5. November 2018

Verarschen kann ich mich auch selbst!

Freitagabend, Flutlicht und ein fast volles Haus. Da muss doch das Herz eines jeden Fußballprofis vor Freude hüpfen, wenn man nach einer anstrengenden Trainingswoche von der Leine gelassen wird und zeigen darf, was man(n) drauf hat.

Auch als Fan liebe ich Freitagabendspiele. Einen schöneren Opener ins Wochenende kann man sich kaum vorstellen. Bei Zeiten Feierabend machen, Freunde treffen, sich aufs Wochenendbier freuen und zugleich mit Gleichgesinnten aufs Spiel einstimmen, bevor es schließlich ins Wohnzimmer Neckarstadion geht.

Gewinnt man das Auftaktspiel des Bundesligawochenendes auch noch, darf man sich erfreuen, wie die Konkurrenz Federn lässt, bekommt das Dauergrinsen nicht mehr los und hat ein ganzes Wochenende lang Zeit, sich von den Strapazen der Siegesnacht zu erholen.

Soweit die Theorie und die Glücksmomente, die ein Fan-Leben für einen bereit hält, wenn es denn läuft. Die Praxis sieht derzeit, bei mir zumindest, anders aus. Am liebsten würde ich an Spieltagen in Cannstatt sitzen bleiben, gehe aber dennoch, jedoch mit einer negativen Grundstimmung, „runter“.

Zu unterirdisch bislang die Vorstellungen, angefangen mit Rostock, zu dilettantisch die Fehler, die regelmäßig zu Toren führen, zu bemitleidenswert mit anzusehen, wie aussichtslos das Unterfangen ist, einem Rückstand hinterherzurennen. Immer wenn man dann denkt, schlimmer geht’s nimmer, setzt es den nächsten Tiefpunkt.

Wie schon beim 0:4 gegen Dortmund bin ich auch gegen die Frankfurter Eintracht in der Halbzeit gegangen, weil die Gefühlslage schwer in Richtung „verarschen kann ich mich auch selbst“ ging.
Dann doch lieber den Cannstatter Gastwirten Gutes tun, als sich das Herumgestümpere auf dem Rasen anzutun, schließlich fehlen die Lichtblicke, die Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würden.

Es tut weh, unheimlich weh, den VfB von einem Debakel zum nächsten zu begleiten und keinerlei Ansatzpunkte zu finden, die Hoffnung auf zeitnahe Besserung machen würden. Im Grunde bin ich keiner, der das Geschehen vorzeitig verlässt. Schon die Chronistenpflicht als Fanfotograf und die Spannung, wie der Empfang der „Mannschaft“ in der Kurve nach dem Spiel denn ausfallen würde, sind Motivation genug, bis zum Schluss auszuharren und noch ein paar Bilder zu machen.

Gegen Dortmund war ich unheimlich sauer, weil man Weinzierl in seinem ersten Spiel derart im Regen stehen ließ, man zum propagierten Neuanfang schlafmützig ins Spiel ging und Konzentration schon in der dritten Minute nicht vorhanden war. Das schreibe ich dem elendigen Charakter dieser Truppe zu, zumal die Gegentore zwei und drei ja auch nicht lang auf sich warten ließen.

Gegen Frankfurt fielen die beiden Gegentore direkt vor meiner Nase, so dass ich den Dilettantismus und das nicht vorhandene Abwehrvorhalten aus nächster Nähe bewundern durfte. Mir fiel dazu wirklich nichts mehr ein, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun.

Was mir das Bleiben zuletzt besonders erschwerte, war, außer den grottenschlechten Darbietungen auf dem grünen Rasen, dass sich in meinem Bereich auf der Haupttribüne Richtung Untertürkheimer Kurve etliche Gästefans mit Tickets eindecken und bei solchen Spielverläufen für mich nur schwer ertragbare Partys feiern.

DIE Fankneipe für DIE Fans, den A-Block, hat man ja sinnigerweise in der Kurve untergebracht, zu der man mit Tickets von außerhalb der Cannstatter Kurve während der Spiele keinen Zugang hat. Das wäre sonst eine Alternative, mit Gleichgesinnten bei einem schnellen Bier das Geschehen verarbeiten zu können im Stadion zu bleiben.

Ich aber sitze, hauptsächlich wegen der Bilder, relativ „allein“ auf der anderen Seite und höre den Gästeblock meist lauter als die Cannstatter Kurve. So bin ich regelmäßig mittendrin im „Karneval in Stuttgart“, nach dem es mir so überhaupt nicht ist.

Feiern dann noch Gästefans in „meinem“ Block und posaunen ihre Freude zu impulsiv raus, provozieren oder versperren einem die Sicht bei „Steht auf, wenn ihr… seid“, gehe ich lieber, bevor ich einen Kropf bekomme oder zu pöbeln beginne.

Der Stachel sitzt also derzeit so tief, dass ich lieber das Stadion verlasse, als mir Demütigung um Demütigung live anzutun. Als Fan kann man sich nur verarscht fühlen, einmal mehr null Schüsse aufs Tor von Kevin Trapp (der hätte mit mir ein Bier trinken gehen können…) unterstreichen die hoffnungslose Unterlegenheit unseres Teams. Es ist auch bei weitem nicht so, dass man beim vorzeitigen Verlassen des Stadions Gefahr laufen würde, eine sensationelle Aufholjagd zu verpassen.

Nein, der Gegner richtet sich irgendwann ein und ist mit dem Ergebnis zufrieden, der VfB ist zufrieden, wenn der Gegner endlich Ruhe gibt und das Debakel im Rahmen bleibt, so dass man sich ein solch ungleiches Duell auch sparen kann. Zur Gewohnheit soll das bitte nicht werden. Ich erwarte schließlich auch keine Siegesserie, was ich jedoch erwarte, ist ein Team, das sich für den Brustring zerreißt und sich zusammenreißt. Diesen Eindruck hat man nicht. Reschke räumte nach diesem Spiel erstmals öffentlich ein, dass sowohl die Fitness fehlt, als auch, dass es Probleme mit dem Mannschaftsgeist gebe, auf gut deutsch, sie sind sich spinnefeind und weit davon entfernt, als Team aufzutreten.

Von der ersten Minute an war am Freitag zu sehen, dass unser Team sowohl körperlich als auch fußballerisch hoffnungslos unterlegen war. Wenn dann noch die Einstellung fehlt und sich gestandene Ex-Nationalspieler wie Holger Badstuber abkochen lassen, wie ein Breitensportler am Sonntag nach durchzechter Nacht, dann gute Nacht. Ich fühlte mich extrem verarscht und war fassungslos, dass das aberkannte Tor nicht Warnschuss genug war, sich endlich zusammenzureißen und den Frankfurtern das Leben schwerer zu machen.

Dass außer Badstuber auch die anderen erfahrenen Spieler wie Mario Gomez das Tor nicht treffen oder Ron-Robert Zieler zum wiederholten Male vor die Füße eines Gegenspielers abklatscht, runden den desolaten Zustand dieser Truppe ab. Vom sogenannten Kapitän möchte ich schon überhaupt nicht mehr sprechen, dem fehlt für mich schon lang die Daseinsberechtigung in einer Bundesligamannschaft.

Die Frage, die sich anhand dieser desaströsen Darbietungen stellt, ist, nachdem es den erhofften Trainereffekt nicht gegeben hat, ob Korkut die Truppe tatsächlich so kaputt trainiert hat, wie sie sich präsentiert und folglich in der Rückrunde der letzten Saison nur von Wolfs Grundlagenarbeit profitierte. Die Einheiten in Grassau jedenfalls waren ein Witz und nicht bundesligalike. Kaum ein Training dauerte länger als 45 Minuten. Da man als Unbeteiligter nicht mitbekommt, wie im Hotel, bei Waldläufen oder auf dem Fahrrad geschwitzt wird, maß ich dem allein noch nicht die ganz große Bedeutung zu, war es doch schließlich auch extrem heiß.

Erst jetzt, wo offenkundig wird, dass die Fitness komplett fehlt, man von der ersten Minute an dem Geschehen hinterherläuft und nach einem Rückstand nicht mehr zulegen kann, wird aus diesen Beobachtungen ein Schuh. Fehlt die körperliche Frische, macht sich das auch mental bemerkbar, nur so lassen sich die sich wiederholenden stümperhaften Aussetzer im Ansatz erklären.

Gentner bestritt nach dem Spiel zwar, dass es ein „gravierendes Fitnessproblem“ gäbe, doch, was könnten die sonstigen Gründe für die derzeit nicht vorhandene Konkurrenzfähigkeit sein?

