5. April 2016

Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt

Das ist nicht meine Devise, aber scheinbar die des VfB. Ob Spieler oder Verantwortliche, unisono erklärten sie während der Erfolgsserie zu Beginn der Rückrunde, man würde nur von Spiel zu schauen und die Tabelle interessiere sie erst am 34. Spieltag.

Ganz anders dagegen die Töne nach dem 2:2 in Darmstadt. Dieser Punkt wurde von Spielern und Verantwortlichen als Punktgewinn gefeiert, weil man doch in der Tabelle den Vorsprung auf die Abstiegszone um einen Punkt vergrößert hat. Anstatt sich darüber zu grämen, dass man eine riesengroße Chance leichtfertig verschenkt hat, den Klassenerhalt so gut wie perfekt zu machen, feiert man den Punkt beim Underdog aus Darmstadt, einem Sammelsurium von gescheiterten Fußballern, die bei den Lilien unter Ex-Kickers-Trainer Dirk Schuster gerade ihre Renaissance erleben.

Ob die Herangehensweise von Dutt und Konsorten psychologisch so geschickt ist, daran habe ich meine Zweifel. Hat nicht in der Regel derjenige den größten Erfolg, der sich hohe, aber natürlich auch realistische Ziele setzt? Könnte man nicht einfach in einer Phase, in der es fast von allein läuft, in der die Europapokalplätze genauso nah oder genauso fern sind wie die Abstiegszone, die Maxime ausgeben, oben angreifen zu wollen? Wäre es im Leistungssport nicht förderlicher sich über eine Niederlage wenigstens fürchterlich aufzuregen und nach Wiedergutmachung zu streben, anstatt diese abzuhaken, wie wenn nichts geschehen wäre, und sich zu sagen, wir haben ja noch so und so viele kommende Chancen?

Gerade für eine Truppe, wie sie der VfB seit Jahren hat und die zur schnellen Selbstzufriedenheit neigt, die nur unter größtmöglichem Druck funktioniert, wäre es ratsam, die Spannung permanent hochzuhalten, und ihr auch den Druck zu machen, den sie braucht.

Streichelt man sie aber nur und fasst sie mit Samthandschuhen an, weil ja nächstes Wochenende schon wieder die nächste Gelegenheit ansteht, es besser zu machen, dann plätschern die Spiele emotionslos daher und werden immer weniger.

Wenn man das Team ständig nur an seinem Minimalziel misst und sich die Mannschaft nach überstandenem Abstiegskampf wieder feiern lässt, als habe sie die Meisterschaft gewonnen, wird sie es sich ewig weiter in ihrer Wohlfühloase bequem machen und einen Teufel tun, einen eigenen Antrieb oder Ehrgeiz zu entwickeln.

Als Fan wäre man natürlich froh gewesen, endlich mal wieder eine sorgenfreie Saison zu erleben, keiner wäre so vermessen, von dieser Truppe einen Platz im oberen Tabellendrittel zu verlangen. Aber, die Verantwortlichen müssen schon die Spannung hochhalten und energisch dazwischen grätschen, wenn sie es mitbekommen, dass Spiel um Spiel hergeschenkt wird. Da wünschte man sich Typen wie wir sie bspw. zu Zeiten der Deutschen Meisterschaft 1992 in Gerhard Mayer-Vorfelder, Dieter Hoeneß und Christoph Daum hatten und die sich leidenschaftslose Darbietungen in dieser Fülle, wie wir sie in der Gegenwart erleben, nicht hätten bieten lassen. Man darf sich nicht allein auf der Erfolgsserie von zu Beginn der Rückrunde ausruhen, die letzten Auftritte waren bis auf wenige Ausnahmen alarmierend.
Gegen Hannover, in Mönchengladbach, in Ingolstadt, gegen Leverkusen und zuletzt in Darmstadt hat die Mannschaft schlichtweg versagt hat, der Trend geht eindeutig nach unten und es gibt nicht viel, das Hoffnung macht, dass die Truppe in den verbleibenden sechs Saisonspielen noch viele Punkte einheimsen könnte.

Da beim VfB jedoch eher die leisen Töne angeschlagen werden und es keinen gibt, der mal richtig auf den Tisch haut, wird das Positive aus dem vergangenen Wochenende herausgezogen, nämlich das, dass sich die Konkurrenz genauso dämlich angestellt hat und der Vorsprung auf Platz 16 um einen Zähler gewachsen ist. Da man die Vorentscheidung im Abstiegskampf vertagt hat, hat man sich eben umgehend auf die Fahnen geschrieben, gegen die Bayern alles raus zu hauen (wie Gentner immer so schön formuliert) und zu versuchen, da zu punkten. Darüber lache ich mich heute schon schlapp. Möglicherweise kassieren wir nicht einmal eine Klatsche und spielen gegen den Ligakrösus auch noch gut mit, null Punkte werden am Ende trotzdem stehen, auch wenn für die Bayern die Championsleague Duelle gegen Benfica Lissabon davor und danach wichtiger und auch sportlich anspruchsvoller sein werden.

Es hätte so ein schöner Tag in Darmstadt werden können. Seit der sympathische Underdog, dessen sportliche Highlights vor wenigen Jahren noch die Duelle gegen Kickers Offenbach und Hessen Kassel waren, der vor drei Jahren bereits sportlich in die Regionalliga abgestiegen und nur durch den Lizenzentzug der Offenbacher Kickers in der 3. Liga geblieben war, den Aufstieg in die Bundesliga schaffte, freute ich mich riesig auf dieses Spiel.

Die sportliche Entwicklung hat die Lilien förmlich überrollt, die Infrastruktur ist nach wie vor die eines Amateurligisten, selbst die meisten Drittligisten können modernere Arenen vorweisen. So bestand der große Reiz dieses Trips darin, dass es eine Reise in die Vergangenheit werden würde und man nach all den neuen geleckten und sich nur in der Farbe unterscheidenden Arenen endlich mal wieder einem echten Stadion die Ehre erweisen würde.

Der Gästebereich war mit 2.200 VfBlern natürlich ausverkauft und dementsprechend eng ging es auch zu. Ursprünglich wollte ich zwar früh reingehen und noch ein paar Bilder machen, wenn das Stadion noch nicht zum Zerbersten voll ist und man sich auch im Gästebereich noch bewegen kann, aber, zu viele Leute getroffen, und dadurch diesen Plan gleich wieder verworfen.

Dass ich mich auf einer Reise in die Vergangenheit befand, drückte sich auch darin aus, dass auf meiner Sitzplatzkarte weder Block, noch Reihe, noch Platz aufgedruckt war und es auch nicht beschildert war, wo sich die Sitzplätze befanden. Weder Ordner noch Polizei konnten (oder wollten) mich darüber aufklären, so dass ich, da im eingezäunten Stehplatzbereich kein Durchkommen mehr war, auf einem recht steilen Gras- bzw. Dreckhügel Position bezog und mehr schlecht als recht die kleine Darmstädter Choreo und den Einlauf fotografieren konnte. In der Halbzeit bekam ich dann mit, dass man zu den Sitzplätzen nur durch Durchqueren des Stehplatzbereichs gelangen konnte, was unmittelbar vor Spielbeginn ohnehin aussichtslos gewesen wäre.

So weit, so gut, stand ich eben zunächst bei meinen Kumpels und wandte meine Konzentration hauptsächlich dafür auf, auf dem steilen Hügel nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, was auch gut gelang. Weniger Glück und Geschick hatte ein Busmitfahrer vom RWS, der Purzelbäume bis hinunter auf den Asphalt schlug und sich das Schlüsselbein dabei brach, gute Besserung!

Viele Erinnerungen hatte ich nicht mehr an unseren letzten Auftritt am Böllenfalltor, der in der Saison 1981/1982 in einem 3:3 mündete und wo ich als Teenager schon dabei war, lediglich daran, dass der Block bei weitem nicht so voll war, konnte ich mich noch erinnern. Gefühlt war aber tatsächlich die Zeit dort stehengeblieben, was sich nicht nur an der altbackenen Stadionuhr zeigte.

Für mich war bereits im Vorfeld alles andere als ein Sieg indiskutabel. Wenn man das weitere Programm betrachtet, war Darmstadt die auf dem Papier mit Abstand einfachste Aufgabe, so dass ich hoffte, der VfB wäre sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst und würde alles daran setzen, dort den möglicherweise vorentscheidenden Dreier einzufahren.

Darmstadt konnte bislang erst einen Heimsieg verzeichnen und setzt seinen limitierten fußballerischen Mitteln unbändigen Willen und Kampfgeist entgegen, den man als Gegner annehmen muss. Dass es, ähnlich wie in Ingolstadt, ein von Nickligkeiten geprägtes Spiel werden würde und die Darmstädter versuchen würden, Freistöße herauszuholen oder auch zu schinden, wusste man ebenfalls. Von einer Truppe, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als zu trainieren und sich mit Fußball zu beschäftigen, darf auch erwartet werden, dass sie aus den Fehlern, die in Ingolstadt begangen wurden, lernt, und dem Gegner nicht noch einmal ins offene Messer läuft. Sollte man erwarten können, beim VfB ist das aber wohl zu viel verlangt. Die Herren meinen weiterhin ihren ureigenen Stiefel herunter spielen zu spielen, egal wie der Gegner heißt, und sind dabei viel zu leicht auszurechnen. Wenn Didavi keine Lust hat und/ oder ihm noch ein, zwei Gegenspieler auf die Füße gestellt werden, bleibt an Kreativpotential lediglich noch Filip Kostic übrig, der zwar auch ausrechenbar ist, durch seine Schnelligkeit und seine Klasse aber dennoch noch in der Lage ist, gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Das VfB-Spiel wird dadurch sehr linkslastig, was für den Gegner meist nicht allzu schwer zu verteidigen ist, wenn man sich eben in erster Linie darauf beschränken kann, die linke Seite zuzustellen.

Um einem willens- und kampfstarken Gegner Herr zu werden, bedarf es Ballsicherheit in den eigenen Reihen, also keine leichtfertigen Ballverluste. Durch Ballzirkulationen an Sicherheit gewinnen und sich den Gegner nach und nach zurecht legen, so sähe wohl die optimale Strategie im Duell David gegen Goliath aus. Von einer Bundesligamannschaft mit einem mindestens drei Mal so hohen Etat, wie ihn die Darmstädter zur Verfügung haben, sollte man erwarten können dürfen, dass sich die höhere Qualität der Einzelspieler auf dem Feld auch bemerkbar macht. Dazu bedarf es aber neben fußballerischem Können Konzentration und Einsatzwillen und das vor allem auf dem Platz und nicht nur mit „der Gosch“.

Die Vorzeichen waren also klar, umso unverständlicher wie schlampig man dann in ein solches Spiel geht und wie dumm man dabei dem Gegner in die Karten spielt. Obwohl die Darmstädter unlängst einen neuen Rasen verlegen ließen, unterliefen dem VfB von Beginn an dilettantische Stockfehler, so dass die Darmstädter schnell im Spiel waren und Lunte rochen.

Bereits in der 1. Minute lud man die Darmstädter beinahe zur Führung ein und diese Fahrigkeit setzte sich im weiteren Spielverlauf fort. Als man gerade den Eindruck hatte, der VfB würde Sicherheit in sein Spiel bringen, schickte Serey Dié durch einen schlampigen und zu kurz geratenen Rückpass unfreiwillig Sandro Wagner auf die Reise, welcher Tytoń keine Chance ließ und zur Darmstädter Führung vollendete. Mal wieder waren sämtliche Vorsätze über den Haufen geworfen, mal wieder ging es zu einem frühen Zeitpunkt hauptsächlich nur um Schadensbegrenzung.

Es wurde genau jenes dreckige Spiel, das der VfB befürchtete und das sich die Darmstädter wünschten. Daran zeigt sich die mangelnde geistige Reife dieser Truppe, wenn man sich ein ums andere Mal von limitierteren Teams den Schneid abkaufen und sich ihr Spiel aufzwingen lässt. Hier machte sich das Fehlen von Kevin Großkreutz schmerzlich bemerkbar, weil er einer der wenigen im Team ist, der sich nichts gefallen lässt und vor allem ein Spiel nicht einfach so über sich ergehen lässt. Serey Dié alleine als Aggressivleader ist derzeit schlicht überfordert und wirkt übermotiviert. Bezeichnend sein Frust-Post auf Instagram nach dem Spiel.

Der VfB kam zwar zu einem Zeitpunkt, als die Darmstädter gedanklich schon in der Halbzeit waren, jeweils nach Vorarbeit von Filip Kostic, zu einem Doppelschlag und zur schmeichelhaften Pausenführung. Wer aber gedacht hatte, der VfB würde von nun an seiner Favoritenrolle gerecht werden, sah sich getäuscht.

