15. Februar 2019

Ein Wahrheitsbeuger weg – wann folgt Dietrich?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 13:07

Der Auftritt zuletzt bei Fortuna Düsseldorf sollte dem Letzten die Augen geöffnet haben, wie es derzeit um den VfB bestellt ist.

Das war unterirdisch und nicht bundesligatauglich. Gegen eine Fortuna, die zweifellos in dieser Saison schon Duftmarken gesetzt hat, die aber auch ihr letztes Heimspiel sang- und klanglos gegen Leipzig mit 0:4 verloren hatte, derart unterzugehen, hätte selbst ich als derzeitiger Dauerpessimist nicht für möglich gehalten.

Auch wenn uns der Kapitän erst kürzlich weismachen wollte, dass Spiele gegen direkte Konkurrenten keine Endspiele seien, war dies ein Sechs-Punkte-Spiel in Reinkultur. Der Abstand zur Fortuna betrug sieben Punkte, bei einem Sieg wären es nur noch deren vier gewesen und nach dieser auch in der Höhe hochverdienten Niederlage sind es eben zehn.

Das muss man sich mal vor Augen führen. Düsseldorf, wie Nürnberg gefühlter Zweitligist, hängt einen VfB, der fast 50 Millionen Euro in neues Personal investiert hat, um Längen ab.

Bei einem Verein wie Düsseldorf muss jeder Transfer sitzen, wenn nicht, bekommt er ein Problem, während beim VfB müde darüber gelächelt wird, wenn „mal ein Flop dabei ist“ (10 Millionen Euro schwer).

Alle Achtung, was Friedhelm Funkel geschaffen und welches Kollektiv er auf den Platz gebracht hat. Dieses Zehn-Punkte-Polster könnte unter anderem daher rühren, dass man jedes Spiel wie ein Endspiel angeht und in Partien, die für uns Bonus-Spiele darstellen, Punkte hamstert. Während wir gegen die ersten sieben der Tabelle keinen einzigen Punkt holten, punktete Düsseldorf in München, Leipzig und Hoffenheim, gewann zuhause gegen Hoffenheim und Dortmund und hat daher sehr gute Karten im Kampf um den Klassenerhalt.

Dass Teamgeist Berge versetzen kann, sah man am Sonntag ganz deutlich. Während bei uns Lauf-, Leistungs- und Kampfbereitschaft komplett fehlten, pflügten die Fortunen von Beginn an den Rasen um. Ein Matthias Zimmermann, bei uns gescholten und für zu leicht befunden, wuchs in eine Führungsrolle, war überall auf dem Platz zu finden und pushte seine Mitspieler, während die Unseren ohne jegliche Gegenwehr dem Debakel entgegen stolperten.

Ein derartiges Auftreten beschmutzt unsere Farben, es tut weh, diese Leistungsverweigerer unser Trikot spazieren tragen zu sehen. Wenigstens Daniel Didavi dachte an die mitgereisten Fans und meinte, im Grunde müssten sie uns Geld zurückzahlen (ob Taten folgen? We will see – ich würde auch zum Grillen kommen!).

Zum Glück entschlossen wir uns, zum Spiel nicht nur hin- und gleich wieder zurückzufahren, sondern verbrachten ein schönes Wochenende mit Freunden in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Somit war die 90-minütige Demütigung im schmucken Rheinstadion „nur“ eine weniger schöne Episode eines ansonsten herausragenden langen Wochenendes.

Die Frage, die mir nach vier äußerst dürftigen Darbietungen in der Rückrunde unter den Nägeln brennt, lautet, was trainieren die eigentlich. In der Winterpause stießen zwei Neuzugänge zu uns, wir haben viel weniger Verletzte als vor Weihnachten und den Bildern nach zu urteilen, stimmten Stimmung und Trainingsintensität in La Manga.

Offensichtlich brachten die Disziplinarstrafen von Maffeo, Donis und Borna Sosa nicht den erhofften Effekt, wonach sie danach geläutert und wieder vollwertige Teammitglieder sein sollten. Es scheint eher ins Gegenteil umzuschlagen, dass sie sich noch mehr in den Schmollwinkel verziehen und schlechte Stimmung verbreiten.

Ich glaube nicht, dass es besonders klug von Reschke und Weinzierl war, die Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen! Die (Jung-)Profis präsentieren sich seitdem wie bockige kleine Kinder, denen man den Lolly weggenommen hat.

Dass es im Team nicht stimmt, zeigt sich Woche für Woche auf dem Platz. Wir haben keine Einheit, kein Miteinander, die Jungs reden nicht untereinander, womit auch erklärt ist, weshalb nach einem Rückstand kein Aufbäumen stattfindet.

Wir haben mehr und minder begabte Einzelspieler. Führungsspieler, die ihrer zugedachten Rolle gerecht werden und nicht genug mit sich selbst zu tun hätten, Fehlanzeige! Der Frust scheint bei allen tief zu sitzen, deutlich an den Platzverweisen zuletzt von Mario Gomez und Nicolás González abzulesen. Benjamin Pavard indes bettelte zuletzt gegen Freiburg und in Düsseldorf gleich zwei Mal um Rot, so dass ihm eine Denkpause sicher gut tun würde.

Seit Reschke den Dienst antrat, maß man der charakterlichen Eignung der Spieler keinerlei Bedeutung mehr zu. Hier ein Tipp, dort ein Tipp und dort einer, der gerne wieder daheim bei Muttern futtert, und fertig war er, der Trümmerhaufen von Mannschaft 2018/2019.

Was gibt Anlass zur Hoffnung? Derzeit sehr wenig. Teamgeist lässt sich nicht verordnen, da ist die Gruppe gefragt, sich im Sinne des VfB und seiner Fans zusammenzuraufen.

Doch, wer ist überhaupt gewillt, den Kampf anzunehmen, bei dieser Ansammlung von Legionären? Die Älteren wie Beck, Gomez, Didavi und Gentner lassen zwar nicht die Identifikation mit dem VfB vermissen, aufgrund ihrer „Leistungen“ oder Verletzungsanfälligkeit sind sie es aber nicht, die das Ruder für uns herumreißen können.

Das Gros des Kaders aber gehört der Generation Fußballer an, denen der Arbeitgeber, der ihnen ihr fürstliches Gehalt überweist, egal ist, und die sich selbst am nächsten sind. Für die meisten dürfte zudem gelten, Abstieg = Gehaltserhöhung. Der VfB wird zwar wieder weismachen, dass alle Verträge in der 2. Liga Bestand hätten. Dies jedoch nur auf dem Papier.

Wie beim letzten Abstieg würde jeder gehen (dürfen), der Geld einbringt. Dabei ist es dann mutmaßlich auch egal, dass man einen Spieler mit einem Marktwert von 15 Millionen Euro für acht Millionen Euro hergibt, Hauptsache man bekommt einen Großverdiener von der Gehaltsliste.

Über die „Ersparnis“ von sieben Millionen freut sich dann aber nicht der aufnehmende Verein, sondern der Spieler, der diese Differenz als Handgeld einstreicht. So gesehen fragt man sich, ob Spieler ohne emotionale Bindung zum Verein überhaupt motiviert sind, den Abstieg zu vermeiden oder ob dieser ihnen gerade recht käme. Aus diesem Blickwinkel sind wir bereits jetzt verloren, da nützt es auch nichts mehr, dass der Mann, der diesen Kader zu verantworten hat, in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurde.

Ob Weinzierl, dessen Kommunikationsdefizite schon zum Scheitern beim FC Schalke geführt haben sollen, der Richtige ist, die Spieler bei der Ehre zu packen, wage ich zu bezweifeln.

Ich würde es mir zwar wünschen, dass wir ohne weiteren Trainerwechsel auskommen, doch deutet derzeit wenig darauf hin, dass sich die verfahrene Situation noch kitten lässt.

Es ist ja beileibe nicht „nur“ die miserable Bilanz von Markus Weinzierl. Es ist kaum erkennbar, wie er spielen lassen möchte, wenn er ständig und auch während der Spiele die Formation ändert, weil die Spieler seine Vorgaben nicht erfüllen, sie ihnen zu hoch sind und/ oder sein „Plan“ nicht aufgeht.

Aufgrund der dürften Rückrundenbilanz mit einem Punkt aus vier Spielen, sah sich der VfB (zurecht) zum Handeln gezwungen. Die Frage war eigentlich nur, wer zuerst dran glauben muss, Trainer oder Sportdirektor. Da man Reschke nach zwei Fehlgriffen nicht auch noch den nächsten Trainer aussuchen lassen wollte, traf es den Rheinländer, den der Aufsichtsrat von seinem Vorstandsposten „abberief“.
Reschke war für mich neben Dietrich der zweite große Unsympath im Verein und reiht sich historisch zu Egon Coordes und Winfried Schäfer in die Personae non gratae der langen VfB-Historie ein.

Weil Wolfgang Dietrich Schindelmeiser misstraute, dieser es sich getraute, dem großen Maestro Widerworte zu geben und weil Schindelmeiser in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich besser weg kam, als er selbst, tauschte er ihn gegen den von Dieter Hoeneß empfohlenen Clown aus Frechen aus.

Nach Jahren des Dahinsiechens und dem folgerichtigen Abstieg wurden mit Jan Schindelmeiser und kurze Zeit später auch Hannes Wolf die Weichen in eine vielversprechende Zukunft gestellt. Die beiden verstanden es, die notwendige Euphorie zu entfachen und verhalfen Dietrich maßgeblich zur Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine AG.

Dieser Stuttgarter Weg sorgte nicht nur regional für Bewunderung, sondern entfachte Begeisterung weit außerhalb des Einzugsgebiets. Wir wurden als Verein gesehen, der seine Hausaufgaben nach dem Abstieg gemacht hat und das „schwierige Umfeld“ genoss plötzlich ein hohes Ansehen dafür, wie es in den bittersten Stunden zum Verein stand.

Alles war super, alles war toll, bis zum Tag der Schindelmeiser-Entlassung! Nach dem Barner-Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, der einen im Nachhinein betrachtet, auf die bevorstehende Entlassung vorbereiten sollte, behauptete Dietrich mir gegenüber, an dem Artikel wäre überhaupt nichts dran und dass lediglich sich benachteiligt fühlende Spielerberater schlechte Stimmung verbreiten wollten. Ich fragte ihn direkt, ob man sich um Jan Schindelmeiser Sorgen machen müsse. Gut, damals regte ich mich noch auf, dass mir der Präsident ins Gesicht gelogen hat. Mittlerweile kennen wir den beim VfB salonfähig gewordenen Begriff der Wahrheitsbeugung, da erscheint das Ganze dann doch in einem netteren Gewand – nicht!

Abgesehen davon, dass man die Arbeit eines Sportdirektors nach Ende der Transferfrist erst abschließend bewerten kann und somit Anfang August noch überhaupt kein Grund zur Panik bestanden hat, war der Zeitpunkt, den Sportdirektor zu wechseln, denkbar ungünstig, um nicht zu sagen dumm.

Wolf und Schindelmeiser hatten einen Plan, wie das Abenteuer Bundesliga anzugehen war, Reschke konterkarierte diesen total und besorgte Spieler, die vielleicht Wolfgang Dietrich haben wollte, der Trainer jedoch bestimmt nicht. So war auch das Ende von Hannes Wolf eingeleitet, der ein halbes Jahr später das Handtuch schmiss.

Es ist jetzt müßig darüber zu diskutieren, ob Schindelmeiser und Wolf zu blauäugig in die Bundesliga gegangen wären, weil der Kader zu jung und zu unausgewogen besetzt war. Das „schwierige Umfeld“ hat den beiden Vertrauen entgegengebracht und nicht die Nerven verloren, zumal das Transferfenster noch gut drei Wochen geöffnet war. Man hatte zu dieser Zeit einfach die Hoffnung, dass der VfB seine Lektion habe, während es nun noch schlimmer aussieht, wie vor dem Abstieg 2016.

Dass Dietrich in Reschke den totalen Gegenentwurf zu Jan Schindelmeiser holte, zeugt davon, dass Dietrich keinen Plan hat(te) und seine Versprechen im Zuge des „Make VfB great again“-Wahlkampfes zur Ausgliederung erstunken und erlogen waren.

Diese „Mannschaft“, die keine ist, und die scheinbar unaufhaltsam dem Abstieg entgegen taumelt, hat sich Dietrich zuzuschreiben. Gegensätzlicher wie die Vorstellungen von Schindelmeiser und Reschke nicht sein konnten, so stellt sich nun der Kader dar. Ein bisschen Wolf, ein bisschen Korkut, ein bisschen Weinzierl, es passt nicht zusammen!

Buchwald hat mit seiner jüngst erneuerten Kritik Recht. Dass er diese gerade jetzt, wo Reschke weg ist, noch einmal bekräftigt, kann nur in Richtung Dietrich gemünzt sein, der Reschke totale Narrenfreiheit ließ.

Nahezu alles, wovor wir Skeptiker im Zuge der Ausgliederungs-Debatten gewarnt hatten, ist eingetreten. Erstes Problem schon einmal die Unglaubwürdigkeit Dietrichs. Dann mahnte man an, das Votum nicht an seinerzeit handelnden Personen festzumachen, da es eine Entscheidung „fürs Leben“ werde. Ich hatte Bauchschmerzen, als die Rede davon war, wie hoch unser Gehaltsniveau steigen müsse, um wieder konkurrenzfähig zu sein. Lang war Gentner DER Top-Verdiener mit kolportierten 2,5 bis 3 Millionen Euro, mittlerweile soll ein Mario Gomez zwischen 5 und 6 Millionen Euro „verdienen“. Für was? Dann doch lieber ein junges, hungriges und bezahlbares Team aufbauen, in dem die Motivation steckt, irgendwann in höhere Sphären aufzusteigen.

