3. Juni 2017

Neues von der VfB Stuttgart 2017 AG

Die Würfel sind gefallen! Mit überwältigenden 84,2% der Stimmen auf der am Donnerstag Abend stattfindenden außerordentlichen Mitgliederversammlung stimmten „die“ VfB-Mitglieder für die Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine Aktionengesellschaft.

Damit wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit deutlich übertroffen und es wurden die Weichen in eine glorreiche Zukunft gestellt. Ein guter Tag also für den VfB Stuttgart, so der allgemeine Tenor der sich ein zweites Loch in den Allerwertesten freuenden Mitgliedergemeinde.

Ja zum Erfolg! Ja, wir sind wieder wer! Weiß, rot, geil!

Als aufrechte Demokraten haben wir natürlich das Votum des Wahlvolks zu akzeptieren, 84,2% können schließlich nicht irren.

Folgt man dieser Logik, verböte sich Kritik an Donald Trump und allen Despoten dieser Welt, bzw. an ihren Wählern, schließlich wurden die meisten ja demokratisch gewählt und den Willen ihres Volkes gelte es zu respektieren. Auch das Hinterfragen des Tuns unserer Volksvertreter verbietet sich (oder etwa nicht?), man bekommt ja auch dort, genau das, was man gewählt hat.

Diese Abschweifung in die Politik sollte auch nur kurz angerissen werden, um gleich in der Einleitung festzuhalten, dass auch ich ein Wahlergebnis, auch wenn es noch so deutlich ausgefallen ist, zwar akzeptieren, es deshalb aber trotzdem nicht für gutheißen muss.

Wenn sich Befürworter der Ausgliederung jetzt getreu dem Wahlkampf-Slogan „Ja zum Erfolg“ gegenseitig auf die Schultern klopfen und jeder zweite Jubelbeitrag mit „die Mitgliederschaft war so schlau…“ oder „die Vernunft hat gesiegt…“ beginnt, darf sich die „Gegenseite“ durchaus als „nicht schlau“ bezeichnet angesprochen und zu einer Reaktion veranlasst sehen. Dies auch nur für diejenigen, denen ein „jetzt lass mal gut sein“ auf der Zunge steckt.

Die Mitgliederschaft ist gespalten, was sich nicht nur an meinen ersten Worten erkennen lässt. Dass dies so ist, hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die schon im Oktober auf fragwürdige Weise „ihren“ Präsidenten durchgeboxt hat, der wohl in erster Linie deshalb für den Posten prädestiniert erschien, weil er die ihm aufgetragenen Vorhaben ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht und, wie man jetzt auch beim VfB weiß, im Zusammenhang mit Stuttgart 21 nicht zu Unrecht den Beinamen „Spalter“ erhielt.

Die Wahlpropaganda mag aus deren Sicht, weil sie von ihrem „Plan“ überzeugt waren, nachvollziehbar gewesen sein. Es wurde jedoch deutlich, dass diese Vereinsführung nicht die Vereinsführung ALLER Mitglieder ist, sondern nur eine für diejenigen, die ihnen blind folgen und vertrauen.

Dass der VfB im Endeffekt alles richtig gemacht hat und die billige Propaganda bei den meisten gewirkt hat, spricht für mich nicht unbedingt für die Wählerschaft.

Um das Wahlvolk zu überzeugen genügte der bloße Wiederaufstieg, die Aussicht auf 41,5 Millionen Daimler-Millionen, das Versprechen wieder mehr auf die eigene Jugend zu setzen und in absehbarer Zeit wieder eine Größe im deutschen Fußball sein zu wollen.

Wie risikobehaftet diese Ausgliederung ist, was man dafür als Mitglied im e. V. hergibt und wie wenig realistisch die heraus posaunten Ziele sind, interessierte die meisten überhaupt nicht. Auch dass von allen Gegnern DIESER Ausgliederung Gesprächsbereitschaft über andere Modelle signalisiert wurde, wurde von kaum jemanden wahrgenommen, sonst würde man als Gegner nicht ständig als „ewiggestriger Traditionalist“ oder als „Ultra“ beschimpft werden, weil „die“ ja ohnehin immer gegen alles seien.

Die vom VfB bzw. der Daimler AG auserwählte Rechtsform der AG, bietet die mit Abstand wenigsten Einflussmöglichkeiten der Vereinsmitglieder im Vergleich zu anderen möglichen Rechtsformen. Das Projekt Vereinsentwicklung und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für die eine Vielzahl an Mitgliedern viele Stunden ihrer Freizeit geopfert hatten, wurden in die Tonne gekickt. Die Webseite, auf der die Ergebnisse dieser Konferenzen und Workshops abgelegt war, wurde mit der Veröffentlichung des Daimler-Deals „auf Nimmerwiedersehen“ vom Netz genommen. Auch wenn Stefan Heim am Donnerstag behauptete, das jetzige Modell resultiere aus den Ergebnissen der VfB Zukunftswerkstatt, erkennt man darin nichts wieder. Hätte man sich also getrost schenken können!

Bei den Ausgliederungsgegnern bzw. genauer gesagt, denen, die sich mehr Mitsprache bei der Art der Ausgliederung gewünscht hätten, stieß außer, dass man nicht mit ins Boot genommen wurde, sauer auf, dass einem die „Pistole auf die Brust“ gesetzt wurde und Horrorszenarien an die Wand gemalt wurden, für den Fall der Ablehnung.

Wenn Dietrich zudem im Wahlkampf immer wieder betonte, während seiner vierjährigen Amtszeit würde dieses Thema zum ersten und letzten Mal auf dem Tisch sein, anstatt sich gesprächsbereit über Modifizierungen der Pläne zu zeigen, zeugt dies von wenig Kooperationsbereitschaft. Es hatte eher etwas von „den Gegnern den schwarzen Peter zuschieben“, denn, wer nein sagen würde, würde nein zum Erfolg sagen und hätte im schlimmsten Fall den VfB auf dem Gewissen, wenn es denn ohne Ausgliederung weiter den Bach runter gehen würde.

Die bedingungslosen Befürworter, die diesen Drohgebärden Glauben schenkten, hatten indes ein weiteres „Argument“, nämlich jenes, dass es unbedingt zu vermeiden gilt, dass der VfB auf immer und ewig Fahrstuhlmannschaft sein würde.

Dass in der Vergangenheit sehr viel mehr Geld als die besagten 41,5 Millionen Euro von den Manager-Azubis Heldt, Bobic und Dutt verbrannt wurden und sie der Hauptgrund für die Talfahrt seit der Meisterschaft 2007 sind, wollte leider keiner hören.

Jetzt haben wir mit Jan Schindelmeiser einen absoluten Glücksgriff als Sportdirektor und mit Hannes Wolf einen weiteren Glücksgriff und Sympathieträger an der Seitenlinie. Dass diese beiden Vereinsangestellten dann auch noch Tage vor der aoMV unisono erklärten, ohne Ausgliederung würde es für den VfB sehr schwer in der Bundesliga werden, brachte sicherlich auch noch einige Stimmen ein.

Der VfB, das muss man ihm lassen, betrieb schon einen ausgeklügelten Wahlkampf und scheute dabei keine Kosten und Mühen. Dieser Schuss musste sitzen, daher wurde alles auf diese eine Karte gesetzt, anstatt den Mitgliedern seriös aufzuzeigen, wie es um den VfB im Falle einer Ablehnung dieser Ausgliederungspläne bestellt sein würde. Nein, der Plan B hieß „Ängste schüren“, hat ja letztlich auch vorzüglich geklappt.

So konnte man durch gezieltes Marketing und dadurch, dass man nichts dem Zufall überlassen hatte, bereits sehr viele Wähler „fangen“. Da die Social-Media Zielgruppenanalyse, die man betrieb und die Stimmungen, die man einfing, offensichtlich noch Zweifel an der Dreiviertelmehrheit offen ließen, kam man auf die glorreiche Idee, noch mehr Mitglieder durch materielle Anreize ins Neckarstadion zu locken.

Außer dem obligatorischen VVS-Gutschein, lockte dieses Mal ein Gratis-Trikot, sowie je ein Essens- und Getränkegutschein. Dies führte dazu, dass einige Spezialisten nur kamen, um das Trikot abzustauben und das Stadion dann wieder verließen. Für solche Mitglieder schämt sich sogar ein Schwabe!

Die Trikot-Aktion schien ihr Übriges zu tun, um genügend „Ja-Stimmen“ zu erhalten. Eines war auch mir bereits im Vorfeld klar, je mehr Mitglieder an der aoMV teilnehmen würden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der VfB die Ausgliederung durchbekommt.

Diese Mitglieder, die meisten davon sicherlich das erste Mal auf einer Mitgliederversammlung und lediglich wegen des kostenlosen Trikots gekommen sind, nenne ich jetzt einfach mal Event-Mitglieder.

Auffällig war es, wie viele Leute sich scheinbar im Stadion nicht auskannten und über die Thematik, über die abzustimmen war, wenig bis überhaupt nichts wussten. Da waren Leute am Start, die ernsthaft im Glauben schwebten, wir würden bei einer erfolgreichen Ausgliederung von jetzt auf gleich wieder Champions League spielen. Diese Leute sagen einfach „Ja zum Erfolg“, zumindest zuhause auf der Playstation.

Dieses Klientel, das sich so wenig mit dem VfB und der seit Monaten geführten Debatten auskennt, nenne ich deshalb Event-Mitglieder, weil das vermutlich solche sind, die Mitglied geworden sind, um ihre Chance auf Karten gegen die Bayern oder Dortmund zu erhöhen, sonst jedoch eher selten im Stadion zugegen sind.

Diese haben natürlich vor allem Interesse an „großen Spielen“, sind jedoch die ersten, bei denen das Interesse am Verein erlischt, wenn er nicht auf der Sonnenseite der Tabelle steht.

Wenn ihnen dann von Vereinsseite aus rauschende Champions-League-Abende in Aussicht gestellt werden und man ihnen bildlich im „Sendung mit der Maus“-Stil unsere künftigen Platzierungen zeigt, geht denen natürlich gleich einer ab.

Dieses Klientel, das mit dem Herzen nicht ganz so dabei ist, wie unsereins, ist mutmaßlich auch jenes, deren Karten zuhauf auf Ebay zu ersteigern sind, aber, ist ja nicht so schlimm, Hauptsache sie haben das richtige Knöpfchen gedrückt.

Mir war das am Donnerstag schon ein wenig suspekt, was sich alles VfB-Mitglied schimpfte. Ist ja auch klar, dass man von 50.000 Mitgliedern im Verhältnis immer weniger kennt und doch frage ich mich, ob ich in Zukunft noch Teil dieser Gemeinschaft sein will. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Wahl nicht wie von mir erwünscht ausgegangen ist.

Dieses arrogante „von oben herab“ unserer Vorstände und Aufsichtsräte und die notorische Kritikresistenz sind mir schon länger ein Dorn im Auge. Dass aber Mitglieder gegen Mitglieder giften und Redner bei der Aussprache ausgepfiffen und ausgebuht werden, hat mit Respektlosigkeit zu tun. Eines der elementarsten Rechte, von zugegeben nicht vielen, ist die Aussprache.

Dass nun bereits zum zweiten Mal in Folge die Aussprache nach Antrag eines Mitglieds und per Abstimmung abrupt beendet wurde, empfinde ich als ein Armutszeugnis und erkenne eine nicht vorhandene Diskussionsbereitschaft. Auch das zeugt von mangelndem Respekt den Rednern gegenüber, die noch an der Reihe gewesen wären und sich möglicherweise akribisch auf ihren Auftritt vorbereitet hatten.

Gerade bei einer zeitlich begrenzten Redezeit von fünf Minuten, hätten diese 45 Minuten den Kohl auch nicht mehr fett gemacht. Da die Vereinsführung, wie auch schon im Oktober, von Beginn an auf Zeit spielte, hielt sie es wohl auch nicht für angebracht, gleich am Anfang darüber zu informieren, wie viele Redner sich denn angemeldet hatten.

Ich hinterfrage meine Mitgliedschaft, weil man künftig im e. V. den Fußball betreffend noch weniger zu melden hat als ohnehin schon. Ich bin nicht das „Lebenslang“-Mitglied, das sich überlegen müsste, ein besonders „großes“ Jubiläum aufs Spiel zu setzen, denn, als Gerhard Mayer-Vorfelder Winfried Schäfer als Trainer verpflichtete, habe ich die Mitgliedschaft schon einmal gekündigt und mich erst vor einigen Jahren neu angemeldet.

Meine Liebe zum VfB bringe ich als Dauerkarteninhaber, Fanclubmitglied und Allesfahrer auch ohne Mitgliedschaft zur Genüge zum Ausdruck.

Dass der Termin unter der Woche um 18.30 Uhr äußerst ungünstig, wohl aber von den Herren der Vereinsführung kühl kalkuliert, war, hatte ich mehrfach kritisiert. Dass die Veranstaltung dann noch mit einer guten Stunde Verspätung begann, war für mich eine bodenlose Frechheit. Die Werbefilmchen der Ikonen der Vergangenheit hat wohl jeder schon gesehen, die „Meistermannschaft“ durfte am letzten Spieltag auch jeder herzen, wenn ihm danach war.

Weshalb vergeudete man also wertvolle Zeit schon am Anfang, anstatt auf die Tube zu drücken, im Wissen darum, dass die meisten Mitglieder am nächsten Tag wieder früh raus müssen? Wohl auch hier, um auf Zeit zu spielen, die Leute zu ermüden und darauf zu hoffen, dass sie dann schon alles von selbst beschleunigen werden. Dieser Plan ging ja auch ganz gut auf.

So erinnerte mich die Veranstaltung zu Beginn wegen der Jubel-Show eher an eine US-amerikanische Wahlkampfveranstaltung, ein Opening oder die Meisterfeier, jedoch nicht an eine außerordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart 1893 e. V., einer DER wichtigsten in der Vereinsgeschichte.

