlich fehlte. In Schwaab, Harnik, Insúa, Tytoń und Ersatzkapitän Georg Niedermeier standen immer noch einige gestandene (zumindest sollten sie es sein) Bundesligaakteure auf dem Platz, die dem Team Halt hätten geben sollen. Barba spielte in der Innenverteidigung und Matthias Zimmermann kam als rechter Verteidiger zu seinem Bundesligadebüt, während ausnahmsweise mal wieder Maxim und Didavi zusammen ran durften.

Bremen zeigte vom Anpfiff weg, wie Abstiegskampf aussehen muss und kämpfte um jeden Zentimeter Rasen, während die VfB-Akteure große Probleme bei der Ballbehandlung hatten und Werder eher spielerisch knacken wollten. Man kam von VfB-Seite aus abermals nicht in die Zweikämpfe und mit dem frühen Pressing der Werderaner überhaupt nicht zurecht.

Dass man bspw. den Ausfall von Serey Dié nicht ansatzweise kompensieren kann, wurde bereits in den letzten Wochen deutlich und fiel am Montag erneut schwer ins Gewicht. Daniel Schwaab, der auf die Sechs gerückt war, ist von Haus aus Innenverteidiger und lässt sich daher eher in die Abwehrkette zurückfallen, als dass er Angriffe mit ankurbelt. Didavi und Rupp wurden durch konsequentes Pressing der Bremer früh gestört, so dass wenig Konstruktives heraus kam. Bereits früh entwickelte sich die Partie in Richtung der Bremer, die schon nach 10 Minuten und nach einer haarsträubenden und schlafmützigen Aktion von Georg Niedermeier in Führung gingen.

Der VfB kam zwar zum vorübergehenden Ausgleich, dem ein schöner Spielzug vorausgegangen war, Torschütze Didavi, nach Zuspiel von Maxim. Es wäre DIE Chance für den VfB gewesen, sich noch einmal zu sammeln und die Partie wieder bei null zu beginnen, aber, das wäre dann wohl nicht unser VfB gewesen.

Der VfB der Gegenwart tut nämlich alles dafür, einen kurz mal verunsicherten Gegner wieder aufzubauen. Trifft der Gegner nicht, besorgt man es eben selbst. Eine recht harmlose Flanke der Bremer köpfte Barba zurück, vorbei am heraus stürmenden und verdutzten Tytoń, ins eigene Tor. Immer wenn der Gegner denkt, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein dummer VfBler daher. Eigentor Nummer sieben, Allzeit-Rekord ausgebaut.
Bei diesem Gegentor verletzte sich Yatabaré, sein Ersatzmann Öztunali, seines Zeichens Enkel von Uwe Seeler, besorgte nach 42 Minuten die 3:1-Pausenführung, erneut „verdiente“ sich Georg Niedermeier dabei einen Scorer-Punkt.

Zwei Minuten später musste der bis dahin beste VfB-Spieler, Daniel Didavi, mit einem Pferdekuss ausgewechselt werden. Ihm sprang zuvor Seuchenvogel Martin Harnik, der unlängst die halbe Mannschaft mit seiner Grippe angesteckt hat, ins Kreuz und setzte den Neu-Wolfsburger schachmatt.

Zur Pause twitterte Thomas Hitzlsperger „wär vielleicht ganz gut, die Jungs verbringen die Halbzeit in der Eistonne. Wärme hat bisher nix gebracht“. Auf den Punkt gebracht! Währenddessen sah Gentner vor dem Sky-Mikrofon einen spielerisch besseren VfB und höhere Qualität in Reihen des VfB. Denke, diese Meinung hatte er exklusiv, wobei es ihm ohnehin besser zu Gesicht gestanden hätte, in die Kabine zu eilen und „seiner“ Mannschaft die Leviten zu lesen.

Nach dem Wechsel wollte der VfB noch einmal alle Kräfte mobilisieren und kam auch prompt zum Anschlusstreffer durch Eigentorschütze Barba (per Hacke). Doch, die Bremer hatten Blut geleckt und wussten ja, wie es um die „Abwehr“ des VfB bestellt war, so dass Pizarro schon zehn Minuten danach auf 4:2 erhöhte. Spätestens als Federico Barba kurze Zeit später mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste und der bemitleidenswerte Ristl hineingeworfen wurde, brachen beim VfB alle Dämme.

Dass Muskelverletzungen (Gentner, Barba) just dann auftreten, nachdem der VfB für drei Tage aus der Kälte Deutschlands ins frühlingshafte Mallorca und wieder zurück jettete, könnte ein Zufall sein, oder eben auch nicht!

Die Tore zum 5:2 und zum 6:2 machten schließlich das Debakel perfekt. Erstmals seit 1985 kassierte der VfB an der Weser sechs Gegentore, damals ein 6:0 an einem kalten Freitag-Abend! Die Revanche darauf folgte dann jedoch prompt im Rückspiel, als wir durch ein 2:1 gegen Werder mit zwei Allgöwer-Toren die Bayern zum Meister machten und Werder ins Tal der Tränen stürzten.

Dutt stärkte Jürgen Kramny nach dem Debakel demonstrativ den Rücken und möchte der Mannschaft, nachdem Mallorca nichts gebracht hat, eine Kopfwäsche verpassen. Kramny sei 100 Prozent VfB, habe die Mentalität und die Identifikation und könne nichts für den Ausfall etlicher Leistungsträger (für deren Alternativen Chef-Einkäufer Dutt nicht gesorgt hatte). Hört sich irgendwie schon nach Aufgabe an, da sich die Reihen im VfB-Lazarett bis Saisonende nicht mehr entscheidend lichten dürften.

Eine Kopfwäsche für die Profis, wie immer die auch aussehen mag, befürchte ich, wird nichts bringen. Die Bequemlichkeit und mangelnde Erfolgsgier hat Dutt doch selbst gefördert, indem man den Druck stets den anderen zuschob und man schlechte Spiele bei Mitkonkurrenten verharmloste. Dass es das Restprogramm in sich haben würde und man seine nötigen Punkte tunlichst vor den letzten fünf Spielen einfahren musste, war mir klar, seit der Spielplan veröffentlicht wurde.

Man kann sich in der Theorie natürlich die ersten 60 Minuten schön trinken, ähm, reden und lediglich kritisieren, dass man sich am Ende abschlachten lassen hat. Damit macht man es sich aber zu einfach. Für ein Abstiegsendspiel war das mal wieder von der ersten Minute an zu wenig, vor allem in puncto Zweikampfhärte und Körpersprache.

Diese Mannschaft mit einer katastrophalen Abwehr, nicht vorhandenem defensiven Mittelfeld und einem Sturm, der nicht mehr als ein laues Lüftchen ist, soll jetzt allen Ernstes den Schalter noch einmal umlegen können? Dieses Team, ohne jegliche Führungsspieler? Wo ein Niedermeier zwar mit der Gosch Ansprüche erhebt, gar über das Saisonende hinaus, im Spiel dann aber stets DER Unsicherheitsfaktor schlechthin ist? Wo ein Martin Harnik nicht nur seine Mitspieler matt setzt, sondern auch keinen Ball stoppen kann und das Tor nicht trifft? Wo ein Daniel Schwaab nicht mehr als ein Leisetreter ist und sich wie alle anderen in das Schicksal ergibt? Wo Didavi und Kostic mit den Gedanken weit weg sind und in Gedanken wohl schon kurz vor dem Championsleague-Titel stehen? Wo ein Timo Werner bei der Leichtathletik besser aufgehoben wäre als beim Fußball. Wo sich der Torwart zunehmend von der Unsicherheit seiner Vorderleute anstecken lässt? Wo Rupp und Maxim außer Form sind und jetzt auch noch Insúa gelbgesperrt gegen Mainz fehlen wird?

Letzteres sehe ich nicht einmal als allzu negativ an. Phiip Heise kam mir in dieser Saison bislang zu schlecht weg und hat für meinen Geschmack zu wenig Einsatzchancen erhalten, obwohl er mir in den Trainingslagern ganz gut gefallen hat. Ich hoffe, dass er gegen Mainz ran darf und nicht doch Allzweckwaffe Schwaab sich zu allem Überfluss auch noch als Linksverteidiger versuchen darf.

Diese „Mannschaft“, vor allem mit den zahlreichen Ausfällen, ist einfach zu schlecht, so dass man Kramny nur bedingt für diesen Negativlauf verantwortlich machen kann. Anfangs profitierte er nicht unerheblich von der Arbeit Zornigers, vor allem, weil die Spiele unter Zorniger ja zum Großteil ordentlich waren und nur Nuancen geändert werden mussten.

Jetzt, in der nun schon seit zehn Spielen andauernden Krise wirkt Kramny zunehmend ratlos und während der Spiele phasenweise so, als ginge ihn die Veranstaltung überhaupt nichts an. Ein Lautsprecher wird er sicher nicht mehr werden, aber, ein wenig mehr Temperament würde man sich schon wünschen, gerade dann, wenn man merkt, dass sich die Mannschaft selbst nicht helfen kann.

Wenn man dann noch feststellen muss, dass je länger die Saison dauert, das Team in der Schlussphase eines Spiels nicht mehr zusetzen kann, also platt ist, stellt sich die Frage, ob denn auf dem Wasen richtig trainiert wird. Kramny wäre wohl einer der wenigen Trainer, der in einer Saison zwei Mal absteigt, denn auch die Amateure sind ja quasi sein Team. Ob er als Abstiegstrainer nach der Saison noch vermittelbar wäre, daran habe ich große Zweifel.