Hätten wir nicht erst den Trainer gewechselt, könnte man meinen, das Team spiele gegen den Trainer. Oder spielen sie etwa gegen Reschke? Kommt er beim Team ähnlich unsympathisch rüber wie bei den meisten Fans. Stößt es dem Team etwa sauer auf, dass Reschke dem Trainer gerne „Ratschläge“ gibt und somit in dessen Kompetenzbereich eingreift?

Was ist dran an Jürgen Klinsmann, dessen Name seit ein paar Tagen über dem Wasen schwebt? Ist es Zufall, dass Buchwald gerade jetzt gegen Reschke wettert, wo sein Kumpel Jürgen Klinsmann in Planung sein soll, seine Zelte in Kalifornien abzubrechen?

Die Lichtgestalt Klinsmann hätte auch für mich einen gewissen Charme, keine Frage. Nur, welches Amt sollte er denn bekleiden? Trainer? Bitte keine erneute Diskussion. Bei diesem Sauhaufen, den Weinzierl vorgefunden hat, lässt sich dessen Arbeit erst nach der Winterpause bewerten, wenn er eine Vorbereitung absolviert hat und bei Kaderveränderungen mitreden durfte. Wie jeder Trainer, der mitten in der Saison übernimmt, muss er in erster Linie die Missstände verwalten. Zudem sind ihm die Hände gebunden, weil der Kader zu dünn besetzt und sehr verletzungsgeplagt ist.

Klinsmann als Sportdirektor? Jein! Ja, weil dieser unerträgliche Reschke von der Bildfläche verschwinden würde, nein, weil wir nach Heldt, Bobic, Dutt und Reschke wieder jemanden auf den elementar wichtigen Posten hieven würden, der ein solches Amt noch nie bekleidet hat. Wir verstehen uns zwar als Ausbildungsverein, aber doch bitte nicht auf den Führungspositionen!

Bliebe noch Klinsmann für Dietrich. Auch das würde ich sofort unterschreiben, weil Klinsmann ein Sympathieträger wäre, der den VfB nach außen gut repräsentieren würde. Die Außendarstellung derzeit ist katastrophal, schon alleine deshalb würde Klinsmann dem VfB gut tun. Zudem hat Klinsmann das Zeug zum Reformer und könnte dem VfB wieder eine Identität verschaffen, die uns derzeit abgeht. Dass es jedoch soweit kommt, ist schon deshalb utopisch, weil Dietrich den Sonnyboy wohl hauptsächlich gerne auf den Wasen locken würde, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und weiter wie bisher machen zu können.

Daher glaube ich weder, dass Dietrich seinen Posten freiwillig vor Ende seiner Amtszeit räumen wird und auch nicht, dass er Reschke entlassen und sich damit die Blöße geben würde, eingestehen zu müssen, dass Reschke, für den Schindelmeiser weg musste, ein riesiger Fehler war.

Denkbar wäre es, dass Dietrich Klinsmann als Sportdirektor installiert und Reschke ins zweite Glied als Kaderplaner zurückversetzt werden würde. Dann aber, ich habe es angesprochen, hätten wir erneut einen Sportdirektor ohne Erfahrung und einen schlauen Herrn Reschke im Hintergrund, der nicht nur den Trainer sondern auch Klinsmann mit schlauen Ratschlägen beglücken würde.

Für mich ist jede dieser Konstellationen problembehaftet und ich glaube auch nicht, dass sich Klinsmann darauf einlassen würde. Er wird einen Machtanspruch mitbringen und gestalten anstatt sich ein- bzw. unterordnen zu wollen. Ihm dürften die Türen in Fußball-Deutschland ohnehin offen stehen, so dass ich denke, dass seine Verbundenheit zum VfB allein nicht ausreichen dürfte, ihn zurück an den Neckar zu lotsen.

Matthias Sammer, Eurosport-Experte beim Spiel gegen die Eintracht, war (wie wir alle) entsetzt von dem, was er zu sehen bekam. Er meinte unter anderem:

“Die meisten – nicht alle – haben nicht die notwendige körperliche Verfassung. Wenn das reguläre Training nicht reicht, muss ich als erfahrener Profi abends meine Turnschuhe anziehen und mir die Füße wund laufen. Wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, dann arbeiten Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha – die arbeiten [wenn sie körperlichen Rückstand haben,] als gäbe es kein morgen. Wenn die körperliche Verfassung nicht stimmt, wird nie, nie etwas funktionieren.”

Dass Sammer das nicht nur so hingesagt hat, sondern als aktiver Profi selbst mit gutem Beispiel voranging, belegt eine Anekdote aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wohnte damals nur wenige Meter von meinen Eltern in Remseck-Aldingen entfernt und war oft am Neckar zwischen Hofen und Aldingen beim Joggen anzutreffen. Als er dieser Freizeitbeschäftigung eines Tages auch in Neckarrems nachging und sah, dass auf dem Sportplatz Fußball gespielt wurde, fragte er höflich, ob er mitspielen dürfe. Dann verstärkte er die ortsansässige A-Jugend in einem Kick gegen die AH, der mein Vater angehörte und hatte großen Spaß dabei.

Ob es diesen Ansporn und diese Lust sich zu bewegen beim Großteil der heutigen Generation noch gibt, wage ich zu bezweifeln. In der jetzigen Situation wäre es für jeden Einzelnen angebracht, mehr als das Nötigste zu tun, um ein Level zu erreichen, mit dem man in der Bundesliga wieder konkurrenzfähig ist. Diese Konkurrenzfähigkeit sehe ich nicht, im Gegenteil, ich bin überzeugt davon, dass das Pokal-Aus in Rostock kein Zufall war und wir auch heute noch gegen jede Drittligamannschaft den Kürzeren ziehen würden, weil es einfach an allem fehlt.

Unseren Nationalspielern wäre es anzuraten, auf ihre Berufung zu verzichten und stattdessen die 13 Tage zwischen Nürnberg und Leverkusen zu nutzen, für den Verein, der sie fürstlich bezahlt, 24 Stunden am Tag da zu sein und Defizite aufzuarbeiten.

In dieser Verfassung sehe ich selbst für Nürnberg schwarz, und erst recht für die darauf folgenden Begegnungen. Wenn es „normal“ läuft und Weinzierl nicht das Unmögliche schafft, im laufenden Spielbetrieb das Team fit zu bekommen, könnten diese fünf Punkte unsere Marke zur Winterpause sein, was fast schon gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre. Dieser wäre hausgemacht und wir stünden vor dem nächsten Neubeginn. Da die Ausgliederungsmillionen größtenteils in alternde Ex-Größen ohne Wiederverkaufswert investiert und somit verbrannt wurden und wohl jeder, der ein paar Euro einbringt, verkauft werden würde, mag ich mir heute die Situation im Sommer noch überhaupt nicht ausmalen.

Ein Jammer, wie man durch Lügen, Intrigen und falsche Personalentscheidungen nach dem Aufstieg so schnell so tief fallen konnte und dass es im Verein noch immer kein Regulativ gibt, welches Fehlentwicklungen schon im Ansatz anspricht und nicht hinterher erst auf schlau macht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Trotz meines Pessimismus bin ich auf Nürnberg gespannt. Bis zum Frankfurt-Spiel war ich noch der Auffassung, dass es unser Glück sei, dass es Vereine wie Nürnberg und Düsseldorf gibt, die man auf jeden Fall hinter sich lassen könne.

Dieser Meinung bin ich nach dem Debakel gegen zugegebenermaßen sehr starke Frankfurter nicht mehr. Ich hoffe, das Team straft mich Lügen und dass wir doch etwas Zählbares aus dem Frankenland mitbringen, allein, mir fehlt der Glaube.

Ich kann Fußball schauen, was ich will, ich sehe derzeit keinen uninspirierteren, langsameren und mit mehr Anfängerfehlern gespickten Fußball wie den vom VfB, so dass ich mir die Wende zwar wünsche, jedoch nicht mehr (so früh) an sie glaube.

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2. November 2018

Cannstatter Chaos-Club

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:07

So lautete das Motto der großen Choreographie vor dem vorletzten Heimspiel gegen Werder Bremen, aus dem der bis dato einzige Saisonsieg resultierte.

Dass man als Tabellenschlusslicht, wenn man das Kunststück fertig bringt, von bislang zehn Pflichtspielen in sieben davon torlos zu bleiben, und als erstes Team der Bundesliga in der noch jungen Saison den Trainer wechselt, von der Presse nicht gerade zimperlich behandelt wird, liegt in der Natur der Sache.

Dass aber der neue Hoffnungsträger Markus Weinzierl nach zwei 0:4-Pleiten gegen zwei Championsleague-Teilnehmer schon ein Fehlstart angedichtet wird und hineininterpretiert wird, der Trainer-Effekt sei bereits verpufft, halte ich für weit hergeholt.

