5. Juli 2010

Auf dem Weg zum 4. WM-Titel

Das beste Deutschland aller Zeiten?!

Die größten DFB-Teams hatten immer jeweils ein herausragendes Merkmal. Das aktuelle nicht. Sein Erfolg hat viele Facetten. Ist es jetzt schon besser als Beckenbauer und Co.? Wenn man derzeit über die deutsche Nationalmannschaft nachzudenken beginnt, wird man schnell stutzig und auch ein bisschen verwirrt. Wenn sich der Nebel dann allmählich lichtet und man die beiden letzten Meisterwerke und überhaupt das gesamte WM-Turnier Revue passieren lässt, dann hat man plötzlich sie im Sinn: Gerd Müller und Günter Netzer. Wie sie sich durch die Schweizer Abwehr brillieren, Hacke Müller, Spannstoß Netzer, Tor. Das schönste des Jahres 1972. Es war jenes magische Jahr, das aus den frisch gekürten Europameistern die Mannschaft des Jahrhunderts machte.

Mit Maier, Beckenbauer, Breitner, Overath, Netzer, Müller. Und die zwei Jahre später auch Weltmeister werden sollte. Den schönsten und nebenbei auch erfolgreichsten Fußball aller Zeiten hat Deutschland mit dieser Mannschaft gespielt. Gleichzeitig Welt- und Europameister war eine DFB-Auswahl seither nie mehr. Aber jetzt gibt es tatsächlich eine Gruppe, die der Mystik der 70er-Helden ihren Geist austreiben kann. Oder vielleicht schon ausgetrieben hat. Denn noch nie wurde Deutschland außerhalb seiner Grenzen so viel Respekt und Beifall entgegengebracht. Für das Spektakel waren bisher fast immer andere zuständig, Deutschland beschränkte sich zumeist auf den Gewinn der Titel. Jetzt entbrennt eine hitzige Diskussion, ob diese neue deutsche Nationalmannschaft tatsächlich schon besser sein kann als ihre erfolgreichen Vorgänger, zu denen sicherlich auch die Mannschaften von 1990 und 1996 zu zählen sind. Jede dieser Mannschaften hatte eine besonders herausstechende Eigenschaft. Das Team um Beckenbauer war die spielerisch beste bis zur laufenden WM, die 90er Weltmeister um Lothar Matthäus hatten die größte Dynamik, Berti Vogts’ Europameister die größte Willensstärke. Aber selbst in diesen Paradedisziplinen kann ihnen Joachim Löws Truppe zumindest das Wasser reichen.

Das neue System:

Die Mannschaft hat eine feste Spielidee. Angriff als erste Option, ohne dabei aber die Grundlagen in der Defensivarbeit zu vergessen. Löw hat sich seit zwei Jahren seinen Stamm von Spielern ausgesucht, die nicht unbedingt die Besten der letzten Saison waren, sondern am besten in das Kollektiv und auf den für sie vorgesehenen Platz passen. Dafür gab es reichlich Kritik, selbst von Trainerkollegen aus der Liga, die ja eigentlich wissen sollten, dass Form jederzeit Klasse schlagen kann – sofern ein durchdachter Plan dahinter steckt. Vor zwei Jahren war das 4-4-2 mit Doppel-Sechs das bevorzugte Spielsystem. Über das 4-5-1 ging es fließend in das derzeitige 4-2-3-1 über, das deutlich offensiver ausgerichtet ist. Das ursprüngliche System bleibt als Schablone zurück, die man jederzeit falls nötig über die Mannschaft stülpen könnte. “Eine Rückkehr zum 4-4-2 ist immer eine Option”, sagt Löw. Auch wenn er vom erfolgreichen System derzeit bei der WM wohl ziemlich sicher nicht mehr abrücken wird. Deutschland ist flexibel, kann auf den anstehenden Gegner reagieren und auf bestimmte Spielsituationen.

