13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

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31. Januar 2018

Selbstmord!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:17

Reges Treiben, landauf, landab. Deadline-Day! Für alle Vereine die finale Möglichkeit, ihre Kader zu bereinigen. Perspektivlose Spieler abzugeben oder neue zu holen, um auf Verletzungen, personelle und positionelle Defizite im Kader zu reagieren.

Alle Manager und Sportdirektoren der europäischen Fußballvereine hektisch in Aufruhr. Alle? Nein, von Michael Reschke hörte man nichts (ist sowieso besser so) und sah auch nichts.

Gerüchten zufolge feiert er noch immer die gelungene Korkut-Verpflichtung und hat in der Folge Aspirin mit Schlaftabletten verwechselt.

Für mich haben mit dem heutigen Tage die Planungen für die 2. Liga begonnen.

Zu schwach präsentierte sich der Kader, der laut Reschke, „stark genug ist“, zu stümperhaft muteten die Offensivbemühungen über weite Strecken der bislang gespielten Partien an.

Da keiner mehr kam, der den tödlichen Pass spielen und Standards schlagen kann, habe ich null Komma null Hoffnung, dass das Team mit neuem Trainer plötzlich torgefährlicher wird, ohne sich hinten die Bude voll hauen zu lassen.

Planung für die 2. Liga bedeutet auch, dass man das Unternehmen zwingend ohne den Hauptverantwortlichen, Michael Reschke, angehen muss.

Was hat dieser so hochgelobte Perlentaucher bislang für den VfB geleistet? Überhaupt nichts! Auf seine Transfers wäre jedermann gekommen, alternden Ex-Größen viel zu hohe Gehälter bezahlen, das hätte mit den Daimler-Millionen auch jeder geschafft.

Die einzige Nachhaltigkeit, die in seinem Handeln zu erkennen ist und an die man sich später mal an ihn zurückerinnern wird ist, dass er es in gut sechs Monaten geschafft hat, aus einem von riesengroßer Euphorie getragenen stolzen Club die Lachnummer Fußball-Deutschlands zu machen.

Das hat zunächst einmal überhaupt nichts mit der Korkut-Verpflichtung zu tun. Durch Reschkes Interviews, angefangen, die Kunden des Vereins, die nicht seiner Meinung sind, als ahnungslose Vollidioten abzustempeln, über peinliche Interviews bis hin zu mangelnder Unterstützung und das Untergraben der Autorität von Hannes Wolf.

Reschke wird wohl als erster Sportdirektor der VfB-Historie in die Annalen eingehen, der nach nahezu jedem Interview eine Klarstellung hinterher schieben muss, in der er beteuert, das alles doch nicht so gemeint zu haben.

Ich war 1974 das erste Mal im Stadion und gehe seit der Saison 1976/1977 regelmäßig zum VfB. In meinen gut 40 Jahren fällt mir keine peinlichere Person in tragender Rolle ein. W. S. aus KA war ein anderes Thema, weil bereits vorher verhasst. An Reschke ging man unbelastet an und erhoffte sich was von ihm, weil er, zumindest im Scoutingbereich, mal eine Größe gewesen sein soll.

Reschke hat überhaupt nichts für den VfB geleistet, so dass er wegen seiner miserablen Außendarstellung inzwischen wohl von den meisten Mitgliedern zum Teufel gewünscht wird.

Dieser Mann schadet dem VfB in noch nie dagewesener Weise. Ob es Präsident Dietrich mittlerweile ähnlich sieht, oder ob es Zufall ist, dass er Reschke in seiner gestrigen Mail an alle Mitglieder mit keiner Silbe erwähnt hat? Selbst, wenn Dietrich sich (oder den Mitgliedern) seinen Fehler, ein funktionierendes Konstrukt Schindelmeiser/ Wolf zu Gunsten dieser für diesen Posten absolut ungeeigneter Person auseinander gerissen zu haben, nicht eingestehen möchte, dürften ihm die Sponsoren langsam in den Ohren klingen. Eine gute Außendarstellung des Vereins ist für diese schließlich von eminenter Bedeutung und zudem Vertragsgrundlage.

Meine Kritik an Reschke hat ausdrücklich mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut nichts zu tun.

Dass man im ersten Moment erstaunt, geschockt, ja entsetzt gewesen ist, wen wundert es, wenn man DAS Superhirn der Liga in den Reihen hat, manch einer wegen seiner „guten“ Beziehungen von Thomas Tuchel geträumt hat und dann steht plötzlich Korkut vor der Tür.

Dass Reschke dann auch noch weismachen möchte, dies sei sein Wunschtrainer, spottet jeder Beschreibung. Die Medien decken derzeit nach und nach Unwahrheiten auf, die Reschke im Laufe seiner Amtszeit von sich gegeben hat, auch da sollte sich der VfB Gedanken machen, ob es förderlich ist, einen Sportdirektor zu beschäftigen, dem man kein Vertrauen entgegen bringen kann.

Aus diesen Gründen und weil der VfB es geschafft hat, binnen kürzester Zeit zum Chaosverein zu mutieren, ist es nicht verwunderlich, dass andere Trainer als Korkut gleich abgewunken haben, weil sie entweder noch von gut dotierten Verträgen zehren oder eben lapidar ihren eigenen Ruf beim VfB nicht ruinieren möchten. Wer möchte sich dieses Kasperletheater auch antun, wenn er nicht gerade in größter Not ist, oder eben eh schon in Cannstatt wohnt.

Tayfun Korkut gebe ich wie jedem Neuen, die Chance sich zu beweisen. An ihn gehe ich so unvoreingenommen wie möglich ran, schließlich kann er ja nichts dafür, dass Reschke ihn angerufen hat.

Ein bisschen Leid tut er mir jetzt schon. Die Häme, die wegen der Verpflichtung durch die sozialen Netzwerke geisterte, hat kein Mensch verdient.

Ich denke, den meisten ging es dabei wie mir, dass man die Wolf-Entlassung noch nicht richtig verdaut hatte und die überraschende Verpflichtung Korkuts den Groll gegen unsere Vereinsführung explodieren ließ.

Ich verstehe die Leute durchaus, die die Entlassung Wolfs als alternativlos angesehen haben. Es lässt sich nicht verleugnen, dass kaum ein Spiel in dieser Saison gut anzuschauen war, dass übervorsichtig agiert wurde und die Aufstellungen oft fragwürdig waren.

Ich nehme Hannes Wolf trotzdem in Schutz, weil es zwischen ihm und Reschke von Anfang an nicht passte. Weil Reschke mit lahmen Enten wie Aogo und Beck daher kam, die den Fußball, den Wolf am liebsten spielen lassen würden, ad absurdum führten.

Herrscht zwischen Trainer und Sportdirektor ein derart frostiges Verhältnis, wie es wohl gewesen sein soll, muss einer von beiden entlassen werden. Schade, dass es Hannes Wolf traf.

Der Obergipfel und doch VfB-typisch wäre es, jetzt, nach Schließen der Transferperiode und wo nicht mehr gegengelenkt werden kann, Reschke zu beurlauben. Rauscht es weiter so schön im Blätterwald, könnte dieses Kapitel nämlich bald wieder beendet sein.

Tayfun Korkut indes kann jetzt nur gewinnen. Entweder er bestätigt den Ruf des „Ein Punkt pro Spiel im Schnitt“-Trainers, dann steigt der VfB ab und sein Ruf wäre nicht schlechter als vorher. Oder aber er überrascht alle und eilt von Sieg zu Sieg mit der Mannschaft.

Ich kann mir Letzteres nicht vorstellen. Die eklatant schlechte Kaderzusammenstellung wurde nicht im Ansatz korrigiert, zudem hat er es mit den selben Herren Profis zu tun, die zuletzt nicht nur schlechte Leistungen dargeboten haben, sondern es auch an der Einstellung vermissen haben lassen.

Schlimm wäre es, wenn Korkut wenig ändern würde und sich die Spieler auf dem Platz plötzlich zusammenreißen würden, weil die Ansprache von Korkut eine bessere ist als die von Wolf, er gut riecht oder ihnen nicht ganz so viel abverlangt, wie es Hannes Wolf getan hatte.

Dann ginge es in die Richtung, dass das Team gegen Wolf gespielt hätte und den Verein ein Stück weit sehenden Auges ins Chaos gestürzt hätte. Daher hoffe ich fast, dass sie einfach so scheiße sind, wie man sie im Laufe der Saison fast ausschließlich gesehen hat und es dann eben runter geht.

Ein Gutes hätte ein neuerlicher Abstieg nämlich bestimmt. Ein Dietrich und erst recht ein Reschke wären beim VfB nicht weiter vermittelbar, die AG würde kleinere Brötchen backen und der VfB bekäme nach dem Abstieg die zweite Chance zur Konsolidierung und zum Aufbruch in eine goldene Zukunft.

Die erste hat man am Tag der Schindelmeiser-Entlassung verschenkt, der zweite Versuch klappt dann bestimmt. Mir geht es nämlich momentan ähnlich wie 2016, als wir im Abstiegskampf steckten: vor einem weiteren Bundesligajahr mit dann gleicher Konstellation habe ich mehr Angst als vor der 2. Liga.

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28. Januar 2018

Ich hab die Schnauze voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:42

Ich muss es zugeben, große Teile dieses Berichts habe ich nach Mainz geschrieben, war dann aber unsicher, ob ich mit der Forderung, dass nach gerade einmal zwei Rückrundenspielen, von denen eines auch noch gewonnen wurde, Köpfe rollen müssen, nicht unnötig zur allgemeinen Unruhe beitragen und zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. Also, wollte ich das Schalke-Spiel noch abwarten, nachdem die Woche über ja viel geredet und Besserung gelobt wurde.

Was das Labern gebracht hat und dass das Spiel gegen Schalke eine nahtlose Fortsetzung des Mainz-Desasters wurde, wissen wir mittlerweile. Meine Forderung nach dem Rollen von Köpfen zielte darauf ab, dass Reschke und Wolf zusammen nicht funktionieren und demzufolge einer von beiden gehen muss, am liebsten der Herr Sportdirektor.

Hannes Wolf hat sicher in letzter Zeit Fehler gemacht und wirkte zunehmend ratlos. Er war jedoch die Geisel der Entwicklung der letzten Monate und Opfer dessen, dass man ihm einen Sportdirektor vorgesetzt hat, mit dem die Chemie nicht stimmte.

War es mit Schindelmeiser eine fruchtbare Zusammenarbeit und war es Schindelmeiser stets bewusst, dass er einen im Profi-Geschäft noch unerfahrenen Trainer auf den Wasen geholt hat, wusste Schindelmeiser Wolf zu stützen, zu unterstützen und ihm Hilfestellung zu geben, wann immer er den Eindruck hatte, Wolf benötige Halt.