Diesen Fehlstart hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die Korkut gewähren ließ und ihn schließlich viel zu spät entließ. Natürlich kann man einwerfen, Korkut hätte die beiden Spiele auch nicht schlechter coachen können, womöglich sogar mit weniger Gegentoren verloren, doch, das ist hypothetisch und brächte uns auch nicht wirklich weiter.

Weinzierl hatte nicht nur mit den Gegnern zum falschen Zeitpunkt Pech, auch die Spielverläufe müssen den „Neuen“ doch in den Wahnsinn treiben. Gegen Dortmund konnte er sein Konzept bereits nach zwei Minuten in die Tonne kippen, in Sinsheim nach 8 Minuten. Für die Unterzahl hat der VfB in Sinsheim eine ordentliche erste Halbzeit, wohl die beste der bisherigen Saison, gespielt und fiel dann nach dem Wechsel in seine Einzelteile auseinander. Das viel zitierte Spielglück war nicht auf unserer Seite, so dass es völlig verfrüht wäre, den Kopf in den Sand zu stecken.

Mir gefällt Weinzierl bislang, auch mit welcher Locker- aber auch Klarheit er die Pressekonferenzen absolviert. Im Gegensatz zu Vorgänger Korkut, der zwar viel stammelte, aber wenig sagte, hat man bei Weinzierl den Eindruck, dass er mit seiner lockeren aber doch bestimmten Art auch auf das Team überzeugend einwirken kann und sich etwas bewegt.

Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Erfolge einstellen und dann auch nach und nach die Verletzten zurückkehren. Ob heute schon das Glück auf unserer Seite ist und wir endlich mal in Führung gehen oder erst nächste Woche in Nürnberg, wir werden sehen. Jetzt bereits den Trainer anzuzählen wäre absurd, denn, er ist der, der am wenigsten für die Misere kann.

Diese hat sich die Vereinsführung zuzuschreiben. Natürlich waren wir, ich ja auch, im Sommer sehr guter Dinge, dass Reschke gut eingekauft hatte und Korkut genug Zeit gehabt hat, aus dem Personal eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Auf dem Papier lesen sich die Namen ja auch toll, ob sie charakterlich passen, ob sie gesund sind und ob der Trainer überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann, dies zu hinterfragen und zu beurteilen ist aber doch Aufgabe der Verantwortlichen.

Offensichtlich passt es vorne und hinten nicht. Wenn man liest, dass Didavi mit den Problemen an der Achillesferse bereits aus Wolfsburg gekommen und es somit nicht verwunderlich ist, dass er selten einsatzbereit ist, muss man sich schon fragen, ob sie da unten noch alle haben, auf dieser elementar wichtigen Position auf einen Invaliden zu setzen. Ich mag Didavi unheimlich gerne und habe mich über dessen Rückkehr sehr gefreut, doch, unter diesen Umständen hätte ein verantwortungsvoll handelnder Sportdirektor und der Arzt, der den Medizincheck durchführte, Abstand nehmen müssen, den Transfer zu tätigen.

Welche Rolle Castro einnehmen soll(te), ist mir auch noch nicht so ganz klar. Mit seiner Vita erhebt er doch sicher einen Führungsanspruch im Team. Lassen das aber die Gestandenen, allen voran ein Gentner, überhaupt zu, dass hier ein neuer König ins Team drängt, der größer zu werden droht als man es selbst ist?

Ähnlich verhält es sich mit den jungen Wilden, die man dazu geholt hat. Alles ambitionierte Talente, doch, die Frage ist, hat einer der Arrivierten überhaupt ein Interesse daran, dass diese sich verbessern und an ihrer Stelle spielen oder hält man sie nicht bewusst klein?

Dies scheint noch immer das Kardinalproblem des VfB und die Wurzel des Übels der unzähligen Trainerwechsel der letzten Jahre zu sein, dass Neuzugänge bei uns eher schlechter werden und schneller die Lust verlieren, wie der Transfer eingetütet war.

Hat man dazu noch einen schwachen Trainer, wie es Korkut offensichtlich war, der lieber den Weg des geringsten Widerstands wählt und diesem Treiben keinen Einhalt gebietet, um bei den vermeintlichen Führungsspielern nicht anzuecken, kommt eben das heraus, was wir Woche für Woche bestaunen dürfen. Elf Einzelspieler, keine Mannschaft, und ein vogelwildes Auftreten in allen Mannschaftsteilen.
Dass der Trainer hier den falschen Ansatz wählte, hätte Reschke, der ja immer so nah dran ist, merken und schon aus ureigenem Interesse, nämlich dass seine Neuzugänge zünden, vehement dazwischen grätschen müssen. Ich bleibe dabei, spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut weggemusst, was den Start von Weinzierl wohl um einiges leichter gemacht hätte.

So steht jetzt unweigerlich Reschke in der Kritik, der nicht nur die Fans als ahnungslose Vollidioten betitelt hat, sondern auch noch unverhohlen lügt. Zudem wird der VfB AG inzwischen vorgeworfen, dass man seit der Ära Mayer-Vorfelder keinem auf dem Wasen mehr eine solche Machtfülle eingeräumt hat, wie sie Reschke wohl genießt.

Der freie Journalist Oliver Trust konfrontierte den Aufsichtsratsvorsitzenden und Vereinspräsidenten Wolfgang Dietrich letzten Sonntag bei Sport 1 mit diesem Vorwurf, worauf Dietrich in gewohnt dünnhäutiger Manier reagierte. Mit dem einen oder anderen Vorwurf mag Trust übers Ziel hinausgeschossen sein, doch, was haften blieb, war, dass es in der AG vorne und hinten nicht stimmt. Dass es beim VfB keine One-Man-Shows mehr geben dürfe, hatte seinerzeit schon Robin Dutt angemerkt und viel Beifall dafür erhalten, nachdem er Fredi Bobic abgelöst hatte.

Nun, erst gute drei Jahre später haben wir sie wieder und zwar in einer noch nie dagewesenen Form. An der Spitze stehen mit Dietrich, dem Trust in Sachen Fußball-Kompetenz Ahnungslosigkeit vorwarf, ein Sonnenkönig, der andere Meinungen nicht akzeptiert und mit Reschke ein Sportdirektor, der erstmals in der ersten Reihe steht und Interview für Interview unterstreicht, weshalb man ihn bislang nicht auf die Öffentlichkeit losgelassen hat. Da wünsche ich mir doch den smarten Jan Schindelmeiser zurück, dessen Entlassung Dietrich noch immer nicht plausibel begründet hat.

Dass Trust mit seinen Vorwürfen in Richtung Vereinsführung bei manchem offene Türen einrannte, offenbart, dass Guido Buchwald nun aus der Deckung trat und unter der Woche scharf aus der Hüfte schoss. Er kritisierte die Vertragsverlängerung mit Tayfun Korkut und eben auch, dass es in der Vereinsführung an Sportkompetenz fehle. Ausgerechnet Buchwald bin ich geneigt zu sagen. Es klingt sehr nach verletzter Eitelkeit von einem, der es beim VfB in diesem Leben wohl zu nichts mehr bringen wird, außer eben zu einem einfachen Aufsichtsratsmitglied.

Als Aufsichtsrat Interna an die Öffentlichkeit zu tragen, damit hatte sich bereits Hansi Müller sein eigenes Grab geschaufelt. Wenn Dietrich dazu anmerkt, dass diese Vorwürfe von Buchwald Thema der nächsten AR-Sitzung seien, darf daraus geschlossen werden, dass Buchwalds Tage beim VfB ebenso gezählt sind.

Jedoch, bestimmt steckt auch bei Buchwalds Worten ein Fünkchen Wahrheit. Interessant dabei, dass auch ihm offensichtlich die Rolle, die Thomas Hitzlsperger spielt, nicht so ganz klar zu sein scheint. Er wird gerne als Sympathieträger vor den VfB-Karren gespannt, seine Kompetenz herausgestrichen, doch, was er genau mitzubestimmen hat, außer dass er der Gute-Laune-Onkel für die Jungs im Nachwuchsleistungszentrum ist, hat sich auch mir noch nicht so recht erschlossen.