Während ich die Pause sinnvoll nutzte und mich zu den Sitzplätzen begab, befanden sich im Pausentee der Brustringträger offensichtlich Schlaftabletten. Anders ist es nicht zu erklären, dass man sich vom Wiederanpfiff weg in die eigene Hälfte drücken ließ und auch die erste Großchance von Wagner, die Tytoń mit einem Reflex vereitelte, nicht als rechtzeitigen Warnschuss verstand. Daher fiel der Ausgleich fast schon folgerichtig. Rausch schlug einen Freistoß hoch in den Strafraum, Tytoń lief zunächst heraus, um dann in bester bzw. schlechtester Ulreich-Manier abzubrechen und zögerlich den Rückwärtseingang einzulegen. Niemeyer bedankte sich und köpfte das 2:2. Ein klarer Torwartfehler des ansonsten guten Rückhalts Tytoń, der den VfB vor allem in den Schlussminuten vor noch Schlimmerem bewahrte.
Aufgrund der zweiten Halbzeit, in der der VfB keine ernsthafte Torchance mehr herausspielen konnte, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Müssen wir das wirklich? Nein, müssen wir nicht! Es ist doch bezeichnend, dass nach Ingolstadt der zweite Trainer des absoluten Underdogs befand, seine Mannschaft habe gegen den VfB ihr bestes Saisonspiel abgeliefert. Da eine Mannschaft immer nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt, liegt hierin das eigentliche Problem. Der VfB ist ein gerngesehener Gast und verteilt Gastgeschenke im Überfluss.

Der VfB hat es abermals versäumt, einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen, weist mit 33 Punkten nach 28 Spieltagen eine erbärmliche Bilanz auf, ergötzt sich aber daran, dass es auch Mannschaften in der Bundesliga gibt, die noch schlechter sind.

Während wir stinksauer das Stadion verließen und uns auf den Weg zu den Bussen machten, flachst ein Gentner vor laufenden Kameras und freut sich wohl mehr über sein sehenswertes Tor, als dass er sich über das Remis ärgern würde. Kramny meinte, nach dem Spielverlauf müsse man zufrieden sein, was man ja auch so stehen lassen kann, während sich Dutt bei Sport im Dritten zuversichtlich zeigte, die nötigen Punkte schon noch anderweitig einzufahren.

Dass die Konkurrenz weiterhin wenig bis überhaupt nicht punktet, darauf sollte man sich besser nicht verlassen. Auch wenn ich gerade Frankfurt und Darmstadt schon die zwei Siege kaum zutraue, die notwendig wären, um den VfB ein- bzw. zu überholen, der Teufel ist ein Eichhörnchen und gerade am Saisonende, wenn sich einige Teams gedanklich bereits im Urlaub befinden, hat man schon Ergebnisse erlebt, die man nicht für möglich gehalten hätte.

Nach dem Spiel gegen die Bayern geht es nach Bayerisch-Schwaben zum FC Augsburg, der sich in den letzten Jahren zu einem echten Angstgegner entwickelt hat und unseren Diven schon wieder ein dreckiges Spiel abverlangen wird, welches uns nicht schmeckt.

Danach kommt der BVB ins Neckarstadion, gegen den uns schon im Pokalspiel die Grenzen aufgezeigt wurden. Es kann zwar sein, dass der BVB zu diesem Zeitpunkt die Vizemeisterschaft bereits gesichert hat und noch in der Europaleague vertreten ist, und deshalb Stammkräfte schont, doch, auch dann neigt der VfB dazu den BVB light zu unterschätzen anstatt die Chance beim Schopfe zu packen.

Danach wartet die Reise ins Bremer Weserstadion, aus dem der VfB schon seit der Meistersaison keinen Dreier mehr entführen konnte. Sollte man nach diesen vier Spielen nichts Zählbares eingefahren haben, könnte es sein, dass wir zwei Spieltage vor Schluss mit dem Rücken zur Wand stehen und dann beginnen, den vergebenen Matchbällen nachzutrauern.

Didavis Wechsel zum VfL Wolfsburg scheint festzustehen, was die Frage aufwirft, weshalb man den Wechsel nicht endlich offiziell bestätigt. Ihn scheinen seine Abschiedstournee und das Versteckspiel eher zu hemmen, als dass es ihm helfen würde. Wie gegen Leverkusen auch schon, war Dida auch in Darmstadt schlechtester Mann auf dem Platz und offensichtlich mit den Gedanken nicht bei der Sache.

Vermutlich machte sein Berater Karl-Heinz Förster den Wechsel bereits Ende des letzten Jahres, als er auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde, perfekt. Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine Unterschrift bei der VW-Betriebssportgemeinschaft aus sportlicher Sicht wohl keinen Sinn machen, wenngleich er dort natürlich das Doppelte bis Dreifache „verdienen“ dürfte, wohingegen er mit Wolfsburg genauso wenig international vertreten sein dürfte, wie mit dem VfB.

Mit Didas Abgang werden wir uns also abfinden müssen. Umso mehr ist Robin Dutt gefordert, den wenigen anderen Guten das Bleiben schmackhaft zu machen und nicht noch weitere Qualität abzugeben. Kolportiert wird ja, dass man im Sommer Ablösesummen generieren müsse, wobei in diesem Zusammenhang immer wieder der Name Filip Kostic fällt. Ich hielte es für ein fatales Zeichen, auch wenn ich es Kostic nicht einmal verdenken kann, dass er lieber heute als morgen den Abflug machen würde. Von den besseren Verdienstmöglichkeiten einmal abgesehen, muss es für einen guten Fußballer auch unerträglich sein, von so vielen Rumpelfußballern umgeben zu sein und deshalb auf ewig lediglich gegen den Abstieg zu spielen.

Daher muss Dutts Maxime eher lauten, die Guten zu halten und das Team zu verstärken, anstatt die Guten ziehen zu lassen und im Gegenzug fleißig Verträge mit Spielern zu verlängern, bei denen man eigentlich froh sein müsste, dass deren Verträge (endlich) auslaufen. Es handelt sich dabei ja auch nicht nur um Spieler, die uns „nur“ fußballerisch nicht weiter bringen, nein, sie prägten den Charakter dieser Mannschaft über Jahre und zeichnen maßgeblich dafür verantwortlich, was sich in den letzten Jahren hier abspielte.

Außer Kostic stach von den Feldspielern noch Lukas Rupp positiv heraus und auch Gentner fiel wegen seiner schwachen Nebenleute nicht entscheidend ab. Rupp dürfte der nächste sein, der Begehrlichkeiten besser gestellter Vereine weckt, und der irgendwann auch nur zu halten sein dürfte, wenn es hier vorwärts geht und wir uns nicht ewig weiter im Kreis drehen.

Ob Kramny der Richtige ist, den großen Umbruch zu vollziehen und eine neue Teamhierarchie zu schaffen, daran wird man ihn messen müssen. Möchte er längerfristig auf der Kommandobrücke stehen und nicht das gleiche Schicksal wie unzählige seiner Vorgänger erleiden, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als das Übel an der Wurzel zu packen und die Mannschaft grundlegend zu verändern.

Für mich als Fan ist diese Mentalität der Truppe langsam unerträglich. Was in ihr steckt, blitzt immer wieder einmal auf, was fehlt, ist Konstanz und der Biss, auch dann an die Schmerzgrenze zu gehen, wenn ihr das Wasser nicht bis zum Hals steht. Das ist ein Mentalitätsproblem, welches tief verwurzelt ist, so dass uns nichts anderes übrig bleiben dürfte, uns auch von Spielern zu trennen, um die es menschlich schade wäre. Käme es denn so weit, wäre Mitleid allerdings auch fehl am Platz, denn, Gelegenheiten sich selbst einzubringen und auf ein besseres Leistungsklima hinzuwirken, hatten die Betroffenen in den letzten fünf, sechs Jahren zur Genüge. .

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22. März 2016

Der VfB ist wieder da!

Und zwar dort, wo man nach eigenem Selbstverständnis nicht hingehört, es sich aber Saison für Saison gemütlich macht, im Abstiegskampf nämlich, wobei Kampf in den noch verbleibenden sieben Spielen am besten großgeschrieben werden sollte. Aus acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wurden an einem einzigen Spieltag lausige fünf Punkte, so dass sich der VfB de facto nicht mehr viele Ausrutscher leisten darf.

Seit der von Woche zu Woche peinlicher anmutenden Heimniederlage gegen Hannover 96 befindet sich der VfB in einer, wenn auch leichten, Abwärtsspirale. Nicht nur, dass mögliche Siege leichtfertig verschenkt werden stimmt bedenklich, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer zustande kamen, und auch das Auftreten über weite Strecken in Ingolstadt, wo man beinahe hoffnungslos 4:1 zurückgelegen wäre.

Man muss kein Prophet sein, um sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund nichts auszurechnen, am besten man schickt diese Punkte schon jetzt per Post nach Nordösterreich und in den Pott und schont seine ach so strapazierten Körper für die viel wichtigeren Auswärtsspiele in Darmstadt, in Augsburg und in Bremen, wo nach dem blutleeren Auftritt gegen Bayer Leverkusen mindestens vier Punkte herausspringen müssen, um nicht erneut einem Herzschlagfinale à la Paderborn 2015 entgegenzusteuern.

Es war einer jener unerklärbaren Auftritte, für die der VfB noch immer stets „gut“ ist. Leverkusen konnte von den letzten fünf Bundesligaspielen gerade eines gewinnen und das vor Wochenfrist mit Hängen und Würgen gegen den HSV. Hinzu kam das blamable Ausscheiden in der Europa League gegen Villareal und die Posse um Trainer Roger Schmidt, der drei Spiele von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Stuhl des Trainers wackelte schon bedenklich, lässt er doch einen ähnlichen kraftraubenden Stil spielen wie es beim VfB Alexander Zorniger tat. Auch in Leverkusen zieht das Team nur so lang mit, so lang man damit erfolgreich ist, doch wehe dem, die Mühen lohnen sich nicht, dann droht der Trainer das Team zu verlieren, vor allem wenn die Öffentlichkeit das Alibi liefert und der Trainer bereits angezählt wird. In solchen Krisenzeiten gibt es für einen Bundesligaverein keinen dankbareren Gegner als den VfB, wenn wir etwas in Perfektion können, dann Aufbaugegner!

Für eine clevere Mannschaft ist die Herangehensweise gegen einen angeschlagenen und unter der Woche beschäftigten, zudem noch stark ersatzgeschwächten Gegner, klar. Man geht raus, man geht drauf, man lässt den Gegner laufen, zwingt ihn zu Fehlern und raubt ihm von Minute zu Minute mehr die Lust am Spiel. Das bedingt, dass man nah am Mann ist und voll konzentriert die Partie angeht und wenig Fehler im eigenen Aufbauspiel macht.

Soweit die Ausrichtung einer cleveren Mannschaft, kommen wir nun zum VfB. Über die diversen Social-Media-Kanäle bekommen wir ja mit, wie überragend die Stimmung im Team derzeit zu sein scheint, alle lachen, alle machen Späßchen, alle haben sich lieb, alle genießen das Leben. Dumm nur, wenn man mitten am Sonntagnachmittag aus dieser Gute-Laune-Welt herausgerissen wird und seine Arbeit verrichten muss. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, die Jungs wären sich ihrer Aufgabe, aber auch ihrer Chance bewusst. Vermutlich hat sich auch keiner die Sportschau des Vortages angeschaut, hätte man doch während dieser Zeit die Playstation ausschalten müssen. Hätten sie das getan oder zumindest einen Blick auf die Tabelle gewagt, wäre ihnen eventuell bewusst geworden, was die Stunde geschlagen hat.
Leverkusen ist zwar der Angstgegner, aus den vorherigen elf Spielen gegen die Werkself ergatterte der VfB gerade einmal drei Punkte, und doch wäre die Chance groß wie selten gewesen, Bayer zu bezwingen und gleichzeitig einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen. Obwohl Bayer viele Ausfälle zu beklagen hatte und daher zwei junge Startelfdebütanten aufs Feld schickte, verbietet es sich einem Team wie dem VfB, das jahrelang ausschließlich um den Klassenerhalt spielt, einen Gegner zu unterschätzen und zu denken, man schlage jemanden im Vorbeigehen. Das ging bereits gegen Hannover 96 in die Hose, wobei dort noch viel Pech im Spiel war, dieser Schuss ging nun auch gegen Leverkusen nach hinten los, das trotz der vielen Ausfälle immer noch eine nominell topbesetzte Mannschaft auf dem Platz hatte. Man ist geneigt zu fragen „was erlaube Mannschaft“? Dieses Team darf in keinem Moment auch nur einen Prozentpunkt nachlassen und denken, es gehe mit links. Das verbietet die jüngere Vergangenheit, das verbietet das eigene Leistungsvermögen und vor allem verbietet das die noch immer prekäre Tabellensituation.

Fast 55.000 Zuschauer, perfekte äußere Bedingungen, es war alles angerichtet für ein Fußballfest aus VfB-Sicht und dann das! Der VfB, bei dem Florian Klein erwartungsgemäß, den schmerzlich vermissten Kevin Großkreutz ersetzte, überließ den Leverkusener vom Anpfiff weg die Initiative und bot bei den Leverkusener Sturmläufen lediglich interessierten Begleitschutz.