Reschke hingegen offenbarte sich als Elefant im Porzellanladen und konterkarierte Wolfs Vorstellungen vom Fußball bis hin, was letzte Woche offenkundig wurde, dass er dem scheinbar Unerfahrenen in Taktik und Aufstellung hinein zu reden versuchte.

Dass ein solches Verhalten das Selbstbewusstsein eines jungen Trainers nicht stärkt, ihn also verunsichert, ist so klar wie, dass man Reschke höchstens im hintersten Kämmerlein des Vereinsgeländes unterbringen und um jeden Preis verhindern muss, dass dieser vor ein Mikrofon tritt.

Schon nach Schindelmeisers Rauswurf äußerte ich Bedenken, dass Wolf den Bettel hinschmeißen könnte, wenn man vom eingeschlagenen Weg abkommt und die Zusammenarbeit mit Reschke nicht passt.
Das scheint nun der Fall gewesen zu sein, auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet. Stark, Hannes Wolf, dieses Kasperletheater kann man sich auf Dauer nicht antun.

Die Frage, die sich daran knüpft, ist jedoch, wer tut sich das überhaupt an? Spätestens heute fühlt man sich ins Jahr 2016 zurück gebeamt, als man schon mal dem Abstieg entgegen taumelte, der Sportdirektor den Kader für stark genug erklärte, während der Präsident von der Champions League träumte.

Mit Schindelmeiser und Wolf hatte ich die große Hoffnung, dass das Chaos der letzten gut zehn Jahre ein Ende gefunden hat. Es gab eine Philosophie, es gab eine Strategie, nahezu jeden Schritt konnte man nachvollziehen, da er zum ausgegebenen Plan passte. Zudem herrschte eine angenehme Ruhe im Verein und Transfers wurden so lang unter der Decke gehalten, bis die Tinte trocken war.

Die Saisonvorbereitung fing so verheißungsvoll an. Mit Rückenwind durch den Aufstieg und die Ausgliederung, die Schindelmeiser und Wolf mit ihrer frischen und ihrer um die Verantwortung um den VfB bewussten Art erst möglich gemacht hatten, wurde Neuzugang um Neuzugang präsentiert. Die meisten Transfers, auch wenn im einen oder anderen Fall überraschend, machten beim näheren Betrachten Sinn und waren nachvollziehbar.

Dass Reschke inzwischen Schindelmeisers Einkäufe peu à peu weiter veräußert, wertet diese für mich nicht ab. Es wird lediglich die ehemals vielversprechende Philosophie ad absurdum geführt. Lautete sie einst, eine Mannschaft mit Entwicklungspotential aufzubauen, steht Reschke offensichtlich auf eine Altherrenmannschaft, die er für geeigneter hält, dem Druck im Abstiegskampf Herr zu werden.

Dachte man im Sommer, Gentners Tage als der Unantastbare seien gezählt oder dass er zumindest hart um seinen Stammplatz wird kämpfen müssen, kam Reschke, kaum im Amt, daher, und erklärte ihn für unverzichtbar. Schon mit diesen Äußerungen zu Beginn seiner Amtszeit untergrub er die Vorstellungen des Trainers.

Die leider nur knapp elf Monate andauernde Ära Schindelmeiser/ Wolf, bewerte ich losgelöst von dem, was seither geschah. Da Schindelmeiser zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertig war mit der Kaderzusammenstellung, hatte ich vollstes Vertrauen, dass er die größten Schwachstellen im Team bis Ende August noch behoben hätte, und mit einer konkurrenzfähigen Truppe und nicht blauäugig das Unternehmen Klassenerhalt angehen würde.

Dass den Verein diesbezüglich Panik ereilte, relativ kurz vor Saisonstart aber doch knapp vier Wochen vor Ende des Transferfensters, ist mit ein wenig Wohlwollen betrachtet ja gerade noch nachvollziehbar.
Dass man nun aber, drei Tage vor dem Schließen des Wintertransferfensters und wohl nur, weil der Sportdirektor jetzt Reschke und nicht mehr Schindelmeiser heißt, die Ruhe weg hat, den Kader noch zu verstärken, verstehe, wer will. Seit Maxims Abgang klafft eine Lücke zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff, so dass oberste Priorität sein muss, einen Mann für den tödlichen Pass zu holen. Für mich wäre es extrem fahrlässig, nichts mehr zu tun, so dass ich mich wundere, dass sich der Aufsichtsrat, der Schindelmeisers Entlassung so einstimmig mitgetragen hat, noch nicht zu Wort gemeldet hat. Oder reden wir doch nur von Marionetten des Vorsitzenden, die nur dann ihre Hand heben, wenn Papa Wolfgang darum ersucht?

Die Trainingslager in Grassau und Neustift machten mir große Hoffnung, dass ein selten erlebter Konkurrenzkampf anstehen könnte und sie ließen mich staunen, was für eine Schnelligkeit einige der Neuen einbrachten. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass die Platzhirsche endlich und Woche für Woche um ihren Platz kämpfen müssten und ordentlich Zug drin ist. Die Testspiele, vor allem, die Halbzeiten in denen die vermeintlich erste Formation (ohne Gente) am Start war, machten ebenfalls Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Da es bekannt ist, dass Hannes Wolf entwicklungsfähige Spielern gerne zum nächsten Schritt verhilft, hatte ich angesichts der vielen jungen Spieler im Kader keine Bauchschmerzen, dass der Jugendstil krachend scheitern könnte.

Nein, ich hatte einfach Vertrauen in Schindelmeiser und Wolf und spürte, wie verantwortungs- und einfühlsam sie für den VfB agierten. Mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, wäre ein verheißungsvoller Saisonstart und das Reiten auf einer Euphorie- oder sogar Erfolgswelle denkbar gewesen. Diese Hoffnung wurde mit Schindelmeisers Entlassung von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht.

Man warf Schindelmeiser vor, allzu sehr auf Jugend und zu wenig auf Erfahrung gesetzt zu haben und änderte von oben herab diese Philosophie. Mit Reschke kam ein antiquierter Alt-Scout, der seinen Transfers zufolge letztmals den Markt ausgiebig sondierte, als Aogo und Beck bei den Junioren kickten und Timo Baumgartl noch zur Grundschule ging.

Die Stimmung war top, die Euphorie grenzenlos, was sich nicht zuletzt in der „Make VfB great again“-Veranstaltung namens außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. zeigte. Dem Verein war es binnen eines Jahres gelungen, Vertrauen zurück zu gewinnen, wenngleich die Ausgliederungsdebatte einen Keil in die Fanszene geschlagen hatte.

Was Befürworter und Gegner der Ausgliederung jedoch weitestgehend einte, war das große Vertrauen in die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf.

Dann wurde Schindelmeiser aus Gründen geschasst, die einem Außenstehenden auch ein halbes Jahr später noch ein Rätsel sind. Als Hauptgrund der Demission steht die Aussage Dietrichs, man sei in den Gremien übereinkommen, dass die gemeinsam gesteckten Ziele mit Schindelmeiser nicht zu erreichen gewesen seien und er Alleingänge tätige, die den redseligen Personen in den Gremien (und der Presse) offensichtlich nicht gefallen haben.

Dies gab dann wohl den Ausschlag, den rheinischen Dampfplauderer Reschke an Land zu ziehen, dessen Zunge schneller als sein Gehirn zu sein scheint. Dieser schwätzt mehr als Schindelmeiser und sucht die Fettnäpfchen förmlich, den Herren in Vorstand und Aufsichtsrat scheint das egal zu sein, Hauptsache, er redet überhaupt. Da dieser gleich zu Beginn Kritiker seiner Transfers als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnete, scheue ich bei meinem Urteil über ihn eine etwas derbere Ausdrucksweise gleichfalls nicht.

Seit Reschke das Zepter übernahm, änderte sich die Philosophie, oder genauer, es ist keine mehr erkennbar. Nachdem auch der VfB leidvoll erfuhr, dass man für 41 Millionen Euro heutzutage in Betrachtung des Gesamtpakets von Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar und einigem mehr höchstens noch einen einzigen brauchbaren Spieler bekommen kann und den nicht einmal von der Crème de la Crème, beschränkte man sich auf günstige Alt-Stars und extrem verletzungsanfällige Spieler und buttert das Mehr an Geld lieber in üppige Gehälter von Spielern, die im Sommer wieder weg sind und/ oder keinen Wiederverkaufswert mehr haben. Das hat sich der eine oder andere, der bei der Ausgliederung für „ja“ stimmte, sicherlich auch anders vorgestellt.

Die unter Schindelmeiser gelebte Philosophie wurde auf einen Schlag über den Haufen geworfen, der von Wolf favorisierte Hochgeschwindigkeitsfußball ebenso. Kurz vor Ende der Sommertransferperiode kam dann noch Santiago Ascacíbar hinzu, ein Volltreffer, der noch Jan Schindelmeiser zuzuschreiben ist.

Der Fußball, den uns der VfB in dieser Saison zumutet, hat mit Hochgeschwindigkeitsfußball soviel zu tun wie ein Dreirad mit einem Rennrad. Gerade einmal 13 Vorrunden-Tore sind Beleg einer verfehlten Einkaufspolitik. Anstatt jedoch die echten Problemzonen unseres Teams anzugehen, erklärte man Simon Terodde zum Sündenbock. Dieser sei zwar ein guter Zweitligastürmer, genüge den hohen Ansprüchen der Fußball-AG aber nicht.

Simon Terodde wechselte, angeblich auf eigenen Wunsch hin, zum 1. FC Köln. Heimweh wurde als Grund seines Wechselwunsches angegeben, die wahren Gründe dürften jedoch damit begründet sein, dass Terodde als einzige Spitze, wie jetzt ja auch Mario Gomez, meist auf verlorenem Posten stand und der dargebotene Fußball ja auch keinen Spaß machen kann.

Schon nach den ersten drei Spielen mit Gomez, stellt sich heraus, dass auch Super-Mario sich die Flanken nicht selbst schlagen kann und er ebenfalls einen Vorbereiter gut gebrauchen könnte. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern von Terodde auf Gomez verlagert. Wer derzeit der Glücklichere ist? Fragt mal in Köln nach!

Ob die jüngsten Verpflichtungen, Erik Thommy und Jacob Bruun Larsen, beide für die Außenbahn gedacht, unsere Probleme zu lösen vermögen, mag ich noch nicht beurteilen. Dass die beiden Spieler jedoch zusammen gerade einmal sieben (!) Bundesligaspiele auf dem Buckel haben, beide erst von einer Verletzung zurück kommen und in ihren abgebenden Vereinen nur Nebenrollen spielten, sich auf Anhieb durchsetzen und dem VfB einen Zugewinn an Qualität bringen, da habe ich erhebliche Zweifel.