Hätten sie diesen Programmpunkt in der Tagesordnung stehen gehabt, wäre ich von vornherein erst später gekommen, nach Abfeierei des Vereins war es mir ob der anstehenden Entscheidung gleich überhaupt nicht. Aufgrund der ganzen Begleitumstände war ich eh schon ziemlich geladen, so dass mich diese Verzögerungstaktik fast zum überschäumen brachte. Das ungenießbare Schnitzelbrötchen, welches man für den Gutschein bekommen konnte, hellte meine Laune dann logischerweise auch nicht auf.

Mit der aufgesetzten Euphorie kann ich ohnehin überhaupt nichts anfangen. Wir sind aufgestiegen, nicht mehr, nicht weniger. Es ist das, das man vom Verein, von der Truppe erwarten können musste, Pflicht erfüllt, mehr nicht!

Dass es zu allem Überfluss mal wieder nur alkoholfreies Bier gab, machte den Abend noch unerträglicher. Diese Gängelei kotzt mich an, zeigt aber auch, was dieser Verein von seinen Mitgliedern hält. So wie sie offensichtlich nur einfach gestrickte Filmchen verstehen, können sie auch mit Alkohol nicht umgehen. Und da soll man sich ernst genommen fühlen?

Insgesamt also ein sehr frustrierender Abend in einer enorm aufgeheizten Atmosphäre und das nicht nur der Temperaturen wegen. Es waren bei der Aussprache gute Redner zugegen, deren Argumente und Bedenken gegen die Ausgliederung von der Masse jedoch nicht gehört werden wollten. Von denen, die nicht zu Wort kamen, hätte man ebenfalls noch gute Einwände erwarten dürfen, leider wollte dies ein Großteil nicht mehr über sich ergehen lassen.

Eigentlich jedoch auch wieder nicht verwunderlich, dass diejenigen, die der Wegfall von Mitgliederrechten in der AG nicht kümmert, wichtige Elemente einer e.V.-Mitgliederversammlung schlicht egal sind. Hauptsache zeitig Feierabend!

Magnus Missel, Betreiber vom VfB Blog, stellte einige kritische Fragen, welche leider vom immer dünnhäutiger reagierenden Wolfgang Dietrich unbeantwortet blieben. Stattdessen warf dieser Missel vor, einige Gesprächsangebote seitens des VfB nicht angenommen zu haben. Schade, dass bei diesen Reaktionen des Vorstands auf Redebeiträge der Redner nicht mehr am Podium steht und ad hoc Stellung beziehen kann. So stehen diese Behauptungen Dietrichs jetzt im Raum, ohne dass Missel noch hätte darauf eingehen können.

Auch Benno vom Commando Cannstatt 97 traute sich wieder und bat unter anderem darum, vor der Abstimmung zur Ausgliederung eine Probeabstimmung durchzuführen. Dieser Bitte wurde leider nicht stattgegeben, es werde schon alles mit rechten Dingen zugehen. Das kann man glauben oder auch nicht.

Es scheint einige Geräte gegeben haben, die nicht funktionierten, zudem müssen die Volunteers an den Eingängen auch falsche Informationen weitergegeben haben, welche Geräte wo funktionieren.

Ob es im 21. Jahrhundert nicht fortschrittlichere und damit verlässlichere Abstimmungstechniken gibt? Wir jedenfalls waren uns des öfteren unsicher, ob denn die Abstimmung richtig funktioniert hat. Dass bei einigen Abstimmungen Tausende nicht mit abgestimmt haben, halte ich schlicht für sehr unwahrscheinlich.

Eine Mitgliederversammlung mit über 14.000 Mitgliedern ist schon einmalig im deutschen Fußball, die Lockangebote haben offensichtlich gewirkt. Die nächsten Mitgliederversammlungen wird der verbliebene e. V. mit seinen Faustballern, Leichtathleten, Hockey-Damen und Schiedsrichtern vermutlich wieder im Carl-Benz-Center abhalten können.

Kamen beim HSV zur Abstimmung über die Ausgliederung knapp 10.000 stimmberechtigte Mitglieder waren es bei jener am 08.01.2017 gerade noch 344 Mitglieder! Die Musik spielt künftig in der AG, viel mehr als den trocken verlesenen Geschäftsbericht wird es auf den e. V.-Versammlungen nicht mehr zu besprechen geben.

Die Einflussmöglichkeiten bisher waren zwar auch nicht gerade immens, doch hatte man immerhin bei der alljährlichen Aussprache das Recht, unbequeme Fragen zu stellen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten, was bekanntlich schon zum einen oder anderen Rücktritt geführt hat.

Des weiteren sind theoretisch Schadenersatzansprüche wegen grober Pflichtverletzung gegen Aufsichtsräte möglich, während wir jetzt drei Kreuze machen und hoffen müssen, dass die handelnden Personen ihren Job gut machen.

Wenn die 41,5 Millionen Euro und das Geld potentiell weiterer Investoren ausgegeben, verpufft oder verbrasst sind, kann höchstens der zustimmungspflichtige Verkauf weiterer Anteile noch einmal die Gemüter erhitzen.

Dass der Präsident des e. V. den Verein mit 75% in der Hauptversammlung der AG vertritt, ist ein Proforma-Recht, weil sich in dieser nicht viel abspielt, außer dass ihm der Geschäftsbericht der AG vorgelegt wird. Ein weiteres Recht, wie Magnus Missel schreibt, wäre, die Gesellschaft aufzulösen und Satzungsänderungen in der AG herbeizuführen. Dass Dietrich den Verein zu 75% in der Hauptversammlung vertritt ist für mich ohnehin nicht der Burner, da mir das Vertrauen in ihn fehlt. Nach diesem Wahlkampf mehr denn je!

Spätestens seit Donnerstag ist also auch der VfB angekommen in der Welt des fußballerischen Kapitalismus. Für ein paar Kröten verkaufen wir unser Mitspracherecht über die Fußballabteilung an Wirtschaftsbosse. Dies belohnen wir mit Sitzen im Aufsichtsrat welcher wiederum den Vorstand bestellt. In den Aufsichtsrat wird der e. V. zwei Mitglieder entsenden, so dass der Verein dort bei neun Mitgliedern klar unterrepräsentiert sein wird. Ob außer Sponsoren- bzw. Investorenvertretern noch Leute aus dem Sport in den Aufsichtsrat nachrücken, steht noch in den Sternen.

Klar ist nur, dass Dietrich Präsident im e. V. bleiben wird und die anderen Vorstände Heim, Röttgermann, Schindelmeiser als Vorstand der AG fungieren werden. Da alle dieser Herren relativ jung sind, werden sie wohl, sollten sie keinen Scheiß bauen, diese Posten einige Jahre lang ausüben.

Interessant dürfte es dann werden, wenn Posten neu zu besetzen sind, weil Vorstände vom vom VfB e. V. unterrepräsentierten Aufsichtsrat entsandt werden und theoretisch eines Tages in der AG immer weniger VfB enthalten sein könnte.

Was die Zukunft bringt, ob uns dieser Schritt entscheidend voran bringt oder nicht, können weder Gegner noch Befürworter zur jetzigen Zeit seriös beantworten.

Jan Schindelmeiser hat zeit seines Wirkens auf dem Cannstatter Wasen Geschick bei seinen Transfers, der Ausgestaltung der Verträge und nicht zuletzt Mut bei der Verpflichtung von Hannes Wolf bewiesen. Hätte man uns Dutt erspart und gleich Schindelmeiser präsentiert, stünden wir vermutlich um einiges besser da als derzeit, auch ohne Ausgliederung.

Daher traue ich Jan Schindelmeiser in der anstehenden Transferperiode ein glückliches Händchen zu, dies im übrigen unabhängig davon, dass wir jetzt ausgegliedert haben. Ich hätte auch ohne Ausgliederung ein gutes Gefühl gehabt, dass er für die Bundesliga eine schlagkräftige Truppe an den Start hätte bringen können.

Insgesamt hoffe ich, dass der angekündigte Großangriff nur ein Wahlversprechen war, um Stimmen zu erhaschen, und nicht von heute auf morgen in die Tat umgesetzt wird.

Mir sind Vereine, die kleinere Brötchen backen und aus geringeren Mitteln das Optimale herausholen, weitaus sympathischer, als Vereine, bei denen Geld keine Rolle spielt und die mit horrenden Gehältern um sich werfen.

Wollen wir, wie es Dietrichs Vision zu sein scheint, in Sachen Gehaltsniveau mit Vereinen wie Leipzig, Wolfsburg und Hoffenheim mithalten, setzt man sich gewaltig unter Zugzwang und spielt mit dem Feuer. Für mich ist es absolut unrealistisch in absehbarer Zeit wieder Stammgast in den Top 5 zu sein.

Die Konkurrenz schläft ja auch nicht und steckt Summen, für deren einmaligen Erhalt wir uns verkaufen und wegen der die meisten „hurra“ schreien, Jahr für Jahr in die Fußballabteilung.

Da geben mir einmalige Ausschläge nach oben und sporadische Europapokal-Teilnahmen, wie sie der SC Freiburg und der 1. FC Köln in der nächsten Saison erleben, mehr, als wenn man mit einem 100 Millionen-Euro-Etat nur Fünfter werden und nicht wissen würde, wie die darauffolgende Saison finanziert werden soll.

Deshalb hoffe ich, dass der VfB, auch als AG, schwäbisch vernünftig wirtschaftet und nicht größenwahnsinnig wird.

Von vielen hörte ich im Vorfeld „der Schindelmeiser hat’s ja schon bewiesen, dass er mit Geld umzugehen weiß“. Ein bisschen kurz gedacht, schon morgen könnte Schindelmeiser Geschichte sein und einer wie Bobic oder Dutt sein Unwesen treiben. Und dann?

Aber, keine Sorge, ist ja alles rosarot, auch Dietrich sagte, ist das Geld verprasst, ohne die erhoffte Wirkung erzielt zu haben, dann sei nichts weiter passiert, als dass wir schlimmstenfalls dastehen könnten wie heute auch. Wer’s glaubt, wird selig.

Im Einzelnen möchte ich mich über etwaige Risiken und die Auswirkungen des nun erfolgten Schrittes auch gar nicht mehr auslassen, diese sind in den einschlägig bekannten und von mir auch verlinkten Blogs ausführlich erläutert (eine Zusammenfassung hier http://vertikalpass.de/vfb-ausgliederung-links/).

Die Aufgabe zu informieren lastete im Vorfeld aufgrund der einseitigen Propaganda vom Verein auf den Bloggern, Podcastern und Ultrasgruppierungen auf. Man tat es, so gut man konnte und so gut es die Zeit zuließ. Da es DIE Opposition als Einheit und koordiniert nicht gab, wurde mit ungleichen Waffen gekämpft. Von den Stuttgarter Zeitungen hätte man sich wenigstens den einen oder anderen kritischen Artikel gewünscht, doch, Fehlanzeige.

Dass ich dem VfB, solang er weiter unser Wappen trägt, auch weiterhin die Stange halten werde, versteht sich von selbst. Man wird eben noch kritischer hinschauen, hat man doch einige Vereine vor Augen, bei denen eine Ausgliederung auch schon gewaltig schief gegangen ist. Gerade das aktuelle Beispiel TSV 1860 München mit seinem jordanischen Investor Ismaik sollte Warnung genug sein, was passieren könnte, bekäme der Investor zu viel Einfluss. Von diesem Modell sind wir selbstredend weit entfernt, doch, der Anfang in diese Richtung wurde Donnerstag gemacht.

Dem VfB würde es gut zu Gesicht stehen, sich die in der 2. Liga wiederentdeckte Demut zu bewahren und langsam wieder in die Bundesliga hineinzuwachsen.

Das jahrelang zerrüttete Verhältnis zwischen Spielern und Fans scheint gekittet und könnte kaum besser sein als im Moment. Die Spieler lernten die Unterstützung, die sie in der Bundesliga als selbstverständlich ansahen, neu schätzen, während man als Fan seit langem wieder den Eindruck hatte, es stünde ein Team auf dem Platz und ein Trainer an der Seitenlinie, bei dem sich jeder seinen Einsatz Woche für Woche neu erarbeiten muss.

Wird jetzt noch an Ur-Alt-Baustellen und Stammplatzgarantien herangegangen, ist mir vor der Bundesliga überhaupt nicht bange. Es wäre schön, wenn dieses Klima in die Bundesliga hinüberzuretten wäre.

Der AG-Vorstand und dabei vor allem Jan Schindelmeiser kann dazu beitragen, indem vernünftige, leistungsgerechte und vor allem durch sichere Einnahmen abgedeckte Gehälter bezahlt werden und man wegen der größeren Möglichkeiten nicht sofort wieder unvernünftig wird und Fehler der Vergangenheit wiederholt.

Mit dem modernen Fußball und seinen Begleitumständen vor und in den Stadien kann ich ohnehin immer weniger anfangen, so dass mir wenigstens mein eigener Verein, oder doch besser meine Fußball-Abteilung der VfB AG (?), noch Spaß machen sollte.

Nimmt die Kommerzialisierung weiterhin überhand, wird eine Helene Fischer auch in unseren Halbzeitshows Bestandteil, bin ich bald geneigt, nur noch mit den Amateuren mitzufahren, wenn es sie denn auf lange Sicht überhaupt noch gibt.

Als Mitglieder des e. V. haben wir nämlich auch die U23-Mannschaft nicht mehr in unserem Einflussbereich, so dass unsere Amateure schneller weg vom Fenster sein könnten, wie wir gucken können. In einer Kapitalgesellschaft geht es schließlich um Profit Center, bringen die Amas auch in naher Zukunft kein Futter für die Profiabteilung hervor, ist sie verlustträchtig und dürfte auf den Prüfstand kommen. Aufgelöst und abgemeldet ist die Abteilung schnell, schließlich muss man ja dafür die lästigen Mitglieder nicht mehr befragen.