Auch das Mitbestimmungsrecht des Aufsichtsrats erscheint nun in einem anderen Licht. Es ist mir schon klar, dass der Aufsichtsrat per Definition ein reines Kontrollorgan ist und sich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten hat. Doch, beim VfB ticken die Uhren eben anders. Der Aufsichtsrat hat sich selten herausgehalten und tut es auch heute nicht, wie die öffentliche Präsenz dessen Vorsitzenden unterstreicht. Bei der Schindelmeiser-Entlassung wurde Einstimmigkeit des Aufsichtsrats und Alternativlosigkeit vorgegaukelt, um von Dietrich bei Sport 1 erklärt zu bekommen, dass es noch ein (im Organigramm wohl nicht auftauchendes) Gremium, besetzt von Dietrich, Porth und Reschke, gäbe, das Entscheidungen treffe, „wenn diese schnell getroffen werden müssten“, so wohl die Korkut-Entlassung am (übrigen) Aufsichtsrat vorbei.

Es scheint so zu sein, als spiele der VfB schon seit der erfolgreichen Ausgliederungs-Mitgliederversammlung ein falsches Spiel. Zu lügen, dass sich die Balken biegen, wurde von den handelnden Personen salonfähig gemacht, schließlich kann man im schmutzigen Geschäft Profifußball selten die Wahrheit sagen, so will man uns weismachen.

Angefangen damit, dass man mit der Entlassung von Schindelmeiser erst herausrückte, als die Einspruchsfrist bzgl. der Ausgliederung verstrichen war und dass man uns bis heute nicht die Wahrheit gesagt hat. Dabei stand dem Vernehmen nach lang vor der (offiziell verkündeten) Schindelmeiser-Entlassung fest, dass Dietrich seinen Spezi Reschke holen möchte, hat Reschke doch bereits im Juni bei den Bayern um die Auflösung seines Kontraktes ersucht.

Dieses Gebaren zieht sich durch die Amtszeit Dietrichs wie ein roter Faden und ist das, was am Ende von seiner Amtszeit (hoffentlich kein weiterer Abstieg, hoffentlich auch kein (regionaler) chinesischer Investor) hängen bleiben wird. Den Kader, von dem man so überzeugt gewesen ist, will Dietrich indes im Winter aufbessern, damit auch die letzte Kohle, die die Ausgliederung in die Kassen spülte, verballert wird. Bislang hat man diese ja hauptsächlich in ein Gnadenbrot für Alt-Stars ohne Wiederverkaufswert gesteckt, das hat sich manch einer, der für „Ja“ stimmte, bestimmt anders vorgestellt.

Der VfB entpuppt sich einmal mehr als DER Chaosverein mit katastrophaler Außendarstellung. Gerade jetzt kommen solche Nebenkriegsschauplätze zur Unzeit, wünscht man es Weinzierl doch, dass er einigermaßen unbelastet an seine Aufgabe herangehen kann und ihm diese nicht schon in seinen ersten Wochen vom „schwierigen Umfeld“ erschwert wird.

Der VfB braucht auf Sicht wieder eine Identität, ein Wiedererkennungsmerkmal, für das er steht. Dieses erkennt momentan kein Mensch, seit der HSV in die Niederungen der 2. Liga verschwunden ist, wird kein Verein in der Bundesliga mehr mit Chaos assoziiert als der VfB. Daher gebietet es die sportliche Situation, dass sich alle beim VfB zurück nehmen und der Fokus allein aufs Sportliche gelegt wird.
Weinzierl ist die ärmste Sau und muss aus einem zu dünnen Kader (danke, Reschke!) mit etlichen Verletzten den Turnaround schaffen. Reschke, der ihm diese Situation (zu späte Korkut-Entlassung) und den zu dünnen Kader eingebrockt hat, sollte Weinzierl jetzt einmal vertrauen und dort den Hebel ansetzen lassen, wo er den Eindruck hat, dass es am meisten krankt.

Weinzierl sollte möglichst unbelastet und ohne vorgekaut zu bekommen, wer im Team wichtig zu sein hat, hier beginnen können. Ja, beginnen, denn, die Aufholjagd fängt ja jetzt erst an.

Dazu gehört es auch, der Ära Gentner endlich ein Ende zu bereiten und ihn draußen zu lassen, wenn er offensichtlich formschwach ist. Wenn mittlerweile selbst bei den Experten, siehe Sammer in dieser Woche, zur Achse des VfB nur noch meinen, Gentner gehöre dieser an, „er ist ja der Kapitän“, und nicht Leistung oder Wert der VfB-Ikone heraus gestrichen wird, sollte auch den Letzten klar werden, dass Vereinsliebe allein nicht genügen darf, Woche für Woche sein Unwesen auf dem Platz zu treiben. Dem VfB-Spiel, die wenigen herausgespielten Torchancen unterstreichen das, fehlt es an Geschwindigkeit, schon allein deshalb muss sich das Gerüst des Teams verändern, weg von der Rentnerband, hin zum (unbeschwerten) Jugendstil.

Jedes Mal, wenn es Gente drohte, an den Kragen zu gehen, war kurz darauf der Trainer weg, ich baue darauf, dass Weinzierl beim VfB etwas erreichen möchte und eventuellen Widerständen trotzt. Reschke täte gut daran, sich bei derartigen Entscheidungen herauszuhalten, schließlich ist Weinzierl wohl auch seine letzte Patrone.

Erstmals seit Wochen habe ich für heute ein gutes Gefühl! Freitagabend, Flutlicht, volles Haus und ein Gegner, der uns in der Vergangenheit meist gelegen hat. Ein guter Tag, den Bock umzustoßen, wenn, ja wenn nicht Leichtsinnsfehler oder sonstige Widrigkeiten wie bei Weinzierls ersten Spielen eintreten. Dann ist auch der beste Trainer machtlos.

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13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

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31. Januar 2018

Selbstmord!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:17

Reges Treiben, landauf, landab. Deadline-Day! Für alle Vereine die finale Möglichkeit, ihre Kader zu bereinigen. Perspektivlose Spieler abzugeben oder neue zu holen, um auf Verletzungen, personelle und positionelle Defizite im Kader zu reagieren.

Alle Manager und Sportdirektoren der europäischen Fußballvereine hektisch in Aufruhr. Alle? Nein, von Michael Reschke hörte man nichts (ist sowieso besser so) und sah auch nichts.

Gerüchten zufolge feiert er noch immer die gelungene Korkut-Verpflichtung und hat in der Folge Aspirin mit Schlaftabletten verwechselt.

Für mich haben mit dem heutigen Tage die Planungen für die 2. Liga begonnen.

Zu schwach präsentierte sich der Kader, der laut Reschke, „stark genug ist“, zu stümperhaft muteten die Offensivbemühungen über weite Strecken der bislang gespielten Partien an.

Da keiner mehr kam, der den tödlichen Pass spielen und Standards schlagen kann, habe ich null Komma null Hoffnung, dass das Team mit neuem Trainer plötzlich torgefährlicher wird, ohne sich hinten die Bude voll hauen zu lassen.

Planung für die 2. Liga bedeutet auch, dass man das Unternehmen zwingend ohne den Hauptverantwortlichen, Michael Reschke, angehen muss.

Was hat dieser so hochgelobte Perlentaucher bislang für den VfB geleistet? Überhaupt nichts! Auf seine Transfers wäre jedermann gekommen, alternden Ex-Größen viel zu hohe Gehälter bezahlen, das hätte mit den Daimler-Millionen auch jeder geschafft.

Die einzige Nachhaltigkeit, die in seinem Handeln zu erkennen ist und an die man sich später mal an ihn zurückerinnern wird ist, dass er es in gut sechs Monaten geschafft hat, aus einem von riesengroßer Euphorie getragenen stolzen Club die Lachnummer Fußball-Deutschlands zu machen.

Das hat zunächst einmal überhaupt nichts mit der Korkut-Verpflichtung zu tun. Durch Reschkes Interviews, angefangen, die Kunden des Vereins, die nicht seiner Meinung sind, als ahnungslose Vollidioten abzustempeln, über peinliche Interviews bis hin zu mangelnder Unterstützung und das Untergraben der Autorität von Hannes Wolf.

Reschke wird wohl als erster Sportdirektor der VfB-Historie in die Annalen eingehen, der nach nahezu jedem Interview eine Klarstellung hinterher schieben muss, in der er beteuert, das alles doch nicht so gemeint zu haben.

Ich war 1974 das erste Mal im Stadion und gehe seit der Saison 1976/1977 regelmäßig zum VfB. In meinen gut 40 Jahren fällt mir keine peinlichere Person in tragender Rolle ein. W. S. aus KA war ein anderes Thema, weil bereits vorher verhasst. An Reschke ging man unbelastet an und erhoffte sich was von ihm, weil er, zumindest im Scoutingbereich, mal eine Größe gewesen sein soll.

Reschke hat überhaupt nichts für den VfB geleistet, so dass er wegen seiner miserablen Außendarstellung inzwischen wohl von den meisten Mitgliedern zum Teufel gewünscht wird.