Larsen durfte gestern von Beginn an ran und es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser 45-minütige Einsatz samt stümperhaft verschuldetem Elfmeter keinen Knacks für die nächsten dreieinhalb Monate versetzt. Noch weiß man nicht, wer Trainer wird und ob dieser auf dieses 19-jährige Greenhorn ohne Erfahrung im Männerbereich setzen wird. Es ist denkbar, dass Jacob Bruun Larsen gestern sein erstes und letztes Spiel für den VfB gemacht hat.

Spieler ohne jegliche Spielpraxis sind in der Regel nicht mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, um auf Anhieb Druck im Kader auszuüben. Inwieweit diese jungen Kerle dem Druck des Existenzkampfes werden standhalten können, wird sich ebenfalls zeigen. Larsen jedenfalls zeigte gestern bereits Nerven!

Reschke spielt mit dem Feuer, sollte bis zum 31. Januar nichts Brauchbares mehr kommen. Es wird ja gerne das Argument des schwierigen Winter-Transfermarktes angeführt, um seine eigene Unfähigkeit zu kaschieren zu versuchen.

Ich lass das nicht gelten, weil die Probleme in unserem Spiel schon seit August offensichtlich sind, Reschke also genug Zeit hatte, sich kreative Möglichkeiten zu überlegen. Bekommt man in der Bundesliga keinen „Zehner“, es gibt ja auch noch Ligen, wie die skandinavischen zum Beispiel, die mit dem Kalenderjahr endeten.

Reschke blieb bislang alles schuldig, was man vom einstigen Perlentaucher erwarten können musste. Wo immer er auch taucht, die Gewässer sind trüb oder die Perlen sind abgefischt.

Was Wolfgang Dietrich überhaupt geritten hat, diesen Reschke zu holen, erschließt sich mir in keinster Weise. Bei Bayer Leverkusen und Bayern München hatte man erkannt, dass er ein guter Mann für die zweite Reihe sein mag, in vorderster Front aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst zogen ihm die Bayern letzten Sommer gar den Komiker Hasan Salihamidžić vor.

Wenn Dietrich derart von Reschke überzeugt gewesen und nicht ausschließlich auf die Lobhudeleien aus München reingefallen ist, wäre es für die ahnungslosen Vollidioten interessant zu wissen, ob Reschke ein Konzept vorgelegt hat und was dieses vorsah.

Bislang legt Reschke einen nicht durchschaubaren Schlingerkurs ohne roten Faden hin, so dass man immer noch nicht sagen kann, wofür dieser Reschke überhaupt steht (von Transfers, auf die die Putzfrau auch gekommen wäre, einmal abgesehen).

Für mich hat Dietrich Schindelmeiser weg gemobbt, weil Schindelmeisers Popularität größer war als seine eigene und er sich von Schindelmeiser nicht die Show stehlen lassen wollte. Dass sein Nachfolger einer wurde, dem man besser kein Mikrofon vor die Nase hält, kam Dietrich dabei womöglich noch entgegen. Dass derart eitle Machtspiele auf dem Rücken des Wohles des VfB ausgetragen wurden, wird einfach hingenommen. Reschke gerät, nicht nur wegen der Wolf-Entlassung, immer mehr in die Kritik. Die Bild-Zeitung, wenigstens in Sachen Sport durchaus ernst zu nehmen, bezichtigt ihn heute gar der mehrfachen Lüge und schreibt „Journalisten sparen sich inzwischen die Anrufe beim VfB-Vorstand. Weil sie wissen, dass sie nicht mit der Wahrheit rechnen können“.

Harter Tobak und eines VfB-Vorstandes eigentlich auch nicht würdig ist ebenso, dass Reschke nach nahezu jedem seiner Interviews eine Klarstellung hinterher schieben muss. Mein Gott, was ist aus meinem VfB nur geworden? In der Philosophie Rolle rückwärts um zwei Jahre, der VfB taumelt am Abgrund und wird sicher absteigen, wenn bis zum Ende der Transferperiode nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht. Danke, Dietrich!

Falls es eines Beweises bedurfte, dass Reschke im Scoutingbereich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, wurde letzte Woche Peter Knäbel (genau, DER Rucksack-Pete) als externer Berater ins Boot geholt.
Knäbel hat zwar hervorragende Referenzen und sich vor allem um den Schweizer Nachwuchsbereich sehr verdient gemacht, seine Erfolge auf diesem Gebiet liegen jedoch schon Jahre zurück. In welchem Umfang Knäbel für den VfB arbeiten wird, wurde nicht publik.

Letztes Wochenende in Mainz gab Reschke zum wiederholten Male ein peinliches Bild für den VfB Stuttgart ab. Zunächst war da die Sache mit Akolos fehlender Spielgenehmigung. Man hätte Reschke sicherlich nicht persönlich für diesen Fauxpas verantwortlich gemacht, wenn er denn vor den Mikrofonen nicht derart herum geeiert hätte und das schlechte Gewissen förmlich aus ihm heraus sprach.

Dem VfB, der uns weismachen wollte, durch die Ausgliederung in eine AG werde alles so viel professioneller, unterlief ein dämlicher Anfängerfehler. Jedermann vergewissert sich nach der Übermittlung wichtiger Dokumente, sofern man keine Empfangsbestätigung erhalten hat, ob das Dokument auch angekommen ist. Der VfB scheinbar nicht!

Ich glaube zwar nicht, dass ausgerechnet Akolo auf dem glitschigen Geläuf den Unterschied ausgemacht hätte, und doch war es suboptimal für Hannes Wolfs Spielvorbereitung, kurz vor dem Spiel die Aufstellung noch einmal über den Haufen werfen zu müssen.

Hannes Wolf, den die „Mannschaft“ in Mainz fürchterlich im Regen stehen lassen und seinen Besuch im Aktuellen Sportstudio spätabends zu einem Gang nach Canossa werden ließ, wurde dort mit eingespielten Aussagen Reschkes konfrontiert, der zum Besten gab „Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen.“

Spätestens ab da war klar, dass es zwischen Reschke und Wolf überhaupt nicht passte und Reschke dabei war, Wolf zu demontieren. Hannes Wolf reagierte zwar nach außen hin souverän, in ihm dürfte es aber schwer gebrodelt haben. So schwer, dass er mit der Aufgabe beim VfB abschloss? Ich denke ja. Die Aufstellung beim Schalke-Spiel könnte als Retourkutsche für Reschkes Personalpolitik und das Betteln um seinen Rauswurf interpretiert werden.

Um klar zu stellen, für mich sind weder Wolf noch Schindelmeiser Heilige. Nur bin ich der Auffassung, dass es zwischen Sportdirektor und Trainer passen und eine gemeinsame Richtung erkennbar sein muss. Beides war gegeben, so dass Dietrich ohne Not und wegen verletzter Eitelkeit ein funktionierendes Konstrukt auseinander gerissen und durch eine absolute Fehlbesetzung ersetzt hat.

So kontraproduktiv es war, Luhukay zu verpflichten, als Schindelmeiser noch nicht da war, so dämlich war es, mit Reschke einen Mann zu holen, der nicht zu Wolf passt. Im normalen Leben nimmt man es sich vor, gleiche Fehler möglichst nicht mehrmals zu machen und aus ihnen zu lernen, beim VfB sind Fehler dazu da, sie immer und immer wieder aufs Neue zu machen.

Zu einer Analyse der Situation und ach so tiefgreifenden Gesprächen heute Nacht hätte gehört, die Arbeit des Sportdirektors zu hinterfragen und sie nach knapp sechs Monaten zu bewerten. Jörg Schmadtke wäre auf dem Markt, Matthias Sammer möglicherweise ebenso! Beide haben schon bewiesen, planvoll arbeiten zu können und man könnte sie auf jeden Fall auch auf die Öffentlichkeit loslassen.

Hannes Wolf ist von Kritik natürlich auch nicht freizusprechen. Seinen Stempel konnte er dem Team nicht aufdrücken, wenngleich die Frage offen bleibt, in welchem Umfang er Reschkes Einkäufe spielen lassen musste, ob er wollte oder nicht.

Seine Akribie konnte bisweilen in Verbohrtheit münden, indem ihn jede Kleinigkeit im Ablauf störte, die nicht auf seinem Reißbrett stand. Er verkomplizierte manches zu sehr, so dass die ja nicht immer hochintelligenten Fußballer bisweilen nicht mitgekommen sind. Da bin ich doch eher ein Verfechter von „das Runde muss ins Eckige“ und „Qualität kommt von Qual“.

Ob diese Verwissenschaftlichung des an und für sich einfachen Spiels bei den Spielern immer gut an kam, da bin ich mir nicht so sicher.

Gentner sagte es gestern ja eindeutig und unverhohlen, „was interessieren mich Statistiken“. Einen deutlicheren (verbalen) Affront gegen diesen gewissenhaften Übungsleiter hätte es kaum geben können, die „Unterstützung“ auf dem Platz tat ihr Übriges. Wieder einmal hat es ein Team um Gentner geschafft, den unliebsam gewordenen Trainer abzuschießen.

Anders sind die Kollektivversagen der letzten Wochen nicht zu erklären. Der wievielte Trainer war es eigentlich jetzt, seit Gentner 2010 das Kapitänsamt von Tasci übernommen hat? Lustig, dass ausgerechnet Markus Weinzierl der aussichtsreichste Nachfolgekandidat zu sein scheint, der, oh Wunder, den gleichen Berater hat wie Christian Gentner.

Ich bin dermaßen sauer heute und begrabe ein für allemal mein Hoffen auf Kontinuität beim VfB. Mit Wolf hatten wir ein erfrischendes Trainertalent, dem man unheimlich gerne zuhörte. Nie haben mich die Pressekonferenzen mehr gefesselt, als jene, in denen Hannes Wolf das Wort ergriff. Er war eines der wenigen Gesichter des VfB und verhalf dem VfB (trotz Reschke) zu einer positiven Außendarstellung.

Ich werde ihn vermissen und befürchte, dass wir ihm eines Tages nachweinen werden, wenn er es in den Olymp der deutschen Fußballlehrer geschafft hat. Ich bedanke mich bei Hannes Wolf für die geile Zeit, vor allem im Zweitligajahr und gekrönt mit dem Aufstieg, mit dem sein Name für immer verbunden sein wird. Danke, Hannes!

Eigentlich habe ich heute die Schnauze voll und würde ihnen am liebsten Dauerkarte und Mitgliedsausweis hin schmeißen. Was mich beim Klepperlesverein hält, sind nicht die Protagonisten, die sind Momentaufnahme und morgen hoffentlich schon wieder weg.