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1. Mai 2017

Warum ich (Stand jetzt) nicht pro Ausgliederung stimmen kann

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:02

Meinen Unmut darüber, dass der VfB die geplante Ausgliederung just wieder auf die Tagesordnung setzte, zu einer Zeit, in der eigentlich alles der Konzentration auf den Aufstieg in die Bundesliga untergeordnet werden sollte, habe ich bereits beschrieben.

Ebenso darüber, dass ein Termin unter der Woche um 18.30 Uhr einen Affront gegen die vielen, vielen auswärtigen Mitglieder darstellt, die entweder Urlaub nehmen müssen oder aber an dieser zukunftsweisenden Entscheidung nicht mitwirken können.

Wenn sich der Präsident dann hinstellt, einem Mitglied müsse der VfB so wichtig sein, sich „EINMAL“ für den VfB frei zu nehmen, soll er mal den Spielplan Revue passieren lassen, und zusammenzählen, wie oft der VfB Freitags, Montags oder eine englische Woche gespielt hat und sich bewusst machen, dass es gerade die bei der MV ausgegrenzten auswärtigen Mitglieder sind, die am meisten Urlaub opfern mussten und für die schon jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel darstellt. Eine ganz unglückliche und unbedachte Äußerung unseres Präsidenten!

Als Rechtfertigung, dass dieser Termin genauso alternativlos wie wohl die Ausgliederung sein soll, dient, man wolle die Entscheidung direkt nach dem Ende der Relegationsspiele zur Abstimmung bringen, wenn man endgültig weiß, in welcher Liga der VfB in der nächsten Saison spielt. Zudem solle die außerordentliche Mitgliederversammlung bzw. die Abstimmung über die Ausgliederung noch vor den Pfingstferien durchgepeitscht werden. Dieses Fass wurde mitten in einer sportliche Krise aufgemacht und spaltet die Fangemeinde seither zunehmend.

Auf der einen Seite stehen diejenigen mit den Dollarzeichen in den Augen, die den VfB mit dem 41,5 Millionen-Scheck vom Daimler von jetzt auf gleich in höheren Sphären sehen und dem VfB abnehmen, dass wir ohne die Finanzspritze von Investoren auf Dauer neudeutsch nur noch ein „Opfer“ sein würden, auf der anderen stehen diejenigen, die kritisch hinterfragen, ob denn diese zunächst nur gesicherten 41,5 Millionen Euro tatsächlich den Erfolg garantieren, wie uns die derzeit über uns hinweg rollende Propagandamaschinerie vom VfB Glauben machen will.

Ich bin sehr skeptisch, was das angeht. Man braucht nur die derzeitige Bundesliga-Tabelle anschauen und erkennt, dass allein Millionen-Spritzen keine Tore schießen, Leverkusen, Wolfsburg und der HSV lassen grüßen.

Mehr als auf die Höhe etwaiger Einlagen kommt es im Fußballgeschäft darauf an, wie man mit dem Geld umgeht, ob nachhaltig investiert wird oder ob man in der Hoffnung auf schnellen Erfolg sich eine teure Mannschaft zusammenkauft und das Wohl und Wehe des Vereins in deren Händen liegt. Eine Finanzspritze oder wie es der VfB betitelt, Anschubfinanzierung, verbessert zweifellos die Voraussetzungen, im Oberhaus auf Anhieb wieder Fuß zu fassen, birgt aber auch das Risiko diese Chance zu einem sehr hohen Preis ein für allemal zu verspielen, weil es sich um Einmalzahlungen handelt.

Seit dem Abstieg hat der VfB viel richtig gemacht. Er hat durch erhebliche Transfererlöse die Verluste, die durch den Abstieg zu erwarten waren, kompensieren können und mit Jan Schindelmeiser auf dem Sportdirektor-Posten einen Glücksgriff getan. Auch Präsident Dietrich, von der Ausgliederungsthematik einmal abgesehen, hat mich bislang positiv überrascht. Durch die Euphorie im Umfeld, einem neuen Zuschauerrekord für die 2. Liga und steigender Mitgliederzahl käme der VfB im Fall des sofortigen Wiederaufstiegs mit einem blauen Auge davon.

Schindelmeiser hat bisher kluge Transfers getätigt und mit Hannes Wolf auf dem Cheftrainer-Posten eine sensationelle Lösung präsentiert. Dennoch ist Schindelmeiser erst ein Dreivierteljahr im Amt, Dietrich ein halbes, so dass ich nach Jahren des Missmanagements mit vorschnellem Beurteilen ihrer Arbeit vorsichtig bin. Noch immer schwebt der Aufsichtsrat in fast unveränderter Konstellation über allem, so dass ich mich schwer tue, den Vertrauensvorschuss zu leisten, der mit einer Stimme für die Ausgliederung von den Mitgliedern eingefordert wird.

Vertrauensbildend ist es nach meinem Empfinden schon gleich gar nicht, wenn von Vereinsseite die Skeptiker und Kritiker der Ausgliederung zu möglichen Totengräbern des VfB erklärt werden. Allein die Webseite http://www.ja-zum-erfolg.info/ mit dem Abschmettern von Bedenken als „Fakes“, dazu das Erklär-Bär-Video im „Sendung mit der Maus-Style“ empfinde ich als Respektlosigkeit den (wahlberechtigten erwachsenen) Mitgliedern gegenüber und als Indiz dafür, für wie minderbemittelt das VfB-Mitglied gehalten wird. Wie man die Mitglieder einschätzt, erfährt man dann noch durch den Hinweis auf der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, die bekanntermaßen im Neckarstadion und damit im Freien stattfinden wird, dass man auf „der Witterung angemessene Kleidung“ achten solle.

In puncto Offenheit den Mitgliedern gegenüber kann sich der Verein ein Beispiel am 1. FSV Mainz 05 nehmen, der vor der gleichen Entscheidung steht und seine Mitglieder umfassend mittels eines vom Verein in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens über die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen einer Ausgliederung informiert (nachzulesen unter https://dervfbblog.files.wordpress.com/2017/04/gutachten_zur_ausgliederung_der_lizenzspielerabteilung-1.pdf).

Dass eine Ausgliederung durchaus Vorteile haben kann und möglicherweise früher oder später auf Druck des jeweiligen Vereinsregisters erfolgen muss, liegt auf der Hand. Mit einem gemeinnützigen Verein hat ein Millionen-Unternehmen, wie es der VfB ist, schon lang nichts mehr zu tun.

Es gäbe aber ja noch andere Gesellschaftsformen, die man wählen könnte, ohne Anteile des Vereins zu veräußern und sich damit, wenn auch indirekt, in die Hände eines Investors zu begeben. Die Auswahl zwischen mehreren Varianten, wie z. B. der KGaA, bei der Investoren einsteigen könnten, ohne dass mein Stimmrecht (bzgl. der Lizenzspielerabteilung) aufgeben würde, wäre meiner Ansicht nach fairer gewesen. Dafür hätte es Zeit benötigt, die man den Mitgliedern jetzt nicht einräumt.

Alternativen werden den Mitgliedern nicht aufgezeigt, es heißt lediglich „friss oder stirb“. Genauso hinterfragenswert ist es, ob man nur mit der Daimler AG oder auch noch mit anderen potentiellen Investoren gesprochen hat und was diese für einen Einstieg beim VfB bereit gewesen wären zu zahlen. Den Mitgliedern bleibt nichts anders übrig, dem Verein zu glauben (oder auch nicht) und das, obwohl doch Vertrauen in den letzten Jahren ein absolutes Fremdwort auf dem Wasen war.

Wie kommt es plötzlich, dass der VfB auf einen Wert von 350 Millionen Euro taxiert wird, wenn vor einem Jahr noch von etwa der Hälfte die Rede war. Handelt es sich hier gar um eine Scheinmarke, die den den Mitgliedern genannt wird, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass 75% der Stimmberechtigten für die Ausgliederung stimmen? Hofft man, dass diese beträchtliche Summe, aus der die 41,5 Millionen Euro (11,75%), die der Daimler an Anteilen erwerben möchte, hervorgehen, die Sinne der Mitglieder vernebelt? Etwas mehr Transparenz bei der Ermittlung des Unternehmenswerts wäre hilfreich gewesen.

Für den Daimler ist die Summe, die er investiert, zunächst einmal irrelevant, da sich diese Einlage bilanziell nicht auswirkt und er somit auch vor seinen Aktionären und Mitarbeitern keine Rechenschaft darüber ablegen muss. Für ihn stellt es eine Beteiligung dar und beeinträchtigt lediglich seine Liquidität. Somit hält sich sein Risiko in engen Grenzen, zumal er ja wieder aussteigen könnte, sollte sich der VfB einmal im Sinkflug befinden.

Sollte die Höhe der Einlage vom Daimler tatsächlich zu hoch angesetzt sein, könnte es dem Verein zudem schwer fallen, weitere Investoren zu denselben Konditionen zu finden, um am Ende des Tages die gewünschten 24,9% der Anteile verkauft zu bekommen. Wer dann zusätzlich noch mit ins Boot genommen wird, darüber haben die Mitglieder dann allerdings kein Stimmrecht mehr, sollte die Ausgliederung durchgehen. Dies läge dann in der Entscheidungsbefugnis der AG, womit die Mitglieder in dieser Hinsicht mit ihrem Kreuzchen Stand jetzt die Katze im Sack kaufen würden.

Eine weitere Frage, die mir unter den Nägeln brennt und die mir bislang keiner zu meiner Befriedigung erklären konnte, ist die, was passiert, wenn der Daimler aus welchen Gründen auch immer keine Lust mehr hat, den VfB zu unterstützen und seine Anteile weiter veräußern möchte?

Der VfB betont zwar immer wieder, dass es vertraglich geregelt werde, dass kein Investor seine Anteile ohne Zustimmung vom VfB weiter verkaufen dürfe und dass der VfB ein Rückkaufrecht auf die Anteile habe. In der Praxis erscheint es mir schwierig, kurz mal 41,5 Millionen (plus/ minus Wertanstieg bzw. -verfall) auf den Tisch des Hauses zu legen, um dadurch den Einstieg bspw. eines chinesischen Investors zu verhindern.

In diesem Zusammenhang stößt mir auch die Aussage, das vom Daimler erhaltene Geld würde ins Eigenkapital fließen, sauer auf. Buchhalterisch ist es wohl tatsächlich so, aber doch nicht in der Realität, wenn jederzeit damit gerechnet werden muss, dass die entsprechende Einlage der AG theoretisch wieder entzogen werden kann. Ich gebe zu, ich bin kein Finanzexperte, da der VfB es aber nicht für nötig hält, Bedenken stichhaltig auszuräumen, macht man sich als Laie eben seine eigenen Gedanken.

Würden die Gelder regelmäßig fließen, stiege die Erfolgswahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren sprunghaft an. Da es sich aber um eine einmalige Einlage von 41,5 Millionen Euro handelt, wird uns diese Summe vermutlich nicht so weit voran bringen, wie es sich viele erhoffen. Der Daimler hat zwar, wenn man der Propaganda-Seite vom VfB glauben darf, ein höheres Sponsoring-Engagement zugesagt, solang aber keine Zahlen auf dem Tisch liegen und man sich als Mitglied kein Bild davon machen kann, ist auch dieses Versprechen eher unter der Kategorie „Katze im Sack“ einzuordnen.

Damit stehen weiter die 41,5 Millionen Euro als Fixum (und das auch nur im Fall des Aufstiegs), der Rest, der im Raum steht, ist theoretischer Natur, so dass man das glauben kann oder eben auch nicht.

41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball nicht mehr die Welt und helfen dem VfB höchstens kurzfristig weiter. Ein Teil der Summe soll sofort in den Profikader fließen, ein weiterer in den Nachwuchsbereich und schließlich soll davon auch noch die marode Infrastruktur auf Vordermann gebracht werden.

Wer davon träumt, dass sich mit diesen Mitteln kurz- und mittelfristig Vereine wie Hoffenheim und Leipzig, die uns in den letzten Jahren enteilt sind, wieder einholen lassen, ist ein Phantast.

Diese 41,5 Millionen hätten sich durch gute Arbeit im Kerngeschäft in den letzten Jahren auch aus dem Spielbetrieb heraus erwirtschaften lassen. Ich möchte gar nicht so weit zurück gehen und noch einmal daran erinnern, wie schnell die 35 Millionen Euro, die man beim Verkauf von Mario Gomez eingenommen hat, versickert sind.

Aus der jüngeren Vergangenheit ist das Beispiel Joshua Kimmich zu nennen und das Vergraulen unserer Ikonen im Jugendbereich Albeck und Schrof. Besäßen wir heute noch die Transferrechte an Kimmich, würden wir diese Summe durch einen einzigen Verkauf einnehmen, ohne dafür auch noch unsere Mitgliederrechte verschachern zu müssen.

Seit Schindelmeiser beim VfB ist, wurde im Nachwuchsbereich bereits an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht, der Einstieg von Porsche als Hauptsponsor des Nachwuchsleistungszentrums sowie das Stellen des Nachwuchsbereichs auf eigene finanzielle Beine ist ein weiterer wichtiger Schritt. An dieser Stelle müssen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt werden, wenn die richtige Leute am richtigen Ort sind und nicht nach Kumpanei eingestellt oder entlassen werden, wie es in der Ära Bobic gang und gäbe war. Dann lassen sich schon bald und auch ohne Ausgliederung erste Früchte in Form von erstklassigen Bundesligaspielern ernten.

Die 41,5 Millionen Euro vom Daimler erscheinen noch mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich vor Augen führt, wie sich die Fernsehgelder ab der kommenden Saison entwickeln werden. Der durchschnittliche Bundesligist erhält demnach gut 47 Millionen Euro jährlich und damit etwa zehn Millionen Euro mehr als der FC Bayern in dieser Saison oder fast doppelt soviel wie der VfB in der Vorsaison als Bundesligist.

Dadurch wird insgesamt mehr Geld in den Kreislauf fließen, von dem alle Vereine profitieren (die Top Ten logischerweise noch mehr als die Anderen), so dass es mir äußerst unrealistisch erscheint, dass der VfB, wie er in seinem „Sendung mit der Maus Video“ propagiert, schon bald wieder die Lücke nach oben schließen und die Plätze 2-5 anvisieren können wird.