Robin Dutt scheint hier (mal wieder) keinen Plan B zu haben. Kramny wurde bereits im November mangels Alternativen und mutmaßlich auch mangels Geld zum Cheftrainer ernannt. Dutt erinnert mich mit seiner Eigenschaft „Probleme auszusitzen“ und seinem „Wir schaffen das, (weil wir so gut sind)“ mehr und mehr an die Bundeskanzlerin, deren Macht jedoch auch schon zu bröckeln beginnt.

Wo Dutt ist, ist unten, dies scheint sich nun auch beim VfB zu bewahrheiten. Galt es lang den Scherbenhaufen aufzuräumen, den Bobic hinterlassen hat und nur darum, das Schlimmste zu verhindern, muss sich Dutt langsam aber sicher an den Ergebnissen messen lassen. Versprach er vor der Saison noch, die Vetterleswirtschaft würde der Vergangenheit angehören und man lege wieder Wert auf mehr Sportkompetenz im Verein, macht er sich gerade in diesen Punkten in letzter Zeit angreifbar. Zweifelsohne hat er gute Transfers getätigt, wie die von Serey Dié, Lukas Rupp und Kevin Großkreutz, lag aber auch bei vielen daneben, Sunjic, Kruse, Kravets, um nur ein paar davon zu nennen.

Diese Saison hat Dutt geplant, hat seinen Wunschtrainer Zorniger trotz einiger Widerstände durchgeboxt, um ihn dann, als die Ergebnisse ausblieben und der Druck von außen zu groß wurde, fallen zu lassen. Die Fangemeinde ist bis heute gespalten darüber, ob die Zorniger-Entlassung richtig war oder ob man ihm nicht noch die Wintervorbereitung hätte zugestehen sollen. Mit Zorniger stünden wir sicher jetzt auch nicht schlechter da.

Was auffällt und letztlich den Ausschlag für die Zorniger-Entlassung gab, war, dass er bei den Medien nicht wohlgelitten war und diese ihn systematisch weg mobbten, während Kramny nun mit Samthandschuhen angepackt wird. Das dürfte daran liegen, dass Kramny freundlich und adrett daher kommt und immer zu einem Statement bereit ist, während Zorniger die Schreiberlinge auch mal anblaffte und abblitzen ließ, wenn es ihm danach war.

Nach dem 2:6 sah ich großen Handlungsbedarf, um mal wieder zu retten, was noch zu retten ist, und verstand die Welt nicht mehr, dass am Tag danach zur Tagesordnung übergegangen wurde.

Lässt man es einfach so laufen, wie in den letzten Wochen, und hofft stets auf Besserung im nächsten Spiel, ist die Saison irgendwann mal zu Ende und wir sind sang- und klanglos abgestiegen.

Meiner Meinung nach wäre nach Bremen ein Impuls von außen notwendig gewesen, um eine (letzte) Aufbruchsstimmung zu erzeugen und dem Team mal wieder vor Augen zu führen, was die Stunde geschlagen hat. Befindet sie sich in ihrem für ihre Verhältnisse fast schon normalen Trott, kann sie sich der Erfahrung nach, daraus nicht mehr von innen heraus befreien.

Einen neuen Impuls könnte ein neuer Trainer bringen, der für Power und Push steht, wie es einst Christoph Daum war, als er 1991 die VfB-Bühne betrat und vom ersten Tag an ein anderer Wind auf dem Wasen wehte.

Das könnte auch eine graue Eminenz sein, wie einst Lattek, als er Sammer bei seinen ersten Schritten als Bundesligatrainer, auch im Abstiegskampf, unterstützte und ihm wertvolle Tipps gab.

Ottmar Hitzfeld fiele mir da ein oder auch einer wie Hans Meyer, eben jemand, vor dem die Spieler Respekt haben und vor dem sie es sich überhaupt nicht getrauen würden, eine solche Scheiße wie in Bremen abzuliefern, wenn noch ein Funken Ehre in ihnen schlummert.

Dutt jedoch sieht keinen Handlungsbedarf, so dass wir für mich in Bremen so gut wie abgestiegen sind. Unser neuer sportlicher Berater Karl Allgöwer ließ sich zwar in den letzten Tagen auf dem Trainingsplatz blicken und Dutt betonte auch, man wäre schön blöd, wenn man einer solchen Ikone nicht zuhören würde, doch ich bezweifle dass alleine vom „zuhören“ der Bock umgestoßen werden kann. Zu melden hat er sicherlich auch nicht viel.
Sollte der Abstieg eintreten, muss die Ära Dutt beendet werden, wenn er den Weg nicht selbst für einen Neuanfang frei macht.

Da ich dieser „Mannschaft“ überhaupt nicht mehr über den Weg traue und sie langsam auch nicht mehr ertragen kann, ist mein einziger Hoffnungsschimmer fürs Mainz-Spiel, das Comeback von Kevin Großkreutz. Noch gestern postete er auf Instagram, wie sehr er darauf brenne und dass er alles raushauen wolle.

Ob einer allein reicht, die anderen mitzureißen, zumal er von einer Verletzungspause zurückkommt und sicher selbst noch nicht bei 100 Prozent sein wird, ist die große Frage.

Klar ist aber, dass wir Typen wie ihn brauchen, um überhaupt eine Chance zu haben, das Ruder noch herumzureißen. Er gab gar ein Treuebekenntnis über das Saisonende hinaus ab und versprach, für den Fall des Abstiegs, dass er mithelfen wolle, diese Schmach auszumerzen. Großkreutz ist einer der ganz wenigen, denen ich das abnehme und die ich überhaupt noch in der nächsten Saison auf dem Wasen sehen möchte.

Mittlerweile ist es mir fast egal, ob wir die Klasse mal wieder irgendwie halten oder nicht. Wenn man nach Jahren des Missmanagements immer tiefer in die Scheiße rutscht, wäre ein Abstieg nur die logische Konsequenz, über den sich kein Verantwortungsträger wundern oder beklagen dürfte.
Schlimmer als das jahrelange Dahinsiechen in der Bundesliga kann die 2. Liga überhaupt nicht sein. Unzählige Heimniederlagen und das nicht nur gegen Spitzenteams, fast jeder Ligakonkurrent ein Angstgegner, immer die gleichen Spieler, die man als Identifikationsfiguren und als unersetzlich ansieht, während das Team Jahr für Jahr mehr geschwächt wird, das alles macht schlicht keine Lust auf weitere Jahre in der Bundesliga.
Ich bin müde, bin es leid, wenn es so kommt, ist es eben so! Tut sicher ganz gut, wenn der Stecker endlich mal gezogen wurde.

Gegen Mainz, vor wohl ausverkauftem Haus, wird der VfB Charakter zeigen müssen. Vielleicht schafft es ja „Fischkreutz“, das Team mitzureißen und aus dem einen oder anderen ein paar Prozentpunkte mehr herauszukitzeln.

Klar ist natürlich auch, dass schon ein einziger Punkt zur Relegation reichen könnte und dass wir mit zwei Siegen wohl ohnehin direkt gerettet wären, es also weiterhin in der eigenen Hand haben. Die Zeit, den Kopf schon gänzlich in den Sand zu stecken, ist also noch nicht da.

Es ist zwar schwer vorstellbar, dass sie noch einmal alle Kräfte bündeln und zunächst Mainz niederringen, aber, man kennt ja den Fußball zur Genüge. Fast genau vor einem Jahr, als der VfB schon einmal unbedingt gegen Mainz gewinnen musste, dauerte es in einem brutalen Nervenspiel bis zur 66. Minute, ehe Daniel Didavi aus 30 Metern einfach mal abzog und der Ex-VfBler im Mainzer Tor, Loris Karius, sich den Ball quasi selbst ins Netz boxte. Vielleicht haben beide ja am Samstag Ähnliches in ihrem Repertoire.

Auch diesen Samstag gilt es, die Nerven zu bewahren. Sollte sich der Trend der letzten Wochen fortführen (was ich befürchte) und die Mannschaft erneut ohne große Gegenwehr verlieren und sich vom Gegner vorführen lassen, möchte ich es mir nicht ausmalen, was nach dem Spiel auf der Mercedesstraße los sein dürfte.

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11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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8. April 2016

Eine Hommage auf Daniel Didavi!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:26

Jetzt ist es also raus, was die Spatzen schon seit geraumer Zeit von den Dächern pfiffen! Daniel Didavi verlässt den VfB nach 17 Jahren in Richtung Wolfsburg. Die schöne Stadt Wolfsburg oder gar die Gelegenheit, eine neue Sprache zu erlernen, werden bei seiner Entscheidung wohl nicht den Ausschlag gegeben haben.

Vielmehr übt Wolfsburg hauptsächlich deshalb auf Dida einen großen Reiz aus, weil er dort (vermutlich) wieder auf seinen Ziehvater Dieter Hecking treffen wird, der ihn einst in Nürnberg zum Bundesligaspieler formte.

Zumindest langfristig dürften auch die sportlichen Perspektiven in der Autostadt besser sein und nicht zuletzt, darf Didavi, da ablösefrei, auch noch ein nettes Handgeld einstreichen und soll fünf Jahre lang sechs Millionen Euro jährlich „verdienen“, was mehr als doppelt so viel von dem wäre, was der VfB ihm hätte bieten können.

Wer ihn jetzt mit Häme überschüttet, weil Wolfsburg gerade noch fünf Punkte vor uns und damit vom internationalen Geschäft fast so weit entfernt ist, wie der VfB, sollte dabei berücksichtigen, wann Dida diese Entscheidung getroffen hatte.

Vor dem Duell gegen Didas neuen Arbeitgeber stand der VfB mit zwölf Punkten auf Platz 18 und hatte jüngst zum x-ten Mal in den letzten Jahren den Trainer geschasst. Der so hoffnungsvoll begonnene Neuanfang unter Trainer Zorniger war abrupt beendet, von Kontinuität wieder einmal keine Spur. Wolfsburg hingegen, amtierender Vizemeister und von Platz 4 der Tabelle grüßend, versprach zu jenem Zeitpunkt, als Didavis Berater Karl-Heinz Förster auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde und vermutlich auch Nägel mit Köpfen gemacht wurden, die weitaus besseren Perspektiven.