Hinterher wurde beklagt, dass man nicht in die Zweikämpfe kam, Leute, dafür müsst ihr erst einmal nah an euren Männern sein und die Zweikämpfe auch suchen. Ein Spiel, das vom Anpfiff weg nicht so läuft wie erhofft, kann man auch schon mal beruhigen und zunächst durch eigene Ballzirkulationen Sicherheit gewinnen. Dieser Möglichkeit ist man allerdings beraubt, wenn wie beim VfB, schon die Hälfte der Spieler Probleme mit dem Passspiel hat und keinen Ball stoppen kann. Deshalb wurden eigene Angriffsbemühungen bereits im Keim erstickt, die erste ernsthafte VfB-Chance gab es in der 40. Minute, als der Pegel bereits längst auf die Seite der Leverkusener ausgeschlagen hatte.

Das 0:1 in der 11. Minute leitete Daniel Schwaab mit einem Schlag ins Nichts selbst ein, um dann wenig später nicht nah genug am Torschützen Julian Brandt zu sein, so dass dieser ungehindert an Tytoń einschieben konnte. Dies war bereits die dritte gute Chance für Leverkusen, der sie bis zum Pausenpfiff zwei weitere Hochkaräter folgen ließen, die Tytoń klasse vereitelte, während dem VfB lediglich der erwähnte Torschuss durch Werner gelang.

Es war bereits im Vorfeld zu befürchten, dass uns der Ausfall von Kevin Großkreutz schwer treffen würde. Auch wenn er fußballerisch nicht immer zu glänzen weiß, bringt er all jene Tugenden ein, die man eigentlich von einem Fußballer erwarten können muss. Er verkörpert Mentalität und den absoluten Siegeswillen und lässt vor allem auf gut schwäbisch kein Hugoles mit sich treiben. Der zweite Aggressiv-Leader im Team, Serey Dié, war gestern zwar engagiert wie immer, aber letztlich überfordert, weil ihm die Unterstützung seiner Teamkollegen fehlte.
Großkreutz‘ Vertreter Florian Klein knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ an, die ihn seinen Stammplatz kosteten. Wenn dessen Leistungsvermögen schon genügen sollte, um sich für eine Kader-Nominierung zur Euro in Frankreich zu empfehlen, dann gute Nacht Österreich.

Serey Dié war auch deshalb fast schon zu bemitleiden, weil sein Nebenmann Christian Gentner einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Sind es noch seine Achillessehnenprobleme, die ihn daran hindern, ordentlich Fußball zu spielen und vor allem Zweikämpfe zu bestreiten? Setzt man auch angeschlagen auf ihn, weil er eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat oder ist es einfach uncool, den Kapitän auch mal auf die Bank zu setzen? Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen es einen Kapitän gebraucht hätte, der aufrüttelt, der mit gutem Beispiel voran geht, sich einfach zeigt und nicht untertaucht, sobald nichts zusammen läuft.

Das Fass zum Überlaufen brachte für mich jene Aktion gut zehn Minuten vor Schluss, als der VfB zum allerersten Mal in diesem Spiel so etwas wie Druck erzeugte und die Leverkusener langsam müde wurden.
Wohl einen Schwächeanfall erleidend blieb der Leverkusener Yurchenko nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie liegen, was unseren Kapitän dazu bewog, den Ball ins Seitenaus zu spielen und damit den vielversprechenden Angriff jäh zu unterbrechen. Somit bewarb sich unser Kapitän lieber um den Fairnesspreis, anstatt er alles dafür tun würde, dem Spiel noch eine Wende zu verleihen. Für mich absolut unverständlich! Selbstredend bin auch ich für fairen, sauberen Sport. Wer diesen in der Bundesliga meint zu finden, ist aber auf dem Holzweg und das sollte Gentner eigentlich wissen. In 99,9% der Fälle dienen solche Schauspieleinlagen dazu, auf Zeit zu spielen und den Angriffsschwung des Gegners zu unterbinden. Dass ausgerechnet unser 30-jähriger Kapitän auf das schändliche Verhalten eines Bundesliga-Greenhorns hereinfällt bedarf keiner weiteren Worte.

In solchen Situationen haben die Schiedsrichter die klare Maßgabe, das Spiel unterbrechen zu können, wenn sie den Eindruck haben, es habe sich jemand schwerer verletzt. Diese Entscheidung obliegt also dem Schiedsrichter und niemand anderem sonst, so dass sich hinterher auch keiner zu beklagen braucht, wenn weiter gespielt wird. Da Gentner an diesem Tag allenfalls durch Quer-, Rück- und Fehlpässe auffiel, könnte sein Beweggrund natürlich auch der gewesen sein, dass wir so wenigstens in Ballbesitz blieben.

Hätte Gentner den Ball nicht ins Aus gespielt, hätten wir dieses Spiel, in dem wir eindeutig die schlechtere Mannschaft waren, wohl auch nicht gewonnen, aber, es hätte die Initialzündung für eine emotionale Schlussphase werden können und das Publikum wäre nochmal richtig da gewesen.

Auch die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht. Wer erwartet hatte, der VfB hätte sich während des Pausentees auf eine Aufholjagd eingeschworen und würde sich nun zusammenreißen, wurde enttäuscht. Das Spiel der ersten Hälfte setzte sich fort. Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel fing Wendell eine Flanke per Kopf am eigenen Strafraum ab, der Ball gelangte zum starken Julian Brandt, der nahezu unbedrängt, gut, Serey Dié setzte sich beim Abwehrversuch auf den Hosenboden, unbehelligt vom viel zu langsamen Emiliano Insúa über das komplette Feld spazierte, zum (frei stehenden) Nationalspieler Bellarabi passen konnte, welcher humorlos zum 0:2 abschloss. Damit war der Käs gegessen, der Fisch geputzt, nichts ging mehr an dem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Sonntag-Nachmittag. Leverkusen hatte noch weitere hochkarätige Chancen, traf Pfosten und Latte und verzweifelte ansonsten am mit Abstand besten Stuttgarter Przemyslaw Tytoń.

Erster Auswechselspieler war Daniel Didavi, für den in der 54. Minute Kravets kam. Es war wohl die mit Abstand schlechteste Vorstellung unseres Spielmachers, an die ich mich, zumindest zu Hause, erinnern kann. Er war überhaupt nicht im Spiel und brachte es auf eine erbärmliche Zweikampfquote von 20%. Ob ihm die unter der Woche erneut aufkeimenden Wechselgerüchte nach Wolfsburg zugesetzt haben oder er dem noch immer in der Verlosung befindlichen potentiellen Arbeitgeber Bayer Leverkusen nicht weh tun wollte, sei dahingestellt. So hilft er uns jedenfalls nicht weiter, zu schade, dass Alexandru Maxim seine Chancen als Vertreter bislang nie nutzen konnte. Für alle Seiten wäre es wohl das Beste, Didavi würde sich endlich erklären, wohin die Reise in der nächsten Saison geht. Als VfB-Fan wüsste man gerne, woran man ist und Dida selbst müsste für die Öffentlichkeit kein falsches Spiel mehr spielen. Denn, intern wird sicherlich längst bekannt sein, wie er sich entschieden hat.

Ab der 68. Minute, als Kramny Maxim und Tashchy für Werner und Serey Dié einwechselte, setzte der VfB noch einmal alles auf eine Karte und trat offensiv zumindest etwas mehr in Erscheinung als zuvor, ohne jedoch das Tor von Bernd Leno so richtig in Gefahr bringen zu können. Der VfB stand sich weitestgehend selbst im Weg und hätte vermutlich auch noch eine Stunde länger spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Die Leverkusener waren über die gesamte Spieldauer hinweg die fußballerisch bessere und auch torgefährlichere Mannschaft, weshalb es an ihrem Sieg auch nichts zu deuteln gibt.

Aus einer Mannschaft, gespickt mit Totalausfällen, ist es zwar etwas unfair, mit den einen härter ins Gericht zu gehen als mit anderen. Und doch ist außer Daniel Didavi auch über Timo Werner zu sprechen. Ihm gelang gestern einmal mehr überhaupt nichts. Er wirkte auf mich unkonzentriert wie selten. Wurde er angespielt sprang ihm der Ball fünf Meter weg, so dass immer ein Gegenspieler zur Stelle war und ihm das Leder stibitzen konnte. Nach hohen Bällen sprang er zwar, Problem dabei, ihm fehlte stets das Timing, so dass es meist recht unbeholfen aussah und er unter den Bällen hindurchsprang. Ob ihn die Wechselgerüchte aus der Woche so sehr beschäftigten, wo von kolportierten 20 Millionen Ablöse ambitionierter Vereine wie Borussia Dortmund und Red Bull Leipzig die Rede war?

Dazu würde mich über einen O-Ton von Timo Werner freuen, der bislang stets betonte, der VfB sei sein Verein und er könne es sich nicht vorstellen, woanders zu spielen. Für mich gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: entweder die Wechselgerüchte sind Quatsch und Werner lässt sich für kein Geld der Welt weglocken, dann sollte man ihn stärken und ihn in der Zukunft in ein System einbinden, das ein wenig auf seine Stärken zugeschnitten ist. Wenn Timo Werner eines nicht ist, dann ein Mittelstürmer. Als alleinige Spitze fehlen ihm die Durchsetzungsstärke und auch der kaltschnäuzige Torabschluss. Sollte uns Kostic im Sommer tatsächlich verlassen, wäre Werner auf Linksaußen besser aufgehoben.

Hat aber bei Timo Werner ein Umdenken eingesetzt, womöglich unter anderem darin begründet, dass ihn der VfB kürzlich noch wie Sauerbier in England angeboten und auch gegen die Verbalattacken von Zorniger nicht geschützt hatte, hätte der VfB die volle Verhandlungsmacht und könnte unter Umständen allein für Timo Werner 50% dessen erlösen, was eine Ausgliederung in die Kassen spülen würde. Das wäre also eine große Chance für Robin Dutt und den Verein, Einnahmen zu generieren, wobei mir noch immer die erste Variante lieber wäre, einfach weil er ein Junge von hier ist und den Brustring im Herzen trägt.

Unsere Spieler täten gut daran, erst einmal den Klassenerhalt zu sichern und all ihre Kraft und Konzentration dem Noch-Arbeitgeber zu widmen, anstatt sich gedanklich mit mutmaßlich höheren Weihen zu beschäftigen.

Leverkusen genügte also eine durchschnittliche Leistung, um dem VfB den Garaus zu machen. Ob es der VfB in Darmstadt schafft, eine ähnliche Reaktion zu zeigen wie nach dem 0:4 in Mönchengladbach, als man drei Tage danach Hoffenheim mit 5:1 aus dem Stadion schoss, wage ich zu bezweifeln.

Dieses Mal hat man relativ wenig Zeit, diese Darbietung aufzuarbeiten, da die nächste Bundesligapause ansteht und sich viele Spieler in aller Herren Länder aufmachen, um für ihre Heimatländer aufzulaufen. So wird bis zum 2. April diese Niederlage und vor allem das Wie aus den meisten Köpfen sein. Ob gerade die Nationalspieler, die in der Pause ihre Visitenkarte in den Fußballtempeln dieser Welt abgeben, den Schalter so schnell umlegen und sich auf ein dreckiges Spiel am heruntergekommenen Böllenfalltor in Darmstadt einstellen können, darf bezweifelt werden.

Dieses Unterfangen muss ohne Georg Niedermeier angegangen werden, der sich nach einem rüden Foul seine fünfte gelbe Karte einhandelte und somit gesperrt sein wird. Wie die Innenverteidigung gegen die vor allem bei Standards brandgefährlichen Lilien aussehen wird, steht wohl noch in den Sternen. Zu schön um wahr zu sein wäre es, wenn Federico Barba bis dahin schon einsatzfähig wäre. Selbst wenn, glaube ich, wird man ihn zunächst behutsam heranführen und kein weiteres Risiko mehr mit ihm eingehen. Daher dürfte wohl eher Toni Šunjić seine nächste Bewährungschance neben Daniel Schwaab erhalten, einen Vorgeschmack auf dieses wackelige Duo gab es ja bereits in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt.

Apropos Ingolstadt, Darmstadt dürfte ein ähnlich unangenehmer Gegner sein, gegen den eher mit einer rustikalen Spielweise als mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei beizukommen ist. Problem dabei ist jedoch, dass das diese Truppe nach etlichen Jahren Abstiegskampf noch immer nicht verinnerlicht hat.

Ein Gutes kann man den teils katastrophalen Vorstellungen in den letzten Wochen aber dann doch noch abgewinnen. Robin Dutt kann mit sich selbst in Klausur gehen und sich hinterfragen, ob es tatsächlich angebracht ist, Spielern, die die Gesichter des sportlichen Niedergangs der letzten fünf Jahre sind, Vertragsverlängerungen hinterherzuwerfen oder ob man nicht doch eher froh sein sollte, dass diese (endlich) auslaufen. Die 2016 und 2017 auslaufenden Verträge bieten die Chance, sich von langjährigen „Stützen“ zu trennen und dem VfB eine Frischzellenkur zu verpassen.