Man kann Reschke zwar nicht vorwerfen, dass er nur Oldies geholt hat, mit unserem einstigen Image, ein Ausbildungsverein zu sein, hatten seine Transfers von jüngeren Spielern jedoch auch nichts zu tun. Gerade den extrem teuren Top-Talenten, die von großen Vereinen kamen, fehlt scheinbar der Antrieb, den Abstiegskampf im kalten deutschen Winter anzunehmen.

Das sind Jungs, die denken, etwas erreicht zu haben, schon allein, weil sie teuer waren und vermutlich auch mehr „verdienen“ als der eine oder andere vorgesehene Führungsspieler. Der Neidfaktor dürfte in diesem zerstrittenen Kader eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Ein gesundes Wachstum, wie es Schindelmeiser präferierte, gab es unter Reschke nicht mehr. Dieser dachte, es genüge, einen Traktor zu frisieren, um an den Porsches dieser Welt vorbei zu kommen.
Dann hole ich lieber Jungs wie Pavard und Mané, die zunächst einen Bruchteil des Geldes kosten und die sich „hocharbeiten“ müssen. Die Mär, die uns die Ausgliederungspropaganda weismachen wollte, dass es dem VfB mit ein paar Millionen mehr auf dem Konto wieder gelänge, Spieler halten zu können, hatte ich schon damals ins Reich der Fabel verwiesen, weil nahezu jeder Profi seinen Wechsel zu erzwingen versucht, wenn es woanders mehr zu „verdienen“ gibt.

Nicht genug, dass Reschke, kaum da, Gentner in den Stand eines Heiligen erhob. Kritiker seiner ersten Transfers Badstuber, Aogo, Beck stempelte er als ahnungslose Vollidioten ab, womit er bei mir auf Anhieb ähnlich unten durch war wie Dietrich.

Reschkes peinliche Auftritte alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Den dicksten Hund leistete er sich bei seiner legendären Schalte ins Aktuelle Sportstudio und zu dessen Studiogast Hannes Wolf, als er einem Millionenpublikum verriet, die Taktik von Hannes Wolf mit ihm überarbeiten zu wollen und damit den Hannes wie einen Schulbuben aussehen ließ, der in die Ecke gestellt wurde.

Dieser Mann war in der zweiten Reihe, wo er bei Leverkusen und den Bayern wirken durfte, genau richtig aufgehoben. Auf die Öffentlichkeit losgelassen hat ihn bislang nur der VfB, auch das Dietrichs Werk. Dass Hannes Wolf danach das Handtuch schmiss und Reschke Korkut holte, weil er nahe des Stadions wohnt, rundete sein Wirken ab. Eines der größten Trainertalente Deutschlands wurde durch die personifizierte Erfolgslosigkeit ersetzt, das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Reschke wunderte sich wahrscheinlich noch darüber, dass das Entsetzen in der Anhängerschaft groß war. Anfangs profitierte Korkut noch sehr von Wolfs Vor- und Grundlagenarbeit und schien das Glück gepachtet zu haben. Die Rückrunde, nach der wir fast noch in die Europaleague gestürmt wären, war von den Ergebnissen her tatsächlich sensationell, dennoch gab es keinen vernünftigen Grund, im Überschwang der Gefühle Korkuts Vertrag frühzeitig zu verlängern.

Genauso dusselig war es, Reschkes Klausel, seinen Vertrag auflösen zu können, wenn man mit seiner Arbeit unzufrieden wäre, einfach und ohne Not zu streichen.
Ein millionenschwerer Fehler Dietrichs, der zwar abzuwiegeln versucht, man werde eine für den VfB gute Lösung finden, doch, ich glaube nicht, dass Reschke Geld zu verschenken hat, schon gar nicht, wenn man nicht im Guten auseinander gegangen ist.

Für Gefühlsduseleien sind wir Fans zuständig. Von einem Unternehmer, der die Verantwortung für den Herzensverein Zehntausender Menschen übernommen hat, erwarte ich rationales Handeln und Weitsicht. Deshalb schart man Experten um sich und dann zählen auch keine Ausreden wie „da haben doch alle geklatscht“.

Doch, Dietrich maßt es sich eben an, seinen Experten in ihren Bereich hineinzureden, so dass er sich dann auch nicht aus der Verantwortung stehlen darf. Der Sonnenkönig sonnt sich gerne im Erfolg seiner Leute und zeigt mit dem Finger auf sie, wenn sie den Erfolg nicht vorweisen. Schlechter (Führungs-)Stil!

Ein ehemaliger Firmenchef wie Dietrich mag zwar über ein paar Milliönchen anders denken als Otto Normalbürger, wie man ja bereits feststellen durfte, als er die versenkten zehn Millionen für Maffeo damit abtat, ein Flop sei immer mal drin. Hier zehn Millionen, bei Korkuts und Reschkes Abfindungen etwa die Hälfte davon, Top-Gehälter für Spieler, die keine Gegenleistung (mehr) bringen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Vorstellung des Ankerinvestors Daimler war, wie der VfB mit seinem Geld umzugehen hat. Vielleicht aber ja doch, sitzen doch genügend Vertreter dieses Konzerns im Kontrollgremium Aufsichtsrat!

Jetzt, wo Reschke Geschichte ist, würde ich gerne über seine Fehler und Verfehlungen kein Wort mehr verlieren, doch, ich befürchte, diese werden uns in den nächsten Jahren mehrfach einholen.

Als Reschkes Nachfolger im Amt des Sportvorstandes wurde Thomas Hitzlsperger vorgestellt. Positiv daran ist zunächst einmal, dass auf den größten Unsympathen seit Winfried Schäfer ein netter jugendlich gebliebener Herr folgt, der dem VfB ein sympathischeres Gesicht verleihen wird. Der 36-jährige ist eine Vereinslegende, schon allein wegen seines so eminent wichtigen und noch schöneren Tores zum 1:1 beim Meisterstück gegen Cottbus 2007. Ihm dürfte der Vertrauensvorschuss der Fanbasis gewiss sein!

Ob nett und sympathisch jedoch reichen wird, den Scherbenhaufen, den Reschke hinterlässt, aufzukehren, wird die Zeit erweisen.

Fakt ist zunächst einmal, dass seit Rolf Rüssmann, mit Ausnahme von Jan Schindelmeiser, nur Novizen diesen Posten bekleideten. Ob Briem/ Schneider, Heldt, Bobic, Dutt, Reschke oder nun Thomas Hitzlsperger, alle betraten Neuland. Man könnte fast meinen, das auf die Fahnen geschriebene „Ausbildungsverein“ gelte in der heutigen Zeit beim VfB hauptsächlich für Sportdirektoren.

Hitzlsperger geht die Aufgabe optimistisch und voller Tatendrang an. Wie er zu Protokoll gab, hat er großen Respekt und Demut vor der Aufgabe. Hitz ist lernfähig und -willig und ein absoluter Teamplayer, so dass mein Gefühl zunächst einmal nicht schlecht ist, und ich denke, der VfB könnte eine gute Wahl getroffen haben. Hitzlsperger wird sich ein starkes Team mit fähigen Leuten aufbauen müssen, das ihn tatkräftig unterstützt und auf das er sich verlassen kann.

Dass manch einer es als großes Risiko erachtet, in der momentan schwierigen Situation alle Hoffnung auf Besserung in einen Neuling zu setzen, kann ich nachvollziehen.

Doch, im Fußballgeschäft lassen sich Zeitpunkte oft schwer planen. Sollte Hitz seine Zukunft nicht als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums gesehen haben, hätte man möglicherweise riskiert, dieses Aushängeschild zu verlieren, hätte man den Posten extern besetzt und Hitzlsperger von einem anderen Verein ein ähnliches Angebot erhalten. Einen Sportdirektor soll er noch an die Seite bekommen, so dass Hitz die Funktion des Managers dem Vernehmen nach nur kommissarisch bekleiden wird.

Wie er in der Pressekonferenz anklingen ließ, gehe es ihm bis Saisonende in erster Linie darum, Trainer Weinzierl zu unterstützen und mit ihm zusammen den Klassenerhalt zu schaffen.
Ob ein neuer Sportvorstand DER Impuls im Abstiegskampf sein wird, um die verfahrene Situation aufzulösen, da habe ich doch erhebliche Zweifel.

Die „Mannschaft“ spielte zuletzt so, als würde sie gegen Trainer spielen. Es wird zwar immer wieder behauptet, das mache keine Mannschaft und schon gar nicht über eine so lange Zeit, doch, wenn man die Auftritte zuletzt betrachtete, konnte man es sich auch kaum vorstellen, dass sie wirklich so schlecht ist. Dass der eine oder andere fußballerische Defizite hat, weiß man.

Dass aber Kampf, Einsatz, Spielfreude, Leistungsbereitschaft, also sämtliche Attribute, die ein Sportler im Blut haben sollte, gänzlich fehlten, gibt schwer zu denken. Ist es wirklich so, dass das Team Motivationsprobleme hat oder müssen in den Köpfen Blockaden gelöst werden? Da das Team bereits längere Zeit und nicht nur, seit Weinzierl Trainer ist, peinliche Auftritte en masse hinlegt, könnte auch Reschke das Problem gewesen sein.

Wo kommen wir denn hin, wenn ein Sportdirektor, der selbst den Trainerschein hat, regelmäßig in der Kabine Ansprachen hält, so dass die Spieler nicht mehr wissen, ob sie auf den Trainer oder auf den Sportdirektor hören sollen. Ob dies so krass vorgefallen ist, wie man hört, und weshalb außer Wolf kein anderer Übungsleiter den Bettel von selbst hinschmiss, verstünde ich dann nicht so ganz.

Jedenfalls haben die Spieler jetzt ein Alibi weniger und Weinzierl dürfte von nun an alleine für die Ansprachen zuständig sein. Dumm eben, dass es am Samstag gleich gegen die formstarken Leipziger geht und gegen diese, mit welcher Einstellung auch immer, kein Kraut gewachsen sein dürfte.

Nach der zu erwartenden Niederlage müsste man Weinzierl aufgrund von dessen niederschmetternden Bilanz von elf Niederlagen in 15 Spielen im Grunde entlassen.

Da hat Dietrich den Schwarzen Peter zunächst einmal elegant an Thomas Hitzlsperger übertragen, der als eine seiner ersten Amtshandlungen vermutlich nicht umhinkommt, Weinzierl seine Papiere zu überreichen.

Noch hat Hitzlsperger ein paar Tage Zeit, das Innenleben des Teams zu beobachten und zu beurteilen. Nach Leipzig ist er gefordert, eine Entscheidung zu treffen, pro oder kontra Weinzierl, beneiden tue ich den neuen Sportvorstand bei dieser Entscheidung nicht.

Ob ein neuer Trainer noch helfen könnte und vor allem, wer das dann sein sollte, ich weiß es nicht. Bei allen den verfügbaren Trainern ist mir kein einziger bekannt, der für Aufbruchsstimmung stehen könnte und am Ende der Saison seinen Platz auch freiwillig wieder räumen würde.

Einen wie Christoph Daum 1991, als man nach dem Trainerwechsel sofort einen wie verwandelt aufspielenden VfB sah, sehe ich weit und breit nicht.

Ein über den Sommer hinaus gehendes Engagement mit einem der üblichen Verdächtigen abzuschließen hielte ich für grob fahrlässig, wenn man denn nicht zu 100% von ihm überzeugt ist und dieser nur als Feuerwehrmann, nicht aber zum Baumeister eines neuen VfB etwas taugt.

Im Sommer muss Bilanz gezogen und mit einem neuen Trainer, der zu einer dann hoffentlich wieder vorhandenen Vereinsphilosophie passt, der x-te Neuanfang gestartet werden. Mein Favorit auf diesen Job wäre Andi Hinkel, wobei ich inständig hoffe, dass man für den Rest dieser Saison die Finger von ihm lässt, um nicht Gefahr zu laufen, ihn durch einen Abstieg zu verbrennen.

Hitzlsperger steht hier also vor einer extrem schwierigen Entscheidung. Im Abstiegsjahr hielt man bis zum Schluss an Kramny fest, obwohl es eigentlich jedem klar war, dass er die Kurve nicht mehr kriegen wird.

Bei Weinzierl bin ich genauso skeptisch, würde ihn jedoch erst ersetzen, wenn ich von einer Alternativlösung überzeugt wäre (und diese nicht Hinkel hieße!). Hitzlsperger kann man bei dieser Entscheidung nur ein glückliches Händchen wünschen.

Wolfgang Dietrich wähnt sich indes fein raus. Ob die Wahl auf Hitz als Sportvorstand nicht aus reinem Kalkül getroffen wurde, damit er ihm nicht als Konkurrent für den Präsidentenposten gefährlich wird? Zutrauen würde man es Dietrich.