Dieser Mann schadet dem VfB in noch nie dagewesener Weise. Ob es Präsident Dietrich mittlerweile ähnlich sieht, oder ob es Zufall ist, dass er Reschke in seiner gestrigen Mail an alle Mitglieder mit keiner Silbe erwähnt hat? Selbst, wenn Dietrich sich (oder den Mitgliedern) seinen Fehler, ein funktionierendes Konstrukt Schindelmeiser/ Wolf zu Gunsten dieser für diesen Posten absolut ungeeigneter Person auseinander gerissen zu haben, nicht eingestehen möchte, dürften ihm die Sponsoren langsam in den Ohren klingen. Eine gute Außendarstellung des Vereins ist für diese schließlich von eminenter Bedeutung und zudem Vertragsgrundlage.

Meine Kritik an Reschke hat ausdrücklich mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut nichts zu tun.

Dass man im ersten Moment erstaunt, geschockt, ja entsetzt gewesen ist, wen wundert es, wenn man DAS Superhirn der Liga in den Reihen hat, manch einer wegen seiner „guten“ Beziehungen von Thomas Tuchel geträumt hat und dann steht plötzlich Korkut vor der Tür.

Dass Reschke dann auch noch weismachen möchte, dies sei sein Wunschtrainer, spottet jeder Beschreibung. Die Medien decken derzeit nach und nach Unwahrheiten auf, die Reschke im Laufe seiner Amtszeit von sich gegeben hat, auch da sollte sich der VfB Gedanken machen, ob es förderlich ist, einen Sportdirektor zu beschäftigen, dem man kein Vertrauen entgegen bringen kann.

Aus diesen Gründen und weil der VfB es geschafft hat, binnen kürzester Zeit zum Chaosverein zu mutieren, ist es nicht verwunderlich, dass andere Trainer als Korkut gleich abgewunken haben, weil sie entweder noch von gut dotierten Verträgen zehren oder eben lapidar ihren eigenen Ruf beim VfB nicht ruinieren möchten. Wer möchte sich dieses Kasperletheater auch antun, wenn er nicht gerade in größter Not ist, oder eben eh schon in Cannstatt wohnt.

Tayfun Korkut gebe ich wie jedem Neuen, die Chance sich zu beweisen. An ihn gehe ich so unvoreingenommen wie möglich ran, schließlich kann er ja nichts dafür, dass Reschke ihn angerufen hat.

Ein bisschen Leid tut er mir jetzt schon. Die Häme, die wegen der Verpflichtung durch die sozialen Netzwerke geisterte, hat kein Mensch verdient.

Ich denke, den meisten ging es dabei wie mir, dass man die Wolf-Entlassung noch nicht richtig verdaut hatte und die überraschende Verpflichtung Korkuts den Groll gegen unsere Vereinsführung explodieren ließ.

Ich verstehe die Leute durchaus, die die Entlassung Wolfs als alternativlos angesehen haben. Es lässt sich nicht verleugnen, dass kaum ein Spiel in dieser Saison gut anzuschauen war, dass übervorsichtig agiert wurde und die Aufstellungen oft fragwürdig waren.

Ich nehme Hannes Wolf trotzdem in Schutz, weil es zwischen ihm und Reschke von Anfang an nicht passte. Weil Reschke mit lahmen Enten wie Aogo und Beck daher kam, die den Fußball, den Wolf am liebsten spielen lassen würden, ad absurdum führten.

Herrscht zwischen Trainer und Sportdirektor ein derart frostiges Verhältnis, wie es wohl gewesen sein soll, muss einer von beiden entlassen werden. Schade, dass es Hannes Wolf traf.

Der Obergipfel und doch VfB-typisch wäre es, jetzt, nach Schließen der Transferperiode und wo nicht mehr gegengelenkt werden kann, Reschke zu beurlauben. Rauscht es weiter so schön im Blätterwald, könnte dieses Kapitel nämlich bald wieder beendet sein.

Tayfun Korkut indes kann jetzt nur gewinnen. Entweder er bestätigt den Ruf des „Ein Punkt pro Spiel im Schnitt“-Trainers, dann steigt der VfB ab und sein Ruf wäre nicht schlechter als vorher. Oder aber er überrascht alle und eilt von Sieg zu Sieg mit der Mannschaft.

Ich kann mir Letzteres nicht vorstellen. Die eklatant schlechte Kaderzusammenstellung wurde nicht im Ansatz korrigiert, zudem hat er es mit den selben Herren Profis zu tun, die zuletzt nicht nur schlechte Leistungen dargeboten haben, sondern es auch an der Einstellung vermissen haben lassen.

Schlimm wäre es, wenn Korkut wenig ändern würde und sich die Spieler auf dem Platz plötzlich zusammenreißen würden, weil die Ansprache von Korkut eine bessere ist als die von Wolf, er gut riecht oder ihnen nicht ganz so viel abverlangt, wie es Hannes Wolf getan hatte.

Dann ginge es in die Richtung, dass das Team gegen Wolf gespielt hätte und den Verein ein Stück weit sehenden Auges ins Chaos gestürzt hätte. Daher hoffe ich fast, dass sie einfach so scheiße sind, wie man sie im Laufe der Saison fast ausschließlich gesehen hat und es dann eben runter geht.

Ein Gutes hätte ein neuerlicher Abstieg nämlich bestimmt. Ein Dietrich und erst recht ein Reschke wären beim VfB nicht weiter vermittelbar, die AG würde kleinere Brötchen backen und der VfB bekäme nach dem Abstieg die zweite Chance zur Konsolidierung und zum Aufbruch in eine goldene Zukunft.

Die erste hat man am Tag der Schindelmeiser-Entlassung verschenkt, der zweite Versuch klappt dann bestimmt. Mir geht es nämlich momentan ähnlich wie 2016, als wir im Abstiegskampf steckten: vor einem weiteren Bundesligajahr mit dann gleicher Konstellation habe ich mehr Angst als vor der 2. Liga.

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28. Januar 2018

Ich hab die Schnauze voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:42

Ich muss es zugeben, große Teile dieses Berichts habe ich nach Mainz geschrieben, war dann aber unsicher, ob ich mit der Forderung, dass nach gerade einmal zwei Rückrundenspielen, von denen eines auch noch gewonnen wurde, Köpfe rollen müssen, nicht unnötig zur allgemeinen Unruhe beitragen und zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. Also, wollte ich das Schalke-Spiel noch abwarten, nachdem die Woche über ja viel geredet und Besserung gelobt wurde.

Was das Labern gebracht hat und dass das Spiel gegen Schalke eine nahtlose Fortsetzung des Mainz-Desasters wurde, wissen wir mittlerweile. Meine Forderung nach dem Rollen von Köpfen zielte darauf ab, dass Reschke und Wolf zusammen nicht funktionieren und demzufolge einer von beiden gehen muss, am liebsten der Herr Sportdirektor.

Hannes Wolf hat sicher in letzter Zeit Fehler gemacht und wirkte zunehmend ratlos. Er war jedoch die Geisel der Entwicklung der letzten Monate und Opfer dessen, dass man ihm einen Sportdirektor vorgesetzt hat, mit dem die Chemie nicht stimmte.

War es mit Schindelmeiser eine fruchtbare Zusammenarbeit und war es Schindelmeiser stets bewusst, dass er einen im Profi-Geschäft noch unerfahrenen Trainer auf den Wasen geholt hat, wusste Schindelmeiser Wolf zu stützen, zu unterstützen und ihm Hilfestellung zu geben, wann immer er den Eindruck hatte, Wolf benötige Halt.

Reschke hingegen offenbarte sich als Elefant im Porzellanladen und konterkarierte Wolfs Vorstellungen vom Fußball bis hin, was letzte Woche offenkundig wurde, dass er dem scheinbar Unerfahrenen in Taktik und Aufstellung hinein zu reden versuchte.

Dass ein solches Verhalten das Selbstbewusstsein eines jungen Trainers nicht stärkt, ihn also verunsichert, ist so klar wie, dass man Reschke höchstens im hintersten Kämmerlein des Vereinsgeländes unterbringen und um jeden Preis verhindern muss, dass dieser vor ein Mikrofon tritt.

Schon nach Schindelmeisers Rauswurf äußerte ich Bedenken, dass Wolf den Bettel hinschmeißen könnte, wenn man vom eingeschlagenen Weg abkommt und die Zusammenarbeit mit Reschke nicht passt.
Das scheint nun der Fall gewesen zu sein, auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet. Stark, Hannes Wolf, dieses Kasperletheater kann man sich auf Dauer nicht antun.