Man darf sich jetzt von ein paar ordentlichen Vorstellungen zu Beginn des Jahres nicht blenden lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Den „Charakter“ dieser Truppe, und dafür zeichnen nun mal die langjährigen Angestellten maßgeblich verantwortlich, sieht man gerade jetzt wieder. Nach ein paar wenigen Siegen, nach dem Sprung in vermeintlich beruhigendere Gefilde in der Tabelle, macht man es sich wieder bequem in der Wohlfühloase und denkt, es gehe von selbst. Dieses Nachlassen könnte noch ganz fatale Folgen für den VfB haben, weil es das Restprogramm in sich hat. So gesehen ist Darmstadt schon das Schlüsselspiel, ich befürchte, danach werden nicht mehr viele Punkte eingefahren werden können. Augsburg und Bremen sind zwar auf dem Papier auch noch lösbare Aufgaben, aber, es sind Gegner, die uns nicht liegen und Orte, in denen die Trauben in den letzten Jahren für uns sehr hoch hingen.

Daher muss der Kader kurzfristig mit mehr Typen wie Kevin Großkreutz und Serey Dié verstärkt werden, die bereit sind in jedem Spiel 100% zu geben und nicht erst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Ich freue mich schon heute auf Darmstadt. Endlich mal wieder ein richtig altes Stadion mit dem Flair der 1980er-Jahre und das Kontrastprogramm zu den Einheitsarenen der Neuzeit. 1982 war ich schon einmal zu einem Bundesligaspiel dort, Endstand damals 3:3, was in zwei Wochen schon zu wenig wäre. In diesem Sinne, drink positive, Auswärtssieg!

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15. März 2016

Gräfes Matchplan

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:41

Die Kennenlern-Wochen sind angebrochen. Für einen Alles-Fahrer ist ja viel zur Routine geworden. Man hat seine Highlights, man hat „Pflichtspiele“, die jedoch eines gemeinsam haben, es wiederholt sich alles.

Nicht so am Samstag in Ingolstadt, auch nicht nach der Länderspielpause in Darmstadt. Daher war ich zunächst einmal gespannt darauf, was uns bei diesem erst 2004 gegründeten und aus dem MTV- und ESV Ingolstadt hervorgegangenen FC Ingolstadt 04 erwarten würde.

Nach der Vereinsgründung trug der Verein seine Spiele zunächst im MTV-Stadion aus. Als der Aufstieg in die 3. Liga gelang, genügte diese Heimstätte nicht mehr den DFB-Anforderungen, so dass man ins ESV-Stadion umziehen musste, welches nach dem Aufstieg in die 2. Liga ebenfalls nur noch eine zweijährige Ausnahmegenehmigung erhielt, so dass für den Profifußball eine neue „Arena“ her musste.

Diese wurde, nicht wie so viele andere der neuen Arenen, auf der grünen Wiese gebaut, nein, es geht auch noch schlimmer, dort wo das Stadion heute steht, befand sich bis vor ein paar Jahren eine Ölraffinerie. Ob grüne Wiese oder Raffineriegelände, auch dieses Stadion befindet sich fernab jeder Zivilisation, in der Pampa auf gut deutsch, so dass es auch hier klar war, dass wir außer dem Busparkplatz und dem Stadion nichts zu sehen bekommen würden.

Wie bei vielen anderen Ligaemporkömmlingen auch, war die Nervosität und übertriebene Gängelung bei Polizei und Ordnungsdienst schon bei der Ankunft zu spüren. Provokant schwenkte die Staatsmacht mit den Kameras durch die Menge, der Gästebereich war (natürlich) abgetrennt, wehe dem, der diese Sperren durchbrechen wollte.

Von vielen habe ich gehört, dass sie beim Einlass gar die Schuhe ausziehen mussten und auf das Gründlichste durchsucht wurden. Wir selbst hatten Glück. Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass wir Sitzplätze hatten und demnach nicht so frühzeitig rein „mussten“ wie diejenigen, die Steher besaßen. Wie es sich schnell erwies, war es goldrichtig, dass wir uns bis eine Viertelstunde vor Spielbeginn an den Bussen aufhielten, unzählige Freunde und Bekannte trafen, und noch das eine oder andere Bier tranken. Denn, es hatte sich schon herumgesprochen, drinnen gab es alkoholfrei. Und das in Bayern, einem Bundesland, in dem Bier zum Grundnahrungsmittel erklärt wurde. Völlig unverständlich für mich, kamen wir doch in friedlicher Mission und überhaupt, für diejenigen, die aufgrund überhöhten Alkoholkonsums über die Stränge schlagen, gibt die Stadionordnung genügend Handhabe her, „Übeltäter“ des Stadions zu verweisen.

Daher ist dies eine reine Schikane und wohl auch mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz des AGG nicht vereinbar, wenn nebenan, auf der Gegentribüne Vollbier geschlürft werden darf. Es ist eine Diskriminierung und Vorverurteilung aller Gästefans, wobei man „Gäste“ bei solchen Gastgebern wohl am besten in Anführungszeichen setzt. Leider macht dieses Vorgehen mehr und mehr Schule und wird von allen Beteiligten klaglos hingenommen, und das obwohl doch Fußball und Bier schon immer untrennbar miteinander verbunden waren.

Bei uns war die Einlasskontrolle „kurz vor knapp“ dann erfreulich lasch und war innerhalb weniger Sekunden erledigt. Ich hatte leider den Sitzplatz im Gästebereich gewählt, um bei „meinen“ Leuten zu sein, obwohl eine ganze Zeitlang Karten in anderen Stadionbereichen auf der Homepage der Schanzer zu bestellen gewesen waren. Schon dies ist ein Armutszeugnis für den nächsten Retortenclub im Profifußball, wenn man es nicht schafft, im allerersten Bundesligajahr ein 15.000 Zuschauer fassendes Stadion mit eigenen Fans bis auf den letzten Platz gefüllt zu bekommen.

Nicht nur, dass ich in anderen Bereichen des Stadions richtiges Bier bekommen hätte, auch der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen wäre ein Platz zum Beispiel auf der Gegengerade schön gewesen. Als ich dann auch noch unter der Woche mitbekam, dass das Commando Cannstatt anlässlich seines 19. Geburtstags direkt am Spieltag eine Choreographie geplant habe, kam ich schon kurz ins Grübeln, ob ich mich nicht doch nach einer anderen Karte umsehen soll.

Die Choreographie erwies sich dann wirklich als absolut gigantisch, weil dreiteilig, so dass es doppelt bitter war, sich dieses Spektakel hinterher lediglich auf Bildern und Videos ansehen zu können. Ganz großes Kino des CC97, das in der Liga seinesgleichen sucht.

Ins Spiel ging der VfB nahezu mit der gleichen Elf wie gegen Hoffenheim, lediglich Timo Werner kam für Artem Kravets in die Mannschaft. Es war also auch der Kapitän mit an Bord, der gegen Hoffenheim noch zur Halbzeit ausgewechselt worden war und wegen Problemen mit der Achillessehne die Woche über lediglich sehr dosiert trainieren konnte.

Dass auch einem erfahrenen Profifußballer das volle Trainingsprogramm nicht unbedingt schaden würde, führte uns der Kapitän dann schon in der 4. Spielminute schmerzlich vor Augen, nämlich, als beim geplanten Rückpass auf Insúa offensichtlich das Timing fehlte und er den Ball somit dem Ingolstädter Hartmann in die Beine spielte. Dieser bedankte sich auf seine Art, nahm Fahrt auf und hämmerte den Ball am verdutzten Tytoń vorbei unter die Latte. Man kennt diesen Spieler in Stuttgart ja nicht so ganz genau, möchte aber mal annehmen, dass der den Ball nicht alle Tage so perfekt trifft und dieser genauso gut aufs Tribünendach hätte gehen können.

Dieses Tor unterbrach eine eigentlich ordentliche Anfangsphase vom VfB. Man war sich ja noch immer nicht so ganz sicher, welches DAS Gesicht des VfB in diesen Tagen ist. So schlecht, wie man sich beim 0:4 in Mönchengladbach präsentiert hatte, ist man nicht, so gut wie beim 5:1 gegen die wiedererstarkten Hoffenheimer allerdings auch nicht. Beide Spiele hatten ihre eigene Geschichte: Kollektivversagen in Mönchengladbach, von der Eins bis zur Elf grottenschlecht. Gegen Hoffenheim dagegen spielte uns das frühe Tor in die Karten und auch dass der Trainer-Novize Nagelsmann sich verzettelte, in dem er schon früh sämtliche Grundsätze, mit denen man ins Spiel gegangen war, über den Haufen schmiss und der VfB somit mehr oder weniger leichtes Spiel hatte.

In Ingolstadt bot der VfB im Spielverlauf dann beide Gesichter des VfB auf. Eine sehr gute Anfangsphase, eine klasse Reaktion auf den frühen Rückstand und der postwendende Ausgleich, um nach 17 Minuten eine Stunde lang den Spielbetrieb nahezu einzustellen.

Minute für Minute ließ man sich von den giftigen und zweikampfstarken Ingolstädtern mehr den Schneid abkaufen und kam meist einen Schritt zu spät, was unzählige Freistöße in oftmals aussichtsreicher Position für die Schanzer zur Folge hatte.

Ärgerlich dabei die frühe gelbe Karte für Georg Niedermeier bereits in der 22. Minute, als er einen Ball mit dem Arm abblockte. Dies allerdings bei einem Schuss aus kürzester Distanz und ohne Chance sich diesem „Handspiel“ zu entziehen. Früher gab es für solche Fälle die Regel „angeschossen“ und damit eben keinen Freistoß, während man heutzutage den Schusswinkel, eine unnatürliche Handbewegung und eine mögliche Vergrößerung der Körperfläche in Betracht ziehen muss, um ein vermeintliches Handspiel zu beurteilen. Dass solch schwammige Formulierungen nach einem aktiven Eingriff des Schiedsrichters in den Spielverlauf geradezu schreien, ist nur folgerichtig.

Gräfe war in Ingolstadt, wie schon so oft, dem VfB nicht wohlgelitten, so dass Kramny Niedermeier akut Gelb-Rot-gefährdet gegen Šunjić austauschte, was dem Abwehrverbund nicht gerade zu mehr Sicherheit verhalf, um es diplomatisch auszudrücken. Sunjic merkte man die mangelnde Spielpraxis an, er war, kaum im Spiel, mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator. Es verdichten sich die Anzeichen, dass Sunjic den VfB nach nur einer Saison schon wieder verlassen, weil er die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt hat, was für alle Seiten wohl das Beste ist.

Durch zweifelhafte Entscheidungen in vielen anderen Situationen, nahm Gräfe die unrühmliche Hauptrolle in diesem Spiel ein. Der Referee entschied gefühlt fast jede enge Szene zu Gunsten der Hausherren und verhalf ihnen damit maßgeblich zum zwischenzeitlichen 3:1.

Zunächst wurde Daniel Didavi bei einer Ecke vom Torschützen Leckie einfach aus dem Weg geräumt, wenig später wurde eigentlich Didavi gefoult, doch Gräfe entschied andersherum. So gab es Freistoß für rot-schwarz aus gut 20 Metern Torentfernung, den der Paraguayer Lezcano sehenswert in den Winkel drosch.

Kurze Zeit später ertönte gar die Tor-Musik zum vierten Ma, auch die Anzeigetafel wies das 4:1 aus, doch Lezcano traf lediglich aufs und nicht ins Tor. In dieser Situation hatte der VfB Glück, dass Gräfe das Textilvergehen Tytońs übersah, welches rot für den Keeper und Elfmeter für Ingolstadt zur Folge gehabt hätte.

Dass Gräfes Matchplan doch ein anderer war, als Ingolstadt einen hohen Sieg herausschießen zu lassen, konnte man bereits bei dieser Szene erahnen. Auch die Mannschaft hat verstanden, als Gräfe auf einmal die Brustringträger mitriss und nahm den Spielbetrieb 13 Minuten vor dem Abpfiff wieder auf.

Auch Kramny verstand die Signale des Mannes in schwarz und setzte nun auf totale Offensive. War er kampfeslustig oder doch fahrlässig, als er lieber Tashchy für Timo Werner einwechselte, anstatt Kevin Großkreutz herauszunehmen, den offensichtlich eine Muskelverletzung plagte und der nur noch über den Platz schlich? Für die Mannen auf dem Platz jedenfalls war es ein Zeichen, dass man unbedingt noch etwas reißen wollte. Mit dem Mute der Verzweiflung nahm der VfB sein Herz in die Hand und gewann wieder Oberwasser in einer Partie, in der sich der Kräfteverschleiß bei den Ingolstädtern nun bemerkbar machte.

Jener Tashchy, als neuer Turm in der Schlacht, bereitete dann auch mit dem Kopf den Anschluss durch Rupp vor, ehe fünf Minuten später Didavi vom Elfmeterpunkt aus für den vielumjubelten Ausgleich sorgte. Dieser Elfmeter war schon sehr schmeichelhaft. Kostic macht das richtig clever, weil er eigentlich keine Chance hatte, überhaupt an den Ball zu gelangen. Sein langes Bein, ein ungestümes Eingreifen von Matip und Gräfe zeigte auf den Punkt. Bleibt Matip einfach weg, ist die Situation so etwas von ungefährlich.