Wohl vor allem auf Geheiß von Robin Dutt wurde vereinbart, über den anstehenden Wechsel Stillschweigen zu bewahren, um jedwede zusätzliche Unruhe im Abstiegskampf vom Verein fernzuhalten. Am Anfang der Rückrunde schien dies Daniel Didavi auch nicht zu belasten, hatte er doch großen Anteil an der schwindelerregenden Siegesserie. In den letzten Wochen hingegen, in der kaum eine verstrich, ohne dass in irgendeiner Zeitung zu lesen war, der Wechsel zum VfL Wolfsburg sei bereits fix, schien die Situation Dida plötzlich zu belasten. Seine Körpersprache war eine andere, seine Leistungen auf dem Platz wurden schlecht, so schlecht sogar, dass er bei den beiden letzten Spielen der schwächste VfBler auf dem Platz war. Wohl deshalb und damit Dida zum Saisonendspurt den Kopf wieder frei hat, entschloss man sich diese Woche, den Wechsel endlich publik zu machen.

Dida deswegen als Lügner hinzustellen ist meiner Meinung nach äußerst unfair, da er sicherlich gerne früher reinen Tisch gemacht hätte, jedoch an die Abmachung gebunden war. Seine Leistungen wurden sicher auch nicht deshalb schlechter, weil er mit dem VfB abgeschlossen hätte, sondern weil das Versteckspiel an ihm nagte und er spürte, wie der Unmut bei vielen Fans wuchs und zuletzt sogar drohte, endgültig in Hass umzuschlagen.

Dida spielt mit kurzen Unterbrechungen seit der F-Jugend für den VfB, der VfB ist sein Verein. Er wird den VfB daher sicher unter keinen Umständen als Absteiger verlassen wollen, weshalb ich mir sicher bin, dass er in den (vorläufig?) letzten Spielen für den VfB noch einmal alles raushauen und mithelfen wird, uns vor dem Abstieg zu bewahren.

Dass Robin Dutt ihn im Sommer, trotz lukrativer Angebote vom VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen, nicht gehen lassen hat und ihn als unverkäuflich bezeichnete, hat ihn sich nicht etwa beleidigt in sein Schneckenhaus zurückziehen lassen, sondern, er akzeptierte diese Entscheidung profihaft und hat mit seinen 15 Scorer-Punkten maßgeblichen Anteil, dass wir (noch) relativ entspannt dem Saisonende entgegen blicken können.

Noch im Juli, als ich die Gelegenheit hatte, mit ihm zu sprechen, versicherte er, dass sein Wechsel zur nächsten Saison keineswegs beschlossene Sache sei. Er goutierte die eingeschlagenen Reformen und Personalentscheidungen und war angetan vom Fußball, den Alexander Zorniger propagierte. Damals noch bestand, auch bei ihm, Hoffnung, den Schwung und die prächtige Stimmung auf den Rängen zum Saisonfinale in die neue Saison hinüberretten zu können und sich in einen Lauf zu spielen.

Er wollte die weitere Entwicklung abwarten und liebäugelte damit, wenn auch ein bisschen verschmitzt, DAS Gesicht des „neuen“ VfB werden zu können. Einen gewissen Charme hätte diese Vorstellung schon für ihn besessen.

In der Vorrunde, das wissen wir alle, setzte sich die Abwärtsspirale, in der wir uns schon einige Jahre befinden, dann aber nahtlos fort. Wir verloren die Spiele zwar zunächst schöner, aber, wir verloren sie noch immer.

Dass dann ein hochveranlagter Spieler, der mit 26 Jahren im besten Fußballeralter ist, es sich genau überlegt, wo er den wohl „letzten großen Vertrag“ seiner Karriere unterschreibt, ist meiner Meinung nach völlig legitim. Langsam aber sicher läuft ihm die Zeit davon, auch natürlich der Tatsache geschuldet, dass er durch seine langen Verletzungsunterbrechungen für sein Alter viel zu wenig Bundesligaspiele auf dem Buckel hat.

Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, dass Didavi noch einmal einen längerfristigen Vertrag unterschreibt und dann irgendwann einmal gegen eine hohe Ablöse den Verein verlässt und nicht wie jetzt ablösefrei. Diese Chance jedoch hat der VfB vor gut einem Jahr verpasst, als Didavi, noch während seiner Reha-Zeit, einer Verlängerung wohl nicht abgeneigt gewesen wäre. Ein auf Transfererlöse angewiesener Verein wie der VfB darf es sich eigentlich von Grund auf nicht leisten, mit Spielern, für die es Interessenten gibt, ins letzte Vertragsjahr zu gehen, weil die Unruhe von vornherein vorprogrammiert ist und der Verein das Heft des Handelns aus der Hand gibt.

Der VfB muss sich also durchaus auch an die eigene Nase fassen und versuchen, solche Fälle in Zukunft zu vermeiden. Hier sehe ich den Verein in der Pflicht, der, um die Guten mittelfristig auch wieder halten zu können, sich von blockierenden Altlasten befreien muss, anstatt noch die Verträge mit ihnen zu verlängern. Die guten Spieler, wie aktuell auch Filip Kostic, kann man eben nun mal nur zum bleiben bewegen, wenn das Gehalt leistungsgerecht angepasst wurde und wenn die Rahmenbedingungen, wie z. B. eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben, stimmen.
Bewegt sich der Verein jedoch ständig im Kreis, wie wir es aktuell erleben (müssen), laufen uns die Guten weg, während die Schlechten, mangels Interessenten, ihre Verträge absitzen, was fast zwangsläufig irgendwann im Abstieg münden muss.

Ob Didavi immer noch mit der im Dezember getroffenen Entscheidung restlos glücklich ist, oder ihn schon jetzt leichte Zweifel plagen, das ist die Frage. Besonders euphorisch wirkte er beileibe nicht, als er bei vfb-tv davon sprach, dass man zu einer getroffenen Entscheidung stehen müsse.
Die Vorzeichen haben sich seither ja auch grundlegend geändert. Wolfsburg dümpelt in der Tabelle jenseits von Gut und Böse rum und ist derzeit meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Während sich die Stimmung beim VfB prächtig fast schon ins Humoristische hinein entwickelt hat, tun sich bei Wolfsburg, parallel zur sportlichen Misere, unschöne Nebenkriegsschauplätze auf (Kruse, Bendtner,…), was nicht von bester Stimmung zeugt.

Hecking sitzt bei weitem nicht mehr so fest im Sattel wie noch im Dezember. Sollte, wie es heute aussieht, die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst werden, dürfte im Sommer auch Hecking zur Disposition stehen. Sollte Wolfsburg tatsächlich im Sommer den Trainer wechseln, hätte sich Dida offensichtlich fürs erste verzockt, auch wenn er Profi genug ist um zu wissen, wie schnell sich die Personalien im Fußball ändern können.

Dida ist VfBler durch und durch und wäre im Grunde seines Herzens sicher auch gerne beim VfB geblieben, wenn sich eben die sportliche Entwicklung wenigstens ein bisschen nach oben bewegt hätte. Ständiger Abstiegskampf zermürbt eben nicht nur uns Fans, sondern auch die Spieler. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten und seiner Spielintelligenz eben Begehrlichkeiten anderer Clubs. Es ist zwar äußerst bitter, auch für mich, dass uns unser bester Fußballer verlässt, aber, verdenken kann ich es ihm wirklich nicht.

Dem VfB gegenüber hat Dida stets mit offenen Karten gespielt. Er weiß, dass er dem Verein viel zu verdanken hat und kommt zudem aus einem geerdeten Elternhaus, das ihm Werte wie Höflichkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Loyalität beigebracht hat. Dieser Wechsel ging im Zusammenspiel mit dem Verein sauber über die Bühne, anders bspw. als das vor knapp einem Jahr vollführte Theater der Brüder Rüdiger/ Senesie.

Didavi jetzt, weil er es sich „erlaubt“ unseren geliebten VfB zu verlassen, als Söldner abzustempeln und ihm Vereinsliebe und Dankbarkeit abzusprechen, halte ich für überzogen und unfair.

Ich habe ein Faible für Dida, seit ich ihn, damals 17-jährig, erstmals auf den Golan-Höhen sah. Er bestritt in der Saison 2008/2009 sein allererstes Spiel für die Amas gegen Eintracht Braunschweig und steuerte auf Anhieb zwei Tore und eine Torvorlage zum 4:0 bei. Seither verfolgte ich seine Entwicklung interessiert und freute mich auf den Tag, an dem er zu den Profis hochgezogen werden würde.

Seine erste Saison bei den Profis absolvierte er im Fast-Abstiegsjahr 2010/2011, als das pure Chaos herrschte und zunächst Christian Gross, dann Jens Keller und schließlich Bruno Labbadia seine Trainer hießen. Schon diese Saison stand für Dida unter einem äußerst ungünstigen Stern, verletzte er sich doch bereits am 5. Spieltag in Nürnberg schwer und kam auch in der Rückrunde kaum mehr zu Einsätzen, weil Labbadia im Abstiegskampf eher auf Erfahrung setzte und mit Dida auch nie so recht etwas anzufangen wusste.