Das Offensivspiel:

Seit Jürgen Klinsmann pflegt Deutschland einen anderen Stil. Allerdings war das Klinsmann-Credo noch sehr auf überfallartiges Attackieren ausgelegt – so sehr, dass ihn seine eigenen Spieler einige Male zügeln mussten, nicht zu naiv-offensiv in ein Spiel zu gehen. Löw hat schon damals die Hauptarbeit im Hintergrund gemacht und die Dinge im Laufe seiner vierjährigen Amtszeit verfeinert. Vor allem die letzten Monate waren von ganz entscheidender Bedeutung. Deutschland spielt einen präzisen, ausgeklügelten Ball. Ohne große Hektik, dafür mit jeder Menge Variationen und Kreativität. “Fußball ist ein Kopfspiel”, sagt Bayern-Trainer Louis van Gaal. Vom Niederländer scheint sich Löw in der Erschaffung und Umsetzung seiner Idee jede Menge abgeschaut zu haben. In fünf WM-Spielen hat die DFB-Elf jetzt 13 Tore erzielt, dreimal dabei vier in einem Spiel. Lediglich die Mannschaft der 70er Jahre kann der Offensivpower der heutigen Mannschaft noch das Wasser reichen. Sonst gab es in der jüngeren Geschichte keine Mannschaft, die offensiv stärker gewesen wäre.

Die Harmonie im Team:

Nach Michael Ballacks Verletzung entstand schnell ein kaum zu schließendes Machtvakuum innerhalb der Mannschaft. Die Hierarchie, die sich seit mehr als acht Jahren um Ballack herum aufgebaut hatte, krachte in sich zusammen. Die Kapitänsfrage war schnell geklärt, wenn auch mit einigen Nebengeräuschen. Aber schnell war erkennbar, dass diese Mannschaft gar keinen großen Anführer mehr braucht. Ihr reichen die fünf kleinen, “halben” Anführer aus dem Mannschaftsrat, die mehr Demokratie zulassen und mehr auf Augenhöhe mit den vielen jungen Spielern agieren, als es zuvor der Fall war. Die Älteren wurden schon Wochen vor dem Turnier nicht müde, den ausgezeichneten Zusammenhalt und die Chemie innerhalb des Kaders zu loben. Die Mannschaft von 1996 und vielleicht auch die von 1990 hatten einen ähnlichen Teamgeist – angesichts der sehr ungewöhnlichen Freizeitverhältnisse in der Einöde des Velmore Grand Hotels im südafrikanischen Niemandsland aber eine außergewöhnliche Leistung.

Das Trainerteam:

Löw hatte als Chef einige sehr brenzlige Situationen zu überstehen seit der EM 2008. Zuerst der Streit mit Ballack und Frings, die Demission Kuranyis, Ärger mit der Liga, die andauernden Personaldiskussionen und zuletzt die geplatzte vorzeitige Vertragsverlängerung. Aber er hat sich durchgesetzt, ist seinen Weg gegangen. Löw hat enorm dazugelernt in den letzten Jahren, auch im Bezug auf seinen Trainings- und Coaching-Stil. Die Mannschaft scheint auf den Punkt topfit, die Trainingssteuerung der Fitnesscoaches sitzt. Dazu kommen die Analysen von Urs Siegenthaler, der den kommenden Gegner in zahllosen kleinen Häppchen serviert und Löw sich davon in Absprache die wichtigsten Details herauspickt. In der Gesamtheit hatte der DFB nie mehr seiner so genannten Funktionäre und ein größeres Funktionsteam bei einem Endturnier dabei. Die vielen Aufwendungen scheinen sich aber bezahlt zu machen. Zumal auch hier ein Rad ins andere greift.

Die Einzelspieler:

Um es kurz zu machen: Bastian Schweinsteiger ist auf dem besten Weg, der Spieler des Turniers zu werden. Kein anderer leitet seine Mannschaft wie der Münchener, kein Xavi, kein Gerrard, kein Messi, kein Lucio. Dazu kommen in den WM-Neulingen Mesut Özil und Thomas Müller zwei Kandidaten für den besten Nachwuchsspieler des Turniers. Müller dürfte die Wahl bei sieben Scorerpunkten aus fünf Spielen längst gewonnen haben. Eine Umfrage des größten südafrikanischen Sportsenders Supersport sieht derzeit Müller mit großen Vorsprung vor Özil. Danach kommen Ayew (Ghana), Suarez (Uruguay) und dos Santos (Mexiko). Natürlich gab es ähnliche Ehrungen früher noch nicht. Der letzte, der als der wertvollste Spieler einer WM ausgelobt wurde, war Matthäus 1990. Der hatte da noch den jungen Klinsmann als aufstrebenden Star an seiner Seite.