Da Dietrich der Hauptverantwortliche unserer prekären Situation ist und er, der Kontinuität versprochen hat, eine Hire and Fire „Strategie“ fährt, muss der Schuss mit Hitzlsperger auch für ihn sitzen. Geht dieser Schuss nach hinten los und/ oder wir steigen ab, muss für ihn (spätestens) Schluss sein.

Ich hoffe, Hitzlsperger weiß sich intern durchzusetzen und Dietrich die Meinung zu geigen, wenn es mal wieder mehr um den persönlichen Machterhalt und weniger um das Wohle des VfB geht.

Eine schlagkräftige Opposition im Verein mit dem Ziel, Dietrich aus seinen Ämtern zu bekommen, wäre wünschenswert, allein mit Spruchbändern in der Kurve wird man sich dieses Problem-Bärs nicht entledigen. Drohungen seitens Aufsichtsrat und Vorstand, Gegner ihrer Pläne wöllten den Verein in Schutt und Asche legen, ziehen heute nicht mehr, das hat Herr Dietrich durch die Verpflichtung von Reschke und mit Unterstützung des Aufsichtsrats schon selber hinbekommen. Nun geht es darum, zu retten, was zu retten ist, dem nötigen (erneuten) Neuanfang würde Machtmensch Dietrich nur im Wege stehen.

Mögliche Nachfolger scheinen sich auch bereits ins Gespräch zu bringen oder gebracht zu werden. Da wäre zum einen der Trainer des morgigen Gegners, Ralf Rangnick. Normalerweise total unrealistisch, dass er sein gemachtes Nest in Leipzig verlässt und den erforderlichen Neuanfang beim VfB leitet, der ihn einst mit Schimpf und Schande davongejagt hat. Heimgezahlt hat er uns dies mehrmals schon, nicht zuletzt durch das Abwerben unserer einstigen Koryphäen im Nachwuchsbereich, Albeck und Schrof oder auch Spielern wie Kimmich und Werner.

Vielleicht aber wird ja auch Rangnick altersmilde und möchte in die Nähe seiner Backnanger Heimat zurückkehren, dann würde er zumindest bei mir offene Türen einrennen. Was wir an Rangnick hatten, erkannte man erst Jahre später, war er es doch, der den Grundstein für die Jungen Wilden setzte. In welcher Funktion man sich Rangnick vorstellen könnte, völlig offen, alleine ihn wieder hier zu wissen, vermittelte mir schon ein gutes Gefühl.

Bekannt ist, dass sich Jürgen Klinsmann vermehrt ins Gespräch bringt und bereit wäre, einen Posten beim VfB zu übernehmen. Sollte Klinsmann seine Zelte in den USA wirklich abbrechen und seinem Heimatverein helfen wollen, wäre es fahrlässig, sich mit ihm nicht über mögliche Tätigkeitsfelder zu unterhalten.

Ihn könnte ich mir sehr gut als Präsidenten vorstellen, der dem VfB sein seit Jahren um sich greifendes Bequemlichkeits-Gen auszutreiben und den VfB leistungsfähiger und leistungsgerechter aufstellen könnte. Dass er ein mitunter unbequemer Reformator ist, weiß man aus DFB-Zeiten.

Zudem würde der VfB nach Dietrich/ Reschke durch Klinsmann/ Hitzlsperger ein extremes Face-Lifting erfahren; diese Kombination hätte das Zeug dazu, den gespaltenen Club zu einen, damit wieder alle an einem Strang ziehen. Dietrich hat für verbrannte Erde gesorgt, unter ihm ist der Riss in der Anhängerschaft nicht mehr zu kitten.

Ich hoffe, der VfB lässt diese Chance nicht verstreichen, denn, ewig wird Klinsmann nicht auf den Anruf des VfB warten! Wie gesagt, ideale Zeitpunkte gibt es im Fußball-Geschäft nicht. Sollte Klinsmann jetzt bereit sein, dem VfB zu helfen, machen Sie den Weg frei, Herr Dietrich. Sie betonen ja stets, nur zum Wohle des VfB zu handeln.

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9. Februar 2019

Chaostage!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:59

Gefühlt die ganze Vorrunde wurde den verlorenen Punkten gegen Mainz und Freiburg nachgetrauert, um die Rückrunde mit exakt derselben „Ausbeute“ zu starten. Von einer Aufholjagd (noch) keine Spur.

Dabei war das Spiel gegen den SC Freiburg ein Spiegelbild des Hinspiels. Früher Rückstand, vergebene Großchance zur Vorentscheidung, plötzliche Führung des VfB, um sich am Ende doch noch den Ausgleich einschenken zu lassen.

Bei so viel Dummheit über den Schiedsrichter herzuziehen und ihn für das nicht gewonnene Spiel verantwortlich zu machen, ist mir zu billig. Wiederholt liegt man in einem eminent wichtigen Spiel kurz nach Anpfiff in Rückstand, wiederholt fällt dieses Tor, weil die Unseren im Rückraum nicht Herr der Lage sind.

Weiß man darum, dass es dem VfB in dieser Saison nicht gelingt, einen Rückstand in einen Sieg umzumünzen, sollten wenigstens in den ersten Minuten, wenn man noch frisch ist, des Trainers Worte in den Ohren hallen und seine Vorgaben noch im Gedächtnis verankert sein, und sich nicht wie eine Schülermannschaft überrumpeln zu lassen.

Fällt dann das 0:2 oder fliegt Pavard berechtigterweise vom Platz, müssen wir nämlich nicht mehr über eine gelb-rote Karte in der 89. Minute und ein Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit reden.

Aytekin ist selbstredend auch für mich ein rotes Tuch, die Bilanz bei Spielen, die er uns pfiff, niederschmetternd. Gerade dann erwarte ich von einem erfahrenen Spieler wie Mario Gomez, dass er nicht wegen zwei fast identischer Situationen vom Platz fliegt.

Ein Schiri, der uns nicht wohlgesonnen ist, pfeift sogenannte Kann-Entscheidungen nun einmal kategorisch gegen uns. Wäre Gomez nicht so aufreizend gemächlich vom Platz geschlichen, wäre die Nachspielzeit vielleicht auch etwas kürzer aus- und der Ausgleich nicht gefallen. Ein guter Schiedsrichter merkt sich nämlich das Zeitspiel der Freiburger über Dreiviertel des Spiels und pfeift dann auch mal pünktlich ab, wenn sie hinten liegen, um sie am Ende nicht auch noch dafür zu belohnen. Aber, Aytekin ist eben KEIN guter Schiedsrichter!

Dass die Nerven beim VfB derzeit blank liegen, offenbarte sich nicht nur bei Pavards völlig überflüssiger Tätlichkeit auf dem Platz, sondern kurz nach dem Spiel auch in den VIP-Logen des Neckarstadions. Bei Sky90 lederte Thomas Berthold über den VfB ab und bezog sich dabei auf die Quelle Guido Buchwald. Dumm nur, dass dieser im Aufsichtsrat sitzt und durch Schnellrichter Wilfried Porth umgehend und vor versammelter Mannschaft abgewatscht, und, schlimmer, lt. Buchwald auch für den desaströsen Tabellenstand verantwortlich gemacht wurde.

Eben jener Porth, bei dem immer die anderen schuld sind und der seinerzeit schon unwürdig gegen Luhukay nachgetreten hatte.

Nach „einer Nacht ohne Schlaf“ trat Guido Buchwald als Aufsichtsrat zurück, womit die Chaos-Tage beim VfB endgültig eröffnet waren.

Ohne Thomas Bertholds Ausführungen zu hoch zu bewerten, lassen sie doch tief blicken. Es sind immer dieselben, die nach ihrer Karriere wenig bis nichts auf die Reihe bekommen haben, die sich bei sportlicher Schieflage zu Wort melden. Timo Hildebrand gab kurz darauf seinen Senf dazu, der nächste in Person von Maurizio Gaudino ist dann am Sonntag bei Sport im Dritten zu Gast.

Die Kernaussage Bertholds stimmt allerdings. Einen ehemaligen Fußballer in den Aufsichtsrat zu setzen, der ständig überstimmt wird, also nichts mitzubestimmen hat, ist ein reines Alibi, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. So verschallte der Hilferuf Buchwalds Ende letzten Jahres, als er die Allmacht Reschkes anprangerte und so wurde er nun eben von Porth zurechtgestutzt, was ganz gut offen legt, wer beim VfB das Sagen hat.

Der von Wirtschaftsbossen dominierte Aufsichtsrat ist seit Jahren die Wurzel allen Übels. Er war es, der Dietrich ins Amt hievte, er ist es, der Dietrich gewähren und sich sämtlicher Kritiker in den eigenen Reihen entledigen lässt. Inzwischen blickt man fast schon neidisch nach Hamburg, wo Marcell Jansen zum Präsidenten gewählt wurde, dem es zugetraut wird, die Fans mitzunehmen und den Verein zu einen.

Beim VfB ist das krasse Gegenteil der Fall. Ein Präsident, den insgesamt nur etwa 3% der Mitglieder gewählt haben, der ohne Gegenkandidat fast noch gescheitert wäre und der diejenigen, die für die Ausgliederung gestimmt haben, arglistig getäuscht hat.

Auf einer Veranstaltung des OFC Highlander in Ummendorf verteidigte Dietrich die Schindelmeiser-Entlassung erneut, „dass es nicht mehr ging“.

Mit Schindelmeiser und Wolf stand der VfB für etwas, sie verliehen dem VfB eine Identität, mit der sich wiederum die Fans identifizierten und ihnen wurde fast blind vertraut, so dass die Ausgliederung durchging. Dass man diese Entscheidung für immer nicht an den (damals) handelnden Personen festmachen darf, wollten die meisten, benebelt von der Aufstiegseuphorie, nicht hören.

Da Dietrich nicht dumm ist, wusste er das natürlich und so verschob er die längst beschlossene Entlassung Jan Schindelmeisers bis hin zum Ende der Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung und zeigte fortan, wie er mit dem Votum der Mitgliederschaft umzugehen gedenkt.

Ich bin weit davon entfernt, Jan Schindelmeiser in den Stand eines Heiligen zu erheben, auch unter seiner Ägide war nicht alles Gold was glänzte, auch bei ihm saß nicht jeder Transfer.

Aber, er bildete eine fruchtbare Symbiose mit Hannes Wolf, die beiden hatten klare Vorstellungen davon, wie der VfB wahrgenommen soll und wie er spielen sollte. Mit Wolf war ein Trainer da, der zu 100% dafür stand, Rohdiamanten unter seine Fittiche zu nehmen, sie besser zu machen und sie weiterzuentwickeln.

Daher interessiert es mich heute auch überhaupt nicht, wenn darauf hingewiesen wird, wo der eine oder andere Spieler jetzt landete und dass er in seiner Entwicklung stagniert. Die Chance, sich bei Hannes Wolf zu entwickeln und durchzustarten, hätten alle gehabt.

Zu dieser Zeit war es den Verantwortlichen wichtig, dass die Jungs charakterlich dazu passen und es gerecht zugeht. Leistungsverweigerer, Stinkstiefel und ein Kevin Großkreutz, der inakzeptabel über die Stränge schlug, wurden dem Mannschaftsgeist zuliebe abgegeben oder vor die Tür gesetzt.

Ein funktionierendes Konstrukt wurde in kürzester Zeit wegen persönlicher Eitelkeiten zerrissen.

Bei Jan Schindelmeiser wussten die Mitglieder die Ausgliederungs-Millionen in guten Händen. Er war bekannt dafür, gerne den ersten vor dem zweiten Schritt zu machen und warf das „frische“ Geld nicht gleich auf Anhieb mit vollen Händen zum Fenster raus.

Er war zudem bekannt dafür, was Dietrich offensichtlich nicht passte, Transfers im stillen Kämmerlein auszutüfteln und die Leute dann erst zu informieren, wenn es etwas zu vermelden gab. Über anstehende Transfers las man nicht schon Tage vorher in der Presse, von außen betrachtet machte Schindelmeiser einfach einen guten Job.

Dass Dietrich bis heute die wahren Gründe des Rauswurfs nicht nennt, lässt tief blicken und befriedigt mich in keiner Weise. Als Vereinsmitglied sehe ich es nicht ein, mich mit einem „basta“ abspeisen zu lassen, zumal die Schindelmeiser-Entlassung den Wendepunkt einer hoffnungsvollen VfB-Zukunft darstellt.

Wäre ein Nachfolger gekommen, der alles noch ein wenig besser als Schindelmeiser gemacht hätte und vor allem einer, zu dem Hannes Wolf einen ähnlich guten Draht entwickeln hätte können wie zu Schindelmeiser, könnte man dies (nicht die Umstände!) vielleicht noch akzeptieren.

So jedoch nicht, und mit einem „hinterher ist man immer schlauer“, wie es in Ummendorf unzählige Male zu hören war, erst recht nicht.

Wie ein Elefant im Porzellanladen knallte Wolfgang Dietrich dem Hannes Wolf den Karnevalsprinzen aus Frechen vor den Latz.

Wolf schien von der Schindelmeiser-Entlassung ähnlich überrascht wie die Öffentlichkeit, was nicht für eine besondere Wertschätzung Dietrichs für Wolf spricht, auch wenn Dietrich (ja, lügen ist salonfähig beim VfB) stets beteuert, wie gerne er Hannes Wolf behalten hätte.