Nach diesem verkorksten ersten Profi-Jahr wurde Dida an den 1. FC Nürnberg verliehen. Als noch die Herren Bobic und Labbadia auf dem Wasen ihr Unwesen trieben, dienten solche Leihen weniger einer erhofften Weiterentwicklung der Spieler, sondern wohl vorrangig dazu, die Kadergröße zu reduzieren. Ein Spieler musste sich zu jener Zeit mehr als abgeschoben denn als Hoffnungsträger für die Zukunft fühlen. Sowohl Didavi, als auch später Schieber und Kimmich entfremdeten sich komplett vom VfB und wären am liebsten überhaupt nicht mehr zurückgekommen, da sie bei den aufnehmenden Vereinen jene Nestwärme spürten, die sie beim VfB vermissten.

Bei Didavi soll sich während seiner Leihe nie ein Offizieller vom VfB gemeldet und sich nach ihm erkundigt haben. Seit dieser Saison gibt es den Team-Manager Günther „Günne“ Schäfer, der unter anderem zur Aufgabe hat, bei Leihspielern eine Entfremdung zu verhindern, indem er sich über deren Wohlbefinden erkundigt, sie über Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden hält und nicht zuletzt auch ihre Perspektive bei einer Rückkehr zum VfB bespricht, kurz, ihnen einfach vermittelt, weiterhin wichtiger Bestandteil vom VfB zu sein und ihnen das Gefühl gibt, dass der VfB sich wieder auf sie freut.

Diese Fürsorge wurde bei Didavi versäumt, so dass er schon damals am liebsten beim Club geblieben wäre. Dort erfuhr er jene Wertschätzung, die er beim VfB vermisste. Einen Strich durch diese Rechnung machte dann der Kreuzbandriss, den sich Dida im letzten (Test-)Spiel für den Club zuzog, womit klar war, dass der notorisch klamme Club sein weniges für Transfers verfügbare Budget in Spieler investieren würde, die ihm sofort weiterhelfen konnten, womit eine Weiterbeschäftigung Didas vom Tisch war.

Didas Vertrag wurde, damit die Leihe überhaupt zustande kam und er nach dieser nicht ablösefrei wechseln konnte, bevor Dida zum Club ging, um ein Jahr verlängert, wäre also 2013 ausgelaufen.

Damit Dida seine Reha-Maßnahmen unbeschwert und ohne irgendwelche Zukunftsängste antreten konnte, verlängerte man während dieser Zeit den Vertrag um drei weitere Jahre bis 2016. Dieser Vertrag war jedoch stark leistungsbezogen, mit einem niedrigen Grundgehalt, aufgelegt, so dass er für den VfB kein großes Risiko darstellte. Es handelte sich um eine Win-Win-Situation. Didavi war abgesichert, der VfB konnte mit einem inzwischen sehr guten Bundesligaspieler den Vertrag verlängern, was einige Wochen davor noch völlig unrealistisch gewesen wäre.

Deshalb wehre ich mich dagegen, Dida mangelnde Dankbarkeit zu unterstellen, da in der Bobic-Ära ihm gegenüber bei weitem nicht alles astrein abgelaufen ist und zu jener Zeit schon viel Porzellan zerschlagen worden ist.

Mit dem Kreuzbandriss, den Dida aus Nürnberg mitbrachte, begann eine fast unfassbare Leidensgeschichte. Während der darauffolgen 22 Monate kam Dida gerade einmal zu drei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, so dass ihm kaum einer mehr ein Comeback zugetraut hatte.

Als man schon überhaupt nicht mehr mit ihm rechnete kam er am Ende der Saison 2013/2014 wie Phönix aus der Asche zurück. Erst nachdem Huub Stevens gegen Borussia Dortmund (2:3 nach 2:0-Führung) Daniel Didavi und Carlos Gruezo aus dem Hut zauberte, kam Struktur und Spielkultur in unser Spiel, was uns schließlich noch den Klassenerhalt bescherte.

Auch in der darauffolgenden Saison 2014/2015 klebte Dida das Pech an den Füßen. In der Vorrunde brachte es er es gerade einmal auf sechs Einsätze, die nächsten sollten erst wieder ab dem 30. Spieltag folgen. Wurde er bei den gefühlten Abstiegen gegen Freiburg (2:2) und auf Schalke (2:3) spät eingewechselt, stand er bei den letzten drei Siegen von Beginn an auf dem Platz und hatte durch seine Tore gegen Mainz und in Paderborn einen sehr großen Anteil am letztlich geglückten Klassenerhalt.

Die aktuelle Saison ist die erste seit jener beim Club, in der er konstant und weitestgehend beschwerdefrei sein Können unter Beweis stellen kann. Dass seine erste Saison für den VfB, in der er fast durchgängig zur Verfügung steht, mit seinem Abschied zusammenfällt, ist zufällig und dem Versäumnis geschuldet, dass sein Vertrag nicht längst verlängert worden war.

Jetzt, nachdem das Versteckspiel beendet ist, sollte Dida frei im Kopf sein und in den verbleibenden sechs Saisonspielen, beginnend morgen gegen keinen geringeren als den FC Bayern, unter Beweis stellen, welch großartigen Fußballer wir in ihm verlieren.

In den sozialen Medien ist die Empörung auf Didas Abgang so groß, dass nicht wenige von Kramny erwarten, Dida ab sofort auf die Tribüne zu verbannen und stattdessen seinen Kronprinzen Alexandru Maxim ins Wasser zu werfen.

Wollen wir den Abstiegskampf bestehen oder nicht? Könn(t)en wir es uns leisten, aus niederen Beweggründen auf unseren Top-Scorer zu verzichten. Und das in einer Mannschaft, die ohnehin auf ihre Aggressiv-Leader Serey Dié und Kevin Großkreutz verzichten muss? Davon halte ich nichts. Maxim, so sehr ich ihn eigentlich mag, hat seine besten Spiele für den VfB als Joker abgeliefert. Er ist zu langsam, lang nicht so giftig in den Zweikämpfen und scheint auch konditionell nicht auf der Höhe zu sein, zudem arbeitet Dida auch noch nach hinten besser mit. Ich sehe in Maxim, der sich noch bei keinem Trainer durchsetzen konnte, keinen vollwertigen Ersatz für Dida und sehe die Notwendigkeit im Sommer auf dem Transfermarkt auf Didavis Abgang zu reagieren.

Auch wenn ich den VfL Wolfsburg absolut nicht ausstehen kann und ihn durchaus auch als einen der Totengräber des Fußballs, wie wir ihn lieben gelernt haben, ansehe, kann ich Didas Entscheidung nachvollziehen und dabei vor allem, dass er gerne in die Obhut von Dieter Hecking zurückkehren möchte.

Das zeigt doch schon sein Faible für Altbewährtes, weshalb es ihm auch sichtlich schwer fällt, den VfB zu verlassen und überhaupt etwas Neues zu machen. Bei Hecking weiß er sich in guten Händen, weiß, dass der Trainer auf ihn steht, was ihm die Eingewöhnung erleichtern und Einsatzzeiten bringen dürfte.

Sportlich werde ich dem VfL Wolfsburg sicher kein Glück und keine Erfolge wünschen, Daniel Didavi wünsche ich aber, dass er endlich konstant verletzungsfrei bleibt und sich mit guten Leistungen, auch in seinem für einen Jung-Nationalspieler fast schon zu hohen Alter, noch in den Dunstkreis von Jogi Löw spielen kann.

Ferner hoffe ich, dass sich die Leute über Facebook & Co. genug über Didas Wechsel und auch seine Person ausgekotzt haben und es im Stadion keine negativen Reaktionen geben wird.

Wir brauchen ihn dringend als Leistungsträger und als Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. In den letzten Spielen gilt es alles zu mobilisieren, auch in der Kurve, um dem Abstieg ein weiteres Mal von der Schippe zu springen. Die Atmosphäre bei den verbleibenden drei Heimspielen sollten Dida vielmehr im Gedächtnis haften bleiben, so dass er diese dann hervorkramen kann, wenn in Wolfsburg die Schicht ungünstig liegt und das Stadion nur halbvoll ist.

Alles Gute und AUF WIEDERSEHEN, Dida!

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5. April 2016

Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt

Das ist nicht meine Devise, aber scheinbar die des VfB. Ob Spieler oder Verantwortliche, unisono erklärten sie während der Erfolgsserie zu Beginn der Rückrunde, man würde nur von Spiel zu schauen und die Tabelle interessiere sie erst am 34. Spieltag.

Ganz anders dagegen die Töne nach dem 2:2 in Darmstadt. Dieser Punkt wurde von Spielern und Verantwortlichen als Punktgewinn gefeiert, weil man doch in der Tabelle den Vorsprung auf die Abstiegszone um einen Punkt vergrößert hat. Anstatt sich darüber zu grämen, dass man eine riesengroße Chance leichtfertig verschenkt hat, den Klassenerhalt so gut wie perfekt zu machen, feiert man den Punkt beim Underdog aus Darmstadt, einem Sammelsurium von gescheiterten Fußballern, die bei den Lilien unter Ex-Kickers-Trainer Dirk Schuster gerade ihre Renaissance erleben.

Ob die Herangehensweise von Dutt und Konsorten psychologisch so geschickt ist, daran habe ich meine Zweifel. Hat nicht in der Regel derjenige den größten Erfolg, der sich hohe, aber natürlich auch realistische Ziele setzt? Könnte man nicht einfach in einer Phase, in der es fast von allein läuft, in der die Europapokalplätze genauso nah oder genauso fern sind wie die Abstiegszone, die Maxime ausgeben, oben angreifen zu wollen? Wäre es im Leistungssport nicht förderlicher sich über eine Niederlage wenigstens fürchterlich aufzuregen und nach Wiedergutmachung zu streben, anstatt diese abzuhaken, wie wenn nichts geschehen wäre, und sich zu sagen, wir haben ja noch so und so viele kommende Chancen?

Gerade für eine Truppe, wie sie der VfB seit Jahren hat und die zur schnellen Selbstzufriedenheit neigt, die nur unter größtmöglichem Druck funktioniert, wäre es ratsam, die Spannung permanent hochzuhalten, und ihr auch den Druck zu machen, den sie braucht.