Die Perspektive:

Auf der letzten Pressekonferenz vor dem Auftaktspiel gegen Australien machte Löw ein bisschen den Eindruck, als würde er die Mannschaft quasi schon vorbeugend für kommende Turniere groß reden. Es hörte sich so an, als würde der Bundestrainer über einen Perspektivkader reden, dem ab der EM 2012 ganz sicher die Zukunft gehöre – dann aber wohl eher nicht mehr unter seiner Regie. Jetzt schickt sich der Perspektivkader an, Weltmeister zu werden. Die jüngste DFB-Auswahl seit 76 Jahren steht in der Tat vor einer großen Zukunft. Aber wenn die Chance schon mal da ist… Verglichen mit den anderen großen deutschen Mannschaften wird dieses Team wohl noch einige Jahre mit demselben Stamm zusammenspielen können. Was das Deutschland aus 2010 aber noch von seinen Vorgängern unterscheidet: Dieses Team hat noch nichts gewonnen. Und erst Titel machen aus talentierten Mannschaften große Mannschaften.

(spox.com)

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4. Juli 2010

4:0! Jubilar Klose entzaubert die “Albiceleste”

Deutschland steht im Halbfinale gegen Spanien! Nach starkem Beginn mit einem Auftakt nach Maß erwehrten sich die Löw-Schützlinge dem Druck der “Albiceleste” in einer rasanten Partie erfolgreich, befreiten sich und schlugen Mitte des zweiten Durchgangs eiskalt zu. Zweimal Klose und Friedrich entzauberten die Maradona-Schützlinge mit drei blitzsauber herausgespielten Treffern. Argentiniens Trainer Diego Maradona vertraute exakt auf seine Startelf, die beim 3:1-Achtelfinalsieg gegen Mexiko zu Beginn auf dem Platz gestanden hatte.

Auch bei der deutschen Elf setzte Trainer Joachim Löw auf die Formation, die sich im Achtelfinale mit 4:1 gegen England durchgesetzt hatte. Löw konnte bis auf Cacau (Bauchmuskelzerrung) aus dem Vollen schöpfen. Miroslav Klose trug zum 100. Mal das Nationaltrikot. Es ging von Beginn an zur Sache: Klose fällte Mascherano gelbwürdig, auch Otamendi langte gegen Podolski zu. Und der Rechtsverteidiger stand auch bei der ersten Chance des Spiels im Blickpunkt: Schweinsteigers Freistoß aus dem linken Halbfeld flog in den Strafraum, Müller war schneller als Otamendi und nickte an Romero vorbei zur Führung ein – was für ein Auftakt (3.)!

Die “Albiceleste” war geschockt, die Löw-Elf blieb zunächst gegen eine nervöse Defensive des Kontrahenten am Drücker, ohne weitere klare Möglichkeiten erspielen zu können. Auf der anderen Seite verschob sich das laufstarke DFB-Team gut und unterband erfolgreich schon den Spielaufbau der Südamerikaner – Schweinsteiger agierte dabei als “Generalbeauftragter” in Sachen Messi, der zunächst unauffällig blieb.

Nach einer guten Viertelstunde endete die Dominanz des WM-Dritten von 2006, Argentinien begann sich langsam in die Partie hineinzutasten, eine gefährliche Torannäherung gegen ein nun tiefer stehendes DFB-Team aber blieb noch aus, weil Keeper Manuel Neuer einen Schritt schneller als Tevez war (22.).

Dafür hätte es auf der Gegenseite für eine sich immer wieder gut befreienden und teilweise flüssig kombinierende Nationalelf fast geklingelt: Nach Müllers Blitzantritt in die Schnittstelle der Viererkette folgte ein toller Querpass auf Klose, der aber aus elf Metern über den Balken knallte – da war mehr drin (24.)!

Nach einer halben Stunde wurden die Südamerikaner präsenter. Messi entzog sich der deutschen Bewachung, holte sich die Bälle schon in der eigenen Hälfte und trieb sein Team an – vor allem über die linke Abwehrseite wurde es immer wieder gefährlich. Neuer parierte Flachschüsse von di Maria (33.) und Higuain (35.), die sich im Strafraum durchgesetzt hatten, sicher. Bitter wurde es dann für Müller, der für ein vermeintliches Handspiel Gelb sah – seine zweite im Wettbewerb, der Münchner fehlt im Halbfinale. Messi jagte den Freistoß in die Abwehrmauer (36.).