Die Frage, die sich daran knüpft, ist jedoch, wer tut sich das überhaupt an? Spätestens heute fühlt man sich ins Jahr 2016 zurück gebeamt, als man schon mal dem Abstieg entgegen taumelte, der Sportdirektor den Kader für stark genug erklärte, während der Präsident von der Champions League träumte.

Mit Schindelmeiser und Wolf hatte ich die große Hoffnung, dass das Chaos der letzten gut zehn Jahre ein Ende gefunden hat. Es gab eine Philosophie, es gab eine Strategie, nahezu jeden Schritt konnte man nachvollziehen, da er zum ausgegebenen Plan passte. Zudem herrschte eine angenehme Ruhe im Verein und Transfers wurden so lang unter der Decke gehalten, bis die Tinte trocken war.

Die Saisonvorbereitung fing so verheißungsvoll an. Mit Rückenwind durch den Aufstieg und die Ausgliederung, die Schindelmeiser und Wolf mit ihrer frischen und ihrer um die Verantwortung um den VfB bewussten Art erst möglich gemacht hatten, wurde Neuzugang um Neuzugang präsentiert. Die meisten Transfers, auch wenn im einen oder anderen Fall überraschend, machten beim näheren Betrachten Sinn und waren nachvollziehbar.

Dass Reschke inzwischen Schindelmeisers Einkäufe peu à peu weiter veräußert, wertet diese für mich nicht ab. Es wird lediglich die ehemals vielversprechende Philosophie ad absurdum geführt. Lautete sie einst, eine Mannschaft mit Entwicklungspotential aufzubauen, steht Reschke offensichtlich auf eine Altherrenmannschaft, die er für geeigneter hält, dem Druck im Abstiegskampf Herr zu werden.

Dachte man im Sommer, Gentners Tage als der Unantastbare seien gezählt oder dass er zumindest hart um seinen Stammplatz wird kämpfen müssen, kam Reschke, kaum im Amt, daher, und erklärte ihn für unverzichtbar. Schon mit diesen Äußerungen zu Beginn seiner Amtszeit untergrub er die Vorstellungen des Trainers.

Die leider nur knapp elf Monate andauernde Ära Schindelmeiser/ Wolf, bewerte ich losgelöst von dem, was seither geschah. Da Schindelmeiser zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertig war mit der Kaderzusammenstellung, hatte ich vollstes Vertrauen, dass er die größten Schwachstellen im Team bis Ende August noch behoben hätte, und mit einer konkurrenzfähigen Truppe und nicht blauäugig das Unternehmen Klassenerhalt angehen würde.

Dass den Verein diesbezüglich Panik ereilte, relativ kurz vor Saisonstart aber doch knapp vier Wochen vor Ende des Transferfensters, ist mit ein wenig Wohlwollen betrachtet ja gerade noch nachvollziehbar.
Dass man nun aber, drei Tage vor dem Schließen des Wintertransferfensters und wohl nur, weil der Sportdirektor jetzt Reschke und nicht mehr Schindelmeiser heißt, die Ruhe weg hat, den Kader noch zu verstärken, verstehe, wer will. Seit Maxims Abgang klafft eine Lücke zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff, so dass oberste Priorität sein muss, einen Mann für den tödlichen Pass zu holen. Für mich wäre es extrem fahrlässig, nichts mehr zu tun, so dass ich mich wundere, dass sich der Aufsichtsrat, der Schindelmeisers Entlassung so einstimmig mitgetragen hat, noch nicht zu Wort gemeldet hat. Oder reden wir doch nur von Marionetten des Vorsitzenden, die nur dann ihre Hand heben, wenn Papa Wolfgang darum ersucht?

Die Trainingslager in Grassau und Neustift machten mir große Hoffnung, dass ein selten erlebter Konkurrenzkampf anstehen könnte und sie ließen mich staunen, was für eine Schnelligkeit einige der Neuen einbrachten. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass die Platzhirsche endlich und Woche für Woche um ihren Platz kämpfen müssten und ordentlich Zug drin ist. Die Testspiele, vor allem, die Halbzeiten in denen die vermeintlich erste Formation (ohne Gente) am Start war, machten ebenfalls Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Da es bekannt ist, dass Hannes Wolf entwicklungsfähige Spielern gerne zum nächsten Schritt verhilft, hatte ich angesichts der vielen jungen Spieler im Kader keine Bauchschmerzen, dass der Jugendstil krachend scheitern könnte.

Nein, ich hatte einfach Vertrauen in Schindelmeiser und Wolf und spürte, wie verantwortungs- und einfühlsam sie für den VfB agierten. Mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, wäre ein verheißungsvoller Saisonstart und das Reiten auf einer Euphorie- oder sogar Erfolgswelle denkbar gewesen. Diese Hoffnung wurde mit Schindelmeisers Entlassung von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht.

Man warf Schindelmeiser vor, allzu sehr auf Jugend und zu wenig auf Erfahrung gesetzt zu haben und änderte von oben herab diese Philosophie. Mit Reschke kam ein antiquierter Alt-Scout, der seinen Transfers zufolge letztmals den Markt ausgiebig sondierte, als Aogo und Beck bei den Junioren kickten und Timo Baumgartl noch zur Grundschule ging.

Die Stimmung war top, die Euphorie grenzenlos, was sich nicht zuletzt in der „Make VfB great again“-Veranstaltung namens außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. zeigte. Dem Verein war es binnen eines Jahres gelungen, Vertrauen zurück zu gewinnen, wenngleich die Ausgliederungsdebatte einen Keil in die Fanszene geschlagen hatte.

Was Befürworter und Gegner der Ausgliederung jedoch weitestgehend einte, war das große Vertrauen in die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf.

Dann wurde Schindelmeiser aus Gründen geschasst, die einem Außenstehenden auch ein halbes Jahr später noch ein Rätsel sind. Als Hauptgrund der Demission steht die Aussage Dietrichs, man sei in den Gremien übereinkommen, dass die gemeinsam gesteckten Ziele mit Schindelmeiser nicht zu erreichen gewesen seien und er Alleingänge tätige, die den redseligen Personen in den Gremien (und der Presse) offensichtlich nicht gefallen haben.

Dies gab dann wohl den Ausschlag, den rheinischen Dampfplauderer Reschke an Land zu ziehen, dessen Zunge schneller als sein Gehirn zu sein scheint. Dieser schwätzt mehr als Schindelmeiser und sucht die Fettnäpfchen förmlich, den Herren in Vorstand und Aufsichtsrat scheint das egal zu sein, Hauptsache, er redet überhaupt. Da dieser gleich zu Beginn Kritiker seiner Transfers als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnete, scheue ich bei meinem Urteil über ihn eine etwas derbere Ausdrucksweise gleichfalls nicht.

Seit Reschke das Zepter übernahm, änderte sich die Philosophie, oder genauer, es ist keine mehr erkennbar. Nachdem auch der VfB leidvoll erfuhr, dass man für 41 Millionen Euro heutzutage in Betrachtung des Gesamtpakets von Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar und einigem mehr höchstens noch einen einzigen brauchbaren Spieler bekommen kann und den nicht einmal von der Crème de la Crème, beschränkte man sich auf günstige Alt-Stars und extrem verletzungsanfällige Spieler und buttert das Mehr an Geld lieber in üppige Gehälter von Spielern, die im Sommer wieder weg sind und/ oder keinen Wiederverkaufswert mehr haben. Das hat sich der eine oder andere, der bei der Ausgliederung für „ja“ stimmte, sicherlich auch anders vorgestellt.

Die unter Schindelmeiser gelebte Philosophie wurde auf einen Schlag über den Haufen geworfen, der von Wolf favorisierte Hochgeschwindigkeitsfußball ebenso. Kurz vor Ende der Sommertransferperiode kam dann noch Santiago Ascacíbar hinzu, ein Volltreffer, der noch Jan Schindelmeiser zuzuschreiben ist.

Der Fußball, den uns der VfB in dieser Saison zumutet, hat mit Hochgeschwindigkeitsfußball soviel zu tun wie ein Dreirad mit einem Rennrad. Gerade einmal 13 Vorrunden-Tore sind Beleg einer verfehlten Einkaufspolitik. Anstatt jedoch die echten Problemzonen unseres Teams anzugehen, erklärte man Simon Terodde zum Sündenbock. Dieser sei zwar ein guter Zweitligastürmer, genüge den hohen Ansprüchen der Fußball-AG aber nicht.

Simon Terodde wechselte, angeblich auf eigenen Wunsch hin, zum 1. FC Köln. Heimweh wurde als Grund seines Wechselwunsches angegeben, die wahren Gründe dürften jedoch damit begründet sein, dass Terodde als einzige Spitze, wie jetzt ja auch Mario Gomez, meist auf verlorenem Posten stand und der dargebotene Fußball ja auch keinen Spaß machen kann.