Streichelt man sie aber nur und fasst sie mit Samthandschuhen an, weil ja nächstes Wochenende schon wieder die nächste Gelegenheit ansteht, es besser zu machen, dann plätschern die Spiele emotionslos daher und werden immer weniger.

Wenn man das Team ständig nur an seinem Minimalziel misst und sich die Mannschaft nach überstandenem Abstiegskampf wieder feiern lässt, als habe sie die Meisterschaft gewonnen, wird sie es sich ewig weiter in ihrer Wohlfühloase bequem machen und einen Teufel tun, einen eigenen Antrieb oder Ehrgeiz zu entwickeln.

Als Fan wäre man natürlich froh gewesen, endlich mal wieder eine sorgenfreie Saison zu erleben, keiner wäre so vermessen, von dieser Truppe einen Platz im oberen Tabellendrittel zu verlangen. Aber, die Verantwortlichen müssen schon die Spannung hochhalten und energisch dazwischen grätschen, wenn sie es mitbekommen, dass Spiel um Spiel hergeschenkt wird. Da wünschte man sich Typen wie wir sie bspw. zu Zeiten der Deutschen Meisterschaft 1992 in Gerhard Mayer-Vorfelder, Dieter Hoeneß und Christoph Daum hatten und die sich leidenschaftslose Darbietungen in dieser Fülle, wie wir sie in der Gegenwart erleben, nicht hätten bieten lassen. Man darf sich nicht allein auf der Erfolgsserie von zu Beginn der Rückrunde ausruhen, die letzten Auftritte waren bis auf wenige Ausnahmen alarmierend.
Gegen Hannover, in Mönchengladbach, in Ingolstadt, gegen Leverkusen und zuletzt in Darmstadt hat die Mannschaft schlichtweg versagt hat, der Trend geht eindeutig nach unten und es gibt nicht viel, das Hoffnung macht, dass die Truppe in den verbleibenden sechs Saisonspielen noch viele Punkte einheimsen könnte.

Da beim VfB jedoch eher die leisen Töne angeschlagen werden und es keinen gibt, der mal richtig auf den Tisch haut, wird das Positive aus dem vergangenen Wochenende herausgezogen, nämlich das, dass sich die Konkurrenz genauso dämlich angestellt hat und der Vorsprung auf Platz 16 um einen Zähler gewachsen ist. Da man die Vorentscheidung im Abstiegskampf vertagt hat, hat man sich eben umgehend auf die Fahnen geschrieben, gegen die Bayern alles raus zu hauen (wie Gentner immer so schön formuliert) und zu versuchen, da zu punkten. Darüber lache ich mich heute schon schlapp. Möglicherweise kassieren wir nicht einmal eine Klatsche und spielen gegen den Ligakrösus auch noch gut mit, null Punkte werden am Ende trotzdem stehen, auch wenn für die Bayern die Championsleague Duelle gegen Benfica Lissabon davor und danach wichtiger und auch sportlich anspruchsvoller sein werden.

Es hätte so ein schöner Tag in Darmstadt werden können. Seit der sympathische Underdog, dessen sportliche Highlights vor wenigen Jahren noch die Duelle gegen Kickers Offenbach und Hessen Kassel waren, der vor drei Jahren bereits sportlich in die Regionalliga abgestiegen und nur durch den Lizenzentzug der Offenbacher Kickers in der 3. Liga geblieben war, den Aufstieg in die Bundesliga schaffte, freute ich mich riesig auf dieses Spiel.

Die sportliche Entwicklung hat die Lilien förmlich überrollt, die Infrastruktur ist nach wie vor die eines Amateurligisten, selbst die meisten Drittligisten können modernere Arenen vorweisen. So bestand der große Reiz dieses Trips darin, dass es eine Reise in die Vergangenheit werden würde und man nach all den neuen geleckten und sich nur in der Farbe unterscheidenden Arenen endlich mal wieder einem echten Stadion die Ehre erweisen würde.

Der Gästebereich war mit 2.200 VfBlern natürlich ausverkauft und dementsprechend eng ging es auch zu. Ursprünglich wollte ich zwar früh reingehen und noch ein paar Bilder machen, wenn das Stadion noch nicht zum Zerbersten voll ist und man sich auch im Gästebereich noch bewegen kann, aber, zu viele Leute getroffen, und dadurch diesen Plan gleich wieder verworfen.

Dass ich mich auf einer Reise in die Vergangenheit befand, drückte sich auch darin aus, dass auf meiner Sitzplatzkarte weder Block, noch Reihe, noch Platz aufgedruckt war und es auch nicht beschildert war, wo sich die Sitzplätze befanden. Weder Ordner noch Polizei konnten (oder wollten) mich darüber aufklären, so dass ich, da im eingezäunten Stehplatzbereich kein Durchkommen mehr war, auf einem recht steilen Gras- bzw. Dreckhügel Position bezog und mehr schlecht als recht die kleine Darmstädter Choreo und den Einlauf fotografieren konnte. In der Halbzeit bekam ich dann mit, dass man zu den Sitzplätzen nur durch Durchqueren des Stehplatzbereichs gelangen konnte, was unmittelbar vor Spielbeginn ohnehin aussichtslos gewesen wäre.

So weit, so gut, stand ich eben zunächst bei meinen Kumpels und wandte meine Konzentration hauptsächlich dafür auf, auf dem steilen Hügel nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, was auch gut gelang. Weniger Glück und Geschick hatte ein Busmitfahrer vom RWS, der Purzelbäume bis hinunter auf den Asphalt schlug und sich das Schlüsselbein dabei brach, gute Besserung!

Viele Erinnerungen hatte ich nicht mehr an unseren letzten Auftritt am Böllenfalltor, der in der Saison 1981/1982 in einem 3:3 mündete und wo ich als Teenager schon dabei war, lediglich daran, dass der Block bei weitem nicht so voll war, konnte ich mich noch erinnern. Gefühlt war aber tatsächlich die Zeit dort stehengeblieben, was sich nicht nur an der altbackenen Stadionuhr zeigte.

Für mich war bereits im Vorfeld alles andere als ein Sieg indiskutabel. Wenn man das weitere Programm betrachtet, war Darmstadt die auf dem Papier mit Abstand einfachste Aufgabe, so dass ich hoffte, der VfB wäre sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst und würde alles daran setzen, dort den möglicherweise vorentscheidenden Dreier einzufahren.

Darmstadt konnte bislang erst einen Heimsieg verzeichnen und setzt seinen limitierten fußballerischen Mitteln unbändigen Willen und Kampfgeist entgegen, den man als Gegner annehmen muss. Dass es, ähnlich wie in Ingolstadt, ein von Nickligkeiten geprägtes Spiel werden würde und die Darmstädter versuchen würden, Freistöße herauszuholen oder auch zu schinden, wusste man ebenfalls. Von einer Truppe, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als zu trainieren und sich mit Fußball zu beschäftigen, darf auch erwartet werden, dass sie aus den Fehlern, die in Ingolstadt begangen wurden, lernt, und dem Gegner nicht noch einmal ins offene Messer läuft. Sollte man erwarten können, beim VfB ist das aber wohl zu viel verlangt. Die Herren meinen weiterhin ihren ureigenen Stiefel herunter spielen zu spielen, egal wie der Gegner heißt, und sind dabei viel zu leicht auszurechnen. Wenn Didavi keine Lust hat und/ oder ihm noch ein, zwei Gegenspieler auf die Füße gestellt werden, bleibt an Kreativpotential lediglich noch Filip Kostic übrig, der zwar auch ausrechenbar ist, durch seine Schnelligkeit und seine Klasse aber dennoch noch in der Lage ist, gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Das VfB-Spiel wird dadurch sehr linkslastig, was für den Gegner meist nicht allzu schwer zu verteidigen ist, wenn man sich eben in erster Linie darauf beschränken kann, die linke Seite zuzustellen.

Um einem willens- und kampfstarken Gegner Herr zu werden, bedarf es Ballsicherheit in den eigenen Reihen, also keine leichtfertigen Ballverluste. Durch Ballzirkulationen an Sicherheit gewinnen und sich den Gegner nach und nach zurecht legen, so sähe wohl die optimale Strategie im Duell David gegen Goliath aus. Von einer Bundesligamannschaft mit einem mindestens drei Mal so hohen Etat, wie ihn die Darmstädter zur Verfügung haben, sollte man erwarten können dürfen, dass sich die höhere Qualität der Einzelspieler auf dem Feld auch bemerkbar macht. Dazu bedarf es aber neben fußballerischem Können Konzentration und Einsatzwillen und das vor allem auf dem Platz und nicht nur mit „der Gosch“.

Die Vorzeichen waren also klar, umso unverständlicher wie schlampig man dann in ein solches Spiel geht und wie dumm man dabei dem Gegner in die Karten spielt. Obwohl die Darmstädter unlängst einen neuen Rasen verlegen ließen, unterliefen dem VfB von Beginn an dilettantische Stockfehler, so dass die Darmstädter schnell im Spiel waren und Lunte rochen.

Bereits in der 1. Minute lud man die Darmstädter beinahe zur Führung ein und diese Fahrigkeit setzte sich im weiteren Spielverlauf fort. Als man gerade den Eindruck hatte, der VfB würde Sicherheit in sein Spiel bringen, schickte Serey Dié durch einen schlampigen und zu kurz geratenen Rückpass unfreiwillig Sandro Wagner auf die Reise, welcher Tytoń keine Chance ließ und zur Darmstädter Führung vollendete. Mal wieder waren sämtliche Vorsätze über den Haufen geworfen, mal wieder ging es zu einem frühen Zeitpunkt hauptsächlich nur um Schadensbegrenzung.