Nein, es sind die Leidensgenossen, mit denen man unterwegs ist und die man immer und überall trifft. Mit ihnen lässt sich Freud und Leid teilen, die Fanszene bildet meist eine Einheit, das alles ist stärker und nachhaltiger als Personen, die den Verein zugrunde richten und mit einer fetten Abfindung irgendwann das Weite suchen. Dietrich und Reschke werden hoffentlich nicht als die endgültigen Totengräber des VfB in die Annalen eingehen sondern schon vorher von ihren Aufgaben entbunden.

Das Einzige, was mich noch besänftigen könnte und Hoffnungen auf eine Trendwende zum Besseren schüren würde, wäre, wenn es gelänge, Thomas Tuchel an Land zu ziehen. Höchst unrealistisch zwar, bei Jemandem vorzufühlen, der bei den großen Bayern im Gespräch ist und Gerüchten zufolge horrende Gehaltsforderungen haben soll, doch, wer weiß.

Manchmal steht er sich selbst im Weg, daher bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich die Bayern auf einen solchen Eigenbrötler einlassen würden.

Wenn nicht, wäre der Weg für den VfB möglicherweise doch frei, wobei auch dann zu befürchten würde, dass Tuchel Macht für sich beanspruchen würde, die die Herren nicht bereit wären, an ihn abzugeben. Es geht ja schließlich mehr um die persönlichen Befindlichkeiten als um den VfB.

Deshalb wird man sich diesen Traum abschminken können. Es dürfte ein bislang nicht als Lautsprecher in Erscheinung getretener Übungsleiter Marke Korkut oder Weinzierl werden.

Ich lass mich überraschen und bin im Moment ziemlich gleichgültig, außer bei Tuchel natürlich. Der Neue wird mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssen, um mich auf seine Seite zu bekommen. Das heißt nicht, dass ich mich gegen den Neuen stellen werde, nein, ich möchte sehen, dass sich Dinge ändern. Ich möchte Veränderungen der Hierarchie erkennen, Spieler aufblühen sehen, die in der Versenkung verschwunden waren und anderen, die sichere Stammspieler waren, auf der Haupttribüne die Hand schütteln. Ich möchte sie schwitzen und nach erbärmlichen Vorstellungen wie zuletzt nachts um den Bärensee laufen sehen. Ich möchte erleben, dass jeder Einzelne dem kommunikativen Hannes Wolf nachtrauert.

Was ich nicht erleben möchte ist, dass ein neuer Trainer kommt und „seine Ansprache“ so viel besser ist als die von Wolf und die Versager von gestern plötzlich um ihr Leben rennen und in Wolfsburg punkten. Sollte das der Fall sein, werde ich sie garantiert auspfeifen.

Doch, es führt kein Weg dran vorbei. Am Samstag geht es so oder so, und wohl mit so wenig Lust wie selten, nach Wolfsburg. 2006 haben wir dort zum letzten Mal überhaupt einen Punkt geholt, es wäre also überraschend, ausgerechnet jetzt dort zu punkten.

Sollte sich an der Außendarstellung und damit an der Vereinsführung nicht gravierend etwas ändern, muss man ihnen ja fast schon den Abstieg wünschen, wenn sie anders nicht von ihren Posten zu entfernen sind. Ich habe Dietrich nicht gewählt und habe gegen die Ausgliederung gestimmt, so dass ich ein absolut reines Gewissen habe.

Ein Abstieg hat für mich seit der letzten Saison und den tollen Erlebnissen im Unterhaus komplett den Schrecken verloren.

Mir ist es bewusst, dass es nach einem erneuten Abstieg deutlich schwieriger werden würde, noch einmal direkt aufzusteigen, mir ist es auch bewusst, dass der Abstand nach oben noch größer werden würde, aber, wie schon bei der Ausgliederungsdebatte gesagt und wie man heute auch sieht: Der Abstand ist so groß geworden, dass wir ohnehin Lichtjahre weg sind.

Es wird also, selbst mit 100 Millionen Euro mehr auf dem Konto, sollte der Verein weiter verschachert werden, nahezu unmöglich sein, jemals den Anschluss zu schaffen und jemals wieder Champions League zu spielen.

Wie man bereits ein halbes Jahr nach der Ausgliederung feststellen muss, kriegt man es nicht gebacken, bessere Spieler einzukaufen, sondern zahlt den durchschnittlichen ein Mehr an Gehalt.
Das Geld, das durch die Ausgliederung mehr zur Verfügung steht, fließt eins zu eins in die Taschen der Spieler, so dass ich ein Problem damit habe, wenn solche, die jetzt schon überbezahlt sind, in absehbarer Zeit das Doppelte in den Allerwertesten geschoben bekommen.

Der Fußball heute ist nicht mehr der, der er mal war. Früher hatte man überall, wo man hingefahren ist, eine realistische Siegchance, während man heute bei vielen Spielen die Punkte mit der Post hinschicken könnte. Damit rückt das Sportliche unweigerlich in den Hintergrund. Von den meisten Spielen erwartet man sich ohnehin nichts, so kann man schon nicht enttäuscht werden.

In einer Saison, in der es bei zehn Auswärtsspielen gerade einmal zu einem Punkt reichte, kann das Sportliche auch gar nicht der Hauptgrund sein. Nein, die Stadien, die Atmosphäre und die vielen Gleichgesinnten, die man immer und überall trifft, die machen meinen VfB im Jahr 2018 aus. Und das, sollten wir absteigen, auch in der 2. Liga. Auch da kann man großen Spaß haben, sogar noch mehr als beim “Premium-Produkt” Bundesliga!

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10. Januar 2018

Schwäbisch Roulette

Was hatte man zum Ende der Vorrunde nicht den Eindruck, dass man sich nur irgendwie in die Winterpause retten und alle Hoffnung auf Besserung in die Transferphase im Januar und die Rückrunde legen müsse.

Zu sehr offenbarte die Vorrunde, dass bei der Kaderzusammenstellung letzten Sommer so einiges schief lief und es eher suboptimal ist, mitten in der Vorbereitung den Sportdirektor zu wechseln.
Setzten Schindelmeiser/ Wolf auf junge, dynamische Spieler, die unser Spiel ankurbeln sollten, Marke Mangala, Burnić und einige andere mehr, folgte mit Reschke die Zeitenwende, indem er Altstars an den Neckar lotste, die sich bereits im Spätherbst ihrer Karriere befinden.

Wurde Schindelmeiser zum Vorwurf gemacht, er habe Maxim verkauft, ohne positionsgetreuen Ersatz verpflichtet zu haben, machte Reschke in den drei Wochen seines Wirkens während der Sommertransferphase auf der vakanten Position des Zulieferers unserer Stürmer, richtig, NICHTS.

Unsere Offensive war insgesamt dünn besetzt, wenn man weiß, dass mit Carlos Mané ohnehin in der Vorrunde nicht zu rechnen war und Daniel Ginczeks Fitnesszustand seit jeher fragil ist. Wenn dann noch die wenigen anderen Offensivkräfte, wie Akolo und Donis, immer mal wieder mit Blessuren zu kämpfen haben und ausfallen, oder ihre Bundesligatauglichkeit über weite Strecken schuldig bleiben (Asano), ist der einzige Mann im Sturm, den wahrlich so gut wie nichts erschüttern konnte, die ärmste Sau im VfB-Spiel. Simon Teroddes Leiden haben ein Ende, er wurde nach Köln abgegeben und durch Mario Gomez ersetzt.

Auf dem Papier liest sich die Verpflichtung für den VfB toll. Einer DER Ausnahmetorjäger der letzten zehn Jahre stürmt wieder für den VfB. In der Vorsaison hat er den VfL Wolfsburg mit seinen 16 Toren fast im Alleingang in die Relegation und schließlich zum Klassenerhalt geschossen, doch, dort hatte er Zulieferer in seinen Reihen, unter anderem einen am Neckar Altbekannten, Daniel Didavi.

Der wahre Husarenstreich Michael Reschkes wäre es gewesen, Dida gleich mit zurück in die gute Stube zu holen. Doch, die Hoffnung wird nun allein auf Mario Gomez liegen müssen, denn Reschke hat verlauten lassen, der Kader sei seiner Auffassung nach stark genug, und dass höchstens noch auf Verletzungen in den ersten Rückrundenspielen reagiert werden würde.

Für mich spielt Reschke, wenn er denn mit dieser Aussage keine Nebelkerze gezündet hat, schwäbisch (oder besser, rheinisch) Roulette. Es kann gut gehen, genauso gut wie die Vorrunde hätte gut gehen können. Ist sie aber nicht, weil im Fußball immer mit Unwägbarkeiten gerechnet werden muss und man nicht unbedingt vom Optimalfall ausgehen kann.

Auf zwei Positionen drückt meiner Meinung nach besonders der Schuh. Das kreative Mittelfeld habe ich bereits angesprochen, doch, auch hinten rechts sollte man dringend nachbessern. Außer Michael Reschke, der Andi Beck über den grünen Klee lobt, sieht jeder, dass Beck DER Bremser in unserem Spiel ist und vor allem in dem in der Vorrunde vorwiegend praktizierten System mit einer Fünferkette, die schnelle Außenverteidiger bedingt, schlichtweg an seine Grenzen stößt.

Wie Reschke und Dietrich auf die Idee gekommen sind, Beck überhaupt zurück zu holen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Als Schindelmeiser noch die Geschicke leitete, bekam so mancher Bauchschmerzen, weil das Team zu jung, unerfahren und möglicherweise für die Bundesliga zu grün gewesen sei. Dann, unter Reschke, kamen nacheinander Badstuber, Aogo, Beck und Gomez, wohingegen die drei Letztgenannten eben nicht nur Erfahrung mitbringen, sondern sich auf dem absteigenden Ast befinden, während Badstuber „nur“ extrem verletzungsanfällig ist.

Im Zuge der Ausgliederungspropaganda wurden Erwartungen geweckt, der VfB könne mit mehr Geld im Säckel seine Spieler halten und auf der anderen Seite Spieler für den VfB begeistern, von denen wir ohne Ausgliederung nicht zu träumen wagten.

Ob die Mitglieder, die der „Make VfB great again“-Propaganda gefolgt waren und für die Ausgliederung gestimmt haben, sich diesen Kurswechsel gewünscht haben, ist fraglich. Bislang kamen in der Ära Reschke ausschließlich Spieler (Ausnahme Ascacibar, den der VfB jedoch schon vorher auf dem Zettel hatte), die fürstliche Gehälter beziehen, jedoch keinen Wiederverkaufswert mehr haben.