Es wird ebenso die Hoffnung geschürt, dass der VfB nach einer Ausgliederung wieder selbst bestimmen kann, welcher Spieler bleibt und welcher geht. Auch das erscheint mir eine gewagte These zu sein, denn, Profifußballer gehen ausnahmslos dort hin, wo es das meiste Geld zu „verdienen“ gibt.

Ich bin froh, dass der VfB den Gehälterirrsinn nur bedingt mitgeht und unser Top-Verdiener derzeit „nur“ ca. 2 bis 2,5 Millionen jährlich in den Allerwertesten geschoben bekommt. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass man einen Verein wie Hoffenheim beim Wettbieten um einen Spieler aussticht und somit ein Gehaltsniveau im doppelt oder dreifach so hohen Bereich aufbaut.

Geht man diese Entwicklung mit, läuft man schnell Gefahr, den Schritt zurück in die Heldtsche Ära zu machen, als man Gehälter auf Championsleague-Niveau zu bezahlen hatte und die entsprechenden Einnahmen plötzlich fehlten. Da kann ich mich eher noch mit der Philosophie eines SC Freiburg anfreunden, der sich als Ausbildungsverein sieht und für den es Teil seiner Philosophie ist, Transfererlöse zu generieren und sich dadurch sein Überleben zu sichern.

Bei der Selbstbeweihräucherung seitens des VfB erkenne ich noch kein nachhaltiges Konzept, wie es weiter gehen soll, wenn die einmaligen Einnahmen, die aus der Ausgliederung generiert wurden, ausgegeben oder auch versickert sind.

Beim Daimler bin ich mir zudem nicht sicher, mit welcher Ernsthaftigkeit er sein Sponsoring beim VfB betreibt oder ob er weiterhin gerade nur das Mindestmaß dessen für den VfB tut, was nötig ist, um den Einstieg eines oder mehrerer Konkurrenten zu verhindern.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren, dass der Daimler gemäß seines Leitspruchs „Das Beste oder nichts“ hauptsächlich Spitzensport fördert. Sei es im Motorsport, wo für ihn bereits der zweite Platz eine Niederlage darstellt, bei der deutschen Fußballnationalmannschaft oder auch im Spitzen-Tennis gibt der Konzern ein Vielfaches dessen aus, was ihm der Nachbar VfB wert ist.

Schon beim „Verkauf“ der Namensrechte am Neckarstadion, hat man dem Vernehmen nach die Stadt gehörig über den Tisch gezogen (10 Millionen Mark einmalig!), auch den Namen Mercedes-Benz Arena bekam man nach dem letzten Stadionumbau Presseberichten zufolge zum Schnäppchenpreis.

Dem Daimler stünde es ja frei, den VfB als Hauptsponsor nach Kräften zu unterstützen wenn er denn schon seit Jahren als Gegenleistung einen Aufsichtsratsposten für sich beansprucht und maßgeblich über die Geschicke des VfB mitbestimmt und demzufolge am Absturz in den letzten Jahren nicht ganz unbeteiligt ist.

So lang der Verein und Daimler klüngeln und nicht mit offenen Karten gespielt wird, so lang Kritiker als Ewiggestrige abgetan werden, fällt es mir schwer, für die Ausgliederung zu stimmen und mein Stimmrecht, was die künftige AG betrifft, aufzugeben.

Auch wenn der Verein weismachen möchte, die Stimme der Mitglieder bleibe entscheidend heißt es in dem oben erwähnten Gutachten „Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

Ich bin gewiss weder Ultra, noch einer, der sich der Moderne verschließt. Als Mitglied möchte ich aber ernst genommen und umfassend informiert werden und nicht die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen, wie es derzeit geschieht.

Ich hoffe, dass bis zum 01.06. noch Fakten auf den Tisch kommen und nicht nur Vorhaben verkündet werden, über deren Eintrittswahrscheinlichkeit nur spekuliert werden kann. Für die Katze im Sack werde ich sicherlich nicht stimmen.

Sollte es tatsächlich so schlecht um den VfB bestellt sein und der Laden im Fall einer Ablehnung der Ausgliederungspläne mutmaßlich zugemacht werden müssen, möge man auch dies offenlegen, weshalb das so sein soll. Sonst ist das für mich nur Panikmache und unseriöse Stimmenfängerei.

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22. April 2017

Mit Glück, Maxim und Mega-Terodde!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 08:55

Der VfB Stuttgart schloss den 29. Spieltag mit einem Auswärtssieg bei Arminia Bielefeld ab und holte sich die Tabellenführung von Hannover 96 zurück.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das den VfB auf der Alm erwartete. Die Bielefelder taten uns nicht den Gefallen an Jürgen Kramny als Trainer festzuhalten und holten seit seiner Entlassung beachtliche zehn Punkte aus vier Spielen. Der VfB indes kam nach zuvor fünf sieglosen Partien im Derby gegen den KSC zum ersten Dreier seit Ende Februar und meldete sich somit bereit für den Saison-Endspurt.

Erst zum zweiten Mal während seiner Amtszeit vertraute Hannes Wolf der Elf der Vorwoche. Der VfB begann forsch und deutete schon in der Anfangsphase an, dass man sich in Bielefeld etwas vorgenommen hatte. Vor allem über den wiedererstarkten Maxim, der nach Manés schwerer Verletzung noch DER Trumpf im Aufstiegsrennen werden könnte, liefen viele Angriffe in Richtung des Bielefelder Kastens, während sich die Ostwestfalen zunächst kaum befreien konnten.

In der zehnten Minute kam Simon Terodde wohl leicht außerhalb des Strafraums nach einem Laufduell zu Fall, die Pfeife des Hannoveraner (!) Schiedsrichters Harm Osmers blieb jedoch stumm. Pfeift er diese Aktion konsequent zu unseren Gunsten, kann man auch über eine rote Karte wegen Notbremse diskutieren. Mit der Theatralik eines Arjen Robben, der in Madrid für einen ähnlichen Kontakt den Elfmeter erhielt, wäre wohl auch hier mehr drin gewesen.

Gleich mit der ersten Torchance nach einem schönen Spielzug gingen dann die Arminen in Führung. Ausgerechnet Christoph Hemlein, der beim VfB den Durchbruch nicht schaffte, köpfte eine schöne Flanke unhaltbar für Langerak zur Führung der Arminen ein. Man merkte ihm förmlich an, wie gut ihm der Treffer gegen seinen alten Verein tat. Dennoch bot auch dieser Treffer Anlass zur Diskussion über fehlende Intensität im Abwehrverhalten. Man ließ die Bielefelder nach Belieben kombinieren, während Insúa bei Hemlein gerade mal ein Alibi-Hopserle machte und der Wucht des Bielefelders nichts entgegen setzen konnte. Nach der Führung war der VfB um eine schnelle Antwort bemüht, kam jedoch kaum zu nennenswerten Abschlüssen, weil der letzte Pass nicht ankam oder die Ballbehandlung zu schludrig vorgetragen wurde, was zu vielen unnötigen Ballverlusten führte.

Bielefeld hat seit dem Wechsel auf der Bank zum Luxemburger Jeff Saibene durchaus auch in Sachen Spielkultur etwas zu bieten und wurde mit der Führung im Rücken mutiger. Vom VfB kam in weiten Phasen der ersten Halbzeit wenig, ein insgesamt enttäuschender und auch ernüchternder Auftritt, war man doch angesichts dem fünf Spiel währenden Negativlauf und den Ergebnissen der Konkurrenz zum Nachlegen verdammt. Auf der Gegengerade, Reihe 1, wo es uns dieses Mal hinverschlagen hatte, ließ ich mich schon in Anbetracht der Atmosphäre auf der Alm zur Bemerkung hinreißen, dass überall, wohin wir reisen, beste Stimmung herrscht, was ja nicht unbedingt für den VfB spricht.

Der VfB hatte zwar über weite Strecken des Spiels ein Plus an Ballbesitz, wusste mit diesem jedoch wenig anzufangen. Dies änderte sich schlagartig in der 51. Minute, als der Bielefelder Keeper Davari außerhalb des Strafraums Alexandru Maxim den Ball vor die Füße spielte, dieser sich nicht zweimal bitten ließ und die Kugel aus 40 Metern per Bogenlampe in den Kasten drosch. Auch in Zeiten, als Maxim nicht spielte, ich die Entscheidung des Trainers aber akzeptierte und nachvollziehen konnte, betonte ich immer wieder, dass es manchmal eben doch gut tut, einen wie Maxim auf dem Rasen zu wissen. Dieses Tor, das behaupte ich mal, hätte kein anderer im Kader gemacht. Nicht nur in dieser Situation hat Maxim geglänzt, er war während des gesamten Spiels Dreh- und Angelpunkt und unheimlich engagiert und motiviert. Einer seiner besten Auftritte im VfB-Dress, an den ich mich erinnern kann.

Nur drei Minuten später dribbelte sich der Dreifach-Torschütze aus dem Hinspiel, Simon Terodde, durch die gegnerische Abwehr und lupfte den Ball im Stile eines Klassestürmers über Davari hinweg zur VfB-Führung. Danach ging es rauf und runter. Dem VfB gelang es nicht, Ruhe ins Spiel zu bekommen, während die Bielefelder vor Selbstvertrauen nur so strotzten und eine Viertelstunde vor Schluss durch Yabo zum Ausgleich kamen. Wieder war es Hemlein, der volley aus kurzer Distanz abzog, Langerak konnte nur noch vor die Füße von Yabo abklatschen und sah bei diesem Treffer nicht ganz so glücklich aus. Den Letzten beißen nun mal die Hunde, die entscheidenden Fehler passierten vorher, weil zu halbherzig agiert wurde und man keinen Zugriff auf die Gegenspieler bekam. Nun drängten beide Teams auf die Führung. Vor allem Terodde boten sich nach der Hereinnahme von Ginczek mehr Räume, doch, er scheiterte drei Mal in aussichtsreicher Position.

Ginzek kam nach dem Bielefelder Ausgleich für Anto Grgic, der erst zur Halbzeit für Özcan eingewechselt wurde. Die Höchststrafe für einen Spieler, ein- und kurze Zeit später wieder ausgewechselt zu werden, was Grgic auch überhaupt nicht schmeckte, wie sich an seiner Körpersprache und wie er sofort in die Kabine trottete, ablesen ließ.

Hannes Wolf begründete diese Maßnahme später mit den geänderten Vorzeichen und damit, dass es sonst Gentner getroffen hätte, der jedoch „noch gut im Spiel“ gewesen sei. Meinen Segen hätte Wolf bei der Herausnahme von Gentner gehabt. Es ist sowieso schwer nachzuvollziehen, weshalb Gentner nun die 10 geben darf, wo sich mit Özcan und Ofori eine Doppelsechs gefunden zu haben scheint, während der eigentliche 10er Maxim auf den Flügel ausweichen muss. Für mich hat das Ganze schon einen Touch von Wachablösung und deutet darauf hin, dass man Gentner in dieser Saison noch mitschleppt und kein Fass aufmachen möchte, im Sommer die Karten aber neu gemischt werden.

Nach Chancen hüben wie drüben spielte Daniel Ginczek zu einem Zeitpunkt, an dem man sich bereits mit einer Punkteteilung abgefunden hatte, Simon Terodde frei, der abermals mit feiner Technik Davari überwand und zum vielumjubelten 2:3 einschoss. Am Ende war es wieder einmal die individuelle Klasse und die starke Reservebank, die das Spiel zu Gunsten des VfB entschied.

Im Aufstiegsrennen indes ist man genau so schlau wie zuvor. Den Ersten VfB trennen gerade einmal drei Punkte vom Vierten Eintracht Braunschweig, so dass weiterhin jeder Ausrutscher schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Für den VfB bedeutet das, dass er keinen Deut nachlassen darf und sich in der Defensivarbeit tunlichst steigern sollte. Zu instabil wirkten die Auftritt zuletzt. Fünf Mal nicht gewonnen, dann ein glanzloser Sieg gegen das mit Abstand schwächste Team der Liga und jetzt auf der Alm letztlich mit Dusel und durch starke Einzelleistungen gewonnen. Ein Ruhekissen sieht anders aus.

Mit dem 1. FC Union Berlin kommt am Montag ein ganz anderes Kaliber ins Neckarstadion. Den Unionern geht zwar auswärts etwas die Wucht ab, mit der sie ihre Heimspiele bestreiten und doch stellt sich da ein ganz gefährlicher Gegner vor. Der lange verkannte Jens Keller scheint hier sein ideales Arbeitsumfeld vorgefunden zu haben und hat es geschafft, ein ausgeglichenes Kollektiv zu formen, das das Zeug zum Aufstieg hat. Mit den fantastischen Fans im Rücken könnte es das große Plus der Unioner sein, dass sie weitestgehend befreit aufspielen können, weil der Aufstieg kein Muss ist und viele es sogar lieber sähen, bliebe der 1. FC Union in der 2. Liga. Union ist der etwas andere Verein im Profifußball und versucht sich seine Traditionen, seine Fan-Nähe und seine Unabhängigkeit von Investoren zu erhalten. Gerade da haben viele Unioner Bedenken, dass sich der Verein im Falle des Aufstiegs öffnen müsse und das Ursprüngliche verloren gehen könnte.

Für den VfB könnte die Aufgabe leichter werden als gegen die Abstiegskandidaten. Es ist kaum zu erwarten, dass die Unioner, wie so viele Kontrahenten zuletzt, den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken werden. Als Tabellendritter und mit auch am Montag wieder überragender Unterstützung ihrer Fans werden sie versuchen mitzuspielen, ohne jedoch dem VfB ins offene Messer laufen zu wollen. Man darf gespannt sein, wie beide Teams mit dem Druck, der nun doch immer größer wird, umgehen werden und wer die besseren Nerven hat.