Es wurde genau jenes dreckige Spiel, das der VfB befürchtete und das sich die Darmstädter wünschten. Daran zeigt sich die mangelnde geistige Reife dieser Truppe, wenn man sich ein ums andere Mal von limitierteren Teams den Schneid abkaufen und sich ihr Spiel aufzwingen lässt. Hier machte sich das Fehlen von Kevin Großkreutz schmerzlich bemerkbar, weil er einer der wenigen im Team ist, der sich nichts gefallen lässt und vor allem ein Spiel nicht einfach so über sich ergehen lässt. Serey Dié alleine als Aggressivleader ist derzeit schlicht überfordert und wirkt übermotiviert. Bezeichnend sein Frust-Post auf Instagram nach dem Spiel.

Der VfB kam zwar zu einem Zeitpunkt, als die Darmstädter gedanklich schon in der Halbzeit waren, jeweils nach Vorarbeit von Filip Kostic, zu einem Doppelschlag und zur schmeichelhaften Pausenführung. Wer aber gedacht hatte, der VfB würde von nun an seiner Favoritenrolle gerecht werden, sah sich getäuscht.

Während ich die Pause sinnvoll nutzte und mich zu den Sitzplätzen begab, befanden sich im Pausentee der Brustringträger offensichtlich Schlaftabletten. Anders ist es nicht zu erklären, dass man sich vom Wiederanpfiff weg in die eigene Hälfte drücken ließ und auch die erste Großchance von Wagner, die Tytoń mit einem Reflex vereitelte, nicht als rechtzeitigen Warnschuss verstand. Daher fiel der Ausgleich fast schon folgerichtig. Rausch schlug einen Freistoß hoch in den Strafraum, Tytoń lief zunächst heraus, um dann in bester bzw. schlechtester Ulreich-Manier abzubrechen und zögerlich den Rückwärtseingang einzulegen. Niemeyer bedankte sich und köpfte das 2:2. Ein klarer Torwartfehler des ansonsten guten Rückhalts Tytoń, der den VfB vor allem in den Schlussminuten vor noch Schlimmerem bewahrte.
Aufgrund der zweiten Halbzeit, in der der VfB keine ernsthafte Torchance mehr herausspielen konnte, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Müssen wir das wirklich? Nein, müssen wir nicht! Es ist doch bezeichnend, dass nach Ingolstadt der zweite Trainer des absoluten Underdogs befand, seine Mannschaft habe gegen den VfB ihr bestes Saisonspiel abgeliefert. Da eine Mannschaft immer nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt, liegt hierin das eigentliche Problem. Der VfB ist ein gerngesehener Gast und verteilt Gastgeschenke im Überfluss.

Der VfB hat es abermals versäumt, einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen, weist mit 33 Punkten nach 28 Spieltagen eine erbärmliche Bilanz auf, ergötzt sich aber daran, dass es auch Mannschaften in der Bundesliga gibt, die noch schlechter sind.

Während wir stinksauer das Stadion verließen und uns auf den Weg zu den Bussen machten, flachst ein Gentner vor laufenden Kameras und freut sich wohl mehr über sein sehenswertes Tor, als dass er sich über das Remis ärgern würde. Kramny meinte, nach dem Spielverlauf müsse man zufrieden sein, was man ja auch so stehen lassen kann, während sich Dutt bei Sport im Dritten zuversichtlich zeigte, die nötigen Punkte schon noch anderweitig einzufahren.

Dass die Konkurrenz weiterhin wenig bis überhaupt nicht punktet, darauf sollte man sich besser nicht verlassen. Auch wenn ich gerade Frankfurt und Darmstadt schon die zwei Siege kaum zutraue, die notwendig wären, um den VfB ein- bzw. zu überholen, der Teufel ist ein Eichhörnchen und gerade am Saisonende, wenn sich einige Teams gedanklich bereits im Urlaub befinden, hat man schon Ergebnisse erlebt, die man nicht für möglich gehalten hätte.

Nach dem Spiel gegen die Bayern geht es nach Bayerisch-Schwaben zum FC Augsburg, der sich in den letzten Jahren zu einem echten Angstgegner entwickelt hat und unseren Diven schon wieder ein dreckiges Spiel abverlangen wird, welches uns nicht schmeckt.

Danach kommt der BVB ins Neckarstadion, gegen den uns schon im Pokalspiel die Grenzen aufgezeigt wurden. Es kann zwar sein, dass der BVB zu diesem Zeitpunkt die Vizemeisterschaft bereits gesichert hat und noch in der Europaleague vertreten ist, und deshalb Stammkräfte schont, doch, auch dann neigt der VfB dazu den BVB light zu unterschätzen anstatt die Chance beim Schopfe zu packen.

Danach wartet die Reise ins Bremer Weserstadion, aus dem der VfB schon seit der Meistersaison keinen Dreier mehr entführen konnte. Sollte man nach diesen vier Spielen nichts Zählbares eingefahren haben, könnte es sein, dass wir zwei Spieltage vor Schluss mit dem Rücken zur Wand stehen und dann beginnen, den vergebenen Matchbällen nachzutrauern.

Didavis Wechsel zum VfL Wolfsburg scheint festzustehen, was die Frage aufwirft, weshalb man den Wechsel nicht endlich offiziell bestätigt. Ihn scheinen seine Abschiedstournee und das Versteckspiel eher zu hemmen, als dass es ihm helfen würde. Wie gegen Leverkusen auch schon, war Dida auch in Darmstadt schlechtester Mann auf dem Platz und offensichtlich mit den Gedanken nicht bei der Sache.

Vermutlich machte sein Berater Karl-Heinz Förster den Wechsel bereits Ende des letzten Jahres, als er auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde, perfekt. Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine Unterschrift bei der VW-Betriebssportgemeinschaft aus sportlicher Sicht wohl keinen Sinn machen, wenngleich er dort natürlich das Doppelte bis Dreifache „verdienen“ dürfte, wohingegen er mit Wolfsburg genauso wenig international vertreten sein dürfte, wie mit dem VfB.

Mit Didas Abgang werden wir uns also abfinden müssen. Umso mehr ist Robin Dutt gefordert, den wenigen anderen Guten das Bleiben schmackhaft zu machen und nicht noch weitere Qualität abzugeben. Kolportiert wird ja, dass man im Sommer Ablösesummen generieren müsse, wobei in diesem Zusammenhang immer wieder der Name Filip Kostic fällt. Ich hielte es für ein fatales Zeichen, auch wenn ich es Kostic nicht einmal verdenken kann, dass er lieber heute als morgen den Abflug machen würde. Von den besseren Verdienstmöglichkeiten einmal abgesehen, muss es für einen guten Fußballer auch unerträglich sein, von so vielen Rumpelfußballern umgeben zu sein und deshalb auf ewig lediglich gegen den Abstieg zu spielen.

Daher muss Dutts Maxime eher lauten, die Guten zu halten und das Team zu verstärken, anstatt die Guten ziehen zu lassen und im Gegenzug fleißig Verträge mit Spielern zu verlängern, bei denen man eigentlich froh sein müsste, dass deren Verträge (endlich) auslaufen. Es handelt sich dabei ja auch nicht nur um Spieler, die uns „nur“ fußballerisch nicht weiter bringen, nein, sie prägten den Charakter dieser Mannschaft über Jahre und zeichnen maßgeblich dafür verantwortlich, was sich in den letzten Jahren hier abspielte.

Außer Kostic stach von den Feldspielern noch Lukas Rupp positiv heraus und auch Gentner fiel wegen seiner schwachen Nebenleute nicht entscheidend ab. Rupp dürfte der nächste sein, der Begehrlichkeiten besser gestellter Vereine weckt, und der irgendwann auch nur zu halten sein dürfte, wenn es hier vorwärts geht und wir uns nicht ewig weiter im Kreis drehen.

Ob Kramny der Richtige ist, den großen Umbruch zu vollziehen und eine neue Teamhierarchie zu schaffen, daran wird man ihn messen müssen. Möchte er längerfristig auf der Kommandobrücke stehen und nicht das gleiche Schicksal wie unzählige seiner Vorgänger erleiden, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als das Übel an der Wurzel zu packen und die Mannschaft grundlegend zu verändern.

Für mich als Fan ist diese Mentalität der Truppe langsam unerträglich. Was in ihr steckt, blitzt immer wieder einmal auf, was fehlt, ist Konstanz und der Biss, auch dann an die Schmerzgrenze zu gehen, wenn ihr das Wasser nicht bis zum Hals steht. Das ist ein Mentalitätsproblem, welches tief verwurzelt ist, so dass uns nichts anderes übrig bleiben dürfte, uns auch von Spielern zu trennen, um die es menschlich schade wäre. Käme es denn so weit, wäre Mitleid allerdings auch fehl am Platz, denn, Gelegenheiten sich selbst einzubringen und auf ein besseres Leistungsklima hinzuwirken, hatten die Betroffenen in den letzten fünf, sechs Jahren zur Genüge. .

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22. März 2016

Der VfB ist wieder da!

Und zwar dort, wo man nach eigenem Selbstverständnis nicht hingehört, es sich aber Saison für Saison gemütlich macht, im Abstiegskampf nämlich, wobei Kampf in den noch verbleibenden sieben Spielen am besten großgeschrieben werden sollte. Aus acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wurden an einem einzigen Spieltag lausige fünf Punkte, so dass sich der VfB de facto nicht mehr viele Ausrutscher leisten darf.

Seit der von Woche zu Woche peinlicher anmutenden Heimniederlage gegen Hannover 96 befindet sich der VfB in einer, wenn auch leichten, Abwärtsspirale. Nicht nur, dass mögliche Siege leichtfertig verschenkt werden stimmt bedenklich, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer zustande kamen, und auch das Auftreten über weite Strecken in Ingolstadt, wo man beinahe hoffnungslos 4:1 zurückgelegen wäre.