Unter Spielern mit Erfahrung stelle ich mir welche im besten Fußballeralter vor, 27, höchstens 28 Jahre alt, um die herum es sich lohnt, eine Mannschaft aufzubauen. Aber doch nicht 32-jährige Auslaufmodelle, mit denen man gerade mal im Halbjahreszyklus planen kann, die Gehaltsressourcen binden und am Ende der Vertragslaufzeit ihre Karriere (ablösefrei) beenden.

Becks Rückkehr habe ich von Beginn an nicht nachvollziehen können. Verwunderlich, dass Wolfgang Dietrich beim Klang seines Namens zwar nostalgische Gefühle überkommen, Beck jedoch nie in einem Atemzug mit den Jungen Wilden genannt wird.

Beck konnte sich in seiner ersten Zeit beim VfB nicht durchsetzen und kam vor allem nicht an Ricardo Osorio vorbei. Dem Konkurrenzkampf entzog er sich und ging dort hin, wo es 2007 das meiste Geld zu „verdienen“ gab, nämlich zum ungeliebten Nachbarn ins Kraichgau.

Dort verbrachte er die Blütezeit seiner Karriere und, als er den Zenit weit überschritten hatte und in Hoffenheim sein Stammplatz in Gefahr war, „floh“ Beck in die Türkei. Dass es ihn nun zurück in die Heimat zog, dürfte in der politischen Lage am Bosporus begründet sein. Für mich zwar nachvollziehbar und doch hätte es nicht unbedingt der VfB sein müssen, der ihm das Gnadenbrot zum Karriereausklang verabreicht.

Mario Gomez ist der nächste in der Reihe derer, die „daheim“ die Karriere ausklingen lassen möchten. Sportlich wird uns Mario sicherlich mehr weiterhelfen, als es Andreas Beck bislang getan hat. Er will unbedingt zur WM im Sommer in Russland und wird sich bestmöglich versuchen einzubringen, um dieses hehre Ziel auch zu erreichen.

Bei Gomez muss man abwarten, ihn bewerte ich dann, wenn man weiß, was er geleistet hat (oder auch nicht). Ich kritisiere noch nicht einmal, dass man ihn zurückgeholt hat, sondern habe lediglich Bauchschmerzen damit, dass man einen 32-jährigen auf Anhieb zum Top-Verdiener macht, der trotz Einbußen im Vergleich zu Wolfsburg noch immer vier Millionen Euro jährlich einstreichen soll.

Des Weiteren kam Gomez für Terodde, Torjäger gegen Torjäger, während das eigentliche Problem, das der mangelnden Zulieferung, noch immer nicht gelöst wurde. Denn, selbst ein Super-Mario wird sich die Bälle nicht noch selbst auflegen können.

Sollte der Fußball der Rückrunde dem der Vorrunde ähneln, getreu dem Motto Safety-First, sehe ich die Gefahr, dass der geborene Torjäger Mario Gomez zunächst verzweifeln und schließlich resignieren wird. Steht er auf ähnlich verlorenem Posten wie es bei Simon Terodde und auch Daniel Ginczek bei seinen wenigen Einsätzen der Fall war, dürfte er seine Felle im Hinblick auf die WM davon schwimmen sehen, was seiner weiteren Motivation sicher nicht förderlich wäre.

Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen. Ob bei Trainern wie Sundermann und Veh, bei denen vor Augen geführt wurde, dass sich die goldene Zeit nicht zurückdrehen lässt, wie auch bei Spielern.

Bei Aleks Hlebs Rückkehr war selbst ich euphorisch und erwarb noch während seines ersten Trainings das Trikot mit der Nummer 23, ein für alle mal das letzte, das ich mit einem Spielernamen beschmutzen, ähm, beflocken ließ. Er war das Paradebeispiel des satten Spielers! Wie nach und nach herauskam, bewog ihn nicht seine vorgeheuchelte Heimatliebe zur Rückkehr, sondern, dass er vom VfB auch weiter sein stattliches Barça-Gehalt überwiesen bekam. Nachdem seine Leistungen auch noch zu wünschen übrig ließen und er öfter in den Besenwirtschaften des Remstals als auf dem Trainingsplatz anzutreffen war, war ich nur noch sauer auf diesen verwöhnten Rotzlöffel.

In die Riege der für mich nicht nachvollziehbaren Rückholaktionen fiel übrigens auch die von Christian Gentner. Seinerzeit waren wir im defensiven Mittelfeld mit Kuzmanovic und Träsch ordentlich aufgestellt. Links oder zentral offensiv war Didavi vorgesehen, so dass es für Gentner zur damaligen Zeit eigentlich keinen Platz im Team gegeben hat. Doch, schon damals, wog das Wort eines einflussreichen Spielerberaters mehr als die sportliche Notwendigkeit, so dass man auch Gente gnädig wieder aufnahm.

Marc Ziegler war eine dankbare Nummer zwei hinter für Sven Ulreich, ohne jegliche Ambitionen, Ulle ernsthaft herauszufordern.

Beck durfte nun bereits ein halbes Jahr lang unter Beweis stellen, dass er sich nahtlos in diese Aufzählung einreiht, während wir bei Gomez erst noch abwarten müssen. Schießt er uns zum Klassenerhalt und knüpft an alte Zeiten an, hat sich der Aufwand gelohnt, wenn nicht, kann Dietrichs und Reschkes Retrokurs endgültig als gescheitert angesehen werden.

Mir fehlt bei Reschkes Wirken bislang die Nachhaltigkeit. Die Amateure möchte er unwiderruflich auslöschen, Talente werden abgegeben anstatt aufgebaut (die nächsten vermutlich, Grgic und Ofori) und im Gegenzug wird eine Altherrenmannschaft „aufgebaut“, die dem immer schneller werdenden Bundesligafußball früher oder später Tribut zollen wird.

Setzt Reschke diesen Kurs fort, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Serdar Taşçı und Sami Khedira wieder anheuern. Geht Reschke weiterhin die Phantasie bei seinen Transferaktivitäten ab und setzt er weiter auf „Altbewährtes“, scheint selbst eine Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger, den Reschke aus München bestens kennte, nicht ausgeschlossen. Dessen Vertrag in Chicago lief vor wenigen Tagen aus, er würde exakt in Reschkes Beuteschema passen. Nicht dass ich einen wie Schweinsteiger nicht gerne mal im VfB-Trikot sehen würde, doch, auch er würde das Gehaltsgefüge sprengen und den finanziellen Rahmen weiter eindämmen.

Meine Bedenken in Bezug auf die Ausgliederung und dem daraus resultierenden Groß-Mann-Denken bewahrheiten sich immer mehr. Diejenigen, die damals für „ja“ stimmten, vertrauten in erster Linie dem Kurs von Jan Schindelmeiser, die vorhandenen Mittel vernünftig einzusetzen und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Seit Reschke das Zepter schwingt, wird hingegen das Geld mit offenen Händen ausgegeben und das für Spieler, die beim Worst-Case-Szenario Abstieg dem VfB wohl kaum erhalten bleiben und auch nicht zu bezahlen sein dürften.

Selten bis noch nie war mein Empfinden so wie in dieser Woche, dass ich mich auf den Rückrundenstart in wenigen Tagen überhaupt nicht freue. Freuen tue ich mich allenfalls über die vielen Leidensgenossen, die man vor und nach dem Spiel trifft, nicht aber auf das Spiel.

Ich habe ziemlichen Bammel und wenig Hoffnung, dass wir gestärkt aus der kurzen Pause heraus kommen könnten. Die fünf Niederlagen aus dem Dezember liegen einfach noch zu schwer im Magen.
Mein einziger Hoffnungsschimmer auf einen guten Rückrundenstart ist, dass Wolf im Trainingslager vorwiegend auf ein 4-2-3-1 gesetzt hat und die Rückrunde möglicherweise etwas mutiger angehen wird. Hoffen wir, dass ihn bis Samstag der Mut nicht schon wieder verlässt.

Allein mit destruktiver Ausrichtung und dem Hoffen auf den lieben Gott oder neuerdings Mario Gomez, wird die Klasse nicht zu halten sein. Die ersten drei Rückrundenspiele sind für mich wegweisend. Gelingt in diesen kein Sieg, sehe ich schwarz, was den Klassenerhalt angeht. Dieser sollte angesichts des schweren Restprogramms tunlichst bis zum 30. Spieltag eingetütet sein, so dass es sich von selbst verbietet, sich jetzt noch einzuspielen oder langsam in die Rückrunde hinein zu finden. Der VfB muss auf Anhieb voll da sein und die Punkte jetzt holen.

Reschke hat allerdings die Ruhe weg, was ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Bessert er von der Reste- oder doch Reschkerampe (?) erst nach, wenn Ende Januar das Kind schon im Brunnen liegt, sehe ich große Probleme, die Kurve dann noch zu kriegen.

Mich interessiert im Übrigen auch der überhitzte Transfermarkt und dass es schwierig sei, im Winter Spieler zu bekommen, die einen sofort weiter bringen, überhaupt nicht. Reschke hatte ein halbes Jahr lang Zeit an kreativen Möglichkeiten zu feilen, Handlungsbedarf besteht schließlich nicht erst seit Ende der Vorrunde. Er ist in der Pflicht zu liefern und das so bald wie möglich!

Mit fast unverändertem Kader der Vorrunde ist es ein sehr riskantes Vabanque-Spiel mit vielen Risiken. Reschke setzt zwar große Hoffnungen in die Rückkehr von Carlos Mané und Daniel Ginczek. Meine sind in Bezug auf diese beiden eher gedämpft. Es würde an ein Wunder grenzen, wäre Mané sofort wieder der Alte und wenn beide nahezu verletzungsfrei durch die Rückrunde kämen. Auch DER Fixpunkt in der Abwehr, Holger Badstuber, könnte von heute auf morgen komplett wegbrechen. Wir können ja schon fast drei Kreuze machen, dass er bislang immer nur relativ kurz ausgefallen war, was allerdings nicht immer so bleiben muss. Reschke setzt in diesen Tagen alles auf Rot, wenn er sich da mal nicht verzockt.

Der Preis des schwäbischen Roulettes könnte im schlimmsten Fall mit dem Abstieg bezahlt werden müssen und wäre dann um ein Vielfaches höher, als er es jetzt noch wäre, würde man die Truppe vernünftig verstärken. Ein neuerlicher Abstieg wäre deutlich verheerender als der letzte und würde in einen kompletten Neuanfang münden. Soweit darf es der Verein nicht kommen lassen, noch wäre Zeit, an den entscheidenden Schrauben zu drehen.

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26. Dezember 2017

Ein Blick zurück aufs Aufstiegs- und aufs Ausgliederungsjahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 17:19

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen und das Fußballjahr Revue passieren zu lassen.