Ein Sportdirektor und ein Trainer müssen auf einer Wellenlänge funken, sonst funktioniert es früher oder später nicht mehr. Reschke konterkarrierte bereits mit seinen ersten Amtshandlungen, alles, für was Wolf gestanden hatte und was er mit dem Team vor hatte.

Wurde ein Christian Gentner im Sommer noch angezählt und ihm klipp und klar gesagt, dass die Zeit der Stammplatzgarantien vorbei sei und er wie jeder andere um seine Position kämpfen müsse, hat der Karnevalist nichts anderes zu tun, gleich bei seinem ersten Spiel im Pokal in Cottbus, die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des Kapitäns in höchsten Tönen zu loben.

Stand der VfB für jung und wild und entwicklungsfähig, waren Reschkes erste Transfers Badstuber, Aogo und Beck. Statt jung und hungrig hieß es fortan alt und satt. Keinen Deut Wichtigkeit maß Reschke auch bei seinen weiteren Transfers einem funktionierenden Team und einer harmonierenden Mannschaft bei.

Identifikationsfiguren wie Terodde und Ginczek ließ man ziehen, Mentalitätsspieler oder auch nur welche, die die Stimmung in der Kabine hochhielten, ebenso. Stattdessen wurde wild eingekauft und dabei knapp 50 Millionen Euro ausgegeben, ohne sich überhaupt damit befasst zu haben, wie sich die Neuen integrieren lassen und ob der Trainer (Korkut) überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann.

So entstand die Mär, dass der VfB mit diesem Kader eigentlich nicht absteigen kann. Ja, von den Einzelspielern her sicher nicht, doch, Fußball ist aber noch immer Mannschaftssport und dass es in der Mannschaft Probleme gibt, weiß man nicht erst seit den öffentlichkeitswirksamen Disziplinarstrafen gegen Donis, Borna Sosa und Maffeo.

Hatte Schindelmeiser seinerzeit noch versprochen, sich vor Neuverpflichtungen das familiäre Umfeld eines Profis genau anzusehen und dann abzuwägen, ob es mit Spieler XY passen könnte, genügt Reschke ein Tipp von Pep Guardiola, Dieter Hoeneß oder Karlheinz Förster.

Das ist äußerst dilettantisch, wenn man diesen einstigen Perlentaucher nicht stoppt, werden die Millionen weiter ohne Sinn und Verstand verprasst. Der nächste Investor soll ja in den Startlöchern stehen und mit weiteren 50 Millionen Euro wedeln, wahrscheinlich sabbert Reschke jetzt schon.

Das größte Sorgenkind heißt derzeit Maffeo. Der von Pep Guardiola empfohlene Spanier scheint überhaupt nicht integrationswillig zu sein, wie man seit dem Trainingslager in La Manga immer wieder hört und liest. Der Junge kam sicherlich mit großen Hoffnungen her und wollte sich in der Bundesliga durchsetzen. Ob er sich das leichter vorgestellt hat oder seine Anfangsmotivation dem Frust gewichen ist, sich hinter einem langsamen und alternden Andreas Beck anstellen zu müssen, weiß ich nicht.

Kein guter Stil und einem hohen Erlös nicht förderlich, war es von Reschke und Dietrich, Maffeo bereits nach einem halben Jahr als Flop einzustufen und den Jungen der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Im Sündenböcke suchen sind sie spitze, die Porths, die Dietrichs, die Reschkes!

Dass Maffeo daher kein gutes Haar am Verein lässt und, wie im Laufe dieser Woche bekannt wurde, gar Neuzugang Ozan Kabak gestenreich mitteilte, in welchem Irrenhaus er gelandet ist, ist nicht allzu verwunderlich.

Bezeichnend dabei war, dass es Özcan, der inzwischen für den HSV die Fußballschuhe schnürt, gewesen sein soll, der die Situation erkannte und Kabak von Maffeo wegzog. Bezeichnend deshalb, weil man offensichtlich wieder einen hergegeben hat, der sich mehr mit dem VfB identifiziert hat, wie alle Neuzugänge, Stand jetzt, zusammen.

So wie es kein guter Stil von Dietrich war, derart in der Öffentlichkeit den Stab über Maffeo zu brechen, zeugt es von schlechter Kinderstube, gegen Schindelmeiser nachzutreten, wie Dietrich es in Ummendorf getan hatte.

Wörtlich meinte er „Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß.“

Dass Schindelmeiser sich schon damals, als er beim VfB vorgestellt wurde, dahingehend äußerte, dass er sein Leben ohne feste Verpflichtungen sehr genossen und dem VfB nur zugesagt habe, weil ihn die Aufgabe besonders gereizt habe, erwähnte Dietrich nicht. Auch nicht, dass es sich mit der VfB-Abfindung für Schindelmeiser sicher ganz gut leben lässt.

Zum Verkauf von Daniel Ginczek meinte er nur, „er wollte weg“. Hab ich richtig gehört? Hat man nicht in den schönen „Sendung mit der Maus-Videos“ zur Ausgliederung gerade damit geworben, künftig selbst Herr der Lage sein und Spieler halten zu können? Auch das, wie ich schon vor der Ausgliederung geschrieben habe, eine Lüge und im heutigen Fußball-Business nicht realistisch.

Der Rücktritt Guido Buchwalds könnte eine Lawine ins Rollen gebracht haben. Das morgige Auswärtsspiel in Düsseldorf ist für alle Beteiligten ein Endspiel. Sollte verloren werden, dürfte weder Markus Weinzierl bei dann 11 Niederlagen in 15 Spielen noch zu halten sein und auch Reschke dürfte man kaum seinen Fehlgriff Nummer drei aussuchen lassen. Sollte Reschke krachend scheitern, was ich ja fast hoffe, muss als Konsequenz auch Wolfgang Dietrich seinen Hut nehmen, um den Weg für einen unbelasteten Neuanfang freizumachen.

Die Gerüchteküche brodelt in dieser Woche wie selten zuvor. Der kicker brachte als mögliche Weinzierl-Nachfolger Markus Gisdol und Felix Magath ins Gespräch, was, typisch für die heutige Medienlandschaft, von nahezu allen einschlägigen Online-Portalen aufgegriffen und 1:1 wiedergegeben wurde.

Mich graut es vor beiden Namen und ich hätte es mir gewünscht, mit Weinzierl die Saison zu Ende bringen zu können.

Bei Felix Magath bin ich jedoch zwiegespalten. Ich fand es eine geile Zeit damals, auch wenn sein Abgang unrühmlich war. Jedoch dürfte sein Zauber verflogen und seine antiquierten Trainingsmethoden nicht mehr zeitgemäß sein.

Einen gewissen Charme jedoch, das möchte ich nicht verhehlen, hätte es für mich, die Jungs anstatt bei Plusgraden in dicken Schals eingehüllt bepackt mit Medizinbällen den Rotenberg hoch rennen zu sehen.

Da aber jeder Trainer davon abhängig ist, dass die Mannschaft ihm folgt und beim VfB ein Jeder im Team weiß, wie man sich eines unliebsamen Übungsleiters zu entledigen hat, hätte diese Konstellation wohl nur eine kurze Verweildauer.

Der Name Ralf Rangnick schwebt auch seit einigen Tagen über dem Cannstatter Wasen. Halte ich für unrealistisch. Zum einen sitzt Rangnick in Leipzig im gemachten Nest und wird sich mit seinen nunmehr 60 Jahren kaum mehr dieser Herkulesaufgabe annehmen.

Zum anderen würde er einen solchen Job auch nur machen, wenn er vollständige Entscheidungsbefugnis hat, was den machtgeilen Herren in Vorstand und Aufsichtsrat nicht gefallen dürfte. Die werden sich nach Reschke die nächste Marionette ins Haus holen, so dass sich beim VfB wohl so schnell nicht viel ändern wird.

Dass wir sportlich noch die Kurve kriegen, glaube ich nicht. Diese Mannschaft ist tot. Die einen wollen und können nicht (mehr), für die Anderen ist der VfB ein Arbeitgeber wie jeder andere auch, so dass sie jetzt schon ausloten dürften, ob ihnen ein Abstieg persönlich mehr bringt, als der Ligaverbleib. Die wenigsten stemmen sich dagegen, die große Gleichgültigkeit macht sich breit. Wenn denn ein Funke vom Rasen überspringt, dann dieser.

So freue ich mich auch auf Düsseldorf mehr über das Drumherum und mache mir keine Illussionen, endlich einen anderen VfB erleben zu können. Vermutlich wird es, um weiterhin synchron mit dem Hinrundenstart zu sein, ein schmuckloses Remis, das Düsseldorf mehr entgegenkommen dürfte, als dem VfB. In diesem Sinne, bringts gut hinter Euch!

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30. Januar 2019

Stuttgart kämpfen, Dietrich raus!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 13:46

Das neue Jahr beginnt für den VfB wie das alte aufgehört hat – mit zwei Niederlagen. Jene gegen die Münchner Bayern war dabei natürlich eingeplant, ganz im Gegensatz zu der zuhause in der Vorwoche gegen Mainz 05.

Trainer Weinzierl änderte sein Team gleich auf fünf Positionen und trat mutiger auf als zuletzt. Beck ersetzte Castro, Insúa Borna Sosa, Neuzugang Kabak lief anstelle von Timo Baumgartl auf, dazu kamen noch Nicolás González und Donis für Aogo und Mario Gomez. Ob Timo Baumgartl tatsächlich Schwindelgefühle plagten oder er doch wegen der Bonus-Spiel-Aussage zum Zuschauen verdammt wurde, mag ich nicht zu beurteilen. Aufgrund dieser stellte ich letzte Woche bekanntermaßen die Charakterfrage und „riet“ Markus Weinzierl, alle zuhause zu lassen, die sich von vornherein aufzugeben scheinen.

Bemerkenswert war der Startelf-Verzicht von Mario Gomez, der realistisch eingeordnet hatte, dass wir gegen die Bayern eher schnelle Konterspieler statt eines Strafraumstürmers brauchen könnten.

Bemerkenswert in doppelter Hinsicht, denn, wenn man bei seiner Aussage „Deswegen habe ich dem Trainer auch gesagt, er soll die anderen beiden spielen lassen„ zwischen den Zeilen liest, hätte sich Gomez von selbst aufgestellt, wobei wir bei der Grundsatzfrage wären, ob es im Profifußball Stammplatzgarantien gibt und weshalb Christian Gentner nicht auch mal eine derartige Selbstreflektion erfährt.

Die Aufstellung las sich für mich vielversprechender als in den letzten Wochen. Umso ärgerlicher war es daher, dass man bereits nach fünf Minuten den Überblick im eigenen Strafraum verlor und in Rückstand geriet. Bitter, in einem Spiel, von dem man schon nichts anderes als eine hohe Niederlage erwartete, dermaßen früh die Bestätigung dafür zu erhalten. So machte ich gerade einmal in den ersten fünf Minuten ein paar Bilder, ehe uns der Spielstand und die Hoffnung, im Paulaner Fantreff Voll- statt Light-Bier serviert zu bekommen, in die Katakomben trieb und wir den Rest des Spiels auf dem Bildschirm verfolgten.

Eigentlich ist der Fantreff Heim-Fans vorbehalten, da wir neutral gekleidet waren und Emotionen ohnehin kaum mehr vorhanden sind, fielen wir dort nicht einmal auf. Bei bayerischem Schweinebraten mit Kren und Weizenbier aus dem Glas (verflixt, doch Light!) schauten wir dem Treiben zu. Früher wäre dies noch unvorstellbar gewesen, da staute sich Tage vorher der Schaum vor dem Mund und jeder dahergelaufene Lederhosenträger wurde beleidigt. Diese Luft ist raus, emotionslos wie die Darbietungen auf dem grünen Rasen lasse ich dieses ungleiche Duell inzwischen über mich ergehen.

Somit wichen wir der nasskalten Witterung aus und sahen einen VfB, der eine Reaktion zeigte und wider Erwarten (zunächst) nicht einbrach. Im Gegenteil, wegen der Passivität der Münchner Bayern, kam der VfB immer besser ins Spiel und erzielte mit einem Traumtor von Donis den Ausgleich. Eben jener Donis hatte sogar noch die Führung auf dem Fuß, war aber offensichtlich zu überrascht, dass der Ball zu ihm durchkam, so dass er Neuer überhastet anschoss. Daher ging es immerhin mit einem achtbaren Remis in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel änderten sich dann wieder die Kräfteverhältnisse. Die Bayern brachten den Ex-VfBler Serge Gnabry für Martinez und mit Gnabry kam der Angriffsschwung zurück, während der VfB zu passiv aus den Katakomben kam und die Protagonisten den Anschein erweckten, sich auf einer ordentlichen ersten Hälfte ausruhen zu wollen.

Eben jener Gnabry spielte zehn Minuten nach der Pause Gentner an, welcher sehenswert zur Bayern-Führung verwandelte. War vermutlich nicht so gewollt, unser viertes Eigentor in dieser Saison, doch, hätte Weinzierl Gentner auch mal eine Pause verordnet, wäre Gentner nicht im Weg gestanden und das Tor wäre so nicht gefallen. Weshalb Gente, auch wenn er noch so formschwach ist, jedes Mal in der Startformation steht, begreife ich nicht. Ist es die Stammplatzgarantie oder liegt der Grund gar darin, dass Gentner und Weinzierl denselben Berater haben?