Man muss kein Prophet sein, um sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund nichts auszurechnen, am besten man schickt diese Punkte schon jetzt per Post nach Nordösterreich und in den Pott und schont seine ach so strapazierten Körper für die viel wichtigeren Auswärtsspiele in Darmstadt, in Augsburg und in Bremen, wo nach dem blutleeren Auftritt gegen Bayer Leverkusen mindestens vier Punkte herausspringen müssen, um nicht erneut einem Herzschlagfinale à la Paderborn 2015 entgegenzusteuern.

Es war einer jener unerklärbaren Auftritte, für die der VfB noch immer stets „gut“ ist. Leverkusen konnte von den letzten fünf Bundesligaspielen gerade eines gewinnen und das vor Wochenfrist mit Hängen und Würgen gegen den HSV. Hinzu kam das blamable Ausscheiden in der Europa League gegen Villareal und die Posse um Trainer Roger Schmidt, der drei Spiele von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Stuhl des Trainers wackelte schon bedenklich, lässt er doch einen ähnlichen kraftraubenden Stil spielen wie es beim VfB Alexander Zorniger tat. Auch in Leverkusen zieht das Team nur so lang mit, so lang man damit erfolgreich ist, doch wehe dem, die Mühen lohnen sich nicht, dann droht der Trainer das Team zu verlieren, vor allem wenn die Öffentlichkeit das Alibi liefert und der Trainer bereits angezählt wird. In solchen Krisenzeiten gibt es für einen Bundesligaverein keinen dankbareren Gegner als den VfB, wenn wir etwas in Perfektion können, dann Aufbaugegner!

Für eine clevere Mannschaft ist die Herangehensweise gegen einen angeschlagenen und unter der Woche beschäftigten, zudem noch stark ersatzgeschwächten Gegner, klar. Man geht raus, man geht drauf, man lässt den Gegner laufen, zwingt ihn zu Fehlern und raubt ihm von Minute zu Minute mehr die Lust am Spiel. Das bedingt, dass man nah am Mann ist und voll konzentriert die Partie angeht und wenig Fehler im eigenen Aufbauspiel macht.

Soweit die Ausrichtung einer cleveren Mannschaft, kommen wir nun zum VfB. Über die diversen Social-Media-Kanäle bekommen wir ja mit, wie überragend die Stimmung im Team derzeit zu sein scheint, alle lachen, alle machen Späßchen, alle haben sich lieb, alle genießen das Leben. Dumm nur, wenn man mitten am Sonntagnachmittag aus dieser Gute-Laune-Welt herausgerissen wird und seine Arbeit verrichten muss. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, die Jungs wären sich ihrer Aufgabe, aber auch ihrer Chance bewusst. Vermutlich hat sich auch keiner die Sportschau des Vortages angeschaut, hätte man doch während dieser Zeit die Playstation ausschalten müssen. Hätten sie das getan oder zumindest einen Blick auf die Tabelle gewagt, wäre ihnen eventuell bewusst geworden, was die Stunde geschlagen hat.
Leverkusen ist zwar der Angstgegner, aus den vorherigen elf Spielen gegen die Werkself ergatterte der VfB gerade einmal drei Punkte, und doch wäre die Chance groß wie selten gewesen, Bayer zu bezwingen und gleichzeitig einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen. Obwohl Bayer viele Ausfälle zu beklagen hatte und daher zwei junge Startelfdebütanten aufs Feld schickte, verbietet es sich einem Team wie dem VfB, das jahrelang ausschließlich um den Klassenerhalt spielt, einen Gegner zu unterschätzen und zu denken, man schlage jemanden im Vorbeigehen. Das ging bereits gegen Hannover 96 in die Hose, wobei dort noch viel Pech im Spiel war, dieser Schuss ging nun auch gegen Leverkusen nach hinten los, das trotz der vielen Ausfälle immer noch eine nominell topbesetzte Mannschaft auf dem Platz hatte. Man ist geneigt zu fragen „was erlaube Mannschaft“? Dieses Team darf in keinem Moment auch nur einen Prozentpunkt nachlassen und denken, es gehe mit links. Das verbietet die jüngere Vergangenheit, das verbietet das eigene Leistungsvermögen und vor allem verbietet das die noch immer prekäre Tabellensituation.

Fast 55.000 Zuschauer, perfekte äußere Bedingungen, es war alles angerichtet für ein Fußballfest aus VfB-Sicht und dann das! Der VfB, bei dem Florian Klein erwartungsgemäß, den schmerzlich vermissten Kevin Großkreutz ersetzte, überließ den Leverkusener vom Anpfiff weg die Initiative und bot bei den Leverkusener Sturmläufen lediglich interessierten Begleitschutz.

Hinterher wurde beklagt, dass man nicht in die Zweikämpfe kam, Leute, dafür müsst ihr erst einmal nah an euren Männern sein und die Zweikämpfe auch suchen. Ein Spiel, das vom Anpfiff weg nicht so läuft wie erhofft, kann man auch schon mal beruhigen und zunächst durch eigene Ballzirkulationen Sicherheit gewinnen. Dieser Möglichkeit ist man allerdings beraubt, wenn wie beim VfB, schon die Hälfte der Spieler Probleme mit dem Passspiel hat und keinen Ball stoppen kann. Deshalb wurden eigene Angriffsbemühungen bereits im Keim erstickt, die erste ernsthafte VfB-Chance gab es in der 40. Minute, als der Pegel bereits längst auf die Seite der Leverkusener ausgeschlagen hatte.

Das 0:1 in der 11. Minute leitete Daniel Schwaab mit einem Schlag ins Nichts selbst ein, um dann wenig später nicht nah genug am Torschützen Julian Brandt zu sein, so dass dieser ungehindert an Tytoń einschieben konnte. Dies war bereits die dritte gute Chance für Leverkusen, der sie bis zum Pausenpfiff zwei weitere Hochkaräter folgen ließen, die Tytoń klasse vereitelte, während dem VfB lediglich der erwähnte Torschuss durch Werner gelang.

Es war bereits im Vorfeld zu befürchten, dass uns der Ausfall von Kevin Großkreutz schwer treffen würde. Auch wenn er fußballerisch nicht immer zu glänzen weiß, bringt er all jene Tugenden ein, die man eigentlich von einem Fußballer erwarten können muss. Er verkörpert Mentalität und den absoluten Siegeswillen und lässt vor allem auf gut schwäbisch kein Hugoles mit sich treiben. Der zweite Aggressiv-Leader im Team, Serey Dié, war gestern zwar engagiert wie immer, aber letztlich überfordert, weil ihm die Unterstützung seiner Teamkollegen fehlte.
Großkreutz‘ Vertreter Florian Klein knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ an, die ihn seinen Stammplatz kosteten. Wenn dessen Leistungsvermögen schon genügen sollte, um sich für eine Kader-Nominierung zur Euro in Frankreich zu empfehlen, dann gute Nacht Österreich.

Serey Dié war auch deshalb fast schon zu bemitleiden, weil sein Nebenmann Christian Gentner einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Sind es noch seine Achillessehnenprobleme, die ihn daran hindern, ordentlich Fußball zu spielen und vor allem Zweikämpfe zu bestreiten? Setzt man auch angeschlagen auf ihn, weil er eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat oder ist es einfach uncool, den Kapitän auch mal auf die Bank zu setzen? Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen es einen Kapitän gebraucht hätte, der aufrüttelt, der mit gutem Beispiel voran geht, sich einfach zeigt und nicht untertaucht, sobald nichts zusammen läuft.

Das Fass zum Überlaufen brachte für mich jene Aktion gut zehn Minuten vor Schluss, als der VfB zum allerersten Mal in diesem Spiel so etwas wie Druck erzeugte und die Leverkusener langsam müde wurden.
Wohl einen Schwächeanfall erleidend blieb der Leverkusener Yurchenko nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie liegen, was unseren Kapitän dazu bewog, den Ball ins Seitenaus zu spielen und damit den vielversprechenden Angriff jäh zu unterbrechen. Somit bewarb sich unser Kapitän lieber um den Fairnesspreis, anstatt er alles dafür tun würde, dem Spiel noch eine Wende zu verleihen. Für mich absolut unverständlich! Selbstredend bin auch ich für fairen, sauberen Sport. Wer diesen in der Bundesliga meint zu finden, ist aber auf dem Holzweg und das sollte Gentner eigentlich wissen. In 99,9% der Fälle dienen solche Schauspieleinlagen dazu, auf Zeit zu spielen und den Angriffsschwung des Gegners zu unterbinden. Dass ausgerechnet unser 30-jähriger Kapitän auf das schändliche Verhalten eines Bundesliga-Greenhorns hereinfällt bedarf keiner weiteren Worte.

In solchen Situationen haben die Schiedsrichter die klare Maßgabe, das Spiel unterbrechen zu können, wenn sie den Eindruck haben, es habe sich jemand schwerer verletzt. Diese Entscheidung obliegt also dem Schiedsrichter und niemand anderem sonst, so dass sich hinterher auch keiner zu beklagen braucht, wenn weiter gespielt wird. Da Gentner an diesem Tag allenfalls durch Quer-, Rück- und Fehlpässe auffiel, könnte sein Beweggrund natürlich auch der gewesen sein, dass wir so wenigstens in Ballbesitz blieben.

Hätte Gentner den Ball nicht ins Aus gespielt, hätten wir dieses Spiel, in dem wir eindeutig die schlechtere Mannschaft waren, wohl auch nicht gewonnen, aber, es hätte die Initialzündung für eine emotionale Schlussphase werden können und das Publikum wäre nochmal richtig da gewesen.