Überhaupt hatten beide Mannschaften ihr Visier bis zur Pause nicht genau genug eingestellt. Lahm & Co. konnten sich wieder befreien und setzten vermehrt Nadelstiche, doch weder Özil (41.), Müller (43.) noch Schweinsteiger (45.) trafen das Tor, wie auch auf der Gegenseite Messi in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs.

Personell unverändert kamen die Kontrahenten aus der Kabine. Argentinien gab gleich die Richtung vor, in die es gehen sollte, und drückte massiv. Die Löw-Schützlinge hatten keinerlei Ballkontrolle mehr, verloren das Leder schon im Spielaufbau – di Maria wäre drei Minuten nach Wiederanpfiff per Distanzschuss fast der Ausgleich gelungen. Die Begegnung gewann an Intensität, der Maradona-Elf war die Entschlossenheit deutlich anzumerken. Mertesacker wehrte Tevez’ Knaller per Kopf gerade noch zur Ecke ab (54.). Deutschland konnte sich nach zehn Minuten etwas vom Druck der “Albiceleste” freimachen, startete vielversprechende Gegenangriffe, denen es aber am Ende an Präzision und am Abschluss fehlte. Die rasante Partie wogte mit Vorteilen für die Südamerikaner hin und her, Neuer zeigte sich binnen einer Minute gegen Tevez und Higuain auf dem Posten (63.), Lahm grätschte dem Real-Angreifer den Ball in letzter Sekunde vom Fuß (64.).

Lahm & Co. konnten danach erstmals im zweiten Abschnitt etwas durchschnaufen und schlugen eiskalt zu: Müller erkämpfte sich den Ball, spielt im Liegen zu Podolski. Der steuerte halblinks auf Romero zu und legte quer zu Klose. Der Münchner hatte keine Mühe, das Sportgerät bei seinem 100. Länderspiel ins leere Tor zu drücken – sein 51. Länderspieltor (67.)! Damit nicht genug. Nach kleinem Aufreger durch den eingewechselten Pastore (70.) entschied die junge DFB-Elf die Partie endgültig: In seinem 77. Länderspiel gelang Friedrich sein erster Treffer! Schweinsteiger dribbelte an vier Argentiniern vorbei links in den Strafraum, passte zurück auf Friedrich, der einen Tick schneller war als Higuain und das Leder im Fallen ins Tor grätschte – 3:0 (74.)!

Die Begegnung war entschieden, Argentinien war trotz weiterer Bemühungen auch das Ehrentor nicht vergönnt – vielmehr demütigte die deutsche Elf den Gegner mit einem weiteren Treffer, der den Schlusspunkt darstellen sollte: Schweinsteiger bediente Özil, dessen Flanke Klose gekonnt direkt im linken unteren Eck versenkte. Kloses 14. WM-Treffer, damit zog der Torjäger mit Gerd Müller gleich (88.)!

Nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 2006 war für Argentinien erneut gegen Deutschland Schluss. Die Löw-Elf darf im Halbfinale am Mittwoch, 7. Juli, erneut ran. Dort wartet der amtierende Europameister Spanien, der Paraguay mit 1:0 niederrang. Es kommt also zur Neuauflage des EURO-Endspiels von 2008, das die Iberer seinerzeit in Wien dank Fernando Torres gewannen.

(kicker.de)

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1. Juli 2010

Maradona: Keine Zeit für Schweinsteiger

“Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so”: Bastian Schweinsteiger hatte am Mittag gegen die argentinische Mannschaft gestichelt – doch deren Trainer Diego Maradona lässt sich nicht auf Psycho-Duell mit der deutschen Nationalelf ein. Die hat ohnehin andere Sorgen, schließlich hatte sie bei der Trainingseinheit im Super Stadium von Atteridgeville eine Schrecksekunde zu überstehen.