Schon nach den ersten drei Spielen mit Gomez, stellt sich heraus, dass auch Super-Mario sich die Flanken nicht selbst schlagen kann und er ebenfalls einen Vorbereiter gut gebrauchen könnte. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern von Terodde auf Gomez verlagert. Wer derzeit der Glücklichere ist? Fragt mal in Köln nach!

Ob die jüngsten Verpflichtungen, Erik Thommy und Jacob Bruun Larsen, beide für die Außenbahn gedacht, unsere Probleme zu lösen vermögen, mag ich noch nicht beurteilen. Dass die beiden Spieler jedoch zusammen gerade einmal sieben (!) Bundesligaspiele auf dem Buckel haben, beide erst von einer Verletzung zurück kommen und in ihren abgebenden Vereinen nur Nebenrollen spielten, sich auf Anhieb durchsetzen und dem VfB einen Zugewinn an Qualität bringen, da habe ich erhebliche Zweifel.

Larsen durfte gestern von Beginn an ran und es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser 45-minütige Einsatz samt stümperhaft verschuldetem Elfmeter keinen Knacks für die nächsten dreieinhalb Monate versetzt. Noch weiß man nicht, wer Trainer wird und ob dieser auf dieses 19-jährige Greenhorn ohne Erfahrung im Männerbereich setzen wird. Es ist denkbar, dass Jacob Bruun Larsen gestern sein erstes und letztes Spiel für den VfB gemacht hat.

Spieler ohne jegliche Spielpraxis sind in der Regel nicht mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, um auf Anhieb Druck im Kader auszuüben. Inwieweit diese jungen Kerle dem Druck des Existenzkampfes werden standhalten können, wird sich ebenfalls zeigen. Larsen jedenfalls zeigte gestern bereits Nerven!

Reschke spielt mit dem Feuer, sollte bis zum 31. Januar nichts Brauchbares mehr kommen. Es wird ja gerne das Argument des schwierigen Winter-Transfermarktes angeführt, um seine eigene Unfähigkeit zu kaschieren zu versuchen.

Ich lass das nicht gelten, weil die Probleme in unserem Spiel schon seit August offensichtlich sind, Reschke also genug Zeit hatte, sich kreative Möglichkeiten zu überlegen. Bekommt man in der Bundesliga keinen „Zehner“, es gibt ja auch noch Ligen, wie die skandinavischen zum Beispiel, die mit dem Kalenderjahr endeten.

Reschke blieb bislang alles schuldig, was man vom einstigen Perlentaucher erwarten können musste. Wo immer er auch taucht, die Gewässer sind trüb oder die Perlen sind abgefischt.

Was Wolfgang Dietrich überhaupt geritten hat, diesen Reschke zu holen, erschließt sich mir in keinster Weise. Bei Bayer Leverkusen und Bayern München hatte man erkannt, dass er ein guter Mann für die zweite Reihe sein mag, in vorderster Front aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst zogen ihm die Bayern letzten Sommer gar den Komiker Hasan Salihamidžić vor.

Wenn Dietrich derart von Reschke überzeugt gewesen und nicht ausschließlich auf die Lobhudeleien aus München reingefallen ist, wäre es für die ahnungslosen Vollidioten interessant zu wissen, ob Reschke ein Konzept vorgelegt hat und was dieses vorsah.

Bislang legt Reschke einen nicht durchschaubaren Schlingerkurs ohne roten Faden hin, so dass man immer noch nicht sagen kann, wofür dieser Reschke überhaupt steht (von Transfers, auf die die Putzfrau auch gekommen wäre, einmal abgesehen).

Für mich hat Dietrich Schindelmeiser weg gemobbt, weil Schindelmeisers Popularität größer war als seine eigene und er sich von Schindelmeiser nicht die Show stehlen lassen wollte. Dass sein Nachfolger einer wurde, dem man besser kein Mikrofon vor die Nase hält, kam Dietrich dabei womöglich noch entgegen. Dass derart eitle Machtspiele auf dem Rücken des Wohles des VfB ausgetragen wurden, wird einfach hingenommen. Reschke gerät, nicht nur wegen der Wolf-Entlassung, immer mehr in die Kritik. Die Bild-Zeitung, wenigstens in Sachen Sport durchaus ernst zu nehmen, bezichtigt ihn heute gar der mehrfachen Lüge und schreibt „Journalisten sparen sich inzwischen die Anrufe beim VfB-Vorstand. Weil sie wissen, dass sie nicht mit der Wahrheit rechnen können“.

Harter Tobak und eines VfB-Vorstandes eigentlich auch nicht würdig ist ebenso, dass Reschke nach nahezu jedem seiner Interviews eine Klarstellung hinterher schieben muss. Mein Gott, was ist aus meinem VfB nur geworden? In der Philosophie Rolle rückwärts um zwei Jahre, der VfB taumelt am Abgrund und wird sicher absteigen, wenn bis zum Ende der Transferperiode nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht. Danke, Dietrich!

Falls es eines Beweises bedurfte, dass Reschke im Scoutingbereich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, wurde letzte Woche Peter Knäbel (genau, DER Rucksack-Pete) als externer Berater ins Boot geholt.
Knäbel hat zwar hervorragende Referenzen und sich vor allem um den Schweizer Nachwuchsbereich sehr verdient gemacht, seine Erfolge auf diesem Gebiet liegen jedoch schon Jahre zurück. In welchem Umfang Knäbel für den VfB arbeiten wird, wurde nicht publik.

Letztes Wochenende in Mainz gab Reschke zum wiederholten Male ein peinliches Bild für den VfB Stuttgart ab. Zunächst war da die Sache mit Akolos fehlender Spielgenehmigung. Man hätte Reschke sicherlich nicht persönlich für diesen Fauxpas verantwortlich gemacht, wenn er denn vor den Mikrofonen nicht derart herum geeiert hätte und das schlechte Gewissen förmlich aus ihm heraus sprach.

Dem VfB, der uns weismachen wollte, durch die Ausgliederung in eine AG werde alles so viel professioneller, unterlief ein dämlicher Anfängerfehler. Jedermann vergewissert sich nach der Übermittlung wichtiger Dokumente, sofern man keine Empfangsbestätigung erhalten hat, ob das Dokument auch angekommen ist. Der VfB scheinbar nicht!

Ich glaube zwar nicht, dass ausgerechnet Akolo auf dem glitschigen Geläuf den Unterschied ausgemacht hätte, und doch war es suboptimal für Hannes Wolfs Spielvorbereitung, kurz vor dem Spiel die Aufstellung noch einmal über den Haufen werfen zu müssen.

Hannes Wolf, den die „Mannschaft“ in Mainz fürchterlich im Regen stehen lassen und seinen Besuch im Aktuellen Sportstudio spätabends zu einem Gang nach Canossa werden ließ, wurde dort mit eingespielten Aussagen Reschkes konfrontiert, der zum Besten gab „Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen.“

Spätestens ab da war klar, dass es zwischen Reschke und Wolf überhaupt nicht passte und Reschke dabei war, Wolf zu demontieren. Hannes Wolf reagierte zwar nach außen hin souverän, in ihm dürfte es aber schwer gebrodelt haben. So schwer, dass er mit der Aufgabe beim VfB abschloss? Ich denke ja. Die Aufstellung beim Schalke-Spiel könnte als Retourkutsche für Reschkes Personalpolitik und das Betteln um seinen Rauswurf interpretiert werden.

Um klar zu stellen, für mich sind weder Wolf noch Schindelmeiser Heilige. Nur bin ich der Auffassung, dass es zwischen Sportdirektor und Trainer passen und eine gemeinsame Richtung erkennbar sein muss. Beides war gegeben, so dass Dietrich ohne Not und wegen verletzter Eitelkeit ein funktionierendes Konstrukt auseinander gerissen und durch eine absolute Fehlbesetzung ersetzt hat.

So kontraproduktiv es war, Luhukay zu verpflichten, als Schindelmeiser noch nicht da war, so dämlich war es, mit Reschke einen Mann zu holen, der nicht zu Wolf passt. Im normalen Leben nimmt man es sich vor, gleiche Fehler möglichst nicht mehrmals zu machen und aus ihnen zu lernen, beim VfB sind Fehler dazu da, sie immer und immer wieder aufs Neue zu machen.