Ich hoffe, trotz aktueller Dementis, dass bis zum Ende der Transferperiode der dringend benötigte spielstarke Mittelfeldspieler noch kommt und Weinzierl sich traut, Gentner auch mal draußen zu lassen. Ich kann immer wieder nur betonen, dass ich Gentner als Typen und als Menschen sehr schätze, auf dem Platz aber selten etwas mit ihm anfangen konnte.

Schon 2010, als er aus Wolfsburg zurückkehrte, hatte ich den Wechsel im Blog kritisiert und jetzt, neun Jahre später, reden viele von einer Vereinslegende.

Warum denn überhaupt? Was hat Gentner mit dem VfB erreicht? Meister 2007 als Ergänzungsspieler, dann der Wechsel nach Wolfsburg wegen des Geldes und weil beim VfB kein Platz für ihn war und seit seiner Rückkehr geht es stetig bergab.

Warum dann? Weil er Kapitän ist? Seit er 2013 über Nacht nach Tascis Abgang wie die Jungfrau zum Kinde zur Kapitänsbinde kam, hat der Abwärtstrend an Rasanz zugelegt und hat sich die Verweildauer der Trainer mindestens halbiert.

Warum sonst? Weil er der dienstälteste VfB-Profi ist? Weil er beim Abstieg geblieben ist? Dann bitte möchte ich wissen, ob jemals ein Angebot für ihn vorlag.

Daher ist mir Vereinslegende viel zu hoch gegriffen. Als Vereinslegenden sehe ich Robert Schlienz, Karlheinz Förster, Asgeir Sigurvinsson, Hermann Ohlicher, Karl Allgöwer, Guido Buchwald, Günne Schäfer, das magische Dreieck, Zvonimir Soldo bis hin zu Thomas Hitzlsperger, um nur einige zu nennen, die alle mit dem VfB etwas erreicht haben, nicht aber Spieler, deren größter „Verdienst“ ist, dem Verein über eine lange Zeit erhalten geblieben zu sein.

Dass Gentner den VfB lebt und liebt, steht außer Frage. Auf dem Platz jedoch sollte er Jüngeren und Handlungsschnelleren das Feld überlassen. In München wieder ist er mir mitunter negativ, um es klar zu sagen, feige, aufgefallen. Traut sich nicht oder kann es nicht, Situationen spielerisch aufzulösen und bringt dadurch Mitspieler in die Bredouille, weil er nur froh ist, den Ball schnell wieder los zu sein. So spielt doch kein Leader. Gerade die vielen jungen Spieler im Kader bräuchten Führungsspieler, zu denen sie aufgrund ihrer Leistung aufschauen können und die sich auf dem Platz nicht verstecken, wenn es nicht wie erhofft läuft.

Weshalb ich zu diesem Thema mal wieder deutlich meine Meinung sagen muss, liegt darin begründet, dass Reschke sich offensichtlich ernsthaft damit auseinandersetzt, Gentners (wie auch Becks) Vertrag zu verlängern. Womöglich denkt er sich dabei noch, ALLE lieben Gente und dass er in Zeiten der sportlichen Katastrophe mit Gentes Vertragsverlängerung „das schwierige Umfeld“ besänftigen könnte. Deshalb positioniere ich mich und weiß, dass viele meiner VfB-Freunde ähnlich über diese Personalie denken, und hoffe darauf, dass die aktuelle seine letzte Saison als Kapitän und Stammspieler ist. Gerne sehe ich ihn wieder in der Fanbetreuung oder als Teammanager, als Mensch und Typ ist er mir sympathisch und stets freundlich.

Doch, um zurück zum Spiel zu kommen: González hatte zwar noch den Ausgleich auf dem Fuß, was jedoch auch die einzige VfB-Chance in der zweiten Hälfte darstellte, so dass unterm Strich ein 4:1 für die Bayern steht und man sich einmal mehr vier Gegentore eingefangen hat. Damit stehen bislang sagenhafte 42 Gegentore zu Buche, was einem Wert von 2,21 pro Spiel entspricht. Zum Vergleich, in der letzten Saison kassierte man in 34 Spielen lediglich 36 Gegentore, was den Grundstein zum Klassenerhalt bedeutete.

Kabaks Debüt machte Mut, er ist ein Kämpfer, mit gutem Timing im Zweikampf und einem gutem Auge und klärte mehrere Male in höchster Not. Hoffentlich lässt er sich nicht, wie schon viele vor ihm, auf das Niveau der Anderen herunterziehen und konserviert seine Stärken. Kempf ist zur festen Größe geworden und nicht mehr wegzudenken, so dass es interessant wird, wie die Abwehrreihe denn aussehen wird, wenn Baumgartl und vor allem Pavard wieder einsatzbereit sind. Dann hat Weinzierl die Qual der Wahl und sollte sich auf eine Formation festlegen, damit endlich Automatismen zu erkennen sind und die Abstimmung besser funktioniert. Derzeit hat die Abwehr, in welcher Zusammensetzung auch immer, nur die Bezeichnung „Hühnerhaufen“ verdient.

Ich bin gespannt, was bis zum Deadline-Day noch passiert, ob ein Pavard noch da sein wird, ein Badstuber, und erst recht ein Maffeo. Stand heute, so Reschke, sei es unwahrscheinlich, dass sich noch etwas tut, warten wir es. Beklagte man in der Vorrunde den dünnen Kader, stehen nun drei Zugängen zwei Abgänge gegenüber. Zudem legte man Badstuber und Maffeo nahe, sich einen neuen Verein zu suchen, so dass es, selbst wenn kein Abnehmer für sie gefunden wird, fraglich ist, ob sie in der Rückrunde überhaupt noch einmal für uns auflaufen werden.

Berkay Özcan (wie auch Sarpei) hat uns bereits in Richtung seines alten Trainers Hannes Wolf verlassen. Bei Özcan war offenbar plötzlich Eile geboten, weil er den Angaben zufolge im Sommer für weit weniger Ablöse hätte gehen können, wenn er 500 Minuten Einsatzzeit nicht erreicht. Wer sich solche Klauseln ausdenkt, ist mir schleierhaft. Die genaue Ausformulierung würde mich dabei brennend interessieren, war Özcan doch über weite Phasen der Vorrunde verletzt. Reduziert sich diese Anzahl dann entsprechend? Was, wenn ein Spieler seinen Wechsel erzwingen möchte und sich ständig krank meldet, um unter dieser Marke zu bleiben?

Unabhängig davon, dass Reschke mal wieder gelogen hat, als bei der Vertragsverlängerung verkündet wurde, es existiere keine Ausstiegsklausel, dachte ich, Reschke sei Profi, woran sich beim Aushandeln solcher Klauseln zweifeln lässt.

Dem Spieler Özcan trauere ich hingegen nicht nach. Er ist ein netter Kerl und kam mir in Gesprächen im Trainingslager eher schüchtern und demütig als großkotzig vor. Weshalb ich den Wechsel dennoch nicht nachvollziehen kann, ist, weil Reschke in der Vorrunde noch unser mangelndes Kreativpotential und die fehlende Alternative zum dauerverletzten Daniel Didavi damit begründet hat, der „leider auch verletzte“ Özcan wäre als Didavis Backup vorgesehen gewesen. Jetzt haben wir die Situation, dass der Backup weg, Didavi weiterhin ein höchst unsicherer Kanonist ist und für die Position hinter den Spitzen auch kein neuer Mann geholt wurde. Logisch!

Erster Abgangskandidat ist Pablo Maffeo, bis zur Verpflichtung von Ozan Kabak Rekord-Einkauf des VfB. Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich diskreditierte den Spieler zuletzt öffentlich auf einer Veranstaltung der Backnanger Kreiszeitung, betitelte ihn als Flop, der „quer im Stall“ stehe.

Es gehört sich für einen VfB-Präsidenten nicht, Personal öffentlich zu kritisieren, mit Nutzvieh zu vergleichen und nicht zuletzt durch derartige Aussagen Kapital der VfB AG zu vernichten. Dietrich träumt zwar davon, jene zehn Millionen Euro, die man in Maffeo investiert hat, zurück zu bekommen, was reichlich unrealistisch sein dürfte, wenn man den Jungen als ungezogenen und faulen Bengel ins Schaufenster stellt.

Dass Reschke zunächst einmal zehn Millionen Euro in den Sand gesetzt hat, sieht Dietrich gelassen, „es gehöre dazu, dass man einen solchen Flop dabei hat“.

Es ist ja auch nicht sein eigenes Geld, sondern das des VfB. Vielleicht sollte man einem Menschen wie Dietrich einmal vor Augen führen, wie viel 10.000.000 Euro für die zahlende Kundschaft sind und dass es sich um Mittel handelt, die dem VfB an anderer Stelle fehlen.

Egal wer die Dreier-, Vierer- oder Fünferkette bildet, die Gegentorflut muss eingedämmt werden, ansonsten dürfte es auch gegen Freiburg und in Düsseldorf schwierig werden, den Befreiungsschlag zu landen. Es offenbarte sich gegen die Bayern erneut, dass wir Probleme bekommen, sobald der Gegner das Tempo anzieht und dies im Kopf erst dann realisieren, wenn es zu spät ist. Auf der Aufstellung bei den Bayern könnte aufgebaut werden, nimmt man die langsamen Beck und Gentner heraus.

Gefährlich an der phasenweise ordentlichen Vorstellung in München ist, dass es wieder von allen Seiten heißt, auf dieser Leistung ließe sich aufbauen und dass das Team viel zu stark sei, um sich nicht aus dem Abstiegs-Schlamassel zu befreien.

Freiburg wird um die Schwächen und das mangelnde Selbstbewusstsein wissen und versuchen, dies gnadenlos auszunutzen. Gegen die einstigen Breisgau-Brasilianer wird es ein völlig anderes Spiel werden, in dem der VfB gefordert sein wird, das Spiel zu machen, was ihm nun mal überhaupt nicht behagt. Dennoch muss ein Sieg her und die Chancen dafür stehen auch nicht schlecht. Zum einen lag uns Freiburg in den letzten Jahren, zum anderen hat auch Freiburg nach dem Rückrundenstart gegen einen Negativtrend anzukämpfen und wird demzufolge nicht mit übergroßem Selbstvertrauen anreisen. Gegen Freiburg und in Düsseldorf stehen extrem wichtige Schlüsselspiele auf dem Programm, stehen wir danach noch immer ohne Rückrundensieg da, muss das Saisonziel wohl auf Platz 16 nach unten korrigiert werden.

Der Sonnenkönig entpuppt sich mit seiner Großmannssucht immer mehr als der Totengräber des VfB und weit und breit scheint keiner gewillt, ihn zu stoppen. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Ein Jan Schindelmeiser, der lieber den ersten vor dem zweiten Schritt machen wollte und den Herren dem Vernehmen nach ins Gesicht gesagt hat, dass sie keine Ahnung haben und sich doch besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren sollen, wurde „entsorgt“, nachdem der Moor seine Schuldigkeit getan hatte und weil er zu unbequem war.

Einem Guido Buchwald, der im Aufsichtsrat wohl gegen Windmühlen kämpft und als letzten Ausweg den Gang an die Öffentlichkeit sah, wurde ein Maulkorb verpasst. Dass es nicht die feine englische Art war, Kritik nach außen zu tragen, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Wenn aber de facto der Präsident zu mächtig ist und im Aufsichtsrat das letzte Wort hat, wenn die Sponsorenvertreter im Aufsichtsrat, die Dietrich durchdrückten, zu allem Ja und Amen sagen, Hauptsache man schließt keine Sponsorenverträge mit Konkurrenzunternehmen ab, so lang dürften die Mehrheitsverhältnisse geklärt sein.

So sehr der Machtmensch Dietrich allem und jedem misstraut, so sehr lässt er dem einstigen Superhirn der Liga, Michael Reschke, Narrenfreiheit. War ein Schindelmeiser nicht mehr tragbar, weil er mit Leuten, die keinen Fußballsachverstand mitbrachten, potentielle Transfers nicht im Detail durchgesprochen hatte, scheint es Dietrich genehmer zu sein, wenn Reschke in karnevalistischer Manier die Vorzüge von Ü30-Auslaufmodellen anpreist, die ein Vielfaches an Gehältern kosten, wie jene, die Schindelmeiser ausgelobt hatte.

Ob eine Vereinsführung ruhig und ohne Störfeuer von außen arbeiten kann, hängt stark, wenn auch nicht ausschließlich, vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg ab. Dass es mit Hannover und Nürnberg tatsächlich zwei Teams gibt, die noch schlechter sind, als der VfB und der VfB daher nicht schon längst abgeschlagen Tabellenletzter ist, hat man also alleine diesem Umstand zu verdanken. Dass der VfB mit Abstand seine schlechteste Saison der Bundesliga-Historie spielt, geht dabei ein wenig unter, was bislang noch Glück für Dietrich & Co. war.

Nachdem Reschkes zweiter Trainerwechsel nun ebenfalls verpufft ist, die Außendarstellung des VfB eine Katastrophe ist, man Spieler öffentlich an den Pranger stellt und über allem die sportliche Talfahrt steht, legen die Proteste gegen Dietrich wieder an Fahrt zu.