Dieses 3:3 war dann schließlich auch der Schlusspunkt einer Partie, in der der VfB zusammengerechnet gerade einmal eine halbe Stunde lang Fußball spielte und ansonsten die Passivität in Person war. Wie beide Teams am Ende, schien auch Gräfe mit dem 3:3 gut leben zu können, so dass er die Teams alsbald in den Feierabend entließ.

Natürlich ist es für eine Mannschaft auswärts nicht einfach, das richtige Maß der Zweikampfführung zu finden, wenn ein Schiedsrichter nahezu jeden Fight gegen einen auslegt. Und doch stellte sich der VfB zu naiv an, weil man oft ungestüm in die Zweikämpfe ging oder sich unnötig darin verstricken ließ. Natürlich ist diese Form immer noch besser als in Mönchengladbach, als man Zweikämpfe von vornherein vermied und Gladbach Ball und Gegner laufen lassen konnte.

Da wir unsere Punkte, die noch zum Klassenerhalt fehlen, vorwiegend auswärts holen sollten, gilt es für das nächste Auswärtsspiel bei Darmstadt 98 das gesunde Mittelmaß zwischen Passivität und ungestüm zu finden.

Eines unserer großen Probleme in Ingolstadt war die kaum vorhandene Schaltzentrale im Mittelfeld. Gentner offensichtlich nicht ganz auf der Höhe und auch Serey Dié hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Folge dessen waren zu viele Ballverluste, zu wenig Balleroberungen und dass Ingolstadt schnell die Hoheit im Mittelfeld erlangte.

Daniel Didavi, über auch am Samstag wieder viele schimpften, sah ich nicht einmal so schlecht, zumindest im Vergleich zum Mönchengladbach-Spiel. Er war immerhin noch bemüht, dem VfB-Spiel Struktur zu verleihen, Bälle zu halten und zu verteilen, wenn jedoch die Abnehmer fehlen oder sie sich hinter ihren Gegenspielern verstecken, was will er machen? Er biss sich nach dem Spiel merklich auf die Zunge und ließ sich keine Aussage zum „Unparteiischen“ entlocken, weil das in Zeiten der nicht mehr freien Meinungsäußerung bei der DFL teuer werden könnte.

Der VfB spielte den Schanzern mit seiner laxen Zweikampfführung in die Karten, ist es doch das Spiel der Ingolstädter, über Standards zum Erfolg zu kommen. Der VfB kam über weite Strecken des Spiels mit deren aggressivem Pressing nicht zurecht und verlor Ball um Ball.

Großkreutz zog sich nicht den zunächst kolportierten Muskelfaser- sondern einen Muskelbündelriss zu und fällt voraussichtlich für den Rest der Rückrunde aus. Angesichts der Schwere der Verletzung mutet es fahrlässig an, dass Kramny ihn nicht umgehend vorsorglich ausgewechselt hat, anstatt seinen Ferndiagnosefähigkeiten zu vertrauen und mit aller Macht das Spiel noch drehen zu wollen.

Dieser eine Punkt ist schließlich noch kein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt, der Ausfall von Großkreutz dürfte deutlich schwerer wiegen als ein Punkt weniger auf der Haben-Seite und könnte noch richtig weh tun. Durch seine Mentalität wurde er auf Anhieb zum unverzichtbaren Bestandteil dieser Mannschaft und tut einfach richtig gut.

Der Blick auf die Tabelle ist ein trügerischer. Zwar konnte der VfB den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf acht Punkte ausbauen, jedoch ist im Keller gerade Hoffenheim jederzeit eine Siegesserie zuzutrauen, so dass man die Kraichgauer nicht unbedingt in die Rechenspiele mit einbeziehen kann. Zieht man sie ab, sind es nämlich auf den derzeit 15. Werder Bremen gerade noch fünf Punkte Vorsprung, die in Zeiten der Dreipunkte-Regel schnell aufgebraucht sein können.

Der VfB wird im weiteren Saisonverlauf noch zwei Siege benötigen, um sicher und aus eigener Kraft den Klassenverbleib perfekt zu machen. Die große Chance, einen davon schon am Samstag einzufahren, wurde leichtfertig vergeben, auch wenn man nach dem Spielverlauf mit dem einen Zähler zufrieden sein sollte.

Über die vergebene Chance zu lamentieren bringt uns nicht weiter und dennoch muss das Trainerteam seine Schlüsse aus dem Auftreten ziehen. In Darmstadt erwartet uns ein ähnlich unbequemer Gegner, der mit allen legalen und auch illegalen Mitteln versuchen wird, zum Erfolg zu kommen. Auch die Lilien werden um jeden Zentimeter Rasen kämpfen, bis die Fetzen fliegen, auch in Darmstadt gilt die Maxime, tunlichst Standards in Tornähe zu vermeiden.

Je früher der Deckel auf dem Klassenerhalt drauf ist, desto früher kann Robin Dutt die Planungen für die nächste Saison forcieren und dem einen oder anderen, der heute womöglich überhaupt noch nicht damit rechnet, den blauen Brief überreichen und jungen Nachwuchskräften, in denen man die Zukunft des Vereins sieht, zu Einsatzzeiten verhelfen.

Vor Darmstadt heißt am kommenden Sonntag der nächste Gegner aber zunächst einmal Bayer 04 Leverkusen. Der Werksclub zählt zu unseren Angstgegnern. 22 Siegen stehen in der Bundesliga 32 Niederlagen gegenüber, zuletzt dieses noch immer unfassbare 3:4 nach einer 3:1-Führung. Bayer befindet sich derzeit in einem Negativsog, der durch den gestrigen 1:0-Sieg gegen den HSV ein wenig abgemildert wurde.

Ob die Pillendreher in Stuttgart mit breiter Brust oder wie gebeutelte Hunde anreisen, hängt mit maßgeblich vom Europaleague-Rückspiel am Donnerstag gegen Villareal ab und davon, ob sie die 0:2-Hinspielniederlage drehen können.

Ich gönne ihnen ein 3:0 nach Verlängerung und damit größtmögliche Verausgabung, unter anderem auch deshalb, weil dann der BVB und Bayer vorwiegend Sonntags antreten müssten und für den VfB die Wahrscheinlichkeit weiterer Sonntag-Spiele gering wäre.

Den letzten Sieg gegen Bayer 04 gab es am 17.04.2010, ist also schon ein Weilchen her. Beim Blick auf die damalige Aufstellung tränen einem die Augen. Trainer Christian Gross spielte mit Lehmann, Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro, Träsch, Kuzmanovic, Gebhart, Hilbert, Cacau, Marica. Eingewechselt wurden Khedira, Hleb und Pogrebnjak, die Torschützen hießen Kießling sowie zwei Mal Cacau.

Bayer Leverkusen ist einer der vielen Vereine, die dem VfB seither auf Siebenmeilenstiefeln enteilt sind, müssen es doch heute die Gentners, Niedermeiers und Schwaabs dieser (neuen) VfB-Welt richten. Bange machen gilt trotzdem nicht. Der HSV brachte Bayer gehörig in die Bredouille, so dass dies an einem guten Tag auch dem VfB gelingen sollte.

Für den VfB folgt der nächste Charaktertest. Ohne Kevin Großkreutz, den Florian Klein ersetzen dürfte, muss das Team zeigen, welchen Entwicklungsschritt es seit dem letzten Herbst genommen hat und dass es auch ohne die Kampfsau Großkreutz geht. Klein, der mir in der letzten Saison deutlich besser gefallen hat als in dieser, muss ja auch Eigenwerbung in Sachen Euro-Kader-Nominierung betreiben, so dass ich gedämpft optimistisch bin, dass wir Kevins Ausfall wegstecken werden.

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7. März 2016

Trotzreaktion geglückt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 22:05

Ich bekenne mich schuldig! Ja, auch ich sah den VfB nach dem desaströsen 0:4 in Mönchengladbach und vor allem der Art und Weise wie es zustande kam, in einer rasanten Abwärtsspirale. Es war zwar nach Hannover „erst“ die zweite Niederlage in der Rückrunde, aber dafür eine, die es in sich hatte. Der VfB ließ alles vermissen, war von der Nummer eins bis zur elf grottenschlecht und ließ sich widerstandslos regelrecht abschlachten. Da wir in den letzten Jahren unzählige solcher Auftritte zu durchleiden hatten und diese stets für einen Trend und nicht eine Eintagsfliege standen, konnte man nach dem Mittwoch-Spiel sarkastisch anmerken, „wir haben unseren alten VfB wieder“. Nach einer solchen Vorstellung wird man dann vom VfB mit der quälenden Frage in den Schlaf entlassen, gegen wen man mit solchen Darbietungen denn überhaupt noch punkten wolle.

Die Stimmung unter den Fans, ich merkte es am Samstag vor dem Spiel extrem, gingen diesbezüglich weit auseinander. Die einen rieten, nach gerade mal einem schlechten Spiel, nicht total schwarz zu malen und trauten der Mannschaft eine Trotzreaktion zu. Die zweite Fraktion, zu der ich zu zählen war, erkannte nun mal den „alten“ VfB wieder und befürchtete, dass sich der Trend wieder in die andere Richtung verkehren würde.
Man kennt eben die „Mannschaft“ und hat oft genug schon erlebt, dass nach solch einem Debakel aufeinander eingedroschen wird und sich jeder selbst der Nächste ist, anstatt sich gemeinsam aus dem Schlamassel zu befreien.

Der Stachel der etwas unglücklich zustande gekommenen Heimniederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 schien tiefer zu sitzen, als man angenommen hatte, so dass nach dem Strohfeuer zu Rückrundenbeginn, der „Alltag“ zurückgekehrt schien.

Weiteren Anlass für Nervosität bot ein Blick auf die Tabelle, nach absolvierten zwei Dritteln der englischen Woche. Die unter Nagelsmann wiedererstarkten Hoffenheimer kamen uns schon wieder bedrohlich nah, Werder Bremen, eine ähnliche Wundertüte wie der VfB, gewinnt 4:1 in Leverkusen und lässt damit den Abstand zum Relegationsplatz schrumpfen und auch andere Kellerkinder wie die Überraschungsaufsteiger sammeln ihre Punkte in Eichhörnchen-Manier. Schielte man vor einer Woche schon einmal auf die Europapokal-Plätze war plötzlich die akute Abstiegsgefahr wieder DAS beherrschende Thema.

So war meine Angst groß, dass Hoffenheim, ähnlich wie Mönchengladbach, unserer Abwehr mit ihren schnellen Leuten zusetzen und Katz und Maus mit ihnen spielen könnte, während bei den Unseren die Verunsicherung von Minute zu Minute wachsen könnte.

Hoffenheim hätte uns mit einem Sieg bis auf vier Punkte auf die Pelle rücken können. Nagelsmann, das Greenhorn auf der Dorfclubbank, machte sich am Neckar noch beliebter als er ohnehin schon ist, indem er großspurig ankündigte, den VfB in den Abstiegsstrudel mit hineinziehen zu wollen. Noch so’n Spruch, Kieferbruch, möchte man ihm erwidern, es hätte aber auch genügt, diese Aussage an die eigene Kabinentür zu nageln, um unseren Spielern die Extraportion Motivation zu verleihen. Da derjenige am besten lacht, der zuletzt lacht, kann man jetzt, nach dem Spiel, konstatieren, dass sich Nagelsmann ganz schön verzettelt hat.

Wie lässt es sich erklären, dass der VfB nach einer Demontage in Mönchengladbach gegen das Dorf von der Autobahnraststätte so ein Ding raus haut? Schwer! Vielleicht lässt sich die jetzige wirklich nicht mehr eins zu eins mit den Mannschaften der Vorjahre vergleichen.

In Serey Dié, Kevin Großkreutz und auch Lukas Rupp haben wir inzwischen Typen, denen bewusst ist, dass man Verein und Anhang Vorstellungen wie noch am Mittwoch am Niederrhein nicht in Serie zumuten darf und die vor allem Verantwortung auf dem Platz übernehmen und sich nicht hinter den anderen verstecken. Mit Tytoń anstelle von Ulreich haben wir inzwischen einen Rückhalt im Kasten, der nicht schon beim Einlauf den Eindruck erweckt, die Hosen gestrichen voll zu haben und sich mit Versagensängsten herumzuplagen. Auch nach einem schwächeren Auftritt strahlt er (Selbst-)Sicherheit aus und wirkt wie ein Ruhepol.

Natürlich spielte uns das frühe Tor von Georg Niedermeier, der nach Abpraller von Baumann am schnellsten reagiert hat, gehörig in die Karten. Ich möchte nicht wissen, wie es gelaufen wäre, hätte Hoffenheim das frühe Tor erzielt.

Auf der anderen Seite aber auch lief uns Hoffenheim, ähnlich wie beim 6:2 unter Thomas Schneider vor 2 ½ Jahren, ins offene Messer. Der Hoffenheimer Trainer ist ja noch jung und hat genügend Zeit, seine Erfahrungen zu sammeln, hoffentlich nach dieser Saison zunächst einmal im Unterhaus.

Nach eigenem Selbstverständnis ist die Spielweise der Hoffenheimer eine offensive, der Mauerfußball unter Stevens war sicherlich nicht das, was diese Elf spielen kann, aber, gegen einen spielstarken Gegner wie dem VfB kann dieser Schuss eben nach hinten los gehen.