Zu einer Analyse der Situation und ach so tiefgreifenden Gesprächen heute Nacht hätte gehört, die Arbeit des Sportdirektors zu hinterfragen und sie nach knapp sechs Monaten zu bewerten. Jörg Schmadtke wäre auf dem Markt, Matthias Sammer möglicherweise ebenso! Beide haben schon bewiesen, planvoll arbeiten zu können und man könnte sie auf jeden Fall auch auf die Öffentlichkeit loslassen.

Hannes Wolf ist von Kritik natürlich auch nicht freizusprechen. Seinen Stempel konnte er dem Team nicht aufdrücken, wenngleich die Frage offen bleibt, in welchem Umfang er Reschkes Einkäufe spielen lassen musste, ob er wollte oder nicht.

Seine Akribie konnte bisweilen in Verbohrtheit münden, indem ihn jede Kleinigkeit im Ablauf störte, die nicht auf seinem Reißbrett stand. Er verkomplizierte manches zu sehr, so dass die ja nicht immer hochintelligenten Fußballer bisweilen nicht mitgekommen sind. Da bin ich doch eher ein Verfechter von „das Runde muss ins Eckige“ und „Qualität kommt von Qual“.

Ob diese Verwissenschaftlichung des an und für sich einfachen Spiels bei den Spielern immer gut an kam, da bin ich mir nicht so sicher.

Gentner sagte es gestern ja eindeutig und unverhohlen, „was interessieren mich Statistiken“. Einen deutlicheren (verbalen) Affront gegen diesen gewissenhaften Übungsleiter hätte es kaum geben können, die „Unterstützung“ auf dem Platz tat ihr Übriges. Wieder einmal hat es ein Team um Gentner geschafft, den unliebsam gewordenen Trainer abzuschießen.

Anders sind die Kollektivversagen der letzten Wochen nicht zu erklären. Der wievielte Trainer war es eigentlich jetzt, seit Gentner 2010 das Kapitänsamt von Tasci übernommen hat? Lustig, dass ausgerechnet Markus Weinzierl der aussichtsreichste Nachfolgekandidat zu sein scheint, der, oh Wunder, den gleichen Berater hat wie Christian Gentner.

Ich bin dermaßen sauer heute und begrabe ein für allemal mein Hoffen auf Kontinuität beim VfB. Mit Wolf hatten wir ein erfrischendes Trainertalent, dem man unheimlich gerne zuhörte. Nie haben mich die Pressekonferenzen mehr gefesselt, als jene, in denen Hannes Wolf das Wort ergriff. Er war eines der wenigen Gesichter des VfB und verhalf dem VfB (trotz Reschke) zu einer positiven Außendarstellung.

Ich werde ihn vermissen und befürchte, dass wir ihm eines Tages nachweinen werden, wenn er es in den Olymp der deutschen Fußballlehrer geschafft hat. Ich bedanke mich bei Hannes Wolf für die geile Zeit, vor allem im Zweitligajahr und gekrönt mit dem Aufstieg, mit dem sein Name für immer verbunden sein wird. Danke, Hannes!

Eigentlich habe ich heute die Schnauze voll und würde ihnen am liebsten Dauerkarte und Mitgliedsausweis hin schmeißen. Was mich beim Klepperlesverein hält, sind nicht die Protagonisten, die sind Momentaufnahme und morgen hoffentlich schon wieder weg.

Nein, es sind die Leidensgenossen, mit denen man unterwegs ist und die man immer und überall trifft. Mit ihnen lässt sich Freud und Leid teilen, die Fanszene bildet meist eine Einheit, das alles ist stärker und nachhaltiger als Personen, die den Verein zugrunde richten und mit einer fetten Abfindung irgendwann das Weite suchen. Dietrich und Reschke werden hoffentlich nicht als die endgültigen Totengräber des VfB in die Annalen eingehen sondern schon vorher von ihren Aufgaben entbunden.

Das Einzige, was mich noch besänftigen könnte und Hoffnungen auf eine Trendwende zum Besseren schüren würde, wäre, wenn es gelänge, Thomas Tuchel an Land zu ziehen. Höchst unrealistisch zwar, bei Jemandem vorzufühlen, der bei den großen Bayern im Gespräch ist und Gerüchten zufolge horrende Gehaltsforderungen haben soll, doch, wer weiß.

Manchmal steht er sich selbst im Weg, daher bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich die Bayern auf einen solchen Eigenbrötler einlassen würden.

Wenn nicht, wäre der Weg für den VfB möglicherweise doch frei, wobei auch dann zu befürchten würde, dass Tuchel Macht für sich beanspruchen würde, die die Herren nicht bereit wären, an ihn abzugeben. Es geht ja schließlich mehr um die persönlichen Befindlichkeiten als um den VfB.

Deshalb wird man sich diesen Traum abschminken können. Es dürfte ein bislang nicht als Lautsprecher in Erscheinung getretener Übungsleiter Marke Korkut oder Weinzierl werden.

Ich lass mich überraschen und bin im Moment ziemlich gleichgültig, außer bei Tuchel natürlich. Der Neue wird mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssen, um mich auf seine Seite zu bekommen. Das heißt nicht, dass ich mich gegen den Neuen stellen werde, nein, ich möchte sehen, dass sich Dinge ändern. Ich möchte Veränderungen der Hierarchie erkennen, Spieler aufblühen sehen, die in der Versenkung verschwunden waren und anderen, die sichere Stammspieler waren, auf der Haupttribüne die Hand schütteln. Ich möchte sie schwitzen und nach erbärmlichen Vorstellungen wie zuletzt nachts um den Bärensee laufen sehen. Ich möchte erleben, dass jeder Einzelne dem kommunikativen Hannes Wolf nachtrauert.

Was ich nicht erleben möchte ist, dass ein neuer Trainer kommt und „seine Ansprache“ so viel besser ist als die von Wolf und die Versager von gestern plötzlich um ihr Leben rennen und in Wolfsburg punkten. Sollte das der Fall sein, werde ich sie garantiert auspfeifen.

Doch, es führt kein Weg dran vorbei. Am Samstag geht es so oder so, und wohl mit so wenig Lust wie selten, nach Wolfsburg. 2006 haben wir dort zum letzten Mal überhaupt einen Punkt geholt, es wäre also überraschend, ausgerechnet jetzt dort zu punkten.

Sollte sich an der Außendarstellung und damit an der Vereinsführung nicht gravierend etwas ändern, muss man ihnen ja fast schon den Abstieg wünschen, wenn sie anders nicht von ihren Posten zu entfernen sind. Ich habe Dietrich nicht gewählt und habe gegen die Ausgliederung gestimmt, so dass ich ein absolut reines Gewissen habe.

Ein Abstieg hat für mich seit der letzten Saison und den tollen Erlebnissen im Unterhaus komplett den Schrecken verloren.

Mir ist es bewusst, dass es nach einem erneuten Abstieg deutlich schwieriger werden würde, noch einmal direkt aufzusteigen, mir ist es auch bewusst, dass der Abstand nach oben noch größer werden würde, aber, wie schon bei der Ausgliederungsdebatte gesagt und wie man heute auch sieht: Der Abstand ist so groß geworden, dass wir ohnehin Lichtjahre weg sind.

Es wird also, selbst mit 100 Millionen Euro mehr auf dem Konto, sollte der Verein weiter verschachert werden, nahezu unmöglich sein, jemals den Anschluss zu schaffen und jemals wieder Champions League zu spielen.

Wie man bereits ein halbes Jahr nach der Ausgliederung feststellen muss, kriegt man es nicht gebacken, bessere Spieler einzukaufen, sondern zahlt den durchschnittlichen ein Mehr an Gehalt.
Das Geld, das durch die Ausgliederung mehr zur Verfügung steht, fließt eins zu eins in die Taschen der Spieler, so dass ich ein Problem damit habe, wenn solche, die jetzt schon überbezahlt sind, in absehbarer Zeit das Doppelte in den Allerwertesten geschoben bekommen.

Der Fußball heute ist nicht mehr der, der er mal war. Früher hatte man überall, wo man hingefahren ist, eine realistische Siegchance, während man heute bei vielen Spielen die Punkte mit der Post hinschicken könnte. Damit rückt das Sportliche unweigerlich in den Hintergrund. Von den meisten Spielen erwartet man sich ohnehin nichts, so kann man schon nicht enttäuscht werden.

In einer Saison, in der es bei zehn Auswärtsspielen gerade einmal zu einem Punkt reichte, kann das Sportliche auch gar nicht der Hauptgrund sein. Nein, die Stadien, die Atmosphäre und die vielen Gleichgesinnten, die man immer und überall trifft, die machen meinen VfB im Jahr 2018 aus. Und das, sollten wir absteigen, auch in der 2. Liga. Auch da kann man großen Spaß haben, sogar noch mehr als beim “Premium-Produkt” Bundesliga!

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