Lukas Podolski musste die Trainingseinheit der DFB-Auswahl im Super Stadium von Atteridgeville verletzungsbedingt vorzeitig beenden. Die Entwarnung folgte aber schnell, sein Einsatz am Samstag im Viertelfinale (16 Uhr) gegen Argentinien sei nicht gefährdet.

Dass der Profi des 1. FC Köln das Training abgebrochen habe, sei eine “reine Vorsichtsmaßnahme”, sagte ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Anfrage. Der 25-Jährige klagte über muskuläre Probleme. Der leicht angeschlagene Podolski soll schon am Donnerstag wieder beim Training der DFB-Auswahl dabei sein. “Es ist nichts Schlimmes”, ließ die medizinische Abteilung des DFB ausrichten.

Schlechter sieht es immer noch bei Cacau aus. Der Stuttgarter konnte wegen seiner Bauchmuskelzerrung auch am Mittwoch noch nicht trainieren, nachdem er bereits beim 4:1 gegen England im Achtelfinale am vergangenen Sonntag nicht zur Verfügung gestanden hatte.

“Wir werden am Freitag noch einmal testen, ob es geht. Es sieht aber nicht so gut aus”, sagte Löw im deutschen WM-Quartier in Erasmia vor den Toren Pretorias. Alle anderen 22 Akteure sind für den Klassiker gegen die Gauchos fit.

Die drittletzte Übungseinheit vor dem Viertelfinale durften auch rund 50 deutsche Anhänger vom Fanklub Nationalmannschaft verfolgen. “Es soll ein klares Zeichen sein, wie sehr wir uns den Fans verbunden fühlen”, hatte Bierhoff gesagt. Für gut 30 Minuten durften die Fans der Mannschaft zuschauen.

Am Donnerstag bricht das Team schließlich in Richtung Kapstadt auf, wo erstmals der verletzte Kapitän Michael Ballack während des Turniers auf die Mannschaft trifft, um sie am Samstag dann allerdings wieder von der Tribüne aus zu unterstützen. Ein Syndesmoseanriss machte Ballack kurz vor der WM zum Zuschauer.

Schweinsteiger stichelt, “Gauchos” antworten nicht

Die Sticheleien von Bastian Schweinsteiger haben derweil das argentinische Lager kalt gelassen. “Er sollte an sich denken, wir denken an uns”, ließ sich Mittelfeldspieler Javier Pastore auf die Frage eines deutschen Journalisten am Mittwochabend nicht auf ein Psycho-Duell ein. Am Abend meldete sich auch Nationalcoach Diego Maradona beim TV-Sender “Fox” zu Wort: “Wir haben keine Zeit, an Schweinsteiger zu denken.” Er sei nicht besorgt nach den Aussagen aus Deutschland, man werde auf dem Platz die Antwort geben.

Schweinsteiger hatte mit Blick auf das WM-Viertelfinale 2006 gegen die Gauchos gesagt: “Es geht schon vor dem Spiel los, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so.”

(kicker.de)

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30. Juni 2010

Thomas Müller im Porträt

Der Raum als Spielwiese

Nicht Mittelfeld, nicht Sturm. Mal schlitzohrig, mal grundsolide. Thomas Müller ist ein Typ, der schwer zu fassen ist. Genauso wie sein Spiel. Beim 4:1 gegen England im WM-Achtelfinale sorgte der 20-Jährige mit zwei Toren für Furore. Es wird garantiert nicht das letzte Mal gewesen sein.

Uli Hoeneß hat ja jetzt das Internet entdeckt. Der Bayern-Präsident hat sich jahrelang erfolgreich gegen das neue Medium gewehrt, hatte nicht mal einen Rechner in seinem Zimmer an der Säbener Straße. Jetzt nutzt Hoeneß aber das Vehikel des World Wide Web, um eine fesche Bratwurst-Burger-Geschäftsidee an den Mann und vielleicht auch die Frau zu bringen. Hoeneß forciert sogar das Stilmittel des aggressiven viralen Marketings, er ist voll eingestiegen in die Materie.

“Auch ohne Müller gut genug”

Ein ziemlicher Sinneswandel für einen Prinzipienreiter wie den 58-Jährigen, der vor einem halben Jahr noch nahezu undenkbar war. Aber vor einem halben Jahr hatte Hoeneß ja auch noch Dinge gesagt wie jene hier: “Da schießt einer mal drei Tore und soll dann gleich in die Nationalmannschaft. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: ‘Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.’ Die Nationalelf ist auch ohne ­Müller gut genug.”