Auch die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht. Wer erwartet hatte, der VfB hätte sich während des Pausentees auf eine Aufholjagd eingeschworen und würde sich nun zusammenreißen, wurde enttäuscht. Das Spiel der ersten Hälfte setzte sich fort. Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel fing Wendell eine Flanke per Kopf am eigenen Strafraum ab, der Ball gelangte zum starken Julian Brandt, der nahezu unbedrängt, gut, Serey Dié setzte sich beim Abwehrversuch auf den Hosenboden, unbehelligt vom viel zu langsamen Emiliano Insúa über das komplette Feld spazierte, zum (frei stehenden) Nationalspieler Bellarabi passen konnte, welcher humorlos zum 0:2 abschloss. Damit war der Käs gegessen, der Fisch geputzt, nichts ging mehr an dem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Sonntag-Nachmittag. Leverkusen hatte noch weitere hochkarätige Chancen, traf Pfosten und Latte und verzweifelte ansonsten am mit Abstand besten Stuttgarter Przemyslaw Tytoń.

Erster Auswechselspieler war Daniel Didavi, für den in der 54. Minute Kravets kam. Es war wohl die mit Abstand schlechteste Vorstellung unseres Spielmachers, an die ich mich, zumindest zu Hause, erinnern kann. Er war überhaupt nicht im Spiel und brachte es auf eine erbärmliche Zweikampfquote von 20%. Ob ihm die unter der Woche erneut aufkeimenden Wechselgerüchte nach Wolfsburg zugesetzt haben oder er dem noch immer in der Verlosung befindlichen potentiellen Arbeitgeber Bayer Leverkusen nicht weh tun wollte, sei dahingestellt. So hilft er uns jedenfalls nicht weiter, zu schade, dass Alexandru Maxim seine Chancen als Vertreter bislang nie nutzen konnte. Für alle Seiten wäre es wohl das Beste, Didavi würde sich endlich erklären, wohin die Reise in der nächsten Saison geht. Als VfB-Fan wüsste man gerne, woran man ist und Dida selbst müsste für die Öffentlichkeit kein falsches Spiel mehr spielen. Denn, intern wird sicherlich längst bekannt sein, wie er sich entschieden hat.

Ab der 68. Minute, als Kramny Maxim und Tashchy für Werner und Serey Dié einwechselte, setzte der VfB noch einmal alles auf eine Karte und trat offensiv zumindest etwas mehr in Erscheinung als zuvor, ohne jedoch das Tor von Bernd Leno so richtig in Gefahr bringen zu können. Der VfB stand sich weitestgehend selbst im Weg und hätte vermutlich auch noch eine Stunde länger spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Die Leverkusener waren über die gesamte Spieldauer hinweg die fußballerisch bessere und auch torgefährlichere Mannschaft, weshalb es an ihrem Sieg auch nichts zu deuteln gibt.

Aus einer Mannschaft, gespickt mit Totalausfällen, ist es zwar etwas unfair, mit den einen härter ins Gericht zu gehen als mit anderen. Und doch ist außer Daniel Didavi auch über Timo Werner zu sprechen. Ihm gelang gestern einmal mehr überhaupt nichts. Er wirkte auf mich unkonzentriert wie selten. Wurde er angespielt sprang ihm der Ball fünf Meter weg, so dass immer ein Gegenspieler zur Stelle war und ihm das Leder stibitzen konnte. Nach hohen Bällen sprang er zwar, Problem dabei, ihm fehlte stets das Timing, so dass es meist recht unbeholfen aussah und er unter den Bällen hindurchsprang. Ob ihn die Wechselgerüchte aus der Woche so sehr beschäftigten, wo von kolportierten 20 Millionen Ablöse ambitionierter Vereine wie Borussia Dortmund und Red Bull Leipzig die Rede war?

Dazu würde mich über einen O-Ton von Timo Werner freuen, der bislang stets betonte, der VfB sei sein Verein und er könne es sich nicht vorstellen, woanders zu spielen. Für mich gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: entweder die Wechselgerüchte sind Quatsch und Werner lässt sich für kein Geld der Welt weglocken, dann sollte man ihn stärken und ihn in der Zukunft in ein System einbinden, das ein wenig auf seine Stärken zugeschnitten ist. Wenn Timo Werner eines nicht ist, dann ein Mittelstürmer. Als alleinige Spitze fehlen ihm die Durchsetzungsstärke und auch der kaltschnäuzige Torabschluss. Sollte uns Kostic im Sommer tatsächlich verlassen, wäre Werner auf Linksaußen besser aufgehoben.

Hat aber bei Timo Werner ein Umdenken eingesetzt, womöglich unter anderem darin begründet, dass ihn der VfB kürzlich noch wie Sauerbier in England angeboten und auch gegen die Verbalattacken von Zorniger nicht geschützt hatte, hätte der VfB die volle Verhandlungsmacht und könnte unter Umständen allein für Timo Werner 50% dessen erlösen, was eine Ausgliederung in die Kassen spülen würde. Das wäre also eine große Chance für Robin Dutt und den Verein, Einnahmen zu generieren, wobei mir noch immer die erste Variante lieber wäre, einfach weil er ein Junge von hier ist und den Brustring im Herzen trägt.

Unsere Spieler täten gut daran, erst einmal den Klassenerhalt zu sichern und all ihre Kraft und Konzentration dem Noch-Arbeitgeber zu widmen, anstatt sich gedanklich mit mutmaßlich höheren Weihen zu beschäftigen.

Leverkusen genügte also eine durchschnittliche Leistung, um dem VfB den Garaus zu machen. Ob es der VfB in Darmstadt schafft, eine ähnliche Reaktion zu zeigen wie nach dem 0:4 in Mönchengladbach, als man drei Tage danach Hoffenheim mit 5:1 aus dem Stadion schoss, wage ich zu bezweifeln.

Dieses Mal hat man relativ wenig Zeit, diese Darbietung aufzuarbeiten, da die nächste Bundesligapause ansteht und sich viele Spieler in aller Herren Länder aufmachen, um für ihre Heimatländer aufzulaufen. So wird bis zum 2. April diese Niederlage und vor allem das Wie aus den meisten Köpfen sein. Ob gerade die Nationalspieler, die in der Pause ihre Visitenkarte in den Fußballtempeln dieser Welt abgeben, den Schalter so schnell umlegen und sich auf ein dreckiges Spiel am heruntergekommenen Böllenfalltor in Darmstadt einstellen können, darf bezweifelt werden.

Dieses Unterfangen muss ohne Georg Niedermeier angegangen werden, der sich nach einem rüden Foul seine fünfte gelbe Karte einhandelte und somit gesperrt sein wird. Wie die Innenverteidigung gegen die vor allem bei Standards brandgefährlichen Lilien aussehen wird, steht wohl noch in den Sternen. Zu schön um wahr zu sein wäre es, wenn Federico Barba bis dahin schon einsatzfähig wäre. Selbst wenn, glaube ich, wird man ihn zunächst behutsam heranführen und kein weiteres Risiko mehr mit ihm eingehen. Daher dürfte wohl eher Toni Šunjić seine nächste Bewährungschance neben Daniel Schwaab erhalten, einen Vorgeschmack auf dieses wackelige Duo gab es ja bereits in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt.

Apropos Ingolstadt, Darmstadt dürfte ein ähnlich unangenehmer Gegner sein, gegen den eher mit einer rustikalen Spielweise als mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei beizukommen ist. Problem dabei ist jedoch, dass das diese Truppe nach etlichen Jahren Abstiegskampf noch immer nicht verinnerlicht hat.

Ein Gutes kann man den teils katastrophalen Vorstellungen in den letzten Wochen aber dann doch noch abgewinnen. Robin Dutt kann mit sich selbst in Klausur gehen und sich hinterfragen, ob es tatsächlich angebracht ist, Spielern, die die Gesichter des sportlichen Niedergangs der letzten fünf Jahre sind, Vertragsverlängerungen hinterherzuwerfen oder ob man nicht doch eher froh sein sollte, dass diese (endlich) auslaufen. Die 2016 und 2017 auslaufenden Verträge bieten die Chance, sich von langjährigen „Stützen“ zu trennen und dem VfB eine Frischzellenkur zu verpassen.

Man darf sich jetzt von ein paar ordentlichen Vorstellungen zu Beginn des Jahres nicht blenden lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Den „Charakter“ dieser Truppe, und dafür zeichnen nun mal die langjährigen Angestellten maßgeblich verantwortlich, sieht man gerade jetzt wieder. Nach ein paar wenigen Siegen, nach dem Sprung in vermeintlich beruhigendere Gefilde in der Tabelle, macht man es sich wieder bequem in der Wohlfühloase und denkt, es gehe von selbst. Dieses Nachlassen könnte noch ganz fatale Folgen für den VfB haben, weil es das Restprogramm in sich hat. So gesehen ist Darmstadt schon das Schlüsselspiel, ich befürchte, danach werden nicht mehr viele Punkte eingefahren werden können. Augsburg und Bremen sind zwar auf dem Papier auch noch lösbare Aufgaben, aber, es sind Gegner, die uns nicht liegen und Orte, in denen die Trauben in den letzten Jahren für uns sehr hoch hingen.

Daher muss der Kader kurzfristig mit mehr Typen wie Kevin Großkreutz und Serey Dié verstärkt werden, die bereit sind in jedem Spiel 100% zu geben und nicht erst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Ich freue mich schon heute auf Darmstadt. Endlich mal wieder ein richtig altes Stadion mit dem Flair der 1980er-Jahre und das Kontrastprogramm zu den Einheitsarenen der Neuzeit. 1982 war ich schon einmal zu einem Bundesligaspiel dort, Endstand damals 3:3, was in zwei Wochen schon zu wenig wäre. In diesem Sinne, drink positive, Auswärtssieg!

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