Noch ein paar solcher Spiele und Nagelsmann könnte nicht nur der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten sein, sondern auch der jüngste, der wieder entlassen wurde. Hochmut kommt schließlich vor dem Fall. Die Naivität, mit der die Hoffenheimer im Neckarstadion antraten, hatte etwas vom Zorniger-Fußball, den wir mittlerweile und glücklicherweise hinter uns gelassen haben. Alle Mann nach vorn und hinten nicht ganz dicht.

Uns sollte es Recht sein. Es entwickelte sich ein Fußballnachmittag nach unserem Geschmack, der jedem VfBler das Herz aufgehen ließ.
Kramny brachte Rupp und Kravets anstelle von Harnik und Werner im Vergleich zum Gladbach-Spiel. Rupp steht ein wenig sinnbildlich für die bisherige Rückrunde aus VfB-Sicht. Bärenstark in die Runde gekommen, gegipfelt von seiner „Ruppinho“-Vorlage für Gentner in Köln oder auch seines Zauberpasses, wieder auf Gentner, in Frankfurt, um dann ab dem Schalke-Spiel zu schwächeln und überspielt zu wirken. Rupp, ablösefrei aus Paderborn gekommen und ein großer Transfer-Coup des Robin Dutt.

Ob er Martin Harnik im Nacken spürte und dadurch um seinen Stammplatz bangte? In Mönchengladbach jedenfalls saß er zunächst draußen und Harnik bekam erstmals 2016 die Chance von Beginn an, die er nicht nutzen konnte. Nervös braucht sich Rupp von Harnik sicher nicht machen zu lassen. Spielt er das was er kann, ist sein Stammplatz unumstritten.

Was Harnik betrifft, mache ich mir mehr und mehr Gedanken, ob seine Rückkehr nach langer Verletzungspause und der eingesetzte Negativtrend in einem Kausalzusammenhang stehen. Nach dem Offenbarungseid am Mittwoch las ich bereits Stimmen, die mutmaßten, die Mannschaft habe gegen Harnik gespielt, was natürlich harter Tobak wäre. Und doch ist dieses Gerücht nicht völlig aus der Luft gegriffen, weiß man doch wie bequem es sich Harnik gerne in der Wohlfühloase macht und dass er stets erst dann zu Hochform aufläuft, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht oder er um einen neuen Vertrag spielt. Letzteres scheint nun auch nicht mehr der Fall zu sein, stehen die Zeichen doch ohnehin längst auf Abschied im Sommer. Und doch scheint in diesem neuen Team kein Platz mehr für einen solchen Ego-Shooter zu sein. Ohne Harnik jedenfalls war der Zusammenhalt auf dem Platz am Samstag ein ganz anderer.

So setzte Kramny, mit Ausnahme der Hereinnahme von Kravets für Werner, auf die exakt gleiche Formation, die schon zu Beginn der Rückrunde für Furore sorgte und uns der gröbsten Abstiegsängste entledigte. An einem Lukas Rupp in der Form von Samstag kommt ohnehin keiner vorbei, Martin Harnik schon gleich gar nicht. Rupp ist ein Kampfschwein mit gutem Raumverhalten und hat zudem noch einen feinen Fuß Wenn man ihn so wie am Samstag spielen sieht, ist es fast ein Wunder, dass nicht schon im Sommer größere Vereine bei ihm angeklopft haben. Rupp war es, der maßgeblichen Anteil am Sieg hatte, leitete er doch das 1:0 ein und besorgte das beruhigende und vorentscheidende 2:0 selbst.

Beim 1:0 zog er nach einer schlecht abgewehrten Ecke von der Strafraumgrenze ab, so dass Baumann nur nach vorne abklatschen konnte. Georg Niedermeier reagierte am schnellsten, machte sich lang und bugsierte das Leder aus kurzer Distanz über die Linie. Es war sein zweiter Saisontreffer in seinem zwölften Saisonspiel, dem er ja auch noch den dritten folgen ließ. Seit Kramnys Amtsantritt durfte er bei jedem Bundesligaspiel ran und zeigt mehr und mehr, dass es einer der großen Fehler Zornigers war, so mit ihm umzuspringen. Ob er die unumstrittene Stammkraft auf Dauer bleiben wird, wird die Zukunft zeigen. Gerade in Phasen, in denen es eine Niederlage nach der anderen hagelte und Sunjic und Baumgartl offensichtlich überfordert waren, hätte Zorniger rückblickend betrachtet, über seinen Schatten springen und JEDEM, also auch dem Schorsch, eine Chance geben müssen. Auch wenn er fußballerisch nicht den Vorstellungen Zornigers entsprach, die Mentalität und Identifikation mit dem Verein, die Niedermeier in die Waagschale zu werfen hat, helfen der Mannschaft derzeit schon weiter.

Mit Niedermeier und seinem Pendant Daniel Schwaab hat sich offensichtlich eine Manndecker-Formation gefunden, auf die man im weiteren Saisonverlauf, ohne größere Bauchschmerzen haben zu müssen, setzen kann. Spannend dürfte es werden, wenn Federico Barba zurück ist. Von ihm möchte man sich ja schon auch noch ein Bild machen, bevor die Kaufoption gezogen wird, was wohl als ziemlich sicher gilt. Und, dann wäre da noch Timo Baumgartl, der sich nach einer Blinddarm-OP zurückkämpft und um den es mir Leid tut, dass er inzwischen komplett außen vor ist.
Es wäre wünschenswert, dass der VfB die für den Klassenerhalt noch nötigen zwei oder drei Siege bald einfährt, damit Dutt Planungssicherheit für die erste Liga hat. Dann hätte man die Chance, Spieler, mit denen man nicht verlängert bzw. nicht mehr verlängern kann, herauszunehmen und denjenigen, auf die man auch in Zukunft setzt, vermehrt Einsatzzeiten zu geben.

Dies hielte ich für sinnvoller als auf Teufel komm raus nach Europa zu schielen, und im Sommer dann eine völlig chaotische Saisonvorbereitung zu haben. Die Bundesliga startet wegen Euro und Olympia erst Ende August, der VfB hätte dann aber bereits im Juli Qualifikationsspiele zu bestreiten, zu einem Zeitpunkt, wo einige Euro-Fahrer noch nicht einmal aus ihrem Urlaub zurückgekehrt sind.

In der Haut von Robin Dutt möchte man indes nicht unbedingt stecken, wenn er einigen Akteuren eröffnen muss, dass sie sich einen neuen Verein suchen sollen.

Beim Niedermeier Schorsch bin ich, wie schon öfter ausgeführt, hin- und hergerissen. Er steht sicherlich nicht für die Zukunft, ist momentan jedoch ein wichtiger Baustein der derzeitigen defensiven Stabilität und hat ein gutes Standing in der Mannschaft, was sich auch am Samstag zeigte, indem sich alle für den Schorsch über seine zwei Tore mitfreuten. Robin Dutt ließ sich am Sonntag bei Sport im Dritten, angesprochen auf die Vertragssituation Niedermeiers, erstmals entlocken, dass die beiden Parteien wohl eine gemeinsame Zukunft hätten, so dass anzunehmen ist, dass die Würfel im Grunde schon gefallen sind. Es wäre nach den Entwicklungen der letzten Wochen eine logische Entscheidung und auch ein Entschuldigungsschreiben der besonderen Art für den Umgang mit ihm in der ersten Saisonhälfte. Solang man ihm keine Stammplatzgarantie in den Vertrag schreibt und er es sportlich und als Ansporn nimmt, sollten andere besser und gesetzt sein, kann ich damit gut leben.

Auch Schwaab gab am Samstag mal wieder Rätsel auf. Fußballerisch meist sehr limitiert, mit dem Hang die eigenen Fans zu kritisieren, um dann doch hin und wieder einen tadellosen Auftritt wie am Samstag hinzulegen und gar als Tor-Vorbereiter zu glänzen. Kramny hatte zweifellos ein glückliches Händchen, von Beginn seiner Amtszeit an auf Niedermeier/ Schwaab zu setzen, was für mich den positiven Nebeneffekt hat, dass Schwaab als rechter Verteidiger kein Thema ist. Auch Schwaabs Vertrag läuft aus, nach wie vor mit der Tendenz, dass er nicht verlängert wird und das wird sich hoffentlich auch nicht mehr ins Gegenteil verändern.

Weitere Garanten des enorm starken Auftritts gegen die Kraichgauer waren zum einen Serey Dié und zum anderen Daniel Didavi. Dida, zuletzt in Mönchengladbach noch total abgetaucht und mit einer fatalen Körpersprache, zeigte am Samstag dann eines jener Spiele, die einem beim Gedanken an seinen möglichen Abschied die Tränen in die Augen schießen lassen. Er war Dreh- und Angelpunkt im VfB-Spiel und der Taktgeber, wie man ihn sich wünscht. Beim 2:0 ließ er mit viel Übersicht auf Kravets und dieser dann eher unfreiwillig auf Rupp durch. Einzig die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ging Didavi ab, was jedoch zu verschmerzen ist, wenn die Kollegen fünf Mal treffen.

Bärenstark einmal mehr auch Filip Kostic, der seine Leistung mit tollem Solo und Tor zum 4:1 krönte. Der Schlusspunkt war dann Timo Werner vorbehalten, der sich einen Tag vor seinem 20. Geburtstag selbst beschenkte. Dieses Tor war sinnbildlich für die Floskel „wenn es läuft, dann läuft’s“. Eigentlich nahm er die Hereingabe von Schwaab unsauber direkt ab, und doch sprang die Kugel vom Innenpfosten ins Tor und nicht heraus und auch nicht in die Arme von Baumann. Werner war kurz davor für Kravets gekommen, der eine durchwachsene Partie hinlegte und vor dem Tor ähnliche Abschlussschwächen offenbarte wie normalerweise Timo Werner.

Da nach dieser geschlossenen Mannschaftsleistung keiner zu kurz kommen darf, sei noch erwähnt, dass sich Insúa gegenüber Gladbach stark verbessert präsentierte und ein super Spiel machte, Großkreutz gewohnt souverän seine Seite beackerte und Gentner, der zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste, leistungsmäßig auch nicht abfiel.

Von zu Tode betrübt nach himmelhochjauchzend binnen weniger Tage, eine solche Gefühlsexplosion bekommt man wohl nur im Fußball geboten. Seit dem Schlusspfiff am Samstag kann ich mich an der Tabelle kaum satt sehen. Der VfB hat sich in eine komfortable Situation gebracht und dürfte mit zwei weiteren Siegen endgültig gerettet sein. Zwei Siege aus neun Spielen, klingt machbar, ist machbar.

Allerdings sind diese auf dem Papier leichter auswärts als zu Hause zu erringen. Zu Hause geht es zunächst gegen Angstgegner Leverkusen, dann gegen die Bayern, dann gegen Dortmund ehe mit Mainz am vorletzten Spieltag eine lösbarere Aufgabe ansteht, während wir es auswärts ausschließlich mit Teams aus der zweiten Tabellenhälfte zu tun bekommen, die da heißen Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen bevor es zum Saisonabschluss nach Wolfsburg geht.

Der VfB tut gut daran, das Restprogramm nicht zu unterschätzen und vor allem nach dem Sieg gegen Hoffenheim nicht zu glauben, schon irgendetwas erreicht zu haben. Weiterhin von Spiel zu Spiel denken und jede Aufgabe seriös angehen, dann ist mir vor den nächsten Spielen nicht bange.

Bereits nächsten Samstag, bei unserem ersten Spiel in Ingolstadt überhaupt, muss erneut alles in den Ring geworfen werden, um nicht mit leeren Händen heimzufahren. Die Audi-Städter spielen eine bemerkenswerte Runde und scheinen mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben.
Ihnen wird nachgesagt, den Zorniger-Style in Perfektion zu spielen, besser also, als ihn der VfB auf die Matte bekam. Stets gut eingestellt vom sympathischen Coach Ralph Hasenhüttl jagen die Ingolstädter ihre Gegenspieler mit enormer Laufleistung förmlich über den Platz und sind unangenehm zu bespielen, man erinnere sich nur an den Zittersieg aus der Vorrunde.

Der Hamburger Lewis Holtby warf ihnen kürzlich vor, eine unfaire und ekelhafte Mannschaft zu sein, was sich an den Statistiken aber nicht ablesen lässt. Das sagt man eben dann, wenn man kein Mittel gegen die Spielweise der Ingolstädter gefunden hatte.
Ich bin zuversichtlich, dass Kramny die Jungs gut darauf einstellen wird, was sie im Audi-Sportpark erwartet. Mit Schönspielerei dürfte dort kein Blumentopf zu gewinnen sein, es zählen andere Tugenden. Kampf, Einsatz, Leidenschaft, Wille und der Ehrgeiz, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen und keinen Ball kampflos abzugeben. Es dürfte uns ein gnadenloser Abnutzungskampf erwarten und je länger das Spiel auf des Messers Schneide steht, dürfte es so richtig unangenehm werden.