Ein typischer Hoeneß. Immer in weiser Voraussicht, immer besorgt um seine jungen Spieler, immer wie ein gestrenger, aber auch gerechter Vater, der seinem pubertierenden Sohn den Besuch der Disco verbietet. Aus reiner Fürsorge und um nichts zu überstürzen. Aber wahrscheinlich wusste auch Hoeneß damals noch nicht, mit wem er es bei diesem Thomas Müller genau zu tun hat.

Von der D-Jugend zu den Profis

Seit zehn Jahren spielt Müller für die Bayern. Vom Rekordmeister wurde er ausgebildet, er gehört jener Generation von Spielern an, die in den Genuss hervorragender Förderung kamen, seit der DFB nach dem desaströsen EM-Aus 2000 endlich ein Umdenken in der Talentsichtung und -förderung angeleiert hatte.

Vor knapp einem Jahr holte ihn Louis van Gaal aus der zweiten Mannschaft zu den Profis. Schon nach wenigen Trainingseinheiten hatte der Niederländer das Potenzial gesehen, das in Müller schlummert und das seine Idee des neuen Bayern-Spiels mit einer wichtigen Facette anreichern würde.

“Auch wenn Ribery und Robben beide fit sind – Müller wird bei mir immer spielen”, hatte van Gaal in der Hinrunde gesagt. Da durchschaute aber noch nicht jeder den Plan des Trainers.

Ein gefährlicher Schleicher

Zumal van Gaal selbst da noch mächtig unter Druck stand, nachdem die Bayern zweimal gegen Girondins Bordeaux verloren hatten und vor dem Aus in der Champions League standen. Müller flog damals in Bordeaux nach zwei ungestümen Attacken vom Platz, was van Gaals stures Ansinnen noch unglaubwürdiger erscheinen ließ. Aber der Trainer sollte Recht behalten und Müller seinen Weg machen. Im wahrsten Sinnes des Wortes.

Denn wie der sich auf dem Platz bewegt, ist die eigentliche Sensation neben den Hard Facts wie Toren oder Vorlagen. Müller ist gewitzter als gestandene Abwehrreihen, wenn er sich in deren Rücken in die Lücken schleicht.

Im Spurt über 40 Meter macht er dann die Strecke, um einen eigentlich harmlosen Einwurf 30 Meter vor dem Tor in eine veritable Torchance zu verwandeln, weil er gedankenschneller reagiert und hinter die feindlichen Linien marschiert. Dieser kühle Witz gepaart mit einem ungeheuren Gespür für Spielsituationen macht Müller so wertvoll.

Wie Litmanen bei Ajax

Van Gaal hatte bei seiner ersten erfolgreichen Station bei Ajax Amsterdam einen ähnlich veranlagten Spieler. Jari Litmanen war der heimliche Star unter den Overmars, Seedorfs, de Boers oder Kluiverts. Kein Mittelfeldspieler und kein Stürmer. Eine Zwitterform ohne klar definierten Arbeitsplatz in einem System, das genau diesen Typus Spieler benötigt.

“Ich bin taktisch gut ausgebildet worden und sehe, was auf dem Platz abläuft. Ich bin nicht so viel am Spiel beteiligt, habe nicht so viele Ballkontakte. Aber ich kann geduldig auf den richtigen Moment warten und suche mir die Situationen aus, wenn es Richtung Tor geht. Ich will im richtigen Augenblick zur Stelle sein”, verriet Müller im Gespräch mit SPOX. “Ich kann mir im Rücken der Gegner das Spiel anschauen und meine Lücken suchen, um anspielbar zu sein.”

Der Raum als Spielwiese

Das setzt eine Menge Spielverständnis und Antizipationsfähigkeit voraus, besonders bei einem erst 20-Jährigen. Das Gefühl für die Spielsituation hat er aber einfach in sich.

“Man kann so etwas auch in der Jugend lernen, wenn einem gesagt wird, wo man am besten wann hinläuft. Aber letztlich kommt es doch von innen. Es ist wohl ein Talent, das man hat”, sagte er nach dem 4:1 gegen England in Bloemfontein.