Die „Dietrich raus“ Rufe werden lauter, das Problem ist nur, dass es ihn in seiner Loge nicht anficht. Nur wegen unfreundlicher Transparente wird dieser Präsident das Feld nicht räumen, da bräuchte es mehr, bis hin zu handfesten Protesten, ähnlich denen von 2009. Um weiteres Unheil vom VfB abzuwenden, bräuchte es eine starke Opposition mit einem überzeugenden Kandidaten, die zum Ziel hat, diesen Präsidenten zu stürzen, bevor es zu spät ist und der VfB in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Von den hervorragenden Rahmenbedingungen redet ein Dietrich immer nur, entscheidend ist bei einem Fußball-Unternehmen auf dem Platz und daran muss sich Dietrich messen lassen. Angesichts von Investitionen in Höhe von fast 50 Millionen Euro ist der Ertrag desaströs und Dietrich dafür hauptverantwortlich.

Dietrichs Marionette auf dem Sportdirektoren-Posten war zu Gast bei Sky90. Ich befand mich zu der Zeit noch auf der Heimfahrt aus München und kann deshalb nur einordnen, was ich in Ausschnitten mitbekommen habe. Ein Pavard-Verkauf noch in dieser Transferperiode stünde nicht zur Debatte und er stehe „total“ hinter Trainer Weinzierl.

Bei einem Mann, der seine Lügen als Wahrheitsbeugung zu legitimieren versucht, sollten in beiden Fällen die Alarmglocken schrillen, wobei ich Pavards schnellen Abgang sogar noch befürworten würde.
Personelle Alternativen haben wir genügend in der Abwehr, zudem hat auch Pavard eine schwache Vorrunde gespielt. Ihn nehme ich, im Gegensatz zu vielen VfB-Fans die ihm unterstellen schon seit dem Sommer nicht mehr mit vollem Herzen beim VfB zu sein, in Schutz.

Er ist nach wie vor ein sehr junger Spieler, auf den durch den WM-Gewinn so einiges einprasselte. Dann kommt er zurück und jeder, vielleicht sogar er selbst auch, denkt, als Weltmeister müsse er besondere Dinge machen und in eine Führungsrolle schlüpfen. Diesem Anspruch wurde er zu keiner Zeit gerecht und verletzte sich zu allem Überfluss auch noch schwer.

Auch die gespielte Rückendeckung für Markus Weinzierl erscheint nach neun Niederlagen in zwölf Spielen geflunkert, hat sich Reschke doch ähnlich zu Hannes Wolf und Tayfun Korkut geäußert, kurz bevor er ihnen den Arschtritt gab.

Weinzierl mag ich eigentlich als Typen und hoffe, dass er mit dem VfB die Kurve kriegt, schließlich wünsche auch ich mir endlich mal Kontinuität auf dem Trainerposten.

Als sehr daneben empfinde ich allerdings dessen öffentliche Diskreditierung seiner, vornehmlich jungen, Spieler. Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn ein Trainer die Zügel anzieht und disziplinarische Maßnahmen ergreift, wenn der eine oder andere aus der Reihe tanzt und nicht mitzieht. Befasst man sich aber mit seinen früheren Stationen, hat Weinzierl in einigen Fällen nicht durch sonderlich gute Menschenführung geglänzt, so dass sich einige seiner Ex-Spieler bei ihm ungerecht behandelt fühlten, was der erste Schritt wäre, seine Mannschaft zu verlieren, was in unserer derzeitigen Situation fatal wäre.

Wenn ein Maffeo mit großen Hoffnungen zum VfB gekommen ist, sich jedoch hinter einem Andreas Beck anstellen muss, der seinen Zenit längst überschritten hat, kann ich seinen Frust schon ein Stück weit verstehen.

Dass er aber so schnell aufgibt und sich nicht integrationswillig zeigt (glaubt man zumindest der öffentlichen Schelte), zeugt von schlechtem Charakter. Ob man sich gezielt auch nach dem Menschen Maffeo erkundigt hat oder ob man sich das Talent allein schon deshalb angelte, weil der Tipp von Pep Guardiola, zu dem Reschke eine Freundschaft pflegt, kam, wäre interessant zu wissen. Offensichtlich hat man nicht genau genug hingeschaut und vermutlich auch bei der Integration der Jungen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, Fehler gemacht.

Reschke, der seine Kritiker vor nicht allzu langer Zeit als ahnungslose Vollidioten betitelte, appellierte in der Sendung ferner auch an den Zusammenhalt. An Unterstützung der Fanszene mangelt es nach wie vor nicht, rund 7.500 VfBler, die selbst das zu erwartende Debakel von München nicht abschreckte, dort hinzufahren, sprechen Bände.

Dass es in naher Zukunft kein „Zusammen“ zwischen weiten Teilen der Fans und der Vereinsführung geben kann, hat sich Spalter Dietrich durch seine Amtsführung selbst zuzuschreiben. Wer ohne Gegenkandidat und nur wegen der Anwesenheit einiger hundert Jubelperser gerade einmal gut 57% der Stimmen auf sich vereint, großmundig ankündigt, Präsident aller VfBler sein zu wollen, das Amt dann aber autokratisch bekleidet, wie will dieser Mann Vertrauen gewinnen.

Einer, der von den vollmundigen Versprechungen der Ausgliederungspropaganda zu großen Teilen nichts mehr wissen will, der die Gesichter der erfolgreichen Ausgliederungskampagne entsorgt hat, als er sie für seine Zwecke nicht mehr gebraucht hatte und der einem im persönlichen Gespräch ins Gesicht lügt, anstatt einfach mitzuteilen, „dazu möchte ich nichts sagen“, der versprochen hatte, Hannes Wolf niemals zu entlassen, um seine Demontage durch die Schindelmeiser-Entlassung höchstpersönlich zu initiieren, soll man vertrauen? Ich hoffe, die Kurve gibt keine Ruhe, bis Dietrich Geschichte ist.

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22. Januar 2019

Charakter zeigen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:24

Neues Jahr, alte Probleme. Ging ich vor dem Spiel gegen Mainz seit langem mal wieder optimistisch aus dem Haus und ins Stadion, kehrte die Ernüchterung schneller ein, als man überhaupt in der Rückrunde angekommen war.

Die Neuzugänge, die dem VfB-Spiel Wucht verleihen sollten, die Rückkehr der meisten Rekonvaleszenten, sowie die Möglichkeit für Markus Weinzierl, das Team im Trainingslager länger beisammen zu haben, Fitnessdefizite aufzuarbeiten und Automatismen erarbeiten zu können, machte mir Hoffnung, dass wir gegen Mainz erstmals „sein“ Team sehen würden, nachdem er in der Vorrunde die Missstände lediglich verwalten musste und sich die Mannschaft fast von selbst aufstellte. Keine der Niederlagen unter Weinzierl machte ich bislang am Trainer fest, kam er doch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und übernahm einen völlig desolaten, kaputt trainierten und verunsicherten Haufen.

Dass die Zügel deutlich angezogen wurden erkannte man an der disziplinarischen Maßnahme, weshalb Donis nicht im Kader des Testspiels gegen Utrecht stand und dass auch Maffeo und Borna Sosa vom Bannstrahl des Trainers getroffen wurde.

Donis fiel wiederholt durch Undiszipliniertheiten auf und muss sich somit an die eigene Nase fassen, wenn er immer wieder außen vor ist. Im Mannschaftssport ist es wichtig, dass man sich an Regeln hält, Punkt! Maffeo wiederum soll im Team völlig isoliert sein, nicht einmal den Kontakt zu den spanischsprachigen Kollegen pflegen, außerdem prangert Weinzierl dessen Leistungsbereitschaft an, so dass sich noch diesen Winter die Wege mit dem bis vor kurzem teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte trennen könnten.

Wäre noch Borna Sosa, der den Vorschusslorbeeren, die ihm vorher eilten noch nicht gerecht wurde und am Samstag gar mit falschem Schuhwerk auflief, was Weinzierl so erzürnte, dass er ihn zur Pause in der Kabine ließ. Schlamperei und Dilettantismus, wohin das Auge reicht!

Dass die Mischung im Kader und das Verhältnis zwischen sehr jung und sehr alt nicht ausgewogen genug war, zumindest bis zur Verpflichtung von Esswein und Zuber, wusste man, nun aber stellt es sich so dar, dass ein Teil des Teams aus hochveranlagten Rotzlöffeln besteht, während der andere Teil aufgrund der derzeitigen Leistungsfähigkeit nicht in die erste Elf gehören würde, dort aber steht, weil er sich in der Gruppe tadellos verhält. In dieser „Mannschaft“ stimmt es vorne und hinten nicht.

Körpersprache und der unbedingte Siegeswillen sind beim Einlaufen schon nicht zu erkennen, die aufgesetzte Island-Kopie vor den Spielen kann sich das Team sparen, wenn es ohnehin schon die Hosen gestrichen voll hat. Die Fans müssen nicht angestachelt werden, Leistung zu bringen, wenn sie irgendwo stimmt, dann da. Entscheidend ist auf dem Platz und dort stellte man nur kurz einen Unterschied zwischen dem Schalke-Spiel und dem propagierten Neubeginn fest.

Nach den übermittelten Bildern aus La Manga und den geschilderten Eindrücken der Journalisten, die vor Ort waren, war die Hoffnung da, in der Rückrunde einen anderen VfB zu erleben. Zumindest über die Außen sollte mehr gehen, Mario Gomez besser in Szene gesetzt werden und nicht zuletzt er selbst hat ja angekündigt, uns zum Klassenerhalt zu schießen. Dass das grundsätzliche Problem, nämlich dass uns ein spielstarker zentraler Mittelfeldspieler fehlt, der das Spiel lesen, schnell machen, beruhigen kann, je nach Situation und vor allem unabhängig vom Spielstand, nicht behoben wurde, könnte uns, sollte Reschke weiterhin keinen Handlungsbedarf sieht, noch teuer zu stehen kommen. Ich bleibe dabei, dass mir spontan kein Team in Europa einfällt, welches einen ähnlich lahmarschigen und uninspirierten Fußball spielt wie der VfB.

Da man einen Christian Gentner jedoch nicht hinterfragt, sich kein Trainer, der mitten in der Saison kommt, getraut, den Kapitän herauszunehmen, im Gegenteil, man wohl ernsthaft über eine Vertragsverlängerung nachdenkt, wird sich beim VfB von der Spielweise her wohl in den nächsten Jahren nicht allzu viel ändern.

Auch wenn sämtliche Statistiken des Spiels für den VfB sprechen, auch wenn der VfB am Ende dem Remis ganz nah war, war der Auftritt über weite Strecken indiskutabel.

Lediglich zu Beginn merkte man, dass Weinzierl den Seinen einen Plan mitgegeben hatte und hatte den Eindruck, jeder wisse, was die Stunde geschlagen hat und was zu tun ist. Kleinigkeiten genügen dann jedoch, das fragile Gebilde zum Einsturz zu bringen.

Nachdem die Mainzer die Anfangsnervosität abgelegt hatten und schnell und zielstrebig begannen nach vorn zu spielen, dauerte es nicht lang, bis man zurücklag und das Unheil seinen Lauf nahm. Deutliche Parallele zur Vorrunde, ein Gegentor genügt, dass Nummer 1 bis 11 auf dem Platz nur noch kopflos herum irrt und jeder nur mit sich selbst beschäftigt ist. Wir haben kein Team, in dem einer für den anderen da ist, sondern elf Einzelspieler, von denen sich zu viele hängen lassen. Das ist Einstellungssache, so dass in erster Linie die Spieler gefragt sind, sich zusammenzuraufen und aus dem Sumpf zu ziehen.

Die Abwehr ein einziger Hühnerhaufen, das Mittelfeld zu statisch und ein Sturm nicht vorhanden. Wie man sich exemplarisch beim zweiten Gegentor trotz numerischer Überzahl von einem (!) Mainzer herspielen ließ, spottete jeder Beschreibung. Ein solches Abwehrverhalten, drei Gegentore selbst gegen die Karnevalisten von Mainz 05, waren einmal mehr nicht bundesligatauglich.

Statt das Kardinalproblem des VfB im Mittelfeld zu beheben, beglückte uns der Perlentaucher letzte Woche mit dem nächsten Rekordeinkauf der Vereinshistorie. Tja, seit der Ausgliederung wird halt geklotzt statt gekleckert und vorzugsweise der zweite vor dem ersten Schritt getan.

Nicht dass ich den Kauf von Ozan Kabak an sich verurteile und den Stab über einen Spieler breche, den ich noch nie habe spielen lassen. Für mich ist aber der Zeitpunkt verkehrt und birgt die große Gefahr, den Jungen jetzt schon zu verheizen.

In Baumgartl, Badstuber, Kempf, Pavard und Aidonis haben wir doch eigentlich genügend Innenverteidiger, als dass auf dieser Position Handlungsbedarf bestünde.

Ob es da nicht vernünftiger gewesen wäre, den Jungen gleich wieder für ein halbes Jahr an Galatasaray zu verleihen, um ihm im Sommer einen von der sportlichen Situation losgelösten Start zu ermöglichen?
Für wen soll er denn spielen? Egal, wen er verdrängt, der Druck, der als Rekordeinkauf auf ihm lastet, wird immens sein. Ob er mit seinen 18 Jahren diesem standhält, erst recht, sollte er einmal spielentscheidend patzen? Wie reagiert dann derjenige, der für ihn weichen musste? Oder möchte man ihn womöglich, wie schon viele vor ihm, wochen- und monatelang behutsam aufbauen, so lang, bis er die Lust verliert und mit dem VfB abschließt, ehe er richtig angekommen ist?