Ingolstadt hat die letzten vier Heimspiele nicht verloren und drei davon gewonnen. Daher werden die Oberbayern mit breiter Brust antreten und versuchen ihr Spiel durchzudrücken. Der VfB muss von Anfang an dagegen halten und ein Gegner sein, der den Ingolstädtern kämpferisch in nichts nach steht und am Ende seine größere individuelle Klasse ausgespielt hat.

Da wir nun innerhalb weniger Tage die zwei möglichen Gesichter des VfB erlebt haben, stellt Ingolstadt nun eine echte Reifeprüfung dar. Wie weit sind wir bereits? Berauscht man sich noch am Spiel gegen Hoffenheim oder ist das Spiel abgehakt und der Fokus liegt voll und ganz auf dem nächsten Schritt in Richtung Klassenerhalt?

Eine Prognose darüber wage ich lieber nicht, lag ich doch zuletzt zum Glück weit daneben.

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23. Februar 2016

Und schon wieder nicht verloren, VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:30

Dass es bei der Terminierung des Spiels in der Arena auf Schalke auf einen Sonntag hinauslaufen würde, war wegen der Europaleague-Teilnahme der Schalker klar. Dass es aber gerade ein Abendspiel um 17.30 Uhr sein musste und das Aufeinandertreffen von Leverkusen und Borussia Dortmund um 15.30 Uhr stattfand, obwohl die beiden Stadien gerade einmal 80 Kilometer auseinander liegen, verdeutlicht einmal mehr, dass den Planern die Fanbelange am Hintern vorbeigehen und die TV-Quote wichtiger ist.

So war es vorprogrammiert, dass der Trip nur mit Urlaub zu bewältigen war oder man montags in Schule und Geschäft entsprechend kleine Augen haben würde. Dennoch wurden die Schwaben von etwa 2.500 Anhängern begleitet, eine stattliche Zahl in Anbetracht der Anstoßzeit.

Ich fuhr mit den Jungs und Mädels vom RWS Berkheim mit. Unsere Kutscher entschieden sich für die untypische Route über die Sauerlandlinie, anstatt der A3 zu folgen, weil sie der Auffassung waren, diese wäre verkehrsgünstiger und nur unwesentlich weiter.

So weit, so gut. Als wir aber dann aber, kurz nach Witten, die Autobahn verließen und uns im Stadtverkehr (Sonntags zum Glück nicht so von Belang) von Bochum, Herne und was ich noch was für verwegenen Flecken wiederfanden, kam uns die Sache dann doch spanisch vor.

Ein Navi ist ja schön und gut, sofern man den Anweisungen auch folgt. Das taten unsere etwas betagteren Busfahrer jedoch nicht, so dass wir uns ein ums andere Mal verfranzten und vor jeder Abzweigung das Lotteriespiel folgte, in welche Richtung wir denn fahren sollten.

Ich saß direkt hinter dem Fahrer und hatte das Navi stets im Blick, so dass ich mich schon allein darüber wunderte, weshalb die Rest-Entfernung zwischenzeitlich wieder anstieg und ich mich fragte, ob unser Kutscher wohl auch die richtige Zieladresse eingegeben hatte. Als wir dann auch noch am Bochumer Rewir-Power-Stadion vorbei fuhren, wurden Erinnerungen an unsere Hoffenheim-Fahrt vor ein paar Jahren wach, als wir plötzlich in der Ortsmitte von Hoffenheim standen, weil der damalige (vielleicht war es ja derselbe) Fahrer anstatt des Betonklotzes an der Autobahnraststätte das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim eingegeben hatte.

So war die Erleichterung groß, als die Arena erstmals angeschrieben und kurze Zeit später auch der Weg zum Gästebusparkplatz beschildert war, so dass sich diese Tort(o)ur dem Ende zuneigte.

Ironie des Schicksals war dann doch tatsächlich, dass wir mit der „gewählten“ Route wohl alles richtig gemacht hatten, da lediglich jene Busse schon angekommen waren, die eine ähnliche Route wie wir wählten und die wir zuvor schon auf einem Rastplatz getroffen hatten, alle anderen standen in einem Mega-Stau auf dem Weg zum Stadion und trudelten erst gut 45 Minuten später ein.

Zunächst wollte ich noch auf Freunde warten, verwarf dieses Vorhaben dann aber, als es gerade noch eine Stunde bis zum Anpfiff war. An einer Gabelung trennen sich dann die Wege derer, die zum Gästestehblock müssen und jener, die einen Sitzplatz hatten.

Am VfB-Fan-Mobil, das direkt vor der Gazprom-Tribüne seinen Platz gefunden hatte, traf ich dann noch einige Bekannte und entschloss mich spontan ein Bier mitzutrinken. Dabei schwelgten wir in der Vergangenheit und waren uns einig darüber, dass zu Parkstadion-Zeiten das VfB-Fan-Mobil, inmitten des Schalker Fanbereichs, wohl schneller gebrannt hätte, als man hätte gucken können.

Wie überall, wo moderne Arenen aus dem Boden gestampft werden, ging dies auch auf Schalke nicht ohne eine einschneidende Verteuerung der Eintrittskarten einher. Dadurch verschwanden viele der Kuttenträger, die sich die Preise nicht mehr leisten konnten oder die Arena nicht als ihre neue Heimat angenommen haben und die Event-Fans eroberten Schalke. Wurde man als Gästefan früher vom Oberrang aus mit Bierdosen beworfen und am Vorbeigehen von Rentnern bespuckt, geht es dort mittlerweile weitaus gesitteter zu, so dass weder das Fan-Mobil noch der weiß-rot gekleidete Fan Größeres zu befürchten haben musste.

Trotz langer Warteschlangen vor den Eingangskontrollen war ich im Nu drin, schnell noch die Knappenkarte aufgeladen, ein Bier geholt und schon ging es hinein in die Turnhalle, deren Dach erwartungsgemäß geschlossen war, war die Witterung doch ziemlich fies. Böiger Wind und Nieselregen, da macht der Schalker unseren Volkssport Nummer 1 eben im Handumdrehen zur Indoor-Veranstaltung.

Dass von den VfB-Fans eine Choreographie geplant war, sah man sofort. Zu meiner Freude, war der teuerste Block aus dem VfB-Kontingent bei weitem nicht ausverkauft, so dass fast freie Platzwahl herrschte. Der auf meiner Karte aufgedruckte Platz befand sich nämlich direkt an der Glasscheibe zum Gästeblock, so dass ich von dort aus überhaupt kein Bild unseres Anhangs hätte schießen können. Die Choreo betraf einmal mehr das Bekenntnis der Fanszene zum eingetragenen Verein und dem Willen, diesen Status auch über den Sommer hinaus beizubehalten.
Der VfB trat auf Schalke erwartungsgemäß wieder mit Didavi, der am Spieltag seinen 26. Geburtstag feierte, anstelle von Maxim an und ansonsten mit derselben Aufstellung wie bereits in den bisherigen Rückrundenspielen. Dass ein Geheimnis der zuletzt an den Tag gelegten Stabilität die Kontinuität in den Aufstellungen ist, sah man beim Pokalspiel gegen den BVB, als Kramny davon abrückte.

Auch wenn es in der zweiten Reihe mittlerweile durchaus Härtefälle gibt, hat Kramny keinen Grund, an dieser so erfolgreichen Mannschaftszusammenstellung zu rütteln. Auf der einen Seite ist es zwar verwunderlich, dass ausgerechnet diejenigen, die Kramny noch von den Amateuren am besten kannte, nun unter ihm überhaupt keine Rolle mehr spielen. Andererseits aber sah man allzu oft, dass der eine oder andere Youngster noch zu grün hinter den Ohren und vor allem dem großen Druck im Abstiegskampf nicht gewachsen ist. Nach dem Wild-West-Fußball der Zorniger-Ära setzt Kramny nun in erster Linie auf Stabilität und das Erreichen der kurzfristigen Ziele, anstatt das Team perspektivisch aufzustellen und Gefahr zu laufen, im Abstiegsstrudel unterzugehen.

Den neuen Teamgeist unterstrich die Mannschaft beim Einlauf dadurch, dass sie unisono in Einlaufjacken mit der Nummer 33 aufs Feld lief und somit ein weiteres Signal in Richtung Daniel Ginczek sandte, dass die Mannschaft in Gedanken bei ihm und seiner schweren Verletzung ist.

Der VfB startete selbstbewusst ins Spiel und hätte bereits nach sechs Minuten durch Gentner in Führung gehen können, wenn Fährmann, der Held des Hinspiels, nicht so stark pariert hätte. Auch Timo Werner, der insgesamt wieder einen starken Auftritt hinlegte, jedoch an seiner Abschlussschwäche dringend arbeiten muss, hätte unsere Farben in Führung bringen können.

Stattdessen erlaubte sich unsere Abwehr einen folgenschweren und kollektiven Blackout bei Belahandas Kopfballtor aus 15 Metern Torentfernung. Danach war der VfB erst einmal geschockt und sichtlich um Ordnung bemüht, während die Schalker mehr Spielanteile hatten, ohne jedoch zu hochkarätigen Chancen zu kommen. Tauchten sie dann doch mal vor dem VfB-Tor auf, war spätestens bei Tytoń Endstation, der erneut seine gute Form unter Beweis stellte und nicht nur nach Kräften die Bälle hielt, sondern auch immer wieder versuchte, das Spiel schnell zu machen.

Je näher das Spiel dem Halbzeitpfiff entgegensteuerte, desto mehr übernahmen die Gäste vom VfB das Kommando und drängten nun auf den Ausgleich, ließen jedoch noch die Passgenauigkeit im letzten Drittel vermissen.

Nach der Pause entwickelte sich phasenweise ein offener Schlagaustausch mit Chancen auf beiden Seiten. Die zuletzt so starken Rupp, Kostic und Geburtstagskind Didavi fielen in dieser Partie leistungsmäßig eher ab, was jedoch in einer homogener gewordenen Mannschaft von den Teamkollegen aufgefangen werden konnte.

War es bis in den Dezember hinein noch an der Tagesordnung, dass sich der eine auf den anderen verließ und jeder schon froh war, wenn man scheinbar ein Alibi vorzuweisen und der Nebenmann die Rolle des Sündenbocks innehatte, reißt man jetzt seine Mitspieler mit und springt für sie in die Bresche. Auf Schalke stach vor allem unsere Zentrale um Christian Gentner und Serey Dié hervor, die viele Bälle abfingen und eigene Angriffe ankurbelten. Auch Insúa zeigte sich stark verbessert, leider in Kombination mit einer schwächeren Partei von Filip Kostic. Haben beide gemeinsam einen Sahnetag, gibt es auf der linken Seite kaum ein besseres Pärchen in der Bundesliga.

Daniel Didavi, dem ich es gewünscht hätte, nach abgesessener Sperre und an seinem Geburtstag zum Matchwinner zu avancieren, fiel leider in erster Linie durch seine fünfte gelbe Karte auf, die ihn gegen Hannover 96 gleich noch einmal zum Pausieren zwingt.

Kramny zog seine Schlüsse aus Frankfurt und nahm seinen Spielmacher dieses Mal rechtzeitig runter. Bereits gelbverwarnt kam er rüde angerauscht, hat den Gegenspieler aber zum Glück nicht richtig getroffen. Ich schlug bei dieser Situation schon die Hände über dem Kopf zusammen, Kramny sah es ähnlich und tauschte Dida umgehend gegen Alexandru Maxim aus.

Binnen weniger Minuten kamen dann auch noch Kravets für Timo Werner und Martin Harnik für Serey Dié, was eindeutig als Zeichen zu werten war, dass man mit aller Macht noch etwas mitnehmen wollte.

Hier gefällt mir Jürgen Kramny bisher sehr gut. Seine Wechsel machen durchweg Sinn und vor allem wechselt er so rechtzeitig, um den Reservisten die Gelegenheit zu geben, noch etwas zu bewegen und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Vor allem Maxim merkte man an, dass er sich etwas vorgenommen hatte. Zunächst scheiterte er mit einem Seitfallzieher knapp, kurz darauf köpfte Gentner eine Maxim-Ecke aufs lange Eck, Fährmann konnte nur abklatschen und Martin Harnik staubte aus kürzester Entfernung zum vielumjubelten und vor allem hochverdienten Ausgleich ab. Unser einziges Tor an diesem Abend bekam ich zu meinem Leidwesen „nur“ am Bierstand mit, als mir gerade ein kühles Blondes kredenzt wurde und ich das „Scheiße“ des Mannes hinter dem Tresen mit einem lauten „Yeahhhhhh“ erwiderte und ihm die Faust entgegen ballte.