Für den VfB war es ein sehr bewegendes Jahr. Zunächst trug das Trainingslager in Lagos Früchte, als man nach zwei Niederlagen vor Weihnachten zum Rückrundenstart eine Siegesserie hinlegte und dadurch den Grundstein für den späteren Aufstieg legte.

Diese Serie bekam eine Delle und schlug einige Spiele lang ins Gegenteil um, nachdem dem VfB nach der nächtlichen Eskapade von Kevin Großkreutz am Rosenmontag nichts anderes übrig blieb, als sich vom Weltmeister zu trennen.

Sein Ausflug mit VfB-Jugendspielern im Schlepptau in den überschaubaren Stuttgarter Rotlichtbezirk schadete nicht nur dem Renommee des Vereins, sondern schwächte uns auch sportlich. Mit dem Derbysieg gegen den KSC freilich endete diese Schwächephase zur rechten Zeit und fortan ließ sich der VfB vom großen Ziel Aufstieg nicht mehr abbringen.

Mit dem Heimsieg gegen die Würzburger Kickers am 21. Mai war dieser dann schließlich perfekt. Die große Jubel-Party konnte beginnen. Zunächst auf dem Rasen, später mit den Fantastischen Vier auf dem Wasen. Persönlich war ich weder auf dem Rasen noch auf dem Wasen sondern feierte gemächlich in den bekannten Lokalitäten rund um den Cannstatter Bahnhof. Mir war das zu viel Tamtam, welches noch im Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gipfelte, für das eigentlich Selbstverständliche.

Von den Möglichkeiten her, die der VfB im Gegensatz zu, mit Ausnahme Hannover 96, allen anderen Zweitligisten hatte, musste der Aufstieg ein Selbstläufer werden. Daher fiel es mir persönlich schwer, einer Mannschaft, in der sich noch einige Absteiger des Vorjahres befanden und einem Verein, der mich über lange Jahre so enttäuscht hatte, in dieser Stunde zu huldigen. Betriebsunfall korrigiert, mehr nicht.

Da das Zweitligajahr vom Anfang bis zum Schluss eine absolut geile Sache und willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag war, kam gar fast so etwas wie Wehmut auf, wenngleich es mir natürlich auch klar war, dass ein zweites Jahr im Unterhaus nicht wirklich erstrebenswert gewesen wäre. Noch mehr Boden nach oben zu verlieren und nie mehr den Anschluss zu schaffen, die Wahrscheinlichkeit, dass dies eingetreten wäre, wäre sehr groß gewesen.

Der Verein machte es freilich geschickt, die bei vielen vorhandene Euphorie für sich zu nutzen und auf dieser Welle die Ausgliederung durchzudrücken.

Bei mir überwog, auch in der Stunde des Triumphs, die Wut darüber, dass mein VfB überhaupt in diese Situation gekommen war. Nach der Meisterschaft 2007 machte man so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Sportdirektoren wurden erst ein KFZ-Mechaniker, dann ein Einzelhandelskaufmann und schließlich ein zweitklassiger Fußballlehrer, der das Werk seiner beiden Vorgänger dann vollendete. Diese (von den Präsidenten möchte ich gar nicht erst anfangen) wirtschafteten, „kontrolliert“ vom Aufsichtsrat, den Verein herunter und machten aus einem stolzen Champions League Teilnehmer einen Absteiger. Nicht nur, dass wir zurecht abgestiegen waren, vor allem wegen der fatalen Außendarstellung des Vereins und des Umfelds über etliche Jahre, in denen die Fanszene als Trainer- und Sportdirektoren-Killer wahrgenommen wurde, schien es so, dass dieser Abstieg dem VfB ligaweit wie sonst nur noch dem HSV gegönnt wurde.

Die zweite Liga bot also nicht nur die Chance, sich sportlich und finanziell zu konsolidieren, sondern auch jene, das Image aufzupolieren. Letzteres gelang eindrucksvoll! In der 2. Liga waren wir DER Garant für gut gefüllte Stadien, in der Bundesliga wurden wir deshalb schon nach kurzer Zeit wieder vermisst.

Nach dem Abstieg und nach Robin Dutt wurde in Person von Jan Schindelmeiser erstmals wieder ein Mann auf der Kommandobrücke präsentiert, der den Job des Sportdirektors von der Pike auf gelernt hat.

Schindelmeiser machte während seiner nur ein gutes Jahr dauernden Zeit beim VfB fast alles richtig. Einziges Manko war, was wiederum der damals noch vorhandenen Vereinsführung zuzuschreiben ist, dass Schindelmeiser, obwohl seit Jahren verfügbar, erst im Juli vorgestellt wurde und bis da hin einige Personalentscheidungen, einschließlich der Verpflichtung von Luhukay, schon gefallen waren.

Schindelmeiser schaffte es dennoch bis zum Transferschluss einen aufstiegsfähigen Kader an den Start zu bringen, wobei allerdings seine und die Auffassungen von Luhukay, wie der Aufstieg zu bewerkstelligen sein würde, auseinandergingen, weshalb der Holländer schließlich seinen Hut nehmen musste.

Schindelmeiser eierte nicht lang herum und zog schnell Konsequenzen aus den Dissonanzen, welche aus heutiger Sicht betrachtet, einer glücklichen Fügung des Schicksals gleich kamen. Auch in der Trainerfrage bewies Schindelmeiser Kreativität und griff nicht einfach auf einen zufällig auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer befindlichen altbekannten Fußballlehrer zurück. Er schaffte es, Hannes vom BVB loszueisen, der drei Mal in Folge Deutscher Meister mit deren Jugendteams wurde, jedoch noch nie eine Profimannschaft trainiert hatte. Das zeugte davon, dass Schindelmeiser einen Plan hatte, wie er den VfB der Zukunft sah und bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Schindelmeisers Transfers waren von sehr viel Phantasie geprägt. Jung und hungrig sollten sie sein, notfalls geliehen und in jedem Fall die Qualität steigernd. Spieler mit Wertsteigerungspotential, die kurzfristig helfen, unsere Ziele zu erreichen, langfristig aller Voraussicht nach aber nicht zu halten sein werden. Die 2. Liga war dabei das ideale Experimentierfeld, um die Jungs zu entwickeln. Dort wurde nicht gleich jeder Fehler bestraft und Niederlagen waren lang nicht so schmerzhaft, weil wir als der große Aufstiegsfavorit in jedem Spiel in der Lage waren, den Bock umgehend wieder umzustoßen.

So war ich allein vom Aufstieg weit weniger geflasht als viele andere und bin weit entfernt, die Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus zu hieven. Meine Helden bleiben die Aufsteiger von 1977, die das Husarenstück in einer viel schwierigeren Zeit vollbracht hatten und, weil es meine erste Saison war, in der ich regelmäßig „runter“ ging und in die auch mein allererstes Auswärtsspiel (0:0 bei den Münchner Löwen) fiel.

Ich war freilich mit meiner reservierteren Einordnung des Aufstiegs eher in der Minderheit. Der Verein schaffte es, obwohl der Aufstieg ein absolutes Muss war, im Umfeld eine Euphorie zu entfachen und den Fans und Mitgliedern vorzugaukeln, dass die Voraussetzungen geschaffen seien, zukünftig wieder im Konzert der Großen mitzuspielen, wenn denn endlich die Ausgliederung durch ginge.

Unter dem Hashtag #jazumerfolg wurde jeder diskreditiert, der anderer Auffassung war und der die Ausgliederung zum damaligen Zeitpunkt kritisch hinterfragte bzw. unter den gegebenen Voraussetzungen (noch) nicht haben wollte.

Dass eine Ausgliederung irgendwann, schon allein aus steuerrechtlichen Gesichtspunkten, hat kommen müssen, war auch mir klar. Ich fand den Zeitpunkt falsch und habe keinerlei Vertrauen in diese Vereinsführung, die uns, wie sich immer häufiger zeigt, mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt hat.

Ich warnte immer wieder, wer für ja stimme, kaufe die Katze im Sack, weil lediglich die 41,5 Millionen Euro vom Nachbarn mit dem Stern Fakt und alles andere Luftschlösser seien.

Die Taxierung des Unternehmenswertes auf 300 Millionen Euro als Zweitligist erschien mir viel zu hoch angesetzt, zumal laut Stefan Heim dieser mit Erwartungen in die Zukunft (also vielen Unbekannten) zustande kam. Dass ein Unternehmen wie Daimler Benz, das beim VfB fest verankert ist und den Aufsichtsrat beherrscht, diese Summe zur Verfügung stellt, sagt meines Erachtens nichts über den Wert des VfB aus, sondern war, wie so vieles, ein Köder, den man den Mitgliedern hingeworfen hat, damit diese auch ja „richtig“ abstimmen.

Für mich war die außerordentliche Mitgliederversammlung eine reine Farce. Verglich ich schon das Werben für die Ausgliederung mit Trumps Wahlkampf (make VfB great again), verkam der eigentlich ernste Abend zunächst zu einer Jubelshow um die „Aufstiegshelden“, um dann mit Verspätung zu beginnen und offensichtlich auf Zeit zu spielen, die Aussprache per Beschluss beenden zu lassen, bis hin zu fragwürdig funktionierenden Abstimmungsgeräten. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Abend zurück denke.

Hatte man im Erklärbär-Video für die Ausgliederung noch betont, man wolle Investoren aus der Region gewinnen, scheint nun, wo die Mitglieder abgestimmt haben, keine Rede mehr davon zu sein. Hatte man bei jeder Veranstaltung, bei der für die Ausgliederung geworben wurde, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf vor den Karren gespannt und mit diesen beiden um das Vertrauen der Mitglieder geworben, setzte man Schindelmeiser kurze Zeit später vor die Tür.

War es doch gerade er, der dafür stand, vernünftig zu wirtschaften, auf dem Spielermarkt keine verrückten Sachen zu machen und Spieler mit Wertsteigerungspotential zu holen, war es offensichtlich schon vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossene Sache, Schindelmeiser durch Michael Reschke zu ersetzen.

Schindelmeiser wurde vorgeworfen, eigenbrötlerisch zu sein und Transfers im Alleingang zu tätigen. Um Schindelmeisers Rausschmiss nicht scheinbar aus heiterem Himmel tätigen zu müssen und die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, warf man den Stuttgarter Nachrichten einige Interna hin und lieferte die Steilvorlage, Schindelmeiser anzuzählen. Die Gefälligkeitsjournalisten des Haus- und Hofberichterstatters ließen sich nicht zwei Mal bitten und hauten einen Artikel mit schweren Vorwürfen gegen Schindelmeiser und einem Bericht über atmosphärische Störungen auf der Geschäftsstelle raus. Ob an den Vorwürfen ein Fünkchen Wahrheit dran war, sei dahin gestellt.