Wie wenn der Aufstiegskampf nicht genug Nerven kosten würde, wird dieser fast noch überstrahlt von der anstehenden Abstimmung über eine mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung des VfB Stuttgart 1893 e. V. in eine Aktiengesellschaft.

Nach Jahren der Misswirtschaft beim VfB tue ich mich schwer damit, der „neuen“ Vereinsführung alles vorbehaltlos zu glauben, was uns so erzählt wird. Natürlich hört es sich charmant an, wenn Jan Schindelmeiser unmittelbar nach einer „erfolgreichen“ Abstimmung mit einem 40-Millionen-Euro-Scheck auf Shopping-Tour gehen darf. Diese Aussicht auf schnelles Geld darf uns jedoch nicht die Sinne vernebeln und dazu verleiten, ohne akribische Prüfung wichtige Werte und Mitspracherechte zu verkaufen. 40 Millionen Euro hört sich auf den ersten Blick zwar nach sehr viel an, ist im heutigen Fußballgeschäft aber auch nicht die Welt. Mit einem professionellen Scouting und den richtigen Leuten am richtigen Ort lassen sich solche Beträge durchaus auch aus eigener Kraft erwirtschaften, man stelle sich zum Beispiel nur einmal vor, wir besäßen heute noch die Transferrechte an einem Joshua Kimmich. Auch ein Leihgeschäft mit Kaufoption wie bei Carlos Mané, sollten wir die Zügel des Handelns komplett in useren Händen haben, könnte bei weiterhin positiver sportlicher Entwicklung des Spielers 25-30 Millionen Euro in die Kassen spülen, wenn man ihn für 15 Millionen Euro fest an den VfB bindet und nach ein, zwei Jahren auf die Insel verkauft und dabei unterstellt, dass er dann nicht weniger “wert” sein würde, als ein Leroy Sané, der letzten Sommer für eine Rekordsumme von 40-45 Millionen Euro zu Manchester City wechselte.

Was keiner bei der Debatte erwähnt, ist zudem, dass der neue TV-Vertrag, der ab der nächsten Saison in Kraft tritt, den Vereinen noch sehr viel mehr Geld als bisher in die Kassen spülen wird und sich die kolportierten 40 Millionen Euro somit weiter relativieren könnten.

Der VfB preschte mit dieser Mitgliederversammlung mehr oder weniger aus dem Nichts, mitten in einer sportlichen Krise und in einer Phase, in der im Grunde alles dem Ziel direkter Wiederaufstieg unterzuordnen wäre, vor und terminierte diese zudem mindestens diskussionswürdig auf einen Werktag um 18.30 Uhr. Damit werden sowohl viele, viele auswärtige Mitglieder bei dieser so zukunftsweisenden Entscheidung ausgegrenzt, als auch jene Mitglieder, deren persönliches Arbeitsumfeld es Ihnen nicht ermöglicht, zu dieser Zeit auf der Matte zu stehen.

Klar hat Präsident Dietrich immer wieder betont, dieses Thema habe den Verein (zu) lange gelähmt und müsse zeitnah zur Abstimmung kommen und dann ein für allemal (zumindest was seine Amtszeit betrifft) von der Agenda verschwinden. Und doch ist diese Entscheidung zu tiefgreifend, um sie einfach so mal hopplahopp, womöglich aufstiegstrunken und ohne Zeit und Gelegenheit sich ausreichend über die Für und Wider zu informieren, durchzupeitschen.

Der VfB wird dem entgegnen, dass Präsident Dietrich und andere Gesichter und Verantwortungsträger des Vereins in den kommenden Wochen von Veranstaltung zu Veranstaltung tingeln und für die Ausgliederung werben und dass dies Information genug sei.

Auch ich werde auf die eine oder andere dieser Veranstaltungen gehen und versuchen, mich noch tiefgreifender zu informieren, doch fehlt mir hier ein bisschen die “Gegenseite” oder zumindest das Aufzeigen des VfB von Alternativen zur Ausgliederung.

Bislang heißt es mehr oder weniger nur, entweder Ausgliederung oder wir wurschteln halt weiter wie bisher, was ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Warum steht der Daimler über allem, welche Unternehmen stehen eventuell noch zur Debatte? Gab es womöglich welche, die mehr als der Daimler bezahlt hätten? Wieso in eine AG ausgliedern, was spräche gegen andere Gesellschaftsformen?
Der VfB hat im Vorfeld der MV eigens die Seite http://www.ja-zum-erfolg.info/news/ an den Start gebracht, deren URL schon ein gewisses “Friss oder stirb” beinhaltet.

Zudem werden Dichtung und Wahrheit, Fake-News und Fakten aus VfB-Sicht beleuchtet und den Skeptikern, zumindest lese ich das so zwischen den Zeilen, suggeriert, wer dagegen ist, ist blöd oder sage nein zum Erfolg!

In welchem Zusammenhang steht denn mehr Geld mit Erfolg? Es verbessert zwar die Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Garantie ist es aber nicht. So wie man das Daimler-Geld vergolden kann, kann man es genauso gut in den Sand setzen und dann hätte der VfB sich für Nichts und wieder Nichts und ein für allemal verkauft.

Davor habe ich Angst! Ich sehe zwar die Richtung, die der VfB seit dem Abstieg eingeschlagen hat, als positiv an. Meiner Meinung nach macht Jan Schindelmeiser einen ausgezeichneten Job. Er hat mit Hannes Wolf einen wahnsinnig interessanten und hoffnungsvollen Trainer geholt und, sollte der Aufstieg gelingen, bislang auch wirklich alles richtig gemacht.

Selbst von Präsident Dietrich, bei dem ich anfangs mehr als skeptisch war, bin ich angetan. Nach dem eher unsichtbaren Bernd Wahler wirkt Dietrich auf mich wie ein “Hans Dampf in allen Gassen”. Er ist omnipräsent, hält und knüpft Kontakte, holt alte VfB-Ikonen ins Boot oder baut durch sie (Hitzfeld, Klinsmann) auch “nur” sein Netzwerk aus. Das Fan-Sein merkt man ihm an, er gibt sich volksnah, hat stets ein offenes Ohr für jeden.

Und doch ist längst nicht alles eitel Sonneschein. Der Aufsichtsrat schwebt noch immer über allem, Dietrich ist der Kandidat des Aufsichtsrats und soll nun gefälligst die Ausgliederung durchdrücken. Dieser versucht die gute Stimmung, die im Falle des Aufstiegs herrschen wird, für diesen einschneidenden Beschluss zu nutzen.

Mir fehlt aufgrund der letzten Jahre und deshalb, weil eben dieser Aufsichtsrat, der den Verein sehenden Auges in den Abstieg schlittern ließ, noch immer die Zügel in der Hand hält, weiterhin das Vertrauen. Eine Saison in der zweiten Liga, in der wir mit dem besten und teuersten Kader der Liga erwartungsgemäß oben mitspielen, macht noch keinen Sommer.

Daher versuche ich mich auch anderweitig zu informieren und für mich herauszufinden, ob eine Ausgliederung wirklich so alternativlos ist und ob das denn alles stimmt, was uns der VfB gerade erzählt. Als Gegenpol zur Ausgliederungsseite vom VfB gibt es die Seite https://dervfbblog.wordpress.com/, in der unter anderem die angebliche Dichtung und Wahrheit zerpflückt und verdeutlicht wird, dass Bedenken durchaus berechtigt und angebracht sind. Es wird durchleuchtet, dass die versprochenen Einlagen vom Daimler zunächst einmal keinerlei Auswirkungen auf dessen Bilanz haben und deren Höhe für seine Aktionäre daher erst einmal völlig irrelevant ist.

Weshalb der Unternehmenswert vom VfB binnen eines Jahres so in die Höhe geschnellt sein soll, ist mir etwas schleierhaft und erscheint in diesem Zusammenhang in einem trüben Licht. Ist es denn gesagt, dass in absehbarer Zeit auch andere Unternehmen zu diesen Konditionen auf diesen Zug aufspringen, oder wird hier “nur” gönnerhaft vom Daimler eine Zahl in den Raum geworfen, um die Mitglieder zu ködern?

Bei mir überwiegt weiterhin die Skepsis und ich hätte es lieber gehabt, die Entscheidung darüber hätte man hintenan geschoben und dann zur Abstimmung gebracht, wenn verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen wurde. Das wäre dann der Fall, wenn der VfB durch richtige Personalentscheidungen auch in der Bundesliga nachhaltig konkurrenzfähig wäre, nicht aber zum jetzigen Zeitpunkt, wo der Aufstieg selbst für den Krösus der Liga fünf Spieltage vor Schluss am seidenen Faden hängt.

Spannende Wochen stehen uns bis zur Abstimmung bevor. Eine Abstimmung, die die Fanszene bereits jetzt spaltet, was Gift im Aufstiegskampf ist. Auf der einen Seite die Traditionalisten, die die Werte des VfB unter keinen Umständen verkaufen wollen und wohl unter keinen Umständen je für eine Ausgliederung stimmen werden und eben jene, die jedem vorwerfen, der dagegen oder zumindest skeptisch ist, ewiges Herumdümpeln zu bevorzugen und “nein zum Erfolg zu sagen”.

Ich sehe mich dazwischen angesiedelt. Erfolg ist für mich nicht alles, die zunehmende Kommerzialisierung unschön, das Ursprüngliche des Fußballs ist längst verloren gegangen. Dieses Rad lässt sich zwar nicht zurückdrehen, aber vielleicht verlangsamen, zumal eine Ausgliederung, siehe zum Beispiel den Hamburger SV, keinerlei Garantien birgt.

Im Gegenteil, die Mitgliederversammlungen sind zu traurigen Veranstaltungen verkommen (381 Mitglieder bei der letzten HSV-MV am 8.1.17), von Meisterschaftsfeiern auf dem Rathausmarkt und der Championsleague ist man auch drei Jahre nach Entscheidung meilenweit entfernt. Weshalb soll man sich dann auch noch überhaupt die MV antun, wenn man gerade noch über die Belange der Faustball- und Hockey-Abteilung befinden darf, bzgl. der Fußballabteilung aber so gut wie kein Mitspracherecht mehr besitzt? Weshalb dann überhaupt noch Mitglied sein?

Das Tempo, mit der die Ausgliederung duchgeboxt werden soll, erscheint mir wie eine Verzweiflungstat, den Abstand nach oben möglichst schnell mit Hilfe eines Investors verringern zu wollen. Die letzte Patrone sozusagen, geht das schief, versanden auch diese Millionen im Nirvana, dann gute Nacht, VfB.

Es nervt mich wirklich extrem, mir zu dieser Unzeit diese Gedanken machen zu müssen, wo am Montag ein ganz richtungsweisendes Spiel ansteht. Die beiden bisherigen Montagsspiele gegen Mit-Aufstiegsaspiranten konnte der VfB nämlich nicht gewinnen, danach geht es zu einem in dieser Saison recht unberechenbaren 1. FC Nürnberg, der seit dem Pokalfinale 2007 als unser Angstgegner gilt. Schwere Aufgaben also, die es zu meistern gilt und auf deren Bewältigung der gesamte Fokus gelegt werden sollte. Lässt der VfB da nach oder es geht im im Endspurt die Luft aus, könnte sich das Thema Ausgliederung ohnehin fürs erste selbst erledigt haben.

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1. März 2017

Siegesserie ausgebaut!

Nach dem am Ende schmeichelhaften Sieg beim 1. FC Heidenheim hieß es letzten Sonntag die Serie zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern auszubauen.

Die Pfälzer kamen mit dem neuen Trainer Norbert Meier ebenfalls gut aus der Winterpause und reisten daher mit neuem Selbstbewusstsein an. Das Aufeinandertreffen der „Serientäter“ und die von Teilen der Fanlager gelebte Fanfreundschaft mobilisierte die Massen. Gut 52.000 Zuschauer, darunter etwa 6.000 Pfälzer ließen Bundesligaflair durchs Neckarstadion ziehen und verliehen dem Spiel bei frühlingshaften Temperaturen einen hervorragenden äußeren Rahmen.

Beim VfB stand Neuzugang Ofori erstmals im Kader. In der Startformation ersetzte der Siegtorschütze von Heidenheim, Josip Brekalo, zunächst Julian Green, während der Ex-Lauterer Jean Zimmer anstelle des verletzten Kevin Großkreutz hinten rechts verteidigte. Für meine Begriffe machte Zimmer, der beim VfB einen schweren Stand und viel Konkurrenz hat, ein ordentliches Spiel, vor allem offensiv jedoch noch mit Luft nach oben. Bei ihm bin ich guter Hoffnung, dass er sein Potential bei uns bisher bei weitem noch nicht ausgeschöpft hat und zu einer Verstärkung werden könnte, wenn er mehr Spielpraxis bekommt. Viele stempeln ihn zwar bereits als Fehleinkauf ab, für mich verfrüht!

Das Spiel war eine zähe Angelegenheit, weil die Lauterer dicht gestaffelt standen und der VfB in der ersten Hälfte keinerlei Lösungen fand, den Pfälzer Abwehrriegel zu durchbrechen. Der VfB spielte durchaus engagiert. Als Zuschauer musste man sich eigentlich nie Sorgen machen, dass in diesem Spiel etwas anbrennen könnte, weil der VfB eindeutig Herr im eigenen Haus war, nur Torchancen blieben in der ersten Hälfte absolute Mangelware.

Dabei plätscherte die Partie eigentlich nicht einmal vor sich hin, weil das Bemühen erkennbar war, sich den Gegner langsam zurechtstellen zu wollen. Das Spiel gegen die beste Abwehr der 2. Liga war nun mal kein Selbstläufer, der VfB musste einiges investieren.

Unter Hannes Wolf scheinen die trostlosen Begegnungen, die man in den Vorjahren, vor allem zu Hause, oft hat über sich ergehen lassen, der Vergangenheit anzugehören. Wolf, unsere guten Individualisten und die Möglichkeit von der Bank Qualität nachlegen zu können, geben mir derzeit die Zuversicht, dass stets etwas passieren kann.