Müller ist kein Dribbler wie Cristiano Ronaldo und er ist auch nicht der gnadenlose Vollstrecker wie sein berühmter Namensvetter Gerd, der aus Nichts zwei Tore machen konnte. “Das 3:1 kann man auch halten und beim 4:1 – wer den nicht macht, der hat in der Nationalmannschaft nichts verloren”, kommentierte er seine beiden Treffer gegen England nüchtern und durchaus selbstkritisch.

Seine Spielwiese sind die knappen Räume, die er entweder mit einem seiner Läufe für die Mitstreiter öffnet oder aber im Vollsprint mit Leben füllt. Und er hat ein tolles Timing für den Pass im richtigen Moment.

Bald bester Nachwuchsspieler der WM?

Sechs Scorerpunkte, aufgeteilt auf je drei Tore und drei Assists, stehen bei der WM zu Buche. Der Titel des besten Nachwuchsspielers des Turniers wird wohl Müller gehören. Die Nationalmannschaft würde auch ohne ihn noch existieren, so viel steht fest. Aber man kann sich derzeit nur schwer vorstellen, dass sie auch gut genug ohne ihn wäre.

Joachim Löw hat für seine Vorstellung des deutschen Offensivspiels den perfekten Spieler gefunden. Im März durfte Müller dann doch – Hoeneß’ mahnenden Worten zum Trotz – zum ersten Mal im DFB-Dress auflaufen. Argentinien siegte 1:0, Deutschland war im Prinzip ohne Chance.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel saß Müller dann bereit, um die Fragen zu seinem Debüt in seinem Stadion in München zu beantworten. Diego Maradona erkannte das neue Gesicht der Deutschen nicht und scheuchte ihn vom Podium. Vermutlich wird auch Diegito mittlerweile von Müllers Existenz erfahren haben

(spox.com)

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18. Juni 2010

Higuain schießt Argentinien zum Sieg

Argentinien hat auch das zweite Gruppenspiel bei der WM gewonnen. Gegen Südkorea siegte das Team von Diego Maradona gegen Südkorea 4:1 (2:1). Vor 82.174 Zuschauern in Johannesburgs Soccer City erzielte Gonzalo Higuain einen Dreierpack (33./76./80.). Die Argentinier waren durch ein Eigentor von Chu-Young Park in Führung gegangen (16.). Südkorea kam nach einem Fehler von Martin Demichelis durch Chung-Yong Lee nur zum zwischenzeitlichen Anschlusstreffer (45.).

Der erste Sieg! Rehhagel schreibt WM-Geschichte

Griechenland feiert den ersten Sieg seiner WM-Geschichte! Am zweiten Spieltag der Gruppe B bezwang die Elf von Trainer Otto Rehhagel Nigeria verdient mit 2:1 (1:1). Damit haben beide Mannschaften nach wie vor die Chance auf das Achtelfinale. Vor 31.593 Zuschauern im Free State Stadion in Bloemfontein brachte Kalu Uche (16.) Nigeria zunächst per Freistoß in Führung. Den verdienten Ausgleich für Griechenland erzielte Dimitrios Salpingidis (44.) unmittelbar vor der Pause. Für Hellas im fünften Spiel das erste Tor in einer WM-Endrunde. Für den ersten Sieg sorgte schließlich Vasilios Torosidis (71.), der nach einem Fehler von Nigerias Torwart Vincent Enyeama zum 2:1 abstaubte.

Frankreich nach Pleite vor dem Aus

Mexiko hat Frankreich im Peter-Mokaba-Stadion in Polokwane bei der WM 2010 mit 2:0 (0:0) besiegt und hat damit sehr gute Chance auf den Einzug ins Achtelfinale. Frankreich steht dagegen vor dem vorzeitigen Aus. Javier Hernandez (64.) und Cuauhtemoc Blanco (79.) per Elfmeter schossen in einem unterhaltsamen Spiel vor 35.370 Zuschauer die Tore für El Tri. Mexiko muss nach seinem ersten WM-Sieg über Frankreich nun im nächsten Match gegen Uruguay auf Efrain Juarez verzichten, der seine zweite Gelbe Karte im Turnier sah. Gleiches gilt für Jeremy Toulalan auf Seiten der Franzosen.

(spox.com)

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