Ein ganz so schlechtes Standing kann Schindelmeiser bei seinen Kollegen ja nicht gehabt haben, wenn man hört, dass über 100 Kollegen zu seinem Ausstand gekommen waren. Dass der Presse nicht gepasst haben dürfte, dass Schindelmeiser vieles lieber für sich behielt, liegt auf der Hand. Seit er weg ist, scheint auch die Stuttgarter Journaille wieder bestens informiert zu sein…

Der Artikel erschien Mitte Juli und damit sicher rein zufällig kurz nach Ende der Einspruchsfrist gegen das Abstimmungsergebnis zur Ausgliederung. Als ich Wolfgang Dietrich am Rande des Trainingslagers in Neustift im Stubaital ansprach, ob man sich um die Zukunft von Jan Schindelmeiser beim VfB sorgen müsse, verneinte er und schob den Inhalt des Artikels auf unzufriedene Spielerberater. Vertrauensbildend war auch dieses Gespräch selbstredend nicht!

Dass die angeblichen atmosphärischen Störungen nicht plötzlich auftraten, sondern seit Anfang des Jahres geschwelt haben sollen, konnte man aus dem Artikel herauslesen. Da Michael Reschke schon im Juni bei den Bayern um die Freigabe für den VfB ersucht haben soll, erhärtet sich der Verdacht, dass der Rausschmiss von Schindelmeiser über längere Zeit geplant war und man lediglich noch abwartete, bis die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war. Schließlich waren es ja weniger die Herren Heim, Röttgermann und Dietrich, denen die Mitglieder die Daimler-Millionen
anzuvertrauen bereit waren, als dass es Jan Schindelmeiser gewesen ist.

Da man Schindelmeiser, den Sportdirektor auf Zeit, weiter Transfers tätigen ließ und Reschke, der zu gegebener Zeit kommen sollte, offensichtlich eine ganz andere Philosophie in Sachen Neuverpflichtungen verfolgt, ließ man den VfB sehenden Auges ins Verderben rennen, um ja die Ausgliederung nicht im letzten Moment noch zu gefährden. Das Resultat: 17 Punkte, 13 Tore und gerade einmal zwei Pünktchen vor einem Abstiegsplatz.

Standen Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser für kreative Transfers von nahezu unbekannten und entwicklungsfähigen Spielern mit einer ungeheuren Power im Tank, drehte sich die Philosophie mit dem Amtsantritt von Michael Reschke um 180°.

Hieß es vor Reschke noch, dass Neuzugänge jung, wild und entwicklungsfähig sein sollen und fühlte sich Wolf bei der Entwicklung dieser Jungs in seinem Element, hat Reschke bislang nur Spieler geholt, die ihren Zenit schon überschritten haben, im Gehaltsranking aber weit oben angesiedelt sein dürften.

Bei Holger Badstuber scheiden sich ja die Geister, ob diesen noch Jan Schindelmeiser wollte und der Streit an dieser Personalie schließlich eskalierte, oder ob Michael Reschke diesen als Antrittsgeschenk mitgebracht hat.

Schenkt man den Aussagen Dietrichs in Neustift in puncto „notwendige Erfahrung in der Innenverteidigung“ Glauben, äußerte er am Beispiel von Neven Subotic, dass man solch satte Spieler, die bereits alles erreicht hätten, nicht verpflichten wolle, weil er nicht glaube, dass sie noch den nötigen Ehrgeiz mitbrächten und zudem verletzungsanfällig seien.

Die Verpflichtung von Badstuber wäre auch hier eine totale Kehrtwende, so dass ich davon ausgehe, dass diesen Transfer noch Schindelmeiser eintütete, zumal die Bekanntgabe des Transfers fast zeitgleich mit der Bestätigung der Personalie Reschke einher ging.

Santiago Ascacíbar, der sympathische Giftzwerg im defensiven Mittelfeld, soll ebenfalls von Schindelmeiser aufgespürt worden sein, so dass sich Reschke diesen Wechsel wohl auch nicht zu 100% auf die Fahnen schreiben darf. Blieben noch Aogo, Beck und, seit ein paar Tagen, Mario Gomez.

Mit Verlaub, um auf diese Namen zu kommen, braucht man nicht die Super-Spürnase schlechthin im deutschen Fußball, wie Reschke ja oft bezeichnet wird. Aogo ist 30 Jahre alt, war arbeitslos und kam in den letzten beiden Jahren auf gerade einmal 30 Spiele für Schalke 04.

Andreas Beck, 32 Jahre alt und ehemals Junger Wilder dürfte wegen der politischen Lage froh gewesen sein, dass ihn der VfB von Beşiktaş Istanbul losgeeist hat. Mit 32 Jahren noch einmal beim Heimatverein einen gut dotierten Vertrag unterschreiben dürfen, wer hätte da schon „nein“ gesagt?

Der VfB scheint sich auf dem Nostalgie-Trip zu befinden. Ich finde es ja schön, wenn sich Präsident Dietrich um die Helden vergangener Tage kümmert, sie zu Spielen einlädt und versucht, deren Netzwerke zu nutzen. Eine Traditionself fürs Ligageschäft muss allerdings nicht sein.

Nach Beck kommt mit Mario Gomez ein weiterer Meister von 2007 zurück, bei Sami Khedira scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er heim ins, ach lassen wir das, kehrt.

Ich sehe diese Entwicklung sehr skeptisch. Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen und nostalgische Gefühle bergen bei Vertragsverhandlungen die Gefahr, den Blick auf die Realität zu verlieren. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, die Spieler sind zehn Jahre älter geworden und nicht mehr die gleichen, die sie waren, als sie einst in die weite Welt hinauszogen. Wäre die alte Liebe fünf Jahre früher neu aufgeflammt, o. k., so aber wirkt deren Rückkehr auf mich wie ein bequemes ausklingen lassen der Karriere und das auch noch für ein stattliches Gehalt. Bei Beck hat sich die Skepsis bislang bewahrheitet, über Gomez reden wir in einem halben Jahr nochmal.

Dass die Mannschaft nicht ausschließlich mit jungen Wilden die Bundesliga rocken kann, steht außer Frage. Und doch hatte ich nach den Trainingslagern in Grassau und Neustift ein sehr gutes Gefühl mit den Burnić’, Mangalas, Akolos und wie sie alle heißen. Wolf, der unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hospitierte stand doch einst für laufintensiven Hochgeschwindigkeitsfußball, Schindelmeiser stellte ihm, soweit möglich, das Spielermaterial zur Verfügung und war damit noch nicht fertig, zum Zeitpunkt, als er entlassen wurde.

Was ihm angelastet wurde, war, dass er Alexandru Maxim für ein Nasenwasser an einen Mitkonkurrenten gegen den Abstieg verhökert und keinen adäquaten Ersatz für ihn geholt hatte.

Reschke hätte noch drei Wochen Zeit gehabt, dieses Versäumnis zu beheben, passiert ist jedoch nichts. Mir fehlt ein Zehner für den tödlichen Pass, einer, der die Stürmer mit Vorlagen füttern kann, auch wenn ein klassischer Spielmacher im System von Hannes Wolf nicht vorgesehen zu sein scheint.

So war in der Vorrunde Sicherheitsdenken Trumpf, was zwar zu einer akzeptablen Anzahl an Gegentoren, jedoch auch zu einer völlig unakzeptablen an eigenen Toren geführt hat. Über weite Strecken wurde, vor allem auswärts, Fußball zum Abgewöhnen geboten. Stets wurde hinten Beton angerührt und vorne sollte der liebe Gott helfen. Doch, mit lediglich drei offensiv und acht defensiv denkenden Spielern auf dem Platz ist nun mal kein Offensiv-Feuerwerk zu erwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hannes Wolf mit dem Fußball, den er spielen ließ, selbst so glücklich war und auch nicht, dass dieser den Spielern Spaß gemacht hat. Wenn man den eigentlichen Sinn des Spiels Tore zu erzielen hinten anstellt und erst beginnt, ernsthaft nach vorne zu spielen, wenn man zurück liegt, kann das auf Dauer nicht befriedigend sein. Umso erstaunlicher, dass bislang so wenig Misstöne aus der Kurve zu vernehmen waren und die Leute der AG weiterhin die Bude einrennen.

Vor allem unsere Offensivkräfte mussten dabei die Lust am Fußball verlieren. Erstes „Opfer“, Simon Terodde. Noch in der zweiten Liga wegen seiner 25 Tore gefeiert, wurde ihm zuletzt die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Für mich zu Unrecht, weil er wenige bis überhaupt keine brauchbaren Bälle serviert bekam und sich zudem die gegnerischen Abwehrreihen fast einzig und allein auf ihn konzentrieren konnten. Dass ihn das nicht zufrieden stellte und er die Flucht ergriff, dafür habe ich Verständnis.

Dass offiziell aber Heimweh vorgeheuchelt wird und der VfB ob seiner Verdienste im Aufstiegsjahr den einzigen fitten Stürmer ziehen lässt, dafür nicht. Einen Spieler, für den vor anderthalb Jahren noch fünf Millionen Euro auf den Tisch des Bochumer Hauses gelegt wurden, für kolportierte zwei Millionen Euro, dazu noch an einen Konkurrenten im Abstiegskampf, abzugeben, ist in meinen Augen unvernünftig und wirtschaftlich unklug.

Für Gefühlsduselei und die Heimwehnummer, wenn sie denn tatsächlich stimmen sollte, ist in der Bundesliga kein Platz. Die Spieler bekommen alle genug Schmerzensgeld, ein Blick auf den Gehaltszettel sollte genügen, das Heimweh wenigstens ein weiteres halbes Jahr auszublenden. .

Entsprechend groß war der Aufschrei unter den Fans, so dass sich die Vereinsführung dazu genötigt sah, noch vor Weihnachten den Transferhammer schlechthin zu verkünden. Mario Gomez kehrt zurück auf den Wasen und soll, vorbehaltlich der sportärztlichen Untersuchung, in der Rückrunde für den VfB auf Torejagd gehen. Da die genannte Untersuchung erst Anfang Januar erfolgen soll, der Wechsel also durchaus auch noch scheitern könnte (keine Sorge, diese Blöße würde sich der VfB wohl kaum geben…), wirkt auf mich die (frühzeitige) Bekanntgabe des Transfers wie eine vorweihnachtliche Beruhigungspille.