Hier holt man sich für mein Empfinden neues Konfliktpotential ins Haus und macht unter Umständen ein völlig unnötiges Fass auf, gerade so, als ob wir nicht schon genügend Baustellen zu beackern hätten. Wiederum, Michael Reschke ist ja, seit er hier Dienst tut, dafür bekannt, kein Fettnäpfchen auszulassen.

Bei dieser Konstellation hoffe ich inständig, dass bei den Bayern noch vor Ende der Wechselfrist Handlungsbedarf im Defensivbereich aufkommt und Pavard sofort nach München wechselt, während bei Holger Badstuber ein Wechsel (vorerst) vom Tisch sein dürfte.

Nachdem Reschke vorgeprescht war und ihn öffentlich zum Verkauf angeboten hatte, musste er inzwischen zurückrudern, weil Badstuber und sein Berater überhaupt nicht daran denken, den VfB zu verlassen und dabei womöglich auf Geld zu verzichten.

Völlig legitim von Badstuber und eine Ohrfeige für Reschke, der sich durch seinen offenbar mit Niemandem abgestimmten Vorstoß äußerst unprofessionell und vereinsschädigend verhalten hat. Dies deshalb, weil ein solches Vorpreschen meist den Preis empfindlich drückt und man am Ende wohl ein Vertragskonstrukt wie einst bei Ibišević an der Backe haben könnte.

Mir kommt Holger Badstuber sowieso zu schlecht weg beim VfB und wird in meinen Augen auch von vielen Fans zu schlecht behandelt und aufs Übelste beleidigt. Dass er ein guter Spieler ist, ist bekannt, dass die Fehler, die er in den ersten Spielern machte, seines nicht würdig sind, sollte auch bekannt sein. Diese werden ihn am allermeisten ärgern, ihn deshalb aufs Abstellgleis zu stellen, halt ich für ungerecht, hat er doch in der letzten Saison gezeigt, wie wertvoll er für den VfB sein kann. Ich denke, da passt es zwischenmenschlich mit der Clique um Beck, Aogo, Gentner nicht, die lieber ihren Buddy Baumgartl auf dem Platz sehen als Badstuber.

Vielleicht passt es ihnen ja auch nicht, dass Badstuber mit der Wellnessoase auf dem Wasen nichts anfangen kann und hungrig und verbissen genug ist, sich mit Minimalisten-Fußball nicht zufrieden zu geben. Vielleicht ist ihnen sein Ehrgeiz zu groß, weil er nach Niederlagen schon mal ungenießbar werden kann (wie es sich für einen Sportler im Allgemeinen gehört)?! Solche Typen bräuchte es mehr beim VfB, aber, als Traditionsverein pflegt man eben auch nicht so schöne Traditionen, nämlich jene, dass seit Jahren Spieler und Verantwortliche gehen müssen, die ernsthaft vorhaben, den VfB besser zu machen.

Der Sturm indes war gegen Mainz über weite Strecken mal wieder nicht vorhanden. Mario Gomez kann einem schon leidtun. Seines Alters geschuldet erspielt er sich seine Torchancen nicht mehr wie früher selbst, sondern ist auf Flanken angewiesen, auf die man beim VfB lange warten kann. Ihm fehlt nach wie vor ein Partner, wie es Daniel Ginczek in der Rückrunde der vergangenen Saison gewesen ist, ein Bulle, der Räume für ihn schafft. Da Gomez derzeit auch nicht den frischesten Eindruck macht, sollte Weinzierl ihn mal von der Bank bringen und stattdessen González von Beginn an.

Nach seinen Toren gegen Schalke und jetzt gegen Mainz ist womöglich der Knoten bei ihm geplatzt, auch wenn die Kisten nur noch Ergebniskosmetik bedeuteten. Ob Gomez, wie Gentner, eine vermeintliche Stammplatzgarantie hat und dem Trainer die Hände gebunden sind, vermag ich nicht zu beurteilen, den Eindruck bekommen könnte man aber. Unabhängig von González als möglichem Gomez-Ersatz hoffe ich, dass Reschke bis Ende Januar noch einen Stürmer, der sofort weiterhilft, verpflichtet.

Erschreckend war am Samstag erneut, dass es lange kein Aufbäumen gab und nur am Schluss, auch durch die Einwechslung von Donis, plötzlich und aus heiterem Himmel Leben in der Bude war.
Nach den beiden Treffern traf Donis noch den Pfosten und es gab den Videobeweis, wegen eines vermeintlichen Handspiels. Klar, der eine Schiri gibt ihn vielleicht, der andere nicht, ein Grund zu lamentieren ist diese für mich richtige Entscheidung nicht.

Ich bin ohnehin kein Freund der heute praktizierten Handspielregel, wo sich ein Jeder daran ergötzt, wenn einem Spieler der Ball irgendwie, und wenn aus 5m scharf angeschossen, an die Hand springt. Als ich Fußball-Fan wurde gab es beim Handspiel ausschließlich folgende Möglichkeiten: „Angeschossen“, gab keinen Elfer, „absichtliches Handspiel“ und „Hand ging zum Ball“, dann wurde Elfer gepfiffen.

Damals herrschte weitestgehend Klarheit. Damit hätte es man belassen sollen, war die Regel doch zum einen für jeden verständlich, zum anderen auch gerecht. Ich hätte mich nicht wirklich darüber freuen können, hätte der VfB durch eine solch glückliche Fügung den unverdienten Ausgleich geschafft und die Mainzer um den verdienten Lohn gebracht. Nach dem 0:3 war für mich der Käs gegessen.

Da bin ich meinetwegen Oldschool und Gerechtigkeit wäre mir wichtiger gewesen, als ein geschenkter Punktgewinn. A propos Oldschool, VfB, die permanenten Werbemails zur Unzeit könnt Ihr Euch sparen, mich machen sie nur noch aggressiv.

Allgemein gehört die Socialmedia-Abteilung hinterfragt, einen Claim nach dem anderen raushauen und nach einem Grottenkick noch titeln „für Aufholjagd nicht belohnt“ worden zu sein. Die einzigen, die nicht belohnt wurden, sind wir Fans, zumindest jene, die bis zum Schluss bei Eiseskälte ausgeharrt haben. Dafür hätte ich mich gerne mit einem Glühwein To Go belohnen lassen.

Tabellarisch hat sich am Wochenende nicht viel geändert, außer dass es eben „nur“ noch 16 Spiele sind, in denen es den Klassenerhalt klarzumachen gilt. Geht es nach Timo Baumgartl sind es gar nur 15, hat er doch schon im Vorfeld das Bayern-Spiel als Bonus-Spiel bezeichnet.

An Stelle von Markus Weinzierl würde ich im Laufe dieser Woche die Charakterfrage stellen und mir, sofern es so viele werden, die elf Spieler herauspicken, die NICHT nur nach München fahren, um die Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten.

Als Sportler sollte man in jeden Wettkampf, in jedes Spiel gehen mit dem Vorhaben sein Bestes zu geben und danach zu schauen, was dabei herauskommt. Mit einer derartigen Mentalität jedoch, sei es Baumgartl in Bezug auf das Bayern-Spiel oder Gentner in der Vorrunde (gegen Mainz muss man nicht gewinnen) ist es nicht verwunderlich, wie der VfB da steht und vor allem, dass, wenn das Erwartete, nämlich ein Gegentor, eintritt, alle Dämme brechen und man sang- und klanglos untergeht und sich kaum einer dagegen stemmt.

Der Wind wird spürbar rauer auf dem Cannstatter Wasen. Das „schwierige Umfeld“ brodelt, wird ungeduldig und fragt sich, ob das der Erfolg sein soll, den Dietrich und seine Schergen so großmäulig versprochen hatten. Es setzte Pfiffe ob der Darbietung und „Dietrich raus“ Rufe, nun scheinen es auch langsam die Ausgliederungsbefürworter zu begreifen, dass mehr Geld nicht gleich mehr Erfolg bedeutet. Die Mittel müssen schon auch vernünftig eingesetzt werden, und nicht dafür, alternden Ex-Größen lukrative Rentenverträge zu verschaffen.

Stöbert man in den einschlägigen Foren, stellen die Ersten schon wieder Markus Weinzierl in Frage. Dagegen wehre ich mich, auch wenn ich mit seinen Aufstellungen nicht immer einverstanden bin und vor allem es nicht verstehe, dass er sich an die größte Baustelle im Kader nicht heran wagt.

Und doch hat er es weiterhin nicht leicht mit einem (selbst)überschätzten Kader und einem Sportvorstand, der „seinen“ Trainern meint Ratschläge in Sachen Aufstellung und spielerischer Ausrichtung erteilen zu müssen. Bevor der nächste Trainer dran glauben muss, muss Reschke weg.

Dass der VfB nicht schon tiefer im Abstiegs-Schlamassel steckt, hat man einzig und allein der Unfähigkeit vom 1. FC Nürnberg und von Hannover 96 zu verdanken. Dank derer halte ich den direkten Abstieg noch immer für fast ausgeschlossen, so dass die Chancen auf den Klassenerhalt nach wie vor gut sind.

Zudem ist es auch noch verfrüht für Panikmache nach gerade einem Rückrundenspiel, wenngleich natürlich die Alarmglocken schrillen müssen und man keine Spiele mehr zum Verschenken hat.

Den Auftakt haben wir in den Sand gesetzt, jetzt gilt es, in München an sich zu glauben und seine Chance zu suchen. Dass die Bayern defensiv verwundbar sind, hat man des Öfteren im Laufe dieser Saison gesehen, warum sollte der VfB nicht jetzt damit anfangen, auch mal gegen einen Großen zu punkten. 14 Punkte sind erbärmlich, zwei Niederlagen gegen Mainz ebenso, gerade deshalb müssen die Protagonisten nach München fahren, um sich dort die verlorenen Punkte zurückzuholen.

Wenn wir dann am Sonntagabend nach Hause fahren und das Gefühl dabei haben, die Mannschaft habe alles versucht und wurde eben von den Bayern niedergerungen, könnte man darauf aufbauen. Mit Darbietungen jedoch, wie wir sie in der Saison zuhauf gesehen haben, ist jedoch das Schlimmste zu befürchten. Daher sind gerade jetzt Charakterköpfe gefragt und keine Schisser, ich hoffe, Weinzierl findet überhaupt welche!

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5. November 2018

Verarschen kann ich mich auch selbst!

Freitagabend, Flutlicht und ein fast volles Haus. Da muss doch das Herz eines jeden Fußballprofis vor Freude hüpfen, wenn man nach einer anstrengenden Trainingswoche von der Leine gelassen wird und zeigen darf, was man(n) drauf hat.

Auch als Fan liebe ich Freitagabendspiele. Einen schöneren Opener ins Wochenende kann man sich kaum vorstellen. Bei Zeiten Feierabend machen, Freunde treffen, sich aufs Wochenendbier freuen und zugleich mit Gleichgesinnten aufs Spiel einstimmen, bevor es schließlich ins Wohnzimmer Neckarstadion geht.

Gewinnt man das Auftaktspiel des Bundesligawochenendes auch noch, darf man sich erfreuen, wie die Konkurrenz Federn lässt, bekommt das Dauergrinsen nicht mehr los und hat ein ganzes Wochenende lang Zeit, sich von den Strapazen der Siegesnacht zu erholen.

Soweit die Theorie und die Glücksmomente, die ein Fan-Leben für einen bereit hält, wenn es denn läuft. Die Praxis sieht derzeit, bei mir zumindest, anders aus. Am liebsten würde ich an Spieltagen in Cannstatt sitzen bleiben, gehe aber dennoch, jedoch mit einer negativen Grundstimmung, „runter“.

Zu unterirdisch bislang die Vorstellungen, angefangen mit Rostock, zu dilettantisch die Fehler, die regelmäßig zu Toren führen, zu bemitleidenswert mit anzusehen, wie aussichtslos das Unterfangen ist, einem Rückstand hinterherzurennen. Immer wenn man dann denkt, schlimmer geht’s nimmer, setzt es den nächsten Tiefpunkt.

Wie schon beim 0:4 gegen Dortmund bin ich auch gegen die Frankfurter Eintracht in der Halbzeit gegangen, weil die Gefühlslage schwer in Richtung „verarschen kann ich mich auch selbst“ ging.
Dann doch lieber den Cannstatter Gastwirten Gutes tun, als sich das Herumgestümpere auf dem Rasen anzutun, schließlich fehlen die Lichtblicke, die Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würden.

Es tut weh, unheimlich weh, den VfB von einem Debakel zum nächsten zu begleiten und keinerlei Ansatzpunkte zu finden, die Hoffnung auf zeitnahe Besserung machen würden. Im Grunde bin ich keiner, der das Geschehen vorzeitig verlässt. Schon die Chronistenpflicht als Fanfotograf und die Spannung, wie der Empfang der „Mannschaft“ in der Kurve nach dem Spiel denn ausfallen würde, sind Motivation genug, bis zum Schluss auszuharren und noch ein paar Bilder zu machen.

Gegen Dortmund war ich unheimlich sauer, weil man Weinzierl in seinem ersten Spiel derart im Regen stehen ließ, man zum propagierten Neuanfang schlafmützig ins Spiel ging und Konzentration schon in der dritten Minute nicht vorhanden war. Das schreibe ich dem elendigen Charakter dieser Truppe zu, zumal die Gegentore zwei und drei ja auch nicht lang auf sich warten ließen.