Wie schon in Heidenheim kamen die Brustringträger hungrig aus der Halbzeitpause und hatten durch Baumgartl und Gentner gleich die ersten Torannäherungen zu verzeichnen. Auch an den Frühstarts, die der VfB regelmäßig in beiden Halbzeiten hinlegt, lässt sich ablesen, dass die Jungs in der Kabine gut eingestellt wurden und die ihnen mit auf den Weg gegebenen Vorgaben noch frisch im Gedächtnis haften.

Der VfB erspielte sich nun ein Übergewicht, kam dem erlösenden Treffer peu à peu näher und erzwang die Führung schließlich auch. Simon Terodde bewies dabei einmal mehr seinen Torriecher, als er eine Insúa-Flanke zur Führung verlängerte. Dieses Tor war bereits sein 15. in dieser Saison, womit er die alleinige Führung in der Torjägerliste übernahm. Dass er dieses bereits mit gebrochenem Nasenbein erzielte, bekam man auf der Tribüne nicht mit, unterstreicht aber die Nehmerqualitäten, die in „Torodde“ schlummern.

Kurze Zeit später hatte er dann seine Schuldigkeit getan und wurde gegen Daniel Ginczek ausgewechselt. Wohl dem, der so nachlegen kann wie der VfB. Ginczek hatte das 2:0 noch auf dem Fuß, vergab aber letztlich kläglich. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei ihm der Knoten platzt und er wieder ganz der Alte ist. Immerhin sicherte er sich kurz vor Spielende noch einen Scorerpunkt, indem er den ebenfalls eingewechselten Özcan glänzend in Szene setzte und dieser schließlich mit seinem 2. Saisontreffer für die Entscheidung sorgte.

Somit stand unterm Strich ein abgeklärt errungener Sieg gegen stark verteidigende Lauterer und die Erkenntnis, dass der VfB auch eine eher zähe Partie grundsolide und konzentriert für sich entscheiden kann. Mir fällt derzeit sehr wenig ein, was gegen den Aufsteiger VfB sprechen sollte. Fünf Punkte Vorsprung auf Hannover 96, das zu Hause gegen Arminia Bielefeld nicht über ein Unentschieden hinauskam und sechs Punkte Vorsprung auf den Dritten Union Berlin sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache.

Unser kommender Gegner Eintracht Braunschweig, in der Vorrunde stets auf einem direkten Aufstiegsplatz platziert, fand nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg durch den Auswärtssieg in Sandhausen wieder in die Spur und darf im Aufstiegsrennen weiterhin nicht außer Acht gelassen werden. Rechtzeitig vor dem Gipfeltreffen mit dem VfB tankte das Team des langjährigen Trainers Thorsten Lieberknecht neues Selbstvertrauen und dürfte am kommenden Montag eine harte Nuss werden.

Braunschweig hat lediglich eine (kürzlich gegen den FC St. Pauli) Heimniederlage zu beklagen, aber bereits acht Heimsiege vorzuweisen. Im Hinspiel (unter Olaf Janßen) war es eine relativ klare Angelegenheit für den VfB, zu Hause aber, mit ihrem enthusiastischen Publikum im Rücken, dürfte es für den VfB ungleich schwerer werden.

Doch, der VfB ist seit dem Trainingslager in Lagos mit dem aus der Vorrunde überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Fünf Siege in fünf Rückrundenspielen sprechen Bände. Das Team wirkt stabiler und hat vor allem in puncto Zusammenhalt und Teamgeist zugelegt. Spieler wie Anto Grgic, die in der Vorrunde noch überhaupt keine Rolle gespielt haben, sind nicht mehr wegzudenken und der Konkurrenzkampf ist größer denn je.
In Braunschweig erwartet den VfB eine echte Reifeprüfung, denn, Spitzenmannschaften waren noch nicht unter den Rückrundengegnern. Mit einem Auswärtssieg könnte ein wahrer Big Point gelandet werden, der nicht nur drei Punkte sondern auch Rückenwind für die nächsten Aufgaben einbringen sollte. Gut sind die Erinnerungen an das Bundesligaspiel 2013 im Stadion an der Hamburger Straße, das der VfB, mit Thomas Schneider auf der Bank, mit 0:4 für sich entschied.

Weniger gut dagegen sind die Erinnerungen an die damalige Busfahrt, als wir bereits auf der Hinfahrt Probleme mit dem Bus hatten und dieser vor dem Stadion notdürftig „behandelt“ wurde, um dann völlig den Geist aufzugeben und uns zu einem mehrstündigen Stopp auf dem Rasthof Kassel zu zwingen. Das Spiel fand sonntags, 17.30 Uhr, statt, zu Hause war ich gegen 6 Uhr morgens und durfte da schon fast wieder ins Geschäft aufbrechen. Daher ist es geradezu ein Segen, dass das nächste Spiel in Braunschweig am Montagabend ist und man den Dienstag sowieso gleich mit freinehmen musste. *Ironieaus*

Eine wahre Freude ist es derweil, Hannes Wolf zu beobachten. Pressekonferenzen mit ihm sind schon allein ein Erlebnis. Man nimmt ihm dabei sogar ab, dass er das Team, das zwei Tage später auf dem Platz beginnen soll, wirklich noch nicht komplett im Kopf hat.

Er achtet bei seinen Spielern auf jedes Detail und beobachtet die Jungs bis zum Abschlusstraining, am Vortag des Spiels, ehe er elf Spielern sein Vertrauen schenkt. Wolf wägt dabei genau ab, wen er aus der Stammelf herausnehmen kann und wer sich dessen Platz auch wirklich verdient hat. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch ergebnisoffenen und gerechten Konkurrenzkampf beim VfB erlebt zu haben.

Wenn sogar ein Thomas Tuchel Hannes Wolf adelt, indem er ihm bescheinigt, noch nie einen Trainer erlebt zu haben, der sich derart in die Gefühlswelt seiner Spieler hineinversetzen kann wie Hannes Wolf, drückt dies viel über die menschlichen Qualitäten aus und sollte uns Hoffnung geben, dass die Mannschaft Wolf auch weiterhin folgen wird.

Derzeit sehe ich uns auf den meisten Ebenen personell gut aufgestellt und die richtigen Leute am richtigen Platz wirken. Die Personalrochaden bei den Amateuren und den Junioren tragen erste Früchte, die Profis sind im Soll und Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordnen die Situation nach wie vor sachlich ein und werden genau ein Auge darauf haben, ob jemand meint, nachlassen zu können.

Schindelmeiser habe ich oft genug für seine Transfers gelobt und dafür, dass diese Transfers unter Verschluss bleiben, bis sie in trockenen Tüchern sind. Zudem krempelt er den Verein im Hintergrund weiter um und versucht die Kollateralschäden, die Bobic und Dutt verursacht haben, Stück für Stück zu kitten und den Verein zukunftsfähig aufzustellen.

Auch Wolfgang Dietrich macht auf mich bisher, wider meine eigenen Befürchtungen, einen sehr guten Eindruck.

Jüngst, am Rande des Spiels unserer Amateure gegen Nöttingen, hatte ich die Gelegenheit mit ihm zu sprechen und umriss dabei Themen wie seinen Social-Media-Auftritt, sein Treffen mit Ottmar Hitzfeld und den Aufstiegshelden von 1977, das Einbinden Altgedienter in den Verein (wurden laut seiner Aussage jahrelang sträflich vernachlässigt), wie der Wechsel von Brekalo zustande kam und einiges mehr.

Insgesamt war das ein sehr offenes Gespräch, in dem er einen ehrlichen Eindruck erweckte und man ihm anmerken konnte, mit welcher Freude und welchem Engagement er bei der Sache ist.

Viele VfB-Fans und -Mitglieder lehnen ihnen von vornherein ab, weil er als absoluter Befürworter der Ausgliederung der Profiabteilung gilt. Meiner Meinung nach sollte man aber seine Präsidentschaft und die mögliche Ausgliederung getrennt betrachten. Dietrich hat immer betont, dass dieses Thema in diesem Jahr entschieden und vom Tisch sein muss. Dabei wird er, wie seine Vorstandskollegen auch, für die Ausgliederung werben, das Ergebnis der Abstimmung dann aber akzeptieren und dieses Thema bis auf Weiteres von der Tagesordnung nehmen.

Schon bei der Gesprächsrunde mit ihm in Lagos hat er beklagt, wie das Thema den Verein jahrelang lähmte und durch die Blume zugegeben, dass die dadurch gebundenen Kapazitäten an anderer Stelle gefehlt haben und dort Stillstand herrschte. Deshalb habe ich Verständnis dafür, dass der VfB eine schnelle Entscheidung anstrebt, so oder so!

Friede, Freude, Eierkuchen rund um den VfB also, sollte man meinen. Als Blogger fehlen da einem schon fast die Themen, wenn man, wie das ganze Jahr schon, nur noch mit dem Dauergrinsen unterwegs ist. Selbst die Edel-Tribünenhocker Maxim und Klein sind kein Thema mehr, ja, es wäre so schön ruhig, wäre da nicht Kevin Großkreutz.

Dieser war in der Nacht zum Dienstag gegen 2.15 Uhr in der Stuttgarter Innenstadt in eine Schlägerei verwickelt und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, das er am heutigen Mittwoch wieder verlassen konnte.

Als von SWR Sport gestern um die Mittagszeit auf Facebook die Meldung „Kevin Großkreutz musste gestern Abend nach einer körperlichen Auseinandersetzung ins Krankenhaus. Genaueres ist noch unklar.“ gepostet wurde, war meine erste Reaktion, die ich dort auch auf der Seite hinterließ, „Drecks Medien“.

Gerade jener Sender, der sich bei Sport im Dritten in seiner Rubrik „Klartext“ zum Moralwächter des Sports aufschwingt, gibt eine solche Meldung ohne jegliches Hintergrundwissen heraus, und legt dabei offensichtlich mehr Wert auf Exklusivität, als dass man sich auf die journalistische Sorgfaltspflicht besinnen und weiter recherchieren würde.

Kevin Großkreutz ist nun mal kein x-beliebiger Profi sondern polarisiert wie kaum ein anderer. Nachdem Onlineredaktion für Onlineredaktion in Geiermanier nachzog und diese Meldung, natürlich noch immer ohne weitere Fakten, im Netz seine Kreise zog, ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Einer Redaktion, wie der des SWR, hätte es gut zu Gesicht gestanden, Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen, Großkreutz (und seine Familie) zunächst einmal zu schützen. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarte ich hier einfach, auch mehr als sieben Jahre nach dem Suizid von Robert Enke, einen verantwortungsvolleren Umgang mit Informationen, die ihnen auf mysteriösem Wege (wohl aus dem Krankenhaus) zugespielt wurden.

Es scheint gerade so, als dass es den Stuttgarter Medien und dem SWR rund um die Mercedesstraße zu ruhig ist und sie Unruhe schüren wollen, um dies schleunigst zu ändern.

Auch wenn es noch so gut läuft, überall wird das Haar in der Suppe gesucht und medial breit ausgetreten. Dagegen sollten sich Medienvertreter, denen die Türen im VfB-Clubzentrum meist weit offen stehen und denen der VfB wirklich am Herzen liegt, als Partner des Vereins sehen und sich bei derart brisantem Sachverhalt mit dem Verein abstimmen. Tut man das nicht, liegt die Vermutung nah, dass man dem VfB Schaden zufügen und der Ruhe um den Verein ein schnelles Ende setzen möchte.

Bis keine endgültigen Erkenntnisse vorliegen und man nicht sicher weiß, was sich wirklich zugetragen hat, halte ich mich mit einer Wertung der Geschehnisse vollkommen zurück und wünsche Kevin Großkreutz einfach nur eine schnelle und vollständige Genesung.

Inwieweit der Verein den Vorfall bewerten und womöglich sanktionieren wird, steht noch aus. Eine Rolle spielt dabei sicherlich, ob die Sprunggelenksverletzung, die Großkreutz gegen Lautern zum zuschauen zwang, bereits auskuriert war oder ob es für einen besseren Heilungsverlauf nicht besser gewesen wäre, zu Hause die Füße hochzulegen.

Mit der Ruhe dürfte es also vorerst vorbei sein, ich befürchte, dieses Thema wird uns noch länger beschäftigen. Bleibt nur zu hoffen, dass es das Team ums Team schafft, diese Angelegenheit so weit wie möglich von der Mannschaft fernzuhalten und eine normale Vorbereitung auf das Braunschweig-Spiel hinlegen kann.

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11. September 2016

Am Tiefpunkt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:34

Sportliche Tiefpunkte gibt es immer wieder. Daher sollte man mit dem Einsatz von Negationswörtern vorsichtig umgehen und sie nicht überstrapazieren, schließlich ist meist noch immer Luft nach unten, wie man gerade beim VfB in den letzten Jahren erfahren musste.

Rudi Völler und „Weißbier“-Waldemar Hartmann führten anno 2003 eine der prominentesten Tiefpunktdebatten, als Völler anprangerte, dass der deutschen Nationalmannschaft immer neue Tiefpunkte angedichtet werden würden und er die ganze Scheiße nicht mehr hören könne. Nach einem 0:0 auf Island, beim damaligen Tabellenführer war das (O-Ton Netzer: keiner weiß, wie sie das geworden sind). Der Deutsche Fußballbund zog damals seine Schlüsse, investierte in die Ausbildung von Fußballern, machte Jugend-Internate zur Pflicht für jeden Profi-Verein und läutete dadurch das Ende der Rumpelfußballer-Generation um die Ramelows, Jeremies‘ und Janckers ein, was die ersten Früchte bereits 2006 sprießen ließ und uns elf Jahre später den Weltmeistertitel bescheren sollte. Mit einem „weiter so“ wären die Erfolge der letzten zehn Jahre jedenfalls nicht möglich gewesen.

Auch der VfB durchlebte schon mehrere Tiefpunkte. Der Abstieg 1975 war ein solcher, der 2016 sicherlich auch. Die Abstiege resultierten aus Fehlentwicklungen von Jahren und jeweils des einen Spieljahrs, indem man nicht mehr regulierend eingreifen konnte.