Auch was die Rückkehr von Mario Gomez angeht, hält sich meine Freude in Grenzen. Ich bin zwiegespalten, ob er uns denn mit seinen nunmehr 32 Lenzen noch entscheidend weiterhilft. Auch er wird Vorlagen brauchen, um uns zum Klassenerhalt zu schießen. Das eigentliche Problem wurde somit also nicht gelöst, sondern, es wurde ein Strafraumstürmer durch einen anderen ersetzt.

Dabei bin ich einer derjenigen, die Gomez den Wechsel zu den Bayern und seine Aussagen drum herum nie wirklich krumm genommen haben. Dass man im Profi-Business, auch wenn ein Wechsel noch so fix ist, zu diesem erst Stellung beziehen darf, wenn sich alle Seiten über den Zeitpunkt der Bekanntgabe geeinigt haben, ist klar. Gomez, damals noch ein junger Kerl, äußerte sich unbedacht, für mich noch lange kein Grund, ihm ewig böse zu sein. Gomez hatte sich wenigstens, im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, die wir für vergleichsweise wenig Geld oder gar ablösefrei
verloren haben, auf einen Vertrag eingelassen, der dem VfB das Heft des Handelns überließ und uns schließlich eine Rekordablöse von 35 Millionen Euro bescherte.

Daher habe ich Gomez auch nie ausgepfiffen, als er gegen den VfB spielte. Die unsäglichen Pfiffe gegen Ex-Spieler, zuletzt ja auch gegen Bernd Leno und Sven Ulreich, finde ich allgemein beschämend, und, sie helfen ja auch nicht weiter. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Spieler treiben die Pfiffe zu Höchstleistungen an, Gomez hatte in unschöner Regelmäßigkeit gegen den VfB getroffen, während Leno und Ulreich ihren Kasten zuletzt sauber hielten.

Dass Gomez, wenn er denn fit bleibt, auch mit 32 Jahren noch zu den Top-Stürmern Deutschlands gehört, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Schon allein die Tatsache, dass er sich noch ernsthafte Hoffnungen auf die WM 2018 machen darf, unterstreicht, welchen Hochkaräter sich der VfB geangelt hat. Mir geht es lediglich gegen den Strich, dass der VfB offensichtlich seine Philosophie in so kurzer Zeit auf links dreht und auf ein Gehaltsgefüge zusteuert, das mir gefährlich erscheint. Gomez dürfte, ähnlich wie Beck, auf Anhieb zu den Top-Verdienern gehören, und nicht allzu viele Abstriche gegenüber seinem letzten Gehalt in Wolfsburg machen müssen. Wenn er uns zum Klassenerhalt schießt und somit kurzfristig weiter hilft, ist das gut angelegtes Geld, sollten ihm immer aber, wie zuletzt des Öfteren, muskuläre Probleme zu schaffen machen und er nicht regelmäßig zur Verfügung stehen, hätten sich meine Bedenken bewahrheitet.

Hört man Reschke so reden, begründen sich seine Hoffnungen auf eine bessere Rückrunde vor allem in der Rückkehr von Mané, Donis, Ginczek und jetzt auch Gomez. Für mich ein Vabanquespiel, vor allem bei Mané und Ginczek. Ginczek dauerhaft einzuplanen verbietet sich aufgrund seiner Verletzungshistorie von selbst, bei Mané muss man abwarten, wie das Knie reagiert, ob er fit bleibt und wie lang er braucht, um zu alter Stärke zurückzufinden. Für mich wäre es schon optimistisch gedacht, darauf zu hoffen, dass von den Vieren pro Spiel wenigstens zwei zur Verfügung stehen.

Reschke muss in der kurzen Winterpause, am besten bis zum Trainingsauftakt, liefern und die Problemzonen im Kader beheben. „Sein“ Rechtsverteidiger Andreas Beck blieb in der Vorrunde alles schuldig, was ihn einst ausgezeichnet hat und auch Dennis Aogo, der hauptsächlich wegen der Verletzung von Insúa geholt wurde, erbrachte noch nicht den Beweis uns wirklich weiter helfen zu können.

Deshalb sehe ich den größten Handlungsbedarf auf den Außenverteidigerpositionen und im kreativen Mittelfeld. Will Hannes Wolf weiter mit einer Fünferkette spielen , brauchen wir schnelle und konditionsstarke Flügelflitzer auf beiden Seiten, die auch noch in hohem Tempo brauchbare Flanken schlagen können. Im Wintertransferfenster dürfte es schwierig sein, bezahlbare Spieler, die uns sofort weiterhelfen würden, zu bekommen. Das allerdings darf für Reschke keine Ausrede sein, liefert er nicht, sehe ich für die Rückrunde schwarz.

Ich bin von der Vorrunde sehr enttäuscht, nicht nur der Spielweise wegen, sondern auch von dem, was unterm Strich herauskam. 17 Punkte aus 17 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Es nutzt dabei nichts, sich daran zu ergötzen, dass vier Teams noch schlechter platziert sind und es macht auch die Bilanz nicht besser. Eine Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC Berlin könnte bereits ausreichen, auf Platz 17 und damit einen direkten Abstiegsplatz zurückzufallen.

Natürlich hat dem VfB im einen oder anderen Spiel das Quäntchen Glück gefehlt, um den einen oder anderen Punkt mehr zu holen, auf der anderen Seite aber hingen auch alle Siege, ausgenommen der gegen Freiburg, am seidenen Faden, so dass der VfB unterm Strich zurecht da steht, wo er steht. Ich war schon immer ein Gegner vom Fußball, der aufs reine Zerstören ausgelegt ist, und nun spielt mein VfB, der jahrzehntelang als ein Verein für begeisternden Angriffsfußball angesehen war, eben diesen.

Mir ist bewusst, dass wir Aufsteiger sind, wo wir her kommen, erst einmal kleine Brötchen backen, Demut zeigen, etc. pp. müssen. Und doch ist dieses Gerede für mich nicht zielführend und darf schon gar nicht als Alibi für die bislang gezeigten Leistungen herhalten. Wir sind eben kein normaler Aufsteiger, vergleichbar mit Braunschweig, Fürth oder Darmstadt, sondern einer, dem gerade ein Jahr Bundesliga fehlt und der vom Budget her im Mittelfeld der Liga angesiedelt ist. Für die gegebenen Voraussetzungen war mir das Gezeigte insgesamt zu wenig.

Ein Rätsel ist für mich in diesen Tagen Hannes Wolf. Mich würde sehr interessieren, welchen Fußball er sich mit dem VfB in der Rückrunde vorstellt. Ist der bislang gezeigte Sicherheitsfußball nur der personellen Not geschuldet, oder fehlt ihm tatsächlich der Mut, etwas forscher an die Sache heranzugehen. Safety first als Devise ist zunächst ja nicht verwerflich, kritisch zu hinterfragen ist diese allerdings, wenn sie komplett zu Lasten der Offensive geht und diese so gut wie nicht vorhanden ist. Manchmal wünsche ich mir tatsächlich ein wenig Zorniger in Wolf. Gerade in den Spielen auswärts bei der direkten Konkurrenz hätte ich mir eine mutigere Herangehensweise gewünscht.

Tausend Mal probiert, tausend Mal ist nichts passiert, so lassen sich die Auswärtsauftritte in der laufenden Saison beschreiben. Da muss man doch irgendwann mal etwas ändern und nicht immer und immer wieder auf die gleichermaßen erfolglose wie unattraktive Ausrichtung setzen.

Nach wie vor halte ich sehr viel von Wolfs erfrischender Art, auf Dauer aber wäre dieser Fußball schwer zu ertragen. Nach dem Pokal-Aus in Mainz nahm Dietrich erstmals die sportliche Leitung ausdrücklich in die Pflicht, weil die Einstellung einiger nicht gestimmt habe. Ob die Luft für Wolf dünner wird und an den Gerüchten, Thomas Tuchel stünde bereits in den Startlöchern, ein Fünkchen Wahrheit dran ist, wird die Zukunft zeigen. Ich jedenfalls hoffe weiterhin auf Kontinuität auf dem Trainerposten!

Jedoch wirkt Wolf auf mich seit der Schindelmeiser-Entlassung nicht mehr ganz so locker und unbeschwert. Die Symbiose zwischen den beiden hatte offensichtlich gepasst, sein Verhältnis zu Reschke wirkt merklich abgekühlter.

Für mich ist Reschke nach wie vor ein Mann für die zweite Reihe, der er sowohl bei Bayer Leverkusen als auch bei den Bayern war. Es ist schon extrem zum fremdschämen, wenn er ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt. Schindelmeiser wurde vorgeworfen, seine Transfers im stillen Kämmerlein ausgeklügelt zu haben, was einigen redseligen Gestalten in Vorstand und Aufsichtsrat und auch der Stuttgarter Presse nicht gefallen haben dürfte. Reschke hingegen, der rheinische Dampfplauderer, lässt Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen an seinen Gedankengängen teilhaben, was uns beim Romero-Transferpoker auf die Verliererstraße gebracht haben dürfte. Wenn man nicht in trockenen Tüchern befindliche Transfers alle paar Tage öffentlich kommentiert und Wasserstandsmeldungen über Größenordnungen des Transfers gibt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn größere Vereine auf den Plan treten und einem den Spieler vor der Nase wegschnappen. Schindelmeiser wird gewusst haben, weshalb er nur engste Mitarbeiter in seine Pläne eingeweiht hat, seit er weg ist, haben die Maulwürfe wieder Hochkonjunktur.

Reschke lässt auch bisher zu anderen Themen kaum ein Fettnäpfchen aus. Die Amateure, Heiligtum vieler VfB-Fans, sollen völlig von der Bildfläche verschwinden, Kritiker seiner Transfers betitelte er als Vollidioten und nach der Niederlage gegen Leverkusen wünschte er sich elf „Donisse“ auf dem Platz. Fragwürdig, wie solche Aussagen auf den Rest des Teams wirken, zumal es eher brotlose Kunst war, die Donis an diesem Abend auf den Platz brachte. Nach dem unnötigen Pokal-Aus in Mainz kündigte Reschke Einzelgespräche an, weil auch er mit der Einstellung einiger Akteure nicht einverstanden war. Mit reden allein ist es jedoch nicht getan, Reschke muss den Kader verstärken. Weniger schwätzen, mehr schaffen, auf gut schwäbisch.

Spannende Wochen stehen uns also bevor, in denen man hoffentlich nicht auf Zeit spielt und den 31. Januar und damit das Schließen des Transferfensters zu fest im Blick hat. Bis dahin sind bereits drei richtungsweisende Spiele in der Rückrunde Geschichte und der VfB könnte, wenn er denn so weiter macht wie zuletzt, schon entscheidendes Terrain verspielt haben.

Ich wünsche uns allen noch einige besinnliche Tage und ein erfolgreiches Jahr 2018. Wir lesen uns!

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