Gegen Frankfurt fielen die beiden Gegentore direkt vor meiner Nase, so dass ich den Dilettantismus und das nicht vorhandene Abwehrvorhalten aus nächster Nähe bewundern durfte. Mir fiel dazu wirklich nichts mehr ein, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun.

Was mir das Bleiben zuletzt besonders erschwerte, war, außer den grottenschlechten Darbietungen auf dem grünen Rasen, dass sich in meinem Bereich auf der Haupttribüne Richtung Untertürkheimer Kurve etliche Gästefans mit Tickets eindecken und bei solchen Spielverläufen für mich nur schwer ertragbare Partys feiern.

DIE Fankneipe für DIE Fans, den A-Block, hat man ja sinnigerweise in der Kurve untergebracht, zu der man mit Tickets von außerhalb der Cannstatter Kurve während der Spiele keinen Zugang hat. Das wäre sonst eine Alternative, mit Gleichgesinnten bei einem schnellen Bier das Geschehen verarbeiten zu können im Stadion zu bleiben.

Ich aber sitze, hauptsächlich wegen der Bilder, relativ „allein“ auf der anderen Seite und höre den Gästeblock meist lauter als die Cannstatter Kurve. So bin ich regelmäßig mittendrin im „Karneval in Stuttgart“, nach dem es mir so überhaupt nicht ist.

Feiern dann noch Gästefans in „meinem“ Block und posaunen ihre Freude zu impulsiv raus, provozieren oder versperren einem die Sicht bei „Steht auf, wenn ihr… seid“, gehe ich lieber, bevor ich einen Kropf bekomme oder zu pöbeln beginne.

Der Stachel sitzt also derzeit so tief, dass ich lieber das Stadion verlasse, als mir Demütigung um Demütigung live anzutun. Als Fan kann man sich nur verarscht fühlen, einmal mehr null Schüsse aufs Tor von Kevin Trapp (der hätte mit mir ein Bier trinken gehen können…) unterstreichen die hoffnungslose Unterlegenheit unseres Teams. Es ist auch bei weitem nicht so, dass man beim vorzeitigen Verlassen des Stadions Gefahr laufen würde, eine sensationelle Aufholjagd zu verpassen.

Nein, der Gegner richtet sich irgendwann ein und ist mit dem Ergebnis zufrieden, der VfB ist zufrieden, wenn der Gegner endlich Ruhe gibt und das Debakel im Rahmen bleibt, so dass man sich ein solch ungleiches Duell auch sparen kann. Zur Gewohnheit soll das bitte nicht werden. Ich erwarte schließlich auch keine Siegesserie, was ich jedoch erwarte, ist ein Team, das sich für den Brustring zerreißt und sich zusammenreißt. Diesen Eindruck hat man nicht. Reschke räumte nach diesem Spiel erstmals öffentlich ein, dass sowohl die Fitness fehlt, als auch, dass es Probleme mit dem Mannschaftsgeist gebe, auf gut deutsch, sie sind sich spinnefeind und weit davon entfernt, als Team aufzutreten.

Von der ersten Minute an war am Freitag zu sehen, dass unser Team sowohl körperlich als auch fußballerisch hoffnungslos unterlegen war. Wenn dann noch die Einstellung fehlt und sich gestandene Ex-Nationalspieler wie Holger Badstuber abkochen lassen, wie ein Breitensportler am Sonntag nach durchzechter Nacht, dann gute Nacht. Ich fühlte mich extrem verarscht und war fassungslos, dass das aberkannte Tor nicht Warnschuss genug war, sich endlich zusammenzureißen und den Frankfurtern das Leben schwerer zu machen.

Dass außer Badstuber auch die anderen erfahrenen Spieler wie Mario Gomez das Tor nicht treffen oder Ron-Robert Zieler zum wiederholten Male vor die Füße eines Gegenspielers abklatscht, runden den desolaten Zustand dieser Truppe ab. Vom sogenannten Kapitän möchte ich schon überhaupt nicht mehr sprechen, dem fehlt für mich schon lang die Daseinsberechtigung in einer Bundesligamannschaft.

Die Frage, die sich anhand dieser desaströsen Darbietungen stellt, ist, nachdem es den erhofften Trainereffekt nicht gegeben hat, ob Korkut die Truppe tatsächlich so kaputt trainiert hat, wie sie sich präsentiert und folglich in der Rückrunde der letzten Saison nur von Wolfs Grundlagenarbeit profitierte. Die Einheiten in Grassau jedenfalls waren ein Witz und nicht bundesligalike. Kaum ein Training dauerte länger als 45 Minuten. Da man als Unbeteiligter nicht mitbekommt, wie im Hotel, bei Waldläufen oder auf dem Fahrrad geschwitzt wird, maß ich dem allein noch nicht die ganz große Bedeutung zu, war es doch schließlich auch extrem heiß.

Erst jetzt, wo offenkundig wird, dass die Fitness komplett fehlt, man von der ersten Minute an dem Geschehen hinterherläuft und nach einem Rückstand nicht mehr zulegen kann, wird aus diesen Beobachtungen ein Schuh. Fehlt die körperliche Frische, macht sich das auch mental bemerkbar, nur so lassen sich die sich wiederholenden stümperhaften Aussetzer im Ansatz erklären.

Gentner bestritt nach dem Spiel zwar, dass es ein „gravierendes Fitnessproblem“ gäbe, doch, was könnten die sonstigen Gründe für die derzeit nicht vorhandene Konkurrenzfähigkeit sein?

Hätten wir nicht erst den Trainer gewechselt, könnte man meinen, das Team spiele gegen den Trainer. Oder spielen sie etwa gegen Reschke? Kommt er beim Team ähnlich unsympathisch rüber wie bei den meisten Fans. Stößt es dem Team etwa sauer auf, dass Reschke dem Trainer gerne „Ratschläge“ gibt und somit in dessen Kompetenzbereich eingreift?

Was ist dran an Jürgen Klinsmann, dessen Name seit ein paar Tagen über dem Wasen schwebt? Ist es Zufall, dass Buchwald gerade jetzt gegen Reschke wettert, wo sein Kumpel Jürgen Klinsmann in Planung sein soll, seine Zelte in Kalifornien abzubrechen?

Die Lichtgestalt Klinsmann hätte auch für mich einen gewissen Charme, keine Frage. Nur, welches Amt sollte er denn bekleiden? Trainer? Bitte keine erneute Diskussion. Bei diesem Sauhaufen, den Weinzierl vorgefunden hat, lässt sich dessen Arbeit erst nach der Winterpause bewerten, wenn er eine Vorbereitung absolviert hat und bei Kaderveränderungen mitreden durfte. Wie jeder Trainer, der mitten in der Saison übernimmt, muss er in erster Linie die Missstände verwalten. Zudem sind ihm die Hände gebunden, weil der Kader zu dünn besetzt und sehr verletzungsgeplagt ist.

Klinsmann als Sportdirektor? Jein! Ja, weil dieser unerträgliche Reschke von der Bildfläche verschwinden würde, nein, weil wir nach Heldt, Bobic, Dutt und Reschke wieder jemanden auf den elementar wichtigen Posten hieven würden, der ein solches Amt noch nie bekleidet hat. Wir verstehen uns zwar als Ausbildungsverein, aber doch bitte nicht auf den Führungspositionen!

Bliebe noch Klinsmann für Dietrich. Auch das würde ich sofort unterschreiben, weil Klinsmann ein Sympathieträger wäre, der den VfB nach außen gut repräsentieren würde. Die Außendarstellung derzeit ist katastrophal, schon alleine deshalb würde Klinsmann dem VfB gut tun. Zudem hat Klinsmann das Zeug zum Reformer und könnte dem VfB wieder eine Identität verschaffen, die uns derzeit abgeht. Dass es jedoch soweit kommt, ist schon deshalb utopisch, weil Dietrich den Sonnyboy wohl hauptsächlich gerne auf den Wasen locken würde, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und weiter wie bisher machen zu können.

Daher glaube ich weder, dass Dietrich seinen Posten freiwillig vor Ende seiner Amtszeit räumen wird und auch nicht, dass er Reschke entlassen und sich damit die Blöße geben würde, eingestehen zu müssen, dass Reschke, für den Schindelmeiser weg musste, ein riesiger Fehler war.

Denkbar wäre es, dass Dietrich Klinsmann als Sportdirektor installiert und Reschke ins zweite Glied als Kaderplaner zurückversetzt werden würde. Dann aber, ich habe es angesprochen, hätten wir erneut einen Sportdirektor ohne Erfahrung und einen schlauen Herrn Reschke im Hintergrund, der nicht nur den Trainer sondern auch Klinsmann mit schlauen Ratschlägen beglücken würde.

Für mich ist jede dieser Konstellationen problembehaftet und ich glaube auch nicht, dass sich Klinsmann darauf einlassen würde. Er wird einen Machtanspruch mitbringen und gestalten anstatt sich ein- bzw. unterordnen zu wollen. Ihm dürften die Türen in Fußball-Deutschland ohnehin offen stehen, so dass ich denke, dass seine Verbundenheit zum VfB allein nicht ausreichen dürfte, ihn zurück an den Neckar zu lotsen.

Matthias Sammer, Eurosport-Experte beim Spiel gegen die Eintracht, war (wie wir alle) entsetzt von dem, was er zu sehen bekam. Er meinte unter anderem:

“Die meisten – nicht alle – haben nicht die notwendige körperliche Verfassung. Wenn das reguläre Training nicht reicht, muss ich als erfahrener Profi abends meine Turnschuhe anziehen und mir die Füße wund laufen. Wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, dann arbeiten Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha – die arbeiten [wenn sie körperlichen Rückstand haben,] als gäbe es kein morgen. Wenn die körperliche Verfassung nicht stimmt, wird nie, nie etwas funktionieren.”

Dass Sammer das nicht nur so hingesagt hat, sondern als aktiver Profi selbst mit gutem Beispiel voranging, belegt eine Anekdote aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wohnte damals nur wenige Meter von meinen Eltern in Remseck-Aldingen entfernt und war oft am Neckar zwischen Hofen und Aldingen beim Joggen anzutreffen. Als er dieser Freizeitbeschäftigung eines Tages auch in Neckarrems nachging und sah, dass auf dem Sportplatz Fußball gespielt wurde, fragte er höflich, ob er mitspielen dürfe. Dann verstärkte er die ortsansässige A-Jugend in einem Kick gegen die AH, der mein Vater angehörte und hatte großen Spaß dabei.

Ob es diesen Ansporn und diese Lust sich zu bewegen beim Großteil der heutigen Generation noch gibt, wage ich zu bezweifeln. In der jetzigen Situation wäre es für jeden Einzelnen angebracht, mehr als das Nötigste zu tun, um ein Level zu erreichen, mit dem man in der Bundesliga wieder konkurrenzfähig ist. Diese Konkurrenzfähigkeit sehe ich nicht, im Gegenteil, ich bin überzeugt davon, dass das Pokal-Aus in Rostock kein Zufall war und wir auch heute noch gegen jede Drittligamannschaft den Kürzeren ziehen würden, weil es einfach an allem fehlt.

Unseren Nationalspielern wäre es anzuraten, auf ihre Berufung zu verzichten und stattdessen die 13 Tage zwischen Nürnberg und Leverkusen zu nutzen, für den Verein, der sie fürstlich bezahlt, 24 Stunden am Tag da zu sein und Defizite aufzuarbeiten.

In dieser Verfassung sehe ich selbst für Nürnberg schwarz, und erst recht für die darauf folgenden Begegnungen. Wenn es „normal“ läuft und Weinzierl nicht das Unmögliche schafft, im laufenden Spielbetrieb das Team fit zu bekommen, könnten diese fünf Punkte unsere Marke zur Winterpause sein, was fast schon gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre. Dieser wäre hausgemacht und wir stünden vor dem nächsten Neubeginn. Da die Ausgliederungsmillionen größtenteils in alternde Ex-Größen ohne Wiederverkaufswert investiert und somit verbrannt wurden und wohl jeder, der ein paar Euro einbringt, verkauft werden würde, mag ich mir heute die Situation im Sommer noch überhaupt nicht ausmalen.

Ein Jammer, wie man durch Lügen, Intrigen und falsche Personalentscheidungen nach dem Aufstieg so schnell so tief fallen konnte und dass es im Verein noch immer kein Regulativ gibt, welches Fehlentwicklungen schon im Ansatz anspricht und nicht hinterher erst auf schlau macht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Trotz meines Pessimismus bin ich auf Nürnberg gespannt. Bis zum Frankfurt-Spiel war ich noch der Auffassung, dass es unser Glück sei, dass es Vereine wie Nürnberg und Düsseldorf gibt, die man auf jeden Fall hinter sich lassen könne.

Dieser Meinung bin ich nach dem Debakel gegen zugegebenermaßen sehr starke Frankfurter nicht mehr. Ich hoffe, das Team straft mich Lügen und dass wir doch etwas Zählbares aus dem Frankenland mitbringen, allein, mir fehlt der Glaube.

Ich kann Fußball schauen, was ich will, ich sehe derzeit keinen uninspirierteren, langsameren und mit mehr Anfängerfehlern gespickten Fußball wie den vom VfB, so dass ich mir die Wende zwar wünsche, jedoch nicht mehr (so früh) an sie glaube.

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