Tiefpunkte an einzelnen Spielen festzumachen, ist da schon schwieriger, vor allem heutzutage, wo der Fußball so schnelllebig geworden ist und wo jede noch so derbe Schmach wenige Tage später wieder wett gemacht werden kann, ohne dass allzu viel davon hängen bleibt. Klatschen, an denen man am gefühlten Tiefpunkt stand, gab es einige, so erinnere mich an ein 0:4 zu Hause gegen Bochum in den 80er-Jahren oder auch an das noch gar nicht so lang zurückliegende 1:4 gegen Greuther Fürth. Danach folgte stets Business as usual, so dass solche Schlappen keine Einschnitte in die Vereinschronik bedeuteten.

Weitaus derber fühlen sich aber Niederlagen an, die schon vom regionalen Charakter her ein No Go sind. Im ersten Zweitligajahr 1975/1976 beispielsweise das 2:3 im heimischen Neckarstadion gegen den SSV Reutlingen: Mit dem kürzlich verstorbenen Karl Bögelein an der Linie, der von Istvan Sztani übernahm, traf man als indiskutabler Tabellenzwölfter auf den „Lokalrivalen“ und verlor vor nicht einmal 2.000 zahlenden Zuschauern zu Hause mit 2:3. Es war das „Sahnehäubchen“ auf eine grottenschlechte erste Saison in der 2. Liga Süd, die der VfB als Elfter abschloss.

Spätestens an diesem Tag muss es unserem damals erst ein Jahr im Amt befindlichen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder klar geworden sein, dass der Umbruch nach dem Abstieg zu halbherzig ausgefallen war und der komplette Verein samt Kader noch einmal auf links gedreht werden muss.
MV verpflichtete im Sommer in einer Nacht- und Nebelaktion und auf Anraten des großen Hennes Weisweiler den jungen, hungrigen, enthusiastischen Trainer Jürgen Sundermann aus der Schweiz und setzte vermehrt auf die Jugend, während bis auf Hermann Ohlicher fast alle Absteiger den Verein verließen. Das Ende vom Lied ist bekannt. Die Rasselbande mit erfahrenen Haudegen wie Dragan Holcer und Hermann Ohlicher und vielen jungen Spielern aus der Region, wie Hansi Müller, Karl-Heinz Förster und Dieter Hoeneß, rockte die Liga und sorgte für Begeisterungsstürme im Schwabenland. In diese Saison fiel dann auch mein allererstes Auswärtsspiel, ein 0:0 bei den Münchner Löwen, 78.000 Zuschauer im Olympiastadion, davon bis zu 35.000 VfB-Fans, damals wie heute noch ein Wahnsinn für das Unterhaus.

Der Tiefpunkt gegen Reutlingen hatte somit wohl auch sein müssen. Ein Jahr später kehrte der VfB in die Bundesliga zurück, wurde auf Anhieb als Aufsteiger Vierter, Zweiter, Vierter und 1984 schließlich zum dritten Mal Deutscher Meister.

Die Trendwende, sowohl beim DFB, als auch beim VfB, ist eng mit dem Namen Gerhard Mayer-Vorfelder verknüpft. Beim DFB brachte er schon nach der peinlichen Euro 2000 erste Projekte der Jugendförderung auf den Weg und installierte 2004 das Gespann Klinsmann/ Löw, beim VfB ging er mit der Verpflichtung von Sundermann den unkonventionellen Weg und hatte ein gutes Gespür dafür, wann eine Ära zu Ende war und er Dinge grundlegend ändern musste.

Heidenheim ist für mich ein weiterer Tiefpunkt. Jahrelang gehörte der VfB zum Inventar der Bundesliga, während Heidenheim, früher noch als SB Heidenheim, meist in der Oberliga Baden-Württemberg vor sich hin dümpelte. Es sind gerade diese Spiele, vor denen man im Vorfeld schon gewarnt hatte, die jeder Einzelne beim VfB auch mental annehmen muss. Für den VfB ist es ein gefühltes Pokalspiel, während das Aufeinandertreffen für den Gegner das Spiel des Jahres bedeutet und jeder nur allzu gern dem großen Favoriten ein Schnippchen schlagen möchte.

Den Tiefpunkt stellt für mich gar nicht die Niederlage an sich dar. Gegen Heidenheim kann man durchaus auch mal verlieren. Es verdient großen Respekt wie der Nachbar von der Ostalb dabei ist, sich in der 2. Liga zu etablieren. Ich finde es herausragend, wie lang und mit welchem Erfolg Frank Schmidt schon die Geschicke dort leitet und dass er mit Marc Schnatterer einen Kapitän in seinen Reihen hat, auf den er sich verlassen kann und der vor allem überall auf dem Platz zu finden ist. Ich hätte beide mit Kusshand für die 2. Liga genommen und blicke fast schon neidisch zu solchen Vereinen, wenn ich mich mal wieder in unserer Kapitäns-Debatte verstricke.

Dies also die rein objektive Sichtweise, aus der eine Niederlage eines noch überhaupt nicht gefestigten VfB gegen Heidenheim nicht unrealistisch erschien. Dennoch, ich gebe es zu, habe ich mich im Vorfeld in keiner Sekunde mit einer möglichen Niederlage gegen Heidenheim befasst. Die kam in meiner Denke einfach nicht vor.

Es war doch alles bestellt. Der Kader wurde zum Ende der Transferperiode noch einmal verstärkt, bestes Spätsommerwetter, sensationelle 52.200 Zuschauer und durchaus auch Rückenwind durch den 2:1-Sieg beim SV Sandhausen. Heidenheim mobilisierte ebenfalls die Massen und brachte gut 4.000 Fans mit, so dass der äußere Rahmen perfekt war.

Wenn dann aber der Trainer der gleichen Elf das Vertrauen schenkt, die sich mit Ach und Krach durch den August rettete und in keinem der bisherigen Spiele überzeugen konnte, stellte dies für mich die erste Enttäuschung des Tages dar. Die Geschichte ist bekannt, der VfB verlor völlig verdient und nach indiskutabler Leistung 1:2 und zeigte zu keiner Zeit, dass er in der derzeitigen Verfassung Ansprüche auf einen der vorderen beiden Plätze erheben kann. Heidenheim war besser organisiert, cleverer, auch bissiger und motivierter, was das eigentlich Schlimme ist. Daher rede ich vom Tiefpunkt, wenn es in einem solchen Spiel, von dem man weiß, was es auch für die Fans bedeutet, nicht einmal die Grundtugenden auf den Platz bringt.

MV wäre dazwischen gegrätscht und hätte Trainer und Team, einen nach dem Anderen, zusammengefaltet. MV lebt leider nicht mehr, wer also soll es richten, wer soll den VfB wieder dorthin bringen, wo er eigentlich hingehört, wer haut dabei auf den Tisch, wer spricht ein Machtwort, wer geht unbeirrt den richtigen Weg und lässt sich durch Seilschaften, Errungenschaften, Gewohnheitsrechten und Gegenwind nicht davon abbringen bzw. bricht diese auf? Ich sehe weit und breit keinen im Verein, der mir diese Hoffnung geben würde.

Ob es der designierte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu leisten imstande ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ich teile die Anti-Haltung der Ultras nicht, die schon im Vorfeld und wohl ohne sich richtig mit der Personalie auseinandergesetzt zu haben, diesen Kandidaten ablehnen. Auch gestern wieder wurde auf Spruchbändern vor allem angeprangert, dass die Wahl keine demokratische ist, weil es keinen Gegenkandidaten ist. Ob sie dem Aufsichtsrat Vorschläge eingereicht haben, ist mir leider nicht bekannt, möglich wäre das wohl gewesen.

Wer soll denn ein weiterer geeigneter Kandidat sein? Guido Buchwald, dessen Funktionärskarriere eher mit überschaubarem Erfolg verlief? Karl Allgöwer, sicher DIE Ikone im Stuttgarter Fußball, aber, kann er einen Verein führen? Aus dem Umfeld ist zu hören, dass er wenig kompromissbereit und kein Teamplayer ist, weshalb seine Beratertätigkeit auch schon wieder Geschichte ist.

Die Problematik bei einem Gegenkandidaten ist die, dass wohl die wenigsten diesen Traumjob haben, der es ihnen erlaubt, Wahlkampf um das Amt des VfB-Präsidenten zu betreiben und, sollten sie gewählt werden, von heute auf morgen alles stehen und liegen lassen zu können oder aber bei nicht erfolgter Wahl im Beruf weiter wie bisher machen zu können.

Dietrich hat den Vorteil, dass er mit 68 Jahren diesen Job nicht mehr nötig hat und er das Amt ehrenamtlich und doch in Vollzeit ausüben könnte. Seine ersten Statements, wie er den VfB zurück in die Spur führen möchte, lesen sich so schlecht für mich nicht, so dass ich ihn nicht vornherein ablehne, sondern zunächst die eine oder andere Vorstellungsrunde mitmachen und mir dann ein Bild von ihm machen werde. Wichtig ist erst einmal, dass wir überhaupt wieder eine Führung bekommen und der Controller (Heim) und der Ticket- und Trikotverkäufer (Röttgermann) die längste Zeit ganz oben die Geschicke bestimmt haben.

Dass Dietrich innerhalb des Vereins moderieren wolle, hat er ja bereits verlauten lassen. Ohne der „Wahl“, die im Grunde überhaupt keine ist, jetzt schon vorgreifen zu wollen, ist dies die oberste Präsidentenpflicht und wäre schon jetzt notwendiger denn je.

Dass es von den Herren im Aufsichtsrat und der Rumpfvorstandschaft unglücklich war, den Trainer- vor dem Sportdirektorposten zu besetzen, habe ich bereits des Öfteren kritisiert. Dies kann für mich lediglich dadurch entschuldigt werden, dass Luhukay aufgrund seiner Referenzen die bestmögliche Wahl gewesen zu sein scheint, weiß er doch wie Aufstieg geht.

Schindelmeiser kam einige Wochen später und scheint ganz und gar nicht mit Luhukay auf einer Wellenlänge zu funken. Die Neuzugänge, die Schindelmeiser kurz vor Transferschluss an Land gezogen hat, sollen nicht gerade Wunschspieler Luhukays gewesen sein, wie dieser offen zugibt.

Hat sich ein jeder von uns Fans einen enormen Qualitätsschub durch die Neuen erhofft, dämpft Luhukay die Erwartungen, und kritisiert, dass sich im Kader zu viele Nationalitäten tummeln würden und dass die Integration der Neuen dauern würde. Als Außenstehender kann ich diese Denke nicht nachvollziehen, sagt man doch immer „gute“ Fußballer würden sich verstehen und die Fußballersprache sei international.

Luhukay legt sich also ein Alibi zurecht und erbittet sich Zeit, die man ihm nicht gewähren kann und auch nicht darf. Er muss jetzt, wo der Kader vollständig ist, damit beginnen zu liefern und darf das Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs niemals aus den Augen verlieren. Alles andere als der Wiederaufstieg käme einer mittleren Katastrophe gleich und würde die große Gefahr mit sich bringen, es sich im Unterhaus gemütlich zu machen und dort auf Jahre festzusitzen.

Nach dem fünften Pflichtspiel der Saison ist noch immer kein Spielsystem, kein Plan, keine Handschrift des Trainers erkennbar. Die „Leistungen“ sind eine nahtlose Fortsetzung der Katastrophen-Spiele in der Bundesliga, in der ebenfalls alles auf Zufall bedacht und keine Struktur im Spiel vorhanden war.

Gegen den 1. FC Heidenheim, mit dem sich die Wege in einem Pflichtspiel zuvor noch nie kreuzten, blamierte sich der VfB auf ganzer Linie. Immer wenn der VfB die große Chance hat, Rückenwind aus einer Euphoriewelle zu ziehen, sich vorne festzusetzen, die Fans mitzunehmen kommt mit Sicherheit der Rückschlag oder in diesem Fall der nächste Tiefpunkt.

Von den Neuen stand lediglich der Japaner Asano im Kader, von den Verletzten kehrte auch nur Kevin Großkreutz zurück. Die ersten Saisonspiele, weitestgehend mit den gleichen Aufstellungen, boten katastrophale fußballerische Magerkost, was durch zwei glückliche Siege und dem Weiterkommen im Pokal kaschiert wurde. Für mich damals kein Grund Alarm zu schlagen, weil der VfB in der Spur und die Hoffnung auf Besserung ab September da war. Ich hätte es mir gewünscht, dass Luhukay seine Startformation nun kräftig durcheinanderwirbelt.

Doch, was macht Luhukay, vertraut den gleichen, die mit Mühe und Not in Sandhausen gewannen und schon dort nichts von jener Dominanz versprühten, die man vom gefühlten Erstligisten oder dem FC Bayern der 2. Liga eigentlich erwarten würde. Der VfB ist nun mal mit Hannover 96 der Krösus der Liga, so dass man dies auf dem Platz auch sehen können muss.

Wenn wir schon vom FC Bayern der 2. Liga sprechen, wünschte ich mir eine „Mir-send-mir“-Mentalität, eine Selbstverständlichkeit, mit der man den Rasen betritt und den Gegner niederringt. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall. Wie zu schlimmsten Bruno- und auch Kramny-Zeiten ist der Fußball verhalten, behäbig, abwartend. Es wird stets abgewartet, was der Gegner so drauf hat, anstatt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Mit einer solchen Ausrichtung dürfte es schwer werden, überhaupt Punkte einzuheimsen, denn, anders als in der Bundesliga, wird uns in der 2. Liga kein einziger Gegner den Gefallen tun, uns mit offensiver Ausrichtung ins offene Messer zu laufen. Auch die vermeintlichen Spitzenmannschaften suchen ihr Heil in der Defensive und lauern auf unsere Fehler, die mit Krampen wie Klein, Sama und Sunjic in der Truppe auch nicht lange auf sich warten lassen.