Auf den Bildschirmen im Innenraum sah ich nicht nur das Tor in der Wiederholung, ich sah auch, dass der Torschütze dieses Mal auf seinen sonst zur Schau getragenen T(h)or-Jubel verzichtete, und stattdessen mit je drei Fingern die 33 Ginczeks symbolisierte, ein feiner Zug des Österreichers, der sich nach seiner Verletzung selbst hintenanstellen muss und dies wegen der Erfolge des Teams auch einsieht und die Aufstellungen des Trainers somit mitträgt. Dieses Tor wird ihm gut tun und weiter Auftrieb geben, schon nach seiner Einwechslung gegen Hertha gefiel er mir gut.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ließ sich der VfB nach dem Ausgleich nicht wieder zurückfallen und verfiel in Selbstzufriedenheit, im Gegenteil, das Team drängte nun auf die durchaus verdiente Führung. Schalke wurde immer müder, schließlich hatten sie das EL-Spiel in der Ukraine samt Reisestrapazen in den Knochen, der VfB versuchte den Vorteil der Ausgeruhtheit nun auszuspielen und Kapital daraus zu schlagen. Chancen waren vorhanden, einen Elfmeter hätten wir auch wieder bekommen können, doch, am Ende stand das 1:1, insgesamt leistungsgerecht, wenn man beide Halbzeiten zur Beurteilung heranzieht.

Nach zuvor fünf Siegen in Folge stellte man sich nun, nach einem Remis auf Schalke, durch das die Siegesserie gerissen ist, tatsächlich die Frage, ob es ein gewonnener oder ob es ein verlorener Punkt war.

Ich war schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit dem Punkt zufrieden. Vor dem Spiel hätte ich für diesen blind unterschrieben, noch zu präsent waren die Erinnerungen an die Vorsaison und den gefühlten Abstieg an gleicher Stätte. Noch ordne ich uns als ein Team ein, dessen vorrangiges Ziel ist, nicht abzusteigen, so dass ein Punkt bei einem Championsleague-Aspiranten einen Bonuspunkt darstellt, den man nicht unbedingt auf der Rechnung haben musste. Wir haben jetzt nacheinander gegen zwei Teams des oberen Tabellendrittels vier Punkte geholt und keines der Duelle verloren hat. Alle Achtung, darauf kann das Team stolz sein!

Behält man diese Spielfreude, die Leistungsbereitschaft, das Selbstvertrauen, den Teamgeist und die eingekehrte Selbstverständlichkeit bei, muss einem vor den nächsten Spielen nicht bange sein. Der VfB stellt nach wie vor die beste Rückrundenmannschaft und hat nun am Samstag gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 die große Chance seine Serie auszubauen.

Dass dies kein Selbstläufer wird, konnte man letzte Woche beobachten, als die 96er denkbar knapp im Westfalenstadion dem BVB mit 0:1 unterlagen. Doch Vorsicht, Hannover ist vielleicht das schwerste Spiel der letzten Wochen. Die 96er reisen mit der Negativserie von acht Niederlagen in Folge an, Neu-Trainer Schaaf holte mit seiner Mannschaft noch keinen einzigen Punkt. Der VfB tut gut daran, das Spiel mit der gleichen Seriosität anzugehen wie die vorherigen Aufgaben und darf die 96er auf keinen Fall unterschätzen, und dem Ruf des Aufbaugegners neue Nahrung geben. Vorsicht also!

Kramny kam es auf Schalke durchaus gelegen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt und noch einige Dinge verbesserungswürdig sind. Vor allem darf die Mannschaft nicht zu ihrer früheren Denke zurückkehren, dass es nun von ganz alleine läuft. In der ersten Halbzeit auf Schalke sahen Körpersprache und Spielanlage zu selbstgefällig aus, so dass Kramny gut daran tut, rechtzeitig dazwischen zu grätschen. Wehret den Anfängen! Positiv festzuhalten ist aber, dass Kramnys Halbzeitansprache gefruchtet hat und sich das Team selbst aus diesem Sog herausgezogen hat.
Daniel Didavi wird dem Team gegen Hannover 96 also erneut fehlen. Dass er sich tatsächlich auf Abschieds-Tournee befinden soll, an diesen Gedanken kann und will ich mich nicht gewöhnen. Zu sehr mag ich ihn als Typen und als technisch beschlagenen Spieler, als dass ich ihn abschreiben würde, bevor sein Abgang offiziell verkündet wurde.

Im Grunde seines Herzens möchte er doch auch überhaupt nicht weg, ihn quält wohl lediglich sein inneres Ich, das sich fragt, ob er in zehn Jahren auf eine Karriere kontinuierlichen Abstiegskampfes zurückblicken möchte oder ob er es nicht wenigstens versucht haben sollte, sich bspw. in Leverkusen oder Wolfsburg durchzusetzen, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, Jahr für Jahr Championsleague zu spielen als beim VfB.
Dass sich Didavi nicht schon längst gegen den VfB entschieden hat, liegt am Spaßfußball, den die Mannschaft zu zelebrieren imstande ist und daran, welche Schlüsselrolle er bei diesem einnimmt. Immer wieder blitzt es auf, das Potential dieser Truppe. So zum Ende der letzten Saison, so über weite Strecken der Vorrunde, als man zwar in aller Munde war, aber die Ergebnisse nicht eingefahren wurden oder auch im Moment, wo man, bis auf die Bayern und den BVB, scheinbar jeden Gegner dominieren und auch besiegen kann.

Finanziell kann der VfB natürlich mit Werksclubs wie Wolfsburg und Leverkusen nicht mithalten, und dennoch darf der VfB sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Er hat Didavi andere Argumente, wie z. B. eine offensive Spielphilosophie, ein großes Stadion, begeisterungsfähige Fans und nicht zuletzt „Heimat“ zu bieten.

Das alles sind jedoch „weiche“ Beweggründe, die einen Spieler wie Didavi noch zum Bleiben bewegen könnten. Dafür dass diese letztlich den Ausschlag geben, muss sich der Verein strecken und alles daran setzen, Fixpfeiler der Mannschaft zu halten, auch wenn von besser betuchten Vereinen unmoralische Angebote ins Haus flattern sollten.

Fällt das Gerippe auseinander, stehen wir im Sommer erneut vor einem Übergangsjahr und drehen uns ewig weiter im Kreis. Deshalb verteufele ich Didavi auch nicht oder werfe ihm gar Undankbarkeit vor, wie es viele Fans tun, sondern kann seine Gedankengänge ganz gut nachvollziehen.
Eine Fußballerkarriere ist eben endlich, bei ihm ganz besonders, der momentan das bisher so selten erlebte Glücksgefühl hat, über einen längeren Zeitraum hinweg schmerzfrei zu sein und das tun zu dürfen, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß macht, Fußball zu spielen.
Wie bereits schon öfter von mir thematisiert, darf man die causa Didavi auch nicht nur einseitig sehen. Der VfB hat sich im Umgang mit ihm rund um seine Leihe zum Club auch nicht mit Ruhm bekleckert und in der Rückrunde der letzten Saison die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung versäumt. Noch ist es offensichtlich nicht zu spät für Spieler und Verein, sich aufeinander zuzubewegen, machen, bitte!

Für Didavi dürfte gegen Hannover Alexandru Maxim in die Startelf rücken. Ich wünsche es ihm, dass er Eigenwerbung betreiben kann und endlich auch einmal glänzt, wenn er beim Anpfiff auf dem Platz steht. Er befindet sich in zweierlei Maße in einem Dilemma. Zum einen kommt er an einem fitten Didavi nicht vorbei und zum anderen machte er seine besten Spiele für uns meist als Einwechselspieler. Er steht sinnbildlich für den neuen Teamgeist, da er seine Rolle als Reservist scheinbar klaglos annimmt und, wenn er denn eingewechselt wird, gleich auf Betriebstemperatur und voll da ist. In Bezug auf die zweite Garde scheint Kramny ein besonderes Händchen zu haben, sie bei Laune zu halten und jedem Einzelnen zu vermitteln, dass sie wichtiger Bestandteil des großen Ganzen sind. Schafft Kramny es, auch bei den Leuten, die momentan hintenanstehen, die Stimmung und die Spannung hochzuhalten, ist schon sehr viel gewonnen, was die Beibehaltung des derzeit guten Teamgeists angeht.

In dieser Hinsicht scheint Robin Dutt Wort zu halten und Spieler, bevor man sie verpflichtet, auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten und ihre Teamfähigkeit hin zu hinterfragen. Leute wie Serey Dié, Lukas Rupp, Emiliano Insúa und auch Kevin Großkreutz brachten einen neuen Geist in die Truppe. Da Kramny offensichtlich mehr Wert auf einen guten Teamgeist legt als es Zorniger getan hatte, war Belek Gold wert. Seither sind die Jungs in ihrem Miteinander kaum wiederzuerkennen.

Großkreutz goss ja bereits vor dem Aufeinandertreffen mit seinen speziellen „Freunden“ aus Herne-West Öl ins Feuer, als er von einer in Vorbereitung befindlichen Choreo des Schalker Anhangs ein Bild postete und den Schalkern mit auf den Weg gab, diese beim Spiel jetzt nicht mehr präsentieren zu müssen. Während des Spiels wurde er dann bei jedem Ballkontakt beleidigt und ausgepfiffen, was seiner Leistung glücklicherweise keinen Abbruch tat. Er verrichtete gewohnt solide seinen Job.

Großkreutz‘ Konter folgte auf dem Fuße via Instagram, indem er diejenigen, die ihn ausgepfiffen hatten, dazu einlud, das „Großkreutz-Museum“ besichtigen zu dürfen, um wenigstens einmal Tuchfühlung zur Meisterschale zu haben.

Die einen mögen urteilen, dass Schweigen manchmal eben doch Gold sei, ich fand den Konter großartig, zumal diese Nebenkriegsschauplätze seinen Leistungen auf dem Platz offensichtlich nicht schaden. Es ist doch gut zu wissen, einen echten Typen in unserer Mannschaft zu haben, der sich nicht alles gefallen lässt und der auch für die Medien interessant ist und das Geschreibsel über ihn auch aushält. Sind wir in den letzten Jahren nach und nach zur grauen Maus mutiert, haben wir nun endlich wieder einen echten Typen in unseren Reihen, für mich wieder der erste seit Jens Lehmann.
Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun bekommen, es sei denn, es käme noch ein totaler Einbruch. Hoffenheim wird wohl leider erneut dem Abstieg von der Schippe springen, da sie es unter dem Trainer-Greenhorn Nagelsmann zu schaffen scheinen, ihre Qualität auf den Platz zu bringen, aber, es gibt ja auch noch einige andere Teams in der Verlosung, die den Abstieg unter sich ausmachen können. Der VfB hat 28 Punkte auf seinem Konto, in den beiden letzten Jahren standen wir zum gleichen Zeitpunkt mit 19 bzw. 18 Punkten da und hatten bei weitem nicht so viele positive Ansatzpunkte wie jetzt.

Für unser Nervenkostüm wäre es wünschenswert, den Klassenerhalt schnellstmöglich klarzumachen. Einen Tag wie den 23. Mai letzten Jahres in Paderborn möchte wohl keiner mehr unbedingt miterleben. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, von zu Tode betrübt zu himmelhochjauchzend, um in der letzten Minute doch noch fast des Klassenerhalts beraubt worden zu sein. Rückblickend war es zwar ein geiler Tag, vor allem, wenn man an die ekstatischen Ausbrüche unmittelbar nach dem Schlusspfiff zurückdenkt, bei höherer Dosis, also jährlicher Wiederholung, dürften diese Gefühlsexplosionen aber wohl keinem Organismus wirklich gut tun!

Daher wäre es schön, der VfB tut uns einfach den Gefallen und beseitigt die letzten Zweifel bereits in den nächsten Spielen. Drei Siege gegen Hannover 96, Hoffenheim und in Ingolstadt würden vermutlich schon genügen, um aller Sorgen entledigt zu sein.
Doch, was dann? Wenn ich offen darüber schwadroniere, für den Fall der Europacup-Qualifikation Urlaubstage aufzusparen, werde ich angegangen, wir sollten doch wissen, wo wir her kämen, dass ich nicht zu spinnen anfangen solle und dass wir doch alle schon zufrieden sein müssten, am Ende nicht in der allerengsten Abstiegsverlosung dabei zu sein.

Paradox mutet dann an, dass ich dem Gegenüber in allen Punkten Recht geben muss. Ich verlange ja auch gar keinen Europacup-Platz, er kann aber durchaus „passieren“. Hat man in der Bundesliga frühzeitig mit dem Abstieg nichts zu tun, ist man automatisch Europacup-Anwärter, ob man will oder nicht. Und, sollte in den letzten Spielen die Möglichkeit noch immer gegeben sein, wäre man blöd, man würde nicht alles in die Waagschale werfen, um zuzugreifen.

Der VfB steht derzeit acht Punkte vor dem Relegationsplatz, aber „nur“ sechs Zähler hinter Schalke 04 auf Platz 6. Als beste Rückrundenmannschaft mit der logischerweise besten Formkurve aller Teams kann das Ziel doch nur sein, die Serie auszubauen und von Spiel zu Spiel zu denken. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.

Die Fahrt in den Pott hat sich, wie fast immer, wenn man dem Brustring hinterher reist, gelohnt. Auf der Rückfahrt nahmen wir dann die gewöhnliche Route. Als wir endlich den Stadionstau hinter uns ließen und rollten, verlief die Fahrt ohne größere Zwischenfälle, so dass ich um 2.30 Uhr im Bett lag. Etwas unchristlich zwar wenn der Wecker bereits um 7 Uhr wieder schellt, aber, siehe oben, der Optimist spart sich seine Urlaubstage und baut vor.

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