Abgesehen von einer von Zimmer in der fünften Minute kläglich vergebenen Chance fand der VfB offensiv nicht statt. Terodde hängt vorne in der Luft und bekommt keine Bälle, so dass Heidenheim wenig Mühe hatte, den VfB vom eigenen Tor fernzuhalten.

Heidenheim war bei seinen eigenen Vorstößen zielstrebiger und gefährlicher, so dass das 0:0 zur Pause schon eher schmeichelhaft für den VfB war.
Beim VfB bot sich, wen wundert’s bei DER Aufstellung, das gewohnte Bild. Die Viererkette hinten durchweg nicht bundesligatauglich. Insúa, Klein, Sunjic zu langsam und Ausgangspunkte der beiden Gegentore, Sama völlig von der Rolle.

Luhukay muss sich schon fragen lassen, weshalb er den Jungen mit den sichtbar wackeligen Knien 90 Minuten lang durchspielen ließ und ihn nicht schon früh durch Kaminski ersetzte. Luhukay muss sehr wenig Vertrauen in sein Personal haben, wenn er sich davor scheut, ein nicht funktionierendes Gebilde durch die Hereinnahme des einen oder anderen derzeitigen Kaderauffüllers zu verändern.

Legt er hier seine Sturheit nicht ab und ist nicht bereit, variabler zu agieren und den Gegner auch mal zu überraschen, muss man kein Prophet sein, um die nächste Trainerdiskussion bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt riechen zu können.

Da Luhukay offensichtlich kein Kommunikator ist und patzig in die Mikrofone blafft, er müsse nichts erklären, wird er die Rätsel, die er uns aufgibt, wohl irgendwann mit ins Grab nehmen.

Auch Zimmermann hat für mich bislang bei keinem seiner Auftritte den Nachweis erbracht, ein Zweitligaspieler zu sein. Wie Sama mit den Amateuren abgestiegen, soll er nun einer der neuen Hoffnungsträger sein?

Da kann man nur hoffen, dass Hosogai schnell zurückkehrt, der übrigens mit einem Muskelfaserriss bereits vier Wochen lang ausfällt. Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass beim VfB die Rekonvaleszenzzeiten um einiges länger ausfallen, als bei anderen Vereinen.

Dennoch, sollte der neue Präsident denn einmal sämtliche Prozesse und Abläufe innerhalb des Vereins und seiner Tochtergesellschaften durchleuchten, wäre auch die medizinische Abteilung einmal kritisch zu hinterfragen. Da im Verein bereits seit einiger Zeit viele (wirtschaftliche) Dinge wichtiger als der sportliche Erfolg sind, würde es mich nicht einmal mehr wundern, wenn die Zielvorgabe für unsere medizinische Abteilung nicht lauten würde, die Spieler schnellstmöglich dem Team zurückzuführen, sondern eine optimale Auslastung der VfB-Reha-Welt mindestens genau so wertig gewichtet ist.

Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde, aber, seit es die Reha-Welt gibt und es sich einer der ersten prominenten Kicker namens Yildiray Bastürk sich dort so richtig bequem machte, scheinen viele diese Welt gar nicht mehr verlassen zu wollen. Jedes noch so keine Kinkerlitzchen wird eine gefühlte Ewigkeit auskuriert, wobei man die ursprünglich getroffenen Ausfallzeit-Prognosen der Ärzte der Erfahrung nach getrost mal zwei nehmen kann, um auf die tatsächliche Ausfallzeit zu kommen.

Sollte auch Hosogai diesen Wellness-Bereich weiter in Anspruch nehmen wollen und sich sein Comeback noch weiter hinausziehen, wäre Luhukay gut beraten, es auch mal mit nur einem Sechser zu probieren und variabler zu agieren. Ich begrüße es ja grundsätzlich, wenn der VfB Youngster herausbringt, die sich in der ersten Elf freischwimmen, aber, um jeden Preis, nur weil sie jung sind, da geht der Schuss manchmal auch nach hinten los, vor allem, wenn die Mannschaft keine Einheit bildet.

Bei Sama, der ohnehin erst mal keine Rolle mehr spielen sollte, wenn Baumgartl fit und Pavard einsatzbereit ist, wird es interessant sein zu beobachten, ob ihm der Auftritt vom Freitag einen Knacks versetzt, der hängen bleibt.

Eine weitere Baustelle bleibt auch Maxim, dem oft eine unprofessionelle Einstellung, ein unprofessioneller Lebenswandel und auch eine gewisse Verweichlichung vorgeworfen werden. Wenn der x-te Trainer in ihm keinen Mann für 90 Minuten sieht, akzeptiere ich die Entscheidung des Trainers grundsätzlich, vor allem, wenn die Ergebnisse stimmen.

Ist die Nichtberücksichtigung jedoch auf die mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft des Trainers zurückzuführen und mündet in einen Kleinkrieg zum Schaden des Vereins, bekomme auch ich ein Problem mit dem Trainer. Persönliche Animositäten oder der Zwang dem öffentlichen Druck allein „zum Bossen“ nicht nachzukommen, wären zum Schaden des großen Ganzen und seinem Standing im Team sicherlich auch nicht förderlich.

Wir haben erst vier Spieltage hinter uns, die Saison ist noch lang. Eigentlich zu früh für eine Trainerdiskussion. Aber, Luhukay macht sich mit seiner Art, mit seinen Aufstellungen, mit seiner Außendarstellung, mit dem Schlechtreden der Neuzugänge und als Spaßbremse mitten in einer Phase großer Euphorie keine Freunde. Stimmt dann noch die Chemie zwischen ihm und dem Sportdirektor nicht, hat dieser ganz andere Vorstellungen, wie die Mannschaft auszusehen hat und wie man das Unternehmen Wiederaufstieg anpacken muss, hat er nicht einmal den Rückhalt in den eigenen Reihen, so dass die Zeichen schon früh auf Trennung stehen.

Es wäre zwar äußerst ärgerlich, erneut einen Trainer bzw. ein Trainerteam abfinden zu müssen und schon wieder vor einem Neuanfang zu stehen, aber, dies hätte sich dann der Aufsichtsrat an seine Akte zu heften, der den Trainer vor dem Sportdirektor verpflichtet hat.

Luhukay schaufelt sich derzeit sehenden Auges sein eigenes Grab. Die Leute rennen dem VfB die Bude ein, es herrscht, keine Sau weiß warum, so etwas wie Euphorie nach dem Abstieg und Luhukay hat nichts Besseres zu tun, die Erwartungshaltung zu kritisieren? Zu bemängeln, dass seine Spieler Angst vor der Kulisse gehabt hätten? Was sollen dann die Heidenheimer sagen? Ja, sicher, die sind das ja gewohnt. An Lächerlichkeit kaum zu überbieten solche Aussagen.

Luhukay legte ja noch nach. Wer nach den ersten vier Spielen mit unfassbar schlechtem Fußball jubilierte, als Schindelmeiser mit Mané, Asano und Pavard drei hoffnungsvolle Talente auslieh bzw. verpflichtete, bekommt vom Trainer bereits vor deren ersten Spielen den Dämpfer geliefert.
Die vielen Nationalitäten wären ein Problem, dass die Neuen zuletzt wenig gespielt hätten ebenso, hinzu kommt ein neuer Rhythmus und, Achtung Brüller, sie müssten eine neue Spielphilosophie verstehen.

Da fragt man sich, welche Spielphilosophie? Nach dem Spiel vom Freitag konnte man sprechen, mit wem man wollte, keiner konnte eine erkennen, keiner weiß, für welchen Fußball Luhukay eigentlich stehen möchte.

Was in den ersten Spielen dargeboten wurde, war durchweg konzeptlos und auf gut Glück ausgerichtet. Die fußballerischen Mängel sind fatal, hinzu kommt, dass keiner, auch nicht Kapitän Gentner, da ist, der das Heft des Handelns an sich reißen würde, nur Indianer, keine Häuptlinge. Auch dieses Problem haben wir nahtlos von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“. Einzig Großkreutz nach seiner Einwechslung und bedingt auch Maxim merkte man an, dass sie etwas bewegen wollten, was sich allerdings als wenig erfolgversprechend herausgestellt hat, wenn man sich so dämlich auskontern lässt.

Mein einziger Hoffnungsschimmer sind hier derzeit die Neuen und die Rückkehr der zur Zeit verletzten, dass man weder einen Klein, noch einen Sama, noch einen Sunjic, derzeit auch keinen Zimmermann mehr sehen muss und sich durch Mané und Asano die Durchschlagskraft im Angriff verbessert und Terodde endlich auch Bälle bekommt.

Ich erwarte in Kaiserslautern eine auf vier, fünf Positionen veränderte Truppe, die fußballerisch ohnehin besser aufgestellt, als Einheit auftritt und nicht wie gegen Heidenheim, wieder einmal keiner dem Anderen hilft. Dies ist erneut ein Indiz, dass es auch in dieser neu zusammengewürfelten Truppe überhaupt nicht zu stimmen scheint und man mehr gegen- als für einander „arbeitet“. Es ist bereits wieder von Cliquenbildung zu hören und von schlechter Stimmung innerhalb des Teams. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Großkreutz, der aus Dortmund professionelleres Arbeiten gewohnt ist, schiebt bereits mächtig Frust. Erst der Clinch mit dem Co-Trainer und gestern nach dem Spiel kritisierte er indirekt seine Mitspieler aber auch den Trainer, indem er mehr Mut einforderte.

Luhukay muss diesen Tendenzen vehement entgegen wirken, möchte er länger als nur ein paar Monate hier Trainer sein. Am Spieltag erweckte er für mich nicht diesen Eindruck. Er wirkt bereits jetzt genervt und ratlos und nimmt Darbietungen wie die vom Freitag fast teilnahms- und emotionslos hin, während man auf der Tribüne am Ausrasten ist. Wenn man sah, wie engagiert Frank Schmidt die seinen antrieb und dirigierte, blutete einem schon dabei das Herz.

Dass sich der Trainer im Innenleben des Vereins grundlegend anders präsentiert, kann ich mir nicht vorstellen, so dass zu befürchten ist, dass er die Stimmung im Team mit seiner wortkargen Art auch nicht unbedingt aufhellen kann.

Den späten Verpflichtungen, der Länderspielpause und dem Umstand geschuldet, dass die Neuen vor dem Heidenheim-Spiel erst ein, zwei Mal mit der Mannschaft trainieren konnten, könnte man für Luhukay gerade noch so als mildernden Umstand durchgehen lassen.
Für Kaiserslautern gilt diese Ausrede nicht mehr. Ob ein Pavard deutsch, französisch, chinesisch spricht oder taubstumm ist, es darf keine Rolle spielen, schlechter als Sama und Sunjic kann er nicht sein, also muss er spielen.

Mané wünsche ich mir auf Rechtsaußen, damit diese Position endlich von einer Offensivkraft und nicht improvisiert von einem Rechtsverteidiger bekleidet wird. Großkreutz oder Zimmer rechts hinten, Klein aus dem Kader streichen. Dies sind nur zwei von mir erhoffte und auch erwartete Änderungen, die „Leistungen“ bisher bieten unzählige weitere Möglichkeiten der Blutauffrischung.

Setzt Luhukay auch in Kaiserslautern auf diese in seinen Augen altbewährte Gurkentruppe und das Spiel geht in die Hose, ist der Niederländer für mich durch, so Leid mir das täte.

Mit Zorniger hatten wir es in der Vorsaison ja schon einmal mit einem unverbesserlichen Sturkopf zu tun. Nur, sein Fußball sah erfolgsversprechend aus, es fehlten Nuancen, um damit erfolgreich zu sein, er war emotional und höchst engagiert bei der Sache und posaunte im breitesten Schwäbisch Dinge in die Welt hinaus, die er mal besser für sich behalten hätte, was ihm letztendlich unter anderem das Genick brach. Bekanntermaßen hoffte ich bis zum Schluss darauf, dass er irgendwann mal einlenken und klüger im Umgang mit den Medien werden würde und sein Fußball, der schön zum ansehen war, auch zum Erfolg führen würde.

Jetzt haben wir es mit einem introvertierten Sturkopf zu tun, mit dem ich weit weniger anfangen kann. Bei Zorniger wusste man, wie er dachte, was ihn freute, was ihn ärgerte, bei Luhukay, keine Gefühlsregung, nichts! Man weiß nicht, ob ihn die Vorstellung am Freitag auch erschütterte oder ob er sie als „normal“ hinnahm, weil seine Spieler aus 16 Nationen ihren Deutsch-Kurs noch nicht bis zum Ende besucht haben und die Eingewöhnungsphase noch nicht bei allen abgeschlossen ist. Man weiß nicht, wie lang er diesen (seinen) Fußball als normal akzeptiert, vier, sechs, acht Wochen), bei acht, zwölf, sechzehn Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz?

Da es sich der VfB nicht leisten kann zu früh zu viel Boden auf die Aufstiegsplätze zu verlieren, wäre dann der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen, wenn die Ziele des Vereins mit denen des Trainers nicht mehr korrespondieren.

Schon der Abstieg war hausgemacht, weil man zu lang dem Wirken Dutts und Kramnys vertraute und nicht mehr eingriff, als bereits alle Welt sah, dass man in dieser Konstellation keinen Punkt mehr holen würde. Den gleichen Fehler darf man nicht noch einmal machen, abwarten, die Dinge laufen lassen, auf das Gute in Jos hoffen, um dann irgendwann mit hoffnungslosem Rückstand vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Bis zum Ende der Transferperiode bin ich hinter Luhukay gestanden, jetzt beschleichen mich größte Zweifel, so dass ich mir derzeit eher einen Trainer wie Gisdol, der noch auf dem Markt wäre, wünschen würde, der Begeisterung vorlebt und auch vermitteln kann.

Jos zieht gerade ohne Rücksicht auf Verluste „sein Ding“ durch, wie ich meine, nicht gerade zum Vorteil des Vereins. Daher könnte es durchaus bei negativem Ausgang des Schlüsselspiels in Kaiserslautern schon heißen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, dieses Mal dann gar schon bevor die Blätter fallen.

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